Samstag, 1. März 2014

Versöhnung ist angesagt, - trotz theologischer Verwirrspiele und evangelikalem Starrsinn




Vier Ereignisse verdienen gewiss Aufmerksamkeit.



1.) Die Veröffentlichung des Buches “Höllenfahrt Christi und Auferstehung der Toten” 2010 durch einen evangelischen Pfarrer mit Lehrberechtigung





Ein verdrängter Zusammenhang

Die Auferstehung der Toten ist in der westlichen Theologie zu einem statischen und passiven Geschehen verkommen.

Ihre Deutung von der Höllenfahrt Christi her lässt sie zu einem dynamischen Prozess werden. Christus als Überwinder der Hölle wird zum Wegbereiter postmortaler Vervollkommnung mit dem Ziel der Versöhnung aller Geschöpfe in Gott.

Historische und systematische Analysen zeigen, dass die Höllenfahrt als Hauptstück altkirchlicher Theologie zu Unrecht verdrängt wurde. Verstanden im Kontext der Jenseitsreise zeigen paranormale Phänomene wie Nahtoderfahrungen ihre Aktualität.”



Das Buch besticht nicht nur durch das Gesamtkonzept

einer umfassenden theologischen

Aufarbeitung der NTE-Problematik, sondern

auch durch präzise ausgearbeitete Einzelheiten

(wie die Auseinandersetzung mit Kant).” Prof. Dr. rer. nat. Günter Ewald (1)



Ungewollt rechtfertigt Felix Gietenbruch “Mormonismus” während er zugleich dem Hauptstrom der Theologie widerspricht.
    2.) Der Origenesartikel von F.H. Kettler im Handwörterbuch für Theologie... widerspiegelt im wesentlichen die Basislehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. (2)
    Hinzu kommt, dass die Rehabilitierung des Origenes (185-254) durch die kath. Kirche zu erwarten ist, nachdem schon Kirchenhistoriker Hertling um 1948 formulierte:
    Origenes hatte niemals die Absicht von der Lehre der Kirche abzuweichen.“ (3) 

    Papst Benedikt XVI. empfahl in seiner Generalaudienz am 25. April 2007 die Rückkehr zu Origenes:
     
    Ich lade euch dazu ein... die Lehre dieses großen Meisters (Origenes) im Glauben in euer Herz aufzunehmen.“

    Bereits 20 Jahre vor dem origenesfreundlichen Statement des Papstes hatte
    Kardinal Urs von Balthasar erklärt:
    Origenes und seine Bedeutung für die Geschichte des christlichen Denkens zu überschätzen ist kaum möglich.“ (4)  

    3.) Die Vergottungslehre der „Mormonen“ wird in theologischen Aufsätzen sachlich zu Unrecht als schriftwidrig usw. abgelehnt. Offenkundig ist selbst in Fachkreisen kaum bekannt, dass Martin Luther anderer Meinung war.

...das Wort der Theosis (deificatio) (kommt) öfters bei Luther vor als der Hauptbegriff seiner während der berühmten Heidelberger Disputation (1518) formulierten Heilslehre nämlich die theologia crucis. „Wenn in Luthers Epistelkommentaren und Weihnachtspredigten die inkarnatorische Wahrheit auf besondere Weise zum Ausdruck kommt, dann meint er ähnlich wie die orthodoxe Heilslehre die reale Teilhabe an der Gottheit Jesu: ,,Wie das Wort Gottes Fleisch geworden ist, so ist es gewiß notwendig, daß auch das Fleisch Wort werde. Dann eben darum wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit anderen Worten: Gott wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde.” (5) 

4.) Mit der Analyse des finnischen evangelischen Theologen Heikki Räisänen der „Inspired Version“, liegt seit dreißig Jahren eine Arbeit vor, die Joseph Smiths Eingriffe in die Texte der King-James- Bibel, rechtfertigt. (6) 



Zudem schreibe ich nicht, um anzuklagen und schon gar nicht um zu verurteilen, sondern nur um eventuell Nachdenklichkeit zu wecken, ob es wahr sein könnte, dass es beides gab:

sowohl den “großen Abfall” von dem Paulus sprach und den er voraussagte (7), samt seinen verheerenden Folgen, sowie die Wiederherstellung, indem Gott die Kirche Jesu Christi der HLT durch sein Eingreifen erneut ins Leben rief.

Beides darf bestritten werden, die überprüfbaren Fakten nicht.



Saladin der muslimische Sultan ruft in Lessings Schauspiel aus:

So gewiß ist Nathan (der tolerante Jude) seiner Sache? Ha! das nenn ich einen Weisen! Nie die Wahrheit zu
verhehlen! für sie alles auf das Spiel
zu setzen! Leib und Leben! Gut und Blut!”



Es kann nur um die ganze Wahrheit gehen.

Sobald jemandem die Tatsache des Falls der Kirche aus der Höhe eines unschuldigen Christentums, in die Niederungen von innerkirchlichem Mord und Totschlag bewusst wird, müssten sich ihm schwerwiegende Fragen stellen. Darunter ist diese: ob eine vollständige Restauration des Originals allein durch Menschenkunst möglich wäre, zumal mit diesem Sturz ein unübersehbarer Autoritäts- und Legitimationsverlust einherging!



Katholiken bestreiten die Notwendigkeit einer Wiederherstellung, pflichtgemäß. Es habe seitens ihrer Kirche zwar schwerste Verfehlungen gegeben, und demzufolge wurden Legitimationen gelegentlich durch Päpste missbraucht, doch im Ganzen blieben sie erhalten, weil es zu allen Zeiten auch tadellose Priester gegeben hat. In der Tat, es gab sie, diese Idealisten. Also gab es keinen Abfall von Christus, sagen sie, als ob durch Sagen und Legenden je die Wirklichkeiten zutreffend beschrieben wurden.



Der ganze katholische Leib war vom Krebs zerfressen, als Luther und der englische König Heinrich VIII. in diesen Körper, wenn auch unterschiedlich motiviert, hineinstachen. Diese beiden Männer haben ungewollt jene Radikalkur ausgelöst die den von Unmoral, Aberglauben und Heuchelei verdorbenen Organismus retten sollte: die Gegenreformation. Diese allerdings kam nicht von ganz oben, etwa vom Papst oder der Kurie, sondern von Leuten wie dem Bäckerssohn Khlesel und von den Jesuiten.



Wikipedia: Melchior Khlesel (1552-1630) Bischof von Wien u.a. Kanzler Kaiser Matthias





Der Katholizismus wäre ohne radikale Änderung gewisser Praktiken vom Erdboden verschwunden.

Die Verkommenheit des Gesamtsystems hatte damals, vor allem mit der Behandlung sogenannter Ketzer, dem Wallfahrtsgeschehen, der Reliquienverehrung, dem Ablasshandel  usw. seinen Höhepunkt erreicht.

Das heutige römisch-katholische Imperium kann nicht mit dem Scheusal verglichen werden, dass es um 1500 gab, das nicht nur jedes Ansehen verloren hatte sondern ebenso, gemäß allen Vernunftsgründen, jeden Grad der Ermächtigung mit dem Jesus das oberste Leitungsgremium seiner Kirche ausgestattet hatte.



Dennoch verweisen seine Verteidiger, als wäre nichts gewesen, auf das Papstwappen und behaupten: Petrus hat uns die Schlüssel des Himmelreichs gegeben, niemand nimmt sie von uns.

So?

Und was hatte und hat Christus dazu zu sagen, verglich er Gott nicht immer wieder mit irdischen Vätern?

Welcher Vater überlässt seinem Kind weiterhin die Schlüssel und das Erbe des Hauses, nachdem diese Göre alles auf den Kopf gestellt hat und elterliche Vorschriften mit Füßen trat?



Sie reden sogar von apostolischer Sukzession, als wäre dies und das Felsenamt, wie es der jeweilige Papst wahrnimmt, echte Hauptstücke ihrer Religion.



Entweder nehmen wir den atheistischen Standpunkt ein, es sei alles Menschenwerk, - dann, natürlich wäre alles was gefällt erlaubt, - oder wir glauben, dass es einen Gott gibt, der sich in dem von ihm selbst gesetzten Rahmen bewegt, und der auch uns nicht gestattet diesen Rahmen zu sprengen. Er versprach uns zu helfen, wenn wir ihn darum im Glauben bitten. ER kann aber andererseits nur bedingt eingreifen, weil er sein Wort gab, unsere Entscheidungsfreiheit niemals anzutasten.



Dies war urkirchliche Lehre:



Gottes Pädagogik und der freie Wille (der Menschengeister) der Logika, die Gott nur durch Erziehung fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind die eigentlichen Pole des origenistischen Systems.” (8)


Das „originistische System war aber nicht mehr und nicht weniger als das Lehr- und Glaubens- „System“ der Urkirche!



Das Lehrgebäude, wie es Origenes (185-254) zusammenfassend beschrieb, war das in dem die Bischöfe, deren Ältestenkollegien und die Mitglieder sich zuhause fühlten, es war der Christenglaube seiner Zeit, auch wenn es Details bei Origenes gibt, die auf jeden Fall von der Kirche Jesu Christi der HLT nicht mitgetragen werden, so, wenn er das Treffen Mose mit Gott im brennenden Busch als „Alteweiberfabel“ in Frage stellt u.a.

Vor allem sind es diese Lehren des Origenes (und z.T. des Arius) die mit „Mormonismus“ übereinstimmen (9):



  • alle Menschen die zur Familie Adams gehören hatten ein vorirdisches Dasein
  • es gibt zwei unterschiedliche Bereiche der Schöpfung, zuerst die geistige, dann die materielle,
  • alle Logika (Engel, Menschen und Dämonen sind von gleicher Natur, ihre Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden. Mormonen glauben dass einige Intelligenzen mit Luzifer dem Plan Gottes widersprachen, keinen Zwang zur Erlösung anzuwenden.
  • der (Sünden-) Fall ist das bewusste Fortgehen der Geister aus dem Vaterhaus
  • die Unantastbarkeit des Individualrechtes,
  • die Lehre von der Vergottung der Gehorsamen,
  • die Gnadenlehre ist synergistisch ... zwar sind alle Geschöpfe ganz auf Gottes angewiesen, eigene Anstrengungen werden durch seine Gnade weit überwogen. Aber die Vorsehung hat alle Regungen des freien Willens vorausgesehen und eingeplant, und sie werden gerecht vergolten!“ (Kettler)
  • dass Christus dem Vater nachgeordnet ist. „Er ist dem Vater nur „gleich“ im Sinne von „ähnlich“.
  • Die „sechs Schöpfungstage werden als Äonen verstanden“
  • durch die Kunst seiner Pädagogik“ (Kettler) wird Gott seine Geschöpfe dahin bringen „dass sie dem Guten beständig anhängen“
  • Hölle ist ewig, jeder Aufenthalt in diesem Gefängnis ist jedoch begrenzt
  • Origenes Allversöhnungslehre (apokatastasis) hat ihre Entsprechung in der Offenbarung von den drei unterschiedlichen Herrlichkeiten in Lehre u Bündnisse 76
  • alle Logika (Geister) werden am Ende jeder Weltperiode einem Weltgericht unterworfen, wobei einem jeden alle (nichtbereuten) Sünden „schlagartig“ ins Bewusstsein gerufen werden.
  • Eigentlicher Gegenstand der Anbetung soll nur der Vater sein
  • keine Seelenwanderung (Kettler)
  • Mose, Samuel und alle Propheten sind in den Hades hinabgestiegen und haben dort gepredigt! (Homilie zu I Reg28)
  • alle Menschenseelen sind in den Augen Gottes kostbar



Wenn es diesen Gott gibt, den Jesus uns vor Augen gestellt hat, den man um das Brot bitten darf, nach dem unser wahrheitsbedürftiger Geist hungert, der es gerne gibt, nachdem wir angeklopft haben, dann war vom Beginn des Verfalls der Kirche an, nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass dieser um uns bemühte Gott sich zu gegebener Zeit, ein geeignetes Instrument suchen würde um eine Gesamtreparatur durchzuführen. Das nämlich hat er im Alten Bund immer getan, er, von dem geschrieben wurde, er sei derselbe, heute gestern und ewiglich.



Namen sind Schall und Rauch. Doch ein Mann vom Charakter und Wesen Joseph Smiths könnte - wie einst Jeremia, (10) schon vor seiner irdischen Geburt auserwählt - den Anforderungen entsprochen haben, als mitdenkendes Geschöpf gemäß der erhebenden Absicht des Schöpfers willentlich zu funktionieren.



Wenn wir hinschauen, wird schnell deutlich, dass nahezu jeder Offenbarung, die Joseph empfing die eigene Denkarbeit und seine Antwortsuche vorausgingen. Joseph las die Bibel und verglich die Texte mit den traditionellen Deutungen.

Zu den schwerwiegenden Andersdeutungen gehört Josephs Hinweis, dass der Herr seine Kirche niemals auf Menschen bauen wird, - wie die römisch-kath. Kirche meint, indem sie auf Petrus als “den Felsen” verweist, “auf den Christus seine Gemeinde baut” - sondern, dass alleine fortlaufender Weisungsempfang (Offenbarung) das Abgleiten in Gelehrtenstreit und Irrtümer schwerer Art verhindern kann. Petrus wurde sehr wahrscheinlich auf seine Gebete hin, vom Himmel offenbart wer Jesus ist. Er lernte durch Jesu Erläuterung, dass, sobald es die Kirche Gottes betrifft, die ständige Verbindung zwischen Himmel und Erde unverzichtbar ist. Kein Mensch könnte Vergleichbares leisten.

Der Text steht im Evangelium des Matthäus 16:





Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei?

16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!


17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jona's Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen (der Offenbarung) will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

19 Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.””



An eben dieser Stelle kommt die positiv wirkende Wucht des “Mormonismus” zum Ausdruck, so wie andererseits die Schwäche der umgekehrten Deutung. Wenn es die Kirche Christi ist und wenn zugegeben wird, dass er “zur Rechten des Vaters sitzt”, dass er da ist und nicht tot, dann muss er immer mitreden dürfen, sobald er darum gebeten wird.

Wie hoch die römisch-katholische Kirche die Petrus übertragenen Schlüsselvollmachten einschätzt, und, dass sie es als Selbstverständlichkeit betrachtet, die rechtmäßige Erbin dieser Schlüssel zu sein, das macht sie an jedem Bischofshaus in vielen Kirchen und vor allem im Papstwappen fest.



Bild: Wikipedia
Goldener Schlüssel bedeutet das höhere,
der silberne Schlüssel symbolisiert das niedere Priestertum



Die Berechtigung der Idee, dass Missachtung der Christusweisungen zu Legitimationsverlust führen muss, kann jedoch nicht auf Dauer ignoriert werden. Denn es geht um die ganze Wahrheit.

In seiner Ringparabel gibt Lessing einen bedeutenden Prüfstein:

Der … Ring von unschätzbarem Wert
aus lieber Hand besaß... die geheime Kraft,
vor Gott
und Menschen angenehm zu machen
, wer
in dieser Zuversicht ihn trug.“

Wahre Religion wird, nicht nur nach Lessing, an ihrer Toleranz erkannt, sowie an ihrer Fähigkeit und Kraft „vor Gott und Menschen angenehm zu machen.“

Der echte Ring verleiht eben auch Legitimation.

Er ließ den Ring von seinen Söhnen dem geliebtesten;
und setzte fest, daß dieser wiederum den Ring von seinen Söhnen dem vermache, der ihm der liebste sei; und stets der liebste,
Ohn' Ansehn der Geburt,
in Kraft allein
des Rings, das Haupt, der Fürst des Hauses werde.

Versteh mich, Sultan...“

Die von ihrer offensichtlichen Herrschsucht getriebenen jeweiligen Besitzer des Lateranpalastes wollten die Rechtsansprüche Jerusalems zunichte machen. Später kämpften sie gegen Antiochia, Alexandria, Jerusalem und Konstantinopel um die Macht. Römische Bischöfe kämpften, spätestens seit Damasus, mit allen Mitteln und um jeden Preis darum Erster „Fürst im Hause“ des Christentums zu werden.



Doch diese Herren waren weder tolerant noch besaßen sie die Kraft die vor „Gott und Menschen angenehm macht“.

Je mehr sie sich von diesen Idealen entfernten, umso heftiger beriefen sich die vermeintlichen Ringbesitzer auf Dokumente die scheinbar den göttlichen Ursprung ihrer Legitimation bekräftigen sollten. Bezeichnend ist, dass der bis dahin blutigste aller Herren der römischen Kirche, Damasus, um 366 auf den Gedanken kam, „Petrus“ zum Felsen der Kirche zu erklären. Dabei kam ihm zugute das Kephas, der andere Name für Petrus, Fels bedeutete.

Nachweislich haben nicht wenige Fälscher ebenso bedenkenlos wie fleissig daran gearbeitet den Liber Pontificalis, das Papstbuch, im Sinne des Damasus zusammenzustellen. Gutgläubige verlassen sich immer noch darauf, dass dieses Werk die apostolische Sukzession beweise.

Selbst wenn die Beweislage zugunsten Roms sachlich eindeutig wäre, ein formal erfolgter Schlüsselempfang sagt noch gar nichts über die moralischen Qualitäten aus, die ein „Stellvertreter Christi“ vor Amtsausübung erworben haben und dann bewahren muss.

Doch wie die Geschichtsforschung zeigt ist das um 530 entstandene Papstbuch eine Skizze ohne Wert:

Linus soll der Nachfolger Petri im Felsenamt gewesen sein. Einen Beleg dafür, dass er von Petrus zu seinem Nachfolger ordiniert wurde gibt es nicht. Ob es je im Rom des 1. Jahrhunderts einen Bischof dieses Namens gab ist ungewiss.

In der offiziellen Papstliste erscheint er dennoch an 2. Stelle hinter Petrus.

Amtlicherseits wird zugegeben: “Linus Historizität ist nicht gesichert".

Was ist der Anker (der Legitimation) wert, wenn die Kette zum Kirchenschiff zu ihm keine Verbindung hat, weil ein verbindendes Glied fehlt?

Es ist belanglos ob ein Glied oder viele fehlen, und in der Tat, es fehlen sehr viele.

Unbestreitbar ist zudem, dass in den ersten 200 Jahren in anscheinend keiner Gemeinde außer in Jerusalem und Antiochien von apostolischer Sukzession, die Rede war. Es gibt auch kein Dokument oder realen Hinweis, die belegen, Petrus hätte eine Zeitlang in Rom sein Amt als Präsident oder Bischof der Kirche ausgeübt.

Es handelt sich nur um Wunschdenken.

Dritter “Papst” war angeblich Anaklet. Doch amtlich formuliert heißt es ebenfalls: "Historizität ist nicht gesichert.”


An vierter Stelle steht im Liber Pontificalis Clemens I., amtlich verlautet:
"Die Daten sind nicht gesichert.”

Schlimmer, hier ist Betrug im Spiel! Prof. Hans Küng der vielleicht bekannteste katholische Theologe der Neuzeit, dem 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis (Missio canonica) entzogen wurde, weil er der kath. Lehre von der Unfehlbarkeit widersprach und Statements wie dieses, mit Blick auf die apostolische Sukzession abgab:



Die historische Forschung hat... gezeigt, dass die Päpste

gerade seit dem 5. Jahrhundert mit ausgesprochenen Fälschungen ihre Macht entschieden erweitert haben...Eine Nachfolge Petri durch den Bischof von Rom sieht (Papst) Leo (440-461) begründet in einem Brief des Papstes Clemens (50-101) an den Herrenbruder Jakobus (wahrsch. 3 - nach 62) in Jerusalem: demzufolge habe Petrus in einer letzten Verfügung Clemens zu seinem alleinigen legitimen Nachfolger gemacht. Doch der Brief ist eine Fälschung vom Ende des 2. Jahrhunderts.(11)



Der nächste angebliche Petrusnachfolger soll an
5. Stelle Evaristus gewesen sein. Amtlichlicherseits wird erklärt:
"Evaristus Daten sind nicht gesichert"
6. Alexander, amtlich:
"Die Daten sind nicht gesichert"
7. Sixtus, amtlich:
"Keine Daten vorhanden"
8. Telephorus um 125?
9. Hyginus, amtlich:
"Die Daten sind nicht gesichert"
10. Pius I., amtlich.
"Keine Daten vorhanden"
11. Anicetus, amtlich:
“unglaubwürdige Daten"
12. Soterus um 165? amtlich:
“unglaubwürdige Daten"
13. Eleutherus, amtlich:
“unglaubwürdige Daten"
14. Victor I., amtlich:
“unsichere Daten"

Das “Ökumenisches Heiligenlexikon” schreibt über Victor I.:

Er war römischer Bischof von 189 bis 199.“

Aber was sagt das? Um 200 muss es in der Stadt Rom bereits mehr als zehn Gemeinden gegeben haben, denen jeweils Bischöfe (Gemeindevorsteher) dienten. Also war Victor I. ein römischer Bischof unter mehreren gewesen. Es ist eine unbeweisbare Behauptung und unlogisch zugleich, dass jeweils nur ein Mann Bischof von Rom gewesen sei.

Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853, erwähnt:



wir wissen aus Optatus, dass um das Jahr 311 einige 40

Basiliken (Gemeinderäume G.Sk.) in Rom waren“



Da bisherige Grabungen überhaupt keine Hinweise für eine einzige Basilika vor der Konstantin-aera in Rom liefern, könnte es in Rom, schon wegen seiner Ausdehnung auf ca. 1 000 Quadratkilometer durchaus 40 kleinere Gemeinden gegeben haben, die sich wahrscheinlich in gemieteten Räumen, vielleicht sogar in Holzbaracken versammelten.



Während sich früher die Christen, als ihre Gemeinden noch klein waren, in Privathäusern zum Gottesdienst zusammenfanden, war dies im Anfang des III. Jahrhunderts anders geworden. Jetzt hatte fast jede größere christliche Gemeinde ihr eigenes Gotteshaus... Wir werden uns zu Hippolyts Zeit (um 220) diese Kirchen noch aus Holz gefertigt oder als große Räume ohne Seitenschiffe, Säulenreihen u. dgl. zu denken haben. Achelis geht entschieden zu weit wenn er sich die gottesdienstlichen Gebäude schon im zweiten Jahrhundert als Basiliken vorstellt. Wie primitiv noch die Gotteshäuser im Anfang des III. Jahrhunderts waren, können wir am besten aus dem Bericht des Lampridius, vita Alex. 49, g entnehmen. Danach bewarben sich unter Alexander Severus (im Jahr 230) die Christen um einen öffentlichen Raum, auf den nur noch die Garköche Anspruch erhoben.“ (12)





Selbst in Rom ...mit dem absolut größten Anteil von Christen an der Bevölkerung lässt sich bis heute kein einziger christlicher Versammlungsort für die Zeit vor der konstantinischen Wende (um 325) nachweisen ....” (13)


Dass die Zahlen zwischen 10 bis 40 vorkonstantinischen stadtrömischen Gemeinden der Wahrheit nahe kommt geht auch aus dieser Information hervor:

Für das Jahr 250 wird die Anzahl 100 italienischen Bischöfe angegeben.“ (14) 


Fünfzehnter der ominösen Liste soll Zephyrinus gewesen sein. Es sind jedoch drei Päpste, drei römische Bischöfe die zeitgleich um 217...220 möglicherweise um eine Art Vorrang gegenüber anderen Bischöfen der Stadt Rom gerungen haben könnten. Genaueres weiß man bis heute nicht. Die Namensträger zählen zu den Heiligen (heiliggesprochenen), da sie im Liber Pontificalis geführt werden. Bis Felix III. 526 gelten alle angeblichen Päpste als Heilige, gleichgültig ob sie den ihnen nachträglich zugewiesenen Platz je eingenommen, ob es sie überhaupt gab und welche Vita sie hatten.

Das Nichtwissen um innerkirchliche Verantwortlichkeiten und Ränge wird jedoch erst im 9. und 10 Jahrhundert zum absoluten Chaos. Selbst der berühmte katholische Historiker Ludwig Hertling, der mit Imprimatur des Vatikans schreibt, kommt nicht umhin zu sagen:



Nach dem Tod des Papstes Johannes VIII. (882) … beginnt ... das Saeculum obscurum, das dunkle Jahrhundert... in Rom herrschte ständiger Bürgerkrieg...zwischen Gegnern und Anhängern des Papstes Formosus... es waren Raufhändel der römischen Familien, die ihre Mitglieder zu Päpsten zu machen... suchten. Die Verwirrung war so groß, dass wir von manchem dieser Päpste die, oft nur Wochen oder Tage im Amt waren, nur die Namen wissen und nicht einmal immer feststellen können, ob sie rechtmäßige Päpste waren... man kann bezweifeln, ob all diese Päpste lesen und schreiben konnten...” (15)



Wer kann, der möge Nachsicht üben. Allerdings geht es nicht um “Treu und Glauben”, sondern um Fakten.

Nach etwa siebenjähriger Amtszeit gibt “Papst” Zephyrinus 217 auf oder er stirbt.

Auch von ihm weiß man wenig und dieses wenige ist nicht gerade schmeichelhaft:

Joseph Langen schreibt über ihn in „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881:



Wir dürfen die Zeit Zephyrins nicht verlassen, ohne noch einen Blick auf die Persönlichkeit dieses Mannes geworfen zu haben. Er ist der Erste unter den römischen Bischöfen, von dem wir eine Charackterschilderung durch einen Zeitgenossen (allerdings seines Kontrahenten) besitzen. Nach einer Schilderung Hippolyts (Phil. IX, 11) war Zephyrin ein unwissender und ungebildeter Mann, der die kirchlichen Bestimmungen nicht kannte und sich ganz in den Händen des schlauen und boshaften Callistus (seines Nachfolgers im Amt G. Sk.) befand. Dieser vermochte ihn zu allem, (zu bewegen G. Sk.) besonders durch Geschenke, da Zephyrin bestechlich und geldgierig war.”



Allerdings scheint ziemlich sicher zu sein, dass selbst “Papst” Zephyrinus keine Aufwandsentschädigung für seine Leistung erhielt, - obwohl ihm über 200 „Geistliche“ unterstanden, wie Johann J. Ignaz von Döllinger in „Hippolytus und Kallistus“ sagt - denn um 220 beklagte Hippolyt, dass die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer in Rom, ihrem Bischof ein monatliches Gehalt zahlte. (16)

Hippolyt würde sonst, drei Jahre nach Zephyrinus Abschied, nicht gesagt

haben: dies sei „eine gräuliche Neuerung“ (17) ebenda

Überaus verwirrend muss es damals in der ganzen Kirche Roms zugegangen sein. Zephyrinus soll bereits für 200 Geistliche und Kirchendiener (Priestertumsträger, nach “mormonischer Lesart) und für 1500 Arme Sorge getragen haben. (18) 



Alle in einer Holzbaracke versammelt?

Im Kontext bedeutet das, Zephyrinus sei trotz seiner Beschränkungen, in etwa der Erzbischof Roms gewesen - in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entspräche das dem Pfahlpräsidenten der die Aufsicht über mindesten fünf Gemeinden leistet.)

Vielleicht sollte grundsätzlich unterschieden werden zwischen Trägern des Priestertums und Klerikern. Kleriker treten erst im nächsten Jahrhundert auf, nach dem 1. ökumenischen Konzil, 325, von da an sind sie hauptamtliche Kirchenführer.

Priestertumsträger dagegen wirkten ehrenamtlich.

Nun kommt Callixt I. ins Gespräch, ein Mann von dem man mehr weiß, als Fabeln:

Callistus oder Calixtus I. der 16. in der Reihe der angeblichen Päpste war Zephyrinus Nachfolger. Sein bischöfliches Pontifikat dauerte von 217-222. Diese Angabe soll laut L. Hertling sicher sein. Aber

wodurch wurde Callistus bekannt?



Callistus war der Überlieferung zufolge ein von Juden verbannter Sklave, der zunächst mit betrügerischen Bankgeschäften von sich reden machte.

Der erste Gegenpapst der Kirchengeschichte, Hippolyt, erhob sich gegen ihn und beschuldigte ihn... eines unlauteren Vorlebens und der Unzucht. ...

Callistus versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren“ (19)



Ist Callistus heilig weil er



...nachdrücklich versuchte, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren“ ?

Zur selben Zeit wird Hippolyt Bischof der Leiter einer anderen (Zentral-) ?

Gemeinde in Rom, vielleicht war er ein Anwärter auf den Rang eines ‚Erz- oder Oberbischofes’.

Hippolyt sollte Calixtus auf die eine oder die andere Weise überleben, der

um 222 stirbt oder seinen Platz räumen muss. Hippolyt überlebte auch

Urban I. . Ein echter Überlebenskampf. Bemerkenswert ist, dass Hippolyt persönlicher Freund des Origenes war und dass ihm seine Gemeinde ein Denkmal setzte.



Was ist Wahrheit?” fragte Pilatus



Nathan sucht die rechten Worte zu finden wenn er, der tolerante Jude dem Muslimen Saladin darlegen will, dass es schwer ist zu erklären welcher Art das Nebeneinander der drei abrahamitischen Religionen ist. Er selber trachtet ja entschieden danach wahrhaft zu sein.


Und nur von seiten ihrer Gründe nicht.
Denn gründen alle sich nicht auf Geschichte?
Geschrieben oder überliefert! Und
Geschichte muß doch wohl allein auf Treu
Und Glauben angenommen werden? Nicht?
Nun, wessen Treu und Glauben zieht man denn
Am wenigsten in Zweifel?
Doch der Seinen?
Doch deren Blut wir sind? doch deren, die
Von Kindheit an uns Proben ihrer Liebe
Gegeben?
die uns nie getäuscht, als wo
Getäuscht zu werden uns heilsamer war?
Wie kann ich meinen Vätern weniger
Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt.
Kann ich von dir verlangen, daß du deine
Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht
Zu widersprechen?
Oder umgekehrt. Das nämliche gilt von den Christen. Nicht?
Saladin. (Bei dem Lebendigen! Der Mann hat recht.
Ich muß verstummen.)

Nathan.
Laß auf unsre Ring'
Uns wieder kommen. Wie gesagt: die Söhne
Verklagten sich; und jeder schwur dem Richter,
Unmittelbar aus seines Vaters Hand
Den Ring zu haben. Wie auch wahr! Nachdem
Er von ihm lange das Versprechen schon
Gehabt, des Ringes Vorrecht einmal zu
Genießen. Wie nicht minder wahr! Der Vater,
Beteurt' jeder, könne gegen ihn
Nicht falsch gewesen sein; und eh' er dieses
Von ihm, von einem solchen lieben Vater,
Argwohnen lass': eh' müss' er seine Brüder,
So gern er sonst von ihnen nur das Beste
Bereit zu glauben sei, des falschen Spiels
Bezeihen; und er wolle die Verräter
Schon auszufinden wissen; sich schon rächen.

Saladin. Und nun, der Richter? Mich verlangt zu hören,
Was du den Richter sagen lässest. Sprich!

Nathan.
Der Richter sprach: Wenn ihr mir nun den Vater
Nicht bald zur Stelle schafft, so weis ich euch
Von meinem Stuhle. Denkt ihr, daß ich Rätsel
Zu lösen da bin? Oder harret ihr,
Bis daß der rechte Ring den Mund eröffne?
Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
Entscheiden!
Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können!

Nun; wen lieben zwei
Von Euch am meisten? Macht, sagt an! Ihr schweigt?
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach außen? Jeder liebt sich selber nur
Am meisten? Oh, so seid ihr alle drei
Betrogene Betrüger!
Eure Ringe
Sind alle drei nicht echt. Der echte Ring
Vermutlich ging verloren.


Das ehemalige Lehrgebäude ließe sich eventuell mit Hilfe der Geschichtsforschung rekonstruieren, aber das wäre nicht die Wiederbringung des “echten Ringes”!, denn des Originals Autorität wiederherzustellen wäre ein Akt der nur von Gott selbst ausgehen kann.

Nur er kann Wert und Rang erneuern.

Hat er?

Mormonen” glauben, - wer sonst - , dass mit der Ersten Vision die Joseph Smith, 1820, erhielt, die vorausgesagte Zeit der “Wiederherstellung der Kirche Christi” begann und zwar zum Segen und nicht zum Fluch aller Menschen. (20)

Der Prüfstein besteht nicht im Vergleich zu anderen christlichen Religionen, sondern darin ob diese Kirche



...die Wunderkraft (besitzt) beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
das nicht können!



Ist es nicht wahr, dass der verfemte “Mormonismus” in Schrift und Tat lehrt, dass selbst die kleinste Bemühung die von Gutwilligen irgendeiner Religion unternommen wurde, um Gott gemäß seinem Verständnis zu dienen, auch wenn sie aus an sich sinnlosen Handlungen bestand, nicht umsonst war?



Das Buch Mormon betont es unentwegt: 2. Nephi 2: 21-23,26:

Und er kommt in die Welt, auf daß er alle Menschen errette wenn sie auf seine Stimme hören werden; denn siehe, er erleidet die Schmerzen aller Menschen, ja, die Schmerzen jedes lebenden Geschöpfes, sowohl der Männer als auch der Frauen und Kinder, die der Familie Adams angehören.

Und er erleidet dies, damit die Auferstehung allen Menschen zuteil werde, damit alle am großen Tag, am Tag des Gerichts, vor ihm stehen können.

26 Denn das Sühnopfer erfüllt die Forderungen seiner Gerechtigkeit für alle, denen das Gesetz nicht gegeben ist, so daß sie befreit sind von jenem furchtbaren Ungeheuer, Tod und Hölle, … und sie sind dem Gott wiedergegeben, der ihnen Atem verliehen hat, nämlich dem Heiligen Israels”

Im Offenbarungsbuch Lehre und Bündnisse 130: 18 wird deutlich, dass



jeglicher Grundzug der Intelligenz, den wir uns in diesem Leben zu eigen machen, mit uns in der Auferstehung hervorkommen wird .” …

und zwar unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit



Mit Origenes (185-254) glauben “Mormonen” anders als Protestanten, dass



alle Geschöpfe ganz und gar auf Gott angewiesen sind. Eigene Anstrengungen werden durch seine Gnade weit überwogen. Aber die Vorsehung hat alle Regungen des freien Willens vorausgesehen und eingeplant und sie werden gerecht vergolten.(21) 



Wieder wird Gewicht darauf gelegt zu sagen, dass Menschentun entscheidet, nicht zuerst die Wahl der “richtigen” Religion!



Weder der Abfall noch die Wiederherstellung des Verlorenen, wie durch meine Kirche beschrieben sind Fiktionen - nach Lessing geht es in der Tat um den “echten, verlorenen Ring” - und um die ganze Wahrheit, die vor schärfster Kritik bestehen kann.



Trotz aller Feindseligkeiten die von den Großkirchen gegen die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bislang ausgingen, und trotz der Unredlichkeiten die durch einige unehrliche Evangelikale verbreitet werden, besteht die Hoffnung auf Versöhnung der Menschen, nicht allerdings der Ideen.

Zu den großen, wenn auch selten erwähnten Prophezeiungen des Propheten Joseph Smith, die 1843 formuliert wurde gehört diese:


Die Christen sollten aufhören miteinander zu streiten, und sollten statt dessen das Gesetz der Einigkeit und der Freundschaft befolgen. Sie werden es tun, bevor das Tausenjährige Reich eröffnet werden kann...” (22)

Immerhin begann die moderne ökumenische Bewegung erst mit der Weltmissionskonferenz in Edinburgh 1910. Diese Bewegung hat natürlich nichts mit “Mormonismus” zu tun, doch sie ist durchaus als Teil der Einigkeitsbemühungen zu würdigen.

Aufgrund der geschichtlichen Tatsachen ist absolut auszuschließen, dass “Mormonismus” sich anpassen wird. Zu groß sind die Unterschiede, zu unvernünftig die Begründungen der anderen Seite zur Verteidigung dessen was sie für “ihre Sache” halten.

Dass, neben vielen Bewahrenswertem in allen Kirchen, wichtige Aussagen großkirchlicher Theologie grundfalsch sind, wird heftig, - manchmal in unangebracht arroganter Weise - und zu Unrecht bestritten.

Vor allem verkennen viele unserer Kontrahenten, dass keine der um 1830 existierenden Kirchen der Urkirche, samt deren Lehrgebäude, ähnlicher sah als die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Diese Tatsache ist unbestreitbar! (23)

Diese Tatsache ist ein Wunder, sie ist wunderbar!



Quellen:



1.) Felix Gietenbruch, lic. theol. VDM, geboren 1972 Theologiestudium in Basel. Pfarrer in Dürnten ZH.

2.) Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft“, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, 4. Band Kop-O, Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1692 – 1702

3.) Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740, Morus-Verlag, Berlin, S. 27. (mit Imprimatur. Romae, vom 27. Nov. 1981) 

4.) www.origenes.de/Kommentare

5.) Tuomo Mannermaa “Luther und Theosis”, Band 1 Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen 1990, S. 11: “Theosis als Thema der finnischen Lutherforschung…”

6.) „Theologische Literaturzeitschrift“ 109. Jahrgang, Februar 1984 „Joseph Smith und die Bibel“ (ISSN 0040-5671) 

7.) 2. Thess. 2: 3-7

8.)   Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, dritte, Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1692 – 1702

9.) ebenda

10.) Jeremia 1: 5

11.) Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, Berliner Taschenbuch. Die in Klammern gesetzten Zeitangaben wurden von mir zur Information hinzugesetzt

12.) Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts ...nach seiner Kirchenordnung:

13.) Christoph Müller, Inaugural Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg, „Kurialen und Bischof...“ 2003, S. 13

14.) Henry Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter, S. 67 siehe auch Fußnote 172

15.) Hertling Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740, Morus-Verlag, Berlin, S. 27. (mit Imprimatur. Romae, vom 27. Nov. 1981)

16.) Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“

17.) ebenda

18)  Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853

19.)  Ökumenisches Heiligenlexikon

20.) Apostelgeschichte 1: 6 “Herr stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?

21.) Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft“, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, 4. Band Kop-O, Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1692 – 1702

22.) Lehren des Propheten Joseph Smith” erste deutsche Nachkriegsausgabe, Frankf-Main S.218 

23.) Gerd Skibbe blogspot (1) Streifzüge durch die Kirchengeschichte

 


 

 

Mittwoch, 19. Februar 2014

"Alte Ägypter hofften im Tod auf Gerechtigkeit - nicht auf Gnade" Vortrag von Frau Prof. Dr. Schulz

Alte Ägypter hofften im Tod auf Gerechtigkeit, nicht auf Gnade


Prof. Dr. Regine Schulz gab mit ihrer Kanzelrede bei „Andreas um sechs“ Einblicke in die altägyptische Religion.
  Prof. Dr. Regine Schulz sprach bei „Andreas um 6“ über „Tod,   Auferstehung und Ewiges Leben“ im Alten Ägypten








Hildesheim. "Zum Ende des Kirchenjahres hat die Andreas-Kirchengemeinde in der Reihe „Andreas um sechs“ die christliche Hoffnung auf ewiges Leben in einen jahrtausendealten Zusammenhang gebracht: Prof. Dr. Regine Schulz, Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums, hielt die Kanzelrede über das Thema „Tod, Auferstehung und Ewiges Leben im Alten Ägypten“. Der Ägyptologin gelang es mit ihrem Vortrag, einen Einblick in Kultur und Religion des Alten Ägypten zu geben, der auch für das fachfremde Publikum in der Kirche anschaulich und verständlich war.
Den Menschen des Alten Ägypten sei die Frage nach dem Glauben ganz fremd gewesen, erklärte Prof. Dr. Schulz – sie hatten nicht einmal ein Wort dafür. Ihre Vorstellung von der Götterwelt und der Ordnung des diesseitigen und jenseitigen Lebens sei nach ihren Begriffen überliefertes Wissen gewesen, die Wahrheit. Sie fürchteten das Totengericht, denn das Weiterleben nach dem Tod hing vom Wohlverhalten im Diesseits ab. Es gab Hoffnung auf Gerechtigkeit, sagte Regine Schulz, Hoffnung auf Gnade gab es nicht.
Der Maßstab für das richtige Leben sei zusammengefasst im Begriff Ma`at, der sich nicht übersetzen lasse, weil er viele Bedeutungen einschließt: Gerechtigkeit, Ordnung, Weisheit. Die Personifizierung dieses umfassenden Begriffes in der Göttin Ma`at schaffe eine Verbindung zur Person Christi, meinte Superintendent Helmut Aßmann im Gespräch mit der Museumsdirektorin.
Er leitete den Abend als Lektor, schuf einen Rahmen von Liedern und Gebeten zum Thema Tod und Auferstehung. In einem Kurzinterview stellte er der Gastrednerin eigene und von Besuchern notierte Fragen, zum Beispiel die nach ihrer eigenen Jenseitsvorstellung. Sie sei Protestantin, sagte Regine Schulz. Und der festen Überzeugung, dass das Verhalten im Diesseits sich auf das Leben im Jenseits auswirke."


Eben diese Überzeugung ist typisch "mormonisch", aber keineswegs protestantisch. Luther und mit ihm der gesamte Evangelikalismus predigte und predigt exakt das Gegenteil. In Fettschrift verkünden die Experten für Fragen der Erlösung durch Christus:

    "Der Mensch wird aus Gnade selig", alleine aus Gnade. Sola gratia.

Da ist auch nicht der Hauch von differenziertem Seligwerden die Rede, wie bei Origenes (185-254). 
Bei ihm heisst es,  wie bei den alten Ägyptern und wie im Bekenntnis der Frau Museumsdirektorin Prof. Regine Schulz, sie sei
 
 "der festen Überzeugung, dass das Verhalten im Diesseits sich auf das Leben im Jenseits auswirke."

So lehrte Origenes 

 "das die Gnade zwar alles überwiege, dass die eigenen Anstrengungen jedoch gerecht vergolten werden."

Origens hat die "gerechte Vergeltung guter Taten" nicht gelehrt weil das seine Meinung war, sondern Hauptlehre der Urkirche.
Dieses enorm bedeutende Detail der Erlösungslehre Christi, das er in seinem Gleichnis von der anvertrauten Talenten mehr als deutlich machte, wurde Schritt für Schritt von Theologen entstellt.
Wann liebe Mormonenfeinde, werdet ihr aufhören herumzutricksen? Wann werdet ihr zugeben,  dass Euer Irrtum entschieden zu viele Menschen dazu verführte ein lustiges, unbedachtes Jugendleben zu führen, da sie ja durch Gnade errettet würden, wenn sie nur an Christus glaubten, denn er werde sie erretten, rechtfertigen, d.h.  er wird sie von aller Schuld freisprechen, wenn sie nur an diese Zusage glaubten.

Man muss sich die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtferigungslehre" von 1999 gründlich anschauen, um zu wissen, wie sehr die großkirchlichen Theologen, auf das Ross ihrer Arroganz, - auf ihre Gelehrsamkeit - setzten. Christus  selbst lassen die Gelehrten in ihrer Erklärung  nur ein einziges Mal zu Wort kommen und zwar um ihre unerträglich dumme Behauptung zu begründen: Er habe ihnen, - den Wortverdrehern - den Schlüssel zur Sündenvergebung ausgehändigt.

Wenn sich andererseits jedoch die durch und durch vernünftige Überzeugung der Museumsdirektorin durchsetzen sollte,

- dass das Verhalten im Diesseits sich auf das Leben im Jenseits auswirke(n wird) - " 

dann vielleicht wird das überlebte Luthertum den ersten wichtigen, längst überfälligen Schritt zur Versöhnung zwischen ihnen und dem von von ihnen verlachten Mormonismus setzen.