Freitag, 9. August 2013

"Zerschellt am Felsen der Wahrheit" by Gerd Skibbe

Entschieden zu behaupten da ist kein Haus, obwohl sämtliche Wahrnehmungen das Gegenteil bekräftigen, ist eine Lüge.

Wer will, begreife es: obwohl die Forschung längst bestätigte, dass das sogenannte "nicänische Bekenntnis" sich weder aus der Bibel, noch aus christlicher Tradition, noch aus der Logik erklären läßt, ist es für nahezu alle christlichen Theologen immer noch verbindlich.

Wie lange noch?
Warum  wird immer noch mit Nachdruck behauptet:

                   "Wer anderes (als nicänisch) glaubt kann nicht selig werden"?

Nachdem alleine ich seit zehn Jahren auf die Aussagen der speziellen Geschichtsforschung hinweise und seit fünf Jahren auf die entsprechenden Korrekturen seitens des Vatikans, nimmt kaum jemand zur Kenntnis, dass die Situation eine völlig andere geworden ist.

Das eigentliche Problem besteht, meinem Eindruck nach darin, dass es den angeblichen Wahrheitsverkündern längst nicht mehr um die Wahrheit, sondern um den Job geht.
Wer das biblische Gottesbild akzeptiert kann nicht selig werden - weder in dieser Welt, noch in der künftigen? 
Man schaue sich den Text des Athanasiums gründlich an, der genau das besagt! Und zwar, in seiner Kernaussage, seit fast 1700 Jahren.
Nehmt ihr akademischen Kapazitäten endlich offiziell zur Kenntnis was ihr inoffiziell längst wisst.

Bereits vor einem Jahrhundert hat der protestantische Spitzentheologe  Adolf von Harnack, in seinem erneut aufgelegten  „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990, S. 232 bekräftigt:
„Die grosse Neuerung, die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke“  zu Stichworten des Katholischen Glaubens sicherte die Eigenart des (nicänischen) Glaubens... Im Grunde war nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes...
(der große, von allen Bischöfen seiner Zeit (um 230) anerkannte Lehrer der Basisdogmen der Urkirche wurde in Nicäa mit einem folgenreichen Federstrich erledigt.
A.von Harnack fährt fort:
"fortan musste die Kirche die Last einer ihr fremden Glaubensformel tragen.“
(nämlich das Athanasium, bzw. das nicänische Bekenntnis G.Sk.) (Vater, Sohn und  Heiliger Geist sind „unius substantiae“ G.Sk.)
Das Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft vierter Band Kop-O,  J.C.B. Mohr(Paul Siebeck) Tübingen, 1960, S. 1695 beschreibt erläuternd:
Origenes lehrte, wie seit 1820 Joseph Smith:
„Rangältester von allen Geschöpfen ist der ewig aus dem Willen des Vaters gezeugte Sohn Gottes. Er ist dem Vater nur „gleich“ im Sinne von ähnlich... der Sohn ist das Abbild (Kolosser 1: 15) geringer als Gott selbst (Joh. 14: 28) an dessen Gottheit er nur Teil hat und dem er als der“ zweite Gott“ in jeder Hinsicht subordiniert ist...  der Logos, die „Erlösung“... als Logos das Organ der weiteren Schöpfertätigkeit. ...d.h.  Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person.“ 
Wer diese Originallehre vertrat der wurde 1400 lange Jahre hindurch verbannt, in Bergwerke geschickt, verbrannt, in Stücke gehauen ... .
Der deutsche Arbeitskreis "Origenes" erhärtet die diesbezügliche Position der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, mit den Worten:
„Origenes lehrte die Trennung Gott Vater - Gott Sohn - Gott Heiliger Geist.“
Bis heute wird die Kirche Jesu Christi der HLT vor allem deshalb weltweit verhöhnt, weil sie dasselbe glaubt, vertritt und lehrt!
Man sollte meinen, die geballte Ignoranz habe längst ihre Macht verloren, denn immer mehr Experten wundern sich, wie es passieren konnte, dass eine schlichte Wahrheit  unter den Abfall geriet. 
Hunderte verweisen wie R. P. C. Hanson „The Search for the Christian Doctrine of God“ auf die Tatsache, dass:
„kein Theologe vor der Entstehung des Arianischen Streits - weder in  der Ost- noch in der Westkirche -  den Sohn nicht (irgendwie) als dem Vater
untergeordnet betrachtete .“
Den meisten Christen ist nicht klar, dass die Verdrehung des urchristlichen Glaubens - wie 325 in Nicäa  geschehen - Millionen Menschenleben vernichtet hat.

Hochrangige Fachleute segeln immer noch unter der nicänischen Piratenflagge. 

Sollten sie wirklich nicht bemerkt haben, dass das Traditionsschiff der sogenannten Christenheit, die sich durch Verbrechen aller Art hervortat, bereits auf den Felsen der Wahrheit aufgeprallt ist?
Kann man so verschlafen sein?

An einen unvorstellbaren Gott glauben nur noch die wenigsten. Die Kirchen leeren sich aus vielen Gründen, obwohl es nie zuvor soviele Hinweise auf ein Leben nach dem Tode gab, obwohl Millionen Wiederbelebte bezeugen, am Ende des Tunnels wären sie einem liebevollen Lichtwesen begegnet, sowie verstorbenen Freunden und Verwandten. Leider hätten sie wieder umkehren müssen, zurück ins irdische Leben, weil noch nicht erfüllte Aufgaben auf sie warteten.

Sehr geehrte Damen und Herrren Theologen, nehmt Euch ein Beispiel an dem evangelischen Pfarrer mit Lehrberechtigung, Felix Gietenbruch, der in seinem Werk "HöllenfahrtChristi und Auferstehung der Toten", 2010, ungewollt !!! sämtliche Hauptelemente des verfemten "Mormonismus" untermauert.

(Hier in meinem BlogSpot unter "Drei Hurra für Pfarrer Gietenbruch")

Starr werden besonders in den USA die verschiedensten Ideen verkündet die den Schiffbruch verdecken sollen.

Man sollte meinen dies sei unmöglich.

Doch die Geschichte lehrt, dass historische Lügen unter Christen zu oft einen Sonderstatus erhielten.

Obwohl Jesus lehrte wir sollen unser Licht leuchten lassen, triumphierten getarnt unter seinem Namen die kühnsten Fabeln, die dunkelsten Legenden und Großmärchen, wie das von den Schenkungen berühmter Kaiser des Westens an die Kirche.
Zum Beispiel wurde die angeblich konstantinische  Schenkungsurkunde aus dem Jahr 317 bereits 1433 vom  deutschen Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues als Fälschung entlarvt. Sieben Jahre später zeigte der italienische Humanist Lorenzo Valla  mit sprachlichen Argumenten, dass das Latein der Urkunde Merkmale zeigt, die die Entstehung im frühen 4. Jahrhundert ausschließen. Außerdem wird in der Urkunde Konstantinopel unter diesem Namen erwähnt, obwohl die Stadt zur angeblichen Ausstellungszeit (315/317) noch Byzantion/Nova Roma hieß.

Es dauerte einige Jahrhunderte, bis das offizielle Rom wenigstens sinngemäß zugab, jawohl, wir haben mit diesem Lügenpapier ein Imperium aufgebaut.

Es war eine ungeheure Lüge, eine besonders langlebige finstere -  dass Kaiser Konstantin der Kirche und dem Papst das Diadem, d.h. die Krone und die (weltliche Macht) seines Hauptes, jemals übergeben hat.
Das war lediglich ein Wunsch und dieser Wunsch legte offen um was es den Kirchenfürsten langer Zeiträume tatsächlich ging.

Betrachten wir den Text in seinen wichtigsten Passagen:
    Angeblich wurde dem Papst von Kaiser Konstantin die halbe Welt geschenkt.
    Es ist eine Lüge, dass Konstantin gesagt hat:
    Ich gebe dir Bischof Silvester
     auch die Tiara, und ja, auch das, was auf "meinen" Schultern liegt,
      d.h. das zierliche Band, das dem Hals des Kaiser umgelegt zu werden pflegt,
    und sogar den purpurnen Mantel und das scharlachrote Hemd und alle kaiserlichen Gewänder und wohl auch Würde und Recht auf eine kaiserliche Reitergarde, womit wir auch sowohl die kaiserlichen Szepter als auch zugleich Piken und Feldzeichen, auch Banner
    und verschiedene kaiserliche Auszeichnungen (wurden) übergeben
      und die gesamte Prozessionsordnung der kaiserlichen Hoheit und den Ruhmesglanz unserer Macht.   Für die höchst ehrfürchtigen Männer,
        die Kleriker verschiedener Stände, die ebendieser unantastbar-heiligen römischen Kirche dienen,
      setzen wir als unantastbar fest, daß sie die Hoheit, Einzigartigkeit, Macht und überragende Stellung haben sollen,
        mit deren Ruhmesglanz auch unser hochwürdigster Senat ausgezeichnet erscheint;
          d.h., daß sie auch zu Patriziern und Konsuln erhoben werden können,
        ja, sogar daß sie mit den übrigen kaiserlichen Würden ausgezeichnet werden, geben wir öffentlich bekannt;
      und daß wie das kaiserliche Militär so auch der Klerus der unantastbar-heiligen römischen Kirche
        seine Auszeichnungen tragen soll, dies entscheiden wir hiermit;
Dafür überlassen wir den heiligen Aposteln selbst, meinen seligsten Herren Petrus und Paulus,
    und durch sie auch dem seligen Silvester, unserem Vater,
      dem höchsten Priester und allgültigen Papst der Stadt Rom
        und all seinen priesterlichen Nachfolgern,
          die bis zum Weltende auf dem Thron des seligen Petrus sitzen werden,
und übergeben ihnen von jetzt an den Palast unseres Reiches, nämlich den Lateranpalast,
    der vorzüglicher und köstlicher ist als alle Paläste auf dem gesamten Erdenrund,
 
Und indem wir es so entscheiden, legen wir es unantastbar fest,
    daß er den Erstrang auf solche Weise innehaben soll über die vier höchsten Patriarchensitze
      in Antiochia, Alexandria, Konstantinopel und Jerusalem,
        wie auch über alle Kirchen Gottes auf dem gesamten Erdenrund
und der Priester, der in dieser Situation der unantastbar-heiligen römischen Kirche selbst aufgetreten ist,
    soll als der Höhere und als Erster vor allen Priestern der ganzen Welt auftreten
      und durch sein Urteil soll alles, was für den Gottesdienst
        und auch für die Festigkeit des Glaubens der Christen zu besorgen ist, geordnet werden.
        Daher nun, damit nicht der priesterliche Hierarchiegipfel wertlos werde,
          sondern weit mehr als die Würde der irdischen Kaiserherrschaft und die Macht ihres Ruhmes geehrt werde,
        siehe: indem wir ebenso unseren Palast, was ja bereits gesagt wurde,
          wie auch die Provinzen der Stadt Rom und Gesamtitaliens und auch der Gebiete des Westens, Länder und Städte
            dem berühmten seligsten Priester, unserem Vater Silvester, dem Papst aller, übergeben
              und seiner Macht und Gerichtsbarkeit und auch der seiner priesterlichen Nachfolger überlassen,
        entscheiden wir mit sicherem kaiserlichen Urteil durch dies unser göttlich-heiliges [Geheiß] und tatsächliche Verordnung:
          es ordnend zu verwalten, und zwar auf ewig, dies räumen wir dem Recht der heiligen römischen Kirche ein.
        Der komplette Text befindet sich im Anhang- 
Diesem Schiffbruch den die Kirche verschwieg und vertuschte folgten die PseudoIsidorischen Dekretalen, die Rechtsbasis der Kirche wurden.

100 !!! Jahre lang wurde die Entdeckung völlig geheim gehalten und erst 2006 legte Papst Benedikt XVI. den Titel "Patriarch des Westens " ab,  den Konstantin angeblich dem Bischof von Rom zugesprochen hatte. Zeitgleich verzichtete Benedikt XVI. auf die Tiara und tilgte sie aus seinem Wappen.
Wikipedia: Darstellung der Konstantinischen Schenkung auf einem Fresko von 1246, Basilika Santi Quattro Coronati in Rom
Die meisten Menschern nahmen das was das Bild zeigt für bare Münze. Sie hielten es für ein heiliges Gemälde.

Wundert es Euch, dass Gott zu Joseph Smith sprach:

"Schließe dich keiner Kirche an... Ihre sämtlichen Bekenntnisse (Lehren und Ansprüche) sind ein Gräuel in meinen Augen!" ?
Mögen die Missionare der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi der
 Heiligen der Letzten Tage die Suchenden finden, die mutig genug sind Irrtum und Unwahrheit gegen Licht und Wahrheit einzutauschen.
Anhang:
1) Text der "Konstantinischen Schenkung:
 
nach der maßgeblichen Edition von Horst Fuhrmann, Tübingen 1967, Druck Hannover 1968;
ohne den kritischen Apparat jener Edition hier ins Netz gestellt (2000)
und ins Deutsche übertragen durch Hans Zimmermann, 4.Februar 2007
Constitutum Constantini
die "Konstantinische Schenkung"
eine berühmte frühmittelalterliche Fälschung, ~800 n.Chr.
 
 
 
1. In nomine sanctae et individuae Trinitatis
Patris scilicet et Filii et Spiritus Sancti
 
Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit,
des Vaters nämlich und des Sohnes und des Heiigen Geistes.
 
 
Imperator Caesar Flavius Constantinus
in Christo Iesu uno ex eadem sancta Trinitate salvatore Domino Deo nostro
fidelis mansuetus maximus beneficus
Alamannicus Gothicus Sarmaticus Germanicus Britannicus Hunnicus pius felix victor ac triumphator
semper Augustus
 
Der kaiserliche Herrscher, Caesar Flavius Constantinus
in Christus Jesus, dem einen Heiland, Herrn, unserem Gott aus ebendieser heiligen Dreifaltigkeit
der treue, sanftmütige, größte, wohltätige,
der fromme, erfolgreiche Sieger und Triumphator über Alemannen, Goten, Sarmaten, Germanen, Briten und Hunnen,
der für immer kaiserlich Erhabene
 
 
sanctissimo ac beatissimo patri patrum Silvestrio urbis Romae episcopo et Papae
atque omnibus eius successoribus qui in sede beati Petri usque in finem saeculi sessuri sunt
pontificibus nec non et omnibus reverentissimis et Deo amabilibus catholicis episcopis
eidem sacrosanctae Romanae ecclesiae per hanc nostram imperialem constitutionem
subiectis in universo orbe terrarum
nunc et in posteris cunctis retro temporibus constitutis
 
dem heiligsten und seligsten Vater der Väter Silvester, Bischof der Stadt Rom und Papst,
und allen seinen Nachfolgern, die auf dem Sitz des seligen Petrus bis zum Ende der Weltzeit thronen werden,
den Priestern jedenfalls und allen höchst verehrungswürdigen und gottgeliebten katholischen Bischöfen,
die ebendieser unantastbar-heiligen römischen Kirche durch diese unsere kaiserliche Verordnung
untertan sind im gesamten Erdenrund,
die jetzt und in allen folgenden und zurückliegenden Zeiten eingesetzt sind:
 
 
gratia pax caritas gaudium longanimitas misericordia
a Deo Patre omnipotente et Iesu Christo Filio eius et Spiritu Sancto
cum omnibus vobis
 
Dank, Friede, Liebe, Freude, Langmut, Barmherzigkeit
von Gott dem allmächtigen Vater und seinem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist
sei mit Euch allen!
 
     
     
    2. ea quae salvator et redemptor noster Dominus Deus lesus Christus altissimi Patris Filius
      per suos sanctos apostolos Petrum et Paulum
        interveniente patre nostro Silvestrio summo pontifice et universali Papa
          mirabiliter operari dignatus est
    liquida enarratione per huius nostrae imperialis institutionis paginam
      ad agnitionem omnium populorum in universo orbe terrarum
        nostra studuit propagare mansuetissima serenitas
     
    Das, was der Heiland und Erlöser, unser Herr, Gott, Jesus Christus, der Sohn des höchsten Vaters,
      durch seine heiligen Apostel Petrus und Paulus
        in Vermittlung durch unseren höchsten Priester und Papst aller, Silvester
          auf bewundernswerte Weise ins Werk zu setzen geruht hat,
    das hat nun in flüssiger Erzählung durch diese Niederschrift unseres kaiserlichen Sekretariats
      zum Zwecke der Anerkennung durch alle Völker im gesamten Erdenrund
        unsere höchst sanftmütige Milde öffentlich ausbreiten wollen.
     
     
    primum quidem fidem nostram
      quam a praelato beatissimo patre et oratore nostro Silvestrio universali pontifice edocti sumus
        intima cordis confessione ad instruendas omnium vestrum mentes proferentes
          et ita demum misericordiam Dei super nos diffusam annuntiantes
     
    Zuerst allerdings, indem wir unseren Glauben,
      in dem wir von unserem vorzüglichen seligsten Vater und Redner Silvester als Priester aller belehrt worden sind,
        in innigstem Herzensbekenntnis zur Belehrung all Eurer Gemüter vortragen
          und so schließlich die Barmherzigkeit Gottes, die sich über uns ergossen hat, bekanntmachen.
     
     
     
    3. nosse enim vos volumus
      sicut per anteriorem nostram sacram pragmaticam iussionem significavimus
    nos a culturis idolorum simulacria mutis
      et surdis manufactis diabolicis compositionibus
        atque ab omnibus Satanae pompis recessisse
    et ad integram Christianorum fidem quae est vera Iux et vita perpetua pervenisse
      credentes iuxta id quod nos isdem almificus summus pater
        et doctor noster Silvester instruxit pontifex
     
    Wir wollen nämlich, daß Ihr wißt,
      wie wir es auch früher schon mit unserem heiligen tatsächlichen Geheiß unterzeichnet und besiegelt haben,
    daß wir uns vom heidnischen Kult vor stummen Götzenbildern
      und schmutzigen, mit Händen gefertigten, teuflischen Zusammensetzungen
        und von allem Pomp Satans zurückgezogen haben
    und zum reinen Glauben der Christen, der wahres Licht und ewigdauerndes Leben ist, gelangt sind,
      auf das vertrauend, worin uns ebender uns geistig nährende höchste Vater
        und zugleich unser Lehrer, Silvester, priesterlich unterrichtet hat:
     
     
    in Deum Patrem omnipotentem
      factorem caeli et terrae
        visibilium omnium et invisibilium
    et in lesum Christum Filium eius unicum
      Dominum Deum nostrum
        per quem creata sunt omnia
    et in Spiritum Sanctum
      Dominum et vivificatorem universae creaturae
     
    an Gott den allmächtigen Vater,
      Schöpfer des Himmels und der Erde,
        alles Sichtbaren und Unsichtbaren,
    und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn,
      den Herrn, unseren Gott,
        durch den alles geschaffen ist,
    und an den Heiligen Geist,
      den Herrn und Lebensspender aller Geschöpflichkeit;
     
     
    hos Patrem et Filium et Spiritum Sanctum confitemur
      ita ut in Trinitate perfecta
        et plenitudo sit divinitatis
          et unitas potestatis
            Pater Deus Filius Deus et Spiritus Sanctus Deus
              et tres unum sunt in Iesu Christo
                tres itaque formae sed una potestas
     
    diese bekennen wir: den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist,
      so daß in der vollkommenen Dreifaltigkeit
        sowohl die Fülle der Gottheit
          als auch die Einheit der Vollmacht sei,
            der Vater Gott, der Sohn Gott und der Heilige Geist Gott sei
              und die drei Eines seien in Jesus Christus,
                und die drei Gestalten deshalb eine Vollmacht bilden.
     
     
     
    4. nam sapiens retro semper Deus
      edidit ex se per quod semper erant gignenda saecula verbum
    et quando eodem solo suae sapientiae verbo universam ex nihilo formavit creaturam
      cum eo erat cuncta suo arcano componens mysterio
     
    Denn in der zurückliegenden Zeit hat der weise Gott
      aus sich selbst das Wort hervorgebracht, durch das immer die Weltalter erzeugt werden sollten,
    und wann er durch eben dieses Wort seiner Weisheit allein die gesamte Schöpfung aus Nichts gestaltete,
      da war es mit ihm, indem er alles durch sein geheimes Mysterium zusammensetzte.
     
     
    igitur perfectis caelorum virtutibus et universis terrae materiis
      pio sapientiae suae nutu
    ad imaginem et similitudinem suam primum de Iimo terrae fingens hominem
      hunc in paradiso posuit voluptatis
     
    Folglich setzte er, nachdem die Kräfte der Himmel und die gesamten Erdenstoffe vollendet waren,
      in frommer Bejahung seiner Weisheit
    den ersten Menschen, indem er ihn zu seinem Bild und seiner Ähnlichkeit aus dem Erdenlehm formte,
      in den Paradiesgarten der Lust;
     
     
    quem antiquus serpens et hostis invidens diabolus
      per amarissimum ligni vetiti gustum exulem ab eisdem effecit gaudiis
    eoque expulso non desinit sua venenosa multis modis protelare iacula
      ut a via veritatis humanum abstrahens genus
        idolorum culturae videlicet creaturae et non creatori deservire suadeat
          quatenus per hos eos, quos suis valuerit irretire insidiis
            secum aeterno efficiat concremandos supplicio
     
    diesen brachte die alte Schlange, der neidische Feind, der Teufel,
      durch den überaus bitteren Genuß des verbotenen Baumes von ebenjenen Freuden ab,
    und nach seiner Vertreibung ließ er nicht davon ab, seine giftigen Pfeile auf viele Weisen auf ihn zu schießen,
      um ihn, indem er das Menschengeschlecht vom Weg der Wahrheit abziehe,
        dazu zu überreden, dem Kult der Götzenbilder, also dem Geschöpf statt dem Schöpfer, zu dienen,
          um dann dadurch diejenigen, die er mit seinen Anschlägen irrezuführen vermochte,
            mit sich durch die ewige Bestrafung ins Höllenfeuer hineinzureißen;
     
     
    sed Deus noster misertus plasmae suae
      dirigens sanctos suos prophetas
        per quos lumen futurae vitae
      adventum videlicet Filii sui Domini Dei et salvatoris nostri Iesu Christi annuntians
        misit eundem unigenitum suum Filium et sapientiae verbum
     
    aber unser Gott, der sich seines Gebildes erbarmte,
      der seine heiligen Propheten lenkte,
        durch die er das Licht des zukünftigen Lebens,
      nämlich die Ankunft seines Sohnes, des Herrn, unseres Gottes und Erlösers Jesus Christus ankündigte,
        sandte ebendiesen, seinen einziggeborenen Sohn, der zugleich das Wort der Weisheit ist,
     
     
    qui descendens de caelis propter nostram salutem
      natus de Spiritu Sancto et Maria virgine
    verbum caro factum est
      et habitavit in nobis
     
    der, indem er um unseres Heiles willen von den Himmeln hinabstieg,
      geboren vom Heiligen Geist und der Jungfrau Maria,
    als Wort zu Fleisch geworden ist
      und in uns gewohnt hat;
     
     
    non amisit quod fuerat
      sed coepit esse quod non erat
    Deum perfectum et hominem perfectum
      ut Deus mirabilia perficiens et ut homo humanas passiones sustinens
     
    er verlor nicht, was er gewesen war,
      sondern begann zu sein, was er nicht war:
    vollkommener Gott und zugleich vollkommener Mensch,
      als Gott Wunder vollbringend und zugleich als Mensch menschliche Leiden ertragend;
     
     
    ita verum hominem et verum Deum
      praedicante patre nostro Silvestrio summo pontifice intellegimus
    ut verum Deum verum hominem fuisse
      nullo modo ambigamus
     
    so haben wir ihn als wahren Menschen und zugleich wahren Gott
      durch die Predigt unseres Vaters Silvester, des höchsten Priesters, erkannt,
    wie wir auch daran, daß er wahrer Gott und zugleich wahrer Mensch sei,
      keineswegs zweifeln.
     
     
    electisque duodecim apostolis
      miraculis coram eis et innumerabilis populi multitudine coruscavit
     
    Nachdem er zwölf Apostel ausgewählt hatte,
      erschütterte er sie, indem er vor ihnen und einer zahllosen Menge Wunder tat.
     
     
    confitemur eundem Dominum lesum Christum adimplesse legem et prophetas
      passum, crucifixum,
    secundum scripturas tertia die a mortuis resurrexisse
      assumptum in caelis atque sedentem ad dexteram Patris
    inde venturum iudicare vivos et mortuos
      cuius regni non erit finis
     
    Wir bekennen, daß ebendieser Herr, Jesus Christus, das Gesetz und die Propheten erfüllt habe,
      gelitten habe, gekreuzigt worden sei,
    gemäß den Schriften am dritten Tage von den Toten aufgestanden sei,
      in die Himmel aufgenommen worden sei und zur Rechten des Vaters sitze,
    von wo er kommen werde, zu richten die Lebenden und die Toten:
      dessen Reiches wird kein Ende sein.
     
     
     
    5. haec est enim fides nostra orthodoxa
      a beatissimo patre nostro Silvestrio summo pontifice nobis prolata
    exhortantes idcirco omnem populum et diversas gentium nationes
      hanc fidem tenere colere ac praedicare
        et in sanctae trinitatis nomine baptismi gratiam consequi
    et Dominum lesum Christum salvatorem nostrum
      qui cum Patre et Spiritu Sancto per infinita vivit et regnat saecula
        quem Silvester beatissimus pater noster universalis praedicat pontifex
          corde devoto adorare
     
    So lautet nämlich unser orthodoxer Glaube,
      wie er von unserem seligsten Vater Silvester, dem höchsten Priester, uns vorgelegt worden ist:
    und wir ermahnen deshalb alle Menschen und die verschiedenen Nationen der Völker
      diesen Glauben festzuhalten, zu pflegen und zu predigen
        und im Namen der heiligen Dreifaltigkeit die Gnade der Taufe zu befolgen
    und den Herrn Jesus Christus, unseren Erlöser,
      der mit dem Vater und dem Heiligen Geist durch unendliche Weltzeiten lebt und herrscht,
        den unser seligster Vater Silvester als Priester aller predigt,
          mit hingegebenem Herzen anzubeten.
     
     
     
    6. ipse enim Dominus Deus noster
      misertus mihi peccatori
        misit sanctos suos apostolos ad visitandum nos
    et lumen sui splendoris infulsit nobis
      et abstracto a tenebris
        ad veram lucem et agnitionem veritatis me pervenisse gratulamini
     
    Er selbst nämlich, der Herr, unser Gott,
      hat voller Mitleid für mich Sünder
        seine heiligen Apostel gesandt, uns zu besuchen,
    und das Licht seines Glanzes hat uns eingeleuchtet
      und mir, der ich von der Finsternis fortgezogen worden bin,
        sollt Ihr dafür gratulieren, daß ich zum wahren Licht und zur Anerkenntnis der Wahrheit gelangt bin!
     
     
    nam dum valida squaloris lepra totam mei corporis invasisset carnem,
      et multorum medicorum convenientium cura adhiberetur,
        nec unius quidem promerui saluti
    ad haec advenerunt sacerdotes Capitolii
      dicentes mihi debere fontem fieri in Capitolio
        et compleri hunc innocentium infantum sanguine
          et calente in eo loto me posse mundari
     
    Denn als der starke Aussatz einer Infektion das gesamte Fleisch meines Leibes befallen hatte
      und die Behandlung vieler herbeieilender Ärzte zur Anwendung kam,
        ich aber nicht einmal dem Versuch eines einzigen von ihnen meine Heilung verdankte,
    da kamen auch noch die Priester des Kapitols herzu,
      die behaupteten, für mich müsse ein Brunnen auf dem Kapitol gegraben werden,
        und dieser müsse mit den Blut unschuldiger Kinder gefüllt werden,
          und dadurch, daß ich in diesem warmem Blut bade, könne ich gereinigt werden.
     
     
    et secundum eorum dicta aggregatis plurimis innocentibus infantibus
      dum vellent sacrilegi paganorum sacerdotes eos mactari et ex eorum sanguine fontem repleri
        cernens serenitas nostra lacrimas matrum eorum ilico exhorrui facinus
    misertusque eis proprios illis restitui praecepimus filios
      datisque vehiculis et donis concessis gaudentes
        ad propria relaxavimus
     
    Und als man deren Spruch gemäß zahlreiche unschuldige Kinder gesammelt hatte,
      als die frevlerischen Heidenpriester sie dahinschlachten und mit ihrem Blut den Brunnen füllen wollten,
        da schreckte ich, als unsere Milde die Tränen von deren Müttern sah, vor der Untat zurück,
    und voller Mitleid mit ihnen ordneten wir an, jenen ihre eigenen Söhne wieder zurückzugeben;
      und voller Freude über Wagen, die wir ihnen mitgaben, und über Geschenke, die wir ihnen gewährten,
        entließen wir sie zu ihren Famlien.
     
     
     
    7. Eadem igitur transacta die nocturna nobis facta silentia,
      dum somni tempus advenisset
        adsunt apostoli sanctus Petrus et Paulus dicentes mihi
     
    Nachdem folglich dieser Tag zuende gegangen war, sobald nächtliche Stille eingetreten war,
      als die Zeit des Schlafs herbeigekommen war,
        waren die heiligen Apostel Petrus und Paulus gegenwärtig und sprachen zu mir:
     
     
    quoniam flagitiis posuisti terminum
      et effusionem sanguinis innocentis horruisti
        missi sumus a Christo Domino Deo nostro
          dare tibi sanitatis recuperandae consilium
     
    "Da du ja den Schandtaten ein Ende gesetzt hast
      und vor dem Vergießen unschuldigen Blutes zurückgeschaudert bist,
        sind wir von Christus, dem Herrn, unserem Gott, gesandt worden,
          dir einen Rat zur Wiedergewinnung deiner Gesundheit zu geben.
     
     
    audi ergo monita nostra et fac quodcumque indicamus tibi
      Silvester episcopus civitatis Romae ad montem Seraptem persecutiones tuas fugiens
      in cavernis petrarum cum suis clericis latebram fovet.
     
    Höre also auf unsere Ermahnungen und tu alles, was wir dir ansagen:
      Der Bischof der Stadt Rom, Silvester, vor deinen Verfolgungen zum Seraptegebirge flüchtend,
        zieht in den Felsenhöhlen mit seinen Klerikern die Verborgenheit vor.
     
     
    hunc cum ad te adduxeris ipse tibi piscinam pietatis ostendet
      in qua dum te tertio merserit omnis te valitudo ista deseret Ieprae
     
    Wenn du diesen zu dir führen läßt, wird er selbst dir einen Teich der Frömmigkeit zeigen,
      in dem, wenn er dich das dritte Mal darin eintaucht, all die Kraft des Aussatzes dich verlassen wird.
     
     
    quod dum factum fuerit hanc vicissitudinem tuo salvatori compensa,
      ut omnes iussu tuo per totum orbem ecclesiae restaurentur,
        te autem ipsum in hac parte purifica,
    ut relicta omni superstitione idolorum
      Deum vivum et verum qui solus est et verus adores et excolas
        ut ad eius voluntatem adtingas
     
    Wenn dies vollzogen sein wird und du deinem Erlöser dies als Gegenleistung erstattest,
      daß alle Kirchen im ganzen Erdenrund auf dein Geheiß wiederhergestellt werden,
        dann allerdings reinige dich selbst in folgender Hinsicht:
    daß du, indem du alle irrgläubige Götzenverehrung verläßt,
      den lebendigen und wahren Gott, der allein und wahrhaft existiert, anbetest und kultisch verehrst,
        um an seinen Willen zu rühren.
     
     
     
    8. exsurgens igitur a somno
      protinus iuxta id quod a sanctis apostolis admonitus sum peregi
    advocatoque eodem praecipuo et almifico patre et illuminatore nostro Silvestrio universali papa
      omnia a sanctis apostolis mihi praecepta edixi verba
    percunctatique eum sumus
      qui isti dii essent Petrus et Paulus
     
    Als ich also vom Schlaf aufstand,
      handelte ich zunächst dem gemäß, wozu ich von den heiligen Aposteln ermahnt worden war
    und da mir insbesondere unser geistig nährender Vater und Erleuchter Silvester, der Papst aller, beistand,
      teilte ich ihm alle Worte, die mir von den heiligen Aposteln aufgetragen waren, mit
    und wir fragten ihn voller Zweifel,
      was für Götter das seien, dieser Petrus und jener Paulus.
     
     
    ille vero non eos Deos debere dici
      sed apostolos salvatoris nostri Domini Dei Iesu Christi
     
    Jener aber sagte, nicht dürfe man diese "Götter" nennen,
      sondern "Apostel unseres Erlösers, unseres Herrn, Gottes, Jesu Christi",
     
     
    et rursum interrogare coepimus eundem beatissimum papam
      utrum istorum apostolorum imaginem expressam haberet
    ut ex pictura disceremus
      hos esse quos revelatio docuerat
     
    und wir begannen wieder, ebendiesen seligsten Papst zu fragen,
      ob jemand von diesen beiden Aposteln ein genaues Bild besäße,
    um anhand dieses Bild zu verifizieren,
      ob es die seien, die die Offenbarung gezeigt hatte.
     
     
    tunc isdem venerabilis pater imagines eorundem apostolorum per diaconem suum exhiberi praecepit
      quas dum aspicerem
        et eorum quos in somno videram figuratos
          in ipsis imaginibus cognovissem vultus
            ingenti clamore coram omnibus satrapibus meis confessus sum
              eos esse quos in somno videram
     
    Da ließ ebender verehrenswerte Vater durch seinen Diakon Bilder ebendieser Apostel hervorholen,
      und als ich mir diese ansah
        und von denen, die ich im Schlaf gestaltet gesehen hatte,
          sogar in diesen Bildern noch die Gesichter erkannt hatte,
            bekannte ich mit gewaltigem Geschrei vor all meinen Staathaltern,
              daß es genau die seien, die ich im Schlaf gesehen hatte.
     
     
     
    9. ad haec beatissimus isdem Silvester pater noster urbis Romae episcopus indixit nobis
      poenitentiae tempus intro palatium nostrum Lateranense in uno cubiculo in cilicio
        ut omnia quae a nobis impie [peracta atque] iniuste disposita fuerant
          vigiliis, ieiuniis atque lacrimis et orationibus
            apud Dominum Deum nostrum lesum Christum salvatorem impetraremus
     
    Darauf trug uns ebender seligste Silvester, unser Vater, Bischof der Stadt Rom,
      eine Zeit der Buße innerhalb unseres Lateranpalastes in einer kleinen Kammer auf einer Ziegenhaardecke auf,
        um für alles, was von uns unfromm [durchgeführt und] ungerecht gehandelt worden war,
          durch Schlafentzug, Fasten und Weinen sowie durch Gebete
            bei dem Herrn, unserem Gott, Jesus Christus, dem Erlöser, Abbitte zu zu leisten.
     
     
    deinde per manus impositionem clericorum usque ad ipsum praesulem veni
      ibique abrenuntians Satanae pompis et operibus eius
        vel universis idolis rnanufactis
    credere me in Deum Patrem omnipotentem
      factorem caeli et terrae visibilium et invisibilium
        et in lesum Christum Filium eius unicum Dominum nostrum
          qui natus est de Spiritu Sancto et Maria Virgine
    spontanea voluntate coram omni populo professus sum
      benedictoque fonte illic me trina mersione
        unda salutis purificavit
     
    Dann, nach Handauflegung durch die Kleriker, bis ich dann vor ihn selbst, den Vorgesetzten, trat,
      und indem ich dem Pomp des Satans und seinen Werken
        und auch allen von Hand gemachten Götzenbildern abschwor, bekannte ich,
    daß ich an Gott, den allmächtigen Vater, glaube,
      den Schöpfer des Himmels und der Erde, des Sichtbaren und des Unsichtbaren,
        und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unseren Herrn,
          der geboren ist vom Heiligen Geist und der Jungfrau Maria,
    dies bekannte ich mit freiem Willen vor allem Volk
      und dadurch, daß ich dreimal in der gesegneten Quelle dort eintauchte,
        reinigte mich das Wasser des Heils.
     
     
    ibi enim me posito in fontis gremio
      manu de caelo me contingente propriis vidi oculis
     
    Dort nämlich, als ich in der Fülle des Quells stand,
      sah ich mit eigenen Augen, wie eine Hand aus dem Himmel mich berührte.
     
     
    de qua mundus exsurgens
      ab omni me leprae squalore mundatum agnoscite
     
    Als ich rein aus dem Quell wieder hinaufstieg,
      erkennt es: daß ich da von der Infektion durch den Aussatz gereinigt war!
     
     
    levatoque me de venerabili fonte indutus vestibus candidis
      septemformis Sancti Spiritus in me consignatione adhibuit beati chrismatis unctionem
        et vexillum sanctae crucis in mea fronte linivit dicens
     
    Als ich aufgestiegen war aus dem verehrungswürdigen Quell, in weiße Gewänder gekleidet,
      vollzog er an mir unter dem Zeichen des siebengestaltigen Heiligen Geistes die Salbung mit dem seligen Öl
        und zeichnete das Banner des heiligen Kreuzes auf meine Stirn mit den Worten:
     
     
    signat te Deus sigillo fidei suae
    in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti in consignatione fidei
     
    "Es zeichne dich Gott mit dem Siegel seiner Treue
      im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes unter dem Zeichen des Glaubens!"
     
    cunctus clerus respondit Amen
      adiecit praesul pax tibi
     
    Der gesamte Klerus antwortete: "Amen!"
      und der Vorstehende fügte hinzu: "Friede sei mit dir!"
     
     
     
    10. prima itaque die post perceptum sacri baptismatis mysterium
      et post curationem corporis mei a leprae squalore
    agnovi non esse alium Deum nisi Patrem et Filium et Spiritum Sanctum
      quem beatissimus Silvester papa praedicat trinitatem in unitate, unitatem in trinitate
     
    Deshalb erkannte ich am ersten Tage, nachdem ich das Mysterium der heiligen Taufe empfangen hatte
      und nach der Heilung meines Körpers von der Infektion des Aussatzes,
    daß es keinen anderen Gott gebe als den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist,
      den der seligste Papst Silvester predigt als Dreifaltigkeit in der Einheit und als Einheit in der Dreifaltigkeit.
     
     
    nam omnes dii gentium quos usque hactenus colui
      daemonia opera hominum manufacta comprobantur
    etenim quantam potestatem isdem salvator noster
      suo apostolo beato Petro contulerit in caelo ae terra
    lucidissime nobis isdem venerabilis pater edixit
      dum fidelem eum in sua interrogatione inveniens ait
     
    Denn all die Heidengötter, die ich bis zu dem Zeitpunkt verehrt hatte,
      erwiesen sich nämlich als von Händen gemachtes Menschenwerk,
    denn was für eine gewaltige Macht eben unser Erlöser
      seinem seligen Apostel Petrus in Himmel und Erde übertragen hat,
    teilte uns eben dieser ehrwürdige Vater auf höchst einleuchtende Weise mit,
      indem jener dem Petrus, da er ihn durch seine Frage als glaubensstark erfand, antwortete:
     
     
    tu es Petrus
      et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam
        et portae inferi non praevalebunt adversus eam
     
    "Du bist der Petrus=Stein,
      und auf diese Petra=Steinbasis werde ich meine Kirche bauen,
        und die Pforten des Totenreiches werden sie nicht überwältigen."
     
     
    advertite potentes et aurem cordis intendite
      quid bonus magister et Dominus suo discipulo adiunxit inquiens
     
    Wendet euch herzu, ihr Mächtigen, und richtet das Herzensohr darauf,
      was der gute Lehrer und Herr seinem Schüler hinzufügte, indem er sagte:
     
     
    et tibi dabo claves regni caelorum
      quodcumque ligaveris super terram erit ligatum et in caelis
        et quodcumque solveris super terram erit solutum et in caelis
     
    "Und ich werde dir die Schlüssel des Königreiches der Himmel geben:
      Alles, was du binden wirst auf Erden, das wird auch in den Himmeln gebunden sein,
        und alles, was du lösen wirst auf Erden, das wird auch in den Himmeln gelöst sein."
     
     
    mirum est hoc valde et gloriosum
      in terra ligare et solvere
        et in caelo ligatum et solutum esse
     
    Das ist überaus erstaunlich und großartig,
      daß "auf Erden zu binden und zu lösen" bedeutet:
        auch im Himmel gebunden und gelöst zu sein!
     
     
     
    11. et dum haec praedicante beato Silvestrio agnoscerem
      et beneficiis ipsius beati Petri
        integre me sanitati comperi restitutum
    utile iudicavimus una cum omnibus nostris satrapibus et universo senatu
      optimatibus etiam
        et cuncto populo Romano gloriae imperii nostri subiacenti
    ut sicut in terris vicarius Filii Dei esse videtur constitutus
      etiam et pontifices qui ipsius principis apostolorum gerunt vices
        principatus potestatem amplius
          quam terrena imperialis nostrae serenitatis mansuetudo habere videtur concessam
        a nobis nostroque imperio obtineant
      eligentes nobis ipsum principem apostolorum vel eius vicarios
    firmos apud Deum adesse patronos
     
    Und als ich dies durch die Predigt des seligen Silvester erkannte
      und durch die Wohltaten des seligen Petrus selbst erfuhr,
        daß ich in meiner Gesundheit makellos wiederhergestellt war,
    beurteilten wir es als nützlich, zusammen mit all unseren Statthaltern und dem gesamten Senat
      und auch mit den Adligen
        und dem ganzen römischen Volk, das dem Ruhmesglanz unserer Kaiserherrschaft untergeben ist,
    daß, wie auf Erden ein Stellvertreter des Sohnes Gottes bestimmt zu sein scheint,
      so auch die Priester, die die Stelle ebendieses Ersten der Apostel einnehmen,
        die Macht dieses Erstranges in noch höherem Maße,
          als die irdische Sanftmut unserer kaiserlichen Milde sie als eine uns zustehende zu besitzen scheint,
        von uns und unserer kaiserlichen Herrschaft übernehmen sollen,
      da wir es nämlich für gut befanden, daß der Erste der Apostel selbst und auch seine Stellvertreter
    als unsere treuen Schutzherren vor Gott stehen sollten;
     
     
    et sicut nostra est terrena imperialis potentia
      eius sacrosanctam Romanam ecclesiam decrevimus veneranter honorare
    et amplius quam nostrum imperium et terrenum thronum
      sedem sacratissimam beati Petri gloriose exaltari
        tribuentes ei potestatem et gloriae dignitatem atque vigorem et honorificentiam imperialem
     
    und wie die irdische Macht der Kaiserherrschaft uns gehört,
      so haben wir beschlossen, die unantastbar-heilige römische Kirche ehrfürchtig hochzuhalten
    und in noch höherem Maße als unsere eigene Kaiserherrschaft und unseren irdischen Thron
      den heiligsten Thron des seligen Petrus ehrenvoll zu erhöhen,
        indem wir ihm Macht und Ruhmesglanz und Kraft und Ehre der kaiserlichen Herrschaft zuerteilen.
     
     
     
    12. atque decernentes sancimus
      ut principatum teneat tam super quattuor praecipuas sedes
        Antiochenam Alexandrinam Constantinopolitanam et Hierosolymitanam
          quamque etiam super omnes in universo orbe terrarum Dei ecclesias
    et pontifex qui pro tempore ipsius sacrosanctae Romanae ecclesiae extiterit
      celsior et princeps cunctis sacerdotibus totius mundi existat
        et eius iudicio quaeque ad cultum Dei
          vel fidei Christianorum stabilitate procuranda fuerint disponantur
     
    Und indem wir es so entscheiden, legen wir es unantastbar fest,
      daß er den Erstrang auf solche Weise innehaben soll über die vier höchsten Patriarchensitze
        in Antiochia, Alexandria, Konstantinopel und Jerusalem,
          wie auch über alle Kirchen Gottes auf dem gesamten Erdenrund
    und der Priester, der in dieser Situation der unantastbar-heiligen römischen Kirche selbst aufgetreten ist,
      soll als der Höhere und als Erster vor allen Priestern der ganzen Welt auftreten
        und durch sein Urteil soll alles, was für den Gottesdienst
          und auch für die Festigkeit des Glaubens der Christen zu besorgen ist, geordnet werden.
     
     
    iustum quippe est ut ibi lex sancta caput teneat principatus
      ubi sanctarum Iegum institutor salvator noster
        beatum Petrum apostolatus obtinere praecepit cathedram
      ubi et crucis patibulum sustinens beatae mortis sumpsit poculum
        suique magistri et Domini imitator apparuit
    et ibi gentes pro Christi nominis confessione colla flectant
      ubi eorum doctor beatus Paulus apostolus
        pro Christo extenso collo martyrio coronatus est
     
    Denn es ist ja gerecht, daß das heilige Gesetz an dem Ort den Hauptsitz seines Erstrangs einnehmen soll,
      wo der Gesetzgeber der heiligen Gesetze, unser Erlöser,
        vorgeschrieben hat, daß der selige Apostel Petrus dort seinen Lehrstuhl innehaben sollte,
      wo er auch, indem er den Block des Kreuzes auf sich nahm, den Trank seines seligen Todes genommen hat
        und als Nachbildner seines Meisters und Herrn erschienen ist;
    und dort sollen die Heiden zum Bekenntnis des Namens Christi den Nacken beugen,
      wo deren Lehrer, der selige Apostel Paulus,
        für Christus mit zum Schwertschlag dargebotenem Nacken mit dem Martyrium gekrönt worden ist.
     
     
    illic usque in finem quaerant doctorem ubi sanctum doctoris quiescit corpus
      et ibi proni ac humiliati caelestis regis die
        salvatoris nostri Iesu Christi famulentur officio
          ubi superbi terreni regis serviebant imperio
     
    An jenem Ort sollen sie bis zum Ende den Lehrer suchen, wo der heilige Leib des Lehrers ruht,
      und dort sollen sie mit tiefer Verbeugung und Demut am Tag des himmlischen Königs,
        unseres Erlösers Jesus Christus ihren Dienst leisten,
          wo sie der Herrschaft des hochmütigen Erdenkönigs dienten.
     
     
     
    13. interea nosse volumus omnem populum universarum gentium ac nationum per totum orbem terrarum
      construxisse nos intro palatinium nostrum Lateranense eidem salvatori nostro Domino Deo Iesu Christo
        ecclesiam a fundamentis cum baptisterio
    et duodecim nos sciatis de eius fundamentis secundum numerum duodecim apostolorum
      cophinos terra onustatos propriis asportasse humeris
    quam sacrosanctam ecclesiam caput et verticem omnium ecclesiarum in universo orbe terrarum
      dici coli venerari ac praedicari sancimus
        sicut per alia nostra imperialia decreta statuimus
     
    Indessen wollen wir, daß das ganze Volk aller Stämme und Nationen über das ganze Erdenrund hin weiß,
      daß wir innerhalb unseres Lateranpalastes ebendem Erlöser, unserem Herrn, Gott, Jesus Christus
        eine Kirche haben erbauen lassen, von den Fundamenten an, mit einer Taufkapelle,
    und Ihr sollt wissen, daß wir für ihre Fundamente, gemäß der Anzahl der zwölf Apostel,
      zwölf Körbe voll Erde auf unseren eigenen Schultern hingetragen haben;
    daß diese unantastbar-heilige Kirche als der Hauptsitz und Scheitel aller Kirchen im gesamten Erdenrund
      genannt, verehrt und gepredigt werde, haben wir als unantastbar so festgelegt,
        wie wir es auch durch unsere anderen kaiserlichen Verordnungen festgesetzt haben.
     
     
    construximus itaque et ecclesias beatorum Petri et Pauli principum apostolorum
      quas auro et argento locupletavimus
    ubi et sacratissima eorum corpora cum magno honore recondentes
      thecas ipsorum ex electro cui nulla fortitudo praevalet elementorum construximus
    et crucem ex auro purissimo et gemmis pretiosis per singulas eorum thecas posuimus
      et clavis aureis confiximus
    quibus pro concinnatione luminariorum possessionum praedia contulimus
      et rebus diversis eas ditavimus
    et per nostras imperialium iussionum sacras
      tam in oriente quam in occidente vel etiam septentrionali et meridiana plaga
        videlicet in Iudaea Graecia Asia Thracia Africa et Italia vel diversis insulis
          nostram largitatem eis concessimus ea prorsus ratione
            ut per manus beatissimi patris nostri Silvestrii pontificis
              successorumque eius omnia disponantur
     
    Deshalb haben wir auch Kirchen für Petrus und Paulus, die Ersten unter den Aposteln, bauen lassen,
      die wir auch mit Gold und Silber reich ausgestattet haben,
    wo wir auch, indem wir deren geheiligteste Leiber unter großer Ehrenbezeugung bestatteten,
      deren Schreine aus Bernstein fertigen ließen, dem keine Kraft der Elemente etwas anhaben kann;
    und wir setzten Kreuze aus reinstem Gold und kostbare Edelsteine auf jeden einzelnen von deren Schreinen
      und befestigten sie mit goldenen Schlüsseln;
    für diese haben wir zur Verfertigung ihrer Leuchten die Güter unserer Besitztümer verpfändet
      und haben sie auch sonst mit verschiedenen Dingen bereichert;
    und durch unsere heiligen kaiserlichen Befehle haben wir
      im Osten wie auch im Westen und auch in der nördlichen und südlichen Weltgegend
        nämlich in Judaea, Griechenland, Asien, Thrakien, Afrika und Italien und auch auf verschiedenen Inseln
          ihnen unsere Freigebigkeit erwiesen, vor allem mit der Absicht,
            daß durch die Hand unseres seligsten Vaters, des Priesters Silvester,
              und seiner Nachfolger alles geordnet werde.
     
     
     
    14. gaudeat enim una nobiscum omnis populus et gentium nationes in universo orbe terrarum
      exhortantes omnes ut Deo nostro et salvatori Iesu Christo immensas una nobiscum referatis grates
    quoniam ipse Deus in caelis desuper et in terra deorsum
      qui nos per suos sanctos visitans apostolos
        sanctum baptismatis sacramentum percipere et corporis sanitate[m] dignos effecit
     
    Denn alles Volk soll sich zusammen mit uns freuen und die Nationen der Völker auf dem gesamten Erdenrund,
      indem wir alle dazu ermahnen, unserem Gott und Erlöser Jesus Christus unermeßlichen Dank abzustatten,
    weil ja er selbst, Gott in den Himmeln oben und auf Erden unten,
      er, der uns durch seine heiligen Apostel besucht hat,
        uns gewürdigt hat, das heilige Sakrament der Taufe und die Gesundheit des Körpers zu empfangen
     
     
    pro quo concedimus ipsis sanctis apostolis dominis meis beatissimis Petro et Paulo
      et per eos etiam beato Silvestrio patri nostro
        summo pontifici et universali urbis Romae papae
          et omnibus eius successoribus pontificibus
            qui usque in finem mundi in sede beati Petri erunt sessuri
    atque de praesenti contradimus palatium imperii nostri Lateranense
      quod omnibus in toto orbe terrarum praefertur atque praecellet palatiis
     
    Dafür überlassen wir den heiligen Aposteln selbst, meinen seligsten Herren Petrus und Paulus,
      und durch sie auch dem seligen Silvester, unserem Vater,
        dem höchsten Priester und allgültigen Papst der Stadt Rom
          und all seinen priesterlichen Nachfolgern,
            die bis zum Weltende auf dem Thron des seligen Petrus sitzen werden,
    und übergeben ihnen von jetzt an den Palast unseres Reiches, nämlich den Lateranpalast,
      der vorzüglicher und köstlicher ist als alle Paläste auf dem gesamten Erdenrund,
     
     
    deinde diademam videlicet coronam capitis nostri
      simulque Phrygium nec non et superhumerale
        videlicet lorum qui imperiale circumdare assolet collum
      verum etiam et clamidem purpuream atque tunicam coccineam et omnia imperialia indumenta
    seu et dignitatem imperialium praesidentium equitum
     
    und dann übergeben wir ihnen das Diadem, d.h. die Krone unseres Hauptes,
      zugleich auch die Tiara, und ja, auch das, was auf meinen Schultern liegt,
        d.h. das zierliche Band, das dem Hals des Kaiser umgelegt zu werden pflegt,
      und sogar den purpurnen Mantel und das scharlachrote Hemd und alle kaiserlichen Gewänder
    und wohl auch Würde und Recht auf eine kaiserliche Reitergarde,
     
     
    conferentes etiam et imperialia sceptra simulque et conta [bzw. contos] atque signa banda etiam
      et diversa ornamenta imperialia
        et omnem processionem imperialis culminis et gloriam potestatis nostrae
     
    womit wir auch sowohl die kaiserlichen Szepter als auch zugleich Piken und Feldzeichen, auch Banner
      und verschiedene kaiserliche Auszeichnungen übergeben
        und die gesamte Prozessionsordnung der kaiserlichen Hoheit und den Ruhmesglanz unserer Macht.
     
     
     
    15. viris enim reverentissimis,
      clericis diversis ordinibus eidem sacrosanctae Romanae ecclesiae servientibus
    illud culmen singularitatem potentiam et praecellentiam habere sancimus
      cuius amplissimus noster senatus videtur gloria adornari
        id est patricios atque consules effici
      nec non et ceteris dignitatibus imperialibus eos promulgantes decorari
    et sicut imperialis militia ita et clerum sacrosanctae Romanae ecclesiae
      ornari decernimus
     
    Für die höchst ehrfürchtigen Männer,
      die Kleriker verschiedener Stände, die ebendieser unantastbar-heiligen römischen Kirche dienen,
    setzen wir als unantastbar fest, daß sie die Hoheit, Einzigartigkeit, Macht und überragende Stellung haben sollen,
      mit deren Ruhmesglanz auch unser hochwürdigster Senat ausgezeichnet erscheint;
        d.h., daß sie auch zu Patriziern und Konsuln erhoben werden können,
      ja, sogar daß sie mit den übrigen kaiserlichen Würden ausgezeichnet werden, geben wir öffentlich bekannt;
    und daß wie das kaiserliche Militär so auch der Klerus der unantastbar-heiligen römischen Kirche
      seine Auszeichnungen tragen soll, dies entscheiden wir hiermit;
     
     
    et quemadmodum imperialis potentia officiis diversis
      cubiculariorum nempe et ostiariorum atque omnium excubiorum ornatu decoratur
        ita et sanctam Romanam ecclesiam decorari volumus
     
    und wie die kaiserliche Macht mit verschiedenen Ämtern,
      mit dem Hofstaat, wie bekannt, all der Kammerdiener, Türhüter und Wächter, ausgestattet ist,
        ebenso wollen wir, daß auch die heilige römische Kirche ausgestattet werde.
     
     
    et ut amplissime pontificalis decus praefulgeat
      decernimus et hoc ut clerici eiusdem sanctae Romanae ecclesiae mappulis ex linteaminibus
        id est candidissimo colore eorum decorari equos et ita equitari
    et sicut noster senatus calciamenta uti cum udonibus
      id est candido linteamine illustrari
        ut sicut caelestia ita et terrena ad laudem Dei decorentur
     
    Und damit der Glanz des Priestertums so weitreichend wie möglich aufleuchte,
      entscheiden wir, daß genauso, wie die Kleriker ebender heiligen römischen Kirche mit Tüchlein und Leinenzeug,
        d.h. mit hellweißer Farbe, auch deren Pferde ausgestattet werden und sie so geritten werden sollen;
    und daß sie genauso wie unser Senat ihre Stiefel mit Bocksfilz tragen,
      d.h. mit ihrem weißem Leinenzeug leuchtend in Erscheinung treten,
        damit genauso wie das Himmlische so auch das Irdische sich zum Lobe Gottes schmückt.
     
     
    prae omnibus autem licentiam tribuentes
      ipso sanctissimo patri nostro Silvestrio urbis Romae episcopo et papae
        et omnibus qui post eum in successum et perpetuis temporibus advenerint
          beatissimis pontificibus pro honore et gloria Christi Dei nostri
        in eadem magna Dei catholica et apostolica ecclesia
    ex nostra synclitu quem placatus proprio consilio clericare voluerit
      et in numero religiosorum clericorum connumerare
        nullum ex omnibus praesumentem [bzw. nullo praesumente] superbe agere
     
    Vor allen aber erteilen wir völlige Freiheit
      ihm selbst, unserem heiligsten Vater Silvester, Bischof der Stadt Rom und Papst,
        und allen, die ihm im Amte nachfolgen und in den fortdauernden Zeiten kommen werden,
          den seligsten Priestern, zur Ehre und zum Ruhmesglanz Christi, unseres Gottes
        in derselben großen katholischen und apostolischen Kirche Gottes
    wen aus unserer Gemeinschaft, zufrieden mit seinem eigenen Ratschluß, er in den Klerus berufen will
      und unter die gelübdegebundenen Kleriker zählen wird,
        daß [bzw. wobei] keiner von allen vermuten darf, er handle bei dieser Auswahl hochmütig.
     
     
    16. decrevimus itaque et hoc,
      ut isdem venerabilis pater noster Silvester, summus pontifex,
        vel omnes eius successores pontifices
          diademam videlicet coronam
        quam ex capite nostro illi concessimus
      ex auro purissimo et gemmis pretiosis
    uti debeant et eorum capite ad laudem Dei pro honore beati Petri gestare;
     
    Wir haben deshalb auch dies beschlossen,
      daß ebendieser, unser verehrungswürdiger Vater Silvester, der höchste Priester,
        und auch alle seine priesterlichen Nachfolger,
          das Diadem, d.h. die Krone,
        die wir von unserem Haupt jenem übergeben haben,
      die aus reinstem Gold und kostbaren Edelsteinen besteht,
    übernehmen sollen und auf ihrem Haupt zum Lobe Gottes mit Ehren des seligen Petrus tragen sollen.
     
     
     
    ipse vero sanctissimus papa super coronam clericatus
      quam gerit ad gloriam beati Petri
        omnino ipsam ex auro non est passus uti coronam
    Phrygium vero candido nitore splendidam resurrectionem Dominicam designans
      eius sacratissimo vertici manibus nostris posuimus
    et tenentes frenum equi ipsius
      pro reverentia beati Petri stratoris officium illi exhibuimus
    statuentes eundem Phrygium omnes eius successores pontifices
      singulariter uti in processionibus
        ad imitationem imperii nostri
     
    Aber der heiligste Vater selbst, über die Krone in den Klerus berufen,
      die er zum Ruhme des seligen Petrus trägt,
        duldete überhaupt nicht, diese Krone aus Gold zu übernehmen,
    die Tiara aber, die mit ihrem weißen Glanz die hellstrahlende Wiederauferstehung des Herrn bezeichnet,
      konnten wir mit unseren eigenen Händen seinem heiligsten Scheitel aufsetzen
    und, indem wir den Zügel seines eigenen Pferdes hielten,
      erwiesen wir ihm in Verehrung für den seligen Petrus den Dienst eines Reitknechts
    und setzten fest, daß alle seine priesterlichen Nachfolger,
      und zwar jeder für sich allein, ebendiese Tiara in Prozessionen tragen sollten,
        um unsere Herrschaft nachzubilden.
     
     
    17. unde ut non pontificalis apex vilescat
      sed magis amplius quam terreni imperii dignitas et gloriae potentia decoretur
    ecce tam palatium nostrum ut praelatum est
      quamque Romae urbis et omnes Italias seu occidentalium regionum provincias loca et civitates
        saepefato beatissimo pontifici patri nostro Silvestrio universali papae contradentes
          atque relinquentes eius vel successorum ipsius pontificum potestati et ditioni
    firma imperiali censura per hanc nostram divalem sacram [iussionem] et pragmaticum constitutum decernimus
      disponenda atque iuri sanctae Romanae ecclesiae concedimus permanenda
     
    Daher nun, damit nicht der priesterliche Hierarchiegipfel wertlos werde,
      sondern weit mehr als die Würde der irdischen Kaiserherrschaft und die Macht ihres Ruhmes geehrt werde,
    siehe: indem wir ebenso unseren Palast, was ja bereits gesagt wurde,
      wie auch die Provinzen der Stadt Rom und Gesamtitaliens und auch der Gebiete des Westens, Länder und Städte
        dem berühmten seligsten Priester, unserem Vater Silvester, dem Papst aller, übergeben
          und seiner Macht und Gerichtsbarkeit und auch der seiner priesterlichen Nachfolger überlassen,
    entscheiden wir mit sicherem kaiserlichen Urteil durch dies unser göttlich-heiliges [Geheiß] und tatsächliche Verordnung:
      es ordnend zu verwalten, und zwar auf ewig, dies räumen wir dem Recht der heiligen römischen Kirche ein.
     
     
    18. unde congruum prospeximus,
      nostrum imperium et regni potestatem
        orientalibus transferri ac transmutari regionibus
      et in Byzantias provincia in optimo loco nomini nostro civitatem aedificari
        et nostrum illic constitui imperium
    quoniam ubi principatus sacerdotum et christianae religionis caput
      ab imperatore caelesti constitutum est
        iustum non est, ut illic imperator terrenus habeat potestatem
     
    In Übereinstimmung damit haben wir daher dafür Vorsorge getragen,
      unsere kaiserliche Reichsgewalt und königliche Macht
        in die östlichen Gebiete zu übertragen und zu verschieben
      und in der Provinz von Byzanz am besten Orte unserem Namen eine Stadt zu bauen
        und unsere Reichsgewalt dort zu errichten,
    da es ja dort, wo der Erstrang der Priester und das Haupt der christlichen Religion
      vom himmlischen Kaiser eingesetzt ist,
        nicht gerecht wäre, daß dort auch der irdische Kaiser seinen Machtsitz hätte.
     
     
    19. haec vero omnia, quae per hanc nostram imperialem sacram [sanctionem]
      et per alia divalia decreta statuimus atque confirmavimus
        usque in finem mundi ilIibata et inconcussa permanenda decernimus
     
    Aber in bezug auf all dies, was wir durch diese unsere kaiserliche heilige [Festlegung]
      und durch andere kaiserlich-göttliche Erlasse festgesetzt und bekräftigt haben,
        entscheiden wir, daß es auf ewig bis zum Weltende ungeschmälert und unangefochten gelten soll
     
     
    unde coram Deo vivo qui nos regnare praecepit
      et coram terribili eius iudicio obtestamus per hoc nostrum imperialem constitutum
    omnes nostros successores imperatores vel cunctos optimates satrapes etiam
      amplissimum senatum et universum populum in toto orbe terrarum
        nunc et in posterum cunctis retro temporibus imperio nostro subiacenti
    nulli eorum quoquo modo licere
      haec quae a nobis imperiali sanctione
        sacrosanctae Romanae ecclesiae vel eius omnibus pontificibus concessa sunt
          refragare aut confringere vel in quoquam convelli
     
    Daher lebe ich vor Gott, der uns zum Regieren bestimmt hat,
      und bei seinem schrecklichen Urteil beschwören wir durch diese unsere kaiserliche Verordnung,
    daß all unsere kaiserlichen Nachfolger und auch alle Adligen, auch die Statthalter,
      der hochehrwürdige Senat und alles Volk auf dem Erdenrund,
        das jetzt und in allen folgenden und zurückliegenden Zeiten unserer Kaisermacht untergeben ist,
    keinem von ihnen auf irgendeine Weise erlauben soll,
      all dies, was von uns durch diese kaiserliche Festlegung
        der unantastbar-heiligen römischen Kirche und auch all ihren Priestern eingeräumt worden ist,
          zu behindern oder zu brechen, oder auch daß es in irgendeinem Punkte eingerissen werde.
     
     
    si quis autem quod non credimus in hoc temerator aut contemptor extiterit
      aeternis condemnationibus subiaceat innodatus
        et sanctos Dei principes apostolorum Petrum et Paulum
          sibi in praesenti et futura vita sentiat contrarios
            atque in inferno inferiori concrematus cum diabolo et omnibus deficiat impiis
     
    Wenn aber jemand, was wir kaum glauben, als Schänder oder Versucher in dieser Sache auftritt,
      so soll er gefesselt der ewigen Verdammnis unterworfen sein,
        und die Heiligen Gottes, die Ersten der Apostel, Petrus und Paulus,
          soll er in gegenwärtigen und im zukünftigen Leben als seine Gegner wahnehmen,
            und in der untersten Hölle schmorend soll er mit dem Teufel und allen Gottlosen leiden.
     
     
    20. huius vero imperialis decreti nostri paginam propriis manibus roborantes
      super venerandum corpus beati Petri principis apostolorum posuimus
    ibique eidem Dei apostolo spondentes nos cuncta inviolabiliter conservare
      et nostris successoribus imperatoribus conservanda in mandatis relinqui
    beatissimo patri nostro Silvestrio summo pontifici et universali papae
      eiusque per eum cunctis successoribus pontificibus
        Domino Deo et salvatore nostro Iesu Christo annuente
          tradidimus perenniter atque feliciter possidenda
     
    Indem wir nun die Niederschrift dieses unseres kaiserlichen Erlasses mit eigenen Händen bekräftigten,
      haben wir sie auf dem verehrungswürdigen Leib des seligen Petrus, des Ersten der Apostel, niedergelegt
    und indem wir dort ebendiesem Apostel Gottes gelobten, daß wir alles unverletzlich wahren wollten
      und daß es unseren kaiserlichen Nachfolgern mit dem Auftrag überlassen werde, es auch weiterhin zu wahren,
    haben wir diese Niederschrift unserem seligsten Vater Silvester, dem höchsten Priester und Papst aller,
      und durch ihn all seinen priesterlichen Nachfolgern
        mit Zustimmung des Herrn, unseres Gottes und Erlösers Jesus Christus,
          zum ewigdauernden und glücklichen Besitz übergeben.
     
et subscriptio imperialis
divinitas vos conservet per multos annos sanctissimi ac beatissimi patres
 
Und hier die kaiserliche Unterschrift
Die Gottheit bewahre euch viele Jahre, ihr heiligsten und seligsten Väter.
 
datum Roma sub die tertio Kalendarum Aprilium
domno nostro Flavio Constantino Augusto quater
et Gallicano viris clarissimis consulibus
 
Gegeben zu Rom, 3.Kal.Apr. (30.März)
im Konsulsjahr unseres Herrn Flavius Constantinus (zum vierten Mal), des kaiserlich Erhabenen,
und des Gallicanus, dieser beiden hochberühmten Männer.
 
 
   

Donnerstag, 8. August 2013

"Total verrückte Welt" by Gerd Skibbe


Der Vorwurf der Philosophen "die eifrigsten Anhänger der Religion seien zugleich die schlechtesten unter den Menschen," stimmt nicht ganz, denn die Religionslosen in aller Welt haben bewiesen, dass sie keinen Deut besser waren.
Ob die bewaffneten Fanatiker ihrer jeweiligen Ideologie ein Kreuz, den Sowjetstern, das Hakenkreuz oder die Maobibel vor sich hertrugen, sie waren eines Ungeistes.
Die mit dem Kreuz eiferten dem Mörder seiner Familie, Konstantin, nach, der in den orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt wird, obwohl er obendrein beanspruchte  der Gott aller Völker zu sein. (1) Sie waren Radaukommunisten, Faschisten und mehr.

Pol Pot (1925-1998) samt einer handvoll Gesinnungsgenossen, - die wie ihr Herr unter Verfolgungswahn (Paranoia) litten, - gelang es ein ganzes Volk vor sich her zur Schlachtbank zu treiben. Es gelang ihnen mit Unterstützung seiner vom Kommunismus entlehnten Ideen,  und mit Hilfe jener Angst die seine Anhänger ungestraft verbreiten durften. 
Binnen weniger Monate vermochten sie es die Intelligenz und die Gesellschaftstrukturen des uralten Kulturlandes Kambodscha fast vollständig zu vernichten.

Vergeblich hatten sich die Amerikaner, in den 70er Jahren, dagegen gestemmt, im Wissen, dass die ganze Welt eher sie verurteilen wird als die Mörder.

Kambodscha
Pol Pot (1925-1998)
Selbst wer nur eine Brille trug, war in diesem Land bald verloren, weil er der Intelligenz zugerechnet wurde.
Insbesondere der Ärzte- und Lehrerschaft galt die ganze Wut dieser Barbaren und angeblichen Weltverbesserer.

Nachdem die Kommunisten im April 1975, die Hauptstadt Pnom Penh, als letzte Bastion des freien Kambodscha erobert hatten, mussten rund eine Million Einwohner innerhalb 48 Stunden ihr Zuhause verlassen.
Sie sollten als Landarbeiter und Bauern ihr eigenes Brot produzieren, ganz gleich ob sie gesund oder krank, alt oder jung waren.
Eine Million Menschen wurden umgebracht, wahrscheinlich mehr als drei Millionen. Sie wurden erschossen, verhungerten oder starben an den Strapazen.
Gegen Ende der Aktion lebten in Pnom Penh noch etwa 20 000 Menschen, meistens Funktionäre.

Die Träger jener Weisheiten die in Kambodscha seit tausend Jahren in höchstem Ansehen standen, wurden von Maschinenpistolen zerfetzt. Einst errichteten ihre Väter im Glauben Tempel zur Verehrung Buddahs und seiner Religion der Toleranz, nun triumphierte der Erzfeind jeder Religion und der Menschlichkeit.


Wat (der Tempel) "Phnom" seit 1372 das spirituelle Zentrum Kambodschas, 1926 völlig umgebaut
Dass Josef Stalin, (1879-1953) ebenfalls vom Verfolgungswahn getrieben, etwa 30 Millionen überwiegend unbescholtene Menschen der damaligen Sowjetunion in Konzentrationslager transportieren ließ um dort ihre Arbeitskraft wie eine Zitrone auszuquetschen, ist die eine Sache, die andere ebenso grauenvolle Praxis war die, dass zehntausende Mitglieder der Kommunistischen Partei aktiv an diesem Prozesss der Entmündigung ihrer Mitmenschen teilnahmen. Sie handelten als sei das die größte Selbstverständlichkeit. Unverständlich für den der nie längere Zeit unter dem Druck einer Diktatur gestanden hatte ist, dass zig Millionen Mitglieder der (allmächtigen Partei) ohnmächtig zusahen oder zusehen mussten, dass unter ihren Augen, - ihrer Befreiungsideologie zum Hohn - der weltgrößte Sklavenhalterstaat aller Zeiten entstand.
Unglaublich, dass dieses System der Unterdrückung sich nach außen, nicht  erfolglos, als Hort des Friedens und der Freiheit darzustellen wusste.

Nicht nur meine Hoffnung ist, dass wir eines Tages im Besitz jeden Details dieser und ähnlicher Verbrechen sein werden, um die Motive der einen wie der anderen zu erkennen, die dazu verführten, dass widerlichste Bosheit sich austoben durfte. All das um Gerechtigkeit wieder herzustellen, auch um zu verstehen wozu der unkultivierte - unbekehrte - Mensch fähig ist und wovor wir uns zukünftig zu hüten haben. 

Hunderte veröffentlichte Dokumente gehen Hand in Hand mit dem folgenden Gesuch um Rehabilitierung,  das  der Mennonit Georg Hildebrandt, 1961, nach vieljähriger Haft in sowjetischen Gefängnissen und Arbeitslagern an den Vorsitzenden des KGB (Staatssicherheit) A.N. Schelepin richtete:


"Sehr geehrter Genosse Schelepin!
Als ich die Vorträge von Ihnen und Nikita Chrustschow, die auf dem 22. Parteitag gehalten wurden, gelesen hatte, war ich zutieft erregt. Ich entschloss mich an Sie zu schreiben...  Am 14. September 1947 wurde ich von den Organen des MGB , in Krasnoturinsk, Swerdlowsker Gebiet verhaftet ... damals waren alle meine nahen Verwandten (fünfzehn Männer)
 verhaftet worden.
Nicht einer von ihnen ist zurückgekehrt. Heute sind alle nach ihrem Tod rehabilitiert... Am 20 Januar 1948 wurde ich gemäß Paragraph 58-10 Teil 2 zu sieben Jahren Straflager verurteilt. Die ersten fünf Tage und Nächte hielt man mich in Krasnoturinsk in einer Zelle fest, in der auf der Liege und an den Wänden eine solche Menge Läuse und Wanzen herumkrochen, dass man das Gefühl hatte, die Wände bewegten sich.
Dies war eine Folter ganz eigener Art.
Jede Nacht wurde ich herausgeführt und sollte von meinen Kontakten mit dem ausländischen Geheimdienst berichten.
Nach 5 erfolglosen Tagen wurde ich ins Badehaus gefahren, desinfiziert und nach Swerdlowsk gebracht. Hier im Gebietsgefängnis hielt man mich nur zwei Wochen im Bau für politische Gefangene fest. Dann kam ich in eine kalte Einzelzelle mit betoniertem Boden. Von der armseligen Kost in diesen sieben Tagen werde ich nicht sprechen. Im Überfluss gab es nur Salz und einmal alle 24 Stunden aufgekochtes Wasser. Nach sieben Tagen "Gehirnwäsche" wie es dort genannt wurde, wurde ich nicht in den Gebäudekomplex für politische Gefangene überführt, wie es das Gesetz forderte, sondern in eine Zelle (die sogenannte Indienzelle) in der 60-80 kriminelle Verbrecher festgehalten wurden. Das Entsetzen, das ich hier erlebte, läßt sich nicht beschreiben. Dreieinhalb Monate war ich dort der einzige Gefangene, der gemäß Paragraph 58 verhaftet worden war.
Schon vor der Gerichtsverhandlung war ich war ich auf dem moralischen Tiefpunkt angelangt und vom Hunger ausgezehrt. Ich lag im Gefängniskrankenhaus, zeigte überhaupt keine Willenskraft mehr, und nichts als ein Stück Brot und die schnelle Auslieferung ins Lager interessierten mich noch.
Bereits im Gefängnis erkrankte ich an Lungentuberkulose.
Während der ganzen Zeit, die ich im Gefängnis verbraschte, bekam ich nicht einen einzigen Brief oder ein Nahrungsmittelpaket.
Später erfuhr ich, dass mir durch einen Sonderbefehl alle Gaben verboten waren.
Ein halbes Jahr lang wussten meine Angehörigen nicht, wo ich mich aufhielt. Man hielt mich für verschollen, ebenso wie alle meine  Verwandten, die in den Jahren 1937-38 verhaftet worden waren.
Die gerichtliche Verhandlung wurde in gröbster Form vorgenommen.
Die Zeugen waren ohne Willenskraft. Sie waren eingeschüchtert und bezeugten das, was der Untersuchungsrichter zu hören wünschte.
Bei der Gegenüberstellung mit den Zeugen ermunterte er sie: "Sprechen sie nur, er kommt nie zurück, er verreckt, den werdet ihr nie mehr treffen. Wir verstecken ihn so, dass er verreckt!"
Nach derGerichtsverhandlung wurde ich ins Straflager Sewerouralsk überführt, nach eineinhalb Jahren in die Kolyma.
Auf dem Gericht war zu meiner Verwunderung ein junges Mädchen. Mir wurde mitgeteilt, dass es meine Verteidigerin sei. Ich hatte sie jedoch vorher nie gesehen. Sie sagte kein Wort zu meiner Verteidigung, sondern beschuldigte mich statt dessen.
Ich war nie ein Volksfeind und konnte es nicht sein.
Ich bitte um Rehabilitierung.
Isaak Hildebrandt
3. Sept. 1961

 Georg Hildebrandt "Wieso lebst du noch?" Ullstein, 1993

Es wäre nie zu diesen massenhaft begangenen Verbrechen während der spanischen Inquisition, im Archipel Gulak, in Hitlers Konzentrationslagern und zu kamboschanischem Massenmord gekommen, wäre da nicht die Gier nach Sicherheit, und dieses ständige Schielen vieler Geltungssüchtiger nach Vorteilen aller Art. Das, nicht die Religion, machte sie zu Fanatikern und betrogenen Betrügern die, sonst chancenlos hoffen, plötzlich mitmachen und so mitherrschen zu dürfen.
Es ist auch Rachsucht zu erkennen. Weil ihnen übel mitgespielt wurde, verlangte es sie das "Unrecht" an  Irgendjemand "heimzuzahlen".
Was das Mordgesindel treibt ist nicht zuerst die politische oder religiöse Gesinnung, sondern das Unterwürfigkeitsverlangen als Ausdruck ihrer inneren Unreife einem "großen" Verführer zu gehorchen, dessen Brutalität sie anerkennend bewundern wollen, und zwar vorsätzlich. 
             "Führer befiehl, wir folgen dir!"
Da ist eine Riesenportion Dummheit die manchmal im selben Menschen von beachtlichem Intelligenzquotienten zeitgleich auftritt (Adolf Eichmann, Heinrich Himmler, Dr. Mengele, Berija, Mussolini, Gregor VII. der mit einem Federstrich die Ehefrauen der Geistlichen, zu den elendsten aller Menschen machte)

Christen und sogenannte Antichristen unterschieden sich nur in der Wortwahl.
Über Jahrtausende zeigte sich, mit oder ohne Religion waren sie absolute Unholde.

"Eisenarsch!" nannten selbst die engsten Freunde den Stalinberater Molotow. Und was die Frommen betrifft, so kennt das Buch Mormon den Begriff "böse Priestermacht" (2. Nephi 10: 5)

Wörtlich heißt es:


"Gott gebietet, es soll keine Priestermacht geben, denn siehe Priestermacht besteht darin, dass Menschen predigen und sich selbst der Welt als Licht hinstellen um von der Welt Gewinn und Lob zu ernten, aber sie trachten nicht nach dem Wohlergehen Zions." (2.Nephi 26: 29)

Gerade die Frömmsten tun bis heute so, als ob Gott gar nichts zu gebieten hat.
Ignoranz und Intoleranz waren und sind allgegenwärtig, sie sind Halbbrüder.

Im gesamten sozialistisch-kommunistíschen Herrschaftbereich zwischen 1917 und 1990 breitete sich die Wahnsinnsidee  wie eine Seuche aus: 

            "Alles Neue ist besser, als alles Alte."

Diese Krankheit  nistete sich in den besten, saubersten  Stuben ein.

In allen totalitären Systemen ob christlich oder nicht, misstraute der Vater seinen Kindern und die Ehefrau spionierte nicht selten für die Inquisition, wie für die Gestapo, dann für die Stasi gegen den Ehemann.  In der chinesischen "Kulturrevolution" wuchs das häßliche Paar zur vollen Größe heran. Da zeigte die Bosheit ihre ganze, absolute Macht. Sie erwies sich darin, dass Familienglück gering geschätzt wurde, dass jahrtausendealte Schriften unter die Schuhe roter Garden getreten wurden, sie machte sich breit im Verbot selbständig zu denken.  Schachspielen wurde dort ebenso verboten, wie jedes Gefühl von Mitmenschlichkeit.
Dreimal in deutsch und ebensooft in englisch  las ich Jung Changs (1952-) "histo-biografisches, autobiografisches" Werk "Wilde Schwäne", das Plichtliteratur weltweit für alle Schüler älter 15 sein sollte.


Wikipedia

Der Vater der mehrfach preisgekrönten Autorin, Jung Chang, Wang Yu/Shou-yu, einer der höchstrangigen Kommunisten Chinas, wagte es seine Stimme gegen das wie ein Feuer um sich greifende Übel pausenloser Denunziation jedermanns durch jederman zu brechen.

Das sollte ihn zerbrechen.






Verflucht seien der Fanatismus, der Aberglaube - gleichgültig welcher Farbe -, und die Machtbesessenheit.

Alle Unvernünftigen die auf den Rat ihres Gewissen verzichten sind anfällig für diese drei. Kombiniert ergeben sie die martialische Intoleranz.
Man kann es mit dem  deutschen Sprichwort sagen:



"Dummheit und Stolz wachsen am selben Holz!"
Mir ist bange vor den sonst hochgescheiten Sozialisten aller Länder und Kontinente, die ihr Vertrauen in die Lernfähigkeit der Menschheit setzen, als ob es so wäre, dass nur die Dummen wegsterben.

Der ganze Bericht des erwähnten Mennoniten Hildebrandts trägt, wie im Folgenden bewiesen wird, die Züge der Inhalte der Dokumente  zu den spanischen "Morisco-Prosessen Toledos 1575-1610" Franz-Steiner-Verlag Wiesbaden 1971:


"Es gab die Fälle in denen die Kinder reicher Gefangener verhungerten oder auf den Straßen betteln gingen... die Anweisungen kamen für 2 Generationen von Conversos (zum Christentum Bekehrter die aber unter Generalverdacht standen das Christentum nur scheinbar akzeptiert zu haben) zu spät... Angeklagte vermochten ihr Eigentum kaum vor unehrlichen Beamten zu schützen und sich selbst vor willkürlicher Verhaftung und lang andauernden Prozessen zu schützen... der Angeklagte wurde meist schnell und heimlich in die Kerker der Inquisition geschafft, wo er auf seinen Prozess warten musste...
Ein Portugiese der 1802 vom "allerchristlichsten" Tribunal in Lissabon eingekerkert wurde, beschreibt seine Lage:
es gab einen kleinen Wassertopf und ein Utensil für verschiedene Zwecke, das nur alle acht Tage ausgeleert wurde, wenn ich zur Messe in die Kapelle für Gefangene ging. Die Zeit dort war meine einzige Gelegenheit, frische Luft zu atmen. In der Kapelle waren die Sitze so abgeteilt, dass die Gefangenen einander nie sahen... die Decke der Gedfängnis-Zelle war gewölbt... die Ziegel sehr dick. Infolgedessen war der Raum im Winter sehr kalt und so feucht, dass oft die Gitterstäbe mit Wassertropfen wie Tau bedeckt waren und meine Kleidung den Winter hindurch ständing feucht blieb. So also sah meine Unterkunft für die Dauer von fast drei Jahren aus. " S. 190-191

Um in den jenseitigen Himmel zu kommen oder in die irdischen Paradiese (die vor allem die Sozialisten und Kommunisten anpriesen) waren und sind viele bereit ihre Vernunft und ihr Gewissen  zu opfern, sogar ihr Leben, wie die Geschichte der Revolutionen des 20 Jahrhunderts beweist.

Das ist im Kleinen überall auf der Welt ohnehin ganz ähnlich, nämlich wenn ein sonst normaler Familienvater plötzlich seiner schier unbändigen Lust auf ein Liebesabenteuer nachgibt. Er tut es - weil ihm die Gelegenheit dazu so günstig erscheint - wohl wissend was er damit zerstört. 

Aber es kommt heraus, wie gegenwärtig John F. Kennedys Affairen. Es kommt zum Glück alles heraus. Die Fratze unter der Biedermannsmaske kann sich nicht ewig verstecken.

Im August 1945 geriet ich als Bengel unbeabsichtigt in eine Parteiversammlung der übriggebliebenen Kommunisten meiner Heimatstadt Wolgast. Vom Balkon des Vergnügungsrestaurants der Chausseestraße, hörte ich den Rädelsführer (an dessen Namen ich mich sehr wohl erinnere) ausrufen:
               "Jetzt lasst uns mal an die Krippe!"
So wenig gebildet ich damals war, ich wusste, dass ich hier eigentlich erwartet hätte, dass jemand sagt:

"Wir Antifaschisten haben nicht umsonst gelitten, jetzt kommt unsere Zeit, die Zeit des Humanismus. Jetzt können wir den Zweiflern zeigen, wie großartig unsere Ideale sind."

Denn genau das behauptete die "Tägliche Rundschau", das Blatt der russischen Kommunisten in Ostdeutschland damals, die auch in Wolgast in den Fensterkästen aushing  und die ich hin und wieder mit Spannung las, weil ich wissen wollte, wie es im besetzten Land weitergehen soll. 

Nichts von alledem, was die Propaganda versprach sollte sich erfüllen. Von Freiheit, besseren Tagen und Frieden konnte keine Rede sein, solange die jungen, undisziplinierten Soldaten der Roten Armee, nächtlichen Schrecken verbreiteten. 
Ich stand drei Meter entfernt, als im September 1946, drei Rotarmisten nahe dem Postgebäude in Wolgast einen Offizier mit einer Milchkanne erschlugen, weil der Vernünftige ihnen die Schnapsflaschen wegnehmen wollte.

Viele der Namenskommunisten zeigten, wenigstens mir gegenüber, nur wenig später und ungewollt, wer sie mehrheitlich waren, Schürzenjäger ohne jeglichen Respekt vor der Würde der Frau.

Diese Redensarten die sie gebrauchten kamen nicht von ungefähr.
Viele bewiesen mir, noch Jahre danach, dass sie ähnlich dachten wie König Noa, der im Mosiabericht des Buches Mormon auftaucht. Ihm und ihnen war es vollständig egal auf wessen Kosten sie lebten. Er und sie hielten sich für gute Männer.


Noa war einer, "der nicht die Gebote Gottes hielt, sondern nach den Wünschen seines Herzens wandelte... und der viele Frauen und Nebenfrauen hatte. Er veranlasste sein Volk zur Sünde und das zu tun, was in den Augen des Herrn ein Gräuel war...ebenso verbrachten seine Priester ihre Zeit mit Dirnen... er hängte sein Herz an Reichtümer... Kap 11

Auch die, die sagten sie wären Feinde der Privilegierten hängten ihr Herz an Privilegien.


"Wenn du was werden willst, must du in die PARTEI gehen!"
Wer wagt es,  zu bestreiten, dass dies ein geflügeltes Wort im Osten war?

Als wäre er bereits ein Abbild kommender Kommunistenherrscher, erhob Noa eine 20 prozentige Generalsteuer, "ein Fünftel von allem". Die führenden Kommunisten dagegen, solange sie sich sicher fühlten, es käme nicht heraus, nahmen dem Volk wahrscheinlich mehr als Zweidrittel weg. Den Rest steckten sie in die Rüstung und Überwachung zur Absicherung ihrer Macht.
In jeder Bezirksstadt gab es ganze Wohnviertel in denen die Überwacher ihrem Werk der Bespitzelung nachgingen. Sie erhielten alle den doppelten Lohn, eines Durchschnittsarbeiters.
Sie hatten Sonderläden und genossen andere Vorteile.

In einem waren und sind sie alle gleich. Denjenigen die gewissens- und gottlos in den Tag hineinleben, ist das Übermorgen nicht so wichtig.
Das war und ist die größte unter allen Verrücktheiten unserer sonst ziemlich hübschen gemeinsamen Welt.
So baut man keine stabile bessere Gesellschaftsordnung.

Übrigens musste der Ablasshandel der mittelalterlichen Kirche, irgendwann ebenfalls unvermeidlich, die eigene Basis  erschüttern. Er wurde auch deshalb auf die Spitze getrieben, weil  Papst Leo X., um 1515, seine Schulden beim Bankhaus der Fugger begleichen musste, ähnlich wie die DDR ihre im Westen aufgenommenen Kredite - um den eigenen Haushalt einigermaßen in die Balance zu ziehen. 
Der schon von seinen Vorgängern verursachten Überlebenskrise wollte Papst Leo mit Tricks beikommen. 
Da er außerdem die große Kunst liebte, wie Noa sein Lotterleben, und wie die DDR ihren Militär- und Sportbetrieb und ihren Palast der Republik, trieb Papst Leo X. die ganze Kirche in den Abgrund.

Aus den Tiefen des sittlichen Sumpfes zog sie ausgerechnet der Glaubens-Feind Luther  - unbeabsichtigt -  heraus, indem er die Gegenreformation auslöste, in der "Disziplin" wieder größer geschrieben wurde.
War es nicht ähnlich mit der "feindlichen" Bundesrepublik Deutschland die das an zunehmendem Mangel leidende  Ostdeutschland aus der Misere des unaufhörlichen Niedergangs der Wirtschaft hob - wenn auch nur mit Ach und Krach?

 Maike Vogt- Lüerssen schreibt in „Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance“: 


Leo X. ließ sich „von Raffael die Wände seines Badezimmers mit der Göttin Venus und ihrem Sohn, dem Liebesgott Cupido, bemalen und… laut seinen Zeitgenossen ... sei ein Teil des eingenommenen Geldes für die Aussteuer seiner Nichte Maddalena Cibò bestimmt gewesen...“ 
Persönliche Vorteile zu suchen ist nicht schlecht, es sei denn, wir tun es rücksichtslos und zuerst auf Kosten anderer.
Das zu verstehen und ernsthaft auf mein Gewissen zu hören, hat mich die Kirche gelehrt, der ich angehöre. Glaubt um Himmels Willen nicht den Feinden der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie sind schnell zum Meineid bereit. Das weiß ich jetzt! Jetzt, da ich alt bin habe ich jegliches Vertrauen zu allen Berufspriestern verloren.

Ich liebe den verfemten Mormonismus, der mich gelehrt hat erst nachzudenken und dann zu handeln, und, dass ich außer meinem eigenen, auch den Vorteil des anderen suchen muss.

Diese Idee gefällt zwar den meisten Menschen, aber sie ständig umzusetzen erfordert jene Energie die der gute Gott uns alleine durch den Geist Christi geben kann.

Genau hier passiert es. Der Dumme wendet sich arrogant von Gott ab. Obwohl er die einzig zuverlässige Quelle der nichtzerstörerischen Kraft und der letzten Weisheit ist.

Wie weit es mit "unserer" eigenen Weisheit her ist, zeigen eben nicht nur die Dokumente der "Christengeschichte", von der ersten bis zur aktuellsten Seite, (ein einziger Blick auf den tatsächlichen Zustand der katholischen und der evangelischen Kirche sagt alles!) sondern auch die real existierenden Konstruktionen der Atheisten, der "Befreier" usw. beweisen nicht mehr aber auch nicht weniger, als die allgemeine menschliche Beschränktheit.

Alleine ein einziges historisches Beispiel belegt die Allzeitlichkeit und Allgegenwart menschlicher Dummheit:

Obwohl Gott sagte: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist!" Genesis 2: 18, fanden hunderttausende wenn nicht Millionen Besserwisser, das Gegenteil heraus. 

Von Christenpriestern dazu aufgefordert und oft genug dazu gedrängt rannten sie ins klösterliche Verderben, weil sie immer wieder gehört hatten, dass das  Mönchdasein  vom  Allerbesten und vom Allerfeinsten ist, sogar gottgewollt.

Was das insgesamt umfasst, lässt sich schwer beschreiben. Es gab höchstgebildete Humanisten unter ihnen, aber die Masse war elend und im Elend blind und krank.

Von Beginn an war das Mönchstum ein Fluch. Jede Unnormalität und jeder denkbare Irrsinn wurde im Verlaufe der Jahrhunderte hinter  undurchdringlichen Klostermauern durchgespielt, aber auch unter freiem Himmel.


Brockhaus Konversationslexikon S. 140 schreibt:

"...bei einigen steigerte sich die religiöse Schwärmerei zu den maßlostesten Selbstpeinigungen und widersinngsten Andachtsäußerungen. Diesen genügte nicht einmal die Strenge der Klosterregel, sie verließen die Klöster, um in einsamen Zellen, in Höhlen, unter freiem Himmel ihre Bußübungen immer weiter zu treiben... einige warfen alle Kleidung von sich, um wie das Vieh zu leben, die zahlreichen "grasenden Mönche" ... die in den Gefilden Mesopotamiens lebten  (und)von denen sich einige im Schmutz wälzten und jahrelang kein reinigendes Wasser an sich kommen ließen (boten keinen schönen Anblick) .
Ein echter Heiliger kannte weder Eltern, noch Geschwister... Kurz, je mehr man vom Menschentum sich entfernte, umso näher glaubte man  der Gottheit zu stehen." Klöster (Kirchengesch.)

Verflucht seien die konfessions- und parteiübergreifenden  Versuche derjenigen die meinten, sie müssten alles besser machen, als der gute Gott ihnen geraten hatte. Die Wirklichkeiten der Ergebnisse der Engstirnigkeit sprachen immer wieder gegen sie. 

Der bekannte katholische Theologe Johann J. Ignaz von Döllinger (1799-1890) stellte - etwa 30 Jahre nachdem Joseph Smith seine  zornerregende Aussage:


"Die Glaubenbekenntnisse der Christen seien in Gottes Augen ein Gräuel"
veröffentlichte  - klar die Zusammenhänge zwischen widerlich törichten, aber christlich verbrämten Bekenntnissen und vorherrschendem religiösem Wahn gerade der amerikanischen Christen heraus.

"Sobald sie, vor der Verfolgung des Mutterlandes entweichend, auf dem Boden von Nordamerika neue Staaten gegründet, schufen sie eine Gesetzgebung, (die sogenannten "blue laws von Neuengland") die an Härte und Unduldsamkeit ihresgleichen suchte.
katholische Priester, die sich nur im Lande sehen ließen, wurden hingerichtet, Quäcker wurden gehängt, die geringsten Strafen des neue Codex für sie und andere Irrgläubige waren Branntmarkung, Verbannung, Durchbohrung der Zunge mit einem glühenden Eisen...  im 17. Jahrhundert wurde (in Amerika)
ein theokratisches System errichtet... welches alle Freiheit zerstörte."
von Döllinger, Papsttum, S. 76
Die Radikalablehnung des Christentums durch Gott, ausgesprochen im Jahr 1820 erfolgte nicht gegen die vielen Menschen christlichen Glaubens die bestrebt waren seine Gebote zu halten, sondern sie war der Ausdruck der Verachtung des Herrn gegenüber denjenigen, die kuriosesten Aberglauben aller Art hervorbrachten und kultivierten.

Dazu gehört das immer noch angesehene Bekenntnis von Nicäa, aus dem Schreckensjahr 325, von dem jeder, der es wissen will, weiß wie es zustande kam und dass von alledem in der Bibel auf die sie schwören kein Sterbenswort geschrieben steht. (2)
Wo man auch hinschaut. das sogenannte Christentum erwies sich als Schreckgespenst, für jeden der es nicht annehmen wollte.
Es war zu oft primitiver  menschenfeindlicher Götzendienst.
Bild Planet Wissen. Judenverbrennungen



Selbst ein Rückblick auf das Russische Reich, des 19. Jahrhunderts, in dem (außer den Muslimen) -  alle Menschen angeblich Christen waren, zeigt in krasser Weise die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Charles F. Ph. Masson, ein Mann mit Augenmaß, der um 1780 die russischen Verhältnisse vor Ort studierte, verfasste das Werk "Geheime Nachrichten über Russland unter der Regierung Katharinas..." Paris, 1800
"Der Russe hat an nichts Interesse, weil er nichts besitzt... er lebt ohne Vaterland, ohne Gesetze, ohne Religion... er hat noch gar keinen Begriff davon was es bedeutet frei zu sein, die Erdscholle auf die er gefesselt ist zu verlassen (kann er sich nicht vorstellen....)  Er hasst alle Arbeit, weil er niemals für sich gearbeitet hat, er hat sogar noch keinen Begriff von Eigentum. Seine Felder, seine Habseligkeiten, sein Weib, seine Kinder, er selbst gehören
einem Herrn, (- einem christlichen Herrn, G. Sk.-) der in Willkür darüber schalten kann, und es auch wirklich tut...
Und dann formuliert Masson den schon erwähnten Satz:

"Die Philosophie, die seit langen Zeiten der Religion den Vorwurf macht, dass ihre eifrigsten Anhänger gemeinhin die schlechtesten Menschen sind, findet vorzüglich in Russland unzählige Gründe zu dieser schrecklichen Behauptung..." S.15 u119
Masson findet allerdings höchstes Lob für Ausnahmemenschen, wie den Moskauer Erzbischof Platon, Direktor der Akademie, der ein Mann voller Verstand und Beredsamkeit sei, der alles versuchte was in seiner Macht stand um sein Volk zu erheben... allerdings fast vergeblich, weil vor allem die Popen auf dem Land mangels Bildung nicht ausführen konnten, was er wünschte...
Viele Jahrhunderte hindurch bedeutete das Christentum in Russland selbst in Kreisen der Gebildeten nichts als eine Art Götzendienst.
Masson berichtet:
"Außer einem geweihten Amulett, das jeder Russe von der Taufe an, wo
 er es bekommt, am Halse trägt und nie ablegt, hat er gewöhnlich
noch ein Bild von Kupfer in der Tasche, das den Heiligen Nikolaus oder einen anderen Heiligen, der sein Patron ist, vorstellt. Er nimmt es mit auf Reisen. Nichts ist sonderbarer, als wenn man einem Bauern oder Soldaten zusieht, wie er seinen kleinen Gott aus der Tasche zieht, darauf spuckt, ihn mit der Hand reibt, und sich plötzlich vor ihm auf die Erde wirft,
hundertmal das Zeichen des Kreuzes macht, die tiefsten Seufzer ausstößt und seine 40 "Gospodi pomiloi" (Gott sei mir gnädig) hersagt.
Ist das Gebet zu Ende so tut er den Gott wieder in die Büchse und steckt sie in die Tasche...
Ich habe eine russische Fürstin gekannt, deren Hausgott ein großes silbernes Kruzifix war, das beständig in einem besonderen Wagen hinter ihr herfuhr, und am Abend in ihrem Schlafzimmer aufgestellt wurde. War ihr der Tag über ein Glück widerfahren, und war sie mit ihren Liebhabern zufrieden, so ließ sie eine Menge Wachkerzen um dasselbe herum anzünden, und sagte dann in einem vertraulichen Ton zu ihm: Nun siehst du? weil du dich heute gut aufgeführt hast, so sollst du auch gut behandelt warden. Die ganze Nacht hindurch sollst du brennende Wachslichter haben, ich will dich lieben, zu dir beten, du sollst mein lieber kleiner Herr Gott sein.
War ihr hingegen irgend etwas Unangenehmes zugestoßen, so durften die Kerzen nicht angezündet warden. Sie verbot ihren Bediensteten dem armen Kruzifix irgendeine Art von Verehrung zu erweisen und überhäufte es mit Vorwürfen, Scheltworten und Grobheiten." S. 132
Natürlich gab es zu allen Zeiten und in allen Religionen der Welt Priester und Gläubige die den tieferen Sinn ihres Glaubens suchten und ihm nahe kamen, nämlich, dass da ein guter Gott ist, der uns, gemäß unserem Wunsch,  zur Welt niedergeschickt hat, damit wir aus eigener Erfahrung  lernen Gut von Bose zu unterscheiden, der uns aus der Misere erretten will, indem wir seinen Geboten zur Toleranz, der Grundsatztreue und der Wahrhaftigkeit folgen.
Immer wieder, in allen Zeiten der Christenherrschaft, gab es neben dem sehr negativ überwiegenden Teil auch Positives.

 Nie werde ich vergessen, wie ich 1971, in einer Moskauer Kathedrale, an deren Namen ich micht nicht mehr erinnern kann, eine Deckenmalerei bewunderte, die 1922 oder 1924 entstand. Sie schilderte in mehreren Bildern die Geschichte von Jesus der am Brunnen eine Samaritanerin trifft und die ihn erkennt.
Großartig.
Wegen der niedrigen Decken orthodoxer Kirchen war uns das Kunstwerk besondern nahe.
In dieser Zeit herrschte Krieg und Unruhe im weiten Land. Hier aber war ein Künstler am Werk gewesen, der sich nicht ablenken ließ vom wüsten Geschehen um ihn herum.
Ich fühlte das Wahre und Echte der Glaubenswelt dieses Menschen voller Dankbarkeit, auch wenn uns Besuchern, (Erika meine Frau und ich, sowie ein ehemaliger Kriegsgefangener der ebenfalls religiös eingestellt war) seitens der Schwarz gekleideten Nonnen sozusagen das Gotteshaus verboten wurde. Die Begründung: wir wären Ungläubige.
Das war eine Kanonade wüster Ausdrücke, die auf uns herunter prasselte, die mein Freund Alfred Voß schon im Gefangenenlager gehört hatte.
Wahrscheinlich hatten die frommen Damen beobachtet, dass wir uns nicht bekreuzigten.
Und da war er wieder, dieser Mix aus Christentum und Heidentum, denn die Christen der ersten 4 oder sogar 8 Jahrhunderte haben sich niemals bekreuzigt, obwohl sie sehr an den Gekreuzigten glaubten.

File:СОБОР НИКОЛО-БОГОЯВЛЕНСКИЙ (МОРСКОЙ).jpg
Wikipedia:  Nikolski Sobor.  1973 nahm ich an zwei bewegenden Gottesdiensten in dieser Kathedrale St. Petersburgs teil.
Insbesondere beeindruckte mich am frühen Morgen ein blonder, noch junger,  hünenhafter Priester, mit welch innerer Anteilnahme er einen anscheinend bedeutenden Intellektuellen des damaligen Leningrad unter seine Stola nahm um ihm einen  Segen zu geben.
 Nochmals gesagt: Weil unter den schärfsten Kritikern des Mormonentums zwar auch einige guten Willens sind, die aber aber so gut wie ohne Hintergrundwissen dahinleben, regen sich nicht wenige künstlich auf.
Es ist wahr: da sind in der Welt des Traditionschristentums zuviele Äußerlichkeiten auf die zuviele Christen höchsten Wert legen.

Hier z.B. zeigt der berühmte russische Maler Ilja Repin eine Kreuzprozession in Kursk, die beides zum Ausdruck bringt, die Ergebenheit und Liebe des Volkes zu Christus und die übertriebene Darstellung dieser Liebe.

Bild Wikipedia


Es ist wahr, die Russisch orthodoxe Kirche hat sich seitdem sie, um 988, die byzantinische Variante des Christentums übernahm, kaum geändert, aber zu diesem Zeitpunkt war das ursprüngliche Christentum bis auf Splitterreste verschwunden:
Die Fischer und Apostel Petrus und Andreas waren zwar gebildete Leute, aber sie gingen zu keiner Zeit anders gekleidet als jeder andere Bürger ihrer Umgebung. Mit der Übernahme des byzantischen Christentums durch Großfürst Wladimir, kleideten sich die getauften Priester wie die Kaiser Konstantinopels, und das aufwendige Zeremoniell der angeblichen Gottesdienste hatte ganz und gar nichts mit dem zutun, was die Christen der ersten 300 Jahre in ihren Zusammenkünften taten. Sie hörten Ansprachen teilten das Abendmahl und hielten es für selbstverständlich, dass "Kirche" eine Schule der Tugend und der Menschenfreundlichkeit ist.

Zu den Kennzeichen aller nachkonstantinischen christlichen Religion gehörte dagegen, dass die Priester

- selbst nicht lebten was sie lehrten,
- dass sie besoldet wurden und sich gesondert kleideten
- dass sie sich als klüger als der Rest der Menschheit betrachteten und sich auch so hinstellten
- dass Menschengebote gepredigt wurden, (wie das vom Zölibat)
- dass in den Kirchen kriegerische Hetze (nicht nur zu Kreuzzügen sondern auch zum 1. Weltkrieg) betrieben wurde, (noch im 20.Jahrhundert kam es in Russland vor, dass Juden am Karfreitag um ihre Leben rennen mussten)
- Sklaverei wurde gerechtfertigt, (wie noch 1860 durch die südlichen Baptisten der USA)
- dass derjenige als Christ galt der seine Kirchensteuer zahlte und mit den Lippen bekannte, - was er dachte und plante interessierte niemanden.
- dass kaum eine christliche Priesterschaft protestierte, als etwa den Chinesen des 19. Jahrhunderts im Namen des Friedefürsten zugleich Morphium und ein vorgeblich christliches Kirchensystem gewaltsam aufgezwängt wurde. Nicht im finstersten Mittelalter, sondern noch im Juni 1858, wurde mit dem Vertrag von Tinjan das besiegte China von den christlichen Großmächten, England, USA, Rußland und Frankreich genötigt, den Opiumhandel zuzulassen um positive Handelsbilanzen zu erzielen. Gleichzeitig erzwangen diese, das Geschehen diktierenden frommen Leute, das „Recht“, die chinesische Bevölkerung zu missionieren.
Bitter ist die Erkenntnis, dass der vom Opium betäubte Chinese alles akzeptierte, sogar den europäischen Konstantinismus der ihnen als Christentum verkauft wurde.
Diese Verrücktheiten die das Leben der Christen festschrieb, sollten nur noch von denen überboten werden, die beispielsweise in China im Namen von Marx und Mao Vernunft predigten, während ihre Agitatoren selbst eine flächendeckende Politik des Wahnsinns betrieben.
Völlig unberührt von irgendeiner Art des Gottglaubens (oder Religion) drohte im Frühjahr 1969 bis zum Spätsommer jenes Jahres ein Atomkrieg zwischen zwei kommunistischen Staaten.
Angeblich ging es um eine kleine Insel im Ussurifluss, die von beiden Ländern als ihr Eigentum betrachtet wurden.
In Wahrheit aber hatten sich die Führungskader beider Länder - Breshnew und Mao tse dong -  eine Stellvertreterschlacht im Fernen Osten geliefert, die wie die Kubakrise, 1962, falls sie nicht durch John F. Kennedy und sein Team gemeistert worden wäre, ebenfalls die gesamte Welt betroffen hätte.
Die Sowjetunion unter N. S. Chrustschow wollte "die letzte Schlacht".
Erst dreißg Jahre später wurde der Fernost-Konflikt zwischen den gottlosen Verrückten Chinas und der Sowjetunion mit einem Abkommen beigelegt. 
Bild Wikipedia: Der Ussuri
 Quellen

1.)  Prof. DR.Dr.Dr. Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich -KGSaur, 2005: „Konstantin wollte sich erst spät, gegen Ende seines Lebens taufen lassen... im Jordan... wo schließlich auch der getauft worden war, der er sein wollte: Christus. Ob Konstantin je getauft wurde wissen wir nicht.
Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg - Uni Greifswald, 1954 S. 81 ff : "In Nicäa (325) … befolgte die Kirche die Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“ 
 2.) Siehe diesen Textteil das Athanasiums: ..."Denn wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der allgemeine Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen."

Donnerstag, 1. August 2013

"Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel" by Gerd Skibbe

Viele Jahre meines Lebens bildete ich mir ein, dass "Mormonismus" aus den Reihen der Christenheit bedeutende Unterstützung finden wird.

Diese Hoffnung ist dahin.

Fast alle können nicht sehen. Sie wurden geblendet. Zahllose des Schreibens  fähige Leute haben unter den 2 Milliarden Menschen die sich irgendeiner christlichen Richtung zugehörig fühlen, dunklen Nebel verbreitet, sobald es die Kirche JesuChristi der Heiligen der Letzten Tage betrifft.

Die "Mormonen" sind betrogene Betrüger!

So lautet das mehr oder weniger geheim gehaltene Urteil zehnttausender wortführender Geistlicher.
 Sie argumentieren:

- Es gibt keine neuen Offenbarungen von Gott.
Alles was er sagen wollte ist durch Christus erfüllt worden
- Vielweiberei, Tempelgeheimnisse und eine schier übermächtige Priesterschaft sprechen Bände gegen diese Sekte.
- Der Teufel muss ihr Verbündeter sein.
- Sie scheuen das Kreuz.

Andererseits können selbst unsere entschiedensten Gegenspieler sich selbst nicht erklären:

- warum die "Mormonen" keine Fanatiker sind, sondern statt dessen durch ihre Logik auffallen.
- warum "Mormonen" liebevoll und ehrlich auftreten
- warum sie im Berufsleben überwiegend erfolgreich sind.
- warum den aktiven "Mormonen" nichts heiliger ist als ihre Liebe und Treue zu ihrer Familie, dass sie ernsthaft bemüht sind die Ideale Christi zu leben, dass sie unentwegt mehr Licht suchen, dass sie bestrebt sind, dieses Licht mit anderen zu teilen.

Schreibt liebe Brüder und Schwestern. Nutzt wie unsere Generalautoritäten lehren das Internet um den Nebel zu zerstreuen.

Fürchtet euch nicht vor großen Namen von Gesellschaften die uns feindlich gesonnen sind: Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel.

"Gesegnet sind diejenigen die danach trachten, mein Zion hervorzubringen!" sagt der Herr im Buch Mormon (1. Nephi 13: 37)

"...sie werden die Gabe und Macht des Heiligen Geistes haben, und wenn sie bis ans Ende ausharren, werden sie am letzten Tag emporgehoben werden, und sie werden im immerwährenden Reich des Lammes Errettung finden, und die Frieden verkünden. ja Botschaften großer Freude - wie anmutig auf den Bergen werden sie sein."

 In einer Welt der Bomben, sozialer Ungerechtigkeiten, der Dikataturen und der gegenseitigen Untreue, der Drogen, des Alkoholismus, in der die alten Werte kaum noch geschätzt werden, sollt ihr aufstehen und die Wahrheit sagen - und nichts als die Wahrheit: nämlich dass von den Bergen das Banner der Rechtschaffenheit und der Wahrhaftigkeit wehen wird.

"Denn da ist ein Gott und ein Hirte über die ganze Erde!" 1. Nephi 13: 41

Da ist der Gott des Lichtes der den Nebel durchbricht, wenn wir tun was er sagte und als Gebot gab.

Montag, 29. Juli 2013

Im Hexenkeller Penzlin

Ingrid und ich wohnten, während unserer Missionszeit, 2004-06, sehr nahe am Penzliner Hexenkeller. Während eines abendlichen Spaziergangs kreuzten wir ungezielt eine mehrere hundert Menschen umfassende Menge anscheinend heiterer Leute.
Wie sich herausstellte, war dies eine lockere Zusammenkunft von Leuten aller denkbaren Schattierungen. Einige amüsierten sich über das angebliche Hexenwesen, andere behaupteten von sich zur Zunft zu gehören.
Wir nahmen es gelassen.
Die Menge wogte rings um jenen schrecklichen Museumskeller der Burg Penzlin, in dem Folterinstrumente zu sehen sind.
Es handelt sich tatsächlich um ein bedeutendes Museum mit originalen Plätzen in die Mönche der Zauberei angeklagte Frauen eingesperrt haben.
Noch kurz vor dem Sieg der Reformation 1525 in Mecklenburg, wurde eine junge Adlige verbrannt, weil sie eine von Luthers Schriften gelesen und dabei ertappt wurde.
Manchmal brachte ich die jungen Missionare dorthin. Junge Schwestern mutete ich zu sich auf den Nagelstuhl zu setzen.
Ich selbst am Marterkreuz, rechts der erwähnte Stuhl, die Schiene vor der Rückenlehne wurde dem Verdächtigen auf die Brust gelegt. Folterknechte drehten die Schrauben fester
Was Menschen einander antun konnten, die jedes Gefühl für Mitmenschlichkeit durch finstersten Fanatismus ersetzt hatten,  wurde hier nachvollziehbar.
Kurz darauf fand in Neubrandenburg-Mecklenburg  unsere Distriktkonferenz statt. Ich sah durch einen Fensterspalt, dass zwei oder drei Schwarz gekleidete Leute den Vorraum kreuzten.
Ich ging hinaus. Den letzten packte ich am Ärmel.
Im Gespräch ergab sich, dass die jungen Störer eine Art Mutprobe ablegen wollten, und es gehörte zur ihrer Philosophie zu beweisen, dass Böses nur durch Böses  überwunden werden kann.
Sie folgten meiner Einladung am kommenden Sonntag meine Untersucherklasse zu besuchen...
sie kamen zu dritt, dann zu viert und schließlich konnte die Vollzeitmissionare die Gruppe, der drei Mädchen angehörten belehren.
Wir waren alle überrascht wie schnell sie den gegenteiligen Sinn unserer Philosophie verstanden. Ich bin nicht sicher wieviel Licht sie empfingen. Jedenfalls waren sie am Gegenstück ihrer bisherigen Vorstellungen interessiert und zwar so sehr, dass bald darauf  zwei ein wenig zitternde Mütter dieser Mädchen in der Gemeinde erschienen:
"Wir möchten uns ein Bild machen!"
"Gerne!"
Die Mütter waren allen Ernstes in Sorge, ihre bislang mit dem Satanismus sympathisierenden Töchter, könnten von uns völlig verführt werden.
    
Sie kamen allesamt nicht wieder.

"Üb' immer Treu und Redlichkeit" by Gerd Skibbe

Das schöne Kinderlied gedichtet von dem Pfarrerssohn Ludwig Heinrich Hölty (1748 – 1776)  habe ich lange nicht gehört, außer in meiner Kirche die viele verächtlich die "Mormonenkirche" nennen. Es entspricht ihrem Geist, ihren Lehren und ihren Zielen



Ludwig Heinrich Hölty



Lehrt es eure Kinder oder schickt sie zu uns in die Sonntagschule.

Üb' immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab. 


 2. Dann wirst du wie auf grünen Au'n,
Durch's Pilgerleben geh'n
Dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
Dem Tod ins Antlitz seh'n.

3. Dann wird die Sichel und der Pflug
In deiner Hand so leicht,
Dann singest du beim Wasserkrug,
Als wär' dir Wein gereicht.


4. Dem Bösewicht wird alles schwer,
Er tue was er tu,
Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
Die Nacht ihm keine Ruh.

 5. Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
Ihm lacht kein Ährenfeld,
Er ist auf Lug und Trug erpicht,
Und wünscht sich nichts als Geld.

6. Der Wind im Hain, das Laub im Baum
Saust ihm Entsetzen zu,
Er findet, nach des Lebens Raum
Im Grabe keine Ruh.

7. Drum übe Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab!