Samstag, 25. April 2026

Unvergessen: Die Ära Konstantins und der Holocaust (1)

 

1965: mit Vatikanum II distanzierte sich die katholische Kirche von Kaiser Konstantin (275-337). Die Ära Konstantin sei nun beendet. 

Diese Aussage kann in ihrer positiven Bedeutung nicht überschätzt werden. Wenn damit auch die ungeheuren Verbrechen, die seit Nicäa 325 im Geist Konstantins geschahen, nicht gelöscht sind, ist es doch eine nun einladende, weit geöffnete Tür zu guten Beziehungen zu allen Gutwilligen anderer Religionen.

2016 beschworen Studenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Katholiken gemeinsam für Religionsfreiheit einzutreten. Erzbischof Chaput von der Erzdiözese Philadelphia sagte „…wollen einander als Freunde und nicht als Feinde oder Fremde betrachten. "Wir müssen voneinander lernen, sowohl aus unseren Erfolgen wie auch aus unseren Fehlern, öffentlich haben wir für unsere Überzeugungen eigener Integrität einzutreten…“ Dies ist dem Geist der Friedensbotschaft Christi sehr nahe, ebenso die Suche Roms nach Vergebung bei den Nachkommen derer, die unter Verfolgungen durch fanatische Trinitarier schwer gelitten haben. Unvergessen ist, wie bescheiden, aufrichtig und bitter enttäuscht Papst Franziskus 2015 in der Kirche der Waldenser zu Turin dasteht, dass seine Bitte um Vergebung für die „unmenschlichen Handlungen und Einstellungen“, die sie in der Geschichte durch Katholiken erlitten hatten. Ihm wurde gesagt, dass sie als Kinder die Vergebung nicht im Namen ihrer Vorfahren „erteilen“ könnten, da nur Gott allein Sünden vergibt. Sie betrachteten die Geste dennoch als einen entscheidenden Wendepunkt für den ökumenischen Dialog. Demut geht jeder Vergebung voraus. Diesen Geist vertrieben zahlreiche angebliche Christen viele Jahrhunderte hindurch mit brutaler Arroganz, wie sie Cyrill von Alexandria (380-444) gegen die Juden und die Novatianer * an den Tag legte, auch das ist unvergessen. * Novatian (200-258) hochrangiger Priester zu Rom, vertrat die Ansicht, die Kirche habe nicht die Vollmacht, "Todsünden" wie Götzendienst oder Ehebruch zu vergeben; dies könne nur Gott am Jüngsten Gericht. Er trachte danach Primus der italienischen Kirche zu werden und gilt dem Mainstream als Gegenpapst. Von ihm stammen die Katharer ab. Sofort nach seinem Amtsantritt, 412, ließ Cyrill den Raub des Besitzes der Novatianer zu.

Ebenso unvergessen ist, dass die Kirche zur Zeit Konstantins selbst extrem gedemütigt wurde. Zu seiner Dienerin hat der römische Imperator sie gemacht. Um die neuen Schulbücher mit mehr historischen Wahrheiten auszustatten, müssen wir den Tatsachen der Geschichte, wie sie war, ins Auge sehen. Im Besonderen geht es um Tatsachen, die erst durch neue Forschungsergebnisse erkennbar wurden. So, wie der Holocaust nie in die Vergessenheit fallen darf, oder die Schrecklichkeiten des Leninschen Roten Terrors, Stalins Kirchen- und Kulakenhass, die Untaten Pol Pots oder Mao Tse-Tungs Rote-Garden-Politik mit schließlich 50 Millionen Toten. Sinnentstellende und unwahre Behauptungen sind zu merzen: Konstantin sei der erste christliche Kaiser der Weltgeschichte? Nicht wenige nehmen diese Aussage als Tatsache hin. Doch die Forschung stellte sich der Frage: War Konstantin wirklich ein Christ oder eher der biblisch vorausgesagte Antichrist, „…der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“  2. Thess. - Kapitel 2: 3-4

In Nicäa 325 nennt er sich, noch bescheiden, „Bischof der Bischöfe“. Nur fünf Jahre nach dem nicänischen Konzil zeigt Konstantin bedenkenlos zu Konstantinopel, dass er und der uralte Sonnengott, Sol Invictus, ein und derselbe sind. Auf Münzen widmete Konstantin der Kriegs-Siegesgöttin Victoria Ehre. Beide aber sind Götter des Unheils. Sie segnen ungerechtfertigte Kriege und Morde, wie die von Konstantin ausgeführten gegen engste Familienangehörige.  Das von evangelischer Hand geführte Ökumenische Heiligenlexikon schreibt: „Seine Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; sein Schwiegervater, Kaiser Maximianus, wurde 310 von seinen Soldaten an Konstantin ausgeliefert, der ihn schließlich zum Selbstmord zwang; seinen Schwager Licinius ließ Konstantin erwürgen, dessen Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn tot schlagen; Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Folge des Todes von Fausta war, dass ihr gesamter Besitz aus dem Erbe der Laterani - so der heutige Lateranpalast - endgültig an den Papst kam.“

Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in Trier… .“ Er kannte „auch mit der Zivilbevölkerung … keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“ Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007

Es wird berichtet, dass die Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule „... von Heiden und von C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e versuchten, das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren. Sie b e t e t e n  ihn w i e  e i n e n G o t t an und leisteten Fürbitten, die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“

„Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in der Haltung und im Gewand des Sonnengottes darstellen…" William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“



Wiki Commons Mosaik des Christus als Sol Invictus in der vatikanischen Nekropole, 3. Jahrhundert.

Die Nähe des Sol zu Baal ist jedoch unübersehbar: "Ursprünglich vereint Sol Invictus mehr oder weniger die orientalischen Religionen wie den persischen Mithras und den syrischen Baal. Die Wurzel dieses nach Rom exportierten Baal lässt sich zurückverfolgen nach Emesa, mit dem Stadtgott Sol Elagabal. Sol Invictus ist bereits unter Vespasian geläufig. Er stellte ihm zu Ehren schon im Jahre 75 eine Kolossalstatue auf, seit Commodus trägt jeder Kaiser den Titel Invictus." www. Uni- Protokolle

Zwölf Jahre nach Nicäa berichtet Eusebius von Cäsarea „ausgesprochen billigend, dass auf Beschluss von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde angefertigt wurde, auf welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe thronend dargestellt wurde... Das irdische Imperium Romanum (sei), allein von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der Diener Gottes, sondern auch sein Stellvertreter auf Erden... "Während Logos Christus im Himmel herrscht, erfüllte Constantin die gleichen Aufgaben auf der Erde.“ F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“  

„… er wollte der Christus sein“ Prof. Clauss „Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich

Ähnliche Anmaßungen durch andere Exponenten erscheinen nicht in den ersten eintausend nachchristlichen Jahren der Geschichte. Es gab Zeiten, da anerkannte der Vatikan die Doppelrolle des Sonnengottes: Wie dieses Bild bestätigt, wurde Christus in der Spätantike kirchlicherseits tatsächlich mehrfach mit Sol Invictus gleichgestzt

Irgendwann wurde allen Bischöfen bewusst, dass Kaiser Konstantin kein sauberes Spiel mit ihnen trieb. Die Tatsache ihres beachtlichen Widerstandes veranlasste Hertling SJ zu der Bemerkung: „... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen, gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“

Athanasius von Alexandria (290?-373) der mitentscheidende Gegenspieler des Ältesten Arius (260-337) tobte indessen weiter: Er habe den Erweis der Wahrheit vorgebracht, zufriedengeben und nunmehr sich ruhig verhalten ...(hätten sich die Arianer nicht). Sie geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege...  Arianer sind keine Christen... Sie sind die Erfinder von Gotteslästerungen und in Wahrheit die Gottesfeinde ...Wenn aber Gott nicht wie ein Mensch (aussieht), er ist es nämlich nicht, so darf man auf ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen...“ Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede 

Es gibt nun jedoch eine erste, deutliche Ablehnung dieser Behauptung des Athanasius. In seiner 1. Enzyklika sagte Papst Benedikt XVI. „Dantes „Göttliche Komödie“ habe ihn ... inspiriert, „… Das tiefste Innere des unzugänglichen Lichtes sei jedoch nicht etwa ein noch gleißenderes Leuchten oder noch helleres Scheinen, sondern das zarte Gesicht eines Menschen, das dem Seher da endlich auf seiner Suche entgegentrete. Dies sei ...„noch viel bewegender als die Offenbarung Gottes in der Form des Dreifaltigen Kreises von Erkenntnis und Liebe. Gott, das unendliche Licht, ... besitzt ein menschliches Gesicht.“  23. Januar 2007

Das ist, Gott sei Dank, endlich die Brücke. Ob sie auch für weitere Theologen begehbar und akzeptabel erscheint, muss die Zukunft erweisen. Die Evangelische Kirche Deutschlands ging noch einen Schritt weiter: „Die Diskussion um die Trinität begann (erst) im vierten Jahrhundert nach Christus.  Sie ist sehr philosophisch geprägt, da die Lehre von der Trinität in der Bibel nicht explizit vorkommt.“ EKD 2020          

Eisern klammern sich klügste Menschen an das Bekenntnis zu Nicänum, obwohl es der Vernunft widerspricht. Prof. Bernd Oberdorfer, Augsburg, gibt  zu bedenken: „Verlegenheit ist noch das harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt, sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott einer und drei zugleich ist?“ „Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004

Der dreifaltige Gott ist unerkennbar. Ein bekannter Jesuit schmunzelt aus Verlegenheit: „In meiner Spessart-Gemeinde (Leidersbach-Ebersbach) erinnert man sich noch heute gerne an die Freude, die der alte Pfarrer Väth 34 Jahre lang (von 1936–1970) seinen Pfarrkindern jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag bereitet hat. Nach dem Evangelium pflegte er zu sagen: „Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ist so groß und so tief, dass es selbst Euer Pfarrer nicht versteht. Darum fällt heute die Predigt aus – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Medard Kehl SJ „An den dreieinen Gott glauben“ 5. Juni 2008 in Fulda 

Zu bitter sind die Taten der bedeutendsten Trinitarier: Nachdem seine Armeen nach fast 20-jährigen Kriegen die Arianer Italiens im 6. Jahrhundert zu Boden geworfen hatten, jubelt Kaiser Justinian (482-565).  – den die orthodoxen Kirchen für einen Heiligen halten –.

 „Von Gott eingesetzt ...bringen wir Kriege glücklich zu Ende…Wir richten unsere Herzen so auf den Beistand des allmächtigen Gottes, dass wir weder Waffen noch unseren Soldaten, noch den Generälen, noch unserer eigenen Begabung vertrauen müssen, sondern jegliche Hoffnung allein auf die vorsorgende Umsicht der höchsten D r e i f a l t i g k e i t setzen…“Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich und Religion“

Unvergessen ist, dass der berühmte Entdecker des kleinen Blutkreislaufes, Michael Servet, 1553, auf Betreiben des athanasianischen Reformators Calvin zum Tode verurteilt und mit ausgewählt grünem Holz geröstet wurde, weil er darauf bestand, gut arianisch, (=mormonisch) zu sagen: „Gott hat ein Antlitz!“ 

Ähnlich schräg wie mit anderen Athanasianern verhält es sich mit Bischof Ambrosius von Mailand (330?-397) und Kaiser Justinian sowie Cyrill von Alexandria. Ihnen werden, trotz ihrer Untaten, ebenso wie Konstantin, seitens der Großkirchen ehrende Gedenktage gewidmet. Redliche Christen waren sie nicht. Sie agierten wie selbsternannte Halbgötter, die keinen Widerspruch zuließen.  Ihre Worte und Taten schleuderten Hass gegen andersdenkende. „Ambrosius wird von allen christlichen Kirchen (katholisch, orthodox, anglikanisch und lutherisch) noch hochgeachtet. Er zählt zudem zu den vier ursprünglichen Kirchenlehrern des Abendlandes“ SmartGuide „Leben des Heiligen Ambrosius“

Ambrosius, war Verehrer das mörderischen Papstes Damasus (305-384). Er formulierte u.a. eine Ungeheuerlichkeit, die selbst schwere Ungerechtigkeiten ungeschehen machen sollten: Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159

„Nachlassen“ bedeutet nach katholischer Lehre „vergeben“, oder „verzeihen“.

Wer Witwen betrügt und Kinder schändet gehört hinter Schloss und Riegel verbracht zu werden. Allein dieser markante Ambrosius-Satz verführte selbst sonst angesehene Geistliche zu Übeltaten und unzähligen Fehlentscheidungen selbst der Päpste.  Seit dem 13. Jahrhundert galt es ambrosianisch: „Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten vorhanden, der sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die Heiligen über das hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig ist... dass den Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex ermächtigt, denen die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen Quelle des Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von der für ihre Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ James Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche, XII. Jahrhundert II. Supererogation wurde das genannt.

Nicht korrekt ist zu sagen: gemeint wäre ein Ablass von Kirchenstrafen, das beweist ein Urteil „im Fall des Mordes des Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim Marcus im 14. Jahrhundert.  Papst Johannes XXII. nahm von diesem Mörder Geld und erklärte, Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr. Visconti sei nun mit dem Reich Gottes ausgesöhnt.“  Schlosser, Weltgeschichte Bd VI. S. 390-391  

Dass Geld, auch schmutziges, jedes Tor im Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder verstehen, noch unwidersprochen hinnehmen. Das brachte die Reformation zuwege. Ambrosius billigte oder initiierte, in seiner Eigenschaft als Kaiserberater sehr junger Imperatoren, das im Februar 380 in Kraft gesetzte staatliche Zwangsgesetz „Cunctos populos“. Es brachte die Religionsfreiheit zum totalen Ende. Cunctos populos richtete sich insbesondere gegen die Arianer, aber auch die Juden bekamen seine Hartherzigkeit heftig zu spüren, sowie die Hellenen, deren Tempel umgehend, nach Veröffentlichung dieses Gesetzes im Februar 380, attackiert, wenn nicht teilweise zerstört wurden. „Ambrosius, der Bischof von Mailand, beginnt alle Tempel seines Gebietes zu zerstören. Die christlichen Priester führen den hungrigen Mob gegen den Tempel der Demeter in Eleusis und versuchen, die Hierophanten Nestorius und Priscus zu lynchen. Der 95 Jahre alte Hierophant Nestorius beendet die Eleusinischen Mysterien und verkündet die Herrschaft geistiger Dunkelheit über die menschliche Rasse. Am 2. Mai 381 beraubt (der unter dem Einfluss des Ambrosius stehende G.Sk.) Kaiser Theodosius die Christen, die zur heidnischen Religion zurückkehren, aller ihrer Rechte. Im gesamten östlichen Imperium werden Tempel und Bibliotheken geplündert oder niedergebrannt..“  Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“   

Bis heute wird Cunctos populos als Dreikaiseredikt bezeichnet.  Bis jetzt soll mit ihm die Unwahrheit gelten, dass der Arianer, Kaiser Gratian, und Kaiser Valentinian II zu den Verfassern bzw. Unterzeichnern gehörten. Der damals 9-jährige Valentinian II hätte den arianischen Glauben seiner Vorfahren verboten und nur das trinitarische Christentum erlaubt? Die Fakten sprechen dagegen: „Als der jugendliche Kaiser Valentinian II. für seine Arianer, die außerhalb der Stadtgrenze gelegene basilica Porciana extra murana forderte, wurde ihm dies von Ambrosius verweigert.“ Peter Grossmann „Ägyptische Architektur“

Wiederholt „verweigerte Ambrosius Justina (der amtierenden Kaiserin) die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands zwei Kirchen zu überlassen.“  F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu Christi“

Ambrosius leistete Widerstand „mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl Justinas, Kirchen an die Arianer auszuliefern.“ Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

Gemäß der Catholic Answers Encyclopedia und weiteren historischen Quellen wie dem Theodosianischen Kodex erließ Kaiser Valentinian II., nun als 15-jähriger Regent, am 23. Januar 386 ein Edikt, das den Arianern weitreichende Freiheiten und Schutz garantierte. 

Bestenfalls ist Cunctos populos ein „Einkaiseredikt“.

Ambrosius war nach seiner Taufe durch Orthodoxe die Intoleranz in Person.

Schlimmer!

 

 Die Fluchtroute der Gotten


Mit „de fide“ forderte Ambrosius 378 von Kaiser Gratian die arianischen Flüchtlinge die dem Hunnensturm nicht gewachsen waren, und die um Schutz baten, zu bekämpfen. Schon vor der Kindheit des Ambrosius nahmen die Angriffe der Hunnen auf die im Raum Ukraine siedelnden Goten zu. Bereits seit etwa 270 lebten einige ostgotische Stämme nördlich der Donaugrenze. Die Berichte sagen, dass der arianische Gelehrte und Missionar Wulfila, von Eusebius von Nikomedia geweiht, unter ihnen seit 341 sehr erfolgreich wirkte. Es gibt massive Hinweise, dass die Goten zumindest eng verzahnt mit den „verlorenen 10 Stämmen Israels“ sind. Ihre Überlieferungen passten zum arianischen Glaubensgut. Jedenfalls gibt es dafür Belege: Die arianische Gott Vater-Sohn- Beziehung entsprach in etwa der Religion der gotischen Germanen. Der „Sohar“ - der poetische Kommentar zur Tora – legt das nahe. Dort wird ausgeführt, „dass die Idee von einer Vielfalt-in-der-Einheit dem jüdischen Denken nicht fremd ist. Tatsächlich gibt es, außer Gott selbst, zwei andere Persönlichkeiten in den Hebräischen Schriften, die dargestellt werden als anders, dennoch irgendwie gleich mit Gott.“ Und Wulfilas Credo lautete dementsprechend, (entgegen den Aussagen einiger, die Arius unterstellen, er leugne die Gottheit Christi): „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... wir glauben an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“ Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“

Hinfällig ist damit die Behauptung: Die Arianer leugneten die Gottheit Christi, - weil sie daran glaubten Christus sei ein anderer, ein dem „allein wahren Gott“ nachgeordneter Gott. Sonderbar. Das große Missverständnis lebt noch im 21. Jahrhundert: „Die Leugnung der Gottheit Christi, wie sie die Arianer vertraten, war für die Katholiken nicht vermittelbar.“ Radio Vatikan 7. !2

 „Arius leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia 2019 

Boris Altschüler veröffentlichte interessante Sprach-Vergleiche, die uns nahelegen, dass die Goten nicht nur kulturell, sondern auch genetisch mit israelischen Gruppen verwandt sind. Ab 370 wurde der Druck unerträglich.  Die weiter nördlich siedelnden Goten flohen vor dem Hunnensturm in Massen südwärts. Jahr für Jahr verging für sie ohne Hoffnung. Innerhalb von zwei Generationen durchquerten sie zwischen 376 und 418 das halbe Römische Reich, bis sie schließlich in Italien und den Westprovinzen (Spanien) sesshaft wurden. Ein Blick auf die Lage der Provinz Moesia in Europa zeigt allerdings, dass Ambrosius Bedenken nicht ganz bodenlos waren. Die Neuankömmlinge könnten dem Papsttum den völligen Garaus bereiten, falls aus dem weiten Norden immer mehr schutzsuchende Goten ins Reich drängten. Allerdings später, als die gotischen Arianer Italien ganz und gar beherrschten, erwiesen sie sich jedoch gegenüber dem Papst und seiner Kirche als absolut tolerant. * „Laut ... Prokop sei Theoderich (der Ostgotenkönig) selbst ... ein wahrer Kaiser gewesen. Dazu trug auch seine kluge Ausgleichspolitik zwischen den arianischen Goten und den römisch-italischen Italienern bei. Beide Konfessionen erhielten eine gleichwertige, wenn auch getrennte Behandlung. Auch gegenüber den Juden ließ er Toleranz walten. So hieß es in einem durch den Staatsmann und Schriftsteller Cassiodor überlieferten Brief: „Religion können wir nicht anbefehlen, da es niemandem in den Sinn kommen wird, dass er gegen seinen Willen glaubt“. Karl Adam DAS GOTISCHE ITALIEN...

König Theoderichs Mutter Ereleuva, zuvor arianischen Glaubens, wie ihr großer Sohn, ließ sich katholisch taufen, und erhielt den Namen Eusebia. Theoderich verstieß sie nicht. Zahlreiche Katholiken gehörten zu seiner engsten Umgebung und sogar zur Familie.

"Nachdrücklich sorgte er für Gerechtigkeit. Seinen Untertanen tat er fast nie ein Unrecht an und ließ es auch von keinem anderen zu.« Mehr als 30 Jahre lang herrschte Frieden in Theoderichs Provinz. Und dennoch kungelten römische Senatoren mit Byzanz und hetzten gegen Theoderichs unkatholischen Glauben, wiewohl er selbst ein frühes Musterbeispiel an religiöser Toleranz gegeben hatte.“

Annette Bruhn „Pest, Hunger und Schwert“.

 



 

 Wikimedia Commons

 Die rötlich eingefärbten Gebiete waren Teil des von Legionen besetzten Reiches.

 

„Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten). So nahmen die (römischen) Kommandeure die Kinder der Goten… Darüber kam es (im August 378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel, in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“  Leopold von Ranke

 



 





                                                        Münze Gratian (359-383)


Der Tod Kaiser Valens, (der Bruder Valentinians, der drei Jahre zuvor im Kampf gegen die persischen Sassaniden fiel) kam den Nicänern gelegen, denn auch Valens war Arianer gewesen.

                        

Athanasius (290-373), seit Nicäa der Erzfeind des Arius (260-337) attackierte ihn, wo er konnte. Nun war der Weg frei für Gratian, den Wankelmütigen, der Ambrosius Weitsicht gleichzeitig schätzte und bezweifelte.

Den jungen Kaiser plagte das Gewissen. Er wünschte, mit den Goten Frieden zu schließen.   Aber Ambrosius sagte sein lautes Nein! Er war Gratian an innerer Autorität haushoch überlegen.  Ambrosius behauptete, im Stil und Sinn des Athanasius, die Goten seien Gottesfeinde. Wörtlich: „Sie sind ‚christusfeindlich’ eingestellt.“  Ambrosius, völlig im Fahrwasser der Schriften des Athanasius und des Epiphanius von Salamis (319-403), stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche Lösung des Problems. Er wünschte nicht zu denken, dass die bekehrten Goten seine Brüder waren. Gnadenlos und folgenschwer vertrat er Konstantins durch und durch verlogenes Konzept: Wer nicht nicänisch glaubt, ist kein Christ!“ Gratian wandte ein, dass er doch erst sein arianerfreundliches Toleranzedikt zu Sirmium, 378 veröffentlicht hätte.  Wütend, und alles auf eine Karte setzend, schrieb Ambrosius nun von Angst getrieben: „Die Arianer (Italiens und die Goten, G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen. Der Kaiser soll, gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... Der Krieg gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde!“ Gunter Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“

Ambrosius Verteidiger beschönigen die Definition des Begriffes „vernichtet“. Aber die Goten wünschten nur Sicherheit für ihre Familien. Das wurde ihnen verweigert. Ambrosius wusste:  Für die Goten ging es um Tod oder Leben. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten, war ihnen, außer dem römischen, kein europäisches Heer mehr gewachsen. Gratian ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln, und daran ist zu ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen, Verantwortung tragenden Mann geistig überlegen war. Ebenso bösartig operierte Kaiser Justinian, der im 6. Jahrhundert fast 20 lange Jahre von 535 -554 in Italien einen Ausrottungskrieg gegen eben diese harmlosen Ostgoten führte, nur weil sie als Arianer glaubten, dass Jesus seinem Vater nachgeordnet (subordiniert) war. Darin bestand der Hauptunterschied zwischen beiden Religionen. Natürlich gab es auch politische Gründe. Die Ostgoten hatten eine Landreform zugunsten ihrer Soldaten und der armen Bauern durchgeführt, die teilweise um ihren Besitz geschmälerten beklagten sich bei Kaiser Justinian und baten um seine Intervention. Totila, der vorletzte König der Arianer, „warf den Possessoren Italiens, den Mitgliedern des senatorischen Adels vor“, dass sie „obwohl an der Herrschaft beteiligt, die Byzantiner ins Land geholt hatten“ Ernst Pitz „Die griechisch-römische Ökumene und die drei Kulturen des Mittelalters“  

Die Situation weist eine fatale Ähnlichkeit mit den mitteleuropäischen Ereignissen von 1967 auf: Die auf Machterhalt bedachten Regenten der Sowjetunion wollten ihre alte, volle Vorherrschaft in der Tschechoslowakei wiederherstellen, die sie infolge des „Prager Frühlings“ verloren hatten, weil Alexander Dubcek den Kreml-hörigen Generalsekretär Novotný ablöste. Die Tschechen waren aus guten Gründen vom orthodoxen Kommunismus abgefallen, wie zu Justinians Zeiten zahllose Italiener, die zuvor als gute Katholiken galten und nun arianisch glaubten.  


                                                Züge der Ost- und der Westgoten


Italien lag schließlich verwüstet da. Das flache Land und selbst die Großstadt Rom glichen später einer Wüste: „Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte und Retter des Christentums. Gespenstisch ging es zu. Wo einst 1 Million Bürger wohnten, hausten zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute. Dieser verlorene Haufen, hielt sich allerdings für den Nabel der Welt.“ Annette Bruhns „“Pest, Hunger und Schwert“

1965 bekannte Rom sich zu den Prinzipien der Religionsfreiheit die Konstantin, Ambrosius von Mailand und Kaisr Justinian nacheinander unter ihre Füße getreten hatten.

Mit der Schlusssitzung von Vatikanum II, 1965, stellte Rom die fundamentalen Freiheitsrechtrechte, ihres Einflussbereiches  wieder her. Allerdings votierten von den 2400 Konzilsvätern 70 dagegen. Der spätere Papst Benedikt XVI. fasste als Konzilsberater zusammen: "Die Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanums bedeutet … kirchlicherseits das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära.“  Karl Hörmann „Willensfreiheit“

Das so klar zum Ausdruck zu bringen ist bewundernswert.

 

 

Gerd Skibbe

Melbourne 2026                          

 

 

 


Sonntag, 12. April 2026

Vorlesungen Origenes


. Von den drei Meinungen über den Ursprung der Seele wurde die von der Präexistenz immer weniger gebil¬ ligt. Obgleich einige, wie Nemesius, IIspl cpu<7. avöp. c. 2, Gre¬ gor von Nyssa, De hom. opif. c. 28, Cyrillus von Alexan¬ drien, Comm. in Joh. Opp. T. IV. S. 78, eine Schöpfung der Seele vor dem Körper annahmen, so wurde doch die Vorstel¬ lung von der Präexistenz der Seele in der Form, in welcher Origenes sie gelehrt hatte, als eine unchristliche verworfen.

überrollt


Gleichwohl hat die Lehre des Origenes noch nicht alle Freunde und Anhänger verloren. Über Didymus, der gewöhn¬ lich auch hierin als Origenist betrachtet wird, liegt kein be¬ stimmteres Zeugniss vor, deutlicher aber hat sich hierüber Gregor von Nyssa ausgesprochen, sowohl in der Or. cat. 8 und 35, als auch in dem >.6yo; rcspl xal avacTocaso); *), wo die Hauptideen folgende sind: Die Seele wird zu Gott hin¬ gezogen, weil sie mit Gott verwandt ist, und Gott muss alles, was ihm gehört, in letzter Beziehung schlechthin erhalten werden. 




Gregor von Nyssa, welcher am meisten von den eigentümlichen Ideen des Origenes sich aneignete und ihm durch ein selbstständi¬ ges speculatives Talent am nächsten kam.  

Auch Justinian I., welcher im Jahr 527 Justin folgte, war der chalcedonensischen Synode eifrig zugethan, dagegen er¬ hielt der Monophysitismus an seiner schlauen und ränkevollen Gemahlin, der Kaiserin Theodora, eine um so mächtigere Stütze. Sie zog die bedeutendsten Männer der monophysiti- schen Partei in ihre Nähe, und brachte es sogar dahin, dass einer derselben, Anthimus, im Jahr 535 zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt wurde. Als Justinian den Betrug noch zeitig genug entdeckte, den Monophysitismus auf einer Synode in Konstantinopel im Jahr 536 verdammen liess und die Mo- nopliysiten aus der Hauptstadt und andern Städten entfernte, knüpfte sie zur Begünstigung des Monophysitismus geheime Unterhandlungen mit dem römischen Diaconus Vigilius an, in deren Folge dieser römischer Bischof wurde. Schon damals war auch von der Anathematisirung der den Monopbysiten besonders verhassten drei syrischen Kirchenlehrer, Theodor von Mopsuestia, Theodoret und Ibas von Edessa, die Rede. Es ist schon früher bemerkt worden, wie dieser neue Streitpunkt mit dem origenistischen Streit zusammen¬ hängt. Tiieodorus Askidas wollte dadurch die öffentliche Aufmerksamkeit von der Sache des Origenes ablenken. Er 272 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. wählte dazu gerade den Theodorus von Mopsuestia vielleicht desswegen, weil dieser als Gegner des Origenes mehrere Schriften gegen Origenes geschrieben hatte. Der Hauptgrund lag aber unstreitig in dem Gegensatz der monophysitischen und chalcedonensischen Partei. Die Origenisten in Palästina waren ohne Zweifel schon als Mönche monophysitisch gesinnt, und wenn einmal Theodorus Askidas ein solches Seitenstück zur Verdammung des Origenes haben wollte, so konnte er seinen Zweck bei keinen andern Kirchenlehrern besser errei¬ chen, als bei den genannten drei, deren Verdammung die Monophysiten schon zur Sprache gebracht hatten (die Seve- rianer auf derCollat. Constant. im Jahr 531J), die Orthodo¬ xen aber nicht zugeben konnten, ohne sich dadurch in Hin¬ sicht der Auctorität der Synode von Chalcedon eine Blosse zu geben. Warum aber gerade die genannten drei syrischen Kir¬ chenlehrer der besondere Gegenstand des Hasses der Mono¬ physiten waren, ergibt sich aus dem Bisherigen wenigstens in Ansehung der beiden ersten von selbst. Um den Nestorianis- mus in seiner Wurzel zu bekämpfen, wollte ja schon Cyrill auch den Theodor von Mopsuestia verdammen lassen. Theo- doret war der Hauptwortführer auf der Seite der Orientalen, welcher den Schriften Cyrill’s mehrere Widerlegungsschrif¬ ten entgegen gesetzt hatte. Der Presbyter Ibas in Edessa hatte in einem Briefe an seinen Freund, den Bischof Mares oder Maris von Hardaschir in Persien, zwar den Nestorius wegen seines Angriffs auf das Prädicat Gsotoko; getadelt, aber weit nachdrücklicher Cyrill beschuldigt, Eine Natur der Gott¬ heit und Menschheit zu lehren und in den Apollinarismus ver¬ fallen zu sein, und den gerade damals zwischen Cyrill und den Orientalen geschlossenen Vergleich, über welchen er sei¬ nem Freunde Nachricht gab, als einen Widerruf Cyrill’s, 


Es erschien nun der hochbejahrte Epiphanius, von Theophilus dazu veranlasst, auf’s neue auf dem Schauplatz, um in Constantinopel die Verdammung der Irrlehren des Origenes zu betreiben, erreichte aber auch jetzt seine Absicht nicht, da Johannes Chrysostomus nicht geneigt war, zu sol¬ chen Planen die Hand zu bieten. Dagegen gelang es dem Bischof Theophilus, als er selbst auch nach Constantinopel kam, unter dem Vorwände der Unterdrückung der origenisti« sehen Ketzerei den Chrysostomus mit Hülfe der gegen ihn feindlich gesinnten Partei und der Kaiserin Eudoxia, die sich durch ihn gekränkt glaubte, von seinem Patriarchensitz zu verdrängen, und ihm eine Reihe von Schicksalen zu bereiten, in deren Folge er zuletzt in der Verbannung starb. Aber auch das Letzte, das solche Bemühungen krönen sollte, und damals blos dem persönlichen Ehrgeiz des Theo¬ philus , sofern der unmittelbare Gegenstand desselben Chry¬ sostomus war, nachstehen musste, blieb nicht aus: die förm¬ liche Verdammung des Origenes auf einer Synode; nur ge¬ schah diess erst unter Justinian, dessen Regierung wie in an¬ derem, so auch hierin nur vollendete, was schon das Ziel frü¬ herer Bestrebungen war, und wie im Ganzen, so auch in Hinsicht des Dogma einen Despotismus verräth, dessen ein solches Werk vollkommen würdig war. In den Klöstern Pa' lästina’s gab es noch immer viele eifrige Verehrer des Origenes, welche damals an Tiieodorus Askidas, einem Abte aus ihrer Mitte, welcher die besondere Gunst des Justinian ge¬ wonnen hatte, und von ihm zum Bischof von Cäsarea in Cap- padocien ernannt worden war, eine mächtige Stütze hatten. Um so mehr aber gaben sich die Gegner der Origenisten, schon aus Eifersucht gegen den grossen Einfluss, welchen Tiieodorus Askidas am kaiserlichen Hofe hatte, alle Mühe, den Sturz dieser origenistisclien Hofpartei zu bewirken. Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Reise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Religionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von Mops- uestia, 

 Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Reise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Eeligionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von

Diess geschah zuerst als Hieronymus und der Presbyter Rufinus von Aquileja gegen das Ende des vierten Jahrhun¬ derts in Jerusalem sich auf hielten, und unter sich und mit dem Bischof Johannes von Jerusalem durch freundschaftliche Verhältnisse ebenso enge verbunden waren, als durch die Liebe zu den Schriften des Origenes. Da unter denen, die schon damals die heiligen Orte Palästina^ in grosser Zahl be¬ suchten, auch solche waren, die von Origenes wenigstens so viel wussten, dass er für einen sehr gefährlichen Irrlehrer zu halten sei, so entstand über die origenistischen Ketzereien in Jerusalem ein solches Geschrei, dass der alte dogmatisch beschränkte Epiphanius, welcher schon unter den ägyptischen Mönchen, unter welchen er seine Bildung erhalten hatte, mit einem Vorurtheil gegen Origenes erfüllt worden war, im Jahr 394 nach Jerusalem kam, und von dem Bischof Johannes ver¬ langte, dass er den Origenes als Vater des Arianismus und so vieler andern Ketzereien verdammen müsse. Obgleich Epi¬ phanius seinen Zweck nicht erreichte, so gab er doch die Veranlassung, dass der Name des Origenes immer mehr zum Gegenstand der blindesten Verketzerungssucht g


Aber auch das Letzte, das solche Bemühungen krönen sollte, und damals blos dem persönlichen Ehrgeiz des Theo¬ philus , sofern der unmittelbare Gegenstand desselben Chry¬ sostomus war, nachstehen musste, blieb nicht aus: die förm¬ liche Verdammung des Origenes auf einer Synode; nur ge¬ schah diess erst unter Justinian, dessen Regierung wie in an¬ derem, so auch hierin nur vollendete, was schon das Ziel frü¬ herer Bestrebungen war, und wie im Ganzen, so auch in Hinsicht des Dogma einen Despotismus verräth, dessen ein solches Werk vollkommen würdig war. In den Klöstern Pa' lästina’s gab es noch immer viele eifrige Verehrer des Ori 2 * £0 Erste H.iu|>tpevioi!<\ Zweiter Abschnitt. genes, welche damals an Tiieodorus Askidas, einem Abte aus ihrer Mitte, welcher die besondere Gunst des Justinian ge¬ wonnen hatte, und von ihm zum Bischof von Cäsarea in Cap- padocien ernannt worden war, eine mächtige Stütze hatten. Um so mehr aber gaben sich die Gegner der Origenisten, schon aus Eifersucht gegen den grossen Einfluss, welchen Tiieodorus Askidas am kaiserlichen Hofe hatte, alle Mühe, den Sturz dieser origenistisclien Hofpartei zu bewirken. Der Patriarch Peter von Jerusalem übersandte dem Kaiser eine Schrift, die ein Verzeichniss der Irrlehren des Origenes ent¬ hielt , nebst einem Brief, welcher den Kaiser auf die gefähr¬ lichen Bewegungen der Origenisten aufmerksam machen sollte. Mit ihm verband sich der Archidiaconus Pelagius, welcher als Apokrisiarius des römischen Bischofs in Constantinopel sich befand und gerade damals eine Heise nach Palästina gemacht hatte, und der Patriarch Mennas von Constantinopel. Ohne grosse Mühe gelang es, einen Kaiser, der jede Gelegen¬ heit, der Kirche Gesetze zu geben, so gerne benützte, in den Plan hineinzuziehen. Er erliess in einem an den Patriarchen Mennas gerichteten Schreiben, das zum Beweise der Ketzerei des Origenes Auszüge aus den Schriften desselben enthielt, ein Eeligionsedict zur Verdammung des Origenes, worauf eine im Jahr 541 unter dem Patriarchen Mennas in Constan¬ tinopel gehaltene Synode das Verdammungsurtlieil bestätigte, und fünfzehn Canones der origenistisclien Lehre entgegen¬ setzte. Alle Bischöfe und Äbte mussten die Verhandlungen dieser Synode unterzeichnen, und künftig sollte keiner als Bischof oder Abt angestellt werden, welcher nicht zuvor ne¬ ben den übrigen Häretikern auch den Origenes verdammt hätte. Dass das gegen Origenes ausgesprochene Anathema durch ein neues Edict des Kaisers Justinian vom Jahr 544 nun auch auf die syrischen Kirchenlehrer Theodor von Mops- uestia, Ibas und Theodore! zurückfiel, was nun den Einleitung. Verdammung des Origenes u. der syr. Kirchenlehrer. 21 sogenannten Dreikapitelstreit veranlasste, sollte zwar eine Maassregel sein, durch welche die Origenisten die Sache des Origenes in Vergessenheit bringen, und sich für die Verdam¬ mung des Origenes an ihren

Gegnern rächen wollten; es dient aber nur zu einem neuen Beweise davon, wie in jener Zeit gerade die originellsten und geistvollsten Kirchenlehrer (in welcher Hinsicht allerdings insbesondere Theodor von Mops- uestia dasselbe Schicksal mit Origenes verdiente) das Opfer der reizbarsten, mit den Bänken eines despotischen Hofs so eng verflochtenen Verketzerungssucht wurden. Zu läugnen ist zwar nicht, dass die eigenthümliehen Leh¬ ren des Origenes mit der spätem Kirchenlehre immer mehr in Widerstreit kommen mussten, und dass sich insofern in der ausdrücklichen Verwerfung derselben in gewissem Sinne auch wieder eine bestimmtere Durchbildung des christlichen Bewusstseins erkennen lässt; wenn aber selbst über längst verstorbene, angesehene Kirchenlehrer Anatheme ausgespro chen, und der Unterschied der Zeiten in Hinsicht der Ent¬ wicklung des Dogma so wenig anerkannt wurde, wie eng war der Kreis gezogen, in welchem man sich noch bewegen durfte? Kann man sich wundern, dass an die Stelle der productiven Fortbildung des Lehrbegriffs ein unselbstständiges Festhalten an der Überlieferung der Vorzeit, an demjenigen, was als der heilige Glaube der Väter galt und für immer gelten sollte, trat, dass die Zahl der ausgezeichneten Kirchenlehrer in der Periode nach der Synode von Chalcedon, die den orthodoxen Lehrbegriff der griechischen Kirche vollends abschloss und in Hinsicht der freieren Entwicklung des Dogma einen merkwür¬ digen Wendepunkt bezeichnet, immer mehr abnahm? Indem man über Männer, wie Origenes war, das Anathema aus¬ sprach, sprach man dasselbe Verdammungsurtheil auch über die Studien aus, durch die sie sich gebildet hatten. Charakteristisch ist daher für den in unserer Periode 22 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. erfolgenden Umschwung des Zeitgeistes das mehr und mehr sich ändernde Urtheil über die Beschäftigung mit der heidni¬ schen Litteratur. In der ersten Hälfte unserer Periode war die Liebe zu den klassischen Studien noch sehr weit verbreitet. Eusebius von Cäsarea, Basilius, die beiden Gregore, Apolli¬ naris , Bischof von Laodicea, die früher genannten antioche- nischen Kirchenlehrer, zu welchen in dieser Beziehung ins¬ besondere auch Johannes Chrysostomus gehört, und viele andere waren Männer, die eine sehr vertraute Bekanntschaft mit der griechischen Litteratur besassen, sich durch solche Studien für den Dienst der christlichen Kirche zu bilden glaubten, und daher nicht abgeneigt waren, auch in der heid¬ nischen Weisheit einzelne Strahlen eines helleren Lichts an¬ zuerkennen. Eusebius z. B. erörtert in seiner Praep. Ev. L. XI ausführlich die Übereinstimmung der griechischen Philosophie mit dem Christenthum, und leitet sie nach dem Vorgänge der Alexandriner aus der Bekanntschaft mit dem alten Testament ab. Auch bei Gregor von Nazianz schimmert noch die alte Idee durch, dass der Logos, ehe er in Christus Mensch wurde, manche edle Männer der Vorzeit erleuchtet habe. Mystisch zwar und geheimnissvoll sei der Satz, sagt erOrat. 15, 1, ihm aber und allen, die Gott lieben, sehr ein¬ leuchtend, dass keiner von denen, die vor der Erscheinung Christi das Ziel der Vollkommenheit erreichten, dieses ohne den Glauben an Christus vermocht habe, Denn das Wort der Wahrheit sei wohl später zu seiner Zeit ausgesprochen wor¬ den, aber schon früher denen, die reinen Herzens waren, bekannt gewesen. Die Weiseren unter den Heiden haben das Unvernünftige der gemeinen Götterlehre eingesehen und die Gottheit schon in ihrer Einheit erkannt. Vgl. Or. 31, 15. 16. Selbst ein Augustin war, wenigstens in seinen frühem Schrif¬ ten, noch der Meinung, dass man zum Dienste des Christen- thums auch von den Heiden das Gold und Silber entlehnen...


so eng verflochtenen Verketzerungssucht wurden. 

... Eusebius z. B. erörtert in seiner Praep. Ev. L. XI ausführlich die Übereinstimmung der griechischen Philosophie mit dem Christenthum, und leitet sie nach dem Vorgänge der Alexandriner aus der Bekanntschaft mit dem alten Testament ab. Auch bei Gregor von Nazianz schimmert noch die alte Idee durch, dass der Logos, ehe er in Christus Mensch wurde, manche edle Männer der Vorzeit erleuchtet habe. Mystisch zwar und geheimnissvoll sei der Satz, sagt erOrat. 15, 1, ihm aber und allen, die Gott lieben, sehr ein¬ leuchtend, dass keiner von denen, die vor der Erscheinung Christi das Ziel der Vollkommenheit erreichten, dieses ohne den Glauben an Christus vermocht habe, Denn das Wort der Wahrheit sei wohl später zu seiner Zeit ausgesprochen wor¬ den, aber schon früher denen, die reinen Herzens waren, bekannt gewesen. Die Weiseren unter den Heiden haben das Unvernünftige der gemeinen Götterlehre eingesehen und die Gottheit schon in ihrer Einheit erkannt. Vgl. Or. 31, 15. 16. Selbst ein Augustin war, wenigstens in seinen frühem Schrif¬ ten, noch der Meinung, dass man zum Dienste des Christen- thums auch von den Heiden das Gold und Silber entlehnen Einleitung. Clifssische Bildung der Kirchenlehrer. 23 müsse, das sie ja nicht selbst geschaffen, sondern nur aus den Schachten einer allgegenwärtigen Vorsehung an’s Licht gefördert hätten (de quibusdam quasi metallis divinae provi- dentiae, quae ubique infusa est, eruemnt. De doctr. ehr. 2, 60). Aber in welchem ganz andern Lichte stellte sich schon dem Hieronymus das Studium der alten Schriftsteller, mit welchen er sich doch selbst eifrig beschäftigte, dar! Er hatte einst ein Traumgesicht, in welchem er sich vor dem Richterstuhl Gottes stehen sah. Als er auf die an ihn ge¬ machte Frage antwortete: „ich bin ein Christ“, wurde zu ihm gesagt: „du bist kein Christianus, sondern ein Ciceronianus, denn wo dein Schatz ist, da ist Herz“, und unter Geisselhie- ben leistete er den Eid, kein heidnisches Buch wieder in die Hand zu nehmen. Rufin machte ihm zwar den Vorwurf, dass er diesem Eide nicht sehr treu gewesen sei, was die häufige

e auch wieder eine bestimmtere Durchbildung des christlichen Bewusstseins erkennen lässt; w Zu läugnen ist zwar nicht, dass die eigenthümliehen Leh¬ ren des Origenes mit der spätem Kirchenlehre immer mehr in Widerstreit kommen mussten, und dass sich insofern in der ausdrücklichen Verwerfung derselben in gewissem Sinnenn aber selbst über längst verstorbene, angesehene Kirchenlehrer Anatheme ausgespro chen, und der Unterschied der Zeiten in Hinsicht der Ent¬ wicklung des Dogma so wenig an


Betrachten wir als die Grundlage jener freiem vielseiti¬ gem Geistesrichtung, an die uns Origenes erinnert, den so lange in der Kirche vorherrschenden Platonismus, so zeigt sich uns auch in dieser Hinsicht ein merkwürdiges Zeichen der Zeit. Liebe zur platonischen Philosophie und zu platoni¬ schen Ideen finden wir bei allen früher genannten Kirchen¬ lehrern, die dem Origenes näher stehen, bei Eusebius insbe¬ sondere und den Cappadociern; eine noch auffallendere Vor¬ liebe für die platonische Philosophie und eine Vermischung derselben mit dem Christenthum begegnet uns bei dem Phi¬ losophen Synesius aus Cyrene, welcher ungeachtet der offe¬ nen Erklärung, dass seine philosophische Überzeugung in vielen Punkten, wie namentlich in der Lehre von der Präexi¬ stenz der Seele und von der Auferstehung, mit der Kirchen¬ lehre nicht übereinstimme, doch damals noch selbst von dem Bischof Theophilus von Alexandrien zum Bischof von Ptole- mais geweiht wurde, im Jahr 410; mit dem allgemeinen Wendepunkt des theologischen Geistes aber, welcher im Laufe unserer Periode eintrat, musste auch der Platonismus mehr und mehr aus der Kirche verschwinden. Bemerkens¬ werth ist nun dabei, dass schon in unserer Periode Aristoteles die von Plato verlassene Stelle einz




Hat in dem System des Origenes nichts grossem Anstoss erregt, als die Idee der Präexistenz und des Falls der Seelen, weil dadurch heidnische Ideen in das christ¬ liche Bewusstsein aufgenommen zu werden schienen, so ist in Augustin’s System zwar dasselbe Zurückgehen über das in¬ dividuelle Leben und Bewusstsein, um aus einer That der Vergangenheit den gegenwärtigen Zustand der Sündhaftigkeit zu erklären, aber der heidnisch-platonische Standpunkt ist zu einem alttestamentlichen geworden. Es ist diess für die dog¬ matische Richtung unserer Periode besonders charakteristisch. Wie man schon in der vorigen Periode sich immer auf einen ausserhalb des Christenthums liegenden Standpunkt stellte, um es in seiner objectiven Wahrheit aufzufassen, entweder Einleitung. -Augustin und Origunus. :h durch die Vermittlung der alttestamentlichen Weissagungen, oder gewisser Ideen des reineren Heidenthums, so herrscht auch hier dieselbe Betrachtungsweise vor, nur ist der alt- testamentliche Standpunkt noch bestimmter aufgefasst in einer der alttestamentlichen Geschichte angehörenden That- sache, durch welche das Christenthum in einem engen und nothwendigen Zusammenhang mit dem Zustand erscheint, in welchem der Mensch in Folge jener Thatsache sich befindet. Wenn daher das augustinische System eine neue Entwicklung des Dogmas dadurch begründete, dass es den Menschen durch



Der dritte dieses cappadocischen Kleeblatts, Gregor von Nyssa, nach einem Städtchen in Cappadocien, wo er seit dem Jahr 370 Bischof war, so genannt, war der jüngere Bruder 


 1) Ausgabe von Moreluus, Par. 1630. II T. Colon. 1690. Unvoll¬ endete Benedict.-Ausgabe von Clemencet, Paris 1778. T. 1. Caillau T. II. Paris 1842. Monographie von Uelmaxn: Gregorius von Nazianz, der Theologe. Darinst. 1825. Man vgl. auch über Basilius und Gregor und ihre Bildung die Abhandlung von Schlosser: Universitäten, Studirende und Professoren der Griechen zu Julians und Theodosius Zeiten in Schlosser und Berclit’s Archiv für Geschichte und Litteratur 1. S. 217 f. 46 Erste Hauptperiode. Zweiter Abschnitt. des Basilius.


 Es ist schon früher bemerkt worden, dass er sich am meisten durch philosophisches Talent auszeichnet, und daher auch dem Origenes am nächsten steht. Er nahm an der zweiten ökumenischen Synode in Constantinopel Theil, und scheint, nachdem Gregor von Nazianz abgetreten war, den bedeutendsten Einfluss auf derselben gehabt zu haben. Seine Hauptschrift sind seine Libri XIII jcocTa Euvopuou, die sich an des Basilius Schrift gegen Eunomius anschliessen. Ausserdem schrieb er einen Xoyo? ävTipp7)Tucös 7ipo; Ta ’AttoM- vapiou gegen Apollinaris, rapl T?fc si;a7)[/ipou, ^oyo; y.aT7]^7)Ttaö<; 6 j/iya;, über die Seele und die Auferstehung, und mehrere andere kleinere Schriften 1).



3. Von den drei Meinungen über den Ursprung der Seele wurde die von der Präexistenz immer weniger gebil¬ ligt. Obgleich einige, wie Nemesius, IIspl cpu<7. avöp. c. 2, Gre¬ gor von Nyssa, De hom. opif. c. 28, Cyrillus von Alexan¬ drien, Comm. in Joh. Opp. T. IV. S. 78, eine Schöpfung der Seele vor dem Körper annahmen, so wurde doch die Vorstel¬ lung von der Präexistenz der Seele in der Form, in welcher Origenes sie gelehrt hatte, als eine unchristliche verworfen. Sie stimme nicht mit der heil. Schrift und mit den Dogmen der Christen überein, sagt Nemesius a. a. 0. c. 3. Gregor von Nazianz, Orat. 37, 15, nennt es eine ungereimte Ansicht, dass die Seele schon anderwärts gelebt habe und dann in diesen Körper gefesselt worden sei; andere mögen mit sol¬ chen nicht kirchlichen Lehrsätzen spielen, ihm aber scheinen diese Spielereien gefährlich. Ebenso nennt Gregor von Nyssa, De opif. hom. c. 28, diese Lehre eine heidnischen Mythen ähnliche Fabel. Auch Augustin widerlegte die Meinung des Origenes, De civit. Dei 11, 23. Ad Oros. c. Priscill. et Orig, c. 8. Das Verdammungsurtheil, das Justinian über mehrere Lehren des Origenes aussprechen Hess, bezog sich namentlich auch auf diese.

Der Traduzianismus (auch Generatianismus) ist eine christlich-theologische Lehre, nach der nicht nur der Körper, sondern auch die menschliche Seele bei der Zeugung durch die Eltern weitergegeben wird. Anders als beim Kreationismus, bei dem Gott jede Seele direkt erschafft, geht der Traduzianismus davon aus, dass die Seele als Teil der biologischen Fortpflanzung von den Eltern auf das Kind vererbt wird

Der Traducianismus war nach Tertullian’s Vorgang in der abendländischen Kirche sehr verbreitet, wie wir aus Hieronymus Ep. 78 adMarcell. sehen: ex traduce (anima), ut Tertullianus, Apollinaris, et maxima pars Occidentalium autu- mant: ut quomodo corpus ex corpore, sic anima nascatur ex anima, et simili cum brutis animalibus conditione subsistat. Auch Augustin neigte sich zum Traducianismus hin, welcher mit seiner Theorie von der Erbsünde als einer Fortpflanzung der Sünde am besten zusammen zu stimmen schien. Er konnte mit dem Creatianismus die Verdammung der vor der Taufe sterbenden Kinder, die noch keine eigenen Sünden begangen haben, nicht vereinigen. Wo, woher, oder wann haben die Seelen der Kleinen angefangen, die Strafe der Verdammung zu haben, wenn sie neu von Gott geschaffen sind, ohne dass man Gott, oder eine Natur, welche Gott nicht geschaffen hat, zum Urheber entweder ihrer Sünden, oder der Verdammung von Unschuldigen macht? *) Dagegen sagt er De anima et ejus orig. c. 1, 13 vom Traducianismus: Wir fragen, warum die Seele verdammt sei, die Erbsünde zu übernehmen, wenn sie nicht aus jener einzigen gezogen ist, welche in dem ersten Vater des menschlichen Geschlechts gesündigt hat? Wenn er daher auch De Genesi ad literam

Mittwoch, 25. März 2026

Gerd Skibbe: "Sekten, gestern und heute" Teil 1

 

Sekten, gestern und heute

 

Forschungsresultate

 

Gerd Skibbe

2026


Vorwort

70 Konzilsväter von 2400 votierten, 1965, mit der Schlusssitzung des Vatikanum II gegen die Wiederinkraftsetzung des seit Nicäa 325 ausgesetzten Menschenrechtes auf Religionsfreiheit in ihrem Wirkungsbereich.

Wer waren hier nun die Sektierer, die Abweichler?  

Diese Frage löste unbeabsichtigt der spätere Papst Benedikt XVI. aus. Damals wirkte er als Konzilsberater mit. Sein Statement ist beachtenswert: "Die Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanums bedeutet insofern kirchlicherseits das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära… Und dass man ab jetzt nie mehr sagen könne, für die katholische Kirche sei die Religionsfreiheit kein Grundrecht, das in der Würde der Person begründet ist.“ Hörmann „Willensfreiheit“

Daraus folgt die Erkenntnis, dass dies das Eingeständnis ist, mit der Einflussnahme Kaiser Konstantins, 325, - sei trotz des Mailänder Reskriptes, 313,  das für Christen der Urkirche unverzichtbare Prinzip Entscheidungsfreiheit zumindest erheblich beschnitten worden. Und, dass Konstantin eine neue Ära eröffnete, nachdem er die Ära des bedrängten, und doch souveränen Urchristentums beendete. Korrekt ist, dass…die Kirche in Nicäa (325) die Wünsche Konstantins befolgte, obwohl sie sie nicht billigte.“  Allen wurde es bald bewusst „Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen." Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Uni Greifswald

Man weiß nicht, wer unter den die Konzilsteilnehmern, 325 – allerdings zu spät - erkannte, dass Kaiser Konstantin (280-337) " der Christus sein wollte " Prof. Clauss (bedeutender deutscher Althistoriker, religiös neutral „Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich

Vor allem, weil er auch der Gott der Christen sein wollte, führte er trickreich, den „christlichen“-Monotheismus als Neuheit in die damit verschandelte Urkirche ein. Adolf von Harnack bestätigte: „Es war eine „große Neuerung, die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke (Vater, Sohn und Heiliger Geist sind „unius substantiae“ G.Sk.) zu Stichworten des Katholischen Glaubens. Sie sicherte die Eigenart dieses Glaubens... Im Grunde war nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes...

fortan musste die Kirche die Last einer ihr   f  r e m d e n  Glaubensformel tragen“  „Lehrbuch der Dogmengeschichte“

Konstantin (ca. 280-337) erfand zu seinen Zwecken den Begriff „consubstantialis“.

Prof Hans Küng sagte es: „Konstantin fügte das nachher so sehr umstrittene unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. „consubstantialis“ ein. Die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater (der Gott), wie von Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem Vater“ „Kleine Geschichte der katholischen Kirche

So kam der trinitarische Gott aus dem scheinbaren Nichts hervor. Gutes hat er der Welt nicht beschert, das ist allen Alt-Historikern bewusst. Unendlich lang sind die Klagelieder derer die in sogenannte Sekten hinein geboren oder wegen der Sünden der trinitarischen Kirche hineingetrieben wurden. Eifersüchtig ließ der „Dreifaltige“ nichts zu, was ihm nicht gefiel. Das bekamen zuerst die Arianer zu spüren, dann die Novatianer, die Paulikianer, die Bogumilen, Katharer, Waldenser, Vaudoise, die Hussiten.

Isaac Newton, der weltberühmte Physiker schrieb mehr zum Thema kirchliche Dogmen als über die Gesetze des Weltalls. Er las griechisch ebenso wie den Originaltext der Vulgata. Kenntnisreich bezeichnete Newton Konstantins politischen Schachzug als Abfall vom wahren Glauben. Er erkannte, dass die, durch das Nicänum erfolgte „wesenhafte, substantielle Gleichheit (Gleichsetzung) des Sohnes mit dem Vater“ zur Entwicklung von Unvorstellbarkeiten führte. „Der Abfall vom Glauben sollte damit beginnen, die Wahrheit über die Beziehung des Sohnes zum Vater zu verzerren, indem er sie gleichsetzt.“ Untitled Treatise on Revelation (section 1.4), Yahuda Ms. 1

Wie weit Konstantin, Ambrosius von Mailand sowie Kaiser Justinian die Kirche vom Original entfernten, und sie damit zur Sekte degradierten, wird im Folgenden offensichtlich.

Und noch etwas von Belang. Der berühmte Dominikaner Meister Eckhart (1260-1328) sagte: Der „Seelengrund“ jedes Menschen wurde nicht erschaffen, er ist göttlich.“ Weiter führte er aus:  Es ist etwas in der Seele, das unerschaffen und unerschaffbar ist; wenn die ganze Seele solcherart wäre, so wäre sie unerschaffen und unerschaffbar, - und dies ist die Vernunft.“ Zitiert in „Primus articulus“ Artikel 27 von 28 der Bulle Johannes XXII. 1329

Irgendwann, nach einigen Gerichtsverfahren wurde Eckhart, nach seinem Tod, zum Häretiker erklärt.

War es nun sektiererisch oder nicht?

 


Fragment von Ausführungen Meister Eckharts über den Seelengrund (Predigt 5 zeitgenössischen b) in einer Handschrift; Göttingen, Georg-August-Universität,

 

Joseph Smith (1805-1844) – erster Prophet der Kirche Jesu Christi de Heiligen der Letzten Tage – gilt in der Welt der christlichen Ökumene ebenfalls als Sektierer. Er behauptete inspiriert zu sein, und lehrte: seit Urzeiten wurde dem Volk Israel verkündet: Gott „formte“ die „Intelligenzen“, einen Anfang hatten sie nicht, wörtlich:

 „wenn es zwei Geister gibt, und der eine ist intelligenter als der andere, so haben diese zwei Geister doch, obwohl der eine intelligenter ist als der andere, keinen Anfang… Nun hatte der Herr mir, Abraham, die Intelligenzen gezeigt, die geformt wurden,“ Kanon der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage „Köstliche Perle Abraham 3:18 u 22

Joseph Smith wiederholte: „Der Mensch war auch im Anfang bei Gott. Intelligenz oder das Licht der Wahrheit wurde nicht erschaffen oder gemacht und kann es auch gar nicht… “ … „der Mensch ist Geist“! Kanon der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage „Lehre und Bündnisse“ Abschn. 93: 29 u 3 "

Wir sind nicht nur von dieser Welt. In uns Heutemenschen lebt ein Göttliches, das nie vergeht.

Thomas von Aquin (1226-1274) ebenfalls einflussreicher Dominikaner und bedeutender katholischer Philosoph sagte gewollt oder nicht origenistisch- mormonisch: „Der Mensch ist Geist, bekleidet mit einem Körper.“ Leon James „Theistic Psychology 2004, vol. 1

Lebenslänglich glaubte ich was Goethe gegen Ende seines irdischen Daseins bekannte: „…Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte Gott sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in höheren Naturen wirksam, um die geringeren heranzuziehen.“ 11. März 1832 Gespräch mit Eckermann 

 

Melbourne 24. März 2026