Samstag, 16. Februar 2013


Mein Kritiker und Freund Axel gab mir gerade jetzt eine fragwürdige Antwort auf meine

Nicht- “Zustimmung zur vollen Gleichberechtigung zwischen hetero-, homo- und bisexuellen Partnerschaften.” (siehe Blog "Bemerkenswert" sowie den Kommentar des Anonymus Axel)  Dazu später mehr.

und 2.) führte Anonymus aus:
Abgesehen von orthodoxen Mormonen akzeptiert niemand den Anspruch der Mormonen, die "wiederhergestellte" Urkirche zu sein. Dies trifft auch auf die mormonische Interpretation der Urkirche zu.

Sprechen wir zunächst über 2.

Selbstverständlich erwarten wir keine Zustimmung von außen, wenn es um unsere Sichtweise zum Thema Abfall und Wiederherstellung geht.
Das haben wir auch gar nicht nötig!

Ich habe in den letzten sechs Jahren 5 600 Dokumente gelesen die sich mit diesen Fragen beschäftigen, darunter 120 moderne Dissertationen, Fachartikel und Diplomarbeiten.
Indirekt zeigen sie allesamt in unsere Richtung, nicht umgekehrt!

Wir haben es also grundsätzlich nicht mit meiner unmaßgeblichen Meinung zu tun, sondern mit Resultaten modernen Geschichtsforschung! 

Die Ausgangsfragen der Geschichts- und Theologiestudenten lauteten: wie sah sie aus die Urkirche, welche Lehren dominierten; welche wurden eingefügt?

Sprechen wir über die Forschungsergebnisse:

Zunächst rücken die Namen Origenes (185-254), Irenäus (135-202), Hippolyt von Rom (170-235)  in den Vordergrund.

Das es sich bei ihnen keineswegs um leichthin gewählte Leute handelt, sondern um Schwergewichte belegte ich bereits in meinem Buch “Streifzüge durch die Kirchengeschichte – aus dem Blickwinkel eines Mormonen”. 
Es ist im Internet frei abrufbar.

Hier nur die wichtigsten Zusammenfassungen:
  1. Origenes war in seiner Zeit der anerkannte Schiedsrichter in Glaubensfragen. Er zeigt uns die Basislehren der Urkirche.
    In fast jedem Fall wurde sein Spruch – was die Originallehren betrifft – von den jeweiligen Gemeinden Palästinas, Afrikas, des griechischen Sprachraumes und in Rom ! akzeptiert. Damit wird zumindest die unmittelbare Nähe zum Urchristentum belegt, das von Beginn an unter vielen offenen Fragen litt, so dass es sehr schnell zu Absplitterungen kam, denn das ist unwiderleglich korrekt: Niemals hätte irgendjemand klare Linie halten können, hätten ihm die Bischöfe widersprochen! Dieses Argument wiegt.
  2. Nicht nur der katholische Kirchenhistoriker Ludwig Hertling SJ bestätigt mit Imprimatur des Vatikans, dass “Origenes niemals die Absicht hatte, von der Lehre der Kirche abzuweichen!” (1) 
    Auch Autoritäten wie Adolf von Harnack, Prof. Hans Küng, sowie zahlreiche andere Fachleute verweisen immer wieder auf Origens wie auf den Ausschlag einer Kompassnadel.
    Sogar Papst Benedikt XVI. sagte in seiner Generalaudienzen vom 25. April 2007 und 2. Mai 2007 ähnliches: “Ich lade euch ein... die Lehre dieses großen Meisters (Origenes) im Glauben in euer Herz aufzunehmen.”
    Andererseits lehrt katholische Theologie keineswegs origenistisch! und zwar bezogen auf die nächsten 16 Punkte!
  3. Dies ist insofern bedeutend als Origenes Hauptlehren lediglich von der Kirche Jesu Christi der HLT vertreten werden. (Hier sind die 16 auf die ich Bezug nehme) Sie bilden einen Komplex, passen nahtlos zueinander.)
  4. Origenes lehrte:
    a) „Im Urzustand - in der Präexistenz - waren alle Logika körperlose Geister und als solche Götter, die dem Logos als Trabanten anhingen... Nach dem Vorbild des Logos (Christus), der selbst das „Bild Gottes“ nach Genesis 1:26 ist, hat Gott soviele Logika (Menschenseelen, eigentlich Geister, G.Sk.) erschaffen, (besser ausgedrückt: ‚geformt’ G.Sk.) wie er mit seiner notwendig begrenzten Vorsehung regieren kann.“ (2)  
    b) Nur ‚Mormonismus’ und Origenes sprechen von den ewigen Menschengeistern als “Intelligenzen”, besser gesagt der Kern des Menschengeistes ist Intelligenz, die unerschaffbar, ewig ist. (Etwas das die Quantenphysik bestätigt.) lt Lehre und Bündnisse 93: 29-30: „Intelligenz oder das Licht der Wahrheit wurde nicht erschaffen und könnte auch nicht erschaffen oder gemacht werden.“
    Auch später noch tritt der Begriff Intelligenzen leicht variiert auf: “nobilitas ingenita” - Das lateinische Würterbuch belehrt uns : nobilitas ingenita ist der Geburtsadel. ingenitus a um - angeboren, unentstanden
    Nur die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lehrte 1830, dass „der (uns innewohnende unsterbliche ewige) Geist, der nobilitas ingenita, aus einer höheren Welt stammt, dass wir dort eine bewusste und bedeutende Existenz hatten.
    Köstliche Perle“ Buch Abraham, 3 bestätigt die Lesart: „Der Herr hatte ...Abraham, die Intelligenzen gezeigt, die geformt wurden ehe die Welt war...“ bzw.
Ungewollt unterstreicht die Feindesseite die Tatsache, dass es noch im 6. Jahrhundert üblich war an die Vergottung des Menschen sowie an dessen Präexistenz zu glauben: Der Text der Verurteilung des Origenes durch Kaiser Justinian 543, auf der Ostsynode der Kirche, spricht für sich: (Bedauerlich, dass die Verfluchung, für alle Großkirchen praktisch immer noch gilt:)
Wenn einer sagt oder dafürhält, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie früher Intelligenzen und heilige Mächte gewesen seien; ... so sei er im Banne....“ Horst Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller – Theologische Realenzyklopädie - 2000 - Religion – S. 3 Google Books Result

Dass dieser Mann, der Verflucher Justinian, Nordafrika und Italien mit verheerendem Krieg überzog, dass er die Juden zu zweitklassigen Menschen degradierte, und die darunter bis heute leiden,


Bild Wikipedia: byzantisch-christliche Truppen sollten das Reich der arianischen Goten zertrümmern, nicht weil sie Unrecht verbreiteten, sondern weil Justinian, der von zahllosen Christen hochgelobte "Allmächtige" jede andere Religion als seine konstantinisch-katholische auslöschen wollte und zwar samt Kind und Greis. "Vernichten!" hieß sein Befehl.

dass er den Fluch totaler Unfreiheit über alle Menschen seines Imperiums brachte, indem er jeden unter Todesandrohung zwang "Christ" zu werden und zu bleiben, all das hat wenig Bedeutung für diejenigen, die ihn für einen guten Christen halten (halten wollen).

Schon F. Diekamp (“Die originistischen Streitigkeiten im 6. Jahrhundert”) hatte vor über einhundert Jahren herausgearbeitet, dass es zu byzantinischen Zeiten, auch mit Blick auf die in Byzanz unbeliebte Lehre vom präexistenten Dasein des Menschen, eigentlich um gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen ging, ist zwar allgemein bekannt, wird aber unterdrückt. 
Justinian I. lenkte mit blindem Eifer alles in seine Richtung, aber klar contra Urkirche bzw. Origenes. 
Und dies sei nie vergessen: Justinian operierte in Hauptsachen gegen Papst Vigilius der fast gewaltsam nach Byzanz transporiert wurde um etwa zu unterschreiben von dem er nicht überzeugt war. 

Das Bild passt leider, die Origenesablehnung durch die Großkirchen, ist Basis ihrer in jedem Luftzug sich verbiegendenTheologie! 
Kein Wunder, dass vor allem evangelische Grundlehren nie in sich selbst schlüssig waren, nie auch nur annähernd rund, nur noch reine Gedankenspielerei die niemanden je befriedigen konnte.
Jetzt da Internetauskünfte zum täglichen Gebrauchsgut wurden, erkennen selbst die Gutgläubigsten, dass die ihnen oktruierte Christus-Weltanschaung Humbug ist.  Sie ist kraftlos und sinnlos:

Der evangelische Pfarrer E. F. Klein forderte vor rund  100 Jahren, in seinem Werk "Zeitbilder der Kirchengeschichte":

"Religionen die keine sittlichen Kräfte zur Selbstüberwindung verleihen können, haben keine Berechtigung"

 
Die sich hochtrabend "Weltanschaungszentralen" nennenden Institute sind dazu da, Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sie eine offene Diskussion mit uns ablehnen.

Jeder weiß es: die Origenesverfluchung  war vordergründig politisch motiviert.
 
Felix Gietenbruch ev. Theologe mit Lehrberechtigung erläuterte dagegen bereits 2008 in Der Sündenfall ein sinnvoller Mythos“ Kirchenbote lokal:
Nach der Lehre Adams ist jeder Mensch Adam und ist aus der Sphäre des Paradieses gefallen..."
Präexistenz meint, dass wir als handlungsfähige geistige Wesen schon vor unserer Geburt existierten... in dieser Vorexistenz haben wir uns alle eigenverantwortlich von Gott entfremdet...
Ich denke, heute wird uns mehr und mehr bewusst, dass auch das christliche Abendland neu darüber nachdenken muss.“

Mir scheint, die Verfluchung des Origenes, sowie die durch ihn bewahrte Präexistenzlehre der Alten Kirche, durch die Ostsynode von 543, steht in direktem Zusammenhang mit dem konstantinischen Größenwahn Justinians. Er wollte, wie dieser der Größte sein... - eine Idee die in der Welt üblich ist, die aber in einer Kirche die den Anspruch erhebt christlich zu sein, keinen Platz haben darf, weil Kirche Christi  ihrem innern Wesen nach auf die Gleicheit aller ausgerichtet ist. Verlässt sie diesen Boden, fällt sie in ungeahnte Tiefen. Schon wie Kaiser Justinian sich sechs Jahre zuvor in die noch nicht komplett fertiggestellte Haggia Sophia hineinfahren ließ und prahlte: er hätte den Tempelbauer Salomo übertrumpft. Das kennzeichnet ihn. Justinian wollte mit niemandem teilen. Die Gleichheitsidee aller Christen war ihm ein Dorn im Auge... Ihm konnte Origenes Aussage nicht gefallen:
Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes (G.S.: “im 2. Stand, nämlich nach dem Fall, durch den wir den 1. Stand verloren”) und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.” (3)  
Wenn jemand Anspruch darauf hatte Gott ähnlich zu werden, dann war er - Kaiser Justinian - das, wie er meinte, er der letzte, aber erfolgreiche Zerstörer des Individualrechtes (mit Codes J. I.10, 11: “Abfall von der Kirche wird mit der Todesstrafe geahndet”, darin noch rigoroser als Ambrosius mit Cunctos populos, - ihm (Ambrosius) und nicht Theodosius schreibe ich das Edikt zum Glaubenszwang zu - wie er Justina, die arianische Witwe Kaiser Valentinians, nach dessen plötzlichem Tod misshandelt, wie er kurz zuvor Gratian in den Bruderkrieg gegen die arianischen Goten gehetzt hatte, mit seinem Buch “De fide”, usw ., das passt zueinander.

Gerade eben erhielt ich das Buch des Theologen Felix Gietenbruch, “Höllenfahrt Christi und Auferstehung der Toten” Lit-Verlag 2010. Unumwunden legt er dar, dass die Lehren der Großkirchen in bezug auf die Auferstehung der Toten “zu einem statischen und passiven Geschehen verkommen” sind.
In den beiden Kapiteln “Die Frage nach der Wahrheit” sowie “Parapsychologie und transzendenzoffenes Wirklichkeitsverständnis” setzt Gietenbruch sich wissenschaftlich mit den Kritikern auseinander die “die logische Zusammenschau der Fakten” ablehnen, obwohl alles “dafür spricht, dass der Geistleib und die jenseitige Wirklichkeit eine feinstoffliche Realität haben.”

Fortsetzung folgt

 

Quellen:


1,) L. Hertling „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ mit Imprimatur Romae, 27. Nov. 1981 Morus-Verlag, Berlin
2.) Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, dritte, Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1692 – 1702,
3.) H. Benjamin “Eingeorndete Freiheit, Freiheit und Vorsehung bei Origenes” E. . Brill.1994, S. 13 

Donnerstag, 14. Februar 2013

Jareditische Schiffe mit Loch im Bauch


Jeder glaubt zu wissen, dass ein (belastetes) Schiff mit einem Loch im Rumpf absaufen muss, aber nur wenigen ist klar, dass es anders nicht ging.
Immer wieder mal macht sich jemand lustig über das Buch-Mormon-Zitat:

"und der Herr sprach zu Jareds Bruder: Siehe du sollst ein Loch im Oberteil machen und auch im Boden (des Schiffes)..." Ether 2: 20

Alle Fischer nutzten seit eh und je Schiffe mit Unten-Löchern, wenn sie ihren Fang lebend nach Hause bringen wollten. Der Schacht macht es möglich.

Da müssen in den jardeditischen Booten zwei  Ebenen gewesen sein, die obere für die Menschen, die untere für die Tiere. Die Entsorgung erfolgte ganz einfach. Die Tiere befanden sich auf einer leicht schiefen Ebene die sich dem Schacht zuneigte. Sobald der Schachtdeckel entfernt wurde schüttete man allen Unrat ins Wasser, wo er bald verschwand, dann zog man Wasser heraus und konnte völlige Sauberkeit für die Passagiere beider Decks gewährleisten. Brauchwasser ohne Ende.
Das Süßwasser kam per Regenschauer und Verdunstung.
Ganz einfach.

Mittwoch, 13. Februar 2013





 Auch Prominente beklagen die Unmöglichkeit in einen „Mormonentempel" zu gehen...

 Kaum Kultusministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern geworden, gab die Theologin und Ehefrau eines prominenten evangelischen Geistlichen der Landeshauptstadt Schwerin, Frau Regine Marquardt, der "Schweriner Volkszeitung" vom 26. Januar 1996 ein Interview zum Thema Sekten, als Begleitung zu ihrer neuen Info-Broschüre.


    
         




Obwohl bereits seit 3 Jahren eine Sektenbroschüre existierte, herausgegeben von ihrer Vorgängerin - in der die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nicht aufgeführt wurde - und die gerade erst in die Jugendämter gelangt war, sah Frau Kultusministerin Marquardt sich genötigt eine Broschüre des gleichen Inhalts, aber erweitert um das Kapitel "Mormonen" auf Kosten des Bundeslandes, drucken zu lassen.




Außer mir protestierten zwei weitere Mitglieder, darunter Stephan Trinkhaus, mit den Hinweisen, dass der unsere Kirche betreffende Inhalt sachlich falsch und die Einordnung in eine "Sektenbroschüre" ein Akt der Willkür sei.
Den massiven Argumenten nachgebend erteilte Frau Kultusministerin Regine Marquardt den Auftrag an die ihr unterstehenden  Dienststellen, die mittig angeordneten Seiten - die Mormonen betreffenden - jeweils manuell zu entfernen.
Seitens des Ministeriums gab es keine Entschuldigung!
Wir wollten nur, dass Recht vor Unrecht geht, keine Rache. Sonst hätte ich selbst, damals als Ratsherr der Stadt Neubrandenburg mit CDU-Mandat, auf Rückerstattung der Druck- und Verteilungskosten geklagt, immerhin wurde das nunmehr sinnlos gewordene Heft, mit der Aufschrift "aktualisierte, überarbeitete Neuauflage  95", das  mit Geldern der Steuerzahler produziert und in Umlauf gebracht, zu Altpapier.

Schade, um diese Verschwendung von Ressourcen! 
 Frau Kultusministerin sagte dem verantwortlichen Redakteur Herrm Helmut Schultz, im oben erwähnten Gespräch und zur Begründung ihrer Aktion:


"Wir wollen keine Ängste schüren...(aber) die nur eingeweihten Mormonen zugänglichen Tempelrituale signalisierten Aufklärungsbedarf." 

Aufklärungsbedarf?

Hatte diese Dame nie davon gehört. dass das Prinzip der Unschuldvermutung das Kernstück jeder Demokratie ist?

Als einer der Tempelplatzmissionare 1985-86, hörte ich nicht wenige Anklagen wegen unseres Freibergtempels, der gewiss zu den Schmuckstücken der Umgebung gehört. Immer wieder hörten wir: Öffnet Euch doch!

Bild kircheneigen, Freibergtempel der Mirche Jesu Christi der HLT
Ich fragte mich selbst: Ja, seid Ihr - liebe kritische, tadelnde Nichtmitglieder - denn sicher, dass es ein allgemeines Menschenrecht gibt, nach Belieben in jedermanns, wenn auch kollektiv genutzte Privatsphäre einzudringen?

Es war und ist also hoch an der Zeit umgekehrt zu fragen:

  

                                 "was treibt und berechtigt Euch, zu dieser  Art von Kritik?"


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6a/Temple_mormon_Berne.JPG
Bild Wikipedia  Der Schweizer  Tempel,  1956 

Da ist und war nichts was es nicht schon zuvor gab.
Für mich selbst war sehr erstaunlich, dass ich, 20 Jahre nach Empfang meines eigenen Endowments, das (nahezu) komplette „Mormonen“-Tempelritual in dem bedeutenden Werk Albert Champdors „Das ägyptische Totenbuch“ Knaur, 1977, vorfand. Hier wird brillant dargelegt, was auch später die Christen glaubten und welche Elemente des „Tempelgeheimnisses“ schon bei den alten Ägyptern vorhanden waren.

Ich erkannte 32 teilweise wörtliche Parallelen, auf die ich nicht nur aus Platzgründen nicht eingehen werde. Bei Champdor, in seinem Werk,

Das ägyptische Totenbuch“, kann jeder nachlesen, „dass die uralten Kulturträger am Nil die Präexistenz des Menschen lehrten, seine Auferstehung, Jüngstes Gericht (Seelenwägung), sowie Reinwaschung, Rechtfertigung, die Gebote halten, Ehebruch meiden, Gott verehren, Vater und Mutter ehren, seinen Nächsten lieben usw.(1) 

Erst die ernsthafte Beachtung dieser Gebote berechtigte zum Besuch des ägyptischen Tempels. Wobei unausgesprochen klar ist, dass dort, wie in den modernen Tempeln der Kirche Jesu Christi der HLT, grundsätzlich dasselbe gelehrt wurde.

Und wie singt Serastro, der Tempelhohepriester:

                   
In diesen heil´gen Hallen
kennt man die Rache nicht
Und ist ein Mensch gefallen
führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundes Hand
vergnügt und froh ins bess´re Land
In diesen heil´gen Mauern
wo Mensch den Menschen liebt
kann kein Verräter lauern
weil man dem Feind vergibt.
Wen solche Lehren nicht erfreu´n
verdienet nicht ein Mensch zu sein
In diesem heil´gen Kreise
wo man nach Wahrheit ringt
und nach der Väter Weise
das Band der Eintracht schlingt
da reifet unter Gottes Blick
der Wahrheit und der Menschheit Glück
 

Übrigens hate der Grieche Plato 13 Jahre lang mit ägyptischen Priestern Umgang gepflegt und von daher die Lehre vom Vorherdasein des menschlichen Geistes erhalten... und an die Griechen weiter gegeben.

Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfuhren die ägyptischen Eingeweihten” von der “Schöpfung der Welt” (2) 

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Origenes (185-254) als zuverlässiger Überlieferer urchristlicher Glaubenselemente lehrte, dass die geistige Schöpfung vor der materiellen erfolgte.

 Mormonen, wie ich z.B. vermuten, dass die alten Ägypter bereits tausend Jahre vor Abraham, der um 2 000 v. Chr. lebte, in den Besitz uralter Tempelriten gelangten.

Bekräftigt wird diese Ansicht durch ein Zitat im Buch Abraham:

Pharao (wahrscheinlich Ham, ein Sohn Noahs) war ein rechtschaffener Mann... er richtete sein Volk weise und gerecht, alle seine Tage und er trachtete ernsthaft danach, die Ordnung nachzuahmen, die von den Vätern in den ersten Generationen aufgestellt worden waren. (3)

Immer wieder wurde, und wird, dort wie hier, sexuelle Reinheit zur Voraussetzung für den Tempelbesuch gefordert. (d.h. ausschließlich in einer rechtmäßig geschlossenen Ehe ist sex. Aktivität erlaubt. In der katholischen Kirche wird das Keuschheits-Prinzip durch Ermutigung zur Ehelosigkeit der Geistlichen zum Zölibat, zum monstaischen Leben oder durch das angebliche Vorbild der „Josefsehe“, nach unserem Verständnis, weit überzogen.)

Auch alle anderen christlich-jüdischen Hochziele waren den alten Ägyptern nicht nur bekannt, sondern sie wurden weithin jahrhundertelang gewürdigt – ehe später auch die Reiche der Pharaonen in den Turbulenzen einer sittlich entfesselten Gesellschaft in den Bereich der Bedeutungslosigkeit herabsanken.
Der Papyrus Prisse, der aus der Zeit von ungefähr 3500 Jahren vor Christus stammt, belegt die Behauptung, dass die christlichen Grundwerte, schon lange vor Christi Erdenleben, als moralisches Gesetz galten:

Lass nicht übermütig werden, deine Seele ob deines Reichtums. Es ist dir gewesen der Urheber der Fülle Gott. Nicht stehe hinten an der andere. (oder: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) Er sei dir gleich! ... Schön ist es, wenn ein Sohn die Rede seines Vaters wohl aufnimmt. Es wird ihm zuteil werden ein hohes Alter deshalb“ (oder: Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest in dem Land, das die der Herr dein Gott gegeben hat)… (4)

Die Gleichheiten sollten für keinen Christusgläubigen überraschend sein. Das Evangelium Christi ist älter als viele denken, weil es vor etwa 6 000 Jahren eine Uroffenbarung an die Väter unserer (nachadamitischen) Zivilisation gegeben haben muss.

Das zu glauben, kann von dem erwartet werden, der das Bibelzitat akzeptiert:

Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit" (5)


Rund um den Erdball gibt es Tempel seit etwa 6 000 Jahren, sie waren gewissermaßen vorprogrammiert, mit einer Mittlerfunktion zwischen Diesseits und Jenseits.

Paulus sagte es in der Präambel zum Epheserbrief:

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet, durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt, vor der Erschaffung der Welt...“ (6)

Die „Tempelgeheimnisse“ gehören somit wie die Kunst zu schreiben zum Ersten und sie werden bis zum Ende des letzten Menschen, der über die Erde gehen wird, ihre Bedeutung nicht verlieren.
Der Verweis, Christus sei der Mittler, ist korrekt. Ein Tempel ohne eine von Christus erteilte Autorität ist bestenfalls ein Platz zur Verehrung.
Auch wenn die christlich – ökumenische Christengemeinschaft dies völlig anders sieht und total anders gesehen hat, weshalb ihre frühen Anführer, in brutaler Weise die Tempel der Arianer im 6. nachchristlichen Jahrhundert auflösten, sie „überflüssig machten“, umfunktionierten oder zerstörten, wie das in Norditalien (Ravenna) durch die justinianischen Söldner geschah, die es wagten sich Christen zu nennen.
Exponenten der Intoleranz bahnten mit ihren rabiaten Ansichten einer ganz anderen, als der ursprünglichen Kirche den Weg zu eben jener Herrschaft, auf die Jesus entschieden verzichtet hatte.

Ein anderes der Zitate, das uns das ägyptische Totenbuch vermittelt, ist sehr interessant:
In den Pyramidentexten steht geschrieben was sehr viel später auch in den heiligen Büchern der orthodoxen Christen zu lesen sein wird: ‚Ruhm und Ehre den Gerechten, denn die Gerechten werden im Paradies erglänzen wie Lichter’.“ (7)


Wenn man noch einmal die Worte bedenkt, die Joseph Smith 1830 niederschrieb:

„…der Pharao (der ersten Dynastie) war ein gerechter Mann, der ernsthaft danach trachtete die Ordnung der Väter nachzuahmen…“ (8)

wird der Weg zu ungeahnten positiven Rückschlüssen und Konsequenzen geöffnet.

Andererseits sollte bedacht werden, dass Kritik an Menschen, die in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit „ernsthaft danach trachten“ wahrhaftig und rechtschaffen zu sein, mehr als fragwürdig ist. Oft werden rüde Attacken geritten um „Mormonen“ lächerlich zu machen. Solches Verhalten wirft natürlich Fragen nach der Moral und der Absicht der Kritiker auf.

Andererseits verbietet das jedem Tempelbesucher verbindlich vorgeschriebene Toleranzgebot nicht, seine Würde als Mensch zu verteidigen.

Schaut genau hin, aber urteilt nicht zu früh, denn das sagte Joseph Smith nicht schlichtweg als Wunsch, sondern drückte es als offenbarten Kern des sogenannten „Mormonismus“ aus:

Gottes unabänderlicher Ratschluss ist, alle Menschen zu mehr Glück zu leiten - wenn und so weit wie sie wollen.“ (9)

Er wiederholte es. Und genau hier haben die Besserwisserischen aller Zeiten, fromm oder unfromm, versucht, dem lieben Gott eine Lektion zu erteilen.
Aber auch sie werden irgendwie lernen, das es wahr ist:
Obersten Stellenwert hat Jesus Christus und seine Botschaft der Freude, jener Freude die Friedrich Schiller, als Tochter des Himmels bejubelte.

Sogar moderate, kenntnisreiche Kritiker - nicht diese anmaßenden, die draufloshauen in der Annahme da, tief verborgen im nicht weiter untersuchten Sack stecke der Teufel höchstpersönlich - sagen es ähnlich wie Kurt Hutten, der zugibt, dass
Mormonismus strahlender Optimismus. ist“ (10)
und er fährt fort:
Der von Mormonen gelehrte Glaube ist erfüllt von ermunternden Ausblicken.“ (11)


 

Quellen:


1  Champdor, "Das ägyptische Totenbuch" Knaur, 1977,  S. 41
2)  ebenda S. 57 ua..
3)  Köstliche Perle, Abraham 1: 26 
4)  Otto von Leixner, „Geschichte der fremden Literaturen“ 1898 Leipzig, S. 7
5)  Hebr 13: 8  
6) Epheser 1: 1-3 
7) Champdor, "Das Ägyptische Totenbuch“ Knaur, 1977, S. 99 
8) Köstliche Perle Abraham 1: 26 
9) "Lehren des Propheten Joseph Smith". 
10) Hutten, „ Seher-Grübler,-Enthusiasten“.1950, Quell-Verlag S. 183 
11) ebenda 
 

Samstag, 9. Februar 2013

Bemerkenswert: eine Meldung vom 21. Jan. 2013

Gemeinde verbannt Kritiker praktizierter Homosexualität

Leipzig (idea) – Wegen seiner kritischen Haltung zu praktizierter Homosexualität und zur Öffnung des Pfarrhauses für gleichgeschlechtliche Partnerschaften darf ein Kreis von Theologiestudenten nicht länger Gottesdienst in der Leipziger Peterskirche feiern. Das bestätigte ein Mitglied des „Theo-Kreises“, der bisherige Studienassistent David Keller (Leipzig). Als der Theo-Kreis im Sommersemester 2012 wieder in der Peterskirche Gottesdienst feiern wollte, verwies ihn der Küster, der bis dato Ansprechpartner war, an den Kirchenvorstand. Dieser habe dann beraten und im Dezember entschieden, dass die Gruppe wegen ihrer ablehnenden Haltung zur Homosexualität und ihrer Unterstützung der Sächsischen Bekenntnis-Initiative mit seinen Gottesdiensten nicht länger in der Peterskirche erwünscht sei.

http://www.idea.de/detail/newsticker.html?tx_newsticker_pi1%5Bid%5D=21234

Donnerstag, 7. Februar 2013

Sex ist wie Feuer


man spielt nicht mit ihm.
Schillers Lied von der Glocke mahnt, vielleicht auch darauf zielend:

Wohltätig ist des Feuers Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
...
                                                  Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
                                                        Wenn sie der Fessel sich entrafft,
                                                          Einhertritt auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand
Durch die volkbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuren Brand!

Ich war zwölf, als mein Vater von der 1942 noch friedlichen Kertschfront, zum Urlaub heimkam und mich beiseite nahm. Ohne lange Umschweife, nahm er mich beiseite, legte die Hand auf meine Schulter, nachdem er mich zu einem kurzen Spaziergang eingeladen hatte und gab er mir ein paar Ratschläge die mein ganzes Leben lang in meiner lebhaften Erinnerung blieben: "Fasse kein Mädchen an, es sei denn du hast sie geheiratet" und "vergiss es niemals: wirke immer zum Besten einer Ehe."
Natürlich wusste ich damals mit den beiden Aufforderungen absolut nichts anzufangen. Aber als  Vater dann in Gefangenschaft geriet und vier Jahre später als Kriegsgefangener in einem französischen Bergwerk festsaß, während sich in mir die Sehnsucht nach völliger Freiheit und dem ganzen Leben mehr und mehr entfaltete, sollten sie bedeutend für mich werden.
Bald beflügelten mich obendrein die Komplimente eines mir bekannten Abenteurers meiner Heimatstadt, am Peenestrom: "Du siehst doch gut aus, bist gut gebaut, kannst unterhalten, die Mädchen mögen das. Greif doch zu!" 
Wir hatten gerade auf Befehl der sowjetischen Militaradministration in Wolgast, unser kleines Geschäft zur Herstellung von Holzsohlen und -pantoffeln wiedereröffnet und stellten vier oder fünf Leute ein, darunter eine Dame aus Hinterpommern.
Gleich am zweiten Tag zeigte sie uns Bilder ihrer beiden Töchter.
Fazsiniert vom Aussehen der größeren rief ich spontan aus: "Die sieht aus wie eine Filmschauspielerin!"
Am nächsten Tag stand die blonde neunzehnjährige Schönheit strahlend vor mir. Sie lächelte mich überaus freundlich an, schließlich fragte sie: "Kommst du mich heute abend besuchen?"
Ich konnte kaum abwarten, und klopfte schon drei Stunden später an die Tür ihrer: "sturmfreien Bude", wie sie ihr Zuhause genannt hatte, das sie mit ihrer Freundin teilte.
Ich rauchte eine Zigarette, die sie, wer weiß von wem, erhalten haben musste. Obwohl mir das Schmoken eigentlich nicht erlaubt war, genoß ich es nun ein Gent zu sein, und redete und redete von Heinz Rühmann und seiner Rolle in einem Film, ich weiß nicht mehr von welchem.
Am dritten Abend, der ebenso harmlos begann wie die anderen beiden geendet hatten, überraschte sie mich mit der Frage, ob sie sich ausziehen soll.
Mir schien, es würde sich gleich die Wundertür zum buntesten Garten der Welt für mich öffnen, als aus meinem Gedächtnis Vaters Forderung hochkam. Schon angesetzt zu einem freudigen, lauten JA! formte mein Mund, fast ungewollt das Nein.
Ich ging nie wieder hin (und ersparte mir dadurch, wie ich später feststellen musste, eine Menge Unannehmlichkeiten).
"Denke daran", hatte mein Vater mir zu bedenken gegeben: "ein Mormone erlaubt sich nicht mit dem Feuer zu spielen!"
Mehr als 75 Jahre lang behielt diese Bemerkung seine bewahrte Gültigkeit.
Die Erwiderung auf meinen Beschluss niemals von der Linie abzuweichen, die ich vor einem dreiviertel Jahrhundert als die Richtige anerkannt hatte, lautete zwar - in fast jederm Fall - : "Du bist schön dumm!" Aber, diesen Tadel steckte ich stets reuelos weg, denn die von meinem Vater gezeichnete Linie führte mich durch ganz andere Landschaften, als die, die mich wiederholt zum Verweilen einluden und deren Lockungen nicht wenige meiner Freunde erlagen.
Glücklicher als ich waren sie nie. Eher umgekehrt.
Auf meinem und unserem Weg standen dafür alle Bäume  in ewiger Blüte. Sie trugen und tragen zugleich die süßen Früchte beständiger Treue und Verlässlichkeit.


Mittwoch, 6. Februar 2013

Symbols of Freemasonery and Christian Temples

Everyone knows: Symbols of Freemasonry are
                     „Square and Compass“


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Zirkel_und_Winkel.jpg
Picture: Wikipedia


we find the same symbols in early Christian temples as for instance in San Apollinare, Ravenna, Italy build about 500 AD.



more:  http://gerd-skibbe.blogspot.com
http://gerd-skibbe.blogspot.de
"Totentaufen"



               

Dienstag, 5. Februar 2013

Lieber Herr Pfarrer Felix Gietenbruch,



drei Hurra für Sie!
Nachdem ich mich gerade mit einigen hadersüchtigen Thesen des protestantischen Theologen Dr. Heinz-Werner Kubitza seines Buches "Der Jesuswahn" befassen musste (weil ich in eine andauernde Diskussion mit einem bekannten Atheisten eingetreten bin) erreichte mich gestern Ihr Werk “Höllenfahrt Christi und Auferstehung der Toten”.
Ihre Tiefgründigkeit, sowie Ihr Mut dem “mainstream” protestantischer Theologie zu trotzen sind hoch erfreulich.
Mein Gesprächsfreund schrieb:
Kubitza begründet in diesem Buch warum er Jesus für die am meisten überschätzte Persönlichkeit der Weltgeschichte hält.”
Er gibt gehörig dunkles Wasser auf die Mühlen der Atheisten.
Sie dagegen, lieber Herr Gietenbruch, sind nun auf dem Weg eine markante Lichtgestalt zu werden. Als Mann des Jahrgangs 30 erlaube ich mir zu sagen: “Gehen sie unerschrocken weiter!”
In den vergangenen Jahren habe ich in deutschen Mormonengemeinden Vorträge zu eben “unserem” Thema gegeben.
Es ist das Hauptthema des Origenes: “Präexistenz”
Ihr Zitat aus „Der Sündenfall ein sinnvoller Mythos“ Kirchenbote lokal, 2008, stand in meinen Powerpoint-Präsentationen immer an bedeutender Stelle:
Nach der Lehre Adams ist jeder Mensch Adam und ist aus der Sphäre des Paradieses gefallen..."
Das ist Tempeltext!
Präexistenz meint, dass wir als handlungsfähige geistige Wesen schon vor unserer Geburt existierten... in dieser Vorexistenz haben wir uns alle eigenverantwortlich von Gott entfremdet...
Ich denke, heute wird uns mehr und mehr bewusst, dass auch das christliche Abendland neu darüber nachdenken muss.“

Wie schon F. Diekamp (“Die originistischen Streitigkeiten im 6. Jahrhundert”) vor über einhundert Jahren herausgearbeitet hatte, ging es um gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen, die Justinian I. mit blindem Eifer in seine Richtung, contra Urkirche bzw. Origenes lenkte. Hätte die Forschung uns doch noch mehr Einblick in die damaligen Verhältnisse gegeben, vor allem um uns deutlicher zu machen was “Papst” Vigilius tatsächlich vertrat, auch nach seiner erzwungenen Unterschriftsleistung.
Mir scheint, die Verfluchung des Origenes, sowie die durch ihn bewahrte Präexistenzlehre der Alten Kirche, durch die Ostsynode von 543, steht in direktem Zusammenhang mit dem konstantinischen Größenwahn Justinians. Er wollte, wie dieser der Größte sein... schon wie er sich sechs Jahre zuvor in die noch nicht komplett fertiggestellte Haggia Sophia hineinfahren läßt und prahlerisch ausruft: er hätte den Tempelbauer Salomo übertrumpft. Das kennzeichnet ihn. Justinian wollte mit niemandem teilen. Die Gleichheitsidee aller Christen war ihm ein Dorn im Auge... Ihm konnte Origenes Aussage nicht gefallen:
Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes (G.S.: “im 2. Stand, nämlich nach dem Fall, durch den wir den 1. Stand verloren”) und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit. H. Benjamin “Eingeorndete Freiheit, Freiheit und Vorsehung bei Origenes” E. . Brill.1994, S. 13
Wenn jemand Anspruch darauf hatte Gott ähnlich zu werden, dann war er - Kaiser Justinian - das, wie er meinte, er der letzte, aber erfolgreiche Zerstörer des Individualrechtes (mit Codes J. I.10, 11: “Abfall von der Kirche wird mit der Todesstrafe geahndet”, darin noch rigoroser als Ambrosius mit Cunctos populos, - ihm und nicht Theodosius schreibe ich das Edikt zum Glaubenszwang zu - wie er Justina, die arianische Witwe Kaiser Valentinians, nach dessen plötzlichem Tod misshandelt, wie er kurz zuvor Gratian in den Bruderkrieg gegen die arianischen Goten gehetzt hatte, mit seinem Buch “De fide”, usw ., das passt zueinander.
Ein freudiges Erschrecken zum eigentlich mormonischen Thema kam vor einigen Jahrzehnten mit dem Lesen gewisser Passagen des Handwörterbuches für Theologie und Religionswissenschaft, dritte völlig neu bearb. Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960, Origenes betreffend. Da fand ich quasi eine Blaupause des allgemein verfemten Mormonismus. Nun finde ich dasselbe bei Ihnen systematisch geordnet z.B. ab S.66. Hier die Auszüge aus dem theologischen Fachwerk
Im Urzustand waren alle Logika körperlose Geister und als solche Götter, die dem Logos als Trabanten anhingen... Nach dem Vorbild des Logos (Christus), der selbst das „Bild Gottes“ nach Genesis 1:26 ist, hat Gott soviele Logika (Menschenseelen, eigentlich Geister, G.Sk.) erschaffen, (besser ausgedrückt: ‚geformt’ G.Sk.) wie er mit seiner notwendig begrenzten Vorsehung regieren kann... (Alle Logika (Engel, Menschen und Dämonen) sind von gleicher Natur, ihre Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden.... durch die Kunst seiner Pädagogik wird Gott (seine Geschöpfe) doch noch dazu bringen, dass sie dem Guten beständig anhängen.... Gottes Pädagogik und der freie Wille der Logika, den Gott durch Erziehung fördern und nicht durch Zwang ergewaltigen darf, sind die eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“ usw.
Übrigens welche Torheit großkirchlicher Theologen die Lehre von der Vergottung(smöglichkeit) für typisch mormonische Sonderlehre zu halten.
Die am wenigsten vertraut mit dem Thema sind, kennen ihren Luther nicht hinlänglich, schreien aber am lautesten.
Tuomo Mannermaa “Luther und Theosis”, Band 16 Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen 1990, S. 11:
Theosis als Thema der finnischen Lutherforschung…Gott wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde. Also wird Macht machtlos, damit die Schwachheit mächtig werde. Der Logos zieht unsere Form und Gestalt, unser Bild und Gleichnis an, damit er uns mit seinem Bilde, mit seiner Gestalt und seinem Gleichnis bekleide. Also wird die Weisheit töricht, damit die Torheit Weisheit werde, und so in allen anderen Dingen, die in Gott und in uns sind, sofern er in all dem das Unsere annimmt, um uns das Seine zu vermitteln.“
Oder A. von Harnack: “„... Der Gedanke der Vergottung ist der letzte und oberste gewesen; nach Theophilius, Irenaeus, Hippolit und Origenes findet er sich bei allen Vätern der alten Kirche, bei Athanasius, bei den Kappadoziern, Appolinares, Ephraim Syrus, Epiphanius u.a.”
Übrigens der Terminus “Intelligenzen”, den Origenes verwendet kommt nicht von Ungefähr. Joseph Smith sagt, auch ihm, wie zuvor anderen Propheten, wurde offenbart, dass wir entwickelte und entwicklungsfähige von “unserem himmlischen Vater” geformte Intelligenzen sind... Lehre und Bündnisse 93, Buch Abraham usw.
Aber auch die für uns kanonische Aussage, dass “Intelligenz oder das Licht der Wahrheit nicht erschaffen wurde auch tatsächlich gar nicht erschaffen oder gemacht werden kann.” usw.... fügt sich nun sehr gut ins Bild moderner Quantenphysiker, wie sie sagen...
Unser Bewusstsein ist ewig...
Lieber Herr Gietenbruch da ist eine Fülle an Gemeinsamkeiten...
Übrigens die Deutung des syrischen Perlenliedes durch K. Beyer, siehe Walter Rebell, Lehrbuch "Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter", 1992, München; Thomasakten
entspricht ebenfalls “mormonischem” Verständnis, und wie ich annehmen muss auch Ihrem.
Zwei weitere Dinge möchte ich allerdings noch ansprechen: Sie zitieren S. 39 den “Hirten des Hermas” … auch die versorbenen Apostel steigen in die Unterwelt nieder, um die Toten zu erlösen durch Predigt und Taufe...” alles Anklänge an Origenes (Homilie zu I Reg 28) “dass Mose, Samuel und alle Propheten in den Hades hinabgestiegen sind und dort gepredigt haben.” A. von Harnack “Lehrbuch der Dogmengeschichte”
Aber diese u.a. Texte sind auch Hinweise auf Korrektheit der Theologie der Kirche Jesu Christi der HLT bezüglich “Totentaufen”, die ausschließlich in Tempeln vollzogen werden dürfen.
Über Legitimität zu reden ist hier nicht der Platz.
Als Tempelinsider seit 1957 (Zollikofen, Schweiz) öffneten sich, nicht nur mir, neue Denkwege. Überaus erstaunlich, dass die Arianer (Ravenna) bis in die Zeit Justinians hinein, unbestreitbar im Besitz derselben Tempelrituale waren, wie sie uns Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gegeben wurden... und die ebenfalls sowohl unsere Präexistenz, unseren freien Willen sowie unseren Entschluss ein Leben gemäß Christi Gebote zu führen... (Joh 14: 21) voraussetzen.
Zu alledem habe ich umfangreich geschrieben...
Hier als Letztes ein Verweis aufs Buch Mormon, das Sie ja kurz indirekt erwähnen.
Nahezu alles was Sie, lieber Herr Gietenbruch, mit den Seiten 107-160 persönlich vertreten, wird mit Passagen des Buches Mormon klar bestätigt... da ist z.B. Alma der Jüngere, mit seiner “out of body experience”, die er im 36. Kapitel seines gleichnamigen Buches beschreibt (dazu in Form des Chiasmus). All das war einst Lehre der Kirche: dass
1.) die ewige Hölle Ort und Zustand ist, die jeder durch Christus verlassen kann.
2.) “Himmel” ist ebenfalls Ort und Zustand nach der Erlösung durch Christus.
3.) Unentbehrlich ist immer die Buße (im Sinne metanoia)
Und wörtlich: “Was nun den Zustand der Seele zwischen dem Tod und der Auferstehung betrifft – siehe, so ist mir von einem Engel kundgetan worden, dass der Geist eines jeden Menschen, sobald er aus diesem sterblichen Leib geschieden ist, ja der Geist jedes Menschen, sei er gut oder böse, zu dem Gott heimgeführt wird, der ihm das Leben gegeben hat. Und dann wird es sich begeben: der Geist derjenigen die rechtschaffen sind, wird in einen Zustand des Glücklichseins aufgenommen, den man Paradies nennt, einen Zustand der Ruhe, einen Zustand des Friedens, wo er von allen seinen Beunruhigungen und allem Kummer und aller Sorge ausruhen wird. Und dann wird es sich begeben: Der Geist des Schlechten, ja derer die böse sind – denn siehe, sie haben kein Teil und kein Maß des Geistes des Herrn, denn siehe sie haben sich lieber böse Werke als gute erwählt, darum ist der Geist des Teufels in sie gekommen und hat von ihrem Haus Besitz ergriffen – der wird in die äusserste Finsternis hinausgestoßen, dort wird es Weinen und Zähneknirschen geben, und dies wegen ihres eigenen Übeltuns, denn sie werden nach dem Willen des Teufels in Gefangenschaft geführt... nun gibt es einige, die diesen Zustand des Glücklichseins und diesen Zustand des Elends der Seele vor der Auferstehung als eine erste Auferstehung verstehen. Ja, ich gebe zu, man kann das als eine erste Auferstehung bezeichnen, nämlich das Sich-Erheben des Geistes oder der Seele und ihre Überantwortung in das Glücklichsein oder in das Elend, gemäß den Worten die gesprochen worden sind... Siehe ich sage dir Nein, sondern es bedeutet für alle, von den Tagen Adams herab bis zur Auferstehung Christi, die Wiedervereinigung der Seele mit dem Leib...” Alma 40: 11- 18

Einem Gedankenaustausch wäre ich nicht abgeneigt.
Gott segne Sie.

Ihr Gerd Skibbe


Zu meiner Person können Sie, falls Sie wollen unter http://gerd-skibbe.blogspot.de oder auf meiner unten angegebenen Webseite,
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