. Von den drei Meinungen über den Ursprung der Seele wurde die von der Präexistenz immer weniger gebil¬ ligt. Obgleich einige, wie Nemesius, IIspl cpu<7. avöp. c. 2, Gre¬ gor von Nyssa, De hom. opif. c. 28, Cyrillus von Alexan¬ drien, Comm. in Joh. Opp. T. IV. S. 78, eine Schöpfung der Seele vor dem Körper annahmen, so wurde doch die Vorstel¬ lung von der Präexistenz der Seele in der Form, in welcher Origenes sie gelehrt hatte, als eine unchristliche verworfen.
überrollt
Gleichwohl hat die Lehre des Origenes noch nicht alle Freunde und Anhänger verloren. Über Didymus, der gewöhn¬ lich auch hierin als Origenist betrachtet wird, liegt kein be¬ stimmteres Zeugniss vor, deutlicher aber hat sich hierüber Gregor von Nyssa ausgesprochen, sowohl in der Or. cat. 8 und 35, als auch in dem >.6yo; rcspl xal avacTocaso); *), wo die Hauptideen folgende sind: Die Seele wird zu Gott hin¬ gezogen, weil sie mit Gott verwandt ist, und Gott muss alles, was ihm gehört, in letzter Beziehung schlechthin erhalten werden.
Gregor von Nyssa, welcher am meisten von den eigentümlichen Ideen des Origenes sich aneignete und ihm durch ein selbstständi¬ ges speculatives Talent am nächsten kam.
Auch Justinian I., welcher im Jahr 527 Justin folgte, war der chalcedonensischen Synode eifrig zugethan, dagegen er¬ hielt der Monophysitismus an seiner schlauen und ränkevollen Gemahlin, der Kaiserin Theodora, eine um so mächtigere Stütze. Sie zog die bedeutendsten Männer der monophysiti- schen Partei in ihre Nähe, und brachte es sogar dahin, dass einer derselben, Anthimus, im Jahr 535 zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt wurde. Als Justinian den Betrug noch zeitig genug entdeckte, den Monophysitismus auf einer Synode in Konstantinopel im Jahr 536 verdammen liess und die Mo- nopliysiten aus der Hauptstadt und andern Städten entfernte, knüpfte sie zur Begünstigung des Monophysitismus geheime Unterhandlungen mit dem römischen Diaconus Vigilius an, in deren Folge dieser römischer Bischof wurde. Schon damals war auch von der Anathematisirung der den Monopbysiten besonders verhassten drei syrischen Kirchenlehrer, Theodor von Mopsuestia, Theodoret und Ibas von Edessa, die Rede. Es ist schon früher bemerkt worden, wie dieser neue Streitpunkt mit dem origenistischen Streit zusammen¬ hängt. Tiieodorus Askidas wollte dadurch die öffentliche Aufmerksamkeit von der Sache des Origenes ablenken. Er 272 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. wählte dazu gerade den Theodorus von Mopsuestia vielleicht desswegen, weil dieser als Gegner des Origenes mehrere Schriften gegen Origenes geschrieben hatte. Der Hauptgrund lag aber unstreitig in dem Gegensatz der monophysitischen und chalcedonensischen Partei. Die Origenisten in Palästina waren ohne Zweifel schon als Mönche monophysitisch gesinnt, und wenn einmal Theodorus Askidas ein solches Seitenstück zur Verdammung des Origenes haben wollte, so konnte er seinen Zweck bei keinen andern Kirchenlehrern besser errei¬ chen, als bei den genannten drei, deren Verdammung die Monophysiten schon zur Sprache gebracht hatten (die Seve- rianer auf derCollat. Constant. im Jahr 531J), die Orthodo¬ xen aber nicht zugeben konnten, ohne sich dadurch in Hin¬ sicht der Auctorität der Synode von Chalcedon eine Blosse zu geben. Warum aber gerade die genannten drei syrischen Kir¬ chenlehrer der besondere Gegenstand des Hasses der Mono¬ physiten waren, ergibt sich aus dem Bisherigen wenigstens in Ansehung der beiden ersten von selbst. Um den Nestorianis- mus in seiner Wurzel zu bekämpfen, wollte ja schon Cyrill auch den Theodor von Mopsuestia verdammen lassen. Theo- doret war der Hauptwortführer auf der Seite der Orientalen, welcher den Schriften Cyrill’s mehrere Widerlegungsschrif¬ ten entgegen gesetzt hatte. Der Presbyter Ibas in Edessa hatte in einem Briefe an seinen Freund, den Bischof Mares oder Maris von Hardaschir in Persien, zwar den Nestorius wegen seines Angriffs auf das Prädicat Gsotoko; getadelt, aber weit nachdrücklicher Cyrill beschuldigt, Eine Natur der Gott¬ heit und Menschheit zu lehren und in den Apollinarismus ver¬ fallen zu sein, und den gerade damals zwischen Cyrill und den Orientalen geschlossenen Vergleich, über welchen er sei¬ nem Freunde Nachricht gab, als einen Widerruf Cyrill’s,
Es erschien nun der hochbejahrte Epiphanius, von Theophilus dazu veranlasst, auf’s neue auf dem Schauplatz, um in Constantinopel die Verdammung der Irrlehren des Origenes zu betreiben, erreichte aber auch jetzt seine Absicht nicht, da Johannes Chrysostomus nicht geneigt war, zu sol¬ chen Planen die Hand zu bieten. Dagegen gelang es dem Bischof Theophilus, als er selbst auch nach Constantinopel kam, unter dem Vorwände der Unterdrückung der origenisti« sehen Ketzerei den Chrysostomus mit Hülfe der gegen ihn feindlich gesinnten Partei und der Kaiserin Eudoxia, die sich durch ihn gekränkt glaubte, von seinem Patriarchensitz zu verdrängen, und ihm eine Reihe von Schicksalen zu bereiten, in deren Folge er zuletzt in der Verbannung starb. Aber auch das Letzte, das solche Bemühungen krönen sollte, und damals blos dem persönlichen Ehrgeiz des Theo¬ philus , sofern der unmittelbare Gegenstand desselben Chry¬ sostomus war, nachstehen musste, blieb nicht aus: die förm¬ liche Verdammung des Origenes auf einer Synode; nur ge¬ schah diess erst unter Justinian, dessen Regierung wie in an¬ derem, so auch hierin nur vollendete, was schon das Ziel frü¬ herer Bestrebungen war, und wie im Ganzen, so auch in Hinsicht des Dogma einen Despotismus verräth, dessen ein solches Werk vollkommen würdig war. In den Klöstern Pa' lästina’s gab es noch immer viele eifrige Verehrer des Origenes, welche damals an Tiieodorus Askidas, einem Abte aus ihrer Mitte, welcher die besondere Gunst des Justinian ge¬ wonnen hatte, und von ihm zum Bischof von Cäsarea in Cap- padocien ernannt worden war, eine mächtige Stütze hatten. Um so mehr aber gaben sich die Gegner der Origenisten, schon aus Eifersucht gegen den grossen Einfluss, welchen Tiieodorus Askidas am kaiserlichen Hofe hatte, alle Mühe, den Sturz dieser origenistisclien Hofpartei zu bewirken. Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Reise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Religionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von Mops- uestia,
Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Reise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Eeligionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von
Diess geschah zuerst als Hieronymus und der Presbyter Rufinus von Aquileja gegen das Ende des vierten Jahrhun¬ derts in Jerusalem sich auf hielten, und unter sich und mit dem Bischof Johannes von Jerusalem durch freundschaftliche Verhältnisse ebenso enge verbunden waren, als durch die Liebe zu den Schriften des Origenes. Da unter denen, die schon damals die heiligen Orte Palästina^ in grosser Zahl be¬ suchten, auch solche waren, die von Origenes wenigstens so viel wussten, dass er für einen sehr gefährlichen Irrlehrer zu halten sei, so entstand über die origenistischen Ketzereien in Jerusalem ein solches Geschrei, dass der alte dogmatisch beschränkte Epiphanius, welcher schon unter den ägyptischen Mönchen, unter welchen er seine Bildung erhalten hatte, mit einem Vorurtheil gegen Origenes erfüllt worden war, im Jahr 394 nach Jerusalem kam, und von dem Bischof Johannes ver¬ langte, dass er den Origenes als Vater des Arianismus und so vieler andern Ketzereien verdammen müsse. Obgleich Epi¬ phanius seinen Zweck nicht erreichte, so gab er doch die Veranlassung, dass der Name des Origenes immer mehr zum Gegenstand der blindesten Verketzerungssucht g
Aber auch das Letzte, das solche Bemühungen krönen sollte, und damals blos dem persönlichen Ehrgeiz des Theo¬ philus , sofern der unmittelbare Gegenstand desselben Chry¬ sostomus war, nachstehen musste, blieb nicht aus: die förm¬ liche Verdammung des Origenes auf einer Synode; nur ge¬ schah diess erst unter Justinian, dessen Regierung wie in an¬ derem, so auch hierin nur vollendete, was schon das Ziel frü¬ herer Bestrebungen war, und wie im Ganzen, so auch in Hinsicht des Dogma einen Despotismus verräth, dessen ein solches Werk vollkommen würdig war. In den Klöstern Pa' lästina’s gab es noch immer viele eifrige Verehrer des Ori 2 * £0 Erste H.iu|>tpevioi!<\ Zweiter Abschnitt. genes, welche damals an Tiieodorus Askidas, einem Abte aus ihrer Mitte, welcher die besondere Gunst des Justinian ge¬ wonnen hatte, und von ihm zum Bischof von Cäsarea in Cap- padocien ernannt worden war, eine mächtige Stütze hatten. Um so mehr aber gaben sich die Gegner der Origenisten, schon aus Eifersucht gegen den grossen Einfluss, welchen Tiieodorus Askidas am kaiserlichen Hofe hatte, alle Mühe, den Sturz dieser origenistisclien Hofpartei zu bewirken. Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Heise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Eeligionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von Mops- uestia, Ibas und Theodore! zurückfiel, was nun den Einleitung. Verdammung des Origenes u. der syr. Kirchenlehrer. 21 sogenannten Dreikapitelstreit veranlasste, sollte zwar eine Maassregel sein, durch welche die Origenisten die Sache des Origenes in Vergessenheit bringen, und sich für die Verdam¬ mung des Origenes an ihren
Gegnern rächen wollten; es dient aber nur zu einem neuen Beweise davon, wie in jener Zeit gerade die originellsten und geistvollsten Kirchenlehrer (in welcher Hinsicht allerdings insbesondere Theodor von Mops- uestia dasselbe Schicksal mit Origenes verdiente) das Opfer der reizbarsten, mit den Bänken eines despotischen Hofs so eng verflochtenen Verketzerungssucht wurden. Zu läugnen ist zwar nicht, dass die eigenthümliehen Leh¬ ren des Origenes mit der spätem Kirchenlehre immer mehr in Widerstreit kommen mussten, und dass sich insofern in der ausdrücklichen Verwerfung derselben in gewissem Sinne auch wieder eine bestimmtere Durchbildung des christlichen Bewusstseins erkennen lässt; wenn aber selbst über längst verstorbene, angesehene Kirchenlehrer Anatheme ausgespro chen, und der Unterschied der Zeiten in Hinsicht der Ent¬ wicklung des Dogma so wenig anerkannt wurde, wie eng war der Kreis gezogen, in welchem man sich noch bewegen durfte? Kann man sich wundern, dass an die Stelle der productiven Fortbildung des Lehrbegriffs ein unselbstständiges Festhalten an der Überlieferung der Vorzeit, an demjenigen, was als der heilige Glaube der Väter galt und für immer gelten sollte, trat, dass die Zahl der ausgezeichneten Kirchenlehrer in der Periode nach der Synode von Chalcedon, die den orthodoxen Lehrbegriff der griechischen Kirche vollends abschloss und in Hinsicht der freieren Entwicklung des Dogma einen merkwür¬ digen Wendepunkt bezeichnet, immer mehr abnahm? Indem man über Männer, wie Origenes war, das Anathema aus¬ sprach, sprach man dasselbe Verdammungsurtheil auch über die Studien aus, durch die sie sich gebildet hatten. Charakteristisch ist daher für den in unserer Periode 22 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. erfolgenden Umschwung des Zeitgeistes das mehr und mehr sich ändernde Urtheil über die Beschäftigung mit der heidni¬ schen Litteratur. In der ersten Hälfte unserer Periode war die Liebe zu den klassischen Studien noch sehr weit verbreitet. Eusebius von Cäsarea, Basilius, die beiden Gregore, Apolli¬ naris , Bischof von Laodicea, die früher genannten antioche- nischen Kirchenlehrer, zu welchen in dieser Beziehung ins¬ besondere auch Johannes Chrysostomus gehört, und viele andere waren Männer, die eine sehr vertraute Bekanntschaft mit der griechischen Litteratur besassen, sich durch solche Studien für den Dienst der christlichen Kirche zu bilden glaubten, und daher nicht abgeneigt waren, auch in der heid¬ nischen Weisheit einzelne Strahlen eines helleren Lichts an¬ zuerkennen. Eusebius z. B. erörtert in seiner Praep. Ev. L. XI ausführlich die Übereinstimmung der griechischen Philosophie mit dem Christenthum, und leitet sie nach dem Vorgänge der Alexandriner aus der Bekanntschaft mit dem alten Testament ab. Auch bei Gregor von Nazianz schimmert noch die alte Idee durch, dass der Logos, ehe er in Christus Mensch wurde, manche edle Männer der Vorzeit erleuchtet habe. Mystisch zwar und geheimnissvoll sei der Satz, sagt erOrat. 15, 1, ihm aber und allen, die Gott lieben, sehr ein¬ leuchtend, dass keiner von denen, die vor der Erscheinung Christi das Ziel der Vollkommenheit erreichten, dieses ohne den Glauben an Christus vermocht habe, Denn das Wort der Wahrheit sei wohl später zu seiner Zeit ausgesprochen wor¬ den, aber schon früher denen, die reinen Herzens waren, bekannt gewesen. Die Weiseren unter den Heiden haben das Unvernünftige der gemeinen Götterlehre eingesehen und die Gottheit schon in ihrer Einheit erkannt. Vgl. Or. 31, 15. 16. Selbst ein Augustin war, wenigstens in seinen frühem Schrif¬ ten, noch der Meinung, dass man zum Dienste des Christen- thums auch von den Heiden das Gold und Silber entlehnen...
so eng verflochtenen Verketzerungssucht wurden.
... Eusebius z. B. erörtert in seiner Praep. Ev. L. XI ausführlich die Übereinstimmung der griechischen Philosophie mit dem Christenthum, und leitet sie nach dem Vorgänge der Alexandriner aus der Bekanntschaft mit dem alten Testament ab. Auch bei Gregor von Nazianz schimmert noch die alte Idee durch, dass der Logos, ehe er in Christus Mensch wurde, manche edle Männer der Vorzeit erleuchtet habe. Mystisch zwar und geheimnissvoll sei der Satz, sagt erOrat. 15, 1, ihm aber und allen, die Gott lieben, sehr ein¬ leuchtend, dass keiner von denen, die vor der Erscheinung Christi das Ziel der Vollkommenheit erreichten, dieses ohne den Glauben an Christus vermocht habe, Denn das Wort der Wahrheit sei wohl später zu seiner Zeit ausgesprochen wor¬ den, aber schon früher denen, die reinen Herzens waren, bekannt gewesen. Die Weiseren unter den Heiden haben das Unvernünftige der gemeinen Götterlehre eingesehen und die Gottheit schon in ihrer Einheit erkannt. Vgl. Or. 31, 15. 16. Selbst ein Augustin war, wenigstens in seinen frühem Schrif¬ ten, noch der Meinung, dass man zum Dienste des Christen- thums auch von den Heiden das Gold und Silber entlehnen Einleitung. Clifssische Bildung der Kirchenlehrer. 23 müsse, das sie ja nicht selbst geschaffen, sondern nur aus den Schachten einer allgegenwärtigen Vorsehung an’s Licht gefördert hätten (de quibusdam quasi metallis divinae provi- dentiae, quae ubique infusa est, eruemnt. De doctr. ehr. 2, 60). Aber in welchem ganz andern Lichte stellte sich schon dem Hieronymus das Studium der alten Schriftsteller, mit welchen er sich doch selbst eifrig beschäftigte, dar! Er hatte einst ein Traumgesicht, in welchem er sich vor dem Richterstuhl Gottes stehen sah. Als er auf die an ihn ge¬ machte Frage antwortete: „ich bin ein Christ“, wurde zu ihm gesagt: „du bist kein Christianus, sondern ein Ciceronianus, denn wo dein Schatz ist, da ist Herz“, und unter Geisselhie- ben leistete er den Eid, kein heidnisches Buch wieder in die Hand zu nehmen. Rufin machte ihm zwar den Vorwurf, dass er diesem Eide nicht sehr treu gewesen sei, was die häufige
e auch wieder eine bestimmtere Durchbildung des christlichen Bewusstseins erkennen lässt; w Zu läugnen ist zwar nicht, dass die eigenthümliehen Leh¬ ren des Origenes mit der spätem Kirchenlehre immer mehr in Widerstreit kommen mussten, und dass sich insofern in der ausdrücklichen Verwerfung derselben in gewissem Sinnenn aber selbst über längst verstorbene, angesehene Kirchenlehrer Anatheme ausgespro chen, und der Unterschied der Zeiten in Hinsicht der Ent¬ wicklung des Dogma so wenig an
Betrachten wir als die Grundlage jener freiem vielseiti¬ gem Geistesrichtung, an die uns Origenes erinnert, den so lange in der Kirche vorherrschenden Platonismus, so zeigt sich uns auch in dieser Hinsicht ein merkwürdiges Zeichen der Zeit. Liebe zur platonischen Philosophie und zu platoni¬ schen Ideen finden wir bei allen früher genannten Kirchen¬ lehrern, die dem Origenes näher stehen, bei Eusebius insbe¬ sondere und den Cappadociern; eine noch auffallendere Vor¬ liebe für die platonische Philosophie und eine Vermischung derselben mit dem Christenthum begegnet uns bei dem Phi¬ losophen Synesius aus Cyrene, welcher ungeachtet der offe¬ nen Erklärung, dass seine philosophische Überzeugung in vielen Punkten, wie namentlich in der Lehre von der Präexi¬ stenz der Seele und von der Auferstehung, mit der Kirchen¬ lehre nicht übereinstimme, doch damals noch selbst von dem Bischof Theophilus von Alexandrien zum Bischof von Ptole- mais geweiht wurde, im Jahr 410; mit dem allgemeinen Wendepunkt des theologischen Geistes aber, welcher im Laufe unserer Periode eintrat, musste auch der Platonismus mehr und mehr aus der Kirche verschwinden. Bemerkens¬ werth ist nun dabei, dass schon in unserer Periode Aristoteles die von Plato verlassene Stelle einz
Hat in dem System des Origenes nichts grossem Anstoss erregt, als die Idee der Präexistenz und des Falls der Seelen, weil dadurch heidnische Ideen in das christ¬ liche Bewusstsein aufgenommen zu werden schienen, so ist in Augustin’s System zwar dasselbe Zurückgehen über das in¬ dividuelle Leben und Bewusstsein, um aus einer That der Vergangenheit den gegenwärtigen Zustand der Sündhaftigkeit zu erklären, aber der heidnisch-platonische Standpunkt ist zu einem alttestamentlichen geworden. Es ist diess für die dog¬ matische Richtung unserer Periode besonders charakteristisch. Wie man schon in der vorigen Periode sich immer auf einen ausserhalb des Christenthums liegenden Standpunkt stellte, um es in seiner objectiven Wahrheit aufzufassen, entweder Einleitung. -Augustin und Origunus. :h durch die Vermittlung der alttestamentlichen Weissagungen, oder gewisser Ideen des reineren Heidenthums, so herrscht auch hier dieselbe Betrachtungsweise vor, nur ist der alt- testamentliche Standpunkt noch bestimmter aufgefasst in einer der alttestamentlichen Geschichte angehörenden That- sache, durch welche das Christenthum in einem engen und nothwendigen Zusammenhang mit dem Zustand erscheint, in welchem der Mensch in Folge jener Thatsache sich befindet. Wenn daher das augustinische System eine neue Entwicklung des Dogmas dadurch begründete, dass es den Menschen durch
Der dritte dieses cappadocischen Kleeblatts, Gregor von Nyssa, nach einem Städtchen in Cappadocien, wo er seit dem Jahr 370 Bischof war, so genannt, war der jüngere Bruder
1) Ausgabe von Moreluus, Par. 1630. II T. Colon. 1690. Unvoll¬ endete Benedict.-Ausgabe von Clemencet, Paris 1778. T. 1. Caillau T. II. Paris 1842. Monographie von Uelmaxn: Gregorius von Nazianz, der Theologe. Darinst. 1825. Man vgl. auch über Basilius und Gregor und ihre Bildung die Abhandlung von Schlosser: Universitäten, Studirende und Professoren der Griechen zu Julians und Theodosius Zeiten in Schlosser und Berclit’s Archiv für Geschichte und Litteratur 1. S. 217 f. 46 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. des Basilius.
Es ist schon früher bemerkt worden, dass er sich am meisten durch philosophisches Talent auszeichnet, und daher auch dem Origenes am nächsten steht. Er nahm an der zweiten ökumenischen Synode in Constantinopel Theil, und scheint, nachdem Gregor von Nazianz abgetreten war, den bedeutendsten Einfluss auf derselben gehabt zu haben. Seine Hauptschrift sind seine Libri XIII jcocTa Euvopuou, die sich an des Basilius Schrift gegen Eunomius anschliessen. Ausserdem schrieb er einen Xoyo? ävTipp7)Tucös 7ipo; Ta ’AttoM- vapiou gegen Apollinaris, rapl T?fc si;a7)[/ipou, ^oyo; y.aT7]^7)Ttaö<; 6 j/iya;, über die Seele und die Auferstehung, und mehrere andere kleinere Schriften 1).
3. Von den drei Meinungen über den Ursprung der Seele wurde die von der Präexistenz immer weniger gebil¬ ligt. Obgleich einige, wie Nemesius, IIspl cpu<7. avöp. c. 2, Gre¬ gor von Nyssa, De hom. opif. c. 28, Cyrillus von Alexan¬ drien, Comm. in Joh. Opp. T. IV. S. 78, eine Schöpfung der Seele vor dem Körper annahmen, so wurde doch die Vorstel¬ lung von der Präexistenz der Seele in der Form, in welcher Origenes sie gelehrt hatte, als eine unchristliche verworfen. Sie stimme nicht mit der heil. Schrift und mit den Dogmen der Christen überein, sagt Nemesius a. a. 0. c. 3. Gregor von Nazianz, Orat. 37, 15, nennt es eine ungereimte Ansicht, dass die Seele schon anderwärts gelebt habe und dann in diesen Körper gefesselt worden sei; andere mögen mit sol¬ chen nicht kirchlichen Lehrsätzen spielen, ihm aber scheinen diese Spielereien gefährlich. Ebenso nennt Gregor von Nyssa, De opif. hom. c. 28, diese Lehre eine heidnischen Mythen ähnliche Fabel. Auch Augustin widerlegte die Meinung des Origenes, De civit. Dei 11, 23. Ad Oros. c. Priscill. et Orig, c. 8. Das Verdammungsurtheil, das Justinian über mehrere Lehren des Origenes aussprechen Hess, bezog sich namentlich auch auf diese.
Der Traduzianismus (auch Generatianismus) ist eine christlich-theologische Lehre, nach der nicht nur der Körper, sondern auch die menschliche Seele bei der Zeugung durch die Eltern weitergegeben wird. Anders als beim Kreationismus, bei dem Gott jede Seele direkt erschafft, geht der Traduzianismus davon aus, dass die Seele als Teil der biologischen Fortpflanzung von den Eltern auf das Kind vererbt wird
Der Traducianismus war nach Tertullian’s Vorgang in der abendländischen Kirche sehr verbreitet, wie wir aus Hieronymus Ep. 78 adMarcell. sehen: ex traduce (anima), ut Tertullianus, Apollinaris, et maxima pars Occidentalium autu- mant: ut quomodo corpus ex corpore, sic anima nascatur ex anima, et simili cum brutis animalibus conditione subsistat. Auch Augustin neigte sich zum Traducianismus hin, welcher mit seiner Theorie von der Erbsünde als einer Fortpflanzung der Sünde am besten zusammen zu stimmen schien. Er konnte mit dem Creatianismus die Verdammung der vor der Taufe sterbenden Kinder, die noch keine eigenen Sünden begangen haben, nicht vereinigen. Wo, woher, oder wann haben die Seelen der Kleinen angefangen, die Strafe der Verdammung zu haben, wenn sie neu von Gott geschaffen sind, ohne dass man Gott, oder eine Natur, welche Gott nicht geschaffen hat, zum Urheber entweder ihrer Sünden, oder der Verdammung von Unschuldigen macht? *) Dagegen sagt er De anima et ejus orig. c. 1, 13 vom Traducianismus: Wir fragen, warum die Seele verdammt sei, die Erbsünde zu übernehmen, wenn sie nicht aus jener einzigen gezogen ist, welche in dem ersten Vater des menschlichen Geschlechts gesündigt hat? Wenn er daher auch De Genesi ad literam
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