Samstag, 3. März 2012

Taufen und Totentaufen

In der Taufkapelle des Berliner Doms gibt es eine dieser zahllosen Darstellungen von der Taufe Jesu, die bedenkenlos unrealistisch ist, denn so war es nicht, wie selbst die Maler wussten, denn Taufe heißt untertauchen:



Das Erzbistum Bamberg erklärte: 

"Die Taufe ist das erste und grundlegendste Sakrament. In der Taufe wird der Mensch in die Gemeinschaft der Christ/innen aufgenommen."

Mit welchem Recht vereinnahmen die Großkirchen Ohnmächtige in ihre Gemeinschaften?

1931 soll mich meine Tante Berta geschnappt haben, als ich noch nicht ein Jahr alt war. Sie, eine Katholikin aus Ratibor, Oberschlesien, hätte gesagt: "Das Kind kann doch nicht als Heide aufwachsen". Ob ich nun die katholische oder evangelische Taufe erhielt, oder ob sie das meiner Mutter nur erzählt hat, war mir immer gleichgültig. Denn ich spreche sowohl meiner wohlmeinenden Tante, als auch meinen Eltern, das Recht ab, meine Religionszugehörigkeit festzulegen. Bis jemand sich zu diesem Thema äußern kann, darf ihn keine Gemeinschaft vereinnahmen!
Außerdem ist es hoch an der Zeit zu fragen, wielange das traditionelle Christentum, mit einem Standbein im Mittelalter verharren will.

Natürlich durfte meine katholische Mutter mich im Sinne ihrer Kirche erziehen. Wir sind vor der Gesellschaft und vor dem eigenen Gewissen ohnehin verpflichtet den Kindern unsere Grundwerte vorzuleben und dazu gehören unsere Glaubensüberzeugungen, wenn es sich denn um Überzeugungen handelt und nicht einfach um die kritiklose Weiterreichung von Traditionen.
Aber jedem muss der einfache Rückzug aus irgendeinem Religionsgebäude möglich sein.
Unzulässig war und ist, was die mittelalterliche Kirche tat und was die geschlossene Gesellschaft der Muslime sich gegenüber ihren Mitgläubigen herausnimmt, die ihre Gesinnung ihrer Erkenntnis anpassen wollen.
Jedes Menschen Recht auf freie Wahl seines Lebensstils und seiner Religion ist unantastbar, jeder Versuch das Individualrecht zu beugen oder zu brechen ist ein Verbrechen. Das ist für mich der Kern der Lehren des Buches Mormon und meiner Kirche.
Das denke ich als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.  Aber das laut auszusprechen erlaube ich mir als politisch denkender Mensch, der auf schmerzhafte Weise miterlebte, was Nationalsozialismus und Kommunismus denen antaten die weder Nazis noch Kommunisten sein konnten. Die diktatorischen Parteien erpressten die Massen und sperrte die kritischen Eliten weg.
 
Wo ist da der grundsätzliche Unterschied zum Verhalten der Großkirchen? 

Einzelne Persönlichkeiten, Kirchen oder Parteien, Nationen usw. die sich nicht dazu verpflichten das Recht auf Entscheidungsfreiheit des Einzelnen zu schützen, müssen, ohne wenn und aber, öffentlich als menschenfeindlich geächtet werden, auch mit der Konsequenz der Entmachtung.

Es wird keinen Frieden geben, solange dies nicht durchgesetzt wird.

Weil die nachnicänische Kirche im 4. Jahrhundert, mit dem Gesetz zum Glaubenszwang "Cunctos populos" vom 27. Februar 380,  nur den nicänischen Glauben innerhalb des gesamten Reiches als legitim bezeichnete und alle anderen Spielarten des christlichen Glaubens verbot, verlor sie ihre Autorität vor dem Gott, der der Geber unserer Freiheit ist. 

Wegen dieses Autoritätsverlustes sind sämtliche Taufen die nach 380 von Katholiken beider Hauptrichtungen (orthodox oder römisch) vollzogen wurden eine Verhöhnung Jesu Christi. Sie sind vor Gott und Menschen ungültig.

Die Reformatoren haben zwar ihr Bestes geleistet, doch "die echten Ringe, die vermutlich verloren gingen", konnten sie nicht wieder herbeizaubern. 

Sie konnten alleine von Gott zurückgebracht oder wiederhergestellt werden.  Und: dass dies geschah belegt die Frühgeschichte der "Mormonen" der niemand Glauben schenken muss, denn auch Zweifel und Spott sind erlaubt.

Das sichtbare Zeichen dieser Wiederherstellung der Legitimationen ist ihre Wirkung: es ist die Anwesenheit von Toleranz.
Toleranz heißt: von hier bis da ist alles erlaubt. Nicht erlaubt ist Zwangsausübung, Mord, Ehebruch.

Wo Toleranz verschwand, da endete die Legitimation im Namen Gottes zu handeln.
Intolerant agierte die Kirche, während sehr langer Zeiträume und verursachte damit Glaubenskriege und Unterdrückung weltweit.

Erlaubt indessen ist alles was dem Nächsten nicht schadet: dazu gehören Kirchenaustritte, Diffamierung und Gegenpropaganda, solange sie nicht zum Streit und Krieg aufruft.

Kurz gesagt, aus den genannten Gründen anerkennt die Kirche Jesu Christi keine der von den Gemeinschaften und Kirchen vollzogenen Taufen - die fast ausschließlich Säuglingsbesprengungen waren - als rechtsgültig an. 

Vor allem glauben wir "Mormonen", dass Gott diese Handlungen nicht anerkennt.

Dies ist der 1. Grund für die Notwendigkeit von stellvertretenden Taufen von Verstorbenen unter der Voraussetzung, dass Jesus lehrte, dass niemand (als gleichberechtigter Bürger) ins Reich Gottes gelangen kann, der nicht durch Taufe  ein persönliches Bündnis mit seinem Gott einging.
Solche Verordnung kann nur auf der Erde vollzogen werden, wenn nichts anders, dann stellvertretend.
Der 2. Grund desselben Zweckes ist, dass eine Besprengung keine Taufe ist.

An dem Übel, Menschen die praktisch religiös und politisch unmündig sind, zu Bürgern ihres Systems zu erklären, krankt die Welt bis heute.
 
Die Kommunisten erhielten in ihren "Volkswahlen" gelegentlich mehr als 99%ige Zustimmung, weil das ausgefeilte "Wahlsystem" jede Abweichung so gut wie unmöglich machte. Wir Demokraten nahmen aber mit der Zeit zu und so sahen die jeweiligen Machthaber mit Schrecken welche Entwicklung sich damit anbahnte.
Der Einzelne darf in Diktaturen - seien sie religiöser oder politischer Art- nicht frei entscheiden. Was die "Wahrheit" ist, wird ihm mittels Propaganda bzw. von Geistlichen oktruiert.
Es gab eine Zeit, - man kann sie begrenzen auf die Jahre zwischen 550 und 1850 - in der praktisch jeder Europäer bereits von Geburt an irgendeiner Kirche, per Taufschein zugerechnet wurde.
Das ist nicht nur nach meinem Rechtsempfinden, Nötigung.
Hier liegt zugleich der Schlüssel zum Verständnis der Sinnhaftigkeit von Taufen für Verstorbene (Totentaufe): 

Alle Taufen oder andere Evangeliumsverordnungen werden, nach unserer Überzeugung erst dann rechtskräftig, wenn Gott sie billigt und der Empfänger sie ohne jegliche Druckausübung akzeptiert. 


In der Kirche Jesu Christi der HLT (Mormonen)  setzt jedes Mitglied klar voraus, dass jede Taufe für einen Verstorbenen etwa einem Billet entspricht, das man annimmt oder ablehnt, so, wie eine Einladung, noch nicht bedeutet, dass der Betroffene ihr Folge leistet.

Der noch größere Unterschied zu anderen Kirchen besteht darin, dass "Mormonen" unentwegt aufgefordert werden, sich ihre eigene Meinung zu bilden, "ein eigenes Zeugnis zu erwerben".

Mormonismus untersagt jede Art von Bekehrungsdruck.

Durch bittere Erfahrungen einsichtig geworden hätten die Parlamente Europas schon gleich nach der Französischen Revolution von 1789, Taufen an Bewußtlosen (Säuglingen und Kleinkindern) verbieten müssen.  
Jedermann ob männlich oder weiblich, muss und darf unbeeinträchtigt von Autoritätspersonen selbst entscheiden, ob er überhaupt eine Religion für annehmbar hält oder ob er sich denen zugesellt, die sagen: 

Ich habe keine Ursache an ein höheres Wesen zu glauben. 

Wenn mir der Buddhismus gegeben hätte was ich suchte, wäre ich Buddhist geworden und ich empfinde es als Vergewaltigung wenn Kirchen Eltern mit der Angst lockten, ihr Kind könnte für ewig verloren gehen, wenn es ungetauft bleibt.

Atheist allerdings wäre ich nicht geworden, weil mich mein ganzes Leben hindurch, zu Recht oder Unrecht, der Gedanke begleitete: sie beschreiben die Welt wie eine Ameise es tun würde, wenn das möglich wäre. Sie ignorieren die Summe der Eindrücke die zahlreiche Menschen im Verlaufe ihres Lebens gewannen. Sie leugnen sie. Sie verneinen die Existenz von Inteligenzen im Weltall die entwickelter sind als wir, die sich in den Schöpfungsprozess eingeschaltet haben.

Mein Wunsch Bürger des unsichtbaren Reiches Gottes zu werden entstand aus dem Verständnis, dass dieses Leben nicht alles ist. 

"Es beginnt nicht mit dem Nichts und es endet nicht im Nichts", 

Diesen Satz sagte mein lieber Freund Dr. Waldemar Siering, Ratsherr der SPD damals in Neubrandenburg wiederholt und ich konnte ihm nur zustimmen.




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