Samstag, 25. April 2026

Unvergessen: Die Ära Konstantins und der Holocaust (1)

 

1965: mit Vatikanum II distanzierte sich die katholische Kirche von Kaiser Konstantin (275-337). Die Ära Konstantin sei nun beendet. 

Diese Aussage kann in ihrer positiven Bedeutung nicht überschätzt werden. Wenn damit auch die ungeheuren Verbrechen, die seit Nicäa 325 im Geist Konstantins geschahen, nicht gelöscht sind, ist es doch eine nun einladende, weit geöffnete Tür zu guten Beziehungen zu allen Gutwilligen anderer Religionen.

2016 beschworen Studenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Katholiken gemeinsam für Religionsfreiheit einzutreten. Erzbischof Chaput von der Erzdiözese Philadelphia sagte „…wollen einander als Freunde und nicht als Feinde oder Fremde betrachten. "Wir müssen voneinander lernen, sowohl aus unseren Erfolgen wie auch aus unseren Fehlern, öffentlich haben wir für unsere Überzeugungen eigener Integrität einzutreten…“ Dies ist dem Geist der Friedensbotschaft Christi sehr nahe, ebenso die Suche Roms nach Vergebung bei den Nachkommen derer, die unter Verfolgungen durch fanatische Trinitarier schwer gelitten haben. Unvergessen ist, wie bescheiden, aufrichtig und bitter enttäuscht Papst Franziskus 2015 in der Kirche der Waldenser zu Turin dasteht, dass seine Bitte um Vergebung für die „unmenschlichen Handlungen und Einstellungen“, die sie in der Geschichte durch Katholiken erlitten hatten. Ihm wurde gesagt, dass sie als Kinder die Vergebung nicht im Namen ihrer Vorfahren „erteilen“ könnten, da nur Gott allein Sünden vergibt. Sie betrachteten die Geste dennoch als einen entscheidenden Wendepunkt für den ökumenischen Dialog. Demut geht jeder Vergebung voraus. Diesen Geist vertrieben zahlreiche angebliche Christen viele Jahrhunderte hindurch mit brutaler Arroganz, wie sie Cyrill von Alexandria (380-444) gegen die Juden und die Novatianer * an den Tag legte, auch das ist unvergessen. * Novatian (200-258) hochrangiger Priester zu Rom, vertrat die Ansicht, die Kirche habe nicht die Vollmacht, "Todsünden" wie Götzendienst oder Ehebruch zu vergeben; dies könne nur Gott am Jüngsten Gericht. Er trachte danach Primus der italienischen Kirche zu werden und gilt dem Mainstream als Gegenpapst. Von ihm stammen die Katharer ab. Sofort nach seinem Amtsantritt, 412, ließ Cyrill den Raub des Besitzes der Novatianer zu.

Ebenso unvergessen ist, dass die Kirche zur Zeit Konstantins selbst extrem gedemütigt wurde. Zu seiner Dienerin hat der römische Imperator sie gemacht. Um die neuen Schulbücher mit mehr historischen Wahrheiten auszustatten, müssen wir den Tatsachen der Geschichte, wie sie war, ins Auge sehen. Im Besonderen geht es um Tatsachen, die erst durch neue Forschungsergebnisse erkennbar wurden. So, wie der Holocaust nie in die Vergessenheit fallen darf, oder die Schrecklichkeiten des Leninschen Roten Terrors, Stalins Kirchen- und Kulakenhass, die Untaten Pol Pots oder Mao Tse-Tungs Rote-Garden-Politik mit schließlich 50 Millionen Toten. Sinnentstellende und unwahre Behauptungen sind zu merzen: Konstantin sei der erste christliche Kaiser der Weltgeschichte? Nicht wenige nehmen diese Aussage als Tatsache hin. Doch die Forschung stellte sich der Frage: War Konstantin wirklich ein Christ oder eher der biblisch vorausgesagte Antichrist, „…der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“  2. Thess. - Kapitel 2: 3-4

In Nicäa 325 nennt er sich, noch bescheiden, „Bischof der Bischöfe“. Nur fünf Jahre nach dem nicänischen Konzil zeigt Konstantin bedenkenlos zu Konstantinopel, dass er und der uralte Sonnengott, Sol Invictus, ein und derselbe sind. Auf Münzen widmete Konstantin der Kriegs-Siegesgöttin Victoria Ehre. Beide aber sind Götter des Unheils. Sie segnen ungerechtfertigte Kriege und Morde, wie die von Konstantin ausgeführten gegen engste Familienangehörige.  Das von evangelischer Hand geführte Ökumenische Heiligenlexikon schreibt: „Seine Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; sein Schwiegervater, Kaiser Maximianus, wurde 310 von seinen Soldaten an Konstantin ausgeliefert, der ihn schließlich zum Selbstmord zwang; seinen Schwager Licinius ließ Konstantin erwürgen, dessen Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn tot schlagen; Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Folge des Todes von Fausta war, dass ihr gesamter Besitz aus dem Erbe der Laterani - so der heutige Lateranpalast - endgültig an den Papst kam.“

Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in Trier… .“ Er kannte „auch mit der Zivilbevölkerung … keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“ Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007

Es wird berichtet, dass die Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule „... von Heiden und von C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e versuchten, das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren. Sie b e t e t e n  ihn w i e  e i n e n G o t t an und leisteten Fürbitten, die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“

„Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in der Haltung und im Gewand des Sonnengottes darstellen…" William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“



Wiki Commons Mosaik des Christus als Sol Invictus in der vatikanischen Nekropole, 3. Jahrhundert.

Die Nähe des Sol zu Baal ist jedoch unübersehbar: "Ursprünglich vereint Sol Invictus mehr oder weniger die orientalischen Religionen wie den persischen Mithras und den syrischen Baal. Die Wurzel dieses nach Rom exportierten Baal lässt sich zurückverfolgen nach Emesa, mit dem Stadtgott Sol Elagabal. Sol Invictus ist bereits unter Vespasian geläufig. Er stellte ihm zu Ehren schon im Jahre 75 eine Kolossalstatue auf, seit Commodus trägt jeder Kaiser den Titel Invictus." www. Uni- Protokolle

Zwölf Jahre nach Nicäa berichtet Eusebius von Cäsarea „ausgesprochen billigend, dass auf Beschluss von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde angefertigt wurde, auf welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe thronend dargestellt wurde... Das irdische Imperium Romanum (sei), allein von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der Diener Gottes, sondern auch sein Stellvertreter auf Erden... "Während Logos Christus im Himmel herrscht, erfüllte Constantin die gleichen Aufgaben auf der Erde.“ F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“  

„… er wollte der Christus sein“ Prof. Clauss „Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich

Ähnliche Anmaßungen durch andere Exponenten erscheinen nicht in den ersten eintausend nachchristlichen Jahren der Geschichte. Es gab Zeiten, da anerkannte der Vatikan die Doppelrolle des Sonnengottes: Wie dieses Bild bestätigt, wurde Christus in der Spätantike kirchlicherseits tatsächlich mehrfach mit Sol Invictus gleichgestzt

Irgendwann wurde allen Bischöfen bewusst, dass Kaiser Konstantin kein sauberes Spiel mit ihnen trieb. Die Tatsache ihres beachtlichen Widerstandes veranlasste Hertling SJ zu der Bemerkung: „... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen, gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“

Athanasius von Alexandria (290?-373) der mitentscheidende Gegenspieler des Ältesten Arius (260-337) tobte indessen weiter: Er habe den Erweis der Wahrheit vorgebracht, zufriedengeben und nunmehr sich ruhig verhalten ...(hätten sich die Arianer nicht). Sie geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege...  Arianer sind keine Christen... Sie sind die Erfinder von Gotteslästerungen und in Wahrheit die Gottesfeinde ...Wenn aber Gott nicht wie ein Mensch (aussieht), er ist es nämlich nicht, so darf man auf ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen...“ Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede 

Es gibt nun jedoch eine erste, deutliche Ablehnung dieser Behauptung des Athanasius. In seiner 1. Enzyklika sagte Papst Benedikt XVI. „Dantes „Göttliche Komödie“ habe ihn ... inspiriert, „… Das tiefste Innere des unzugänglichen Lichtes sei jedoch nicht etwa ein noch gleißenderes Leuchten oder noch helleres Scheinen, sondern das zarte Gesicht eines Menschen, das dem Seher da endlich auf seiner Suche entgegentrete. Dies sei ...„noch viel bewegender als die Offenbarung Gottes in der Form des Dreifaltigen Kreises von Erkenntnis und Liebe. Gott, das unendliche Licht, ... besitzt ein menschliches Gesicht.“  23. Januar 2007

Das ist, Gott sei Dank, endlich die Brücke. Ob sie auch für weitere Theologen begehbar und akzeptabel erscheint, muss die Zukunft erweisen. Die Evangelische Kirche Deutschlands ging noch einen Schritt weiter: „Die Diskussion um die Trinität begann (erst) im vierten Jahrhundert nach Christus.  Sie ist sehr philosophisch geprägt, da die Lehre von der Trinität in der Bibel nicht explizit vorkommt.“ EKD 2020          

Eisern klammern sich klügste Menschen an das Bekenntnis zu Nicänum, obwohl es der Vernunft widerspricht. Prof. Bernd Oberdorfer, Augsburg, gibt  zu bedenken: „Verlegenheit ist noch das harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt, sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott einer und drei zugleich ist?“ „Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004

Der dreifaltige Gott ist unerkennbar. Ein bekannter Jesuit schmunzelt aus Verlegenheit: „In meiner Spessart-Gemeinde (Leidersbach-Ebersbach) erinnert man sich noch heute gerne an die Freude, die der alte Pfarrer Väth 34 Jahre lang (von 1936–1970) seinen Pfarrkindern jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag bereitet hat. Nach dem Evangelium pflegte er zu sagen: „Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ist so groß und so tief, dass es selbst Euer Pfarrer nicht versteht. Darum fällt heute die Predigt aus – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Medard Kehl SJ „An den dreieinen Gott glauben“ 5. Juni 2008 in Fulda 

Zu bitter sind die Taten der bedeutendsten Trinitarier: Nachdem seine Armeen nach fast 20-jährigen Kriegen die Arianer Italiens im 6. Jahrhundert zu Boden geworfen hatten, jubelt Kaiser Justinian (482-565).  – den die orthodoxen Kirchen für einen Heiligen halten –.

 „Von Gott eingesetzt ...bringen wir Kriege glücklich zu Ende…Wir richten unsere Herzen so auf den Beistand des allmächtigen Gottes, dass wir weder Waffen noch unseren Soldaten, noch den Generälen, noch unserer eigenen Begabung vertrauen müssen, sondern jegliche Hoffnung allein auf die vorsorgende Umsicht der höchsten D r e i f a l t i g k e i t setzen…“Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich und Religion“

Unvergessen ist, dass der berühmte Entdecker des kleinen Blutkreislaufes, Michael Servet, 1553, auf Betreiben des athanasianischen Reformators Calvin zum Tode verurteilt und mit ausgewählt grünem Holz geröstet wurde, weil er darauf bestand, gut arianisch, (=mormonisch) zu sagen: „Gott hat ein Antlitz!“ 

Ähnlich schräg wie mit anderen Athanasianern verhält es sich mit Bischof Ambrosius von Mailand (330?-397) und Kaiser Justinian sowie Cyrill von Alexandria. Ihnen werden, trotz ihrer Untaten, ebenso wie Konstantin, seitens der Großkirchen ehrende Gedenktage gewidmet. Redliche Christen waren sie nicht. Sie agierten wie selbsternannte Halbgötter, die keinen Widerspruch zuließen.  Ihre Worte und Taten schleuderten Hass gegen andersdenkende. „Ambrosius wird von allen christlichen Kirchen (katholisch, orthodox, anglikanisch und lutherisch) noch hochgeachtet. Er zählt zudem zu den vier ursprünglichen Kirchenlehrern des Abendlandes“ SmartGuide „Leben des Heiligen Ambrosius“

Ambrosius, war Verehrer das mörderischen Papstes Damasus (305-384). Er formulierte u.a. eine Ungeheuerlichkeit, die selbst schwere Ungerechtigkeiten ungeschehen machen sollten: Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159

„Nachlassen“ bedeutet nach katholischer Lehre „vergeben“, oder „verzeihen“.

Wer Witwen betrügt und Kinder schändet gehört hinter Schloss und Riegel verbracht zu werden. Allein dieser markante Ambrosius-Satz verführte selbst sonst angesehene Geistliche zu Übeltaten und unzähligen Fehlentscheidungen selbst der Päpste.  Seit dem 13. Jahrhundert galt es ambrosianisch: „Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten vorhanden, der sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die Heiligen über das hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig ist... dass den Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex ermächtigt, denen die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen Quelle des Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von der für ihre Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ James Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche, XII. Jahrhundert II. Supererogation wurde das genannt.

Nicht korrekt ist zu sagen: gemeint wäre ein Ablass von Kirchenstrafen, das beweist ein Urteil „im Fall des Mordes des Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim Marcus im 14. Jahrhundert.  Papst Johannes XXII. nahm von diesem Mörder Geld und erklärte, Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr. Visconti sei nun mit dem Reich Gottes ausgesöhnt.“  Schlosser, Weltgeschichte Bd VI. S. 390-391  

Dass Geld, auch schmutziges, jedes Tor im Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder verstehen, noch unwidersprochen hinnehmen. Das brachte die Reformation zuwege. Ambrosius billigte oder initiierte, in seiner Eigenschaft als Kaiserberater sehr junger Imperatoren, das im Februar 380 in Kraft gesetzte staatliche Zwangsgesetz „Cunctos populos“. Es brachte die Religionsfreiheit zum totalen Ende. Cunctos populos richtete sich insbesondere gegen die Arianer, aber auch die Juden bekamen seine Hartherzigkeit heftig zu spüren, sowie die Hellenen, deren Tempel umgehend, nach Veröffentlichung dieses Gesetzes im Februar 380, attackiert, wenn nicht teilweise zerstört wurden. „Ambrosius, der Bischof von Mailand, beginnt alle Tempel seines Gebietes zu zerstören. Die christlichen Priester führen den hungrigen Mob gegen den Tempel der Demeter in Eleusis und versuchen, die Hierophanten Nestorius und Priscus zu lynchen. Der 95 Jahre alte Hierophant Nestorius beendet die Eleusinischen Mysterien und verkündet die Herrschaft geistiger Dunkelheit über die menschliche Rasse. Am 2. Mai 381 beraubt (der unter dem Einfluss des Ambrosius stehende G.Sk.) Kaiser Theodosius die Christen, die zur heidnischen Religion zurückkehren, aller ihrer Rechte. Im gesamten östlichen Imperium werden Tempel und Bibliotheken geplündert oder niedergebrannt..“  Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“   

Bis heute wird Cunctos populos als Dreikaiseredikt bezeichnet.  Bis jetzt soll mit ihm die Unwahrheit gelten, dass der Arianer, Kaiser Gratian, und Kaiser Valentinian II zu den Verfassern bzw. Unterzeichnern gehörten. Der damals 9-jährige Valentinian II hätte den arianischen Glauben seiner Vorfahren verboten und nur das trinitarische Christentum erlaubt? Die Fakten sprechen dagegen: „Als der jugendliche Kaiser Valentinian II. für seine Arianer, die außerhalb der Stadtgrenze gelegene basilica Porciana extra murana forderte, wurde ihm dies von Ambrosius verweigert.“ Peter Grossmann „Ägyptische Architektur“

Wiederholt „verweigerte Ambrosius Justina (der amtierenden Kaiserin) die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands zwei Kirchen zu überlassen.“  F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu Christi“

Ambrosius leistete Widerstand „mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl Justinas, Kirchen an die Arianer auszuliefern.“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

Gemäß der Catholic Answers Encyclopedia und weiteren historischen Quellen wie dem Theodosianischen Kodex erließ Kaiser Valentinian II., nun als 15-jähriger Regent, am 23. Januar 386 ein Edikt, das den Arianern weitreichende Freiheiten und Schutz garantierte. 

Bestenfalls ist Cunctos populos ein „Einkaiseredikt“.

Ambrosius war nach seiner Taufe durch Orthodoxe die Intoleranz in Person.

Schlimmer!

 

 Die Fluchtroute der Gotten


Mit „de fide“ forderte Ambrosius 378 von Kaiser Gratian die arianischen Flüchtlinge die dem Hunnensturm nicht gewachsen waren, und die um Schutz baten, zu bekämpfen. Schon vor der Kindheit des Ambrosius nahmen die Angriffe der Hunnen auf die im Raum Ukraine siedelnden Goten zu. Bereits seit etwa 270 lebten einige ostgotische Stämme nördlich der Donaugrenze. Die Berichte sagen, dass der arianische Gelehrte und Missionar Wulfila, von Eusebius von Nikomedia geweiht, unter ihnen seit 341 sehr erfolgreich wirkte. Es gibt massive Hinweise, dass die Goten zumindest eng verzahnt mit den „verlorenen 10 Stämmen Israels“ sind. Ihre Überlieferungen passten zum arianischen Glaubensgut. Jedenfalls gibt es dafür Belege: Die arianische Gott Vater-Sohn- Beziehung entsprach in etwa der Religion der gotischen Germanen. Der „Sohar“ - der poetische Kommentar zur Tora – legt das nahe. Dort wird ausgeführt, „dass die Idee von einer Vielfalt-in-der-Einheit dem jüdischen Denken nicht fremd ist. Tatsächlich gibt es, außer Gott selbst, zwei andere Persönlichkeiten in den Hebräischen Schriften, die dargestellt werden als anders, dennoch irgendwie gleich mit Gott.“ Und Wulfilas Credo lautete dementsprechend, (entgegen den Aussagen einiger, die Arius unterstellen, er leugne die Gottheit Christi): „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... wir glauben an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“ Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“

Hinfällig ist damit die Behauptung: Die Arianer leugneten die Gottheit Christi, - weil sie daran glaubten Christus sei ein anderer, ein dem „allein wahren Gott“ nachgeordneter Gott. Sonderbar. Das große Missverständnis lebt noch im 21. Jahrhundert: „Die Leugnung der Gottheit Christi, wie sie die Arianer vertraten, war für die Katholiken nicht vermittelbar.“ Radio Vatikan 7. !2

 „Arius leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia 2019 

Boris Altschüler veröffentlichte interessante Sprach-Vergleiche, die uns nahelegen, dass die Goten nicht nur kulturell, sondern auch genetisch mit israelischen Gruppen verwandt sind. Ab 370 wurde der Druck unerträglich.  Die weiter nördlich siedelnden Goten flohen vor dem Hunnensturm in Massen südwärts. Jahr für Jahr verging für sie ohne Hoffnung. Innerhalb von zwei Generationen durchquerten sie zwischen 376 und 418 das halbe Römische Reich, bis sie schließlich in Italien und den Westprovinzen (Spanien) sesshaft wurden. Ein Blick auf die Lage der Provinz Moesia in Europa zeigt allerdings, dass Ambrosius Bedenken nicht ganz bodenlos waren. Die Neuankömmlinge könnten dem Papsttum den völligen Garaus bereiten, falls aus dem weiten Norden immer mehr schutzsuchende Goten ins Reich drängten. Allerdings später, als die gotischen Arianer Italien ganz und gar beherrschten, erwiesen sie sich jedoch gegenüber dem Papst und seiner Kirche als absolut tolerant. * „Laut ... Prokop sei Theoderich (der Ostgotenkönig) selbst ... ein wahrer Kaiser gewesen. Dazu trug auch seine kluge Ausgleichspolitik zwischen den arianischen Goten und den römisch-italischen Italienern bei. Beide Konfessionen erhielten eine gleichwertige, wenn auch getrennte Behandlung. Auch gegenüber den Juden ließ er Toleranz walten. So hieß es in einem durch den Staatsmann und Schriftsteller Cassiodor überlieferten Brief: „Religion können wir nicht anbefehlen, da es niemandem in den Sinn kommen wird, dass er gegen seinen Willen glaubt“. Karl Adam DAS GOTISCHE ITALIEN...

König Theoderichs Mutter Ereleuva, zuvor arianischen Glaubens, wie ihr großer Sohn, ließ sich katholisch taufen, und erhielt den Namen Eusebia. Theoderich verstieß sie nicht. Zahlreiche Katholiken gehörten zu seiner engsten Umgebung und sogar zur Familie.

"Nachdrücklich sorgte er für Gerechtigkeit. Seinen Untertanen tat er fast nie ein Unrecht an und ließ es auch von keinem anderen zu.« Mehr als 30 Jahre lang herrschte Frieden in Theoderichs Provinz. Und dennoch kungelten römische Senatoren mit Byzanz und hetzten gegen Theoderichs unkatholischen Glauben, wiewohl er selbst ein frühes Musterbeispiel an religiöser Toleranz gegeben hatte.“

Annette Bruhn „Pest, Hunger und Schwert“.

 



 

 Wikimedia Commons

 Die rötlich eingefärbten Gebiete waren Teil des von Legionen besetzten Reiches.

 

„Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten). So nahmen die (römischen) Kommandeure die Kinder der Goten… Darüber kam es (im August 378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel, in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“  Leopold von Ranke

 



 





                                                        Münze Gratian (359-383)


Der Tod Kaiser Valens, (der Bruder Valentinians, der drei Jahre zuvor im Kampf gegen die persischen Sassaniden fiel) kam den Nicänern gelegen, denn auch Valens war Arianer gewesen.

                        

Athanasius (290-373), seit Nicäa der Erzfeind des Arius (260-337) attackierte ihn, wo er konnte. Nun war der Weg frei für Gratian, den Wankelmütigen, der Ambrosius Weitsicht gleichzeitig schätzte und bezweifelte.

Den jungen Kaiser plagte das Gewissen. Er wünschte, mit den Goten Frieden zu schließen.   Aber Ambrosius sagte sein lautes Nein! Er war Gratian an innerer Autorität haushoch überlegen.  Ambrosius behauptete, im Stil und Sinn des Athanasius, die Goten seien Gottesfeinde. Wörtlich: „Sie sind ‚christusfeindlich’ eingestellt.“  Ambrosius, völlig im Fahrwasser der Schriften des Athanasius und des Epiphanius von Salamis (319-403), stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche Lösung des Problems. Er wünschte nicht zu denken, dass die bekehrten Goten seine Brüder waren. Gnadenlos und folgenschwer vertrat er Konstantins durch und durch verlogenes Konzept: Wer nicht nicänisch glaubt, ist kein Christ!“ Gratian wandte ein, dass er doch erst sein arianerfreundliches Toleranzedikt zu Sirmium, 378 veröffentlicht hätte.  Wütend, und alles auf eine Karte setzend, schrieb Ambrosius nun von Angst getrieben: „Die Arianer (Italiens und die Goten, G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen. Der Kaiser soll, gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... Der Krieg gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde!“ Gunter Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“

Ambrosius Verteidiger beschönigen die Definition des Begriffes „vernichtet“. Aber die Goten wünschten nur Sicherheit für ihre Familien. Das wurde ihnen verweigert. Ambrosius wusste:  Für die Goten ging es um Tod oder Leben. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten, war ihnen, außer dem römischen, kein europäisches Heer mehr gewachsen. Gratian ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln, und daran ist zu ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen, Verantwortung tragenden Mann geistig überlegen war. Ebenso bösartig operierte Kaiser Justinian, der im 6. Jahrhundert fast 20 lange Jahre von 535 -554 in Italien einen Ausrottungskrieg gegen eben diese harmlosen Ostgoten führte, nur weil sie als Arianer glaubten, dass Jesus seinem Vater nachgeordnet (subordiniert) war. Darin bestand der Hauptunterschied zwischen beiden Religionen. Natürlich gab es auch politische Gründe. Die Ostgoten hatten eine Landreform zugunsten ihrer Soldaten und der armen Bauern durchgeführt, die teilweise um ihren Besitz geschmälerten beklagten sich bei Kaiser Justinian und baten um seine Intervention. Totila, der vorletzte König der Arianer, „warf den Possessoren Italiens, den Mitgliedern des senatorischen Adels vor“, dass sie „obwohl an der Herrschaft beteiligt, die Byzantiner ins Land geholt hatten“ Ernst Pitz „Die griechisch-römische Ökumene und die drei Kulturen des Mittelalters“  

Die Situation weist eine fatale Ähnlichkeit mit den mitteleuropäischen Ereignissen von 1967 auf: Die auf Machterhalt bedachten Regenten der Sowjetunion wollten ihre alte, volle Vorherrschaft in der Tschechoslowakei wiederherstellen, die sie infolge des „Prager Frühlings“ verloren hatten, weil Alexander Dubcek den Kreml-hörigen Generalsekretär Novotný ablöste. Die Tschechen waren aus guten Gründen vom orthodoxen Kommunismus abgefallen, wie zu Justinians Zeiten zahllose Italiener, die zuvor als gute Katholiken galten und nun arianisch glaubten.  


                                                Züge der Ost- und der Westgoten


Italien lag schließlich verwüstet da. Das flache Land und selbst die Großstadt Rom glichen später einer Wüste: „Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte und Retter des Christentums. Gespenstisch ging es zu. Wo einst 1 Million Bürger wohnten, hausten zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute. Dieser verlorene Haufen, hielt sich allerdings für den Nabel der Welt.“ Annette Bruhns „“Pest, Hunger und Schwert“

1965 bekannte Rom sich zu den Prinzipien der Religionsfreiheit die Konstantin, Ambrosius von Mailand und Kaisr Justinian nacheinander unter ihre Füße getreten hatten.

Mit der Schlusssitzung von Vatikanum II, 1965, stellte Rom die fundamentalen Freiheitsrechtrechte, ihres Einflussbereiches  wieder her. Allerdings votierten von den 2400 Konzilsvätern 70 dagegen. Der spätere Papst Benedikt XVI. fasste als Konzilsberater zusammen: "Die Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanums bedeutet … kirchlicherseits das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära.“  Karl Hörmann „Willensfreiheit“

Das so klar zum Ausdruck zu bringen ist bewundernswert.

 

 

Gerd Skibbe

Melbourne 2026                          

 

 

 


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