Montag, 8. Mai 2017

Goldenes Mormonentum

Christus sprach, im Mai 1929, zu Joseph Smith:


"... Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun- ja, gerecht zu   handeln, demütig zu wandeln, rechtschaffen zu richten; und dies ist mein Geist.
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich werde dir von meinem Geist geben, der dir den Verstand erleuchten und der dir die Seele mit Freude erfüllen wird."
Lehre und Bündnisse Abschnitt 11: 12-13
gerichtet an seinen Bruder Hyrum Smith

Freitag, 5. Mai 2017

Komplettes Buch: "Die Zukunft gehört dem Christentum mormonischer Prägung" (3) by Gerd Skibbe

Es gäbe weder die katholische, evangelische noch die orthodoxen Kirchen, wäre da im Jahr 380, mit einem gnadenlosen, seinem ganzen Wesen nach antichristlichen Staatsgesetz, nicht das Scheinchristentum  zur Pflichtreligion erklärt worden.

Der Name dieses Gesetzes lautete: Cunctos populos.

An die Stelle der Vernunft und des Glaubens, trat mit ihm der Knüppel des römischen Staatsapparates, der zu dieser Zeit vom "Kaiserberater" Ambrosius von Mailand (339-397) straff geführt wurde. 
Wir werden sehen, dass er die jungen Kaiser dirigierte wie ein Puppenspieler seine Marionetten.
Ambrosius hatte sich sechs Jahre zuvor statt arianisch-tolerant und damit im Sinne des Valentinianischen Kaiserhauses katholisch-intolerant taufen lassen, obwohl er den Arianern Mailands zuvor zumindest Neutralität in Aussicht gestellt hatte.
Da liegt der Hund begraben.

An dieser Stelle muss ich noch einmal erklären, dass es niemals im Sinne Jesu Christi war Menschen zu zwingen, seine Wahrheiten zu akzeptieren. 
Im Gegenteil! Sein Evangelium ist das der Erlösung aus Zwängen. 
Gewaltanwendung und Christentum schließen sich definitiv gegenseitig aus.
Der Gesetzestext von Cunctos populos kommt so sanft und angenehm klingend daher wie Lenins Dekret über den Boden. Der Bolschewik Lenin versprach 1917 den landlosen Bauern und ihren an der Front blutenden Söhnen Frieden, Freiheit und Land.  Das war schönste Musik in ihren Ohren: Das sollte zum vorübergehenden Sieg des Moskauer Kommunismus führen.
1917 hieß es glaubwürdig: Der Boden gehört dem Volk.
Was sich in Wirklichkeit, gemäß zehntausenden Dokumenten ereignete ist jedoch unglaublich: 
die Bauern wurden erneut in die Sklaverei getrieben, noch tiefer hinein, als je zuvor. 

So ähnlich war es was sich nach 380 im Namen Christi zutrug. Zunächst freuten sich viele zu hören, dass Cunctos populos ihnen Frieden und Einigkeit im Glauben bescheren würde.
Aber die Realität erwies sich als brutale Unterdrückung aller Religionen. Außer der konstantinisch-katholischen Kirche besaß keine andere Glaubensrichtung fortan ein Existenzrecht.

Ambrosius Vorstoß richtete sich vor allem gegen die Mitglieder der Reste der Urkirche.
Das kann kein Historiker ernsthaft bestreiten.
Davon wird im Folgenden umfangreich die Rede sein.
Aber warum decken gewisse Personen dieses Wissen zu?

Werfen wir noch einmal einen Blick auf den Text des C.p. den, wie gesagt, niemand weiter als Ambrosius von Mailand zu verantworten hat, denn ohne diesen eisenharten Mann geschah  in den Grenzen Roms nichts von historischer Bedeutung mehr.

"Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen (müssen) sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt...“ (77)  Beginn und Ende des Textes Cunctos populos vom 27. Februar 380

Hier wird vorgegaukelt der Text entstamme der Feder des Kaisers Theodosius, aber der war damals noch kein Mitglied der Kirche und zudem zwang Ambrosius diesen bedauernswerten Herrn des römischen Hauses, sich in seinem Takt zu bewegen. Auch heißt C.p.  bis heute das "Dreikaiseredikt". Das ist eine Unwahrheit, wie später gezeigt werden wird.

Oder ist es etwa nicht wahr, dass Ambrosius Theodosius mehrfach öffentlich erniedrigte, dass er ihn öffentlich zu Kreuze kriechen ließ?

Wir wissen zudem ziemlich gut, wer Herr Damasus war, an dessen Glauben und Tun wir uns, gemäß C.p. ein Beispiel nehmen sollen. Wir wissen mit Sicherheit wozu er sich klar bekannte, nämlich zur rüdesten Art der Orthodoxie. 
Ich glaube, dass der Tag kommen wird, an dem wir Dokumentarfilme sehen werden. Wir werden sehen, wie verwegen Herr Damasus im Jahr 366, im Herbst, einherschreitet, mit seiner Bande von Totschlägern, um diejenigen umzubringen die anders als er an Christus glaubten. 
Dennoch ehren ihn nicht wenige großkirchliche Geistliche immer noch. 

„Cunctos populos“ atmet durch und durch den Geist dieses intoleranten "Papstes", der das Märchen vom "Stuhl Petri" in Rom erfand. C.p. drohte denen mit Strafen die sich aus Gewissensgründen nicht ins Einparteiensystem des Unholdes Ambrosius von Mailand einfügen konnten, nicht durften. Cunctos populos bestimmte, über alle Köpfe hinweg, dass 


„nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, … Christen heißen dürfen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande … zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist.“ (78) Textteil C.p. 

Strafgerechtigkeit wurde damals, wie später in Lenins Reich zum Schreckgespenst für jeden.

"Strafgerechtigkeit" brach da wie dort die mutigsten Herzen. Jesus hingegen wollte sie gewinnen.

Unvergessen: die Voraussetzungen für das Verbrechen der Entmündigung von schließlich Abermillionen durch C.p. schuf Athanasius von Alexandria. Seine Hetzreden, die er zwischen 320 bis 373 hielt, müssten jeden Mitfühlenden erschüttern. 

Aber das ist nicht oder nur selten der Fall. Großkirchliche Geistliche loben bis heute die kraftvolle Art des Athanasius. Doch Athanasius "kraftvolles" Diktat wirkte, nach Nicäa, 325, bis ins 19. Jahrhunderte ebenso unheilvoll wie das sogenannte "Diktat der Arbeiterklasse" im 20. Jahrhundert. Dort entfaltete derselbe Geist sich und fast bis zur letzten Minute seiner Herrschaft war es hier der "Panzerkommunismus", und da bis Vatikanum II das Diktat Roms: wer nicht glaubt wie der Vatikan, der kann nicht selig werden.
Lenin  wusste wahrscheinlich wenig oder nichts von Athanasius, aber beide brachten  zu Papier, dass nur sie Recht haben.
Sie schrien es aus voller Kehle.

Wie gerne versuchen die Feinde des toleranten, intelligenten Mormonentums zu unterstellen, nicht sie, nicht ihre Ansichten und Vorlieben, wären gefährlich, sondern die der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Diese stellten eine Bedrohung für die "Christenheit" dar. 
Aber bis heute gab es nur eine einzige Religion die in den USA jemals verfolgt wurde: nämlich die "mormonische". 

Die Verfolger outeten sich bis heute unentwegt: sie sind Athanasianer!
Das betonen sie auch noch obwohl sie genau wissen, wessen Geistes dieser Herrn war. Der bekannte Theologe Schleiermacher formulierte es klar:

„Athanasius... hat das Signal zu den Verfolgungen gegeben. Schon auf dem Nicänischen Konzil mag er die Hauptursache des strengen konstantinischen Dekrets gewesen sein... Er fängt überall mit Schimpfen und Heftigkeit an und ist unfähig und unbeholfen im Disputieren.“ (79) Joachim Boekels, Dissertation: Schleiermacher als Kirchengeschichtler“ 


Bereits in seiner zuverlässig überlieferten 1. Rede gegen die damals noch absolut harmlosen Arianer tönt Athanasius bösartig:

„Wenn man sie aber logisch untersucht, so wird es sich herausstellen, dass sie (die andersdenkenden Christen) bitteren Spott und Hohn verdienen..., verdienen sie nicht allen Hass?” (80)
Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter"

Dissonanzen schrillster unchristlicher Art! Auch Hans Lietzmann stellt fest:

„Er wird die nicänische, orthodoxe Leitfigur der kommenden Kämpfe.“ (81) „Geschichte der Alten Kirche“, de Gruyter

Die gesamte christlich-ökumenische Gemeinde befindet sich des zänkischen „Helden“ Athanasius wegen bis zur Stunde in schwieriger Lage, denn sie hängen an ihm, ob sie das wahr haben wollen oder nicht. Das Buch Mormon lehrt gegen diesen Trend zum Inhumanen:


„Es ist nicht meine, (Jesu), Lehre, dass den Menschen das Herz zum Zorn aufgestachelt werde, sondern es ist meine Lehre, dass es derartiges nicht mehr geben soll. ...Wer den Geist des Streites hat, ist nicht von mir...“ (82)  3. Nephi 11: 30 + 29 

Da ist er, der Kern des Mormonismus.

Athanasius Anklagen hingegen verstummten nie wieder: 


„Unter Rückgriff auf typische Formen der Polemik greift Athanasius seine Gegner an und diskriminiert ihre Handlungsweise grundsätzlich... dass die Arianer sich wie dauernd umherschwirrende Stechmücken verhalten, ist eine Metapher, die Athanasius immer wieder verwendet.“ (83) Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“

So urteilt auch Adolf von Harnack, mit Blick auf Athanasius Wirken:

„die Sprache des Hasses erfüllte die Kirchen.“ (84) von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“


Schon die Art, wie Athanasius nach dem Tode seines Bischofs Alexander 327 sich „in einer Art Husarenritt von einer Minderheit zu seinem Nachfolger“ wählen ließ, hätte auch seine Sympathisanten stutzig machen müssen.
Schnell wollte er Metropolit und mehr sein! Unartig provozierte er den Widerstand seiner Gegenspieler um sich selbst wichtiger zu machen. 
Seine Reden wurden immer schärfer. Bald brachte der alexandrinische Volksmund das Sprichwort auf: Athanasius contra mundum. Athanasius gegen die Welt. 
Er hält sich für den großen Sachverständigen. Als einigermaßen umfangreich unterrichteter Mormone kann ich leider nicht anders, als zu formulieren: Vor allem die „Sektenkenner“, Sektenbeaufragten aller Couleur, sind, was „Mormonismus“ betrifft, häufig von Blindheit geschlagen. Viele Antimormonen haben sich heftig im Ton vergriffen, einige tun es immer noch:

Soweit zu sehen ist, orientieren sich hinterwäldlerische Theologen noch im 21. Jahrhundert am Ungeist des Athanasius. Einige verfassten Publikationen verlogenster Art, wie die der "Mormonismus-experten" G.A. Zimmer, Rößle und Hauth. Andere zogen die feinere Klinge vor. Pfarrer Zimmer stellte fest, nachdem er sich jahrelang, seit 1902, als evangelischer Missionar in Utah intensiv umgesehen hatte und folglich als Kenner der Materie gelten musste: Er tut es in der Absicht dem traditionellen Christentum zu dienen:

Es ist angebracht diese Aussagen zu dokumentieren.


Das Kreuz Jesu? 
Warum vermissen es gerade diejenigen, die wissen, dass die Christen der ersten 400 Jahre, das Kreuz verabscheuten? 

Es ist eine sonderbare Religion, dieses "traditionelle" Christentum, eine Religion die es erlaubt zu ihrer Verteidigung Ungeheuerlichkeiten, Lügen und Diffamie als Waffe einzusetzen. Zimmer schämt sich nicht zu urteilen: 

„Die Mormonen sind eine einzigartige Gesellschaft von frechen Gotteslästerern, dreisten Lügnern, gewissenlosen Meineidigen, Hurern und Ehebrechern, gemeinen Dieben, lauernden Mördern eine durch gräuliche Eidschwüre zusammen gekittete unzertrennliche Gemeinschaft, einem Basilisken vergleichbar, wie ihn nur die Macht der Finsternis ausbrüten konnte…“ (85) „Unter den Mormonen in Utah“, 1907







Ist das nicht das Sprachmuster des Athanasius? 

Zimmers „Werk“ las ich 1945 als fünfzehnjähriger mit wachsender Spannung. Auf dem Hausboden meiner Eltern hatte ich die „verbotene Kiste“ meines Vaters gefunden und geöffnet, kurz nachdem die Rote Armee in Wolgast einmarschiert war. Statt, wie üblich, angeln zu gehen, las ich die ganze Antimormonenliteratur die mein Vater sich angeschafft hatte, als er die Lehren dieser Kirche zu untersuchen begann. Einiges davon ist noch heute in meinem Besitz. Wahrlich nicht der Hellste damals, erkannte ich dennoch sofort, dass es sich passagenweise um faustdicke Zwecklügen handelte. Denn Vater hatte sich, bereits 1932, nach langjähriger Untersuchung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage angeschlossen und mich gut unterrichtet. Zudem hatte ich einige Mormonenmissionare näher kennengelernt.


Bild: eigenes Archiv. Links Missionar Elder Larson, mein Vater Wilhelm Skibbe, Johannes Reese mein Klavierlehrer, der nie Mitglied der Kirche Jesu Christi der HLT wurde. Aber er bezeugte stets, dass er allen Aussagen des Mormonenpropheten Joseph Smith glaube. Er überzeugte ungefähr 60 Menschen, allesamt Wolgaster, sich unserer Kirche anzuschließen. Frau Schmidt, die später Mitglied wurde, und Missionar Ältester Holt.



Mittwoch, 3. Mai 2017

Komplettes Buch: "Die Zukunft gehört dem Christentum mormonischer Prägung" (2)


Diesem Abschnitt muss eine Bemerkung vorausgehen:

Wie alle überzeugten "Mormonen" immer wieder bekennen, erfolgte bald nach dem Tod der ersten Apostel der Abfall vom Geist der Toleranz. Christi Liebesgebot wurde ersetzt durch absolut unchristliche Intoleranz.  Im 4. Jahrhundert rissen die eisernen Fäuste angeblich frommer Männer das Zepter Christi endgültig an sich. 
Erneut sei gesagt, dass in der ursprünglichen Kirche das Pauluswort galt:

                    "Wer den Geist Christi nicht hat, gehört nicht zu ihm." Römer 8

Gleichgültig wie groß der Name Christi nun auf die Fahnen - die Standarten -  der römischen Heere geschrieben wurde. ER stand nicht hinter ihnen.

Alle Schlachten mit zunehmend "christlicher" Beteiligung und angeblich im Interesse des Christentums, ab dem 4. Jahrhundert wurden vom Todfeind Christi, dem Herrn der Gewalt, geschlagen. Christi Werk, der Gewaltlosigkeit zum Sieg über das Elend zu führen, wurde in bester Absicht, aber ganz und gar brutal zerschmettert.

Wer kann, der bestreite es.

Seht selbst was geschah. Man denke daran, dass Mormonen glauben, dass Lieblosigkeit, Machtgier und Fanatismus  im Christentum nicht vorkommen.
Gott sah es voraus und er hatte von Beginn an seinen Plan: das Verlorene wieder herzustellen. Nach ihrem Verständnis ist "Mormonismus" oder die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der komplexe Ausdruck dieser Wiederherstellung.
Die nun folgenden massiv negativen Berichte, sind leider wahr. Von ihnen zu wissen ist für den nötig, der sich in der chaotischen Welt "christlicher" Kirchen orientieren möchte.
Es geht nichts über das Wissen in Geschichte, solange wir aus ihr die Lehren für die Zukunft ziehen wollen.

Niemand wird verdammt, außer er verdammt sich selbst.

Ambrosius von Mailand der Gnadenlose und  Intolerante


Bild Wikipedia: Fluchtroute der Ostgoten

378 schlugen gotische Lanzenreiter bei Adrian-opel die Legionäre der oströmischen Armee ver-nichtend. 20 000 Tote. Zuvor wurde ihr Ersuchen, als Flüchtlinge vor den übermächtigen Hunnen im Herrschaftsbereich Roms Zuflucht zu finden, von Ambrosius, dem Kaiserberater, abgeschmettert. Er schrieb im kritischen Sommer 378 für den jungen verunsicherten Kaiser Gratian zwei Bücher („De fide“) Da heißt es: 
Die Arianer (Italiens und die Goten G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen!“... „der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) mehr als die Tapferkeit der Soldaten den Sieg...“ Ambrosius behauptete: „Jesus Christus soll das römische Heer führen!" Untrennbar gehörten für Ambrosius Staat und Kirche zusammen. Als Staatsbeamter kannte er kaum Gnade, als Christ schon gar nicht. Eingeklemmt zwischen den unwiderstehlichen, mörderischen Hunnen und den von Ambrosius aufgehetzten Söldnern Roms, musste es seitens der Ostgoten zu einer Explosion kommen. Barbaren wurden sie genannt. Aber der Barbarismus bestand in der gegen sie gerichteten Todfeindschaft der Athanasianer. Stereotyp hieß es, sie seien Ketzer. Dabei waren die meisten Goten weder getauft noch fanatisch, wobei doch erwiesen ist, dass Ketzer zuerst Getaufte sein müssen. Gewiss, viele ihrer einflussreichen Familien glaubten an den Christus der ihnen von Missionaren des Ostens gepredigt worden war, der gesagt hatte, er sei ein anderer  als der allein wahre Gott. Dieser eigentlich für die Glaubenspraxis eher kleine Unterschied erwies sich unentwegt als verhängnisvoll. Ambrosius wollte nicht sehen, dass er im Begriff stand, eine Mücke zu einem Elefanten aufzublähen, denn die Bibel lehrt nirgendwo, worauf die Athanasianer bestanden. Ambrosius beharrte nicht nur auf seinem engen Standpunkt, sondern wo er konnte vertiefte er die Gründe seiner Position. Er fühlte sich dem rauen Geist der Damasianer verbunden, dem absolut intoleranten Kern der Anhänger des fanatisch nicänischen Bischofs von Rom, der 366 die christlich-arianische Ursinusgemeinde vernichtete. Deren Rohheit führte zur Jahrhunderte währenden Verachtung der Rechte Andersdenkender.
Gegen die Annahme Ambrosius, wurden die schließlich von den Goten überrannten Gebiete im Norden Italiens weder entvölkert noch deren Katholiken ihres Glaubens wegen belästigt. Ruhig ging es zu, wo die Arianer hinkamen und nach und nach die Oberhand gewannen. Ihre Religion erwies sich als sanft. Toleranz wurde, solange sie herrschten, groß geschrieben. Ad absurdum führten sie die Propaganda der Katholiken. Kaum merklich für das katholische Rom entstand das ostgotische Reich, es wuchs Schritt für Schritt südwärts. Jeder Bürger oder Sklave besuchte die von ihm bevorzugten Gottesdienste unbehelligt, etwas das dem kaltherzigen Ordnungsmenschen Ambrosius sehr missfiel. Trotz seiner politisch-militärischen Niederlagen blieb er der führende Kopf der Athanasianer. In den nächsten Jahrzehnten verebbte das weströmische Kaiserreich. Es hörte auf zu existieren. Wahrscheinlich gab es damals im Osten wie im Westen mehr arianische Christen als katholische. Die Katholiken rührten indessen heftiger. Sie hatten sich wieder erholt. Und kaum an Zahl bedeutender geworden, begannen sie erneut zu zanken, was ihnen sehr zu Eigen war. Immer sind es einzelne Charaktere die getragen von gewisser Grundstimmung emporgehoben werden. Sie haben das Gespür. Witterer des Windes, nennt Stefan Zweig sie. Justinian ist so einer, nur das er damals noch Petrus Sabbatius hieß. Sechsunddreißigjährig erlebt er, dass sein betagter Adoptivvater Justin, 518, wahrscheinlich mit Hilfe von veruntreutem Geld, geheimen Absprachen und Zetteleien der Sprung vom Kommandeursposten der kaiserlichen Garde auf den Kaiserthron gelingt. Petrus Sabbatius wird ihn fortan maßgeblich beraten. Petrus führt großes im Schilde. Wenn er das verwirklichen will, dann muss er, mit allen Konsequenzen Partei gegen die Arianer ergreifen. Unbedingt wird er zu den „Rechtgläubigen“ gehören und mit ihnen die alte Herrlichkeit des konstantinischen Reiches restaurieren. Fünf Jahre benötigt der spätere Justinian um die erste größere Hetze gegen die Arianer Konstantinopels zu inszenieren. Es kommt ein Dekret heraus, das die Arianer wieder deutlich benachteiligt – und nahezu alle Goten in Konstantinopel sind Arianer - Zwei Jahre später, 525, wird er Cäsar. 527, nach dem Tod seines Onkels Justin, Kaiser. Selbst der weniger Aufmerksame findet in den Gesichtern der Bilder von Superpolitikern Roms, Mailands und Byzanz, sowie denen Berlins, Leningrads, Moskaus, deren erbarmungslos diktatorisches Trachten eingeschrieben. Jesaja, der zu den größten Propheten Israels gehör, kannte diese Typen: 
Der Ausdruck ihres Angesichts zeugt gegen sie! ... ihre Zungen und ihre Taten sind gegen den Herrn gerichtet, um den Augen seiner Majestät zu trotzen.(23)  Jesaja 3: 9

Unglaublich aber wahr. Bis heute gilt die Vergewaltigung der Gewissenhaften als nicht ausgesprochen unchristlich. Würden die Autoren, die Ambrosius von Mailand  oder Justinian skizzieren, sonst so sparsam mit ihrer Kritik sein?  Die orthodoxe Kirche ehrt die beiden sogar als Heilige, und im Kalender der Lutherischen Missouri-Synode steht unter den Gedenktagen auch Justinians Name geschrieben. Ein Reich, ein Kaiser, ein Gott - d.h.- eine Einheitskirche, eine, die nur sich selbst liebt. Im Sinne seines Vorbildes Konstantin und des Ambrosius von Mailand hatte Justinian sich geschworen den Arianismus auszutilgen, der durch den Einfall der Ostgoten gestärkt wurde. Er konnte nicht leugnen, dass die arianischen Goten die eroberten Landesteile gut regierten. Aber sie widerstanden seiner „Orthodoxie“, waren nicht gerade Freunde des Papsttums, wenn auch nicht dessen Feind! Mit Stumpf und Stiel wollte und sollte Justinian sie austilgen, wie die Nazis die Juden. Er suchte und fand seine Gelegenheit kriegerisch einzugreifen. Es sei nur eine Strafoperation, sagte er zu Beginn des Krieges. Die arianischen Vandalen hätten in Nordafrika ihren König Hilderich abgesetzt. Was immer ihre Gründe dafür gewesen sein mögen. Anmaßend fühlte Justinian sich als Schutzherr jener Territorien die einst Teil des großen Rom waren. Er bestand auf die Wiedereinsetzung Hilderichs.
Die Vandalen wiesen ihn ab. Das war die Gelegenheit die er gesucht hatte.
Justinian schickte kaltblütige Generäle des Typs Belisar und Nardes mit ihren Truppen um mit seinem „christusliebenden Heer" die alte Ordnung wiederherzustellen. Am 15. September 533 stand Belisar mit seinen 15 000 Mann vor Karthago. Alles lief bestens zu seinen Gunsten. So leicht war es gewesen die Stadt einzunehmen. Die bitterarmen Soldaten Belisars glaubten sich im Himmel, weil ihnen alles zufiel, was ihr Herz begehrte. Als Justinian, nur Wochen später in Konstantinopel die Militärparade abnimmt und sein Feldherr Belisar triumphierend seine Gefangenen vorführt, beschließt der Kaiser nun ganz Italien zu „befreien“. Als Jurist von Format war ihm klar, es bedarf einer guten Begründung, bevor er da einmarschiert.  Er befand sich in einer Situation die gewisse Ähnlichkeit mit den Ereignissen von 1967 aufweist. Die Sowjetunion wollte die alte, volle Vorherrschaft in der Tschechoslowakei wiederherstellen, die sie infolge des „Prager Frühlings“ verloren hatte. Die Tschechen waren vom orthodoxen Kommunismus abgefallen, wie zu Justinians Zeiten zahllose Italiener die zuvor als gute Katholiken galten und nun arianisch  glaubten.
Die Sowjets brauchten einen tragfähigen Grund um dort militärisch einzuschreiten. Irgendwer mit Stimme aus diesem Land musste sie um Hilfe bitten. Aus Reihen der über fünftausendköpfigen Belegschaft der Skodawerke fanden sich schließlich etwa 100 Personen bereit den Hilferufbrief an den Kreml zu unterzeichnen. Zwei Prozent… Der Rest lief wie geschmiert.
So hatte Justinian Briefe von einigen erzkatholischen Priestern erhalten die ihn angeblich ermutigten militärisch zu intervenieren. Auch die romanischen Großgrundbesitzer baten ihn einzugreifen, weil die Arianer Gesetze zugunsten der kleinen Bauern erlassen hatten. Es war eine Bauernbefreiung die den sehr Reichen… „alle Herrenrechte entzog“… eine kleine Notiz, die jedoch große Beachtung verdient, denn Christen sind Menschen, die sich entschlossen für das Recht  der Benachteiligten einsetzen. Eben daran, dass sie Liebe haben, wird man sie erkennen, sagte Jesus wieder und immer wieder. Rechtschaffenheit ist ihr Kennzeichen.
Dietrich Bonhoeffers Lebensmotto stand ebenfalls nicht nur auf dem Papier:
„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen. Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“  Sprichwörter 31: 8-9

Als das orthodoxe Byzanz das bislang von Arianern geführte Italien nach 17 Kriegsjahren verwüstet hinterließ und der Handel völlig niederlag, nachdem die einfachen Menschen hüben wie drüben den letzten Pfennig für die Aggression der fanatischen Nicäner hergegeben hatten, brach der ganze Zorn aus Totila, dem vorletzten König der Arianer heraus. Er, der unselige Verlierer gegen die byzantinische Streitmacht,

„warf den Possessoren Italiens, den Mitgliedern des senatorischen Adels vor, dass sie „obwohl an der Herrschaft beteiligt, die Byzantiner ins Land geholt hatten“ (24) Ernst Pitz „Die griechisch-römische Ökumene und die drei Kulturen des Mittelalters“



Bild Wikipedia

Die Byzantiner, nicht die Goten, hatten „gehaust wie die Vandalen“. Jedes Schulkind kennt dieses überaus verlogene Zitat. Sie waren, das sagt die moderne Geschichtsforschung… jedenfalls, keineswegs so schlimm wie ihr Ruf.

Und wie die Vandalen, so die Goten. Die Überlieferung war genau das, den Christen untersagte: plumpe Propaganda, Unwahrhaftigkeit aus Gründen der Rechtfertigung bösartigen Vormachtstrebens.

Justinian schwor, sein Herrgott, der Allerhöchste, habe ihm gesagt was zu tun sei. 1941, als der „Verführer“ Hitler seinen Großplan „Barbarossa“ startete, in- dem seine waffenstarrenden Divisionen die Sowjetunion überfielen, hob er wie zuvor Justinian - zum Allerhöchsten - die Hände himmelwärts: 

„dass der Herrgott in diesem Kampf des kommenden Jahres uns nicht verlassen möge, das soll unser Gebet sein.“ (25) Christian Dube „Religiöse Sprache in reden Adolf Hitlers“  
Die Widerstandsgruppe um Sophie und Hans Scholl mahnte ein Jahr später todesmutig:
„Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan.“ (26)20 26 Rainer Bucher „Vorsehung und Religiosität“    
Drei Jahre nach Kriegsbeginn verkündete Justinian:
                                                                                            
„Von Gott eingesetzt unser Reich lenkend das uns von der himmlischen Hoheit übergeben worden ist, bringen wir Kriege glücklich zu Ende… wir richten unsere Herzen so auf den Beistand des allmächtigen Gottes, dass wir weder Waffen noch unseren Soldaten, noch den Generälen noch unserer eigenen Begabung vertrauen müssen, sondern jegliche Hoffnung allein auf die vorsorgende Umsicht der höchsten Dreifaltigkeit setzen…“ (27)  Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich und Religion“ 

Unmissverständlich: er führt „glücklich endende Kriege…“ weil die „vorsorgende Umsicht der höchsten Dreifaltigkeit“ es so will.  Sein „Glück“ bedeutete allerdings immer Verrohung der Soldaten und die Verelendung der Besiegten. Unweigerlich kommen dem der hinblickt, die Worte Goethes in den Sinn:    „Wie einer ist, so ist sein Gott, darum ward Gott so oft zum Spott.“ Justinians höchste heilige Dreifaltigkeit ist der von Kaiser Konstantin erdachte Nebel, der unübersehbar jene Charaktereigenschaften besaß, die den Göttern des räuberischen römischen Imperiums seit eh und je zu eigen waren. Sie herrschten mittels Brutalität. Angst und Schrecken verlieh ihnen was sie suchten. Justinians römischer Götze  stand auch in Adolf Hitlers Hirn als höchste Größe da. Er sagte 1941:

„Ich danke dir mein Herrgott, dass du mich jetzt dorthin gebracht hast, wo ich endlich mein Programm verwirklichen kann!“ (28) Christian Dube „Religiöse Sprache in reden Adolf Hitlers“

Sein Programm bestand darin, die Juden zu eliminieren, sowie riesiger Landraub im Osten. Justinians Programm glich dem der Nationalsozialisten. Und wenn auch formal gerechtfertigt, begehrte er durch die Wiedereinverleibung Italiens ins Imperium die Vergrößerung seiner eigenen Herrlichkeit und das um jeden Preis.
Doch es war alles umsonst. Um 550 erringen die Orthodoxen, mittels der Heerscharen Kaiser Justinians ihren Pyrrhussieg. Das Heidentum, und die Goten verschwinden im sechsten Jahrhundert von der ‚christlich’ dominierten Bildfläche. Die Antike hat ausgeatmet. Justinians Herrgott betrachtete wohl, wie Hitlers Höchster, ziemlich gelassen was der Oberherr der Orthodoxie angerichtet hatte.
"Die Erschöpfung und das Elend Roms konnte zu keiner Zeit, selbst nicht in der Periode des sogenannten Exils der Päpste zu Avignon, größer sein als nach Beendigung des Gotenkriegs", schreibt Ferdinand Gregorovius. Er resümiert: "Die beste Apologie der Gotenherrschaft ist in Wahrheit das lange, grenzenlose Elend, in welches Italien versank, nachdem das Reich Theoderichs (das Reich des arianischen Gotenkönigs) gefallen war." (29) 29 Annette Bruhns, Spiegel 200mm

Justinian hatte getan was er konnte. Die Großstadt Rom und das flache Land verödeten. Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte und Retter des Christentums. Gespenstisch ging es zu. Wo einst 1 Million Bürger wohnten, hausten zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute.
Dieser verlorene Haufen, hielt sich allerdings für den Nabel der Welt.
Kurz vor Kriegsende, 550, fiel Justinians voller Zorn auf Origenes. Dessen Lehre, jeder Mensch stamme von Gott ab und niemand dürfe jemals die WÜRDE des Geringsten antasten, missfiel dem Herrn auf dem Kaiserstuhl zunehmend. Zu vernehmen, Gott habe jedem das Individualrecht zugesichert, störte ihn. Und seine langbärtigen, sabaitischen Mönche hetzten ihn auf, nun das Lehrgut des Origenes ganz auszulöschen. Sich selbst und ihren Lebensstil betrachtend konnten die Herumlungerer wahrscheinlich selbst nicht glauben, sie hätten auch nur einen Funken Göttlichkeit in sich, hätten sie sich sonst in stinkende Lumpen gehüllt?
Da liegen die Gründe für die Verfluchung der angeblich origenistischen Aussagen, von der Präexistenz der Menschen, vom Verwandtsein des Menschen mit Gott, die jedoch nichts weiter waren, als die Summe der Christus- und Apostellehren.

In Nicäa, 325, begann das Unheil. Da nahm es Fahrt auf.

Betrachten wir erneut das goldleuchtende Klostergemälde. Es zeigt andere Sonderbarkeiten: weitere Unstimmigkeiten von enormer Bedeutung.

File: Nikea-arius.png


Es ist hoch an der Zeit zu sagen, dass in Nicäa ein Mörder - Konstantin - Christus verdrängte.  Er setzte seine Intentionen mittels Drohungen durch, die sich gegen die sich wehrenden Bischöfe richteten. Sol Invictus kam mit ihm.
mmmmmmmmmmmmmmmmmm__                                                                                                       
Bild und Text Wikipedia: Mosaic of Christ as Sol or Apollo-Helios in Mausoleum M in the pre-4th-century necropolis beneath St. Peter's in the Vatican, which many interpret as representing Christ


File:Apollo1.JPG
Bild Wikipedia: der unbesiegte Sonnengott


Erstens: der Heiligenschein des Imperators im obigen Bild ist die Gloriole des altrömischen Sonnengottes Sol Invictus. Konstantin erschien auf dem Konzil eben nicht neutral gekleidet, sondern demonstrativ wie der Gott seines Vaters, Sol Invictus.

Weniger gut Informierte könnten die mit dieser Darstellung aus dem späten 2. Jahrhundert verherrlichte Gottheit Sol durchaus für Christus, den Gesalbten, halten. Diese, heutigen Christen hoffentlich peinliche Verwechslung war seitens Konstantin gewollt.  Sie sollte jedoch zur Entartung des Christentums führen, zur Inquisition, zu Kreuzzügen aller Art, zu Zwangstaufen und in Millionen Fällen zu verbrecherischer Gewaltanwendung im Namen Christi.  Selten wurde Christen bewusst, dass der Gott Konstantins, mit dem Konzil zu Nicäa, 325, ins Fell des „Lammes Gottes“ schlüpfte, und dass Sol Invictus sich fortan freute, wo Jesus geweint hätte. Natürlich, aus der Sicht eines machtsüchtigen Staatspolitikers der sich um die Stabilität seines Imperiums kümmert, musste Konstantin versuchen aus allen in seinem Reich existierenden Religionen eine einzige zu schmieden, denn das Motto, der von ihm angestrebten Universalmonarchie, lautete: Ein Reich und ein Gott. Dieser eine Gott wollte er sein. (Einen anderen Schluss lassen die Resultate der Forschung nicht zu.) Er ist für den Mix aus Heiden- und Christentum verantwortlich.  Kaum jemand vermochte dies bislang so deutlich zu formulieren wie - ausgerechnet - die „Union der europäischen Konferenzen der höheren Ordensoberen/innen“. Dieses bedeutende Gremium  wagte es sich dieser Tatsache zu stellen und schrieb 2007 im Internet, wo es bezeichnenderweise nicht mehr erscheint: 
„Als die Heiden nach einem Gedanken der Einzigartigkeit der Götter suchten, dachten sie nicht an Zeus, sondern an Apollo. Der einzige Gott der gebildeten und fast monotheistischen Heiden, gerade vor dem Aufkommen des Christentums, war Phebus Apollo oder Sol, der das Leben auf Erden spendende Gott. Aurelian führte einen Versuch eines solchen heidnischen Monotheismus ein während Konstantin den christlichen Monotheismus einsetzen wird mit Sol Invictus („die unbesiegte Sonne“) und Mithra bei den Soldaten, um spirituell dem Wedismus der Perser entgegenzuwirken. Aurelian wünschte, dass die Römer eine gleiche Religion hätten...“  (30) www.ucesm.net/ucesm_de/italie _religions_de, 2008 
Hier erneut innezuhalten ist angebracht. Schon „Aurelian wünschte, dass die Römer eine gleiche Religion hätten...“  An dieser Stelle altrömischen Machtdenkens wurde also später auf Kosten christlicher Basisüberzeugungen die neue, die nicänische Glaubensordnung beschlossen. Sie sollte Weltgeschichte übelsten Stiles schreiben. Aus der altrömischen heiligen Dreifaltigkeit von Jupiter, Quirinus und Mars, wurde die christliche, dominiert von Sol.  W  ww.  Uni- Protokolle schreibt:

"Ursprünglich vereint Sol Invictus mehr oder weniger die orientalischen Religionen wie den persischen Mithras und den syrischen Baal. Die Wurzel dieses nach Rom exportierten Baal lässt sich zurückverfolgen nach Emesa, mit dem Stadtgott Sol Elagabal. Sol Invictus ist bereits unter Vespasian geläufig. Er stellte ihm zu Ehren schon im Jahre 75 eine Kolossalstatue auf, seit Commodus trägt jeder Kaiser den Titel Invictus." 
Zweitens: Kreuze, wie sie die „Konzilsväter“ auf dem Gemälde vorweisen, kamen in der Kirche erst um 430 vor, also rund einhundert Jahre später.
Drittens: liturgische Gewandung trugen die Geistlichen der Kirche erst fast zu Beginn des 7. Jahrhunderts, nachdem die Urkirche längst „Reichskirche“ geworden war.
Noch im Jahr 403 wurde es dem Patriarchen von Konstantinopel als Eitelkeit ausgelegt, dass er sich beim Gottesdienst ein eigenes Festgewand anlegen ließ... erst ab 589 gibt es liturgische Kleidungsstücke...“ (31) Hertling, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“      

Viertens: das Gemälde deutet eine Art Harmonie zwischen dem Kaiser und den Gemeindevorstehern (Bischöfen) an. Tatsächlich wurde das, gegen die urchristliche Gesinnung des Arius gerichtete, nicänische Glaubensbekenntnis gegen den Willen der meisten Bischöfe durch Konstantin brutal erzwungen.
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seitens des Kaisers Konstantin wurde mit Drohungen und Ankündigung von Repressalien gearbeitet. Jeder Bischof wird einzeln vorgenommen. Ihm wird das Bekenntnis (das Nicänum) vorgelegt und er wird zugleich vor die Alternative gestellt, entweder zu unterschreiben oder in die Verbannung zu gehen... in Nicäa wird auch die Kirchenorganisation in die Organisation des Reiches eingepasst.“ (32) Rudolf Leeb „Konstantin und Christus“ – die Verchristlichung der imperialen Repräsentation“                                                             
Konstantin hatte, wie im Folgenden gezeigt wird, keine klare Gottesvorstellung, eigentlich war er Henotheist. Seine persönliche Eitelkeit, der Wunsch von allen Menschen angebetet zu werden, stand vornean. (Hitler, Mao und Josef Stalin sollten ihm das später nachmachen) Aus dieser Mischung aus Anspruch und unfertigen religiösen Ideen seitens Konstantins konnte nur Verwirrung entstehen. Deshalb gingen die meisten Bischöfe unbefriedigt und unglücklich nach Hause. Sie schämten sich, weil sie erkannten, der wahre Christus spiele im Denken des Kaisers überhaupt keine Rolle.  Der evangelische Historiker Heinz Kraft bringt es auf den Punkt:

 „Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen.“ (33)  Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“

Was die Bischöfe am meisten beunruhigte, Konstantin war unerbittlich und die Ältestenkollegien daheim werden ihnen zusetzen, sie hätten unter keinen Umständen der Einladung des Kaisers folgen dürfen. Aus dem Hirn dieses tyrannischen Imperators der

gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten, im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen ließ, etwa in einer Arena in Trier…“ konnte nur Ungutes kommen. Alle wussten es: „... auch mit der Zivilbevölkerung kannte er keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ (34) Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“ Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft   

Was und wer sich ihm, auch nur dem Anschein nach, in den Weg stellte, wurde zermalmt.

                                                                                  
1.     Fühlte Konstantin  sich „eins“ mit seinem Gott?

 Bild Wikipedia: Kopf der Kolossalstatue Konstantins, Kapitolinische Museen, Rom

Fünf Jahre nachdem er sich in Nicäa zum Bischof der Bischöfe aufgeworfen hatte, (zum Aufseher der „Aufseher“ und Hüter der neuen, der Reichs-Kirche), am Tage der feierlichen Einweihung Konstantinopels, am 11. Mai 330,  gab es zu seinen Ehren Festspiele im Zirkus.
„ Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in der Haltung und im Gewand des Sonnengottes darstellte… In seiner Hauptstadt „wurde (auch) eine Statue der Glücksgöttin Nike (der römischen Victoria) errichtet, Kaiser Konstantin ließ sich mit dem Zepter, der Lanze, der Siegesgöttin Nike und dem Reichsapfel darstellen.“ (35) William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“ 
Man muss sich vor Augen stellen wie ehrfurchtsvoll  die am Wegrand, von Weihrauch umhüllten  Menschen, Heiden wie Christen vor ihm und seiner Statue niederknieten. Mehr als das. Selbst über seinen Tod hinaus wollte er gottgleich sein, stellte seinen eigenen Sarg, auf dessen beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden….  ins Zentrum, denn ewig herrschen und angebetet zu werden war sein höchstes Ziel – und die Kirche tat ihm den Gefallen:
Konstantin, „selbst hat … den Platz (seiner letzten Ruhestätte in Konstantinopel) ausersehen... Die eigentliche Beisetzung  wird dann durch (Sohn) Constantius vollzogen. Er und seine Heeres-        abordnungen geleiten den Sarg in die ­­­­ Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen,  dass der Wert der Gebete die hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugutekommen. Er stellte einen Altar mitten hinein… Konstantin ordnete an, (dass in seinem Mausoleum G.S.) Kirche gehalten wird.“  (36) Hermann Dörries „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins"     


„Wie die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag… stellte …man in die Mitte zwischen die zwei Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht… darüber kann kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden wollte und dass an dem Altar für ihn und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte… An der Spitze der Apostel wollte er ruhen, der divus imperator, der den christlichen Staat gegründet, wollte begraben und nach seinem Tode verehrt sein nicht anders als der Sohn Gottes, der die christliche Religion gegründet hatte." (37)  A. Heisenberg „Grabeskirche und Apostelkirche, zwei Basiliken“ 

Bild Wikipedia:  Diokletian (244-311) 
Er wollte schon früh bis in die Himmelshöhen hinaus. In Nikomedien musste er bis 305 am Kaiserhof Diokletians leben, als Geisel für die Loyalität seines Vaters Constantin Chlorus - der als Unterkaiser der Tetrarchie den Westen regierte -.   Diokletians militärische Befehle soll er glänzend erfüllt haben. Er wird dort wiederholt mit seiner Mutter Helena gewohnt haben, denn sie ist wie der Geschichtsverlauf zeigt wahrscheinlich der einzige Mensch gewesen den er je liebte.



In Nikomedia lernte er wie geherrscht wird. Dort verinnerlichte er was ihn erwartete.
Diokletian war der „dominus et Deus“, der Herr und Gott, der Herrgott. Ein Lobredner schwärmte: 
der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern...in Dir leben die numina (die Geister) von Jupiter und Hercules - wir rufen Dich an, wir rufen Dir zu,  jeden Sieg zu erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der praesens deus - weshalb wir uns nicht fürchten,
weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben zu Füßen zu legen – Heil dir! Deine Herrschaft ist nicht nur durch die Erdgegenden begrenzt sondern sie reicht darüber hinaus in die Regionen ewiger Himmel. Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werden, so als gelangten wir in Deine Gegenwart,  stehen wir heute im Adyton - dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere Treue. Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich... Deshalb gleiche der Kaiser dem Gebieter des Weltalls…“ 
Kaiser Diokletian war während vieler Reden gar nicht anwesend, aber
"…in solchem Fall hielt ein Jupiterpriester das Bild des Imperators in die Höhe, denn es wurde spätestens seit dieser Zeit geglaubt, dass der Kaiser und sein Bild eins seien." (38)   Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“

 Dass der Kaiser und sein Gemälde eins seien und Diokletian eins war mit Gott, war eine Vorstellung die Konstantin einerseits kaum logisch erscheinen konnte, andererseits bot sie ihm ein Denkmodell, das - ab Nicäa - Zukunft haben sollte, wenn auch eine unglückliche, die unter Christen Hass und Zerfall stiften sollte. 
Zunächst galten  auch Kaiser Diokletian die Christen, die für ihn beteten, ihn aber nicht als ihren Gott anerkannten, als achtbare Persönlichkeiten. Doch da sie an Zahl und wegen ihrer Grundsatztreue an natürlicher Macht zunahmen, riefen sie zunehmend die Eifersucht der paganen Priester herauf. Sie sahen in den Christenpriestern Konkurrenten. Obwohl sich die Jesusgläubigen mäßig zurückhaltend betrugen musste dies zu schweren Konflikten führen. Es gärte im Glaubensraum. Immer mehr Leute glaubten den zu dieser Zeit noch ehrenamtlich wirkenden christlichen Priestern. Sie seien wahre Idealisten. Noch weit davon entfernt liturgische Kleidung zu tragen  gingen sie bis zu jenem verhängnisvollen 23. Februar  303 am Kaiserhof Diokletians, selbstbewusst wie die Nobilissimi ein und aus. Das Vertrauen, das der Oberkaiser in die Christen setzte konnte den Berufspaganen nicht gefallen. Ihre Gelegenheit kam als Diokletian, dieser auch in Konstantins Augen, abergläubische alte Mann, wieder einmal vor einer Schlacht eine Eingeweideschau anbefohlen hatte:

„Die Schau der Haruspices (Wahrsager) vor Diokletian misslang. Der Priester sagte, die Götter zürnten ihm wegen der Anwesenheit unheiliger Personen. Damit waren die Christen gemeint. Daraufhin mussten alle Beamten des kaiserlichen Palastes den römischen Göttern opfern, oder sie wurden ausgepeitscht... Auch bei einer Befragung des Apollo-Orakels in Milet antwortete der Gott seinen Priestern, dass die Christen die Beziehung zu den Göttern störten. Daraufhin ließ der Kaiser in Nikomedia eine christliche Kirche niederreißen und deren heilige Bücher verbrennen. In einem Dekret, von 303, ordnete er an, in der ganzen Provinz sollte die Gebetshäuser Bücher der Christen zerstört werden, die Christen sollten aus allen Ämtern entlassen werden und ihre Privilegien verlieren. Als nun noch im Palast ein Brand ausbrach, wurden die Christen dafür verantwortlich gemacht.“ (39) Anton Grabner, Haider, Johann Maier, „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ 

Eine heftige Welle der Verfolgung erhob sich. Sie lichtete die Reihen der Treuen. Rhetoriklehrer Laktanz und viele andere bedeutende Christen mussten vor dem plötzlich wieder religiös aktiven Diokletian flüchten. Konstantin sah die Trümmer der Christengemeinde und ihre zerstörte Kapelle. Mehr Änderungen standen vor der Tür. Innere Unruhe trieb ihn um. Kurz vor dem Ableben seines schwer herzkranken Vaters, Constantin Chlorus, gelang ihm, 306, die Flucht. Er traf seinen Vater noch lebend an.  Stattlich in seiner Erscheinung und von großer Ausstrahlung seiner Hoheit und empfing ihn die Westarmee erwartungsvoll.
Umgehend, nach dem Tod des Vaters erhoben die Generäle Sohn Konstantin zum Cäsar, in jene Position die sein Vater 13 lange Jahre eingenommen hatte.                                                                                                                                                    240
Er begründete „seinen Herrschaftsanspruch mit seiner Abstammung vom Staatsgott Constantius Chlorus, den er divinisieren und konsekrieren ließ... Konstantins Vater war Herrscher auf Erden und ist Gott im Himmel."  Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich –
Dass Konstantin schließlich durch Münzprägungen und Wort zum Ausdruck bringen ließ, er sei eins mit dem Gott des Schlachtens Sol Invictus, störte die meisten Christen, - aber eben nicht alle. Insgeheim bestritt jedoch kaum jemand unter den gut Informierten, dass er über Leichen ging. Das kann der von Konstantin hoch geschätzte Christ Laktanz nicht übersehen haben. Er lobte den mörderischen Imperator. Entweder sind seine Aussagen über Konstantin teilweise gefälscht, oder er sagte sich: Ganz gleich, wer dieser Kaiser ist, ich werde mein Teil tun, ihn zum Diener meiner Kirche zu ­­­­ machen. Es sollte umgekehrt kommen. Denn schon am Kaiserhof Diokletians wurde es dem Usurpator Konstantin in die Seele gelegt: „Der Kaiser gleiche dem Gebieter des Weltalls.“ (41) Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“   
 Solche Sätze haben Langzeitwirkung. Bereits im Jahr 309, - drei Jahre nach seiner Selbsterhebung - wurde ihm, nach dem Bericht eines Lobredners eine Vision im schönsten Apollotempel Galliens zuteil. Dort erschienen ihm Sol Apollo und die Göttin des Sieges, Victoria. Sie verhießen ihm jene dreißigjährige Herrschaft, die er tatsächlich durchleben sollte. Sie, nicht Christus, gaben  ihm  die Siegeszeichen XXX. Da taucht es auf das weltändernde dreimalige Kreuz Seine Priester hatten ihm Ähnliches bereits zuvor eingeflüstert: 

„Du bist der Sol Invictus, - der unbesiegte Sonnengott - . An dir haben wir uns aufgerichtet. Du, Augustus, bist es! Du hast uns erleuchtet.“ (42) Vittinghof „Konstantin der Große“

In diesen Zeichen XXX sollst du siegen!   Du Konstantin! Deine Herrlichkeit wird
grenzenlos sein. Andererseits gab es am Hofe Konstantins und in seinem Heerlager einflussreiche Persönlichkeiten wie den spanisch-afrikanischen Bischof Hosius und Eusebius von Cäsaräa, die ihn ebenfalls bekehren wollten. Wo es ihnen ratsam erschien, deuteten sie Konstantins Ideen „christlich“. Klug, jedoch nicht immer ehrlich, wenn er zu schmeicheln begann, doch anscheinend stets in bester Absicht, nutzte Eusebius von Cäsaräa jede der sich ihm bietenden Gelegenheiten auf gewisse Ähnlichkeiten der Grundansichten hinzuweisen. Mit zunehmendem Alter lobte Eusebius den Kaiser mit umso größerer Ergebenheit. Bis er ihn kurz vor seinem Ende sogar mit dem Messias vergleicht. Um 335 nennt er den blutigen Konstantin schließlich den ‚Engel Gottes’ den ‚Führer und Herr’, das ‚Werkzeug Gottes’, der ‚Ähnlichkeiten mit dem Logos’ (Christus) aufweise. (43)  Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“  Mit dieser widerlichen Schmeichelei ebnete Eusebius dem zehn Jahre zuvor, in Nicäa, verfemten Arius allerdings die Tür nach vorne. Konstantin ändert seinen Sinn. Eusebius brachte mit dieser Lobhudelei jedoch auch die fernab vom Hof lebenden Bekenner der Lehre Christi in schwere Verlegenheit. Seitdem Imperator Domitian (81-96) darauf bestand als „Herr und Gott“ angesprochen zu werden, fürchteten sie sich längst vor dem vorausgesagten Tag an dem sie „zur göttlichen Verehrung des Kaisers gezwungen würden.“ (44)  Präambel der Einheitsübersetzung zur Offenbarung des Johannes. 

Ein Verwirrspiel ohne Gleichen wurde aufgezogen, Daten und Fakten wurden verwischt. In welcher Reihenfolge und warum gewisses Wichtiges geschah ist noch immer nicht klar, weil eine Reihe „Märchenerzähler“ uns „Bären aufbanden“. Was sich an jenem denkwürdigen Tag, dem 27. Oktober 312, am Vorabend der hochwichtigen Schlacht, gegen seinen Schwager Maxentius zutrug, und was der Imperator Konstantin wirklich gesehen hat ist, wissen wir ebenfalls nicht. Dass, das Rho, christlich gedacht, schon 312 eine Rolle spielte ist wenig wahrscheinlich, weil es auf den Feldzeichen der Armee erst 324 erscheint. Ob Konstantin, 324, damit zum Ausdruck bringen wollte Christus würde ihm beistehen ist sehr unwahrscheinlich. Es hieß: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Du Konstantin! Nicht die Kirche. „In hoc signo vincens!“ „Dieses“ Zeichen x ist das des Querholzes über der senkrecht stehenden Lanze als Teil des Feldzeichens (des Labarums) der Legionäre des römischen Imperiums. Christen beteten vor 431 das Kreuz nicht an, das ist sicher – erst Cyrill von Alexandria brachte die Voraussetzungen dazu auf. Vor 375 kennen es nur die Heiden.  

„Dieses Zeichen wurde seit Generationen von Kaisern im Feldlager beim Altar aufbewahrt. Frühestens 324, im Feldzug gegen Licinius, könnte es vielleicht, verändert durch Hinzufügung des griechischen P
 (Rho)als „Christusmonogramm” gedeutet worden sein. Ob es damals überhaupt irgendeinen Bezug zum Christentum hatte, ist unsicher, denn zahlreiche Untersuchungen belegen, dass das Chi Rho schon in jüdischen Schriften auftaucht und die Bedeutung von ‚fertig’ oder ‚brauchbar’ hatte. (45) Seeliger „Die Verwendung des Christogramms durch Konstantin im Jahr 312“ - Untersuchungen kath. Theol. Uni Tübingen

Eusebius versucht uns in seinem fragwürdigen Bericht, den er erst viele Jahre später erstellte weiszumachen: 

„Während der Kaiser inbrünstig flehte, (man soll hier denken, Christus sei gemeint als derjenige an den diese Bitte gerichtet wurde)   erschien ihm (am 27. Oktober 312) ein wunderbares göttliches Zeichen. …der siegreiche Kaiser (hat) uns, die wir diese Geschichte schreiben, lange Zeit nachher, als wir seiner Freundschaft und seines Umganges gewürdigt wurden, erzählt und seine Worte durch Eidschwüre bekräftigt, wer sollte da Bedenken tragen, dieser Erzählung nicht zu glauben? Er versicherte zur Mittagszeit, als bereits der Tag sich neigte, schwebte am Himmel ein aus Feuer bestehendes Kreuz, über der Sonne. An ihm sei die Inschrift befestigt gewesen: "In diesem Zeichen sollst du siegen!" ("In hoc signo vincens!") Mit eigenen Augen hätte er das gesehen. Über diese Erscheinung habe ihn und das ganze Heer, welches ihn auf seinem Marsche begleitete und das Wunder schaute, Staunen ergriffen. Mit Tagesanbruch stand der Kaiser auf und teilte seinen Freunden das Wunder mit. Darauf ließ er Goldarbeiter und Juweliere kommen, setzte sich mitten unter sie, beschrieb ihnen die Gestalt des Zeichens und befahl ihnen, in Gold und Edelsteinen dasselbe nachzubilden... Dieses Zeichens unseres Erlösers bediente sich der Kaiser später als Schutzmittel gegen jede sich ihm entgegenstellende feindliche Macht und ließ es später allen seinen Heeren vorantragen.“ (46) H. J. Friedrichs, "Weltgeschichte eine Chronik"  
                                                               
Prof. Stemberger wiegelt ab: „Eusebius‘ Bericht über die Anfertigung des Feldzeichens lässt sich kaum mit der Situation unmittelbar vor der Schlacht gegen Maxentius in Einklang bringen..." (47) Stemberger, „2000 Jahre Christentum" 
Eusebius von Caesarea schrieb eben viele Jahre, nachdem das Ereignis stattgefunden haben soll, und nachdem er sich, 325, auf dem 1. ökumenischen Konzil beim Kaiser zeitweilig wegen seiner ablehnenden Grundhaltung unbeliebt gemacht hatte: 

" Er (Konstantin) …rief in seinen Gebeten den Gott seines Vaters an (wusste Eusebius wirklich nicht, dass Konstantins Vater Sol Invictus den Feind Christi verehrte?) zu ihm flehte Konstantin, er möge ihm zu den bevorstehenden Kämpfen hilfreich seine Hand reichen. Da habe er, der Kaiser, wie er selbst berichtete, oben am Himmel das Siegeszeichen des Kreuzes, aus Licht gebildet, erblickt … er ließ eine Fahne mit dem Zeichen herstellen und seinem Heer vorantragen. Dadurch errang er den Sieg über Maxentius..." (48) Eusebius  "Vita Constantini"    

Man kann die Berichte unter mehreren Gesichtspunkten betrachten. Sicher ist, Konstantin hat „Gott Sol Invictus“ angefleht, - den Gott seines Vaters - Ihn bat er um Beistand im bevorstehenden Kampf gegen den angeblichen „Tyrannen von Rom“, seinen Schwager Maxentius, gegen den er aus Gründen seiner Machterweiterung auszog, denn Feind der Christen war Maxentius nachweislich nicht. Keinem Christen Roms wäre, solange er an Christus glaubte, je in den Sinn gekommen den altrömischen Sol anzurufen, wenn er Christus meinte, denn Sol Invictus ist Sol Apollo und dieser ist Mithra. Dessen Begleiterin nennt sich Victoria. Sie steht für den Sieg im Krieg, während Jesus, wegen seiner Lehre von der Rechtschaffenheit, der Friedefürst genannt wird.  Den schrecklichen Verdacht bestätigt dieser überlieferte Satz:    „Sol Invictus: ich bitte dich, „offenbare mir wer ich bin! Reichst du mir deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“  (49) Schlange-Schöningen „Konstantin der Große und der Kulturkampf“

Der Grundwiderspruch lag damit offen zutage: Er selbst wollte der Sol Invictus sein und betete zur gleichen Zeit: offenbare du mir die Wahrheit. War er zwei in Eins? Genau diese Ungereimtheit wurde, in Nicäa, ins Christliche hinein transportiert, besser gesagt: hineingezwungen, indem Konstantin, während dieser Zusammenkünfte, autoritär den neuen Begriff „homousios“ (wesenseins) an die Stelle   von „homo i usios“ (ähnlich) setzte. Das bedeutete für ihn, die Götter in ihm seien mit ihm wesenseins, was zur Folge hatte, dass es die Christen verunsicherte, weil Konstantin daraus schlussfolgerte: auch Jesus sei mit seinem Vater wesenseins. Das konnten die in Nicäa versammelten nicht verstehen. Das war zu hoch für ihren schlichten Verstand. 

 „Konstantin selber lässt das nachher so sehr umstrittene unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. ‚consubstatialis einfügen... Die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater (der Gott) , wie von Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem Vater“ (50) Hans Küng, „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ 

Mehr und mehr moderne Forscher bestätigen direkt oder indirekt, dass nicht Arius, sondern Athanasius von der Lehre abgewichen waren!
Obwohl sogar Geistlichen die Erzählung von der Vision Konstantins vor der berüchtigten Schlacht  glaubwürdig erscheint, steht fest, vor 326 kennt niemand diese Geschichte! Niemand.

 Imperator Konstantin hat sich „...in den vielen Selbstzeugnissen, die seinen unmittelbaren Umgang mit Gott und seine göttliche Auserwähltheit betonen, nie auf das gallische Lichtwunder berufen ... (er) hat im Jahre 312 keine ‚Bekehrung‘ im Sinn eines plötzlichen inneren Wandels seiner religiösen und geistigen Haltung erlebt, jedoch unbestreitbar von Anfang an dem Kreuz (X, dem ganz und gar unchristlichen) als magisches Zeichen der göttlichen Hilfe den Sieg an der milvischen Brücke (Ponte molle) zugeschrieben....” (51) Vittinghoff, „Konstantin der Große“                                                            
Raffael malte lediglich was Zeitgenosse Eusebius von Cäsaräa in seiner Kirchengeschichte schildert. Doch kein Soldat hat je davon berichtet. Der moderne Konstantin-Historiker Ramsey MacMullen, verweist darauf: 

"If the sky writing was witnessed by 40,000 men, the true miracle lies in their unbroken silence about it" (52) Ramsey MacMullen, “Constantine”328

Irgendwann, wahrscheinlich erst im Krieg gegen Licinius könnte der Kaiser, unter Anleitung von Wahrsagern, ein gewisses Sternbild als positives Vorzeichen betrachtet haben – oder, was eher anzunehmen ist, Konstantin sah eine Halo.

Bild Dr. T. Haist Uni Stuttgart "Optische Phänomene im Natur und Alltag"


Konstantin könnte allerdings, - vielleicht -, am Abend des 28. Oktober des Jahres 312 mehr als zuvor christenfreundlich gedacht haben, zusätzlich zu seinem Heidenglauben, denn er wollte volle Sicherheit zustande bringen, und dabei jeden eventuellen Bündnispartner hinter sich bringen. Er musste bei seinen mit den Christen sympathisierenden Soldaten die Parole vom „Tyrannen Maxentius“ verbreiten – oder einer wie Eusebius hat ihm mit der Erfindung dieser Lüge geholfen. Hitler bedurfte ja ebenfalls seines Josef Goebbels.  Es hat jedenfalls den Anschein, dass Konstantin in sein Gebet auch das Versprechen einflocht: er werde, wenn er gegen die beängstigende Übermacht seines Rivalen und  Schwagers den Sieg davonträgt, Sol mit Jesus verbinden und beide aufwerten.
Auch könnte es ihm als ratsam erschienen sein, seinen Christen mehr Freiheit zu verschaffen, - trotz nicht weniger Bedenken die ihn gelegentlich anschlichen. Wie er selbst nach der großen Wahrheit strebte, so möge jeder für sich selbst herausfinden, was ihm mehr einleuchtet, und demgemäß darf jeder römische Bürger die Religion wählen die ihm als die richtige erscheint. Das würde er gewähren, allerdings unter einer Voraussetzung natürlich: jeder Freie muss anerkennen, dass er Kaiser und Herrscher von Gottes Gnaden ist, nämlich „Gottes Stellvertreter auf Erden.“ (53) Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“

Man hatte ihm mitgeteilt: als Cäsar Galerius, der große Christenfeind und Ziehsohn Diokletians vor einem Jahr starb, lauteten seine letzten Worten richtungweisend und wider alles Erwarten klar: „Sagt dem Christen Laktanz, seine Gebete mögen dem helfen, der mir nachfolgt“ wenngleich kaum jemand, ab 303, die Christen mehr gehasst hatte als Diokletian und Galerius.
Natürlich haben die Heiden immer an die Kraft der Gebete geglaubt, besonders Konstantin in Krisensituationen.

Er dachte in diesem Zusammenhang aber stets zuerst an seine persönliche Vormacht. Maxentius wurde allein aus diesem Grund zerschmettert. Viele Spätere sind den Falschdarstellungen aufgesessen. Es wurde wahrscheinlich gleich nach Nicäa aber auch in den folgenden Jahrhunderten christlicherseits viel daran gefeilt, die ganzen Geschichten abzurunden um sie plausibel und kompatibel zu gestalten. Faktenfälschung nennt man das. Da ist jedoch noch mehr das aufhorchen lässt.

„den beiden unterschiedlichen Halterungen der Kolossalstatue Konstantins zu Rom, im Palazzo dei Conservatori, die fragmentarisch erhalten blieb „…und die mit dem von Eusebius beschriebenen Standbild identisch sein dürfte… „lassen sich gleich zwei rechte Hände zuordnen. Dieser Tatbestand ist wohl damit zu erklären, dass noch während der Regierung Konstantins die rechte Hand und damit auch die Insignie, die von dieser Hand getragen wurde, ausgetauscht (!) worden ist…(denn) das Feldzeichen war in der römischen Armee ungleich bedeutender als alle Schilddekorationen: Die ganze Soldatenreligion verehrte Feldzeichen, betete Feldzeichen an, schwor bei den Feldzeichen, zog die Feldzeichen allen Göttern vor, … (54) Bruno Bleckmann "Konstantin der Große” 

Konstantin war, das muss noch einmal gesagt werden, Henotheist. In welcher Weise er mit den Göttern wesenseins sei, blieb auch ihm ein „Geheimnis des Glaubens“. Er war im Bild des Sol Invictus. Ein Jahr später lässt er das belegen, wie diese Münze zeigt. Nach seinem Sieg über Maxentius geprägt, zeigt die Münze Konstantin und den Gott den er kurz vor der Schlacht um Gelingen angerufen hat: "Sol Invictus". Sie sind eins im Bild, wie     Bild Wikipedia                                                                                                 
Diokletian im Bild anwesend war, das ein Priester während seiner Abwesenheit erhob. Die Allmacht wollte er, nicht weniger.
Er ist der „große“ Konstantin, ein Antichrist vom Scheitel bis zur Sohle, Stifter des Nicänums. Eiskalt  schreitet er über Leichen.

„Auch des Maxentius Kinder ließ er sogleich töten, ebenso dessen politischen Anhang. Die Garde der Stadt hob er ganz auf und schleifte ihr altberühmtes Standlager auf dem Viminal. Der ganze Okzident war jetzt sein, und er zog in Rom ein, im goldenen Helm, der mit bunten Steinen und Federn geschmückt war als wäre er der Befreier. Jauchzend empfing ihn, der überschwängliche Dank des christenfeindlichen Senats. Das goldene Rom mochte nun hoffen, auch der neue Herr werde es wieder zur Residenz und Welthauptstadt machen. Aber er dachte nicht daran.“ (55) Theodor Birt: Charakterbilder  
Nach seinem Sieg an der "milvischen Brücke" widmete der Kaiser konsequenterweise den erwähnten Triumphbogen dem Gott seines Vaters, - Sol Invictus - mit dem er sich noch viele Jahre lang identifizierte: (so viel wie wir wissen noch fünf Jahre nach Nicäa, bis mindestens 330)

Wie gesagt, es gibt auf den zahlreichen Darstellungen des Bogens keinen Hinweis auf Christus oder gar des Dankes an ihn.
 "Auf dem Konstantinbogen tragen die Soldaten Statuetten der Victoria und des Sonnengottes, also der Gottheiten seiner Vision von 310. Konstantin führte weiterhin den altrömischen Titel «Pontifex Maximus», oblag nichtchristlichen Opferriten und ließ Symbole des Sonnenkults und paganer Götter auf seine Münzen prägen. Er ließ seinen Vater als «Divus Constantius» heiligen und bis wenige Jahre vor seinem Tod Tempel bauen und darin Kulte für seine Familie einrichten. In seiner Neugründung Konstantinopel ließ er eine Statue seiner selbst als Sonnengott mit Strahlenkrone, Globus und Lanze auf einer riesigen Porphyrsäule aufstellen. Seine Konsekrationsmünze zeigt ihn, wie er im Gespann des Sonnengottes zum Himmel auffährt, aus dem sich ihm eine Hand entgegenstreckt, genauso, wie es ein Festredner 307 in Trier bereits für den Divus Constantius beschrieben hat." (56) Heinz Hofmann Universität Tübingenmmmmmmmmmmm
 „Am 21. Juli 315 hielt Konstantin seinen feierlichen Einzug nach Rom zur Feier der Dezennalien. Das Fest wurde mit der üblichen Pracht begangen, das Volk beschenkt und große Spiele abgehalten. Zu dieser Feier war der die Schlacht am Ponte molle (milvische Brücke) verherrlichende Triumphbogen vom Senat errichtet worden. Sein Bilderschmuck nimmt vom Christentum Konstantins keine Notiz. Konstantin feiert den Sonnengott als seinen Beschützer... L‘Orange (ein Historiker) hat bewiesen, dass es der Sonnengott Sol Invictus ist, der hier als Gott des Kaisers gezeigt wird.“ (57) Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“
Undenkbar, dass der Kaiser mit dieser Darstellung nicht einverstanden war. Niemand konnte je seine Überzeugungen stärker und nachhaltiger als der nach der Universalmonarchie strebende Konstantin durchsetzen. Eusebius müsste doch erkannt haben, dass Kollaboration mit dem Kaiser Abfall vom Original, d.h. Abfall von Gott bedeutete. Statt sich zu distanzieren gibt er nach, und nicht nur er! Wegen dieser Blickverschiebung verloren die Christen das Eigentliche des Evangeliums Jesu Christi, aus den Augen, nämlich jeden Einzelnen anzuspornen seine Wahrhaftigkeit zu entfalten und in der Nächstenliebe zu wachsen um den Nichtchristen ein Licht zu sein: „damit sie eure guten Werke sehen und deswegen euren Vater im Himmel preisen.“ Angesagt war stattdessen die Jedermannspflicht sich Konstantins Willen zu unterwerfen. Die Anbetung seiner Person als Gottkaiser stand für ihn vorne an. Er wollte gepriesen werden, und bedeutende Christen taten ihm den Gefallen.

Schon „…Kaiser Aurelian (270 - 275)  stellte das Imperium unter den Schutz des unbesiegten Sonnengottes (Sol Invictus). Mit diesem Gott hatte er über die Parther gesiegt, dabei ließ er das Bild des syrischen Sonnengottes nach Rom bringen. Dieser Gott sollte mit dem griechischen Gott Helios, dem römischen Gott Sol und dem persischen Gott Mithras identifiziert werden. Der Kaiser verstand sich als Sohn (emanatio) dieses Gottes und als dessen Stellvertreter bei den Menschen.“ (58) Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte 

„Erheblich populärer war zu dieser Zeit die Gleichsetzung des orientalischen Mithras mit der Sonne und damit der Idee des "Guten“. Erst in der schweren Reichskrise des 3. Jahrhunderts blieb es Aurelian (270 - 275) vorbehalten, als heidnisches Symbol einer Entwicklung zum "Ein-Gott-Glaube" und als religiöse Manifestation der Reichseinheit den Sol Invictus zeitweilig zum alleinigen Staatsgott und den Tag der Tempelweihung in Rom, den 25. Dez. 274, zum Feiertag zu erheben.“ (59) Adventskalender 2009 Ruhr-Uni-Bochum 

Wer dem überlieferten Geschehen  folgt und die Ergebnisse betrachtet, kann sich nicht der Schlussfolgerung entziehen, dass Konstantins Anspruch  auf Richtlinienkompetenz auch für die Kirche und deren Ausübung in Nicäa, 325, nachträglich gerechtfertigt werden sollte. Immerhin galt seither als normal, dass die Kaiser, z.B. Theodosius (347-395), Markian (390-457) samt Pulcheria (399-453), Justinian (482-565) u.a. die Rolle oberster Lenker der Kirche spielten, aber - kurioserweise - immer in Verbindung mit der heidnischen Göttin des Sieges Victoria.
 Bild "Thomas Wolf " Der Wolf im Wald", bei Wikipedia Berlin Victoria, kenntlich an ihren Flügeln, auf denen sie durchs Weltall eilt.

Selbst Kaiser Wilhelm II., (1859-1941) Oberherr der evangelischen Kirche, allerdings ein - aus politischer Einsicht - toleranter, der sich um "seine" Katholiken sorgte, blickte noch ehrfürchtig auf die Berliner Siegessäule zur dankbaren Erinnerung deutscher Siege über die ebenso „christlichen“ Dänen u.a. Seit 1870 steht sie da oben in Gold gekleidet, Victoria. Man weiss es doch:
 „Eine der ältesten und bekanntesten Flügelgestalten war die griechische Siegesgöttin Nike. Während der Sieg selbst von den olympischen Göttern verkörpert wurde (Zeus und Athene im Wettkampf und Krieg, Apollon im musischen Wettstreit), war Nike die Mittlerin zwischen den Göttern und den siegreichen Menschen. Dank ihrer Funktion als Botin waren Flügel ihr unverwechselbares Kennzeichen. Eine Münze des Valens (364-378 n. Chr.) zeigt Victoria mit Siegeskranz und Palmzweig. Die Umschrift SECURITAS REI PUBLICAE lässt keinen Zweifel: Die Sicherheit des Reichs wird durch Victoria und den Kaiser garantiert. Wer den Himmel durcheilen will, braucht Flügel. Besondere Flügel tragen die Götterboten, Ihr römisches Gegenstück, Victoria, sicherte den Kaisern ihre politischen und militärischen Siege. Damit hielt sie Einzug in die Propaganda- und Repräsentationskunst der Römer. Im Gegensatz zur griechischen Nike wurde die römische Victoria kultisch verehrt.“ (60) J. Georg Friebe „Die Siegesgöttin mutiert zum Engel“ 
Konstantin II.  (316-340) ein Trinitarier (katholisch) empfängt den Siegeskranz ebenfalls von derselben heidnischen Göttin, die bereits seinem Vater Konstantin  310 in Begleitung Apollos, in dessen Tempel erschien und ihm  eine dreißigjährige  Regentschaft zusagte. 
              
Selbst Kaiser Justinian, der auf der Ostsynode, 543, Origenes (185-254) und dessen urchristliche Lehren verfluchte, - der sich als oberster Herrscher der Kirche Christi versteht - , wird, wie diese Münze zeigt, ebenfalls von Victoria erwählt und nicht wie manche meinen, von einem Engel Christi.  

Es gibt zumindest noch zwei weitere einander widersprechende einander ausschließende Überlieferungen die versuchen darzulegen, warum und wie Konstantin zum Förderer des „Christentums“ wurde. Zutreffender gesagt: die jeweiligen Legenden sollten belegen, dass Rom definieren darf, was das ist, das Christentum.
„Nach Gibbon war der Hauptgrund der Ermordung Krispus Konstantins Eifersucht auf die Vorzüge des Sohnes gewesen...Zosismus erzählte, Kaiser Konstantin habe nach diesen Untaten, von Gewissensbissen gequält, bei heidnischen Priestern nach einer feierlichen Reinigung gefragt. Da diese ihm keine anbieten konnten, habe ein ägyptischer Bischof aus Spanien, Hosius, ihm erklärt, der christliche Glaube werde ihm Heilung für alle Wunden geben, und habe ihn dadurch zum Christentum gewonnen.“ (61) Meyers-Conversationslexikon, 1889, Bd. XVIII                                   246       246 246
Eine andere Quelle erwähnt eine völlig andere Version:
Man kann sich aussuchen, welche die richtigere sein könnte. Unstimmig sind sie allesamt, wie das Gottesbild dieses sonderbaren Mannes:

 „Diese in den Actus Silvestri wohl am Ende des 4. Jahrhunderts in Rom niedergelegte Legende fand in lateinischen, griechischen und orientalischen Fassungen große Verbreitung und ist sowohl in die Symmachianischen Apokryphen vom Ende des 5. Jahrhunderts (z.B. Constitutum Silvestri) als auch in den Liber Pontificalis eingegangen... Kaiser (Konstantin G.Sk.) habe als Heide zu Rom grausam die Christen verfolgt und sich, zur Strafe vom Aussatz befallen, nach einem Traumgesicht an den auf den Berg Soracte geflüchteten Papst Silvester und Heilung erlangt, als er sich von Silvester taufen ließ. Zum Dank habe er ... Kirchen gestiftet und den römischen Bischof zum Oberhaupt der Geistlichkeit bestimmt..." (62) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
Es gibt heute noch vorhandene Gemälde die diesem Märchen Ausdruck verleihen, die zeigen wie gewisse Herren die Geschichte gerne gehabt hätten. Kaum eine andere Überlieferung vermochte es den Machtanspruch Roms auf Kosten der historischen Wahrheit mehr zu festigen, als eben diese.




    3.  Konstantinisch: Machtbewahrung um jeden Preis und ihre erfolgte Preisgabe

Kaiser Konstantin bestimmte kurz vor seinem Lebensende die neue, sehr feierliche Art künftiger Gottesdienste. Dabei ging es ihm weder um die Ehre oder das Werk oder den Geist Jesu Christi, sondern zuerst um die Würdigung seiner Person. Jesu Name kam in seiner Kirche zunächst nur im Zusammenhang mit dem Gotteskaisertums Konstantin vor, denn er stand über und hinter allem. Viele Jahrhunderte lang hörten die Menschen zwar mehr und mehr von Jesus, doch seinen Geist spürten sie selten. Die Forschung weiß, dass alle heutigen Großkirchen aus der Kirche Konstantins herauswuchsen. Weil sie den Druck Roms nicht mehr ertragen konnten, wandten sie sich ab. Ihnen wurde zu viel zugemutet. Viele erkannten, dass Kaiser Konstantin die Kirche seiner Zeit in die Irre geleitet hat und, dass Rom dies zu nutzen verstand.

Denn, „ Konstantin war im Grunde der Meinung, dass Gott keinen Namen hat... an die Stelle des christlich gebrauchten Christusnamen tritt der Äon. Der Aion ist ein griechischer Gott, der sehr viel bedeuten kann… nach dem ihm (!) vorschwebenden Bild … formt (Konstantin) sein Reich, seine Kirche... Konstantin hatte eine neue (!) Idee von der Kirche, die er verwirklichen wollte: Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen. Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte Kirche (!), das Reich der Zukunft.“. (63)  Heinz Kraft „Konstantins religiöse Entwicklung“                                                                              
Gutgesinnte Priester, die er nicht immer dirigieren konnte, bewahrten Christi Namen. Menschen aller Schichten brachten schrittweise auch mehr Licht zurück. Ganz frei machen vom herrischen Geist Konstantins konnten sie die Kirche jedoch nicht. Das gelang immer nur einzelnen. Christi Rehabilitierung sollte anderthalb Jahrtausende dauern. Erst mit Vatikanum II., 1965, bekannte Rom sich offiziell zu Prinzipien der Glaubensfreiheit.
Allgegenwärtige Engstirnigkeit war zuvor die Herrin. Man denke nur an die Auswüchse in protestantisch orientierten Ländern.
Luthers und Melanchthons Härte erwiesen sich ebenfalls als verhängnisvoll für Andersglaubende. Auf Melanchthons Rat wurden am 1536 in Jena die drei (Wieder)-Täufer, Heinrich Kraut, Just Müller und Hans Peissker, mit dem Schwert hingerichtet.
Auch die Geschichte der evangelischen Pfarrhäuser erschrickt.  Die grausamen „blue laws“ erwürgten noch im 17. Jahrhundert in den Neuenglandstaaten jede Art religiöser Freiheit: Quäker wurden gehängt. Von Priestern für Ketzer erklärten Leuten durchbohrten Gerichtsvollstrecker die Zunge mit glühenden Stäben (von Döllinger). Fromm die Hände faltende Diktatoren die heute noch gut klingende Namen tragen wie der bereits im Altertum berüchtigte Ambrosius von Mailand, Herr Damasus von Rom, Kaiser Justinian I., hatten unübersehbar den Ungeist Konstantins gefeiert und konserviert. Sie drückten der Welt ihren scheinbar ewig gültigen Stempel auf. Grob agierend radierten sie, zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert, wo sie konnten, auch die Reste letzter Freiheitsbewegungen aus.

Erst 1848 endete der mit unvorstellbarer Grausamkeit geführte achthundertjährige Krieg der Kirche gegen die Waldenser (Albigenser, Katharer, Vaudois) auf Druck Englands. Der König Sardiniens und Piemonts, Karl Albert, setzte dem Treiben der Kirche durch politische Dekrete ein Ende. Es war keineswegs so, dass die Kirche von sich aus Erbarmen gezeigt hätte, Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658) der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er jedoch ablehnte  und  deshalb  Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer     misshandelten Waldenser eingesetzt.
Erst mit der Schlusssitzung von Vatikanum II (1965) verabschiedete der Vatikan sich vom konstantinisch-ambrosianischen System der Willensknechtung.
Seitdem finden „Mormonen“ und Katholiken zumindest in den USA und Mittel- und in Lateinamerika zunehmend Gemeinsamkeiten.  Kein Wunder, sind sie doch Halbschwesterkirchen  und damit existiert eine natürliche Beziehung. Die katholische Kirche ist nicht die Mutter der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Dieses Schema (nächste Seite) aus freundlicher katholischer Hand legt dar, dass im Gegensatz  zu den „Mormonen“, sämtliche Kirchen von Rom abstammen. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nimmt in der Tat und somit korrekt in dieser Darstellung (an den rechten Rand gerückt) eine Sonderstellung ein. Nicht gezeigt wir hier, dass es bereits im 2. insbesondere vom 4. bis 7. Jahrhundert zahlreiche auseinanderstrebende Teilkirchen gab, wie die der arianischen Richtungen u.a., deren Geschichte unter der Decke blieb.
Die meisten nichtkatholischen Denominationen sind Ausgründungen, ihre Köpfe waren keine Kirchenschöpfer sondern Reformatoren.


Die Hauptstolpersteine, die eine frühere Zusammenarbeit verhindert hatten,  wurden mit Vatikanum II überwunden. Seither gibt es mehr und mehr freundschaftliche Begegnungen auf allen Ebenen zwischen Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der HLT und Katholiken. Um zwei Beispiele zu nennen: der katholische Erzbischof Chaput der Erzdiözese Philadelphia sprach am 23. März 2016 vor Studenten der Brigham Young Universität der Kirche Jesu Christi der HLT (Mormonen): auszugsweise meine Übersetzung: Erzbischof Chaput warb dringend darum gemeinsam den Glauben (an Christus) und die religiöse Freiheit zu  verteidigen. 
“We need to wake each other up to see the world and our nation as they really are — the good along with the evil. We need to support each other in the work for religious freedom we share.”

“Wir brauchen einander in der realen Welt von Gut und Übel. Wir müssen einander unterstützen im Werk für religiöse Freiheit.“

Am 13. Oktober 2016,  fanden weitere bedeutende Begegnungen zwischen führenden Mitgliedern beider Kirchen statt.
His Eminence Timothy M. Cardinal Dolan, the Roman Catholic archbishop of the Archdiocese of New York City, said:
“One of the reasons I jumped at this chance [when I got the invitation to attend the interfaith event], [was that] I've been wanting to sit down with LDS leaders in this community… I feel very much at home with you. And I think that's because you and the LDS family seem just to radiate a very sincere friendliness and hospitality that I've experienced.” 
Keine Frage, Joseph Smith hat es vorausgesagt
„Die Christen sollten aufhören miteinander zu streiten. Sie werden damit aufhören, bevor der Herr wieder kommt.“ (64) "Lehren des Propheten Joseph Smith"
Bei aller Freundschaft. Wir bedürfen der Analyse, wir brauchen zu unserem gegenseitigen Verständnis solide Geschichtskenntnisse. Wir sind nicht berechtigt über tragische Entwicklungen hinwegzusehen, weil wir sonst den Zweck unseres Erdenlebens verfehlen: aus Fehlern zu lernen. Der teilweise schwerwiegenden Fehlentscheidungen wegen griff Gott, wie von Anfang an geplant!  korrigierend ein, als die Umstände und die Zeit dafür herangereift waren. Das jedenfalls glauben Mormonen. Die Kirche Jesu Christi der HLT wurde nicht wiederhergestellt um andere Kirchen oder irgendwelche Menschen zu verdammen. Im Gegenteil, sie stellt sich hilfreich dar, für alle, denen bewusst ist, wie sehr die Dinge, besonders seit dem 4. Jahrhundert aus dem Ruder liefen, mit bösen Folgen bis in die Heutezeit hinein.  Wir haben vieles gemeinsam, haben aus Fehlern unsere Schlüsse gezogen. Diesen Gesichtspunkt betonte Erzbischof Chaput in seiner Rede vor Studenten der BYU

Erzbischof Chaput wurde vom Ältesten Dallin Oaks, Mitglied des Quorums der Zwölf Apostel der HLT-Kirche begleitet. Wahrscheinliche Anwesenheit 15 000 Studenten.

.“I’m here today because I believe the friendship of the LDS and Catholic communities is important,” said Archbishop Chaput. “We need to treat each other as friends, not enemies or strangers. We need to learn from each other’s successes and mistakes.”

Erzbischof Chaput sagte: „heute bin ich hier, weil ich an die Wichtigkeit der Freundschaft  zwischen unseren beiden Kirchen glaube… wir  wollen einander als Freunde und nicht als Feinde oder Fremde betrachten. Wir müssen voneinander lernen, sowohl aus unseren Erfolgen wie auch aus unseren Fehlern.“
Ich (Gerd) bin überzeugt, dass sowohl der zunehmende äußere Druck, der auch aus dem Radikalislam kommt, sowie neue Erkenntnisse dazu führen werden sämtliche Christen näher zusammen zu bringen. Es ist schon sonderbar, wie häufig sich erweist, dass Joseph Smith eine Fülle Erkenntnisse vorwegnahm, die sich erst in diesen Tagen bestätigten. So auch am Fall „Altar“. Joseph Smith stellte den Altar in exakt dasselbe Umfeld, wie es die Arianer getan hatten zumindest in Ravenna, Italien, nämlich in den Tempel. In beiden Fällen kommt klar zum Ausdruck, dass Altäre in Versammlungsräumen nicht vorkommen dürfen!

Konstantin war es. Wir erinnern uns: Er stellte den (altrömischen) Altar in die Kirche. Konstantin stiftete gegen Jesus eine neue ‚Gottesdienstordnung’ die bis heute Bestandteil der katholischen Messe ist, denn diese findet am Altar statt, obwohl die Forschung längst weiß, dass ein Altar im ursprünglichen Christentum, außer im jüdischen oder später im arianischen Tempel, nicht vorkommt.
Am 07. November 2005 berichtete der „Spiegel“:

„Archäologen haben unter einem israelischen Gefängnis die vielleicht älteste christliche Kirche der Welt ausgegraben. Der Fundort ist Megiddo, ... (man fand) altgriechische Inschriften, geometrische
Verzierungen, den Namen von Jesus Christus und ein kreisförmiges Symbol mit Fischen, das Symbol der Urchristen... Die Ausgrabungen deuteten darauf hin, dass anstelle eines in anderen Kirchen üblichen Altars im Zentrum der Fundstelle nur ein einfacher Tisch stand. Leah di Segni, eine Expertin von der Hebrew University in Jerusalem, sagte, die Verwendung des Begriffs „Tisch“ anstelle von „Altar“ in einer der Inschriften könnte dramatische Auswirkungen auf die Studien frühchristlicher Rituale haben. Bislang sei man davon ausgegangen, dass Jesus Christus das Abendmahl an einem Altar gefeiert habe.“ (65) Artikel „Älteste christliche Kirche der Welt entdeckt?“    

Konstantin schuf durch eine Reihe Hinzufügungen eben eine völlig neue Religion, aber Gold lässt sich nicht veredeln. Jedenfalls bedeutet Altar - sowohl im Alten, wie im Neunen Bund - immer „Tempel“. Die römische Kirche schaffte den christlichen Tempel ab, den die Arianer noch zu Beginn des 6. Jahrhunderts kannten. Das belegen die Mosaike zu Ravenna. Kaiser Konstantin ist der Täter, Christus das Opfer. Jeder Theologe ist sich dessen bewusst, dass es  

 „bis ins 3. Jahrhundert im Christentum keinen Altar gab.“ (66)  Bertelsmann-Universal-Lexikon 
Dass „…es in einer christlichen Kirche eigentlich keinen Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch. Es geht um das Sitzen um den Tisch. Bei Kirchenneubauten im protestantischen Bereich wird das neuerdings auch berücksichtigt!“(67) K-P. Hertsch im evangelischen „Theologischen Lexikon", Union –Verlag    mmmmmmmmmmmmmmm                                                                                       

4.     Diffamie und Verurteilung Andersdenkender zerstörte das Christentum.

Seit dem 1. ökumenischen Konzil zu Nicäa nahm der Hass unter Christen zu.  Proportional nahm das Licht ab. Infolge der Abwesenheit hinlänglicher Helle, die Christus verbreitete, kam es zu einer Vervielfachung theologischer Spekulationen. Allgegenwärtige Unklarheit herrschte vor. In der Tat, es war ein Verwirrspiel ohne Gleichen, das so harmlos begonnen hatte. Ähnliches widerfährt jedem Autofahrer, wenn er auf unbekannter Strecke in eine dicke Nebelwand hineinrast. Das wird besonders mit Athanasius Machtkämpfen in Ägypten und in der Biographie des Ambrosius von Mailand unangenehm deutlich. Kehren wir noch einmal zurück in die Jahre des Wandels, als das Werk der Zerstörung begann: Manche Sätze bohren sich tief ins Gedächtnis. So dieser Fluch des kleinen Giftzwerges, Athanasius, der gegen die Ablehner des Nicänums hetzte:

„Sie, die sich Christen nennen“, in Wahrheit seien sie Antichristen „Feinde Gottes“ weil sie sich Gott Vater und Sohn als voneinander getrennte, aber verherrlichte Personen vorstellten.“ (68) Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius der "Bibliothek der Kirchenväter" 
Was hat es der Christenheit gebracht ihm zuzustimmen? Unsensibel sprach Athanasius wegen seines Starrsinns den Anhängern der Urkirche, den Origenisten-Arianern, den Status Christ zu sein ab. „ihr stellt euch gegen den Kaiser, argumentierte er gelegentlich, wenn er in die Enge getrieben wurde. „Der Kaiser! Der Kaiser!“ „Was geht uns dein Kaiser an?“ lautete die Antwort der meisten, vor allem der Melitianer. (69) K. D. Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die Kirche in der Geschichte“  
Die Melitianer verstanden sich als Kirche der Märtyrer. Melitus von Lykopolis, Oberägypten sah sich selbst als den legitimen Repräsentanten der Kirche. Als er jedoch begann, auch in  gemischten Gemeinden Älteste und Priester zu ordinieren rechneten ihm einige Bischöfe das als Kompetenzüberschreitung an. Damit „verletze er die göttliche Ordnung und die kirchliche Regel.“(70) Rudolf Lorenz „ Die Kirche in ihrer Geschichte – das vierte Jahrhundert“                               

Arius, der angebliche Erzketzer fand nach Nicäa bei den Melitianern Rückendeckung. Allerdings gab es bald auch unter ihnen Meinungsverschiedenheiten. Sie schwächten sich, ohne sichtbare Gründe, gegenseitig, nur weil es kleinere, ungelöste exegetische Probleme gab. Schließlich unterliegen die Melitianer im auch handgreiflichen Kampf mit dem Athanasianismus. Ihre Spuren verlieren sich im 8. Jahrhundert.

 „Die melitianischen Wirren entzündeten sich... (anfangs)  an der Wahl und Weihe des Athanasius... dies war eine Wahl die gemäß Kanon 4 von Nicäa ... nicht mehr von Presbytern der Stadt sondern durch ägyptische Bischöfe vorgenommen wurde... wobei Vereinbarungen
mit den Melitianern gebrochen wurden... außerdem besaßen die Arianer in der Pentapolis eine starke Stellung...“ (71)    Rudolf Lorenz „ Die Kirche in ihrer Geschichte – das vierte Jahrhundert“                   

Melitianische Kritiker bemängelten bereits frühzeitig, dass die Privilegien die Bischof Alexander vom Kaiser erhalten hatte, vorausblickend auf seinen Diakon Athanasius zugeschnitten worden waren und, dass dabei nichts Gutes herauskommen konnte. Athanasius Herrschen-wollen widersprach sämtlichen Prinzipien Christi und dennoch wird er, bis zur Stunde hoch geehrt.
„Von den 34 melitianischen Bischöfen in Ägypten... hatte sich ein erheblicher Teil nach Nicäa nicht unterworfen...die Melitianer ... erhoben Klage gegen die Gewalttätigkeiten Athanasius... in der Fastenzeit 332 brachte Athanasius den Presbyter Ischyras (einen seiner Kritiker G.Sk.) durch eine politische Denunziation (er hätte Steine gegen eine Kaiserstatue geworden) beim Präfekten Hyginus ins Gefängnis… Die Gewalttätigkeiten gegenüber Melitianern hielten an „...334 ließ Athanasius eine Zusammenkunft melitianischer Bischöfe und Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen... Straßenkrawalle der christlichen Jungfrauen toben... Der Brief (Kaiser) Konstantius (nach dem Athanasius eine Vorladung der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek als eine Fälschung des Athanasius anzusehen, welche das (ariusfreundliche G.Sk.) Urteil jedes Ansehens berauben soll.“ (72)      K. D. Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die Kirche in der Geschichte“        
Athanasius wollte entschieden mehr sein, als ein treusorgender Vater seiner Gemeinde; eine Rolle, die der im Alter von knapp dreißig Jahren, wahrscheinlich allein stehende Mann, vielleicht, mit klugen Ratgebern an seiner Seite, hätte spielen können. Doch jeder der es je mit ihm zu tun hatte, sah wie er sich aufspielte. Da gab es immer noch die jederzeit Opferwilligen, die bereit waren für die Sache der Freiheit und der Menschenliebe Jesu ihr Leben hinzugeben, die nie danach getrachtet hatten ‚mächtig’ zu werden, und nun lebte hier ein junger, Mann, der eifersüchtig auf andere, schnell zu fortwährend mehr Einfluss und Ansehen kommen wollte. Er mischte sich in die weltlichen Angelegenheiten mit immer demselben Ziel ein: selbst an Bedeutung zuzunehmen! Ungeniert trachtete er danach sich die nichtjüdischen Seeleute zu Freunden seiner Politik zu machen, - was ohnehin seine Pflicht als Christ gewesen wäre, - aber er operierte damit grob und feindselig  gegen die hebräischen Reeder. Tatsache ist

„dass die Kirche von Alexandria seit dem 4. Jahrhundert nachweislich als Reederin aufgetreten ist“ (73) Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552“
Bischof Athanasius trat bald als Großreeder auf und trachtete, ebenfalls aus politischen Gründen danach, sich die Paganen gewogen zu machen indem er ihnen Frieden zusicherte (wie großzügig). Wahrscheinlich wurde in den melitianischen Gemeinden um 328 auch in den Gottesdiensten bald mehr von und über Athanasius gesprochen, als von der Wichtigkeit der Lehren der Kirche von Brüderlichkeit und Wohlwollen. Den Geist christlicher Freundlichkeit trieb er weit von sich. Das vor allem der exkommunizierte Arius hinter jeder Ablehnung steckte, die er spürte, schien für Athanasius ausgemachte Sache zu sein. Kurios bei allem ist, dass sich Athanasius im Grunde, seines persönlichen Anti-arianismus nicht wirklich gewiss war! Inspiriert, im Sinne der Frühen Kirche, war er nicht. Das gibt er selbst zu. Eigentlich hätte ihn der Geist Gottes geradezu einhüllen und ihn erleuchten müssen, wenn das wirklich wahr gewesen wäre, was er so nachdrücklich lehrte.

„Je mehr ich nämlich schreiben wollte und mich anstrengte über die Gottheit des Sohnes, desto mehr entfernte sich seine Erkenntnis von mir  und ich sah ein, dass ich in dem Maße von derselben verlassen würde, als ich sie zu erfahren schien.“ (74) Joh. Adam Moehler, „Athanasius der Große und die Kirche in seiner Zeit“ 2. Aufl.
Athanasius ignorierte diese Wahrnehmung völlig! Praktisch verleugnete er die Warnung indem er seine Hoffnung in den „Machtzuwachs“ setzte. Dagegen ging es seinem Intimfeind Arius stets darum, zu sagen, dass Christen sich vom Licht und Geist Gottes leiten lassen sollten. Eben weil sie Geistkinder Gottes seien, sind sie dem Friedenstiften verpflichtet und damit fähig die innere Verbindung zu ihrem ‚himmlischen’ Vater zu halten. Das ist ohnehin eine immer gültige Regel, niemand möge sich äußern, ehe er nicht zur inneren Klarheit gelangte. Athanasius missachte dieses Prinzip. Sein Vorurteil und sein Beharren darin, mussten unter diesen Umständen zu vermehrter Intoleranz führen.

In innerer Dunkelheit Entscheidungen zu treffen, sollte man unterlassen. Besserwisserisch stürmte Athanasius auf seiner nebelumhüllten Straße voran. Das von Bischof Alexander gegen Arius in die Welt gesetzte Wort, von der Widerstandsleistung „bis aufs Blut“, sollte sich Schritt für Schritt zum Programm seiner „Orthodoxie“ entwickeln:
 „Ein wahres Spießrutenlaufen erlebte Lucius, einer der Gegenspieler des Athanasius, als er 367 die Stadt verlassen musste. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde er unter militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet: "Alle schrien mit einer Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er (Lucius) abgeholt wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des Militärbefehlshabers; sie stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der Stadt“. (75) Manfred Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl.  
Mit solch bösartigem Verhalten - zuvor hatte es Damasus von Rom an den Tag gelegt - verließen die „Rechtgläubigen“ den Raum des Rechtes. Ob sie je in ihn hätten zurückkehren können ist angesichts der Umstände fraglich. Die damalige nicänische Geistlichkeit hielt Brutalitäten gegen Arianer bereits für normal. Im Jahr 432 wird den bedeutenden Patriarchen Nestorius von Konstantinopel, - wie wir sehen werden, obwohl er ein Orthodoxer ist  - dasselbe böse Schicksal wie Lucius ereilen. Damit trotzten die Vormachtstreber dem Geist Gottes, der „auf dem Messias liegt...“ von dem der ‚allein wahre Gott’ voraussagte:
„Er wird den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht schreien, und man wird seine Stimme nicht auf der Straße hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat“ (76) Matth. 12: 18-20 
Am Maßstab „Erkenntnisumsetzung – bewahrung“ sind wir sicherlich allesamt zu messen. Sind nicht eigentlich diejenigen die Häretiker die sich gegen das Bemühen des Anderen um Wahrhaftigkeit wenden? Was war es, was nur 55 Jahre nach Nicäa, den Christen Ambrosius bewegte Kaiser Theodosius I. zu drängen, das Gesetz zum Glaubenszwang gegen das Toleranzreskript von Mailand zu novellieren?