Dienstag, 1. September 2015

Bischof Ambrosius von Mailand, (339-397) Macher der katholischen Kirche




Als die pro-arianische Synode zu Rimini 359 beginnt ist Ambrosius, der spätere Todesfeind des Arianismus gerade zwanzigjährig. Niemand weiß, ob er sich schon in dieser Zeit für die Christen und ihr Evangelium interessierte. Sehr wahrscheinlich nicht. Er ist ein junger, hochbegabter Politiker und Verwaltungsmensch, und als solcher auf dem Wege Staatsdiener zu werden. Lebenslänglich wird er für das Wohl des Staates kämpfen. Selbst als betont athanasianischer Christ wird er in Wort und Tat unentwegt sein Credo verkünden: 


Der Glaube an Gott und die Treue zum imperium Romanum können nicht voneinander geschieden werden...“ Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“



Sonderbar, - dass der römische Staat Instrument der Willensknechtung aller freien Völker Europas ist, stört ihn wenig oder gar nicht.  Zunächst geschehen die Dinge ohne ihn. Sein Kaiser ist Constantius II. (317-361). Dieser herrscht nach dem Tod seiner beiden Brüder alleine wie sein Vater Konstantin über das zuvor dreigeteilte Gesamtimperium und das will er nun arianisch einschwören

 


Bild Wikipedia Aus der Ehe Konstantins mit Fausta gingen drei Söhne hervor, Konstantin II. (316-340), Constans (320-350) und Constantius II. (317-361). Dieser herrscht über den Ostteil des Reiches und ist entschiedener Arianer.

Konstantin II., Herr des Westens, machtgierig wie sein Vater, wollte gegen Bruder Constans Italien erobern. Er wird während des Feldzuges in eine Falle gelockt und fällt nach kurzer Regentschaft. Der triumphierende Constans ist Katholik (Athanasianer) Er übt gegen den Wunsch seines Bruders Constantius starken Einfluss zugunsten der römischen Kirche aus. All ihre Bemühungen Kompromisse zu finden, scheitern.






All das hängt damit zusammen, dass im nunmehr zweigeteilten Reich seines verstorbenen Vaters, die zahlenmäßg rasch wachsende Christenheit des Ostens gemäß uralter Lehrtradition überwiegend arianisch glaubte, obwohl dies infolge des 1. ökumenischen Konzils zu Nicäa, 325, strikt untersagt war.

Constantius II. kannte sehr wohl die Unterschiede zwischen den toleranteren Arianern und den, vom noch agil operierenden Athanasius (296- 373) immer wieder aufgehetzten Katholiken. Auch wenn die Arianer nicht ganz einig untereinander in einigen Fragen theologischer Art waren, neigten sie nur selten zum Fanatismus.

In einigen Städten der Grenzregionen gab es allerdings, abhängig vom Temperament der jeweiligen Gemeindevorsteher (Bischöfe), sowie deren Mitgliedern Demonstrationen pro und contra Athanasius. In einem Bericht heißt es: „Die Marktfrauen Konstantinopel hätten sich gegenseitig die Fische um die Ohren geschlagen. „Homoiusios!“ (wesensähnlich, d.h. Christus sei dem Vater nur ähnlich) „Nein – Homousius!“ (wesensgleich, Jesus sei eines Wesens mit dem Vater.  Pfarrer Ernst F. Klein „Zeitbilder der Kirchengeschichte“

Von den Lesepulten aus (es gab keine Altäre in den christlichen Basiliken damals, ebenso wenig wie Kreuze) wurden dieselben griechischen Worte, die sich nur das I unterschieden, als Kampfparolen ausgegeben, was sich gelegentlich auch in blutigen Straßenschlachten auswirkte.

Des Gezänkes überdrüssig rief der seit 350 alleinherrschende Constantius II. die wortführenden Bischöfe aus den überwiegend athanasianisch eingestellten Gemeinden Italiens und einige Spanier zusammen mit einer Anzahl arianischer Bischöfe, im Jahr 359 nach Rimini  (an der italienischen Adriaküste gelegen). Dort sollten die teilweise sehr heftigen „Katholiken“ arianisch „umgeschult“ werden. Das war und ist allemal machbar. Unter Umständen lassen Menschen sich leicht beeinflussen, auch diejenigen, die so tun als wäre ihre Überzeugung hart und echt wie ein Diamant.

Viele Nationalsozialisten, die vor Hitler demokratisch dachten und sogar eigentlich eher unpolitische Offiziere und Soldaten gingen 1941 für ihren Führer noch durchs Feuer. Vier Jahre später wünschten sie daran nicht mehr erinnert zu werden.

Prof. Hans Lietzmann schildert den Verlauf der Riminisynode lebhaft:



„In Rimini kamen über 400 Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte, von dem nicäischen Bekenntnis nicht abgehen zu können... es kam schnell zu einer Scheidung der Parteien, und die (dem) Kaiser zustimmende Minderheit von 80 Bischöfe(n) verließ die große Kirche und verlegte ihre Sitzungen in einen leerstehenden Saal.

Am 21. Juli 359 wurden Bischof Valens von Mursa, Ursacius und Gaius als Häretiker und Feinde des nicäischen Glaubens verdammt... Beide Seiten schickten je 10 Bischöfe oder Deputierte zum Kaiser. Das Schreiben der (größeren katholischen) Synode lehnte jede Erörterung der gemachten Vorschlage ab und forderte Erlaubnis zur Heimreise. Die kaiserliche Antwort lautete: „Der Monarch sei zur Zeit nicht in der Lage die Deputation zu empfangen... er habe aber angeordnet das die Herren in Adrionopel warten sollten bis er zurückkehre...“

Sie aber drängten, sie müssten zurückkehren... doch sie saßen in Nike einem kleinen Nest bei Adrianopel fest... bekamen fleißig Unterricht über die theologischen Anschauungen Bischof Valens von Mursia, bis sie endlich am 10. Oktober bereit waren, ihren Auftrag zu verleugnen, die Absetzung des Valens und Genossen zu widerrufen, in Kirchengemeinschaft mit ihm zu treten und das vorgelegte Symbol zu unterzeichnen.... Das Aktenstück enthält 14 Namen. Jetzt durften sie zurückreisen und von ihren theologischen und höfischen Erfahrungen berichten. Dort (zurückgekehrt nach Rimini) erfuhren sie auch, der hohe Staatskommissar der Praefectus Praetoriio Taurus, (angewiesen worden sei), die Bischöfe nicht eher nach Hause reisen zu lassen, bis sie sich geeinigt hätten. Als Belohnung war ihm das Consulat des nächsten Jahres in Aussicht gestellt... (wenn alle unterzeichneten) Ein hartnäckiger Rest könne in die Verbannung geschickt werden, es dürften aber nicht mehr als  15 Bischöfe sein... einer nach dem anderen sah ein, dass er eigentlich gar keine Ursache habe zum Märtyrer des nicäischen Bekenntnisses zu werden. Es war ja freilich als Parole ausgegeben worden, aber doch erst seit wenigen Jahren und nur zum kirchenpolitischen Gebrauch: Im kirchlichen Leben des Abendlandes spielte es gar keine Rolle, und wer konnte überhaupt diese griechischen Spekulationen verstehen? Ossius (über einhundertjährig) und Liberius hatten ja schließlich auch mit sich reden lassen, und es werde allmählich kälter und der Heimweg war weit.... (Vielleicht, war einer da, der darauf verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen sich bald von anderen Männern trösten lassen könnten. Sie waren ja fast ausnahmslos Verheiratete. G.Sk.) „Scharenweise wechselten die milde gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20 Aufrechten übrig, aber auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint ist hier der antinizänische Bischof Valens von Mursa G.Sk.) und sie schickten eine Erfolgsmeldung an den Kaiser, sie möchten nun endlich nach Hause entlassen werden.“

Hans Lietzmann, „Geschichte der Alten Kirche“



So nun waren sie alle Arianer!

Athanasius schäumte. „Diesen Wisch von Rimini“ werde er vom Tisch fegen und so sollte es geschehen. 

Die Umstände wirkten zu seinen Gunsten. Als der Kaiser wenig später verstarb, kam bald ein ganz anderer Regent auf. Einer der längst eingesehen hatte, dass Christen sehr zu Haarspaltereien neigten, dass sie bereit waren wegen Nichtigkeiten einander an die Kehle zu gehen. Das wird er, Julian (330-363) unterbinden. Er werde den von den Christen attackierten Juden zu Hilfe kommen und das Heidentum fördern, sowie das sogenannte Christentum beschneiden. Seine Absicht war sogar den jüdischen Tempel zu Jerusalem wieder aufzubauen. (Wäre er nicht zu früh gefallen, und hätte es die grauenvolle Gasexplosion während der Aufräumungsarbeiten am Tempelberg nicht gegeben.)



     
Bild Wikipedia.    Julian (Apostata – der vom chr. Glauben abgefallene) 



Hätte Athanasius (298-373) diese Herren Roms nicht überlebt, wäre Ambrosius wohl nicht zum Zuge gekommen. Eins kam zum anderen.

Die folgenden Kaiser waren sehr mit den Problemen an der Nordflanke des Reiches beschäftigt. Dort drängten vor den Hunnen flüchtenden Ostgoten in Massen ins Reich.
    


 
Bild Wikipedia Fluchtwege der Goten



Die Kaiser  Valentinian und Valens waren uneins in ihrer Betrachtung der Flüchtlingsfrage. Sie suchten u.a. Rat bei Ambrosius von Mailand. Sie selbst bemühten sich offen und tolerant zu sein. Sie sympathisierten mit den Arianer -  und auch viele der gotischen Flüchtlinge waren Arianer.



Ambrosius musste für sich selbst eine Entscheidung treffen. Er hatte die Wahl und wählte antigotisch. Wahrscheinlich entschied er sich jäh, von einem Tag zum anderen, für die katholisch-athanasianische Glaubensvariante. Er sollte mehr als das  „Zünglein an der Waage“ sein. Er brachte sein Schwergewicht zugunsten Roms ins Spiel.

Das hat ihm seitens der Päpste aller Zeiten viel Ruhm eingetragen.

Noch aber, als er um 374 befragt wurde, ahnte Ambrosius nicht, dass er mit seiner Wahl der Verursacher großer Veränderungen und des namenloses Leides hunderttausender Arianer folgender Jahrhunderte sein wird.

Er wird die gesamte römische Welt in die Tiefen der Unkultur stürzen. Er wird das Aussehen der antiken Welt völlig verändern und schließlich zerstören.

Das andauernde Gezänke zwischen den beiden Christengruppen missfiel dem Ordnungsmenschen, natürlich.

Er „...war erst kurze Zeit Statthalter von Oberitalien mit dem Sitz in Mailand, als 374 der dortige arianische Bischof Auxentius starb. Er eilte in die Kirche, um den anlässlich der Bischofswahl heftig entbrannten Streit der Arianer und Orthodoxen zu schlichten, war aber völlig überrascht als er nun von den beiden Parteien zum Bischof gewählt wurde, obwohl er widersprach und noch Katechumene, also noch nicht getauft, war....“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz



Die Arianer glaubten damals noch leichtsinnigerweise, Ambrosius würde auch ihr Existenzrecht verteidigen. Mit gebotener Toleranz könnten sie alle miteinander leben.

Ambrosius sah die sich öffnende Tür zur erstklassigen Führungsposition in der Kirche vielleicht erstaunt. Er erkannte, dass er selbst mit der Kirche an Bedeutung zunehmen wird. Wie Konstantin erkannte er zugleich die Notwendigkeit, diese Kirche zur Einheit zu führen, - und sei es mit Gewalt.  Er dachte in Konstantins Bahnen. Um Reich und Glauben zu vereinen erschien ihm die athanasianische Variante der Kirche als die geeignetere. Monotheismus wurde schon seit langem im nichtchristlichen Rom groß geschrieben. Nachkomme eines der ältesten Adelsgeschlechter des Imperiums ein fähiger Machtmensch, ehrgeizig, geradlinig denkend, sollte und wollte er lebenslänglich bleiben, was er zu Beginn seiner ‚christlichen’ Laufbahn war: ein kalter, eloquenter und konsequenter Weichensteller. Die lapidare Notiz:



„Ambrosius ließ sich von einem orthodoxen Bischof am 30.11. 374 taufen und (am) 7.12. zum Bischof weihen...“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz  

hört sich nur harmlos an.

Vielleicht, - auszuschließen ist es nicht - glaubte auch er zu Beginn an die Möglichkeit eine Kompromissformel finden zu können. Das jedoch war in der Vergangenheit keinem gelungen, es sollte sich auch in der Zukunft als unmöglich erweisen.



Die Arianer ließen in allem mit sich reden, in der Frage, wer Gott ist, nicht. Kein Bekenntnis der Welt konnte die himmlische Realität ändern! Punktum!

Sie beharrten darauf, einen Gott den man sich nicht vorstellen kann, den gibt es nicht.



Auch weil er sich über Justina, die in Mailand residierende Ehefrau Kaiser Valentinians ärgerte, die bekennende Arianerin war, legte Ambrosius bald, zugunsten des Nicänums eine härtere Gangart vor, besonders nachdem sie sehr bald Witwe und damit ziemlich wehrlos geworden war.



Konstantingleich wollte er fortan nur einen Gott anerkennen, wie die alten römischen Kaiser, nicht eine aus drei Persönlichkeiten bestehende Gottheit. Und noch etwas kam zu erheblicher Bedeutung: sein Gott war milde und gut, - jedenfalls zu den Orthodoxen - die sturen Arianer ärgerten ihn.



Noch lässt der brillante Staatsrechtler, Politiker und Athanasianer nicht seine Wut an diesen (bald durch ihn zu Staatsfeinden erklärten) Arianern aus. Stets schwebte ihm Roms Größe vor Augen. So dachte von Anfang an:    was dem Staat dient, dient auch der Kirche und umgekehrt. Er war ganz und gar Konstantinianer. Ein Reich, ein Gott! Nicht anderes!


Wie ungeheuer er mit dieser herzzerreißenden Bestimmung künftiger Religionspolitik irrte, zeigt der Geschichtsverlauf. Intoleranz ist immer unerträglich wie eine schier endlose Folge von Dissonanzen.

Von ihm stammt der deutlich gegen Geist und Buchstaben der Grundsätze Christi zielende Satz: „Wer den Glauben (d.h. das nicänische Bekenntnis) verletzt, bleibt nicht ungestraft.“ Günther Gottlieb, „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“

Er redet auch schon bald so, wie Konstantin. Jede Verkündung aus seinem Mund erschien wie ein Gotteswort.

Er ist der geborene Sieger. Elitär denkend beanspruchte er für sich und die ‚Sache’ von Anfang an Sonderechte. Es ist das willkürlich zu Recht erklärte Unrecht, das er in die Welt setzen wird, denn Jesu umfassende Freiheitsidee die niemanden ausschloss, blieb ihm zeitlebens wesensfremd.

Andersdenkenden Christen und den Paganen aller Spielarten gestand er ein Individualrecht nicht zu. Als Jurist von Format setzte er voraus, dass „Rechtgläubigkeit“ die „Nicht- Rechtgläubigkeit“ nicht zulassen darf..., aber: war  ihm wirklich nicht klar, dass solche Einstellung zum Terrorismus mit all seinen Schrecken führen musste?

Erinnern wir uns: Jesus hatte gegen jedes machtpolitische Kalkül ein für alle Mal verkündet, was sein Evangelium ist: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt! ... Gott hat mich gesandt ...den Gefangenen zu predigen, damit sie frei werden, ... ” Johannes 18: 36 und Lukas 4: 18  

Im Sommer 378 drangen mehr als je zuvor Goten bis an die bewachten Grenzen des römischen Gebietes und es sollte zunehmend heftiger strömen. Damit wird diese Flucht zur Völkerwanderung. Sie hätte auf Europa befruchtend einwirken können, denn wo es Goten gab gedieh, ihrer toleranten Grundhaltung wegen, die Kultur. Kaiser Valens, (328-378) ohnehin einsichtig, auch in Glaubensfragen, erlaubte ihnen die Reichsgrenze zu überschreiten. Zumal die Goten gemeinsam mit den Legionen ihre neue Heimat und ihre gemeinsame christliche Religion, gegen das Hunnenvolk, verteidigen wollten.



„Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten) so nahmen die Kommandeure die Kinder der Goten.“ Das war seitens der Regierung so nicht vorgesehen. Vielleicht waren die Informationen die Valens erhielt gefiltert. Unerwartet stellte er sich nun plötzlich gegen sie.

„Darüber kam es (378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“ Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“

Dass die römischen Kommandeure, die im allgemeinen die Kampfkraft der Germanen schätzten, ihren neuen Verbündeten, wie behauptet wird, die Lebensmittellieferungen sperrten, oder ihnen die Kinder wegnahmen macht keinen Sinn. Angeblich ihrer Kinder wegen oder aus Hunger eine Revolte anzuzetteln konnte sie selbst nur in neue Gefahren bringen. Valens habe die gotische Empörung niederschlagen wollen? So marschierten sie gegeneinander. Aber warum wirklich? Wer hetzte gegen wen? Da sind viele Fragen offen.



Gratian (359-383) wurde zu Hilfe gerufen. Ambrosius riet ihm natürlich gemeinsam mit Valens die Goten zurückschlagen, um sie aus dem Balkangebiet zu verdrängen. Doch die Situation hinderte Gratian daran Valens rechtzeitig die zugesagte Hilfe zu leisten während Valens die Schlacht von Adrianopel verlor. Daraus sollte mehr als eine unglücklich verlaufene Schlacht werden, nämlich ein verlorener Krieg für Rom.

Der Tod Kaiser Valens, der zu den Arianern gehalten hatte, kam den Athanasianern sehr gelegen. Nun war der Weg frei für Gratian den 19jährigen, der Ambrosius glaubte, als Gesamtkaiser zu herrschen. Ambrosius wollte die Goten keineswegs einbürgern. Gratian verstand das nicht. Andererseits schätzte er Ambrosius zu sehr. So plagte ihn sein Gewissen. Er wünschte mit den Goten Frieden zu schließen.

Aber Ambrosius sagte nein!

Ambrosius behauptete, die Goten seien Gottesfeinde. Er war Gratian an innerer Autorität und Intelligenz überlegen. Er warnte ihn eindringlich, viele der Goten seien zwar getauft, doch auf den falschen, den arianischen Glauben verpflichtet. Sie seien ‚christusfeindlich’ eingestellt. Sie seien Feinde Roms. Ambrosius, völlig im Fahrwasser des Athanasius, stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche Lösung des Problems Er wünschte nicht zu denken, dass viele dieser Goten, seine Brüder waren. Hartherzig vertrat Ambrosius von Mailand ein Dogma, das sich bis ins 21. Jahrhundert hinein „retten“ konnte: 

Antinicäner sind keine Christen.

Durch Wulfila, den berühmten Gotenbischof zum Arianismus bekehrt, mussten sie nach Ambrosius Vorstellungen unbedingt durch Gratians Armee geschlagen werden, wenn die Einheit des Reiches Bestand haben sollte.

Wieder und wieder lautete sein Bekenntnis: Ein Reich, ein Gott!

Verunsichert stand Kaiser Gratian da. Vor dem Ausbruch des für ihn ersten Krieges, musste er vor sich selbst verantworten, was zu tun sei. Ambrosius hatte den Finger auf die Wunde gelegt: Innerhalb des römischen Hoheitsgebietes lebten all zu viele nichtgotische Arianer. Wie werden diese Kräfte reagieren? Was Gratian ganz und gar nicht verstehen konnte, warum waren die beiden Christengruppen überhaupt „tödlich“ verfeindet?



Er hatte die Geschichte von der Erschlagung der arianischen Nachbargemeinde des Ursinus durch einen Schlägertrupp des athanasianischen Bischofs Damasus von Rom schon vor Jahren mit großem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen müssen. Damals, 366, war er noch ein Kind gewesen. Doch erst jetzt erschütterte ihn diese Untat. Er hatte alle Ursache weitherzig zu regieren.

Gerade deshalb hatte er, Gratian, in Sirmium sein Gesetz zur „Freiheit aller Glaubensrichtungen“ veröffentlicht.

Und genau das war ein Dorn im Auge Ambrosius. 



Ambrosius entging das Kaiserspiel durchaus nicht. Alles auf eine Karte setzend schrieb er in diesem kritischen Sommer 378, für Gratian zwei Bücher („De fide“) Klipp und klar heißt es da, im Geiste Konstantins und im Sinne Athanasius:



„Die Arianer (Italiens und die Goten G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen!“ Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“  



Er malte Schwarz-Weiß, er entmischte nicht. Untrennbar gehörten für ihn Staat und Kirche zusammen.

Dem jungen Kaiser suggerierte er:

„der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) mehr als die Tapferkeit der Soldaten den Sieg... Ambrosius behauptete: „Jesus Christus soll das römische Heer führen.“



Das klang genau so als hätte er verkündet „Jesus Christus werde das römische Heer führen“.

Welches Bild! Auch Feldherr Hindenburg stellte sich eintausend-fünfhundert Jahre später den lieben Gott als auf einer Wolke sitzend vor, der den deutschen Truppen huldvoll zulächelt, während diese die Söhne und zukünftigen Ehemänner russischer Frauen, allesamt, die einen wie die anderen Christen, in die tödlich-tückischen masurischen Sümpfe treiben.

Ambrosius hätte wissen müssen, mit Jesus dem Fürsten des Friedens und seiner Lehre der Versöhnung hatte sein Treiben nichts zu tun.

Reiner Konstantinismus war das. Angesichts der Tatsache, dass viele Goten sich auf den Namen Jesu Christi hatten taufen lassen, was einer Verpflichtung auf seine Lehre von der Rechtschaffenheit gleichkam, wäre er zwingend dazu verpflichtet gewesen angemessene diplomatische Schritte einzuleiten. Schließlich wünschten die Goten nur Sicherheit für ihre Familien. Das wenigstens wusste Ambrosius. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten, war ihnen kein europäisches Heer mehr gewachsen. Für die Goten ging es um Tod oder Leben.



Gratian ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln und daran ist zu ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen, Verantwortung tragenden Mann geistig überlegen war. Es hieß nur: fortan „wies er die Arianer ab und folgte Ambrosius.“



Ambrosius wusste was Gratian tun muss und er hatte dabei als entscheidende Autorität die Bibel aufgerufen:



„Der Kaiser soll gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... der Krieg gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde. Es ist nicht zweifelhaft, dass die ‚catholici’ welche die Strafe für den Unglauben anderer ertragen haben, bei Gratian Hilfe für den rechten Glauben finden. Der Glaube an Gott und die Treue zum imperium Romanum können nicht voneinander geschieden werden...(die Goten) die ‚Häretiker’ sind die ‚antichristi’; diese Häresie sammelt ihr Gift aus allen anderen Häresien.“ Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“



Ambrosius hatte verlangt der Kaiser müsse sich ganz den militärischen Aktionen widmen „und daran denken die Siegeszeichen aufzurichten... so wollte Ambrosius „den Kaiser für seine kirchenpolitischen Ziele gewinnen und den Gegnern der (katholischen Kirche) den Kampf ansagen.“  Ebenda



Diese Siegeszeichen hatte Victoria bereits Konstantin gegeben, in einem gallischen Apollotempel im Jahr 309. Da war sie ihm erschienen.

Es stellt sich heute, nach der fast 2000 Jahre währenden blutigen Geschichte des sogenannten Christentums, erneut die Frage, wann die Christen aufhören werden, das sogenannte Christusmonogramm der von Victoria verführten Kaiser als „Siegeszeichen“ (der ecclesia triumphans) und damit als christliches Symbol zu betrachten.



Gratian hätte in seiner ursprünglich toleranten Gesinnung fest bleiben sollen. Das wäre, für das kriegsmüde Volk dies- und jenseits der römischen Grenzen der bessere Weg gewesen, Der Staat hat sich, erst recht nach Jesu Worten: „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist“, aus innerkirchlichen Angelegenheiten herauszuhalten, wie die Kirche aus den machtpolitischen Anliegen des Staates, sonst handeln auch die Menschen die in seiner Nachfolge stehen, eher aus Klugheit und Berechnung und nicht aus innerer Überzeugung.

Demgegenüber ist Christi Religion darauf ausgerichtet staatsübergreifend Frieden und Harmonie zu stiften, etwas, dass bei einer unseligen Verbindung der Kirche mit dem jeweiligen Thron und seinen nach Vormacht süchtigen Inhabern und Interessen nicht mehr zu leisten ist. Der Staat wirkt von außen nach innen, (echte) Religion von innen nach außen. ( Ezra Taft Benson, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage)



Im Dialog des Bardesanes (etwa) im Jahr 200 heißt es ausdrücklich und wegweisend:

„dass das Christentum eine neue, alle völkischen Unterschiede unter sich lassende Lebensordnung, (ist) der sich die Menschen von sittlichem Willen freudig unterstellen... diese Auffassung vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit als einer Lösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen“

Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“

Dieser Geist ist Ambrosius fremd. 


Die Katastrophen und Ungerechtigkeiten jagten nun einander, während gemäß der Botschaft der Bibel „der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist“.
Jesaja. Diese Aussagen teilte auch Habakuk gemeinsam mit den Propheten Israels. Sie forderten die Rechtschaffenheit – die Schaffung von neuem Recht, indem es mit dem alten Guten in Harmonie bleibt. Es ist nun einmal ein Gesetz des Himmels, dass alles Neue wenn es siegreich sein will, auf dem Boden des Bewährten stehen muss. Die Unrechtschaffenheit dagegen bringt den nächsten Krieg hervor. 


Man fragt sich, warum Ambrosius nach der Katastrophe von 378 und nach dem Tod Gratians, seinen Einfluss bei den römischen Offizieren, dem Heer und vor Theodosius I. (der schon kurz nach dem Desaster, im Januar 379 von Gratian zum Augustus erhoben worden war) nicht verlor.

Das war doch in ihren Kreisen nicht vergessen, dass er die nicht erfolgreichen militärischen Parolen ausgegeben hatte. Sie folgten ihm, hatten die „Siegeszeichen“ aufgerichtet und dennoch verloren.



Mit seinem Buch „de fide“ hatte Ambrosius die Legionen in die Kämpfe hinein gehetzt, denn da sprach er: „mit Gewissheit von den zu erwartenden Erfolgen des Kaisers gegen die Goten...“ und er sprach von den „Strafen welche die Gegner des Glaubens und des römischen Imperiums treffen werde...“ Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“  


Entgegen der Prophezeiungen Ambrosius „bot das römische Heer keinen Widerstand mehr... überall zogen die Goten ... durch das Land... bis an die Grenze Italiens herrschten sie nach Belieben.“ Ebenda

Alles wankte, Ambrosius stand. Noch blieb ihm ja Italien. Wie ein leichtfertiger Kaiser zog er nicht die Konsequenzen, sondern konnte mit diesen Niederlagen leben. Er konnte seine Macht nach innen sogar noch ausbauen, weil die Goten mit dem Erreichten wider Erwarten zufrieden waren und ihren Arianismus nirgendwo mit Gewalt durchsetzen wollten. Ambrosius vermochte es gar nach Gratians frühem Tod, 383, (er soll auf der Flucht vor dem Rebellen Magnus Maximus, von unbekannter Hand erschlagen worden sein) Gratians Nachfolger Kaiser Theodosius I. (347-395) zu überzeugen, dass nun erst recht strenge Maßregeln gegen Arianer und andere Nichtkatholiken ergriffen werden müssten. 

Offiziell und wie selbstverständlich heißt es in der gegenwärtigen Literatur: „Ambrosius ‚überwand’ den Arianismus …durch die Synode zu Sirmium, auf der er 6 Arianer verurteilen ließ, und 381 durch die Synode zu Aquileja, die den der arianischen Häresie angeklagten illyrischen Bischof Palladius samt seinem Presbyter Secundinus schuldig sprach und absetzte.“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz



Ambrosius hatte nur noch einen ernst zu nehmenden Gegner, Justina. Seit seiner Taufe 374 stand die überzeugte Arianerin und Kaisergattin gegen seinen rüden Katholizismus. Der Bearbeiter der Eintragung im Kirchenlexikon, lobt, Ambrosius sei „tapfer“ aufgetreten und er habe „mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl, (Justinas) Kirchen an die Arianer auszuliefern, erfolgreich Widerstand geleistet.“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

Dieses Lob kann kein Demokrat teilen, sei er Mormone oder nicht!

Hierläuft der Grenzgraben entlang. Bist du gegen das Individualrecht, dann sprichst du dich gegen den aus, den das Neue Testament den Christus nennt, auch wenn du seinen Namen unentwegt auf der Zunge trägst.

Nichts kann das Recht auf Entscheidungsfreiheit ersetzen!

Wo die Entscheidungsfreiheit fehlt, da kann die Kirche des Erlösers nicht sein. Kein überzeugtes Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird dem Sinn dieses Satzes jemals widersprechen.


Zuerst lebte die glaubensstarke Justina noch unter dem Schutz ihres Mannes, Kaiser Valentinians I. (der ein Jahr später, 375, wahrscheinlich infolge eines Schlaganfalls verstarb) Danach hatte sie nicht die Spur einer Chance sich gegen den mächtigen Kaiser’berater’ durchzusetzen, - sonst hätte sie den Bürgerkrieg riskiert - zudem war sie ebenso tolerant wie ihr Ehemann. Justina erzog ihren Sohn Valentinian II. der als vierjähriger Kaiser Roms wurde, natürlich in ihrem Sinne. 

Sieben Jahre lang widerstand Justina Ambrosius. „Sie war verärgert, weil Ambrosius (drei Jahre nach dem Tod ihres Gatten) um 379 ihre Bemühungen vereitelte ...einen Arianer auf den (Bischofs-)Stuhl zu Sirmium zu befördern“ F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu Christi“

Ambrosius hat sie permanent genervt. Was nahm sich dieser Emporkömmling gegen sie heraus? Sechs Jahre später 385 „verweigert Ambrosius Justina die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands zwei Kirchen zu überlassen.“ Ebenda

Das war zu viel für die Kaiserwitwe. In der Osterwoche dieses Jahres kommt es zu tumultuarischen Szenen. Ihre Soldaten umzingeln die Basilica Porciana, die Kirche der Athanasianer. Doch nicht Ambrosius, Justina  musste der Gewalt weichen, die von der Straße kam. Dass sie sich nicht durchsetzen konnte ist leider wahr, aber nach Augustinus „Bekenntnissen““  bekam sie was sie seiner schlimmen Meinung nach verdiente. Er, der von Ambrosius zum Katholizismus bekehrt worden war, blickte natürlich durch dessen Brille:

Augustinus von Hippo, Neuntes Buch - Siebentes Kapitel :



„... Ein Jahr war es ungefähr oder vielleicht auch etwas länger, da verfolgte Justina, die Mutter des jungen Königs Valentinian, deinen Anhänger, den Ambrosius, um ihrer Ketzerei willen, zu der sie von den Arianern verführt worden war. Das fromme Volk blieb die Nacht hindurch in deiner Kirche, bereit, mit ihrem Bischof, deinem Diener, zu sterben... Dort war auch meine Mutter, deine Magd; vor allen eifrig im Sorgen und Wachen, lebte sie nur dem Gebete. Wir, noch nicht erwärmt von der Glut deines Geistes, wurden doch von dem Bangen und der Verwirrung der Stadt mit ergriffen...“



Ambrosius hätte um sein Leben fürchten müssen? Doch, wenn es so gewesen wäre, dass sie die Militärs auf ihrer Seite hatte, warum unterliegt sie dann den angeblich Schwachen?

Weil ihr Arianismus ihr das Blutvergießen untersagt!

Wie auch immer, Ambrosius blieb, wie eigentlich nicht anders zu erwarten war, der ‚Sieger’ in Glaubenssachen! Andererseits ist schon denkbar, dass Justina in ihrer ohnmächtigen Wut versucht hatte ihre gotische (arianische) Leibgarde aufmarschieren zu lassen, denn Augustinus lügt nicht. Natürlich macht bedenklich, dass Augustinus in seinen Bekenntnissen mit absolut märchenhaftem Text fortfährt, als sei es dringend notwendig Ambrosius wieder aufzuwerten:



„Damals offenbartest du deinem Bischof, dem schon erwähnten Ambrosius, wo die Leiber der Märtyrer des Protasius und Gervasius verborgen ruhten, die du so viele Jahre hindurch im Schoß deiner Verborgenheit unverwest verwahrt hattest, um sie zur rechten Zeit zur Bändigung der Wut jenes Weibes, das doch eine Kaiserin war, hervorzubringen. Denn als sie aufgefunden und ausgegraben mit den ihnen zukommenden Ehren zur Basilika des Ambrosius gebracht wurden, da wurden nicht nur die, welche von unreinen Geistern besessen waren, nach dem Bekenntnis ihrer Dämonen selbst, geheilt, sondern auch ein angesehener Bürger, der mehrere Jahre hindurch blind war. Als dieser nämlich nach der Ursache fragte, warum das Volk vor Freude jauchzte, und es hörte, da sprang er hinaus und bat seinen Führer, ihn dorthin zu führen. Nachdem er in die Kirche eingetreten war, bat er um die Erlaubnis, mit seinem Schweißtuche die Bahre der Heiligen berühren zu dürfen, deren Tod ist wert gehalten vor dem Herrn. Als er dies tat und dann seine Augen damit berührt hatte, da wurden sie sogleich ihm aufgetan. Der Ruf davon aber verbreitete sich weit und breit; alles war voll deines Lobes, und der Sinn jener Feindin wurde, wenn auch nicht zu gesundem Glauben fortschreitend, doch von der Wut zurückgehalten. Dank dir dafür, o mein Gott!“ Aurelius Augustinus„Bekenntnisse“

Da mischten sich Wunschdenken und Absicht, Dichtung und Wahrheit. 


Überhaupt erweckt Augustinus wiederholt, wenn er von Gott spricht, den Eindruck, dass dieser "Gott" nicht nur in seiner Unvorstellbarkeit sondern auch charakterlich sehr wenig Ähnlichkeit mit Jesus Christus hat, denn der Gott dem Augustinus zu dienen meint, hat „Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen (zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen Lücke!) ... zur Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien eine ‚Masse der Verdammnis’.“
Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“



Während Jesus ausnahmslos alle Menschen einlud:

„Kommt her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken“ Matth. 11: 28-30, ist Augustinus Gott ein Ungeheuer. Er bestimmt wer Ewigkeiten des Daseins hindurch Höllenqualen leidet und wer nicht.

Augustinus Dogma von der Prädestinationslehre gehört, mit den Zwangsgesetzen, zum Schlimmsten was der damalige Katholizismus hervorgebracht hat. Fortan nimmt die Flut der Legenden, der prokatholischen Propaganda, der Fälschungen und der Druck auf Andersdenkende durch diese beiden Kirchenväter ständig zu. Die gesamte urchristliche Theologie wird untergraben, während zeitgleich alles unternommen wird, die Dinge umgekehrt darzustellen.

Es kommt die Lehre von der Erbsünde auf und das Priestertum wird vollends zu einer Sache von machtgierigen Hauptamtlichen die zunehmend in Vorstufen des Zölibats gedrängt werden. Irgendein Opfer muss die Kirche ja bringen um das offensichtlich Ungute zu sühnen und damit zu löschen.



Ein Jahr nach seinem Sieg über Kaiserin Justina, hält Ambrosius am Palmsonntag eine Rede gegen den Arianerbischof Auxentius: „Dieser Mensch wagt es mich um Verhandlungen zu bitten, wo er von Blut trieft und klebt? ...“

Das lässt auf die Härte der Tumulte schließen. In wie weit Auxentius daran beteilgt war ist unklar. Aber es gab schon immer leichtfertige Bengel die Spaß an Rüpeleien hatten und sich um Ideale nicht kümmerten. Sie werden Athansianern die Nasen blutig geschlagen haben. Das legt Ambrosius Auxentius zur Last.



Wahr ist, auch die Arianer waren entschlossen ihre Rechte zu verteidigen, dabei verloren nicht wenige aus ihren Reihen den ursprünglich für sie so kennzeichnenden Geist gegenseitigen Respektes. Es waren ja erst wenige Jahre dahin gegangen, seit „Papst“ Damasus von Rom die wehrlose Gemeinde der Ursianer erschlagen ließ, - 130 Tote, ausschließlich Arianer - das hatte niemand vergessen. Von nun an wehrten sich auch die nichtgotischen Arianer.



Ambrosius der sich gar anmaßt gegen Kaiser Valentinian II. (Sohn Justinas) - eben weil er noch ein Kind ist, - und dessen ihm anerzogene arianische Grundhaltung zu wenden, schließt diese Rede contra Arianismus mit den Worten:

„Kann man dem Kaiser eine größere Ehre antun, als wenn man ihn ‚Sohn der Kirche’ nennt... der Kaiser ist in der Kirche, aber er ist nicht über ihr.“ Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion Jesu Christi“


Damit richtet er sich auch an und gegen Theodosius I. (347-395)

Die Athanasianer trumpften mit Ambrosius auf. Das gefällt ihnen. Ihre Kirche stand nun gar über dem Imperator. Jeder wünscht zu den Siegern der Geschichte zu gehören.

Der Rest der Menschheit bedeutete diesen Siegern ohnehin nichts. Was diese vertraten und wofür sie lebten war vor ihnen wie Schund, wertlos. Das hatten ihnen ihre Priester eingebläut.

Zu diesem Schund gehörten die Freiheiten sämtlicher Hellenen, die Rechte der Paganen aller Richtungen, die Religionen der Manichäer, Mandäer und anderer gnostischen Gruppen, wie die Lebensweise der hochchristlichen Priscillianisten und die Hoffnungen sämtlicher bereits genannten urchristlichen Splittergruppen und die der Goten. Schätzungsweise 85 Prozent der damaligen Bevölkerung des römischen Herrschaftsbereiches sollten fortan kuschen. Die Goten im Norden Italiens kümmern sich allerdings nicht um diese auch gegen sie zielenden Verfluchungen, noch kann man ihnen nichts anhaben, noch sind sie zu stark.

Noch haben sie andere Sorgen. Und weil sie sich nicht einmischen in die kaiserliche Religionspolitik, die in Wahrheit von Ambrosius bestimmt wird kann Kaiser Theodosius I. 384 „dem engagierten Christen, Praetorian prefect Maternus die Weisung geben mit den örtlichen Bischöfen zu kooperien um die Tempel der Heiden in Nordgriechenland und Kleinasien zu zerstören... 389 kommen hunderte Eremiten aus der Wüste und zerstören Statuen, Altäre, Bibliotheken und pagane Tempel…“

V. G. Rassias „Christians persecution against the Hellenes.” Greek Athen



Diejenigen die Ambrosius folgten, schreckten vor nichts zurück.

Nur Hitlers und Stalins Geheimpolizei sollten diese Brutalität später noch überbieten. Allerdings mit einem Unterschied, die Nazis und die Kommunisten haben ihre Grobiane nicht als Heilige bezeichnet.

Dass er die nicänische Rechtgläubigkeit gegen den Arianismus verteidigte ist sein gutes Recht. Aber die Mittel derer Ambrosius sich bediente gehören zum Übelsten.



Basis solchen Treibens war das Gesetz Cunctos populos. Mit seiner Veröffentlichung im Februar 380 erhielten alle Gewalttäter das Instrument ausgehändigt mit dem sie mühelos reich und mächtig werden konnten. Mit diesem Text in der Hand verfolgten sogleich einige spanische Kleriker Priscillian den in weiten und gebildeten Kreisen sehr angesehenen arianischen Bischof von Avila, Spanien. Sie trachten danach mit Priscillian, allen Arianern Angst zu machen und ihnen eine empfindliche Niederlage zuzufügen.

Geköpft haben sie ihn, in Trier, Deutschland 385, weil er arianisch glaubte, nicht weil er, wie athanasianischerseits behauptet, der Zauberei angeklagt war.



Justina hat sich nach Kräften gegen das Unrechtsgesetz gesperrt. Umsonst! Sie wusste sehr wohl, Ambrosius widersetzte sich mit Cunctos populos der urkirchlichen Rechtsprechung entschieden, indem er auf diese Weise das Mailänder Toleranzedikt von 313 effektiv aufhob und es in Theorie und in der Praxis in sein Gegenteil verkehrte.



Dogmatiker Ambrosius von Mailand ist der Vater des bis heute zu Unrecht so genannten Dreikaiserediktes



Katholische Geschichtsschreibung versucht ihr Bestes, Ambrosius aus der Schusslinie zu ziehen. Das ist wohl kaum verantwortbar.



Die „Deutsche Enzyklopädie“ schreibt:

Das Dreikaiseredikt „Cunctos populos“ wurde am 28. Februar 380 in Thessaloniki von den römischen Kaisern Theodosius I., Gratian und Valentinian II. verabschiedet. Es beendete die nominelle Religionsfreiheit des 4. Jahrhunderts und gilt als ein wesentlicher Schritt, um das Christentum zur Staatsreligion zu machen."



Absolut unhaltbar ist die Behauptung die erwähnten Kaiser seien die Väter des Unrechtsgesetzes!

Alle wissen:



 -  dass Theodosius I. (347-395) zu diesem Zeitpunkt, als er den Katholizismus (die athanasianische Version des Christenglaubens) zum "Sieger" der Geschichte erklärte, noch kein Christ war? Er wurde erst zehn Monate danach getauft,



-  dass Kaiser Gratian (359-395) völlig unter dem Diktat seines Beraters Ambrosius (359-397) stand. Er folgte damit ausdrücklich der Linie des im Jahr 366 blutig agierenden "Papstes" Damasus von Rom. Der Text des Cunctos populos bekräftigt dies mit Nachdruck.





- drittens, war Kaiser Valentinian II. (371-392) damals, als er angeblich seine Unterschrift unter das Dekret der Intoleranz setzte, erst neun Jahre alt. Er hätte sich damit gegen seine von ihm hochverehrte Mutter Justina erklärt, denn sie stand lebenslänglich auf der Seite der antitrinitarischen Arianer. Mit ihr gemeinsam kämpfte er nach der Inkraftsetzung des Gesetzes zum Glaubenszwang verzweifelt und vergeblich gegen die Maßregeln seines Beraters Ambrosius von Mailand.



Ambrosius von Mailand dachte aus staatsmännischer Sicht trinitarisch: Gewissensfreiheit würde den totalen Sieg jener Variante des Christentums beeinträchtigen, die er bevorzugte. 

Scharfsichtige kommen kaum umhin zu sagen, dass sein Rechtsverständnis  im Kern dem Lenins, des Befürworters des Roten Terrors entsprach. 



Das am 28. Februar 380 verabschiedete Dreikaiseredikt „Cunctos populos“ erlaubte Gottesdienste grundsätzlich nur den Katholiken. Den christlichen Nichtkatholiken, wurden die eigenen Kirchen weggenommen. Die spanische Inquisition nahm hier ihren Ursprung. 

Der Text des Zwangsgesetzes lautete:



„Alle Völker, über die wir ein mildes, gnädiges Regiment führen, sollen (müssen) das ist unser Wille, (- der Wille des Kaiserkindes Valentinian der stets zu seiner arianischen Mutter hielt, der Wille des toleranten Gratian -?) die Religion annehmen die der göttliche Apostel Petrus den Römern gepredigt hat, und der wie wir sehen werden, auch Bischof Damasus von Rom sich anschließt... wer diese Gesetz befolgt soll den Namen eines katholischen Christen führen, die andern aber... sollen die Schmach ... tragen, ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen genannt werden; sie selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“



Es sollte sich effektiv als Todesurteil für zahllose Menschen auswirken. Das so etablierte Diktat einer völlig veränderten Kirche über diejenigen die sich bemühten näher am Original zu bleiben, sollte denn auch länger als eintausend Jahre die Menschen West- und Südeuropas gängeln.

Allein, dass der unselige Gesetzestext einen Bezug zu Damasus als Vorbild herstellt, erregte Aufmerksamkeit und den Protest derer die weiter sehen konnten. So hatte dieser päpstliche Gewalttäter bereits 366 gedacht: „ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen genannt werden; sie selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“ Sehr hat Damasus die ungöttliche Strafe erteilt, mit Äxten in der Hand von Totschlägern, die zu seiner Privatarmee gehörten.

Wahrscheinlich erscheint es nicht nur dem Humanisten zwingend, zu fragen von wessen Gottes Strafe hier die Rede ist. Das einzige ‚strafwürdige’ Verbrechen, das die so Bedrohten zu behaupten wagten, war, buchstäblich zu glauben, dass Jesus immer noch zur Rechten des Vaters sitzt, von Gestalt wie ein Mensch. Sowohl das Athanasianum wie Cunctos Populos ebneten auf diese Weise den Weg zu einer Falle für alle, auch der treuesten Katholiken, denen die Freude genommen wurde, selbst die Wahrheit herauszufinden.



Diesen Ungeist der Bevormundung, konnten selbst die Reformatoren noch nicht überwinden. Sogar ein Johannes Calvin blieb diesem diktatorischen Trachten verhaftet. Einige Reformatoren übernahmen einfach das Unrechtsgesetz von 380: sie beharrten in diesen Punkten auf der Ambrosius- Gelasius- und Bonifaciuslinie: die Kirche habe den Staat zu regieren. Ambrosius unterwirft sie sich ausnahmslos (und damit der Kirche) indem ausgerechnet er, so gut wie unwidersprochen, hinaustrompetet: „der Kaiser ist ein demütiger Sünder vor Gott.“ Alexander Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“  

Ambrosius lügt, indem er die Wahrheit sagt. Ambrosius schiebt den Namen Gott vor, wo er die Kirche meint, die seine ist. Das erklärt sich aus seinem Charakter. Und so denkt Johannes Calvin, eiskalt wie der große Kaiserberater des ausgehenden 4. Jahrhunderts. Auch Calvins Executive mischte sich in alles ein:

„Wo die Calvinisten in der Mehrheit waren... regierte die Kirche weitgehend den Staat. Durch die vom Konsistorium ausgeübte strenge Aufsicht über die Sittlichkeit wurde das Leben der Gemeindemitglieder einer äußerst starken Kontrolle unterworfen. Die Ältesten hatten das Recht auf ungehinderten Eintritt in jedes Haus zu jeder Zeit. Das bedeutete praktisch: keine Tür durfte verschlossen werden, um die Ältesten nicht zu behindern. Das bedeutete auch; Vorhänge an den Fenstern hat nur nötig, der etwas zu verbergen hat...“ Günter Stemberger „2000 Jahre Christentum“

Es gibt Akademiker, meistens Theologen, die sich vorstellen, so etwa wäre es zu Zeiten Brigham Youngs bei den Mormonen zugegangen. Das ist ihr gutes Recht dies zu denken und zu vermuten, nur sagen dürfen sie es nicht, solange dafür Belege nicht vorliegen. Für Brigham Young stand das Toleranzgesetz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage unverrückbar obenan. Wer Zwang über Seelen ausübt verliert seine Priestertumslegitimationen. Das hatte er von Joseph Smith gelernt. Lehre und Bündnisse 121



Es war und ist das bislang nicht widerrufene Gesetz zum Glaubenszwang, (das seine scheinbare Berechtigung aus dem athanasianischen Glaubensbekenntnis bezieht,) dessen fragwürdiger Monotheismus keck, noch bis zu dieser Stunde, droht: „Wer auch immer gerettet sein will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten: Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen“ (nämlich diejenigen treffend, die nicht glauben, dass drei eins ist).

Alle Änderer des urchristlichen Systems, wie Callixt I., Ambrosius von Mailand und Augustinus, samt ihrem Anhang, müssen sich die Frage gefallen lassen, was vom Christentum übrig bleibt, wenn es zur Gewalt greift. Schon Laktanz (240-320) Elitechrist der zweiten Generation hatte gewarnt: „Das jemand unter Zwang etwas verehrt, das er im Ernst gar nicht verehren will, kann nur zur Heuchelei und Simulantentum führen.“ Hans Maier, „Compelle intrare“ Uni München

Vom Martin Luther-King stammt der bekannte, allzeit gültige Satz: „Gott hat absolute moralische Gesetze in sein Weltall eingebaut. Wir können sie nicht ändern, wenn wir sie übertreten werden sie uns zerbrechen.“



Die Reichkirche sollte schließlich zerbrechen, besser gesagt, sie zerbröselte an den ambrosianischen (athanasianischen, damasischen...) Übertretungen.

Wenige Augenblicke der Rückschau auf das nachambrosianische Rom  bis weit in die Lutherzeit hinein genügen um zu sehen, da saß jahrhundertelang einer nach dem anderen auf einem Trümmerhaufen  aus Steinen und auf dem Rücken menschlicher Wracks und behauptete er sei der Stellvertreter Christi, obwohl er so gut wie nichts tat, außer die Menschen entsprechend seinen Möglichkeiten zu tyrannisieren.

Ohne Luther gäbe es sie schon längst nicht mehr. Ohne Luther hätte es keine Gegenreformation gegeben, die hart mit den ärgsten innerkirchlichen Übeln aufräumte, ohne sie wäre nichts anderes als böse Erinnerungen übrig geblieben.

Die Katholiken haben Luther zu verdanken, dass aus den neuen Pflanzen zwischen den Trümmern etwas Besseres entstand.

Dem Athanasianum ist es zuerst anzulasten, dass es zu den barbarischen Entwicklungen kam, weil mit ihm unser gemeinsamer Gott den Menschen entfremdet wurde. Alles andere war die logische Folge. Einen Gott den man sich nicht vorstellen kann gibt nicht.

Ambrosius förderte die Unmoral obwohl er dies durchaus nie beabsichtigt hatte. Er suggerierte nicht nur dem Priester seiner Kirche: Gott vergibt dir immer! 

Kein Dogma, abgesehen vom Nicänum hat mehr Schaden angerichtet.

Es kann sein, dass Ambrosius besonders an einem Satz des ‚Papstes’ Sixtus I. (Xystus), der von 116-125 als römischer Bischof amtierte, Gefallen fand. Diese Behauptung lautet: „Die Kirche ist immer heilig, ganz gleich wie sündig ihre Priester sind.“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

Ambrosius rundete diese Unwahrheit konsequenterweise auf:

„Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“  Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“



Solche markanten Aussagen richteten sich direkt gegen die Weisungen Jesu: „jeder Baum der keine guten Früchte bringt wird abgehauen.“ (ausgeschlossen, exkommuniziert)

Die Priesterbeichten dienten nach Ambrosius dazu einander das Gewissen zu erleichtern, nicht um ein bestehendes Problem zu lösen, wozu sie ursprünglich gedacht waren. Es ist Ambrosius Mitschuld, dass Bischöfe der katholischen Kirche 1 600 Jahre lang, weltweit ihren Priestern Kindsmissbrauch u.a. schwere Verfehlungen wie Fälschungen und Gewaltanwendung vergaben, statt nach der Regel zu handeln die Paulus gab: „Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte“   1. Kor. 5: 13

Er sagte allerdings nicht „verbrennt ihn“...

Die von den Katholiken verfemten arianisch-melitianisch-novatianischen Gemeinden handhabten dagegen solche Fälle wie vorgeschrieben.

Schon Callixt I. (angeblich Papst von 218-222) hatte jedoch versucht die Prozedere aufzuweichen.

Geradezu entlarvter Zynismus ist, wie der katholische Kaiser Honorius auf die Nachricht von der Eroberung Roms reagiert, wie wenig ihn – darin Ambrosius ähnlich - eigentlich das Schicksal der Menschen berührt: „Als der der Gote Alarich 410 die ewige Stadt erstürmt hatte und der Oberhühnerwächter dem Kaiser die Nachricht brachte ... es sei vorbei mit Roma, bekam Honorius einen gewaltigen Schrecken. Der Wärter aber tröstete ihn: es sei die Stadt Rom, nicht die Henne Roma.“ A. Demand, „Das Privatleben der römischen Kaiser“

Später, als die arianischen Goten auf dem Boden des altrömischen Reiches eigene Strukturen errichteten, sollten bessere Früchte hervorkommen. Die Römer konnten sie weder militärisch noch kirchlich daran hindern. Ironie des Schicksals kann man es nennen. Exakt einhundert Jahre nach den programmatischen Erläuterungen Ambrosius von Mailand gewinnen die Goten die Oberherrschaft über ein zerstrittenes und im Süden weithin athanasianisches Italien. Der Arianer Theoderich der Große bringt, was nach Athanasius Worten nicht zu erwarten gewesen wäre, dem Land den langersehnten Frieden. Er übte dreißig lange Jahre weder Gewalt an den Unterlegenen, noch berührt er die Landesverwaltungen. Er tolerierte die katholische Kirche. Erst daran zeigte sich, wie sehr Ambrosius sich verrannt hatte als er sagte: „Die Feinde des Reiches sind auch die Feinde der (katholischen) Kirche“ Allerdings „ließ Theoderich (ganz anders als Ambrosius G.Sk.) nicht zu, dass der Reichtum der Kirche unverhältnismäßig stark zu Lasten anderer anstieg.“ Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552“



Geschichte lehrt uns aus Fehlern zu lernen. Sie klein zu reden wäre ein weiteres Verbrechen.

Samstag, 29. August 2015

Dogmen und Dogmatiker


Unter Dogmen versteht man im Laufe der Kirchengeschichte durch die lehramtliche Autorität formulierte Sätze“ Wikipedia

Gesagt werden muss, dass selbst hochrangige Akademiker selten hinreichend Stellung zu modernen Forschungsergebnissen des Gebietes Alte Kirchengeschichte beziehen. Dies gilt insbesondere für die protestantischen Hochschullehrer der Theologie in den USA.
Es ist die Art und der Inhalt ihrer Mormonismuskritik die stutzig macht. Häufig wird zu viel Gewicht auf gewisse Lippenbekenntnisse und Lehrmeinungen gelegt wird, die nicht nur längst auf wackligen Füßen stehen, sondern die angesichts der weltweiten Herausforderungen vor denen wir allesamt stehen, banal und bestenfalls zweitrangig sind.
Etwa wenn es gebetsmühlenartig in den Vorlesungen und Veröffentlichungen aller Kategorien wiederkehrt:
„Wer nicht nicänisch glaubt ist kein Christ Dr. Mohler, im Juni 2007, in Blogalogue – Debates about Faith „Mormonism Is Not Christianity“: „The Mormon doctrine of God does not correspond to the Christian doctrine of the Trinity” u.a.
Es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Um diese Feststellung kommt niemand herum. Sämtliche Dogmen des Christentums  sind neu zu hinterfragen, denn es kann um nichts anderes gehen als um die Wahrheit, von der zu viele kluge Leute sagen, es gibt sie nicht.
Entschieden mehr Anstrengungen müssen geleistet werden um eine vom Geist der Toleranz und des Humanismus getragene Einheitsabwehr gegen den aggressiv-militanten Islam  zu stellen, ganz im Sinne Christi der seinen Nachfolgern den Auftrag ins Herz senkte: Ihr seid das Salz der Erde!
Schon die komplette Parabel warnt, wenn das Salz  (von dem Jesus spricht) seine Würzkraft verlieren sollte, dann tauge es zu nichts mehr, als „weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“
Vom Standpunkt dessen, der die spezifischen Resultate der vergleichenden Religionswissenschaft kennt, ist es angesagt, deutlicher zu machen, dass die ersten 5 Konzilien weitaus mehr Unheil angerichtet haben als allgemein bekannt ist.  Zu gerne wird übersehen, dass sie unter enorm inakzeptablen Umständen zu Stande kamen und dass sie deshalb erneut kritisch betrachtet werden müssen.
Gewisse Passagen ihrer Texte – nicht die Gesamttexte - stehen auf der Kippe. Sie werden fallen.
Ihr diktatorischer Charakter hat die antike Welt in namenloses Elend gestürzt und nutzte den Gesellschaften von damals und  heute gar nichts.
Jedes Ergebnis der Geschichtsforschung zeigt, dass das 1. ökumenische Konzil zu Nicäa 325, die Voraussetzungen für die weltweite Unterdrückung von Meinungs- und Entscheidungsfreiheit schuf. In Nicäa wurde das erste Glied jener Kette geschmiedet, die den freien Geist in den engen grauenhaften Grenzen halten wollte, die von Kirchenpolitikern vom Typ und Rang des heidnischen Kaisers Konstantin, wie später die des Ambrosius von Mailand, des Cäsaropapisten Justinian I. und Innozenz III. gesetzt worden waren.
So schrecklich das ist, so wahr ist es leider. Noch erschreckender ist die Erkenntnis, dass fast alle um diese Führungsgestalten herum wirkenden Beteiligten wussten, dass das Jesusevangelium auf dem Boden von Gewalt verkümmern muss. Christentum und Gewalt schließen einander aus wie Feuer und Wasser. Dies ist schließlich die Botschaft Christi. Wo Gewalt herrscht ersetzt Heuchelei die Liebe doch ohne Liebe ist der Mensch ein Nichts. Moroni
Glücklicherweise kann der von Gott für ein Freisein geschaffene Mensch seine Kraft einsetzen Ketten zu sprengen, auch wenn die Aussicht auf Erfolg nur gering ist. Das darf und soll er tun, es sei denn, er hat sich aus Einsicht und Liebe zuvor freiwillig an Menschen und Prinzipien gebunden und hat keinen echten Grund diese Bindung zu lösen.
Was wir hinter uns sehen ist nicht die Geschichte des Christentums, sondern des zwingenden Konstantinismus. Er kam als gnadenlosen Muss. Neue Begriffe wurden gewaltsam mit und nach 325 ins originale Feingefüge christlicher Theologie getrieben. Jahrzehnt um Jahrzehnt verschärften kirchliche Machtidioten ihre Maßnahmen, um eine Symbiose von Staat und Kirche zu Lasten des Originals zuwege zu bringen und das Unding am Leben zu halten. Das System „Alte Kirche“ brach noch im 4. Jahrhundert zusammen, nachdem 380 das Gesetz zum Glaubenszwang Cunctos populos jeder anderen als der katholischen Religion das Existenzrecht raubte. Aus deren Trümmern allerdings bauten Generationen nicht unbegabter und oft auch gutwilliger Theologen ein neues, ganz anderes Haus und Lehrgebäude.
Berufungen auf Konzilien verlieren nun, da diese traurige Tatsache feststeht, ihre ursprüngliche Bedeutung. Wagen wir einen Blick auf die vorliegenden Forschungsarbeiten in Bezug auf
die ersten 5 Konzilien und ihre wichtigsten Dogmen
·         325 (Ökumenisches Konzil von Nicäa): Dreieinigkeit, am Anfang des Arianischen Streites
·         381 (Ökumenisches Konzil von Konstantinopel): Nicäno-Konstantinopolitanum, beendete den Arianischen Streit
·         431 (Ökumenisches Konzil von Ephesus): Maria ist Gottesgebärerin (theotokos).
·         451 (Ökumenisches Konzil von Chalcedon): Christologie, Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, unvermischt und ungeschieden.
·         553 (Ökumenisches Konzil von Konstantinopel II): Christologie, beendete den Dreikapitelstreit.
Sie und zwei weitere sind weitgehend Glaubensbasis aller weltweit wirkenden Großkirchen. Sie genießen dort ihre fragwürdige Anerkennung. Die meisten Texte stehen natürlich nicht in der Kritik, doch betrachten wir zunächst
das strittige Element des 1. Konzils
 „wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.“ Authentisch: Athanasianisches Bekenntnis
Wenn mich die christliche Wahrheit zwingt irgendetwas zu bekennen, mit welchem Recht will mir dann ein Irgendwie-Glaube dies verbieten?
Das strittige Element des 2. Konzils
ist die Fortschreibung und Bekräftigung des Antiarianismus.
Zur Systematik:
Exponenten des 1. Konzils waren neben Kaiser Konstantin, der Presbyter Arius und Diakon Athanasius
Konstantin (285-337) wollte  das Christentum zur Basisreligion des Imperiums zu machen, allerdings unter der Voraussetzung, dass sein eigenes Gottesbild das Vorbild für den Glauben aller Christen wird.
Zwei gegensätzliche Betrachtungsweisen standen zur Diskussion. Die jeweiligen Hauptsprecher kirchlicherseits waren der Älteste Arius (260-337) und Athanasius (296-373), ein Diakon einer der Gemeinden Alexandrias, Ägypten. Er bestritt strikt, dass Jesus dem Vater untergeordnet ist und dass er als Auferstandener, wie sein Vater, menschliche Gestalt und ein Angesicht hat.
Damit entsprach er im Wesentlichen Konstantins Vorstellungen.
Arius (260-337) widersprach dem zwar nicht heftig, aber entschieden, und es darf angenommen werden, dass die Mehrheit der Bischöfe (Gemeindevorsteher) innerhalb des römischen Reiches, hinter ihm standen. (89 Prozent waren aus sehr wahrscheinlich guten Gründen nicht angereist)
Athanasius konterte u.a. mit den Worten
„Leute die (wie Arius)  glauben sind keine Christen... Sie sind die Erfinder von Gotteslästerungen und in Wahrheit die Gottesfeinde, da sie sich, um den Sohn nicht als Bild des Vaters anerkennen zu müssen, vom Vater selbst leibliche und irdische Vorstellungen machen...“  Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter" Aus der 1. Rede
Vernehmlich in Kaiser Gegenwart zu sagen Arianer seien Gottesfeinde, musste die Gefühle der meisten Christen verletzen, musste aufschrecken. Dieser Begriff rief Hass herauf, wurde zur Parole. Alexander, der Bischof des Athanasius goss Öl ins Feuer: „Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut“ E.F. Klein „Zeitbilder der Kirchengeschichte“
Hasspredigten vom Lesepult aus führten sehr bald zu Gewaltanwendung.
Der bekannte Theologe Schleiermacher kann jedenfalls nicht umhin festzustellen, dass „Athanasius... das Signal zu den Verfolgungen gegeben hat. Schon auf dem Nicänischen Konzil mag er die Hauptursache des strengen konstantinischen Dekrets gewesen sein... Er fängt überall mit Schimpfen und Heftigkeit an und ist unfähig und unbeholfen im Disputieren.“ Joachim Boekels, Dissertation: Schleiermacher als Kirchengeschichtler
Athanasius Anklagen verstummten nie wieder:
„Unter Rückgrif auf typische Formen der Polemik greift Athansius seine Gegner an und diskriminiert ihre Handlungsweise grundsätzlich ... dass  die Arianer sich wie dauernd umherschwirrende Stechmücken verhalten, ist eine Metapher. Die Athanasius immer wieder verwendet.“ Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“
Adolf von Harnack stellt fest, dass seit Athanasius Wirken „die Sprache das Hasses die Kirchen“ erfüllte „Lehrbuch der Dogmengeschichte“
Schon die Art, wie Athanasius nach dem Tode seines Bischofs Alexander 327 sich „in einer Art Husarenritt von einer Minderheit zu seinem Nachfolger“ wählen ließ, hätte auch seine Sympathisanten stutzig machen müssen. Jetzt will er Metropolit und mehr werden! Bösartig provoziere er den Widerstand seiner Gegenspieler um sich selbst wichtiger zu machen.
Seine Reden wurden immer schärfer. Im scharfen Ton eines
kommunistischen Kommissars der 20er Jahre gegen Kulaken und angebliche Konterrevolutionäre hetzte der Häretiker: „Ich glaubte, die Heuchler des arianischen Wahnsinns würden sich auf das, was ich bisher zu ihrer Widerlegung und zum Erweis der Wahrheit vorgebracht habe, zufrieden geben und nunmehr sich ruhig verhalten und bereuen, was sie vom Heiland übel gedacht und geredet haben. (Er sei dem Vater nachgeordnet) Sie aber geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege.“ Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der
Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede
Man spürt, wes Geistes dieser Mann ist. Wer nicht glaubt wie er, der ist gottlos, die „…Arianer (sind) keine Christen... Sie sind die Erfinder von Gotteslästerungen…“  ebenda
Athanasius, der geborene Politiker sucht Verbündete, auch unter den Paganen, er bedarf der Unterstützung aller Kreise die ihm irgendwann nützlich sein könnten. Darin ist er nicht erfolglos. Man spürt jedoch, wer er ist. Kaiser Konstantin ist indessen verärgert, als er vernimmt, was sein Chefideologe da im fernen Alexandria treibt. Konstantin mag zu den rücksichtslosesten Machtmenschen aller Zeiten gezählt werden, doch an Frieden und Stabilität in seinem Reich lag ihm, aus wiederum egoistischen Gründen, viel. Kaiser einer Horde Barbaren zu sein, wäre wenig schmeichelhaft für ihn gewesen.
Beschwerden über Athanasius, als Kirchenfürst und heimliches Haupt Alexandrias, waren bald bei Hofe eingegangen. Deshalb ordnet der Imperator bereits 328 Ruhe an, und was den Intimfeind des Athanasius angeht „dass Arius wieder in die Kirchengemeinschaft Alexandrias aufgenommen wird, ... „doch Athanasius weigerte sich aus Gründen der Rechtgläubigkeit...“
Nach Manfred Jacobs erhebt sich hier jedoch die wichtige Frage „ob es Athanasius wirklich entscheidend um die Rechtgläubigkeit gegangen sei, sondern darum, seine Stellung als Metropolit Alexandria zu festigen und auszubauen...“ „Die Reichskirche und ihre Dogmen...“
Als Arius um 330 ankündigte, er werde nun doch einer anderen Kirche angehören als Athanasius, und als Konstantin vernimmt,
dass dieser kleine junge Mann ihm trotzt erregt sich der Kaiser. Noch richtet sich sein Zorn nicht gegen Athanasius. In seiner Wut, da er einsehen muss, dass das Konzil zu Nicäa letztlich nur den Hader vergrößert hat, während er Athanasius theologisch nicht widersprechen darf, wenn er sich selber nicht unglaubwürdig machen will, „befiehlt Konstantin nun die Bücher des Arius zu verbrennen und seine Anhänger fortan „Porphyrianer“ zu nennen. Das heißt, sie den schlimmsten Christusfeinden gleich zu setzen... Die Besitzer arianischer Bücher sollen sogar mit dem Tode bestraft werden.“ Das berichtet Sokrates
Scholasticus. Rudolf Lorenz, „Das vierte Jahrhundert“

So „verfolgte (Konstantin) die Arianer, - und die Orthodoxen haben das gebilligt.“ A. von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“
Dann kippt die Grundhaltung Konstantins. Er der viele Probleme zu lösen hat, befiehlt definitiv Ruhe an.
Aber Athanasius ist taub, er geht stur voran. Er rechtfertigt sich vor dem Kaiser mit Beteuerungen, der Kaiser und er seien die Opfer arianischer Verleumdungen. Die Forschung weiß es besser und es ist anzunehmen auch Konstantin: „Die These von der Opferrolle des Athanasius kann... aufgrund der 1913 u 1914 von H. J. Bell aufgefundenen Papyri bezweifelt werden, in denen die beiden melitianischen Kleriker Callistus und Pagenus über die Brutalität berichten, mit der Athanasius die Melitianer verfolgt habe.“ Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel“

Unter diesen Vorzeichen beginnt die Synode zu Tyrus 335.
Christoph Markschies sagt: „Wir kennen ein (für Athanasius) wenig schmeichelhaftes Stimmungsbild der Situation in Alexandria aus der Feder eines Melitianers aus dem Jahr 335: ein Bischof dieser Gemeinschaft aus Leontopolis, der in die Hafenstadt gekommen war, wurde von betrunkenen Soldaten überfallen und sein Begleiter inhaftiert. Es gab Tote. Nach Karl Holl handelte es sich um ‚Maßnahmen’, die Athanasius ergriff, um das Treffen einer melitianischen (arianischen G.Sk.) Synode in seiner Heimatstadt zu verhindern.“  Christoph Markschies, „ Alta Trinita Beata: Gesammelte Studien zur
altkirchlichen Trinitätstheologie“
„Fünf melitianische Bischöfe beschuldigten Athanasius in Tyrus 335, dass er sie habe prügeln lassen.“Rudolf Leeb, „Konstantin und Christus“
Konstantin konnte es nicht mehr ertragen. Was bildete sich der ‚schwarze Zwerg’, ein. Er verbannte ihn nach Trier, stellte ihn unter Aufsicht seines ältesten Sohnes Konstantin des Jüngeren.
„Das Ergebnis der Synode von Tyrus brachte... den endgültigen Bruch zwischen Athanasius und Konstantin.“ Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ Unter „Androhung der Verbannung war Athanasius zum Erscheinen aufgefordert worden. Dabei hatte er zu seiner Unterstützung 48 ägyptische Bischöfe mit nach Tyrus genommen, die nicht eingeladen waren“ Rudolf Lorenz „Die Kirche in ihrer Geschichte – Das vierte Jahrhundert“
es half ihm alles nichts. Er war zu weit gegangen. Einfluss auf diesen Gang der Ereignisse wird auch Konstantins Halbschwester Konstantia genommen haben. Bereits zum Zeitpunkt des 1. ökumenischen Konzils 325, erkannte Konstantin, dass er an ihr einiges gut zu machen habe. Er hatte seinen Eid gebrochen den er ihr geleistet, indem er ihren Ehemann Mitkaiser Licinius ermorden ließ, nachdem er ihn entmachtete. 312 waren sie Waffenbrüder gegen Maxentius gewesen, 313 hatten sie gemeinsam das Toleranzreskript von Mailand unterschrieben, aber dann kam es zu den abzusehenden Spannungen weil Konstantin sich außerstande sah zu teilen. Die Universalmonarchie oder nichts! Diese Idee muss ständig durch das Hirn des Machtgenies gezuckt sein…

Soweit römische Militär- und Staatsmacht reichte herrschte Angst unter den Arianern, bis  Konstantins Gesinnungswandel eintrat. Dieser allerdings sollte weder Arius selbst noch seinen Anhängern Frieden bescheren, denn am Tag vor seiner vollen Rehabilitation verstarb Arius unter sehr verdächtigen Umständen. Falls die Schilderung der Umstände durch Sokrates Scholastikus (Kirchengeschichte 1, 38) zutreffend ist, deuten die Symptome eher auf eine Verabreichung von weißem Arsen hin, als auf einen Zufall.
Alexander von Konstantinopel (250-337), Metropolit, ein fanatischer Unterstützer des Athanasius sah zutiefst erschüttert, dass der Kaiser – möglicherweise rechnete er sich Vorteile aus – die volle Versöhnung des Arius mit der Kirche wünschte. Das musste weitreichende Folgen für die katholische Sache haben.  Dringender als je zuvor, erheben sich einige Fragen. Darunter die ob es wahr ist, dass dieser fromme Herr in seiner Basilika zu Konstantinopel laut gebetet hatte:

"dass entweder er oder Arius aus der Welt 
entfernt würden"

Ist es völlig abwegig zu denken, dass einer der Hasser des Arius Mitglied des willfährigen Klüngels des Metropoliten Alexander, diese an Gott gerichtete Bitte als Auftrag zum Mord verstand? 

Wann und warum verlieh die römisch-kath. Kirche Alexander von Konstantinopel den Ehrentitel eines Heiligen?
Athanasianer wurden nun weiterhin Orthodoxe und Katholiken genannt. Die Arianer aller Richtungen galten allerdings nicht mehr überall im Reich als Ketzer und Reichsfeinde. Vor allem im Osten um Antiochia waren sie stark.
Konstantins Söhne bekannten sich unterschiedlich.

Constantius II. (317-361)  war entschiedener Arianer


Sein Bruder Constans (320-350) stand auf der Gegenseite. Er hatte klugerweise, für 343, „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile einberufen und sein Bruder (Constantius) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer Teilnahme des verbannten Athanasius.
Daraufhin verweigerten die Orientalen ihre Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten sich gegenseitig. Bei der nächstfolgende Schlacht um den Stuhl von Konstantinopel soll es 3510 Tote gegeben haben...“
Constantius war zu Kompromissen bereit „... nach dem Sturz des
(katholischen) Constans durch Magnentius 350 suchte Athanasius bei dem Usurpator Unterstützung gegen Constantius. Diese hochverräterischen Beziehungen kamen ans Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2 Synodalbeschlüsse 353 und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“ A. Demand „Geschichte der Spätantike“

Doch Athanasius fiel immer wieder auf die Beine. Die gesamtpolitischen
Umstände waren ihm günstig. Sein Hauptanliegen, seine persönliche
Gottesvorstellung durchzusetzen, sollte schließlich mit Hilfe rücksichtsloser, vorrangig politisch orientierter Christen gelingen. Dass dabei die von Goten gestiftete deutsche, arianische Kirche vernichtet wurde ist ein anderes Blatt im Geschichtsbuch.
Kaum im Bewusstsein der Anhänger sowohl der katholischen wie der protestantischen Richtungen ist die geradezu unerträgliche Fortsetzung und Wiederholung der beiden inkorrekten Behauptungen bis in die Gegenwart:
-     Arius leugnete die Gottheit Christi
-     „Die arianische Häresie erschütterte die Welt“ (Hertling)
Dem Ersten steht das Glaubenskenntnis des Arius gegenüber, dem zweiten die damalige Inkraftsetzung des Gesetzes zum Glaubenszwang „Cunctos populos“, vom 27. Februar 380, unmittelbar vor Beginn des  Nicäno-Konstantinopolitanums.
Der berühmte Arianer Wulfila der im 4. Jahrhundert wirkte, bekräftigte, was er von Arius gelernt hatte:

 „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... (M Pl. Suppl. I. 707) ... er glaubt an Gott den Vater und an seinen  eingeborenen Sohn, unseren Herrn und Gott, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“ Auth. Bekenntnis des Gotenbischofs Wulfila
Diese Definition der arianischen Christen spricht für sich und vehement gegen deren angebliche Leugnung der Gottheit Christi. Wer jedoch ernsthaft bedenkt, dass der Hauptanspruch der Katholiken seit Nicäa, 325, lautete: Gott hat kein Angesicht, sollte sich erinnern, wie viele Menschen wegen ihres Widerstandes gegen solche Behauptung ihre Freiheit und ihr Leben verloren. Sicher ist nur, dass es millionenfach geschah. Michael Servet der Schweizer Arzt unter der Diktatur des Reformators und Trinitariers Calvin, wurde noch 1553 wegen seines Bekenntnisses, Gott habe ein menschliches Angesicht verbrannt.
Was aber nun? Papst Benedikt XVI. wagte in seiner 1. Enzyklika   am 23. Januar 2006, was bislang als Verbrechen gegenüber dem Nicänum, galt, indem er erklärte: Gott hat ein menschliches Angesicht!
Dantes „Göttliche Komödie“ habe ihn ... inspiriert, ... wo ein „kosmischer Ausflug“ im inneren des Paradieses zum innersten Licht der Liebe führe, „die Sonne und Sterne zugleich bewege“. – Das tiefste Innere dieses unzugänglichen Lichtes sei jedoch nicht etwa ein noch gleißenderes Leuchten oder noch helleres Scheinensondern das zarte Gesicht eines Menschen, das dem Seher da endlich auf seiner Suche entgegentrete. Dies sei „etwas vollkommen Neues“. Das menschliche Antlitz Jesu Christi, das Dante im Inneren des innersten Geheimnisses Gottes erkenne, sei „noch viel bewegender als die Offenbarung Gottes in der Form des Dreifaltigen Kreises von Erkenntnis und LiebeGott, das unendliche Licht, ... besitzt ein menschliches Gesicht.“
Während seiner Begegnung mit den Priestern der Diözese Rom am 22. Februar 2007, also ein Jahr später, erhärtet Benedikt: 

 „Gott ist nicht bloß ein ferner Schatten, eine »erste Ursache«, sondern er hat ein Antlitz: Es ist das Angesicht der Barmherzigkeit, das Angesicht der Vergebung und der Liebe, das Angesicht der Begegnung mit uns. Diese beiden Themen durchdringen sich also gegenseitig und müssen immer zusammengehen.“
Nicht also die angeblich arianische Häresie, sondern der Geist Konstantins, der Geist der Diktatur, den die Kirche von ihm übernahm, sollte die Welt tatsächlich erschüttern. Das wird deutlich wenn wir den Blick auf die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten ökumenischen Konzil lenken. Im Zentrum der historischen Ereignisse steht Bischof Ambrosius von Mailand.
Er legte nach. Er wird die Basis des athanasianischen Bekenntnisses mit kaum überbietbarer Brutalität  entschieden verstärken.
Niemand will ihm die Ehre rauben in guter Absicht gehandelt zu haben. Ambrosius (339-397) war ein kluger, prinzipienfester Mann.
Aus Sicht des Mailänder Kaiserhauses, der flüchtigen, hilfesuchenden Ostgoten, aller Arianer, aller Hellenen, Manichäaer, Mandäer, der Isisgläubigen, der Buddhisten, kurz gesagt aus der Perspektive sämtlicher Nichtkatholiken,  war er jedoch ein Monster.


Fortsetzung folgt