Kinder, die mit sich selbst unzufrieden sind und mit ihrem
Dasein hadern, können ihren Eltern und ihren Lehrern zeitweise durchaus die
Hölle bereiten. Wir hatten Glück, aber sahen gelegentlich das Elend anderer
Familien.
In einem Fall erwies sich Jahre später, dass der zuvor
unentwegt stichelnde „Bösewicht“ einer Familie, seine Schwestern jahrelang zur
Verzweiflung trieb, weil er sich seiner Liebe zu ihnen schämte, die ihn in
Wahrheit bestimmen wollte.
Wir sind komplizierte Geschöpfe die oft genug um die innere
Balance ringen müssen.
In Neubrandenburg fanden Ingrid und ich während unserer
Seniormissionszeit, 2004- Ende 2006, einen Freund. Vom Ansehen her kannte ich
ihn längst. Er lief immer griesgrämig umher, wich mir aus, gab hart abweisende
Antworten. Ingrid jedoch erweichte sein Herz und er fasste Vertrauen zu uns. Er
kam wiederholt ins Gemeindehaus.
Eines Gemeindeabends, nach dem
offiziellen Ende, setzte er sich ans Klavier. Als die ersten Akkorde erklangen
liefen alle zusammen. Frau Dr. med. Ritt, die gerade getauft worden war, bat
ihn die „Träumerei“ von Schumann zu spielen, das klang wunderbar. Jedem
Musikwunsch kam er nach. Noten benötigte er nicht. Ich erfuhr nun, dass er
Musik studiert hatte, und dass seine Lehrer ihm, Achim, sagten, er hätte das
Zeug zum Konzertpianisten. Nun aber beschäftigte ihn das dortige
Sinfonieorchester jedoch nur als Notenwart. Er brillierte, außer wenn es um
sonstige Verhaltensweisen ging. Er fürchtete zum Friseur zu gehen, weil er
panische Angst vor einer Schere hatte. Irgendwann gab er uns seinen Hintergrund
preis: Sein Vater hatte ihn verflucht, weil … und nun kam ein lapidares
Missverständnis zum Vorschein. Unsere Missionszeit ging zu Ende… wir
verlängerten sie um zwei Monate… wir hätten bleiben müssen, vielleicht ein
weiteres Jahr. Aber da war Ingrids australische Familie …, und ihre Tochter,
die mit ihr haderte. Der Fluch des Vaters Achims wirkte zerstörend.
Wieder und wieder dachten wir,
bis zur Stunde, bedauernd zurück. Wie gerne wären wir in meiner Heimatgemeinde
für immer geblieben.
Und
ich kam, so oft ich an Achim dachte, nicht umhin mich an Vater Lehi zu
erinnern, -. den großen Helden des Buches Mormon - an seine und Sarias Herzenswünsche, zugunsten ihrer stets aufsässigen
Söhne Laman und Lemuel:
„Falls ihr verflucht werdet, da
gebe ich euch meinen Segen, damit der Fluch von euch genommen und euren Eltern
auf das Haupt gebracht werde.“ 2. Nephi 4: 6
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