1965: mit Vatikanum II distanzierte sich die katholische Kirche von Kaiser
Konstantin (275-337). Die Ära Konstantin sei nun beendet.
Diese Aussage kann in ihrer positiven Bedeutung nicht überschätzt werden.
Wenn damit auch die ungeheuren Verbrechen, die seit Nicäa 325 im Geist
Konstantins geschahen, nicht gelöscht sind, ist es doch eine nun einladende,
weit geöffnete Tür zu guten Beziehungen zu allen Gutwilligen anderer
Religionen.
2016 beschworen Studenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten
Tage und Katholiken gemeinsam für Religionsfreiheit einzutreten. Erzbischof
Chaput von der Erzdiözese Philadelphia sagte „…wollen einander als Freunde
und nicht als Feinde oder Fremde betrachten. "Wir müssen voneinander
lernen, sowohl aus unseren Erfolgen wie auch aus unseren Fehlern, öffentlich
haben wir für unsere Überzeugungen eigener Integrität einzutreten…“ Dies
ist dem Geist der Friedensbotschaft Christi sehr nahe, ebenso die Suche Roms
nach Vergebung bei den Nachkommen derer, die unter Verfolgungen durch
fanatische Trinitarier schwer gelitten haben. Unvergessen ist, wie bescheiden,
aufrichtig und bitter enttäuscht Papst Franziskus 2015 in der Kirche der
Waldenser zu Turin dasteht, dass seine Bitte um Vergebung für die „unmenschlichen
Handlungen und Einstellungen“, die sie in der Geschichte durch Katholiken
erlitten hatten. Ihm wurde gesagt, dass sie als Kinder die Vergebung nicht
im Namen ihrer Vorfahren „erteilen“ könnten, da nur Gott allein Sünden vergibt.
Sie betrachteten die Geste dennoch als einen entscheidenden Wendepunkt für den
ökumenischen Dialog. Demut geht jeder Vergebung voraus. Diesen Geist vertrieben
zahlreiche angebliche Christen viele Jahrhunderte hindurch mit brutaler
Arroganz, wie sie Cyrill von Alexandria (380-444) gegen die Juden und die Novatianer * an den Tag legte,
auch das ist unvergessen. * Novatian (200-258)
hochrangiger Priester zu Rom, vertrat die Ansicht, die Kirche habe nicht die
Vollmacht, "Todsünden" wie Götzendienst oder Ehebruch zu vergeben;
dies könne nur Gott am Jüngsten Gericht. Er trachte danach Primus der
italienischen Kirche zu werden und gilt dem Mainstream als Gegenpapst. Von ihm
stammen die Katharer ab. Sofort nach seinem Amtsantritt, 412, ließ Cyrill den Raub
des Besitzes der Novatianer zu.
Ebenso unvergessen ist, dass die Kirche zur Zeit Konstantins selbst extrem
gedemütigt wurde. Zu seiner Dienerin hat der römische Imperator sie gemacht. Um
die neuen Schulbücher mit mehr historischen Wahrheiten auszustatten, müssen wir
den Tatsachen der Geschichte, wie sie war, ins Auge sehen. Im Besonderen geht
es um Tatsachen, die erst durch neue Forschungsergebnisse erkennbar wurden. So,
wie der Holocaust nie in die Vergessenheit fallen darf, oder die
Schrecklichkeiten des Leninschen Roten Terrors, Stalins Kirchen- und
Kulakenhass, die Untaten Pol Pots oder Mao Tse-Tungs Rote-Garden-Politik mit
schließlich 50 Millionen Toten. Sinnentstellende und unwahre Behauptungen sind
zu merzen: Konstantin sei der erste christliche Kaiser der Weltgeschichte?
Nicht wenige nehmen diese Aussage als Tatsache hin. Doch die Forschung stellte
sich der Frage: War Konstantin wirklich ein Christ oder eher der biblisch
vorausgesagte Antichrist, „…der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens,
der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder
Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott
und gibt sich aus, er sei Gott.“ 2. Thess. - Kapitel 2: 3-4
In Nicäa 325 nennt er sich, noch bescheiden, „Bischof der Bischöfe“. Nur
fünf Jahre nach dem nicänischen Konzil zeigt Konstantin bedenkenlos zu
Konstantinopel, dass er und der uralte Sonnengott, Sol Invictus, ein und
derselbe sind. Auf Münzen widmete Konstantin der Kriegs-Siegesgöttin Victoria
Ehre. Beide aber sind Götter des Unheils. Sie segnen ungerechtfertigte Kriege
und Morde, wie die von Konstantin ausgeführten gegen engste
Familienangehörige. Das von evangelischer Hand geführte Ökumenische Heiligenlexikon
schreibt: „Seine Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht
auszubauen; sein Schwiegervater, Kaiser Maximianus, wurde 310 von seinen
Soldaten an Konstantin ausgeliefert, der ihn schließlich zum Selbstmord zwang;
seinen Schwager Licinius ließ Konstantin erwürgen, dessen Sohn degradierte er
zum Sklaven und ließ ihn tot schlagen; Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und
Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte,
eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Folge des Todes von Fausta war,
dass ihr gesamter Besitz aus dem Erbe der Laterani - so der heutige Lateranpalast -
endgültig an den Papst kam.“
„Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten
ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in
Trier… .“ Er kannte „auch mit der Zivilbevölkerung … keine Gnade und
hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in
Trier“ Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007
Es wird berichtet, dass die Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule
„... von Heiden und von C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e
versuchten, das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit
Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren. Sie b e t e t e n ihn
w i e e i n e n G o t t an und leisteten
Fürbitten, die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin
als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“
„Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn
in der Haltung und im Gewand des Sonnengottes darstellen…" William Seston „Verfall des Römischen Reiches im
Westen“
Wiki Commons Mosaik des Christus als Sol Invictus in der vatikanischen Nekropole, 3. Jahrhundert.
Die Nähe des Sol
zu Baal ist jedoch unübersehbar: "Ursprünglich vereint Sol Invictus
mehr oder weniger die orientalischen Religionen wie den persischen Mithras und
den syrischen Baal. Die Wurzel dieses nach Rom exportierten Baal lässt sich
zurückverfolgen nach Emesa, mit dem Stadtgott Sol Elagabal. Sol Invictus ist
bereits unter Vespasian geläufig. Er stellte ihm zu Ehren schon im Jahre 75
eine Kolossalstatue auf, seit Commodus trägt jeder Kaiser den Titel
Invictus." www. Uni-
Protokolle
Zwölf Jahre nach Nicäa berichtet Eusebius von Cäsarea „ausgesprochen
billigend, dass auf Beschluss von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde
angefertigt wurde, auf welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe
thronend dargestellt wurde... Das irdische Imperium Romanum (sei), allein
von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der Diener Gottes, sondern auch sein
Stellvertreter auf Erden... "Während Logos Christus im Himmel herrscht,
erfüllte Constantin die gleichen Aufgaben auf der Erde.“ F. Kolb „Herrscherideologie in der
Spätantike“
„… er wollte der Christus sein“ Prof. Clauss „Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich
Ähnliche
Anmaßungen durch andere Exponenten erscheinen nicht in den ersten eintausend
nachchristlichen Jahren der Geschichte. Es gab Zeiten, da anerkannte der
Vatikan die Doppelrolle des Sonnengottes: Wie dieses Bild bestätigt, wurde
Christus in der Spätantike kirchlicherseits tatsächlich mehrfach mit Sol
Invictus gleichgestzt
Irgendwann wurde allen Bischöfen bewusst, dass Kaiser Konstantin kein sauberes Spiel mit ihnen trieb. Die Tatsache ihres beachtlichen Widerstandes veranlasste Hertling SJ zu der Bemerkung: „... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen, gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“
Athanasius von Alexandria (290?-373) der mitentscheidende Gegenspieler des
Ältesten Arius (260-337) tobte indessen weiter: Er habe den Erweis der
Wahrheit vorgebracht, zufriedengeben und nunmehr sich ruhig verhalten ...(hätten
sich die Arianer nicht). Sie geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch
nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot
sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue
Wege... Arianer sind keine Christen... Sie sind die Erfinder
von Gotteslästerungen und in Wahrheit die Gottesfeinde ...Wenn aber Gott
nicht wie ein Mensch (aussieht), er ist es nämlich nicht, so darf man auf
ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen...“ Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der
Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede“
Es gibt nun jedoch eine erste, deutliche Ablehnung dieser Behauptung des
Athanasius. In seiner 1. Enzyklika sagte Papst Benedikt XVI. „Dantes
„Göttliche Komödie“ habe ihn ... inspiriert, „… Das tiefste
Innere des unzugänglichen Lichtes sei jedoch nicht etwa ein noch gleißenderes
Leuchten oder noch helleres Scheinen, sondern das zarte Gesicht eines Menschen,
das dem Seher da endlich auf seiner Suche entgegentrete. Dies sei ...„noch
viel bewegender als die Offenbarung Gottes in der Form des Dreifaltigen Kreises
von Erkenntnis und Liebe. Gott, das unendliche Licht, ... besitzt ein
menschliches Gesicht.“ 23. Januar 2007
Das ist, Gott sei Dank, endlich die Brücke. Ob sie auch für weitere
Theologen begehbar und akzeptabel erscheint, muss die Zukunft erweisen. Die
Evangelische Kirche Deutschlands ging noch einen Schritt weiter: „Die
Diskussion um die Trinität begann (erst) im vierten
Jahrhundert nach Christus. Sie ist sehr philosophisch
geprägt, da die Lehre von der Trinität in der Bibel nicht explizit vorkommt.“ EKD 2020
Eisern klammern sich klügste Menschen an das Bekenntnis zu Nicänum, obwohl
es der Vernunft widerspricht. Prof. Bernd Oberdorfer,
Augsburg, gibt zu bedenken: „Verlegenheit ist noch das
harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn
die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt,
sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott
einer und drei zugleich ist?“ „Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004
Der dreifaltige
Gott ist unerkennbar. Ein bekannter Jesuit schmunzelt aus Verlegenheit: „In
meiner Spessart-Gemeinde (Leidersbach-Ebersbach) erinnert man sich noch heute
gerne an die Freude, die der alte Pfarrer Väth 34 Jahre lang (von 1936–1970)
seinen Pfarrkindern jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag bereitet hat. Nach dem
Evangelium pflegte er zu sagen: „Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ist so
groß und so tief, dass es selbst Euer Pfarrer nicht versteht. Darum fällt heute
die Predigt aus – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.“ Medard Kehl SJ „An den dreieinen Gott
glauben“ 5. Juni 2008 in Fulda
Zu bitter sind
die Taten der bedeutendsten Trinitarier: Nachdem seine Armeen nach fast
20-jährigen Kriegen die Arianer Italiens im 6. Jahrhundert zu Boden geworfen
hatten, jubelt Kaiser Justinian (482-565). – den die orthodoxen Kirchen für einen
Heiligen halten –.
„Von Gott eingesetzt ...bringen wir Kriege
glücklich zu Ende…Wir richten unsere Herzen so auf den Beistand des
allmächtigen Gottes, dass wir weder Waffen noch unseren Soldaten, noch den
Generälen, noch unserer eigenen Begabung vertrauen müssen, sondern jegliche
Hoffnung allein auf die vorsorgende Umsicht der höchsten D r e i f a l t i g k
e i t setzen…“Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich
und Religion“
Unvergessen ist,
dass der berühmte
Entdecker des kleinen Blutkreislaufes, Michael Servet, 1553, auf Betreiben des
athanasianischen Reformators Calvin zum Tode verurteilt und mit ausgewählt
grünem Holz geröstet wurde, weil er darauf bestand, gut arianisch,
(=mormonisch) zu sagen: „Gott hat ein Antlitz!“
Ähnlich schräg wie mit anderen Athanasianern verhält es
sich mit Bischof Ambrosius von Mailand (330?-397) und Kaiser Justinian sowie
Cyrill von Alexandria. Ihnen werden, trotz ihrer Untaten, ebenso wie
Konstantin, seitens der Großkirchen ehrende Gedenktage gewidmet. Redliche
Christen waren sie nicht. Sie agierten wie selbsternannte Halbgötter, die
keinen Widerspruch zuließen. Ihre Worte
und Taten schleuderten Hass gegen andersdenkende. „Ambrosius wird von allen
christlichen Kirchen (katholisch, orthodox, anglikanisch und lutherisch) noch
hochgeachtet. Er zählt zudem zu den vier ursprünglichen Kirchenlehrern des
Abendlandes“ SmartGuide „Leben des Heiligen Ambrosius“
Ambrosius, war Verehrer das mörderischen Papstes Damasus (305-384). Er
formulierte u.a. eine Ungeheuerlichkeit, die selbst schwere Ungerechtigkeiten
ungeschehen machen sollten: „Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht
welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus
Romanus und die Reformation“ Georg Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159
„Nachlassen“ bedeutet
nach katholischer Lehre „vergeben“, oder „verzeihen“.
Wer Witwen betrügt und
Kinder schändet gehört hinter Schloss und Riegel verbracht zu werden. Allein
dieser markante Ambrosius-Satz verführte selbst sonst angesehene Geistliche zu
Übeltaten und unzähligen Fehlentscheidungen selbst der Päpste. Seit dem 13. Jahrhundert galt es
ambrosianisch: „Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten
vorhanden, der sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die
Heiligen über das hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig
ist... dass den Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex
ermächtigt, denen die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen
Quelle des Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von
der für ihre Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ James Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche,
XII. Jahrhundert II. Supererogation wurde das genannt.
Nicht korrekt ist zu
sagen: gemeint wäre ein Ablass von Kirchenstrafen, das beweist ein Urteil „im
Fall des Mordes des Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim
Marcus im 14. Jahrhundert. Papst Johannes XXII. nahm von diesem Mörder
Geld und erklärte, Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr. Visconti sei nun mit
dem Reich Gottes ausgesöhnt.“ Schlosser,
Weltgeschichte Bd VI. S. 390-391
Dass Geld, auch
schmutziges, jedes Tor im Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder
verstehen, noch unwidersprochen hinnehmen. Das brachte die Reformation zuwege. Ambrosius billigte oder initiierte, in seiner Eigenschaft
als Kaiserberater sehr junger Imperatoren, das im Februar 380 in Kraft gesetzte
staatliche Zwangsgesetz „Cunctos populos“. Es brachte die Religionsfreiheit zum
totalen Ende. Cunctos populos richtete sich insbesondere gegen die Arianer,
aber auch die Juden bekamen seine Hartherzigkeit heftig zu spüren, sowie die
Hellenen, deren Tempel umgehend, nach Veröffentlichung dieses Gesetzes im
Februar 380, attackiert, wenn nicht teilweise zerstört wurden. „Ambrosius, der Bischof von Mailand, beginnt alle Tempel
seines Gebietes zu zerstören. Die christlichen Priester führen den hungrigen
Mob gegen den Tempel der Demeter in Eleusis und versuchen, die Hierophanten
Nestorius und Priscus zu lynchen. Der 95 Jahre alte Hierophant Nestorius
beendet die Eleusinischen Mysterien und verkündet die Herrschaft geistiger
Dunkelheit über die menschliche Rasse. Am 2. Mai 381 beraubt (der
unter dem Einfluss des Ambrosius stehende G.Sk.) Kaiser
Theodosius die Christen, die zur heidnischen Religion zurückkehren, aller ihrer
Rechte. Im gesamten östlichen Imperium werden Tempel und Bibliotheken
geplündert oder niedergebrannt..“
Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“
Bis
heute wird Cunctos populos als Dreikaiseredikt bezeichnet. Bis jetzt soll mit ihm die Unwahrheit gelten,
dass der Arianer, Kaiser Gratian, und Kaiser Valentinian II zu den Verfassern
bzw. Unterzeichnern gehörten. Der damals 9-jährige Valentinian II hätte den
arianischen Glauben seiner Vorfahren verboten und nur das trinitarische
Christentum erlaubt? Die Fakten sprechen dagegen: „Als der jugendliche Kaiser Valentinian II.
für seine Arianer, die außerhalb der Stadtgrenze gelegene basilica Porciana
extra murana forderte, wurde ihm dies von Ambrosius verweigert.“ Peter
Grossmann „Ägyptische Architektur“
Wiederholt
„verweigerte Ambrosius Justina (der amtierenden Kaiserin) die
Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands zwei Kirchen zu überlassen.“ F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu
Christi“
Ambrosius leistete Widerstand „mit der
orthodoxen Bevölkerung dem Befehl Justinas, Kirchen an die Arianer
auszuliefern.“ Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
Gemäß der Catholic Answers Encyclopedia und weiteren historischen Quellen wie
dem Theodosianischen Kodex erließ Kaiser Valentinian II., nun als 15-jähriger
Regent, am 23. Januar 386 ein Edikt, das den Arianern weitreichende
Freiheiten und Schutz garantierte.
Bestenfalls ist Cunctos populos ein
„Einkaiseredikt“.
Ambrosius war
nach seiner Taufe durch Orthodoxe die Intoleranz in Person.
Schlimmer!
Die Fluchtroute der Gotten
Mit „de fide“
forderte Ambrosius 378 von Kaiser Gratian die arianischen Flüchtlinge die dem
Hunnensturm nicht gewachsen waren, und die um Schutz baten, zu bekämpfen. Schon vor der Kindheit des Ambrosius nahmen die
Angriffe der Hunnen auf die im Raum Ukraine siedelnden Goten zu. Bereits seit etwa 270 lebten einige ostgotische Stämme nördlich
der Donaugrenze. Die Berichte sagen, dass der arianische Gelehrte und Missionar
Wulfila, von Eusebius von Nikomedia geweiht, unter ihnen seit 341 sehr
erfolgreich wirkte. Es gibt massive Hinweise, dass die Goten zumindest eng
verzahnt mit den „verlorenen 10 Stämmen Israels“ sind. Ihre Überlieferungen
passten zum arianischen Glaubensgut. Jedenfalls gibt es dafür Belege: Die
arianische Gott Vater-Sohn- Beziehung entsprach in etwa der Religion der
gotischen Germanen. Der „Sohar“ - der poetische Kommentar zur Tora – legt das
nahe. Dort wird ausgeführt, „dass die Idee von einer Vielfalt-in-der-Einheit dem
jüdischen Denken nicht fremd ist. Tatsächlich gibt es, außer Gott selbst, zwei
andere Persönlichkeiten in den Hebräischen Schriften, die dargestellt werden
als anders, dennoch irgendwie gleich mit Gott.“ Und Wulfilas
Credo lautete dementsprechend, (entgegen den Aussagen einiger, die Arius
unterstellen, er leugne die Gottheit Christi): „Jesus ist der
„filius unigenitus, Dominus et noster... wir glauben an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren
Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der
seinesgleichen nicht hat.“ Gert Haendler „Die Rolle
des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“
Hinfällig ist
damit die Behauptung: Die Arianer leugneten die Gottheit Christi, - weil sie
daran glaubten Christus sei ein anderer, ein dem „allein wahren Gott“
nachgeordneter Gott. Sonderbar. Das große
Missverständnis lebt noch im 21. Jahrhundert: „Die Leugnung der Gottheit Christi,
wie sie die Arianer vertraten, war für die Katholiken nicht vermittelbar.“ Radio
Vatikan 7. !2
„Arius leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia
2019
Boris Altschüler
veröffentlichte interessante Sprach-Vergleiche, die uns nahelegen, dass die
Goten nicht nur kulturell, sondern auch genetisch mit israelischen Gruppen
verwandt sind. Ab 370 wurde der
Druck unerträglich. Die weiter nördlich
siedelnden Goten flohen vor dem Hunnensturm in Massen südwärts. Jahr für Jahr
verging für sie ohne Hoffnung. Innerhalb von zwei Generationen
durchquerten sie zwischen 376 und 418 das halbe Römische Reich, bis sie
schließlich in Italien und den Westprovinzen (Spanien) sesshaft wurden. Ein Blick auf die
Lage der Provinz Moesia in Europa zeigt allerdings, dass Ambrosius Bedenken
nicht ganz bodenlos waren. Die Neuankömmlinge könnten dem Papsttum den völligen
Garaus bereiten, falls aus dem weiten Norden immer mehr schutzsuchende Goten
ins Reich drängten. Allerdings später, als die gotischen Arianer Italien ganz
und gar beherrschten, erwiesen sie sich jedoch gegenüber dem Papst und seiner
Kirche als absolut tolerant. * „Laut
... Prokop sei Theoderich (der Ostgotenkönig) selbst ... ein wahrer Kaiser
gewesen. Dazu trug auch seine kluge Ausgleichspolitik zwischen den arianischen
Goten und den römisch-italischen Italienern bei. Beide Konfessionen erhielten
eine gleichwertige, wenn auch getrennte Behandlung. Auch gegenüber den Juden
ließ er Toleranz walten. So hieß es in einem durch den Staatsmann und
Schriftsteller Cassiodor überlieferten Brief: „Religion können wir nicht
anbefehlen, da es niemandem in den Sinn kommen wird, dass er gegen seinen
Willen glaubt“. Karl Adam DAS GOTISCHE ITALIEN...
König Theoderichs Mutter Ereleuva, zuvor
arianischen Glaubens, wie ihr großer Sohn, ließ sich katholisch taufen, und
erhielt den Namen Eusebia. Theoderich verstieß sie nicht. Zahlreiche Katholiken
gehörten zu seiner engsten Umgebung und sogar zur Familie.
"Nachdrücklich sorgte er für
Gerechtigkeit. Seinen Untertanen tat er fast nie ein Unrecht an und ließ es
auch von keinem anderen zu.« Mehr als 30 Jahre lang herrschte Frieden in
Theoderichs Provinz. Und dennoch kungelten römische Senatoren mit Byzanz und
hetzten gegen Theoderichs unkatholischen Glauben, wiewohl er selbst ein frühes
Musterbeispiel an religiöser Toleranz gegeben hatte.“
Annette Bruhn „Pest, Hunger und Schwert“.
Wikimedia Commons
Die rötlich
eingefärbten Gebiete waren Teil des von Legionen besetzten Reiches.
„Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu
viel, (was sie nicht leisten konnten).
So nahmen die (römischen) Kommandeure
die Kinder der Goten… Darüber kam es (im August 378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel, in der Kaiser Valens
fiel, siegten die Goten ...“ Leopold von Ranke
Münze Gratian (359-383)
Athanasius (290-373),
seit Nicäa der Erzfeind des Arius (260-337) attackierte ihn, wo er konnte. Nun war der Weg frei für Gratian, den
Wankelmütigen, der Ambrosius Weitsicht gleichzeitig schätzte und bezweifelte.
Den jungen Kaiser
plagte das Gewissen. Er wünschte, mit den Goten Frieden zu schließen. Aber Ambrosius sagte sein lautes Nein! Er
war Gratian an innerer Autorität haushoch überlegen. Ambrosius behauptete, im Stil und Sinn des
Athanasius, die Goten seien Gottesfeinde. Wörtlich: „Sie sind ‚christusfeindlich’
eingestellt.“ Ambrosius, völlig im
Fahrwasser der Schriften des Athanasius und des Epiphanius von Salamis
(319-403), stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche
Lösung des Problems. Er wünschte nicht zu denken, dass die bekehrten Goten
seine Brüder waren. Gnadenlos und folgenschwer vertrat er Konstantins durch und
durch verlogenes Konzept: Wer nicht nicänisch glaubt, ist kein Christ!“ Gratian wandte
ein, dass er doch erst sein arianerfreundliches Toleranzedikt zu Sirmium, 378
veröffentlicht hätte. Wütend, und alles auf eine Karte setzend, schrieb
Ambrosius nun von Angst getrieben: „Die
Arianer (Italiens und die Goten, G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen. Der Kaiser soll,
gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... Der Krieg
gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die
Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes
Hilfe vernichtet werde!“ Gunter Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“
Ambrosius
Verteidiger beschönigen die Definition des Begriffes „vernichtet“. Aber die
Goten wünschten nur Sicherheit für ihre Familien. Das wurde ihnen verweigert.
Ambrosius wusste: Für die Goten ging es
um Tod oder Leben. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten,
war ihnen, außer dem römischen, kein europäisches Heer mehr gewachsen. Gratian
ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln, und daran ist zu
ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen, Verantwortung tragenden Mann geistig
überlegen war. Ebenso bösartig operierte Kaiser Justinian, der im 6.
Jahrhundert fast 20 lange Jahre von 535 -554 in Italien einen Ausrottungskrieg
gegen eben diese harmlosen Ostgoten führte, nur weil sie als Arianer glaubten,
dass Jesus seinem Vater nachgeordnet (subordiniert) war. Darin bestand der
Hauptunterschied zwischen beiden Religionen. Natürlich gab es auch politische
Gründe. Die Ostgoten hatten eine Landreform zugunsten ihrer Soldaten und der
armen Bauern durchgeführt, die teilweise um ihren Besitz geschmälerten
beklagten sich bei Kaiser Justinian und baten um seine Intervention. Totila, der
vorletzte König der Arianer, „warf den
Possessoren Italiens, den Mitgliedern des senatorischen Adels vor“, dass
sie „obwohl an der Herrschaft beteiligt,
die Byzantiner ins Land geholt hatten“ Ernst Pitz „Die griechisch-römische Ökumene und
die drei Kulturen des Mittelalters“
Die Situation weist eine fatale Ähnlichkeit mit den mitteleuropäischen
Ereignissen von 1967 auf: Die auf Machterhalt bedachten Regenten der
Sowjetunion wollten ihre alte, volle Vorherrschaft in der Tschechoslowakei
wiederherstellen, die sie infolge des „Prager Frühlings“ verloren hatten, weil
Alexander Dubcek den Kreml-hörigen Generalsekretär Novotný ablöste. Die
Tschechen waren aus guten Gründen vom orthodoxen Kommunismus abgefallen, wie zu
Justinians Zeiten zahllose Italiener, die zuvor als gute Katholiken galten und
nun arianisch glaubten.
Züge der Ost- und der Westgoten
Italien lag
schließlich verwüstet da. Das flache Land und selbst die Großstadt Rom glichen später einer Wüste: „Zwar
residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar
Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger
der Geschichte und Retter des Christentums. Gespenstisch ging es zu. Wo einst 1
Million Bürger wohnten, hausten zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert nur
noch ein paar tausend Leute. Dieser verlorene Haufen, hielt sich allerdings für
den Nabel der Welt.“ Annette Bruhns „“Pest,
Hunger und Schwert“
1965 bekannte Rom sich zu den Prinzipien der
Religionsfreiheit die Konstantin, Ambrosius von Mailand und Kaisr Justinian
nacheinander unter ihre Füße getreten hatten.
Mit der Schlusssitzung von Vatikanum II,
1965, stellte Rom die fundamentalen Freiheitsrechtrechte, ihres
Einflussbereiches wieder her. Allerdings
votierten von den 2400 Konzilsvätern 70 dagegen. Der spätere Papst Benedikt
XVI. fasste als Konzilsberater zusammen: "Die
Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanums bedeutet …
kirchlicherseits das Ende des Mittelalters, ja das Ende der
konstantinischen Ära.“ Karl Hörmann „Willensfreiheit“
Das so klar zum Ausdruck
zu bringen ist bewundernswert.
Gerd Skibbe
Melbourne 2026