Dienstag, 23. April 2013

(1) Rätselhaft abergläubische Evangelikale



In einem Fernsehbericht, gedreht im November 2012, über „Religionen in den USA“ konnten die Zuschauer eine besonders ausdrucksstarke, junge Farbige und deren heftige Reaktion wahrnehmen. Sie schrak zusammen, als wollte sie eine Giftschlange abweisen, denn es handelte sich um das Thema „Mormonen“ :

Mormonismus ist ein Kult!“

Wusste sie aus eigener Erfahrung und Anschauung, dass es sich bei den Lehren und der Praxis der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage um etwas Ekelhaftes handelt oder hatte sie jemand indoktriniert?

Wer?

Aus eigener Anschaung wissen Meinesgleichen, dass es überwiegend christliche Berufsfromme waren, die seit den Gründungstagen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 1830, das antimormonische Unbehagen erzeugten, und zwar aus Gründen des Selbstschutzes.



Bild Wikipedia: ein aufgestachelter Mob teert und federt Joseph Smith, den Propheten der Neuzeit

Sobald ihre Existenzgrundlage davon berührt wird, reagieren Leute die sich ihrer eigenen Ansichten nicht sicher sind, heftiger als andere, auf gegenteilige Argumente. 
 
Ähnliches haben wir Oppositionellen in Zeiten der Kommunistenherrschaft erfahren.
Die Wackelkandidaten die höhere Posten besetzt hielten, ertrugen unsere Kritik nicht.
Mehrmals hörte ich gerade von den Doppelzüngigen:

Mit dir spielen wir Diktatur des Proletariats!“
Dir werden wir es zeigen! Dich nehmen wir hopp!

Und sie zeigten es mir immer wieder, in den Tagen ihrer Machtfülle zwischen 1949 und 1989, wer "Recht" hat - allerdings ohne ihre Drohung, mich hinter Gitter zu bringen, wahrzumachen.

Vergleichsweise kann man sagen, dass die meisten großkirchlichen Verkünder des Evangeliums ihrer Sache nicht so sicher sind wie sie tun.
Eigentlich hegt nahezu jeder christliche Priester seine eigene Auslegung und Theologie. Würden die Ansichten in Glaubensfragen allesamt aufgeschrieben und miteinander verglichen, es gäbe etwa einige zehntausend neue Kirchen.
Insbesondere im Bereich der Evangelikalen fällt das auf. Viele wissen sogar, wenigstens passagenweise, dass sie Aberglauben verbreiten.

Früher traf das auf die römisch-katholischen Geistlichen zu (andere gab es zwischen 400 bis 1517 nur in Verstecken, wie den schwer zugänglichen Alpentälern). Wegen der geringsten Kleinigkeit wurden Glaubenszweifler eingesperrt.

Einer meiner Freunde fand bei seiner genealogischen Forschung einen Vorfahren aus Basel, der um 1580, bei einer gemeinsamen Wanderung gegenüber seinen Mitpilgern - zwei Mönchen, - ehrlich bekannte, er könne nicht daran glauben, dass Maria unbefleckt schwanger geworden sei.
Der Mann wurde verbrannt.

Es war und ist auch, rein logisch betrachtet, Aberglauben die Prädestinationslehre von Augustinus zu akzeptieren; die jahrhundertelang als Wahrheit gelehrt wurde:
Augustinus behauptete der liebe Gott wähle aus den Menschenhaufen einige Leute aus, gleichgültig was und wer sie waren.
Diese Auserwählten hatten zu ihrer Auserwählung nichts beigetragen. Sie konnten tun was sie wollten, sie würden errettet. (1) 

Der Rest der Menschheit sei jedoch Masse zur ewigen Vernichtung, unabhängig davon wie sehr sie sich auch bemüht haben mochten aus freiem Willen ihren Nächsten Gutes zu tun.
Die ursprüngliche Christenlehre vom Recht jedermanns auf eigene freie Entscheidung wurde zuerst theoretisch, mittels Gesetztesverkündungen, (Cunctos populos z.B. vom 27. Februar 380) dann auch praktisch rücksichtslos unter die Füße von angeblichen Christen getreten.

Martin Luther Hauptinspirator aller Evangelikalen (auch wenn sie ihm nicht in allem folgen) wird vor allem auch von den älteren Mormonen wegen seiner Proteste gegen Rom gelobt.
Allerdings hat er - immerhin war er als ehemaliger Augustinermönch augustinisch vorgeprägt - auch folgenschweren Unsinn verbreitet, der ganz und gar nicht durch Jesuszitate gestützt wird. Luther behauptete mit Vehemenz:

Gottes allumfassende Gnade errettet jeden Gläubigen, unabhängig von seinen Taten.“

Viele Evangelikale, sogar diejenigen, die die ganze Bibel nachdenklich studiert haben, nicken an dieser Stelle zustimmend. Sie beharren mit Luther:

Sola gratia!“ Allein aus Gnade.

Als Vollblutpolitiker verweise ich auf die durch diese Verkürzung verursachten Kriege unter Christen.

Theoretisch ist Luther kaum zu widerlegen, weil er sein Steckenpferd von Paulus Standpunkt her aufzäumt, aber die Praxis widerspricht ihm. Und nun erst wird klar, dass Jesu Kriterien der Errettung ganz anders lauten. Nämlich:

Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken.Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen... Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.” (2) Matth. 25 : 31-46

Christi Evangelium ist das des Tuns, (wie der pharisäische Judaismus), das der Evangelikalen ist das der Kontemplation. Sie verteidigen ihre Ansicht mit dem Hinweis, die Christusgläubigen kämen zur Gnade Christi und von daher erhielten sie Kraft und Motivation zum Guten.

Das sind Worte die Christus abweist. Er verlangt zuerst den guten Willen, (siehe die gesamte Bergpredigt) weil die Kraft das Gute zu tun in jedem Menschen steckt, ob er glaubt oder nicht. Er setzte das Prinzip definitiv fest:

Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.” (3) Joh. 21: 14

Mormonen glauben eben deshalb, dass, wie Alma der Jüngere (hier sinngemäß) lehrte:

... niemand errretet wird, außer denen die in tiefer Reue danach trachten Unrecht wiedergutzumachen.“ (4) Buch Mormon, Alma 42

Hier beißen sich die Ideen. Doch das ist noch lange kein Grund, dass sich auch die Menschen beißen. Auch diese Behauptung ist mormonentypisch. Muss irgendjemand sich vor diesen Prinzipien der Toleranz ekeln?

Zäh hängen traditionsbedingte „Überzeugungen“, in jedem von uns, weil uns scheint, es liege in ihnen ein wenig Wahrheit. (Ich weiß, wie lange ich Hitler nachtrauerte, obwohl mein Verstand längst wusste, dass er ein Schwerstkrimmineller war, der auch mein Leben von mir nehmen wollte um seinen rassenideologischen Wahnsinn doch noch aufrecht zu halten)
Es handelt sich um sogar überlebte, durch und durch falsche Doktrinen, die sich im praktischen Leben nicht bewährt haben, die uns belasten.

Wir haben diese Inkonsequenz zu überwinden. Auch dies ist „mormonisch“.

Politisch gesagt ist es beispielsweise unverantwortlich, des lieben Friedens willen, zu schweigen, wenn Freiheitsrechte irgendwo auf dem Erdball in Frage gestellt werden, statt laut und vernehmlich zu sagen, was gesagt werden muss:

Rührt niemals die Würde eines anderen an! Falls ihr es tut, werden wir angemessen eingreifen und wenn es sein muss mit Waffengewalt.“

Das ist Teil der Lehre des Buches Mormon, dort nur klarer gesagt, weil dieses Buch den Pazifismus (Volk Ammon) als Ausnahme unter Bedingungen als legitim betrachtet. All das lässt sich nicht mit wenigen Worten sagen. Aber der Trend ist klar:

Wir stehen in der Verantwortung vor Gott, wenn wir Christus oder „einen seiner Geringsten“ im Verhältnis zu unseren tatsächlichen Möglichkeiten, nicht stärken, wenn er in Not ist.“

Der Aberglaube ist der Menschheit breitester Irrweg.

Die Parolen der wichtigsten Verführer des 20 Jahrhunderts haben zwei Weltkriege verursacht. Das traditionelle Christentum vermochte dem nichts, gar nichts, entgegen zu setzen.

Da ist immer noch zuviel traditionell verbreiteter Blödsinn im Spiel, weshalb es an der Zeit ist sämtliche Traditionen die sich nicht eindeutig bewährt haben, über Bord zu werfen.
Das betrifft auch die atheistischen (nicht die agnostischen) Denkansätze. Atheismus ist logisch unhaltbar.

Wo hat der Atheismus - sobald er zu politischer Macht kam – Wohltaten bewirkt?
Aber auch umgekehrt, wo hat sich beispielsweise das traditionelle (trinitarische) Gottesbild - auf das die Evangelikalen mit Luther blindlings! schwören - als wohltuend und hilfreich erwiesen?
Hat es nicht die Fastfinsternis des europäischen „Mittelalters“ verschuldet?

Da war kein Gott den man erkennen konnte, sondern nur die lapidare Festlegung, (Kaiser Konstantins) dass 3 gleich 1 ist.

Heuchelei auf nahezu der ganzen christlichen Bühne spielte seine verhängnisvolle Rolle bis in die Gegenwart hinein.

Diese preussischen Paraden, mit Tschingderassassa, Messen, Glockengeläut kombiniert mit frommer Predigt, erzielten große, allerdings negative Wirkung. Der Pfarrer hielt die Arme noch erhoben, sein Mund hatte den Segen noch nicht zuende gesprochen, noch waren die Worte nicht verhallt:

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir...!“

als beim Hörer, sowohl wie im Kopf des Sprechers, feststand: Offenbarungen - Erleuchtungen - das gab es einmal, vor Urzeiten. Jetzt sind wir schlau genug und brauchen solches Zeug nicht mehr.
Evangelikal-abergläubische Schlussfolgerung lautete: Joseph Smith war ein Lügner, er behauptet Offenbarungen erhalten zu haben, also fegt ihn hinweg.
Nieder mit dem Mormonentum.

Sie hetzten ihn, die Evangelikalen, bis er tot war. 39jährig ermordet.


Bild Wikipedia

Am frühen Morgen des 27. Juni 1844 morgens um 3.15 wurden die regulären Wachen, abgezogen, jedenfalls nicht versehentlich oder irrtümlich. Sie lagerten nun in achthundert Meter Entfernung.

Ein Haufen von mehr als 100 Männern, die Carthage-Greys, - inspiriert von evangelikalem Protest - einige mit geschwärzten Gesichtern übernahmen die “Bewachung”. 


Quelle:

1.)Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen (zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen Lücke!) ... ist zur
Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien eine ‚Masse der Verdammnis’.“ Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen
Kirche“, S. 76 
 

1 Kommentar:

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