Samstag, 15. August 2026

Die unselige, nachnicänische Kirche - Mutter der Sekten (1)

 

 

 

 

                                              Die unselige, nachnicänische Kirche

Mutter der Sekten

 

 

 

 

 

Gerd Skibbe

 

2026

 

  

 

 

Vorwort 




Ludwig Hertling S. J., Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom bestätigt indirekt, doch schonungslos, was insbesondere durch den Paradigmenwechsel, der 325 in Nicäa erfolgte, seitens der Gläubigen erlitten werden musste: „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein... Viele Umstände haben zusammengewirkt, um die antike Welt in diesen Zustand der Ohnmacht oder Erstarrung zu bringen, der zeitweise einem wirklichen Sterben ähnlich sieht..."


„Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“ 


Mit dem 1. ökumenischen Konzil wurde die Kirche der Urchristen zur arianischen Sekte degradiert. Der Begriff „arianische Häresie“ wurde, ungerechtfertigt, zum geflügelten Wort. Die monotheistische Kirche Konstantins trat kühn an die Stelle der polytheistisch-christlichen Religion. Mit Nicäa wurde sie buchstäblich „dessen“ Kirche. 

Der deutsche Althistoriker Prof. Clauss: brachte es auf den Punkt. Konstantin „wollte der Christus sein.“

„Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich       


 Tatsächlich bestätigen dasselbe nicht wenige moderne Forscher: „… Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“ 

Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg-Greifswald    


 Ein Statement der katholischen Union der Europäischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen/innen (UCESM) zeigt im Jahr 2007, was Konstantin 325 in Nicäa zu erreichen wünschte: „…. Aurelian führte (den) heidnischen Monotheismus ein. Während Konstantin den christlichen Monotheismus einsetzen wird mit Sol Invictus.“  


Das negieren die Trinitarier.


Dr. Gassmann von der Bibelgemeinde Pforzheim verfasste die Schrift:Antichrist – bei … Mormonen und Scientologen.“ ISBN: 978-3-944834-06-1  

Er will belegen, dass im originalen Christentum monotheistisch geglaubt wurde. Der mormonische Gottesbegriff sei ebenso falsch wie andere ihrer Lehren: „… aus den Schriften der Mormonen geht ganz eindeutig hervor, dass sie keine Christen, sondern Polytheisten sind, sie glauben an viele Götter; Mormonen werden sich zur Götterstufe höherentwickeln; die Götter seien höherentwickelte Menschen. Dies ist reiner Spiritismus und Gotteslästerung!" 


Was jedoch die Forschung dazu sagt ist das Gegenteil. 

Bedauerlich, dass an einigen Universitäten im Bereich der christlichen Dogmengeschichte teilweise noch der Stand von 1920 kolportiert wird. 

Einigen Fachleuten fehlen wichtige Erkenntnisse. Das gilt besonders für einflussreiche Evangelikale in den Vereinigten Staaten. 

Im Juni 2026 schrieben US-Medien: „… Die meisten Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verstehen sich als Christen. Viele prominente Gelehrte widersprechen dem jedoch. Sie verweisen auf grundlegende Unterschiede in ihrem Gottesbild und ihrer Auffassung der Dreifaltigkeit“ „The Ass.Press“   


Die erwähnten „prominenten Gelehrten“ befinden sich im Fahrwasser eines Mannes namens Athanasius (290-373) - Diakon seines Bischofs Alexander von Alexandria, - der seit dem nicänischen Konzil mehr konstantinisches Gedankengut verteidigte und propagierte als der Kirche guttun konnte.  Er wurde der Sprecher der Gruppe der „christlichen Monotheisten“. Das gefiel dem Kaiser. Seit Nicäa, 325, nannten sich die Neuerer „Orthodoxe“. Fortan musste man zwingend den trinitarischen Gott verehren und dienen, sonst traf die Verweigerer das nur harmlos klingende Urteil: „Wer arianisch glaubt, (dass Jesus Christus getrennt vom Vater existiert, der) ist kein Christ!“ Unvergessen bleibt, dass im 4. und 6. Jahrhundert mehr als hunderttausend Arianer in Italien vernichtet wurden, weil sie arianisch glaubten. Emanuel Kant kritisierte den Unsinn, man müsse den „richtigen“ Gott ehren und dienen: „… was heißt: Gott ehren? Doch so viel, als ihm dienen? — Wodurch kann ihm aber gedient werden? Doch gewiss nicht dadurch, dass man durch allerlei Lobpreisungen ihm seine Gunst ablocken will …, sondern einzig und allein dadurch, dass sein Wille befolgt, und seine heiligen Gesetze und Befehle beobachtet werden.“ 


                     Die Urkirche kannte Christi Gebote, die Trinität nicht. 


Moderne evangelische Theologen bekräftigen das: „Die Diskussion um die Trinität begann im vierten Jahrhundert nach Christus.  Sie ist sehr philosophisch geprägt, da die Lehre von der Trinität in der Bibel nicht explizit vorkommt. EKD 2020     


Origenes (185-254) stellte bereits 100 Jahre vor dem Nicänum klar was diesbezüglich urchristliche Überlieferung und Lehre war und was nicht: „... Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. völlig neu bearbeitete Auflage   


Der an dieser Stelle ansetzende Hinweis lautet: „Sowohl Origenes wie auch Arius wurden bereits im Altertum abgelehnt“.

 Keinen Pfifferling ist diese Behauptung wert. 

L. Hertling SJ kontert ebenfalls: „Origenes hatte niemals die Absicht, von der Lehre der Kirche abzuweichen!“  „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“    

Der hochrangige katholische Kleriker Hans Urs von Balthasar SJ (1905-1988) lobt Origenes in höchsten Tönen: „Origenes und seine Bedeutung für die Geschichte des christlichen Denkens zu überschätzen ist kaum möglich. „Feuer und Geist“   


Selbst Papst Benedikt XVI. ehrte Origenes: „Ich lade euch dazu ein... die Lehre dieses großen Meisters (Origenes) im Glauben in euer Herz aufzunehmen.“ Generalaudienz am 25. April 2007 


Ich selbst lernte früh, dass jeder der Wahrheit verpflichtet ist, sonst schlägt sie zurück!

 

Gerd Skibbe

 


Vorbemerkung:  

 

Nur hier, im engen Rahmen dieser einen Seite meines Essays, erlaube ich mir, auf Basis eines 80-jährigen Sachstudiums, jenen Trinitariern ins Gewissen zu reden, die sich erlauben den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ den Ehrentitel „Christen“ abzusprechen. Fast alle die hier kritelnd mitreden, setzen voraus, dass kein Christ berechtigt sei die Lehre vom dreifaltigen Gott in Frage zu stellen. Derselbe Personenkreis gestattet sich andererseits zu predigen, man dürfe alles in Frage stellen.

Als damaliger Ostdeutscher erhielt ich per Fernleihe Fachliteratur auch aus der bayrischen Staatsbibliothek München.

Zusammenfassend gesagt: Kaiser Konstantin hat mit dem durch ihn geprägten und mittels seiner Macht erzwungenem Nicänum nur Unheil gestiftet.

Mich erschüttert die partielle Ignoranz derer, die bei heutigem Wissensstand noch von der arianischen Häresie reden.

Hier nur ein Beispiel:

„Arius leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia 2019  

Versimpeln, wie hier geschehen, lässt sich die Sache nicht.   

Denn gegen Formulierungen wie diese spricht das Credo der vom Arianer Wulfila bekehrten Ostgoten unwiderleglich: „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster“... wir glauben an Gott den Vater u n d an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der  seinesgleichen nicht hat.“ 

Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“     

Wider besseres Wissen widmen nicht wenige trinitarische Theologen Unholden wie z.B. Ambrosius von Mailand ehrende Gedenktage. Sein Staatsgesetz „Cunctos populos“, von 380, dessen Inkraftsetzung er mindestens mitzuverantworten hat, verursachte Juden-Hass und Zerstörung. Ambrosius war Regierungsberater, in der Tat aber Herr und Meister der Kaiser seiner Zeit. Wenig oder nichts machte ihm die Seelenknechtung vieler Millionen Menschen aus. Cunctos populos ähnelt auffallend den Nürnberger Rassegesetzen von 1935. Hier wie da war es Juden- und Fremdenhass. Das Hitlersche Reichsflaggengesetz, als Bestandteil des Rassegesetzes, bestimmte die Hakenkreuzfahne zur einzig gültigen Nationalflagge des Deutschen Reiches. Ähnlich bestimmte Cunctos populos den katholischen Trinitarismus zur einzig erlaubten Religion im römischen Imperium. Ambrosius von Mailand war nicht blind, aber verrückt. Er war versessen darauf seines Gottes größter Held zu sein. Alles wankte jedoch nach der Niederlage der von ihm aufgestachelten römischen Truppen, 378, trumpfte er erst richtig auf. Auf Grundlage neuer Einsichten erhebt sich die Frage, wer war dein Gott Ambrosius? Hast du den von Verfolgung und Tod bedrohten Entrechteten beigestanden, oder nicht? Hast du „nur“ zugelassen oder angeordnet, hellenische Tempel zu zerstören? Dietrich Bonhoeffers Gott war auf jeden Fall ein anderer. Ambrosius hätte das Rad der Gewalttätigkeiten stoppen können. Doch wie ein leichtfertiger Allmächtiger zog er keineswegs die Konsequenzen in Richtung Frieden. Er konnte seine Macht nach innen sogar noch ausbauen, auch weil die italienischen Goten - als siegreiche Anti-Trinitarier, mit dem Erreichten, entgegen allen Befürchtungen, zufrieden waren und ihren Arianismus nirgendwo mit Gewalt durchsetzen wollten. 

Von Beruf Fischereiingenieur, 1930 geboren, war ich ein dumm-fanatischer Hitlerjunge der aber nie auf Menschen zielte. 1945, unmittelbar nach Kriegsende kam ich mit „Mormonen“- und Antimormonenliteratur intensiv in Berührung und durchlebte die DDR-Periode in voller Länge, stets bedacht darauf mich selbst und andere zu überzeugen, dass Gott lebt.

 

 

Glaubensfragen   

 

Die Gottesfrage beschäftigte selbst die Größten: Der Theologe Dr. Dr. Dieter Hattrup sagte: „In den letzten drei Jahrzehnten, von 1925 bis zu seinem Tod 1955, erkennt Einstein, dass die Wissenschaft nicht leisten kann, was er von ihr erwartet hatte, als er sich ihr verschrieb. Ja, umgekehrt, die Physik ist dabei, das Personale als den Grund aller Wirklichkeit plausibel zu machen. Wenn die Welt nicht nach einem mechanischen Plan abläuft, wenn es neben den harten Gesetzen der Naturwissenschaft auch Ereignisse gibt, die von diesen Gesetzen nur ungefähr vorausgesagt werden, dann wird Spinozas Formel hinfällig. Dann ist Gott nicht mit der Natur gleichzusetzen. Dann liegt es eher nahe zu sagen, der Grund der Welt, mit üblichem Namen Gott genannt, ist frei und handelt nach Plan. Sein Handeln in der Welt ist nicht durch Naturgesetze festgelegt, sondern er bestimmt die Gesetze.“   

Die Tagespost, kath. Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur.  2004       

Theologie, vor allem die christliche, basiert auf Wissen und ist zugleich Opfer von Spekulationen und Machtstreben.  Hätte Gott sich nicht während gewisser Perioden auserwählten Menschen offenbart, die hoher Gesinnung waren und Inspiration suchten, wir wüssten nichts von ihm. Frau Prof. Dr. Regine Schulz gab, 2012, mit ihrer Kanzelrede bei „Andreas um sechs“ tiefere Einblicke in die altägyptische Religion: „Auferstehung und Ewiges Leben“, im Alten Ägypten. Ihre Aussagen haben Gewicht. „Den Menschen des Alten Ägypten sei die Frage nach dem Glauben ganz fremd gewesen, sie hatten nicht einmal ein Wort dafür. Ihre Vorstellung von der Götterwelt und der Ordnung des diesseitigen und jenseitigen Lebens sei nach ihren Begriffen überliefertes Wissen gewesen, die Wahrheit. Sie fürchteten das Totengericht, denn das Weiterleben nach dem Tod hing vom Wohlverhalten im Diesseits ab. Es gab Hoffnung auf Gerechtigkeit, Hoffnung auf Gnade gab es nicht Der Maßstab für das richtige Leben sei zusammengefasst im Begriff Ma`at, der sich nicht übersetzen lasse, weil er viele Bedeutungen einschließt: Gerechtigkeit, Ordnung, Weisheit. Die Personifizierung dieses umfassenden Begriffes in der Göttin Ma`at schaffe eine Verbindung zur Person Christi, meinte Superintendent Helmut Aßmann im Gespräch mit der Museumsdirektorin.“ Sie sei Protestantin, „aber auch der festen Überzeugung, dass das Verhalten im Diesseits sich auf das Leben im Jenseits auswirke." Diese letzte Bemerkung ist zwar gut „mormonisch“-urchristlich, aber keineswegs evangelisch und schon gar nicht calvinistisch. Ebenso wie der Museumsleiterin geht es nahezu allen Christen die die Bibel lesen. Sie erkennen, dass Gott nicht nur gütig ist, sondern auch gerecht.

 

 

Ist Sol invictus dominierender Teil des „Dreifaltigen Gottes“?  


Der Kernsatz des bereits erwähnten Statements der katholischen Union der Europäischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen, lenkt unser aller Blicke auf das Jahr 325 n. Chr. „…Konstantin wird den christlichen Monotheismus einsetzen.“ (Seit wann muss man einsetzen was bereits vorhanden ist?) Bemerkenswert. Dann aber, korrekterweise, legten die Autoren der „Union“ den Finger auf die Problemfigur „Sol“. Konstantin wollte und sollte auch nachnicänisch „mit Sol Invictus zusammenwirken“ … Da Sol invictus Herkunft nicht gerade die Feinste ist, musste irgendwann im Reich des Glaubens Sol gleich Christus werden, oder umgekehrt.


Die Sol-Einsetzung – seine Einfügung ins Christentum - sollte geschehen.

Wiki Commons: Mosaik des Christus als Sol Invictus in der vatikanischen Nekropole 



 

„Nachnicänische    Christen        identifizierten Christus als die wahre, spirituelle Erfüllung des Sol Invictus, oft als Solarisation“ Christi bezeichnet.“ Art & Theology 

Zu spät erkannten jene 11 Prozent aller Bischöfe des römischen Reiches, die auf Staatskosten nach Nicäa reisten, dass sie in eine Falle gelockt wurden.  Dass dies so war bewies Konstantin, nur fünf Jahre nach dem Konzil.   „Sol Invictus in seiner späten römischen Form ist das Produkt einer Verschmelzung, …bei der die Allmachtsvorstellung der syrischen BaalsGötter auf den römischen Sonnengott  übertragen wurde.“  Imperium Romanum  


330, zu Konstantinopel zeigte Konstantin sein wahres  Gesicht,          das     des unbesiegten Sonnengottes. Es wird berichtet, dass seine Gedenkstatue auf der Porphyrsäule: „von Heiden und von C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e versuchten, das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren.  Sie beteten ihn wie G o t t an und leisteten Fürbitten, die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ F. Kolb Herrscherideologie in der Spätantike“   


Bilden Konstantin, ApolloHelios und Christus zusammen den Dreifaltigen?  Wie soll man das verstehen? Die Verschmelzung von Geist und Körper geschah bei unserer Geburt. Aber die Verschmelzung verschiedener Personen ist undenkbar, außer wenn eine Eizelle befruchtet wird.

Wenn Konstantin mit Sol verschmelzen sollte und beide mit dem Vater sowie dem Gott „Heiliger Geist“, dann erhebt sich die nächste Frage: müsste es fortan nicht heißen wir glauben an eine heilige „Vierfaltigkeit“ statt an die „Dreifaltigkeit?“ Der Kaiser pochte doch darauf, dass da nur ein Gott ist. Letztlich wollte er die Christen überzeugen, zu bekennen:  „Es handelt sich nicht um drei verschiedene Götter, sondern um drei Seinsweisen desselben eines Wesens“ Heilige Dreifaltigkeit    


Er wird die Bischöfe bearbeiten.


Konstantin hatte 324 die Alleinherrschaft im blutigen Ringen gegen Schwager und Mitkaiser Licinius errungen. Fast zeitgleich verschickte er Einladungen an die 2000 Bischöfe des Reiches und den Befehl zur Ermordung des gefangen gesetzten Licinius, den Ehemann seiner Halbschwester Constantia, obwohl er ihr geschworen hatte, Licinius Leben nicht anzutasten. Nach dem militärischen Sieg griff er, mittels beider Aktionen, nach den Sternen. Seine Absicht war Herrscher des „Weltalls“ zu werden. Während der Zeit seiner quasi-Geiselhaft zu

Nikomedia hatte er es immer wieder in paganen „Gottesdiensten“ vernommen: der Kaiser gleiche dem Gebieter des Weltalls.“ Alexander Demandt „Diokletian und diTetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“ 

 

 Ein Kaiser, eine Religion, ein Gott 

Darum ging es ihm. Deshalb lud Konstantin die etwa 2000 Bischöfe des Reiches ein, auf Staatskosten nach Nicäa in Kleinasien zu reisen.  Es hieß, er wolle in der Kirche Frieden stiften.  

Welche Ehre für die überwiegend ‚kleinen’ Leute, in den Dörfern Palästinas und Kleinasiens, die den bis dahin nur innerhalb der Kirche geachteten Rang eines Bischofes trugen, eine Einladung vom mächtigsten Mann der Welt zu erhalten.  Umgehend erhoben sich seitens der absoluten Mehrheit der Postempfänger schwerwiegende Bedenken nach Nicäa zu gehen, obwohl die Versuchung verständlicherweise für jeden groß war, fortan geachtet und sogar berühmt zu werden. Die von den Paganen Verspotteten, hätten jetzt auftrumpfen können: „Seht meine Einladung vom Kaiser!“, und dann noch umsonst mit der kaiserlichen Post daher zu fahren und etwas von der Welt zu sehen, das stellte schon eine gewisse Verlockung dar. Die mutigen, im Glauben Gefestigten – und das waren nahezu 90 Prozent - wollten sich jedoch nicht selbst kompromittieren. Sie lehnten schweigend ab. Konstantin, dem bekanntlich grausamen Sol – Invictus - Verehrer den Gefallen zu tun, zu Füßen zu kriechen, kam für sie nicht in Betracht. Sie wussten es: Konstantin hatte „das aus dem Orient kommende Hofzeremoniell übernommen, das schon Diokletian eingeführt hatte: wenn er Bittsteller oder Gesandte empfing, trug er ein Diadem auf dem Kopf und schwere bestickte Kleidung aus Damast und Seide, die bis zum Boden reichte. Jeder, der sich ihm näherte, musste sich zu Boden werfen und den Saum des Kleides küssen, ehe der Kaiser ihm erlaubte, sich wieder aufzurichten… Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in Trier.“ Er kannte „auch mit der Zivilbevölkerung … keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“    Bettina von Engel: Vortrag „Konstantin und seine Familie in Trier“  

Konstantins „Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; sein Schwiegervater, Kaiser Maximianus, wurde 310 von seinen Soldaten an Konstantin ausgeliefert, der ihn schließlich zum Selbstmord zwang… seinen Schwager Licinius ließ Konstantin erwürgen, dessen Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn totschlagen;…“ später hörte man allerorten  „Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein.“      Ökumenisches Heiligen-Lexikon 


Jeder kann jeden des Schlimmsten verdächtigen, das alleine schadet noch keinem, außer dem der es sich erlaubt harmlosen Leuten reine Bosheit zuzutrauen. Dieser Mann hatte sein Gewissen längst umgebracht. Er präsidierte zu Nicäa seelenruhig. Er trug die neue Gottesformel längst in sich. Er brachte sie schließlich durch. Den Kollaborateuren Paphnutius von Ägypten, Bischof Hosius von Cordoba, Nikolaus von Myra, dem Schafhirten Spiridon von Zypern und vielen anderen suggerierte er gegen Konzilsende: Nur ihr steht im Recht euch Christen zu nennen. Auch die halbherzigen Konstantinianer sollten nach einigen Wochen der ideologischen Bearbeitung ihrer Seelen versprechen künftig zu predigen: „Es handelt sich nicht um drei verschiedene Götter, sondern um drei Seinsweisen desselben eines Wesens“ Heilige Dreifaltigkeit    

Das behautet das Nicänum und mit ihm fast die gesamte Theologenschaft bis heute.            

Man kann Parolen verkünden, die aus reinen Lügen und sonst nichts anderem bestehen, wie Hitlers: „Die Juden sind unser Unglück!“  oder Marx und Engels Forderung „Proletarier aller Länder vereinigt euch“. An den Folgen zeigt sich der Lügengeist. Millionen kämpften für nichts. 18 Millionen Arbeiter und Intellektuelle vereinigten sich schließlich, wenn auch unfreiwillig im Archipel Gulak.  

Zu keiner Zeit konnte das Wortungeheuer: „… drei Seinsweisen desselben einen Wesens“ als korrekte Wiedergabe der Aussagen der Bibel erkannt werden. Hoch und niedrig nahmen diesen Unfug zunächst nur unter Zwang als bittere Pille hin, dann gleichgültig aus Gewohnheit. Die Mehrheit der Konzilsteilnehmer blieb ablehnend dabei: Trinitarismus ist Konstantinismus. Das verschwiegen sie wohlweislich, denn „seitens des Kaisers … wurde mit Drohungen und Ankündigung von Repressalien gearbeitet. Jeder Bischof wurde einzeln vorgenommen. Ihm wurde das Bekenntnis (das Nicänum) vorgelegt, und er wurde sogleich vor die Alternative gestellt, entweder zu unterschreiben oder in die Verbannung zu gehen...“ Rudolf Leeb „Konstantin und Christus“ – die Verchristlichung der imperialen Repräsentation“    

"Alles schien in bester Ordnung, jedoch hatten einige Bischöfe nur ein Lippenbekenntnis abgelegt, da Kaiser Konstantin mit der Verbannung für jener

Bischöfe gedroht hatte, die das Bekenntnis nicht unterschrieben..." Kath. Quelle

"Familia Spiritualis Opus" 2013       

Bereits Im Eingangstext des Athanasianums droht die Keule 

Wer immer gerettet werden will, muss vor allem den katholischen Glauben festhalten.“ Vers 1     Wenig später heißt es im Kontext und zwar offiziell: „Denn wie wir gezwungen sind, in christlicher Wahrheit jede einzelne Person für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.“ Athanasianum Z.19 

Unter großkirchlichen Theologen herrscht bis heute Gruppenzwang, obwohl auf der Hand liegt, dass die „christliche Wahrheit“ den Vorrang haben sollte.  Kann es einen größeren Widerspruch geben? Man sollte jedenfalls meinen, dass nichts über „die christliche Wahrheit“ gestellt werden kann und darf, schon gar nicht der Monotheismus.  

Bevor die Bischöfe anreisten, glaubten sie, noch laut bekennend, bis auf wenige Ausnahmen, so wie der damals noch weithin unbestrittene, wohl bedeutendste Kirchenvater Origenes (185-254) polytheistisch. Nahezu alle hatten bereits vor ihrer Taufe, als Katecheten Zeugnisse, auch vom Märtyrer Justin gehört, der um 150 schrieb und bezeugte: 


Ich werde versuchen, dich, da du die Schriften verstanden hast, von der Wahrheit meiner Aussage zu überzeugen, nämlich dass es einen anderen Gott und Herrn gibt und dass es einen geben soll, der dem Schöpfer aller Dinge untergeordnet ist; dieser wird auch Engel genannt, weil er den Menschen verkündet, was auch immer der Schöpfer aller Dinge – über dem es keinen anderen Gott gibt – ihnen verkünden möchte.“ „Dialog mit dem Juden Tryphon“ Kapitel 56. Gott, der Moses erschien, unterscheidet sich von Gott dem Vater…   


Mit wenigen anderen aber ebenso deutlichen Worten sagte Origenes wieder und wieder dasselbe: „Rangältester von allen Geschöpfen ist der ewig aus dem Willen des Vaters gezeugte Sohn Gottes. Er ist dem Vater nur „gleich“ im Sinne von ähnlich... der Sohn ist das Abbild (Kolosser 1: 15) geringer als Gott selbst (Joh. 14: 28) an dessen Gottheit er nur Teil hat und dem er als der“ zweite Gott“ in jeder Hinsicht subordiniert ist... Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person.“ Origenes „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band   


Das Kernproblem des Nicänums - die Unvorstellbarkeit oder Unerkennbarkeit der neuen Gottheit – musste die breite Mehrheit der Prediger aller nachnicänischen Zeiten kleinreden, weil unter Strafe gestellt wurde zu behaupten: „Jesus sieht seinem Vater ähnlich.“ Aber, selbst die redlichsten Bekenner des Trinitarismus konnten weder damals noch heute bestreiten, dass „alle großen vornizänischen Theologen die Subordination des Logos im Verhältnis zu Gott vertraten. Da wird es eindeutig als Subordination aufgefasst und dargestellt. Und der entschiedenste Subordinatianer des Neuen Testaments war gemäß den Synoptikern Jesus selbst.“  Dr. Martin Werner „The Formation of Christian Dogma“ 


Auch aus diesem Text folgt: „Da sind drei Götter,“ oder mehr. Origenes bedauerte den Zweifel daran, der also bereits in seinen Tagen aufkam „... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wah

 

Das war die Lehre der Kirche.


"Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“    Origenes Kommentar zu Joh.: 2:3


Im Unterricht lernten die Katecheten allesamt, jahrhundertelang, dass Jesus, als er aus dem Wasser seiner Taufe im Jordan heraufkam, ebenso wie die Abwesenden sah, dass sich der Himmel öffnete, und der Heilige Geist in Form einer Taube auf ihn kam und, dass eine Stimme aus der Höhe ertönte, die Stimme Gott-Vaters die bezeugte: „Jesus ist mein geliebter Sohn, an dem ICH Wohlgefallen finde“. Da waren also drei verschiedene Götter. Daran lässt sich auf biblischer Grundlage, nicht herumdeuteln! 

Zu spät erkannte die Mehrheit der angereisten, dass in Konstantins Sommerpalast zu Nicäa nur ein Wille Geltung besaß. Er wird die Bedrängten gut behandeln, vorausgesetzt sie unterwerfen sich. Und so sollte es im Jahr 325 kommen, die (erzwungene) Unterwerfung, denn „...Konstantin hatte eine neue Idee von der Kirche, die er verwirklichen wollte: ... nach dem ihm vorschwebenden Bild formt er… sein Reich, seine Kirche…. Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen. Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte Kirche (!), das Reich der Zukunft…“ doch  „… Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“ 

Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Uni Heidelberg-Greifswald


Dieses Reich der Zukunft, dass dem damals einflussreichsten Mann der europäischen Welt vorschwebte, diese Mixtur aus der Soldatenreligion des Mithraismus, plus einiger aus dem Christlichen entlehnter Elemente konnte dann doch überleben, aber schwer angeschlagen.  Aus heutiger Sicht bedeutete das Konzil zu Nicäa, 325, den Beginn des Niedergangs von dem Hertling allerdings mit anderen Worten sprach. Der Geist Christi der Wahrhaftigkeit wich vor dem grobdiktatorischen Ungeist Konstantins zurück. Für nicht wenige, die noch lange keine Christen waren schimmerte jedoch schon bald das Geld verlockend. Der Kaiser wird zumindest die Bischöfe besolden! Das sollte viele Banausen wie das Licht die Motten anziehen. So kam es.  Nachdem Konstantin sich „...zum Herrn der Kirche (gemacht hatte). In ihre Streitigkeiten hatte er entscheidend ein(gegriffen) und verteilte mit geschickten Fingern Recht und Unrecht. ...im Handumdrehen füllte sich der Hof des Kaisers mit einer Menge von Persönlichkeiten, die mit ihrem Christentum Geschäfte machen wollten. Edlere Naturen konnten neben ihnen kaum noch hervorkommen. (Sie) zogen sich angewidert zurück. Die siegreiche Kirche“ (kam hervor.) Pfarrer E. F. Klein „Zeitbilder aus der Kirchengeschichte“, Berlin, Ackerverlag, 1930, S. 144

Die alte, leidende, aber souveräne Kirche, verschwand zwar nicht sofort, aber sie geriet auf die Schattenseite. Konstantins Denomination, obwohl sie auf Eidbruch, Gewalt und große unerfüllbare Versprechen gegründet wurde wuchs nominell erheblich, weil man da was holen konnte, denn nun verwalteten die Bischöfe des neuen Typs die staatliche Armenkasse. Diese Einrichtung bestand einige Jahrhunderte.

 Konstantin überrollte nicht nur Arius und Origenes Gotteslehre. 

Indirekt beeinträchtigte er auch andere Teile der generellen Christentheologie, wie die Möglichkeit der Allversöhnung in der Ewigkeit. 

Dieser „Apokatastasis“ genannte Vorgang wird im Buch Mormon 2. Nephi 28: 19 umschrieben mit den Worten: „Denn das Reich des Teufels muss erbeben, und diejenigen, die dazugehören, müssen notwendigerweise zur Umkehr aufgestachelt werden, sonst wird der Teufel sie mit seinen immerwährenden

Ketten gefangen halten.“   


Nun im 21. Jahrhundert erscheinen immer mehr origenesfreundliche  Veröffentlichungen und Aussagen zum frühchristlichen Anti-trinitarischen Gottesglauben. Origenes, der nachweislich mit den Kirchenlehren übereinstimmend schrieb betonte ausdrücklich, dass Christus von Ewigkeit her Gott war, sowie, dass wir Erdenmenschen – die zur Familie Adams gehören – ebenfalls Götter in der Ewigkeit werden können: 


„Während der Sohn auf Grund seiner in ewiger Gegenwart bestehenden Teilhabe am Leben Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott ist, sind alle vernunftbegabten Kreaturen nach dem Sündenfall berufen, durch die Vermittlung des Sohnes und nach dessen ewigem Vorbild „Götter“ zu werden… nach Origenes besteht zwischen Vater und Sohn ein logisch-kausales Begründungsverhältnis, das die Nachordnung des Sohnes als selbständiger Hypostase zur Folge hat…  Als Wahrheit und Weisheit des Vaters ist der Sohn jedenfalls nur dann richtig verstanden, wie Origenes nicht müde wird zu betonen, wenn man nicht vergisst, dass er eine selbständige Hypostase ist.“ Christoph Brun 2013 „Zur Gotteslehre des Origenes“      


 Selbst der berühmt-attackierte Bischof Novatian sprach von „Christus als »obersten Engel Gottes“ Vera Hirchmann „Die Kirche der Reinen“ Mohr Siebeck 2015  


Der Älteste Arius (260-337) argumentierte mit diesen und ähnlichen Zitaten in Nicäa so bald dort im Klartext gesprochen wurde. Natürlich erregte er damit auf Seiten der entschlossenen Fürsprecher pro Monotheismus Ärger.  So ist der Durchschnitts-Mensch. Er folgt der für ihn jeweils höchsten Sieger-Autorität widerspruchslos, schließlich will niemand sich selbst Ärger auf den Leib reißen. Das ist der Mitläufereffekt, und doch, es gibt immer Ausnahmen, gebildet von denen die im Stande sind eigenständig zu denken und die dann mutig ihr Denkergebnis verteidigen oder … manchmal, aus Klugheit verbergen. Athanasius (290?-373), der Diakon des Alexandrinischen Bischofs Alexander, warf sich umgehend in Nicäa zum Anführer der Unterstützer Konstantins auf. Damals mochte er um Mitte 30 sein, ein kleiner, schmächtiger Mann, unbeugsam und bissig. Sein Bischof, und der Konzilsleiter Hosius von Cordoba feuerten ihn an. Allen anderen voraus, stärkte der Kaiser seinen Rücken.


Arius und Athanasius kannten einander bestens aus der Zeit, als die Gottesfrage in einer Zusammenkunft in Alexandria um 318 aufkam und dann ausuferte. Lautstark seitens Athanasius, blieb Arius selbstbeherrscht gelassen.  Er machte dort und andernorts, wenn er es für angebracht hielt deutlich, dass die „Drei-in-Eins-Lehre“ der Kirche Gottes fremd ist. Und eben das weiß die großkirchliche Theologie spätestens seit dem Ende das 19. Jahrhunderts. 


Die Dreifaltigkeitslehre, wie sie dann als Nicänum „verbschiedet“ wurde, war keineswegs eine kleine, sondern „…eine „große Neuerung, die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke (Vater, Sohn und Heiliger Geist seien „unius substantiae“ G.Sk-) zu Stichworten des Katholischen Glaubens. Sie sicherte die Eigenart dieses Glaubens… Im Grunde war nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes, fortan musste die Kirche die Last einer ihr  f r e m d e  n  Glaubensformel tragen“ A.  von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“   

Männer wie Konstantin stellen nicht viele Fragen. Sie „wissen“ ob oder wer und was Gott ist. Den Kaiser und seine Ideen anzuerkennen gehörte nachnicänisch für alle Christen zur obersten Bürgerpflicht. Er verlangte es. Es sei nicht ratsam einem wie ihn zu widersprechen.

Vor 318 gab es, soweit bekannt, in anderen Gemeinden nur selten Fragen oder Behauptungen in Richtung Trinitarismus. Gelegentlich ging es um die Auslegung des Wortes „Gott ist Geist“, das im Johannes-Evangelium auftaucht. Da gab es hinlänglich Spielraum, den Athanasius nutzte. Es fällt jedoch schwer diesem Monotheisten, der wüst fluchen konnte, länger zuzuhören. Er kämpfte mit allen Mitteln um dem Kaiser und sich selbst zu gefallen. Er baute die Nebel-Gott-Variante zu Gunsten der Ansprüche Konstantins nicht selten mit grobschlächtigen Worten aus. Dagegen wirkte der Älteste Arius, der Athanasius Vater sein könnte, nie unhöflich. Er verwies ihn allerdings mit starken Argumenten: „Denkt an das große Erlebnis des Stephanus der laut Apostelgeschichte Jesus sah, wie er an der Seite seines Vaters stand. Da sind mindestens Zwei.“   Apostelgeschichte 7: 59      Oder Arius zitierte Jesus: „Ich gehe zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Joh. 20: 17. 

Dass Arius mit Bibelworten wie diesen und den Origenes-Texten im Lager der Konstantinianer ebenfalls Wirkung erzielte, konnten die Origenisten deren Gesichtern ablesen. Der Alexandriner Origenes, galt noch kirchenweit in Sachen Theologie als oberste Instanz. „Das Ansehen des Origenes war noch in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts in weiten Kreisen ein unbedingtes.“ Adolf von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 28   

Knapp zwei Generationen nach Nicäa traten erste Nörgler vom Format Epiphanius, Bischof von Salamis (320-403) auf, um den, nach Athanasius Hinscheiden, schwächelnden Trinitarismus zu stärken. Wir wissen, dass Kaiser Constantinius II. im Jahr 359 alle Bischöfe zurück zum Arianismus „bekehrte“.  Epiphanius galt bereits schon zu seinen Lebzeiten als unsachlich argumentierender, fanatischer Ketzerjäger. Er wusste anscheinend nicht, oder wollte nicht wissen, dass Christen immer auf Fairness bedacht sein müssen, wenn sie ihren Ehrentitel bewahren wollen. Er kämpfte gegen Origenes Gotteslehre, als wäre dieser Gelehrte der Erfinder der Theologie seiner Zeit. Überhaupt wütete er gegen alles was nicht im Einklang mit dem Nicänum stand. Das bekamen auch die Hellenen zu spüren.  

„392 lässt der heilige Epiphanius die meisten paganen Tempel Zyperns zerstören.“ Vlassis G. Rassias „Christians persecution against the Hellenes.” Greek Athen 2000 


Sich vorzustellen wie das vor sich ging macht traurig. Diese Häuser gaben Hunderttausenden innere Festigkeit. Epiphanius verurteilte den großen Lehrer zwar scharf, doch lediglich die „subordinatianische Logoslehre des Origenes“, wodurch dieser „zum geistigen Vater des Arianismus geworden“ sei. Josef Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidikomarianten“ Kempten, München 1919

Diese Aussage ist in sich unehrlich, denn der Arianismus entsprach dem Original.  Andererseits schlägt Epiphanius seinen Trinitariern, deren ohnehin schwaches Argument aus der Hand: „Eine Unterordnung (Christi gegenüber Elohim) im Sein wird als Irrlehre abgelehnt“   (offizielle Erklärung) aber biblisch nicht haltbar

Man kann alles Beliebige als Irrtum oder Irrlehre abtun, aber nur solange bis das Leben selbst die Wahrheit zur Geltung bringt. Selbstverständlich gilt allemal, dass selbst ein höchstrangiger Legionskommandeur nicht der Kaiser ist. 

Dasselbe bestätigt die moderne Forschung mit Blick auf Christus. Auch Thomas Hägg, ein Historiker des 21. Jahrhunderts kommt, nach gründlicher Untersuchung der damaligen Umstände auf Basis verlässlicher Dokumente, zum Schluss: "…der Erzketzer Arius ist Traditionalist. Er steht fest auf dem Boden der kirchlichen Lehrtradition."                    "Kirchen und Ketzer"  2004 mit Unterstützung des norwegischen Forschungsbeirates für Klassische Philologie und Religionswissenschaft, Uni Bergen     

Arius wich nie von Origenes Seite. Im Verein wirken sie bis in unsere Gegenwart.  „Epiphanius gilt als einer der eifrigsten Verfechter der Orthodoxie seiner Zeit und hat in den theologischen Streitigkeiten wiederholt eine wenig schöne Rolle gespielt. Er ist es gewesen, der den Kampf gegen den Origenismus erst richtig entfachte... er ist der „Patriarch der Orthodoxie“... alle Häretiker (bezeichnet er) als wilde und giftige Tiere, deren Gift die Reinheit des Glaubens gefährdet... Hier liegen offenbar... böswillige Verleumdungen vor.“

Kurt Rudolph „Die Gnosis” 


Im autoritär-rüden Geist und Stil Konstantins, den Epiphanius zeitweise an den Tag legte, handelten die Nazis Hitlers. Der Theologe Josef Herman sagte: „In diesem Jahr (392) blieb es leider nicht beim sachlichen Kampfe; es wurde ein persönliches Streiten mit allen Bitterkeiten und Peinlichkeiten eines solchen, ein unschöner Zwist, der die klaren Linien der Meinungen und Charaktere verzerrte... . Epiphanius sah im Origenismus die gefährlichste aller Häresien. Nicht die Ewigkeit der Schöpfung, nicht die Präexistenz der Seelen und nicht die allgemeine Apokatastasis oder die allegorische Auslegung gewisser Schrifttexte bildeten den größten Stein des Anstoßes, sondern ganz besonders die Anklage: der Origenismus sei durch seine subordinatianische Logoslehre der geistige Vater des Arianismus geworden.“ Josef Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidiko-marianten“ Kempten, München 1919, Übersetzer aus dem Griechischen

Während Epiphanius von seinen Gesinnungsgenossen den Titel ‚Rechtgläubiger’ erhielt, steht er heute weniger in Ehren. 

Dennoch, unvergessen und zu loben ist, dass Epiphanius deutlicher, als zahllose Hochschullehrer unserer Zeit erkannte, dass die auch von Origenes vertretene „subordinatianische Logoslehre“ die Existenz von mindestens 2 Göttern bestätigt.  Epiphanius hätte klüger sein sollen, statt Origenes schwarz zu malen.  



  

Wikipedia Epiphanius von Salamis 

 Seinerzeit kannten die Christen das jetzt übliche „Christuskreuz“ noch nicht.


 

Das Kloster Granicas im Kosovo zeigt ihn mit Heiligenschein und einem Gewand, das mit Konstantin-Kreuzen bedeckt ist. 

 

Origenes Grundwissen hätte nie vernachlässigt werden dürfen, denn es war in sich stimmig, durch und durch biblisch und völlig auf Gewaltlosigkeit, sogar auf Versöhnung ausgerichtet. Dieses Wissen wurde nicht nur mündlich von glaubwürdigen Zeugen immer wieder bestätigt. Der Mensch wird dort erhöht, er wird ermahnt Hass zu überwinden.  Der Konstantinismus dagegen konnte zu keiner Stunde darauf verzichten Menschen, die sich glaubensmäßig anders entschieden zu erniedrigen – natürlich stets unter schön klingenden Argumenten -. Man rechtfertigte selbst die Verbrennung eines „Ketzers“ salbungsvoll: „Es geschah aus Liebe zur Errettung einer sonst verlorenen Seele.“ „Spanische Inquisition“

Indessen gilt in jeder Zeit der Paulussatz: „Wer den Geist Christi nicht hat, gehört nicht zu ihm.“  Römer 8:9 

König Philipp II. von Spanien, trug um 1590 persönlich Holz heran, um einen jungen Mann zu verbrennen, der sich vom Scheiterhaufen her beklagte, er habe nichts verbrochen. Die Antwort lautete; „Niemand ist in unseren Landen seines Lebens sicher, der nur ein Haar breit vom Glauben der römischen Kirche abweicht...“ König Philipp II. von Spanien 1590 Zitiert in der Evangelischen Kirchenzeitung 1854.



Origenes wird nun wieder häufiger in Betracht gezogen und doch immer noch attackiert, gemieden und manchmal diffamiert. Origenes gelang es fast ausnahmslos in Streitfällen Einigkeit wiederherzustellen.   Das ist ein Fakt den niemand bestreiten kann.  Allein deshalb ist es unsinnig, dass großkirchliche Theologie ihm, seit Mitte des 6. Jahrhunderts – allerdings unterschiedlich in Details - widerspricht. Und das, obwohl zumindest die Kirchenhistoriker wissen, dass die damalige Eliminierung „origenistischer Lehren“ nicht aus theologischen Gründen erfolgte

Diekamp „Die originistischen Streitigkeiten und das 5. ökumenische Konzil“

 

Wikipedia: wahrsch. nach einem Original. Lehrer in Alexandria 203-231

   

„Origenes siedelte 231/32 nach Caesarea über, (weil die Neider Argumente gegen ihn vorbrachten, aber in Caesarea erkannten die Gastgeber die miesen Hintergründe der Verleumdung) (dort kam) seine Lehrtätigkeit zur größten Entfaltung. Eine ganze Generation von Theologen ist hier durch seine Schule gegangen... mehrfach holte man Origenes zur Widerlegung von Häretikern, die sich seinen Argumenten meistens beugten...“  


  Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage 1960    

Indessen soll Diakon Athanasius bereits 318, wie sein  Bischof Alexander, in Wut, geraten sein, wenn er den Origenes-Zitaten, die Arius vortrug, wenig entgegensetzen konnte. Alexander fluchte wie ein Berber: „Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut“ Ernst F. Klein „Zeitbilder de Kirchengeschichte“     

Möglicherweise kam dort bereits das durchaus unberechtigte Wort von der „arianischen Häresie“ auf.  Spätere Theologen, wie auch Ambrosius von Mailand, betrachteten, noch heftiger als Konstantin, den Arianismus als ihren Todfeind.  (Der Kaiser änderte wenige Jahre vor seinem Tod seine Überzeugung, nachdem auch Arius seinen Teil zur Versöhnung beigetragen hatte) Konstantin „musste“ 325, gemäß seiner Logik, als „Reichsgott“ entschlossen, mit Unterstützung der Teilnehmer seines Konzils, unbedingt zwei Glaubenselemente korrigieren. Jede Art Polytheismus betrachtete er, unter gegebenen Umständen als ungeeignet „römische Staatsreligion“ zu werden. Zweitens: Er selbst war der Größte, er wird niemandem jemals nachgeordnet sein.  In ihm lebten doch die Numina der Götter.  Deshalb schuf er das trinitarische Bekenntnis, - nicht die Bischöfe. Er „fügte das nachher so sehr umstrittene unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. „consubstantialis“ ein …, „die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater, wie von Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem VaterHans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“    

Ersetzt!

Das Ändern theologischer Normen betrachtete Konstantin als sein gutes Recht. Ihn interessierte christliche Lehre und Sinn nicht, sondern nur die Eigenart dieser Menschen, ihre Zuverlässigkeit als Staatbürger und -beamte. Christen sind gewissenhafte Menschen die nie ihr Wort brechen. Davon ging der Imperator aus. Deshalb wollte er sie vor seinen Karren spannen. Das war Nötigung.  In der vornicänischen Zeit galt alleine schon Nötigung als unverzeihliches Verbrechen.

       Ende Teil 1