Mittwoch, 25. Januar 2012

Sieg oder Niederlage?

Mitt Romney und der  unstillbare Hass der Evangelikalen Amerikas auf  "Mormonen"

Kurze Zeit vor der Nominierungswahl in South-Carolina versammelten sich 120 Pastoren dieses Bundeslandes, dessen Landes- und Parlamentsfahnen immmer noch die beiden Hauptelemente der Flagge der konföderierten Staaten zeigen, jener, die im Sezessionskrieg (1861-1865) gegen die Absicht der Zentralregierung kämpften, der Sklaverei ein Ende zu bereiten.
Das Anliegen der Prediger war klar: dem “Mormonen” Romney muss  am 19. Januar 2012 eine Niederlage zugefügt werden.
Egal ob Rick Santorum oder Newt Gingrich in Südkarolina gewinnt, nur nicht den Mann wählen von dem schon der namhafte Bill Keller im Jahr 2008 sagte:“A vote for Romney is a vote for satan” (1)



Spätere Historiker werden eine Analyse der Predigttexte aus diesen denkwürdigen Tagen der letzten beiden Wochen vor der Wahl erarbeiten.
Wir wissen nur, dass “Mormonismus” allen Baptisten der USA, insbesondere denen der “Southern Baptist Convention”, wie ein schwarzes Tuch erscheint, und ganz und gar in diese "Schwärze eingekleidet", ist der Mormone Mitt Romney.
Wenn sie etwas hassen, die Südkaroliner, dann gründlich.
Sie begründen ihren Hass sogar theologisch, allerdings so, als lebten sie und wir noch mit dem Geschichtswissen des 18. Jahrhunderts und nicht mit dem heutigen Erkenntnisstand, der z.B. an portugiesischen und deutschen Universiäten erarbeitet wurde. (2) Für jeden normalen Südbaptisten steht folglich fest: "Mormonen sind gefährlich!"
Solche Denkart gilt besonders für die Ideengeber, die Prediger, als Pflicht.
Die Lehre der ”Mormonen”, dass niemand für seine Dienste in der Gemeinde bezahlt werden darf, und dass es weniger darauf ankommt emotionale Gefühlsausbrüche zu verursachen und zu zeigen, als Vernunft und Wahrhaftigkeit, das stört natürlich, wenn man seinen Lebensunterhalt mit Wortverkündung verdient.
Zudem ärgert viele Baptistenprediger, dass Joseph Smith, um 1820, behauptete, “alle Bekenntnisse der Kirchen” seien in Gottes Augen ein Gräuel. Schlimm und schmerzhaft, wenn das wahr wäre. Also darf es nicht wahr sein.
Geradezu unverzeihlich ist für Evangelikale, dass Joseph schrieb, er habe in seiner himmlischen Vision Gottes Urteil vernommen,  dass alle! Evangeliums - Verkünder (sinngemäß gesagt:) lautstark und pathetisch allzuoft nur leeres Stroh dreschen.( 3)

Wenn man bedenkt, dass um 1862 in den USA ausnahmslos "christlich" geglaubt, gepredigt und "bekannt" wurde, hätte als Folge echter Christlichkeit der Friede gesichert sein müssen.
Dann erschlugen sie sich gegenseitig, zu hunderttausenden, weil die Einen ihre Verfassung ernst nahmen, und die Anderen (die Christen der Südstaaten) meinten: Sklaverei sei vor dem eigenen Gewissen und vor Gott zu verantworten.

(Bild Wikipedia) 13 Staaten (braun dargestellt) setzten sich 1862 von Präsident Abraham Lincoln ab, weil sie dessen Anti-Sklaverei-Politik ablehnten.

Ozeantief ist die Kluft zwischen "Mormonismus"  und südlichem Baptismus, obwohl rein theoretisch eine gemeinsame Plattform besteht.




Als Joseph Smith  sich 1844 um eine Kandidatur zu den anstehenden Präsidentschaftswahlen bewarb, vor allem um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Grundsätze der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu ziehen, verkündete er, er würde aus Mitteln des Landverkaufes und des Kongresses einen Freikauf von Sklaven starten bis der letzte Gefangene frei ist. Er äußerte sich allerdings auch  klar gegen beanspruchte Rechte der Südstaaten Sklaven halten zu dürfen.
Die Sklaven in Washington sind manchmal gebildeter als ihre Herren und mancher schwarze Junge könnte den in den Schatten stellen, dessen Schuhe er putzen und dessen Diener er sein muss.” Oder er sagte:“Eine Stunde wirklicher Freiheit auf Erden ist mehr wert als eine ganze Ewigkeit der Knechtschaft.” (4)

Bereits vor 4 Jahren versuchte Mike Huckabee ehemaliger evangelikaler Pastor und Exgouverneur von Arkansas, gegenwärtig einflussreicher Kommentator bei FOX, im Rennen um die damalige Präsidentschaftskandidatur Mitt Romney u.a. mit der Frage zu blamieren: “Glauben sie jedes Wort das in der Bibel geschrieben steht?”
Wie sollte Romney da mit einem glatten Ja antworten? Sollte er leugnen, dass er nicht glauben kann, Gott habe die Welt in sieben Wochentagen erschaffen? Oder er habe den Menschen aus einem Batzen Lehm geformt und die 180 000 km Blutgefäße (incl. der Kapillaren da hinein transplantiert, nach dem Motto: der liebe Gott kann alles.)?
Mike Huckabbe mischt auch gegenwärtig, wo möglich, kräftig mit.
Gitarre spielen kann er, aber von Geschichte und Theologie der Urkirche hat er kaum Ahnung, das beweist er im Verein mit dem Präsidenten der Predigerseminare der südlichen Baptisten, Dr. Albert Mohler, immer wieder. (5)
Huckabee fühlt sich den Traditionen South Carolinas verpflichtet. Der Kolumnist Christoffer Hitchens bezeichnete Huckabee glatt als „rassistisch und demagogisch“. (5)
Wir können Demagogie ertragen, im Vertrauen darauf, dass es genügend Menschen gibt, die sich ihr eigenes Urteil bilden.
Allerdings fällt es auf die Dauer schwer, Verketzerungen, die  mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit einhergehen, einfach nur hinzunehmen.
Auf diese Weise kam das Mittelalter herauf. Man stelle sich vor irgendwann käme ein Doppelgänger von  Innozenz III. (1198-1216) und würde da "Kirchengeschichte" fortsetzen wo dieser "Weichensteller Europas" aufgehört hat, nämlich bei der physischen Ausrottung  der Waldenser und Albigenser.
Schöpfen wir doch zuerst die Möglichkeiten aus, sachlich klar und grundsätzlich wohlwollend miteinander umzugehen, auch wenn wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Welt wahrnehmen. Was für ein Spaß, zu entdecken, dass Irren tatsächlich menschlich ist.

Quellen:
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(1) (1) Mormons & Romney Presidency “Dangerous” According to Evangelical Author (ReligionDispatches)
(2) Gerd Skibbe “Vom Fisch zum Kreuz”, 2011 (35 Seiten u.a. Informationen zum Thema sind kostenlos im Internet abrufbar)
(3) Joseph Smith – Lebensgeschichte wörtlich: “jene Glaubensbekenner seien alle verderbt”
(4) Prof. John Henry Evans “Das Führertum des Propheten Joseph Smith”, Basel 1947, S.47
(5) Dr. Albert Mohler „Momonism Is Not Christianity“ Blogalogue– Debates about Faith, June 2007 und Gerd Skibbe „Alles war anders“ 2008
(6) Wikipedia













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