Sehr wenige Zeitgenossen kennen die Hintergründe für die Entstehung sowie die Ursachen für die Notwendigkeit des Fortbestandes der NATO. Als damals 18-jähriger, sensibler Zeitgenosse erinnere mich und euch: Am 24. Juni 1948 sperrten sowjetische Truppen alle Zufahrtswege nach Westberlin. Die Versorgung der dort lebenden 2.2 Millionen Menschen war gefährdet. Hauptsache für den Personenkreis um den obersten deutschen Kommunisten, Walter Ulbricht, war die Idee, dass die „Amis“ kapieren sollten, dass sie damit massiv aufgefordert sind nachzugeben, um ihren Platz zu räumen. Das war der Fehdehandschuh, der den westlichen Mächten vor die Füße geworfen wurde. Das war ein klarer Rechtsbruch. Das war der eigentliche Beginn des Kalten Krieges. Die Stalinregierung setzte diesen Schritt, weil Walter Ulbricht, damals Generalsekretär der SED, der Noch-Ostzone sehr wohl wusste, dass die Anwesenheit von „Westtruppen“ mitten im Körper der bald zu gründenden DDR ein Störfaktor sein würde, - der voraussichtlich peinigende Splitter im Fleisch des Ostens. Dem galt es aus kommunistischer Sicht vorzubeugen.
Das geteilte Deutschland zwischen 1945 und 89.
Inmitten des roten Ostens lag Westberlin. In den drei Westsektoren gab es zu
dieser Zeit nur 12 000 Soldaten insgesamt. Davon waren etwa die Hälfte US-amerikanische Militärs. Denen
gegen-über standen rund 200 000 sowjetische Truppen die Berlin umrundeten und
weitere 180 000 auf ostdeutschen Boden mit 7 500 Panzern und 800 Bombern
einschließlich Jagdflugzeugen. Das US-Establishment wurde damals auch von
Historikern darauf hingewiesen, dass die III. Internationale bzw. die Komintern
zwar am 15. Mai 1943 durch Stalin offiziell aufgelöst wurde, (auch um
die Sorgen der Alliierten (USA und Großbritannien) zu dämpfen: Russland suche
die Weltherrschaft auf ihre Kosten - um deren massiven Waffen- und
Lebensmittelzüge nicht zu beeinträchtigen. Aber das Ziel, das die
Kremlunterstützer die „Weltrevolution“ nannten, hätten sie nie aufgegeben. Die
von Karl Marx ausgegebene Parole: „Proletarier vereinigt euch“ wirke fort, und
es käme hinzu, dass der Panslawismus nicht tot sei.
Prof. Beier-Red und andere kommunistische Zeichner, stellten damals mehrere Karikaturen her, die dazu passten, einige die spaßig aussahen und todernst gemeint waren: Genosse Lenin fegt seine „Klassenfeinde“ vom Erdball.
Das Kalkül des
Kremls, soweit es Berlin betraf war für jedermann durchschaubar: Wenn
2 Millionen Menschen nach Brot rufen, das Westberlin nicht aus eigenen
Möglichkeiten zur Verfügung stellen kann, dann spätestens, muss die DDR
einspringen und die Versorgungslücke schließen. Damit und danach gewinnen die
Roten zunehmend an Einfluss.
Der
US-Militärgouverneur Lucius D. Clay agierte nicht kopflos wütend, sondern
entschlossen und angemessen klug. „Er initiierte umgehend eine Luftbrücke, „da
eine militärische Durchbrechung der Blockade zu riskant war.“
Diese
Variante erschrak die Ostplaner. Für sie war es unvorstellbar, dass der weite
„Westen“ Milliarden Dollar opfern könnte, um ihre ohnehin kostspielige Position
zu halten. Und doch war er so. Eingeflogen werden mussten Nahrungsmittel,
Brennstoffe, Maschinen und anderes. Welche Logistik, im Minutentakt
mussten Flugzeuge landen, entladen werden um wieder zu starten.
Und es gab
zuvor einen zweiten Punkt des russischen Pokers: Noch war die Stimmung
gegenüber den Besatzermächten in Ost und West nicht gut. Noch lagen, zu dieser
Zeit, auch in Berlin, große Stadtteile in Trümmern. Noch lebte in den Köpfen
das Urteil „Amerika samt England sind Feinde“. Sie haben nicht
nur diese Stadt zerstört.
Es war Gail Halvorsen ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der mittels einer umgesetzten guten Idee, einen entscheidenden Anteil zur Verbesserung des Verhältnisses beitragen sollte. Er „bombardierte“ nun, 1948, die Stadt mit Süßigkeiten. Candybomber wurde er genannt. An kleinen Faltschirmen befestigt hingen Schokoladen.
Oft sind es nur scheinbare „Kleinigkeiten“ die das Gute bewirken.
Das Ringen um die weltweite Vormacht ging fort, Woche für Woche. Weltweit zischte es anti-amerikanisch:
Im September berichte der Spiegel 9-1948:
„Das russisch besetzte Nordkorea wurde zur »Volksrepublik« ausgerufen. Mit
eigener Verfassung, einem 200 000-Mann-Heer und Hammer und Sichel als
Hoheitszeichen. Die politische Taufe des längst geborenen Bankerts Nordkorea
ist ein erstes offenes „Gardez“ (ein Ausdruck der im Schach verwandt
wird) der Russen an die UNO. In Moskau waren die Alliierten
übereingekommen, nur eine gemeinsame Regierung für das russischbesetzte
Nordkorea und das amerikanische Südgebiet zuzulassen. Einer UNO-Kommission, die
dazu freie Wahlen durchführen sollte, wurde die Einreise in die russische Zone
verboten… Die neugebackene Volksarmee Nordkoreas marschierte im
Paradeschritt durch die ebenfalls neu gebackene Küstenhauptstadt Gensan. Über
hundert russische Offiziere auf der Ehrentribüne salutierten. Auch zwei
amerikanische Verbindungsoffiziere waren gekommen. Sie bereuten es bald. Eine
aufgeputschte Menge riss ihnen die Uniformen vom Leibe und prügelte auf sie
los. Die Russen salutierten ungerührt weiter. Der US-Oberbefehlshaber in Korea,
General John Hodge, protestierte bei seinem russischen Kollegen…“
Ununterbrochen
liefen sowohl im Westen wie im Osten die Propagandamaschinen. Beide wurden
nicht müde alles Östliche beziehungsweise Westliche zu
diskreditieren. Wir nahmen sehr wohl wahr, dass die Westversion
menschenfreundlicher wirkte. Plump dagegen erschien uns alles Kremlnahe, das in
den Fantasiehimmel gehoben wurde. Jeden Tag, Jahr für Jahr erschienen die
Meldungen der Ostpresse und des Rundfunks durchweg in Schwarzweiß. Wenn im
roten Prag eine Modenschau stattfand dann war das ein Zeichen der Lebensfreude,
aber wenn in London die Königin mit einer goldenen Kutsche ausfuhr, sollte das
als Ausdruck reiner Dekadenz gelten. Uns schien es oft, als genüge nur ein
Missverständnis und Schwarz würde auf Weiß in aller Russlands Wunden die ihnen
der Krieg zu gefügt hat, waren nicht geheilt. Seit Hiroshima fürchteten beiden
Seiten ihr jeweils feindlicher Gegenüber würde zum Härte aufprallen. Im Osten wurden die
Getreideernten noch eingebracht wie im Mittelalter, während drüben Mähdrescher
zur Alltäglichkeit gehörten. Wir lebten mit der Unsicherheit. Einerseits wären
wir nicht überrascht, wenn Westberlin angegriffen würde, andererseits war klar,
dass dies nicht ohne Weiteres geschehen könne. Letzten aller Mittel
greifen. Die Vorstellung einer atomar verseuchten Welt erschreckte selbst die
härtesten Machtidioten. Rein zahlen-mäßig sah es zwar wie ein Kinderspiel aus,
die bereitstehenden Divisionen im Zeichen der Sowjetflagge einzusetzen um die
Alliierten aus der ehemaligen deutschen Hauptstadt zu vertreiben. In den drei
Westsektoren gab zu dieser Zeit nur 12 000 Soldaten insgesamt, davon etwa die
Hälfte US-amerikanischer Militärs. Denen gegenüber standen rund 200 00
sowjetische Truppen die Berlin umrundeten und weitere 180 000 auf ostdeutschen
Boden mit 7 500 Panzern und 800 Bombern einschließlich
Jagdflugzeugen. Prof. Beier-Red – möglicherweise aber ein anderer
unter den kommunistischen Zeichnern – stellte damals mehrere Karikaturen die
dazu passten, die spaßig aussahen und todernst gemeint waren. Eine davon
zeigte einen auf dem Nordpol des Globus sitzenden Rotarmisten, er steckt den
Schaft der mit Hammer und Sichel bestückten roten Fahne in den Bauch der Mutter
Erde. Er, mit der Budjonny-Mütze, hat auf ihr Besitzerrecht im Wortsinn, Uncle
Sam dagegen nicht, der sich sorgenvoll den Kopf kratzt, denn seine Position auf
dem Erdball wird ihm von dem kess lächelnden Sowjetmenschen definitiv strittig gemacht.
Frechheit siegt. Der Russe macht, dass der Ami abrutschen muss, von diesem
Erdball, denn dieser Ball bietet nur eine einzige Sitz- und Bleibemöglichkeit.
Der Amikapitalist ist dazu verurteilt die Erde für immer zu verlassen.
Eine andere
Karikatur zeigt Lenin der den Erdball von Ungeziefer reinigt.
Unerwartet
sagte mir eine Pädagogin meiner Kirche Ungutes voraus. Sie wusste, dass ich hin
und hergerissen war, sobald mir eine Dorfschönheit ihre Liebe anbot, was nicht
gerade selten vorkam. Selbst Vater, der immer noch gegen seine Depressionen
ankämpfte, musste etwas bemerkt haben. Gelegentlich erhob er sich für einen Tag
vom Lager und nahm vorübergehend am Leben teil. Er fasste es in die
Worte: „Was finden die Weiber an dir kleinem Kerl?“ Recht
hatte er, was meine Länge betraf. Ich war nur 1.65 groß. Allerdings immer
lebhaft und positiv. Die unverheiratete Dame die über bemerkenswerte
Sprachkenntnisse verfügte, urteilte oder spekulierte gern über die Zukunft
anderer, auch über die meiner Freunde. Mir sagte sie: „Für dich wäre es
das Beste, du stirbst früh.“ Wie ein Blitz traf es mich. Das musste
ich hinnehmen. Darüber konnte ich nicht lachen. Ich sehe mich am Karfreitag 48
in der ersten Reihe des Opernhauses Rostock sitzen, um gegen geringes Entgelt,
Richard Wagners „Tannhäuser“ zu hören. Machtvoll drangen die Worte: Hoch
über aller Welt ist Gott Und sein Erbarmen ist kein Spott!“ Der
wegen seiner Liebesaffären büßende Tannhäuser suchte und beschwor die
Vergebung.
Ich heulte
buchstäblich in mich hinein. Wochenlang! Bis ich trotzte. Nein, noch hatte ich
mich nicht, wie Tannhäuser, in den Venusberg begeben, auch wenn es die
Versuchung gab: direkte Einladungen zu amourösen Abenteuern. Und
Die Kritik,
die NATO-Osterweiterung habe rote Linien überschritten. beweist zweierlei: Es
ist entweder das Nichtwissen oder die Ignoranz bezüglich des klar zum Ausdruck gebrachten
Willens des jeweiligen Volkes.
Unleugbar kam
der kaum zu beugende Willen der Mehrheit der Bevölkerung der Ukraine in 2 Referenden
zum Ausdruck. Am 17. März 1991 fand die 2. Befragung statt. Selbst in den heute von der Russischen
Föderation beanspruchten Ostgebieten stimmten mehr als 83 % der Wähler für die
Unabhängigkeit.
Weitere praktische
Beispiele des Volkswillens zur Selbstbehauptung und deren Bedürfnis nach
Schutzsuche bieten uns Polen und Finnland.
Polen
Der Hitler-Stalin-Pakt von August 1939 sollte einen 10-jährigen
Frieden zwischen beiden Ländern garantieren.
Dieser Pakt enthielt jedoch
ein geheimes Zusatzprotokoll, das die Aufteilung der Interessensphären in
Osteuropa festlegte:
Das geheime
Zusatzprotokoll vom 23. August 1939 zum Nichtangriffspakt#
Millionen Europäer wurden damit mittels eines einfachen Handschlags
zweier hochkrimmineller Politiker, wegen der ungleichen Machtverhältnisse,
wehr- und partiell rechtlose Subjekte Hitler oder Stalins: Deutschland
sollte Westpolen und Litauen erhalten, die Sowjetunion Ostpolen, Finnland,
Estland, Lettland und Bessarabien (Teil des heutigen Moldawiens).
Die blutige
Umsetzung dieser Vorsätze ist unvergessen, wie der Holocaust und der Holodomor.
Hitlers Armeen überfielen Polen bekanntlich unter Vorspielung falscher
Tatsachen – Stichwort: Sender Gleiwitz - am 1. September 1939 – eine Woche nach
der Unterzeichnung des Paktes.
Stalin befahl zwei Wochen später, die Eroberung Ostpolens am 17.
September. Das geschah unter dem Vorwand Russen und Ukrainer die dort lebten zu
schützen, Folge dessen kapitulierte Polen am 6. Oktober 39.
Die Furcht
vor Stalin und der Hass auf sein System wuchsen, als immer mehr Polen vernahmen
was sich im Frühjahr 1940 zu Katyn, sowie anderen Orten der Sowjetunion ereignete.
Mehr als 22 000 polnische Gefangene wurden – wie heute bekannt und belegt ist,
mit Zustimmung des damaligen sowjetischen Politbüros - erschossen. Michail
Gorbatschow räumte am 13. April 1990 "die sowjetische
Verantwortung für diese Massenmorde ein. Die Ministerpräsidenten Russlands und
Polens, Wladimir Putin und Donald Tusk gedachten 2010 in Katyn erstmals
gemeinsam der Verbrechen. Noch lebende Täter wurden jedoch strafrechtlich nicht
verfolgt." Polskie
Towarzystwo "Zgoda" w Zurychu
1.
Finnland
-
Im Herbst 1939 forderte die Sowjetunion von ihrem Nachbarland
Nachbarland Finnland Gebietsabtretungen im karelischen Raum. Es ginge der Sowjetregierung um mehr
Sicherheit für Leningrad.
-
-
Am 3. November 1939 behauptete der sowjetische
Außenminister Molotow, Finnland hätte kriegerische Absichten
gegenüber den Sowjetstaat, der über 700 000 einsatzbereite Soldaten verfügte,
während die Finnen, ohnehin waffenmäßig weitaus schlechter ausgerüstet
dastanden, lediglich 250 000 Verteidiger (einschließlich Reservisten) ins Feld
führen konnten. Die antimilitaristischen Sozialdemokraten Finnlands hatten sich
zuvor gegen ein größeres Militärbudget ausgesprochen.
-
Den 3.7 Millionen Finnen standen 170 Millionen der SU gegenüber.
(2022: 144 Mio)
-
Die Rote Armee inszenierte am 26. November 1939 im sowjetrussischen
Dorf Mainila einen Zwischenfall. Der Grenzort wurde tatsächlich beschossen.
„Angeblich von finnischer Artillerie.“.“ William R.
Trotter: The Winter war: The Russo-Finnish War of 1939–1940.
Die internationale Geschichts-Forschung weiß, dass es umgekehrt war.
-
Vier Tage später wurde Helsinki mit Streubomben aus der Luft
attackiert. Die Finnen sagen es sollten
viele Zivilisten getroffen werden um die Bevölkerung zu demoralisieren.
Wikipedia schreibt: Weltweiten Protesten gegen diesen
rücksichtslosen Terror begegnete der sowjetische Außenminister Molotow mit der
Erklärung, das seien doch Brotsäcke, welche die sowjetischen Flugzeuge für die
hungernde finnische Bevölkerung abwerfen würde. Von nun an nannte man die
Streubomben Molotows Brotkörbe. Und später warfen die Finnen mit Benzin und
Diesel gefüllte Flaschen auf die sowjetischen Panzer. Diese selbstgebastelten
Brandwurfsätze nannten sie dann „Molotow Cocktail“
Im Mai 1940 kam es zum Friedensvertag von Moskau. Finnland verlor zwar
große Teile Kareliens, konnte aber die vollständige Unterwerfung verhindern,
Dass die Finnen nach Beginn des Ukrainekrieges. 2022, Schutz vor bösen
Überraschungen suchte, ist verständlich:
„Nach zweitägigen Debatte sprachen sich … 188 Abgeordnete für einen
Mitgliedsantrag in dem Verteidigungsbündnis (Nato) aus, 8 votierten dagegen.“ RedaktionsNetzwerk
Deutschland
Am 4. April 2023 erfolgte der Beitritt.
Der Koreakrieg
1950-1953 weitete meinen Horizont beträchtlich. Zu Beginn 20-jährig und auf dem Weg mich positiv Moskau
zuzuwenden, wurden wir FDJ-Sekretäre im Prenzlauer Kino zusammengerufen. Uns
wurden Anfang August angebliche Beutefilme vorgeführt. Sie sollten beweisen,
dass die Südkoreanische Armee mit Unterstützung dort stationierter USA-Militärs
das friedliebende Nordkorea, am 25. Juni angegriffen hätten. Wir sollten
glauben, dass die westlich orientierten Aggressoren binnen drei Tage um 50 km
in ganzer Frontbreite zurückgedrängt worden seien. Im August beherrschte die nordkoreanische
Armee fast die gesamte Halbinsel. Es gab zuvor eine UN-Resolution. Hilfstruppen aus vielen Ländern landeten im
noch freien Südbereich, wurden aber zurückgeworfen. Nur im äußersten Süden des
Landes in Busan kamen die Amerikaner ins Spiel. Sie drehten den Verlauf des
Krieges und drangen bis Dezember desselben
Jahres bis zur chinesischen Grenze vor. Ich erkannte noch während der Filmzeit im
Kino, das die Kommunisten logen. Das bremste meinen Eifer erheblich. Ich hatte
nicht vergessen, dass die Deutschen im Juni 1941 Sowjetrussland überrennen konnten,
weil das Land darauf nicht vorbereitet war.
Meine
eigene Sichtweise:
Die in
meiner Heimatstad Wolgast in vorhandenen Schaukästen ausgestellte „Tägliche
Rundschau“, verfasst von deutschsprachigen Autoren unter kommunistischer
Führung, ermöglichten mir bereits im Sommer 1945 einen tieferen Einblick ins
Tagesgeschehen.. Ich konnte zwischen den Zeilen lesen.
Obwohl
durchaus ein schlechter Schüler, erkannte ich, als erst 15-jähriger, die
antiamerikanischen Untertöne, oder das was zwischen den Zeilen geschrieben
stand. Das „Westfeindliche“ fand ich ebenfalls in der Nummer 18 dieser Zeitung
vom Juni 1945. Dort wurde ein Dankesbrief des tschechoslowakischen Präsidenten
Eduard Benesch an Stalin veröffentlicht: Benesch lobte die Leistungen der
Sowjetunion überschwänglich: „Sie haben seit jeher alle Lasten getragen …
mit ungeheurer Kraft machte sich die gesamte Sowjetunion an die Arbeit, die
Rote Armee mit allem Nötigen zu versorgen!“ Das parteiische
Bemühen östlicher Artikelschreiber bestand darin, unsere Sichtweise zu trüben
und uns fortan von den wesentlichen Fakten abzulenken. Einmal zählte ich sie
selbst: die 500 Transportflugzeuge, die im Winter 1944/45 von West nach Ost
über unsere Köpfe hinweg flogen. Bald erfuhr ich mehr von den ersten
Verwundeten, die aus Kriegsgefangenenlagern
freigelassen wurden: Im Sommer 1941 blickte Stalin hilflos in den Abgrund des
drohenden Zusammenbruchs seines Landes und seines Systems. Unerwartet sicherten
ihm seine Erzfeinde, die USA und Großbritannien, Unterstützung zu.
Bereits eine
Woche nach Kriegsbeginn von „Juni 1941 bis September 1941 bekamen die
Russen 17,5 Mio. Tonnen Güter, gebracht in 2.770 Transportschiffen.“ Redaktion
Zukunft braucht Erinnerung vom 11. Juli 2022
Das erfolgte
auf der Basis des „Leih-Pacht-Gesetzes“ der USA
Allein die
Vereinigten Staaten von Amerika lieferten der Sowjetunion bis mindestens Mitte
1945 vier Millionen Tonnen Lebensmittel, 15 Millionen Paar Stiefel, 400.000
Jeeps und Lastwagen sowie 13.000 Lokomotiven und Güterwagen. 4.000 Bomber,
10.000 Jagdflugzeuge, 7.000 Panzer, 130.000 Maschinengewehre, 78.000 Jeeps,
220.000 Studebaker-Lkw zum Transport der Mehrfachraketenwerfer (Stalin-Orgeln)
und vieles mehr.“ Mark
Harrison: „Soviet Planning in Peace and War 1938–1945“. Cambridge 1985.
„Mehr als jedem anderen
Regierenden der Welt hat man ihm (Stalin) den Sieg über Hitler und den
Nationalsozialismus zugeschrieben“ Bundesstiftung
Aufarbeitung
Ohne die, allerdings nicht
selbstlosen, Hilfeleistungen der West-Alliierten hätte Russland den Krieg
verloren. (Die Sowjetunion hatte sich verpflichtet nach dem Krieg ihre Schulden
in Form von seltenen Metallen, zurückzuzahlen. Aber die vereinbarten Rückzahlungen
erfolgten in Raten und wurden nie ganz beglichen)
Die Sowjetunion rüstete nach
1945 auf, trieb die Raketenentwicklung voran kombiniert mit der Entfaltung
ihres Atomprojekts. Am 20. August 1945 wurden ein Spezialkomitee und die
Erste Hauptabteilung eingesetzt.
Im 3. Vers
der „Internationale“ erscheint der Satz: „Diese Welt wird unser sein“
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