Dienstag, 21. April 2020

Ingrids Auswahl - Ingrids Poetry (151)




Living Water (a song)



1) Brother standing by the river,

Sister walking by the sea.

Come partake of living water

That was made for you and me.

Come partake of living water

Don’t be thirsty any more.

As you journey on life’s highway

As you travel on the shore.



2) Oh! He looked and saw so many

In the early morning light.

Only few were there at sunset

As the day gave way to night.

Had they wandered in the desert?

Strayed too far, and lost their way?

Cannot hear their shepherd calling

Haste, make haste, come back today.



3)  Come partake of living water

Fill your soul with truth and light.

Don’t you know this living water

Lead’s you through the darkest night.

Come partake of living water,

Come and bask out in the sun.

Take the hand of one called Jesus,

And your best time’s just begun.

Samstag, 18. April 2020

Ingrids Auswahl - Ingrids Poetry (150)



Opposition

How low must we go? how high may we fly?

Is our domain the earth or the sky?

Who makes the decisions, who the degree?

In which of these spheres the soul shall be?

Or is it mere fact for each soul to know.

The sweet from above, as the bitter below?

By the deeps of the farrow, it’ height shall be known.

The reason, the rhyme why each soul on its own,

Must stumble, must fall, rise and fly,

To make their domain the earth or the sky.

Freitag, 17. April 2020

Ingrids Auswahl - Ingrids Poetry (149)


 
Make Haste



Make haste Emmanuel, make haste, bring forth the glorious morning.

Make haste Emmanuel, make haste, bring forth the promised dawning.



The prophesied millennium, where sin and sorrow cease,

The time to seal all Adam's race, a time of love and peace.



Make haste ye nations all make haste, prepare for His returning.

Make haste, prepare your hearts and minds, for Him, our deepest yearning.



Our God, our King, Emmanuel will come in clouds of light.

Will free all men from Satan's grasp; will end this world’s dark night.


Mittwoch, 15. April 2020

Ingrids Auswahl - Ingrids Poetry (148)



Let me hear

Loving Saviour let me hear gentle whisperings of thy voice.
In thy healing touch of love ever shall my soul rejoice.
In thee only will I rest, to thee will I bring
Solemn, sacred, sweet devotions, Prophet, priest and king.
Till my walk on earth is through, let me lean my friend on you.

       
Paradise

There's nothing here worth crying for
Worth labouring, worth dying for.
Except it be the sacred prize,
The entry key to paradise.
There's nothing here worth mourning for
Worth scheming, worth adorning for,
Except it be the sacred prize,
The entry key to paradise.
There's nothing here, for all is vain,
For all earth's gold will not attain-
Nor win for man that longed for prize;
The entry key to paradise.

Dienstag, 14. April 2020

Geschichten die das Leben schrieb (1)



Ingrid und ich besuchten 2006 Salt-Lake-City. Nach einer Versammlung kamen ungefähr zehn unserer engsten Freunde auf dem Flur des Gemeindehauses zusammen. Da spricht mich eine mir gegenüberstehende, sehr freundliche Dame an: "Aber Gerd, weißt du nicht mehr wer ich bin? 1948 haben wir doch zusammen auf dem Heuboden meiner Eltern geschlafen!"
Aller Blicke richteten sich erst himmel- dann höllenwärts. Das hätte mir niemand zugetraut. Ingrids Augen rotierten.
"Hildchen bin ich!"
"Ja!, jawohl! Mensch, vor sechzig Jahren!"
Ich bin nicht sicher, aber ich denke ich umarmte sie sofort.
"Das war beim "Freudecho Berlin".
Ungefähr fünftausend Mitglieder kamen zusammen. Alle mussten nicht nur verpflegt sondern auch gut zu Bett gebracht werden. Die Stadt lag total in Trümmern.
Da haben wir zusammen auf dem riesigen Stallboden der Eltern des Bauernmädchens die Nacht verbracht. Ungefähr 200 waren wir. Beeindruckend, oder nicht. Hildchen konnte sich an den damals schmalen 18jährigen Jüngling erinnern der da unbekümmert nahe ihr vermutlich schnarchte

Freitag, 10. April 2020

Verfall und Auferstehung des Christentums by Gerd Skibbe (ohne Bilder) Druck kommt im Juni heraus


  









                                              Gerd Skibbe





Der Verfall und die Wiederherstellung des Christentums





                                                       2020













































































































„Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen ... immer die Taten der Liebe folgen!“

Hippolyt von Rom

















































Prolog 



Das kühn und immer neu verkündete Pauschalurteil: „Mormonen sind keine Christen“, trieb mich schon früh an.

Überprüfe diese Aussage, sagte ich mir, als ich fünfzehn wurde, 1945.

Ich las damals die Bücher vom Zimmer „Unter den Mormonen in Utah“, Rößle „Aus der Welt des Mormonentums“, u.a.

Draussen tobte noch im Juni, das üble Nachkriegsgeschehen. Rechtschaffene sowjetrussische Offiziere hatten ihre Probleme die sieges- und weintrunkene Menge ihrer oft ungebildeten Rotarmisten unter Kontrolle zu bringen, während ich auf dem Hausboden meines Vaters die „verbotene“ Literatur studierte. Ich war immer noch ein bischen ein Nazibengel, zwar auf Wunsch meines Vaters „mormonisch“ getauft, wodurch ich 1939 unmittelbar vor Ausbruch des 2. Weltkrieges ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde. Aber was das war und bedeutete wusste ich nicht. Vater befand sich im Krieg und was Mutter sagte, ließ mich kalt. Größere  Versammlungen mit mehr als sechs, sieben Leuten die sich für diese Religion interessierten, erlebte ich nur eine einzige in meinem bisherigen Leben: Eine Konferenz mit dem damaligen Präsidenten meiner Kirche, Heber J. Grant, 1938, zu Berlin.

Ich fühlte das Großartige.

Meine Erfahrungen bewiesen, dass mein Gefühl von damals mich nicht täuschte. In den letzten 30 Jahren vertiefte ich mein Studium der Geschichte und kam zum Ergebnis, dass der Hauptstrom der christlich-ökumenischen Kirchengemeinschaft immer noch aus der göttlichen Quelle gespeist wird. Aber, zahlreiche Nebenflüsse führten ihr seit Jahrhunderten Gift zu. Jedes Gift hat einen Namen.

Es ist gut zu wissen wo es herkommt.

Der sogenannte „Mormonismus“ ist nichts anderes als der Hauptfluss, abgeschirmt vom Gift der Spekulationen.



Gerd Skibbe, Melbourne, April 2020

Wer ist es?



Paulus schreibt: Es wird ein Widersacher vor dem Kommen Christi auftreten.

„Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“


2. Thessalonicher - Kapitel 2: 3-4


Der Kommentar zu diesem Text lautet:  

„Die Wendung, sich in den Tempel Gottes setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen will.“

„Der Verfasser der Offenbarung des Johannes rechnet damit, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers, in nächsten Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird.“ Präambel zur Einheitsübersetzung

Als Kaiser Konstantin beschloss sein Gottesbild an die Stelle des Traditionellen zu setzen, und ebenso seine Vorstellungen von Kirche, geschah, was giftführende Zuströme für Millionen Menschen bewirken, die auf das Wasser ihrer Flüsse angewiesen sind.

 „…die Kirche befolgte in Nicäa (325) die Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...Konstantin hatte eine neue Idee von der Kirche, die er verwirklichen wollte: ... nach dem  i h m  vorschwebenden Bild formt er… sein Reich, seine Kirche…. Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen. Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte Kirche, das Reich der Zukunft ... In den Spekulationen Konstantins nach denen Gottes natürliche Offenbarung vollkommene Erkenntnis vermittelt, besteht eigentlich kein Bedürfnis nach der übernatürlichen Offenbarung …“ Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg - Uni Greifswald

Konstantin ist überzeugt, er sei der Offenbarer. Dass Christus sagte:  die ununterbrochene Verbindung zwischen Seiner Kirche und Ihm, der lebt,  sei die Feste der Kirche, interessierte ihn nicht.

Er hätte kühl reagiert, wenn ihn einer der führenden Bischöfe darauf hingewiesen hätte, dass die Kirche sterben müsse, würde sie von himmlischer Verbindung abgeschnitten.

Bibelzitate waren nicht seine Sache.

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus (genannt „der Felsen“) und auf ... Felsen (den felsenfesten, fortlaufenden Kontakt zwischen Himmel und Erde)  werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Joseph Smith Interpretation von Matth. 16: 13-18

Anders kann der Sinn der Christusrede kaum gedeutet werden, denn dass die Kirche auf Menschen gründet kann nicht sein. Man schaue sich nur an welcher Art die historisch gesicherten Daten über Päpste aller Jahrhunderte bis hin zu Johannes XXIII. sind.

Wohin die Verbindungslosigkeit führte zeigt die nachnicänische Kirchengeschichte.

Ludwig Hertling SJ sagt denn auch ehrlich, mit Blick auf diese nicht mehr durch Offenbarung geleitete nachnicänische Kirche:

„Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche und mit ihr die europäische Geschichte tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...Viele Ursachen haben zusammengewirkt, um die antike Welt in diesen Zustand der Ohnmacht oder Erstarrung zu bringen, der zeitweise einem wirklichen Sterben ähnlich sieht.“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“

Hertling nennt auch die Ursache:

 „Tatsächlich wurde er (Konstantin) der Schöpfer jenes eigentümlichen Verhältnisses, das man als Caesaropapismus bezeichnet, und das unter Konstantins Nachfolgern der Kirche fast m e h r  schaden sollten, als es es die rohesten Verfolgungen der früheren Kaiser getan hatten.“  Ludwig Hertling SJ ebenda

Er war zwar der Erste doch Justinian, der Kaiser Ostroms im 6. Jahrhundert, war noch nicht der Letzte unter den Verderbern von Kaiserrang.

Um Konstantins Seele zu verstehen muss man in seine Vergangenheit blicken. Das ist dank moderner Geschichtsforschung möglich:

Als  Sohn des römischen Mitkaisers Constantin Chlorus, der 306 verstarb, wuchs er als Geisel, für die Loyalität des Vaters in Nikomedia (im Nordwesten der heitigen Türkei) auf. Dort, am Kaiserhof Diokletians, erhielt er seine Prägung.

Da wurde es ihm in die Seele gelegt:

„Der Kaiser gleiche dem Gebieter des Weltalls  ...

Diokletian (244-311) war der „dominus et Deus“, der Herr und Gott, der Herrgott. Ein Lobredner schwärmte:  „der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern...in Dir leben die numina (die Geister) von Jupiter und Hercules - wir rufen Dich an, wir rufen Dir zu,  jeden Sieg zu erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der Diokletian praesens deus - weshalb wir uns nicht fürchten, weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben zu Füßen zu legen – Heil dir! Deine Herrschaft ist nicht nur durch die Erdgegenden begrenzt sondern sie reicht darüber hinaus in die Regionen ewiger Himmel. Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werden, so als gelangten wir in Deine Gegenwart,  stehen wir heute im Adyton - dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere Treue. Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich.“

Kaiser Diokletian war während vieler Reden gar nicht anwesend, aber

"…in solchem Fall hielt ein das Bild des Imperators in die Höhe, denn es wurde spätestens seit dieser Zeit geglaubt, dass der Kaiser und sein Bild eins seien." Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende

306 reißt Konstantin, sofort nach dem Tod seines Vaters, die Macht an sich. Eisern trachtete er fortan danach ebenfalls der praesens deus, der Herrgott, zu sein.

Man hatte ihm gerade noch rechtzeitig die Nachricht überbracht, seinem Vater ginge es schlecht. Augenblicklich brach er auf, raste vom Balkan aus, quer durch Mitteleuropa nach York, Britannien. So stattlich wie er vor sie hin trat imponierte er den Militärs. Umgehend - nach den Bestattungsfeierlichkeiten - hoben sie ihn auf den Schild.  



Wiki Commons Foto Markus Bernet

Kopf Konstantins, kapitolinische Museen



Er begründete „seinen Herrschaftsanspruch mit seiner Abstammung vom Staatsgott Constantius Chlorus, den er divinisieren und konsekrieren ließ... Konstantins Vater war Herrscher auf Erden und ist Gott im Himmel." Manfred Clauss „Kaiser und              Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich“



Hier beginnt die spätere Überfremdung des Christentums. Rücksichtslos will er, aus purem Ehrgeizes, die funktionierende Tetrarchie zugunsten der Universalmonarchie aufheben.

Er wünschte der Alleingott aller zu werden. Das allerdings setzt voraus, er habe die anderen „Götter“ zu beseitigen.

310 hatte er bereits seinen kaiserlichen Schwiegervater Maximian genötigt sich selbst umzubringen.

 312 ist Konstantin bestrebt den nächsten Konkurrenten zu vernichten, Maxentius den Bruder seiner Frau Fausta.  Jetzt, 13 Jahre vor seiner Einmischung in Christenbelange zu Nicäa, geht es dem harmlosen Mitkaiser an den Kragen.

Prokonstantinische Propaganda nannte Maxentius „den Tyrannen von Rom“. Doch

„Maxentius hatte die Christenverfolgungen eingestellt und der römischen Kirche ihren Grundbesitz zurückerstattet. Allerdings Maxentius sah sich beträchtlichen Wirren und zum Teil blutigen Kämpfen innerhalb der Christengemeinden Roms konfrontiert und deshalb gezwungen die Bischöfe Marcellus (307- 309) sowie Eusebius (309) in die Verbannung zu schicken.“ Karl Christ „Geschichte der römischen Kaiserzeit“

Konstantin kümmerte es nicht, was seine Ehefrau empfand.

Ihr Erbe, der Lateranpalast, sollte später der Kirche zufallen.

Er war ein Meister der Täuschung.

Mitkaiser Maxentius hätte dem Usurpator nicht entgegen ziehen sollen. Das war ein Fehler. In Rom wäre er sicher gewesen.

Der Tag vor der „Schlacht an der milvischen Brücke“, sollte für die Christenheit von großer Bedeutung werden. 

Christus habe dem Usurpator Konstantin eine Kreuzesvision geschickt! So steht es in vielen Geschichtsbüchern geschrieben. Doch dieser Mann ist nicht nur ein Erzheide, sondern auch ein Unhold:

Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten, ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in Trier...auch mit der Zivilbevölkerung kannte er keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“ Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007

Unmittelbar vor der mörderischen Schlacht, 312, soll er  vom Himmel her gehört oder in den Wolken gelesen haben:

      „In diesem Zeichen - dem Kreuz - sollst du siegen!“

Du, Konstantin“ sollst siegen – nicht das Christentum.

Er soll seinen Soldaten befohlen haben das Christogramm auf ihre Schilde zu malen.

Das ist ein Märchen.

Übrigens, Kreuze befanden sich längst auf den römischen Standarten der Legionen.

Da gab es sie schon mindestens 100 Jahre vor ihm. Das geht u.a. aus einem Aufsatz des Christen Felix Minucius hervor. Etwa im Jahr 200 schrieb Minucius was er davon hält, das Kreuz, an dem Jesus starb, und das Kreuz der Kaiser und ihrer Legionen miteinander in Verbindung zu bringen:

 „Kreuze beten wir nicht an und wünschen sie nicht. Ihr allerdings, die ihr hölzerne Götter weiht, betet vielleicht hölzerne Kreuze an als Bestandteil eurer Götter. Was sind sie denn anderes die militärischen Feldzeichen und Fahnen als vergoldete und gezierte Kreuze? Eure (!) Siegeszeichen haben nicht bloß die Gestalt eines einfachen Kreuzes, sondern sie erinnern auch an einen Gekreuzigten... bei euren religiösen Gebräuchen kommt (das Kreuz) zur Verwendung.“  Stemberger „2000 Jahre Christentum“ "Dialog Octavius"

Unbestritten ist, Konstantin betete vor der Schlacht an der Milvischen Brücke.

Aber welchen Gott rief er an?

Eusebius sagt: Konstantin rief den Gott seines Vaters an. Nur,

„Constantius Chlorus war bekanntlich ein eifriger Verehrer des Sonnendienstes“ Ed.Rapp „Das Labarum und der Sonnenkultus“  Er betete Herculus Invictus an oder Sol-Herculus.

„Wer bin ich?“ (Was hast du mir bestimmt? Bist du in mir? Sol: ich bitte dich G. Sk.) „offenbare mir wer ich bin!  Reichst du mir deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“ Schlange-Schöningen, „Konstantin der Große und der Kulturkampf“

Der Grundwiderspruch liegt offen zutage: Spätestens nach dieser Bitte wollte er der Sol Invictus sein, oder der Sonnengott war in ihm, und dennoch betete er  zur gleichen Zeit: offenbare du mir die Wahrheit.

Keinem Christen Roms wäre, solange er an den Christus der „Frohbotschaft“ glaubte, je in den  Sinn gekommen den altrömischen Sol Invictus anzurufen, den Kriegsgott, wenn er Christus, den Friedefürsten, meinte.

Sonderbar, Konstantin selbst erwähnt kein Wort von dem angeblich am Himmel erscheinenden Kreuz im Beisein seiner 40 000 Soldaten:

Konstantin hat sich, ... in den vielen Selbstzeugnissen, die seinen unmittelbaren Umgang mit Gott und seine göttliche Auserwähltheit betonen, nie auf das gallische Lichtwunder berufen.“ Vittinghof, „Konstantin der Große“

Der Konstantin-Historiker Ramsey MacMullen, schrieb denn auch:

"Das eigentliche Wunder von der allen sichtbaren Himmelsschrift (in diesem Zeichen siege), ist das anhaltende Schweigen der zigtausende Männer.“

Erst drei Jahre später marschiert er (noch einmal) in Rom ein.

„Am 21. Juli 315 hielt Konstantin seinen feierlichen Einzug nach Rom zur Feier der Dezennalien. Das Fest wurde mit der üblichen Pracht begangen, das Volk beschenkt und große Spiele abgehalten. Zu dieser Feier war der die Schlacht am Ponte molle (milvische Brücke) verherrlichende Triumphbogen vom Senat errichtet worden. Sein Bilderschmuck nimmt vom Christentum Konstantins keine Notiz. Konstantin feiert den Sonnengott als seinen Beschützer... L‘Orange (ein Historiker) hat bewiesen, dass es der Sonnengott Sol Invictus ist, der hier als Gott des Kaisers gezeigt wird.“ Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins      Entwicklung“, Heidelberg –

Man bedenke die Nähe des Sol zu Baal.

 „.. des Maxentius Kinder ließ er sogleich töten, ebenso dessen politischen Anhang.“  Theodor Birt: Charakterbilder  

Das waren seine Nichten, seine Neffen  und die seiner blutjungen Frau Fausta.

Zwölf Jahre später zieht Konstantin gegen den letzverbleibenden Nebenbuhler, Schwager Licinius, den Ehemann seiner Schwester.

Erst in diesem Krieg, 324, - einige Monate vor Einberufung des 1. Ökumenischen Konzils, lässt er die Schilde seiner Soldaten geringfügig ummalen. Es heißt: Er gebot das später Christogramm genannte soll fortan das Siegenszeichen sein. Aber,

„Konstantin ... ließ lediglich eine Schlaufe an der vorhandenen Senkrechten anbringen. Doch trotz Hinzufügung der Schlaufe bleibt dieses X, das Zeichen des Sol Apollo, das Konstantin im Apollotempel gesehen hat. Ihm, dem Gott Sol Apollo, schrieb er seinen militärischen Erfolg (an der milvischen Brücke) zu, wie der Triumphbogen zu Rom beweist.“  Bruno Blackmann "Konstantin der Große”

Nun da der letzte „Feind“ seiner Alleinherrschaft geschlagen wurde, kann Konstantin daran gehen seinem Einheitsreich einen Einheitsglauben zu geben, sozusagen einen Mix von allem.

Fast zeitgleich im Vorfrühling 325 schickte er Briefe an die Bischöfe mit einer Einladung nach Nicäa, sowie den Befehl den inhaftierten 62-jährigen Licinius vom Diesseits in Jenseits zu befördern. Monate zuvor versprach Konstantin seiner Halbschwester Contantia noch er werde ihren Ehemann verschonen.

Natürlich kann jeder Herr der Armeen behaupten, er habe jemanden umbringen müssen, weil der eine Verschwörung plane.

Was seine nächsten Ziele betraf,  dachte er vor allem an die Christen, als künftig verlässlichste Stützen seines Imperiums.

Er kannte sie seit zwei Jahrzehnten. Der Elitechrist und Rhetoriklehrer Laktanz gefiel ihm längst, sowohl wegen seines noblen Charakters, als von seiner Bereitschaft her ein vorbildlicher Staatbürger zu sein. Gemeinsam lebten sie zu Nikomedien, (heutige Nordwesttürkei) mehrere Jahre, Laktanz als freier Mann, er als Geisel am Hof Kaiser Diokletians für die Loyalität seines Vater Constantin Chlorus, Mitkaiser in der Tetrarchie.

Um 316/17 beruft er den großen Idealisten als Lehrer seines Sohnes Crispus an den Hof in Trier.

Laktanz, der Elitechrist, könnte ihm, dort zu Nikomedien, vor Ort, zu Beginn des 4. Jahrhunderts, bereits erklärt haben, dass der Mensch ein Geist ist, der von Fleisch ummantelt wurde und, dass der Allmächtige die Auserwählten zu Göttern erhöhen wird, vorausgesetzt sie befolgen seine Weisungen.

Das verstand Konstantin vermutlich auf seine Weise.

Das sagte ihm zu, denn er hielt sich für den größten unter allen Geistern.

Allerdings erlebte Konstantin am Hof Diokletians auch den Umschwung mit. Zunächst galten die Christen, selbst vor Kaiser Diokletian als geachtete Persönlichkeiten. Doch als sie an Zahl und wegen ihrer Grundsatztreue an natürlicher Macht zunahmen, riefen sie die Eifersucht der Paganen herauf. Diese Wirkkraft der Christen einerseits und andererseits der geifernde Neid der pagananen Priester bildeten einen scharfen Kontrast, was zu einem schweren Konflikt führen musste.

Man hätte es, zu Beginn der 300er Jahre voraussehen können, obwohl sich die Christen mäßig zurückhaltend verhielten.

Es gärte. Immer mehr Leute glaubten den damals noch ehrenamtlich wirkenden christlichen Priestern.

Zu einer Zeit als sich die Christen Roms noch in Privatzimmern oder Bretterbuden versammelten, verfügten die Jesusgläubigen Nikomediens, zudem in unmittelbarer Hofnähe, über ein ansehnliches Gemeindehaus. Obwohl noch weit davon entfernt liturische Kleidung zu tragen, gingen sie bis 303 am Kaiserhof, selbstbewusst wie die Nobilissimi. Das konnte den Berufspaganen nicht gefallen. 

Ihre Gelegenheit kam als Diokletian, dieser auch in Konstantins Augen, abergläubische alte Mann, vor einer ihm bevorstehenden Schlacht, eine Eingeweideschau anbefohlen hatte:

„Die Schau der Haruspices vor Diokletian misslang. Der Priester sagte, die Götter zürnten ihm wegen der Anwesenheit unheiliger Personen. Damit waren die Christen gemeint. Daraufhin mussten alle Beamten des kaiserliche Palastes den römischen Göttern opfern, oder sie wurdes en ausgepeitscht... Auch bei einer Befragung des Apollo-Orakels in Milet antwortete der Gott seinen Priestern, dass die Christen die Beziehung zu den Göttern störten. Daraufhin ließ der Kaiser in Nikomedia eine christliche Kirche niederreißen und deren heilige Bücher verbrennen. In einem Dekret, von 303, ordnete er an, in der ganzen Provinz sollte die Gebetshäuser und Bücher der Christen zerstört werden, die Christen sollten aus allen Ämtern entlassen werden und ihre Privilegien verlieren. Als nun noch im Palast ein Brand  ausbrach, wurden die Christen dafür verantwortlich gemacht.“ Anton Grabner, Haider, Johann Maier,  „Kulturgeschichte des frühen Christentums“

Eine heftige Welle der Verfolgung lichtete die Reihen der Treuen. Lactanz und viele andere bedeutende Christen mussten vor dem plötzlich wieder religiös aktiven Diokletian in den Westen flüchten. 

Wie sie dastanden, die Christen und gelassen zuschauten, als ihre kleine Kapelle eingerissen wurde, das sagte dem noch-nicht Kaiser Konstantin ebenfalls zu.

Nun, 324, nach der Entmachtung Licinius, sah er noch deutlicher: Die Infrastrukturen seines Imperiums waren mangelhaft. Seine Verwaltungsbeamten könnten und werden von der Christen-organisation  das Beste übernehmen.

Als man Konstantin sanft darauf hinwies wie zertritten die Christen seien, winkte er ab: Er wird sie unter Auflagen einen!

Diese Auflagen sollten ungeheure Sprengkraft in sich tragen.

Er habe bereits das  Treffen aller Bischöfe in Nicäa vorbereitet.





Das Vorspiel



Man kann ungefähr rekonstruieren was sich vor dem nicänischen Konzil, bereits 318, zu Alexandria ereignete:

Die Umstände brachten es mit sich, dass damals die beiden potentiellen Kontrahenten, Athanasius, zu dieser Zeit 22-jährig, und Arius um die 60 im Priesterschaftskollegium einer nicht näher bekannten Gemeinde der großen Hafenstadt Alexandria beieinander saßen und heftig aneinander geraten sollten.

Zu Tisch präsidierte Bischof Alexander.

Arius, einer der Gäste, hatte schon davon gehört, dass der hitzköpfige kleingewachsene, dunkelhäutige Diakon Athanasius hoch hinaus wollte. Bis er sich einmischte herrschte überwiegend ein Geist der Offenherzigkeit, der auch querschlagende Reden und Ideen zuließ. Dann allerdings brachte jemand in dieser Runde, wahrscheinlich ein Katechet, die Frage auf: Wie ist Gott?

Hat er ein Antlitz und menschliche Gestalt?

Oder ist er ein unfassliches Lichtwesen, ein gestaltloser, allgegenwärtiger Geist? 

Bischof Alexander, vom Gemüt her eher ein Grobian, schon kränklich  der sich im Fall von Meinungsverschiedenheiten nur schwer beherrschen konnte, hielt das Letzte für eine ausgemachte Grundwahrheit. Es stünde doch geschrieben: „Gott ist Geist“. So hieß es im Johannesevangelium. Damit war für ihn das letzte Wort gesprochen.

Doch Arius konnte und wollte solchen Kurzschluss nicht akzeptieren. 

Wahrscheinlich dachte er „mormonisch“, auch:

„...der Mensch ist Geist...“ Kanon der Kirche Jesu Christi der HLT: „Lehre und Bündnisse“ Abschnitt 93: 28-34

Der Mensch ist ewiger Geist, er befindet sich im sterblichen Leib. Diese Definition, die Joseph Smith hier verwendet, trifft das Wesentliche.

Die Mehrheit der an jenem Tag versammelten Ältesten, Priester und Diakone die fast ausschließlich im Berufsleben ihren Mann standen,-  stimmten Arius zu, der gesagt hatte: ich glaube, dass Gott ein Angesicht wie wir hat.

Er ist ein anderer als sein Sohn.

Athanasius vertrat indessen vehement die Auffassung seines Bischofs Alexander:

„Jesus und der Vater sind ein Gott, sie sind völlig Geist, gestaltlos, allgegenwärtig“ , während Arius erwiderte: „Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei verschiedene Götter, sie sind eine Gottheit, eins im Willen, jeder mit eigenem Gesicht, der Sohn dem Vater nachgeordnet.“

Dabei berief er sich auf Origenes.

Arius solle sich schuldig fühlen.

Das lehnte er ab.

Ob er schon ahnte, dass es wegen der unterschiedlichen Glaubensweise zu einer Spaltung der Kirche kommen würde? Dennoch durfte er seine Überzeugung nicht preisgeben: Der Märtyrer Stephanus  habe doch in der Minute seines Todes bekanntlich eine Vision erlebt und danach ausgerufen, er sähe Jesus sitzend zur Rechten des Vaters, mitthronend, während die Pharisäer ihn gerade dieses Bildes und Glaubens wegen steinigten.

Dieser Zeitpunkt war es.

Worte flogen hin und her.

Irgendwann fallen von den Lippen Bischof Alexanders  die welthistorisch bedeutenden Worte:

„Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs BlutPfarrer Ernst Ferdinand Klein, „Zeitbilder aus der Kirchengeschichte“    

Verwickelt in die Meinungsverschiedenheiten waren auch römische Gemeinden, und stadtrömische Bischöfe!

Konstantin sah seine Chance.





Nicäa



Kaiser Konstantin wolle schlichten, sagte er und hielt großen Reden. Aber sehr bald wird klar was er wirklich beabsichtigte.

Er erwarte 1800 Bischöfe. In Nicäa, seinem Sommerlager, sollte angeblich die Einheit der Kirche wiederhergestellt werden.

Aber nur 220 Unterschriftsberechtigte kamen. Einige waren nur Beauftragte ihrer Bischöfe oder deren „Ratgeber“. Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“ ... der Bischof leitet die Gemeinde. An seiner Seite stehen zwei Ratgeber sowie das Ältestenkollegium...“

Der Rest, etwa 1600 Unterschriftsberechtigte,  -  weit mehr als 80 Prozent - ahnten sehr wahrscheinlich das dabei nichts Gutes herauskommen konnte.

Vorzustellen ist, wie jeder Einzelne dieser riesigen Mehrheit mit sich gerungen haben wird: Welche Aufwertung für sie, die oft Verspotteten, einen Kaiserbrief vorzuweisen. Sie könnten prahlen: Ich erhielt vom Imperator eine persönliche Einladung sein Hauptquartier zu besuchen.

Selbst deren ärgste Feinde müssten in sich gehen, wenn sie zusehen würden, dass die kaiserliche Postkutsche ausgerechnet vor dem Haus eines Bäckergesellen hält.

Die Vorstellung, Bischöfe damaliger Zeit wären hoch gebildete, große Herren über zehntausende Mitglieder gewesen, ist falsch.

Sie waren Vorsteher von Gemeinden zwischen 20 und 60 Mitgliedern, und allesamt berufstätig.

Spiridon, ein Bischof von Zypern, war Schafhirte. Einige konnten wahrscheinlich weder lesen noch schreiben.

Vermutlich gab es damals 40 Gemeinden und somit alleine 40 Bischöfe zu Rom, denn  bereits

für  das Jahr 250 ... wird die Anzahl 100 italienische Bischöfe angegeben.“ Henry Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“

Es kann nicht nur einen einzigen Bischof für die Stadt Rom (Silvester) gegeben haben. wo die absolut höchste Mitgliederkonzentration Europas zu verzeichnen war. „Bischof von Rom“ ist zwar Papsttitel, doch auf einem Gelände von tausend Quadratkilometern muss es mehr als nur e i n e n  Gemeindeleiter gegeben haben. Zudem

 „wissen wir aus Optatus, dass um das Jahr 311 einige 40 Basiliken in Rom waren.“  Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853  

40 Gemeinderäume, und zwar sehr schlichte.

Das Aufwendige musste auch nicht sein.

Die Christen der ersten drei Jahrhunderte, - gleichgültig wo sie sich trafen, in einer Hütte oder einem Nobelsaal -

„...gingen nach den Versammlungen auseinander als ob sie aus einer Schule der Tugend kämen... Sie strebten nach Selbstbeherrschung und GerechtigkeitAnton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“

Um sich zu bilden bedurfte es keiner Paläste.

Denn,  „nach Lactanz ist Jesus der Lehrer der Tugend und Gerechtigkeit.“ Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“

Es gibt für diese Zeit keinen Hinweis für das Vorhandensein auch nur eines einzigen kircheneigenen Hauses in Rom;

„Wie primitiv noch die Gotteshäuser im Anfang des III. Jahrhunderts waren, können wir am besten aus dem Bericht des Lampridius, vita Alex. 49, g entnehmen. Danach bewarben sich unter Alexander Severus (im Jahr 230) die Christen um einen öffentlichen Raum, auf den nur noch die Garköche Anspruch erhoben.“ Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts ...nach seiner Kirchenordnung

Für diese Feststellung haben wir noch eine weitere Bestätigung:

 „Selbst in Rom ... mit dem absolut größten Anteil von Christen an der Bevölkerung lässt sich bis heute kein einziger christlicher Versammlungsort für die Zeit vor der konstantinischen Wende (um 325) nachweisen .... Christoph Müller, Inaugural Dissertation, Albert-Ludwig-Universität in Freiburg „Kurialen und Bischof...“

Wiki Commons: Konstantin im Vordergund mit der Strahlenkrone des Sol



Der stets von seiner Leibgarde beschützte Imperator erschien, bereits in der ersten Sitzung  zu Nicäa, gekleidet wie Sol Invictus. Das geht aus Beschreibungen z. B. des Eusebius von Cäsaräa, hervor.

  Anzumerken ist: Die Bischöfe gingen damals zivil gekleidet.

Auch Kreuze kamen noch nicht vor. Sie erscheinen im Kirchenbild erst nach 430.



Die Angaben variieren etwas: 

 „... im Jahr 431 (wurde) das Kreuz als zentrales christliches Symbol beim Konzil von Ephesus eingeführt.“ Der "Evangelische Kirchenbote..."

 Auf Inschriften begegnet das Kreuz in Rom, seit dem Ende des 4. Jahrhunderts, in Gallien fast ein halbes Jahrhundert später.“ (Victor Schultze „Die Katakomben“

 „Als allgemein verbreitetes und verwendetes Symbol der Christen lässt sich das Kreuzzeichen erst in der Zeit der Völkerwanderung nach 375 n. Chr. nachweisen.“  Das Bischöfliche Ordinariat Regensburg, 2010 

Christen sollten sich fragen und bedenken warum die Gemeinden vierhundert Jahre hindurch auffallend das Kreuzzeichen mieden.



Konstantins Ansprüchen und Wünschen mussten sich alle beugen oder in berüchtigte Bleibergwerke abwandern. Die Bischöfe zu Nicäa wurden bewusst in die Irre geleitet.

Seitens Konstantin stand von vorne herein fest: Wer seinen Ideen widerstrebt muss leiden.

Die Weitsichtigen unter den Bischöfen erkannten:

Es gab kein Pardon.

Sol, Christus und Konstantin sollten unbedingt gleichgestellt  werden, ob sie lamentierten oder nicht. Die Mehrheit sah sodann hilflos zu, als, nach wochenlangen Diskussionen,

 „Konstantin ... das nachher so sehr umstrittene unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. ‚consubstantialis einfügen...(läßt). Die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater (der Gott) , wie von Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem Vater“ Hans Küng, „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“

Nephi, der berühmtete unter den Schreibern des Buches Mormon könnte dieses Ereignis zuvor in einer Vision gesehen haben. 1. Nephi 13

Sol triumphierte.

https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgAcKS7L7vBOiPel8jTa0A6grMy04s-13n8NTaKHluF92hkFC-nXGAW9Depof2QYQt6ueNBjP95fcs7rxm9nLJejh9VFxA_Mxkw_j0vLCxi_tTf88O2jR5UQOhPs48XvZ6uIauhZ8jRpmFO/s640/Christassol.pngSol, der Gott der Herrsch-Macht, der Kriegsgott, bestimmte fortan die Zukunft der Kirche.  

Der bewundernswert konsequent-ehrliche Jesuit und Kirchen-geschichtsschreiber Ludwig Hertling bestätigt die Fülle der höllischen Vorfälle, die sich nicht nur im neunten und zehnten Jahrhundert ereigneten:

Was war sie noch im 5., 6., 7., 8., 9., 10., 11., 12., 13., 14. … Jahrhundert? Was? Gauner kämpften gegen eine Handvoll Oberbanditen unter denen echte Christen ebenso litten wie bedauernswerte andere.

Wikemedia Commons: Mosaik der Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom an der Decke, des Grabes der Julii. Darstellung Christi als Sonnengott Helios oder Sol Invictus auf seinem Streitwagen.



„ (Papst) Formosus (891-896) krönte den Herzog von Spoleto, Guido, zum Kaiser. 893 wurde Formosus gezwungen, auch Arnulf zum Kaiser zu krönen. Von da an herrschte in Rom ständiger Bürgerkrieg… Es waren nur mehr Raufhändel der römischen Familien, die ihre Mitglieder ihrer Familien zu Päpsten zu machen und die von anderen Familien aufgestellten Päpste zu stürzen suchten. Die Verwirrung war so groß, dass wir von manchem dieser Päpste, die oft nur Wochen oder Tage im Amt waren, nur die Namen wissen und nicht einmal immer feststellen können, ob sie rechtmäßige Päpste waren…. Von geordneter Aktenführung war keine Rede, Geschichtsschreibung gab es keine… im Jahr 991 besprach ein Bischof die römischen Zustände: „ein Papst der keine Liebe besitzt, … ist - ein Antichrist...“  “Geschichte der katholischen Kirche bis 1740”




Wikipedia Commons Sol Invictus und das Genie der Militäreinheit  


















Wiki Commons: Konstantin der Große (306–337) als Sol Invictus. Geprägt ca. 309–310. Sol stehend mit dem Gesicht nach rechts, rechte Hand erhoben, den Globus in der Linken.

Der Theologe Adolf von Harnack resümierte: „Der Wille des Kaisers entschied.“ Zu Nicäa erreichte er sein 309 gestecktes Ziel. Schließlich durfte er sich, mit dem - erlisteten- „Einverständnis“ der Kirche,  nun offiziell reichsweit anerkannt, als „wesensgleich“ mit Sol und Christus betrachten.

So verstand er seinen Monotheismus.

Selbst katholische Geistliche von Rang sehen das ähnlich:

Die „Union der europäischen Konferenzen der höheren Ordensoberen/innen“ schrieb 2007 im Internet einen zutreffenden Text, der wenig später entfernt wurde: 

„Als die Heiden nach einem Gedanken der Einzigartigkeit der Götter suchten, dachten sie nicht an Zeus, sondern an Apollo. Der einzige Gott der gebildeten und fast monotheistischen Heiden, gerade vor dem Aufkommen des Christentums, war Phebus Apollo oder Sol, der das Leben auf Erden spendende Gott. Aurelian führte einen Versuch eines solchen heidnischen Monotheismus ein während Konstantin den christlichen Monotheismus einsetzen wird mit Sol Invictus („die unbesiegte Sonne“) und Mithra bei den Soldaten, um spirituell dem Wedismus der Perser entgegenzuwirken. Aurelian wünschte, dass die Römer eine gleiche Religion hätten...“ (119) www.ucesm.net/ucesm_de/italie _religions_de, 2008

Nebenbei gesagt, wurde zu Nicäa auch die Frage diskutiert, ob man im Interesse der Staatsfinanzen ein Eheverbot für Priester der Kirche auszusprechen sollte.

Konstantin wollte sie ja begünstigen, wenn sie ihm in Sachen seines Monotheismus entgegen kämen. Aber zu viele Priester die fortan Gehaltsempfänger würden, stellten ihn vor ein Finanzierungsproblem. Denn das war vorauszusehen, die Kirche, sobald sie vom Staat geförderte Institution ist, wird ins Unermessliche wachsen.

Konstantin wagte es offen, er würde sich den Zölibat  als Lösung vorstellen, sowie eine Reduzierung der Priesterschaft. Daraufhin gab es Widerstand, einige Bischöfe erklärten sich anscheinend dennoch zugunsten der Kaiseridee. Da “erhob sich Bischof Paphnuties”, dem 17 Jahre zuvor seines Glaubens wegen ein Auge ausgestochen, sowie die Sehnen der linken Kniekehle durchtrennt worden waren. Er rief

“mit lauter Stimme, man soll den Priestern und Geistlichen kein so schweres Joch auferlegen und durch zu große Strenge der Kirche keinen Nachteil schaffen. Er sagte, die Ehe sei ehrbar und … nannte den ehelichen Beischlaf Keuschheit... die Worte des Mannes wirkten.”  Leonhardt Martin Eisenschmid "Über die Unfehlbarkeit des ersten allg. Konzils zu Nicäa"

Leicht vorzustellen wie den zu ihren Familien und Gemeinden heimkehrenden Unterzeichnern des nun „Nicänum“ genannten neuen Bekenntnisses zumute war. Ihre Ältesten und Priester, das waren praktisch alle erwachsenen männlichen Mitglieder der Kirche, würden sich entsetzen!

Wie sollten sie, gegen ihr Gewissen verkünden: Wer  nicht nicänisch den dreifaltigen, den trinitarischen, Gott verehrte, der sei ein Ketzer?

Schafhirte Spiridon von Zypern, könnte sich, wie die anderen, darauf berufen, sie hätten keine Wahl gehabt

An jedem Konferenztag hätte er durch einen Kordon von Gardesoldaten schreiten müssen.

Nicht erst am Tag der Entscheidung sei ihm bewusst geworden wie groß seine Verantwortung und noch größer seine Angst war:

 Seitens des Kaisers Konstantin wurde mit Drohungen und Ankündigung von Repressalien gearbeitet. Jeder Bischof wird einzeln vorgenommen. Ihm wird das Bekenntnis (das Nicänum) vorgelegt und er wird zugleich vor die Alternative gestellt, entweder zu unterschreiben oder in die Verbannung zu gehen... in Nicäa wird auch die Kirchenorganisation in die Organisation des Reiches eingepasst. Folgerichtig wurden alle in Nicäa gefassten Beschlüsse zum Reichsgesetz erklärt.“  Rudolf Leeb „Konstantin und Christus“ – die Verchristlichung der imperialen Repräsentation“

Nur Arius und zwei seiner Freunde, beide Eusebius, brachten den Mut auf die Unterzeichnung abzulehnen.

Sie lehnten damit aber keineswegs den Gesamttext des Nicänums ab, sondern nur die Passage von der „Wesenseinheit“. Und die konnte noch nie ein Mensch verstehen, denn da heißt es: 

  Es sind es nicht drei Herren, sondern ein Herr. Denn wie uns die christliche Wahrheit z w i n g t, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische (d.h. der allgemeine) Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.“  Der strittige Teil des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses

Das war das Unerhörte und Neue.

Adolf von Harnack urteilt: Es war eine

„grosse Neuerung die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke (Vater, Sohn und Heiliger Geist sind „unius substantiae“ G.Sk.) zu Stichworten des Katholischen Glaubens. (Sie)  sicherte die Eigenart dieses Glaubens... Im Grunde war nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes... fortan musste die Kirche die Last einer ihr

f r e m d e n Glaubensformel tragen. „Lehrbuch der Dogmengeschichte“

Neuerungen sind Abweichungen vom Original.

Und Abweichungen bezeichnet man, seitens Kirchen, als Häresien!

Goethe kommentierte den Verlust des Vokals:

„Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten, an Worte läßt sich trefflich glauben, von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“ Faust I

Es gab niemanden der sich je erklären konnte, wie man  den nicänischen Neugott denken soll.

Prof. Bernd Oberdorfer, Augsburg, Fachmann für systematische Theologie gibt  zu:

„Verlegenheit  ist noch das harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt, sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott einer und drei zugleich ist?“ „Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004

Übrigens hatten und haben andere Religionen dieselben Probleme mit ihrem jeweils „dreifaltigem“  Eingott.



Das dann entstehende Bekenntnis von Nicäa veranlasste nachdenkliche Gläubige zu angemessenen Darstellungsversuchen, die nicht auf allseitige Zustimmung stoßen konnten.

Im Hinduismus gab und gibt es ebenfalls Bemühungen, das Problem zu lösen, so auch in der altrömischen Religion.      






                                                                                      Wikimedia Commons: Der dreifaltige Jesus



   





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Wiki Commons: Die heilige Trinität     Die heilige Dreifaltigkeit von Jupiter, Quirinus und Mars

im Hinduismus                                       Roman Gods io9.gizmodo.com

Brahma, Vishnu, Shiva. 



Ihre Ablehnung der kuriosen nicänischen Trinitätslehre gilt als einer der Gründe, aus denen die gegenwärtige, - diesbezüglich partiell miserabel unterrichtete, - christlich-ökumenische Kirchengemein-schaft den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage den Ehrentitel „Christen“ verweigert.

Amerikanische Evangelikale formulierten „aus der Perspektive des ökumenischen Christentums“ sogar scharfmacherisch: “Mormonen sind „definitely“ (eindeutig)  gefährlich!“, denn sie verweigern sich  dem nicänisch - trinitarischen Bekenntnis!“ 

…The Mormons are dangerous, because they reject the Nicene-Trinitarian confession. Religion Dispatches“of May 27th, 2011

Mormonen“ sind keine Christen weil sie der „christlichen Wahrheit“ den Vorzug vor dem „allgemeinen“ konstantinisch orientierten Glauben geben? Kennen die Evangelikalen nicht die Ergebnisse – die Früchte -  dieses Glaubens?

Jedenfalls,

„Arius und die beiden Eusebius verlangten vergeblich …, dass ausschließlich die Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens gelte und alles, was nicht durch ihren klaren Wortlaut bezeugt sei, dem freien Denken überlassen bleibe.“ Otto SeeckGeschichte des Untergangs der antiken Welt“

File:Nikea-arius.pngDas Lesen seiner Bücher wurde, per Kaiserbefehl, unter Todesstrafe gestellt. Er sei ein Erzketzer. Das war das Ende der Diskussionen.

Doch Thomas Hägg, ein Forscher des 21. Jahrhunderts kommt zum selben Schluß, wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage - indirekt - vor zweihundert Jahren: 

"…der Erzketzer Arius ist Traditionalist. Er steht fest auf dem Boden der kirchlichen Lehrtradition." "Kirchen und Ketzer" 2004 mit Unterstützung des norwegischen Forschungsbeirates für Klassische Philologie und Religionswissenschaft, Uni Bergen



Wikimedia Commons: Dieses Gemälde hängt im griechischen Kloster Mégalo Metéoron und will darlegen was in Nicäa, während des 1. Ökumenischen Konzils der Christenheit geschah. Unter den Füßen Kaiser Konstantins kniet der gedemütigte Älteste Arius.



Der Konflikt in dem sich die potentiellen Unterzeichner befanden, war unbeschreiblich. Diese Tatsache veranlasste den katholischen Kirchenhistoriker Hertling SJ zu der Bemerkung:

„... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen, gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740

Beiseite geschoben wurde, dass Jesus, als Auferstandener, gesagt hatte:

„Seht meine Hände und Füße an: ICH BIN es selbst. Fasst mich doch an und begreift: kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ Lukas 24: 39

Und, steht da nicht auch die große Verheißung geschrieben:

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird  e b e n s o  wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. Apostelgesch. 1: 12





Fünf Jahre nach Nicäa



Konstantin, - eigentlich ein Henotheist! - nun der „dominus et Deus“, berichtet, gleich nach dem 1. ökumenischen Konzil sei ‚Gott’ ihm in einem Traum erschienen. Er wolle die Grundlegung des ‚Neuen Rom’, - Konstantinopel – die Erweiterung des alten Byzanz. Und so

„assistierte ihm eine Schar heidnischer Priester bei der Zeremonie.... Als oberster Priester (des Sol Apollo, Mithras, und des Christus G.Sk.) umschritt Konstantin die projektierte Stadt. Mit einem Stab zeichnete er die Stadtgrenze in den Boden... Seiner auf dem Reißbrett entstandenen, nach den städtebaulichen Idealen der Spätantike gebaute Stadt, versuchte Konstantin durch antike Bildwerke das Antlitz einer gewachsenen Struktur zu geben. ... Aus dem ganzen Land ließ er Kunstwerke zur Ausschmückung bringen. Tempelstatuen und Weihgeschenke wurden ihres religiösen Sinns entweiht. ... Dieser Vorgang wurde zuweilen als ein „schändlicher und massenhafter Kunstraub der Geschichte“ kritisiert... Indiz für das Weiterleben heidnischer Traditionen in der angeblich christlichen Stadt.“ Monika Schuol, „Constantinopolis – die Stadt Konstantin des Großen“

Einige werden es Konstantin damals zugetragen haben, dass ihn selbst seine Senatoren kritisierten, den Dioskurentempel zu aufwendig finanziert zu haben, andere hingegen lobten ihn für sein erzheidnisches Denken.

Konstantins Religion ließ nämlich nicht zu, dass er die Wirkkraft irgendeines Numen (Göttergeistes) leugnete.

Die Dioskuren sind Zeussöhne und Reitergottheiten. Sie kämpften an Konstantins Seite!

„...die beiden jugendlichen Reitergottheiten hatten ‚Rom’ schon oft geholfen  und sind seine Schlachthelfer im Krieg gegen (Schwager) Licinius gewesen, (und zwar elf Monate vor Nicäa G. Sk.) folglich waren sie auch als Schutzgötter des ‚Neuen Rom’ geeignet...“  Manfred Clauss „Konstantin der Große und seine Zeit“

Im Mai 330,  gab es in Konstantinopel zu seinen Ehren, Festspiele im Zirkus.

 „Es wird berichtet, dass die Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule... von Heiden und wie C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e  versuchten das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren, (sie) b e t e t e n  i h n w i e e i n e n  G o t t  an und leisteten Fürbitten die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“

„Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in der Haltung und im Gewand des Sonnengottes darstellte…“ William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen

Historiker bestätigen diesen häretischen Trend:

   „Wenn wir die Ebene der theoretischen Erörterungen verlassen und uns den Glauben der ‚kleinen Leute’ anschauen, dann verwischen sich die Unterschiede zwischen paganer und christlicher Frömmigkeit rasch, dann erfährt Konstantin göttliche Verehrung von Anhängern der alten heidnischen, wie der neuen christlichen Kulte. Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, -Herrscherkult im römischen Reich

Alle Christen fürchteten ihn zuvor, den militanten Strahlen-kranzträger.



















Konstantins Kirche



Nur wenige Wochen nach Nicäa hatte der Kaiser die „auri lustralis collatio“ ausgeschrieben, die bald überall im Reich Entsetzen auslösende Silbersteuer, denn soviel war gewiss, nun da das Christentum zur Staatsreligion „erhoben“ wurde, würden zehntausende, hunderttausende in die Kirche strömen. Alle die Karriere machen wollten, würden, entzückt von der lockenden Steuerfreiheit für leitende Christen, die Augen himmelwärts verdrehen: Wir wollten schon längst Christen werden.

Die bislang noch abseits stehenden Witwen und Waisen würden sich ebenfalls taufen lassen. Als Mitglieder einer geförderten Kirche, müssten sie nicht mehr darben, denn es war bekannt geworden: Der Kaiser gewähte den Bischöfen Zugang zur staatlichen Armenkasse.

Die Unterzeichnungsberechtigten lernten, und sei es erst auf dem Heimweg: Niemand hätte Konstantin jemals von einmal gefassten Entschlüssen abbringen können.

Athanasius leistete seinen Beitrag zum „Erfolg“ des Imperators.

Die Rückblende zu Konstantins Erlebnissen  in  Nikomedien weist tatsächlich auf das heidnisch-hellenische Gottesbild hin. 

„Athanasius verglich die Beziehung zwischen Gottvater und Gottes Sohn mit jener zwischen dem Kaiser und seinem Bild...den Vater könne man im Sohn erblicken und die Göttlichkeit des Vaters erkenne man im Sohn... Kaiser und Bild sind eins.“ Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende

Nachdem er, als heftigster Gegenspieler des Arianer, sich als Sieger von Nicäa betrachten durfte, schimpfte Athanasius los.

 „Wenn man sie aber logisch untersucht, so wird es sich herausstellen, dass sie (die Arianer) bitteren Spott und Hohn verdienen..., verdienen sie nicht allen Hass?”  Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter

Auch Theologe Schleiermacher kam nicht umhin festzustellen, dass

    „Athanasius... das Signal zu den Verfolgungen gegeben hat. Schon auf dem Nicänischen Konzil mag er die Hauptursache des strengen konstantinischen Dekrets gewesen sein... Er fängt überall mit Schimpfen und Heftigkeit an und ist unfähig und unbeholfen im Disputieren.“ Joachim Boekels, Dissertation: Schleiermacher als Kirchengeschichtler“        

 „Er wird die nicänische, orthodoxe Leitfigur der kommenden Kämpfe.“ Hans Lietzmann „Geschichte der Alten Kirche“, de Gruyter                                                                                

Das Buch Mormon lehrt gegen diesen Trend zum Inhumanen: 

 „Es ist nicht meine, (Jesu), Lehre, dass den Menschen das Herz zum Zorn aufgestachelt werde, sondern es ist meine Lehre, dass es derartiges nicht mehr geben soll. ...Wer den Geist des Streites hat, ist nicht von mir...“  3. Nephi 11: 30 + 29                                                                                                                

Athanasius Anklagen verstummten nie wieder: „Unter Rückgriff auf typische Formen der Polemik greift Athanasius seine Gegner an und diskriminiert ihre Handlungsweise grundsätzlich... dass die Arianer sich wie dauernd umherschwirrende Stechmücken verhalten, ist eine Metapher, die Athanasius immer wieder verwendet.“ Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“            

So urteilt auch Adolf von Harnack, mit Blick auf Athanasius Wirken:

„die Sprache des Hasses erfüllte die Kirchen.“ „Lehrbuch der Dogmengeschichte“        mmmmm

Schon die Art, wie Athanasius nach dem Tode seines Bischofs Alexander 327 sich „in einer Art Husarenritt von einer Minderheit zu seinem Nachfolger“ wählen ließ, hätte auch seine Sympathisanten stutzig machen müssen.

Schnell wollte er Metropolit und mehr sein!

Denn hinter ihm stand – zunächst – der Kaiser.

Unartig provozierte er den Widerstand seiner Gegenspieler um sich selbst wichtiger zu machen. Seine Reden wurden immer schärfer. Bald brachte der alexandrinische Volksmund das Sprichwort auf: Athanasius contra mundum. Athanasius gegen die Welt.

Er hält sich für den großen Sachverständigen. Er ignoriert spätere Synoden, wie die zu Rimini, 359, die seinen Glauben verurteilen. Er tobt vor Wut:

„Ihr seid die „Erfinder von Gotteslästerungen … Gottesfeinde, da (ihr euch), um den Sohn nicht als Bild des Vaters anerkennen zu müssen, vom Vater selbst leibliche und irdische Vorstellungen macht… Gott (sieht aber) nicht wie ein Mensch (aus), … man darf auf ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen... Ich glaubte, die Heuchler des arianischen Wahnsinns würden sich auf das, was ich bisher zu ihrer Widerlegung und zum Erweis der Wahrheit vorgebracht habe, zufrieden geben und nunmehr sich ruhig verhalten und bereuen, was sie vom Heiland übel gedacht und geredet haben. Sie aber geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie S c h w e i n e  und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege.“ Bibliothek der Kirchenväter, Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos, RFT Information, 1. Rede, Teil 2)

Wie erstaunt wäre Autor Athanasius gewesen, wenn er in einem Wahrtraum Papst Benedikt XVI., 2007, im Vorab gehört hätte. Unerwartet mutig, sowie erstaunlich deutlich korrigierte Benedikt das Nicänum in seiner Unfrieden stiftenden Passage:

Er belehrt die straffen Nicäner eines Besseren:

„Dantes „Göttliche Komödie“ habe ihn ... inspiriert, ... „wo ein „kosmischer Ausflug“ im inneren des Paradieses zum innersten Licht der Liebe führe, „die Sonne und Sterne zugleich bewege“. – Das tiefste Innere dieses unzugänglichen Lichtes sei jedoch nicht etwa ein noch gleißenderes Leuchten oder noch helleres  Scheinen, sondern das zarte Gesicht eines Menschen, das dem Seher da endlich auf seiner Suche entgegentrete. Dies sei ...„noch viel bewegender als die Offenbarung Gottes in der Form des Dreifaltigen Kreises von Erkenntnis und Liebe. Gott, das unendliche Licht, ... besitzt ein menschliches Gesicht.“



Erste Enzyklika 23. Januar 2007



Es ist wohl anzunehmen, dass Papst Benedikt XVI. die Berichte glaubwürdiger Nonnen und Mönche hörte, die als Sterbebegleiter wirken. Sonderbar und großartig sind die Schilderungen derjenigen die Totenbettvisionen erlebten.

Sie hörten und wussten, bevor Benedikt glaubte!

Michael Servet, der Entdecker des kleinen Blutkreislaufes und Theologe wagte 1540 in calvinistischen Kreisen dasselbe zu sagen und zu schreiben: „Gott hat ein Angesicht!“ Das trug ihm jenen Hass ein, den Athanasius in die Kirche getragen hatte. Dass Philipp Melanchthon, Luthers engster Freund, den Calvinisten, zur Verbrennung des Arztes Servet, schriftlich gratulierte ist leider wahr.



Mehrfach musste Konstantin, später, den wütenden Athanasius wegen Kompetenzüberschreitung und Unruheschürung maßregeln. 336 befahl der Imperator der seinem Lebensende entgegen sah - unerwartet -  die Versöhnung der Kirche mit Arius. Die ihm 309 von Sol zugesagten 30 Regierungsjahre gingen jedenfalls zu Ende.

Allen voran ging es dem Metropoliten Alexander von Konstantinopel gegen den Strich. Er war gleich nach Nicäa, 325, geistlicher Herr der neuen Hauptstadt geworden. Er prahlte ein guter Orthodoxer zu sein, als ob der angemaßte und frei erfundene Titel "Rechtgläubiger", je Garantie für die Richtigkeit irgendeines Glaubens sein könnte. Sein ganzes Gehabe ähnelte zu sehr jenen Manieren der Kommunisten die sich selbst für unfehlbar erklärten und die dieser „Unfehlbarkeit“ wegen den 3. Weltkrieg in Kauf genommen hätten.

Dringender als je zuvor, erheben sich einige Fragen. Darunter die, ob es wahr ist, dass dieser fanatische Metropolit in seiner Basilika zu Konstantinopel laut gebetet hatte:

"dass entweder er oder Arius aus der Welt entfernt würden"11 Sokrates Scholastikus (Kirchengeschichte I XXXVIII)

Unbedingt wünschte der athanasianische Metropolit die unmittelbar bevorstehende Aussöhnung des Großketzers Arius mit der Kirche unmöglich zu machen. Obwohl Kaiser Konstantin sie nun, 336, verlangte. 

Ist es völlig abwegig zu denken, dass einer der Ariushasser des willfährigen Klüngels des Metropoliten Alexander, diese an Gott gerichtete Bitte als Auftrag zum Mord verstand?

Die bekannten Symptome die den jähen Tod des Ältesten Arius verursachten, - er brach auf dem Weg in den Kaiserpapast infolge einer Kolik zusammen -,  weisen auf eine Vergiftung durch weißes Arsen hin.  Sollte sich dieser Verdacht erhärten, hätte die gesamte „christlich-ökumenische Christengemeinschaft“ ein zusätzliches Problem.

Viele noch heute geäußerte Ansichten stammen aus dieser wilden Zeit.

Der Tag wird kommen, an dem Funktionäre der christlichen Kirchengemeinschaft einsehen, dass einige ihrer gehegten Dogmen und bestimmte von ihnen verbreitete Vorstellungen inkorrekt sind, auch weil immer mehr Menschen mit außerkörperlichen Erfahrungen ihrem Gottes- und Menschenbild die Glaubwürdigkeit nehmen.

Dann werden sie früher oder später öffentlich zugeben müssen, dass jene Kritiker Recht hatten die belegten, dass Konstantin, der Macher von Nicäa, der ewige Gott der Christen sein wollte:

„Er selbst hat … den Platz (seiner letzten Ruhestätte) ausersehen... Die eigentliche Beisetzung wird dann durch (Sohn) Constantius vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg in die Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen,  dass der Wert der Gebete die hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugute kommen. Deshalb ordnete er an, hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten hinein... Bertelsmann-Universal-Lexikon „Bis ins 3. Jahrhundert gab es im Christentum keinen Altar.“

... Zwölf Grabmäler wie heilige Säulen richtete er dort auf zu Ehren und zum Gedächtnis des Apostelchors; in die Mitte aber stellte er seinen eigenen Sarg, auf dessen beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden.“ Hermann Dörries „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins

Konstantin stiftete g e g e n Jesus nicht nur eine neue ‚Gottesdienstordnung’ die teilweise bis heute Bestand hat, aber aus vielen Gründen keinen Bestandsschutz verdient, sondern er schuf eine völlig neue Religion, der er lediglich den christlichen Mantel umhängte.

Er ist der Täter, Christus das Opfer.

Dörries fügte eine Bemerkung Otto Weinreich’s aus „Konstantin der Große“ an: „Wie die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag…  stellte …man in die Mitte zwischen die zwei Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“ Er (Weinreich) versichert, „darüber kann kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden wollte und dass an dem Altar für ihn und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte.“ Hermann Dörries, „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins

Da liegen die Wurzeln für die aufwendige katholische Messe, die das alte Christentum nicht kannte, sondern statt dessen das schlichte Abendmahl. Jahrhundertelang wurden deshalb in den Kirchengebäuden an vielen Altären gleichzeitig Messen gelesen, auch wenn keine anderen Teilnehmer als die lesenden Priester anwesend waren. K-P. Hertzsch, „Theologischen Lexikon", Union –Verlag, Berlin, 1977. S.13: „Es geht um das Sitzen um den Tisch. Wobei wieder deutlich wird, dass es in einer christlichen Kirche eigentlich keinen Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch.“

„An der Spitze der Apostel wollte er ruhen, der divus imperator, der den christlichen Staat gegründet, wollte begraben und nach seinem Tode verehrt sein nicht anders als der Sohn Gottes, der die christliche Religion gegründet hatte... schließlich ...wurde Konstantin nicht nur divinisiert, sondern auch konsekriert“ A. Heisenberg „Grabeskirche und Apostelkirche, zwei Basiliken“ Konstantin I.

Zwölf Jahre nach Nicäa berichtet Eusebius von Cäsaräa

„ausgesprochen billigend, dass auf Beschluss von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde angefertigt wurde, auf welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe thronend dargestellt wurde... Das irdische Imperium Romanum (sei), allein von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der Diener Gottes, sondern auch sein Stellvertreter auf Erden... während der Logos Christus im Himmel herrscht, erfüllte Constantin die gleichen Aufgaben auf der Erde.“ F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“  

Der von Konstantin gestiftete ‚absolutistische Cäsaropapismus’ (Mommsen) reduzierte die Würde des Einzelnen, er war vom Geist, Selbstverständnis und in der Praxis das glatte Gegenteil der Kirche der Prinzipien Christi.

 „Konstantin... (ließ sich) nach seiner angeblichen Vision in einem Apollotempel mit  einer Prophezeiung, die ihm 30 Jahre Kaisertum vorhersagte,  fortan auf Münzen mit dem Sonnengott darstellen ließ, dem Sol Invictus, der mit Apoll identifiziert wurde, und der Konstantin eine neue sakrale Herrschaftslegitimation lieferte. Er stellte sich ... Gott gleich und übernahm dessen Unbesiegbarkeit für sich selbst. Er übernahm auch das aus dem Orient kommende Hofzeremoniell, das schon Diokletian eingeführt hatte: wenn er  Bittsteller oder Gesandte empfing, trug er ein Diadem auf dem Kopf und schwere bestickte Kleidung aus Damast und Seide, die bis zum Boden reichte. Jeder, der sich ihm näherte, musste sich zu Boden werfen und den Saum des Kleides küssen, ehe der Kaiser ihm erlaubte, sich wieder aufzurichten. In Rom, als einstiger Verkörperung der Republik, wurde die Proskynese natürlich verachtet“  Bettina von Engel : „Konstantin und seine Familie in Trier“

So wich er nach Byzans aus.

Indessen verblieben die durch Konstantin geschaffenen Resultate und wirkten und wirken - noch - „dank“ Athanasius fort, Unfrieden stiftend. Sein und des Kaisers Wille sollten sich leider bis fast in die Gegenwart behaupten.

Zur Erinnerung: Adolf von Harnack sagte:

  ... Im Grunde war (mit dem Nicänum) nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes.



Origenes (185-254) geliebt und verketzert



„Origenes hatte niemals die Absicht von der Lehre der Kirche abzuweichen!“ Ludwig Hertling SJ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“

Umgekehrt war und ist es!

Kardinal Urs von Balthasar erklärt:

„Origenes und seine Bedeutung für die Geschichte des christlichen Denkens zu überschätzen ist kaum möglich.“ www.origenes.de/Kommentare

„Ich lade euch dazu ein... die Lehre dieses großen Meisters (Origenes) im Glauben in euer Herz aufzunehmen.“ Papst Benedikt XVI. Generalaudienz am 25. April 2007 

„eine ganze Generation von Theologen ... ist durch seine Schule gegangen... mehrfach holte man Origenes zur Widerlegung von Häretikern, die sich seinen Argumenten meistens beugten...“   Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“

Er hatte Neider und Feinde.

„… Bischof Demetrius ...war später der erste, der Origenes der Irrlehre bezichtigte, wobei seiner Handlungsweise jedoch offensichtlich ein rein egoistisches Motiv, nämlich gekränkte Eitelkeit und Neid, zugrunde lag.“  Guna Avatara Premyoga „The Path of Love“ zitiert Ronald Zürrer

Soviel ist gewiss: Nicht nur die mehr als eintausend Bischöfe seiner Zeit sondern die große Mehrheit der aufmerksamen Mitglieder ihrer Gemeinden glaubten, was Origenes lediglich zusammenfasste: So wie er es zeichnete, sah es aus das Urchristentum, im Wesentlichen.

Christliche Theologie, insbesondere die zusehens verarmte -„rationalisierte“ - protestantische, muss sich deswegen immer noch an Origenes messen lassen.

Und siehe da, eine ganze Reihe von Rätseln des Lebens lösen sich in Luft auf. Fragen wir das Handwörterbuch für Theologie und Religions-wissenschaft, 3. völlig neu bearbeitete Auflage, Mohr – Siebeck, Vierter Band Kop-O.

Die Antwort lautet: Um das Jahr 220 glaubte die christlich-ökumenische Christengemeinschaft übereinstimmend mit Origenes sozusagen „mormonisch“!

-         Wir hatten ein vorirdisches Dasein. Wir sind geformte, aber nicht erschaffene Intelligenzen (Logika), die Christus, dem Logos, anhingen.

-         Der allein wahre Gott gewährt uns das Recht auf freie Entscheidung. Niemand darf es antasten. Verstöße dagegen sind Sünde.

-         Alle (Logika, Geister, Seelen) werden im Weltgericht vor Gott stehen. Die Vergehen werden jedem schlagartig ins Bewusstsein gerufen werden.

-         Die Gottheit (Trinität) besteht aus drei „Hypostasen“ d.h. 3 wirklich existierende Wesen wirken zusammen.

-         Jesus ist der „Rangälteste von allen Geschöpfen. Er ist der „zweite Gott“ und dem Vater nachgeordnet.

-         Der Schöpfung der materiellen Welt, ging die geistige voraus.

-         Gott schuf die Welt durch den Logos (Christus)

-         Die sechs Schöpfungstage sind  Weltperioden.

-         Alle Intelligenzen (Vernunftwesen, Logika, Dämonen) sind von gleicher Natur. Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden.

-         Keine Reinkarnation.

-         Hölle ist eine zeitlich begrenzte Gewissenqual.

-         „Christus ist leidensfähig, aber dem Tod nicht unterworfen. Er musste sich selbst den Tod geben.“

-         In seiner Hadesfahrt (Höllenfahrt, Reise in die Geisterwelt als Geist) befreit Christus die Hadesbewohner (im „Gefängnis“), wie in Lukas 4, Vers 18, versprochen                                                                            

-         Gott will a l l e seine Geistkinder läutern und beglücken. Die Gehorsamen können Götter werden.



Hier sollen nur einige der aufgelisteten Themen in Betracht gezogen werden. Sie bilden einen Komplex. Alle Einzelheiten sind untereinander verbunden wie die Zellen eines Gesamtorganismus. Präexistenz, Gewissenfreiheit und Auferstehung stehen in direktem Bezug zu den Begriffen Seele, Trinität und Perfektion (Gottwerdung, Vergottung)

Vor diesem Hintergrund baut sich eigenwillig Geschichte auf.

Gott wusste, dass wir uns verennen würden, doch durch Jesus Christus will er uns alle, a u s n a h m s l o s, aus dem von uns selbst erwünschten und verursachten Elend herausholen.



Spitzentheologe Adolf von Harnack betont und bestätigt ausdrücklich, dass die Lehre von der „Gottwerdung“ des Menschen das Kernstück urchristlicher Tradition war: 

„... der Gedanke der Vergottung (des Menschen) war der letzte und o b e r s t e  gewesen; nach Theophilius, Irenaeus, Hippolit und Origenes findet er sich bei a l l e n  Vätern der alten Kirche, bei Athanasius, bei den Kappadoziern, Appolinares, Ephraim Syrus, Epiphanius u.a“ Adolf von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“

Selbst Martin Luther sprach von der Gottwerdung des Menschen:

„...eben darum wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit anderen Worten: Gott wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde.“ T. Mannermaa “Luther und Theosis”, Band 16 Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen 1990,

Hippolyt von Rom (heiliggesprochener Gegenpapst um 220) sagt:

„Durch den Logos brachte Gott Alles hervor, und anders als es gemacht wurde, konnte es nicht gemacht werden. Den Menschen schuf er als solchen; will der Mensch Gott werden, so muss er ihm gehorchen.  Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ 

Erst im 3. Jahrhundert kamen erste Zweifel in Christenreihen auf, ob diese Lehre echt sei.  Und sogleich mahnt Origenes erfindet bitte kein neues Evangelium:

„... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“  Origenes Kommentar zu Joh.: 2:3 bei Wikipedia unter Arianismus

Dasselbe könnte Joseph Smith geschrieben haben, der Prophet der Wiederherstellung verlorenen Glaubensgutes. Er könnte von Origenes persönlich belehrt worden sein. Auffallend gleichen ihre Basislehren einander. Doch der große Gelehrte war so gut wie in Vergessenheit geraten. Er hatte des Christentums Kern mit zwei Sätzen umrissen, die jedem Diktator missfallen mussten:

„..Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“  H. Benjamins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes.

Solche Lehre musste den Diktatoren aller Zeiten absolut missfallen.

Nach der Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gab es im vorirdischen Dasein einen Streit:

„...weil jener Satan sich gegen mich (den allein wahren Gott) auflehnte und danach trachtete, die Entscheidungsfreiheit des Menschen zu vernichten, die ich, Gott, der Herr, ihm gegeben hatte, und weil ich ihm auch meine eigene Macht geben sollte, ließ ich ihn durch die Macht meines Einziggezeugten hinabwerfen.“  Köstliche Perle, Buch Mose 4: 3

Bevor ihm das offenbart wurde wusste Joseph Smith nichts davon.

Nachdem er intensiv um Erkenntnis bat, erfuhr er, dass die von Christus gebotene Perfektion des Menschen - gemäß Bergpredigt - nur in Willensfreiheit geschehen kann.

Luther, der große Reformator, bestreitet dies.

Schade!

Er hatte bereits als Augustinermönch zuviel Wasser aus den verunreinigten Zuflüssen namens Ambrosius von Mailand und Augustinus von Hippo in sich aufgenommen. Verwegen wie immer behauptet der große Luther:

      ...die Vernunft selbst (ist) gezwungen zuzugeben, ... dass es einen freien Willen weder im Menschen noch im Engel, noch in sonst einer Kreatur geben kann.” M. Luther „Vom unfreien Willen“

Bis heute lehrt die evangelische Kirche:

„Gottes Allmacht und sein Vorherwissen schließt menschliche Willensfreiheit aus.“ Online Dogmatik evangelischer Glaube

Kurzschlüsse stellen unzulässig eine Verbindung zwischen Vorherwissen und Vorherbestimmung her.

Calvins Jünger wagten gegen Jesu Kriteren zu formulieren:

„Unter Vorherbestimmung verstehen wir Gottes ewige Anordnung, vermöge deren er bei sich beschloss, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen Menschen werden sollte“ Institutio Christianae Religionis 3.21.

Origenes hält dagegen:der Wille des Einzelnen ist entscheidend, und das heißt: der autonome Wille des Einzelnen...“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, dritte Auflage                            

 Es ereignet sich nichts ohne Ursache“ Benjamins „Vorsehung und Freiheit bei Origenes“

Ich erinnere mich, Origenes sagte: „Die Dinge geschehen nicht,   weil sie vorhergewusst wurden.

Selbstverständlich gibt es Ratschlüsse Gottes, die unser Wollen und Willen nicht berücksichtigen, aber das berührt nicht das uns verliehene Individualrecht, das Recht auf Entscheidungsfreiheit.

Wie gesagt, selten konnte jemand diesen Aspekt mehr erhellen als Origenes:

„der Schöpfer gewährte den Intelligenzen, die er schuf, willensbestimmte freie Bewegungen , damit in ihnen eigenes Gut entstehe.“ Arbeitskreis Origenes

Auch Menschen weitab christlicher Überlieferungen sind allezeit im Stande sittlich hochwertige Entscheidungen zutreffen, die der allein wahre Gott ihnen anrechnet!

Das lehrte der britische Mönch Pelagius (360-420) gegen die teilweise rüden Ansichten Augustinus: Weiß der Bischof von Hippo überhaupt wovon er da redet, wenn er behauptet:

„... nur eine relativ kleine Zahl von Menschen (zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen Lücke!) ... ist zur Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen (sind) ‚Masse der Verdammnis’.“  Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“

Da irrt er gewaltig.

F.H. Kettler fasst Origenes Weisheit geradezu „mormonisch“ zusammen:

„Zwar sind alle Geschöpfe ganz auf Gott angewiesen, eigene Anstrengungen werden durch seine Gnade weit überwogen. Aber die Vorsehung hat a l l e  Regungen des freien Willens von Ewigkeit her vorausgesehen und e i n g e p l a n t. Sie werden gerecht vergolten.“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. Völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band Kop-O

Das Gewicht liegt auf diesem Satzteil des Origenes:

alle Geschöpfe“! Gott wird alle Regungen des freien Willens jedes Menschen gerecht vergelten, unabhängig ob wir gläubig sind oder nicht.

Eben das sagt moderne katholische Theologie:

 „Nach Auffassung des 2. Vatikanischen Konzils liegt das wahre Wesen des Menschen in seiner Innerlichkeit, seinem Herzen, „wo er selbst unter den Augen Gottes über sein eigenes Geschick entscheidet“  Karl Hörmann „Willensfreiheit“

Mit anderen Worten:

„Gnosis (Erkenntnis vom Wesen Gottes und der Menschen) ist an keinerlei Zugehörigkeit zu irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe gebunden... , Origenes Peri Archòn II Praefatio 9.5; 9.6 „...gerade dieser antiautoritäre Zug bei Origenes... rief später die autoritäre Reaktion der auf Machtprinzipien Beharrenden hervor, dass schließlich a l l e zur Gnosis gelangen würden, war mit dem kirchlichen Gnaden- und Wahrheitsmonopol nicht vereinbar, wie es seit Augustin beansprucht wurde.“ Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited Bd 2

Den Spuren des Wandels nachzugehen lohnt sich.

Jeder Bischof, jeder Älteste stimmte Origenes zu: „Es liegt alleine in deiner Hand, was aus dir wird!“

Calvin (1509-1564) und sein Anhang trotzt Origenes, immer noch:

„... die Menschen nicht alle mit der gleichen Bestimmung erschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet.“ Institutio Christianae Religionis 3.21.

„Non agunt, sed aguntur“ – Wir handeln nicht, wir werden gehandelt.“ Bernhard: Calvin und die Wirkungen

Sklavenhalter handelten mit Menschen und händelten sie! Was für ein ekelerregendes Gottesbild die Herren Protestanten da schufen! Aus der Sicht der Verdammten war es das Abbild eines Tyrannen, der dem „ewig Verlorenen“ das Individualrecht vorenthielt.

Empörung gegen diesen Gott der Launen musste die Folge sein.

Solcher Gedankenwirrwarr konnte niemanden beglücken, und, schlimm genug, er führte nicht zum Frieden.

Des echten Christentums Aufgabe bestand jedoch darin:

 „Eine neue, alle völkischen Unterschiede hinter sich lassende Lebensordnung (zu schaffen!) ... Alle Menschen von sittlichem Willen (werden) sich ihr freudig unterstellen... (Erst) diese Auffassung vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit bringt uns die Loslösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen.“ Dialog des Bardesanes bei Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche.

Entschlossenheit und Willensfreiheit des Einzelnen sind erforderlich, um sich aus dem Zwang irdischer Bindungen zu lösen. Zu diesem Zweck erhielten wir Talente.

Deshalb hieß es:

„Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt werden“ Lukas 12: 48

Thomas von Aquin wusste es:

„Der Wille gibt dem Menschen die Freiheit, sich zwischen gut und böse zu entscheiden. Gott gewährt uns die Freiheit falsch zu handeln, aber er hat uns auch den Sinn für das Rechte und das Falsche eingegeben.“ Horst Poller „Die Philosophen und ihre Kerngedanken“

Meister Eckhart (1260-1328) mahnte ebenso eindringlich, wie zuvor Origenes:

 „Gott hat die Seele auf Freiheit und Eigenständigkeit ausgerichtet, so, dass er ihr über den freien Willen hinaus nichts aufzwingen will, auch will er von ihr nichts fordern, was sie nicht will.“

Johannes  Calvin dagegen verschärfte noch. Er schwor geradezu, es sei irrig zu glauben

„dass die Gnade Gottes in irgendeiner Weise von der Würdigkeit des Menschen abhängt, dass der Mensch durch seinen Glaubens– und Lebensvollzug die souveräne Verfügung Gottes auch nur im Geringsten beeinflussen kann“ Ringvorlesung der Theologischen Fakultät der Universität Basel Frühlingssemester 2009

Calvin pocht auf „die Ehre Gottes“, - insofern kann man gewisses Verständnis für seine Aussage aufbringen, - doch damit, und nicht nur spekulierend, übertreibt er maßlos. So wenn er die Bespitzelung der Bürger organisiert. Nur er hatte Recht.

„Wo die Calvinisten in der Mehrheit waren... regierte die Kirche weitgehend den Staat. Durch die vom Konsistorium ausgeübte strenge Aufsicht über die Sittlichkeit wurde das Leben der Gemeindemitglieder einer äußerst starken Kontrolle unterworfen. Die Ältesten hatten das Recht auf ungehinderten Eintritt in jedes Haus zu jeder Zeit. Das bedeutete praktisch: Keine Tür durfte verschlossen werden, um die Ältesten nicht zu behindern. Das bedeutete auch; Vorhänge an den Fenstern hat nur nötig, der etwas zu verbergen hat...“  Günter Stemberger „2000 Jahre Christentum“

Calvin behauptete: „Es ist a l l e i n  Gottes Werk, dass unsere Sünde sich nicht immer ungehemmt austobt. Institutio 2.03. 03  

Dieses Pochen auf „allein“ hat er übernommen. Luther  verwandte es bis zum Verdruss: Sola gratia.

Eben nicht. Wir sind wer!

Kein Mensch der an Christus glaubt würde je bestreiten, dass wir ohne die Gnade und Liebe Gottes erfrieren würden.

Aber „unser Vater im Himmel“ schätzt es wenn wir eigenes Gut aus freiem Willen in uns entstehen lassen.

Im Jahr 1618, am Vorabend des 30-jährigen Krieges kam eine illustre Fuhre geradezu bösartiger, calvinistischer Fanatiker in der Stadt Dordrecht in den Niederlanden zusammen.

Sie strömten aus den deutschen Staaten, aus Schottland, England, der Schweiz, Polen, Böhmen und Frankreich herbei. Sie beschlossen, was die definitive „Wahrheit“ zu sein hatte: Ihr bekennenden Calvinisten seid die zum ewigen Heil bestimmten, g l e i c h g ü l t i g, was ihr anrichtet. Ihr könnt gar nicht abtrünnig werden.

Wörtlich hieß es:

„Calvinismus bedeutet, du hast zu glauben: dass Gott vollkommen frei ist, einen jeden Menschen zum Heil (oder Unheil) vorherzubestimmen, ungeachtet dessen... ob er glaubt oder nicht. Und diejenigen, die zum Heil vorherbestimmt sind, können nicht abtrünnig werden oder ihres ewigen Lohns verlustig gehen.“ Kingdon, Robert M.: Der internationale Calvinismus und der Dreißigjährige Krieg

Daraus zogen nicht wenige den Schluss, sie dürften, ja müssten nun noch heftiger mit den Säbeln rasseln.

Dagegen lehrt die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sowie Rom: Bedenke, Jesus lehrte, sei ein Friedensstifter“.

Gottes Pädagogik und der freie Wille seiner Kinder sind die Pole des u n v e r f ä l s c h t e n  Evangeliums Jesu Christi.

„...der  f r e i e  Wille der Logika, den Gott durch Erziehung fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind die eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft ... „Origenes“  Mohr - Siebeck, 3. Aufl.                        

Daraus folgt: Zwang ist immer höllisch.

 







Die Gottheit besteht aus drei wirklich existierenden Hochwesen



Origenes nennt sie „Hypostasen“, Joseph Smith „die Gottheit“.

Dem widerspricht das konstantinische Nicänum.

 „Mormonen“ glauben tritheistisch, und das sei antinicänisch, und das wiederum mache sie gefährlich, sagen maßgebliche Prediger.

Der 1. Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage steht sonderbarerweise nicht in der Kritik:

 „Wir glauben an Gott den ewigen Vater und an seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist“

Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage  glauben Gott Vater, Gott der Sohn und Gott Heiliger Geist sind getrennten Persönlichkeiten, sie haben eine menschliche Gestalt. Auch

„Origenes lehrte die Trennung Gott Vater - Gott Sohn - Gott Heiliger Geist.“ Arbeitskreis Origenes.

Das wird abgewiesen, ebenso die „mormonentypische“ Lehre, dass Jesus Christus dem Vater nachgeordnet ist.

 „Kein Theologe vor der Entstehung des Arianischen Streits - weder in der Ost- noch in der Westkirche - betrachtete den Sohn nicht irgendwie als dem Vater untergeordnet.“ R. P. C. Hanson „The Search for the Christian Doctrine of God“





Alle Intelligenzen sind von gleicher Natur – Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden



Joseph Smith lehrt, vom ewigen Gott inspiriert, wie der vorirdische Luzifer (Lichtträger)  teuflisch wurde.

Offenbar ging es im großen Rat im Himmel um die Frage, wie Elohim, der allein wahre Gott, seine Kinder, die darauf drängen selbsständig zu werden, heil zurück in seine Gegenwart bringen kann.

Der hier folgende Artikel widerspiegelt die offizielle Lehre der Kirchen Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage:

„Obgleich von einem einzelnen Rat die Rede war, fanden vielleicht viele Versammlungen statt, in denen das Evangelium gelehrt wurde und Beschlüsse gefasst wurden. Jesus und die Propheten wurden in dem Rat vorordiniert. Der Erlöser sollte eine zweifache Mission erfüllen, einmal die Menschheit vom physischen und geistigen Tod zu erlösen, der durch den Fall Adams herbeigeführt wurde und zweitens eine Erlösung herbeizuführen für Individuen, die ihre Sünden bereut haben. Zu einer bestimmten Zeit fragte der Vater im Rat: „Wen soll ich senden [als Erlöser]?“Jesus Christus, zu der Zeit bekannt als der große ICH BIN und als Jehova, antwortete: „Hier bin ich, sende mich“, und er war willig, den Plan des Vaters zu befolgen. (Moses 4:1-4; Abr 3:27) Als Gegenmaßnahme bot Luzifer sich selbst an und legte einen Abänderungsantrag für den Plan des Vaters vor, die Menschheit zu retten, ohne die Entscheidungsfreiheit zu respektieren. Der Ersatzvorschlag sah vor, den Teufel über den Thron Gottes zu erheben. Die Antwort des Vaters war: „Ich will den ersten senden.“ (nämlich Jehova), und Luzifer wurde Satan, „der Teufel“. Eine Teilung zwischen den Geistern fand statt, und keiner der Geister war neutral. (DS 1:65-66) Ein Kampf im Himmel brach aus (Offb 12: 7-8) , und ein Drittel der Heerscharen, die Luzifer folgten, wurden hinausgeworfen. (Offb 12:4; LB 29:36) Diese aufrührerischen Geister, zusammen mit Luzifer, wurden ohne einen sterblichen Körper auf die Erde geworfen. (Offb 12:9; cf Jes 14:12-17) Der Prophet Joseph Smith erklärte: „Der Streit im Himmel war: Jesus sagte, dass bestimmte Geister nicht erlöst würden, und der Teufel sagte, er könne sie alle erlösen und schlug seinen Plan dem großen Rat vor, der dann Jesus Christus seine Stimme gab. So empörte sich der Teufel gegen Gott und wurde mit all seinen Nachfolgern hinabgeworfen. Der Himmlische Vater und die gläubigen Geister im Himmel weinten darüber. (LB 76:25-29) Satan und seine Anhänger kämpfen noch immer mit den Geistern , die als sterbliche Wesen geboren wurden. (Offb 12:9) JOHN L. LUND Bible Dictionary. „War in Heaven“. In LDS Edition of the King James Version of the Bible, p. 788. Salt Lake City, 1977.

Noch einmal der Hinweis auf Origenes:

„Alle Logika (Engel, Menschen und Dämonen) sind von gleicher Natur, ihre Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden.“ „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. Völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band Kop-O

Jeder konnte, kann und darf für oder gegen die Absichten des allein wahren Gottes wirken, dann aber rächt sich das Kausalgesetz.

Unglückliche und neidische Geister trachten danach, andere unglücklich zu machen. Daraus resultiert die Macht des Zeitgeistes.

„Und ich, Lehi, muss nach dem, was ich gelesen habe, notwendigerweise annehmen, dass ein Engel  Gottes, nach dem, was geschrieben steht, vom Himmel gefallen   war; darum ist er ein Teufel geworden, denn er hatte nach dem getrachtet, was böse ist vor Gott.

Und weil er vom Himmel gefallen war und für immer elend geworden war, Trachtete  er danach, die ganze Menschheit ebenfalls ins Elend zu bringen.“ Buch Mormon 2. Nephi 2: 17 und teilweise 18

Die Geschichte der Menschheit ist weithin das unentwegte Bemühen der Einen, Macht über Andere zu erlangen und, das Trotzen der Unterlegenen.





Zwang ist höllisch



Entgegengesetzter Ansicht waren Justinian, Ambrosius, Damasus von Rom und Gregor der Große. Anders als die heutige katholische Kirche akzeptierte der konstantinische Gott dieses konsequent-engherzigen Nicäners, Zwangsbekehrungen.

So schrieb Gregor um 600:

„Wenn ihr feststellt, dass die Menschen nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt...züchtigt sie mit Prügeln und Folter, um sie zur Besserung zu zwingen… sie sollen durch strengste Kerkerhaft zur Einsicht gebracht werden, wie es angemessen ist, damit jene, die sich weigern, die Worte der Erlösung anzunehmen, welche sie aus den Gefahren des Todes erretten können, durch körperliche Qual dem erwünschten gesunden Glauben zugeführt werden.“  Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“

Der „erwünschte Glaube“?

Dieser Glauben ließ Schrecklichstes zu.

Nicht im finstersten Mittelalter, sondern noch im Juni 1858, wurde mit dem Vertrag von Tianjin das besiegte China von den christlichen Großmächten, England, USA, Russland und Frankreich genötigt, den Opiumhandel zuzulassen, um positive Handelsbilanzen zu erzielen. Gleichzeitig erzwangen diese Nationen mit ihren das Geschehen diktierenden, frommen Leuten, das „Recht“, die chinesische Bevölkerung auf ihre Weise zu missionieren.  Bitter ist die Erkenntnis, dass der vom Opium betäubte Chinese alles akzeptierte, sogar den europäischen Konstantinismus, der ihnen als Christentum verkauft wurde.

Dies berührt unmittelbar die Frage nach unserem Wesen.

Wir sind gemäß Origens und den Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Doppelwesen, einerseits radikale Egoisten und andererseits Engel.  Das Buch Mormon sagt:

„Denn der natürliche Mensch ist ein Feind Gottes und ist es seit dem Fall Adams gewesen und wird es für immer und immer sein, wenn er nicht den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachgibt  und den natürlichen Menschen ablegt und durch das Sühnopfer Christi, des Herrn, ein Heiliger wird und so wird wie ein Kind  Herr für richtig hält, ihm aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voller Liebe und willig, sich allem zu fügen, was der voller Liebe und willig, sich allem zu fügen, was der Herr für richtig hält, ihm aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt.“ Mosia 3: 19

Goethe dichtetesinngemäß dasselbe:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.“
Faust 1

Wir haben vergessen, dass wir aus den Gefilden hoher Ahnen kommen. Nichtsdestoweniger bestätigt die Bibel diese Tatsache:

Ich habe wohl gesagt: "Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten" Psalm  82: 6 

Jesus selbst sagte:

 Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter.  So er die Götter nennt, zu welchen das Wort geschah, und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden...“ Johannes !0: 34

Wir sind göttlichen Geschlechts, Apostelgeschichte 17: 29  wenn auch der „gottfeindliche“ Leib von der Erde kommt.

Götterwillen bricht man nicht.

Gott Elohim hat uns bereits zuvor eine Form gegeben. Wir sind seine buchstäblichen Geistkinder, deshalb rufen wir ihn als unseren Vater „im Namen Jesu Christi“ an.

Er sorgt sich um jeden:

„Die Seelen haben in den Augen Gottes großen Wert.“ Lehre und Bündnisse 18: 10

Unvergessen, Augustinus Gott verzeiht nicht oder nur ausnahmsweise. Er zwingt Menschen wie die „ungetauften Gerechten“ in die „unverdiente“ Verdammnis.

Zusammengefasst: In Ablehnung der Sichtweisen Augustinus, Calvins und Luthers verkündet die wiederhergestellte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in zahreichen Varianten:

 Er (Christus) kommt in die Welt, auf dass er a l l e Menschen errette, wenn sie (lieber früher und hier, als später, in der jenseitigen Welt) auf seine Stimme hören wollen...“ Buch Mormon, 2. Ne 9 : 21

Dem Tenor nach lehrt die römisch-katholische Kirche, spätestens mit Vatikanum II ähnlich, obwohl ihr Augustinus das leugnete.

„Hören“ und Verstehenwollen gehen jeder Besserung unseres Wesens voraus.

Wir können hin- oder weghören, und selbst wenn wir hinhören müssen wir wählen. Lange Jahrhunderte vergingen ehe Theologen für den Prozess der Erlösung die Notwendigkeit des Verstehens (des Wissens um die Prinzipien Gottes) einsahen.

Mormonisch:

„Es ist unmöglich, dass man als Unwissender errettet werden kann.“! Lehre und Bündnisse Abschnitt 131: 6

Der Freiheitsgrundsatz kann von uns erst verinnerlicht werden,wenn wir verstehen, was es bedeutet in Unfreiheit zu leben.

Es dauerte.

Wo die Entscheidungsfreiheit fehlt, da kann zwar die Kirche des Sonnengottes gedeihen, aber nicht die Gemeinde Christi.

Der katastrophale Verlauf der durch Konstantins Kirche verursachten Geschichte bezeugt das buchstäblich tausendfach, weltweit.



Der "Sieg des Christentums" wird in Russland mit der Taufe des Großfürsten Wladimir am 28. Juli 988 gleich gesetzt, obwohl offensichtlich ist, dass nicht Einsicht, sondern die Knute die entscheidende Rolle spielte. 

Alle Menschen die des Großfürsten Befehle empfingen, hatten wie er das Wasserbad zu nehmen. Jede Art von Wollen wurde gebrochen, obwohl die Bibel hunderte Verse kennt, die sich an unser Wollen richten.  

 "Mit seiner Taufe erhielt (Wladimir) den Taufnamen Basil. Nun wurde das christlich-orthodoxe Bekenntnis zur Staatsreligion. Große Teile des Volkes wurden - gegen Widerstand, der massiv unterdrückt wurde - noch im selben Jahr... - getauft, die

Wiki Commons Wladimirs Untertauchung (Taufe)



Heidenbilder in den Fluss Dnjepr geworfen.... Wladimir führte nun wegen seiner überirdischen Schönheit den byzantinischen Ritus und auch die byzantinische Kultur in Russland ein: er ließ Kirchen bauen, verbot das Heidentum ...es entstand die für die Orthodoxie  typische Symphonia von Staat und Kirche... Da die Christianisierung als Anordnung des Herrschers empfunden wurde, lebten in der bäuerlichen Bevölkerung ... alte heidnische Bräuche noch lange weiter.“ "Ökumenisches Heiligenlexikon"

Darf man das, was da im Sommer 988 in Russland - und längst zuvor in Mitteleuropa vielerorts passierte als Sieg der Freiheit und der Wahrheit feiern?

In meiner Heimatstadt Wolgast gibt es einen gusseisernen Brunnen, mitten in der Stadt: Er zeigt historische Bilder: Bischof Otto von Bamberg, als milder, kluger Mann gepriesen, tauft die Einwohner der alten Herzogstadt. Unübersehbar ist das Schwert in der Hand eines Soldaten, unmittelbar neben der Taufszene.

Foto: eigenes Archiv



Um 1780, schildert Charles F. Ph. Masson, ein Mann mit Augenmaß, welche Früchte Wladimirs Religion noch acht Jahrhunderte nach der „Christianisierung“ der Kiever Rus, trug:

"Der Russe hat an nichts Interesse, weil er nichts besitzt... er lebt ohne Vaterland, ohne Gesetze, ohne Religion... er hat noch gar keinen Grund die Scholle auf die er gefesselt ist zu verlassen (er kann es sich nicht vorstellen....)  Er hasst alle Arbeit, weil er niemals für sich gearbeitet hat, er hat sogar noch keinen Begriff von Eigentum. Seine Felder, seine Habseligkeiten, sein Weib, seine Kinder, er selbst gehören einem Herrn, (- einem christlichen Herrn, G. Sk.-) der in Willkür darüber schalten kann, und es auch wirklich tut...“ "Geheime Nachrichten über Russland unter der Regierung Katharinas..." Paris, 1800

Masson findet allerdings auch Ursache für Lob. Der damalige Moskauer Erzbischof Platon, Direktor der Akademie sei ein Mann voller Verstand und Beredsamkeit. Er sei einer, der alles versuchte was in seiner Macht stand um sein Volk zu erheben.

Masson berichtet: Bis in die Gegenwart hinein bedeutete das Christentum in Russland selbst in Kreisen der Gebildeten nichts als eine Art Götzendienst.

"Außer einem geweihten Amulett, das jeder Russe von der Taufe an, wo er es bekommt, am Halse trägt und nie ablegt, hat er gewöhnlich noch ein Bild von Kupfer in der Tasche, das den Heiligen Nikolaus oder einen anderen Heiligen, der sein Patron ist, vorstellt. Er nimmt es mit auf Reisen. Nichts ist sonderbarer, als wenn man einem Bauern oder Soldaten zusieht, wie er seinen kleinen Gott aus der Tasche zieht, darauf spuckt, ihn mit der Hand reibt, und sich plötzlich vor ihm auf die Erde wirft,hundert- mal das Zeichen des Kreuzes macht, die tiefsten Seufzer ausstößt und seine 40 "Gospodi pomiloi" (Gott sei mir gnädig) hersagt.

Ist das Gebet zu Ende so tut er den Gott wieder in die Büchse und steckt sie in die Tasche..."  ebenda

Natürlich gab es zu allen Zeiten und in allen Religionen der Welt Priester und Gläubige die den tieferen Sinn ihres Glaubens suchten und ihm nahe kamen.

Das Gegenteil des Volksaberglaubens, erlebte ich selbst:

Ich werde ihn nie vergessen, diesen etwa dreißigjährigen, hünenhaften Goten im Gewand eines russisch-orthodoxen Priesters, 1972, in Leningrad (St. Peterburg). Sein junges, weißes Gesicht, der ganze wunderbare Ausdruck seiner Persönlichkeit. An diesem Herbstmorgen wollte ich ihn ein zweites Mal sehen und bin früh aufgestanden um ihn, vor dem Morgenausflug unserer Reisegruppe, sprechen zu hören.

Aber, das gibt es ja nicht bei den Orthodoxen, dort wird herrlich gesungen und innig gebetet.

Ein hakennasiger Sechziger, mit langem, schmalen Gesicht und gewisser Hohheit, der ein Intellektueller sein musste, kam mit anderen Besuchern nach vorne. Der junge Priester nahm ihn unter die Stola und gab ihm, wie ich vermute, einen Segen. Beider Mienenspiel bewies mir ihre ganze Ergebenheit gegenüber Gott.

In Moskau bewunderte ich, ein Jahr später, die schlichte, einfarbige, aber ergreifende Deckenmalerei eines Künstlers der in der Epiphanien-Kathedrale eine Geschichte aus dem Johannes-evangelium, in einem Zyklus darstellte. Es war die Atmosphäre die mich ansprach, es war die Jahreszahl 1922, die mir sagte, dass in der bittersten Zeit der Nach-Revolution einem bewundernswerten Künstler und Gläubigen dies da wichtiger war als alles andere. Hingebungsvoll erzählt der Maler, wie Jesus zum Jakobsbrunnen geht und eine Frau anspricht, die fünf Männer gehabt hatte und die nun unverheiratet mit dem sechsten zusammenlebte, was Jesus wusste. Ihr Erstaunen: „Wie kannst du als Jude, mich eine Samariterin, um Wasser bitten”, beschwichtigte er beeindruckend. All das fand hier seinen schönsten Ausdruck.

All das lässt jedoch nicht die ungenießbaren Früchte vergessen die auf dem Baum des Zwangschristianisierung, nicht nur in den Weiten Russlands, wuchsen. Unter den ausgespannten Flügeln einer Religion die sich golden kleidete, herrschte lange Unwissenheit und graues Elend.















Alle Seelen - alle Auferstandenen - werden im Weltgericht vor Gott stehen



Wenn man auf Spekulationen angewiesen ist, kommt eins zum anderen. Besonders die evangelische Theologie hat mit dem Thema „Seele“ ihre Probleme.

„Seele“ sei ein Gefühl, meinen nicht wenige protestantische Meinungsbildner. Folglich scheuen sie Begriffe wie „Teufel und Hölle“ zu betrachten, weil sie deren Existenz grundsätzlich anzweifeln.

Aber, vom Standpunkt der reinen Vernunft gilt: Wenn wir nicht unsterbliche, vor Gott in der Verantwortung stehende, höchst unterschiedliche „Seelen“ sind, dann ist alle Religion Mumpitz.

Weil sie unsicher sind klammern moderne Theologen diese Komplexe dennoch schlichtweg aus.

Frau Prof. Dr. Lucia Scherzberg bestätigt den Trend:

„Bestimmte S c h l ü s s e l t e r m i n i  fallen weg: Richter, Vergeltung, Lohn, Rache, Strafe, Gnade, Seele, Todsünde. Die Prediger distanzieren sich nicht offensiv von solchen Begriffen, sondern sie lassen sie stillschweigend weg.“ (122) 'Tod und Auferstehung'

Erst seit etwa dem 19. Jahrhundert haben evangelische Theologen mit dem altchristlich-jüdischen Begriff „Intelligenzen“, bzw „Seele“ zunehmend ihre Schwierigkeiten.

Mehr als eintausend Worte benötigt „online-Dogmatik evangelischer Glaube“ um unglaubwürdig zu sagen was unter „Seele“ zu verstehen sei: Es gibt keine „unsterbliche“ Seele!

            Der Mensch, wenn er stirbt sei „ganz und gar tot“.

Woher wissen die Verfasser das?

Für die Ganztodidee spricht nicht der geringste Beweis.

Millionen wissen etwas. Ihre Erkenntnisse, die aus außerkörperlichen Erfahrungen stammen, entwerten diesbezügliche Erläuterungen der online-Dogmatik evangelischer Glaube“

Was dieser exklusive Personenkreis berichtet ist vernünftig.

Mit wenigen, aber deutlichen Worten, schildern sonst „Normale“ übereinstimmend, dass, und wie sich die „Seele“ während einer gewissen Situation vom Körper löst.

Im Buch Mormon werden zwei Fälle außerkörperlicher Erfahrung geschildert, die mit denen der Heutezeit vergleichbar sind, beide mit weittragenden Erkenntnissen.  Alma 36, sowie die Kapitel 39-42 und Alma 19

Felix Gietenbruch  lic. theol. VDM liest seinen „ungläubigen“ Kollegen die Leviten:                                                

Im Protestantismus hat sich die kümmerlichste aller Jenseitsvorstellungen durchgesetzt, nämlich, dass der Mensch, wenn er stirbt, mausetot ist und dann vielleicht nach einem Zeitraum von unbestimmter Länge am Jüngsten Tag, an den auch niemand mehr glaubt, wieder durch einen Akt der Neuschöpfung auferweckt wird, um dann gerichtet zu werden. Das ist alles so absurd wie nur möglich und verkennt schon die Tatsache, dass zum persönlichen Leben die Kontinuität der Persönlichkeit und die lebendige Entwicklung gehört. ... Die Kirche ist offenbar weitgehend den Angriffen der zweiten Aufklärung erlegen. Sie hält immer noch die materialistische und positivistische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts für den höchsten Stand der Wissenschaftlichkeit ... Die deutschen Kirchen sind über den Vorwurf, eine opiatische Jenseitsreligion zu sein, so erschrocken, dass sie in das Gegenteil verfallen sind.“ (123) Studien zur systematischen Theologie und Ethik „Höllenfahrt Christi und Auferstehung der Toten“

online-Dogmatik evangelischer Glaube“, sagt allerdings zutreffend:

Gott gedenkt (derer die starben), dass er (sie) weiterhin kennt, dass er sie nicht vergisst und sie aus der Beziehung zu ihm auch nicht entlässt. ... ein jeder wird vor seinen Schöpfer gestellt, um ihm Rechenschaft zu geben.“

Doch in Kombination zum zuvor dargelegten Text, bedeutet das: Nach evangelischem Glauben bewahrt Gott alles Tun und Lassen sämtlicher Menschen „in sich“. „Gott ruft, - wie die Zeugen Jehovas sagen würden, die „Verstorbenen aus den Gedächtnisgrüften“ - irgendwann heraus, gemäß seiner Erinnerung.

Welch unvorstellbare Leistung.

Die Rede: „Bei Gott ist nichts unmöglich“, greift nicht. 

Gott kann nicht alles!

Schon die alten Juden fragten: „Kann Gott einen Stein so schwer machen, dass er ihn nicht mehr aufheben kann?“

Gott kann und wird niemals sein Wort brechen!

Gott kann nicht die Bosheit in sich bewahren, die wahrscheinlich mehr als die Hälfte aller Geschichte ist!

Armer Gott, wenn er das müsste!

Es leben knapp 8 Milliarden Menschen und in den letzten 6 000 Jahren lebten wahrscheinlich weitaus über 100 Milliarden. All den Wahn bewahrt er, und soll doch glücklich auf höchster Stufe sein?

Wozu überhaupt dieser Aufwand der Konservierung des Bösen an sich, wenn Er die Bösen dann doch nur, und zwar sehr, sehr in die Länge gezogen, vernichtet?

Und wo bleibt da die Barmherzigkeit?

Welcher irdische Vater könnte jemals ruhig schlafen, wenn auch nur eins seiner Kinder unheilbar leidet?

Zu Luthers Zeiten hieß es absolut brutal:

     (Es)  wird  gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und zur ewigen Strafe verdammen wird. Deshalb werden die verworfen, die lehren, dass die Teufel und die verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden.“  XVII. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses                                                                                 

Origenes sowie Joseph Smith belehrten uns eines Besseren: Jeder bewahrt in seiner Seele die eigene, ganze Geschichte!  Unser Rückblick wird uns da und hier erschüttern, doch nun greift Gottes Gnade: Jeder muss zwar

 „durch das Läuterungsfeuer im Hades (gehen). (Auch bei J. Smith ist Hades die Geisterwelt). ... Die Bibel (lässt es) aus pädagogischen Gründen, als ewige Verdammung erscheinen, tatsächlich (aber) besteht es  in einer zeitlich begrenzten qualvollen Gewissens-pein.“ „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. Völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band Kop-O

Buch Mormon Alma 36: Drei irdische Tage hindurch befand sich Alma der Jüngere in der ewigen Hölle.

Das leuchtet ein.

Zudem entfällt nach protestantischer Betrachtungsweise die gut katholische und ebenso „mormonische“ Überzeugung seitens moderner evangelischer Lehrer, dass es eine Auferstehung des Fleisches gibt  („mormonisch“: eine nie wieder aufzulösende Verbindung von Geist und Urstoff)

Es scheint, dass Luthers Lehre mitsamt ihren Folgerungen mit den Himmel- und Höllenvorstellungen eines nachnicänischen Papstes sonderbar korrespondiert: 

"... Gregor der Große hatte behauptet, dass die Seligkeit der Erwählten im Himmel nicht vollkommen sein würde, wenn sie nicht über den Abgrund blicken und sich an der Angst ihrer Mitbrüder im ewigen Feuer erfreuen könnten. Diese Gedanken teilte das ganze Volk (G.S. weil es stets diese tendenziösen Predigten hörte, die es gefügig machen sollten). Petrus Lombardus (scholastischer Theologe, Leiter der Kathredalschule von Notre Dame in Paris und dann Bischof von Pa) ... führt den heiligen Gregor b i l l i g e n d  an und verweilt lang und breit bei der Genugtuung, welche die Gerechten empfinden werden über das unaussprechliche Elend der Verdammten. Das mystische Zartgefühl hinderte sogar Bonaventura (den berühmten General der Franziskaner  und Kardinal) nicht, dasselbe schreckliche Frohlocken zu wiederholen." Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter

Ja, wir sind verlorene Seelen, aber Jesus von Nazareth will und wird uns herausholen aus der Verlorenheit, - wenn wir wollen.

Nicht für den Bruchteil einer Sekunde sind wir nichtexistent! Wenn wir sterben, ziehen wir, wie die Apostel erklärten, nur unseren „Mantel“ aus, wir verlassen lediglich das „Zelt“  2. Petr. 1

Wir gehen in die Geisterwelt, (das Paradies, oder griech. Hades) und mit uns gehen unsere Lebensläufe.












Ein Märtyrer - oder ein Mensch der irgendwann Christ wurde - begibt sich in die Geisterwelt.





In z.Zt. nicht zugänglichen Räumen der ältesten nun längst überbauten Kirche San Giovanni in Laterano, Rom befindet sich dieses Bild

Siehe "2000 Jahre Christentum" Stemberger, Karl Müller Verlag Erlangen 

Beachte die Gammadiahaltung der Arme, wie sie auf Mosaiken des Arianertempels zu Ravenna um (500) erscheinen



Jesus predigte den Geistern, die zu Zeiten Noah nicht glaubten:

„Sintemal auch Christus einmal für unsre Sünden gelitten hat, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er uns zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den G e i s t e r n  im Gefängnis.“ 1. Petrusbrief 3:18-19

Er ging in den Hades um die dafür schon bereiten herauszuholen:

Da dieses Bild nicht ins Glaubensbuch einiger Theologen passt, könnte folglich auch der erste Petrusbrief infrage gestellt werden.

Viele Jahrhunderte! hindurch blieb die Erkenntnis lebendig, dass Jesus in die Sphäre des Gefängnisses ging um die Gefangenen herauszuholen. Zu den interessantesten Bildern die uns vor Augen stehen, gehört dieses: 

Bild: Daniel Peterson (Mormon FAIR)



Im Buch Mormon wird zweimal erwähnt, dass 

Christus in die Welt kommt, auf dass er a l l e Menschen errette,... die der F a m i l i e  Adams angehören   2. Nephi 9: 21

Er wird ausnahmslos alle Menschen erlösen, wenn sie, aus eigenem Entschluss, auf seine Stimme hören (d.h. wenn sie seinen Ratschlägen folgen, wie Retter Verunglückter erwarten, dass die sonst Verlorenen, ihren Weisungen nachkommen.) Der komplette Text lautet:

Und er  (Christus) kommt in die Welt, auf dass er a l l e Menschen errette, w e n n  sie auf seine Stimme hören werden; denn siehe, er erleidet die Schmerzen aller Menschen, ja, die Schmerzen jedes lebenden Geschöpfes, sowohl der Männer als auch der Frauen und Kinder, die der Familie Adams angehören.

Und er erleidet dies, damit die Auferstehung a l l e n Menschen zuteilwerde, damit a l l e am großen Tag, am Tag des Gerichts, vor ihm stehen können.

Und er gebietet a l l e n Menschen, dass sie umkehren  müssen und sich in seinem Namen taufen lassen und vollkommenen Glauben an den Heiligen Israels haben, sonst können sie nicht im Reich Gottes errettet werden.“  2. Nephi 9 21-23

„...wißt, dass ihr a l l e vor dem Richterstuhl Christi stehen müsst, ja, jede Seele, die zur ganzen Familie Adams gehört.“ Mormon 3: 20

„... und sich in seinem Namen taufen lassen – oder dann anerkannt stellvertretend taufen lässt...“

Die „Zugehörigkeit zur   Familie Adams“ wiegt.

Die doppelte Erwähnung verweist auf voradamitische Epochen.

Bei Origenes sind wir „die Logika“,  bei Joseph Smith „Geistkinder Gottes“ mit einem seit Ewigkeiten währenden vorirdischen Dasein. Wir sind „Intelligenzen“. Damit wird nicht bestritten, dass Tiere zu intelligenten Leistungen fähig sind.

Unser Bewusstsein hat weder Anfang noch Ende. Seit Ambrosius von Mailand und Augustinus von Hippo steht dieser Lehrsatz in Frage, gestrichen hat ihn Kaiser Justinian 543.

Großkirchliche Theologie weiß es seither nicht mehr.

Joseph Smith konnte es ebenfalls nicht wissen, wäre es ihm nicht offenbart worden. Danach schrieb er:

„.. wenn es zwei Geister gibt, und der eine ist intelligenter als der andere, so haben diese zwei Geister doch, obwohl der eine intelligenter ist als der andere, keinen Anfang; sie haben zuvor existiert, sie werden kein Ende haben, sie werden hernach existieren, denn sie sind n-olam   oder ewig. Köstliche Perle Abraham 3: 18

 Wenn in der christlichen Theologie von "ewigem Leben" gesprochen wird, dann  wird dort der Begriff nicht konsequent verwendet.  "Ewig" ist konsequent gedacht nicht nur ohne Ende, sondern auch ohne Anfang.  Arbeitskreis Origenes

Gott Elohim, gab uns „Unerschaffenen“ im vorirdischen Dasein eine Form! So wurden wir seine Kinder – im ersten Stand. Abraham 3: 22

Im zweiten Stand - im Hierleben – sollen wir das Kindheitsverhältnis zu Christus erwerben:

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden. Joh 1: 11-12

Das Buch Mormon schreibt:

„Und wegen des Bundes, den ihr gemacht habt, sollt ihr nun die Kinder Christi genannt werden, seine Söhne und Töchter, denn, heute hat er euch geistig gezeugt... darum seid ihr aus ihm geboren.“ Mosia 5: 7

Christen der ersten Jahrhunderte lebten mit diesem Verständnis. Unser Endziel sollte uns immer vor Augen stehen: Wenn du dem Geist und Licht Christi folgst, seine Gebote hältst, dann kannst du durch Tugenderwerb, unter Einsatz deiner Talente, und durch Inanspruchnahme des dir gewährten Rechtes auf Entscheidungs-freiheit, und durch seine Gnade, ein Gott werden... denn  du bist „göttlichen Geschlechts“.

Selbst die Israeliten, insbesondere die Kaballisten glaubten daran:  

Sie brachten es auf den Punkt:

 „...Jeder gute... Gedanke und jedes ebensolche Tun zeugt unverlierbare geistige und reale Energien (bis zur) Veredlung und Emporhebung in die reinen Höhenregionen, (tätig) an der immer fortschreitenden Vergottung.“  Erich Bischoff „Kaballa“

Weitere Hinweise sind bemerkenswert.

Ein Midrasch rabbinischer Tradition lautet:

„Sieben Dinge gingen der Erschaffung der Welt voraus, nämlich die Thora, die Buße, das Paradies (die Welt der Geister), die Gehenna (Ort an dem Geister der Verstorbenen leiden), der Thron der Herrlichkeit, der Tempel und der Name des Messias.“ Arbeitskreis Kirche und Israel, Hessen

Der jüdische Religionsexperte Dr. phil. Kurt Wilhelm sagt:

Der alte Israelit glaubte an irgendeine Fortsetzung dieses irdischen Lebens nach seinem Tode. Er wusste von scheol, das dem Leben auf Erden folgt, und er wusste, wer ins scheol hinab sank, war wohl „auch wenn die ältesten Bücher der Bibel keine bestimmten Vorstellungen von der Unsterblichkeit und vom Leben nach dem Tode vermitteln,“  abgeschnitten vom Leben, aber deshalb musste er nicht jedes Daseins bar sein... Die Fragen der persönlichen Unsterblichkeit und der P r ä e x i s t e n z  und des Fortlebens der Seele werden mit der Ewigkeit des jüdischen Volkes selbst verwoben. Alle Seelen, die je und je in einen jüdischen Körper eingehen werden, so heißt es in einem Midrasch, haben am Sinai gestanden und sind dort in den ewigen Verbund zwischen Gott und Israel eingetreten. „Wir Juden sind also vom Sinai her beim Vater“,... „Wir leben ewig“, mit diesem Gesang gingen Juden in die Gas- kammern.“  „Jüdischer Glaube“

Dies korrespondiert mit einem Wort aus dem Hebräerbrief: 

„An unseren Vätern hatten wir harte Erzieher, und wir achteten sie. Sollen wir uns dann nicht erst recht dem Vater der Geister unterwerfen und so das Leben haben?“ Kap. 12: 9 Einheitsübersetzung

Daraus resultiert die Erkenntnis, dass alle Menschen (nach Adam), „aus den Gefilden hoher Ahnen“ (Goethe, Faust I) stammen, ob sie Weiße oder Schwarze sind.

Der große Denker bekräftigte diese Überzeugung noch einmal kurz vor seinem Tod. Am 11. März 1832 sagte er im Gespräch mit Eckermann: 

„...Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammen-zusetzen und sie jahraus jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine P f l a n z s c h u l e   für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in höheren Naturen wirksam, um die geringeren heranzuziehen. Goethe schwieg. Ich aber bewahrte seine großen und guten Worte in meinem Herzen.” 

Schiller hat es wahrscheinlich ebenfalls empfunden. In seiner Ode an die Freude bringt er das zum Ausdruck: „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

Präexistenz meint, dass wir als handlungsfähige geistige Wesen schon vor unserer Geburt existierten... in dieser Vorexistenz haben wir uns alle eigenverantwortlich von Gott entfremdet... Ich denke, heute wird uns mehr und mehr bewusst, dass auch das christliche Abendland neu darüber nachdenken muss.“ Felix Gietenbruch  lic. theol. VDMHöllenfahrt Christi und Auferstehung der Toten Ein verdrängter Zusammenhang Reihe: Studien zur systematischen Theologie und Ethik

Nach der Lehre Adams ist jeder Mensch Adam und ist aus der Sphäre des Paradieses gefallen..."  Felix Gietenbruch: „Der Sündenfall ein sinnvoller Mythos“ Kirchenbote lokal, 2008

Das ist, sinngemäß, „mormonischer“ Tempeltext!

Es ginge den Menschen und der Theologie besser, wenn sie zurückkehrten zum Ursprung.

„Aus vielen Zeugnissen geht hervor, dass außer Origenes auch andere bedeutende frühchristliche Theologen, Philosophen und Kirchenlehrer - so zum Beispiel Justinus, der Märtyrer (100-165), Tatian (2. Jhd.), Clemens von Alexandria (150-214), Gregorios von Nyssa (334-395), Synesios von Kyrene (370 413) ... der Bischof Nemesios von Emesa (um 400-450) glaubten, dass die Seelen der Menschen schon vor der Entstehung der materiellen Welt vorhanden waren.“ Ein Katharer im Internet www.thorstenczub.de

Hildegard von Bingen wusste es durch Offenbarung:  „Die Seele stammt vom Himmel, der Leib von der Erde; die Seele wird durch den Glauben, der Leib aber durch das Sehvermögen erkannt.“   Dr. Beat Imhof, 'Wegbegleiter' Nr. 3/2006 zitiert Hildegard (1098-1179)

 „Das Passah ist das Aramäische pacach (paw-sakh) und bedeutet soviel wie 'hinüber gehen'. … Im Ursprung war das 'Hinübergehen' die Bedeutung des Hinübergehens des Menschen aus seinem fleisch(lichen Körper) hinüber in die körperlose 'Welt', der Heimat der Seele. Dieses Hinübergehen ist im Buche Exodus (Shemoth) der Juden, als der 'Auszug der Seele aus dem fleischlichen Körper' in dieser Welt in das Hinübergehen in die fleischlose Welt der Seele als Parabel niedergeschrieben, aber das Thema kehrt auch in vielen anderen Geschichten der Thora als Parabel auf.  ... Symbolik ist eine Sprache, welche auch durch die Begriffe in den gesprochen Sprachen ausgedrückt wird. So ist das 'über den Jordan gehen' dieselbe Symbolik wie das Passah. Das Yardana, Jordon, ist im Aramäischen 'der Strom oder Fluss des Lebens'. Abseits des Streites der Theologen kann man allein in der Aramäischen Sprache Mosaiksteine finden, für ein Bild, das es erlaubt auch das Bewusstsein der Menschen besser nachvollziehen zu können. So bedeutet im Aramäischen 'Bit Nitupta' das 'Haus der Präexistenz'..“ Volker Doormann, ‘PhilTalk Philosophieforen’ Thema „Präexistenz und zur Passah Symbolik“  

Erst mit der Lehre von der Präexistenz macht die Eingangs-Aussage

des Epheserbriefes Sinn. Paulus singt nämlich ein Loblied auf den

Heilsplan Gottes:

“Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus…in

ihm hat er uns erwählt, vor der Erschaffung der Welt...“

Christus wusste seit unserem vorirdischen Dasein, wer ihn und sein Werk diesseits lieben wird. Jede andere Deutung verleitet zu eher inhumanem, spekulativen Denken im Sinne Augustinus, der die Idee der „Vorbestimmung“ (Prädestination) zum Nachteil Millionen Gläubiger unberechtigt ins christliche Lehrgebäude einfügte. 

Erfreulich ist es, in diesem Zusammenhang, das „Perlenlied der Thomasakten“ zu betrachten: Apostel Thomas,

„der Zwillingsbruder des Christus, der Miteingeweihte in das verborgene Wort des Gesalbten (Christus)“, schildert die Situation aus der wir auf die Erde kommen:  „Als ich ein kleines Kind war“ (nämlich in meinem vorirdischen Leben G.Sk.) „und im Reich meines Vaters wohnte und am Reichtum und der Pracht meiner Erzieher mich ergötzte, sandten mich meine Eltern aus dem Osten, unserer Heimat mit einer Wegzehrung fort ... Wenn du nach Ägypten hinabsteigst und die Perle (findest und wieder-) bringst, die im Meere ist, das der schnaubende Drache umringt, sollst du dein Strahlenkleid wieder anziehen...“ das du hier in deinem vorirdischen Elternhaus zurückgelassen hast und dessen erneuten Besitzanspruch du mit deinem Perlenfund erworben hast... „wirst du mit deinem Bruder, unserem Zweiten, (Christus) Erbe in unserem Reich werden.“...

K. Beyer, kommentiert hier in Übereinstimmung mit den Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage das „Syrische Perlenlied:

„Die Botschaft des Liedes lautet: Die unsterbliche menschliche Seele göttlicher Herkunft darf sich erst dann endgültig vereinen mit ihrem unvergänglichen geistigen Leib der gleichfalls von Gott abstammt, aber immer bei ihm bleibt, wenn sie zuvor auf der Erde in einem vergänglichen fleischlichen Leib und in feindlicher Umgebung mit göttlicher Hilfe Selbsterkenntnis erlangt und mutig die ihr von Gott gestellte Aufgabe erfüllt hat. Das ist eine synkretistische Religion in der Nachfolge Platons, die sich leicht mit der christlichen Ethik verbinden lässt. Ihre Bilder teilt sie mit der Gnosis und den anderen antiken Erlösungsreligionen, ohne dass man sicher sagen kann, wer sie von wem übernommen hat. Das führt schließlich zu der Frage, ob der gnostische Anteil am spätantiken Synkretismus wirklich so hoch ist, wie meist angenommen wird. Denn, dass der Mensch die Erde als Fremde empfindet, ist ein weit verbreitetes Lebensgefühl…” W. Rebell, Lehrbuch "Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter"





















Ambrosius von Mailand (339 -397)



Nur Justinian sollte ihn, zweihundert Jahre später an Grausamkeit noch überbieten.

Der Jurist höchsten Formates und Kaiserberater Ambrosius überwand die möglichen Irrtümer der Antike nicht indem er die Überlegenheit und Güte des Christentums bewies, sondern er zerstörte sie mittels Bosheit gewaltsam.

     „Ambrosius, Bischof von Mailand, beginnt (nach 380) alle Tempel seines Gebiets zu zerstören. Die christlichen Priester führen den hungrigen Mob gegen den Tempel der Demeter in Eleusis und versuchen, die Hierophanten Nestorius und Priscus zu lynchen. Der 95 Jahre alte Hierophant Nestorius beendet die Eleusinischen Mysterien und verkündet die Herrschaft geistiger Dunkelheit über die menschliche Rasse. Am 2. Mai 381 beraubt (der unter dem Einfluss des Ambrosius stehende) Kaiser Theodosius die Christen, die zur heidnischen Religion zurückkehren, aller ihrer Rechte. Im gesamten östlichen Imperium werden Tempel und Bibliotheken geplündert oder niedergebrannt. Am 21. Dezember stellt Theodosius auch einfache Besuche der hellenischen Tempel unter Strafe. In Konstantinopel werden der Tempel der Aphrodite in ein Bordell und die Tempel des Helios und der Artemis in Ställe umgewandelt...“  Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“  

Ein paar Jahre ließ ihn die Frage kalt, ob der Gott des Arius oder der des Athanasius der richtige war. Bis er selbst, 374, von dem Strudel der oft hitzigen Debatten erfasst wurde. Gerade eben zum Statthalter von Oberitalien ernannt, wird Ambrosius von einer aufgeregten Menge Christen beider Glaubensrichtungen gebeten Bischof der verwaisten Zentralgemeinde zu werden. Der verstorbene Gemeindevosteher, Auxentius,  war Arianer gewesen und alle, sowohl die katholischen wie nichtkatholischen Bischöfe der Großstadt wünschten, dass im Brennpunkt des Zankes ein friedenstiftender Mittler steht. Anzunehmen ist, dass Ambrosius zuvor ein paar Tage lang ehrlich um die Erkenntnis rang, welche der beiden Gruppen er bevorzugen wird. Für die Arianer sprach ihre auffallend größere Toleranzbereitschaft, gegen sie jedoch, dass auch sie zerstritten waren. Für die Katholiken warb ihre Schlagkraft - wie sie Damasus bei seinem Überfall auf die Gemeinde des Bischofs Ursinus, vor acht Jahren  bewies - und ihre Glaubensstärke, ihre Neigung zur Kompromislosigkeit.

Also ließ er sich am 30. November 374 orthodox, d.h. katholisch taufen. Nur eine Woche später wird er Bischof der wohl wichtigsten Gemeinde Mailands.

Als Vorbild leuchtete für ihn Damasus, das wird er sehr bald ins Gesetzeswerk selbst hineinschreiben, oder hineinschreiben lassen.

Was bewirkte der heiliggesprochene Papst Damasus von Rom, den Ambrosius liebte?

War es dieses Mannes Herrschsucht die ihm gefiel, und die Damasus zum Massenmord verleitete? Es wird berichtet, dass

Raffael: Gemälde, in der Loggia des Damasus-Palastes im Vatikan"eine Anzahl Arianer Roms am frühen Morgen des 26. Oktober des Jahres 366 in ihre kleine Julii-Kapelle gingen (heute: St. Maria in Trastevere)... Deshalb rückte „(um) acht Uhr morgens, Damasus mit seinem gottlosen Anhang heran. ... mit (dem) gesamten Klerus, alle mit Beilen, Schwertern und Knitteln be-waffnet..“ (141) Martin Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“ _________

Raffael: Gemälde, in der Loggia des Damasus-Palastes

im Vatikan.



Unverschämtes Rumoren störte die Andacht der unter ihrem Bischof Ursinus versammelten Gemeinde. Das Pochen an ihrer Kirchentür ließ die Versammelten zusammenfahren. Die Mütter legten ahnungsvoll und fürsorglich, doch vergeblich die schützenden Arme um ihre Kinder. Ein Ältester hob die Hände zum Gebet, da krachte das Holz. „Sie werden doch nicht?“ Und ob, sie werden! Mit ihren Knüppeln und Äxten fuhren sie dazwischen.

„Wer nicht nicänisch glaubt ist kein Christ!“

Nüchtern resümiert der Bericht: „während kein einziger Damasianer fällt erliegen 160 Ursinaner

Obwohl diese Darstellung erwiesenermaßen zutreffend ist, und obwohl diese grauenhafte Aktion erst den Auftakt zum 2-jährigen Krieg zwischen römischen Athanasianern und römischen Arianern bildet, erklärt die vatikanische Seite wohlwollend:

(Damasus) musste sich gegen den Minderheitskonkurrenten Ursinius behaupten. Er baute seine Vormachtstellung erfolgreich als Nachfolger Petri aus, indem er die kirchliche Gerichtshoheit im Westen ausübte.“ Text zur offiziellen Papstliste

Vormachtstellung!  

Das ist des schwarzen Pudels Kern.  Dass der Römer Damasus glaubt, er sei Petri Nachfolger konnte ihm niemand verbieten. Was allerdings Petrus oder der Herr selbst dazu sagen würden, ist kaum fraglich.

Damasus Tun findet im Betragen von Wölfen seine Entsprechung. Auch da gibt es, im Raubtierrudel, gelegentlich tödliche Rangauseinandersetzungen, bis feststeht wer der Alpharüde ist. Der Kampf  zwischen den Bischöfen Ursinus (-384) und Damasus (305-384) sollte einer von welthistorischer Bedeutung werden, denn mit Damasus „Sieg“ wurde der Kurs der konstantinischen Kirche in Richtung erbarmungslos-diktatorische Weltmacht fortgesetzt.

Nie vergessen: Alle Päpste samt den, von ihnen geweihten, Bischöfen, führen ihre Legitimationslinie über Damasus von Rom.Beschämend ist, dass Leute wie Damasus, bis heute von Kirchen geehrt werden, die massiv den Anspruch erheben christlich zu sein. Damasus Gedenktag katholisch: 11. Dezember

„Nach Liberius' Tod wurde Damasus I. 366 zu dessen Nachfolger gewählt; eine Minderheit hatte schon zuvor aber Ursinus gewählt. Kämpfe und blutige Auseinandersetzungen folgten - zuletzt in der Basilika  Liberii (auch Sicinini) mit mehr als 100 Toten; die Unruhen nahmen erst nach zwei Jahren durch das Eingreifen des Kaisers ein Ende, Ursinus musste weichen. Die Gegner machten Damasus aber lange noch das Leben schwer; 377 wurde er des Mordes bezichtigt, eine von ihm einberufene Synode sprach ihn aber frei."  "Ökumenisches Heiligenlexikon"

„Eine Krähe hackt der anderen kein Augen aus“, sagte Shakespeare. Mit anderen Worten: Mit Geld kannst du alles kaufen, auch geldgierige Juristen. Bekanntlich verfügte Damasus über Millionensummen, die Kutsche in der er durch die Stadt fährt ist goldfarben.
Wohin mochte solche Brachialgewalt noch führen? Um was ging es fortan? Man müsste annehmen, die ganze christliche Welt würde nun einhellig protestieren. Doch die betreffende Notiz lautet:
„In dieser Zeit wird Damasus in der Epistula ad afros besonders wegen seiner Aktivitäten gegen arianische Bischöfe gefeiert.“ Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros...“
Damasus hielt es für geraten, seinen Taten im Nachhinein wenigstens den Anstrich von Rechtmäßigkeit zu geben:
„Marcellin und Faustin erzählen in ihrer Präfatio: ‚Diese schreckliche Grausamkeit (des Damasus) missfiel den Bischöfen Italiens allzu sehr. Als er sie nun zu seinem Geburtstag feierlich eingeladen hatte und einige auch wirklich gekommen waren (also diejenigen die sich noch als kompromissbereit erwiesen G. Sk.) bestürmte Damasus sie mit Bitten und Geschenken ein Urteil über den heiligen Ursinus zu fällen. Da antworteten sie: Wir sind zum Geburtstag gekommen, nicht um (jemand) ungehört zu verdammen. So hatte Damasus Intrige nicht den gewünschten Erfolg.“ Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros...“
Er begehrte Macht und erlangte sie. „Damasus wird mit kaiserlichem Einverständnis der Oberrichter der Kirche...“ und obenauf kommt ein weiteres Privileg, das er wahrscheinlich Ambrosius zu verdanken hat:
„Der römische Bischof soll (allein) dem persönlichen Gericht des Kaisers unterstehen.“ Martin Rade, „Damasus, Bischof von Rom“
Die quasi Immunität des ‚römischen Bischofs’ zu erwirken sollte sich als Missgriff des mächtigen Kaiserberaters erweisen, das beweist der Verlauf der Kirchengeschichte. Nicht nur Damasus, der ganzen Kirchenführung aller Zeiten, vor allem dem ‚kleinen Mann’,  hätte es gut getan, gemäß dem Rechtsgrundsatz „Vor dem Gesetz sind alle gleich“ behandelt zu werden, wie Paulus lehrte
„Ihr seid alle einer in Christus“ Galater 3: 28                                                                                            
Damasus war wie Ambrosius  geradezu besessen von der Idee, die vom römischen Bischof geführte Kirche könne nicht sündigen. Wie sehr er irrte hat gerade auch Damasus Handeln bewiesen:
 „Die Angabe des Pontificalbuches, dass man Damasus wegen Ehebruch verklagt habe, wird auf guter Tradition beruhen... doch der klagende Jude Isaak hatte keine Beweise. Er wird (von der Synode von 44 italienischen Bischöfen) verwiesen, (sie) lobhudeln, preisen die Gerechtigkeit und Frömmigkeit des Kaisers Gratian..., es trieft vor Ergebenheit.“ Martin Rade, „Damasus, Bischof von Rom“,1882,
Der von Damasus verfolgte Bischof Ursinus flieht unmittelbar nach der Vernichtung seiner Gemeinde, 366, nach Mailand, wo die Arianer anscheinend in der Mehrheit sind.
Zeitgenosse Hieronymus der bewundernswert fähige Übersetzer der Bibel aus den Urtexten Hebräisch und Griechisch ins Lateinische (Vulgata) „beherrschte sieben Sprachen.“
Lange Zeit hielt er sich zurück. Es heißt nur, von ihm sei
„mehr als ein bitteres Wort über die römische Kirche überliefert worden“ G. Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“
Schwieg er zum Thema päpstliche Gewalt, weil der reiche Kirchengewaltige ihn förderte?  Er diente ‚Papst’ Damasus jedenfalls bis dessen Tod.
Als Damasus späterer Sekretär schrieb Hieronymus, dass
„der Heide Prätextat, der im Jahre 367 so energisch wider die Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen pflegte: „Macht mich zum Bischof der Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!...Im Munde des Prätextatus war das ein sehr be-zeichnendes Wort, denn er war der erste und reichste Senator und seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und 152 000 Thaler unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der städtischen Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der römischen Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um die Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind, kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der königlichen Tafel zuvortun."
M. Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“
Die Bruderschaft St. Pius X., Distrikt Deutschland weiß zu berichten:
 „Nach dem Tode des heiligen Damasus am 11. Dezember 384 wurde der heilige Hieronymus nicht zu dessen Nachfolger gewählt, wie er es vielleicht erwartet hatte. Zu heftig war seine Kritik an der Verweltlichung des römischen Klerus gewesen.“  Internet-Information am 20. Februar 2010                                                                 
Wahrscheinlich gingen viele der von Hieronymus verfassten, scharfen Damasus-kritiken „verloren“, wie das damals üblich war, wenn sie nicht ins Bild der Nicäner passten. Dennoch war der große Bibelübersetzer ein Opportunist, denn
„er hatte von Origenes gelernt“, den er ... „später in seinen Werken verleugnete und kritisierte.“ Ökumenisches Heiligenlexikon                                                                                                                                                                                  
Dieser Trend des Hieronymus ist unleugbar.
„Wohl ab 393 bekämpfte der heilige Hieronymus die Theologie des Origenes mündlich und schriftlich, da er sie durch den greisen Bischof Epiphanius von Salamis als Irrlehre erkannt hatte“ Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland: „...Bischof Epiphanius von Salamis (habe den Origenismus) als Irrlehre erkannt hatte.
Die Forschung kann im Wesen und in den Ansichten des sonderbaren Heiligen Epiphanius allerdings kaum Wahrhaftigkeit erkennen. Dieser Mann
„Epiphanius ließ 392 die meisten paganen Tempel Zyperns zerstören.“ Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“ Athen 2 000 
Epiphanius, der oft gelobte Metropolit Zyperns, gehörte zu den entschiedensten Konstantinianern (Nicäern) überhaupt – obwohl er nie Origenes Präexistenzlehre in Frage stellte!
Aber er hasste die Tugendlehre und Freiheitslehre des Origenes. (!) Epiphanius operierte gewollt brutal. Die hellenische Welt klagt ihn scharf an:
„Epiphanius … verfolgte tausende Menschen paganen Glaubens.“ ebenda
Der Altsemistist Kurt Rudolph urteilt:
„Epiphanius gilt als einer der eifrigsten Verfechter der Orthodoxie seiner Zeit und hat in den theologischen Streitigkeiten wiederholt eine wenig schöne Rolle gespielt. Er   ist es gewesen, der den Kampf gegen den Origenismus erst richtig  entfachte... er ist der „Patriarch der Orthodoxie“... alle Häretiker (bezeichnet er)  als  wilde  und  giftige  Tiere,  deren  Gift  die  Reinheit  des  Glaubens gefährdet... Seine Sucht, möglichst viele Sekten und Sektennamen anzuführen, ließ ihn völlig unkritisch bei der Behandlung der Fakten verfahren und verleitete ihn sogar zu Erfindungen und unwahrscheinlichen Angaben... (das) wirft kein gutes Licht auf ihn. Für Epiphanius sind alle Häretiker, „ruhmsüchtig“, „eitel“ und „schlecht-gesinnt“, ihr Abfall von der reinen apostolisch- kirchlichen Lehre verdammt sie zum Untergang... Stellenweise scheint er der Phantasie dabei die Zügel schießen zu lassen und der Lüsternheit zu frönen... hier liegen offenbar... böswillige Verleumdungen vor.“ Kurt Rudolph „Die Gnosis“
Das  Gift einer Verleumdung vermag selbst den Besten zu töten. Nachdem später das Wort von den brunnen-vergiftenden Juden in die Köpfe der Leichtgläubigen gefallen war, wirkte es sich auf den Straßen zahlloser Orte bald als üble Menschenjagd aus. 
Der Übersetzer Josef Herman bekräftigt Rudolphs Urteil:
Im Jahr 392 blieb es leider nicht beim sachlichen Kampfe; (den Epiphanius führte) es wurde ein persönliches Streiten mit allen Bitterkeiten ein unschöner Zwist, der die klaren Linien der Meinungen und Charaktere verzerrte.... Epiphanius sah im Origenismus die gefährlichste aller Häresien. Nicht die Ewigkeit der Schöpfung, nicht die Präexistenz der Seelen und nicht die allgemeine Apokatastasis oder die allegorische Auslegung gewisser Schrifttexte bildeten den größten Stein des Anstoßes, sondern ganz besonders die Anklage: der Origenismus sei durch seine subordinatianische Logoslehre der geistige Vater des Arianismus geworden.“  
Josef Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidikomarianten“
Arius und sein Anhang galten den Primitiven als Sündenböcke, die zu verprügeln damals jedem ‚Athanasius-Christen’ eine Ehre sein sollte. Die Lehre der Urkirche, der Vater sei eine andere Person als der Sohn, wurde wie die Pest gehasst und bekämpft. Man könnte sagen und fragen: Wegen solcher Kleinigkeit schlagt ihr eure Brüder? Aber für Fanatiker gibt es keine Kleinigkeiten. Unter dem Oberbegriff Athanasianismus gewann so der Ungeist der Rechthaberei immer mehr an Einfluss. Eremiten in ihre grauen und braunen Gewänder gekleidet, und grasfressende Anachoreten schürten zu Epiphanius Zeiten (um 390) die ohnehin erhitzte Stimmung. Als Vorhut der eigentlichen Streitmacht fallen sie über das Land her. Mit Brechstangen stürmten sie voran und zerschlugen alles was ihnen satanisch vorkam. Die verstümmelten Gesichter auf den Reliefs des heute in Berlin befindlichen Pergamonaltar sind nicht das Resultat christlichen Glaubens, auch wenn ein Satz in der Offenbarung Johannes darauf verweist, dass in Pergamon der Sitz Satans stünde. sondern ein Ergebnis der blinden Wut Intoleranter.

Sonderbar, dass Ambrosius von Mailand, sich vom Ungeist des Antiarianismus nicht distanzierte. Er urteilte und handelte als kühl rechnender Politiker.

So im Fall der Hilfe erflehenden Goten.

Als Kaiserberater musste Ambrosius zwar bedenken, dass diese Flüchtlinge vor den wilden Hunnen, vom Norden her kommend, zunehmend missionierend den Arianismus propagierten, und zeitgleich den  Wunsch äußerten ins Reich kommen zu dürfen, aber, dass sie wirklich Christen sein wollten, hätte er nie in Abrede stellen dürfen.

Ambrosius sah, durch Damasus Brille, schwarz. Es könnte zu einem Überfremdungsprozess kommen. Die Kirche würde es nicht verkraften hunderttausende A n t i -katholiken aufzunehmen.

Er wird den gotischen Familienvätern ein hartes Nein sagen. Sie sind personae non grata.

Eins kam zum anderen, wie eine Lüge zur anderen.

Die Lüge - Kompromislosigkeit führe zur Wahrheit - ist es, die immer und überall alles verdirbt, obwohl sie als Heilpflanze gedacht wird.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b1/Roman_provinces_of_Illyricum%2C_Macedonia%2C_Dacia%2C_Moesia%2C_Pannonia_and_Thracia.jpg/800px-Roman_provinces_of_Illyricum%2C_Macedonia%2C_Dacia%2C_Moesia%2C_Pannonia_and_Thracia.jpgAmbrosius dachte wie Kaiser Konstantin:

„Der Glaube an Gott und die Treue zum Imperium Romanum können nicht voneinander geschieden werden.“

Wie sein anderes großes Vorbild -Konstantin - strebt er danach im Reich den Einheitsglauben durchzusetzten.

Die rötlich eingefärbten Gebiete standen unter dem Schutz römischer Legionen. Dort und in jenseitigen Grenzgebieten wirkte der arianische Missionar Wulfila unter  den Goten seit 341 sehr erfolgreich. Er wurde von Eusebius von Nikomedia geweiht.

Ambrosius weiß das, und ärgert sich.

Als Arianer traf Wulfila bei den Goten auf erstaunliche Gemeinsamkeiten im Gottesglauben: Die arianische Vater-Sohn-Gott- Beziehung entsprach in etwa der Religion der gotischen Germanen.



Wikimedia Commons

Die ungefähre Route des Zugs der Visigothen/ Westgoten – innerhalb von zwei Generationen durch durchquerten sie zwischen 376 und 418 das halbe Römische Reich, bis sie schließlich in den Westprovinzen sesshaft wurden.

Seit etwa 270 lebten einige ostgotische Stämme (Visigothi) nördlich der Donau-grenze.

Wulfilas Credo lautete nämlich, (e n t g e g e n  den Aussagen einiger, die Arius unterstellen, er  leugne die Gottheit Christi):

 „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... wir glauben an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“ (144) Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“

Damit fand er schnell Eingang ins religiöse Leben der frühen Deutschen.



https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/48/Moesia_Inferior_SPQR.pngWiki Commons:



Ein weiterer Blick auf Lage der Provinz Moesia in Europa zeigt, dass Ambrosius Überlegungen in gewisser Weise sogar verständlich sind, denn niemand wusste, wie viele Goten es gab, was sie wirklich begehrten und was bei alledem herauskam. Sie könnten letztlich dem Papsttum den völligen Garaus bereiten, falls aus dem weitem Norden noch mehr schutzsuchende Goten ins Reich drängten und mit ihnen starke Arianer.

Und so sollte es kommen: Die Hunnen verdrängten immer mehr der im heutigen Ukrainegebiet  lebenden Deutschen.

 „Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten) so nahmen die (römischen) Kommandeure die Kinder der Goten… Darüber kam es (im August 378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“ (145)  Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“ 

Gratian, damals 18-jährig und in Sachen Religion sehr tolerant, - eher den Arianer zuneigend - wurde zu spät zur Hilfe gerufen. Ambrosius hatte ihm geraten, gemeinsam mit Valens die Goten zurückschlagen, um sie aus dem Balkangebiet zu verdrängen. Der Tod Kaiser Valens, der ebenfalls zu den Arianern gehalten hatte, kam den Nicänern jedoch sehr gelegen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f4/Gratian_Solidus.jpg/220px-Gratian_Solidus.jpgBild: Münze Gratian (359-383)

Nun war der Weg frei für Gratian - der an Ambrosius Weitsicht glaubte, - als Gesamtkaiser zu herrschen. Andererseits plagte den jungen Kaiser das Gewissen. Er wünschte mit den Goten Frieden zu schließen.

Aber Ambrosius sagte erneut sein lautes Nein!

Er behauptete, im Stil und Sinn des Athanasius, die Goten seien Gottesfeinde.

Ambrosius war Gratian an innerer Autorität überlegen. Er warnte ihn eindringlich, viele der Goten seien zwar getauft, doch auf den falschen, den arianischen Glauben verpflichtet. Sie seien ‚christusfeindlich’ eingestellt.

Sie seien Todfeinde der Kirche.

Ambrosius, völlig im Fahrwasser der Publikationen der Schriften des Athanasius und des Epiphanius von Salamis, stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche Lösung des Problems Er wünschte nicht zu denken, dass die bekehrten Goten, seine Brüder waren. Hartherzig vertrat Ambrosius von Mailand ein Dogma und Urteil, das sich bis ins 21. Jahrhundert hinein „retten“ konnte: Antinicäner sind keine Christen.

Im Sommer, 378, drangen mehr als je zuvor Goten bis an die bewachten Grenzen des römischen Gebietes, einige setzten hinüber.

Und es sollte zunehmend heftiger strömen. Damit wird diese Flucht zur Völkerwanderung. Sie hätte auf Europa befruchtend einwirken können, denn wo es Goten gab, gedieh, ihrer intelligenten und toleranten Grundhaltung wegen, die Kultur.

Kaiser Valens, (328-378) ohnehin einsichtig, auch in Glaubensfragen, hatte ihnen wiederholt gestattet die Reichsgrenze zu überschreiten. Zumal die Goten, aus seiner Sicht der Dinge, gemeinsam mit den Legionen ihre neue Heimat und ihre gemeinsame christliche Religion, gegen das Hunnenvolk, verteidigen wollten. Vielleicht waren die Kaiser Valens erreichenden Informationen gefälscht. Unerwartet stellte er sich gegen sie  -  und verlor sein Leben.

Gratian stand nun mehr denn je verunsichert da. So manche Nacht wird der junge Mann  hinauf zum Himmel geschaut haben, ob Gott ihm ein Zeichen sendet. Gott! Aber wer war dieser Gott? Die weithin  gestreuten Biwakfeuer mahnten ihn, wie groß seine Verantwortung ist. Vor dem Ausbruch des für ihn ersten Krieges, musste er vor sich selbst verantworten, was zu tun sei und verfasste 378 sein Toleranzedikt zu Sirmium: Zur „Freiheit aller Glaubensrichtungen“.

Dieser Fakt ist aus heutiger Sicht von höchster Bedeutung!

Gratian liebte die Arianer und sein Berater Ambrosius grollte. Er bete jede Nacht für ihn!

Was Gratian ganz und gar nicht verstehen konnte, warum die beiden Christengruppen überhaupt „tödlich“ verfeindet waren. Seine ganze Verwandtschaft war arianischer Gesinnung.

Er hatte die Geschichte von der Erschlagung der arianischen Nachbargemeinde des Ursinus durch einen Schlägertrupp des athanasianischen Bischofs Damasus von Rom schon vor Jahren mit großem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen müssen.

Damals, 366, war er noch ein Kind gewesen. Doch erst als Ambrosius Papst Damasus lobte erschütterte ihn diese Untat.

Er selbst sah nur Ursache weitherzig zu regieren.

Wütend, und alles auf eine Karte setzend schrieb Ambrosius in diesem kritischen Sommer 378, für Gratian zwei Bücher („De fide“)

Klipp und klar heißt es da, im Geiste Konstantins und im Sinne des Athanasius und des Damasus:

„Die Arianer (Italiens und die Goten G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen!“  Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“

Ambrosius malte Schwarz-Weiß, er entmischte nicht. Untrennbar gehörten für ihn Staat und Kirche zusammen. Dem jungen Kaiser suggerierte er: 

„der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) mehr als die Tapferkeit der Soldaten den Sieg... Jesus  Christus soll das römische Heer führen.“ ebenda

Das klang genau so als hätte er verkündet „Jesus Christus werde das römische Heer gegen die Arianer führen“.

Welches Bild!

Welche Dummheit.

Feldherr Hindenburg dachte ähnlich wahnhaft. Er stellte sich eintausendfünfhundert Jahre später den lieben Gott als auf einer Wolke sitzend vor, der den deutschen Truppen huldvoll zulächelt, während diese die Söhne und zukünftigen Ehemänner russischer Frauen, allesamt, die einen wie die anderen Christen, in die tödlich-tückischen masurischen Sümpfe treiben. Ambrosius hätte wissen müssen, mit Jesus, dem Fürsten des Friedens und seiner Lehre der Versöhnung Aller, hatte sein Treiben nichts zu tun.

Rüder Konstantinismus war das. Angesichts der Tatsache, dass viele Goten sich auf den Namen Jesu Christi hatten taufen lassen, was einer Verpflichtung auf seine Lehre von der Rechtschaffenheit gleichkam, wäre er zwingend dazu verpflichtet gewesen angemessene diplomatische Schritte einzuleiten. Schließlich wünschten die Goten nur Sicherheit für ihre Familien.

Das wenigstens wusste Ambrosius.

Für die Goten ging es um Tod oder Leben.

Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten, war ihnen kein europäisches Heer mehr gewachsen.

Der junge Kaiser Gratian ließ sich indessen überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln und daran ist zu ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen, Verantwortung tragenden Mann geistig überlegen war. Es hieß nur: fortan „wies er die Arianer ab und folgte Ambrosius.“ Ambrosius hatte dabei als entscheidende Autorität die Bibel aufgerufen:

„Der Kaiser soll gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... der Krieg gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde. Es ist nicht zweifelhaft, dass die ‚catholici’ welche die Strafe für den Unglauben anderer ertragen haben, bei Gratian Hilfe für den rechten Glauben finden. Der Glaube an Gott und die Treue zum imperium Romanum können nicht voneinander geschieden werden...(die Goten) die ‚Häretiker’ sind die ‚antichristi’; diese Häresie sammelt ihr Gift aus allen anderen Häresien.“  Ambrosius mahnte den Kaiser, er müsse „daran denken die Siegeszeichen aufzurichten... so wollte er „den Kaiser für seine kirchenpolitischen Ziele gewinnen und den Gegnern (des Nicänums) den Kampf ansagen.“  (Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“

Sie sollten die Siegeszeichen (Konstantins?) aufrichten!

Gratian hätte in seiner ursprünglich toleranten Gesinnung fest bleiben sollen. Das wäre, für das kriegsmüde Volk dies- und jenseits der römischen Grenzen der bessere Weg gewesen. Denn der Staat hat sich, erst recht nach Jesu Worten: 

„Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist“, aus innerkirchlichen Angelegenheiten herauszuhalten, wie die Kirche aus den machtpolitischen Anliegen des Staates.

Sonst handeln auch die Menschen die in seiner Nachfolge stehen, eher aus Klugheit und Berechnung und nicht aus innerer Überzeugung.

Erst die konsequente, aktive Umsetzung dessen was man als wahr und richtig erkannte macht den von Gott geliebten Menschen aus.

Sonderbar, es geht uns zwar alle an, aber nur wenige sind daran interessiert auf den Kern ihres eigenen Wesens vorzudringen.

Gratian und seine Generäle folgten Ambrosius, hatten befehlsgemäß die „Siegeszeichen“ aufgerichtet ... und verloren dennoch.

Mit seinem Buch „de fide“ hatte Ambrosius die Legionen in die Kämpfe hinein gehetzt, denn da sprach er: 

„mit Gewissheit von den zu erwartenden Erfolgen des Kaisers gegen die Goten...“ und er sprach von den „Strafen welche die Gegner des Glaubens und des römischen Imperiums treffen werde...  Entgegen den Prophezeiungen des Ambrosius „bot das römische Heer keinen Widerstand mehr... überall zogen die Goten ... durch das Land... bis an die Grenze Italiens herrschten sie nach Belieben.“  Günther Gottlieb „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“ 

Alles wankte, Ambrosius stand. Noch blieb ihm ja der Süden Italiens. Wie ein leichtfertiger Kaiser zog er nicht die Konsequenzen, sondern konnte mit diesen Niederlagen leben. Er konnte seine persönliche Macht festigen, weil die Goten mit dem Erreichten wider Erwarten zufrieden waren und ihren Arianismus n i r g e n d w o mit Gewalt durchsetzen wollten!

Ambrosius vermochte es gar nach Gratians Tod noch einmal aufzutrumpfen: 

Jetzt kommt er und fährt starkes Geschütz auf. Er initiiert  das „Dreikaiseredikt“ -cunctos populos - .

So kommt das dunkle Mittelalter herauf.

Obwohl gelegentlich geleugnet, war es Ambrosius von Mailand, der allmächtige Kaiserberater, der im Jahr 380 mit cunctos populos jede andere Religion als die von der antlitzlosen Trinität verbot.

Niemals wäre ohne ihn ein Gesetz solcher Tragweite verabschiedet worden.

Der Text bekräftigt ausdrücklich, nur  der katholische Glaube - wie ihn Damasus vorwies-  sei erlaubt:

   „Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen (müssen) sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt ...nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, … dürfen …Christen heißen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande … zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist.“ Beginn und Ende des Textes Cunctos populos.   


Dass Athanasius Reden die Voraussetzungen für solches Verbrechen der Entmündigung von schließlich Abermillionen schufen liegt nahe.

Dissonanzen schrillster, unchristlicher Art!

„Dreikaiseredikt“ nennen es einige Autoren. Der neunjährige Valentinian II. habe seiner arianischen Mutter Justina widerstanden und ihr den Mund verboten?

Es heißt:

Das Dreikaiseredikt „Cunctus populos“ wurde am 28. Februas 380 in Thessaloniki von den römischen Kaisern Theodosius I., Gratian und Valentinian II. verabschiedet. Es beendete die nominelle Religionsfreiheit des 4. Jahrhunderts und gilt als wesentlicher Schritt, um das Christentum zur Staatreligion zu machen.“ Internet

Das Christentum wurde durch Konstantin zur Staatsreligion degradiert. Vollender dieses Prozesses der Entartung wurden  Damasus von Rom, Ambrosius und dann Justinian. Nach ihnen setzten gewaltbereite Päpste deren Linie über Kreuzüge bis zur spanischen Inquisition fort. Massenhysterie Judenhetze und die Versklavung der Bauernschaft folgten, als bittere Früchte, wie die Vernichtung der Brüder des Templerordens „weil die viel Geld hatten“ Hertling SJ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740

Christus setzte das Kriterium. Alle Menschen und Religionen würden dermaleinst an den Resultaten gemessen – am Grad der Geniessbarkeit der Früchte die sie hervorbringen -.

Um zu zeigen wie er das meine, verfluchte Jesus den Feigenbaum, der sich zwar mit reichlich Blättern schmückte, aber nichts Genießbares trug. Matth.  21: 19-20

Moroni fasste zusammen: „Wenn ihr keine Nächstenliebe  habt seid ihr nichts.“ Buch Mormon Moroni 7: 46

Wie der Feigenbaum verdorrte, so das Land.



Man fragt sich, warum Ambrosius seinen Einfluss nach der Katastrophe von 378 und nach dem Tod Gratians, 383, auf die römischen Offiziere und das Heer behielt, als die siegreichen Goten plötzlich ganz Italien so gut wie unverteidigt vor sich liegen sahen. Gegenüber Kaiser Theodosius I. (der schon kurz nach dem Desaster, im Januar 379 von Gratian zum Augustus erhoben worden war) vermochte Ambrosius es, sogar seine Macht auszubauen.

Das war doch in ihren Kreisen nicht vergessen, dass er, Ambrosius, die  nicht  erfolgreichen militärischen Parolen ausgegeben hatte.

Die Katastrophen und Ungerechtigkeiten jagten nun, erst recht ab 378, einander, während gemäß der Botschaft der Bibel „der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist.

Es ist nun einmal ein Gesetz des Himmels, dass alles Neue wenn es siegreich sein will, auf dem Boden des Bewährten stehen muss.

Das Unrecht dagegen bringt den nächsten Krieg hervor. 

Origens und Hippolyts immer mächtiger werdende Feinde kamen aus den den Reihen der Frömmsten. Ellenbogenkämpfer waren sie allemal. Um jeden Preis wollten sie vorherrschen. Sie pfiffen auf das Individualrecht.

Ambrosius war sehr entschlossen den Willen der treu-arianischen Kaiserwitwe Justina zu brechen. Womöglich würde sie Vorteile aus seiner Niederlage ziehen.

Offiziell und wie selbstverständlich heißt es in der gegenwärtigen Literatur: 

„Ambrosius habe „mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl (der Kaiserwitwe Justina, Mutter des damals neunjährigen Kaisers Valentinians II.) Kirchen an die Arianer auszuliefern, erfolgreich Widerstand geleistet.“ Er ‚überwand’ den Arianismus …durch die Synode zu Sirmium, auf der er 6 Arianer verurteilen ließ, und 381 durch die Synode zu Aquileja, die den der arianischen Häresie angeklagten illyrischen Bischof Palladius samt seinem Presbyter Secundinus schuldig sprach und absetzte.“  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bautz

Schuldig wurden schon viele gesprochen, Ambrosius! So auch später vom deutschen Volksgerichtshof, in Stalins Schauprozessen, von Maos Roten Garden.

Seit seiner Taufe 374 wehrte sich die Witwe Kaiser Valentinian I. gegen den rabiaten Katholizismus des Ambrosius. Der Bearbeiter der Eintragung im Kirchenlexikon, lobt zwar, Ambrosius sei „tapfer“ aufgetreten, doch dieses Lob kann kein um Objektivität bemühter teilen!

Hier läuft der Grenzgraben entlang:  Stellst du dich gegen das uns allen von Gott zugestandene Recht auf Entscheidungsfreiheit, sprichst du dich gegen den „Erlöser“ aus.

Er ist es der Fesseln löst, nie aber knechtend bindet. 

Auch wenn du seinen  Namen unentwegt lobend auf der Zunge trägst fällst du ihm mit solchem Verhalten tückisch in den Rücken. 

Nichts kann das Individualrecht ersetzen. 

Das vertreten Irenäus, Origenes, Hippolyt, sowie die Praxis und die Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage machtvoll gemeinsam.

Sieben Jahre lang widerstand die tapfere Justina dem erbarmungs-losen Diktator Ambrosius, der, so weit zu sehen ist, bis zur Stunde, jedem Katholiken als leuchtender Held des Guten dargestellt wird. 

 „Sie war verärgert, weil Ambrosius (drei Jahre nach dem Tod ihres Gatten) um 379 ihre Bemühungen vereitelt (hatte) ...einen Arianer auf den (Bischofs-)Stuhl zu Sirmium zu befördern“  Sechs Jahre später, 385,  „verweigert Ambrosius Justina die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands zwei Kirchen zu überlassen.“  (151) F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion Jesu Christ

Ambrosius hat sie permanent genervt und bis zu ihrem Tod, 385, erniedrigt, und Augustinus von Hippo lobt  seinen Freund.

Was nahm sich dieser Emporkömmling gegen sie heraus?

Was nahm Augustinus sich ohnehin heraus:

Sein Schlachtruf gegen die Donatisten „Compelle intrare“ (Zwingt sie) spricht nicht für ihn. Die zuletzt mit den arianischen Vandalen verbundenen donatistischen Überreste verweigerten sich Augustinus entschieden.  

Es gibt Herzen die sich an dem Verhalten dieses Diktators, der die Lehre von der Erbsünde und der Präsdestination erfand, ergötzen.

Augustinus Gott bestimmt wer Ewigkeiten des Daseins hindurch Höllenqualen erleiden muss und wer nicht. Augustinus Dogma von der Prädestinationslehre gehört, mit den Zwangsgesetzen seines persönlichen Freundes, des Ambrosius von Mailand, zum Schlimmsten was der damalige Antiarianismus hervorgebracht hat.

Fortan stieg auch die Flut der Legenden antioriginistischer  Propaganda.

Nur seine Nicäner kommen in den Himmel!

Während Jesus ausnahmslos alle Menschen einlud: „Kommt her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken“ (152) Matth. 11: 28-30 

Die Kaiserwitwe wird von ariannischen Bischöfen ersucht, sie möge sich das nicht gefallen lassen. Wer darf ihr, der Mutter des künftigen Kaisers, verbieten eine arianische Gemeinde zu besuchen?

In der Osterwoche 385 – 5 Jahre nach Inkraftsetzung des zumindest von Ambrosius initiierten Staatgesetzes Cunctos populos -  kommt es zu tumultuarischen Szenen. Ihre Soldaten umzingeln die Basilica Porciana, die Kirche der Nicäner. Doch, nach langen Tagen und Nächsten  musste Justina   jener Gewalt weichen, die von der Straße kam, nicht Ambrosius.

Dass sie sich militärisch nicht durchsetzen wollte, um Blutvergießen zu vermeiden, ist wahr, aber nach Augustinus „Bekenntnissen“  bekam sie lediglich, was sie seiner schlimmen Meinung nach verdiente.

Er, der von Ambrosius zum Katholizismus bekehrt worden war, dachte und fühlte natürlich wie sein Vorbild.

 Augustinus wagt es im Folgenden den von ambrosiushörigen Priestern aufgestachelten Pöbel Mailands „frommes Volk“ zu nennen…

Es ist zu befürchten dass die Wunder dieser Tage nichts weiter als raffinierter Betrug waren. Die Auffindung der Gebeine der angeblichen Märtyrer Gervasius und Protasius nach einem Traumgesicht des Ambrosius wurde hochgespielt. Die uralten Leichen dufteten – nachdem sie parfümiert wurden. Seither und sehr wahrscheinlich nicht bereits seit der Jerusalemreise der Mutter Kaiser Konstantins, Helena, die das dreihundert Jahre alte Kreuz vom Calvarienberg gefunden haben soll, explodierte der Reliquienkult.



Ambrosius ging nach jener Osterwoche, wie nicht anders zu erwarten war, gestärkt in Glaubenssachen und in Angelegenheiten der Staaträson hervor!

Man sieht etwas später den Judenfeind Ambrosius, wie er, den Blick gekonnt demütig bodenwärts gerichtet, aber im Geist unbeugsam herrisch, Kaiser Theodosius abkanzelt:  „Der Kaiser steht in der Kirche, aber nicht über ihr!“ Was hatte dieser damals vierzigjährige schlimme Knabe als Kaiser verbrochen?   

„Im Jahr 387 zündeten Christen in Rom eine jüdische Synagoge an. Ein Jahr später geschah in Kallinikum am Euphrat mit Zustimmung des dortigen Bischofs dasselbe. (Kaiser) Theodosius befahl die Schuldigen zu bestrafen und die Synagoge wieder aufzubauen. Gegen diese Entscheidung wandte Ambrosius sich in einem langen Brief an den Kaiser. Darin solidarisierte er sich… mit dem brandstiftenden Bischof… „Ich Ambrosius erkläre, dass ich die Synagoge in Brand gesteckt  (habe)… eine schwerwiegende Sache ist es, wenn du deinen Glauben um der Juden willen in Gefahr bringst… nichts ist erhabener als der Glaube“ oder mit anderen Worten: Der Kaiser steht in der Kirche aber nicht über der Kirche!“ Theodosius gibt nicht nach, daraufhin suchte Ambrosius die direkte Auseinandersetzung (Ambrosius demütigt Theodosius öffentlich. G. Sk) Die Synagoge von Kallinikum … wurde nicht wieder aufgebaut.“ Herbert Gutschera, Geschichte der Kirchen               

Ambrosius wird von Bischof Augustinus von Hippo angehimmelt!

Bei Augustinus mischen sich Wunschdenken und Absicht, Dichtung und Wahrheit.

Seit dieser Zeit regierte das Unrecht und das nannten die Priester die schamlos den Namen Christi verwandten „christlich!“

„Orthodoxe Bischöfe kämpften mittels Staatsmacht gegen ihre häretischen Mitchristen... (die Arianer ua. Urchristliche Splittergruppen G.Sk) Die Vorgaben kamen von den orthodoxen Bischöfen. Häretischen Christen wurde verboten Gottesdienste abzuhalten, Kirche und Versammlungsorte wurden von der Polizei beschlagnahmt, ihre Schriften verbrannt. Ihnen wurde die Rechtsfähigkeit genommen. Sie durften keine Verträge und Erbverfügungen abschließen. Mehrere Gesetze drohten ihnen Konfiskationen ihrer Güter an, Ausweisung aus einer Stadt, Verbannung. Wer durch Bischöfe exkommuniziert wurde, wurde vom Staat mit dem Bannfluch belegt. " Anton Grabner, Johann Maier "Kulturgeschichte des frühen Christentums Vandenhoek & Ruprecht





Die Verfluchung des Origenes



Christi Lehren die im zweiten Jahrhundert noch fast unversehrt überliefert wurden, passten zu keiner Zeit ins Konzept von Gewaltherrschern, die sich herausnahmen „christlich“ zu nennen. Ein weiteres Beispiel dafür bietet Kaiser Justinian. Er hielt 543, zu Konstantinopel die Ostsynode ab, um seine kirchen- und machtpolitischen Absichten durchzusetzen.

135 „heilige Väter“, Patriarchen und andere Amtsträger nahmen daran teil.  Es ging auf dieser Synode auch um Fragen der Natur Jesu, vor allem aber darum Origenes den entschiedensten Bewahrer des originalen Lahrgutes  zu degradieren. Dessen Schriften standen deutlich  gegen des Kaisers Vorstellungen wie Religion beschaffen sein sollte.

Geradzu wütend lässt Justinian sich hinreißen zu diktieren:

„Wenn einer sagt oder dafürhält, die Seelen der Menschen wären präexistent gewesen, insofern sie früher Intelligenzen und heilige Mächte gewesen seien; ... so sei er im Banne....“  Horst Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller -Theologische Realenzyklopädie -2000

Oder: Etwas ausführlicher:

"Wenn jemand sagt oder meint, die Seelen der Menschen präexistieren, sie seien nämlich zuvor Geister und heilige Kräfte gewesen, haben dann aber, der göttlichen Anschauung überdrüssig, sich zum Schlimmeren gewendet, und seien, weil dadurch die göttliche Liebe in ihnen erkaltet sei, Seelen genannt und zur Strafe in Leiber herniedergeschickt worden, so sei er Anathema (verflucht). Wenn jemand sagt oder meint, dass die Seele des Herrn präexistiert habe und vor der Menschwerdung und der Geburt aus der Jungfrau mit dem Gott Logos vereinigt gewesen sei, so sei er Anathema. Wenn jemand sagt oder meint, die Strafe der Dämonen und der gottlosen Menschen sei eine zeitliche und werde einmal ein Ende haben, mit anderen Worten, es werde eine Apokatastasis (griech. = Wiederherstellung geben, gemeint ist damit die Rückkehr aller zu Gott) auch der Dämonen oder der gottlosen Menschen, so sei er Anathema. Anathema auch dem Origenes, … der dieses gelehrt hat, samt seinen abscheulichen, verfluchten und lasterhaften Dogmen,  u n d jeder Person, die dieses denkt oder verteidigt oder überhaupt auf irgendeine Art zu irgendwelcher Zeit hierfür einzutreten wagt."  Diekamp „Die originistischen Streitigkeiten und das 5. ökumenische Konzil"



„Die Bannflüche wurden ... unter dem unnachgiebigen Druck Kaiser Justinians von sämtlichen Patriarchen unterzeichnet, einschließlich Papst Vigilius’, der 544 eigens zu diesem Zwecke fast gewaltsam nach Konstantinopel gebracht wurde. Mit ihrer Unterzeichnung reihte die Kirche den bedeutendsten und herausragendsten Theologen des frühen Christentums, Origenes, aus w e l t l i c h e n  Gründen unter die ketzerischen Irrlehrer...“ Hermann Bauer „Der Einfluss Ostroms“

Justinian liegt nichts daran, doch Origenes weiß wie wichtig dem Allmächtigen unsere Entfaltung ist. Aber auch Justinian empfing dieselbe Gabe die allen gewährt wurde, die er, wie sein Lebenslauf beweist, nicht nutzte:

„Christi Geist j e d e m  Menschen gegeben wurde, damit er Gut von Böse unterscheide...“ Buch Mormon Moroni 7: 16

Gewiss, Justinians Staatapparat wackelte. Pestwellen erschütterten das Land. Die von ihm diktatorisch regierten Menschen rebellierten, Mönchsgarden waren zerstritten, wie die Weltgeistlichen. Sie demonstrierten gegeneinander.

Vornean die langbärtigen  Sabaiten.

Sie schrien: Nieder mit dem Häretiker Origenes. 

Bereits einhundert Jahre vor Justinians Kaiserkrönung, 527,  lebten in Konstantinopel etwa 10.000 bis 15.000 Mönche. (J. J. Ayaita) Das Faulenzerleben dieser nur scheinbar  Frommen bestimmte auch das Stadtbild zu Justinians Zeit. Gelegentlich wurden die Mönche wegen ihrer anstößigen Lebensweise getadelt. Vor allem bildeten sie generell einen politischen Faktor, von erheblichem Einfluss. Mit ihren abgedroschenen Phrasen waren sie überwiegend Orthodoxe, in Wahrheit aber Opportunisten:

 „…Johannes (Chrysostomos Erzbischof zu Konstantinopel) hatte sie… gegen sich aufgebracht, da er ihr Herumtreiben in der Stadt kritisiert hatte... den ihn umgebenden Mönchen wirft der Kirchenhistoriker vor, sie hätten das Volk durch … falsche Behauptung(en)… aufhetzen wollen., …Die Versuche der Mönche (waren) ohne Erfolg, doch bezeugt (dies)… den potentiellen Einfluss der Mönche auf die übrige Plebs.“ 3Joanna Jessica Ayaita  „Justinian und das Volk im Nikaaufstand“                                               

Die Mönche hegten unterschiedliche politische Gesinnungen und so das Volk. Die Gebildeten waren für Origenes. Die Sabaiten hetzten im Sinne des Kaisers, und der schuf neue Dogmen!

Dieser und früherer Fakten wegen betrachtete der international anerkannte Gutachter Adolf von Harnack, die in und nach Nicäa, 325, aufkommenden Dogmen sehr kritisch .

Theologieprofessor Matthias Kroeger fasst zusammen:

Harnack ist die Autorität in der Erforschung des kirchlichen Dogmas. Nämlich auch zu wissen, das, was da in der kirchlichen Dogmatik gelehrt wird und was im 4. und 5. Jahrhundert in den großen Konzilen verabschiedet worden ist als Dogma des christlichen Glaubens, das alles hat sehr seine ungeheuer menschliche Geschichte. Das ist nicht vom Himmel eingegeben, sondern in höchst menschlichen Machtkonstellationen, zum Teil gewaltsamen Prügelsituationen auf Synoden, wo Mönchs-horden eingefallen sind und die Konzilsväter verprügelt haben, wenn sie sich nicht richtig entschieden haben und nicht richtig votiert haben.“ Adolf von Harnack und die Kritik der kirchlichen Dogmen“ Gesprächsreihe zu Stationen des liberalen Protestantismus, Teil 3

Sich selbst und ihren Lebensstil betrachtend konnten die Herumlungerer offenbar selbst nicht glauben, sie hätten auch nur einen Funken Göttlichkeit in sich, hätten sie sich sonst in stinkende Lumpen gekleidet?

Als 532 in Konstantinopel erhebliche Aufstände unzufriedener Gruppen ausbrachen waren sie beteiligt.

Justinian, beraten von seiner Frau Theodora, wurde schließlich mitverantwortlich an der Ermordung von 30 000 Menschen, deren Wünsche und Überzeugungen ihm wenig oder gar nichts bedeuteten: Er glaubte und handelte wie Konstantin heidnisch rücksichtslos.

 „... die Herleitung von Herrschaft und ihre Legitimation aus Gott erhob (mit Justinian)  einen neuen Ausschließlichkeitsanspruch. Kaiser und Kaisertum definieren sich von nun an nur noch aus ihrem Bezug zu Gott… Aufruhr im Volk sei nichts als Hundegekläff… Es war… Gott allein, der Justinian die Herrschaft übertrug.“  Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich und Religion“

Justinians „Gott“ übertrug dem Soldatenkaiser die Macht zu menschenfeindlicher Herrschaft. 

Der Blick auf Justinian als „Erbauer“ der weltberühmten Hagia Sophia, verrät, dass dieser Mann nicht von Liebe, sondern vom Größenwahn getrieben wurde: Überwältigt vor Freude, obwohl Weihnachten, 537, erst der Rohbau dastand, weinte Justinian gerührt: „Salomo, ich habe dich übertroffen“ Ich! Ich!

Doch

 „die Christen, schreibt Tertullian, kennen keine Ruhmsucht und Ehrsucht, kein Bedürfnis nach einer Parteistiftung, nichts sei ihnen fremder als die (Macht-) Politik. Der eine möge Gott verehren, der andere den Jupiter; der eine zum Himmel, der andere zum Altar der Fides beten. Seht vielmehr zu, ob nicht auch das auf den Vorwurf der Gottlosigkeit hinausläuft, wenn man jemand die Freiheit der Religion nimmt und ihm die freie Wahl seiner Gottheit verbietet“. Georg Denzler, Mutige Querdenker, der Wahrheit verpflichtet“

Jeder der nicht hinlänglich „rechtgläubig“ zu sein schien wurde bestraft, sein Vermögen eingezogen, denn des Kaisers Kriege, seine Bauten und seine Politik verschlangen Unsummen. Obendrein herrschte die Pest jahrelang.

Justinian schwor indessen, sein Herrgott, habe ihm gesagt was zu tun sei:                                                            

„Von Gott eingesetzt ...bringen wir Kriege glücklich zu Ende… wir richten unsere Herzen so auf den Beistand des allmächtigen Gottes, dass wir weder Waffen noch unseren Soldaten, noch den Generälen noch unserer eigenen Begabung vertrauen müssen, sondern jegliche Hoffnung allein – (man höre genau hin) -  auf die vorsorgende Umsicht der höchsten  Dr e i f a l t i g k e i t   setzen…“  Mischa Meier „Justinian, Herrschaft, Reich und Religion“  

Unmissverständlich.  

Justinians höchste heilige Dreifaltigkeit ist der von Kaiser Konstantin erdachte Nebel.

Wenn jemals ein Zweifel an der Böswilligkeit der höchsten „Dreifaltigkeit“ aufkam, Justinian  brach ihn definitiv, mit Folgen die auf den blutigen Seiten der Kirchegeschichte geschrieben stehen.

Justinians römischer Götze  stand auch in Adolf Hitlers Hirn als höchste Größe da:

„Ich danke dir mein Herrgott, dass du mich jetzt dorthin gebracht hast, wo ich endlich mein Programm verwirklichen kann!“ Christian Dube „Religiöse Sprache in Reden Adolf Hitlers“

Justinians Gott war ein Zerstörer.

Beide suchen jene Allmacht die Christus von Satan angeboten wurde: Die Weltmacht!  Vorausgesetzt der Empfänger betet den Versucher an. Christus jedoch schickte den Verführer von sich. Denn

"Gott ist nicht die 'Macht an sich' ... Macht an sich ist böse . Der 'Allmächtige', das ist das Chaos, das Übel, das ist der Teufel ... Dieser Rauschgedanke der Macht, das ist das Chaos, das Tohuwabohu, das Gott ... nicht gewollt hat, als er den Himmel und die Erde schuf." K. Barth „Dogmatik im Grundriss“

Wie Konstantin, berief Justinian und später Hitler sich auf die Vorsehung, die sie zur „Machtergreifung“ ermutigte. Was dabei herauskam wissen wir. 1941, als der „Verführer“ Hitler seinen Großplan „Barbarossa“ startete, indem seine waffenstarrenden Divisionen die Sowjetunion verbrecherisch überfielen, hob er, wie zuvor der römische Imperator, die Hände himmelwärts:

„dass der Herrgott in diesem Kampf des kommenden Jahres uns nicht verlassen möge, das soll unser Gebet sein.“ Christian Dube „Religiöse Sprache in Reden Adolf Hitlers“





Justinian von „seinem“ Gott inspiriert hinterlässt nur Elend



Die toleranten Ostgoten, die seit Generationen Italien regierten, sollten bitter erfahren, was Überheblichkeit und Gemütskälte der Gewaltinhaber Menschen antun können. Sie waren zwar Christen im besten Sinne des Wortes: Nur, als Arianer verweigerten sie dem Gott Konstantins und Justinians, Sol, den Gehorsam.

Wenn auch formal vielleicht gerechtfertigt, begehrte Justinian durch die Wiedereinverleibung Italiens ins Imperium, die Vergrößerung seiner eigenen Herrlichkeit und das um jeden Preis.

Im Sinne seines Vorbildes Konstantin und des Ambrosius von Mailand hatte Justinian sich geschworen den Arianismus und mit ihm die Arianer endgültig auszurotten.

Justinian konnte nicht leugnen, dass die Goten die eroberten Landesteile gut regierten. Sie waren zwar nicht gerade Freunde des Papsttums, aber auch nicht dessen Feind!

Arianer schlugen nur um sich, und zurück, wenn es darum ging ihre Familien zu schützen.

Das muss betont werden.

Diktator Justinian suchte und fand seine Gelegenheit kriegerisch gegen den nach Origenes ausgerichteten Arianismus einzugreifen.  Es sei nur eine Strafoperation, sagte er zu Beginn des Krieges. Die ebenfalls arianischen Vandalen hätten in Nordafrika ihren, ihm hörigen, König Hilderich abgesetzt. Was immer ihre Gründe dafür gewesen sein mögen. Anmaßend fühlte Justinian sich als Schutzherr jener Territorien die einst Teil des großen Rom waren. Er hielt sich für den treuesten Diener Christi, gemäß seinem Bild, das er nach Konstantins Vorstellungen entworfen hatte. Provozierend bestand er auf die Wiedereinsetzung seines entmachteten Vasallen Hilderichs. Die Vandalen wiesen ihn ab.

Justinian schickte kaltblütige Generäle des Typs Belisar und Nardes mit ihren Truppen um mit seinem „christusliebenden Heer" die alte Ordnung wiederherzustellen.

Nach der Niederlage der Arianer in Nordfafrika, gelüstete es Justinan mehr denn je zuvor das Siegspiel in Italien forzusetzen.

Er hatte Briefe von einigen erzkatholischen Priestern erhalten die ihn angeblich dringend ersuchten militärisch zu intervenieren, um den allein wahren Glauben zu retten der von den Goten nie attackiert wurde.

Auch die romanischen Großgrundbesitzer baten ihn einzugreifen, weil die Arianer Gesetze zugunsten der kleinen Bauern erlassen hatten – eine Art Bodenreform. Es war, seitens der rechtschaffenen Goten eine Bauernbefreiung gewesen, die den sehr Reichen… „alle Herrenrechte entzog“… Eine kleine Notiz, die jedoch große Beachtung verdient, denn Christen sind Menschen, die sich entschlossen für das Recht der Benachteiligten einsetzen. Eben daran, dass sie Liebe haben, wird man sie erkennen, sagte Jesus wieder und immer wieder. Rechtschaffenheit ist ihr Kennzeichen.

Totila, der vorletzte König der Arianer „warf den Possessoren Italiens, den Mitgliedern des senatorischen Adels vor“, dass sie

„obwohl an der Herrschaft beteiligt, die Byzantiner ins Land geholt hatten“ Ernst Pitz „Die griechisch-römische Ökumene und die drei Kulturen des Mittelalters“

Die Situation weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den mitteleuropäischen Ereignissen von 1967 auf: Die auf Machterhalt bedachte Sowjetunion wollte ihre alte, volle Vorherrschaft in der Tschechoslowakei wiederherstellen, die sie infolge des „Prager Frühlings“ verloren hatte, weil Alexander Dubcek den kremlhörigen Generalsekretär Novotný ablöste. Die Tschechen waren aus guten Gründen vom orthodoxen Kommunismus abgefallen, wie zu Justinians Zeiten zahllose Italiener die zuvor als gute Katholiken galten und nun arianisch  glaubten.

Die Sowjets brauchten einen „guten“ Grund um dort militärisch einzuschreiten. Irgendwer mit Stimme aus diesem Ostblock-Land musste sie um Hilfe bitten. Aus Reihen der über fünftausendköpfigen Belegschaft der Skodawerke fanden sich schließlich etwa 100 Personen bereit den Hilferufbrief an den Kreml zu unterzeichnen. Zwei Prozent… Der Rest lief wie geschmiert.

Um 550 erringen die Heerscharen Kaiser Justinians ihren Pyrrhussieg. Der Arianismus, und mit ihm die Goten (als einheitliche Volksgruppe) verschwinden im sechsten Jahrhundert von der nun wieder ‚athanasianisch-christlich’ dominierten Bildfläche.

Doch das weite Land stöhnte anschließend wegen der schrecklichen Öde:

"Die Erschöpfung und das Elend Roms konnte zu keiner Zeit, selbst nicht in der Periode des sogenannten Exils der Päpste zu Avignon, größer sein als nach Beendigung des Gotenkriegs. Die beste Apologie der Gotenherrschaft ist in Wahrheit das lange, grenzenlose Elend, in welches Italien versank, nachdem das Reich Theoderichs (das Reich des arianischen Gotenkönigs) gefallen war."  Ferdinand Gregorovius „Geschichte der Stadt Rom“

Sieger Belisar nahm Vitigis, den Hofstaat und den gotischen Königsschatz mit nach Konstantinopel. Dort staunte Kaiser Justinian über die schönen und hochgewachsenen Barbarengestalten.

Justinian tat was er konnte.

Selbst die Großstadt Rom glich, nach der Umsetzung seiner Befehle, einer Wüste:

„Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte und Retter des Christentums. Gespenstisch ging es zu. Wo einst 1 Million Bürger wohnten, hausten zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute. Dieser verlorene Haufen, hielt sich allerdings für den Nabel der Welt.“  Spiegel „Geschichte Annette Bruhns „“Pest, Hunger und Schwert“

Nun kurz vor Kriegsende, 550, fiel Justinians voller Zorn auf Origenes. Dessen Lehre, jeder Mensch stamme von Gott ab und niemand dürfe jemals die WÜRDE des Geringsten antasten, missfiel dem Herrn auf dem Kaiserstuhl enorm. Wie Epiphanius hasste er Origens Betonung der Moral.

Er aber, der „Elite“nicäner, war stolz für den „dreifaltigen Gott“ große militärische Siege errungen zu haben.





Martin Luther



Wie er dasteht nach durchwachter Nacht, an jenem 18. Apriltag des Jahres 1521, vor den Fürsten Deutschlands, unter Beobachtung tausender Zeugen und vor dem lässig sitzenden, noch jungen, doch sehr besonnenen Kaiser Karl V. der kein Deutsch versteht, bewegte Freund und Feind. Es ging um Tod und Leben - und zwar nicht nur um das des Dr. Martin Luther. Er solle seine Bücher und Ansichten widerrufen, denn diese rüttelten, nach Kardinal Cajetanus Urteil, an jenen Pfosten auf denen die Macht des Papsttums ruhte. Mit dem Bekanntwerden seiner berühmten 95 Thesen, die schon wenige Wochen nachdem er sie formuliert hatte in ganz Deutschland Aufsehen und fast ausnahmslos Zustimmung gefunden hatten, drohte dem Vatikan vor allem das Versiegen des Geldflusses aus dem Ablasshandel. Das war aus Roms Sicht sträflicher Abfall von Gott. Martin hatte es auf den Punkt gebracht:

„Der Papst möge die Basilika St. Peter aus seinen eigenen Mitteln bauen und nicht mit dem Geld der armen Gläubigen.“ 86. These

Es war nämlich kirchliche Sitte geworden, eine eigensinnige Deutung von Matthäus 16: 19 gemäß der Meinung des Ambrosius von Mailand, buchstäblich auszubeuten:

„Ich (Jesus) werde dir (Petrus) die Schlüssel des Himmelreiches geben, was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“

 Ambrosius formulierte wörtlich:

„Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte. Aufgrund der von Gott verliehenen Gewalt wird die von Gott geliebte Kirche einmal gleichsam in einem Atemzug, mit Gott genannt.“ Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“

Aus dieser bewusst gewagten Behauptung eines der berühmt-berüchtigsten Männer aller Zeiten, entstand eine Denkweise, die heute wahrscheinlich kein Mensch mehr unterschreiben würde. Ambrosius Zeilen wurden tatsächlich als Freibrief für Christen vom Typ Epiphanius (um 390) oder eines Bischof Cyrill von Alexandria (um 432) verstanden, die rücksichtslos und unehrlich im Kampf um die eigene Macht agierten.

Ambrosius Aussage wurde immer wieder genutzt, um alles zu entschuldigen was an Kapitalverbrechen geschah, solange es letztlich der Festigung der Position des ‚heiligen Stuhls’ diente.

Nicht nur der Dominikaner Tetzel auch andere Ablasshändler waren zu Luthers Zeiten durch die Lande gezogen und hatten jedem Sündenvergebung versprochen.

Jedem, der genug Geld hatte!

Es wurde seitens der Gläubigen als eine in der Ewigkeit gültige Freisprechung vor Gott als Weltenrichter verstanden. Nämlich, die Kirche kann dich von allen Sünden freisprechen, wenn du deine Vergehen bekennst – und zahlst. Da ist der „Fall des Mordes des Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim Marcus im 14. Jahrhundert. Papst Johannes XXII. nahm von diesem Mörder Geld und erklärte,

Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr. Visconti sei nun mit dem Reich Gottes ausgesöhnt.“ Schlosser, Weltgeschichte Bd VI.

Den Papst stellte man sich zugleich als Christi Stellvertreter und als Kaufmann vor. Er sammelte die guten Werke seiner Frommen ein, darunter die vielen Gebete die vor allem die Nonnen und die 90 Bruderschaften, über das notwendige Maß zur eigenen Erlösung, gesprochen hatten. Über dieses Plus konnte der heilige Vater verfügen, er konnte es verkaufen oder sogar als Gnade Christi verschenken. Supererogation nannte man das. Seit dem 13. Jahrhundert galt:

„Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten vorhanden, der sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die Heiligen über das hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig ist... dass den Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex ermächtigt, denen die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen Quelle des Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von der für ihre Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ James Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche, XII. Jahrhundert II.

Dass Geld, auch schmutziges, jedes Tor ins Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder verstehen, noch unwidersprochen hinnehmen. Mit einer riesigen Kreuzesfahne, militärisch geschützt war Tetzel quer durch Deutschland bis in Luther Nähe gereist und pries sein Ablassbriefe.

Bald spürte Beichtvater Luther die Auswirkungen direkt. Er zeigte sich nicht gewillt, alle Männer und Frauen von ihren Sünden zu absolvieren, solange sie nicht aufrichtig Umkehr geübt hatten. Deshalb lautete seine 1. und vielleicht wichtigste These:

„So unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das Leben der Gläubigen eine stete und unaufhörliche Buße sei.“

Bruder Martins Kopf und Herz stand an dieser Stelle das griechische Wort: metanoia, und das meinte innere Umkehr. Wie er glaubte, müsste das doch jedem einleuchten.

Nur, wie sagte er das seinem Kaiser? Er hätte es leicht erklären können: Was hat eine Ehefrau davon, dass ihr Mann bekennt, ich habe dich betrogen, solange sie nicht sieht, wie sehr es ihm im Innersten weh tut, und solange sie nicht fühlt, er würde es niemals wieder tun. Erst echte Reue (Buße, wie Luther sie verstand) kann alles bessern. Der Bußkatalog nannte zuvor statt Umkehr jedoch eine Geldsumme und das brachte Luther in Wut.

Außerdem hieß es, Papst LeoX. hätte 1515 den Ablass ausgeschrieben um seine Schulden beim Bankhaus der Fugger zu begleichen. Denn er liebte die große Kunst:

„Von Raffael z.B. ließ er sich die Wände seines Badezimmers mit der Göttin Venus und ihrem Sohn, dem Liebesgott Cupido, bemalen und… laut seinen Zeitgenossen ... sei ein Teil des eingenommenen Geldes für die Aussteuer seiner Nichte Maddalena Cibò bestimmt gewesen...“ Maike VogtLüerssen „Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance“

Luther war auch nur ein normaler Sterblicher, er durchlief einen Prozess.

Ihm war in der durchgekämpften Nacht vor dem Verhör zu Worms, mancherlei durch den Kopf gegangen.

Er fühlte sich elend und verlassen.

Gespannt starrte der bleiche, spanisch sprechende Kaiser auf den Mund dieses Aufrührers, der wie er hörte, so schlau gegen den Papst von der Gnade und dem Glauben an den Erlöser Jesus Christus sprach und der sich damit um Kopf und Kragen redete. Er starrte auf den Mund des Mönches, der seine Überzeugung,  ...dass   Päpste und Konzilien häufig geirrt und sich selbst widersprochen“  haben, sei erwiesen:

„Ich kann meinen Schriften nicht anders beistehen, als wie mein Herr Christus selbst seiner Lehre beistand, indem er dem Diener... der ihn ohrfeigte, antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse sei.“ Wachsmann, „Die Dokumentenplattform: Luthers Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms.“

Martin stand nun im 36. Jahr seines Lebens, er ist Doktor der Heiligen Schrift, die er, wie sonst keiner, in diesem Raum, kannte. Er hatte sich nicht leicht durchgerungen, mit klaren Worten abzulehnen was von ihm gefordert wurde, denn er hatte zu viel erfahren und gesehen. Die den Kaiser beratenden schwarzweißgekleideten Dominikaner forderten angesichts der übergroßen Geduld ihres Herrn und der trotzig-zögernden Haltung des Augustinermönches Luther, seine sofortige Bestrafung: „Er ist ein Ketzer, ... ins Feuer mit ihm.“

Es ist wahr, mit römischen Augen gesehen ist er ein Ketzer!, ein sonderbarer allerdings, der intensiv um Toleranz warb, um wenig später selbst unbeugsam intolerant aufzutreten.

Bald wird er knapp und ungnädig sagen:

„Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen, man kann sie ungehört verdammen!“  Tischreden, Bd.III. S. 175

Sobald ihm jemand widersprach, brach er durch der Ungeist der Intoleranz.

Der spanische Kaiser der Deutschen, vor dem Luther zu Kreuze kriechen soll, ist zwar jung, aber Karl V., obwohl als Habsburger, streng katholisch erzogen, hat sich selten darum geschert, was ihm Geistliche rieten. Er wird sich, wie stets, sein eigenes Urteil bilden. Niemand darf ihn tadeln!

Sechs Jahre später wird sehr fromme Katholik Truppen gegen Papst Clemens VII. schicken, der so unklug war, sich mit den Franzosen gegen ihn zu verbünden.

Es sind die einmaligen Umstände die beide jeweils dahin bringen die eigentlich ‚andere’, die falsche Rolle zu spielen. Mangelnde Besoldung der Söldnertruppen, schlechte Führungsarbeit und der allgemeine antipäpstliche Hass, zerbrachen während dieses kuriosen Feldzuges bald jede Disziplin. Ungestraft zogen die katholischen wie auch die lutherischen Soldaten Karl V. monatelang plündernd durch die Straßen der „heiligen“ Stadt, begleitet von üblen Spaßmachern. Darunter war einer, der mit einer Tiara gekrönt und im Chormantel wie der Papst auftrat. Als „Sacco di Roma“ ging dieses Zwischenspiel, im römischen Drama, in die Geschichtsbücher ein. Luther, ehe er an diesem 18. April 1521 erneut zu Wort kam, betrachtete den nachdenklichen Kaiser mit seinen rotblonden Haaren nicht furchtlos. Er schaute nur kurz in die gewaltigen Augen seines Herrn, die aus einem ungesund blassen Gesicht herausquollen. Ihm wurde bedeutet, er möge es nun in Deutsch wiederholen, damit auch bei den deutschsprachigen Hörern kein Missverständnis sei. Luther sprach lange.

Es war die hohe Zeit des religiösen Betrugs, der hysterischen Frömmigkeit, der Massenwallfahrten und einer weit verbreiteten Unwissenheit. Nicht wenige Klöster waren zu Herbergen von Gesindel geworden, andere zu Bordellen verkommen. Mancherorts war jeder dritte Mann ein Mönch oder Geistlicher der auf Kosten der geschundenen Bauern lebte.

Luther war zuversichtlich, dass eine bessere Zeit kommen muss.

Nicht nur das ganze Worms, halb Deutschland bejubelte seinen Mut, denn diejenigen, die freiheitlich denken konnten, hatten schon lange nach einem Mann wie ihn Ausschau gehalten. Martin Luthers Theologie ist weit gespannt, aber auch offensichtlich nicht mehr schlüssig, wenn er sie auf sein „Sola gratia“ verkürzt.

Er war ein Held wie David, als der sich Goliath zum Kampf stellte.

Doch Luther verlor, wie David, als er heftigst das Falsche begehrte: Die bedingungslose Unterwerfung der Juden unter sein „Evangelium“ Luther hielt sein „Erlösungsverständnis“ für das einzig richtige. Hexenverbrennungen unterband er selten.

Den ausgebeuteten Bauern kam er nicht zur Hilfe, sondern, so sehr er Ausbeuter anklagte, forderte er doch die Fürsten auf: „Steche, schlage, würge hie, wer da kann“, um zivilen Gehorsam zu erzwingen, weil doch die Obrigkeit, nach Paulus, von Gott eingesetzt worden war. Dennoch, Luthers Glanzseite wird nie verblassen, weil er Roms und der Habsburger Allmachtstreben, zu unser aller Gunsten, brach.

Luther geht es darum auszudrücken er hätte bis zur Selbslosigkeit versucht durch gute Werke selig zu werden und war dennoch unglücklich:

"Wahr ist's, ein frommer Mönch bin ich gewesen und habe so gestrenge meinen Orden gehalten, daß ich's sagen darf: Ist je ein Mönch gen Himmel kommen durch Möncherei, so wollt' ich auch hinein kommen sein. Das werden mir bezeugen alle meine Klostergesellen, die mich gekannt haben. Denn ich hätte mich, wo es länger gewähret hätte, zu Tode gemartert mit Wachen, Beten, Lesen und anderer Arbeit." E.A.W. Krauß „Das Gotteswerk der Kirchenreformation durch Martin Luther“    

Er stellte entsetzt fest, dass er sein starkes Naturell trotz der Schikanen die er sich antat, nicht kontrollieren konnte. Er fühlte sich schuldig und von Gott verdammt.

Zitternd war Bruder Martin einmal, in der Zeit seiner größten Romgläubigkeit, in einer Prozession hinter einer Monstranz hergelaufen. Dr. Usingen, Lehrer seines Ordens, der das bemerkte hatte ihn angestoßen und besorgt nachgefragt ob Martin sich unwohl fühle. Da bekannte Luther, den Blick auf das Türlein der kristallenen Monstranz gerichtet, hinter der sich Jesu Fleisch in Form der geweihten Oblate, der Hostie, befand, wie sehr er sich fürchte dermal einst diesem Weltenrichter gegenüber zu stehen und verurteilt zu werden...

Dr. Usingen meinte es gut, doch Menschenworte, so gut sie auch gemeint waren, konnten ihn nicht trösten. Erst der Römerbrief vermochte es, später. Er las wieder und wieder des Heidenapostels Kürzel:  Der aus Glauben Gerechte wird leben“ 1: 17

Dieses Pauluszitat auf das seine Religionsphilosophie gründet ist jedoch ein verstümmelter Satz aus dem Alten Testament, dem Buch Habakuk entnommen. Im Original lautet der Text:

„Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben!“ Habakuk 2: 4

Das ist zweierlei. Das Recht da zu schaffen, wo es fehlt, führt zur Erlösung, sagte der Prophet Habakuk.

In unseren Tagen formulierte der Protestant Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) einleuchtender als Luther, worauf es ankommt:

„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen. Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“ Sprichwörter 31: 8-9

Weil er lebte, was er glaubte wurde Bonhoeffer im 3. Reich Hitlers hingerichtet und wir bewundern ihn.

Mit eben dieser Forderung, Recht zu schaffen hat der interessierte Leser zugleich die Moraltheologie des sogenannten „Mormonismus“ auf einen Blick vor sich. In seinem Zentrum steht der Begriff „Rechtschaffenheit“, das große Wort des Buches Mormon, 65 Zitate. 2. Nephi 9: 14 wir werden in der Auferstehung „eine vollkommene Kenntnis all unserer Schuld und unserer Unreinheit und Nacktheit haben, und die Rechtschaffenen werden eine vollkommene Kenntnis ihrer Freude und ihrer Rechtschaffenheit haben, denn sie sind mit Reinheit bekleidet, ja mit dem Mantel der Rechtschaffenheit.“ u.a.

Gewiss wäre es besser um die Geschichte Europas bestellt gewesen, wenn Luther, statt energisch auf seine drei engen Kernsätze ‚sola gratia’, ‚sola scriptura’ und ‚solus Christus’, zu pochen, Habakuks und anderer, offensichtlich inspirierter Propheten Forderung nach Rechtschaffenheit zum Zentralbegriff aufgerufen hätte.

Andererseits musste Luther gegen vorherrschende Sitten und Entartungen auftreten. 

Bei aller Kritik an Luthers Lehren: Er brach die Gewaltherrschaft Roms. Er setzte, wenn auch ungewollt, den noch andauernden g u t e n Prozess der Gegenreformation in Gang. Den Jan Hus konnten die Ketzerbrenner noch vernichten, Dr. Martin Luther nicht.

Hus hatten die Mächtigen zwar ebenfalls freies Geleit und sichere Rückfahrt nach Prag zugesagt und dennoch waren 1415 Krone und Kurie darin überein gekommen: der „Ketzer“ Hus muss brennen. Luther hatte von dieser Prophezeiung des Hus gehört:

„Sie werden jetzt eine Gans braten (denn Hus heißt eine Gans) aber über hundert Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen  sie leiden." (155) Die evangelische Kirche zu Ebersgöns: 2009

Er war dieser Schwan. Allerdings, das schützte ihn nicht in maßlose Übertreibungen zu fallen, wie das in seinen Briefen an Papst und Klerus zum Ausdruck kommt, und ebenso in gewissen seiner Ermutigungen und Lehren.











Sola gratia



Luthers Gnadenlehre ist absolutistisch, dagegen ist

        „die Gnadenlehre des Origenes synergistisch.“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. Völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band Kop-O

Darin besteht der große Unterschied. Alle Regungen des freien Willens ... werden gerecht vergolten.

Himmel oder Hölle!

Aus diesen beiden Elementen bestand das Jenseits nach der Meinung damaliger Theologen – später kam der Limbus hinzu.

Das reicht nicht aus um böse Regungen einheitlich zu bestrafen, den Diebstahl eines Schafes genau so wie kaltblütigen Mord.

Ungerecht wäre es heldischen Nonnen in Hospitälern, nach ihrem Ableben nur denselben Himmel zu geben, wie einem Halunken der Jesus in den letzten Tagen seines Lebens bekennt.

Es muss viele Stufen nach unten und nach oben geben mit mehr oder weniger Herrlichkeit gerechterweise.

Vielleicht hat Augustinus mit der Zweiteilung angefangen. Er kennt nur höchste Seligkeit und tiefstes ewiges Elend, und, er weiß auch wer und warum der Eine da oder der Andere dort hin kommt:

(Es) schmoren all jene in der Hölle welche das Sakrament der Taufe nicht erhalten haben und deshalb von der Erbsünde ...befleckt sind – also auch ungetauft1verstorbene Kleinkinder und v o r c h r i s t l i c h e Gerechte ...“ Didaktische Materialien „Dialog mit dem Jenseits“, Museum für Kommunikation 2008

So gnadenlos formulierte vor ihm keiner.

Ein Säugling erhält vor dem letzten Atemzug die „Taufe“, - er kommt in den Himmel - der andere atmet Sekunden vorher aus, - jetzt „schmort“ er ewig!

Seit dem Mittelalter erreichen Letztere wenigsten noch den Limbus, einen Ort der Gottesferne. Selbst dieses Halbelend gesteht Augustinus ungetauften vorchristlichen Gerechten nicht zu.

Kein Wunder, dass solche Dogmatik der atheistischen Propaganda diente.

Doch das Buch Mormon lehrt:

... Darum hat er ein Gesetz gegeben, und wo kein Gesetz gegeben ist, da gibt es keine Strafe, und wo es keine Strafe gibt, da gibt es keinen Schuldspruch, und wo es keinen Schuldspruch gibt, da hat die Barmherzigkeit des Heiligen Israels wegen der Sühne Anspruch auf die Menschen, denn durch seine Macht sind sie befreit.“ 2. Nephi 9: 23-25

Augustinus schaut viele Jahre mit den Augen des erbarmunslosen Kaiserberaters Ambrosius von Mailand: Hölle oder Himmel!

Augustinus winkte ab, dass die Gemeinde zu Korinth zugunsten Verstorbener stellvertretende Taufen vollzog. Das beeindruckte ihn nicht.

Elegant, - mehr, - göttlich ist die Lösung des Problems, durch die Möglichkeit die von Jesus geforderte Taufe stellvertretend für jeden vollziehen zu lassen, ohne den Willen des Empfängers zu übergehen.

Rudimentär war und ist das stellvertretende Werk zugunsten Verstorbener in der katholischen Kirche vorhanden. Im Ablass zum Beispiel.

Im Frühling 1511, so berichtet der Augustinermönch Luther, sei er in Rom, auf jeder Stufe der Pilatustreppe stehengeblieben, um ein ‚Vater-unser’ für seine verstorbenen Vorfahren zu sprechen,

„denn es war die Meinung, wer so bete, würde eine Seele erlösen.“ Fliedner-Caspar-Muetzelfeld, Evangel. Religionsbuch III, für Knabenschule

Die „Seelen“ sind nach wie vor im Vollbesitz des freien Willens, allerdings auch durch die Umstände gebunden, sonst hätte Chrisutus sie nicht im „Gefängnis“ besucht. Er reicht uns selbst noch in der jenseitigen Welt die Hand, nur wir müssen sie ergreifen. Auch auf diese Weise wirken wir im großen Plan unserer eigenen Erlösung mit.

Bei Calvin hilft nicht einmal die Taufe.

Das kommt davon, wenn man Origenes missachtet.

Augustinus ist Christ unter schlimmen Vorzeichen. Von Ambrosius bekehrt, ist der ehemalige Manichäer der Erfinder der Lehre von der Erbsünde - ein Ausdruck, den die Bibel nicht kennt -.

Sie  verführt ihn zur Maßlosigkeit.

Jahrhundertelang rangen die Gelehrten mit Augustinus Sünden- und Höllenlehre. Sie konnten, wie wir nicht glauben, dass alle Ungetauften ewig schmoren werden...

„Eine Lösung dieses Dilemmas bot die Vorstellung vom Limbus, welche sich im Mittelalter durchsetzte. Dabei handelt es sich um einen neutralen, freud- und schmerzlosen Jenseitsort. Dahin gelangen all jene, die weder Lohn noch Strafe verdient haben. Abstiegs- oder Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nicht: Wer im Limbus ist, der bleibt dort für immer.” Didaktische Materialien „Dialog mit dem Jenseits“, Museum für Kommunikation 2008

„Mormonismus“ verkündet dagegen, - wie bereits zitiert - dass Gottes ewiger Plan auf Chancengleichheit ausgerichtet ist.

Das sagt sinngemäß auch der britische Mönch Pelagius, ein Zeitgenosse Augustinus. Nicht nur wegen der von Augustinus aufgelisteten Konsequenzen lehnt Pelagius die Gedanken zur Erbsünde als unbiblisch und unlogisch ab: Mit Blick auf die biblische Definition des Begriffes Sünde wehrt er ab:

„Wer also das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt  Jakobus 4: 17 Einheitsübersetzung

Kinder sind a priori rein, bis sie wegen Einsichtsfähigkeit gegen ihr Gewissen handeln können. Erst die Untat ist Sünde, wenn man sich für sie entschieden hat und übertritt.

Pelagius schüttelt verdutzt den Kopf wenn Augustinus sagt:


„Kinder gehören dem Teufel“ Friedrich Böhringer „Die Kirche Christi und ihre      Zeugen“


Pelagius, der heftig widersprach, verlor das Ringen. Er hatte nicht genügend Freunde von Einfluss:

„Für Platon (der 13 Jahre unter ägyptischen Priestern gelebt hatte und deren Tempelgeheimnisse kannte G.Sk. Siehe Albert Champdor „Das ägyptische Totenbuch“) stammt der Geist aus einer höheren Welt und hat sich im Leben nur vorübergehend inkorporiert... auch bei Pelagius hat zwar der Mensch seine Erlösung (von den Folgen des Falles in die Sterblichkeit und der Möglichkeiten sittlicher Fehlentscheidungen G. Sk.) nicht selbst in der Hand, er bedarf einer supranaturalen Ergänzung. Dennoch wohnt uns allen ein nobilatas ingenita ein...“ Michael Landmann „Philosophische Anthropologie“

Er sagt überzeugend:

„Dank dieses naturhaft eingeborenen Adels sind wir nicht ganz nur darauf angewiesen, dass sich das Heil von oben über uns ausschüttet, sondern können ihm von uns aus zustreben. Zur Wirksamkeit Gottes tritt die menschliche Synergie... Ob wir uns nur durch die irrationale Gnade oder ob wir uns der Gnade wenigstens ein Stück weit entgegen bewegen ... bildet den Streitpunkt zwischen Pelagius und Augustinus.“ Ebenda Landmann

Origenistische Überzeugungen passten Augustinus nicht, der sonst herrliche Gesänge schrieb.

Gnade ist Errettung, - doch sola gratia ist zu wenig.

Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre vom 31. Oktober 1999" sagt sinngemäß:  Du musst dich nicht anstrengen deine Religion zu leben. Du hast vor Gott nur die Pflicht auf ihn zu vertrauen. Christus hat jedoch nie gelehrt:

"Ihr werdet umsonst erlöst...“ oder “Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade... sola gratia.  Rechtfertigung sei Sündenvergebung...“ 

Er setzte die Kriterien der Erlösung: Ihr seid das Salz der Erde,... wenn es seine Kraft verliert, wird es weggeworfen. Ihr seid das Licht der Welt, es soll euren Mitmenschen leuchten, wenn die Welt eure guten Taten sieht, werden Sie euren Vater im Himmel preisen... Jeder Baum, der keine guten Früchte trägt wird abgehauen..., das und mehr fanden in dieser „Erklärung“ keine Erwähnung.

Angesichts der wachsenden Bedrohung unserer angeblich christlich orientierten Welt durch rabiate Islamisten stehen wir allesamt in der Pflicht, mit den uns von Gott verliehenen Talenten zu "wuchern". Wir haben zu verinnerlichen, dass wir "alles was wir einem Geringen getan haben – sei es gut oder nicht -, ihm antaten"... Wir haben die Gefangenen zu besuchen und sie herauszuholen aus ihrem Elend.

Das wir dies, laut Bibel, zu tun haben, um letztlich vor Gott gerechtfertigt dazustehen kommt in der sogenannten Rechtfertigungslehre nicht zum Ausdruck.

Im Gegenteil! 

In den vielen Sätzen dieser "Erklärung" kommt Jesus nicht zu Wort - außer in einem völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat, das Petrus und seinen rechtmäßigen Nachfolgern die Vollmacht verleiht, Sünden zu vergeben -. 

Das Papier beruft sich wieder und wieder auf Paulusbekenntnisse.

Aber es ist nicht einmal lupenreiner Paulinismus der da verkündet wird. Glatt unterschlagen wird die Mahnung des Paulus:

"Irret euch nicht, was der Mensch sät, das wird er ernten!" Galater 6: 17 

Diese Betonung jedoch relativiert sämtliches Schrifttum Pauli!

Man muss, manchmal sehr mühsam, Gutes säen.

Die Konsequenz der "Erklärung" lädt geradezu zur Faulheit ein, zum Nichtstun,  - bestenfalls zur Kontemplation -, während die Gebote Christi generell lauten: Bemüht euch! z.B. um eure Vervollkommnung. Wörtlich und im Zentrum der Bergpredigt steht darum jene große Aufgabe festgeschrieben, die ganz und gar nicht ins Konzept des Protestantismus passt:

"Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel, vollkommen ist!"

Es handelt es sich nicht um ein rhetorisches Element einer Predigt, sondern um ein Gebot! Fest steht: ein um Perfektion bemühter Artist muss täglich sechs bis zehn Stunden harte Arbeit leisten. Der Heidenapostel Paulus  wurde allerdings ohne sich darum bemüht zu haben Christ, Gott selbst rief ihn an. Er hat ausnahmsweise auf diesem Weg erfahren, dass er in die falsche Richtung gelaufen war. Dieser Fall kann und darf aber nicht verallgemeinert werden.

Petrus der Präsident der noch jungen Kirche ist empört, dass Paulus - "unser gelieber Bruder Paulus" - mit bedeutenden Begriffen, wie dem von der Gnade, recht missverständlich umgeht. Weitsichtig ist er verärgert darüber, dass Paulus nicht ganz unschuldig daran ist, wenn Spätere, wie die Verfasser der "Gemeinsamen Erklärung" von 1999, es wagen den folgenden Widersinn zu Papier zu bringen: 


Petrus Gnadenverständnis unterscheidet sich von dem seines Juniorpartners erheblich. Das muss er korrigierend aussprechen. Er, Petrus ist die, von Jesus eingesetzte "Säule" der Kirche, nicht Paulus. Petrus hat in Sachen Theologie das letzte Wort.

Er weist den übereifrigen Mann, wenn auch sehr behutsam, zurecht. Um zu definieren was die Kirche unter dem Begriff "Gnade" verstehen soll erläutert Petrus:

„... wenn ihr um guter Taten willen leidet und es ertragt,  das ist Gnade bei Gott.

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;..." 1. Petrusbrief 2: 2-25

In Christi Fußtapfen gehen ist Gnade... 

Petrus wird sich sehr zusammen genommen haben, nicht aus der Haut zu fahren, eben weil Paulus lehrt, was nicht verallgemeinert werden darf.  Denn wie der Trend des Judentums, war seines Herrn Lehre, die des Tuns des Guten. Allerdings bestand das jüdische Verstehen vom Tun des Guten, nicht wie bei den Christen darin Ketzer zu köpfen, wie an Bischof Priscillian im Jahr 385 geschehen, oder etwa darin eine ganze Gemeinde auszurotten weil sie urchristlich glaubte, wie 366, unter aktiver Teilnahme des Papstes Damasus zu Rom geschehen. Jahrelang begleitete Petrus seinen Christus. Er hatte jedes Wort und seinen Geist in sich aufgesogen. Kaum jemand kannte, wie er, die ewig gültigen Prinzipien des Erlösers.  Er schreibt entschieden und zugleich sehr um Versöhnung bemüht:

Seid überzeugt, dass die Geduld (griech. ypomoni) unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.” 2. Petrus 3: 15-16

Petrus kennt den Begriff Gnade sehr wohl, verwendt ihn hier aus guten Gründen nicht. Petrus geht sehr weit. Er warnt. Paulus Trugschluss führe unweigerlich ins Verderben. Wegweisend fand er für den ersten Satz einen Begriff der die Erwartungshaltung Gottes einschließt: wir könnten mehr tun. Der Herr warte auf dieses unser Guttun mit schier unglaublicher "Geduld". 

Jakobus, dagegen, des "Herren Bruder" konnte Paulus ständige Überbetonung einer durchaus wichtigen Lehre  nicht mehr hören. Verärgert fragt er zurück: „Soll daraus folgen, gute Taten wären zur Erlösung nicht nötig?“ Jakobus schreit die Antwort: "NEIN!" , auf seine Frage geradezu heraus:

"Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, daß der Glaube ohne Werke tot sei?" Jakobus 2: 20

Das Nichtsdazutun - sowie jede Art von Lehre der Idee vom "Nichtsdazubeitragenkönnen" betrachtet Petrus  als eine ins Verderben führende Lebenseinstellung.

Die Verkürzung auf das „a l l e i n aus Gnade“ brachte zwar den Protestantismus hervor, das Beharren darauf wird ihn zugleich in den Untergang der Bedeutungslosigkeit treiben.

Ganz anders Joseph Smith. Er sagte, er habe zuvor Gott um Erkenntnis gebeten und dann seien ihm diese Worte offenbart worden:

"Wahrlich (der allmächtige Gott, Schöpfers Himmel und der Erde) sagt: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen; denn die Macht ist in ihnen, wodurch sie für sich selbst handeln können." Lehre und Bündnisse 58:27

Es gibt Querdenker und Aussagen von Protestanten mit Gewicht die eben nicht mehr lutherisch sind.

Dazu gehören solche Bekenntnisse wie das von Frau Prof. Dr. Regine Schulz Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Sie sprach, 2012, in ihrer Kanzelrede in der Andreas-Kirchengemeinde Hildesheim über „Tod,  Auferstehung und Ewiges Leben“ im Alten Ägypten. Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist es sowohl erstaunlich,wie erfreulich, zu hören, wie Frau Prof. Dr. Regine Schulz  - wenn auch sehr, sehr feinsinnig, aber immerhin - Luther die Stirn bietet und dabei ungewollt die ersten beiden Kapitel des Buches Abraham (in der mormonischen "Köstliche Perle") indirekt bestätigt!, indem sie sagt:

   "dass den Menschen des Alten Ägypten  die Frage nach dem Glauben ganz fremd gewesen sei sie hatten nicht einmal ein Wort dafür. Ihre Vorstellung von der Götterwelt und der Ordnung des diesseitigen und jenseitigen Lebens sei nach ihren Begriffen überliefertes Wissen gewesen, die Wahrheit. Sie fürchteten das Totengericht, denn das Weiterleben nach dem Tod hing vom Wohlverhalten im Diesseits ab. Es gab Hoffnung auf Gerechtigkeit,  Hoffnung auf Gnade gab es nicht.

Der Maßstab für das richtige Leben sei zusammengefasst im Begriff Ma`at, der sich nicht übersetzen lasse, weil er viele Bedeutungen einschließt: Gerechtigkeit, Ordnung, Weisheit."

Gemäß dem Berichterstatter des Evangelisch-lutherischen Kirchen-kreises Hildesheim, Sarstedt ließen die Äußerungen der Ägyptologin die Folgerung zu:

"Die Personifizierung des umfassenden Begriffes in der Göttin Ma`at schaffe eine Verbindung zur Person Christi,..."

Es war kein Geringerer als der Superintendent Helmut Aßmann im Gespräch mit der Museumsdirektorin, der dies zum Ausdruck brachte.

"Er leitete den Abend als Lektor, schuf einen Rahmen von Liedern und Gebeten zum Thema Tod und Auferstehung. In einem Kurzinterview stellte er der Gastrednerin eigene und von Besuchern notierte Fragen, zum Beispiel die nach ihrer eigenen Jenseitsvorstellung. Sie sei Protestantin, sagte Regine Schulz. Und der festen Überzeugung, dass das Verhalten im Diesseits sich auf das Leben im Jenseits auswirke." 

Solche Statements widersprechen dem Trend der Evangelikalen. Sie sind mutig , wahr und erfreulich, sie tragen der Vernunft Rechnung. 



Die Wiederherstellung



Danke Joseph Smith! – Aber wir wissen sehr wohl, gäbe es nicht die Gnade und das Licht Christi, wäre dieser Mann nicht mehr als ein kleiner verlorener Mensch.

Er sah übrigens nicht so aus, wie er gelegentlich dargestellt wird:


















 Quelle des  linken Bildes ist vermutlich der Deutsche Pressedienst. Veröffentlicht  im Nordkurier" Neubrandenburg vom 20.9.97

Er wurde 1844, neununddreißigjährig ermordet, weil über ihn bösartige Gerüchte verbreitet wurden!                                                  

Die Wiederherstellung des Originals konnte nicht aus dem Nichts kommen. Zuerst musste durch Menschen das ebenfalls von Menschen verdrängte Recht auf Gewissenfreiheit wieder hergestellt werden.

Dazu haben die Reformatoren, allen voran Jan Hus und Martin Luther, ob beabsichtigt oder nicht, große Beiträge geleistet.

Anscheinend war es die amerikanische  Charta von 1776 die zuvor in die Welt gesetzt werden musste:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten.. .“ Unabhängigkeitserklärung der USA, Text von Thomas Jefferson, nach Übersetzung durch den „Pennsylvanischen Staatsboten“ 

Zuerst muss der Geist dessen  an sicherem Ort aufleuchten, der uns davor bewahren will in alte Fehler zurückzufallen.

Ohne Wiederherstellung sowie Festschreibung der „unveräußerlichen Rechte“ wäre es nicht gelungen.

Wir spielen eben doch mit im großen Plan der Erlösung – dank der Liebe Gottes.

Er entwarf seinen großen Plan zur Entfaltung der Talente und des Wesens seiner Kinder, vor Grundlegung der Welt.

Dieser Artikel erklärt es.

Er entspricht der offiziellen Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage:

„Der Rat im Himmel, manchmal auch als Großer Rat bezeichnet, bezieht sich auf eine Versammlung von Gott dem Vater mit seinen geistigen Söhnen und Töchtern, um die Bedingungen und Umstände zu besprechen, unter denen diese Geister als sterbliche Wesen auf diese Erde kommen könnten. Die Ausdrücke „Rat im Himmel“ und „Großer Rat“ sind in den Schriften nicht zu finden. Sie werden aber vom Propheten Joseph Smith gebraucht, wenn er von den vorirdischen Tätigkeiten spricht. Andeutungen darüber sind in vielen Schriften zu finden. Ijob38:4-7; Jer 1:5; Offb 12:3-7; Alma 13:3-9; LB 29:36-38; 76:25-29; Moses 4:1-9; Abr 3:23-28;

Ein Zweck des Himmlischen Rates war, den Geistern die Gelegenheit zu geben, entweder den Erlösungsplan des Vaters anzunehmen oder ihn abzulehnen. Dieser Plan schlug vor, eine Erde zu schaffen, auf der die geistigen Kinder in einem sterblichen Körper wohnen könnten. Solch ein Leben war als ein Vorbereitungsstadium vorgesehen, „um zu prüfen, ob sie alles tun werden, was immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebieten wird.“ (Abr 3:25) Alle Geister der Menschheit waren frei, den Plan des Vaters anzunehmen oder ihn abzulehnen. Sie waren aber gleichzeitig für ihre Wahl verantwortlich. Die Schöpfung, der Fall, die Sterblichkeit, das Sühnopfer, die Auferstehung und das Jüngste Gericht wurden im Rat besprochen und erklärt.

Der Plan sah Übertretungen durch Unerfahrenheit und Sünde voraus, und enthielt Heilmittel. Viele Geister wurden vorordiniert für spezifische Rollen und Missionen in ihrer sterblichen Erfahrungszeit, vorausgesetzt, dass sie in ihrem vorirdischen Dasein willig und glaubenstreu waren und auch auf der Erde ihren glaubenstreuen Dienst erweisen. Der Prophet Joseph Smith erklärte: „Jede Person, die eine Berufung erhielt, den Einwohnern dieser Welt zu dienen, wurde zu diesem Zweck im Großen Rat im Himmel ordiniert, ehe diese Welt existierte. Ich nehme an, dass ich zu meinem Amt im Großen Rat in Himmel ordiniert wurde.“ 1 Petr 1:20; Jer 1:3; Abr 3:22-23 

JOHN L. LUND Bible Dictionary. „War in Heaven“.

Im Grunde fühlen es alle: Wer jemals den Geist Christi bewusst wahrnahm, der weiß, dass er reine Liebe und Freiheit ist.

Beide müssen wir erwerben und vor uns selbst beschützen.

Das ist Mormonismus.



Anhang




Das Schema zeigt es:

Alle christlichen Denominationen stammen ab von diesem zu Nicäa ins Leben gerufenen Urgetüms, die Zeugen Jehovas, die Siebten-Tags-Adventisten, ebenso die nichtlutherischen Protestanten, - insofern sind sie Sekten - ob sie das begreifen, uns dulden oder nicht. Abspaltungen sind sie, aber nicht die Mormonen!

Der Beweis dafür liegt hier, mit dieser aus ehrlicher, katholischer Hand stammenden Darstellung:

Hier werden die Mitglieder der Kirche Jesu Christi nicht ausgegrenzt.

Hier gehören sie zur Christengemeinschaft, auch wenn sie , wie die ins scheinbare Nichts weisenden Striche belegen, keine Verbindung zur römisch katholischen Kirche haben.

Tatsächlich schlug die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ihren eigenständigen Weg ein, den der Nähe zur Origenes, Hippolyt, Arius.

Damit ist klar, sie ist keine synkretistische Neureligion, wie einige pauschal und nicht selten oberflächlich urteilende Sektenkundler meinen.

Sie steht im Ganzen der Urkirche näher, als jede andere Religion!

Mit der Wiederherstellung der alten Ordnung, begann die Auferstehung des Christentums der Toleranz.

Dass die römisch-katholische Kirche eine Abspaltung von der vornicänischen Kirche Jesu Christi ist, kann nicht bestritten werden. Doch solche Aussage bedeutet mit den Worten des Propheten Joseph Smith nicht, dass wir nicht Freunde sein sollten:

 „Im Tatsächlichen und Wesentlichen gehen unsere Ansichten nicht so weit auseinander, dass wir nicht alle aus  e i n e m  Quell der Liebe trinken könnten.“  „Lehren des Propheten Joseph Smith“ Erste Nachkriegausgabe 1946?



Zwei Negativstichworte  sobald es um „Mormonen“ geht lauten: „Sekte und „Vielweiberei“

Ein kursierendes Nichtverständnis bietet der Begriff „Vielweiberei“

Mein alter Freund Walter Rohloff wurde zwanzigjährig, 1941, zur Wehrmacht eingezogen. Er war, bis er nach dem Krieg heiratete, sexuell unerfahren, wie die meisten Ledigen seiner Kirche. Er musste einen Fragebogen ausfüllen. Oben links auf dem Vordruck hätte er lutherisch oder katholisch schreiben sollen.

Richtig fromm war er nicht, aber ehrlich und so zeichnete er: K.Jesu Chr. der HLT Der zuständige Offizier wollte wissen was das bedeutet.

Walter riß die Hacken zusammen, wie sich das gehörte und sagte: „Ich bin ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Da war nicht genug Platz in der Rubrik“.

„Ich habe niemals von dieser Kirche gehört.“

„Oh, Herr Major, Sie kennen diese Kirche. Man nennt uns „die Mormonen“

„Und was heisst das?“

Der Major zuckte die Achseln: „Haben Sie Literatur?“

Walter überreichte ihm später an diesem Tag ein Buch Mormon.

„Nun ich kann nicht garantieren, dass sie ihre Offiziersausbildung fortsetzen. Die Herren der Militärakademie werden sich damit befassen.“

Zwei Wochen danach wurde Walter zu den „Herren“ gerufen. Ihm wurde migeteilt, er darf die Ausbildung fortsetzen, aber die Leitung der Akademie würden es wertschätzen, wenn er die „Mormonen“

verlassen würde. Ihnen gefiel vor allem nicht, dass in dieser Sekte „Vielweiberei“ praktiziert wird – und wie anzunehmen ist, missfiel den Herren Gutachtern, die im ganzen Buch dominierende Juden-freundlichkeit.

„Als er Vielweiberei sagte, beugte ich mich über und erwiderte: „Herr Major, was wir um uns herum sehen, ist Vielweiberei. Männer die verheiratet sind und Sex mit anderen Frauen haben!“

Er hatte sich herausgenommen seine Hände auf die Platte des Schreibtisches des Kommandeurs zu legen. Das kam nicht gut an: „Roloff!“ schnauzte er, nehmen Sie Haltung an!“



Foto privat: Walter links



Ja, ich war nur ein Unteroffizier und er ein Major: Dieser Mann behandelte mich dennoch immer fair, doch blieb ich, trotz guter Zensuren, was ich war, ein einfacher Unteroffizier.“  „The Roloffs“



Zwischen 1840 und 1890 lebten fast alle führenden Persönlichkeiten der HLT-Kirche polygam.

Es ging darum, dass möglichst viele Kinder in Familien dieses Glaubens hineingeboren würden, und dass Witwen und deren Kinder sozialer Schutz gegeben werden sollte. Bekanntestes Beispiel ist der Nachfolger des 1844 ermordeten Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage,  Brigham Young (1801-1877). Er führte 1846 die etwa 14 000 Mitglieder der Kirche von Nauvoo, der von ihnen selbst errichteten Stadt in Illinois in die Täler der Felsengebirge Utahs. Aufgehetzt durch namentlich bekannte Geistliche verschiedener Denominationen gab es für sie keinen Ausweg. Der Auszug wurde zur Winterzeit erpresst. Gnade zugunsten der „Polygamisten“ gab es nicht.

Im Buch Mormon Jakob Kapitel 2 heißt es unmissverständlich: Ein Mann – eine Frau.

Wer die Ehe bricht, verliert seine Mitgliedschaft, die nach einer Zeit ehrlicher Reue wieder erworben werden kann.

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https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ee/Young.jpgMahonri Mackintosh Young, ein Enkel Brigham Youngs schuf diese Statue. Sie befindet sich in der Statuary Hall zu Wahington, USA

Ausnahmefall war die Situation in der Frühzeit dieser Kirche.

Entsprechend dem Bild, das evangelikale Prediger vom „Mormonentum“ zeichneten, kursierten im 19. Jahrhundert im Westen der USA zahlreiche Witze, die

                                                                                              B. Young Foto um 1856



den allgemeinen Kinderreichtum der „Mormonen“ belächelten.

Susa Young Gates, Tochter Brighams   - eine bekannte amerikanische Frauenrechtlerin, Missionarin und  Schriftstellerin - verneint entschieden die Ansicht, ihr Vater hätte sich zu wenig um seine vielen Kinder gekümmert:

„Er pflegte zu jedem einzelnen Mädchen und Jungen eine vertrauliche und liebevolle Beziehung.“ 

(3) Leah E. Dumford Widtsoe „Brigham Young – Der Mann der Stunde“,

Susa hielt eine Aussage ihres Vaters fest: „Ich möchte ein wenig aus dem Leben meiner Familie plaudern. Ich besitze eine große Familie, habe viele Kinder. Viele von ihnen sind klein. Dennoch glaube ich nicht, dass sie jemals Kinder in einer Familie haben zusammenleben sehen, die sich so wenig zanken.

Susa Young Gates (1856-1933) Sie war es die dem russischen Grafen und berühmten Schriftsteller Leo Tolstoi ein Buch Mormon aushändigte. Was ihn später zu der Aussage führte:

“Wenn der Mormonismus fähig ist unverändert bis zur dritten oder vierten Generation zu bestehen, dann ist ihm bestimmt zur größten Kraft, die die Welt seit je sah, heranzuwachsen.”

Er sprach sie  um 1900 gegenüber dem Gesandten der USA aus,  Dr. Andrew D. White (1832-1918), dem Gründer der berühmten Cornell Universität.



Beobachten sie die Kinder. Sie werden feststellen, wie sie ein guter Geist beeinflusst. Ich weiß von keinem Fall, wo man einem Kind, dem man Leid zufügte, nicht auch mehr Liebe erzeigte, als den anderen zusammengenommen. Sie fragen, wie ich das alles zuwegebringe. Ich schelte nie ein Kind, ich streite selten mit einer meiner Frauen. Ich sage meinen Frauen, niemals einem Kind Ursache zu geben, an ihren Worten zu zweifeln.“ ebenda



Brigham Youngs  Enkelin Leah D. Widtsoe beurteilt ihren Großvater mit den Worten:  

„Dieser fähige Pionier hatte klar die Notwendigkeit der sittlichen und religiösen Ausbildung erkannt. Er glaubte an die

Trennung von Staat und Kirche. Er war dagegen, dass die religiöse Erziehung ein Teil des Unterrichtsplanes der

Staatsschulen bildet... deshalb gründete er neben den öffentlichen Schulen, Kirchenschulen.“ Leah Dumford Widtsoe, „Brigham Young – Der Mann der Stunde“

                            

 Das Abraham O. Smoot –Verwaltungsgebäude der Brigham-Young Universität Utah





Im Sommer 1859, wollte die Regierung der USA „den Mormonen“ die „Vielweiberei abgewöhnen.  Präsident  Buchanan  schickte  ihnen eine

3 000 - köpfige Armee auf den Hals.  Zeitgleich reiste der 48jährige Herausgeber der New Yorker „Daily Tribune“ Horac Greely, nach Salt Lake City, Utah. Er war schon, obwohl erst ein Mann in den Vierzigern, bereits berühmt. Er wollte unbedingt Brigham Young sehen, den Mann des Westens, den Nachfolger Joseph Smiths.

Allein deshalb hatte er sich auf den weiten, nicht ungefährlichen Weg gemacht. Die Begegnung kam zustande.

Ihm wurde mitgeteilt, er dürfte fragen was immer er wünsche. Da damals die Sklavenfrage in den USA viele Gemüter beschäftigte wollte Greely wissen, wie Brigham und seine Kirche dazu stünde:


„Darf man schlussfolgern, dass Utah wenn es Mitglied der Föderation würde, den Status eines Sklavenhalterstaates erhielte?“

Nein!“ erwiderte Präsident Young, wir wären dann ein freier Staat... ich betrachte Sklaverei als einen großen Fluch.“

Wovon wollen dann ihre Priester leben?“

Durch die Arbeit ihrer eigenen Hände, gleich den ersten Aposteln... wir denken, dass ein Mann sein Leben nicht abseits vom Dienst an Christus (Dienst an den Mitmenschen) führen kann, das würde ihn unfähig zum Amt machen... Man sagt, ich sei reich. Gewiss, ich selber betrachte mich als einen Mann der seine viertel Million Dollar wert ist, aber von der Kirche erhielt ich bisher keinen Dollar.“


Horac Greely (1811-1872)



Greely schrieb in seinem Blatt, er sei überrascht gewesen in Brigham einen Mann zu sehen, der „freimütig und gut verlagt“ schien, „dem Scheinheiligkeit und Großspurigkeit völlig fremd war, der, getrieben von dem Wunsch nichts zu verbergen, offen antwortete.“ Leonard Arrington „Brigham Young: American Moses“, „Zwei Stunden mit Brigham Young“

Greely fragte Brigham natürlich auch nach der Anzahl seiner Frauen. Präsident Young bestätigte, was alle wussten.

Die Großfamilie des Neffen Joseph Smith, Joseph Fielding Smith  umfasste bereits zu seinen Lebzeiten mehr als einhundert Personen.

Mitglieder der Familie Joseph F. Smith's sowie die Familien seiner Söhne und Töchter um 1900

Wie die Israeliten vor alters, die allesamt einer polygamen Familie entstammen, sind Leute wie ich stolz darauf, dass eine Anzahl unserer Glaubensvorfahren den Mut aufbrachten ein anderes, damals angebrachtes Familienmodell zu leben. Wie Im Buch Mormon niedergeschrieben, gilt seit 1890 wieder der Normalfall: „Ein Mann, eine Frau!“

Sie sollen und wollen in Treue und Liebe zusammenhalten – für immer und ewig. Sie möchten ihren Kindern Sicherheit geben und wertvolle Bürger ihres Landes sein, sowie ihren Nachbarn, gleichgültig welcher Religion oder Weltanschauung sie sind, ehrliche Freunde.



Bildhauer Avard Fairbanks, damals Präsident einer Mormonengemeinde, gab diesem Ideal Ausdruck, mit dieser künstlerischen Gestaltung. 



Auf die Frage eines Journalisten der Zeitung „Zeitzeichen“ evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft: "Was haben evangelische Protestanten mit den Mormonen gemeinsam?",  antwortete Dr. Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen am 7. März 2012: 

"Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten in der Ethik und Moral. Der persönliche Einsatz und das ehrenamtliche Engagement sind bewundernswert. Auch die hohe Wertschätzung von Ehe und Familie bei den Mormonen und die aufmerksame Sorge für verlässliche zwischenmenschliche Bindungen sind vorbildlich."



„Mormonismus ist strahlender Optimismus... Der von Mormonen gelehrte Glaube ist erfüllt von ermunternden Ausblicken. Alle Rätsel des Daseins, der Sünde und Schuld, des Leidens und Sterbens lösen sich in einer befriedigenden Harmonie auf."

Kurt Hutten: „ Seher -Grübler,-Enthusiasten“ 1950, Quell-Verlag