Montag, 5. Januar 2026

"Achim"

 

Kinder, die mit sich selbst unzufrieden sind und mit ihrem Dasein hadern, können ihren Eltern und ihren Lehrern zeitweise durchaus die Hölle bereiten. Wir hatten Glück, aber sahen gelegentlich das Elend anderer Familien.

In einem Fall erwies sich Jahre später, dass der zuvor unentwegt stichelnde „Bösewicht“ einer Familie, seine Schwestern jahrelang zur Verzweiflung trieb, weil er sich seiner Liebe zu ihnen schämte, die ihn in Wahrheit bestimmen wollte.

Wir sind komplizierte Geschöpfe die oft genug um die innere Balance ringen müssen.

In Neubrandenburg fanden Ingrid und ich während unserer Seniormissionszeit, 2004- Ende 2006, einen Freund. Vom Ansehen her kannte ich ihn längst. Er lief immer griesgrämig umher, wich mir aus, gab hart abweisende Antworten. Ingrid jedoch erweichte sein Herz und er fasste Vertrauen zu uns. Er kam wiederholt ins Gemeindehaus.

Eines Gemeindeabends, nach dem offiziellen Ende, setzte er sich ans Klavier. Als die ersten Akkorde erklangen liefen alle zusammen. Frau Dr. med. Ritt, die gerade getauft worden war, bat ihn die „Träumerei“ von Schumann zu spielen, das klang wunderbar. Jedem Musikwunsch kam er nach. Noten benötigte er nicht. Ich erfuhr nun, dass er Musik studiert hatte, und dass seine Lehrer ihm, Achim, sagten, er hätte das Zeug zum Konzertpianisten. Nun aber beschäftigte ihn das dortige Sinfonieorchester jedoch nur als Notenwart. Er brillierte, außer wenn es um sonstige Verhaltensweisen ging. Er fürchtete zum Friseur zu gehen, weil er panische Angst vor einer Schere hatte. Irgendwann gab er uns seinen Hintergrund preis: Sein Vater hatte ihn verflucht, weil … und nun kam ein lapidares Missverständnis zum Vorschein. Unsere Missionszeit ging zu Ende… wir verlängerten sie um zwei Monate… wir hätten bleiben müssen, vielleicht ein weiteres Jahr. Aber da war Ingrids australische Familie …, und ihre Tochter, die mit ihr haderte. Der Fluch des Vaters Achims wirkte zerstörend.

Wieder und wieder dachten wir, bis zur Stunde, bedauernd zurück. Wie gerne wären wir in meiner Heimatgemeinde für immer geblieben.

Und ich kam, so oft ich an Achim dachte, nicht umhin mich an Vater Lehi zu erinnern, -. den großen Helden des Buches Mormon -  an seine und Sarias Herzenswünsche, zugunsten ihrer stets aufsässigen Söhne Laman und Lemuel:

„Falls ihr verflucht werdet, da gebe ich euch meinen Segen, damit der Fluch von euch genommen und euren Eltern auf das Haupt gebracht werde.“ 2. Nephi 4: 6




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