Freitag, 20. März 2015

(3) Eine Minute Papst-und Weltgeschichte


Als Pius V. geboren wurde, 1504, gehörte der Kurie noch die halbe Welt, bald sollte es die ganze sein. Selbst Christoph Kolumbus ließ sich hinreissen zu prahlen:
 
„Ich werde aus den Indianern gute Christen machen. Fast alle beten schon das Vaterunser und das Ave Maria. Auf meiner nächsten Fahrt nach (West-)Indien werde ich Padres mitnehmen, ...

Fernando Colon, Sohn des Christoph Columbus „läßt ein Kreuz aufrichten, zum Zeichen, dass er das Land in Besitz genommen hat…“  Bordbuch Kolumbus

 
Alles und jeder sollte, Schritt für Schritt,  bedingungslos dem Kreuz unterworfen werden. Rom wollte, dass seine Unwahrheiten überall als absolut wahr gelten.
Es könne auch Todsünden vergeben, sogar für Geld, das Kreuz sei das Symbol der Christenheit, ungetaufte Seelen führen zur Hölle hinab, Rom besitze mit einem alten Gestühl zugleich die einzige Kette die mit Christus verbindet und mehr.

Das war zuviel behauptet und gewollt, der Zusammenbruch längst vorprogrammiert.
Noch allerdings herrschte die römische Kirche über Hoch und niedrig ungebrochen, weil sie bestimmte wessen unsterbliche Seele in ewigen Flammen leiden wird und wessen nicht.
Solche erlisteten Grundsätze verkündeten ihre Priester unentwegt und ungeniert an allen Predigtplätzen.
Aber wie lange noch? 


Wikipedia: Pius V. (1504-1572 Papst von 1566-1572)  in einer Darstellung von El Greco

Das neue, uralte katholische Gegenrezept lautete: Gewaltanwendung!
Und bist du nicht willig, dann gebrauche ich Gewalt.
 
Mit ihr war Rom zur Macht gelangt und machte daraus zu keiner Zeit ein Hehl. Ganz offen wurde das Prinzip des Antichristentums wieder und wieder als Keule eingesetzt. Immer erneut nicht nur Angst und Schrecken verbreitend, sondern den Tod. So mit dem  Konzil zu Verona, 1184. Es gebot 

"allen Machthabern (Fürsten, Königen, Kaisern), vor ihren Bischöfen  eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen und  weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen... jede Verweigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu bekleiden bestraft werden... die Kirche trug Sorge, dass diese Gesetze kein toter Buchstabe blieben." H. Ch. Lea "Geschichte der Inquisition" Bd 1

In diesem grauenvollen Aberglauben wuchs Antonio Michele Ghislieri auf. Er hielt es für seine Christenpflicht dem Pfad zu folgen, den sein Glaubens- und Amtsgenosse Damasus von Rom 366  eingeschlagen hatte! Für diese Kirche absoluter Gnadenlosigkeit kämpfte er lebenslänglich unbeirrt  als Priester, Inquisitor, Bischof, Kardinal und dann als eiskalter Großinquisitor um schließlich 1566 Papst Pius V. zu werden.

Freudlos wie seine Kirche lebte er für die Erhaltung und Ausbreitung römischer Macht.
Fastenzeiten hielt er exakt inne. Vetternwirtschaft kam bei ihm nicht vor.  An seinem Hof wurde gespart und billig gelebt.

Es heißt, ein römischer Pfarrer habe ihn eines Tages um Geld zum Zweck der Renovierung seiner Kirche gebeten.
 
"Im Innern sei es düster und die Fenster dunkel, so dass die Gläubigen Mühe hätten etwas zu sehen. Darauf antwortete Pius mit dem Johanneszitat 20:29 : Selig sind, sie nicht sehen und doch glauben" Josef Gelmi "Papstanekdoten"
 
Zur Ehre des sonst argen Pius muss man sagen, er lebte was er glaubte. Leopold von Ranke schreibt:
 
 
"Das Volk war hingerissen, wenn es ihn in der Prozession sah, barfuß, ohne Kopfbedeckung, mit dem reinen Ausdruck von ungeheuchelter Frömmigkeit im Gesicht, mit langem schneeweißen Bart; ..."
Doch schon bevor er  das Priesterseminar besuchte sollte sich alles dramatisch ändern. Luthers Thesenanschlag 1517 und der Ausbruch König Heinrich VIII. von England aus dem Zwangsbündnis mit der katholischen Kirche, 1533, rüttelten an den Grundfesten des frommen Rom. Wie Blitze schlugen diese Proteste in das riesige Gebäude ein. An allen Ecken und Enden brannte es. Es war ein Brand wie im Moor.

Überall, sogar innerhalb der Wände des damals noch unfertigen Vatikans diskutierten, zwischen 1517 und jetzt  auch die glaubensfestesten Geistlichen Luthers Thesen, die nicht gerade zimperlich mit dem Papsttum und seiner unbiblischen Religion umgingen. Viele Geistliche fanden, dass Luther recht hat. Wenn auch nicht in allen Punkten.
Nichts sollte so bleiben wie es einst war. Zum Glück!

 

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