Gerd Skibbe
Streifzüge durch die
Kirchengeschichte
Betrachtungen
aus dem Blickwinkel eines Mormonen
Der vielleicht größte Deutsche
bekannte:
"Ich
halte die Evangelien alle vier für durchaus echt, denn es ist in ihnen ein
Abglanz einer Hoheit wirksam, die von der Person Christi ausging, und die von
so göttlicher Art ist, wie nur je das Göttliche erschienen ist. Fragt man mich,
ob es in meiner Natur sei, ihm anbetende Ehrfurcht zu erweisen, so sage ich:
Durchaus. Ich beuge mich vor ihm als der göttlichen Offenbarung als des
höchsten Prinzips der Sittlichkeit und zwar die mächtigste, die uns
Erdenkindern wahrzunehmen vergönnt ist. Ich anbete in ihr das Licht und die
zeugende Kraft Gottes, wodurch allein wir leben, weben und sind, und alle
Pflanzen und Tiere mit uns. Fragt man mich aber, ob ich geneigt sei, mich vor
einem Daumenknochen des Apostels Petri oder Pauli zu bücken, so sage ich:
Verschont mich und bleibt mir mit euren Absurditäten vom Leibe!"
Johann, Wolfgang von Goethe
Das trinitarische (athanasianische)
Bekenntnis beginnt mit den Worten: „Wer gerettet
werden will muss vor allem den katholischen Glauben halten. Denn wer seinen
Glauben nicht treu und ganz bewahrt, wird ohne Zweifel für immer verloren sein.
Dies ist der katholische Glaube; wir beten einen Gott in der Trinität an, und
die Trinität in Einheit...
Ein Gegenbekenntnis gibt zu bedenken: "Ich bin einer von den vielen, die sich als
Christen bekennen... Ich glaube, Gott ist der Herr allen Geschehens. Aber mit
der heiligen Trinität habe ich ganz große Schwierigkeiten. Und ich bin der
Frage gewärtig: Bin ich vielleicht deshalb kein Christ? Oder bin ich vielleicht
nur ein ganz schlechter Christ? (...) Ich nenne mich gleichwohl einen Christen.
Denn ich bin überzeugt von der Moral, die das Christentum im Laufe von
Jahrhunderten entfaltet hat."
Ex-Bundeskanzler Helmut
Schmidt, „Christ in der Gegenwart“ Nr. 33 / 1998, 277-278.
„Menschen
sind, dass sie Freude haben können“
Buch Mormon 2. Nephi 2: 25
„Brüder,
überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!“
Friedrich Schiller „Ode an die Freude“
Vorwort
Die modernen Resultate der
Geschichtsforschung ermöglichen uns einen deutlicheren Blick auf den Prozess
der Entstehung der Reichskirche. Sie lassen den Schluss zu, dass mit dem
Begriff ‚Christentum’ die Zeit und die Geschichte der Frühkirche vor etwa dem
3. Jahrhundert beschrieben werden könnte. Was sich mit und nach Kaiser
Konstantins Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten zutrug, änderte
alles. Wenigstens im Nachhinein verlangt das eine Korrektur auch des Titels.
Mit der Etablierung der
Reichskirche zwischen 325 und 380, gerieten die Reste der Urkirche unter
massiven Druck der „Orthodoxen“.
Das Gesetz „Cunctos populos“
von 27. Februar 380 formulierte exakt das Gegenteil des Toleranzediktes Kaiser
Galerius von 311, sowie das Reskript der Kaiser Konstantin und Licinius von
313.
Cunctos populos, - zumindest
mit Billigung des Ambrosius von Mailand geschrieben und veröffentlicht, -
richtete sich nicht nur gegen die paganen Religionen, sondern ausdrücklich
gegen alle damals, auch zahlenmäßig, nicht unbedeutenden origenistisch-arianisch
glaubenden Gruppen der Kirche, sowie gegen Manichäer, Mandäer usw.
Gewissenentscheidungen, die
sich nicht mit den Sonderansichten des Ambrosius und dann mit den Kuriositäten
des Augustinus von Hippo deckten, wurden für illegal erklärt.
Aufsehenerregend ist in diesem
Zusammenhang die Arbeit von Ana Maria C.M. Jorge “The Lusitanian Episcopate in
the 4th Century. - Priscilian of Ávila and the Tensions Between Bishops”
Drei nachfolgend zitierte
authentische Sätze umreißen die Ausgangssituation. Sie spornten mich an diese
Broschüre zu schreiben, nämlich zu kommentieren was bedeutende Historiker
herausfanden, sowie das Ganze möglichst miteinander zu einem verständlicheren
Ganzen zu verbinden.
„In Nicäa (325) … befolgte die Kirche die
Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie
Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“ (1)
„Konstantin ist verantwortlich
für die Entstehung des katholischen und orthodoxen Christentums.“ (2)
Gerd Skibbe, Melbourne, im März 2010
_____________
(1) Heinz
Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg -
Uni Greifswald, 1954
S. 81 ff
(2) Prof.
Wolmeringer „Konstantin-Artikel“ vom 05.03.07 im Internet, S.2
Martin Luther
Wie er dasteht nach
durchwachter Nacht, an jenem 18. Apriltag des Jahres 1521, vor den Fürsten
Deutschlands unter Beobachtung tausender Zeugen und vor dem lässig sitzenden,
noch jungen, doch sehr besonnenen Kaiser Karl V. der kein Deutsch versteht,
bewegte Freund und Feind.
Es ging um Tod und Leben - und
zwar nicht nur um das des Dr. Martin Luther.
Er solle seine Bücher und
Ansichten widerrufen, denn diese rüttelten, nach Kardinal Cajetanus Urteil, an
jenen Pfosten auf denen die Macht des Papsttums ruhte.
Mit dem Bekanntwerden seiner
berühmten 95 Thesen, die schon wenige Wochen nachdem er sie formuliert hatte in
ganz Deutschland Aufsehen und fast ausnahmslos Zustimmung gefunden hatten,
drohte dem Vatikan vor allem das Versiegen des Geldflusses aus dem Ablasshandel.
Das war aus Roms Sicht
sträflicher Abfall von Gott.
Martin hatte es auf den Punkt
gebracht: „Der Papst möge die Basilika
St.
Peter
aus seinen eigenen Mitteln bauen und nicht mit dem Geld der armen Gläubigen.“
(3)
Es war nämlich kirchliche Sitte
geworden, eine eigensinnige Interpretation von Matthäus 16: 19 (4) gemäß
Ambrosius von Mailand aus dem Jahr 380 buchstäblich auszubeuten: „Es
kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die
heilige Kirche nicht nachlassen könnte. Aufgrund der von Gott verliehenen
Gewalt wird die von Gott geliebte Kirche einmal gleichsam in einem Atemzug, mit
Gott
genannt.“ (5)
Aus dieser entweder
missverstandenen oder bewusst gewagten Behauptung eines der berühmtesten Männer
aller Zeiten, entstand eine Denkweise, die heute wahrscheinlich kein Mensch
mehr unterschreiben würde. Diese Zeilen wurden tatsächlich als Freibrief für Christen
vom Typ Epiphanius (um 390) oder eines Cyrill von Alexandria (um 432)
verstanden, die (wie später gezeigt wird)
rücksichtslos im Kampf um die eigene Macht agierten. Ambrosius Aussage
wurde immer wieder genutzt, um alles zu entschuldigen was an Kapitalverbrechen
geschah, solange es letztlich der _____________
(3) 86. These
(4) „Ich
(Jesus) werde dir (Petrus) die Schlüssel des Himmelreiches geben, was du auf
Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden
lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“
(5) Gerhard J.
Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg Ohm Verlag,
Paderborn, 1970, S.159
Festigung der Position des
‚heiligen Stuhls’ diente. Nicht nur der Dominikaner Tetzel auch andere
Ablasshändler waren zu Luthers Zeiten durch die Lande gezogen und hatten jedem
Sündenvergebung versprochen. Jedem! Es wurde seitens der Gläubigen nicht nur als
eine in der Ewigkeit gültige Freisprechung vor Gott als Weltenrichter
verstanden, es war auch so gemeint: nämlich, die Kirche kann dich von allen
Sünden freisprechen, wenn du deine Vergehen bekennst.
Da ist der Fall des Mordes des
Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim Marcus im 14.
Jahrhundert. Papst Johannes XXII. nahm
von diesem Mörder Geld und erklärte, Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr.
Visconti sei nun mit dem Reich Gottes ausgesöhnt. (6)
Dass Geld, auch schmutziges,
jedes Tor im Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder verstehen, noch
unwidersprochen hinnehmen. Mit einer riesigen Kreuzesfahne, militärisch
geschützt war Tetzel quer durch Deutschland bis in Luther Nähe gereist. Er kam
bis Jüterbog. Nach Wittenberg wo Bruder Martin lehrte durfte er nicht gehen,
denn Kurfürst Friedrich der Weise hatte Tetzel untersagt Kursachsen zu
betreten. Friedrich wollte nicht, dass sein Geld und das seiner Untertanen
irgendwohin abwandert. Deshalb liefen die Wittenberger, abergläubisch wie sie
durch ihre Geistlichen erzogen worden waren, nach Jüterbog. Bald spürte
Beichtvater Luther die Auswirkungen direkt. Er zeigte sich nicht gewillt, alle
Männer und Frauen von ihren Sünden zu absolvieren, solange sie nicht aufrichtig
Umkehr geübt hatten. Deshalb lautete seine 1. und vielleicht wichtigste These: „So unser Herr und Meister Jesus Christus
spricht: Tut Buße, will er, dass das Leben der Gläubigen eine stete und
unaufhörliche Buße sei.“
In Bruder Martins Kopf und Herz
stand an dieser Stelle das griechische Wort: metanoia, und das meinte innere
Umkehr.
Wie er glaubte, müsste das doch
jedem einleuchten.
Nur, wie sagte er das seinem
Kaiser?
Er hätte es leicht erklären
können: Was hat eine Ehefrau davon, dass ihr Mann bekennt, ich habe dich
betrogen, solange sie nicht sieht, wie sehr es ihm im Innersten weh tut, und
solange sie nicht fühlt, er würde es niemals wieder tun. Erst echte Reue (Buße,
wie Luther sie verstand) konnte alles
bessern. Der Bußkatalog nannte statt Umkehr eine Geldsumme und das brachte
Luther in Wut. Außerdem hieß es, Papst LeoX. hätte 1515 den Ablass
ausgeschrieben um seine Schulden beim Bankhaus der Fugger zu begleichen. Denn
er liebte die große Kunst „von Raffael z.B. ließ er sich die Wände
seines Badezimmers mit der Göttin Venus und ihrem Sohn, dem ________________
(6) Schlosser, Weltgeschichte Bd VI. S. 390-391
Liebesgott
Cupido, bemalen und… laut seinen
Zeitgenossen ... sei ein Teil des eingenommenen Geldes für die Aussteuer seiner Nichte Maddalena Cibò bestimmt
gewesen...“
(7) Luther war auch nur ein normaler
Sterblicher, er durchlief einen Prozess. Das ganze Jahr 1516 hindurch glaubte
er noch gutwillig, dass der Papst Christi Stellvertreter auf Erden ist. Selbst
im Jahr 1517 sagt er noch: „Die freche
Ablasspredigt macht, dass es auch gelehrten Männern schwer wird, des Papstes
Ehre rein zu halten von Verleumdungen oder wenigstens vor scharfen Fragen der
Gläubigen“
(8)
Den Papst stellte man sich
zugleich als Christi Stellvertreter und als Kaufmann vor. Er sammelte die guten
Werke seiner Frommen ein, darunter die vielen Gebete die vor allem die Nonnen
und die Bruderschaften, über das notwendige Maß zur eigenen Erlösung,
gesprochen hatten. Über dieses Plus konnte der heilige Vater verfügen, er
konnte es verkaufen oder sogar als Gnade Christi verschenken. Supererogation
nannte man das. Seit dem 13. Jahrhundert galt: „Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten vorhanden, der
sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die Heiligen über das
hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig ist... dass den
Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex ermächtigt, denen
die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen Quelle des
Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von der für ihre
Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ (9) Die
Statistiken ‚guter Werke’ wurden gewissenhaft geführt. Das „Vaterunser“ -
das zwar nur wenige Worte umfasst - wurde in manchen Klöstern rund um die Uhr
gebetet: Sieben Millionen Ave Maria hatte
„die Bruderschaft der 11 000 Jungfrauen auf Vorrat gebetet, dazu 200 000
Rosenkränze und 200 000
TeDeum
laudamus, sowie 3500 ganze Psalter“ (10)
Luther war in der
durchgekämpften Nacht vor diesem Verhör mancherlei durch den Kopf gegangen. Er
fühlte sich elend und verlassen. Doch seit seinem Turmerlebnis - einer
Erfahrung, nachdem er wieder einmal mit
sich gerungen und doch im Kampf gegen die Lust unterlag - weiß er, dass Tetzels
Lehre und damit des Papstes Auffassung nicht richtig sind. Denn niemand, der
voll Selbstgerechtigkeit ist, kann mit der Gerechtigkeit
Gottes erfüllt werden. Dass
jedermann sogar seine sündigen Vorfahren, die
_________________
(7) Maike Vogt-
Lüerssen „Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance“
(8) 82. These
(9) James
Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche, XII.
Jahrhundert II. 3:4
(10) Gustav
Freytag Deutsche Bilder 2, Leipzig, 1927, S. 337
im Purgatorium große Qualen
erleiden, freikaufen könne, hält er noch nur für eine Übertreibung und das
Tetzelwort: Sobald das Geld im Kasten
klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt, ist in seinem Augen einfach
eine dreiste Werbung. Doch eigentlich hatte sich sein Bruch mit dem Papsttum
bereits einige Jahre zuvor vollzogen. 1515 war er nach Rom gewandert. Mit
hochgespannten Erwartungen fiel er angesichts der am Horizont auftauchenden
Türme der ewigen Stadt auf die Knie und dankte Gott: „Heiliges Rom!“
Unheiligeres sollte er nie wieder sehen, nie wieder so lästerliche Reden wie
die seiner römischen Brüder hören, die die Messe mit unbeschreiblich obszönen
Redensarten verlachten und die sich den Gedanken der Vorfreude hingaben, gleich
danach Vergnügen in den Armen ihrer Geliebten zu finden.
Gespannt starrte der bleiche
Kaiser auf den Mund dieses Aufrührers, der wie er hörte so schlau gegen den
Papst von der Gnade und dem Glauben an den Erlöser Jesus Christus sprach und
der sich damit um Kopf und Kragen redete. Er starrte auf den Mund des Mönches,
der seine Überzeugungen gerade mit den Worten zusammenfasste: „Ich kann meinen Schriften nicht anders
beistehen, als wie mein Herr Christus selbst seiner Lehre beistand, indem er
dem Diener... der ihn ohrfeigte,
antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse sei.“ (11) Martin stand nun im 36. Jahr seines Lebens,
er ist Doktor der Heiligen Schrift, die er, wie sonst keiner, in diesem Raum,
kannte und verstand. Er hatte sich nicht leicht durchgerungen, mit klaren
Worten abzulehnen was von ihm gefordert wurde, denn er hatte zu viel erfahren
und gesehen. Die den Kaiser beratenden schwarz-weißgekleideten Dominikaner forderten angesichts der
übergroßen Geduld ihres Herrn und der trotzig-zögernden Haltung des
Augustinermönches Luther, seine sofortige Bestrafung: „Er ist ein Ketzer, ... ins Feuer mit ihm!“ Das hörten nicht nur die ihnen Nächststehenden.
Martin ist sich darüber im
Klaren, ein kleiner Wink des mächtigsten
Mannes der Welt genügte, um es
auszuführen. Es ist wahr, er ist ein Ketzer! Keck hatte er in seinen Schriften
behauptet, die Maximen des römischen Klerus seien Pfründe und Vormacht. Er ist
ein Ketzer mit dem stark begründeten Anspruch die Wahrheit auf seiner Seite zu
verteidigen. Er ist ein sonderbarer Ketzer, einer der intensiv um Toleranz
warb, um wenig später selbst unbeugsam
intolerant zu handeln. Bald wird er
knapp und ungnädig sagen: „Mit Ketzern
braucht man kein langes Federlesen zu machen, man kann sie ungehört verdammen!“
(12)
_____________
(11) Wachsmann,
„Die Dokumentenplattform: Luthers Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu
Worms.“
(12) Tischreden,
Bd.III. S. 175
Der spanische Kaiser der
Deutschen, vor dem Luther zu Kreuze kriechen soll, ist zwar jung, aber Karl V.
hat sich nie darum geschert, was ihm Fachleute rieten. Er wird sich, wie stets
sein eigenes Urteil bilden. Er, als Imperator, hatte die heilige Pflicht vor
Gott das Evangelium Roms zu bewahren und dem Papst zu Dienste zu stehen. Doch
auch er ahnt nicht, dass er, wie sein hagerer Gegenüber, sehr bald ins
Gegenteil fallen wird. Er wird sechs Jahre später Truppen gegen Papst Clemens
VII. schicken, der so unklug war, sich mit den Franzosen gegen ihn zu
verbünden. Es sind die einmaligen Umstände die beide jeweils dahin bringen die
eigentlich ‚andere’ Rolle zu spielen.
Mangelnde Besoldung der
Söldnertruppen, schlechte Führungsarbeit und der allgemeine antipäpstliche
Hass, zerbrachen während dieses kuriosen Feldzuges bald jede Disziplin.
Ungestraft zogen die
katholischen wie auch die lutherischen Soldaten Karl V. monatelang plündernd
durch die Straßen der heiligen Stadt, begleitet von üblen Spaßmachern. Darunter
war einer, der mit einer Tiara gekrönt und im Chormantel wie der Papst auftrat. Als „Sacco di Roma“ ging dieses
Zwischenspiel, im römischen Drama, in die Geschichtsbücher ein. Luther, ehe er an diesem 18. April 1521
erneut zu Wort kam, betrachtete den nachdenklichen Kaiser mit seinen rotblonden
Haaren nicht furchtlos. Er schaute nur kurz in die gewaltigen Augen seines
Herrn, die aus einem ungesund blassen Gesicht herausquollen.
Ihm wurde bedeutet, er möge es
nun in Deutsch wiederholen, damit auch bei den deutschsprachigen Hörern kein
Missverständnis sei.
Luther sprach lange.
In seinem Kopf sind all diese
Bilder seiner meist unguten Erfahrungen und der Geschichte, die ihn
beunruhigen. Er muss diese Vergangenheit für sich und andere überwinden. So
konnte es nicht weiter gehen.
Die christliche Welt war am
bisher tiefsten Punkt ihrer Verkommenheit angelangt. Es war die Zeit des
spanischen Großinquisitors Torquemada, der die Juden und Mauren erbeben machte,
indem er sie massenweise verbrennen ließ. (13) Es war die hohe Zeit
des religiösen Betrugs, der hysterischen Frömmigkeit, der Massenwallfahrten und
einer weit verbreiteten Unwissenheit. Nicht wenige Klöster waren zu Herbergen
von
Gesindel geworden, andere zu
Bordellen verkommen. Mancherorts war
____________
(13) Dieter Wyss, „Kain: Phänomenlogie und Psychopathologie
des Bösen“, Königshausen & Neumann,1997: „Llorentes, Sekretär der
spanischen Inquisition berichtet, gestützt auf Archivmaterial, Torquemada habe
10 220 Menschen lebend verbrannt, sowie mit Unterstützung Ferdinands und
Isabellas 114 300 Familien für immer ruiniert.“
jeder dritte Mann ein Mönch oder Geistlicher der auf
Kosten der geschundenen Bauern lebte. Luther ist zuversichtlich. Er vertritt
doch die Sache Jesu Christi. Andererseits weiß er von Jan Hus. Dem hatten sie
zwar ebenfalls freies Geleit und sichere Rückfahrt nach Prag zugesagt und
dennoch waren 1415 Krone und Kurie darin überein gekommen: Hus muss brennen.
Ja, er hatte von dieser Prophezeiung des Hus gehört: „Sie werden jetzt eine
Gans braten (denn Hus heißt eine Gans) aber über hundert
Jahren
werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden." (14) Er
war dieser Schwan.
Zitternd war er einmal, in der
Zeit seiner größten Römgläubigkeit, in einer
Prozession hinter einer
Monstranz hergelaufen. Dr. Usingen, Lehrer seines
Ordens, der das bemerkte hatte
ihn angestoßen und besorgt nachgefragt ob Martin sich unwohl fühle. Da bekannte
Luther, den Blick auf das Türlein der kristallenen Monstranz gerichtet, hinter
der sich Jesu Fleisch in Form der geweihten Oblate, der Hostie, befand, wie
sehr er sich fürchte dermal einst diesem Weltenrichter gegenüber zu stehen und
verurteilt zu werden... Dr. Usingen
meinte es gut, doch Menschenworte, so gut sie auch gemeint waren, konnten ihn
nicht trösten. Erst der Römerbrief vermochte es, später. Er wollte durch Hungern, Frieren und
Kasteiungen einen gnädigen Gott bekommen und stellte entsetzt fest, dass er
sein starkes Naturell trotz der Schikanen die er sich antat, nicht
kontrollieren konnte. Er fühlte sich schuldig und von Gott verdammt. Bis eines
Tages, sein Blick auf den Schlüsselvers im Römerbrief 1: 17 fiel: „Der aus Glauben Gerechte wird leben.“ Wie ein Blitz traf ihn damals die Erkenntnis:
Nicht durch gute Taten, sondern durch Glauben wird der Mensch gerettet. Das war
das eigentliche Turmerlebnis. Der Kerngedanke seines neuen Glaubens und Denkens
war geboren. Er fühlte es sofort freudig erregt, dies würde seinem Leben eine
völlige Wende bringen. Er wollte nun „tapfer
sündigen, aber tapferer glauben!“
Sich selbst zu fragen, ob die
Wahrheit, - wie so oft, - vielleicht auch diesmal in der Mitte liegen könnte,
fiel ihm nicht ein. Und so sollte und wollte Luther aus einer Religion des
übertriebenen Tuns, eine der Kontemplation bilden.
Während seiner 2. Rede vor dem
Kaiser warb Martin erneut um Verständnis. Dann schloß er mit dem leuchtenden
Bekenntnis: „Da mein
____________
(14) Die evangelische Kirche zu Ebersgöns: (2009): „Hus war
auf dem Konstanzer Konzil zum Ketzer erklärt und zum Tode verurteilt und am 6.
Juli 1415 verbrannt worden. 1531 schrieb Martin Luther: "S. Johannes Hus
hat von mir geweissagt, als er aus dem Gefängnis im Böhmerland schreibt: Sie
werden jetzt eine Gans braten (denn Hus heißt eine Gans) aber über hundert
Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden."
Gewissen
in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es
gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das
Gewissen
zu tun. Gott helfe mir. Amen.“
Nicht nur das ganze Worms, halb
Deutschland bejubelte Martins Mut, denn diejenigen, die freiheitlich denken
konnten, hatten schon lange nach einem Mann wie ihn Ausschau gehalten.
Mindestens einer seiner Zeitgenossen, Friedrich Mecum, sah Luther in einem tröstlichen
Traum, nachdem ihn (Friedrich) die Mönche, als er noch sehr jung war, überredet
hatten ins Kloster zu gehen, was er bald sehr bereute. (15) Martin Luthers
Theologie ist weit gespannt, sie ist auch für ‚Mormonen’ großartig, oft
missverstanden allerdings, aber auch offensichtlich nicht mehr schlüssig, wenn
er sie auf sein „Sola gratia“ verkürzt.
Wer jemals den Geist Christi bewusst wahrnahm, der weiß, dass er reine Liebe
und Freiheit ist. Sie kommt auch in den Kunstwerken der Großen, wie ein Echo,
zum Ausdruck.
Ohne diese Liebe, die Gott für
uns empfindet, wären wir nichts. Insofern hat Luther nach dem Verständnis derer
recht, die ihre Religion im Sinne des berühmten alten Kirchenlehrers Origenes
(185-254) begriffen. Ein idealer
irdischer Vater liebt seine Kinder ebenfalls und würde sein Leben für sie
hingeben, doch er fordert von ihnen tapfer zu sein und gute
Leistungen zu zeigen. Bruder
Martin, allerdings predigte nach seinem Auftritt in Worms, - den er trotz
mancher Gefahren gut überstand - wo er konnte, passiven Glauben. Er pfiff
geradezu auf die Fähigkeit jedermanns kraft des eigenen freien Willens richtige
und notwendige Entscheidungen zu treffen. Der Mensch werde, wie ein Esel, entweder
von Gott oder vom Teufel geritten. Sein Denken blieb dem Augustinischen
Glauben von der allein seligmachenden Gnade Gottes verhaftet. Während Jesus das
Tun des Guten am Nächsten verlangte; zogen fortan Luthers Jünger die
Paulusaussagen - Menschen würden allein aus Glauben und Gnade selig - den
Bestimmungen Jesu Christi vor. Das machte viele bedenklich, was dann zu
Absplitterungen führte. Bereits zu Lebzeiten des großen Heidenapostels
(Paulus), wurde diese Sichtweise von einem Ranghöheren, nämlich von Jakobus,
dem leiblichen Bruder Jesu attackiert: „Meine
Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die
Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“ (16)
Hunderte Millionen sollten das
‚Sola fide’ später, wie Martin, daher beten. _____________
(15) Gustav Freytag Deutsche Bilder 2, Leipzig, 1927, S.
339 „Sieben Jahre, bevor Luther die Reformation begann, war ihm das Bild des
großen Mannes im Traum erschienen und hatte die Zweifel seines aufgeregten
Herzens beruhigt.“ (16) Jakobusbrief 2: 14
Seine Gegenspieler, wie der
spanische Konzilstheologe Bartolomae Carranza, (17) sagten: Luther hätte
es besser wissen müssen. Dieses
Pauluszitat auf das sich seine
Religionsphilosophie gründet: „Der aus
Glauben Gerechte wird leben“ sei lediglich ein verstümmelter Satz aus dem
Alten Testament, dem Buch Habakuk entnommen. Im Original lautet der Text: „Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet
dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben!“ (18)
Das ist zweierlei. Das Recht da zu schaffen, wo es fehlt, führt zur Erlösung,
sagte der Prophet Habakuk. In
unseren Tagen formulierte der Protestant Dietrich Bonhoeffer (19061945) einleuchtender
als Luther, worauf es ankommt: „Öffne
deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen. Öffne deinen Mund,
richte gerecht, verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“ (19)
Weil er lebte, was er glaubte wurde Bonhoeffer im 3. Reich Hitlers hingerichtet
und wir bewundern ihn. Mit eben dieser Forderung, Recht zu schaffen hat der
interessierte Leser zugleich die Moraltheologie des sogenannten „Mormonismus“
auf einen Blick vor sich. In seinem Zentrum steht der Begriff
„Rechtschaffenheit“, das große Wort des Buches Mormon (65
Zitate). (20)
Gewiss wäre es besser um die
Geschichte Europas bestellt gewesen, wenn Luther, statt energisch auf seine
drei engen Kernsätze ‚sola gratia’, ‚sola scriptura’ und ‚solus Christus’, zu
pochen, Habakuks und anderer, offensichtlich inspirierter Propheten Forderung
nach Rechtschaffenheit zum Zentralbegriff aufgerufen hätte. Wenn er sowohl die
Bauern, wie die Ritter dringlicher gemahnt hätte, bei ihrer Seele Seligkeit
gerecht zu richten und Recht
zu schaffen, vielleicht wäre es dann nicht zu den __________________
(17) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz:
„1559 wurde Carranza von der Inquisition,
dessen Mitglied er selbst lange gewesen war, in Torrelaguna bei Madrid
verhaftet und in der folgenden Nacht nach Valladolid gebracht... Obwohl er an
den Papst appellierte, blieb Carranza 8 Jahre in spanischer Haft, bis er auf
Befehl Pius' V. nach Rom gebracht wurde, wo er noch 9 Jahre in der Engelsburg
in Untersuchungshaft saß. Die Inquisition und Philipp II. verzögerten den
Fortgang des Prozesses, der endlich nach 17 Jahren durch Gregor XIII. zum
Abschluss kam. Die Ketzereien, deren Carranza angeklagt war, konnten nicht
bewiesen werden.“ Carranza
hatte gewagt Kaiser Karl V. auf dem Totenbett, mit Worten zu trösten die den
Lauschern lutherisch geklungen hatten.
(18) Habakuk 2:
4
(19) Sprichwörter
31: 8-9
(20) z.B. 2.
Nephi 9: 14 wir werden in der Auferstehung „eine vollkommene Kenntnis all unserer Schuld und unserer Unreinheit und
Nacktheit haben, und die Rechtschaffenen werden eine vollkommene Kenntnis ihrer
Freude und ihrer
Rechtschaffenheit
haben, denn sie sind mit Reinheit bekleidet, ja mit dem Mantel der
Rechtschaffenheit.“
nahezu deutschlandweiten
Bauernkriegen gekommen, vielleicht wären der 30jährige Krieg und andere
Verbrechen ähnlichen Ausmaßes vermieden worden.
Es sind in der
Christengeschichte immer wieder nur einzelne Begriffe, die von christlichen
Fanatikern beider Seiten wie Schlachtrufe missbraucht wurden.
Vor und zu Luthers Zeiten
wollten die Christen durch ‚besonders gute Taten’ Erlösung finden, nämlich in
Pilgerreisen, im Reliquienerwerb (die ohnehin überwiegend Falsifikate
darstellten), in der Teilnahme an endlosen Kreuz- und Kriegszügen gegen Islam,
Heiden-, Ketzer- und Judentum. Das Gutsein bestand aus Kasteiungen,
langanhaltenden Wiederholungen gewisser Floskeln und im geradezu blinden
Gehorsam gegenüber jeweiligen kirchlichen Vorgesetzten. Das wirklich Gute
bestand nicht im Bilden einer glücklichen Familie, sondern in monastischem
Leben - obwohl Gott geboten hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine
sei!“ (21) Bis weit in die
Neuzeit hinein, forderte die römisch-katholische Kirche von nicht wenigen
Ehepaaren, die Josephsehe zu leben, als wäre das der Ausdruck von Frömmigkeit
die Jesus gelehrt hatte. Dabei handelt es sich eher um eine schlecht begründete
Annahme manichäisch-augustinisch glaubender Katholiken, Maria sei so heilig
gewesen, dass jede normale eheliche Beziehung unvorstellbar wurde. Man war
fromm, wenn man Sexualität in jeder Form mied, oder wenigstens so tat als ob.
Jesus hat dagegen ‚nur’ gefordert, dass die Ehepartner zu keiner Zeit Verlangen
nach anderen zulassen - und das ist, wie jeder weiß, kein Selbstläufer.
In Spanien galt es in den Tagen der Reformation noch
ausgesprochen verdienstlich und gut vor Gott, bei Ketzerverbrennungen anwesend
zu sein, das Brennmaterial heranzuschaffen, sowie den Maurisken, Juden und
selbst einander das Leben zur Hölle zu machen.
In seiner Summe war solches
‚Guttun’, natürlich exakt das Gegenteil der Lehre und der Erwartungen Jesu,
denn seine Frage lautete: „Ist dir
bewusst... Was du einem meiner geringsten Brüder (Schwester) angetan hast, das
hast du mir angetan?“ (22)
Ihr kümmert euch um alles, ihr
seid bis zur Kleinlichkeit genau, „...
aber das Schwerste im Gesetz, ... die Barmherzigkeit ...setzt ihr hintenan.“
(23) ________________
(21) Genesis 2:
18 „Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
bleibt, ich will ihm eine Hilfe geben“... Eva.
(22) Matth. 25:
40
(23) Matth. 23:
23

Werke der Bigotterie und der
Askese können Gott nicht dienen, behauptet das Buch Mormon, in dem es sagt: “wir stehen nur dann im Dienste Gottes wenn
wir unserer Mitmenschen dienen.“ (24) Damit befindet es sich im Kontext der
Bergpredigt: erfreue deine Mitmenschen, - redet nicht nur vom Guten, tut es. Dieses Wort: „Tue es!“, erscheint
allein im MatthäusEvangelium 23 mal. Dagegen war das, auch von Luther als
unsinnig betrachtete Sammeln von Reliquien, vor dem 4. Jahrhundert so gut wie
unbekannt. Zu den ersten Reliquienverehrern und - sammlern („toter Ding“, Luther) gehörte die Mutter Kaiser Konstantins,
Helena, die sicherlich in guter Absicht, eine große Förderin jenes
Scheinchristentums wurde, dem die Symbole des Glaubens bald wichtiger erschienen, als der von den ersten
Christen vertretene Glaube daran, das man seine Religion zu leben hat. Es ist
ohnehin an der Zeit Helenas Schilderungen von der Auffindung des Kreuzes Jesu,
300 Jahre nach seinem Tod, entschiedener zu hinterfragen. Nachzufragen ist
auch, warum die Christen der ersten drei Jahrhunderte gar nicht daran dachten
das Kreuz zum Gegenstand ihrer Verehrung zu erheben und warum sie sich, selbst
nach Konstantins angeblicher Kreuzesvision, noch weitere 100 Jahre weigerten,
das Kreuzessymbol in ihre Kirche zu
tragen. Erst nach dem Konzil zu Ephesus, 431, sollte das geschehen. (25) Zu
bedenken ist, dass der Veranlasser dieser gravierenden Änderung, der
schließlich siegreiche Kopf dieses Konzils, Cyrill von Alexandria, immer noch
unter der Anklage schwerster Menschenrechtsverletzungen steht. Da liegt der
dringende Verdacht der Anstiftung zum Mord in mindestens einem Fall vor, der
Volksverhetzung, der aktiven Bestechung, der Hehlerei u.a. schwerer
_______________
(24) Mosia 2:
17
(25) Jan, Thomas
Otte, „Evangelischer Kirchenbote seit 1848“ für die Pfalz, Nr. 13, 2007 „Das
Christentum hat im Jahr 431 das Kreuz als zentrales christliches Symbol beim
Konzil von Ephesus eingeführt.“
Vergehen. Die Verteidiger
Cyrills von Alexandria sehen sich der Frage gegenüber, warum gerade er das
Symbol der Todfeindschaft gegen Jesus zum zentralen christlichen Zeichen
bestimmte. So weit wie zu blicken ist, vergrößerte das Kreuz bestehendes Elend.
Selbst der berühmte Christoph Kolumbus benutzte es, u.a. um illegal „Besitz“
von der Neuen Welt zu ergreifen. Dieses Kreuz ging den größten Verbrechen
voraus. Es führte zur „Christianisierung“ der Indianer, mit dem Resultat von
Millionen Toten. Die im 5. Jahrhundert erfolgte ‚Verchristlichung’ des
Marterinstrumentes Kreuz ist aus mehreren Gründen abzulehnen.
Obwohl wahr ist, dass Jesus
gekreuzigt wurde, um uns den Ausweg aus dem Dilemma unserer nicht wieder gut zu
machenden Übertretungen und der Sterblichkeit zu zeigen, indem wir ihm
gehorchen, bewirkte die Kreuzesverehrung kaum mehr als Aberglauben. Mit Helenas
Erfindung der Geburtsstätte Jesu verhält es sich nicht anders. Sie ließ über
der angeblichen Geburtsstätte eine Memorialkirche errichten. Bis heute streiten
christliche Priester, manchmal sogar handfest um den Vorrang in fragwürdiger
Verehrung. Leider handelt es sich bei dem folgenden Pressebericht nicht nur um
eine reißerische Geschichte sondern um eine
Darstellung von sich wiederholdenden
Realitäten unserer Tage: „Bizarre Szenen
spielten sich am Donnerstag in der Geburtskirche in Betlehem ab: Rund 50
Geistliche in schwarzen Roben gingen mit Besen und Eisenstangen aufeinander
los. Der Streit zwischen armenischen und griechisch-orthodoxen Priestern hatte
sich aufgrund von Reinigungsarbeiten in der Basilika entfacht - die Armenier
fühlten sich von Leitern der Griechisch-Orthodoxen gestört. Erst
palästinensische Polizisten konnten die Schlägerei beenden. Zwei Polizisten und
fünf Priester wurden im Krankenhaus behandelt. Die Geburtskirche zählt zu den
heiligsten Orten des Christentums…” (26) Nicht nur ‚Mormonen’ meinen, Helena und
Konstantin hätten, mit ihrem anders gearteten Verständnis von Religion, Jesus
Christus das Konzept verdorben. Bevor Luther in Worms 1521, sein berühmtes
Schlusswort sprach, mit dem er den Kaiser stark beeindruckte, stellte er diese
große Aussage in den Raum: „Die Autorität
von Papst und Konzilien allein überzeugt mich nicht, da sie offenkundig oft
geirrt und gegen Schrift und Vernunft gestanden haben.” Martin
hätte diese Behauptung gut begründen
können, denn er kannte die Geschichte der Konzilien, aber er konnte nicht
wissen, was erst die moderne Forschung herausfand, nämlich dass die Kirche nach
dem 1. ökumenischen
Konzil zu Nicäa, 325, nicht von
Christen, sondern im Wortsinn von Kaiser _________________
(26) „Kurier“
Wien vom 17. Januar 2008
Konstantin ins Leben gerufen wurde, auf Kosten der
Kirche Christi: „In Nicäa … befolgte die Kirche die Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie Konstantin Christus
erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen... (27) Deshalb nahm sie
mehr und mehr diesen unappetitlichen Ausdruck an, den niemand übersehen kann,
der hinschaut. In Nicäa wurde der Rest an Klarheit zerstört, - nicht umgekehrt:
„Namhafte Persönlichkeiten, wie Bischof
Basilius, Teilnehmer des 1. ökumenischen Konzils 325, zu Nicäa, ... verglichen
die nachkonziliare Situation sogar mit einer Seeschlacht in der Nacht, in der
sich alle gegen alle schlagen, und er meinte, infolge der konziliaren Dispute
herrsche in der Kirche eine „entsetzliche Unordnung und Verwirrung“ und ein
„unaufhörliches Geschwätz.“ (28) Wären Luther die Details, wie uns, bekannt
gewesen, er hätte den ersten 4 Konzilien der ‚ökumenischen’ Christenheit nicht
den Rang einer Heiligen Schrift verliehen.
Im Grunde wissen alle, wer Konstantin
war. Er „... machte sich (in Nicäa)
zum Herrn der Kirche. In ihre Streitigkeiten griff er entscheidend ein und
verteilte mit geschickten Fingern Recht und Unrecht. ...im Handumdrehen füllte sich der Hof des Kaisers mit einer
Menge von Persönlichkeiten, die mit ihrem Christentum Geschäfte machen wollten.
Edlere Naturen konnten neben ihnen kaum noch hervorkommen. (Sie) zogen sich
angewidert zurück. Die siegreiche Kirche“ (kam hervor.) (29) „...Konstantin hatte eine neue Idee von der
Kirche, die er verwirklichen wollte: ... nach dem ihm vorschwebenden Bild formt
er… sein Reich, seine Kirche…. Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den
Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen.
Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte
Kirche (!), das Reich der Zukunft.“ (30) Dieses Reich der
Zukunft, dass dem damals einflussreichsten Mann der europäischen Welt
vorschwebte, diese Mixtur aus der Soldatenreligion des Mithraismus, plus
einiger aus dem Christlichen entlehnter Elemente konnte nicht überleben, weil
es auf Eidbruch, Gewalt und Täuschung gegründet worden war. Also zerfiel es,
allmählich. Allerdings gab es am Rande noch jahrhundertlang christliche
Gemeinden die sich einigermaßen vor dem zerstörerischen Hauptstrom schützen
konnten.
______________
(27) Heinz Kraft
Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg -
Uni Greifswald, 1954
S. 81 ff
(28) Bischof
Koch (katholische) Pfarrblätter, vom Oktober 2008.
(29) Pfarrer E.
F. Klein „Zeitbilder aus der Kirchengeschichte“, Berlin,
Ackerverlag,
1930, S. 144
(30) Heinz
Kraft, „Konstantins religiöse Entwicklung“, 1954, Heidelberg - Uni Greifswald,
S. 89 u 99
Ludwig Hertling beschreibt - mit
Imprimatur des Vatikans - in seiner „Geschichte der Katholischen Kirche bis
1740 - die Gesamtsituation um und nach 400, nachdem das Konstantinische sich
innerhalb der Kirche mehr und mehr breit machte: „Auf die Zeit der großen Kirchenväter (Athanasius, Hieronymus,
Ambrosius, Chrysostomus, Augustinus, Gregor von Nazians, Epiphanius usw. G.
Sk.) folgten Jahrhunderte ohne Glanz. Die
Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte tritt, nachdem sie noch soeben
durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein, der
nicht enden zu wollen scheint...Viele Umstände haben zusammen gewirkt, um die
antike Welt in diesen Zustand der Ohnmacht oder Erstarrung zu bringen, der
zeitweise einem wirklichen Sterben ähnlich sieht...“ ‚Die Kirche’ starb tatsächlich, und mit
ihr die Stadt und das Reich Rom. Auf den Trümmern enstand eine ganz andere
Welt. Verwegene, lieblose Männer nannten sich Päpste und hielten ein gerettetes
Fell hoch, hängten es sich um und behaupteten, sie wären jetzt das Lamm. Martin
Luther und Jan Hus lebten in dieser anderen, eigentlich nachchristlichen Welt. „...Wenn
die Kirche dem armen Laien wenig bot, so hatte sie dafür einen zureichenden
Grund: die Mehrzahl der Geistlichen besaß auch nicht viel mehr von Lehre und
...Inhalt des Glaubens. Das Amt des Bischofs war völlig verweltlicht. Ihre
Weiber, Gelage, die Jagd... waren ihre Tagesinteressen. Es gab Kirchenfürsten
und Äbte die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten.
Nicht viel besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den
Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn
sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so
buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen
selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder
Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte (Bezug: Nic. De
Clamengis De praesulibus simoniacis, ed J.M. Lydius, 1613, p. 165)Der Franziskaner
Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz vor
den Kirchenfürsten und der versammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So
schlecht sind unsere Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze
Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ (Bezug: v.d. Hardt, Con.Const. T.I.P.
XVIII. P.880 sq)... die hussitische Bewegung begann mit dem Zorn und Ärger über
unredliche Gewaltakte der kirchlichen Partei... im Jahr 1392 wurde das
Jubeljahr auf dem Vissegrad verkündet, von Latäre bis zu Kreuzerhöhung
wallfahrtete zahlloses Volk zu den heiligen Stellen durch die Städte von Prag,
spendete und beichtete und erhielt dafür reichlichen Ablass. Großes Geld nahm
die vornehme Geistlichkeit ein, die Beutel der Armen wurden leer. Die Einnahmen
musste der Erzbischof mit dem König Wenzel teilen... auch Magister Johannes
(Hus) gab seine letzten vier Groschen dem Beichtvater, so dass er zuhause nur
trockenes Brot zu essen hatte... (31)
Entschieden hatten Kaiser Konstantin und seine christlichen Kollaborateure
die breite Schneise durch die Kulturlandschaft geschlagen. Es war so, dieser
Imperator hatte die Parole ausgegeben: Macht weiter so! Die ebenfalls weit von
Jesu hinweg-gekehrten Haupterben des konstantinischen Reiches, Konstantin II.,
Konstanz und Konstantius, legten nur wenige Monate nach dem Tod ihres Vaters
zutage, von wem sie gelernt hatten. Beim ersten Anlass stürzten sie sich, wie
verhungernde Löwen aufeinander. Der katholische Constanz, vernichtete seinen
24jährigen Bruder Bruder Konstantin II., 340, nur weil dieser in Italien Truppenbewegungen angeordnet hatte. Es gab
fortan in den Metropolen Roms kaum Unterschiede zwischen weltlicher und
kirchlicher Politik. Die Ziele, wie die Handlungsweisen, waren grundsätzlich
dieselben. ‚Papst’ Damasus bewies schon im Jahr 366, dass er strikt
konstantinisch dachte, als er seine Streitmacht mit Brechstangen und
Streitäxten gegen den Nachbarbischof Ursinus aussandte. Was zählte, war für den
neuen Christentyp der momentane Erfolg. Jesus hingegen wollte, dass die
Menschen in die ferne Zukunft blickten: „Was
hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner
Seele Schaden?“ (32) Jesus wies wiederholt daraufhin, was geschehen würde,
wenn materielle Werte, wie Macht und Geld in seiner Kirche höchster geistiger
Werte zu wichtig werden, - und Kaiser Konstantin hatte viele Privilegien und
Geld zu bieten: „Der gute Hirte gibt sein
Leben für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist, und dem die
Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf
kommen sieht.“ (33) Diese Aussage
steht unübersehbar im Gegensatz zu den Aktionen der von Konstantin geführten
„ecclesia militans“, deren führende Kleriker er unter Gewährung steuerlicher
Vorteile und anderer Privilegien direkt und indirekt in seinen Dienst gestellt
hatte. (34)
______________
(31) Gustav
Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit“ Zweiter Band. Leipzig,
S. 218-219, 223
(32) Markus 8:36
(33) Joh. 10: 12
(34) Ch. Müller
Albert-Ludwig-Univ., Freiburg i Breisgau „Kurialen und Bischof, Bürger und
Gemeinde in der gallischen Stadt des 4. bis 6. Jahrhunderts“ 2003, S. 15 Ebenso:
Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des
spätantiken Kleinasiens“ Fr.
Schiller Universität, Jena, 1976
Kaiser Konstantin und die Basislehren der Urkirche

Helena oder eine andere ihm
nahestehende Person von dem
gekreuzigten Gott Jesus
Christus erzählt haben mochte. Was für ein Bild: ein gekreuzigter Gott als
Sieger. Das bot Anlass zum Nachdenken: ein Sieg noch im Tod, ein Sieg sogar
über den Tod! Das vermag nur eine absolute geistige Gottheit.
Vermutlich kamen bereits Jahre vor
Konstantins Geburt in Helenas Pferdwechselstation - inmitten des Balkangebietes
- Missionare einer bereits uneinigen Kirche. Möglicherweise haben sie Helena
belehrt, sie sei die Tochter Gottes, der im Himmel, hoch über den Sternen wohne
und unvergleichlich herrsche. Sie sei zur Erde geschickt worden mit einem
wichtigen Auftrag, denn darin, und in der Botschaft vom Auferstandenen, lag das
Besondere der intensiv missionierenden christlich-gnostischen Gruppen. Es ging
ihnen darum, gerade diese Erkenntnis von der Präexistenz aller Menschen, (die
nach Adam geboren wurden), zu vermitteln: „„Daher
ist derjenige, der (Gnosis) Erkenntnis durch Offenbarung hat, einer, der von
„oben“ stammt. Wenn man ihn ruft, hört er, antwortet er und wendet sich zu dem,
der ihn ruft, steigt zu ihm empor und erkennt, wie man ihn ruft. Da er Gnosis
(Erkenntnis) hat, vollbringt er den Willen dessen, der ihn gerufen hat... Wer
so zur Erkenntnis gelangen wird, erkennt, woher er gekommen ist und wohin er geht.
Er erkennt wie einer, der trunken war und von seiner Trunkenheit abließ; er
brachte das Seine (wieder) in Ordnung, nachdem er zu sich selbst zurückgekehrt
war... Die wahre Gotteserkenntnis beginnt mit der Erkenntnis des Menschen als
eines gottverwandten Wesens...” (36) als Lehre von der Ewigkeit (37)
des
___________________
(35) Prof.
Wolmeringer „Konstantin-Artikel“ vom 05.03.07 im Internet, S.2
(36) K.
Rudolph, “Die Gnosis”, Koehler &
Amelang, Leipzig, 1977, S. 139, 111
(37) Arbeitskreis
www.Origenes: „Wenn in der christlichen
Theologie von "ewigem Leben" gesprochen wird, dann wird dort der Begriff nicht konsequent
verwendet.
"Ewig"
ist konsequent gedacht nicht nur ohne Ende, sondern auch ohne Anfang. Der Begriff Präexistenz umfasst alles Leben
vor dem irdischen Leben. Damit ist in erster Linie ein Leben in jenen Bereichen
gemeint, in die wir auch nach dem irdischen Tod
wieder zurückkehren werden. Die
Präexistenzlehre ist ein wesentliches Kernstück in der Theologie des Origenes.“
Menschengeistes, dessen Kern
nicht erschaffen wurde, noch hätte erschaffen werden können, - sagte auch der,
wie er behauptet, von Gott inspirierte Joseph Smith, - sondern der vor Äonen
von Gott dem Vater geformt oder gebildet wurde. (38) (39) Ob Helena,
Konstantins Mutter, je vom Perlenlied der Thomasakten hörte, weiß niemand;
auszuschließen ist es nicht, die Botschaft kannte sie wahrscheinlich. Es müsste
ihr gefallen haben, zu hören, dass man zum Reich des Vaters zurückkehren kann.
Apostel Thomas, „der Zwillingsbruder des
Christus, der Miteingeweihte in das verborgene Wort des Gesalbten (Christus)“,
schildert die Situation aus der wir auf die Erde kommen:
„Als
ich ein kleines Kind war“ (nämlich in meinem vorirdischen Leben) „und im Reich meines Vaters wohnte und am
Reichtum und der Pracht meiner Erzieher mich ergötzte, sandten mich meine
Eltern aus dem Osten, unserer Heimat mit einer Wegzehrung fort“ ... nämlich
begabt mit einer Uroffenbarung, mit Intelligenz, mit einem Gewissen, mit dem
uns von Gott zugesagten Recht auf Entscheidungsfreiheit, (40) (41) „Wenn
du nach Ägypten hinabsteigst“ d.h. wenn du zur Erde kommst, „und die Perle (findest und wieder-) bringst,
die im Meere ist, das der schnaubende Drache umringt, sollst du dein
Strahlenkleid wieder anziehen...“ das du hier in deinem vorirdischen
Elternhaus zurückgelassen hast und dessen erneuten Besitzanspruch du mit deinem
Perlenfund erworben hast. „wirst du mit
deinem Bruder, unserem Zweiten,
(Christus) Erbe in unserem Reich
werden.“...
(42)
K. Beyer, kommentiert hier in
Übereinstimmung mit den Lehren der
Kirche Jesu Christi der HLT
(Mormonen) das „Syrische Perlenlied: „Die
Botschaft des Liedes lautet: Die unsterbliche menschliche Seele göttlicher _____________
(38) ‚Mormonismus’ erläutert laut
„Köstliche Perle“ Buch Abraham, 3: „Der Herr hatte ...Abraham, die
Intelligenzen gezeigt, die geformt
wurden ehe die Welt war...“ (39) Lehre und Bündnisse 93: 29-30: „Intelligenz oder das Licht der Wahrheit
wurde nicht erschaffen und könnte auch nicht erschaffen oder gemacht werden.“
(40) H.S.
Benjamins „Eingeordnete Freiheit: Freiheit und Vorsehung bei Origenes“ E.J.
Brill, 1994, S. 53 : „Der Schöpfer
gewährte den Intelligenzen, die er schuf, willensbestimmte, freie Bewegungen,
damit in ihnen eigenes Gut entstehe, da sie es mit ihrem eigenen Willen
bewahrten.“
(41) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft, dritte völlig neu bearb.
Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B.
Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960, S. 1696
„durch die Kunst seiner Pädagogik wird Gott
(seine Geschöpfe) doch noch dazu bringen, dass sie dem Guten beständig
anhängen.... Gottes Pädagogik und der freie Wille der Logika, den Gott durch
Erziehung fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind die
eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“ 42) Walter Rebell, Lehrbuch
"Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter", 1992, München; Thomasakten.
Herkunft
darf sich erst dann endgültig vereinen mit ihrem unvergänglichen geistigen Leib
der gleichfalls von Gott abstammt, aber immer bei ihm bleibt, wenn sie zuvor
auf der Erde in einem vergänglichen fleischlichen Leib und in feindlicher
Umgebung mit göttlicher Hilfe Selbsterkenntnis erlangt und mutig die ihr von
Gott gestellte Aufgabe erfüllt hat. Das ist eine synkretistische Religion in
der Nachfolge Platons, die sich auch leicht mit der christlichen Ethik
verbinden lässt. Ihre Bilder teilt sie mit der Gnosis und den anderen antiken
Erlösungsreligionen, ohne dass man sicher sagen kann, wer sie von wem
übernommen hat. Das führt schließlich zu der Frage, ob der gnostische Anteil am
spätantiken Synkretismus wirklich so hoch ist, wie meist angenommen wird. Denn,
dass der Mensch die Erde als Fremde empfindet, ist ein weit verbreitetes
Lebensgefühl…” (43) Wir sind eben mehr als Fleisch und Blut (44) – und
nicht nur von dieser Welt.
Falls Helena diese Grundaussage
vernommen, wenn auch vielleicht nicht
verstanden haben sollte, so könnte sie doch ihren großen Sohn darauf
hingewiesen haben. Dann ließe sich vieles besser erklären. Solche Idee beträfe
nach Konstantins Vorstellung vor allem seine persönliche Sendung. Er wird das
Strahlenkleid und den Strahlenkranz der Macht auf der Erde und im Himmel
tragen, so wie es schon seine Vorgänger
im Kaiseramt im alten Rom verstanden, wie es die Strahlenkrone des unbesiegten
Sonnengottes Sol Invictus zum Ausdruck brachte. Er wäre dann der Sol Invictus
seiner Zeit.
Erstaunlich ist, dass nur
wenige moderne Christen wissen, dass sich die Basislehre des Urchristentums von
der Präexistenz, bis in die ältesten Zeiten (nachadamitischer)
Menschheitsgeschichte zurückverfolgen lässt. Ihr Kern, weil ausgesprochen
schön, wurde immer wieder neu be-
schrieben. Erst 500 Jahre nach
Jesu Tod wurde sie, von Kaiser Justinian I., 543, auf der Ostsynode der Kirche
als „originistisch-häretisch“ diffamiert und eliminiert. Justinian lehnte die
wesentlichen ‚Origenes-lehren’ sozusagen im Block ab. Angeblich folgten damals
165 ‚heilige Väter’ (von weitaus mehr als 3 000! Bischöfen) den kaiserliche
Wünschen. ‚Papst’ Vigilius habe die Ergebnisse ebenfalls gebilligt.
Vigilius kam tatsächlich nach
Konstantinopel, aber wider Willen. „Die
Bannflüche wurden ... unter dem unnachgiebigen Druck Kaiser Justinians
_____________
(43) W. Rebell,
Lehrbuch "Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter",
1992, München
(44) Dr. Beat
Imhof, 'Wegbegleiter' Nr. 3/2006 zitiert Hildegard von Bingen (10981179): „Die Seele
stammt vom Himmel, der Leib von der Erde; die Seele wird durch den Glauben, der
Leib aber durch das Sehvermögen erkannt.“
von
sämtlichen Patriarchen unterzeichnet, einschließlich Papst Vigilius’, der 544
eigens zu diesem Zwecke fast gewaltsam nach Konstantinopel gebracht wurde. Mit
ihrer Unterzeichnung reihte die Kirche den bedeutendsten und herausragendsten
Theologen des frühen Christentums, Origenes, aus weltlichen Gründen unter die
ketzerischen Irrlehrer....“ (45) Vigilius bestritt jedenfalls, dass er die
betreffenden Papiere freiwillig unterschrieben habe. (46)
Im frühen Christentum (wie
durch ihren allgemein anerkannten Schiedsrichter in Glaubensfragen, Origenes
185-254, vermittelt) (47) befanden sich einige Elemente die keinem
Mächtigen passten, wie etwa der Gleichheitsgrundsatz. Es hieß nämlich: „Gott hat... keine Vielzahl verschiedener
Wesen geschaffen, sondern alle gleich... Es gibt keine... gesellschaftliche
Rangbestimmung, der Wille des Einzelnen ist entscheidend, und das heißt: der
autonome Wille des Einzelnen... Gnosis ist an keinerlei Zugehörigkeit zu irgendeiner
gesellschaftlichen Gruppe gebunden... (48) Für die meisten
Christen der ersten Zeit stand ohnehin fest, vor Gott würden dermal
einst alle seine ins Fleisch geborenen Geistkinder, in jeweils dem Können des
Einzelnen angemessener Weise, für ihr Tun und Lassen Rechenschaft ablegen
müssen. (49)
„Im
Zentrum der gnostischen Lehre steht die Idee des göttlichen Lichtfunkens in
allen Lebewesen... dazu gehört auch die Vorstellung jeder Mensch sei und bleibe
selbst ein kleiner Gott ein deus, da alle Menschen durch den Logos ins Leben
gerufen wurden.“ (50)
Augustinus lehrte anders als Origenes, der eben die Nichtwillkür
Gottes preist: „Alle Logika (Engel,
Menschen und Dämonen) sind von gleicher
Natur,
ihre Unterschiede sind erst durch
den Fall entstanden.“ (51) Wann
___________
(45) Hermann
Bauer, „Der Einfluß Ostroms“, 1982.
(46)
Aloys
Grillmaier u.a. „Christ in Christian Tradition“, 1995 „S. 426, Fußnote „Vigilius later spread it about that he has
been forced to produce the indication and that he had been insufficiently
informed.“
(47) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft, 1960 S. 1694
„Origenes
siedelte 231/32 nach Caesarea über, wo seine Lehrtätigkeit zur groessten
Entfaltung kam. Eine ganze Generation von Theologen ist hier durch seine Schule
gegangen... mehrfach holte man Origenes zur Widerlegung von Häretikern, die
sich seinen Argumenten meistens beugten...“
(48) Franz
Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited
Bd 2 , 2005, S. 35
(49) 2, Thess.
2: 12 „Alle müssen gerichtet werden, die nicht der Wahrheit geglaubt, sondern
die Ungerechtigkeit geliebt haben“ Diese Aussage besagt im Kontext der
Origenes-aussagen, dass (Lippen-)Bekenntnisse vor Gott bedeutungslos sind.
(50) Andreas
Mohr „Beiträge zur christlichen
Anthropologie“ Uni Kassel, 2007, S. 14
(51) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft....
diese Lehren tatsächlich aus den
Gemeinden verschwanden ist nicht zu sagen. Es gab immer Splittergruppen und
Einzelne, die daran festhielten, darunter die meisten Katharer, deren Vorfahren
infolge verübter Grausamkeit durch die ‚Rechtgläubigen’ jahrhundertelang ihres
Glaubens wegen schwerste Leiden ertragen mussten. Einer der Ihren äußerte sich
so: „Aus vielen Zeugnissen geht hervor,
dass außer Origenes auch andere bedeutende frühchristliche Theologen,
Philosophen und Kirchenlehrer - so zum Beispiel Justinus, der Märtyrer
(100-165), Tatian (2. Jhd.), Clemens von Alexandria (150-214), Gregorios von
Nyssa (334-395), Synesios von Kyrene (370 413) ... und der Bischof Nemesios von
Emesa (um 400-450) glaubten, dass die
Seelen der Menschen schon vor der Entstehung der materiellen Welt vorhanden
waren.“ (52)
Dagegen lautete der uns
überlieferte Text der Verfluchung der Kernlehren des Origenes durch die
Ostsynode: „Wenn einer sagt oder
dafürhält, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie
früher
Intelligenzen
und heilige Mächte gewesen seien; ... so sei er im Banne....“
(53)
Bemerkenswert ist die häufige
Verwendung des Terminus „Intelligenzen“, unter den ersten Christen, der auch im
Schriftgut der Kirche Jesu Christi der HLT, insbesondere in den Zusatzschriften
„Köstlichen Perle“ und „Lehre und Bündnisse“, erscheint. Solches Verständnis
war jahrhundertelang der Stern christlichen Denkens und Glaubens. Allerdings
attackierten bereits zu Origenes (185-254) Lebzeiten gewisse ‚Heilige’ aus
unterschiedlichsten Gründen die Basis ihrer Väter. Nie stand in diesem
Zusammenhang die Lehre von der Reinkarnation positiv zur Diskussion. Mitunter,
um diese verschiedenen Lehr-Verurteilungen zu rechtfertigen, wird immer noch
behauptet, die Kirche (d.h. Kaiser Justinian) hätte damals eben die
Origeneslehre von der Reinkarnation treffen wollen, da er sie als gefährlich
betrachtete.... Doch „Origenes Lehre
besagt, dass alle Lebensumstände in die wir hineingeboren werden, die
Auswirkungen unseres Verhaltens vor diesem irdischen Lebens sind...“ (54)
Es gab quasi
„Wanderungen“ im Vorherdasein,
aber diesseits keine Wiedergeburten. (55)
Balz u.a. weisen ebenfalls
solche Deutung, wegen des von Origenes
___________________
(52) Ein
Katharer im Internet www.thorstenczub.de/jesus2
(53) Horst
Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller - Theologische
Realenzyklopädie - 2000 -
Religion – S. 3 Google Books Result
(54) ebenda, „damit fällt automatisch jede
Seelenwanderungslehre.“
(55)
Bruce R.
McConkie „Mormon Doctrine“: „It is
appointed unto man to be borne, ‚once to die’ Hebrew 9: 27, ‚once to be
resurrected’ Book of Mormon: Alma 11: 45; 12:18; Doctrine and Covenant 63:49
überlieferten Kontextes, ab: (56)
Zu diesem Schluss gelangten auch andere Origeneskenner. (57) Die
alten Ägypter waren davon überzeugt, dass wir ein
Vorherdasein hatten, andere
Weltreligionen ohnehin, auch die Juden: „Das
Passah ist das Aramäische pacach (paw-sakh) und bedeutet soviel wie 'hinüber
gehen'. … Im Ursprung war das 'Hinübergehen' die Bedeutung des Hinübergehens
des Menschen aus seinem Fleisch(lichen Körper) hinüber in die körperlose
'Welt', der Heimat der Seele. Dieses Hinübergehen ist im Buche Exodus (Shemoth)
der Juden, als der 'Auszug der Seele aus dem fleischlichen Körper' in dieser
Welt in das Hinübergehen in die fleischlose Welt der Seele als Parabel
niedergeschrieben, aber das Thema kehrt auch in vielen anderen Geschichten der
Thora als Parabel auf. ... Symbolik ist
eine Sprache, welche auch durch die Begriffe in den gesprochen Sprachen
ausgedrückt wird. So ist das 'über den Jordan gehen' dieselbe Symbolik wie das
Passah. Das Yardana, Jordon, ist im Aramäischen 'der Strom oder Fluss des
Lebens'. Abseits des Streites der Theologen kann man allein in der Aramäischen
Sprache Mosaiksteine finden, für ein Bild, das es erlaubt auch das Bewusstsein
der Menschen besser nachvollziehen zu können. So bedeutet im Aramäischen 'Bit
Nitupta' das 'Haus der Präexistenz', was unschwer erkennen lässt, dass die
Menschen eine Präexistenz argumentierten, wovon die späteren Christen in Nicäa
nichts wissen wollten und einen Fluch aussprachen gegen jene, welche das weiter
argumentierten.“ (58)
„Nach
der Lehre Adams ist jeder Mensch Adam und ist aus der Sphäre des Paradieses
gefallen... Präexistenz meint, dass wir als handlungsfähige geistige Wesen
schon vor unserer Geburt existierten... in dieser Vorexistenz haben wir uns
alle eigenverantwortlich von Gott entfremdet... Ich denke, heute wird uns mehr
und mehr bewusst, dass auch das
christliche
Abendland neu darüber nachdenken muss.“ (59)
_______________
(56) Balz,
Krause, Müller - Theologische Realenzyklopädie - 2000 - Religion – S. 3
(57) :
Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage, 4. Band,
J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1698: „Von der
Seelenwanderungslehre“ grenzt Origenes sich einmal dadurch ab, dass er nur eine
Inkorporation nach dem Fall und bloße Verwandlung eines wenigstens im Grunde
gleichbleibenden Leibes lehrt... ferner bestreitet O. dass Vernunftseelen sich
in Tier- und Pflanzenseelen verwandeln. Mit Hilfe seiner Seelenwanderungslehre (=Entwicklungsstufen
in der Präexistenz G.Sk.) kann Origenes
die scheinbaren Ungerechtigkeiten der Vorsehung als Vergeltung für das frühere Verhalten der Seelen
erklären...“
(58) Volker
Doormann, ‘PhilTalk Philosophieforen’ Thema „Präexistenz und zur
Passah Symbolik“
(59) Felix
Gietenbruch „Der Sündenfall ein sinnvoller Mythos“ Kirchenbote lokal 2008
dennoch
der alte Israelit an irgendeine
Fortsetzung dieses irdischen Lebens nach seinem Tode geglaubt. Er wusste
von scheol, das dem Leben auf Erden
folgt, und er wusste, wer ins scheol
hinab sank, war wohl „Auch
wenn die ältesten Bücher der Bibel keine bestimmten Vorstellungen von der
Unsterblichkeit und vom Leben nach dem Tode vermitteln, hat abgeschnitten vom
Leben, aber deshalb musste er nicht jedes Daseins bar sein... Die Fragen der
persönlichen Unsterblichkeit und der Präexistenz und des Fortlebens der Seele
werden mit der Ewigkeit des jüdischen Volkes selbst verwoben. Alle Seelen, die
je und je in einen jüdischen Körper eingehen werden, so heißt es in einem
Midrasch, haben am Sinai gestanden und sind dort in den ewigen Verbund zwischen
Gott und Israel eingetreten. „Wir Juden sind also vom Sinai her beim Vater“,...
Wenn ein Jude im Gottesdienst zur aktiven Teilnahme an der Vorlesung aus der
Thora hinzugezogen wird, wenn er, wie der Ausdruck lautet, „aufgerufen“ wird,
um über die zur Vorlesung geöffnete Thora-Rolle einen Segensspruch zu sprechen,
so dankt er in diesem Segen Gott dafür, dass er
„Leben
der Ewigkeit in uns gepflanzt hat“. In jeden von uns und in uns als Israel.
„Wir leben ewig“, mit diesem Gesang gingen Juden in die Gaskammern.“ (60) Lebenslänglich
lebte in mir selbst das Wort aus dem Hebräerbrief: „An unseren Vätern hatten wir harte Erzieher, und wir achteten sie.
Sollen wir uns dann nicht erst recht dem Vater der Geister unterwerfen und so
das Leben haben?“ (61)
Daraus resultiert, dass alle Menschen (nach Adam), „aus den Gefilden hoher Ahnen“(Goethe) stammen, (ob sie Weiße oder Schwarze
sind).
Goethe bekräftigte seine
Überzeugung noch einmal kurz vor seinem Tod.
Am 11.
März 1832 sagte er im Gespräch mit Eckermann: „Wenn man die Leute reden hört, so sollte man fast glauben, sie seien
der Meinung, Gott habe sich seit jener alten Zeit ganz in die Stille
zurückgezogen und der Mensch wäre jetzt ganz auf eigene Füße gestellt …Diese
plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus jahrein in
den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht,
wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine
Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in höheren
Naturen wirksam, um die geringeren
heranzuziehen. Goethe schwieg. Ich aber bewahrte seine großen und guten
Worte
in meinem Herzen.”
Schiller hat es wahrscheinlich
ebenfalls empfunden. In seiner Ode an die _______________
(60) Dr. phil.
Kurt Wilhelm, jüdischer Religionsexperte, war Landesrabbiner 1925 – 29 in
Braunschweig, 1933-48 Rabbiner in Jerusalem „Jüdischer Glaube“ ,1961, S.94f.
(61) Kap. 12: 9
Freude, beteuert er, dass die
Freude eine Tochter des Himmels sei... „Seid
umschlungen Millionen... Brüder, überm
Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“ Elysium war für ihn eine
beglückende, jenseitige Realität. Die „Gefilde hoher Ahnen“ sind unsere
eigentliche Heimat. Nun leben wir in einer Welt der „derben Liebeslust“ und der
Vergänglichkeit, obwohl sämtliche Elemente aus denen wir gebaut sind, von ewiger
Dauer sind. Hier sind wir Stückwerk, finden nie wirklich was wir suchen. Faust
bringt es in einer Nebenpassage auf den Punkt. Fast verzweifelt ruft er aus: Da
„taumel' ich von Begierde zum Genuss und
im Genuss verschmacht ich vor
Begierde,...“
Falls Konstantin gehört haben
sollte, dass im Zusammenhang mit den Aussagen zu jedermanns Präexistenz der
Erwählunsglaube steht, könnte auch das seine Aufmerksamkeit erregt haben. Immer
wieder hieß es bei den Christen, die Menschen seien vor ihrem Fall schon kleine
Götter gewesen und sie könnten Götter in der Ewigkeit sein, - wenn sie die
gesetzten Bedingungen erfüllten. Das sollte Konstantin lebenslänglich
beschäftigen, seine persönliche Vergottung. Origenes (185-254) lehrte es
keineswegs als erster, Jesus hatte es bereits formuliert: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie es auch euer Vater im Himmel
ist.“ (62) „Im Urzustand waren
alle Logika körperlose Geister und als solche Götter, die dem Logos als Trabanten anhingen... Nach dem Vorbild
des Logos (Christus), der selbst das
„Bild Gottes“ nach Genesis 1:26 ist, hat Gott soviele Logika (Menschenseelen,
eigentlich Geister, G.Sk.) erschaffen, (besser
ausgedrückt: ‚geformt’ G.Sk.) wie er mit seiner notwendig begrenzten
Vorsehung regieren kann.“ (63) (64) Da wir „Menschen, die der Familie Adams angehören“ (65) dem großen Elohim
so nahe stehen, ist es möglich, das Gebot seines Sohnes Jesus Christus ernst zu
nehmen - im Verlaufe kommender Ewigkeiten: „...vollkommen
zu werden, gleich wie ... euer himmlischer Vater.“ Das heißt mit den Worten
Joseph Smiths: „Gott war einst ein Mensch
und wir können wie Gott werden.“ (66)
___________
(62) Matth. 5:
48
(63) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage, 4. Band, J.C.B. Mohr (Paul
Siebeck) Tübingen, 1960
(64) Der analoge
durch Joseph Smith überlieferte Text lautet: „Der Herr hatte mir, Abraham, die
Intelligenzen gezeigt, die geformt (– nicht geschaffen – G.Sk.) wurden, ehe die Welt war...“ Nach Joseph
Smith berief: „Am Anfang der oberste der Götter einen Rat der Götter zusammen.
Sie kamen zusammen und arbeiteten einen Plan aus, wie die Erde zu erschaffen
und zu bevölkern sei.“
(65) Buch
Mormon, 2. Nephi 9: 21 + Mormon 3: 20
Nach Aussagen der Kirche Jesu
Christi der HLT betrifft das ausnahmslos alle heute lebenden Menschen.
(66) Lehren des
Propheten Joseph Smith, 1. Auflage, Max Zimmer Übersetzung, S. 244
Mit solcher Lehre, obwohl sie -
wie leicht nachzuweisen - altchristlich
ist, stößt „Mormonismus“ in der Christenwelt auf massive Ablehnung. (67) Papst
Benedikt XVI. verwies, ob gewollt oder nicht, die Kritiker indem er sagte: der Kern der Inkarnationslehre des
Athanasius lautet: „Christus, das Göttliche Wort, „wurde Mensch, damit wir
vergöttlicht würden...“(68) Eine
andere Autorität erklärt: „... Der Gedanke der Vergottung ist der
letzte und oberste gewesen; nach Theophilius, Irenaeus, Hippolit und Origenes
findet er sich bei allen Vätern der alten Kirche, bei Athanasius, bei den
Kappadoziern, Appolinares, Ephraim Syrus, Epiphanius u.a (69) (70) Der jedoch auf die Erreichung
solchen Ideals bedachte bedarf der immerwährenden Führung durch den Geist und
das Licht Gottes. Demgemäß soll jeder handeln: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen
senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich
euch gesagt habe.“ (71) Es ist das immerwährende Trachten nach mehr
Licht, und das Streben wahrhaftig, tolerant und gut zu sein, das zu dem aus
Einsicht selbstb
ten Pflichtenkreis jedermanns
gehören sollte. Die Lehre von der Präexistenz auszulöschen, bedeutete
für Kaiser Justinian die Möglichkeit, die Gläubigen stärker in seine oft genug
gefährlichen und zudem unredlichen Staatsangelegenheiten hineinzubinden. Die
ganze Wehrmacht Justinians wurde also aus offensichtlich antichristlichen
Beweggründen zum „Christenheer“ ernannt. Es entwickelte sich immer
weiter! „Im lateinischen Abendland
kam die Legitimierung des gottgewollten Krieges erst mit den Kreuzzügen auf -
(„Dieu le veut“) Wie aus Leons Taktik hervorgeht, wurde im 9./10. Jahrhundert
die Armee als das so genannte
„Christusliebende
Heer“ betrachtet, das nicht nur für die Interessen des _____________
(67) z.B. schreibt der Präsident des Theologischen Seminars
der südlichen Baptisten der USA (ca 13 Mio Gläubige) Dr. Mohler, im Juni 2007, in Blogalogue -
Debates about Faith „Mormonism Is Not Christianity“: „The Mormon doctrine of God does not correspond to the Christian
doctrine of the Trinity. Mormonism rejects the central logic of this doctrine
(one God in three eternal persons) and develops its own doctrine of God - a
doctrine that bears practically no resemblance to Trinitarian theology. The
Mormon doctrine of God includes many gods, not one. Furthermore, Mormonism
teaches that we are what God once was and are becoming what He now is. That is in direct conflict with Christian orthodoxy... Here is the
bottom line…”
(68) Vatikan,
Generalaudienz, 20. Juni 2007
(69) Adolf von
Harnack „Dogmengeschichte“,
Mohr-Siebeck, 1990 S. 46
(70)Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“
Vandenhoek & Ruprecht, 2008 : „Irenäus Werke gegen die „falsche
Gnosis“..., in Jesus Christus sei der Weltgott ein Mensch geworden, um die
Menschen zu
vergöttlichen.“
(71) Johannes 14: 26
Reiches,
sondern auch für das Wohl der ganzen christlichen
Ökumene kämpfte. Der Soldat (homo
militaris) war sozusagen das Werkzeug, mit dem Gott (Sol Invictus G.S.) sein auserwähltes Volk und die christliche
Ökumene schützte und verteidigte. Byzanz galt als neues Israel und
Konstantinopel
als neues Jerusalem. Mit diesem Konzept konnte jeder vom Kaiser geführte Krieg
begründet werden.“ (72)
Helena könnte beeindruckt
gewesen sein, aus Christenmund zu hören die Auserwählten würden ewige Götter
sein, denn ihr Sohn war für sie ein
Auserwählter, schon Gott auf
Erden um dann, wie sein Vater, Gott im Himmel, zu werden oder zu bleiben.
Solche Denkweise entsprach, nach Konstantins späterem Verständnis völlig der
Wahrheit. Er meinte schon früh, zu wissen ein Sohn Gottes zu sein, und: ein
Teil seines Geistes.
Er, der wohl als Geisel einige
Jahre am Hof Kaiser Diokletians leben musste, wird dort in Nikomedien, (heutige
Nordwesttürkei) mehrere Christen, wie den Gelehrten Laktanz kennen und schätzen
gelernt haben, denn um 316/17 beruft er den großen Idealisten als Lehrer seines
Sohnes Crispus an den Hof in Trier. Laktanz, der Elitechrist, könnte ihm, dort
vor Ort, ebenfalls erklärt haben, dass der Mensch ein Geist ist, der von
Fleisch ummantelt wurde und, dass der Allmächtige die Auserwählten zu Göttern
erhöhen wird, vorausgesetzt sie befolgen seine Weisungen.
Allerdings erlebte Konstantin
am Hof Diokletians auch den Umschwung mit. Zunächst galten die Christen. selbst
vor Kaiser Diokletian als geachtete Persönlichkeiten. Doch als sie an Zahl und
wegen ihrer Grundsatztreue an natürlicher Macht zunahmen, riefen sie die
Eifersucht der Paganen herauf. Diese Wirkkraft der Christen einerseits und
andererseits der geifernde Neid der pagananen Priester bildeten einen scharfen
Kontrast, was zu einem schweren Konflikt führen musste.
Man hätte es voraussehen
können, obwohl sich die Christen mäßig zurückhaltend verhielten. Es gärte.
Immer mehr Leute glaubten den noch ehrenamtlich wirkenden christlichen
Priestern.
Zu einer Zeit als sich die
Christen Roms noch in Bretterbuden versammelten, verfügten die Jesusgläubigen
Nikomediens, zudem in unmittelbarer Hofnähe, über ein ansehnliches
Gemeindehaus. Obwohl
noch weit davon entfernt
liturische Kleidung (73) zu
tragen, gingen sie bis
_____________
(72) Hermann
Bauer, „Der Einfluß Ostroms“, 1982.
(73) Hertling,
„Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ Morus-Verlag, Berlin S.
45, 46 :„...Manche Bischofsstädte (um das Jahr 400 G.Sk.)
hatten nur eine einzige Kirche, und diese besaß die Maße einer
bescheidenen Dorfkirche... erst ab 589 gibt es liturgische Kleidungsstücke...
Noch im Jahr 4o3 wurde es dem Patriarchen von Konstantinopel als Eitelkeit
ausgelegt, dass er sich beim Gottesdienst ein eigenes Festgewand anlegen
ließ...“
303 am Kaiserhof, selbstbewusst wie
die Nobilissimi. Das konnte den Berufspaganen nicht gefallen. Ihre Gelegenheit kam als Diokletian, dieser
auch in Konstantins Augen, abergläubische alte Mann, vor einer Schlacht eine
Eingeweideschau anbefohlen hatte: „Die
Schau der Haruspices vor Diokletian misslang. Der Priester sagte, die Götter
zürnten ihm wegen der Anwesenheit unheiliger Personen. Damit waren die Christen
gemeint. Daraufhin mussten alle Beamten des kaiserliche Palastes den römischen
Göttern opfern, oder sie wurden ausgepeitscht... Auch bei einer Befragung des
Apollo-Orakels in Milet antwortete der Gott seinen Priestern, dass die Christen
die Beziehung zu den Göttern störten. Daraufhin ließ der Kaiser in Nikomedia
eine christliche Kirche niederreißen und deren heilige Bücher verbrennen. In
einem Dekret, von 303, ordnete er an, in der ganzen Provinz sollte die
Gebetshäuser und Bücher der Christen zerstört werden, die Christen sollten aus
allen Ämtern entlassen werden und ihre Privilegien verlieren. Als nun noch im
Palast ein Brand ausbrach, wurden die
Christen dafür verantwortlich gemacht.“ (74)
Die Welle der Verfolgung
lichtete die Reihen der Treuen. Lactanz und viele andere bedeutende Christen
mussten vor dem plötzlich wieder religiös aktiven Diokletian in den Westen
flüchten.
Konstantin konnte sich durchaus
auch ein Bild von den ihn betreffenden Gedanken Kaiser Diokletian machen, denn
nach der Hochzeit seines
Vaters in Nikomedien im Jahre
292 mit Theodora, und nachdem sein Vater Helena verlassen hatte, verlassen
musste, um höher in der Reichshierarchie hinaufzugelangen, hatte der (Ober-)
Kaiser darauf bestanden, Sohn Konstantin stets an seiner Seite zu sehen.
Konstantin, noch jung an
Jahren, sollte wohl auch seiner mit gewissen Christen zettelnden Mutter Helena
entfremdet werden, und als Faustpfand dienen, als lebendes Garantiedokument für
die Treue des für die Siege im Westen so unverzichtbaren Konstantinvaters
Constantin Chlorus. Diesen für Diokletian so widerlichen Allectus, der sich
selbstherrlich zum Kaiser Englands aufgeworfen hatte, konnte, wie er glaubte,
niemand sonst als Constantin Chlorus entmachten. (Allerdings wurde Allectus
schon 292 von seinem eigenen Gardechef ermordet, während Constantin Chlorus
erst 293 Adoptivkaiser wird)
Nach den Angstträumen
Diokletians könnte Konstantin Chlorus sich jedoch selbst zum Herrscher des
Imperiums aufschwingen. Schließlich hielten ihn seine Militärs bereits jetzt
für einen Gott. Das Attribut ‚göttlich’
___________________
(74) Anton Grabner, Haider, Johann Maier, „Kulturgeschichte des frühen
Christentums“ Vandenhoek & Ruprecht 2008. S. 113
stand aber nur ihm, Diokletian, zu!
Er war der dominus et deus. Ein
Lobredner schwärmte: „der Du denen
gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du
der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger
von Göttern...in Dir leben die numina von Jupiter und Hercules - wir rufen Dich
an, wir rufen Dir zu, jeden Sieg zu
erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der praesens deus - weshalb wir uns
nicht fürchten, weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben zu Füßen zu legen
– Heil dir! Deine Herrschaft ist nicht
nur durch die Erdgegenden begrenzt sondern sie reicht darüber hinaus in die
Regionen ewiger Himmel. Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werden, so als
gelangten wir in Deine Gegenwart, stehen wir heute im Adyton - dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere
Treue. Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich.“ (75)
Möglicherweise war Kaiser
Diokletian während dieser Rede gar nicht anwesend, aber in solchem Fall hielt
ein Jupiterpriester das Bild des Imperators
in die Höhe, denn es wurde spätestens seit dieser Zeit geglaubt, dass
der Kaiser und sein Bild eins seien.
Überliefert wurden auch die
Worte: „Deshalb gleiche der Kaiser dem
Gebieter des Weltalls.“ (76) Konstantin wird es vernommen und
verstanden haben. Solche Sätze haben Langzeitwirkung.
Kurz vor dem Ableben seines
schwer herzkranken Vaters, Constantin Chlorus, gelang ihm die Flucht. Er traf
seinen Vater noch lebend an.
Umgehend erhob die Armee Sohn
Konstantin zum Cäsar, in jene Position die sein Vater 13 lange Jahre, in der
von Diokletian geschaffenen Tetrarchie
eingenommen hatte.
Er begründete „seinen Herrschaftsanspruch mit seiner Abstammung vom Staatsgott
Constantius Chlorus, den er divinisieren und konsekrieren ließ.“ (77)
_______________
(75) Alexander
Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer
Zeitenwende“ Walter de Gruyter, 2004, S. 31
(76) ebenda
(77) Manfred
Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich - KGSaur, 2001, S
196 : „Konstantins Vater war Herrscher
auf Erden und ist Gott im Himmel.“
Konstantins Religion
In den ersten Jahren seiner
Herrschaft war Konstantin sich darüber noch
nicht im Klaren mit welchem Titel er selbst leben soll. Noch am Vorabend
der Schlacht an der milvischen Brücke, am 28. Oktober 312 betete er: „Wer bin ich?“ Was hast du mir bestimmt?
Bist du in mir? „Sol Invictus: ich bitte dich, „offenbare mir wer ich bin!
Reichst du mir deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“ (78)
Der Grundwiderspruch lag damit
offen zutage: Er selbst wollte der Sol Invictus sein und betete zur gleichen
Zeit: offenbare du mir die Wahrheit. War er zwei in Eins? Diese Ungereimtheit
sollte in Nicäa, 325, ins Christliche hinein transportiert werden, indem
Konstantin autoritär homousios an die Stelle von homo i usios setzte, (79)
was zur Folge hatte, dass es die Christen verunsicherte. Sollten sie denken:
Jesus habe sich unmittelbar vor seiner Verhaftung und dem schweren Ende seines
Lebens, selbst angefleht? „Vater, wenn es
möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.“ (80)

Invictus verehren.
Unbestritten, Sol Invictus war auch der Gott seines Vaters Constantius Chlorus
gewesen, der sich allerdings Christen gegenüber manchmal tolerant verhielt.
Eusebius bekennt diese wichtige Tatsache in VCI 28: „Konstantin hat (am Abend des 27. Oktober 312) den
Gott
seines Vaters Constantinus Chlorus angerufen.“ Doch derselbe Eusebius von
Cäsaräa schreibt : „Nachdem Kaiser
Konstantin Christ
_______________
(78) Schlange-Schöne
„Konstantin der Große und der Kulturkampf“ 1997 S. 385
(79) Hans Küng,
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“: „Konstantin selber lässt das nachher so sehr umstrittene unbiblische
Wort wesensgleich griech. Homousios lat. ‚consubstatialis einfügen... Die
Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater (der Gott) , wie von
Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt
durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem
Vater“
(80) Matth. 26:
39
(81) Münze Bruno
Blackmann „Konstantin der Große“
Rowohlt, 1996
geworden war, flehte er Gott an, ihm in bevorstehenden Kampf gegen
Maxentius, den Tyrannen von Rom, beizustehen.“ Keinem Christen Roms wäre,
solange er an den Christus der „Frohbotschaft“ glaubte, je in den Sinn gekommen den altrömischen Sol Invictus
anzurufen, wenn er Christus meinte, denn Sol Invictus ist Sol Apollo und dieser
ist Mithra.
Ihre Begleiterin nennt sich
Victoria. Victoria indessen steht für den Sieg im Krieg, während Jesus, wegen
seiner Lehre von der Rechtschaffenheit, der Friedefürst genannt wird. Bis 325
glaubte eine überwältigende Mehrheit der Christen ‚origenistisch’- arianisch ,
dass Gott der Vater und Gott Sohn Jesus Christus zwei unterschiedliche
Persönlichkeiten (Hypostasen) sind, sie
ähneln einander, aber sie sind nicht wesenseins. Jesus sei dem Vater
nachgeordnet (82) ... Aus Konstantins Wirrwarr, entstanden später ‚christologische’
Diskussionen, die sich von einer Übersteigerung in die andere verirrten. Darüber geriet das
Hauptelement des Christentums: die Menschenliebe, oder wie Jesus formulierte: „das Wichtigste, die
Barmherzigkeit“ (83) völlig ins Hintertreffen. Nachfolgender
Mord und Totschlag waren nur die sichtbaren Elemente eines Christentums, das
diesen Namen von da an, wohl nicht mehr verdiente.
Goethe spottet über diesen Raub
des Jota:
„Denn eben, wo Begriffe fehlen, Da
stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit
Worten ein System bereiten,
An
Worte läßt sich trefflich glauben,
Von
einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“ Faust I
Nur ein schnell zupackender
Griff und dann war es eben doch geschehen.
_______________
(82) Handwörterbuch für Theologie und
Religionswissenschaft vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen,
1960, S. 1695 Origenes lehrte: „Rangältester von allen Geschöpfen ist der
ewig aus dem Willen des Vaters gezeugte Sohn Gottes. Er ist dem Vater nur
„gleich“ im Sinne von ähnlich... der
Sohn ist das Abbild (Kolosser 1: 15) geringer als Gott selbst (Joh. 14: 28) an
dessen Gottheit er nur Teil hat und dem er als der“ zweite Gott“ in jeder
Hinsicht subordiniert ist... der Logos, die „Erlösung“... als Logos das Organ
der weiteren Schöpfertätigkeit ...d.h. „Der
Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person.“
Arbeitskreis Origenes. „Origenes lehrte die Trennung Gott Vater -
Gott Sohn - Gott Heiliger Geist.“
R. P. C. Hanson „The Search for the
Christian Doctrine of God“: „Kein
Theologe vor der Entstehung des Arianischen Streits - weder in der Ost- noch in der Westkirche
- betrachtete den Sohn nicht irgendwie
als dem Vater untergeordnet.“
(83) Matth. 23: 23 „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und lasst dahinten
das Schwerste im Gesetz, die Barmherzigkeit.“
Infolge dieses geraubten Jota
verloren die Menschen in den Gemeinden den Frieden. Indem die athansianischen
Fanatiker den Hass predigten, trieben sie den Geist Christi aus ihren
Versammlungen hinaus. Selbst die Reformatoren erwiesen sich später als unbarmherzige
Fanatiker der nicänischen Wortneuschöpfung. Erinnert sei an den berühmten
Entdecker des kleinen Blutkreislaufes, Michael Servet, der 1553, auf Betreiben
des konstantinisch-athanasianischen Reformators Calvin zum Tode verurteilt und
mit ausgewählt grünem Holz verbrannt wurde, nur weil der Gelehrte darauf
bestand, gut arianisch, (=mormonisch) zu sagen: „Gott hat ein Antlitz!“ Er war durchaus nicht der Letzte, der wegen
solcher Überzeugung sterben musste, so, wie der spanische Bischof von Avila,
Priscillian, nicht der Erste war der im Jahre 385 wegen seiner
nichtkonstantinisch-athanasianischen Gesinnung zu Tode kam, indem er in Trier,
mit sechs seiner Glaubensbrüder, enthauptet wurde. (84) Hinter der nicänischen
Neuerung (85) stand die schlichte und doch so komplizierte Frage: ist Gott
eine geistige, ganz und gar formlose Wesenseinheit (griechisch homousios) oder
handelte es sich um ein Gottheit von zwei (oder drei) himmlischen Personen, die
homoiusios waren?
Da damals in der Kirche
überwiegend griechisch gesprochen wurde, ging es also um zwei Begriffe die sich
lediglich durch das kleine I voneinander unterschieden. Presbyter Arius der das
I nicht preisgeben wollte verwies die Wankenden: wenn man das I aus dem Wort
entfernte, dann verlor Gott sein Gesicht.
Wie auch immer, es war ein
Thema, sowohl für die ägyptische Kirche, wie auch für Konstantin, die sich aus
sehr unterschiedlichen Gründen den daraus hervorgehenden Fragen stellen
mussten.
Er konnte sich immer noch nicht
entscheiden: war er selbst Gott per Amt oder gar die Inkarnation des Sol
Invictus?
Irgendwann gelangte Konstantin
zudem zur Einsicht, er bedürfe der
Unterstützung einer Kirche die
ihn auch von seinen zahlreichen Verbrechen reinwaschen konnte. Schließlich
kommandierte er, auf dem von ihm einberufenen und diktierten Kirchenkongress
als Pontifex maximus an, dass die Konkordienformel: fortan „homousios“ zu lauten habe. So, anscheinend mit leichter
Hand, schuf er dann die andere Kirche, ________________
(84) siehe Text
S. 117
(85) : Adolf von
Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990, S. 232: (53) „Die grosse Neuerung, (nämlich das
Athanasium G.Sk.) die Erhebung zweier
unbiblischer Ausdrücke“ (Vater, Sohn und Heiliger Geist sind „unius
substantiae“ G.Sk.) zu Stichworten des
Katholischen Glaubens sicherte die Eigenart dieses Glaubens... Im Grunde war
nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes...
fortan
musste die Kirche die Last einer ihr fremden Glaubensformel
tragen.“
die athanasianische, die
katholische. Es sollte sich allerdings erweisen, dass selbst die willigsten
Bischöfe und schon gar nicht ihre Mitglieder, mit dieser Kurzfassung der Formel
wirklich glücklich leben konnten. (86)
Jahrzehnte sollte es dauern bis
sich wenigstens einige wenige Kirchenmänner beugten und der Unlogik das Wort
redeten. Generationen sollten kommen und vergehen bis es dem kleinen Mann
völlig egal war was die Profis ihnen einredeten.
Es sollten viele Erklärungen
und kleine Zusätze folgen, die mit roher Verbissenheit in jahrzehntelangem
Ringen ausgehandelt wurden. Einigen
konnten sie sich nie.
Bis heute predigen die
Geistlichen nahezu aller Kirchen, wenn überhaupt, einen gesichtslosen ‚lieben’
Gott, obwohl dieselben Prediger individuell einer oft genug enorm abweichenden
Auffassung anhängen.
Die Spanne ist bekannt. Sie
reicht vom totalen Unglauben bis zu den
Vorstellungen die in der alten
Kirche vorherrschten. Das heisst, viele Athanasianer glauben heute regelwidrig
arianisch: Gott und Vater sind zwei unterschiedliche Götter - oder sie umgehen
jede Stellungnahme. Katholische Gesangs- und Gebetsbücher sprechen vermehrt vom
Antlitz Gottes... gut, dass Calvin und Athanasius ihrer nicht mehr habhaft
werden können.
Länger als eine Stunde brauchte
ein alter Jesuitenpater um mir 1967 in Hubertushöhe/ Storkow, auf dem Gelände
des dortigen Klosters der ‚armen Schulschwestern’, - die bis auf eine einzige Ausnahme allesamt
verbissen und unglücklich aussahen, - sein Gottesbild zu erklären. Er malte mit
seinem Stock eine Skizze in den märkischen Sand. Es war ein mathemathisches
Modell, das alles und nichts aussagte. ______________
(86) Ludwig Hertling
SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 73 „Manche Bischöfe waren vom Konzil zu Nicäa unbefriedigt weggegangen.“
Vier Bilder sollen das sehr
theoretisch klingende Problem
veranschaulichen:

nicht missbilligt, solche Deutung zulässt. (87)

(88)
Tatsächlich gestattet die
Theologie der konstantinisch orientierten Athanasianer, Gott quasi
ausschließlich als mathematisches Modell zu denken:
so etwa: (89) oder so :
(90)
Mit solchen In-Etwa-Ideen
konnte Konstantin zwar annähernd seine eigenen Ahnungen ausdrücken, die Bilder
der alten Kirche wie sie Stephanus, Paulus und Jesus selbst zeichneten, sahen
anders aus. Letzlich erzwang Konstantin die Unterschriften der Konzilsteilnehmer,
zur Entfernung des Jota, in der irrigen Überzeugung, nun sei, wenigstens für
die Christen das Problem gelöst. Welch ein Irrtum. Kenner der Szene wie Bischof
Basilius, Teilnehmer des 1. ökumenischen Konzils zu Nicäa
verglich „...die nachkonziliare Situation sogar mit einer Seeschlacht in der
________________
(87)
Wikipedia
(88)
ebenda
(89)
ebenda
(90)
ebenda
Nacht.“.“ (91) Niemand vermochte jemals das Athanasium zu
verstehen: Es gab und gibt wohl kaum Theologen die je konfliktfrei mit dem
Athanasianum lebten. Prosper Alfaric, ein Expriester der Katholischen Kirche,
schrieb: „Man kann einem Christen keinen
größeren Streich spielen, als ihm die Frage zu stellen, was ist Gott?“ (92)
Prof. Bernd Oberdorfer, Augsburg,
gibt zu: „Verlegenheit ist noch das
harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn
die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt,
sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott
einer und drei zugleich ist?“ (93) Viele empfinden es als zumindest
erstaunlich, dass einerseits das Wissen vorhanden ist, dass das Neue Testament
die Trinitätslehre nicht kennt und andererseits die Tatsache, dass ein
Nichtchrist den Christen keine Wahl ließ, indem er diese unverständliche Lehre
für richtig erklärte und anderes nicht gelten ließ. Nicht wenige murrten
gleich, allerdings verstohlen. Dieser Fakt veranlasste den katholischen
Kirchenhistoriker Hertling zu der Bemerkung: „... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen,
gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“(94)
Sol Invictus = Sol Apollo stand schon vor Kaiser Aurelian (214-275) den Römern
sehr nahe. (95) Viele fragen sich, warum in Nicäa 325, ein Mann dominierte,
der noch um seine eigene Gottesvorstellung rang. (96) Er war doch ein Mann
der in ___________________
(91)
Bischof Koch (katholische) Pfarrblätter, vom Oktober
2008.
(92)
„Die sozialen Ursprünge d. Christentums“ Darmstadt,
Progress-Verl., 1963, Vorw.
(93)
„Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004
(94)
L. Hertling „Geschichte der Katholischen Kirche bis
1740“ mit Imprimatur
Romae, 27. Nov. 1981 Morus-Verlag, Berlin S. 76
(95)
Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des
frühen Christentums“
Vandenhoeck& Ruprecht S. 112: „Kaiser Aurelian stellte das Imperium unter
den Schutz des unbesiegten Sonnengottes (Sol Invictus). Mit diesem Gott hatte
er über die Parther gesiegt, dabei ließ er das Bild des syrischen Sonnengottes
nach Rom bringen. Dieser Gott sollte mit dem griech Gott Helios, dem römischen
Gott Sol und dem persischen Gott Mithras identifiziert werden. Der Kaiser
verstand sich als Sohn (emanatio) dieses Gottes und als dessen Stellvertreter
bei den Menschen.“ Der Hinweis, durch William Seston „Verfall des Römischen
Reiches im Westen“ S. 535, dass Konstantin sich fünf Jahre nach dem Konzil zu
Nicäa als Helios darstellen ließ ist beachtenswert...
(96)
Adventskalender 2009 Ruhr-Uni-Bochum:
„Erheblich populärer war zu dieser
Zeit die
Gleichsetzung des orientalischen Mithras mit der Sonne und damit der Idee des
"Guten“. Erst in der schweren Reichskrise des 3. Jh.s blieb es Aurelian
(270 - 275) vorbehalten, als heidnisches Symbol einer Entwicklung zum
"Ein-Gott-Glaube" (Henotheismus) und als religiöse Manifestation der
Reichseinheit den Sol Invictus zeitweilig zum alleinigen Staatsgott und den Tag
der Tempelweihung in Rom, den 25.
Dez. 274,
zum Feiertag zu erheben.“
der Tradition seiner
erzheidnischen Vorgänger stand, die weder verlassen konnte, noch wollte. Der
Name Sol Incictus stand im Innern Konstantins ebenso groß geschrieben, wie im
Bewusstsein Kaiser Aurelians. Kurz vor seinem Lebensende ließ Imperator Aurelian
dem Sol Invictus einen Tempel bauen, „dessen
Reste unter der Kirche San Silvestro
liegen.“(97) Es handelt sich dabei vor allem um den besonderen Geist
dieses Gottes, der ins Fundament der Kirche eingebaut wurde. Man wird eben die
Geister die man rief, nicht wieder los. (Goethe) Das läßt sich nicht leugnen. Die Union der
europäischen Konferenzen der höheren Ordensoberen/innen wagte es sich dieser
Tatsache zu stellen und schrieb 2007 im Internet: „Als die Heiden nach einem Gedanken der Einzigartigkeit der Götter
suchten, dachten sie nicht an Zeus, sondern an Apollo. Der einzige Gott der
gebildeten und fast monotheistischen Heiden, gerade vor dem Aufkommen des
Christentums, war Phebus Apollo oder Sol, der das Leben auf Erden spendende Gott. Aurelian führte einen Versuch
eines solchen heidnischen Monotheismus ein (während Konstantin den christlichen
Monotheismus einsetzen wird) mit Sol Invictus („die unbesiegte Sonne“) und
Mithra bei den Soldaten, um spirituell dem Wedismus der Perser
entgegenzuwirken. Aurelian wünschte,
dass die Römer eine gleiche Religion hätten...“ (98) Nun war aber etwa
drei Jahre vor der Schlacht an der
milvischen Brücke ein bedeutendes Ereignis in Konstantins Leben getreten, mit
dessen Aussage er ebenfalls leben musste: Im Jahr 309, war ihm nach den Worten
und dem Bericht eines Lobredners eine Vision im schönsten Apollotempel Galliens
zuteil geworden. Dort waren ihm Sol Apollo und die Göttin des Sieges, Victoria
erschienen. Sie verhießen ihm eine dreißigjährige Herrschaft, indem sie ihm die
Siegeszeichen XXX gaben. Seine Priester hatten ihm Ähnliches immer wieder
verheißungsvoll eingeflüstert: „Du bist der Sol Invictus, - der unbesiegte
Sonnengott - . An dir haben wir uns aufgerichtet. Du, Augustus, bist es! Du
hast uns erleuchtet.“ (99) In diesen
Zeichen sollst du siegen! Du Konstantin!
Andererseits gab es bei Hofe
und in seinem Heerlager einflussreiche
Persönlichkeiten
wie den spanisch-afrikanische Bischof Hosius und Eusebius von Cäsaräa, die ihn
bekehren wollten. Klug, jedoch nicht immer ehrlich, wenn er zu schmeicheln
begann, doch anscheinend immer in bester Absicht, nutzte Eusebius sich ihm
bietende Gelegenheiten auf gewisse Ähnlichkeiten der Grundansichten hinzuweisen.
______________
(97) Alexander
Demand „Die Spätantike: römisches Geschichte von Diokletian bis Justinius
284-565“ Part III., 1989 S. 56
(98) Dieses
Statement erschien 2008 im Internet nicht mehr
(99) Vittinghof
„Konstantin der Große“
Mit zunehmendem Alter lobte
Eusebius den Kaiser mit umso größerer Ergebenheit. Bis er ihn kurz vor seinem
Ende sogar mit dem Messias vergleicht. Um 335 nennt er Konstantin den ‚Engel Gottes’ den ‚Führer und Herr’, das ‚Werkzeug
Gottes’, das ‚Ähnlichkeiten mit dem Logos’
(Christus) aufweise. (100)
Er brachte damit auch die
fernab vom Hof lebenden Bekenner der Lehre Christi in schwere Verlegenheit.
Seitdem Imperator Domitian (81-96) darauf bestand als „Herr und Gott“ angesprochen zu werden, fürchteten sie sich vor dem
Tag an dem sie „zur göttlichen Verehrung
des Kaisers gezwungen würden.“ (101)
Was sich an jenem denkwürdigen
Tag, dem 28. Oktober 312, am Vorabend der hochwichtigen Schlacht, gegen seinen
Schwager Maxentius zutrug, und was Konstantin wirklich gesehen hat ist noch
immer nicht klar.
Dass, das Rho schon 312 eine
Rolle spielte ist wenig wahrscheinlich, weil es auf den Feldzeichen der Armee
erst 324 erscheint. Es hieß: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Du
Konstantin! Nicht die Kirche. „In hoc signo vincens!“ „Dieses“ Zeichen ist das
des Querholzes über der senkrecht stehenden Lanze als Teil des Feldzeichens
(des Labarums) der Legionäre des römischen Imperiums. Dieses Zeichen wurde seit
Generationen von Kaisern im Feldlager beim Altar aufbewahrt. Später wurde das,
ab 327/328 leicht verändert dargestellte X, als „Christusmonogramm” bezeichnet,
weil nun das griechische P (Rho) mitten durch das X ging. Zu beachten sind auch
die beiden unterschiedlichen Halterungen der Kolossalstatue Konstantins zu Rom,
im Palazzo dei Conservatori, die fragmentarisch erhalten blieb „…und die mit dem von Eusebius beschriebenen
Standbild identisch sein dürfte…ihr „lassen sich gleich zwei rechte Hände
zuordnen. Dieser Tatbestand ist wohl damit zu erklären, dass noch während der
![]()
„Konstantin
ließ lediglich eine Schlaufe an der vorhandenen Senkrechten anbringen.“ Doch trotz
Hinzufügung der Schlaufe bleibt dieses X, das Zeichen des Sol Apollo, das
Konstantin im Apollotempel gesehen hat. Ihm, dem Gott Sol Apollo, schrieb er
seinen militärischen Erfolg zu, wie der Triumphbogen zu Rom beweist. (102)
__________________
(100) Patricia
Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1.
Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ , Franz
Steiner Verl. 2003 , S. 23
(101) Präambel
der Einheitsübersetzung zur Offenbarung des Johannes.
(102) Bruno
Blackmann "Konstantin der Große” Rowohlt rororo 1996, S. 62, 63
Regierung
Konstantins die rechte Hand und damit auch die Insignie, die von dieser Hand
getragen wurde, ausgetauscht (!) worden ist…(denn) das Feldzeichen war in der
römischen Armee ungleich bedeutender als alle Schilddekorationen: Die ganze
Soldatenreligion verehrte Feldzeichen, betete Feldzeichen an, schwor bei den
Feldzeichen, zog die Feldzeichen allen Göttern vor, …Konstantin „machte es für die Christen attraktiver, indem er die
Schlaufe an der senkrechten Linie nun deutlich zum oberen Bogen eines griechischen
Rho (P) umgebildet und damit die neue
Interpretation
als Abkürzung des Namens Christi erleichtert wurde.“ (103)
Üblicherweise glauben Christen,
Konstantin hätte in einer Vision das
Kreuzeszeichen oder das
Chi-Rho als Christogramm gesehen, -
als Zeichen des Christentums. Doch einen
Bezug zum Christentum hatte es von Anfang an nicht. Zahlreiche
Untersuchungen belegen, dass das Chi Rho schon in jüdischen Schriften auftaucht
und die Bedeutung von ‚fertig’ oder ‚brauchbar’ hatte. (104) Eusebius fährt
in seinem fragwürdigen Bericht, den er erst viele Jahre später erstellte fort.
„Während der Kaiser inbrünstig flehte,
erschien ihm (am 27. Oktober) ein wunderbares göttliches Zeichen. Hätte ein
anderer von einer solchen Erscheinung berichtet, so würde man ihm gewiss keinen
Glauben schenken, da sie aber der siegreiche Kaiser uns, die wir diese Geschichte schreiben, lange Zeit nachher, als wir
seiner Freundschaft und seines Umganges gewürdigt wurden, erzählte und seine
Worte durch Eidschwüre bekräftigte, wer sollte da Bedenken tragen, dieser
Erzählung
nicht zu glauben. Er versicherte zur Mittagszeit,
als bereits der Tag sich neigte, schwebte am Himmel ein aus Feuer
_____________
(103) Bruno
Bleckmann "Konstantin der Große” Rowohlt rororo 1996, S. 62, 63
(104) Seeliger
„Die Verwendung des Christogramms durch Konstantin im Jahr 312“ -
Untersuchungen kath. Theol. Uni Tübingen
S. 153, 154, 165: „Das Gotteszeichen wird
bei Laktanz beschrieben „transvere X littera, summo capite circumflexo“ der
quergestellte Buchstabe X wurde an der oberen Stelle umgebogen“ Das ergibt eine
Zeichen das nicht dem uns bekannten Christogramm aus X und P, den Anfangsbuchstaben
von XPICTOC entspricht und deshalb hat man diese Stelle verschiedentlich
mendieren wollen ( als Fehler entfernen oder verbessern wollen). Wie aber die
Diskussion gezeigt hat, ist dies völlig unnötig, denn das Zeichen mit den
quergestellten Balken war durchaus bekannt... wir haben es statt mit einem
Chi-Rho mit einem Tau-Rho zu tun, statt mit dem Christogramm mit dem
Staurogramm. Diese ist um 200 zum ersten Mal belegt... Zweifelsohne war das (mit dem Bogen oben)… nicht das
Zeichen welches Konstantin benutzte. Er benutzte das Christogramm
… dieses Zeichen ist
vorkonstantinisch in vielfacher Weise nachzuweisen, allerdings nicht als Kürzel
des Christogramms... Das Chi-Rho taucht schon in jüdischen (Dokumenten) des 1.
Jahrhunderts auf. Es sagt: fertig oder brauchbar.... Das Kreuz selbst ist in
konstantinischer Zeit noch nicht unter die Kaiserinsignien aufgenommen
worden.“
bestehendes
Kreuz, über der Sonne. An ihm sei die
Inschrift befestigt gewesen: "In diesem Zeichen sollst du siegen!"
("In hoc signo vincens!") Mit eigenen Augen hätte er das gesehen.
Über diese Erscheinung habe ihn und das ganze Heer, welches ihn auf seinem
Marsche begleitete und das Wunder schaute, Staunen ergriffen. Mit Tagesanbruch
stand der Kaiser auf und teilte seinen Freunden das Wunder mit. Darauf ließ er
Goldarbeiter und Juweliere kommen, setzte sich mitten unter sie, beschrieb
ihnen die Gestalt des Zeichens und befahl ihnen, in Gold und Edelsteinen
dasselbe nachzubilden... Dieses Zeichens unseres Erlösers bediente sich der
Kaiser später als Schutzmittel gegen jede sich ihm entgegenstellende
feindliche Macht und
ließ es später
allen seinen Heeren vorantragen.“ (105) Prof.
Stemberger wiegelt ohnehin ab: „Eusebius‘
Bericht über die Anfertigung des Feldzeichens lässt sich kaum mit der Situation
unmittelbar vor der Schlacht gegen Maxentius in Einklang bringen..." (106)
Vor 326 kennt niemand diese Geschichte. 14 Jahre Schweigen, bei solcher
Wichtigkeit des Ereignisses? So oft kommt das ja nicht vor, dass Gott vom
Himmel herab eine Botschaft sendet. (Auch wenn Kaiser Konstantin es gewohnt war
mit den Unsterblichen, z.B. im Apollotempel umzugehen.)Vittinghoff korrigiert
denn auch Eusebius dahingehend: Konstantin hat sich „...in den vielen Selbstzeugnissen, die seinen unmittelbaren Umgang mit
Gott und seine göttliche Auserwähltheit betonen, nie auf das gallische
Lichtwunder berufen ... Konstantin hat im Jahre 312 keine ‚Bekehrung‘ im Sinn
eines plötzlichen inneren Wandels seiner religiösen und geistigen Haltung
erlebt, jedoch unbestreitbar von Anfang an dem Kreuz (X, G. Sk.) als magisches Zeichen der göttlichen
Hilfe
den Sieg an der milvischen Brücke (Ponte molle) zugeschrieben....” (107) Raffael
malte was Zeitgenosse Eusebius von Cäsaräa in seiner
Kirchengeschichte schildert:
„En touto nika“
![]()
Konstantin und seine Armee so und direkt neben der Sonne
nicht gesehen haben. Kein Soldat hat je davon berichtet.
Der moderne Konstantin-Historiker
Ramsey
MacMullen,
schrieb: "If
the sky writing was witnessed by 40,000 men, the true miracle lies in their
unbroken silence about it" (108)
(105) H. J.Friedrichs, "Weltgeschichte eine
Chronik" Naturalis Verlag, S. 72-73 (106) Stemberger, „2000 Jahre
Christentum", Karl Müller Verlag Erlangen S. 162:
(107) Vittinghoff,
„Konstantin der Große“ , 1966
(108) Ramsey
MacMullen, Constantine, 1969
In diesem Zeichen wirst du, Konstantin, siegen! Du! Vielleicht hat er nur geträumt oder andere
haben ihm einen Traum eingeredet. Einige Historiker glauben, nicht im Jahr 312,
sondern erst unmittelbar vor seiner Entscheidungsschlacht gegen Mitkaiser und
Schwager Licinius, 324, könnte Konstantin etwas Kreuzartiges am Himmel wahrgenommen
haben. Das würde erklären,
warum die ersten Münzen mit dem sogenannten
Christusmonogramm erst in dieser Zeit geprägt wurden.
Andererseits könnte er doch
schon, im Oktober 312, unter Anleitung ein gewisses Sternbild betrachtet haben.
Dann ließe sich unterstellen, dass auch die Soldaten die auf dem bloßen Feld
kampierten - wenn auch unbewusst - dasselbe gesehen haben. Dann könnte man
Eusebius sogar wenigstens teilweise Glauben schenken.
- trotz nicht weniger Bedenken
die ihn gelegentlich anschlichen. Wie er
selbst nach der großen Wahrheit strebte, so möge jeder für sich selbst
herausfinden, was ihm mehr einleuchtet,
und demgemäß darf jeder römische
Bürger die Religion wählen die ihm als die richtige erscheint. Das würde er
gewähren, allerdings unter einer Voraussetzung, natürlich, jeder Freie muss
bedingungslos anerkennen, dass er Kaiser und Herrscher von Gottes Gnaden ist,
nämlich „Gottes Stellvertreter auf Erden.“
(110)
Man hatte ihm mitgeteilt: als Cäsar Galerius, der große Ziehsohn Diokletians
vor einem Jahr starb, lauteten seine letzten Worten richtungweisend und wider
alles Erwarten klar: ‚Sagt dem Christen
Laktanz, seine Gebete mögen dem helfen, der mir nachfolgt“ (111) wenngleich kaum
jemand die Christen mehr gehasst hatte als Diokletian
und Galerius. „Sol Apollo, Du gabst mir die Verheißung drei voller Jahrzehnte
meiner Herrschaft. Drei Jahre ist es her. Ich bedarf deines Segens mehr denn
je!“ Konstantins Gebet, von Eusebius von Cäsaräa
________________
(109) Prof.
Wolmeringer verweist in Konstantin der Große“ auf diese von Heilland, 1948,
errechnete Sternkonstellation in Professorenforum- Journal 2001
(110) Frank Kolb
„Herrscherideologie in der Spätantike“ Akademiev.Berlin 2001, S. 68 (111) ....
???
übermittelt, besagt, es sei
Christus gewesen, an den er sich wandte. Doch das ist völlig unglaubwürdig. Ihm
war klar, dass auch sein Schwager und Rivale im Rennen um die Weltmacht,
Maxentius von Rom, Sol Invictus, Mars und Victoria um Hilfe bittet. Auch Maxentius
glaubte, dass sie ihm innewohnende Numen sind. Konstantin sah die Widersprüche
und war dennoch überzeugt, dass Sol Invictus und Victoria dem Besseren, dem
Toleranteren, dem der mehr Tugend beweist, den Sieg geben würde.
Immer wieder mussten ihm in
diesem Zusammenhang die Christen in den Sinn kommen. Ihre Hochherzigkeit, ihr
Bestreben tugendhaft zu leben fielen auf. Darüber hinaus weiß er, dass sich
auch sein Todfeind Maxentius um die Gunst der Christen bemühte. „Maxentius hatte die Christenverfolgungen
eingestellt und der römischen Kirche ihren Grundbesitz zurückerstattet.
Allerdings Maxentius sah sich beträchtlichen
Wirren
und zum Teil blutigen Kämpfen innerhalb der Christengemeinden
Roms
konfrontiert und deshalb gezwungen die Bischöfe Marcellus (307309) sowie
Eusebius (309) in die Verbannung zu schicken.“
(112)
Auch seine Bischöfe zankten
sich, das ist wahr, aber sie würden ihm gehorchen, das kalkulierte Konstantin
ein. Er ahnte, er werde ihrer Unterstützung noch sehr bedürfen. Allerdings von
blutigen Kämpfen innerhalb christlicher Einheiten hatte er in seinem Herrschaftsbereich
selbst nur wenig bemerkt. Die besseren
Christen befanden sich also an seiner Seite. Er konnte nicht ahnen, dass bald
nach seinem Ableben, eine bestimmte Christensorte, nämlich solche, die er erst groß
machen sollte, die anderen Christen, der angestrebten Vormacht wegen,
ungestraft mit Knüppeln und Äxten totschlagen werden.
Eusebius könnte Kontakte zur
Mutter des Kaisers gepflegt haben, Er wird ihr suggeriert haben: Die Kreuze die
dem Imperator gegeben wurden, würden seiner Meinung nach eher auf den
gekreuzigten Jesus Christus hinweisen. Es sei noch einmal festgehalten, vor der
Zeit Konstantins gab es in der gesamten Christenheit keine Kreuzesverehrung, -
Predigten über den gekreuzigten Jesus gehörten dagegen sehr wohl zu den
Gottesdiensten, wenn auch noch nicht in jener Weise, die in der Reichskirche
üblich werden sollte. Es lag allen Jesusnachfolgern fern, das Todesinstrument
zum Gegenstand andächtiger Betrachtung zu machen. Andererseits gab es einige
Andeutungen, Christensoldaten hätten sich schon um 299 Kreuze auf die Stirn
malen lassen. (113) War das nur ein Gerücht?
_______________
(112) Karl Christ
„Geschichte der römischen Kaiserzeit“ C,H. Beck, 2002, S. 737
(113) A. Demand
„Die Spätantike: römisches Geschichte von Diokletian bis Justinius“
Part III., 1989 S. 66: „Das
war nach römischem Recht ein strafbarer Fall von Zauberei.“
Andere fragten später, zu
Cyrills Zeiten, nach dem Konzil zu Ephesus, 431: wäre Jesus geköpft worden,
befände sich dann ein Schwert an Stelle eines Kreuzes? Konstantin hatte in den
Jahren in Nikomedien gesehen, wie viel Kraft die Jünger Christi in den Tagen
harter Verfolgung und Folterungen entfalteten, wenn sie den Gekreuzigten
anriefen. Das sagte ihm sehr zu. Das
Kreuz selbst schien anzudeuten, dass sein Mittelpunkt eine Verschmelzung
symbolisiere. Hier liegt die Nahtstelle zwischen echtem Christentum und der
Kreuzesreligion der Paganen. Kreuzzeichen gab es schon seit langem in der
Armee. Auch war der Gedanke nicht neu eine Symbiose von Staat und christlicher
Kirche herbeizuführen. Er wurde auf beiden Seiten entwickelt, doch bis
Konstantin immer wieder verworfen. Die Idee blieb. Sie war verlockend, denn
jeder Staat benötigt ein stabiles Fundament, das nicht allein aus militärischer
Macht und Verwaltungsstrukturen bestehen kann, sondern in den Köpfen und Herzen
der Menschen muss jene Ordnung herrschen, die der Kaiser bestimmt. Nicht viele
Religionen, sondern möglichst nur eine, nicht mehrere Götter, sondern nur einem
Einzigen, sollten Roms Bürger anhängen. Einige Kirchenpolitiker vom Typ des
nach Nicäa verstärkt aufkommenden Konjunkturchristen hegten schon lange die
Absicht, das Ideal einer ‚christlich-staatlichen’ Einheitsreligion
durchzusetzen. Sowohl Callist I., einer der römischen Bischöfe, angeblich
„Papst“ von 217 bis 217, als auch seinem Vorgänger Zephyrinus 199 bis 217 sind
solche frühzeitigen Händel mit dem Ziel einer Vermischung von Staat und Kirche
zuzumuten. Noch waren es erste, zaghafte Versuche. Aber in eben dieser Zeit,
etwa einhundert Jahre vor Nicäa, begann es. „Callistus
versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte
Kirche zu mehren...“ Das sind Bestrebungen die durch nichts gerechtfertigt
waren, die jedoch verrieten um was es diesen Männern ging. Wenn es allerdings von einem Ort abhinge dem das Primat zustünde
müsste es Jerusalem sein. (Küng)
„...Callistus war der Überlieferung zufolge ein von Juden verbannter
Sklave, der zunächst mit betrügerischen Bankgeschäften von sich reden machte.
Der erste Gegenpapst der
Kirchengeschichte, Hippolyt, erhob sich gegen ihn und beschuldigte ihn... eines
unlauteren Vorlebens und der
Unzucht
...“ (114)
Um 200 verfasste Felix Minucius
seinen Aufsatz "Dialog Octavius". Er schrieb was er davon hält, das
Kreuz an dem Jesus starb und das Kreuz der Kaiser und ihrer Legionen
miteinander in Verbindung zu bringen und beide, als Mix, zum Gegenstand auch
ihrer Verehrung zu machen: „Kreuze beten
wir nicht an und wünschen sie nicht. Ihr allerdings, die ihr hölzerne _____________
(114) Ökumenisches
Heiligenlexikon:
Götter
weiht, betet vielleicht hölzerne Kreuze an als Bestandteil eurer
Götter. Was sind sie denn anderes die militärischen Feldzeichen und
Fahnen als vergoldete und gezierte Kreuze? Eure (!) Siegeszeichen haben nicht
bloß die Gestalt eines einfachen Kreuzes, sondern sie erinnern auch an einen
Gekreuzigten... bei euren religiösen Gebräuchen kommt (das Kreuz) zur
Verwendung.“ (115) Er sah anscheinend eine negative Entwicklung
voraus. Die Basis jenes Streben war das von Jesus ausdrücklich verurteilte.
Noch kurz vor seiner Kreuzigung vor Pilatus stehend beteuerte der Erlöser: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre
mein Reich von dieser Welt, würden meine Diener kämpfen, nun ist aber mein
Reich nicht von dieser Welt.“ (116) Interessant ist, dass ihm die weltliche
Macht gleich zu Beginn seiner Laufbahn, als Rabbi, von seinem Widersacher
angeboten wurde: „Das ‚alles’ will ich
dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst…“ (117) Ein Niederfallen vor
einem Kaiser brächte den kompromissbereiten zwar die Machtteilnahme, aber die
Kirche würde aufhören, das Licht der Welt
zu sein. Wie sehr es den frühen Christen darum ging Jesu Willen zu tun und
nicht den der Herrschenden, geht aus dem gesamten Geschehen hervor. Das
missfiel auch den ‚christlichen’ Kaisern von Anfang an. Ihre Untergebenen
sollten nicht nachdenken, sondern parieren. Die Tapferen ließen sich ihr Recht
nicht nehmen. Was in den Ältestenkollegien diskutiert wurde, ist dennoch
weithin unbekannt. Nur gelegentlich, wie im Streitfall zwischen dem
alexandrinischen Bischof Alexander um 318 und seinem Presbyter Arius (260-336),
erfahren wir etwas mehr. Hinzukommt, dass viele Dokumente, auch aus der
vorkonstantinischen Ära, vernichtet oder von den Fälschern „bereinigt“ (118) wurden, um
die von Konstantin gezeichnete Linie nicht zu gefährden. Lange Zeit stemmten
sich die meisten Mitglieder der Gemeinden, wenn auch vergeblich, gegen alles,
was sie als Widerspruch zu ihrer Religion empfanden. Das brachten die Mutigen
auch zum Ausdruck. Deshalb verbot Kaiser Markion 451, als Konzilsvorsitzender
in
Chalkedon,
den Gläubigen das Denken und Diskutieren ganz und gar. (119) Es wäre interessant Briefe der Nichtbischöfe
zu lesen die zwischen 200
_______________
(115) Stemberger
„2000 Jahre Christentum“, Karl Müller Verlag, Erl. 1990 S. 146.
(116) Joh. 18 :
36
(117) Matth.4: 8
u 9
(118) Thomas
Frenz „Papst Innozenz III. Weichensteller der Geschichte Europas“ Franz Steiner
Verlag Stuttgart, 2000, S. 133 „...im Mai 1198, hat er an der Kurie selbst eine
ganze Bande von Urkundenfälschen ausgehoben...“
(119) K. Leo
Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum“ Studien, Akad. Verl.
2001 S. 44 : „Das Verbot gilt
gleichermaßen für Kleriker, Staatsbedienstete, Freie und Sklaven, die bei
Verstoß entsprechend differenziert betraft werden.“
und 400 geschrieben wurden. Nachdem Konstantin gesiegt
hatte, veröffentlichte er 313 das Mailänder Toleranzreskript, d.h. er erneuerte
das seit 311 bestehende Toleranzedikt des Kaisers Galerius. „Nachdem
wir beide, Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius, durch glückliche Fügung bei
Mailand zusammenkamen, um zum Wohle aller ... zu regeln ... sowohl den Christen
als auch allen Menschen freie Vollmacht
zu gewähren ... ihre Religion zu wählen ... damit die himmlische Gottheit uns
und allen ... gnädig und gewogen bleiben kann... In der Erkenntnis, dass die Religionsfreiheit nicht verwehrt werden
dürfe“ (120) Damit gewann er das Vertrauen der Christen und der Paganen.
Bald allerdings wird er selbst das absolute Machtzentrum sein und festlegen,
was er unter Religionsfreiheit versteht. Himmelszeichen natürlicher Art, sind
die eine Seite, eine ganz andere ist
ihre Deutung, falls es überhaupt etwas zu deuten geben sollte. Vetranio der nur
zehn Monate lang römischer Kaiser war, - von März bis Dezember 350 - soll „die Erscheinung eines mehrere Stunden lang
sichtbaren, kreuzförmigen Himmelszeichen über Jerusalem“ gesehen haben, aber
für die Kirche hat er nichts bewirkt, zudem war er mit Kriegen beschäftigt.“ (121) Auch
Vetranio wurde dieselbe Verheißung wie Konstantin gegeben: In diesem Zeichen
sollst du siegen... nur, wie gesagt, es galt ihm persönlich (122)
![]()
Waren das nicht die Worte, die
angeblich Kaiser Konstantin als Worte seines Gottes vernommen hatte? Auch da hieß es: „Dieses
Zeichen unseres Erlösers…“ Von dieser Zeit an hätte Konstantin sich zunehmend
christenfreundlich verhalten? Nur, dann erhebt sich die Frage, warum lautet
eine der gängigsten Konstantin-Legenden, die während einiger Jahrhunderte
gepredigt und verbreitet wurde, völlig anders?
„... Der __________________
(120) Stemberger
„2000 Jahre Christentum“ K.Müller Verlang Erlangen 1990 S. 163
(121) Manfred
Clauss „Die römischen Kaiser“ „55 historische Portraits von Cäsar bis
Justinian“ C.H.Beck, 2005
(122) Münze Bruno
Blackmann „Konstantin der Große“
Rowohlt, 1996
Kaiser (es wird von Konstantin
gesprochen! G.Sk.) habe als Heide zu Rom
grausam die Christen verfolgt und sich, zur Strafe vom Aussatz befallen, nach
einem Traumgesicht an den auf den Berg Soracte geflüchteten Papst Silvester
gewandt und Heilung erlangt, als er
sich von Silvester taufen ließ. Zum Dank habe er ... Kirchen gestiftet und den
römischen Bischof zum Oberhaupt der Geistlichkeit bestimmt... Diese in den
Actus Silvestri wohl am Ende des 4. Jahrhunderts in Rom niedergelegte Legende
fand in lateinischen, griechischen und orientalischen
Fassungen große Verbreitung und ist sowohl in die Symmachianischen Apokryphen
vom
Ende
des 5. Jahrhunderts (z.B. Constitutum Silvestri) als auch in den Liber
Pontificalis eingegangen.“(123) Silvester I., der 33. in der Reihe der ‚Päpste’, dessen angebliches Pontifikat von 314-335 dauerte, weiß weder etwas von einer
Heilung Konstantins, noch von der Taufe, er weiß nichts von Konstantins
Kreuzesvision vom Jahr 312, ihm ist nichts von einer Übereignung des
Lateranpalastes an die Kirche bekannt, die auf 312 datiert wird. Bereits
‚Papst’ Miltiades der 311 Papst wurde und bis 314 amtierte, hätte eine Fülle
von Akten hinterlassen müssen. Aber es liegt nichts vor. Das Ökumenische Heiligenlexikon schreibt: „Miltiades wurde 311 ...Bischof. Verdienst erwarb er sich in der
Bekämpfung des Montanismus.“ Mehr weiß es nicht zu berichten, und von
seinem Nachfolger heißt es nur: „Silvester I., (war) Bischof von Rom, ... (jedoch ) Über sein
Leben und Wirken ist nur wenig bekannt, es fehlt jeder schriftliche Nachlass...“
(124)
Jedoch gemäß katholischem Legendengut wird Silvester 314 von
(125)
(126)
(127)
___________________
(123) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz (124) ebenda
(125) Silvester
zieht in Rom ein und wird von Kaiser Konstantin empfangen. Fresko,
1246, in der Silvester geweihten Kapelle der Kirche SS.
Quattro Coronati in Rom .
(126) Kölner
Werkstatt: Silvester wird durch Konstantin als Papst gekrönt. Detail von
der nördlichen Chorschranke im Dom in Köln, um 1332
(127) Fresko:
Silvester bekommt von Konstantin die Papstkrone und einen Schimmel überreicht,
1246, im Kloster SS. Quattro Coronati in Rom
Kaiser Konstantin zum ‚Papst’,
gekrönt, zum Dank dafür, dass dieser ihn heilte. Konstantin hätte dem Papst
einen Schimmel geschenkt.
Im Gedächtnis nicht weniger
Mönchs- und Bürgergenerationen wurden diese inkorrekten, für einen bestimmten
Zweck frei erfundenen Überlieferungen festgeschrieben. Die Absicht verstimmt.
Der Mangel an Dokumenten und an historischer Wahrheit im Sinne Roms wird
bereits kurz nach Nicäa deutlich empfunden.
Konstantin sei der Mann der dem
Christentum zum Sieg verhalf? War es nicht vielmehr so, dass er stets nur
seinen sehr persönlichen Sieg suchte und zwar mit Hilfe jener Christen die
willens waren zur gleichen Zeit zwei Herren zu dienen – und die ihm bald wie
ihrem eigenen Gott Ehrfurcht erwiesen?
Am Tage der feierlichen Einweihung
Konstantinopels, am 11. Mai 330, - 5, bzw. 3 Jahre nach Nicäa gab es zu seinen
Ehren „Festspiele im Zirkus. Soldaten mit
Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in der Haltung und im Gewand
des Sonnengottes darstellte, durch das Spalier
kniender Menschen und am Fuße der Porphyrsäule, auf die sie hinaufgeschoben
wurde ließ man Weihrauch verbrennen… im Sockel der Konstantin-Helios Statue,
auf dem Forum wurde das solange und so ehrfürchtig gehütete Palladium der
Vestallinnen (Priesterinnen der römischen Göttin des Herdes) aufbewahrt… Dieses
war das Unterpfand des göttlichen Schutzes des Reiches, und der Kaiser selber
betrachtete sich als seinen Hüter.“ In seiner Hauptstadt „wurde (auch) eine Statue der Glücksgöttin
Nike (=der römischen Victoria) errichtet, Kaiser Konstantinließ sich mit dem
Zepter, der Lanze, der Siegesgöttin Nike und dem Reichsapfel darstellen.“ (128)
„Seit der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts
entwickeln sich christliche Legenden“ (129) Viele waren
fasziniert von der Allmacht ihres Kaisers, vor allem diejenigen die von dem
Ausbau des Neuen Rom profitierten.
„Wenn
wir die Ebene der theoretischen Erörterungen verlassen und uns den Glauben der
‚kleinen Leute’ anschauen, dann verwischen sich die Unterschiede zwischen
paganaer und christlicher Frömmigkeit rasch, dann erfährt Konstantin göttliche
Verehrung von Anhängern der alten heidnischen, wie der neuen christlichen
Kulte.“ (130)
___________________
(128) William
Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“ S. 535
(129) Karl-Leo
Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum Studienbücher
Akademie-Verlag 2001
(130) Manfred
Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich - KGSaur, 2001, S
205
Das ‚Salz der Erde’ oder das
‚Licht der Welt’ (131) bewirkte nicht das, wozu Jesus sie bestimmt
hatte, sondern umgekehrt; die Umwelt dunkelte zunehmend das Christentum ab.
Nicht die Christen gewannen an Wirkkraft sondern die Anhängerschaft des
neuartigen Religionsgemenges. Nicht die Verinnerlichung des Guten nahm auf
diese Weise zu, worauf es den Ersten Christen ankam, sondern die
Veräusserlichung, - das Kultische - . Anscheinend starrten selbst sonst
scharfsichtige Christen nur aufs Fell, statt den zu erkennen der darunter
steckte. War es damals tatsächlich unmöglich Konstantin zu durchschauen?
Konstantin vermochte es, zu
blenden und Optimismus zu verbreiten. „Nach
übereinstimmendem Zeugnis byzantinischer Geschichtsschreibung gab Konstantin
bei der Einweihung ...der Stadt Konstaninopel dieser den Namen Anthousa, die
Blühende... unter dem griechischen Namen... weihte Konstantin seine neue Stadt
auf geheime Weise der römischen Stadtgöttin Flora“ (132) Es war eine Zeit
der Blüte, dem goldenen Zeitalter Spaniens vergleichbar, die Karl V. und
Philipp II. ihrem Weltreich bescherten, über dem nie die Sonne unterging. Doch
hier wie da war es derselbe auf rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen
anderer Völker und der Schwachen innerhalb der Grenzen herrührende Glanz. Der
Anschein trog, und verführte. Konstantin selbst schlief schlecht, solange es
Personen gab die seinen Rang gefährden konnten. Auf ihre Geschäfte bedachte
Christen fanden all diese Widersprüche nicht aufregend.
Vor allem in der Ostkirche
ahmten sie ab dem 5. Jahrhundert seinen Stil zunehmend nach. Bis heute nähert
sich der schlichte Gläubige einem griechischen Bischof in Kriechhaltung, der
Proskynese, während der Kirchenfürst auf dem kostbaren Stuhl thront.
Nachdenklich macht immer
wieder, das Bemühen nicht weniger Autoren, in Konstantin einen Förderer des
Christentums zu sehen. Allzu deutlich liegt auf der Hand, dass er ein
Doppelspiel zugunsten seines immerwährenden Gottstatus, trieb. Auf Seiten der
Paganen, sowie der Christen gab es dennoch
Leute die ihn als ihren Feind erkannten. Er änderte alles. Kraft seiner
außergewöhnlichen Autorität presste Konstantin sowohl den Geist, wie die
Inhalte des Heidentum ins Zentrum des Christlichen.
Gold kann man nicht veredeln,
aber verunreinigen.
Bereits bei Grundlegung des
‚Neuen Rom’, - Konstantinopel - einer erheblichen Erweiterung des alten Byzanz,
die angeblich erfolgte, weil ihm ‚Gott’ in einem Traum erschienen sei und das
gewollt habe... „assistierte ________________
(131) Matth. 5:
13-14
(132) Hans
Reinhard Seeliger Untersuchungen „Die Verwendung des Christogramms im Jahre
312“ kath.theolog. Uni Tübingen S. 165
ihm
eine Schar heidnischer Priester bei der Zeremonie.... Als oberster Priester (des
Sol Apollo – Helios – Mithras, und nicht des Christus G.Sk.) umschritt Konstantin die projektierte
Stadt. Mit einem Stab zeichnete er die Stadtgrenze in den Boden... Seiner auf
dem Reißbrett entstandenen, nach den städtebaulichen Idealen der Spätantike
gebaute Stadt, versuchte Konstantin durch antike Bildwerke das Antlitz einer
gewachsenen Struktur zu geben. ... Aus dem ganzen Land ließ er Kunstwerke zur
Ausschmückung bringen. Tempelstatuen und Weihgeschenke wurden ihres religiösen
Sinns entweiht. ... Dieser Vorgang wurde zuweilen als ein „schändlicher und
massenhafter Kunstraub der Geschichte“ kritisiert... Indiz für das Weiterleben
heidnischer Traditionen in der angeblich christlichen Stadt.“ (133) Eigentlich müsste man es ihm zugetragen
haben, dass ihn selbst einige seiner Senatoren kritisieren, den Dioskurentempel
zu aufwendig finanziert zu haben, andere hingegen lobten ihn dafür. Konstantins
Religion ließ aber nicht zu, dass er die Wirkkraft irgendeines Numen leugnete.
Die Dioskuren sind Zeussöhne und Reitergottheiten. Sie kämpften an Konstantins
Seite... „...die beiden jugendlichen
Reitergottheiten hatten ‚Rom’ schon oft geholfen und sind seine Schlachthelfer im Krieg gegen (Schwager)
Licinius gewesen, folglich waren sie auch als Schutzgötter des
‚Neuen Rom’ geeignet... Christen und Heiden erhielten in der neuen Hauptstadt
einen gleichberechtigten Status.“(?) (134)
„Es wird berichtet, dass die
Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule... von Heiden und wie Christen
verehrt wurde und letztere versuchten das Bild Konstantins ... mit Opfern
gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren, (sie) beteten ihn wie einen Gott an und
leisteten Fürbitten die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten...
Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als
Sonnengott...“ (135) Zunächst wollte er nur Christi Stellvertreter
sein, dann gelangte er zur Überzeugung er sei auch Jesus Christus. Die Forschung
stellt nur sachlich fest: „Konstantin
wollte sich erst spät, gegen Ende seines Lebens taufen lassen... im Jordan...
wo schließlich auch der getauft worden war, der er sein wollte: Christus. Ob
Konstantin je getauft wurde wissen wir nicht.“
(136)
_______________
(133) Monika
Schuol, „Constantinopolis – die Stadt Konstantin des Großen“ FU Berlin, 2004
(134) Manfred
Clauss „Konstantin der Große und seine Zeit“ S. 91 (Status???)
(135) Frank Kolb
„Herrscherideologie in der Spätantike“ Akademieverlag, Berlin, 2001 S 83-84
(136) Manfred
Clauss „Kaiser und Gott“, Herrscherkult im römischen Reich KGSaur, 2001, S 459
Alle Umstände, sogar die über seinen
Tod hinausreichenden bestätigen, dass er der ewige Gott der Christen sein
wollte. „Er selbst hat … den Platz
(seiner letzten Ruhestätte) ausersehen... Die eigentliche Beisetzung wird dann
durch Constantius vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg
in die Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen, dass der Wert der Gebete die hier zu Ehren
der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugute kommen. Deshalb ordnete er an,
hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten hinein... (137) ... so, wie sonst Christus in der Mitte der
Apostel steht… Zwölf Grabmäler wie
heilige Säulen richtete er dort auf zu Ehren und zum Gedächtnis des
Apostelchors; in die Mitte aber stellte er seinen eigenen Sarg, auf dessen
beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden.“(138)
Gewollt oder nicht, Konstantin
stiftete gegen Jesus nicht nur eine neue ‚Gottesdienstordnung’ die teilweise
bis heute Bestand hat, aber aus vielen Gründen keinen Bestandsschutz verdient,
sondern er schuf eine völlig neue Religion, der er lediglich den christlichen
Mantel umhängte.
„Konstantin
ordnete an, (dass in seinem Mausoleum G.S.) Kirche
gehalten
wird. Er ließ einen Altar (139) hineinstellen...“ (140)
Weil er persönlich verehrt
werden wollte, hatte Kaiser Konstantin den Altar in die Kirche gestellt. Er ist
der Täter, Christus das Opfer.
Dörries fügt diese Bemerkung Otto
Weinreich’s aus „Konstantin der Große“ an: „Wie
die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die
ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag… stellte …man in die Mitte zwischen die zwei
Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“
Er (Weinreich) versichert, „darüber kann
kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden
wollte und dass an dem Altar für ihn ____________
(137) Bertelsmann-Universal-Lexikon
„Bis ins 3. Jahrhundert gab es im
Christentum keinen Altar.“ Da liegen die Wurzeln für die katholische Messe,
(die das alte Christentum nicht kannte, sondern statt dessen das
Abendmahl). Jahrhundertelang wurden
deshalb in den Kirchengebäuden an vielen Altären gleichzeitig Messen gelesen,
auch wenn keine anderen Teilnehmer als die lesenden Priester anwesend waren.
K-P. Hertzsch, „Theologischen Lexikon", Union –Verlag, Berlin, 1977. S.13:
„Es geht um das Sitzen um den Tisch.
Wobei wieder deutlich wird, dass es in einer christlichen Kirche eigentlich
keinen Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch.“
(138) Hermann
„Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins", 1954, Göttingen, S. 416 ff.
(139) Anton
Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“
Vandenhoeck& Ruprecht S. 91 „Ab dem 4. Jahrhundert finden wir feste
Altäre und Opfertische
(140) Heinz Kraft
Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“, Heidelberg Uni
Greifswald, 1954 S. 156
und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte.“ (141)
Dörries erwähnt auch die Arbeit von A. Heisenberg „Grabeskirche und
Apostelkirche, zwei Basiliken“
Konstantin I., Leipzig 1908, mit dem Zitat: „An
der Spitze der Apostel wollte er ruhen, der divus imperator, der den
christlichen Staat gegründet, wollte begraben und nach seinem Tode verehrt sein
nicht anders als der Sohn Gottes, der die christliche Religion gegründet
hatte." Schließlich „wurde
Konstantin nicht nur divinisiert, sondern auch konsekriert“ (142) Eusebius
von Cäsaräa hat, obwohl Arianer und hoch gebildet, seinen Beitrag zu dieser
Entwicklung geleistet. Er war wohl der Erste unter den bedeutenden Christen
seiner Zeit der den Mann der Schlachten und der rücksichtlosen Machtausbreitung
sowie der gnadenlosen Machtbewahrung maßlos hochlobte. Andererseits hat
Konstantin nichts was seinen Zielen dienen konnte, jemals verschmäht. In diesen Zeichen sollst du siegen! Du
Konstantin. Es gab bei Hofe und auch in seinem Heerlager mehrere einflussreiche
Persönlichkeiten die sich zu Christus bekannten, wie den spanisch-afrikanischen
Bischof Hosius, die ihm ihre Loyalität erwiesen. Ihre Sympathie für sein Tun
konnten einige anscheinend konfliktfrei äußern, weil ihr Wunsch darauf
gerichtet war, den Kaiser zu bekehren. Geradezu euphorisch (143)
wird Eusebius, später, den
Beginn
des wichtigsten, weil folgenreichsten aller Konzilien mit den Worten
beschreiben: „Nun trat der Kaiser selber
mitten in die Versammlung (der
Konzilsteilnehmer zu Nicäa, 325) wie ein Engel Gottes vom Himmel her, leuchtend
in seinem glänzenden Gewande wie von Lichtglanz, strahlend in der feurigen Glut
des Purpurs und geschmückt mit dem hellen Schimmer von Gold und Edelgestein…“ (144) Man
meint eine Steigerung sei nicht mehr möglich. Eusebius konnte sich, wie sein
Herr, nicht mehr zurücknehmen. Fünf Jahre nach Nicäa berichtet er „ausgesprochen billigend, dass auf Beschluss
von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde angefertigt wurde, auf
welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe thronend dargestellt
wurde. (145) Eusebius scheute nicht zurück. Viele Standhafte zerbrachen,
weil sie sich nicht verbiegen lassen wollten. Nachdem bedeutende Kirchenführer
in ihrem Denken Konstantins Herrschaft über sich anerkannten, etwas das die
___________________
(141)
Hermann Dörries, „Das Selbstzeugnis Kaiser
Konstantins", 1954, Göttingen
(142)
Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im
römischen Reich - KGSaur, 2001, S 203
(143)
Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und
christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu
Konstantinopel (381)“ , Franz Steiner Verl. 2003 , S. 23 Er nennt
ihn: „den Engel Gottes“, „den Führer und Herr“...
(144)
Hanns Joachim
Friedrichs „Weltgeschichte eine Chronik“
(145)
F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“
Akademieverl., Berlin, 2001 S 69
ersten Christen enorm standhaft
verweigert hatten, obwohl ihnen das seitens der Behörden vehement zugemutet vollzogen hatten,
rechtfertigten sie diesen Schritt mit gewagten Konstruktionen: „Das irdische Imperium Romanum (sei), allein
von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der
Diener Gottes, sondern auch sein Stellvertreter auf Erden... während
der Logos Christus im Himmel herrscht, erfüllte Constantin die gleichen
Aufgaben auf der Erde.“ (146) Dabei handelt es sich nicht um eine
schlicht überzogene Vorstellung sondern um Überzeugungen die den nun in die
Kirche drängenden Geschäftemachern das Gefühl geben sich richtig entschieden zu
haben. Dass damit die Gegenposition, welche die von Jesus gegründete Kirche zur
weltlichen Ordnung einnehmen soll, aufgehoben wurde, kümmerte zwar noch einige
Vertreter der Urkirche, die mit der Lehre vom Reich Gottes, welches tief
innerlich im Menschen sein soll (147) gut vertraut waren, doch dieser Personenkreis
war machtlos. Der von Konstantin gestiftete ‚absolutistische
Cäsaropapismus’ (Mommsen) reduzierte die Würde des Einzelnen, er war vom
Geist, Selbstverständnis und in der Praxis das glatte Gegenteil der Kirche der
Prinzipien Christi. Unverständlich aus heutiger Sicht ist, dass Männer wie
Laktanz, Eusebius und Bischof Hosius sich nicht ihrer Zustimmung enthalten haben. War ihr Respekt vor dem Kaiser größer
als ihr Glaube? Oder hatten sie einen nur zeitweiligen Verlust ihrer
Einsichtsfähigkeit erlitten? (148) Was trieb sie in Konstantins Arme? War es
pure Angst? (149) Es war dennoch exakt das, was die ersten Glaubenszeugen so
entschieden verweigert hatten. Der Versuchung sich zu unterwerfen, konnten sie
nicht widerstehen. Eusebius von Caesarea steigerte sich mit der Zeit, um diese
Tatsache zu verdecken: Konstantin weise sogar „Ähnlichkeiten mit dem Logos
(Christus) auf“. (150) Eusebius hielt seine Lobreden keineswegs
bevor, sondern nachdem der Kaiser, zum eiskalt rechnenden Vielfach-mörder und
zum Verderber der eigenen Familie geworden war. Sonderbar,
gleich nach seinem Amtsantritt,
306, hatte Konstantin das strikte, noch von seinem Vater Constantin Chlorus
ausgesprochene Versammlungsverbot für Christen aufgehoben. (151) Schon
diese Kleinigkeit zeigt, dass Helena
_______________
(146) F. Kolb
„Herrscherideologie in der Spätantike“ Akad.verl., Berlin, 2001 S 83-84
(147) Lk. 17: 21
„Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“
(148) Präambel
der Einheitsübersetzung zur Offenbarung des Johannes: „Der Verfasser rechnet damit, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung
des Kaisers, in nächsten Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen
wird.“ (149) Hosius trug die Narben
der Folter sichtbar.
(150) P. Just,
„Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche ...“ , S. 23
(151) Bettina von
Engel
„Konstantin und seine Familie in Trier“ (151) Vortrag bei
der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007
Einfluss genommen haben wird.
Ihr musste es gefallen, dass die Christenlehre die Demütigen und die
Gedemütigten ansprach, (152) die nicht nur sie damit umwarb, denn sie wurde
wegen ihrer niederen Abstammung, von den heidnischen Damen der oberen
Gesellschafts-
schichten Triers gemieden, abgelehnt und oft
hinterhältig verspottet, sie sei nur eine verstoßene Konkubine und ehemalige Magd gewesen. Auf
diese Weise hatten sich die Paganen eher unbeliebt bei Konstantin gemacht,
der seine Mutter, schon deshalb liebte weil er frühzeitig von ihr getrennt und
die er wie den Vater vermisst haben wird, als er gezwungen wurde in Nikomedien,
quasi als Gefangener Diokletians, zu leben. Sie indessen könnte, in diesen
Jahren in oder nahe Trier gewohnt haben.
Die vornicänische Gemeinde
Die Gemeinde der Christen in
Trier war klein aber sie wurde von großen Persönlichkeiten wie Laktanz und
wahrscheinlich manchmal von Helena besucht, auch Theodora, die Witwe des
Constantin Chlorus, soll Christin gewesen sein, folglich müsste auch sie an den
Abendmahlsversammlungen teilgenommen haben. Constantin Chlorus war entgegen der
Annahme einiger, kein Christ. Er ließ „christliche
Gotteshäuser zerstören und ein Versammlungsverbot...), (ergehen,
vielleicht,) um nach außen hin
Diokletians Vorschriften zu befolgen.“ (153) Wäre er Christ
gewesen, zudem in unanfechtbarer Position, hätte er keine Gemeindehäuser
zerstört... Konstantin hatte seine Mutter Helena zu sich geholt, „die von da an die wichtigste Frau am Hofe
wurde.“ (154) Wie die beiden Damen ihr Christentum lebten ist ihre
Angelegenheit, dass es ein unchristliches Verhältnis war, geht aus den wenn
auch kargen Berichten hervor: Helena
verdrängte „Theodora, die legitime
Witwe des Constantius Chlorus samt ihren Kindern und zwang sie rachsüchtig, die Stadt zu
verlassen.“ (155) Die Situation war für die Gemeinde, abgesehen
von diesem innern Zwist, um und bis 306, wegen der bestehenden Verbote ohnehin
nicht einfach. Weiter kam Konstantin seiner Mutter noch nicht entgegen. Selbst
bis 319 waren die Christen Triers wahrscheinlich nur geduldete Leute. Sie
trafen sich wie anzunehmen ist, in einer Privatwohnung, denn über ein eigenes
Haus oder ____________
(152) Matth 11:
28 „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch
erquicken.“
(153) Bettina von
Engel
„Konstantin und seine Familie in Trier“
(154) ebenda
(155) ebenda
gar eine Kirche verfügten sie
vor dem nizänischen Konzil nicht. (156) Das musste auch nicht unbedingt sein,
denn das Reich Gottes - die Kirche Christi - war im wesentlichen unsichtbar.
Sie befand sich in den Herzen derer, die von ihrem früheren Übeltun abgelassen,
(157)
und sich vom allzu natürlichen Streben zu einem vernunftgemäßen (stets
selbstbeherrschten) Handeln gewandt hatten, die statt der bitteren Früchte des
Streites, des Neides, der Mißgunst, der
Unzucht (158) die besseren hervorbrachten: Freundlichkeit, Güte und Treue.
(159) Damals
war für die meisten Christen klar, dass sie, erst recht wegen ihrer
Mitgliedschaft in der Urkirche zum Führen einer harmonischen Ehe verpflichtet
sind, das galt vor allem für die Bischöfe = Gemeindevorsteher (160) Von einer ‚Josephsehe’ wussten sie
allesamt nichts. Es ging für sie nur darum, dass ihnen sexuelle Beziehungen
ausschließlich innerhalb der Ehe gestattet waren, und zwar ausdrücklich nicht nur zum Zweck Kinder zu zeugen. (161)
Sie glaubten „durch Fasten und Wohltätigkeit
... vor Gott gute Werke erzielen, (zu können, selbst) die zweite Eheschließung nach dem Tod eines Partners war erlaubt...
und ... wir erkennen die Tendenz zur egalitären Bewertung der Geschlechter.“ (162)
Das es männlichen Mitgliedern bis Ende des 5. Jahr-hunderts generell erlaubt
war (nach dem Tod ihrer Ehefrau) eine zweite Ehe zu schließen, geht aus dem
Verbot des ‚Papstes’ Gelasius I. , von 494 hervor. (163) Der Hinweis im 1.
Thimotheusbrief der „Bischof sei eines
Weibes Mann“ wurde bald so verstanden, dass ein Bischof nur einmal heiraten
dürfe. Aber „Theodos von Mopsvesta...
erwähnte, dass zur Zeit des Apostel Paulus ... noch viele Juden in polygamen
Verhältnissen gelebt
________________
(156) Bettina von
Engel
„Konstantin und seine Familie in Trier“
: „neueste Forschung
spricht von dem Bau der (Trierer) Basilika bzw. Fertigstellung von 330 –
340..., erwähnt wird das Abhalten ihrer Gottesdienste in nichtöffentlichen
Räumen...“ (157) Titus 3: 3 Paulus schreibt: „Brüder,... früher
waren wir unverständig und ... Sklaven aller mögliche Begierden und
Leidenschaften, lebten in Bosheit und und Neid, waren verhaßt und haßten
einander... als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters
erschien, hat er uns gerettet...“
(158) Galater 5: 19
(159) Galater 5: 22
(160) 1. Thim. 3:
1-7 „... er soll ... eines Weibes Mann... und ein guter Familienvater sein und
seine Kinder zu ... Anstand erziehen, er soll rücksichtsvoll sein... wie will
er
für die Kirche sorgen , wenn er seinem eigenen Haus nicht
vorstehen kann.“
(161) 1. Kor.
7:1-7 „Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einvernehmen...“
(162) Anton
Grabner-Haider-Maier Kulturgeschichte des frühen Christentums“ Vandenhoeck&
Ruprecht S. 77
(163) J., A.
Theiner „Die Einführung der erzwungenen Ehelosigkeit und ihre Folgen“
Altenburg, 1828, S. 340
hätten, diese seien es (nachdem sie Christen und zu diesem Amt
berufen wurden, G.Sk.) die der Apostel meinte...“(164) Weil
es auf die Beobachtung der Christusgebote ankam (und nicht auf das Ertragen der
von überspannten Persönlichkeiten ausgedachten Zusatzlasten), war es fast
belanglos wo sie ihre ‚Schule der Tugend’ abhielten. (165) Das war damals in Trier nicht anders: „Die Christen beteten für den Kaiser (nicht zu ihm)... nach den Versammlungen gingen sie auseinander als ob sie aus einer
Schule der Tugend kämen.“ (166) „Sie
strebten nach
Selbstbeherrschung
und Gerechtigkeit“ (167) Auch „Nach
Lactanz ist Jesus der Lehrer der Tugend und Gerechtigkeit.“ (168)
Das zeigt ihre Nähe zu Origenes, besser gesagt zum Frühverständnis des
Begriffes Christentum:
„Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes und erst in der
Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit
Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die
Entscheidungsfreiheit.“ (169) Hippolyt sagte dasselbe: „Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen ... immer die Taten der Liebe
folgen!“ (170) Im Dialog des Bardesanes (etwa) im Jahr 200 heißt es: „dass das Christentum eine neue, alle
völkischen Unterschiede unter sich lassende Lebensordnung, (ist) der sich die
Menschen von sittlichem Willen freudig unterstellen... diese Auffassung vom
Ziel der sittlichen Willensfreiheit als einer Lösung des Menschen vom Zwang
irdischer Bindungen“ (171) Solche Denkweise stand im direkten Gegensatz zur
Auffassung des nur siebzig Jahre nach dieser Zeit wirkenden Ambrosius von
Mailand, der Kaiser Gratian beriet und der die Schutz suchenden Goten des
Donaugebietes 378 obwohl sie Christen sind – allerdings Arianer – brüsk
zurückwies. Obwohl diese seine Mitmenschen in Todesgefahr vor den sie
attackierenden Hunnen standen, betrachtete er es als notwendig, sie ‚die
Feinde’ Gottes und des Imperiums zu nennen, die militarisch zu schlagen sind.
Offensichtlicher konnte die Abwendung von der ursprünglichen Lehre nicht sein.
Jesu Lieblingsjünger Johannes, hatte in seinem 1. Brief 4: 20, klar den immer
gültigen Grundsatz formuliert: „Wenn
jemand sagt, er liebe Gott und hasst doch seinen Bruder, der ist ein Lügner!“
Es gab keine _________________
(164) Johann J.
Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853, S. 148
(165) J. Köpke
„Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft“, 2006
(166) Anton
Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ S. 76 (167)
ebenda
(168) Hans
Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 153
(169) H..
Benjamnins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes.“ E.J.
Brill, 1994, S. 13
(170) A.
Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ S. 85
(171) Hans
Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 267 u 568
Ausnahmen, jedem Christen hatte
sein Mitchrist, gleichgültig welchen Irrtümer er noch unterlag, oder welcher
Herkunft und Sprache er sein mochte, als Bruder zu gelten. Die
Eroberungspolitik des Ambrosius folgte
den Intentionen Konstantins und nicht des Christus. Ambrosius Fußtapfen folgten sie alle. Kaisers Justinian, der
Eliminator der Goten, so weit sein Arm reichte, war noch nicht der Schlimmste.
Durch lange Jahrhunderte bis
Kaiser Wilhelm II. sind die
Imperatoren der ‚christlichen’ Welt treue Verehrer der Christusmaske des Sol
Invictus. Ambrosius, obwohl er die verheerden Resultate seiner
Nichtversöhnungspolitik voraussehen musste, blieb stur auf dem uralt römischen
Kriegskurs. Bis zum Konzil zu Nicäa war der Sinn jeder Zusammenkunft der
Getauften die zu nehmende Verinnerlichung der Christusbotschaft. Umgekehrt
trachtete der ‚Zeitgeist’ - was immer das sein mag - nach der Veräußerlichung
des „Christentums“ womit die Contrareligion Konstantins unterstützt wurde.
Dieser Strömung folgend, erschien es notwendig immer größere Prachtgebäude zu
errichten. (172) In welchem Maße und mit welcher Geschwindigkeit
Veränderungen über uns hereinbrechen können, zeigten die 30er Jahre des
vergangenen Jahrhunderts und nicht zuletzt der Zusammenbruch des übermächtigen
Sowjetsystems. Nichts bleibt wie es ist. Das Gesetz des Lebens fordert
unerbittlich Wachstum oder den Tod. Also richtete sich Jesu Lehre auf das
sittliche Wachstum des Einzelnen. (173) Es gibt wohl niemanden, der in
gesellschaftlicher Verantwortung steht, der dieses Hochziel aller Pädagogik
nicht wünschte, oder sogar nach Kräften fördern würde. „Die ersten Bischöfe von Trier... ab 250 n.Chr. ... (waren) Eucharius,
Valerius und wohl Maternus... Sie konnten
ihre Gemeinde ungefährdet durch die
________________
(172) Schlosser,
„Weltgeschichte“ Bd. 3, S. 576 „Für die
große Menge bestand die christliche Religion nur im äußeren Gottesdienste, in
welchem Gott auf pomphafte Weise wie ein orientalischer Despot verehrt … wurde.
…Das Christentum, seitdem man es zur Staatsreligion
erhoben hatte, ward seinem eigentlichen Wesen und Zwecke völlig entfremdet…Man
verwandelte die Lehre des Evangeliums in gelehrte Dogmatik.” (173) 1912 schrieb die Lutherübersetzung 1.
Petrus 2: 9: „Ihr aber seid das
auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk
des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch
berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;...“
1980 formuliert die sonst ausgezeichnete Einheitsübersetzung
statt dessen: „...damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus
der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ Der Unterschied ist beträchtlich, die
Auswirkung ebenfalls..
Joseph Smith schrieb in seinem berühmten Brief Lehre und
Bündnisse 121: 45 „...lass
Tugend immerfort
deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart
Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wird auf
deine Seele fallen wie der Tau vom Himmel...“
schwierigen Zeiten steuern und die Mitgliederzahlen vermehren.“ (174) Zu dieser Zeit galt ‚kirchenweit’ noch
jene Gemeindeordnung wie Hippolyt von Rom (217-235) sie beschrieb. (Hippolyt
gilt als ‚Gegenpapst’ aber der einzige dieser Kategorie der heilig gesprochen
wurde). Noch „waren die Bischöfe einfach
die Vorsteher im Kreis der Ältesten und hatten keine besonderen Rechte... (175)
Allem Anschein nach trugen, schon wegen des urchristlichen
Gleichheitsgrundsatzes, (176) alle als würdig betrachteten Männer das
Priestertum, wenn auch unterschiedliche Grade: „„Der Bischof bestimmt den in der
Gemeinde zum Presbyter, (Ältesten oder Priester G.Sk.) der sich nach seiner Ansicht für dies Amt eignete, und der ihm gefiel oder dem sein Märtyrertum
von vornherein diese Würde verlieh... Bei der Ordination von Diakonen durch den
Bischof verspricht dieser, wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann er später
„das erhöhte Priestertum" empfangen...“ (177) Es ging und geht in
der Kirche Christi, um ein Priestertum, das jeder Mann, auch wegen des
Gleichheitsgrundsatzes, innehaben kann und sollte. Erst als Konstantin seine
eigenen Ideen zum Priestertum äußerte, änderte sich das. Er verpflichtete immer
mehr Priestertumsträger zugunsten seiner Staatsreligion zu operieren, im Gegenzug
gewährte er den Bereitwilligen Vorteile. Der Nachteil für die Kirche liegt auf
der Hand, diese „Privilegierung der
Kleriker führte... unmittelbar zur Beschränkung des Zugangs zum Priestertum.“
(178)
Diese Feststellung bestätigt
noch einmal, dass das Priestertum ursprünglich allen gegeben wurde die sich an
die zu Apostel Zeiten gegebenen Richtlinien hielten. Hinzugefügt werden muss,
dass die Mitarbeit der
Frauen zu Hippolyts Zweiten
ebenfalls organisiert war, allerdings konnten Frauen nicht Älteste und Priester
werden. Handelte es sich doch um ein
Rollenspiel. in ihm vertritt
der Priestertumsträger Jesus und der war ein Mann. Ausdrücklich sei wiederholt, dass es sich in den ersten drei
Jahrhunderten ausschließlich um Ehrenämter handelte!
Von hauptamtlichen Klerikern
ist erst nach Nicäa die Rede – obwohl es auch zuvor schon Ausnahmen gab. Um 220
tadelte Hippolyt die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer in Rom die ihrem Bischof
___________________
(174) Bettina von
Engel
„Konstantin und seine Familie in Trier“: Anscheinend ließ Constantin
Chlorus sie gewähren. „Christ war er
nicht“, aber möglicherweise gehörte seine Ehefrau Theodora dazu.
(175) Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner
Kirchenordnung“
(176) ebenda
(177) ebenda
(178) J. Martin „
Spätantike und Völkerwanderung“ Oldenburg, 2001 , S 22
ein monatliches Gehalt zahlte.
Das sei eine gräuliche Neuerung. (179)
Vor 319 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’. Inthronisierungen gab es
erst nach Nicäa. Danach kam es zu regelrechten Wettrennen um einen
Bischofssitz: „Konstantin (hatte) die
Verfügung getroffen, Angehörige des
Klerikerstandes generell von curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der
Curiales (den Stadtadel) dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen
abzustreifen und eine Position im Klerikerstand anzustreben.“ (180)
Der Klerikerstand kam hervor. Steuerflucht durch Taufe, war ein Straftatbestand
den einige Kaiser später aus der Welt schaffen wollten. Ambrosius jedoch
verteidigte die Übertreter allerdings vehement. (181) Er hatte sogar geprahlt, bereits „um 384 sei der Senat mehrheitlich mit Christen besetzt worden“(182) Aber
Stolz ist unangebracht. Gerade die
Feststellung: „die Bischöfe (seiner
Zeit) rekrutierten sich überwiegend aus
der städtischen kurialen Schicht.“ (183) ist schockierend. Geld, statt innere
Überzeugung, das konnte nicht gut gehen. (184) Man war
zuvor nicht christlicher Priester von Berufs wegen, sondern wegen seiner
Berufung und die leistete man aus Überzeugung umsonst. Gerade die ___________
(179) Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“
(180)
(181) Jörg Köpke
„Die italienischen Bischöfe unter
ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 „Während ein Konzil in Illyricum im Jahr 375 offiziell die Ordination von
curiales verurteilte und Papst Innocentius I. (407-412) sich aus religiösen
Gründen in ähnlicher Weise äußerte, brachte der mediolanische (mailändische)
Bischof Ambrosius 384 und 388/89 lautstark sein Unbehagen darüber zum Ausdruck,
wie schwer es den curiales von staatlicher Seite gemacht würde, in hohen
kirchlichen Positionen zu verbleiben und ihren angestammten Privatbesitz zu
behalten... Ein Posten im höheren Klerikat, speziell die Bischofswürde,
offerierte dem Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen,
auch wenn sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs
befanden. Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das
Eintreiben der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an
die Kirche zu verlieren. So verwundert es nicht, dass im Westen unter den
Kaisern Valentinian III. und Maiorian 439, 452 und 458 Versuche unternommen
wurden, das absolute Ordinationsverbot für Decurionen zu reaktivieren“.
(182) Peter
Gemeinhardt, „Das lateinische Christentum und die antike pagane Bildung“
Mohr-Siebeck, 2007, S. 143
(183) Ebenda S.
151, Fußnote
(184) Lietzmann
„Geschichte der Alten Kirche“, Walter de Gruyter, S. 283 „Unter Konstantin war
es Sitte gewesen, die dem christlichen Klerus aus den städtischen
Einkünften zustehenden
Verpflegungsgelder auch an die Witwen und heiligen Jungfrauen zu
zahlen...Kaiser Julian (Apostata) verlangte später die Rückzahlung der
Beträge... das gab natürlich ein lautes Klagen.“
Ehrenamtlichkeit war ja der
Beweis für die Überzeugung. Andere Leute wünschte niemand zu hören. Obendrein
zahlten diese ‚Freiwilligen’ einen Teil ihres Einkommens der Kirche.
Anders herum verführten die dann aufkommenden Vergütungen
und die Privilegien nicht wenige, so zu tun, als wären sie von Herzen
gewendete. Denen fiel es nicht ein zu hinterfragen, ob sie im Sinne dessen
handelte, der die Kirche ins Leben gerufen hatte oder nicht.
Sie nahmen das Geld der Witwen
und Waisen.
Zuvor gaben alle ihr Geld freiwillig
her. Bis dahin Gleichberechtigte, sollten die ‚einfachen’ Mitglieder nun
Kirchensteuer zahlen. Tertullian (160-220)
schreibt: „dass jeder einmal im Monat gibt, oder wann
er will, wenn er überhaupt will, und wenn er kann; denn es wird niemand
gezwungen“ (185) Die finanzielle Sonderstellung der ‚Kleriker’
musste auch das nichtchristliche Volk bezahlen. „Konstantin hatte im Jahre 326 eine Gold- und Silbersteuer eingeführt,
die auri lustralis collatio oder auch chrysargyrion genannt wurde, die jeder
zahlen musste, der ein Gewerbe betrieb. Sie wurde zunächst alle fünf, im 5. Jh.
alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr. die
Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken führte.
Handwerker, ... Gärtner, Fischer, zur See reisende Händler, Kaufleute sowohl in
der Stadt als auch auf dem Land (vgl. CTh 13, 1, 10) und auch Prostituierte.
...Die Höhe der Steuer berechnete sich nach dem im Gewerbe tätigen Kapital des
Betroffenen. Dazu zählten Werkzeuge, Vieh,
Sklaven,
sie selbst und ihre Familienangehörigen... Zunächst sorgten die Kurialen und
hafteten wohl auch für die Eintreibung dieser Steuer bei den Händlern und
Handwerkern ihrer Stadt (Gr. Naz., ep. 98), ab 399 sollten sich die Händler
dann jedoch geeignete mancipes aus ihrer Mitte zur Steuereinsammlung wählen,
damit nicht länger den Kurialen diese Last aufgebürdet würde. Für die
Verwaltung der eingegangenen collatio lustralis war der praefectus praetorio,
deren Vikare oder Statthalter zuständig (Jones, LRE I, 434). Reiche
Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten, setzten sich über See
ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem Werkzeug, mit dem er sich
kaum ernähren könne...
Hunde
setzten die Steuereintreiber den fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so
dass es sogar vorkam, dass Eltern ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen
mussten, um die Steuer aufzubringen. Auch Zosimus zeichnete das gleiche
Schreckensbild wie Libanios. Immer wenn die Zeit der Steuererhebung näher
rückte, so Zosimos, erhob sich Jammer und Wehklagen in jeder Stadt. Die, die
aufgrund ihrer Armut nicht zahlen _______________
(185) Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen
Kirche bis 1740“ S.50
konnten,
wurden mit Peitschen und Martergerät gefoltert. So kam es, dass Mütter ihre
Kinder verkauften und Väter ihre Töchter an Männer feilboten, um den
Steuereintreiber das chrysargyrion liefern zu können. Jones hielt nach
Auswertung der einschlägigen Quellen trotz der vielen Klagen der Zeitgenossen
über die annona die Belastungen durch die collatio lustralis für härter... Wie
eine Stelle aus der Vita des Johannes Eleemon schildert, war in Alexandria
neben den öffentlichen Steuern und der Miete für den Laden zudem noch ein
Handgeld für den Marktaufseher, der diese Gelder eintrieb, üblich. Hinzu kam
für die in Kollegien organisierten Handwerker und Händler, zu denen ein
Großteil der städtischen Gewerbetreibenden gehörte, die Verpflichtung zur
Leistung von munera, deren Durchführung von den Kurialen der Heimatstadt
organisiert wurde... Schuhmacher galten
offenbar als besonders arme Männer, doch selbst auf ihr Schustermesser als ihr
einziges Kapital würde, so Libanius, die Steuer von unerbittlichen Steuereintreibern
erhoben (Lib., or. 46, 22).“ (186)
Konstantins Nachfolger
behielten diesen Kurs der Spaltung der Gesellschaft und der Kirche bei.
Natürlich betrafen diese radikalen Bevorzugungen zunächst nicht die Gemeinden
am Rande des Geschehens. In der Ferne, weitab der Metropolen ergab sich eine
Mischsituation. Dennoch ist zu erkennen, dass es für die Träger priesterlicher
Legitimationen ganz normal war, auch nachdem sie Presbyter geworden waren,
ihrem Beruf nachzugehen. (187) ______________________
(187)
Sabine Hübner, „Der Klerus in der
Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens Fr. Schiller Uni, Jena, 1976, S.155: „Durch ein Edikt von 346 wurde wiederum bekräftigt, dass Kleriker keine
munera sordida leisten und nicht für die Instandhaltung der Wege und Brücken
aufkommen müssten. Allen im Handel tätigen Klerikern wurde wiederum auch die
Befreiung von der Gewerbesteuer zugesichert, nun aber mit der hinzugefügten
Einschränkung, dass sie mit ihren erwirtschafteten Gewinnen die Armen
unterstützen sollten. Dieses Gesetz ist ein erster Hinweis darauf, dass
offenbar viele Gewerbetreibende in den Klerus strömten und man einen Missbrauch
verhindern wollte. Es ging den Kaisern jedoch nicht darum, mögliche
Steuerverluste durch reiche Händler im Klerus zu vermeiden, denn deren
erwirtschaftete Überschüsse sollten ja den Bedürftigen und nicht dem Fiskus
zukommen. Es sollte aber augenscheinlich verhindert werden, dass sich
erfolgreiche und wohlhabende negotiatores allein wegen der Steuervorteile zu
Klerikern ordinieren ließen, um fortan abgabenfrei ihre Geschäfte betreiben und
noch höhere Gewinne erzielen zu können. S. 157: Viele gingen nach ihrer Weihe ihrem Gewerbe auch weiter nach, Diakone
und Presbyter ebenso wie
Lektoren.
Sie dachten vermutlich auch nicht daran, (ihr Gewerbe) aufzugeben.“
Es gab im Jahr 1830, neben der
Kirche Jesu Christi der HLT, keine zweite in der jedes männliche Mitglied,
- das entsprechende Alter und
persönliche Würdigkeit vorausgesetzt,- sowohl
das niedere, wie später das höhere
Priestertum empfangen konnte. (188) (189)
Sämtliche Kirchentätigkeiten
müssen nach dem Tageswerk erledigt werden.
Organisatorisches, wie Weihen,
wurden zu Hippolyts Zeiten zweckmäßig und nicht pompös vollzogen, jedes
Gemeindemitglied nahm sein Mitspracherecht wahr:
„Ehe
man die Weihe (Einsetzung, Ordination) eines ... neugewählten Bischofs
vornahm... wurde die Gemeinde ausdrücklich noch einmal um ihr Einverständnis
gebeten... Bischöfe (anderer Gemeinden) kamen und legten die Hände aufs Haupt
während das Presbyterium (Ältestenkollegium) ruhig dabeistand... in diesem
Gebet wird besonders der Führer der den Aposteln innewohnt auf ihn
herabgefleht... ‚gemäß der Macht die du den
Aposteln gegeben hast’... “ (190) Unter dem in diesem
Gebet erwähnten „Führer“ verstanden die
Betreffenden die „Macht des Heiligen Geistes“ von der Jesus gesprochen hatte, als er
sagte: „Es ist der Geist der Wahrheit,
den die Welt (den derjenige, der weltlich nach Macht und Geld trachtet) nicht empfangen kann...“(191) Da damals immer mit neuen
Verfolgungswellen zu rechnen war, glaubten die neu berufenen Führungskräfte der
noch jungen Kirche daran, dass sie sinnvolle Eingebungen und Warnungen durch
die Macht des Geistes erhalten würden. Sie wünschten, wenn sie lehrend
arbeiteten, den richtigen Ton zu finden, und stets bei der schlichten Wahrheit
zu bleiben. Sie glaubten an die
Verheißung „der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird
euch alles lehren“, (192)
Ihnen war klar, dass die
Führung durch Gott den Feinsinn für solche
___________________
(188) Zusatzschrift
der Kirche Jesu Christi der HLT (Mormonen): Lehre und Bündnisse 107: 1-5 „In der Kirche gibt es zwei Priestertümer,
nämlich das Melchisedekische und das Aaronische, welches das Levitische Priestertum einschließt...“
(189) Chr. Müller
„Kurialen und Bischof, Bürger und Gemeinde in der gallischen Stadt des 4. bis
6. Jahrhunderts“ 2003 S. 254: „Die
Vorgänge nach dem Tod des Bischofs
Petronius im Jahre 463 bezeugen zur Genüge, dass mit der Designation eines
Nachfolgers allein noch keine definitive
Entscheidung gefallen sein musste.
Petronius´ letztem Willen zufolge sollte ihm sein Bruder Marcellus, Mitglied
des dortigen Klerus und bereits mit den Weihen eines Leviten versehen, nachfolgen.“
(190) Hippolyt
Gemeindeordnung
(191) Johannes
14: 17
(192) Johannes
14: 26
Wahrnehmung vorausgesetzt und
den man, wenn man ihn nicht hatte entwickeln sollte. Zu diesem Zweck sprachen
die einsetzenden Bischöfe das erwähnte Gebet.
Der
Zeitfond aller Bischöfe war entsprechend Hippolyts Beschreibung sehr begrenzt,
eben weil sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten mussten. Sie bedurften
vieler Mitarbeiter.
Von bischöflicher Repräsentation war
zu Hippolyts Zeiten noch lange nichts zu spüren, von harter Arbeit sehr wohl.
Wenn man bedenkt wieviele festgeschriebenen Pflichten, nach Hippolyt, auf
Bischofsschultern ruhten, (193) wird im Nachhinein klar, dass diese
Verantwortung sich wohl kaum über jeweils mehr als 500 Mitglieder (pro Gemeinde) erstrecken konnte. Jungklaus
sagt: „Wenn es bei einer so feierlichen
Handlung, wie die erste Entgegennahme vom Abendmahl, passieren kann, dass nicht
einmal genügend Presbyter vorhanden sind, war ihre Zahl (pro Gemeinde) unmöglich sehr groß... Der Bischof selbst
teilt das heilige Sakrament aus, ...
während die Presbyter ihm zu Diensten stehen. Ihre Aufgabe ist es… nur im
Vertretungsfall sollen die Diakone diesen Dienst übernehmen ... der Bischof
leitet die Gemeinde. An seiner Seite stehen zwei Ratgeber sowie das Ältestenkollegium...“ (194)
Hippolyt legte dar: „... (Wenn es sich) um eine auszuübende Kirchendisziplin
handelte... bildete der Bischof mit dem
Presbyterkollegium (Ältestenkollegium) das Richterkollegium... Der Bischof ist
bei jeder Taufe, bei jedem Abendmahl und bei Ordinationen anwesend... die
Diakone besuchen jene Kranken und Alten die der Bischof nicht erreichen kann,
aber sie erstatten ihm einen Bericht.“ (195) (nach Tertullian
„(vgl. de bapt.18) ist (die Taufe) bis dahin
keine Taufe von Säuglingen, sondern von reiferen Kindern oder
Erwachsenen durch
Untertauchung).
(196)
Alleine das Anhören der
Berichte konnte u.U. Stunden beanspruchen.
Der Bischof und seine beiden
Ratgeber ergänzten einander, nahmen einander die Lasten ab.
“Wenn
jemand in der Gemeinde des Hippolyt Mitglied werden wollte wurde er zuerst
befragt, warum er das wünscht. Oft musste er seinen Beruf aufgeben der ihn
verunreinigte, dazu gehörten Künstler, die Götterbilder ________________
(193) Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“
ebenda....
(194) ebenda.
Diese Struktur ist charakteristisch für die Kirche Jesu Christi der HLT.
(195) ebenda
(196)Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen
Christentums“
Vandenhoeck& Ruprecht S. 92: „In der Frühzeit wurden nur
Erwachsene getauft“
(196) Jungklaus.
Wieder ist es spiegelbildlich: Der Bischof ist auch in der Kirche Jesu
Christi der HLT ein Richter (in innerkirchlichen Belangen)
herstellten,
Zirkusbesucher, Götzenpriester, Rosselenker (wahrscheinlich sind hier
Arenakämpfer gemeint G.Sk.) Ein Mann
musste seine Konkubine aufgeben oder sie dem Gesetz gemäß heiraten...“(197)
So ist es in der Kirche Jesu Christi
der HLT: Niemand darf getauft werden, wenn er quasi im Konkubinat lebt, weil
das die Frau herabsetzt, weil es dem Prinzip der Gleichwertigkeit widerspricht.
„... Nach der Taufe kommt es zur
Handauflegung: welche die Gabe des Heiligen Geistes vermitteln soll. Der Bischof vollzieht
Salbungen der Stirn. Dann erst darf der Neugetaufte das Abendmahl empfangen...
Am Sabbat und Sonntag soll der Bischof, wenn es irgend möglich ist, mit eigener
Hand das Brot verabreichen. War es dem Bischof nicht möglich zu kommen, (z.B.-
wenn er krank war G.Sk.) dann
hatten die Presbyter dieses
Recht... und, alle Teilnehmer
(einer Versammlung G.Sk.) bekräftigen
das Gebet mit einem “Amen.... Brot und Wein wird durch die Diakone auch den
Abwesenden überbracht.“ (198) Vor
allem wacht der Bischof über die Reinheit der Gemeinde, darauf legte Hippolyt
besonderen Wert: „wusste er doch, dass es
im Lager Kallists nicht stets mit rechten Dingen" zuging: Leute, die er, Hippolyt wegen Ehebruch oder wegen
anderer Vergehen ausgeschlossen hatte, wurden von Callist aufgenommen....“ (199)
Es konnte jedoch nicht zu den Aufgaben eines Bischofs gehören, die von den
Kirchenführern des 1. Jahrhunderts festgelegten Richtlinien und Strukturen
aufzuweichen.
Hippolyt schreibt contra
Kallist: ,,Die sind verderbt die vom
rechten Wege abwichen und die Lehre der Apostel verfälschten." (200) Der Prozess der Überfremdung
urkirchlicher Lehre durch jeweilige Sonderinteressen aktiver Bischöfe nahm
seinen Lauf. Es hat den Anschein, wenn wir alles über die
Meinungen der Bischöfe ab dem zweiten Jahrhundert wüssten, dass wir dann vor
einem brodelnden Chaos stünden. Zunehmend bezichtigten viele ‚die anderen’ der
Häresie. Sie versuchten Koalitionen zu schmieden. Für die Zeit um 250 ist
wohl unbestritten, dass es z. B. in Rom
mehr als 1 000 Christen gab.
(Wahrscheinlich weit unter 8 000 aber höchstens 16 000) Der katholische
Historiker Ludwig Hertling (201) geht dagegen für die Zeit um 250 sogar
von über 50 000 römischen Christen aus, er hält selbst 100 000 Mitglieder für
möglich. Alle in einer Gemeinde?
Hertlings Rechnung ist aus zwei
anderen Gründen unrichtig:
_______________
(197) Jungklaus,
„Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“
(198) ebenda
(199) ebenda
(200) ebenda
(201) Ludwig
Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 34
1.)
Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten
hätten nicht zugelassen, dass sich mehr als 500 höchstens 1 000 Leute in einer
‚Kirche’ versammeln konnten: Jungklaus
bekräftigt das: „Während sich früher die
Christen, als ihre Gemeinden noch klein waren, in Privathäusern zum Gottesdienst zusammenfanden, war dies im
Anfang des III. Jahrhunderts anders geworden. Jetzt hatte fast jede größere
christliche Gemeinde ihr eigenes Gotteshaus... Wir werden uns zu Hippolyts Zeit
diese
Kirchen
noch aus Holz gefertigt oder als große
Räume ohne Seitenschiffe, Säulenreihen u. dgl. zu denken haben. Achelis
geht entschieden zu weit, wenn er sich die gottesdienstlichen Gebäude schon im
zweiten Jahrhundert als Basiliken vorstellt. Wie primitiv noch die Gotteshäuser
im Anfang des III. Jahrhunderts waren,
können wir am besten aus dem Bericht
des
Lampridius, vita Alex. 49, g
entnehmen. Danach bewarben sich unter Alexander Severus (im Jahr 230)
die Christen um einen öffentlichen Raum, auf den nur noch die Garköche Anspruch erhoben.“(202) „Selbst in Rom ... mit dem absolut größten
Anteil von Christen an der Bevölkerung lässt sich bis heute kein einziger
christlicher Versammlungsort für die Zeit vor der konstantinischen Wende (um
325) nachweisen .... (203)
2.)
Hertling dachte in Kategorien des
Berufspriestertums. Seine Zahlen beruhen
auf den Aussagen eines Briefes aus dem Jahr 250 den Bischof Cornelius
geschrieben hat. Cornelius spricht nämlich von insgesamt 154 Ordinierten. Es
gab zwar 43 Presbyter und 56 Diakone (204) aber nur eine kleine Kirche? Oder
vielleicht noch eine zweite (nämlich noch die Dionysioskirche) (205)
Bei nahezu einhundert autorisierten Gemeindebeamten wären sogar zehn Gemeinden
denkbar (und daraus folgt, dass es durchaus unterschiedliche Lehrrichtungen in
Detailfragen gab) Hertling rechnete hoch: 154 mal 600. D. h. ein Kleriker der
katholischen Kirche kann durchaus 600 Gläubige betreuen. (2009 kommen in Europa
auf einen kath. Priester etwa 1 200, in
Asien 2 500 Gläubige, in Lateinamerika sogar 7 000.) Die historische Situation
war allerdings eine andere.
Hippolyts Gemeindeordnung lässt
es nicht zu, dass es im Rom des 3. Jahrhunderts nur eine einzige christliche
Gemeinde gab. Zudem wird „für
_______________
(202) Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts ...nach seiner Kirchenordnung
(203) Christoph
Müller, Inaugural Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg
„Kurialen und Bischof...“ 2003, S. 13
(204) Adolf von
Harnack „Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei
Jahrhunderten... S. 177
(205) Peter
Grossmann „Christliche Architektur in Ägypten“ Brill, 2002 S. 16 Fußnote: „ Nach einer unverdächtigen Notiz bei Abu
l-Makarim wurde hier (in Alexandria) von dem späteren Bischof Theonas um 275
die erste selbstständige Kirche gegründet. Vorher hatte man sich zu den
Versammlungen nur in Privathäusern getroffen.“
das Jahr 250 ... die Anzahl 100 italienische Bischöfe angegeben.“ (206) In Italien bestanden 100 christliche
Gemeinden, aber nur eine in Rom? Obwohl
sich die Bevölkerungszahlen wie 0.6 : 8 verhalten und nicht wie 1:100. (Rom
noch mit einer Einwohnerschaft von etwa 600 000 und Italien ges. etwa 8
Millionen. Nach dem ‚Atlas of World’ lebten um 250 etwa 36 Millionen Menschen
in ganz Europa. Es ist kaum anzunehmen, dass es im weiten Land prozentual mehr
Mitglieder, als in Rom gab. Es muss dort 6-8
Gemeinden gegeben haben, wenn nicht zehn und mehr. Wenigstens, aber eben
mehr als nur eine!
Nach Verkündung des Toleranzreskriptes 312 strömten
die Menschen schon von sich aus, den Umschwung bemerkend, in diese Kirche die
sich ihrer materiellen und seelischen Probleme annahm, wie viel mehr war das
nach 319, und mit dem Konzil zu Nicäa
von 325 der Fall. Vor allem in den Metropolen, wie in Rom und Trier machte sich
das bemerkbar. Man muss rechtzeitig
kommen, weil der Weg zu einer reicher gefüllten Futterkrippe bald überlaufen
sein wird. All das half, - meinten die
damaligen Statistiker, während diejenigen, denen es um die ursprüngliche Sache
Christi ging weniger glücklich mit solcher Trendwende waren. Herumgesprochen
hatte sich, nach seinen Siegen an der milvischen Brücke und gegen seinen Schwager Licinius, das
Gerücht, Gott habe an seiner Seite gekämpft und dieser Gott könnte, vielleicht
Jesus gewesen sein. Einige bestritten das allerdings.
Das Vorspiel zum 1. ökumenischen Konzil der Christenheit zu Nicäa, 325,
und einige seiner Auswirkungen
Im Jahr 325 wollte und sollte
die Staatsmacht der Kirche die unumkehrbare Wende aufnötigen. Einerseits lagen
vor den Christen scheinbarer Ruhm und andererseits weitere Verfolgungen, denen
alle Mitglieder verständlicherweise aus dem Weg gehen wollten.
Für Konstantin gab es mehrere
dringender Gründe die Bischöfe des Imperiums nach Nicäa, seinem Sommersitz,
einzuladen. Er hatte viel erlebt, das er einordnen musste.
Ein weiterer Grund für
Konstantins Eingreifen bestand darin, dass seine Mutter Helena ihren großen
Sohn drängte zu Ehren der Sache und des Kreuzes Jesu mehr zu unternehmen.
Das Christentum bot ihm zudem
einen echten Ansatz zur Hoffnung, die auseinanderstrebenden Kräfte
zusammenzubinden. Nur, selbst die Christen _________________
(206) Henry Chadwick
„Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter, S. 67
waren uneins. In Rom schlugen
sie sich wegen Nichtigkeiten gegenseitig die Schädel ein. In Ägypten zankten
sie sich ob Jesus ein anderer als der Vater ist. In der Gemeinde Alexandria wurde der Älteste
Arius (260-336) durch Bischof Alexander exkommuniziert, weil er darauf bestand
seine eigene Überzeugung zu verbreiten .
Bischof Alexander hatte sich
heftig zu verteidigen, weil dieser Presbyter Arius erhebliches Ansehen unter
den Bischöfen seines Landes genoss....
Jedenfalls, um Ruhe zu stiften
und nachdem er gewisse ‚Erfolge’ seiner
Religionspolitik sah, schrieb
Kaiser Konstantin an die 1 800 Bischöfe des Reiches und lud sie ein, auf
Staatskosten nach Nicäa in Kleinasien zu kommen. Wahrscheinlich wurde nicht
jeder angeschrieben, aber sicherlich die Mehrheit. Mit diesen Bauern, Unterbeamten
und Bäckergesellen hatte er ein ernstes Wort zu reden. (Bischof Spyridion von
Zypern, zum Beispiel, war ein Schafhirte.) Sie hatten zusammen zu rücken und
eine Einheit zu bilden, und nicht zwei oder drei Formationen anzunehmen.
Welche Ehre für die überwiegend
‚kleinen’ Leute, in den Dörfern Palästinas und Kleinasiens, die den bis dahin
nur innerhalb der Kirche geachteten Rang eines Bischofes trugen, eine Einladung
vom mächtigsten Mann der Welt zu erhalten.
Für viele jedoch gab es
schwerwiegende Bedenken, nicht anzureisen, obwohl die Versuchung groß war,
berühmt zu werden. Sie, die von Paganen oft genug verspottet wurden, hätten
jetzt auftrumpfen können: „Seht die Einladung vom Kaiser!“, und dann noch umsonst
mit der kaiserlichen Post daherzufahren und etwas von der Welt zu sehen, das
stellte schon eine gewisse Versuchung dar. Viele Mutige wollten sich nicht
kompromittieren und lehnten dankend ab.
Einem bekanntlich grausamen Sol
– Invictus - Verehrer den Gefallen zu tun, zu Kreuze zu kriechen, kam für sie
nicht in Betracht. Das war doch der Mann von dem man wusste, dass er gefangene
Offiziere, und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten, im Amphitheater
von wilden Tieren zerreißen ließ, etwa in einer Arena in Trier. Alle wussten es: „... auch mit der
Zivilbevölkerung kannte er keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod
und verbrannte Erde.“ (207) Gerade in Kleinasien wird es gebildete
Bischöfe gegeben haben, die selbst die
Schriften studieren konnten,
und die argwöhnisch die gesamte Entwicklung verfolgten und bemerkten, dass
Konstantin, im Sinne der alten Kaiser agierte, dass er danach trachtete
persönlich ihren allmächtigen
_____________
(202) Bettina von Engel : „Konstantin und seine Familie in
Trier“
Gott zu verdrängen, der aber
nichts tun würde seinen Rang zu behaupten, weil er ihnen versprochen hatte,
niemals ihr Recht auf freie Entscheidung anzutasten, immer unter der Prämisse,
„abgerechnet wird zuletzt“, dieses Leben ist erst eins zum ausprobieren....
Vielen schien es frivol zu sein, dass der heidnische Pontifex maximus sich
anmaßte der Kirche Christi Weisungen geben zu wollen.
Zudem
gab es da eine Prophezeiung des Apostel Paulus, die so ungeheuerlich war, die
man, falls man sie auf eine noch lebende Person bezog, nur hinter vorgehaltener
Hand erwähnte: „Lasst Euch nicht so
schnell aus der Fassung bringen..., wenn in einem prophetischen Wort... oder in
einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn
sei schon da. Lasst Euch durch niemanden täuschen! Denn zuerst muss der Abfall
von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des
Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum
heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich
als Gott ausgibt...“ (208) Nicht auszuschließen war für einige, dass
dieser kaiserliche Unhold der vorhergesagte Antichrist war. Die
Christen in Trier wussten wie
süchtig Konstantin nach Gesten der
Unterwürfigkeit war und
warum
„Konstantin... nach seiner angeblichen Vision in einem
Apollotempel mit einer Prophezeiung, die
ihm 30 Jahre Kaisertum vorhersagte, sich
fortan auf Münzen mit dem Sonnengott darstellen ließ, dem Sol Invictus, der mit
Apoll identifiziert wurde, und der Konstantin eine neue sakrale
Herrschaftslegitimation lieferte. Er stellte sich so ... Gott gleich und
übernahm dessen Unbesiegbarkeit für sich selbst. Er übernahm auch das aus dem
Orient kommende Hofzeremoniell, das schon Diokletian eingeführt hatte: wenn er Bittsteller oder Gesandte empfing, trug er
ein Diadem auf dem Kopf und schwere bestickte Kleidung aus Damast und Seide,
die bis zum Boden reichte. Jeder, der sich ihm näherte, musste sich zu Boden
werfen und den Saum des Kleides küssen, ehe der Kaiser ihm erlaubte, sich
wieder aufzurichten. In Rom, als einstiger Verkörperung der Republik, wurde die
Proskynese natürlich verachtet“ (209)
Das 1. ökumenische Konzil
besuchten maximal ein Achtel der Bischöfe. Von den 1 800 Bischöfen innerhalb
des Imperiums folgten nur etwa 220 dem Kaiserruf. Die in der Literatur erwähnte
Zahl 318 ist wahrscheinlich
_______________
(208) 2. Thess.
2: 2-8 In der biblischen Anmerkung
zu diesem Text heißt es in der Einheitsübersetzung: „Die Wendung, sich in den
Tempel Gottes setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist
Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen will.“
(209) Bettina von
Engel : „Konstantin und seine Familie in Trier“
keine reale, sondern eine
symbolische. Sie ist auf die 318 Knechte Abrahams zurückzuführen. Allerdings
brachten die Bischöfe auch ihre (männliche) Begleitung mit. Mehrheitlich
ungebildet standen sie keineswegs Diözesen vor. Alles bis zu diesem Zeitpunkt war
schlicht und eher ärmlich. Auch danach änderte sich das nur langsam.
Der katholische Historiker
Ludwig Hertling sagt es ausdrücklich: Alles nahm sich bescheiden aus: die
Häuser, in denen sich die Christen selbst noch Jahre nach Nicäa trafen, waren
klein. „...Manche Bischofsstädte hatten
nur eine einzige Kirche, und diese besaß die Maße einer bescheidenen
Dorfkirche...“ Vor Nicäa tagten sie in Holzbaracken die der Armee gedient
hatten. Oft zeigen Bilder die Konzilsteilnehmer zu Nicäa mit Mitren, doch „...erst ab 589 gibt es liturgische
Kleidungsstücke...“ (210) Alles war anders als es die Gemälde zeigen. Die
Bischöfe gingen in einfacher Straßenkleidung. Nichts unterschied sie äußerlich
von anderen Bürgern. Ob sie alle eine Festtagstoga zu eigen hatten, ist zu
bezweifeln.
„Noch im Jahr 4o3 wurde es dem Patriarchen von
Konstantinopel als Eitelkeit ausgelegt, dass er sich beim Gottesdienst ein
eigenes Festgewand anlegen ließ...“ (211) Grundfalsch sind
auch andere Vorstellungen, die viele Christen sich von den Umständen und
Größenordnungen machen:
Es gab eben nur knapp 2 000
Gemeinden im Reich, viele mit kaum 100
Mitgliedern. Um
310 gehörten wahrscheinlich nur 3 bis 4% der
Gesamtbevölkerung des Römischen
Reiches von vielleicht „55 Millionen Menschen“ der Kirche an. (212) Aber
da sehr wahrscheinlich fast alle würdigen männlichen Personen, die älter als 12
(oder wie in der Synagoge 13) Jahre waren, das Priestertum erhielten, war
selbst bei einer Rate von nur etwa fünfzig Prozent aktiv tätiger Mitglieder und
bei etwa 1.5 - 2 Mio. Christen mit etwa 160 - 200 000 handlungsfähigen Männern
zu rechnen.
Rom rechnete immer, das
entsprach seinem Wesen. Selbst in den besten Zeiten hielt das Imperium nur 150
000 Legionäre unter Waffen, zur Zeit der Machtergreifung durch Konstantin, 306,
gab es zwar 60 Legionen, doch insgesamt nur 60 000 Legionäre sowie einige
andere militärische Einheiten. Die Christengemeinschaft erschien einigen, vor
allem den paganen Staatsbeamten als ein Block von erheblichem Gewicht, der
zudem permanent wuchs. Besonders in den Metropolen gab es auffallende
Mitgliederkonzentrationen, - soweit wir wissen, waren die Christen der
_______________
(210) Hertling,
„Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ Berlin S. 45
(211) ebenda S. 43
(212) Sarai
Kahle, Einführung in die Humanökologie - Universität Bremen Institut für
Geographie, WS 2004/ 2005: „Zu Beginn unserer Zeitrechnung im Jahre 14 hat die
erste Volkszählung des Römischen Reiches stattgefunden. Diese ergab
schätzungsweise eine Bevölkerung von 55 Millionen für das Römische Reich.“
ersten beiden Jahrhunderte
allesamt Freunde des Judentums, der Religion des Tuns. Man hatte
staatlicherseits versucht „das christische Ding“ zu zertrümmern, aber das war
misslungen. Von außen war diesem wachsenden „Ungeheuer“ nicht beizukommen.
Folglich musste es dem Reich einverleibt werden. Diözesen gab es damals noch
nicht, ein Begriff der aus dem Verwaltungsprogramm Kaiser Diokletians aus dem
Jahr 300 stammt. Dagegen wird es Bündnisse und enge Beziehungen benachbarter
Christengemeinden gegeben haben. Möglicherweise hatte die italienische Kirche
einen Primus, doch der saß nicht in Rom. Allerdings gab es römische
Regionen in denen das Christentum kaum Mitglieder zählte. Ein Beispiel dafür
ist Gallien: noch „um 350 gibt es nur
spärliche Hinweise auf einzelne gallische Christen... Gemeinden und Bischöfe
treten überhaupt nicht in Erscheinung... Hilarius von Poitier ein Anti-Arianer
... ist neben Pholbadius von Agen der einzige gallische Bischof des 4. Jahrhunderts...
die gallischen Bischofslisten so
zahlreich sie auch erhalten sind, halten einer Kritik nicht stand... der
Briefverkehr zwischen Rom und Gallien setzt erst mit Bischof Damasus (366)
ein.“ (213)
Die Umstände des Jahres 327,
nachdem der Kaiser zum Sohnesmörder geworden war, würden den ganzen Hergang des
Konzils zu Nicäa plausibler erscheinen lassen.
Es scheint, dass das Konzil
erst 327 stattgefunden hat. Es gibt kein Protokoll von diesem, dem
wahrscheinlich wichtigsten Konzil aller Zeiten. Stattdessen sind einige
Berichte vorhanden. Einer der Berichterstatter ist Eusebius von Caesarea der
häufig übertreibt.
Das Konzil tagte angeblich vom 20.
Mai bis zum 25. Juli 325 in einem Saal des kaiserlichen Sommerpalastes in
Nicaea. Das Hauptthema lautete: Sind Jesus und der Vater eines Wesens oder nur
einander ähnlich? Der strikte und
hochintelligente Monotheist Konstantin sagte es gleich um was es ihm geht: „Als ich wider alles Erwarten von eurem
Zwiste vernahm, hielt ich, was ich hörte nicht für unbedeutend... Dass durch
meine Vermittlung Abhilfe geschaffen werde, rief ich ohne Verzug euch alle
zusammen... Zögert also nicht, o geliebte Diener Gottes und getreue Knechte des
gemeinsamen Herrn und Erlösers von uns allen, die Veranlassung zu eurem Zwist
jetzt gleich vorzubringen und die ganze Kette von Streitigkeiten durch Gesetze
des Friedens zu lösen.“ (214)
_______________
(213) Chr. Müller
Inauguraldissertation „Kurialen und Bischof...“ Uni Freiburg i.
Breisgau, S. 137
(214) Eusebius
von Caesarea „ Vier Bücher über das Leben Kaiser Konstantins“,
generiert von der elektr. BKV von Gregor Emmenegger
Die Frage warum
Berichterstatter Eusebius an dieser Stelle unterschlägt, dass Konstantin nur
einen Gott kannte: nämlich sich selbst, kann wohl nur der beantworten, der
damals durch eine Periode grausamer Verfolgung gehen musste. Wenn er es nicht
schon zuvor war, wurde Konstantin für einige Konzilsteilnehmer im Verlaufe der
Tagung der gemeinsame Herr und Erlöser.
Nach Eusebius werde Konstantin zu Recht mit der Sonne der Gerechtigkeit
verglichen. Welch ein geschickter Schachzug: Das Fest des unbesiegten Sonnengottes
wurde bald darauf zum Geburtstag Jesu Christi erklärt. Es gab und gibt eine
Fülle von Ungereimtheiten. Manche Konzilsteilnehmer, benommen von der Pracht,
die sie in Nicäa umringt, zeigten sich sehr bald kooperativ. Sie forschten in
den Mienen des Kaisers, willig den enorm Jähzornigen nicht zu reizen, sondern
ihm möglichst gefällig zu sein. Arius Vortrag musste vor dem Kaiser
durchfallen, denn Arius hielt sich an die von Origenes (185-256)
zusammenfassend dargestellten Lehren der Urkirche: „... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den
einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren
Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“ (215)
Arius glaubte, dass Gott eine Gestalt
hat. Das geht deutlich aus den späteren Schimpfreden des Athanasius
hervor: „Sie, die sich Christen nennen, (die Arianer), vertauschen die
Herrlichkeit Gottes mit der Ähnlichkeit eines
Bildes von einem
vergänglichen Menschen.“ (216) Welcher Hohn zu sagen: „Sie die sich Christen nennen!“ Dieser
Ton hätte jedem rüden Agitator des 20. Jahrhunderts gefallen. Es muss erlaubt
sein zu fragen: Wenn es eine Intelligenz vom Range des ewigen Vaters gibt, soll
sie unfähig sein sich selbst eine bleibende Form zu geben?
Eine ‚körperliche’ Existenz
Jesus als eines dem Vater nachgeordneten Gottes, würde den gerade aufkommenden
Monotheismus in Frage stellen, einen Monotheismus den – allerdings nur
scheinbar - auch die Bibel mit den Worten verlangt: „ICH BIN der Herr dein Gott... du sollst nicht andere Götter haben
neben mir“ (217) Jedoch, und das
wäre die Lösung des Widerspruchs, glaubten die ersten Christen, Jesus und der
große ICH BIN sind ein und dieselbe Person. (218) Dieser große ICH BIN,
gesandt von seinem Vater, sprach zu seinen Lebzeiten immer von diesem Auftrag.
______________
(215) Origenes
Kommentar zu Joh.: 2:3 bei Wikipedia unter Arianismus
(216) Bibliothek
der Kirchenväter, Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra
Arianos, RFT Information, 1. Rede, Teil 2
(217) Exodus 20:
1-3
(218) Johannes
Kap 8: 48-59 „... Jesus antwortete ihnen:
ICH BIN von keinem Dämon besessen, sondern ehre meinen Vater... ICH BIN nicht
auf meine Ehre bedacht... Amen amen ich sage euch: noch ehe Abraham wurde BIN
ICH.“
Auch andere frühchristliche
Autoritäten sahen darin keinen Verstoß gegen das erste der zehn Gebote. Selbst
Joh. Adam Moehler erwähnte es: „Der Sohn
ist nach Justin weder bloßer Mensch, noch eine unpersönliche Kraft Gottes,
sondern der Zahl nach ein anderer. Er ist Gottes Sohn im eigentlichen Sinne. Er
hat zu Moses aus dem Dornenbusch gesprochen: ‚Ich bin, der ich bin, der Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs.“... Apol. J. C.
65. ... „Er ist der Jehova des Alten Testaments, der Allmächtige.“ (219) Jesus
war der einzige Gott mit dem Israel und wir es, als unserem Erlöser zu tun
haben. Neben Ihm dem großen „Ich Bin“
sollten sie und wir keine anderen Götter haben, indessen aber stets den Vater
anbeten und zwar im Namen Jesu Christi: (220) Weil der Herr Christus beteuert hatte, er sei
der ICH BIN, wäre er beinahe den Tod
der Steinigung gestorben. (Hätte man dann in der Christenheit einen Stein zum
Symbol des Christentums erhoben?) Der Berichterstatter erzählt im
Johannes-Evangelium, dass Jesus ein längeres Gespräch mit streitbaren Juden
geführt hatte, indem er mehrfach seinen Namen ‚ICH BIN’ erwähnte, in dem er sagte: „Auch in eurem Gesetz heisst es, erst das Zeugnis von zwei Menschen ist gültig. ICH BIN es, der über mich Zeugnis ablegt, und
auch der Vater, der
mich gesandt hat, legt Zeugnis ab
über mich...“ (221)
Die Kontroverse weitete sich aus. Das Jesus den Gottes-Namen für sich
beanspruchte, war entsprechend dem Verständnis orthodoxer Juden eine
Gotteslästerung und darauf stand nach altem Gesetz die Todesstrafe. Die Pharisäer, die Jesus in der Nacht
verhafteten, fielen fast in Ohnmacht, als er bekannte: ICH BIN es! (222)
Mormonen glauben dasselbe: „Jehova, der
Gott des Alten Testaments, ist Jesus Christus, der große ICH BIN.“ (223)
Eben diese Basislehre des
Urchristentums, Christus sei dem wahren Gott nachgeordnet missfiel dem Vater
der Orthodoxie, Kaiser Konstantin. Nachgeordnet wollte er - der Christus -
nicht sein. Zudem widersprachen seine Absichten denen der Urkirche. Die Frage
nach dem Wesen Gottes, war und ist immer noch von grundlegender Bedeutung. Kaum
ein anderer moderner Wissenschaftler hat sich häufiger zum Thema Gott geäußert
als __________________
(219) Joh. Adam
Moehler „Athanasius der Große und die Kirche in seiner Zeit“ Mainz
1844, S. 33
(220) Epheserbrief
5: 20
(221) Joh.
8:17-18
(222) Joh.
18: „Auch
Judas, der Verräter stand bei ihnen. Als
Jesus wiederholte: Ich bin es! wichen sie zurück und stürzten zu Boden und er
fragte sie abermals: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazareth. Jesus
antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ICH es BIN.“
(223) Lehre und
Bündnisse 29:1
der große Einstein. Auf
die Frage eines New Yorker Rabbiners "Glauben Sie an Gott?"
antwortete Einstein fast ausweichend: „Ich bin
kein
Atheist… Das Problem ist für
unseren begrenzten Geist zu
gewaltig.“ Einstein glaubte an einen Schöpfer, aber nicht an
einen persönlichen Gott. Für ihn war das Wort „Gott“ die Summe aller Gesetze
und Ordnungen, nach denen diese Welt entstand und weiterbesteht. Das käme
sowohl Isaak Newtons Denken nahe, wie auch dem der Athanasianer. Doch Isaak
Newton war ein Anti-Athanasianer. „Athanasius verabscheute er.“ (224) Der Theologe Dr.Dr. Dieter
Hattrup formulierte es jedoch so: „In den
letzten drei Jahrzehnten, von 1925 bis zu seinem Tod 1955, erkennt Einstein,
dass die Wissenschaft nicht leisten kann, was er von ihr erwartet hatte, als er
sich ihr verschrieb. Ja, umgekehrt, die Physik ist dabei, das Personale als den Grund aller Wirklichkeit plausibel zu machen.
Wenn die Welt nicht nach einem mechanischen Plan abläuft, wenn es neben den
harten Gesetzen der Naturwissenschaft auch Ereignisse gibt, die von diesen
Gesetzen nur ungefähr vorausgesagt werden, dann wird Spinozas Formel hinfällig.
Dann ist Gott nicht mit der Natur gleichzusetzen. Dann liegt es eher nahe zu
sagen, der Grund der Welt, mit üblichem Namen Gott genannt, ist frei und
handelt nach Plan. Sein Handeln in der Welt ist nicht
durch Naturgesetze festgelegt, sondern er bestimmt die Gesetze.“ (225)
Hätte Gott sich nicht den Inspiration suchenden (226)
offenbart, wir wüssten nichts von ihm. Alles wäre reine Spekulation. Arius
bestand darauf, dass Menschen fortwährend der Inspiration Gottes bedürfen, als
Kinder Gottes hätten und haben wir, unter Bedingungen, Anspruch auf
Erleuchtung.
Andererseits zeigten die
gewaltigen Ereignisse und Folgen der Französischen Revolution, soweit sie
atheistisch bestimmt waren, ebenso wie die Folgen der atheistischen Bewegungen
Osteuropas wohin atheistisches Denken verführt. Dostojewski nahm es vorweg: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles
erlaubt.“ (227 )
_______________
(224) Harro
Heuser: „Der Physiker Gottes – Isaac Newton oder Die Revolution des Denkens“,
1. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau, 2005 „Gegen das TrinitätsDogma seiner Kirche hatte sich der junge Isaak
Newton verstohlen in den Arianismus hineinstudiert. Athanasius verabscheute er.
Den Trinitarismus denunzierte er leidenschaftlich als ‚falsche, infernalische Religion‘, seine Bekenner seien
‚Götzenanbeter, Gotteslästerer und geistige Hurer‘, die bösartigste und
verkommenste
Sorte
Menschen auf der Erde.“
(225) Die
Tagespost, kath. Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur. 16.03.
2004:
(226) Matth. 7:
7-11 „Wer bittet, der empfängt...“, Jakobus 1: 5 „So jemand unter euch
Weisheit mangelt, der bitte Gott und ihm wird gegeben
werden...“
(227) Dostojewski
„Die Brüder Karamasow“
Tertullian spricht
tiefgründiger vom Warum der Unsterblichkeit der
Menschenseele und dem
(innersten) Wesen unseres Schöpfers... „in
der Gottheit sei ein geistiger Körper (Corpus etsi spiritus) der göttliche
Vater habe die Fülle, der Gottheit in sich, im göttlichen Sohn sei nur ein Teil
davon.“ (228) Arius könnte es so formuliert haben: Wir sind trotz unseres
vergänglichen Kleides mit dem uns innewohnenden „nobilus ingenitus“ (229)
allesamt kleine Götter, wegen der uns eigenen Intelligenz und wegen des freien
Willens über den wir verfügen „und wären
wir in Ketten geboren“ (Schiller), aber wir sind in die Sterblichkeit
gefallene Götter, die sich aus dieser Falle aus eigener Kraft unmöglich
befreien können. Nur durch Gehorsam unsererseits, gegenüber den Christusgeboten
und mit Hilfe der Weisungen Jesu, können wir, die im dichten Nebel der
Ungewissheit stecken, herausgeleitet
werden. Wir sind allesamt gefährdete Schiffe auf dem treibenden Meer.
Manchmal fällt es uns schwer unseren Standort zu bestimmen.
Wir bedürfen eines Kompasses und eines Kartenwerkes.
Auch das ist Arianismus: „Suche ohne Unterlass die Erleuchtung.“ (230) Gottes
‚Welt’ ist eine andere, uns auf ‚grobstoffliche’ Weise nicht zugängliche. Von
der „anderen Welt“ wissen wir nichts. Es sei denn wir verinnerlichen uns und
empfangen entsprechend unserem Bemühen um die Wahrheit, Inspiration. Auch darum
ging es in Nicäa, 325. Konstantin lehnte jedoch weitere übernatürliche
Offenbarung ab. „In den Spekulationen
Konstantins nach denen Gottes natürliche Offenbarung vollkommene Erkenntnis
vermittelt, besteht eigentlich kein Bedürfnis nach der übernatürlichen
Offenbarung …“ (231) Wenn ich
schon zugebe, dass da ein wahrer Gott im Weltall ist, oder der in Bereichen
‚neben’ dem Weltall existiert, dann muss ich auch anerkennen, dass er mir einen
Weg zu bereiteten vermag, ihn und mich selbst zu erkennen. Wenn schon nicht im
Labor, kann ich ihn dennoch erfahren. Das haben zahllose Menschen
unterschiedlichster Religionen bestätigt. Aus ‚mormonischer ´Sicht sind
_______________
(228) Anton
Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“
Vandenhoeck& Ruprecht S.. 85
(229) Michael
Landmann „Philosophische Anthropologie“ de Gruyter, 1982 S. 106 u 78: „Für
Platon stammt der Geist aus einer höheren Welt und hat sich im Leben nur
vorübergehend inkorporiert... auch bei Pelagius hat zwar der Mensch seine
Erlösung (von den Folgen des Falles in die Sterblichkeit und der Möglichkeiten
sittlicher Fehlentscheidungen G. Sk.) nicht selbst in der Hand, er bedarf einer
supranaturalen
Ergänzung. Dennoch wohnt uns allen ein nobilatas ingenita ein...“ (230) Matth. 7: 7-11
(231 Heinz Kraft in Habilitationsschrift „Konstantins
religiöse Entwicklung“ Heidelberg - Uni Greifswald, 1954 S. 81 ff
deshalb die folgenden Sätze aus
dem Nag-Hammadi-Schrifttum des 2. nachchristlichen Jahrhunderts überaus
zutreffend – sie zu wiederholen lohnt sich: „Die
wahre Gotteserkenntnis beginnt mit der Erkenntnis des
Menschen
als eines gottverwandten Wesens.” (232)
„Wenn einer derer, die hier sind, zu erkennen
vermag, dass er ein vom Vater stammendes Abbild ist, von oben herabgekommen,
hier eingekörpert, so wie ein Lamm im Mutterleibe... ganz dem Vater im Himmel
gleich, so wird ein solcher dahin aufsteigen. Wer jedoch diese Lehre nicht
erhält... wird wie eine Fehlgeburt zur Nacht geboren und (auch) zur Nacht
zugrunde gehen.“ (233)
Über solche Aussagen
nachzudenken, halten einige für überflüssig. Mitglieder der Kirche Jesu Christi
der Heiligen der Letzten Tage sehen in solchen Formulierungen jedoch eine
Ermutigung sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was sie schon erkannt haben, sondern
weiter zu forschen, darüber nachzudenken, sich zugleich aber am geschriebenen
Gotteswort orientierend, um nicht zu Spinnern zu werden.
Die im Nag-Hammadi-Text stehende
Voraussage: „...wer diese Lehre nicht
erhält wird zur Nacht geboren und zur Nacht zugrunde gehen.“ ist
beachtenswert.
________________
(232) K.Rudolph, “Die Gnosis”, Koehler & Amelang, Leipzig,
1977, S. 139
(233) ebenda S.
134, Rudolph zitiert Hippolyt, „Refutatio“ V 17
Konzilstheologe Konstantin
Die Russisch - orthodoxe Kirche
betrachtet Konstantin als Heiligen; sie hat den 21. Mai zu seinem Gedenktag
erklärt, der von der römischkatholischen und von der evangelischen Kirche
übernommen wurde. Andererseits verleiht z.B. das ‚ökumenische Heiligenlexikon’
dem ‚heiligen’ Imperator die Merkmale eines lupenreinen Stalinisten: „Konstantins Handlungen waren durchweg
geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; seinen Schwiegervater, Kaiser
Maximianus, ließ er 310 erhängen, seinen Schwager Licinius erwürgen, dessen
Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn tot schlagen; Crispus, seinen Sohn
aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die
beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Folge des
Todes von Fausta (234) war, dass
ihr gesamter Besitz aus dem Erbe der
Laterani
endgültig an den Papst kam. Der
bedeutende Historiker Jacob
Burckhardt nannte Konstantin
einen Macchiavellisten, Voltaire
meinte, er sei „ein
politisch nicht unbegabter Krimineller" gewesen.“
Konstantin erschien der
Charakter des Gottes des Ältesten Arius fremd und sein Bild unvereinbar mit
seinen eignen Vorstellungen. Bischof Alexanders Rede gefiel ihm. Sie wurde
geschickt unterstützt von dessen Diakon Athanasius. Ja, so stellte er sich das vor: Gott ist
völliger Geist... „Athanasius
verglich die Beziehung zwischen Gottvater und Gottes Sohn mit jener zwischen
dem Kaiser und seinem Bild...“ (indem man sich den Gott als anwesend
vorstellte) ...den Vater könne man im
Sohn erblicken und die Göttlichkeit des Vaters erkenne man im Sohn... Kaiser
und Bild sind eins.“ (235) Tagelang, wochenlang rangen die Arianer um eine
Formel die Konstantin und ihrem
Glauben gerecht wird. Von der Grundlinie
abzuweichen, die Origenes und andere Autoritäten so klar vorgezeichnet hatte,
hielten sie für inakzeptabel. Niemand hätte es (damals, in Nicäa) (236)
____________
(234) Josef
Engemann: „Konstantin... heiratete 307 in
Trier Fausta ... die zehnjährige Tochter Maximianus „
(235) A. Demand
„Diokletian und die Tetrarchie“ Walter de Gruyter, 2004, S. 32 (236) -
Arbeitskreis Origenes: Origenes der 231, mit 46, zum Presbyter geweiht wurde
rief den Widerspruch des für die Weihe zuständigen Demetrius von Alexandria
auf, deshalb übersiedelte Origenes von Alexandria nach Cäsaräa. Hier gründete
er eine neue Schule und Bibliothek, dass Origenes sich selbst verstümmelte ist
nicht erwiesen, es könnte eine Behauptung des Demetrius gewesen sein. - Guna
Avatara Premyoga „The Path of Love“ zitiert Ronald Zürrer: „… Bischof Demetrius
...war später der erste, der Origenes der Irrlehre bezichtigte, wobei seiner
Handlungsweise jedoch offensichtlich ein rein egoistisches Motiv, nämlich
gekränkte Eitelkeit und Neid, zugrunde lag:
gewagt, Origenes anzutasten, bis auf
vielleicht einen Punkt seiner Theologie. Dieses „Vielleicht“ genügte dem
Imperator. „Ferrandus, Diakon von
Karthago, äußert: ‚Was einmal im Konzil verfügt ist, muss ewige Geltung
behalten… Die allgemeinen Synoden, vollends wenn sie die Zustimmung der
römischen Kirche gefunden haben, stehen an Ansehen nur den kanonischen Büchern
nach. Trotz mancher Anfeindungen stand die Lehre des Origenes in den ersten
Jahrhunderten in hohem Ansehen. ,’Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts äußerte sich
die Mehrzahl der Stimmen in der Kirche für den berühmten Alexandriner.’ Noch
Papst Siricius (384— 399) hatte nichts gegen den Origenismus einzuwenden, was
ihm Vorwürfe aus den Reihen der Gegner des Origenes einbrachte.“ (237) Konstantins
Zielrichtung war nicht die Verdammung aller Origeneslehren, sondern nur das,
was ihn persönlich nicht hervorhob, musste fallen. (238) Es ging zudem um die Erhaltung des Gleichheitsgrundsatzes,
und damit um unser Menschenrecht auf Entscheidungsfreiheit, das nicht erst
Konstantin ein
Dorn im Auge war; ein Recht,
das wir zu allen Zeiten gegenüber jeder
Anmaßung von Agitatoren und Diktatoren zu verteidigen haben. (239)
Die ersten Christen jedenfalls verstanden es so. Der Geist der Freiheit ist
Teil
des Geistes Gottes. den wir
erhielten und zu bewahren haben. (240) Hoch
und heiß ging es zu: Arius hatte sich gut vorbereitet, aber Athanasius nicht
minder. Nach teilweise heftigem Hin und Her mischte sich eines ________________
(237) Waltraud
Große „Entwicklung der Theologie in den ersten Jahrhunderten bis zur
Ablehnung der Lehre des Origenes durch das 5. Konzil in
Konstantinopel 553“
(238) Franz
Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited Bd 2 ,
2005, S. 34: „Gnosis ist an keinerlei
Zugehörigkeit zu irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe gebunden... , Peri
Archòn II Praefatio 9.5; 9.6 „...gerade dieser antiautoritäre Zug bei
Origenes... rief später die autoritäre Reaktion der auf Machtprinzipien
Beharrenden hervor, dass schließlich alle zur Gnosis gelangen würden, war mit
dem kirchlichen Gnaden- und Wahrheitsmonopol nicht vereinbar, wie es seit
Augustin beansprucht wurde.“
(239) Buch Mormon
Alma 43: 45 „Die Nephiten waren durch eine bessere Sache angefeuert, denn sie
kämpften nicht um Monarchie oder Macht, sondern sie kämpften um ... ihre
Freiheitsrechte, um ihre Frauen und ihre Kinder, um ihr alles...“
Ebenda 61: 15 „Darum, mein
geliebter Bruder Moroni, laß uns dem Bösen widerstehen, ... damit wir unsere
Freiheit behalten, damit wir uns am großen Vorzug unserer Kirche und an der
Sache unseres Erlösers und unseres Gottes erfreuen können. ... gemäß
dem Geist Gottes, der auch der Geist der Freiheit ist, der ihnen
innewohnt.“ Alma 43: 8-9 Die Absicht
(der) Lamaniten war ... sich große Macht über (die Nephiten) anzueignen... Und nun war die Absicht der Nephiten... ihre
Frauen und ihre Kinder ... vor den Händen ihrer Feinde zu bewahren, ... ja, und
auch ihre innere Freiheit, damit sie Gott gemäß ihren Wünschen anbeten
konnten.“
(240) Joh. 8: 32
„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Tages Nikolaus von Myra ein.
Verärgert darüber, dass die Arianer nicht klein beigeben wollten. Der
fünfundsiebzigjährige Arius hatte wiederholt Origenes (185-254) Wort für Wort
zitiert und dabei wiederholt betont, dass dies die bislang unwidersprochene Lehre
der Urkirche war. Als Arius dann noch auf Nachfrage bekräftigte, dass er
Origenist bleiben würde, und dass er dabei bleibe Gott Vater und Gott Sohn
trügen menschliche Züge rutschte dem vierzigjährigen Nikolaus von Myra die Hand
aus. Sie traf das Gesicht des Greises Arius. Das Ökumenische Heiligenlexikon
schwächt hier zwar ab, indem es von einer Legende spricht, dass Arius von dem
Heißsporn geschlagen wurde. Doch ihrem ganzen Wesen nach dienten die in Umlauf
gesetzten Fabeln der Kirche nach Nicäa dazu, negative Ereignisse zu
beschönigen, eine Anpassung zu ermöglichen oder Ungezogenheiten zu
verniedlichen. So offensichtlich auch hier. Es scheint, dass es sich wirklich
so abgespielt hat. Das würde auch den rapiden moralischen Verfall der Kirche
erklären. Dass sich Abgeordnete aneinander vergreifen, kommt in weltlichen
Parlamenten vor, nicht aber unter gleichberechtigten Bischöfen der Kirche
Christi. Nach Jesus verlangt solche Entgleisung die Exkommunikation, (241) doch
der Herr Jesus Christus war tot, er hatte in und nach Nicäa nicht mehr
mitzureden. Diese Rolle übernahmen zuerst die Kaiser, dann die Päpste. Die
Athanasianer hielten solche Bekenntnisse, wie Arius sie abgab,
selbstverständlich für blanken, allen Christen verbotenen Polytheismus. Das war
- ihrer Meinung nach - strafwürdige Häresie. Aber war es wirklich eine
‚Abweichung’? Ein fragender Blick zum Imperator hinüber bestätigte Athanasius,
er befinde sich auf der Linie des Kaisers. Was wollte er mehr? Fest stand, an
seiner speziellen monotheistischen (henotheistischen) Grundeinstellung würde
Konstantin nicht rütteln lassen. Das würde ihren gemeinsam erstrebten Sieg
ermöglichen. „Nun ja“, mochte Athanasius, möglicherweise denken‚
„der Kaiser glaubt leider noch
Gott Apollos Geist wohne in ihm. Eines
Tages wird auch er begreifen,
dass es der Geist Christi ist, der in ihm Heimstatt gefunden hat.“ Die meisten
Bischöfe wankten auch aus Gründen der Höflichkeit (und aus Furcht) hin und her.
Viele dachten: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Wie mag sich der Schafhirte und
Bischof Spyridion von Zypern im Kaiserpalast gefühlt haben? Die Stunde der definitiven Entscheidung kam
herauf. Nur knapp lautete die wiederholte Einlassung des gefährlichen Imperators:
„Niemand sollte (darf) die absolute
Geistigkeit der Gottheit _______________
(241) Matth 5: 22: „Ich sage euch, jeder seinem Bruder auch
nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein, und wer zu seinem Bruder sagt: Du
Dummkopf!, soll dem
Spruch des Hohen Rates verfallen sein...“
gefährden...“. (242)
Endlich begriff das auch der Dümmste: Der Kaiser hatte gesprochen: Ein Geist ist gestaltlos, unbeschreiblich,
also unvorstellbar. Punktum. Das war das Ende der Diskussionen. Beiseite
geschoben wurde mit einer einzigen abschließenden Bemerkung, dass Jesus, als
Auferstandener, das Gegenteil gesagt hatte, indem er die Jünger beruhigte denen
er begegnete: „Seht meine Hände und Füße
an: ICH BIN es selbst. Fasst mich
doch an und begreift: kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir
seht.“(243) Der Theologe Adolf
von Harnack resümiert: „Der Wille des
Kaisers entschied.“ So kam es zur Aussage: Gott ist homousios. Die Kirche
musste parieren und den Raub des kleinen Vokals akzpetieren. Jedenfalls war das
der Wunsch Konstantins und der Männer des Athanasiuskreises. Wegen dieses
homousios, dieser Wortneuschöpfung, bar des Jota’s, ging es 1500 Jahre zu, wie auf einem
Schlachtfeld. Es rollten die Köpfe, zumindest in den Schlachten, die der
byzantinische General Belisar für seinen Kaiser Justinian gegen die arianischen
Vandalen in Nordafrika und gegen die arianischen Goten in Italien schlug.
Goethe kommentierte den Verlust des Vokals so:
„Denn
eben, wo Begriffe fehlen, Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich
ein.
Mit
Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit
Worten ein System bereiten,
An
Worte läßt sich trefflich glauben,
Von
einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“
Nur ein schnell zupackender
Griff und dann war es eben doch geschehen. Infolge dessen verloren die Menschen
den Frieden. Indem sie mit Hass die neue Botschaft predigten, trieben sie den
Geist Christi aus ihren Versammlungen hinaus. Es war so, als hätte jemand über
Nacht die Fenster verhängt. Offensichtlich bis in die Gegenwart gilt es für
Christen sich zu ducken und möglichst wenige kritische Fragen zu stellen. Da, auf Seiten des Arius,
war ein Gott, wie ihn die Bibel kennt, während hier mit Athanasius ein
undefinierbares dreiheitliches Wesen zur Geltung kam. Wohlgemerkt, wer diesen
Unterschied zugunsten Athanasius nicht machte, oder bis
zu dieser Stunde nicht
nachzuvollziehen vermag, kann
nicht selig werden, - sagen die Katholiken und einige ökumenischen Christen....
„Wer da selig werden will, der muss vor
allem den katholischen Glauben festhalten. Jeder, der diesen nicht unversehrt
und unverletzt bewahrt, wird ohne
Zweifel ewig verloren gehen...“ nämlich, „ (es) sind nicht drei Götter, sondern ein Gott. So ist der Vater Herr,
der Sohn Herr, der Heilige ________________
(242) Adolf von
Harnack, Dogmengeschichte S. 232
(243) Lukas 24: 39
Geist Herr. Und doch sind es nicht drei Herren, sondern ein Herr. Denn
wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott
und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei
Göttern oder Herren zu sprechen...“ (244) Vor der angemaßten
Drohung des sogenannten Athanasiums, mussten Jesu Kriterien, auf welchem Wege
ewiges Glück erreicht werden kann, ins zweite Glied treten: Seine Prüfsteine,
an denen wir vorüber zu gehen haben, lauten allerdings anders: „Was hast du mit dem Licht gemacht, das ich
dir gab?“ (245) „Hast
du versucht, die Last des anderen zu erleichtern?“ (246) „Hast du die Talente entfaltet, die ich dir
gab?“ (247) Sein Maßstab sind die Früchte: „Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und
ins Feuer geworfen werden“. (248) Vom Hervorbringen der Güte, als gute
Frucht wird mehr als eintausend Jahre nach Athanasius kaum noch geredet. Sie
behaupten mit dem Begriff Hölle, ein Wort, dessen Ausmaß sie nicht kennen:
ewig! Ewig verloren! Welcher Barbarismus! Unter Athanasianern gilt als
ausgemacht, wer nicht wie sie glaubt, kommt in die Hölle und zwar für ewig.
Alleine diese Idee zeigt ihren Hang zum Unmenschlichen und ihre Jesusferne.
Nach Origenes (249) hingegen ist ein Wurf ins Feuer nur ein Bild für
eine zeitliche begrenzte Pein des Gewissens, etwas Endliches (nicht eine
„unendlich zu erleidende“ ‚Höllen-Strafe’ – das Gefängnis selbst ist ewig, ein
Aufenthalt darin ist es nicht.) Athanasianisch - Augustinisch formuliert
verfiel sogar die Seele jedes ungetauften Säuglings dem ewig peinigenden Feuer.
Völlig lichtlos bekräftigte das Konzil zu Florenz eintausend Jahre später,
1440: „Die Seele derjenigen, welche in
der Erbsünde aus dem Leben scheiden, fahren zur Hölle herab, auch die kleinen
ungetauften Kinder.“ Selbst 500 Jahre nach dem Florentiner Konzil, galt
solche Formel als absolut wahr. Ähnliches, heute noch, für bare Münze nehmen zu
können, würde einen gewissen psychischen Defekt voraussetzen. Konzilien werden
von Menschen gemacht. Dennoch steht
immer noch in zahllosen Kirchenbüchern in fast allen Sprachen der Welt
geschrieben: wer nicht nicänisch - athanasianisch glaubt, wird ohne Zweifel ewig verloren gehen, als handele es
sich dabei _______________
(244) Essenz des
Athanasiums
(245) Matth. 5:14
(246) Galaterbrrief
6: 2
(247) Matth. 25:
14-30
(248) Matth. 7:
19
(249) Handwörterbuch
für Theologie S. 1697 „Gottes Pädagogik hilft (im Prozess der
vorgesehenen Vervollkommnung seiner Kinder) „durch das Läuterungsfeuer im Hades
nach. Es erscheint in der Bibel als ewige Verdammung, es besteht jedoch in
einer zeitlich begrenzten, qualvollen Gewissenspein.“
um unumstößliches
Offenbarungsgut. Der rüde Ton lässt darauf schließen, dass es bei diesem Gott,
der eines Wortes - oder nur eines Jotas wegen - Menschen verurteilt,
tatsächlich um einen anderen als den von Jesus verkündeten handelt. Dieser öffnet die Arme und eilt dem
entgegen, der sein Erbe leichtsinnig durchbrachte, aber einsieht... jener fühlt
sich gut dabei, auch nur ein einziges seiner Geschöpfe ewig leiden zu lassen. Das
Feuer der Gewissensqual ist nur von dem zu erdulden der wissentlich
Menschenrechte verletzte: Nun,
Raffgieriger, musst du leiden bis zu dem Tag, an dem du wünschst, du könntest
das Ungute, das du bewusst über andere gebracht hast, wieder gutmachen. Es wird
dir vorkommen, als würdest du in ein Gefängnis geworfen: „Amen, das sage ich dir: du kommst dort nicht heraus, bis du den
letzten Pfennig deiner Schuld bezahlt hast.“ (250) Lasse dir aber
andererseits von niemanden weißmachen, ich
bezahlte für dich, was du mutwillig zerstört hast. „„Irrt euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch
sät, das wird er ernten.“ (251) Deshalb „verschaffe dem Bedürftigen und Armen
Recht.“ (252) Vergiss nie, „dass ich die Heuchelei hasse“. Kein Dirigent
würde ein Konzert beginnen, ehe nicht sicher gestellt ist, dass Kammerton A
eingestimmt wurde - und den gibt Jesus vor.
Seit Nicäa jedoch war den Konzilstheologen der Geist der Brüderlichkeit,
der zwischen ihnen herrschen sollte, nicht mehr so wichtig wie das „Recht
haben“. Die an sich gutwilligen, aber mit Athanasius nicht zufriedenen
„Konzilstheologen“ Nicäas hatten sich
bald umgarnt gesehen, viele sahen zu spät und ratlos die Falle, in die sie
trotz oder eben wegen der unmäßigen Lobhudelei einiger geraten waren. Trotz des ariusfreundlichen Eusebius und seines
Einflusses auf den Kaiser, konnten viele ihre Sache nicht behaupten, weil sich
Athanasius wahrscheinlich schon recht früh für seine eigene Karriere, und damit
für den Kaiser, entschieden hatte, um irgendwann die Nummer Eins der Kirche zu
werden. Spätere Berichte und Dokumente belegen das. Athanasius wollte
persönlich hoch hinaus. Er wünschte Metropolit zu werden. Jeden Preis würde er
dafür entrichten. Triumphierend sind Alexander und sein Diakon Athanasius
zunächst heimgereist,. Ihr Gefühl sagte ihnen: Diesen Sieg würde ihnen niemand
mehr streitig machen! Adolf von Harnack bemerkt allerdings: Die Formulierung: „Vater, Sohn und Heiliger Geist seien
(wesenseins) „unius substantiae“, hatte den meisten ‚Konzilsvätern’ gar nicht
gefallen“, jedenfalls
nicht in dem Sinne dem Athanasius folgte. Aber es waren die ______________
(250) Matth 5: 26
(251) Galater 6:
7-10
(252) Sprichwörter
31: 8-9
abschließenden Worte eines
Kaisers gewesen. „Nach einem Brief, den Eusebius von Caesarea an seine Gemeinde schrieb,
war den meisten Bischöfen die
Streitfrage ob Jesus mit dem Vater wesensidentisch ist, zu hoch.“ (253) Fast alle kuschten, und dafür belohnte
Konstantin sie. Das Abschlussmahl versetzte die Bäckergesellen, den Hirten und
die kleinen
Landwirte in höchstes
Entzücken. Sie lagen mit dem weltbedeutendsten Imperator zu Tische und ließen
sich bedienen: „Wünschen die Noblissimi noch Pfauenzungen? Vielleicht noch
etwas griechischen Wein?“ Geschafft! dachten der Imperator und der ehrgeizige Athanasius.
Das Werk war gelungen. Sie waren, bis auf zwei Ausnahmen, so klug gewesen, ihm
(ihnen) nicht zu trotzen. Damit hätte die Sache als ‚beigelegt’ betrachtet
werden können. Doch als die anderen Bischöfe, die nicht nach Nicäa gereist
waren, von dem ‚Konzilsbeschluss’ erfuhren, und die Gemeinden der
Befürworterbischöfe hörten, was da im Dunstkreis des Mörderkaisers passiert
war, ging der Streit, wenn auch örtlich unterschiedlich, erst richtig los.
Bischöfe stehen ihren Gemeinden ja nicht als Generalautoritäten vor, sondern
die jeweiligen Ältestenkollegien sind in ihrer Gesamtheit der Bischoftschaft
ebenbürtig. Und dann, als dritter Teil, haben auch die anderen Mitglieder der
Gemeinden mitzureden. Manche Gemeinden bestanden vollzählig aus Christen, die
sich nur in den Glaubens- und Gedankenbahnen des Origenes und Arius bewegen.
Sie lehnten das Nicänum gelassen ab. Sie wußten was in der Schrift geschrieben
steht, und ahnten, wie es zu dem fraglichen Ergebnis kam.
Vor dem Kaiser fürchteten sie
sich nicht, vor dem Geist der ihn beseelte sehr wohl. Im Gegensatz zu vielen
Christen unserer Zeit sowie der Jahrhunderte nach dem 4. ökumenischen Konzil zu
Chalkedon kannten sie große Teile der Heiligen Schriften auswendig. Sie
wussten, dass Origenes (185-254) oft genug als Vermittler von nah und fern
liegenden Gemeinden zu Hilfe gerufen wurde, wenn Differenzen in der Auslegung
der Schrift auftraten. Die Literatur bestätigt wiederholt, dass die meisten der
von ihm beratenen Mitglieder der Kirche sich seinem Urteil beugten. Und eben
dieser Meistertheologe der Urkirche beteuerte, dass es wahre Christenlehre sei
zu sagen: „Die Trinität besteht aus 3
Hypostasen, also aus drei wirklich existierenden Wesen, die auch hinsichtlich
ihrer Natur verschieden sind. … Vater und Sohn sind 2 Götter…”. (254)
Natürlich haben nahezu alle
Christen immer geglaubt, dass es eine aus drei Personen bestehende Gottheit
gibt, die eins im Willen und der Absicht ist.
Auch die später von Athanasius
verfolgten Melitianer glaubten (zunächst), _____________
(253) A. von
Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 236
(254) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft,... S. 1696
wie die Arianer, die Gottheit
bestünde aus 3 Hypostasen. Deshalb sind
die Arianer und ihre Freunde keineswegs Antitrinitarier, wie so oft behauptet
wird. Sie empfanden es als Angriff auf ihre Glaubensfreiheit, was dieser
monotheistische Heidenkaiser sich erlaubte. Was für eine Verdrehung schlichter
Glaubenswahrheit, zu verkünden, drei sei eins und eins ist drei.
So blieben fast alle Christen
des gesamten 4. Jahrhunderts Origenisten oder Arianer - Athanasius und dem
Kaiser zum Trotz. „Das Ansehen des
Origenes (und damit des Arius G.Sk.)
war noch in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts in weiten Kreisen ein
unbedingtes.“ (255) Die bis zur Stunde ständig wiederholte Aussage,
der Arianismus sei eine Häresie ist unhaltbar. Sie stellt die Fakten auf den
Kopf. Die Gegenthese lautet bis heute, der Arianismus spricht Jesus Christus
nicht die „volle“ Gottheit ab.
Jeder Vater ist für eine
Periode seines Lebens seinem Vater nachgeordnet gewesen, das spricht doch nicht
gegen des Sohnes volle Gleichberechtigung.
Im athanasianischen
Gedankenspiel sind mehrere Fehler enthalten, vor allem dieser: er meint es sei
in Ordnung die Ellenbogen einzusetzen, - etwas das Arius Freunde bitter
erfahren mussten. Auch rein sachlich gesehen sieht man, dass die
Unterstellungen der Athanasianer inkorrekt sind. Der berühmte Arianer Wulfila
der im 4. Jahrhundert wirkte,
bekräftigte, was er von Arius gelernt hatte „Jesus
ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... (M Pl. Suppl. I. 707) ... er
glaubt an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und
Gott, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht
hat.“. (256) Die
Athanasianer finden keine Unterstützung bei ihren Vätern. (257)
Mit dem „Athanasium“ wurde eine
Abweichung und damit eine Häresie als Kirchenlehre festgeschrieben! Theologen
wie Adolf von Harnack verweisen wiederholt, wenn auch nur indirekt, darauf,
dass katholische Geschichtsschreibung ernsthaft anzufragen ist: „Es gab nachweisbar im
Osten
und noch mehr im Westen zahlreiche Bischöfe, die sich um den Beschluss (zu
Nicäa) nicht kümmerten, für welche derselbe gar nicht existierte. Im Abendland
kam man erst nach dem Jahr 850 (!) zum _______________
(255) A. von
Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 28
(256) (Gert
Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“
Vandenhoeck & Ruprecht, 1993 S 56,141: „Einer
ist der Gottvater aller, der auch der
Gott unseres Gottes ist... Christus ist wohl Gott, aber er ist dem Vater
unterordnet.“....
(257) www.
dogmatic. Uni-Bonn, S. 145: „Die vornizäische Theologie“, 2009 : „Irenäus stellt das Gottsein von Sohn und
Geist klar heraus , „beiden kommt ein
personales
Sein zu, da sie gemeinsam mit dem Vater handeln.“
Nachdenken über das Nicäanum.“ (258) Das
Athanasianum drückte gegen die
Urkirche. Es war eine ihr zutiefst fremde Glaubensformel. Kaum dass er wieder
in Alexandria anlangte, bohrte und drängte Athanasius verschärft, alle hätten
zu glauben seine Neuheit sei althergebracht: „Eifert alle für den Herrn und jeglicher halte am Glauben der von den
Vätern gekommen ist, fest... keiner nehme die auf, die gegen den Glauben von
Nicäa versuchen Neues aufzustellen.“ (259) Bischof Alexander half
ihm energisch. Gemeinsam wünschten sie das Kirchenschiff in eine andere
Richtung zu lenken. Alexander predigte gewaltig. Er und sein Diakon vertieften
vereint den neuen Trend und Charakter des nachkonstantinischen Christentums.
Irgendwann fallen von den Lippen Bischof Alexanders, wahrscheinlich in seiner
Basilika, die welthistorisch wichtigen Worte:
„Dem
Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut“ (260)
Bischof, diese deine
Aufforderung ist eine Kriegserklärung... ‚bis aufs Blut’. Bald darauf stirbt
Alexander. Zu spät. Er kann nichts zurücknehmen. Die Negativkraft wirkte enorm:
Das Echo ist bis weit ins 18. Jahrhundert zu hören: Dem Arius muss man Widerstand
leisten bis aufs Blut... der Tag musste kommen, an dem alle Vernunft und
Intelligenz vor dem Fanatismus zurückwich... unter Innozenz III. (1198 - 1216)
werden die Athanasianer alles niedermetzeln was ihnen verdächtig vorkommt... (261)
Begonnen hatte es scheinbar harmlos, mit den Vorwürfen: „Sie, die sich Christen nennen (die Arianer), vertauschen die
Herrlichkeit Gottes mit der Ähnlichkeit eines Bildes von einem vergänglichen
Menschen.“ (262)
_____________
(258) A. von Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“
Mohr-Siebeck, 1990, S. 235 (259) Simon Gerber „Theodor von Mopsuestia und das
Nicaenum“ Studien, Brill, 2000 (260)
Ernst Ferdinand Klein, „Zeitbilder“ Ackerverlag, Berlin 1930, S. 153
(261)
James D.
McCabe, "Cross and Crown", 1881 National publishing Co. New
York: ”Little children were torn from the arms of their mother, dashed
against the rocks and carelessly cast away. The sick or the aged were either
burned in their homes or hacked in pieces, mutilated half-murdered and flayed
alive. They were exposed, in dying state, to the heat of the sun, or to flames,
or to ferocious beasts; others were tied, in a state of nakedness, into the
forms of a human ball, the head between the legs, and in this state were rolled
down the precipice. Some of them, torn and bruised by the rocks from which they
had rebounded, remained suspended from some projecting rock, or the branch of
some tree, and still groaned forty-eight hours afterwards. Women and young
girls were violated, impaled, set up naked upon spikes at the corners of the
roads, buried alive, roasted upon lances, and cut in pieces by these soldiers
of the faith, as by cannibals Two of the most infuriated of these fire-raisers
were a priest and a monk of the order of St. Francis… These persecutions
continued until Feb. 1848, when the King of Sardinia granted the Vaudois the
right to exercise their religion and to enjoy civil and political rights, and
to attend schools, colleges, and universities…
(262) Bibliothek
der Kirchenväter, Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos, RFT
Information, 1. Rede, Teil 2)
Manche Sätze bohren sich tief
ins Gedächntnis: „Sie, die sich Christen nennen.“ Unsensibel sprach Athanasius
den Anhängern der Urkirche, den Origenisten-Arianern, den Status Christ zu sein
ab. „Der Kaiser! Der Kaiser!“ „Was geht uns dein Kaiser an?“ lautete die
Antwort der meisten, vor allem der Melitianer. (263) Die Melitianer
verstanden sich als Kirche der Märtyrer. Melitus von Lykopolis, Oberägypten sah
sich selbst als den Repräsentanten der Kirche. Als er begann, auch in
gemischten Gemeinden Älteste und Priester zu ordinieren rechneten ihm einige
Bischöfe das als Kompetenzüberschreitung an. Damit „verletze er die göttliche Ordnung und die kirchliche Regel.“(264) Arius
fand nach Nicäa bei den Melitianern Rückendeckung, allerdings gab es bald
Meinungsverschiedenheiten. Sie schwächten sich ohne sichtbare Gründe
gegenseitig. Schließlich unterliegen die Melitianer im Kampf mit dem
Athanasianismus. Ihre Spuren verlieren sich im 8. Jahrhundert.„Die melitianischen Wirren entzündeten
sich... an der Wahl und Weihe des
Athanasius... dies war eine Wahl die gemäß Kanon 4 von Nicäa ... nicht mehr von
Presbytern der
Stadt
sondern durch ägyptische Bischöfe vorgenommen wurde... wobei Vereinbarungen mit
den Melitianern gebrochen wurden... von den 34 melitianischen Bischöfen
verweigerte sich ein erheblicher Teil ... außerdem besaßen die Arianer in der
Pentapolis eine starke Stellung...“
(265) Athanasius Kritiker
bemängelten bereits frühzeitig, dass die Privilegien die sein Bischof Alexander
vom Kaiser erhalten hatte vorausblickend auf seinen Diakon zugeschnitten worden
waren und dass dabei nichts Gutes herauskommen konnte. Das Herrschen-wollen
entsprach nicht dem Geist der seit Alters in der Kirche gepflegt wurde.
______________
(263) K. D.
Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die
Kirche in der Geschichte“ ein Handbuch Vandenhoeck & Ruprecht, 1992 S. C
149 u 141-143: „Von den 34 melitianischen Bischöfen in Ägypten... hatte sich
ein erheblicher Teil nach Nicäa nicht unterworfen...die Melitianer ... erhoben Klage gegen die Gewalttätigkeiten
Athanasius... in der Fastenzeit 332 brachte Athansius den Presbyter
Ischyras (einen seiner Kritiker G.Sk.) durch eine politische Denuziation (er
hätte Steine gegen eine Kaiserstatue geworden) beim Präfekten Hyginus ins Gefängnis. Ischyras kaufte sich durch ein
‚Geständnis’ frei... alle Anklagen gegen Athanasius seien erlogen... er
widerrief es später...“ Die Gewalttätigkeiten gegenüber Melitianern hielten
an „...334 ließ Athanasius eine Zusammenkunft melitianischer Bischöfe und
Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen... Straßenkrawalle der christlichen
Jungfrauen toben... Der Brief (Kaiser) Konstantius ( nach dem Athanasius eine
Vorladung der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek als eine
Fälschung des Athanasius anzusehen, welche das (ariusfreundliche G.Sk.) Urteil jedes Ansehens berauben soll.“
(264) Rudolf
Lorenz „ Die Kirche in ihrer Geschichte – das vierte Jahrhundert“,
Vandenhock & Ruprecht, 1992, C 140
(265) ebenda
Paulus z.B. attackierte Petrus
öffentlich, den er durchaus als den Präsidenten der Kirche anerkannte, indem er
ihn, sowie Johannes und
Jakobus „die Säulen“ nannte. (266)
Wie er Petrus tadelt war blamabel. Doch Petrus schlägt nicht zurück: er lobte
Paulus später, nachdem dieser viele Briefe verfasst hatte die sich teilweise
scharf gegen Petrus Kurs richteten.
Bei allen
Meinungsverschiedenheiten blieb der Ton des Petrus brüderlich. (267) Athanasius wollte entschieden
mehr sein, als ein treusorgender Vater seiner Gemeinde; eine Rolle, die der im
Alter von knapp dreißig Jahren, wahrscheinlich allein stehende Mann,
vielleicht, mit klugen Ratgebern an seiner Seite, hätte spielen hätten. Doch
jeder der es je mit ihm zu tun hatte, sah wie machtgierig er war.
Da gab es die jederzeit
Opferwilligen, die bereit waren für die Sache der Freiheit und der
Menschenliebe Jesu ihr Leben hinzugeben, die nie danach getrachtet hatten
‚mächtig’ zu werden, und nun lebte hier ein junger, auch äußerlich kleiner Mann
der schnell zu mehr Einfluss und Ansehen kommen wollte. Er mischte sich in die
weltlichen Angelegenheiten mit demselben Ziel ein: Macht! Ungeniert
trachtete er danach sich die nichtjüdischen Seeleute zu Freunden zu machen, -
das wäre ohnehin seine Pflicht als Christ gewesen, aber er operierte damit
gegen die hebräischen Reeder. Tatsache ist „dass
die Kirche von Alexandria seit dem 4. Jahrhundert nachweislich als Reederin
aufgetreten ist“ (268) Er
trachtete, ebenfalls aus politischen Gründen danach, sich die Paganen gewogen
zu machen indem er ihnen Frieden zusicherte. Wahrscheinlich wurde in den
melitianischen Gemeinden um 328 auch in den Gottesdiensten bald mehr von und über
Athanasius gesprochen, als von
der Wichtigkeit den Geist christlicher Freundlichkeit zu bewahren. Das vor
allem Arius dahinter steckte, wenn man ihn tadelte, schien für Athansius
ausgemachte Sache zu sein. Kurios bei allem ist, dass sich Athanasius im
Grunde, seines persönlichen Anti-arianismus nicht wirklich gewiß war:
Inspiriert, im Sinne der Kirche, war er nicht. Das gibt er selbst zu. Eigentlich hätte ihn der Geist Gottes
geradezu einhüllen und ihn erleuchten müssen, wenn das wirklich wahr gewesen
wäre, was er so nachdrücklich und im Namen Jesu Christi, lehrte: „Je mehr ich nämlich schreiben wollte und
mich anstrengte über die
Gottheit
des Sohnes, desto mehr entfernte sich seine Erkenntnis von mir ________________
(266) Galater 2 Vers 9.
(267) 2. Petrus
3: 15-16 : „Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das
hat euch auch unser geliebten Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit
geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In
ihnen ist manches schwer zu verstehen...“
(268) Jörg Köpke
„Die italienischen Bischöfe unter
ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 S 53
und ich sah ein, dass ich in dem
Maße von derselben verlassen würde, als ich sie zu erfahren schien.“ (269)
Athanasius ignorierte diese Wahrnehmung. Dagegen ging es seinem Intimfeind
Arius stets darum, zu sagen, dass Christen sich vom Geist Gottes leiten lassen
sollten. Eben weil sie Geistkinder Gottes seien, sind sie fähig die innere
Verbindung zu ihrem ‚himmlischen’ Vater zu halten. Das ist ohnehin eine immer
gültige Regel, niemand möge sich äußern, ehe er nicht zur inneren Klarheit
gelangte. Athanasius missachte dieses Prinzip offensichtlich. Sein Vorurteil
und sein Beharren darin, musste zu vermehrter Intoleranz führen. In innerer
Dunkelheit Entscheidungen zu treffen, sollte man unterlassen.
Das von Bischof Alexander gegen Arius
in die Welt gesetzte Wort, von der Widerstandsleistung „bis aufs Blut“, sollte sich Schritt für Schritt zum Programm der
Orthodoxie entwickeln: „Ein wahres
Spießrutenlaufen erlebte Lucius, einer der Gegenspieler des Athanasius, als er
367 die Stadt verlassen mußte. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers
ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde er unter
militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet: "Alle schrien mit einer
Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er [Lucius] abgeholt
wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des Militärbefehlshabers; sie
stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der Stadt“.
(270)
Mit solchem Verhalten verließen die Orthoxen definitiv den Raum des Rechtes. Im
Jahr 432 wird den bedeutenden Patriarchen Nestorius, dasselbe Schicksal
ereilen. Damit trotzten sie dem Geist Gottes, der „auf dem Messias liegt...“ von dem der ‚allein wahre Gott’
voraussagte: „Er wird den Völkern das
Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht schreien, und man wird seine
Stimme nicht auf der Straße hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen
und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen
hat“ (271) Am Maßstab ‚Erkenntnisumsetzung und bewahrung’ sind wir
sicherlich allesamt zu messen. Sind nicht eigentlich diejenigen die Häretiker
die sich gegen das Bemühen des Anderen um
Wahrhaftigkeit wenden? Was war es, was nur 50 Jahre nach Nicäa, den
Christen Ambrosius bewegte
Kaiser Theodosius I. zu ermutigen, das
Gesetz zum Glaubenszwang gegen
das Toleranzreskript von Mailand zu _______________
(269) bei Joh.
Adam Moehler, „Athanasius der Große und die Kirche in seiner Zeit“ 2. Aufl.
Mainz 1844 Verlag Kupferberg, ep.ad Monach. C. 1-2. fol 343
(270) Manfred
Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl. 2004 zitiert
Athanasius, Historia Arianorum, 5,13
(271) Matth. 12:
18-20
novellieren? „Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen sollen sich, so ist unser Wille, zu der
Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat,
wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem
sich der Pontifex Damasus klar
bekennt...“ (272)
Wer war dieser Damasus und wozu
hat er sich klar bekannt? Diese beiden Fragen hat, wie wir sehen werden, die
Geschichtsforschung nicht zugunsten des Pontifex Damasus, beantwortet.
Athanasius Hetzreden und die Konsequenzen
Der bekannte Theologe Schleiermacher
kann jedenfalls nicht umhin festzustellen, dass „Athanasius... das Signal zu den Verfolgungen gegeben hat. Schon auf
dem Nicänischen Konzil mag er die Hauptursache des strengen konstantinischen
Dekrets gewesen sein... Er fängt überall mit Schimpfen und Heftigkeit an und
ist unfähig und unbeholfen im
Disputieren.“
(273)
Bereits in seiner zuverlässig
überlieferten 1. Rede gegen die Arianer tönt Athanasius: „Wenn man sie aber logisch untersucht, so wird es sich herausstellen,
dass sie (die andersdenkenden Christen) bitteren Spott und Hohn verdienen...,
verdienen sie nicht allen Haß?” (274)
Auch Hans Lietzmann stellt fest: „Er wird die nicänische, orthodoxe
Leitfigur der kommenden Kämpfe.“ (275)
Das Buch Mormon lehrt gegen diesen
Trend zum Inhumanen: „Es ist nicht meine,
(Jesu), Lehre, dass den Menschen das Herz zum Zorn aufgestachelt werde, sondern
es ist meine Lehre, dass es derartiges nicht mehr geben soll. ...Wer den Geist
des Streites hat, ist nicht von mir...“ (276) Athanasius Anklagen verstummten nie
wieder:
„Unter
Rückgrif auf typische Formen der Polemik greift Athansius seine Gegner an und
diskriminiert ihre Handlungsweise grundsätzlich.... dass die Arianer sich wie
dauernd umherschwirrende Stechmücken verhalten, ist eine Metapher. Die
Athanasius immer wieder verwendet.“ (277) Von da ____________
(272) Aus dem
Text des Staatsgesetzes „Cunctos populos“ von Februar 380.
(273) Joachim
Boekels, Dissertation: Schleiermacher als Kirchengeschichtler - 1993 Google
Books Result
(274) Maßgebliche
Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der
Kirchenväter" (auch in RTF-Format)
(275) Hans
Lietzmann „Geschichte der Alten Kirche“, de Gruyter, 1999, S. 8
(276) Buch Mormon
3. Nephi 11: 30 + 29
(277) Annette von
Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“ Walter de Gruyter
Uni Erlangen 2001 S. 186-187
an, so urteilt auch Adolf von
Harnack, erfüllte „die Sprache das Hasses
die Kirchen.“ (278)
Schon die Art, wie Athanasius
nach dem Tode seines Bischofs Alexander
327 sich „in einer Art Husarenritt von einer Minderheit zu seinem Nachfolger“
wählen ließ, hätte auch seine Sympathiesanten stutzig machen müssen. Jetzt will
er Metropolit und mehr werden! Bösartig provoziere er den Widerstand seiner
Gegenspieler um sich selbst wichtiger zu machen. Seine Reden wurden immer schärfer. Im
scharfen Ton eines kommunistischen Kommissars der 20er Jahre gegen Kulaken und
angebliche Konterrevolutionäre hetzte der Häretiker: „Ich glaubte, die Heuchler des arianischen Wahnsinns würden sich auf
das, was ich bisher zu ihrer Widerlegung und zum Erweis der Wahrheit
vorgebracht habe, zufrieden geben und nunmehr sich ruhig verhalten und bereuen,
was sie vom Heiland übel gedacht und geredet haben. Sie aber geben in
unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und
Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr
für ihre Gottlosigkeit neue Wege.“ (279) Man
spürt, wes Geistes dieser Mann ist. Wer
nicht glaubt wie er, der ist gottlos, die
„…Arianer (sind) keine Christen... Sie sind die Erfinder von
Gotteslästerungen und in
Wahrheit
die Gottesfeinde, da sie sich, um den Sohn nicht als Bild des Vaters anerkennen
zu müssen, vom Vater selbst leibliche und irdische Vorstellungen machen...“ (280)
Bald brachte der
alexandrinische Volksmund das Sprichwort auf: Athanasius contra mundum. Athanasius gegen die Welt.
Er hält sich für den großen
Sachverständigen und folgert messerscharf: „...Wenn
aber Gott nicht wie ein Mensch (aussieht), er ist es nämlich nicht, so darf man
auf ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen... Vergebens also
sannen die Unverständigen auch dies aus, sie, die vom Vater das Bild loslösen
wollten, um den Sohn der Kreatur gleichzustellen.
Indem
nun die Anhänger des Arius nach der Lehre des Eusebius ihn in die Reihe des
erschaffenen Wesen stellten und ihn dem gleichgeartet erachteten, was durch ihn
entsteht, so weichen sie von der Wahrheit ab, und indem sie sich trügerische
Sprüchlein schmiedeten, gingen sie im Anfang, als sie diese Häresie schufen,
überall herum...“ (281) Aber
Athanasius, der geborene
Politiker sucht Verbündete, auch unter den _________________
(278) A. von
Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S.236
(279) Maßgebliche
Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der
Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede
(280) ebenda
(281) ebenda
Paganen, er bedarf der
Unterstützung aller Kreise die ihm irgendwann nützlich sein könnten. Darin ist
er nicht erfolglos. Man spürt jedoch, wer er ist. Kaiser Konstantin ist
indessen verärgert, als er vernimmt, was sein Chefideologe da im fernen
Alexandria treibt. Konstantin mag zu den rücksichtslosesten Machtmenschen aller
Zeiten gezählt werden, doch an Frieden und Stabilität in seinem Reich lag ihm,
aus wiederum egoistischen Gründen, viel. Kaiser einer Horde Barbaren zu sein,
wäre wenig schmeichelhaft für ihn gewesen.
Beschwerden
über Athanasius, als Kirchenfürst und heimliches Haupt Alexandrias, waren bei
Hofe eingegangen. Deshalb ordnet der Imperator bereits 328 Ruhe an, und was den
Intimfeind des Athanasius angeht „dass Arius wieder in die Kirchengemeinschaft
Alexandrias aufgenommen wird,
... „doch Athanasius weigerte sich aus Gründen der Rechtgläubigkeit...“
Nach
Manfred Jacobs erhebt sich hier jedoch die wichtige Frage „ob es Athanasius wirklich entscheidend um die Rechtgläubigkeit
gegangen sei, sondern darum, seine Stellung als Metropolit Alexandria zu
festigen und auszubauen...“ (282) Als Arius um 330 ankündigte, er werde nun
doch einer anderen Kirche angehören als Athanasius, und als Konstantin
vernimmt, dass dieser kleine junge Mann ihm trotzt erregt sich der Kaiser. Noch
richtet sich sein Zorn nicht gegen Athansius. In seiner Wut, da er einsehen
muss, dass das Konzil zu Nicäa letztlich nur den Hader vergrößert hat, während
er Athanasius theologisch nicht widersprechen darf, wenn er sich selber nicht
unglaubwürdig machen will, „befiehlt
Konstantin nun die
Bücher
des Arius zu verbrennen und seine Anhänger fortan
„Porphyrianer“
zu nennen. Das heisst, sie den schlimmsten
Christusfeinden gleich zu setzen... Die Besitzer arianischer Bücher sollen
sogar mit dem Tode bestraft werden.“ Das berichtet Sokrates
Scholasticus. (283) So „
verfolgte (Konstantin) die Arianer, -
und die Orthodoxen haben das gebilligt.“ (284) Dann kippt die
Grundhaltung Konstantins. Er der viele Probleme zu lösen hat, befiehlt
definitiv Ruhe an.
Aber Athanasius ist taub, er
geht stur voran. Er rechtfertigt sich vor dem
Kaiser
mit Beteuerungen, der Kaiser und er seien die Opfer arianischer Verleumdungen.
Die Forschung weiss es besser und es ist anzunehmen auch Konstantin : „Die These von der Opferrolle des
Athanasius kann... aufgrund der 1913 u 1914 von H. J. Bell aufgefundenen Papyri
bezweifelt werden, in denen die beiden melitianischen Kleriker Callistus und
Pagenus _______________
(282) Manfred
Jakobs, „Die Reichskirche und ihre
Dogmen...“, Kleine VandenhoekReihe 1987, ,S.30
(283) Rudolf
Lorenz, „Das vierte Jahrhundert“, 1992, S. 143, Google Book R
(284) A. von
Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 235
über
die Brutalität berichten, mit der Athanasius die Melitianer verfolgt habe.“
(285)
Unter diesen Vorzeichen beginnt die
Synode zu Tyrus 335. Christoph
Markschies sagt: „Wir kennen ein (für
Athanasius) wenig schmeichelhaftes Stimmungsbild der Situation in Alexandria
aus der Feder eines Melitianers aus dem Jahr 335: ein Bischof dieser
Gemeinschaft aus Leontopolis, der in die Hafenstadt gekommen war, wurde von
betrunkenen
Soldaten
überfallen und sein Begleiter inhaftiert. Es
gab Tote. Nach Karl Holl handelte es sich um ‚Maßnahmen’, die Athanasius
ergriff, um das
Treffen
einer melitianischen (arianischen G.Sk.) Synode in seiner Heimatstadt zu
verhindern.“ (286) „Fünf
melitianische Bischöfe beschuldigten Athanasius
in Tyrus 335, dass er sie habe prügeln lassen.“ (287)
Konstantin konnte es nicht mehr ertragen. Was bildete sich der
‚schwarze Zwerg’, ein. Er
verbannt ihn nach Trier, stellte ihn
unter
Aufsicht
seines ältesten Sohnes Konstantin des Jüngeren. (288)
„Das Ergebnis der Synode von Tyrus brachte... den endgültigen Bruch
zwischen Athanasius und Konstantin.“ (289) Unter „Androhung der Verbannung war Athansius zum
Erscheinen aufgefordert worden. Dabei hatte er zu seiner Unterstützung 48
ägyptische Bischöfe mit nach Tyrus genommen, die nicht eingeladen waren“ (290 )–
es half ihm alles nichts. Er war zu weit gegangen. Einfluss auf diesen Gang der Ereignisse wird
auch Konstantins Halbschwester Konstantia genommen haben. Bereits zum Zeitpunkt
des 1. ölumenischen Konzeils 325, erkannte Konstantin, dass er an ihr einiges
gut zu machen habe. Er hatte seinen Eid gebrochen den er ihr geleistet, indem er ihren Ehemann
Mitkaiser Licinius ermorden ließ, nachdem er ihn entmachtete. 312 waren sie
Waffenbrüder gegen Maxentius gewesen, 313 hatten sie gemeinsam das
Toleranzreskript von
Mailand unterschrieben, aber
dann kam es zu den abzusehenden
Spannungen weil Konstantin sich
außerstande sah zu teilen. Die Universalmonarchie oder nichts! Diese Idee muss
ständig durch das _______________
(285)
Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und
christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu
Konstantinopel (381)“ , Franz
Steiner Verl. 2003 ,
S. 54
(286)
Christoph Markschies, „ Alta Trinita Beata: Gesammelte
Studien zur
altkirchlichen Trinitätstheologie“ Mohr Siebeck, 2000, S. 187
(287)
Rudolf Leeb, „Konstantin und Christus“ Walter de
Gruyter 1995 S. 179
(288)
Christoph Markschies „Alta Trinita Beata“ Mohr Siebeck
, 2000
(289)
Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und
christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu
Konstantinopel (381)“ , Franz
Steiner Verl. 2003 , S. 56
(290)
Rudolf Lorenz „Die Kirche in ihrer Geschichte – Das
vierte Jahrhundert“
Hirn des Machtgenies gezuckt
sein. 324 schlägt der stärkere Schwager den Schwächeren. Das von Jesus
verachtete Wolfsgesetz, das er überwinden wollte, kam erst mit und in
Konstantin zu voller Geltung.
Nicht genug damit dass er
Licinius töten ließ, auch dessen Sohn musste beseitigt werden, damit die
Konstantindynastie die ganze Beute erbt.
In dieser Geisteshaltung betrat
der angeblich bekehrte Imperator 325 die christliche Bühne. Dieser Hero der
Brachialgewalt wollte und sollte aller Römer Herr und einziger Gott werden.
Dass Konstantins Sinn sich irgendwann nach Nicäa gewandelt hätte, ist zweifelhaft.
Er ging seinen Weg, allmählich allerdings duldete er gewisse arianische
Tendenzen. „Auf ihrem Totenbett...
anempfahl Konstantia ihrem Bruder ... einen arianischen Presbyter der in ihrem
Haushalt lebte.... Athanasius beklagte sich (später) über die Macht der Antinizäer mit den
Worten... sie hätten wegen der Frauen die
Unterstützung des Kaisers“ (291) Nicht zu vergessen ist, dass „die Gruppe die Arius einst unterstützt
hatte und auf dem Konzil zu Nicäa wegen ihrer sehr verschiedenen Haltung zur
‚fides nicaena’ auseinandergebrochen war wieder zusammen gefunden hatte. (sie)
verfügte nicht einmal 3 Jahre nach ihrer Katastrophe wieder über nahezu alle
ihre Machtpositionen.“ (292) Athanasius wohl genug Realist, einsehend,
dass er nicht der Erste werden kann, trachtete nach guten Beziehungen mit Rom.
Gegenseitig unterstützten sie sich, Bischof Julius I. und er. Das war das
Erfolgsrezept. Athansius anerkannte Julius, ein wichtiger Schritt zum dauernden Primat Roms. So „wird
Rom zum Sprecher des Abendlandes... Bischof Julius zögert keinen Augenblick die
Besonderheit der Lage zu nützen... er hält es für Recht, dass man sich in
Fragen die die Bischöfe betreffen nach Rom wende. Aus der Gelegenheit eines
ökumenischen Streites sucht Rom für sich die Stellung einer kirchlichen
Oberinstanz der Ökumene zu gestalten“ (293) Im Jahr 340 beruft
Julius nach Rom eine Synode ein, um Athanasius, der vom seinem neuen Kaiser,
Constantius II., einem - leider fanatischen - Arianer und Herr des Ostens,
nicht geliebt wird, als rechtmäßigen Bischof Alexandrias zu bestätigen. Doch
bereits im nächsten Jahr, findet „die
Synode zu Antiochia statt. Die Orientalen kommen zusammen und verurteilen
Athansius und seinen Anhang erneut. Diese Synode weist den Vorranganspruch Roms
ab.“ (294) Constantius II. macht Athanasius später den
Vorwurf „er habe ihn
und seinen Bruder (Constanz der ein Athanasianer und
Kaiser des ______________
(291)
Rudolf Leeb, „Konstantin und Christus“ Walter de
Gruyter 1995 S. 163
(292)
Christoph Markschies „Alta Trinita Beata“ Mohr Siebeck
, 2000, S. 177
(293)
M. Jakobs „Die Reichskirche und ihre Dogmen“, Kl.
Vandenh.-Reihe 1987, S. 34 (294) ebenda
Westens war) bewusst entzweit.“ (295) Der Patriarch
von Konstantinopel
Gregor von Nazians äußert sich über
diese Periode: „Ich gehe jeder
Versammlung von Bischöfen aus dem Weg. Ich habe noch nie erlebt, dass dabei
etwas Gutes herausgekommen ist und dass einem Übel ein Ende gesetzt worden
sei... es gibt immer nur Streit und Herrschsucht.“ (296) Als Athanasius
Jahre zuvor ‚seinem’ Kaiser Konstantin drohte, er habe soviel
Einfluss, dass er die
Getreideschiffe von Ägypten aufhalten könnte, die in Rom dringend erwartet
wurden, verbannte Konstantin den
Größenwahnsinnigen 335 nach
Trier.
Die Kaiser nach Konstantin - vor
allem der Konstantinsohn Constantius, ein Arianer - erkannten ebenfalls, welch
ein Unruhestifter dieser kleine Mann war. Sie sahen, dass Athanasius allenfalls
von einem Zehntel der Bischöfe des Reiches getragen wurde. Sie setzten den
Mitschöpfer des orthodoxen Christentums wiederholt matt, indem sie ihn aus
Alexandria entfernen ließen. Constanz hatte klugerweise, für 343, „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach
Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile einberufen und sein Bruder
(Constantius) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer
Teilnahme des verbannten Athansius. Daraufhin verweigerten die Orientalen ihre
Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten sich gegenseitig. Bei der
nächstfolgende Schlacht um den Stuhl von Konstantinopel soll es 3510 Tote
gegeben haben...“ Constantius war zu Kompromissen bereit „... nach dem Sturz des
(katholischen)
Constanz durch Magnentius 350 suchte Athanasius bei dem
Usurpator
Unterstützung gegen Constantius. Diese hochverräterischen
Beziehungen
kamen ans Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2
Synodalbeschlüsse
353 und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“ (297)
Doch Athanasius fiel immer
wieder auf die Beine. Die gesamtpolitischen Umstände waren ihm günstig. Sein
Hauptanliegen, seine persönliche Gottesvorstellung durchzusetzen, sollte
schließlich mit Hilfe rücksichtsloser, vorrangig politisch orientierter Christen
gelingen. Dass dabei die von Goten gestiftete deutsche, arianische Kirche
vernichtet wurde ist ein anderes Blatt im Geschichtsbuch.
_________________________
(295) M. Jakobs
„Die Reichskirche und ihre Dogmen“, Kleine Vandenhoek-Reihe
1987, S. 31
(296) ebenda S 47
(297) A. Demand
„Geschichte der Spätantike“ , 2008, C.H. Beck S. 113
Die Synode zu Rimini 359
Politisch war Athanasius auf
die Dauer gesehen erfolgreich. Wie stark oder schwach indessen seine
theologische Position war und ist belegt der gesamte Verlauf der Rimini-Synode.
Unter Umständen lassen Menschen sich leicht
beeinflussen, auch diejenigen, die so tun als wäre ihre Überzeugung hart und
echt wie ein Diamant.
Viele Nationalsozialisten und
sogar eigentlich eher unpolitische Offiziere und Soldaten gingen 1941 für ihren
Führer noch durchs Feuer. Drei Jahre später wünschten sie daran nicht mehr
erinnert zu werden.
Prof. Hans Lietzmann schildert
den Verlauf der Riminisynode lebhaft: „In
Rimini
kamen über 400 Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte,
von dem nicäischen Bekenntnis nicht abgehen zu können... es kam schnell zu
einer Scheidung der Parteien, und die Kaiser (Constantius II. einem
Arianer) zustimmende Minderheit von 80
Bischöfe verließ die große Kirche und verlegte ihre Sitzungen in einen
leerstehenden Saal. Am 21. Juli 359 wurden Bischof Valens von Mursa, Ursacius
und Gaius als Häretiker und Feinde des nicäischen Glaubens verdammt... Beide Seiten schickten je 10 Bischöfe oder
Deputierte zum Kaiser. Das Schreiben der (größeren) Synode lehnte jede
Erörterung der gemachten Vorschlage ab und forderte Erlaubnis zur Heimreise.
Die kaiserliche Antwort lautete: „Der Monarch sei zur Zeit nicht in der Lage
die Deputation zu empfangen... er habe aber angeordnet das die Herren in
Adrionopel warten sollten bis er zurückkehre...“
Sie
aber drängten, sie müssten zurückkehren... doch sie saßen in Nike einem kleinen
Nest bei Adrianopel fest... bekamen fleißig Unterricht über die theologischen
Anschauungen Bischof Valens von Mursia, bis sie endlich am 10. Oktober bereit
waren, ihren Auftrag zu verleugnen, die
Absetzung des
Valens und Genossen zu widerrufen,
in
Kirchengemeinschaft
mit ihm zu treten und das vorgelegte Symbol zu unterzeichnen.... Das Aktenstück
enthält 14 Namen. Jetzt durften sie zurückreisen und von ihren theologischen
und höfischen Erfahrungen berichten. Dort (zurückgekehrt nach Rimini) erfuhren sie auch, der hohe Staatskommissar
der Praefectus Praetoriio Taurus, (sei angewiesen worden), die Bischöfe nicht
eher nach Hause reisen zu lassen, bis sie sich geeinigt hätten. Als Belohnung
war ihm das Consulat des nächsten Jahres in Aussicht gestellt... (wenn alle unterzeichneten) Ein hartnäckiger
Rest könne in die Verbannung geschickt werden, es dürften aber nicht mehr als
15 Bischöfe sein... einer nach dem anderen sah ein, dass er eigentlich gar
keine Ursache habe zum Märtyrer des nicäischen Bekenntnisses zu werden. Es war
ja freilich als Parole ausgegeben worden, aber doch erst seit wenigen Jahren
und nur zum kirchenpolitischen Gebrauch: Im kirchlichen Leben des Abendlandes
spielte es gar keine Rolle, und wer konnte überhaupt diese griechischen Spekulationen
verstehen? Ossius (über
einhundertjährig) und Liberius hatten ja schließlich auch mit sich reden
lassen, und es werde allmählich kälter und der Heimweg war weit....
(Vielleicht, war einer da, der darauf verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen
sich bald von anderen Männern trösten lassen könnten. Sie waren ja fast
ausnahmslos Verheiratete. G.Sk.) „Scharenweise
wechselten die milde gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20
Aufrechten übrig, aber auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint
ist hier der antinizänische Bischof Valens von Mursa G.Sk.) und sie schickten eine Erfolgsmeldung an den Kaiser, sie möchten nun
endlich nach Hause entlassen werden.“ (298)
Heiliggesprochene Unheilige und ein von Christenhand
geköpfter Heiliger.
Die in Frage zu stellenden
Namen einiger der Heiliggesprochenen lauten - stellvertretend für viele andere
- :Damasus der 366 Papst werden will, Ambrosius von Mailand der zwischen 374 und 397 die antike Welt erschüttert,
sowie Augustinus von Hippo und Epiphanius beide um 390 und Innozenz I. um 410,
dessen angebliches Pontifikat von 402 –
417 dauerte, sowie Cyrill von Alexandria
der um 431 unselig agiert.
Priscillian von Avila, der 385
von Christenhand geköpfte, ist der
andere.
Eine Anzahl Arianer Roms gingen
am frühen Morgen des 26. Oktober des Jahres 366 in ihre kleine Julii-Kapelle
(heute: St. Maria in Trastevere). Sie kamen wahrscheinlich ahnungslos zum
Gottesdienst, um zu singen und zu beten, über ihr Leben nachzudenken und was
sie an diesem Tag besser machen konnten als zuvor. Sie dachten über ihr
Verhältnis zu Licht und Weisheit nach. Das war ihr Fehler. Sie hätten sich
keine Gedanken machen sollen. Sie hätten einfach blindlings glauben sollen was
allen Christen seit Nicäa zugemutet worden war. Wie kann man nur so dumm sein
und sich ein eigenes Bild von den Dingen und vom lieben Gott machen zu wollen.
Das Denken über theologische Fragen stand denen zu, die sich auskannten, wie
Kaiser Konstantin, der Inspirator und Herr des nicänischen Konzils.
Die römischen Arianer hätten,
ehe sie sich an diesem Morgen in ihr
______________
(298) Hans Lietzmann, „Geschichte der Alten Kirche“, S.
226-228
schlichtes, kreuz- (299)
und altarloses (300) Gemeindehaus begaben, vorsichtiger als sonst
sein müssen und die zunehmenden Drohungen ernst nehmen sollen. Das war ihnen
doch nicht entgangen, dass sich Bruder Damasus über ihren Bischof Ursinus enorm
geärgert hatte, sie wussten dass Damasus der Erste Mann der Kirche sein wollte.
Es hieß doch, er habe auf dem Stuhl Petri Platz genommen der - entweder als
Idee oder als Gegenstand - gerade aus Antiochien (301) angekommen sei. Dieser
Stuhl, den nach Aussagen maßgeblicher Katholiken, vor 360 kein Römer kannte,
besaß angeblich magische Kräfte. Wer auf ihm Platz nahm, der regierte an Peters
(Petrus) Stelle. Sie haben es doch vernommen: Damasus werde nicht erlauben, das
Bruder Ursinus, dieser unverbesserliche Arianer ihm irgendwie im Wege steht. Er
werde ihm eine Lektion in Sachen Disziplin und wahrer Religion erteilen.
Bischof Ursinus hätte vor der Tür stehen und sie warnen sollen: Ich habe heute
Nacht schlecht geträumt; dass er völlig ahnungslos war, scheint unwahrscheinlich.
Aber, so waren sie nun einmal diese Arianer, sie vertrauten auf Gott, der sie,
wie sie leichtfertigerweise meinten, nicht im Stich lassen würde. Die Arianer
fürchteten zwar, doch noch wussten sie nicht, dass die Athanasianer, sobald
ihrem angemaßten Vormachtsanspruch widersprochen wird, weder Gnade noch Recht
kannten. Deshalb rückte „(um) acht Uhr morgens, Damasus mit seinem
gottlosen Anhang heran. ... mit (dem)
gesamten Klerus, alle mit Beilen, Schwertern und Knitteln bewaffnet...“ (302) Unverschämtes
Rumoren störte ihre Andacht. Das Pochen an ihrer Kirchentür lässt die
Versammelten zusammenfahren. Die Mütter legten ahnungsvoll und fürsorglich,
doch vergeblich die schützenden Arme um ihre Kinder. Ein Ältester hob die Hände
zum Gebet, da krachte das Holz. „Sie werden doch nicht?“ Und ob, sie werden!
Mit ihren Knüppeln und Äxten fuhren sie dazwischen. „Wer nicht nicänisch glaubt ist kein Christ!“
Nüchtern resümiert der
Bericht: „während kein einziger Damasianer fällt erliegen 160 Ursinaner“
(303)
dem Angriff.
Ursinus entkommt mit einigen Freunden,
__________________
(299) Die
Christen vor Konstantin kannten das Kreuz als christliches Symbol nicht. Erst
das Konzil zu Ephesus 432, erklärte es dazu. Das Kruzifix kam erst nach dem
achten Jahrhundert auf.
(300) K-P.
Hertzsch, „Theologischen Lexikon", Union –Verlag, Berlin, 1977. S.13: „Es geht um das Sitzen um den Tisch. Wobei
wieder deutlich wird, dass es in einer christlichen Kirche eigentlich keinen
Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch.“
(301) Gabriel
Rabo „Geschichte der Syrisch-Orthodoxen Kirche“, Uni Göttigen, 2006: „der
Stuhl Petri zu Antiochien ist älter als der Stuhl Petri zu Rom.
(302) Martin Rade
lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“, 1882, S. 14. (303) ebenda
wahrscheinlich durch einen
Hinterausgang. Die anderen liegen in ihrem Blut, verstümmelt und leblos. In den
vielen Gemeinden Großroms entschließen sich auf diese Schreckensnachricht hin,
die Arianer zum Widerstand. Sie werden nicht zulassen, dass Barbaren ihre
Frauen und
Kinder wegen eines frommen
Vorwandes hinschlachten.
Noch liegen einige Tatsachen im
Dunkel. „...es (kam jedoch) zu einem
dreitägigen Blutvergießen (vgl. Coll. Avell. I, 5).“ (304) Kaiser Valentinianus I. wird zwar unterrichtet,
doch ihn plagten andere Sorgen. Seine Präfekten werden es schon zu händeln
wissen. Einzelheiten wurden vertuscht, das Resultat lautete: „Erst aufgrund der Unterstützung des
Stadtpräfekten Viventius und des
praefectus annonae Julianus gelingt
es Damasus schließlich, die Oberhand
in Rom zu gewinnen.“ (305) Der erste näher bekannte Krieg der
Athanasianer gegen Arianer muss gedauert haben. Wie viel Bestechungsgelder
durch Damasus gezahlt wurden um, schlachtentscheidend, den Stadtpräfekten auf
seine Seite zu ziehen wissen wir nicht. Bekannt ist dagegen. dass der wegen
seiner ‚Verdienste’ bei der Bekämpfung der Arianer heilig gesprochene Damasus
wenig später in Saus und Braus lebt und in kostspieligen Kutschen durch die
Stadt reist. Zeitgenosse Hieronymus, Damasus späterer Sekretär, als
Bibelübersetzer berühmt geworden, berichtet nur, dass „jener Heide Prätextat, der im Jahre 367 so energisch wider die
Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen pflegte: „Macht mich zum
Bischof der Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!... (Noch war ja
das Gesetz zum Glaubenszwang nicht verabschiedet worden, noch durfte ein
römischheidnischer Präfekt so reden und spötteln ohne Gefahr für sein Leben
befürchten zu müssen. Zwanzig Jahre später hätte er das nicht mehr gewagt.
G.Sk.) ...Im Munde des Prätextatus war
das ein sehr bezeichnendes Wort, denn er war der erste und reichste Senator und
seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und 152 000 Thaler
unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der städtischen
Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der römischen
Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um die
Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind,
kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu
reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und
so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der
königlichen Tafel zuvortun." (306)
________________
(304) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(305) ebenda
(306) M. Rade lic. Theol.
„Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag,
Damasus aufwendiger Lebensstil
unterschied sich nicht nur von dem der ersten Jünger, er widersprach den
verbindlichen Weisungen die in der Urkirche galten: „Haltet euch fern von jedem Bruder, der ein unordentliches Leben
führt... Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemanden
unser Brot umsonst gegessen, wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht
haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen... als wir bei euch
waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch
nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentlichen Leben
führen und alles Mögliche treiben, nur
nicht arbeiten. Wir ermahnen und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn,
in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbstverdientes Brot zu essen... wenn
jemand auf unsere Mahnung in diesem Brief nicht hört, dann merkt ihn euch und
meidet den Umgang mit ihm... weist ihn zurecht.“ (307)
Damasus schätzte sich glücklich und
nur darauf kam es ihm an. Offiziell heißt es weiter von ihm: „Damasus setzte sich durch mit Hilfe zweier
Reskripte der Kaiser Valentinian I. und Gratian, die die römische
Disziplinargewalt anerkannten. (308) Von Bedeutung ist die
generelle Toleranzbereitschaft Kaiser Valentinians, der wahrscheinlich das
Wesen des Streites unter Bischöfen nicht verstand und der beiden
Hauptrichtungen wohl gesonnen war. Da Kaiser Gratian sich später auf die
Ratschläge Ambrosius einlässt, ist es kein Wundern, dass er die römische „Disziplinargewalt anerkennt.“ Nicht wer
die Wahrheit oder die menschlich bessere Lösung auf seiner Seite hat, sollte
gewinnen, sondern wer die Staatsgewalt hinter sich bringen konnte.
Den anderen Bischöfen wird
angesichts des Barbarismus dieses
Unheiligen, der Schreck in die
Knochen gefahren sein. Sollte sein Beispiel
Schule machen? Zwei Jahre später „im Jahre 368, verursachte (‚Papst’
Damasus) auch einen Überfall auf die Ursinaner in St. Agnes.“ (309)
________________
(307) 2. Thess. 3: 6-13 .
(308): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott
Bautz: Die Kaiser ordneten die „Mithilfe der staatlichen Beamten beim
Vollzug kirchlicher Urteile an. Damasus bekämpfte den Arianismus... Ursinus
wurde mit den beiden, ihn unterstützenden Diakonen aus Rom verbannt. ... die
für ihn eintretenden Presbyter verhaftet. Weitere blutige Auseinandersetzungen
zwischen den Anhängern beider Parteien in Rom lassen sich jedoch nicht
vollständig unterdrücken. Nachdem sich die
Lage
vorerst etwas beruhigt hat, können Ursinus und seine Anhänger nach Bitten beim
Kaiser (Valentinianus I.) am 15. September 367 als Begnadigte triumphal nach
Rom zurückkehren. Wenig später, am 16. November 367, erlässt der Stadtpräfekt
jedoch erneut eine Ausweisungsorder“
(309) Martin Rade
lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag, S. 29
Wohin mochte solche Brachialgewalt
noch führen? Um was ging es fortan? Man müsste annehmen, die ganze christliche
Welt würde nun einhellig protestieren. Doch die betreffende Notiz lautet: „in dieser Zeit wird Damasus in der
Epistula ad afros besonders wegen seiner Aktivitäten gegen arianische Bischöfe
gefeiert.“ (310) Damasus hielt es für geraten, seinen Taten im
Nachhinein wenigstens den Anstrich von Rechtmäßigkeit zu geben. „Marcellin und Faustin erzählen in ihrer
Präfatio: ‚Diese schreckliche Grausamkeit (des Damasus) missfiel den Bischöfen
Italiens allzu sehr. Als er sie nun zu seinem Geburtstag (dem Jahrestag
seiner Amtserzwingung als Bischof) feierlich eingeladen hatte und einige auch
wirklich gekommen waren (also diejenigen die sich noch als kompromissbereit
erwiesen) bestürmte Damasus sie mit
Bitten und Geschenken (Bestechungsversuchen) ein Urteil über den heiligen Ursinus zu fällen. Da antworteten sie: Wir
sind zum Geburtstag gekommen, nicht um (jemand) ungehört zu verdammen. So hatte
Damasus Intrige nicht den gewünschten Erfolg.“ (311) Macht begehrte er
und Macht erlangte er. „Damasus wird
mit kaiserlichem Einverständnis
der Oberrichter der
Kirche...“ und obenauf kommt ein weiteres Privileg, das er
wahrscheinlich Ambrosius zu verdanken hat: „Der
römische Bischof soll (allein) dem persönlichen Gericht des Kaisers
unterstehen.“ (312) Die quasi Immunität des ‚römischen Bischofs’ zu
erwirken sollte sich als Missgriff des mächtigen Kaiserberaters Ambrosius, (374
getauft) erweisen, das beweist der Verlauf der Kirchengeschichte. Nicht
nur Damasus, der ganzen Kirchenführung aller Zeiten, vor allem dem ‚kleinen
Mann’ hätte es gut getan, gemäß dem
Rechtsgrundsatz „Vor dem Gesetz sind alle
gleich“ behandelt zu werden, wie Paulus lehrte „Ihr seid alle einer in Christus“ (313), Ambrosius war geradezu besessen von der Idee, Rom sei der Nabel der Welt und die vom
römischen Bischof geführte Kirche könne nicht sündigen. Wies sehr er irrte hat
gerade auch Damasus Handeln bewiesen: „Die Angabe des Pontificalbuches, dass man
Damasus wegen Ehebruch verklagt habe, wird auf guter Tradition beruhen... doch
der klagende Jude Isaak hatte keine Beweise. Er wird (von der Synode von 44
italienischen
Bischöfen) verwiesen, (sie) lobhudeln, preisen die Gerechtigkeit und
Frömmigkeit
des Kaisers Gratian..., es trieft vor Ergebenheit.“ (314)
_________________
(310) Annette von
Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“ Walter de Gruyter
Uni Erlangen 2001 S. 186-187
(311) ebenda S. 49
(312) Martin
Rade, „Damasus, Bischof von Rom“, 1882, S. 31
(313) Galater 3:
28
(314) Martin
Rade, „Damasus, Bischof von Rom“,1882,
Dass es Damasus weder um den
Glauben noch um die Menschen gegangen war, muss man als bedauerliche
geschichtliche Tatsache hinnehmen, nicht unbedingt jedoch, dass dieser Mann als
Heiliger Verehrung findet. Die römisch- katholische Kirche widmet ihm den 11.
Dezember als seinen Gedenktag, ebenso die armenische Kirche. Seiner
(ursinischen) Brüder gedachten nur die Nichtathanasianer. Ihr Schicksal kümmert
viele bis zur Stunde nicht. Hieronymus, der von 382 bis 385, als Sekretär des
Papstes
Damasus gearbeitet hatte,
wusste wem er diente. Auch der neue Stil den Damasus als Briefeschreiber
anschlägt, müsste ihm zumindest anmaßend vorgekommen sein, wenn nicht frech und
falsch: „In den Verlautbarungen von
Damasus... an die Adresse anderer Bischöfe fällt ein bis dahin ungewohnt
autoritärer Ton auf. An die Stelle von Rat und Bitte traten jetzt häufig
Weisung und Befehl... er schrieb: „dadurch,
dass eure Liebe dem apostolischen Stuhl die schuldige Ehrerbietung erweist,
ehrt ihr uns am meisten, geliebte Söhne, denn wenn wir auch besonders in der
Kirche zur Leitung berufen sind, in welcher der heilige Apostel sitzend lehrte,
wie wir das Steuerruder, das wir empfangen haben, lenken müssen, so gestehen
wir doch dieser Ehre nicht würdig zu sein.“ (315) Was denkt Hieronymus,
von alledem? Im Jahr 365 oder 66,
neunzehn Jahre alt, vor den Straßenschlachten, die sein späterer Arbeitgeber
provozierte, ließ er sich in Rom taufen. (316) Dann geht er nach Trier um seine Studien fortzusetzen,
unterstützt von seinen wohlhabenden Eltern – oder war es Flucht vor den
Gräueltaten des Mannes der ihm irgendwann danach eine einträgliche Stellung
anbietet? Während dem flieht auch Ursinus, der von Damasus verfluchte Bischof
(angeblich als Gegenpapst) im selben Jahr nach Gallien und später nach Mailand.
Dort „in Mailand sucht er die
Gemeinschaft der
Arianer.“ (317)
Hieronymus der bewundernswert
fähige Übersetzer der Bibel aus den Urtexten Hebräisch und Griechisch ins
Lateinische (Vulgata) „beherrschte sieben
Sprachen.“ (318) Lange Zeit hielt er sich zurück. Es heißt nur,
von ihm sei, „mehr als ein bitteres Wort
über die römische Kirche überliefert worden“ (319) Schwieg er zum Thema
päpstliche Gewalt, weil der reiche
_____________
(315) Gert
Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“
Vandenhoeck&Ruprecht, 1993, S.19
(316) Stefan
Rebenich, „Hieronymus und sein Kreis“
Franz- Steiner-Verlag, Stuttgart,
2 000, S. 29 : es gibt
Hinweise, „dass Hieronymus unter dem
Episkopat des Liberius, d.h. vor 366 getauft worden sei.
(317) M. Rade,
„Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag, S.49
(318) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(319) G. Haendler
„Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“
Vandenhoeck&Ruprecht, 1993, S.134
Kirchengewaltige ihn
förderte? Wollte Hieronymus etwa selbst
Papst werden? Er diente dem ‚Papst’
jedenfalls bis dessen Tod. Die Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland
weiß zu berichten: „Nach dem Tode des
heiligen Damasus am 11. Dezember 384 wurde der heilige Hieronymus nicht zu
dessen Nachfolger gewählt, wie er es vielleicht erwartet hatte. Zu heftig war
seine Kritik an der Verweltlichung des römischen Klerus gewesen.“ (320) Vielleicht gingen seine frühen
Damasus-kritiken verloren, wie das damals üblich wurde, wenn sie nicht ins Bild
passten. Dennoch war er ein Opportunist, denn „er hatte von Origenes gelernt“, den er ... „später in seinen Werken verleugnete und kritisierte.“ (321)
Dieser Trend des Hieronymus ist nicht zu leugnen. „Wohl ab 393 bekämpfte der heilige Hieronymus die Theologie des
Origenes mündlich und schriftlich, da er sie durch den greisen Bischof
Epiphanius von Salamis als Irrlehre erkannt hatte“ (322) Allerdings
erhebt sich die Frage: war Hieronymus unfähig oder unwillig zwischen
Intrigantentum und Streben nach Wahrhaftigkeit zu unterscheiden? Sich an und
nach Epiphanius auszurichten war und ist wohl kaum zu empfehlen. Die Forschung
lässt jedenfalls im Wesen und in den Ansichten des sonderbaren Heiligen
Epiphanius nur wenig Gutes erkennen. Dieser Mann „Epiphanius ließ 392 die meisten paganen Tempel Zyperns zerstören.“
(323)
Epiphanius, der Zerstörer von
Heiligtümern, der oft gelobte Metropolit Zyperns gehörte zu den entschiedensten
Konstantinianern (Nicäern) überhaupt – obwohl er nie Origenes Präexistenzlehre
in Frage stellte. Aber er hasste die Tugendlehre und Freiheitslehre des
Origenes. und deshalb ist er darauf versessen das Glaubensgebäude der
Origenisten und derer die ähnlich
dachten, zu zerschmettern; straflos, zunächst.
Epiphanius operierte gewollt brutal. Die hellenische Welt klagt ihn scharf an: „Epiphanius …verfolgte __________________
(320) Internet-Information
am 20. Februar 2010
(321) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(322) Die
Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland: „...Bischof Epiphanius von Salamis (habe den Origenismus) als Irrlehre erkannt hatte. Darüber kam es
zum Streit mit seinem ebenfalls in Palästina lebenden, langjährigen Freund
Rufinus und mit Johannes, dem Bischof Jerusalems (386 / 387 - 417), dem
Nachfolger des heiligen
Cyrill
(18.3.). Vorläufig wurde dieser Streit durch den Patriarchen Theophilus von
Alexandria (385 - 412) 397 beigelegt, doch dann begab sich Rufinus nach Westen,
von wo aus er die origenistische Theologie mittels seiner lateinischen
Übersetzung zu verbreiten begann. Der Streit flammte erneut auf und erfasste
selbst den heiligen Johannes Chrysostomos (27.1.) in Konstantinopel. Die
Theologie des Origenes aber wurde endgültig 553 durch das fünfte ökumenische
Konzil zu Konstantinopel als
Irrlehre
verurteilt.“
(323)
Vlassis G.
Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“ Athen 2 000
tausende
Menschen paganen Glaubens.“ (324) Jesu
Christi Lehre, Freund und Feind Respekt zu erweisen, verlor sich im Dschungel
des Fanatismus. Origenes, der das allseitige Gutsein verlangte, hatte zu
verschwinden, zumal er die Unantastbarkeit des freien Willens jedermanns auch
mit diesen Worten lehrte: „Erst ... in
der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit
Gottes. Unentbehrlich für das erreichen der Gottähnlichkeit ist also die
Entscheidungsfreiheit.“ (325) Im berühmten Dialog des Syrers
Bardesanus, um 200 aufgezeichnet, heißt es ganz im Sinne der Urkirche und
Origenes: „alles sittliche Handeln
erfolgt durch die Entscheidung des Willens zum Gutsein oder zum Bösen. Der
Mensch kann sich von allem Schicksalszwang lösen und die Freiheit gewinnen,
Gottes guten Geboten zu folgen, die dem Wesen des Menschen entsprechen und von
ihm freudig ergriffen werden.“ (326)
Auch die nächstgenannten
Autoritäten bewerten den von den Hellenen getadelten und von Benedikt XVI.
gelobten (327) Epiphanius negativ, wenn auch unterschiedlich.
Der Altsemistist Kurt Rudolph
urteilt: „Epiphanius gilt als einer der
eifrigsten Verfechter der Orthodoxie seiner Zeit und hat in den theologischen
Streitigkeiten wiederholt eine wenig schöne Rolle gespielt. Er ist es gewesen,
der den Kampf gegen den Origenismus erst richtig entfachte... er ist der „Patriarch der
Orthodoxie“... alle Häretiker (bezeichnet er)
als wilde und
giftige Tiere, deren
Gift die Reinheit
des Glaubens gefährdet... Seine
Sucht, möglichst viele Sekten und Sektennamen anzuführen, ließ ihn völlig
unkritisch bei der Behandlung der
Fakten
verfahren und verleitete ihn sogar zu Erfindungen und
_________________
(324)
Vlassis G.
Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“ Athen 2 000
(325) H..
Benjamnins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes.“
E.J. Brill, 1994,
S. 13
(326) Hans
Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 267 u 568
(327) Ansprache
von Papst Benedikt XVI. am 16. Juni 2007: „Als
guter Hirte zeigt
Epiphanius (von Zypern
G.Sk.) der ihm von Christus anvertrauten
Herde die Wahrheiten, die zu glauben sind, den
Weg, der zu gehen ist, und die Klippen, die zu meiden sind. Das ist eine
Methode, die auch heute für die Verkündigung des Evangeliums gilt, besonders
bei den jungen Generationen, die stark unter dem Einfluß von Denkströmungen
stehen, die dem Geist des Evangeliums widersprechen. Die Kirche findet sich
heute, am Anfang des 3. Jahrtausends,
vor Herausforderungen und Probleme gestellt, die sich von denen, die Epiphanius
vorfand, nicht sehr unterscheiden. So wie damals gilt es auch heute, aufmerksam
zu wachen und das Volk Gottes vor falschen Propheten, vor Irrlehren und vor der
Oberflächlichkeit von Angeboten zu warnen, die nicht der Lehre des göttlichen
Meisters, unseres einzigen Erlösers, entsprechen.“
unwahrscheinlichen
Angaben... (das) wirft kein gutes Licht auf ihn. Für Epiphanius sind alle
Häretiker, „ruhmsüchtig“, „eitel“
und „schlechtgesinnt“, ihr Abfall von der reinen apostolisch- kirchlichen Lehre verdammt sie zum
Untergang... Stellenweise scheint er der Phantasie dabei die Zügel schießen zu
lassen und der Lüsternheit zu frönen... hier liegen offenbar... böswillige
Verleumdungen vor.“ (328)
Die Folgen einer Verleumdung
sind selten aufzuhalten, ihr Gift vermag den besten zu töten. Nachdem später
das Wort von den brunnenvergiftenden Juden in die Köpfe der Leichtgläubigen
gefallen war, wirkte es sich auf den Straßen bald als üble Judenjagd aus.
Der
Übersetzer Josef Herman bekräftigt Rudolphs Urteil: „Im Jahr 392 blieb es leider nicht beim sachlichen Kampfe; (den
Epiphanius führte) es wurde ein persönliches Streiten mit allen Bitterkeiten
ein unschöner Zwist, der die klaren
Linien der Meinungen und Charaktere verzerrte.... Epiphanius sah im Origenismus
die gefährlichste aller Häresien. Nicht die Ewigkeit der Schöpfung, nicht die
Präexistenz der Seelen und nicht die allgemeine Apokatastasis oder die
allegorische Auslegung gewisser Schrifttexte bildeten den größten Stein des
Anstoßes, sondern ganz besonders die Anklage: der
Origenismus sei durch seine subordinatianische Logoslehre der
geistige Vater des Arianismus geworden. (329)
Wieder ist es ein Hinweis auf
den Kern des Problems. Arius und sein
Anhang gelten den Primitiven
als Sündenböcke, die zu prügeln jedem ‚Athanasius-Christen’ eine Ehre sein
soll. Die hier wieder erwähnte Lehre der Urkirche, - wie sie durch Origenes und
Arius vertreten wurde, - (dass der Vater eine andere Person als der Sohn ist,)
sei ketzerische subordinatorische Logoslehre; man habe sie, wie die Pest, zu
hassen und zu bekämpfen. Man könnte sagen und fragen: Wegen solcher Kleinigkeit
- unterschiedlich zu bewerten in welchem Grade der Sohn, der ohnehin dem Vater
die Ehre gab (330) unter der liebevollen Hand seines Vaters steht schlagt ihr
eure Brüder? Aber für Fanatiker gibt es keine Kleinigkeiten. Unter dem
Oberbegriff Athanasianismus gewann so der Ungeist der Rechthaberei immer mehr
an Einfluss. Eremiten in ihre grauen und braunen Gewänder gekleidet, schürten
bereits zu Epiphanius Zeiten _______________
(328) Kurt
Rudolph „Die Gnosis“ Koehler & Amelang, Leipzig, 1977, S. 23-24, 258
(329) Josef
Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidikomarianten“ Kempten, München
1919, Übersetzer aus dem Griechischen
(330) Joh. 8: 28
„Ihr werdet erkennen, dass ich nichts in meinem eigenen Namen tue, sondern nur
das sage, was mich der Vater gelehrt hat.“
(um 390) die ohnehin erhitzte
Stimmung. Langbärtig und ungepflegt fallen sie als Vorhut der eigentlichen
Streitmacht über das Land her. Sie stürmten mit Brechstangen voran und
zerschlugen alles was ihnen satanisch vorkam. Die verstümmelten Gesichter auf den
Reliefs des heute in Berlin stehenden Pergamonaltars sind nicht das Resultat
christlichen Glaubens, auch wenn eine Berufung auf einen Satz in der
Offenbarung Johannes darauf verweist, dass in Pergamon der Sitz Satans stünde. (331) sondern
die blinde Wut der Konstantingläubigen.
Ebenso wenig wie wir imstande
sind zu begreifen, warum die Massen Hitler zujubelten obwohl er grob, dumm und
offen von seinen unmenschlichen Zielen sprach, sind wir ausserstande das von
Damasus und Epiphanius initiierte Treiben zu verstehen. Wenigstens die
Intellektuellen hätten damals wie in junger Vergangenheit die Unvernünftigen
abblitzen lassen müssen. Kaum eine Spur davon, von wenigen Mutigen abgesehen.
Immer wieder ist es dieses Muster von Verbohrtheit, das uns auffällt. Es ist
der fatale Hang vieler sich fast bedingungslos einem Starken und Mächtigen
unterwerfen zu wollen. Vernunft und Nachdenklichkeit verblassen vor jemandem
der schon vor der Schlacht wie der Sieger aussieht.
Die sogenannten „Deutschen
Christen“ unter Führung des Reichsbischofs Müller, schworen dem Verführer
Hitler, obwohl er primitiv und bösartig auftrat, die Treue, nicht weil sie
blind waren, sondern weil sie nicht sehen wollten. „Der Vertrauensrat der Deutschen Evangelischen Kirche gab gegenüber
Hitler der Hoffnung Ausdruck, ‚dass in ganz Europa unter Ihrer Führung eine
neue Ordnung erstehe und aller inneren Zersetzung, aller
Beschmutzung
des Heiligsten, aller Schändung der Gewissensfreiheit ein
Ende
gemacht werde’ ... Verschwörer gegen Hitler wie Dietrich Bonhoeffer und
Jesuitenpater Alfred Delp blieben Außenseiter, die man bewusst isolierte.“ (332)
Jedem Normalbürger müssten die Haare
zu Berge gestanden haben, als die Judenverhaftungen in Deutschland begannen,
doch: „Weder die evangelischen noch die
katholischen Kirchenleitungen konnten sich aufraffen, offen für die verfolgten
Juden einzutreten. Die Kirchen selbst waren von einem latenten Antisemitismus
durchsetzt. Nur dort, wo die eigene Sicherheit und Macht auf dem Spiel standen,
traten die Kirchen dem NSStaat entgegen…das Schicksal jüdischer Minoritäten war
demgegenüber zweitrangig. Unter den Christen gab es etwa 300 000 Juden als
______________
(331) 2: 13
(332) Pfarrer Hartwig Weber
Jugendlexikon „Religion“ rororo, Rowohlt 1988,
S. 330
Gemeindemitglieder.
1933 standen 29 Juden in kirchlichem Dienst…1941 forderte die Kirchenkanzlei
der Deutschen Evangelischen Kirche die Kirchenbehörden dazu auf, „geeignete
Vorkehrungen zu treffen, dass die getauften Nicht-Arier dem kirchlichen Leben
der deutschen Gemeinden fernbleiben…“ (333) und sie blieben
schließlich sehr fern.
Weil Epiphanius ähnlich
unbrüderlich handelte, erhielt er von seinen Gesinnungsgenossen den Titel
‚Rechtgläubiger’ oder ‚Orthodoxer’ - obwohl es zutreffender wäre ihn als den
Prototyp der Rechtsradikalen zu bezeichnen. Scheinbar unangefochten steht er heute
noch in Ehren. Das Kloster Gracanica im Kosovo zeigt ihn mit Heiligenschein und
einem Gewand, das mit Konstantinkreuzen XXX bedeckt ist.
Zur Zeit des blutigen Sieges
des Damasus wirkte in Mailand der damals knapp noch nicht getaufte 30 jährige
Ambrosius zunächst nur verwaltungspolitisch. Er wird jedoch von dem berühmten
Flüchtling Ursinus gehört haben, der Damasus entkommen konnte.
Vierundreißigjährig wurde
Ambrosius durch Kaiser Valentinian I. (dem Ehemann seiner späteren Erzfeindin
Justina) zum Statthalter von Ligurien ernannt. Noch sind die arianischen
Glaubensgenossen des seit Herbst 366 flüchtigen Ursinus bis zum Jahr 374 und auch
danach noch in Mailand stark vertreten. Das allerdings sollte sich bald ändern.
Noch ahnte Ambrosius nicht, dass er der Verursacher großer Veränderungen und
des namenloses Leids zehntausender Arianer sein wird.
Er wird wegen seiner künftigen
Wahl und Entscheidung zugunsten der ‚orthodoxen’ Christen, die gesamte römische
Welt in die Tiefen der Unkultur stürzen. Er wird das Aussehen der antiken Welt
völlig verändern und schließlich zerstören. Noch allerdings sagte ihm die
Kirche nicht viel, obwohl er schon an einigen
Unterweisungen teilgenommen hatte. Das Gezänke zwischen den beiden
Christengruppen missfiel dem
Ordnungsmenschen, natürlich. Er „...war erst kurze Zeit Statthalter von
Oberitalien
mit dem Sitz in Mailand, als 374 der dortige arianische Bischof Auxentius
starb. Er eilte in die Kirche, um den anlässlich der Bischofswahl heftig
entbrannten Streit der Arianer und Orthodoxen zu schlichten, war aber völlig
überrascht als er nun von den beiden Parteien zum Bischof gewählt wurde, obwohl
er widersprach und noch
Katechumene, also noch nicht getauft, war....“ (334) Ambrosius
sah die sich öffnende Tür vielleicht erstaunt, erkannte jedoch, dass er selbst
mit der
________________
(333) Pfarrer
Hartwig Weber Jugendlexikon „Religion“ rororo, Rowohlt 1988, S. 49
(334) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz
Kirche an Bedeutung zumehmen wird. Wie Konstantin
erkannte er zugleich die Notwendigkeit, diese Kirche zur Einheit zu führen, -
und sei es mit Gewalt. Wie Konstantin in Nicäa, erschien ihm die
athanasianische Variante der Kirche als die geeignetere, um Reich und Glauben
zu vereinen. Nachkomme eines der ältesten Adelsgeschlechter Roms, ein fähiger
Machtmensch, ehrgeizig, geradlinig denkend, sollte und wollte er lebenslänglich
bleiben, was er zu Beginn seiner ‚christlichen’ Laufbahn war: ein kalter, eloquenter
und konsequenter Weichensteller. Die lapidare Notiz: „Ambrosius ließ sich von einem orthodoxen Bischof 30.11. 374 taufen und
7.12. zum Bischof weihen...“ (335 ) hört sich nur harmlos an.
Wahrscheinlich glaubte er zu Beginn an die
Möglichkeit eine Kompromissformel finden zu können. Das jedoch war in der
Vergangenheit nicht gelungen, es sollte sich auch in der Zukunft als unmöglich
erweisen. Die Arianer ließen in allem mit sich reden, in der Frage, wer Gott
ist, beharrten sie darauf, einen Gott den man sich nicht vorstellen kann, den
gibt es nicht. War das Starrsinn? Auch weil er sich über Justina, die in
Mailand wohnende Ehefrau Kaiser Valentinians ärgerte, die bekennende Arianerin
war, legte Ambrosius bald eine härtere Gangart vor. Wie Konstantin kannte er
nur einen Gott, nicht eine aus drei Persönlichkeiten bestehende Gottheit. Und
noch etwas kam zu erheblicher Bedeutung: sein Gott war milde und gut, - zu den
Orthodoxen - die sturen Arianer ärgerten ihn.
Doch noch lässt der brillante
Staatsrechtler, Politiker und Athanasianer nicht seine Wut an den (bald durch
ihn zu Staatsfeinden erklärten) Arianern aus. Er hatte stets Roms Größe vor
Augen, dachte von Anfang an: was dem Staat dient, dient auch der Kirche und
umgekehrt. Für ihn gab es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Strukturen
und Zielen beider. Von ihm stammt der deutlich gegen Geist und Buchstaben der
Grundsätze Christi zielende Satz: „Wer
den Glauben (d.h. das nicänische Bekenntnis) verletzt, bleibt nicht
ungestraft.“ (336)
Er redet auch schon bald so,
wie Konstantin. Jede Verkündung aus seinem Mund sei wie ein Gotteswort.
Er ist der geborene Sieger.
Elitär denkend beanspruchte er für sich und die ‚Sache’ von Anfang an
Sonderechte. Es ist das willkürlich zu Recht erklärte Unrecht, das er in die
Welt setzen wird, denn Jesu umfassende ____________________
(335) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz (336)
Günther Gottlieb, Vandenhoek & Ruprecht, 1973 „Ambrosius von Mailand und
Kaiser
Gratian“
Freiheitsidee die niemanden ausschloss, blieb ihm zeitlebens
wesensfremd. Andersdenkenden Christen und den Paganen aller Spielarten gestand
er ein Individualrecht, wie sich erweisen sollte, entschieden nicht zu. Als
Jurist von Format setzte er voraus, dass „Rechtgläubigkeit“ die „Nicht-
Rechtgläubigkeit“ nicht zulassen darf..., aber ihm scheint nicht klar gewesen
zu sein, dass solche Einstellung zum Terrorismus führen muss. Erinnern wir uns:
Jesus hatte gegen jedes machtpolitische Kalkül ein für allemal verkündet, was
sein Evangelium ist: „Mein Reich ist
nicht von dieser Welt!... Gott hat mich gesandt ...den Gefangenen zu predigen,
damit sie frei werden, ... ” (337)
Da wurde das römische Reich, im
Sommer 378, heftiger als je zuvor von den Goten bedrängt. Seit einigen Jahren auf der Flucht
versuchten im Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres lebende germanische Stämme
sich vor den absolut rücksichtslosen und besser bewaffneten Hunnen südlich der
Donau in Sicherheit zu bringen. Damit beginnt jene Völkerwanderung, die auf
Europa befruchtend hätte einwirken können, denn wo es Goten gab gedieh, ihrer
toleranten Grundhaltung wegen die Kultur. Die in Panik gestürzten Flüchtlinge
sahen keine Möglichkeit auszuweichen. So versuchten sie im römischen Reich
Schutz zu finden.
Kaiser Valens, dem arianischen
Glauben nahe, erlaubte ihen zuerst die Donau zu überschreiten, denn viele Goten
hatten das Christentum der arianischen Richtung akzeptiert. Zumal die Goten
gemeinsam mit den Legionen ihre neue Heimat verteidigen wollten.
„Mit
Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings) für
ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten) so
nahmen die Kommandeure die Kinder der Goten. Darüber kam es (378) zum Kampf ... und in der Schlacht bei
Adrianopel in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“ (338)
Dass die römischen Kommandeure,
die im allgemeinen die Kampfkraft der Germanen schätzten, ihren neuen
Verbündeten, wie behauptet wird, die Lebensmittellieferungen sperrten, oder
ihnen die Kinder wegnahmen macht keinen Sinn. Angeblich ihrer Kinder wegen oder
aus Hunger eine Revolte anzuzetteln konnte die Goten nur in neue Gefahren
bringen. Valens habe die gotische Empörung niederschlagen wollen. So
marschierten sie gegeneinander, aber warum wirklich?
_________________
(337) Johannes
18: 36 und Lukas 4: 18
(338) Leopold von
Ranke „Werk und Nachlass“
Gemeinsam mit Valens dem Kaiser
im Osten sollte Gratian die Goten zurückschlagen, um sie aus dem Balkangebiet
zu verdrängen, doch die Umstände hinderten Gratian daran Valens
rechtzeitig die zugesagte Hilfe zu
leisten während Valens die Schlacht von Adrianopel verlor. Daraus sollte mehr
als eine unglücklich verlaufene Schlacht werden, nämlich ein verlorener Krieg.
Der Tod Kaiser Valens, der
jüngere Bruder Valentinians I. (der wiederum ein Halbbruder Kaiser Gratians
war) in der Schlacht von Adrianopel, kam den Athanasianern sehr gelegen. Nun
war der Weg frei für Gratian den 19jährigen, als Gesamtkaiser, der unter Ambrosius
Aufsicht stand.
Alle Umstände deuten auf
Absprachen hin.
Gratian wünschte Frieden zu
schließen.
Ambrosius sagte nein!
Er behauptete, die Goten seien
Gottesfeinde. Er war Gratian an innerer
Autorität und Intelligenz
überlegen. Er warnte ihn eindringlich,
viele der Goten seien zwar getauft, aber damit auf den falschen Glauben
verpflichtet, sie seien nur ‚christusfeindliche’ Lippenbekenner. Sie seien Feinde
Roms. Ambrosius stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine
friedliche Lösung des Problems Er wünschte nicht zu denken, dass viele dieser Goten, seine Brüder waren,
Antinicäer sind keine Christen. Durch Wulfila, den berühmten Gotenbischof zum
Arianismus bekehrt, mussten sie nach Ambrosius Vorstellungen unbedingt durch
Gratians Armee geschlagen werden, wenn die Einheit des Reiches Bestand haben
sollte: Kaiser Gratian stand vor dem Ausbruch des für ihn ersten Krieges, vor
vielen Fragen. Innerhalb seines Hoheitsgebietes lebten zahlreiche nichtgotische
Arianer. Wie werden diese Kräfte im Kriegsfall reagieren und warum waren die
beiden Christengruppen überhaupt tödlich verfeindet? Und wie hatte er die
zwiespältige Haltung seines Ratgebers einzuordnen? Er bedurfte wirklich des
Rates. Ambrosius der wegen und mit seiner geschickten Argumentation und Politik
berühmt geworden war, wollte und sollte ihm das plausibel machen. Gratian
neigte von sich aus zur Toleranz, die ihm sein Vater Valentinian I. angeraten
und vorgelebt hatte.
Natürlich, dieser eminent kluge
Ambrosius von Mailand hatte in Manchem Recht. Er solle ihm diese
Unstimmigkeiten der Situationen sowie die offenen Fragen ausräumen und ihm den
richtigen christlichen Glauben erläutern. Hatte er, Gratian, doch in Sirmium gerade
erst sein Gesetz zur „Freiheit aller Glaubensrichtungen“ (339) veröffentlicht.
Warum wollten sich die Frommen nicht daran halten?
_________________
(339) Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“, S. 29
Und so schrieb Ambrosius in
diesem kritischen Sommer 378 alles auf eine Karte setzend, für Gratian zwei
Bücher („De fide“) Klipp und klar heißt es da: „Die Arianer (Italiens und die Goten G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen!“ (340) Er malte Schwarz-Weiß, er
entmischte nicht. Untrennbar gehörten für ihn Staat und Kirche zusammen.
Dem jungen Kaiser suggerierte er: „der (richtige) Glaube des Herrschers
(gewährleiste) mehr als die Tapferkeit der Soldaten den Sieg...Ambrosius
behauptete: „Jesus Christus soll das
römische Heer führen!“(341) Das klang
genau so als hätte er verkündet „Jesus Christus werde das römische Heer führen“.
Welches Bild! Auch Feldherr
Hindenburg stellte sich eintausendfünfhundert Jahre später den lieben Gott als
auf einer Wolke sitzend vor, der den deutschen Truppen huldvoll zulächelt,
während diese die Söhne und zukünftigen Ehemänner russischer Frauen, allesamt,
die einen wie die anderen Christen, in die tödlich-tückischen masurischen
Sümpfe treiben. (342) Ambrosius hätte wissen müssen, mit Jesus dem
Fürsten des Friedens und seiner Lehre der Versöhnung hatte das ganze Treiben
nichts zu tun. Reiner Konstantinismus war das. Angesichts der Tatsache, dass
die meisten Goten sich auf den Namen Jesu Christi hatten taufen lassen, was
einer Verpflichtung auf seine Lehre von der Rechtschaffenheit gleichkam, wäre
er zwingend dazu verpflichtet gewesen angemessene diplomatische Schritte
einzuleiten. Schließlich wünschten
die Goten nur Sicherheit für ihre Familien. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen
als Waffe erfunden hatten, war ihnen kein europäisches Heer mehr gewachsen.
Gratian ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln und daran ist zu
ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen Verantwortung tragenden Mann geistig
überlegen war. Es hieß nur: fortan „wies
er die Arianer ab und folgte Ambrosius.“ (344)
Ambrosius wusste was Gratian
tun muss und er hatte dabei als entscheidende Autorität die Bibel aufgerufen: „Der Kaiser soll gerüstet mit dem Schwert
des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... der Krieg _______________
(340) Leopold von
Ranke „Werk und Nachlass“, S. 21
(341) ebenda, S. 15,
(342) Theo 29
dor
Lessing, „Hindenburg“: „dieser alte Mann
glaubt Wort für Wort alles, was er da sagt: da ist kein unlauterer Klang. Das
glaubt er allen Ernstes: nach dem Tode kommt er zu Gott; sitzt auf einer Wolke;
betrachtet sich von bevorzugtem
Sitze aus
Deutschland und segnet meine siegreichen Jungen“
Belesen war er nicht, das muss dem Christen Paul von
Hindenburg jemand so in etwa gepredigt haben. Bilder dieser Art, in skurriler
Weise antitrinitarisch, sind in Spanien zu besichtigen.
(343) Leopold von
Ranke „Werk und Nachlass“ S. 29
Fußnote
gegen
die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten
sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde. Es ist nicht
zweifelhaft, dass die ‚catholici’ welche die Strafe für den Unglauben anderer
ertragen haben, bei Gratian Hilfe für den rechten Glauben finden. Der Glaube an
Gott und die Treue zum imperium Romanum können nicht voneinander geschieden
werden...(die Goten) die ‚Häretiker’
sind die ‚antichristi’; diese Häresie sammelt ihr Gift aus allen anderen
Häresien.“ (344)
Ambrosius
hatte verlangt der Kaiser müsse sich ganz den militärischen Aktionen widmen „und daran denken die Siegeszeichen
aufzurichten... so wollte Ambrosius „den
Kaiser für seine kirchenpolitischen Ziele gewinnen und den Gegnern der (katholischen
Kirche) den Kampf ansagen.“ (345) Diese Siegeszeichen hatte Victoria
bereits Konstantin gegeben. Es stellt sich erneut die Frage, wann die Christen
aufhören werden, das sogenannte Christusmonogramm der von Victoria verführten
Kaiser als
„Siegeszeichen“ (der ecclesia triumphans) und damit als christliches Symbol zu
betrachten.
Gratian hätte bei seiner
ursprünglichen Gesinnung bleiben sollen. Das wäre, für das kriegsmüde Volk
dies- und jenseits der römischen Grenzen der bessere Weg gewesen, Der Staat hat
sich, erst recht nach Jesu Worten (346) aus
innerkirchlichen Angelegenheiten herauszuhalten, wie die Kirche aus den
machtpolitischen Anliegen des Staates, sonst handeln auch die Menschen die in
seiner Nachfolge stehen, aus Klugheit und Berechnung und nicht aus innerer
Überzeugung. Demgegenüber ist Christi
Religion darauf ausgerichtet staatsübergreifend Frieden und Harmonie zu
stiften, (347) etwas, dass bei einer unseligen Verbindung der Kirche
mit dem jeweiligen Thron und seinen nach Vormacht süchtigen Inhabern und
Interessen nicht mehr zu leisten ist. Der Staat wirkt von außen nach innen,
(echte) Religion von innen nach
außen. Die Katastrophen und Ungerechtigkeiten jagten nun einander, während
gemäß der Botschaft der
Bibel „der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist“. Diese Aussagen
teilte
Habakuk gemeinsam mit den
Propheten Israels. Sie forderten die __________________
(344) Günther
Gottlieb „Ambrosius von Mailand und
Kaiser Gratian“ S. 13 (320) Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland,
2010
(345) G.
Gottlieb, „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“ V. & Ruprecht, 1973
S.19 Sie unterlagen, obwohl sie
Konstantins Siegeszeichen aufgerichtet hatten.
(346) „Gebt dem
Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.“
(347) Galater 3:
28 . „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und
Freie...ihr alle seid einer in Christus...“ Das ist ja gerade
das Ziel, die eigensüchtigen Interessen
hinter das Allgemeinwohl zurück zu setzen. Joh. 14: 27 „Ich gebe euch
Frieden... nicht einen Frieden wie die Welt ihn gibt ...
Rechtschaffenheit – die
Schaffung von neuem Recht, indem es mit dem alten in Harmonie bleibt. (348) Es ist nun einmal ein Gesetz des Himmels,
dass alles Neue wenn es siegreich sein will, auf dem Boden des Bewährten stehen
muss. Die Unrechtschaffenheit dagegen bringt den nächsten Krieg hervor. Man
fragt sich, warum Ambrosius nach der Katastrophe von 378 und nach dem Tod Gratians, seinen Einfluss bei
den römischen Offizieren, dem Heer und vor Theodosius I. (der schon kurz nach
dem Desaster, im Januar 379 von Gratian zum Augustus erhoben worden war) nicht
verlor. Das war doch in ihren Kreisen nicht vergessen, dass er die nicht
erfolgreichen militärischen Parolen gegeben hatte: „der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) den Sieg.“
und: „Jesus Christus soll das römische
Heer führen!“ Mit seinem Buch „de fide“ hatte Ambrosius die Legionen in die
Kämpfe hinein gehetzt, dann da sprach er: „mit
Gewissheit von den zu erwartenden Erfolgen des Kaisers gegen die Goten...“
und er sprach von den „Strafen welche die
Gegner des Glaubens und des römischen Imperiums treffen werde...“ (349)
Entgegen der Prophezeiungen Ambrosius „bot
das römische Heer keinen Widerstand mehr... überall zogen die Goten ... durch
das Land... bis an die Grenze Italiens herrschten sie nach Belieben.“ (350) Alles wankte, Ambrosius stand. Noch blieb ihm
ja Italien. Wie ein leichtfertiger Kaiser zog er nicht die Konsequenzen,
sondern konnte mit diesen Niederlagen leben.
Er konnte seine Macht nach innen sogar noch ausbauen, weil die Goten mit
dem Erreichten wider Erwarten zufrieden waren und ihren Arianismus nirgendwo
mit Gewalt durchsetzen wollten. Ambrosius vermochte es gar nach Gratians frühem
Tod , 383, (er soll auf der Flucht vor
dem Rebellen Magnus Maximus, von unbekannter Hand erschlagen worden sein) Kaiser Theodosius I.
zu überzeugen, dass nun erst recht strenge Maßregeln gegen Arianer und andere
Nichtkatholiken ergriffen werden müssten. Offiziell und wie selbstverständlich heißt es: „Ambrosius
‚überwand’ den Arianismus …durch die Synode zu Sirmium, auf der er 6 Arianer
verurteilen ließ, und 381 durch die Synode zu Aquileja, die den der arianischen
Häresie angeklagten illyrischen Bischof Palladius samt seinem Presbyter
Secundinus
schuldig sprach und absetzte.“ (351)
_______________
(348) Jesaja 32:
17; u. Vers 5 „das Werk der
Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und
Sicherheit für immer...Der Dummkopf wird nicht mehr edel genannt, und der
Schurke wird nicht mehr für vornehm gehalten.“ Dieser Satz steht im Kontext
desselben Kapitels, mit den auf Jesus zielenden
Eingangsvers: „Ein König wird kommen, der gerecht regiert...“
(349) Günther
Gottlieb „Ambrosius von Mailand und
Kaiser Gratian“ S. 15 (350) ebenda S.
16
(351) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
Ambrosius hatte nur noch einen
ernst zu nehmenden Gegner, Justina. Seit seiner Taufe 374 stand die überzeugte
Arianerin und Kaisergattin gegen ihn. Der vermutlich katholische Bearbeiter der
Eintragung im Kirchenlexikon, lobt, Ambrosius
sei „tapfer“ aufgetreten und er habe
„mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl, (Justinas) Kirchen an die Arianer auszuliefern, erfolgreich Widerstand geleistet.“
(352)
Damals lebte sie noch unter dem
Schutz ihres Mannes, Kaiser Valentinians
I. (der ein Jahr später, 375,
starb) Danach hatte sie nicht die Spur einer Chance sich gegen den mächtigen
Kaiser’berater’ durchzusetzen, zudem war sie tolerant wie ihr Ehemann. Justina
erzog ihren Sohn Valentinian II. der als vierjähriger Kaiser Roms wurde,
natürlich in ihrem Sinne. Sieben Jahre lang widerstand Justina ihm. „Sie war verärgert, weil Ambrosius (drei
Jahre nachdem Tod ihres Gatten) um 379 ihre Bemühungen vereitelte
...einen
Arianer auf den Stuhl zu Sirmium zu befördern“(353)
Ambrosius muss sie permanent
genervt haben. Was nahm sich dieser
Emporkömmling gegen sie heraus.
Sechs Jahre später 385 „verweigert
Ambrosius
Justina die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands 2
Kirchen zu überlassen.“ (354) Das war zuviel für die Kaiserwitwe. In
der Osterwoche dieses Jahres kommt es zu tumultuarischen Szenen. Soldaten
umzingeln die Basilica Porciana, die Kirche der Athanasianer. Justina, nicht
Ambrosius, muss der Gewalt weichen. Das sie sich nicht durchsetzen konnte ist
leider wahr, aber nach Augustinus „Bekenntnissen“ (355) war es umgekehrt.
Ambrosius hätte um sein Leben fürchten müssen. Doch wenn es so gewesen wäre,
dass sie die Militärs auf ihrer Seite hatte, warum unterliegt sie dann den
angeblich Schwachen?
Wie auch immer, Ambrosius
blieb, wie eigentlich nicht anders zu erwarten war, der ‚Sieger’ in
Glaubenssachen! Andererseits ist schon denkbar, dass Justina in ihrer
ohnmächtigen Wut versucht hatte ihre gotische (arianische) Leibgarde
aufmarschieren zu lassen, denn Augustinus lügt nicht. Natürlich
macht bedenklich, dass
Augustinus in seinen Bekenntnissen mit
____________________
(352) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(353) F-L. zu
Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu Christi“ Wien 1818 S. 56
(354) ebenda S.
53
(355) Augustinus
von Hippo, Neuntes Buch - Siebentes Kapitel :
„... Ein
Jahr war es ungefähr oder vielleicht auch etwas länger, da verfolgte Justina,
die Mutter des jungen Königs Valentinian, deinen Anhänger, den Ambrosius, um
ihrer Ketzerei willen, zu der sie von den Arianern verführt worden war. Das
fromme Volk blieb die Nacht hindurch in deiner Kirche, bereit, mit ihrem
Bischof, deinem Diener, zu sterben... Dort war auch meine Mutter, deine Magd;
vor allen eifrig im Sorgen und Wachen, lebte sie nur dem Gebete. Wir, noch
nicht erwärmt von der Glut deines
Geistes,
wurden doch von dem Bangen und der Verwirrung der Stadt mit ergriffen...“
märchenhaftem Text fortfährt, als sei
es dringend notwendig Ambrosius wieder aufzuwerten: „Damals offenbartest du deinem Bischof, dem schon erwähnten Ambrosius,
wo die Leiber der Märtyrer des Protasius und Gervasius verborgen ruhten, die du
so viele Jahre hindurch im Schoß deiner Verborgenheit unverwest verwahrt
hattest, um sie zur rechten Zeit zur Bändigung der Wut jenes Weibes, das doch eine Kaiserin war, hervorzubringen. Denn
als sie aufgefunden und ausgegraben mit den ihnen zukommenden Ehren zur
Basilika des Ambrosius gebracht wurden, da wurden nicht nur die, welche von
unreinen Geistern besessen waren, nach
dem Bekenntnis ihrer Dämonen selbst, geheilt, sondern auch ein angesehener
Bürger, der mehrere Jahre hindurch blind war. Als dieser nämlich nach der
Ursache fragte, warum das Volk vor Freude jauchzte, und es hörte, da sprang er
hinaus und bat seinen Führer, ihn dorthin zu führen. Nachdem er in die Kirche
eingetreten war, bat er um die Erlaubnis, mit seinem Schweißtuche die Bahre der
Heiligen berühren zu dürfen, deren Tod ist wert gehalten vor dem Herrn. Als er
dies tat und dann seine Augen damit berührt hatte, da wurden sie sogleich ihm
aufgetan. Der Ruf davon aber verbreitete sich weit und breit; alles war voll
deines Lobes, und der Sinn jener Feindin wurde, wenn auch nicht zu gesundem
Glauben fortschreitend, doch von der Wut zurückgehalten. Dank dir dafür, o mein Gott!“ (356)
Da mischen sich Wunschdenken
und Absicht. Auch Augustinus erweckt wiederholt, wenn er von Gott spricht den
Eindruck, dass dieser wenig Ähnlichkeit mit Jesus Christus hat, denn der Gott
dem Augustinus zu dienen meint, hat „Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen
(zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen Lücke!) ... zur
Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien eine ‚Masse der Verdammnis’.“ (357) Während
Jesus ausnahmslos alle Menschen einlud: „Kommt
her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken,“ (358)
Ein Jahr nach seinem Sieg über die Kaiserin, hält Ambrosius am Palmsonntag eine
Rede gegen den Arianerbischof Auxentius: „Dieser
Mensch wagt es mich um Verhandlungen zu bitten, wo er von Blut trieft und
klebt?...“ Das lässt auf die Härte der Tumulte schließen. Wahr ist, auch
die Arianer waren entschlossen ihre Rechte zu verteidigen, dabei verloren sie
den ursprünglich für sie so kennzeichnenden Geist gegenseitigen Respektes.
Ambrosius der sich gar anmaßt gegen _________________
(356)
Aurelius Augustinus
„Bekenntnisse“ neuntes Buch
(357)
Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“,
S. 76 (358) Matth. 11: 28-30
Valentinian II. und dessen ihm
anerzogene arianische Grundhaltung zu wenden, schließt diese Rede contra
Arianismus mit den Worten: „Kann man dem
Kaiser eine größere Ehre antun, als wenn man ihn ‚Sohn der Kirche’ nennt... der
Kaiser ist in der Kirche, aber er ist nicht über ihr.“ (359)
damit richtet er sich an Theodosius I. und an den Sohn Justinas.
Die Athanasianer trumpften
auf. Ihre Kirche stand nun gar über dem
Imperator. Der Rest der Menschheit bedeutete ihnen ohnehin nichts, was diese
vertraten und wofür sie lebten war vor ihnen wie Schund, wertlos. Zu diesem
Schund gehörten die Freiheiten sämtlicher Hellenen, die Rechte der Paganen
aller Richtungen, die Religionen der Manichäer, Mandäer und anderer gnostischen
Gruppen, wie die der harmlosen Buddhisten, sowie die Lebensweise der
hochchristlichen Priscillianisten und
die Hoffnungen sämtlicher bereits genannten urchristlichen Splittergruppen und
die der Goten. Schätzungsweise 85 Prozent der damaligen Bevölkerung des
römischen Herrschaftsbereiches sollten kuschen. Die Goten kümmern sich nicht um
diese gegen sie zielenden Verfluchungen,
noch kann man ihnen nichts anhaben, noch sind sie zu stark.
Noch haben sie andere Sorgen. Und
weil sie sich nicht einmischen in die kaiserliche Religionspolitik, die in
Wahrheit von Ambrosius bestimmt wird kann Kaiser Theodosius I. 384 „dem engagierten Christen, Praetorian prefect
Maternus die Weisung geben mit den örtlichen Bischöfen zu kooperien um die
Tempel der Heiden in Nordgriechenland und Kleinasien zu zerstören... 389 kommen
hunderte Eremiten aus der Wüste und zerstören Statuen, Altäre, Bibliotheken und
pagane Tempel. 391 wird der Tempel des Gottes Serapis gestürmt und geplündert.
392 lässt der heilige Epiphanius (der fanatische Antiorigenist) die meisten paganen Tempel Zyperns
zerstören. 396 erklärt (Kaiser Arcadius) Paganismus als
Hochverrat.“
(360)
Wer hier und wiederum der Drahtzieher war, ist
unschwer zu erraten. Diejenigen die Ambrosius folgten, schreckten vor nichts
zurück.
Nur Hitlers und Stalins
Geheimpolizei sollten diese Brutalität später noch überbieten. Allerdings mit
einem Unterschied, die Nazis und die Kommunisten haben ihre Grobiane nicht als
Heilige bezeichnet.
Dass er die nicänische
Rechtgläubigkeit gegen den Arianismus verteidigte ist sein gutes Recht. Aber
die Mittel derer Ambrosius sich bediente sind vom Übelsten.
________________
(359) Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion Jesu Christi“ Wien 1818
S. 51
(360) V. G. Rassias „Christians persecution against the
Hellenes.” Greek Athen 2000
Basis solchen Treibens war das
Gesetz Cunctos populos. Mit seiner
Veröffentlichung im Februar 380 erhielten alle Gewalttäter das
Instrument ausgehändigt mit dem sie mühelos reich werden konnten. Mit diesem
Text in der Hand verfolgten sogleich einige spanische Kleriker Priscillian den
in weiten und gebildeten Kreisen sehr angesehenen Bischof von Avila. Sie
trachten danach dem Arianer eine empfindliche Niederlage zuzufügen. Justina
wird sich gegen das Unrechtsgesetz gesperrt haben. Umsonst! Sie wusste sehr wohl,
Ambrosius widersetzte sich mit Cunctos populos der urkirchlichen Rechtsprechung
entschieden, indem er auf diese Weise das Mailänder Toleranzedikt von 313
effektiv aufhob und es in Theorie und in der Praxis in sein Gegenteil
verkehrte, indem er verkündete: „Alle Völker, über die wir ein mildes,
gnädiges Regiment führen, sollen
(müssen)das ist unser Wille, die Religion annehmen die der göttliche Apostel
Petrus den Römern gepredigt hat, und der wie wir sehen werden, auch Bischof
Damasus von Rom sich anschließt... wer diese Gesetz
befolgt soll den Namen eines katholischen Christen führen, die andern aber...
sollen die Schmach ... tragen, ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen
genannt werden; sie selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“ (361) (Es ist nicht zutreffend dass Kaiser
Theodosius I. die Freiheit gehabt hätte, gegen Ambrosius Willen ein Gesetz
dieser Dimension zu verabschieden.) Es
sollte sich effektiv als Todesurteil für Millionen Menschen auswirken. Das so
etablierte Diktat einer völlig veränderten Kirche über diejenigen die sich
bemühten näher am Original zu bleiben, sollte denn auch länger als eintausend
Jahre die Menschen West- und Südeuropas gängeln.
Allein, dass der unselige
Gesetzestext einen Bezug zu Damasus als Vorbild herstellt, erregte
Aufmerksamkeit und den Protest derer die weiter sehen konnten. So hatte dieser
päpstliche Gewalttäter bereits 366 gedacht: „, ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen genannt werden; sie
selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“ Sehr hat Damasus die
ungöttliche Strafe erteilt, mit Äxten in der Hand von Totschlägern, die zu
seiner Privatarmee gehörten.
Wahrscheinlich erscheint es
nicht nur dem Humanisten zwingend, zu fragen von wessen Gottes Strafe hier die
Rede ist. Das einzige ‚strafwürdige’ Verbrechen, das die so Bedrohten wagten,
war, buchstäblich zu glauben, dass Jesus immer noch zur Rechten des Vaters
sitzt, von Gestalt wie ein Mensch. Sowohl das Athanasium wie Cunctos Populos
ebneten auf diese Weise den Weg zu einer Falle für alle, auch der treuesten
Katholiken, denen die Freude genommen wurde, selbst die Wahrheit
herauszufinden.
________________
(361) Sternberger 2 000 Jahre Christentum, S. 165
Diesen
Ungeist der Bevormundung, konnten selbst die Reformatoren noch nicht
überwinden. Sogar ein Johannes Calvin blieb diesem diktatorischen Trachten
verhaftet. Einige Reformatoren übernahmen einfach das
Unrechtsgesetz
von 380: sie beharrten in diesen Punkten auf der Ambrosius- Gelasius- und
Bonifaciuslinie: die Kirche habe den Staat zu regieren. Ambrosius unterwirft
sie sich ausnahmslos (und damit der Kirche) indem
ausgerechnet er, so
gut wie
unwidersprochen, hinaustrompetet: „der Kaiser ist ein demütiger Sünder vor
Gott.“ (362) Er lügt, indem er die Wahrheit sagt. Ambrosius schiebt den
Namen Gott vor, wo er die Kirche meint. Das erklärt sich aus seinem Charakter.
Und so denkt Calvin, eiskalt wie der große Kaiserberater des ausgehenden 4.
Jahrhunderts. Auch Calvins Executive mischte sich in alles ein: „Wo die Calvinisten in der Mehrheit
waren... regierte die Kirche weitgehend den Staat. Durch die vom Konsistorium
ausgeübte strenge Aufsicht über die
Sittlichkeit
wurde das Leben der Gemeindemitglieder einer äußerst starken Kontrolle
unterworfen. Die Ältesten hatten das Recht auf ungehinderten Eintritt in jedes
Haus zu jeder Zeit. Das bedeutete praktisch: keine Tür durfte verschlossen
werden, um die Ältesten nicht zu behindern. Das bedeutete auch; Vorhänge an den
Fenstern hat nur nötig, der etwas zu verbergen hat...“ (363)
Es war und ist das bislang
nicht widerrufene Gesetz zum Glaubenszwang, (das seine scheinbare Berechtigung
aus dem athanasianischen Glaubensbekenntnis bezieht,) dessen fragwürdiger
Monotheismus keck, noch bis zu dieser Stunde, droht: „Wer auch immer gerettet sein will, der muss vor allem den katholischen
Glauben festhalten: Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der
wird zweifellos auf ewig zugrunde
gehen (nämlich diejenigen treffend, die nicht glauben, dass drei eins ist).
Alle Änderer des urchristlichen
Systems, wie Callixt I., Ambrosius von Mailand und Augustinus, samt ihrem
Anhang, müssen sich die Frage gefallen lassen, was vom Christentum übrig
bleibt, wenn es zur Gewalt greift. Schon Laktanz hatte gewarnt „Das jemand unter Zwang etwas verehrt, das
er im Ernst gar nicht verehren will, kann nur zur Heuchelei und Simulantentum
führen.“ (364) Vom Martin Luther-King stammt der
bekannte, allzeit gültige Satz: „Gott hat
absolute moralische Gesetze in sein Weltall eingebaut. Wir können sie nicht
ändern, wenn wir sie übertreten werden sie uns zerbrechen.“
______________
(362) Alexander
Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer
Zeitenwende“ Walter de Gruyter, 2004, S. 56
(363) Günter
Stemberger „2000 Jahre Christentum“, Erlangen, 1990 S. 833
(364) Hans Maier,
„Compelle intrare“ Uni München, 2009
Die Reichkirche sollte
schließlich zerbrechen, besser gesagt, sie zerbröselte an den ambrosianischen
(athanasianischen, damasischen...) Übertretungen. Ohne Luther gäbe es sie schon
längst nicht mehr. Ohne Luther hätte es keine Gegenreformation gegeben, die
hart mit den ärgsten innerkirchlichen Übeln aufräumte, ohne sie wäre nichts
anderes als böse Erinnerungen übrig geblieben.
Die Katholiken haben Luther zu
verdanken, dass aus den Trümmern etwas Besseres entstand. Dem Athanasium ist es
zuerst anzulasten, dass es zu den barbarischen Entwicklungen kam, weil mit ihm
unser gemeinsamer Gott den Menschen entfremdet wurde. Alles andere war die
logische Folge. Es kann sein, dass
Ambrosius besonders an einem Satz des ‚Papstes’
Sixtus I. (Xystus), der von 116-125
als römischer Bischof amtierte, Gefallen fand. Diese Behauptung lautet: „Die Kirche ist immer heilig, ganz gleich
wie sündig ihre Priester sind.“ (365) Ambrosius rundete auf: „Es kann keine noch so verruchte Schandtat
begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen
könnte.“ (366)
Solche markanten Aussagen
richteten sich direkt gegen die Weisungen
Jesu: „jeder Baum der keine guten Früchte bringt wird abgehauen.“
(ausgeschlossen, exkommuniziert) (367)
Die Priesterbeichten dienten nach Ambrosius
dazu einander das Gewissen zu erleichtern, nicht um ein bestehendes Problem zu
lösen, wozu sie ursprünglich gedacht waren. Es ist Ambrosius Mitschuld, dass
Bischöfe der katholischen Kirche 1 600 Jahre lang, weltweit ihren Priestern
Kindsmissbrauch u.a. schwere Verfehlungen wie Fälschungen und Gewaltanwendung
vergaben, statt nach der Regel zu handeln die Paulus
gab: „Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte“ (368) Er sagte allerdings nicht „verbrennt ihn“...
Die
arianisch-melitianisch-novatianischen Gemeinden handhabten solche Fälle wie
vorgeschrieben. Schon Callixt I. (angeblich Papst von 218-222) hatte jedoch
versucht, das Prozedere aufzuweichen.
Geradezu entlarvter Zynismus
ist, wie der katholische Kaiser Honorius auf die Nachricht von der Eroberung
Roms reagiert, wie wenig ihn - darin Ambrosius ähnlich - eigentlich das
Schicksal der Menschen berührt: „Als der
der Gote Alarich 410 die ewige Stadt erstürmt hatte und der __________________
(365) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(366) Gerhard J.
Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg
Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159
(367) Matth. 7:
20
(368) 1. Kor. 5:
13
Oberhühnerwächter
dem Kaiser die Nachricht brachte ... es sei vorbei mit Roma, bekam Honorius
einen gewaltigen Schrecken. Der Wärter aber tröstete ihn: es sei die Stadt Rom,
nicht die Henne Roma.“ (369)
Später, als die arianischen
Goten auf dem Boden des altrömischen Reiches eigene Strukturen errichteten,
sollten bessere Früchte hervorkommen.
Die Römer konnten sie weder militärisch noch kirchlich daran hindern.
Ironie des Schicksals kann man
es nennen. Exakt einhundert Jahre nach den programmatischen Erläuterungen
Ambrosius von Mailand gewinnen die Goten die Oberherrschaft über ein
zerstrittenes und weithin athanasianisches Italien. Der Arianer Theoderich der
Große bringt, was nach Athanasius nicht zu erwarten gewesen wäre, dem Land den
langersehnten Frieden. Er übte dreißig lange Jahre weder Gewalt an den
Unterlegenen, noch berührt er die Landesverwaltungen. Er tolerierte die
katholische Kirche. Erst daran zeigte sich, wie sehr Ambrosius sich verrannt
hatte als er sagte: „Die Feinde des
Reiches sind auch die Feinde der (katholischen) Kirche“ (370)
Allerdings „ließ Theoderich (ganz anders als Ambrosius G.Sk.)
nicht zu, dass der Reichtum der Kirche unverhältnismäßig stark zu Lasten
anderer anstieg.“ (371)
Priscillian von Avila geboren 340
starb 385 den von Ambrosius mitverschuldeten Märtyrertod. Er wurde enthauptet
wegen seiner arianischen Ansichten, nachdem „beide
Kirchenfürsten (Ambrosius und Damasus ihm, dem schutzsuchenden Spanier) „die kalte Schulter,“ (372) gezeigt hatten. Er war ein Mann noblen
Charakters. Das mussten ihm selbst seine Feinde zugestehen. Andererseits waren „… es
die schlechtesten Elemente des spanischen Episkopats, die gegen Priscillian in
vordersten Front standen. Ithiacus wird als schamloser und sittlich verkommener
Schwätzer bezeichnet und Ydascius wurde von seinem eigenen Presbyterium (Ältestenkollegium)
in den Anklagezustand versetzt, sein
Lebenswandel kam weiterhin in schlechten Ruf... Priscillian (dagegen) lebte
der Welt vor, was er lehrte.“ (372) „Durch Folterungen und „inquisitorische
Technik des Präfekten Euodius gelang es, Priscillian und die seinen das
Verbrechen der Magie und der organisierten Unzucht gestehen zu lassen... (Sie
wurden in Trier, im Jahr385, G.Sk.) „mit
dem
________________
(369) A. Demand, „Das Privatleben der römischen Kaiser“ C.H.
Beck 1996 S. 79 (370) ebenda, S. 15
(371) Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552“,
2006 S.59
(372) Lietzmann: „Geschichte der Alten Kirche“ W.De Gruyter,
1999 S.
. 66
Schwert hingerichtet.“ (373) Natürlich war Ambrosius hinterher
betroffen. So ist das in der Politik und im realen Leben, erst legt man
radikale Regeln fest und dann wenn sie sich verheerend auf den eigenen Ruf
auswirken, würde man am liebsten alles
dämpfen, allerdings nicht um jeden Preis. Dass es im Falle Priscillians darum
ging den Arianismus auszurotten, zugunsten des Konstantinismus, geht auch aus
der Arbeit von Ana Maria C.M. Jorge Center for the Study of Religious History
(CEHR) Portuguese
Catholic University (UCP)
hervor. (374)
Das bestätigt, wenn auch nicht
auf den ersten Blick erkennbar, auch diese Aussage: „Die Priscillianisten verwechselten mit Sabellius die drei
Personen
der Dreieinigkeit.“ (375)
Wie sie dahin schreiten zum
Hauklotz, auf den Mann zu mit seiner Axt in Händen, kann jeder sehen, der sich
versucht in die Lage der Betroffenen zu versetzen. Nur noch wenige Minuten und
sie werden im Jenseits ihren Bericht zu Protokoll geben, der ihrer Überzeugung
nach einmal aufgerufen werden wird... Unter der Folter hatten sie gestanden
unzüchtige Zauberer zu sein. Kein Mensch der Priscillian und die Seinen kannte,
schenkte diesem ungeheuren Vorwurf jemals Glauben, (der abergläubische Kaiser
Magnus Maximus vielleicht).
Als die sieben Köpfe zu Boden
fielen freuten sich nur wenige. Selbst Ambrosius hielt den Atem an...
Ob Ambrosius auch nur einen
einzigen Gedanken daran verschwendete, welches Verbrechen er zuvor begangen
hatte, als er das vor seiner Zeit wenigstens formal gültige Recht jedes Bürgers
auf freie Wahl seiner Religion abschaffte?
Da hieß es noch: „Wir gewähren den Christen,
... um des Friedens willen auch anderen Religionen, das Recht der öffentlichen
und freien Ausübung ihres Kultes..., auf dass jeder, wie es ihm gefällt, die
Möglichkeit zur freien
________________
(373) Lietzmann:
„Geschichte der Alten Kirche“ W.De Gruyter, 1999 S.
64
(374)
Ana Maria
C.M. Jorge “The Lusitanian Episcopate in the 4th Century. -
Priscilian of Ávila and the Tensions Between Bishops”: “Priscillian helps us to
achieve a better understanding of the Christianization process and the
orthodox/heterodox debate in late antiquity. …Against a background of the
progressive “Constantinization” of the church, bishops become key figures who
centralize the main forces of the day. … The confrontation between rival
Christian communities – Priscillianist and Nicean Catholicism – reveals an
important facet of the position adopted by Christians in their relations with
civil authorities, as well as the close ties between Christianity, the top of
the ecclesiastical hierarchy and the Empire. It also gives a clear picture of the work of the bishop of a city in
antiquity, in which the emphasis was on the militant view of the kerigma.”
(375) Alban
Butler „Leben der Väter und Märtyrer“ Mainz 1825
Anbetung habe ... um des
Friedens willen...“ Das Mailänder Edikt, verbunden mit der Jesuslehre von
der Selbstdisziplin (376) wäre das
Fundament für ein irdisches
Paradies aller gewesen. (377)
Ein Paradies allerdings, das
aufzurichten enorm viel Zeit und individuelles Bemühen und ständiges Trachten
nach dem Licht Christi verlangt hätte. Der Arianismus, wenn man dieses
Teilstück der ursprüngliche Kirche so nennen will, drückt ja nur aus, was alle
denken: einen Gott den man sich nicht vorstellen kann, den gibt es eigentlich
nicht: er ist allenfalls etwas nebulöses. -
Aber! Ein Rest von Gefühl sagt
jedem Menschen: es gibt ihn, den lebenden und liebenden, den guten,
freiheitschenkenden Großen, der uns zumutet das Chaos zu ordnen, und vor dessen
Intelligenz und Güte wir uns alle neigen! Auf dieses uns innewohnende Wissen,
dass uns nicht immer bewusst ist, weil wir in die „Seinsvergessenheit“ (378) fielen, bauen letztlich alle Kirchen
weltweit auf. Viele wünschen die Einheit der Christenheit. Sie sind immer noch
lediglich gut bearbeitete Bruchstücke des ehemaligen Ganzen. Es scheint
offensichtlich, wenn sie sich nicht vom Geist und Text des Athanasiums trennen,
werden sie nicht wirklich zusammenfinden.
Priscillian sagte es auf seine
Weise. Es komme nicht darauf an Gott zu feiern, sondern seine Gebote zu halten.
Athanasius und Alexanders
Drohungen waren leider keineswegs nur Worte geblieben, sondern sie stellten
eine Generalanweisung dar, der Folge geleistet wurde. Deshalb rollten die Köpfe
prominenter, untadliger Arianer, deshalb brannten später die Scheiterhaufen
(die Kirche vergießt kein Blut) Priscillian von Avila und seine sechs Freunde
gehören nur zu den bekanntesten Märtyrern des Urchristentums die, sechzig Jahre
nach dem Schlachtruf des Alexandriners, fünf Jahre nach der Verabschiedung von
Cunctos populos, von anderen Christen, alleine wegen Nichtakzeptanz des
nicänischen Bekenntnisses hingerichtet wurden. Um die Zeit der
_____________
(376) Text der
Bergpredigt
(377) W. Keller
„Und wurden zerstreut unter alle Völker“ Knaur 1966: „... wenn das siegreiche Christentum die Milde seines Stifters zur
Wahrheit gemacht hätte. Aber seine Herrschaft, welche in der Weltgeschichte
einen entscheidenden Wendepunkt bildet, brachte über das Judentum nur neue,
schwere, langanhaltende Prüfung“ S. 117 (378) Hartmut Böhme: “Natur und
Subjekt“ Frankfurt am Main 1988. II.
Subjektgeschichte:: „Es ist genau dieser Blick und dieses
Leiberleben, das den in die Seinsvergessenheit
(Phaidros 250a) gefallenen irdischen Menschen zurückholen soll in die
Erinnerung an die überhimmlische Heimat der Seele.“
Ermordung Priscillians, 385/386 „trat Ambrosius dem unter der
vormundschaftlichen Regierung der arianischgesinnten Kaiserin-Mutter Justina (†
388) unternommenen letzten Versuch, das arianische Bekenntnis zu erneuern,...
entgegen...“ (379) Und so bestätigt dieser Mann noch einmal, dass
er die Freiheit des Gewissens nicht duldete. Als Athanasianer war Ambrosius dem
Geist Konstantins gefolgt. Mit Jesu Namen wohl vertraut, widerstand er dem der
gesagt hatte: „Mein Reich ist nicht von
dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, würden meine Diener kämpfen, nun
ist aber mein Reich nicht von dieser Welt.“ (380) Dass er auf der
anderen Seite kämpfte bewies er „im Jahr 388…“ damals „… zerstörten Christen in Kallinikum, im
Zweistromland die Synagoge der dortigen Orientjuden. Kaiser Theodosius I. sieht
es als gerechtfertigt an, ihnen den Wiederaufbau dieser Synagoge als Strafe
aufzuerlegen. Ambrosius bestimmt den Kaiser, dieses Dekret zurückzunehmen und
das tumultuarische Verbrechen an den Juden ungesühnt zu lassen“ “(381) Man
muss an sich halten, wenn einem bei solchen Aussagen die Reichskristallnacht
vom 9. auf den 10. November 1938 in den Sinn kommt. Vom 7. bis 13. November
1938 wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Das
war der zeitgleich erfolgte, aber selten kritisierte Start in den Untergang des
3. Reiches.
Paulus hatte noch gelehrt: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und
alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft
besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber der Liebe nicht, wäre ich
nichts!“ (382) Ambrosius
fühlte, dachte und handelte als orthodoxer Christ. Er spielte seine
niederträchtige Vorbildrolle … und konnte nur zerstören.
Schließlich erringen um 550 die
Orthodoxen, mittels der Heerscharen Kaiser Justinians den Pyrrhussieg. Das
Heidentum, und die Goten verschwinden im sechsten Jahrhundert von der
‚christlich’ dominierten Bildfläche. Das Resultat war vorauszusehen. Die Großstadt
Rom und das flache Land verödeten. Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast
noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und
hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte.
Gespenstisch ging es zu, wo
einst 1 Million Bürger wohnten, hausen im 13.
Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute. (383) Einige wenige,
unter _________________
(379) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(380) Joh.: 18:
36
(381) Fr.L.zu
Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion J. Christi“ Wien 1818 S. 52
(382) 1, Kor. 13:
2
(383) L. Hertling
SJ, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“, S. 134
diesem verlorenen Haufen,
hielten sich allerdings für den Nabel der Welt. Niemand muss da lamentieren.
Das war es, was Konstantin zwar nicht gewollt hatte, aber doch wahrscheinlich
mit gewisser Häme gesehen hätte. Sie haben sich eben nicht gänzlich auf ihn
eingelassen, sie ehrten ihn indem sie ihm über weite Strecken folgten, rühmten
seine Politik, erinnerten sich seiner dankbar an Festtagen –im Osten wurde er
gar heilig gesprochen. Statt nur die reine Konstantinlehre zu predigen, hatten
sie sich für einen Mix entschieden. Sie zitierten, wenn auch in lateinischer
Sprache Jesu Worte. Diese Botschaft verstand, von Ausnahmen abgesehen,
allerdings niemand. Die zur Kirche kamen, mussten auch gar nicht verstehen,
sondern nur um so fester glauben.
Roms Kleriker glaubten, aller
Vernunft zum Trotz, sie säßen im Vollbesitz der Wahrheit und an einem wichtigen
Ort. Weil sie einander mit Blindheit schlugen, fühlten sie sich wie Kapitäne
auf großer Fahrt. Dass ihr vor sich hinrottendes Schlachtschiff auf Grund
gelaufen war, bemerkten sie lange Jahrhunderte nicht. Erst Luther sagte ihnen,
wo und wie sie sich befanden. Sie hatten ihre Kommandos gegeben, aber keiner
hörte auf sie. Fast das ganze neunte, zehnte, elfte und zwölfte Jahrhundert
ging an ihnen vorüber als gäbe es die Päpste nicht. Da wurden keine Dokumente
geschrieben.
Zweihundert Jahre lang, von 998 bis 1197 gibt es nicht ein
einziges
Papstregister
(384)
Das Märchen von der
apostolischen Sukzession beteten sie dennoch umso lauter, je weniger von der
Legitimationskette etwas zu bemerken war. Offen erklärt der katholische
Kirchengeschichtsschreiber Hertling: Um
890 „war die Verwirrung so groß, dass wir
von manchem dieser Päpste die oft nur Wochen oder Tage im Amt waren, nur die
Namen wissen und nicht einmal immer feststellen können, ob sie rechtmäßige
Päpste waren.“
(385)
Anmaßung und falsche Prämissen,
allem voran das Athanasium verführten und leiteten sie in die Katastrophe. Als
sie das erkannten, hätten sie bekennen müssen, geirrt zu haben. Dann wäre ihr
Ruf gerettet worden. Stattdessen begannen sie die Dokumente zu ‚bearbeiten’ und
grobe
Fälschungen anzufertigen. Die wichtigsten Leute Roms,
fast alles
Nachkommen großer
Adelsgeschlechter, wollten sich vor
allem jene Macht sichern, die schon ihre Väter errungen, die ihnen den Erhalt
ihres
______________
(384) „Thomas
Frenz “Innozenz III. Weichensteller der
Geschichte Europas“ FranzSteiner-Verlag 2000, S. 14
(385) L. Hertling
SJ mit Imprimatur. Romae, vom 27. Nov. 1981 „Geschichte der
Katholischen Kirche bis 1740“, Morus-Verlag, Berlin, S. 134
luxuriösen Lebens versprach,
obwohl ihnen der Kern des Glaubens – den sie angeblich hochhielten nie gesehen
- dies strikt untersagte.
Damasus, Callixt I., Ambrosius und viele andere
entschieden sich für diese Variante
sehend. Dekrete waren ihre Sache. Neben
der untauglichen Idee, die sie wie später Augustinus von Hippo hegte, man könne
die Menschen zu ihrem Glück zwingen, glaubten und predigte sie sicherlich auch
viel Gutes. Aber wie wir selbst, müssen auch diese Persönlichkeiten der
Reichskirche, an ihrem Tun und Lassen gemessen werden und weniger an ihren Worten.
Zahllose
Opfer, Heiden,
Juden, Arianer,
Manichäer, Donatisten,
Pelagianer, Novatianer,
Bogumilen, Katharer, Waldenser und andere
‚Ketzer’,
die auch
nach den
Überzeugungen der Täter als
Geistpersönlichkeiten immer
noch existieren, strecken die Hände aus und fragen: „Warum, ihr Männer, habt
ihr uns das alles angetan? Schlug euch nicht das Gewissen, als ihr das
Fundament für ein Werk legtet, das zielgerichtet unsere Entscheidungsfreiheit und
schließlich unser Leben und das Leben unserer Kinder und Frauen vernichten
sollte?“
„Warum legtet ihr den Grund für
die verbrecherische Inquisition?“
Augustinus und Ambrosius sind
nicht organisch in den Anti-Origenismus hineingewachsen, sondern sie
entschieden sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Entwicklung gegen den
Grundsatz: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Grausamkeiten verwandeln sich
nicht in Wohltaten, auch falls diese mit cleveren Argumenten einem Gottesplan
zugerechnet werden sollen.
Es sei klar gesagt: Ambrosius
und Augustinus widersprechen Christus. Sie leugneten effektiv, dass Gott allen
Menschen die Freiheit gewährte, sich falsch entscheiden zu dürfen.
Ambrosius redete die Sprache
des größten Widersachers Jesu: Wenn du den Menschen vollen Spielraum gibst,
dann werden sie ihre Wahlfreiheit unweigerlich missbrauchen.
Andererseits steht fest: unter
Dauerdruck stehend kann die Seele sich nicht entfalten.
Deshalb ist, nach ‚mormonischem
Verständnis der gesamte Text der
Heiligen Schrift ein Apell an
den freien Willen: (386)
Gemeinsam mit allen Christen,
sind wir überzeugt, dass es eines Erlösers bedarf, der eine Zwischenstellung
einnimmt und der über genügend Macht
_____________
(386) Josua: 24: 15 „Gefällt es euch aber nicht, daß ihr dem
Herrn dient, so erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt...“
verfügt allen Gutwilligen,
welcher Herkunft sie auch sein mögen, eine Brücke zwischen zwei Teilstücken der
Ewigkeit zu bauen, die für sie begehbar ist.
Es gab, - das glauben Mormonen
aus guten Gründen, - bereits in unserem vorirdischen Dasein, zu eben diesem
Thema, eine heftige
Auseinandersetzung,
intellektueller Art, die schließlich nicht friedlich, zugunsten unserer
persönlichen Entwicklung durch Mehrheitsentscheidung beendet wurde.
Wegen der hartnäckig vertretenen Idee
Menschen zum Guten zwingen zu wollen, wurde – wie es Joseph Smith nach eigenem
Zeugnis ‚sah’, aus Luzifer, dem Lichtträger, Satan : Jener Satan, dem du im Namen meines Einziggezeugten geboten hast, ist
derselbe, der von Anfang an gewesen ist; und er trat vor mich und sagte: Siehe,
hier bin ich, sende mich. Ich will dein Sohn sein, und ich will die ganze Menschheit erlösen, dass auch nicht eine Seele verlorengehe, und ich werde es
sicherlich tun; darum gib mir deine Ehre.
Aber
siehe: Mein geliebter Sohn, der mein Geliebter und Erwählter von Anfang an war, sprach zu mir: ‚Vater dein Wille
geschehe, und dein sei die Herrlichkeit immerdar.’
Darum
weil der Satan sich gegen mich auflehnte und danach trachtete die
Entscheidungsfreiheit
zu vernichten, die ich, der Herr Gott den Menschenkindern gegeben hatte und
weil ich ihm auch meine eigene Macht geben sollte, ließ ich ihn durch die Macht meines
Einziggezeugten hinabwerfen, und er wurde der Satan, ja nämlich der Teufel...“
(387)
Alleine die Ideen stehen sich
feindselig gegenüber. Das erklärt wohl auch diesen von Johannes dem Offenbarer
stammenden Text: „Und es entstand ein
Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Auch der
Drache und seine Engel kämpften; aber sie siegten nicht, und es wurde für sie
kein Platz mehr gefunden im Himmel. So wurde geworfen der große Drache, die alte
Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt,
geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen.“ (388)
Erstaunt ruft der inspirierte Jesaja
aus: „Wie bist du vom Himmel gefallen, o
Luzifer, Sohn des Morgens! Bist du niedergehauen zur Erde, der du die Nationen
schwächtest!
Denn
du hast in deinem Herzen gesprochen: Ich werde zum Himmel hinaufsteigen; ich
werde meinen Thron hoch über die Sterne Gottes ________________
(387) Köstliche
Perle Mose 4: 1-4
(388) Offb.
12,7-9
erhöhen;
ich werde mich auch auf den Berg der Zusammenkunft im hohen Norden setzen.
Ich
werde über die Wolkenhöhen emporsteigen; ich werde dem
Allerhöchsten
gleich sein!
Doch
wirst du in die Hölle hinab geworfen, in die allertiefste Grube.
Die
dich sehen, werden dich scharf anblicken und werden dich wägend betrachten und
werden sprechen: Ist dies der Mann, der die Erde hat erzittern lassen, der
Königreiche erschüttert hat?
Und
die Welt zur Wildnis gemacht und die Städte darin zerstört hat und das Haus
seiner Gefangenen nicht geöffnet hat?“ (389)
Aus dieser Erkenntnis oder
Einstellung heraus, schrieb Joseph Smith aus dem Gefängnis zu Liberty, wo er,
im Winter 1838, willkürlich monatelang festgehalten wurde, die
unvergleichlichen Worte: „...wenn wir
auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder
Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben – siehe dann ziehen sich die
Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen wird,
dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.”
(390)
Origenes stellte uns indirekt
die Frage Gottes vor, die er sich selbst vorgelegt hatte: „wie bringe ich meine Kinder wieder unbeschadet zurück, nachdem sie
in die Welt der Gegensätze fielen um durch eigene Erfahrung zu lernen zwischen
Gut und Böse, zwischen Elend und Heiligkeit zu unterscheiden. Etwas das man im
Vaterhaus Gottes nicht erleben kann. Wahr ist, wir schätzen das Gute oft genug
erst, nachdem wir es verloren.
Jesus, der Logos, bot sich
selbst als Opfer an, für den Teil unserer Übertretungen zu bezahlen, den wir
zwar sehr bereuen aber den wir nicht rückgängig machen können. Das war eben der
Anlass der Fragen Luthers vor dem Turmerlebnis. Und das war die klare Antwort:
Trotz all unserer Bemühungen - die für Gott und uns selbst unverzichtbar sind –
ist letztlich alles was uns schließlich aus der Misere heben kann, die Macht
der Gnade.
Der zuverlässige Kommentator
des Fachartikels über Origenes, F. H.
Kettler, fasst die phänomenale
Gesamtschau des Origenes (185-254) die im
Freiheits- und
Allversöhnungsgedanken der frühen Christenheit
ihren Höhepunkt findet, einleuchtend zusammen. Dass dieser Kern sich in
_________________
(389) Jesaja 14: 12-17 Buch Mormon Text. Die Bezeichnung
Satans "Glanzstern" entspricht dem lateinischen Luzifer = "Lichtträger". Im Hebräischen = Hillel
("Glänzender, Leuchtender") = Nahasch, die Schlange im Paradies Genesis. 3:1 (390) Lehre und Bündnisse 121: 38-40
Übereinstimmung mit den Lehren des
„Mormonismus“ befindet, empfinden wir als erfreuliche Bestätigung: Gott „...
stand vor der Wahl, ihnen (seinen Geistkindern) entweder gar keinen freien Willen zu geben oder die Möglichkeit ihres
Falls in Kauf zu nehmen, und zog das Letztere vor, (er) wird sie aber schließlich (nach vielen Rückschlägen...) und durch die
Kunst seiner Pädagogik doch noch dahin bringen, dass sie dem Guten beständig
anhängen.
Gottes
Pädagogik und der freie Wille der
Logika, den Gott nur durch
Erziehung
fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind (nach Hal Koch) die
eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“ (391)
Wir sind Götterkinder, niemand
darf uns ungestraft zwingen. Wir werden immer mit den Unterlegenen fühlen, weil
wir das göttliche Erbe der Freiheitsliebe in uns tragen. Es lässt sich nicht
unterdrücken.
„Mormonen“ glauben an diese Überlieferungen,
weil sie Sinn machen. Ein wenig anders, als in den Bekenntnissen und
Auffassungen anderer Gemeinschaften lauten deshalb unsere Schlussfolgerungen: Alleine der Glaube an die
Notwendigkeit, die von Jesus gesetzten Gebote zu befolgen - also das
glaubensvolle Bemühen tugendhaft, liebevoll und wahrhaftig zu sein, - kann uns
von den Folgen des Falles in die Gottesferne erlösen. (392) _______________
(391) Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft, dritte, Auflage, vierter Band Kop-O,
J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960
S. 1692 – 1702,
(392) Johannes
14: 21: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es der mich liebt. Wer mich
aber liebt der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn
lieben und mich ihm offenbaren“
Die Lehrentscheidungen Innozenz I. (401-417)
Die abwärts geneigte Linie der
innerkirchlichen Entwicklung führt immer über Callixt I., Konstantin, Alexander
von Alexandria, Athanasius, Damasus, Ambrosius zu Augustinus, dem Häretiker par
excellence in die Finsternis der Verließe der Inquisition und zu den
Scheiterhaufen, sie führt zur Massenvernichtung der Indianer, der Juden, der
unentschuldbaren Kriege gegen Katharer, der Bogumilen, der Waldenser, der
Vaudois und zur generellen Beeinträchtigung der Vernunft. Niemand durfte sich
mehr sein eigenes Bild von den Dingen machen. Wer Marias ewige Jungfernschaft
vernehmlich bezweifelte wurde während des Mittelalters verbrannt.
Es ist dieses Einheitsmaß aller
Schritte in die Zukunft, das zwingend vorgegeben wurde: etwas, das dem
katholischen Rom nicht dient, umgeht man nicht, es ist niederzutreten. Innozenz
I. verstärkte in seiner Amts-Zeit, 402 –
417 diesen Trend. Er „ließ als erster römischer Bischof die
Novatianer verfolgen.“ (393) Er wird in der derzeitig gültigen Papstliste
als 40. aufgeführt. Offiziell heißt es: „Innozenz I.
Heiliger, ist wahrscheinlich der
Sohn seines Vorgängers Anastasius I. (was erneut beweist, dass es selbst
damals noch bischöfliche Normalität war verheiratet zu sein G.Sk.) Neben Siricius, Leo I. und Gelasius I. ist
er der bedeutendste Papst des 4. und 5. Jh. Innozenz baute zielstrebig das römische Primat in der
Gesamtkirche aus ...(weil es eben von Beginn an nicht so war! G.Sk.) er
forderte nicht nur oberstes Verordnungs- und Aufsichtsrecht, sondern
beanspruchte auch das Recht zur
Lehrentscheidung, bekämpfte wiederholt Häretiker.“ (393) Wer ein
Häretiker ist bestimmte Innozenz I.. Seine Lehrentscheidungen zu betrachten,
ist lehrreich. Als Maßstab zur Bewertung einer Häresie, zog er die
Konzilsbeschlüsse heran, sowie die in Mode kommenden augustinischen Neuheiten.
So weit zu sehen ist, wurde selten eine Diskussion auf Grundlage der Heiligen
Schrift geführt. Das Recht zur Lehrentscheidung in der Kirche Christi, (-
vorausgesetzt man glaubt daran, dass es ihn immer noch gibt -) steht jedoch
allein dem auferstandenen Jesus Christus zu. Kaum ein konsequenter Christ wird
das ernsthaft bestreiten. Wenn ein Papst sagt und glaubt, dass er das Mundstück
Jesu ist, (Unfehlbarkeit in Lehrfragen, ex cathedra) wird jeder an den
Auswirkungen der Entscheidung erkennen, ob das tatsächlich der Fall war.
________________
(392) Steffen
Diefenbach „Römische Erinnerungsräume“ S. 253
(393) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott
„Bischof Innozenz I. verlangt, dass überhaupt
jede wichtige Angelegenheit nach ihrer Behandlung auf Synoden dem römischen
Bischof zur Entscheidung vorgelegt werde, das Evangelium, so behauptet er
unbekümmert um die Wahrheit (Gegenbeispiele Nordafrika, Frankreich, Spanien)
sei in die übrigen westlichen Provinzen einzig und allein von Rom aus gelangt;
dies soll die jetzt einsetzende liturgische Uniformierung begründen.“ (394)
Die Geschichtsforschung fand das Gegenteil heraus, nämlich dass „die aus Jerusalem Vertriebenen z.Zt. der
Apostel das Evangelium auch nach Ägypten brachten. (395) Innozenz I. war
pro
Augustinus, - aber Augustinus erwies sich mehrfach
als eigensinniger Erfinder neuer Lehren, z.B. als er zum Zeitpunkt seiner Taufe
387 beschloss, statt die Mutter seines Sohnes Adeodatus zu ehelichen, grundsätzlich keinen Beischlaf
mehr zu haben, weil ‚Geschlechtslust um
ihrer selbst willen’ sündhaft sei.
1. Vom Zwang oder einer Notwendigkeit einem
‚normalen’ Eheleben zu entsagen steht in der Bibel kein Wort. Die Heilige
Schrift verbietet nur die außerehelichen sexuellen Beziehungen. Augustinus ist
es der aus der Philosophie des sinnvollen Verzichts, eine Lehre der Einengung
von Menschenrechten schafft - und
Innozenz I. widerspricht ihm nicht!
Augustinus
persönliche Konsequenz lautete: er werde künftig quasi mönchisch leben. (Mutter
Monika hat daran ihren Anteil.) Doch diese Rücksichtslosigkeit beider gegenüber
seiner bisherigen Lebensgefährtin bewirkte den unverantwortlichen Aufschwung
monastischen Lebens, zu dem später allzu oft junge Leute überredet wurden, die
keine Ahnung hatten was sie wirklich
erwartete. Sie gerieten mehrheitlich in eine Falle, - in ein
klösterliches Gefängnis - aus der es kein Entrinnen gab. „Gottschalk (Godescalc) der Sachse (G. von Orbais), Theologe und
Dichter, * um 803 als Sohn des sächsischen Grafen Bern, † um 869 in Hautvillers
bei Espernay. - wurde (als Kind G.Sk.)
dem Kloster Fulda übergeben.... Durch Hrabanus Maurus erhielt der vielseitig
begabte Grafensohn eine ausgezeichnete Ausbildung. Gottschalk wollte nicht im
Kloster bleiben; aber sein Abt Hrabanus Maurus zwang ihn gegen seinen Willen zur Tonsur...Mit Unterstützung seiner
Verwandten wandte sich
_______________
(394) Hans Küng Kleine Geschichte der katholischen
Kirche“ S. 68
(395) Friedrich Heyer „2000 Jahre Christengeschichte des Heiligen
Landes“ Lit. Verlag Münster-Hamburg-Berlin S. 4
Gottschalk
an den Erzbischof Otgar von Mainz. So wurde die Streitsache vor der Mainzer
Synode im Juni 829 erörtert und Gottschalk zwar die Freiheit, aber nicht die
Rückzahlung des väterlichen Erbes zugestanden. Gegen dieses Urteil protestierte
Hrabanus Maurus ...830 ist Gottschalk als Mönch im Kloster Corbie
(Nordfrankreich) bezeugt. Er ging bald aus unbekannter Ursache in das nahe
gelegene Kloster Orbais. Hier suchte er Trost für sein tragisches Geschick in
der Beschäftigung mit den Wissenschaften. Gottschalk wurde als Mönch zum
Priester geweiht und trat als Lehrer hervor. Er studierte eifrig die Schriften
des Augustinus ...und machte sich dessen Lehre von der ...Prädestination des
Menschen zu eigen. ... (Weil Gottschalk einsehen musste, dass er dem
Klosterleben auf legale Weise nicht entkommen konnte, nahm er Zuflucht zu der
Vorstellung es sei Gottes
unabänderlicher Wille (Prädestination) dass er zu denen gehöre die errettet
werden sollen... G.Sk.) Er verteidigte seine Prädestinationslehre
vor der Synode gegen Erzbischof Hrabanus Maurus, seinen früheren Abt, der in
zwei Schriften sich gegen sie gewandt hatte. Doch die Synode, auf der Hrabanus
Maurus Vorsitzender, Ankläger und Richter in einer Person war, sprach das
Verdammungsurteil über G. aus und schob ihn zur Vollstreckung des Urteils an
Erzbischof Hinkmar von Reims (s. d.) ab, zu dessen Diözese Orbais gehörte...
Wikipedia erläutert die Situation umfangreicher: „Ohne dass seine Argumente
recht zur Kenntnis genommen wurden, verurteilte man ihn zu lebenslanger
Kerkerhaft und stetem Schweigen, zwang ihn, die eigenen Schriften zu
verbrennen, und geißelte ihn danach öffentlich halb zu Tode. Diese Verurteilung
und ihr Vollzug waren schwere Rechtsbrüche, denn die Synode im Ostreich hatte
dazu keine kirchenrechtliche Befugnis. Dann überstellte man ihn dem Erzbischof
Hinkmar von Reims.“ (396)
Selbst der noble Franziskus
verfasste seine Klosterregel mit Blick auf diesen Punkt: „Es soll niemanden gestattet werden den Orden zu verlassen.“ (397)
Die Erzwingung eines Lebens in Keuschheit, wie
speziell Augustinus es für richtig hielt, hat wahrscheinlich mehr Menschen
zerstört, als beglückt. Obwohl die Katholische Kirche das offiziell so nicht
lehrt wird immer wieder seitens Einzelner versucht zu unterstellen, dass schon
in Nicäa, 325, gemäß Kanon 3 die Ehe für Geistliche verboten wurde. Das ist nicht
zutreffend. Auch Wikipedia erteilte z.B.
im Januar 2010 wörtlich diese _________________
(396)
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
(397)
.....
sachlich falsche Auskunft: „Das
Konzil verbietet absolut, dass Bischöfe, Priester und Diakone mit einer Frau
zusammenleben, ausgenommen natürlich ihre Mutter, Schwester oder Tante oder
eine über jeden Verdacht erhabene Frau.“
Der Text von Kanon 3 lautet jedoch: “Die große Synode hat streng verboten, dass
ein Kleriker mit einer Konkubine oder einer anderen Frau zusammenlebt,
ausgenommen, es handelt sich um die Mutter, seine Schwester oder Tante, oder
eine Person die jenseits allen Verdachtes ist.“ (398) Sowohl dieser Unterschied wie auch der Versuch zu täuschen
ist bezeichnend und enorm. Gegenüber der Sexuallehre Augustinus steht die Lehre
der Kirche Jesu Christi der HLT: „Das
Gesetz der Reinheit (Keuschheit) besteht darin, dass man keine sexuellen
Beziehungen hat, außer mit seinem rechtmäßig und gesetzlich angetrauten
Ehepartner... (des anderen
Geschlechts).“ Nicht weniger, aber auch nicht mehr! Die buchstäblich ewige
Familie ist das Ideal jedes überzeugten ‚Mormonen’. Gesetze die homosexuelle
Ehen legitimieren, werden aus mehreren
Gründen abgelehnt. Doch nicht
nur in diesem Punkt haben ‚Mormonen’
Übereinstimmung mit der heutigen entschieden gewendeten
katholischen Kirche, freiheitlich-amerikanischen Typs! Eine Botschaft an den
Präsidenten unserer Kirche Thomas S. Monson vom September 2008 bekräftigt dies.
(399)
________________________________
(398) Orthodox Church of Estonia “Canon of the First Ecumenical Council: „The great
Synod has stringently forbidden any bishop, presbyter, deacon, or any one of
the clergy whatever, to have a
subintroducta dwelling with him, except only a mother, or sister, or aunt,
or such persons only as are beyond all suspicion.” (Subintroducta=Konkubine)
(399)
“Dear President Monson, On behalf of the members of the
Ad Hoc Committee for the Defense of Marriage of the United States Conference of
Catholic Bishops, I am writing to express prayerful support and steadfast
solidarity with the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints and its members
in view of recent events. We have watched with great distress in recent weeks
as some members of society have reacted intemperately, and sometimes even
violently, to the decision of the voters in support of Proposition 8 in
California. We have been especially troubled by the reports of explicit and
direct targeting of your church personnel and facilities as the objects of
hostility and abuse. We pray that prudence and healing may prevail. The members
of the Committee offer you our profound gratitude for your role in the broad
alliance of faith communities and other people of good will who joined together
to protect marriage, while at the same time, witnessing to the honor and
respect due to every human person created in the image and likeness of God.lk
Fraternally yours in Christ,
Joseph E. Kurtz, Archbishop of Louisville Chairman, Ad Hoc Committee for the
Defense of Marriage
Die Kirche, deren originäre
Aufgabe, gemäß Jesu Lehren, auf Förderung und Stabilität sozialer Bindungen
gerichtet ist, errichtete - unter frommem Vorwand - effektiv zahlreiche
Hindernisse für funktionierende Ehen und
Familien. Nicht zu reden vom
Schicksal schwangerer Nonnen und deren Kinder sowie von jenen Kindern die durch
zölibatär lebende Geistliche in die Welt gesetzt wurden und werden. Ein Makel
der, nach dem Urteil vieler voll zu Lasten augustinischer Befürworter
zölibatären Lebens geht, denen der angebliche Ruf der Kirche als ‚heilige’
Instanz wichtiger ist, als die Zukunft von Kindern die ihr Leben lang unter den
Folgen des Liebesentzugs zu leiden haben.
„...noch
in den apostolischen Canonen (wird klar gesagt) ... ein Bischof, Presbyter,
oder Diakon, der aus falscher Religiosität, seine Gattin verstößt, soll
stillgelegt werden, beharrt er dabei, so treffe ihn die
Absetzung.“
(400)
In der Bibel ist kein Wort und
kein klarer Hinweis zu finden, der Augustinus Annahme stützt. Besonders
beachtenswert wirkt, in diesem Zusammenhang, das Wort des Berichterstatters des
Buches 1. Könige: „Der Herr wurde zornig
über Salomo“ - der mehrere hundert! Frauen geheiratet hatte - aber der Gott
Israels, der große ICH BIN, war anscheinend nicht speziell darüber erbost,
sondern; „weil sich Salomos Herz von Gott
abgewandt hatte, obwohl er ihm zweimal erschienen war.“ (401) Allerdings
fanden die nephitischen Schreiber des Buches Mormon: „...
David und Salomo hatten wahrhaftig viele Frauen und Nebenfrauen, und das war
ein Gräuel vor dem Herrn.“ (402) Geradeaus gesagt, wollte Augustinus es
besser wissen als der allmächtige Gott, der die Ehe eingesetzt hatte, weil es „nicht gut ist, dass der Mensch alleine sei“ (403) Augustinus, der noch zu
Beginn seiner christlich-schriftstellerischen
Tätigkeit denken konnte, dass der Mensch ein ewiges vorirdisches Dasein
bei Gott hatte, war sich später nicht mehr darüber im Klaren, dass der Fall
Adams, ein Fall aus der Sphäre des Paradieses in die Welt der Sterblichkeit
war. (404) Es ist eine glatte
Spekulation des Augustinus anzunehmen Evas Verführung des Adam hätte
irgendetwas mit Geschlechtslust zu tun. Diese Auffassung wird ad absurdum
geführt durch die Tatsache dass ohne Blut sexuelle Erregung nicht möglich ist,
- denn in der Sphäre des Paradieses
hatten die ‚Menschen’ kein Blut, sie waren unsterblich als Geister
geformt
______________
(400) Johann J.
Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853
(401) Kapitel 11:
9
(402) Jakob 2: 24
(403)Genesis2:18
(404) „Wenn ihr von der verbotenen Frucht esset, werdet ihr
sterben.“ D.h. ... werdet
ihr sterblich. ‚Origenismus-Mormonismus’ siehe Gerd Skibbe:
„Alles war anders“ 2008
worden. Sehr wohl jedoch waren
sie Wesen unterschiedlichen Geschlechtes. (405)
Nicht wie Augustin und mit ihm Innozenz I. glaubte, sondern unser Wunsch
eigene Erfahrungen zu sammeln, zog den „Fall Adams“ nach sich.
Gott hat das Böse ebenso wenig
erschaffen, wie den Teufel als Archetypus. Beide sind das Ergebnis
intellektueller Fehlentscheidung, der bewussten Auflehnung einer Anzahl
präexiste nter Intelligenzen gegen
Gott.
Die
ewige Geschlechtlichkeit des unsterblichen Geistes gestattet ‚Mormonen’ zu
glauben, dass es im Bereich des Möglichen liegt, eine buchstäblich ewige Ehe zu
führen, mit eigenen Geistkindern (womit ein neuer Ewigkeitskreis beginnen
würde. So macht die schon erwähnte ebenfalls urchristliche Vergottungslehre
erst Sinn. Sogar Martin Luther sprach von der Deifikation (406)
An dieser Stelle wird die
Kritik an dem Komplex der Lehren der Kirche Jesu Christi der HLT zwar noch
entschiedener, doch eher unbegründet erhoben, wie die Dogmengeschichte belegt.
Erneut zeigt sich, dass frühe Feinde der Kirche Christi bereits im zweiten oder
dritten Jahrhundert damit begannen ursprüngliches Lehrgut zu verdrängen. Kein
Geringerer als ________________
(405) „Die
Familie – eine Proklamation an die Welt“ von der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der
Letzten Tage. „...Alle Menschen - Mann und Frau - sind als Abbild Gottes
erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine
geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen
und eine göttliche Bestimmung. Das Geschlecht ist ein wesentliches Merkmal der
individuellen vorirdischen, irdischen und ewigen Identität und
Lebensbestimmung...“
(406) Nikolai
Krokoch zitiert Tuomo Mannermaa der darauf verweist, daß das Wort der Theosis (deificatio) öfters bei Luther vorkommt als
der Hauptbegriff seiner während der berühmten Heidelberger Disputation (1518)
formulierten Heilslehre nämlich die theologia crucis. „Wenn in Luthers
Epistelkommentaren und Weihnachtspredigten die inkarnatorische Wahrheit auf
besondere Weise zum Ausdruck kommt, dann meint er ähnlich wie die orthodoxe
Heilslehre die reale Teilhabe an der Gottheit Jesu: ,,Wie das Wort Gottes
Fleisch geworden ist, so ist es gewiß notwendig, daß auch das Fleisch Wort
werde. Dann eben darum wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit
anderen Worten: Gott wird darum Mensch, damit der Mensch
Gott werde. Also wird Macht machtlos, damit die
Schwachheit mächtig werde. Der Logos zieht unsere Form und Gestalt, unser Bild
und Gleichnis an, damit er uns mit seinem Bilde, mit seiner Gestalt und seinem
Gleichnis bekleide. Also wird die Weisheit töricht, damit die Torheit Weisheit
werde, und so in allen anderen Dingen, die in Gott und in uns sind, sofern er
in all dem das Unsere annimmt, um uns das Seine zu vermitteln.“ Luther nimmt
hier den Vergöttlichungsgedanken des Hl. Kirchenvaters Athanasius auf…” Tuomo
Mannermaa “Luther und Theosis”, Band
16
Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg,
Helsinki/Erlangen 1990, S. 11: “Theosis als Thema der finnischen
Lutherforschung…
Tertullian (160-220) sagte
noch: „Die Ehen der Christen werden nicht durch den
Tod des einen Teils getrennt, sondern dauern über das Grab hinaus an“ (407) (408)
Von daher rührt die christliche Auffassung von der ‚Unauflöslichkeit’ der Ehe.
Aus einem wunderbaren Element des Christentums wurde jedoch im Verlaufe der
Durchsetzung der augustinischen Version des Christentums, ein Ballaststein
geformt, der am Hals zahlreicher Menschen hing. Es gab praktisch keine
Ehescheidungen, wo immer die Kirche unumschränkte Macht ausüben konnte. Dass eine Ehe, in diesen Jahrhunderten, sogar
zu einer Falle für Unschuldige werden konnte, ist unbestritten. Falls eine
Ehefrau damals einen sadistischen Alkoholiker ertragen wollte, war das ihre
Sache, aber wenn sie dem daraus entstehenden Chaos entgehen wollte, hatte sie
praktisch keine Chance, dieser Situation ehrenhaft zu entkommen. Das war es
sicherlich nicht, was Jesus mit seinen Ausführungen zum Thema Ehescheidungen
ausdrücken wollte. Er verteidigte das Recht der Frau, das der ohnehin
privilegierte und auf eine andere Partnerin lüsterne Ehemann, nicht mit Füßen
treten darf.
(409)
_______________
(407) Dr. K.A.
Heinrich Kellner, Tertullian „Über die einmalige Ehe“ Kap 10:
Davon ist später nicht mehr die
Rede. Eher wurde auf Matthäus 22:23-33
hingewiesen Jesus selbst habe gesagt: "Ihr
kennt weder unsere Bibel noch wisst ihr was von der Macht Gottes. Wenn die
Menschen von den Toten auferstehen, werden sie nicht heiraten und sich nicht
heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel." und der
Frankfurter Pfarrer Helwig Wegner, vom MEDIENHAUS der Evangelischen Kirche in
Hessen und Nassau folgert aus diesem Jesuswort: „Die Ewigkeit ist in allem ganz anders als das Leben auf dieser Welt.
Auferstehung heißt auch nicht, dass die mit Uhren zu messende Zeit ins
Unendliche verlängert wird. Unsere kleinen Ordnungen und unsere engen
Vorstellungen zählen dort nicht mehr und selbst die Ehe gilt nichts im Himmel:
"Sie sind wie die Engel", nicht Mann, nicht Frau, ja vielleicht ganz ohne Gestalt.“ Pfarrer Wegner hat nicht bedacht,
dass Adam und Eva unsterblich als Mann und Frau erschaffen wurden....
(408) Der
Protestant Goethe schrieb mancherlei gegen die Schul-Theologie. Er folgte
seiner Intuition. Singt nicht der Engelchor am Ende des berühmten „Faust 2“
gerade das Lied vom höchsten Glück? Goethe hat wiederholt „Mormonen-Typisches“,
wie die Lehre von der Möglichkeit ewig vermählt zu sein, direkt und indirekt
beschrieben.:
„Der Teufel will Besitz von Faustens Seele ergreifen. Nun aber zeigt es
sich, dass Mephisto falsche Schlüsse gezogen hat. Engel vom Himmel steigen
hernieder und treiben ihn mit seinen der Hölle entstiegenen Hilfsscharen durch
geweihte Rosen zurück. Faust ist nicht der Unterwelt verfallen. Die Engel
singen: „Wer immer strebend sich bemüht,
den können wir erlösen!" Sie
ergreifen Faustens Unsterbliches, bringen es zu den Füßen der Gottesmutter, wo
Gretchen als Büßerin Gnade gefunden, und vereinigen die Frühgeliebten.
„Führer durch das Schauspiel“ von Leo Melitz
(409) Matth.19:
„... nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus
der Ehe zu entlassen....“
2.
Augustinus schuf die Lehre von der Erbsünde. Er
entwickelte sie aus seiner sexualfeindlichen Grundeinstellung heraus.
„Die
Erbsünde (diesen Begriff kennt die Bibel nicht G.Sk.) wird... durch den Geschlechtsakt... auf jedes neue Menschenwesen
übertragen. Deshalb ist nach dieser Theologie schon jeder Säugling dem ewigen
Tod verfallen - wenn er nicht getauft
wird.“ (410) (411) Das durch solche Aussagen verursachte Leid betroffener
Eltern, die 16 Jahrhunderte lang, solchen Behauptungen Wert beimaßen, wenn ihr
Kinder vor dem Empfang der
Taufe starben, kann nicht mit Worten ausgedrückt
werden. Die Kirche Jesu Christi der HLT lehrt deutlich dagegen: dass, es „ein
feierliches Gespött vor Gott ist, wenn ihr kleine Kinder tauft.“ (412) Augustinus Ansatz führte zu einer ganzen
Reihe von Schlussfolgerungen die sich allesamt als nachteilig auf die kirchlich
orientierte Welt auswirkten.
3.
Die Kinds-(Säuglings)taufe ist zudem ein
Ausdruck der Missachtung von Persönlichkeitsrechten. Ein Säugling ist keine
Unperson.
„Die Kindstaufe
wurde um
545/6 durch
Kaiser Justinian
zwangseingeführt, die Nichtbeachtung mit dem Verlust von Eigentum und
Bürgerrecht bestraft, das Festhalten am „hellenischen“ Glauben bzw. die
Apostasie nach der Taufe mit der Todesstrafe. Dies war ein entscheidender
Schritt, da nun praktisch jeder Reichsbewohner bereits als Kind getauft wurde
und ein Abfall vom Christentum als grundsätzlich todeswürdiges Verbrechen
galt.“ (413) So kam der Sieg des Christentums zustande!
______________
(410)
Hans Küng Kleine Geschichte
der katholischen
Kirche, S. 76
(411)
Katholische Nachrichten 05. Okt. 2006 Dr. Joh. M.
Schwarz: „Der limbus puerorum“: Kinder,
die vor der Taufe sterben, haben keine persönlichen Sünden. Sie leiden lediglich an der
Zustandssünde, die Erbsünde genannt wird - also den Zustand des Mangels
heiligmachender Gnade. Diese Gnade wird normalerweise in der Taufe erlangt.“
(412)
Buch Mormon Moroni 8: 8-9; 23 „Höre das Wort Christi, deines Erlösers, deines Herrn und Gottes:
siehe, ich kam in die Welt, nicht um die Rechtschaffenen zur Umkehr zu rufen,
sondern die Sünder; die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die, die krank
sind; kleine Kinder aber sind gesund, denn sie sind nicht fähig, Sünde zu
begehen; darum ist in mir der Fluch auf Adam von ihnen genommen, so dass er
keine Macht über sie hat; und das Gesetz der Beschneidung ist in mir
abgeschafft...... Es ist ein Gespött vor Gott, wenn man die Barmherzigkeit
Christi und die Macht seines
Heiligen
Geistes leugnet und Vertrauen in tote Werke setzt.“
(413)
Kommentar zu Codex Justinianus I 11,10 bei Wikipedia
4. Augustinus Lehre von der doppelten Prädestination
wirkte sich als Schwächung der Leistungsfähigkeit des menschlichen Willens
aus.
„Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen
(zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen
Lücke!) sei zur Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien
eine ‚Masse der Verdammnis’... diese Lehre stellt den Gegenpol dar zu der Lehre
des Origenes von einer am
Ende zu erhoffenden Allversöhnung. Sie wird in der abendländischen
Christenheit ebenfalls eine unheimliche Wirkung erzielen und unendlich viel
Heilsangst und Dämonenfurcht verbreiten bis hin zu den Reformatoren Luther und
besonders Calvin, der diese Lehre rücksichtslos zu Ende denken wird.“ (414)
Die Kirche Jesu Christi der HLT lehrt ebenso wie die aus dem Jüdischen
hervorgekommene Urkirche (415), dass es ein Vorherwissen Gottes gibt. (416) Wir haben das Recht, uns souverän zu
entscheiden und von der Art dieser Entscheidung hängt es ab, welcher Art der
Platz unseres nachirdischen Lebens sein wird. Der Mensch ist zwar frei aber für
sein Tun und Lassen rechenschaftspflichtig. Joseph Smith lehrte, entschieden
anders als Augustinus, Innozenz I. oder Luther: „Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und
vieles aus freien Stücken tun und viel Rechtschaffenheit bewirken; denn es ist
in ihrer Macht, selbständig zu handeln und, wenn die Menschen Gutes tun, werden
sie ihres Lohnes keineswegs verlustig gehen..“ (417) Glück oder Seligkeit
sind die bewusst wahrgenommenen Ergebnisse unserer Leistung, gemäß den
Weisungen Christi gehandelt zu haben.
Das entspricht wiederum der Theologie
der Alten Kirche, wie Origenes belegt: „Zwar
sind alle Geschöpfe ganz auf Gott angewiesen, eigene Anstrengungen werden durch
seine Gnade weit überwogen. Aber die Vorsehung hat alle Regungen des freien
Willens von Ewigkeit vorausgesehen und eingeplant, und sie werden gerecht
vergolten.“ (418) _________________
(414)
Hans Küng Kleine Geschichte
der katholischen
Kirche, S. 76
(415)
Josua: 24: 15 „Gefällt
es euch aber nicht, dass ihr dem Herrn dient, so erwählt
euch heute,
wem ihr dienen wollt.“
(416)
Buch Mormon Alma 13:3
„Und diese Priester wurden nach
der Ordnung seines Sohnes ordiniert, ... Und dies ist die Weise, nach der sie
ordiniert wurden, sie waren von Grundlegung der Welt an gemäß dem Vorherwissen
Gottes und aufgrund ihres außerordentlichen Glaubens und ihrer guten Werke
berufen und vorbereitet; zuallererst war es ihnen überlassen, Gut oder Böse zu
wählen; weil sie nun das Gute erwählt und überaus großen Glauben ausgeübt
haben, sind sie durch eine heilige Berufung berufen, ja, durch jene heilige
Berufung, die zusammen mit einer vorbereitenden Erlösung und gemäß derselben
für so jemand bereitet worden ist.“
(417)
Lehre und Bündnisse Abschn. 58: 27-28 k
(418)
Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft
... S. 1692 – 1702,
Wieder ist der Bezug ein
intelligentes Leben vor der irdischen Periode des
Daseins. Unser jenseitiger Grad
des Fleißes bestimmte in welche Umstände wir nun hineingeboren werden. Das
Einzelwesen muss, weil es kann, sich jetzt zwischen Gut und Böse - oder
zwischen dem Besseren und dem Schlechteren - entscheiden. Wenn es das Gute wählt,
kann ihm niemand einen Vorwurf machen, selbst Gott nicht. Wegen der von Jesus
verkündeten Gerechtigkeitsprinzipien, gibt es keine Prädestination, aber ein
Vorherwissen Gottes. Aus dieser Position heraus plante der Schöpfer unseren
Einsatz: (419)
5.) -
Verhängnisvoller als alle vorgenannten Lehren des ‘Heiligen’ Augustinus sollte
sich sein Einverständnis mit dem Zwang zum Glauben erweisen. „Augustinus meint schließlich doch auch
Gewalt gegen Häretiker und Schismatiker theologisch rechtfertigen zu können und
zwar mit Berufung auf das Jesuswort: ‚Zwinge
(statt nötige) sie
hereinzukommen, die draußen sind...’ Augustinus, der so überzeugend von Gottes
und der Menschen Liebe zu reden
wusste... wird so in fataler Weise durch die
Jahrhunderte zum Kronzeugen für die
theologische Rechtfertigung von
Zwangsbekehrungen, Inquisition und heiligen Krieg gegen Abweichler aller Art –
was wir im christliche Osten in dieser Weise nicht finden.“ (420) Wegen Augustinus „Compelle intrare“(Zwingt sie, nötigt sie)
starben bereits bis zur Jahrtausendwende
mehrere hunderttausend Menschen. Die
ambrosianisch-augustinische Idee, man müsse die Menschen zum Guten nötigen,
griffen, wenn auch unter anderen Vorzeichen, im 20 Jahrhundert die Kommunisten
noch einmal auf, mit denselben verheerenden Ergebnissen. Dieser Härte steht der
besorgte Vater gegenüber, der seinem eigensinnigen Sohn bekümmert hinter
herschaut. Er hält ihn nicht auf, tadelt ihn auch nicht, als er geschlagen
heimkehrt, fragt nicht, er weiß, der verlorene Sohn sah selbst ein, dass er
sich falsch entschieden hatte. Origenes Theologie steht unter dem Eindruck
dieses Bildes, Gott gibt dem Menschen Handlungsfreiheit, damit in ihnen Gutes
entstehe. Die vorliegenden Diplomarbeiten die zum Thema „Augustinus Compelle intrare“
geschrieben wurden, und die jeder im Internet
___________________
(419) Epheser 1:
3-12 „Denn in ihm (Christus) hat er uns
erwählt vor der Erschaffung der Welt... durch ihn sind wir auch als Erben
vorbestimmt und eingesetzt, nach dem Plan dessen ... der es in seinem Willen
(nicht in seiner Willkür G. Sk.) beschließt...“ Die Ursache zur Annahme
einer Prädestination im Sinne Augustinus entfällt wenn man die Erwählung -
(eine bestimmte Aufgabe im Diesseits... nach
dem Plan dessen... zu erfüllen G.Sk.) in das Vorherdasein verlegt, - an
ihre Stelle tritt das Vorherwissen
Gottes. Zumindest ergibt solches
Denken mehr Sinn.
(420) Hans Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ S. 73
abrufen kann, erwecken den
Eindruck, dass Augustinus Berufung auf den Lukastext, Kapitel 14: 23, „Jesus sagte: nötigt sie hereinzukommen...
um am Festmahl teilzunehmen“ eher positiv auszulegen ist: „sagt
ihnen ich lade sie dringend ein an meinem Fest teilzunehmen.“ Eine Peitsche
zu schwingen, wenn es doch um die Festtagsstimmung geht, das passt nicht
zueinander.
Demgegenüber steht zudem die Lehre
der Kirche Jesu Christi der HLT die deutlicher und menschenfreundlicher nicht
sein kann: „Die Rechte des Priestertums
sind untrennbar mit den Himmelskräften verbunden und können nur nach
den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden… (falls
wir Menschen nötigen) ist es mit dem
Priestertum
oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.” (421)
Nur wenige Elemente des sogenannten ‚Mormonismus’
wirkten auf mich stärker und erhellender
als diese. Glücklicherweise wenden sich immer mehr katholische Theologen von
den hier beschriebenen Thesen des von Ambrosius beeinflussten Augustinus
ab.
Augustinus Frömmigkeit ist ‚Mormonen’ völlig fremd,
sie denken (obwohl ihnen das selten bewusst ist) eigentlich
origenistisch-arianischpelagianisch. Das heißt Origenes, Arius und Hippolyt,
Novatianus, und Pelagius vertraten die andere Linie des Christentums, nämlich
die des absoluten Vorrangs der Menschenrechte. In unglaublich rücksichtsloser
Weise wurden dieser Kurs, und allzu oft sogar die von dieser Art Religion
überzeugten Menschen verfolgt. Wer für Augustinus ist und wie er denkt und
glaubt, kann die Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
nicht lieben.
Auch
dies ist ein Grund für die Ablehnung, die meine Kirche erfährt. Es sind die rhetorischen
und die
daraus entstehenden praktischen
Übertreibungen, die in einem Jahrhunderte währenden Prozess schwere
Deformationen verursachten, die uns trennen, weniger
die großen aktuellen Anliegen beider Seiten. Diese Tatsache wird die besten
Kräfte der seit dem Vaticanum 2 (1965-65) im Umbruch befindlichen
römisch-katholischen Kirche und die der Kirche Jesu Christi der Heiligen der
Letzten Tage immer näher zusammen bringen, das deutet sich an. Dem kommt die
generell positive Einstellung der Katholiken und der ‚Mormonen’ zur
Selbstdisziplinierung entgegen. Übrigens, Augustinus durch Ambrosius von
Mailand bekehrt, würde sich auch darüber wundern, in der Kirche
_________________
(421) Lehre und Bündnisse 121: 35-40
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, seines
Vorbildes Symbol der Botschaft Christi, den Bienenkorb, wiederzusehen.
Dies ist gewiss ein Phänomen. Die positiven Änderungen, die moderne Päpste durchsetzten,
bemerkten wir alle bewundernd. Doch noch Pius IX. verwirft 1864 - ein viertel
Jahrhundert nach dem von Joseph Smith verfassten, berühmten 11. Glaubensartikel
(422)
entschieden jeden Ansatz zu eigenem Denken. Papst Pius IX. ächtete (423) diesen Satz, (der so typisch für
„Mormonismus“ ist, und der dem Sinn des Mailänder Toleranzreskriptes des Jahres
313 entsprach, ausdrücklich. Da hieß es noch:) „Es steht jedem Menschen frei, diejenige Religion anzunehmen und zu
bekennen, die man, vom Lichte der Vernunft geführt, für wahr erachtet.“ 1888 forderte Papst Leo XIII. dagegen
diktatorisch : „Freiheit für die
Wahrheit, aber keine Freiheit für den Irrtum.“ (424) Doch Papst Johannes Paul II., ein
Pole, der unter deutschen Schikanen, sowie sowjetrussischem Diktat gelitten
hatte, änderte 1979 die bisherige Einstellung der römisch-katholischen Kirche,
indem er in seiner Antrittsenzyklika, ein wenig beschönigend erklärte: „Die Religionsfreiheit, manchmal noch
begrenzt oder vergewaltigt, ist Voraussetzung und Garantie für alle Freiheiten,
die das Gemeinwohl der Menschen und der Völker sichern... Die Religionsfreiheit
bringt nämlich wie kein anderes Menschenrecht den Vorrang der menschlichen
Person gegenüber jeder politischen Ordnung und ihre Offenheit für das Gute zum
Ausdruck.“ (425)
Es war bis in unsere Zeit
hinein das Drohen mit der Hölle, das den Kirchenautoritäten das Regieren leicht
machte. Die Hölle erwartete diejenigen die auf ihre Freiheitsrechte pochten,
auch diejenigen die offensichtlich ein besseres Los verdient hätten. Augustinus
Drohen klang noch grauenvoller: „es gibt
Individuen, die Gott von vorne herein für die Hölle vorbestimmt hat.
(Patrologia Lavina 40, 533; praedestinavit ad aeternam... die gesamte Theologie
des Mittelalters folgte der augustinischen Auffassung von der Hölle und ihren
ewigen Qualen...
__________________
(422) „Wir beanspruchen für uns das Recht, Gott den Allmächtigen zu verehren,
wie es uns das Gewissen gebietet, und wir gestehen allen Menschen das gleiche
Recht zu,
mögen sie
verehren, wie oder wo oder was sie wollen.“
(423) Enzyklika „Quanta cura“, 1864.
(424) Enzyklika
„Libertas praestantissimum“ in: Die Katholische Sozialdoktrin in ihrer
geschichtlichen Entfaltung, 4 Bde., hg. v. A. Utz u. B. v. Galen (Aachen 1976)
Rd. nr. II/59. bei Konrad Hilpert „Die Anerkennung der Religionsfreiheit“, 2005
(425) „Redemptor
hominis“, 1979 bei Konrad Hilpert „Die Anerkennung der Religionsfreiheit“, 2005
Seit
dem Zeitalter der Aufklärung verstummen die Argumente gegen die Hölle nicht.
Ideologiekritisch wird darauf hingewiesen, dass die Lehren von der Hölle für
die Priester von größtem Nutzen ist; sie bildet die Grundlage ihrer Macht und
die unerschöpfliche Quelle ihrer Reichtümer, erlaubt sie doch dem Klerus die
Bevölkerung mit Höllendrohungen einzuschüchtern.“ (426) Erneut zeigt
sich der Wandel: Der Katechismus der Katholischen Kirche von Papst Johannes
Paul II: am 11. Oktober 1992 veröffentlicht, lehrt mit Artikel 1037: „Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in
die Hölle zu kommen.“ Aber es ist
nicht vergessen, die Lehren der christlichen Kirchen zeigten fast
anderthalbtausend Jahre eine Hölle die vom schuldig gesprochenen Individuum
endlos (ewig) zu erleiden ist. Joseph
Smith - wie er behauptet inspiriert - sagte, Jesus habe erklärt: „Gewiss
muss jeder Mensch Umkehr üben oder leiden, denn ich, Gott,
bin endlos, darum nehme
ich die Urteile, die ich sprechen werde, nicht zurück... doch steht nicht geschrieben, dass diese Qual kein
Ende haben wird, sondern es steht geschrieben endlose Qual...., ewige Strafe
ist
Gottes
Strafe.“ (427)
Joseph Smith und Origenes
wissen: Es gibt viel mehr als nur Schwarz und Weiß, mehr als nur Hölle und
Himmel (plus Fegefeuer oder Limbo).
Konsequenter Konstantinismus
kennt nur hier die Hölle und da den
Himmel und das Purgatorium. Die
einen kommen ohne eigene Anstrengung ins Reich Gottes und erfüllen es mit
nie endenden
Lobgesängen, die anderen
verfallen dem ewigen Verderben, obwohl sie ihr Leben lang bemüht waren, Gutes
zu tun, oder obwohl sie völlig schuldlos sind, fallen sie in die lodernden
Höllenflammen, um ewig zu brennen. Nur weil sie nie die Chance hatten, den Namen
„Jesus Christus“ zu hören, weil sie das Athanasianum ablehnten oder weil sie
ungetauft gestorben sind. Jahrhundertelang galt das Purgatorium als Vorhölle,
nun avancierte der Begriff zum Vorhimmel. Auch darin zeigt sich, dass die
Zeiten absoluter Vorherrschaft kirchlich-engen Denkens (in der ganzen
christianisierten Welt) endgültig abgelaufen sind.
Im Nachhinein erhebt sich die
Frage, ob Augustinus die Lehre von der
Erbsünde vor allem ersann, um
das Mittel Furcht auszuschöpfen, um alle Eltern moralisch unter Druck zu
setzen? Denn wer „compelle intrare“ als Kampfruf ausgibt, dem ist auch das
zuzutrauen.
_________________
(426) Bernhard
Lang, „Himmel und Hölle“ Jenseitsglaube von der Antike bis heute.
C:H: Beck 200357 S. 85
(427) Lehre und
Bündnisse 19: 6
Schier endlose Zeitabschnitte regierte die Kirche mit Hilfe
des Ungöttlichen. Das wird es, nach Lage der Dinge, aus der Sicht des 21.
Jahrhunderts nie wieder geben. Das 2. ökumenische Konzil von Konstantinopel 553
hatte aus rein politischen Beweggründen, konstantinisch-ambrosianisch denkend
einen Kanon verabschiedet, indem die Allversöhnungslehre Origenes strikt
abgelehnt wurde, „Wenn einer sagt oder
meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich
(begrenzt) und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben... der sei
ausgeschlossen.“ Dem Inhalt dieses Kanons stimmt die katholische Kirche
noch immer zu. Die Hölle ist der ewige Platz derer, die nicht glauben, was Rom
lehrt. Origenes indessen sprach deutlich von einer zeitlich begrenzten
Gewissensqual, die durchaus als höllisch empfunden wird, aber die nur dem einen
Zweck dient, den Einzelnen zur Einsicht zu bringen, das Schlechtsein gegenüber
anderen falsch ist und letztlich unglücklich machen muss. Mit dem XVII. Artikel
des Augsburgischen Bekenntnisses schloss sich die evangelische Kirche dem
Justinianischen Anliegen der Verdammung des Origenes an: „Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag
kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und
Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen
aber und die Teufel in die Hölle und zur ewigen Strafe verdammen wird. Deshalb
werden die verworfen, die lehren, dass die Teufel und die verdammten Menschen
nicht ewige Pein und Qual haben werden.“
(428) Wie ein roter
Faden
zieht sich die Idee durch die Geschichte: Der Zweck heilige die Mittel.
Das Echo des Nein der Unterdrückten vieler Zeiten ist dagegen unüberhörbar.
Unsere gottähnliche Seele erträgt unter keinen Umständen Einengungen, es sei
denn das eigene Gewissen gebietet das. Richtig kann auch deshalb nicht sein,
die mit dem Konzil zu Nicäa 325 endende Geschichte der Urkirche als christliche
zu bezeichnen und die auf grundsätzlichem Gegenkurs sich entwickelnde
Gegenkirche ebenfalls.
Ein typisches Beispiel für
empörende Amtsausübung liefert uns Cyrill von Alexandria, der zu Beginn des 5.
Jahrhunderts im Geiste einiger seiner unrühmlichen Vorgänger rigoros amtiert.
Das Dreiecksverhältnis zwischen der Kaiserin Pulcheria und Nestorius, sowie
Cyrill ist von Beginn an vergiftet. Sie sind zwar lupenreine Athanasianer, aber
mit ihrem jeweils absoluten Machtanspruch
mussten sie aneinander scheitern.
______________________
(428) Das Augsburger
Bekenntnis von 1530 (Confessio Augustana)
Cyrill von Alexandria, Herr des Konzils zu Ephesus 431, die
selbsternannte Kaiserin Pulcheria und Patriarch Nestorius
Cyrill gehört zu den
schillerndsten Persönlichkeiten des Altertums. Er ist klug und gewissenslos. Er
stichelt und agiert gegen die in Alexandria hoch angesehenen Novatianer, - eine
Restgruppe der Gemeinde der „Heiligen der
Letzten Tage“ (429), schließt deren Kirchen und gibt sie der Plünderung
durch den alexandrinischen Mob preis. Die Szenen die sich dabei abspielen
zeigen, dass Cyrills Anhang zu jeder Schandtat bereit war. Sokrates ein als
zuverlässig geltender Historiker der Antike, spricht von der ohnehin
allgemeinen Gewaltbereitschaft der Einwohner Alexandrias, die Cyrill sich
dienstbar machte. (430) Straßenrandale,
Zänkereien und hetzerische Predigten, gehörten zur Tagesordnung.
Begonnen hatte es mit Alexander
von Alexandrias Aufruf zur Verfolgung des Arius bis aufs Blut. Sein Ziehsohn
Athanasius setzte den Kurs fort, aber einen vorläufigen Höhepunkt setzte
Cyrills Onkel, Bischof Theophilus, im Jahr 391. Dieser wollte den vollständigen
Sieg des „Christentums“ wohl noch zu seinen Lebzeiten sehen. Er erwirkte eine
Verfügung des Kaisers
Theodosius I. die Tempel der Hellenen zu Alexandria zerstören zu dürfen. Alles
solle nach seinem Gutdünken geschehen! Das dies Theodosius Wille war, erscheint
sehr fragwürdig. Es gibt keinen Beleg dafür. Noch aber lebte und wirkte
Ambrosius von Mailand!
„…Als
Theophilus diese Erlaubnis erhalten, wandte er Alles an, um die Mysterien der
Hellenen zu beschimpfen, und er reinigte das Mithreion und warf das Serapeion
nieder, und die phönizischen Mysterien des Mithreions verhöhnte er
öffentlich...Als nun das Übel gestillt war, kamen dem Theophilus zur Zerstörung
der Tempel der Präfect von Alexandria und der Anführer der Truppen zu Hilfe.
Die Bilder der Götter aber wurden zu Bechern und zu anderen Bedürfnissen der Kirche von Alexandria
eingeschmolzen, (obwohl) der Kaiser die Götzen zum Unterhalt der Armen
geschenkt hatte... Dieser Tempel – Serapeion - war aber an Schönheit und Größe
der glänzendste, auf einer Anhöhe gelegen. . Von den Wänden des Innern
Heiligtums glaubte man, dass sie zuerst mit goldenen Platten überzogen seien,
darüber mit silbernen und zuletzt mit ehernen, die zum
Schutze
der edlen Metalle dienten... In dem zerstörten und entblößten
________________
(429) Friedrich
Loofs „Dogmengeschichte“ Halle/Saale 1950 S.133, „... die neue
Prophetie... bestrebte sich ... die Gemeinde der Heiligen der
Letzten Tage zu sammeln.“
(430) Sebastian
Schurig „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von Alexandria“, Uni
Jena, 2001, Mohr Siebeck, S. 16
Tempel
des Serapis ...wurden in Stein gehauene Schriftzeichen gefunden, die man
hieroglyphisch nennt. Es waren aber Zeichen, welche die Form von Kreuzen
hatten. Als Christen und Hellenen dies sahen, eignete jeder dieselben seinem
Glauben an. Denn die Christen, indem sie sagten, das Kreuz sei das Zeichen des
heilbringenden Leidens Christi, meinten...die
Hellenen
aber..., es bestehe etwas Gemeinsames zwischen Christus und Serapis, wenn das
Kreuzeszeichen einerseits von den Christen, andererseits von den Hellenen zum
Symbol gemacht werde. Während diese aber stritten, sagten einige von den Hellenen, die zum Christentum übergetreten waren und
die hieroglyphische Schrift verstanden, indem sie das Kreuzeszeichen erklärten,
dass es das zukünftige Leben bedeute. Indem die Christen dies vollständig für
den eigenen Glauben ergriffen, benahmen sie sich umso prahlerischer. Als aber
noch durch andere hieroglyphische Schriften kundgetan wurde, dass der Tempel
des Serapis ein Ende nehmen werde, wenn das Kreuzeszeichen erscheine, ...
gingen noch viel mehr zum Christentum über.“ (431)
Es gibt den interessanten
Hinweis Serapis sei jener Joseph gewesen, der Agypten vor einer Hungersnot
bewahrte. (Pharaos Traum von den 7 fetten und den 7 mageren Kühen) Wenn das
zutreffen sollte, bestünde tatsächlich Gemeinsames zwischen dem großen ICH BIN
der Israeliten durch dessen Licht Joseph die Bedeutung eines Traumes des Pharao
erkannte sowie der Religion und Wertschätzung gewisser Hellenen die sie
Joseph erwiesen. erscheint aufgesetzt. Den meisten Hellenen wird die
Kreuzesprophezeiung düster und trostlos vorgekommen sein.
408 erging ein „Verbot des Hofdienstes für alle
Nichtkatholiken“. (432) Auf ganzer Frontlänge gingen die Siegreichen mit
Schikanen gegen ihre Mitmenschen vor.
Vier Jahre später betritt Cyrill die
Bühne:
„„Sobald (er) sich 412 auf den
ersten Patriarchenstuhl der damaligen orientalischen Kirche erhoben sah, ließ
er auch sogleich erkennen, was man von seinem Eifer zu erwarten habe. Die
Bischöfe von Alexandrien hatten damals auch einen Teil der weltlichen Regierungsgewalt
inne, und Cyrill handhabte dieses Ansehen mehr als seine Vorfahren, und
wenigstens nach dem Bericht des ihm ________________
(431) Full text
of „Quellen der byzantinischen Kunstgeschichte“ übers. von Friedrich Wilhelm
Unger, Wien,1878, KuK Hof u Univ.
Buchhändler, 22 Erster Abschnitt:
Socrat, V.
(432) Johannes
van Oort und D. Wyrwa Peeters, „Heiden und Christen im 5.
Jahrhundert“ 1998
allerdings
nicht günstigen Sokrates war er nicht zufrieden, über seinen Klerus
unumschränkte Macht zu üben, sondern mischte sich auch sehr in die weltlichen Angelegenheiten. Demgemäß
vertrieb er sogleich die Novatianer aus der Stadt, ließ ihre Kirchen schließen,
nahm die darin befindlichen Schätze und beraubte ihren Bischof Theopemptus
seines ganzen Besitztums.“ (433)
Unbestritten ist, dass die
Nachfolger Novatians, die Cyrill zu Boden wirft, sich ernsthaft darum bemühten
rechtschaffen zu sein. Die Novatianer hatten sich nichts zu Schulden kommen
lassen, was unehrenhaft gewesen wäre. Besonders wichtig war ihnen die gegenseitige
Treue der Ehepartner. Sie führten sich anders auf als die Orthodoxen.
Vielleicht neigten einige Novatianer zu einigen praktischen Übertreibungen.
Aber sie waren tolerant. Wiederholt stellten sie das unter Beweis: „Als die Nicäner ( zur Zeit des arianischen
Bischofs von Konstantinopel, Makedonios, um 390,) ihre Kirchengebäude verloren,... zogen sie es vor zusammen mit den
Novatianern Gottesdienste abzuhalten... Papst Coelestin (422-432) entzog ihnen
jedoch... ihre Kultgebäude (Versammlungsräume
G.Sk.) und die kaiserliche Gesetzgebung
schloß seit dieser Zeit auch die Novatianer unter die häretischen Gruppen.“ (434) Die
Duldsamkeit der Novatianer war für Cyrill Grund genug sie zu diffamieren, mit
dem Ziel sie auszulöschen. Dabei hatten sie sich nur geringfügig von den
nicänischen
Glaubensbegriffen distanziert.
Eigentlich müsste er sie als seine Freunde betrachten. (435) Nur, diese Freunde
waren so kühn gewesen einige seiner Gemeindemitglieder für sich zu gewinnen.
Das hätten sie unterlassen sollen. Er durfte das, nur er.
Cyrills „gnadenloser Kurs richtete sich gegen alle, deren Standpunkte er
__________________
(433) Heinrich
Hand, „Cyrillus von Alexandria“ Vorwort, Kempten 1879
(434) Steffen
Diefenbach „Römische Erinnerungsräume“ S. 253
(435) Sabine
Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens“,
Dissertation
Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2005 S.117-222
„Hätte
(Kaiser) Theodosius nicht die Novatianer aufgrund ihres homousischen
Glaubensbekenntnisses begünstigt, hätte er auch sie, die sich als Kaqaroi/, als
„die Reinen“, bezeichneten, (sie unter die Sekten G.Sk.) nennen
müssen.
Sie
wollten... die Leute durch die Vorspiegelung einer probata fides und eines propositum castior täuschen (eines
rechtschaffenen Lebens) an sich ziehen
und sie dabei vergessen lassen, dass es sich (bei ihnen) in den Augen der
katholischen Kirche um Häretiker handelte. Dieses Edikt zeigt, dass die offene
Nennung des Sektennamens (Novatianer) Anstoß bei der Orthodoxie erregte und
diese (ähnlich gearteten G.Sk.)
Sekten als
eine ernsthafte Bedrohung wahrgenommen
wurden. Da diese Sekten den Anspruch erhoben, dem christlichen Ideal
näherzukommen als die Großkirche und ein reineres und gottgefälligeres Leben zu
führen, fürchtete man offenbar, Anhänger an diese Gemeinschaften zu
verlieren.“
als
unverträglich mit der christlichen Gemeinde der Stadt erachtete. So veranlasste
er die Plünderung …der Kirchen der christlichen Gruppe, (der Novatianer) die von dem römischen Priester Novatian im
3. Jahrhundert gegründet wurden. Als Vergeltung für jüdische Angriffe stachelte
er die Christen von Alexandria zu einem Judenpogrom an, der das Ende der
jüdischen Gemeinde in dieser Weltstadt bedeutete...“ (436)
Unvergessen: der hier als ‚römischer Priester Novatian’
bezeichnete Mann war laut offizieller Liste ein Papst! der von 251 - 258 amtierte, allerdings als
Bischof in Rom, der, wegen seiner urchristlichen, vielleicht etwas starren
Haltung wegen, im Nachhinein zum Gegenpapst degradiert wurde. Mit Degradationen war man damals schnell zur
Hand. Nur, wir leben in einer besseren Zeit, in der alle alten Dokumente erneut
auf Stichhaltigkeit von unparteiischen Gelehrten untersucht werden. Die Quellen
berichten immer dasselbe: „Der Patriarch
von Alexandria, Cyrill (Kyrill) bekämpft Juden und Häretiker gleich in den
ersten Jahren nach seinem Amtsantritt 412,... der Grund (von Vertreibungen und
Plünderungen) waren gegenseitige
christliche-jüdische Provokationen innerhalb der für Aufruhr anfälligen
alexandrinischen Bevölkerung.“ ...
konkreter Anlass zu blutigen Auseinandersetzungen ist ein nächtlicher Überfall
auf Christen, die aufgrund der gezielten
Falschmeldung die Alexanderkirche brenne, aus den Häusern eilen. Die auf
sie einschlagenden Juden tragen Fingerringe aus Palmrinde... um sich im Dunkeln
kenntlich zu machen. Im Gegenzug nimmt am nächsten Tag Kyrill den Juden ihre
Synagogen weg, vertreibt sie die seit Alexander den Großem hier wohnen aus der
Stadt und lässt ihren Besitz plündern... 423 wird die große Synagogen von
Antiochia durch Christen zerstört.“ (437) Die Lehren und der Geist der Urkirche konnte
in diesem Umfeld selbst bei größter Anstrengung Einzelner kaum bewahrt bleiben.
In dieser Stadt mochte man die Lichtgestalten nicht. Starken Charakteren mit
guten Absichten standen zu viele anders geartete Leute gegenüber: „Kaum eine Bischofswahl im streitsüchtigen
Alexandria war unproblematisch, diejenige Cyrills Patriarch von 412-444 bildete
da keine Ausnahme. Es hatte innerkirchlichen Dissens und sogar einen
Gegenkandidaten gegeben, den der Präfekt Abundatius favorisiert hatte; nach
dreitägigen Diskussionen triumphierte Cyrill mit Hilfe des Mobs... Cyrill seiner
Position nicht sicher... war der erste einer Reihe von Kirchenfürsten der
Stadt, die den alexandrinischen Klerus und alles was
_________________
(436)ÖkumenischesHeiligenlexikon
(437) Karl-Leo Noethlichs „Die Juden im christlichen
Imperium“ Romanum Studienbücher Akademie-Verlag 2001 S.
mit
kirchlicher Organisation zusammenhing, zu einem im Wortsinn schlagkräftigen
Instrument ausbauten... anschließend ging Cyrill gegen jene christlichen
Gruppierungen vor, die man aufgrund staatlicher Gesetze als Sektierer,
Häretiker oder Schismatiker bezeichnete. Besonders hart traf es die Novatianer,
die in der Bußpraxis noch rigoroser waren als die Melitianer, deren Kirche
Cyrill ebenso konfiszieren ließ wie ihre liturgischen Geräte, um sein eigenes
Kirchenvermögen aufzubessern...“ (438) Im Jahr 415 strebte die alexandrinische Kirchengeschichte einem neuen
Tiefpunkt zu. Kaiser Honorius (Kaiser des Westens und ein Katholik ersten Ranges, G.Sk.) ließ all das nicht nur zu er „verfügte mit Codex Theodosius 16,10,20
harte Maßnahmen gegen heidnische Priester in Afrika. Sie mussten bis 01.
November alle Metropolen verlassen... alle Grundstücke die heidnischen
Kultausübungen dienten wurden kaiserliches
Eigentum...
Nach Const. Sirm. 6 (Sirmondianische Konstitutionen) von 425,,,“ heißt es „Weil
wahrhaft religiöse Menschen nicht durch
Aberglauben
verdorben werden dürfen, so befehlen wir, dass die Manichäer, alle Häretiker (alle,
die durch staatlich-kirchliche Willkür zu
Häretikern erklärt worden waren
G.Sk.) Schismatiker, (alle die es
wagten
Gewissensentscheidungen höher
zu stellen als doktrinären Zwang G. Sk.)
Zauberer (und solche die man dazu stempelte, weil sie unbequeme Fragen
stellten G. Sk.) und jede dem
katholischen Glauben feindliche Sekte gerade vom Anblick der Städte
ausgeschlossen werden müssen, um (die anderen) nicht durch verpestende
Anwesenheit von Kriminellen zu verunreinigen.“ (439) Alexander Solschenizyn
beschreibt in seinem Werk “Archipel Gulak” Vergleichbares für den Beginn der
kommunistischen Ära. Cyrill trieb sein ungutes Spiel weiter, er jagte die große
jüdische Bevölkerungsgruppe Alexandrias aus niederen Motiven in den völligen
Ruin, und er trägt an der Ermordung der edlen heidnischen Philosophin Hypatia
zumindest Mitschuld, indem er gegen ihre ‚Zauberei’ predigte. Und wie im Jahre 415 die kluge Frau
umgebracht wurde! „Die schändlichste
Grausamkeit verübten... Mönche ... gegen
die liebenswürdige Philosophin Hypatia. Zur Fastenzeit rissen die Mönche sie
aus ihrem Wagen, zogen sie nackend aus und schleppten sie wie ein Opferlamm in
die Kirche. Hier ermordete man sie auf die grausamste Weise... (440) Der Philosophin Hypatias
prominentester Schüler und Bewunderer war der Christ und spätere Bischof
Synesios von Kyrene (370-413), ein
kluger und toleranter
Mann. Mit ihm stand sie im
Briefverkehr. Auch das könnte Cyrill
___________________
(438) Manfred
Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl. 2004
(439) Karl-Leo
Noethlichs „Kaisertum und Heidentum im 5. Jahrhundert“ S. 15
(440) Arnulf
Zitelmann „Hypatia Taschenbuch – Beltz
missfallen haben. Es heißt: „Alle
christlichen Quellen geben dem Kyrill die Schuld oder Mitschuld, obwohl die Masse des Volkes
oft durchaus nicht auf der Seite des Kyrill stand. Der wahre Grund der
Ermordung war möglicherweise, dass Hypatia nicht nur mit dem praefectus augustalis Orestes
zusammenarbeitete, sondern eine einflussreiche Frau innerhalb der Opposition
gegen Kyrill insgesamt war.“ (441) Das ist doch jedes Menschen Recht anders
zu urteilen als eine dominierende Persönlichkeit.
Dieses Recht nahmen die
Propheten Israels ausnahmslos für sich in
Anspruch. Wegen Wahrnehmung
dieses Rechtes entstand letztlich die Bibel. Ihre Aussagen richten sich
unentwegt kritisch an das eigene Volk. (442) Die Heilige Schrift warnt und
ermutigt. Insbesondere weist sie immer wieder darauf hin, dass dem Unrechttun der
Entzug der Liebe und des Lichtes Gottes folgt.
Kaplan Dr. Fendt gibt zu
bedenken, die Juden hätten von einem ,,Brief der Philosophin Hypatia" an
Cyrill gesprochen; erst „durch des
Nestorius Zweinaturenlehre (443) sei
sie bekehrt worden, darin bekennt sie, nie habe sie verstehen können, wie Gott
gekreuzigt werden konnte.“ (444) Nestorius vermochte wozu Cyrill unfähig
war? Unerhört! Er wird sich das merken.
_______________
(441) Karl Leo
Nöthlich: Johann Hahn „Gewalt und religiöser Konflikt“ Akademie
Verlag,2004
(442) Jeremia 7:
2-7 „Hört das Wort ganz Juda... bessert euer Verhalten und euer Tun, dann will
ich bei euch wohnen hier an diesem Ort (dem Tempel) Vertraut nicht auf die
trügerischen Worte: der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist hier,...nur
wenn ihr euer Tun von Grund auf bessert, wenn ihr gerecht entscheidet im
Rechtsstreit, wenn ihr die Fremden,
die Waisen und Witwen nicht unterdrückt,
unschuldiges Blut nicht
vergießt...
dann will ich
bei euch wohnen.“
(443) Der Begriff
der Zweinaturen bedeutet, dass Jesu unsterbliche Intelligenz in einen
sterblichen Leib geboren wurde. Nach ‚mormonischem’ Verständnis sind alle
Menschen – die zur Familie Adams gehören - Doppelwesen. Sie sind eine
Kombination aus fein- und grobstofflicher
Materie und bilden
vereint die
Seele.
(444) Leonhard
Fendt, „Die Christologie des Nestorius“ kath.theol. Fakultät der Kaiser Wilhelm
Universität zu Straßburg, 1909, Kempten, S. 104
Nestorius
Er kam aus Antiochia, vorbelastet mit
dem Ruf er sei ein kompromissloser
Draufgänger. „Er war jung, rothaarig, mit
großen Augen und einem schönen Gesicht; man hätte ihn einen zweiten David
nennen können. Auch war der Klang seiner Stimme sehr angenehm. Er hielt
allerlei Anreden (Ansprachen) bei der heiligen Kommunion, und viele kamen nur
zur Kirche, um den Ton seiner Stimme zu vernehmen.“(445) „Allein man hatte sich in Nestorius
allgemein getäuscht. Bemerkenswert sind von ihm schon die in seiner gleich nach
der Ordination gehaltenen Rede an den Kaiser gerichteten Worte: „Verschaff’ du
mir, o Kaiser, eine von Ketzern gereinigte Erde, und ich will dir dafür den
Himmel verschaffen; hilf du mir in Niederwerfung der Ketzer, und ich will dir
helfen in Niederwerfung der
Perser!“
(446)
Diejenigen die ihn näher
kannten, wussten, dass er nicht zu Bewunderern der augustinischen Lehren
gehörte. Einige rechneten ihm übel an Pelagianern Schutz geboten zu haben, weil
er überzeugt war, dass die Lehre von der Erbsünde, wie sie der Bischof von Hippo
lehrte, unbiblisch sei. Im Jakobusbrief stand es schwarz auf weiß geschrieben: „Wer also das Gute tun kann und es nicht
tut, der sündigt.“ (447) Ihm tat es gut logisch zu denken. Eigentlich
konnte es niemanden geben der solche Definition nicht verstand. Ein Säugling
hatte zwar die Neigung zu Tugenden und Untugenden von seinen Eltern geerbt,
aber nicht deren Schuld vor Gott. Indessen horchten die Opportunisten gleich
auf. Das war doch antikatholischer Wind der zu blasen begann. Mit wem sollten
sie übereingehen? Ist Nestorius stark genug, wird er die Mehrheit der Kleriker
hinter sich bringen?
Nein.
Rom hatte zahlreiche Bischöfe
die nicht oft genug der Gnade Gottes bedurften. Sie hatten sich bereits
deutlich zu Augustinus bekannt. Unter diesen Umständen war es nur zweitrangig
eigene Erwägungen anzustellen.
Wenn Rom gesprochen hatte, war
eine Sache erledigt.
Dazu eine kurze Anmerkung:
Selbst ‚Papst’ Zosismus war zuerst kein
Freund der augustinischen Lehre
von der Erbsünde, aber sein Vorgänger Innozenz I. hatte sich dazu bekannt.
Damals kam es zu einer Provinzialsynode in Mileve, Nordafrika, über die
Augustinus präsidierte.
Der britische Mönch Pelagius
der, wie wir sahen, gegen Augustinus Idee __________________
(445) Christian
Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Full text Paderborn 1921
(446) Bibliothek
der Kirchenväter „Das Leben des heiligen Cyrill“ (447) 4:17
stand, die Säuglinge müssten
von der Erbsünde durch die Babytaufe gereinigt werden, wird nun stellvertretend
für diejenigen Bischöfe geprügelt, die seiner Meinung sind, aber zu schüchtern
um das laut zu sagen. Zosismus wankte. Pelagius wird schließlich verurteilt.
Das „Ökumenische Heiligenlexikon“ legt dar: „Augustinus kommentierte 417 in einer Predigt
(Sermo 131, 10): „Causa finita est - utinam aliquando finiatur error”, „die Angelegenheit ist erledigt - wenn doch
irgendwann das Irren aufhörte”… Das sei eine Äußerung, die „spätere Apologeten Roms tendenziös in
„Roma locuta, causa finita”, umfälschten. Der Sinn ist ein ganz anderer: „Rom
hat gesprochen, die Angelegenheit ist erledigt” Früher hielt einige das Zitat: „Rom hat
gesprochen, die Angelegenheit ist erledigt“ für echt. Das muss man den
Apologeten übelnehmen, uns immer wieder anzulügen.
Die Umstände hatten es mit sich
gebracht, dass der verwaiste Patriarchenstuhl in Alexandria 428 von einem
ganzen Mann besetzt wurde, der die unehrlichen unter seinen Kollegen und der
vor allem die Kaiserin Pulcheria bald durchschauen und verärgern sollte.
Nestorius gehört zu den Leuten, die
erst nachdenken und dann reden. Das verlieh seiner Stimme Gewicht. Zudem war er
grundehrlich und leider intolerant. Vielleicht nur um die Bedenken einiger
auszuräumen und um seine Orthodoxie zu beweisen, wollte Nestorius: „Schon am fünften Tage nach seiner Ankunft ein Bethaus der Arianer, wo
sie im geheimen ihre Andacht verrichteten, zerstören und brachte sie dadurch
außer sich. Denn als sie sahen, dass ihr Bethaus zerstört wurde, warfen sie
Feuer hinein und verbrannten es. Das Feuer griff aber weiter um sich und
erfasste auch die benachbarten Häuser. Dadurch entstand Aufregung in der Stadt,
und die Arianer sannen (angeblich) auf Rache... Seit der Zeit hieß er nicht nur
bei den Arianern, sondern auch bei seinen eigenen Glaubensgenossen Feuerbrand.
Denn er gab keine Ruhe, sondern kehrte, soviel an ihm lag, das Unterste zu
oberst. Er wollte auch den Novatianern zusetzen, weil es ihn wurmte, dass einer
ihrer Bischöfe, Paulus mit Namen, wegen seiner Frömmigkeit überall gerühmt
wurde. Indessen die Ermahnungen der Machthaber zügelten seinen Ungestüm.“ (448)
Die Machthaber dieser Jahre hießen Theodosius II. und Eudocia. Es scheint, dass
die frühere, unbeschränkte Herrscherin, Pulcheria, die ehrgeizige Schwester des
Kaisers, bereits seit der Hochzeit ihres Bruders 421, einen allmählich
zunehmenden Machtverlust hinnehmen musste. Sieben Jahre später gegen Ende der
zwanziger Jahre, horchte man hin, wenn Eudocia etwas zu sagen hatte. Nestorius war eindeutig ein
Athanasianer, ein Orthodoxer. Er __________________
(448) Christ. Pesch
„Nestorius als Irrlehrer“ Full text Paderborn 1921 S 2 u S. 41.
verfügte über suggestive
Redegewalt. Cyrill von Alexandria beobachtete keineswegs entzückt, dass
Nestorius sehr wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass Konstantinopel seinen
zweiten Rang ausbaut. Das hatte bereits sein persönliches Vorbild Athanasius
verdrossen. Cyrill wollte dieses prokonstantinopolitanische Vormachtstreben so
gut er konnte erschweren und auf sich aufmerksam machen. Ein bereits kurz nach
seiner Ankunft ver- öffenlichter Anschlag
an der Kirche verkündete dem Volke, Nestorius sei ein „Gesinnungsgenosse des (ebenfalls wegen einer theologischen
Belanglosigkeit) vor 160 Jahren verdammten Paul von
Samosata" Es scheint diese Erregung aber hernach wieder abgeflaut zu sein.
(449)
Patriarch Cyrill sah Ursache
sich doppelt vor Nestorius zu fürchten, denn seine Vergangenheit war, wie in
der Kirche allgemein bekannt, nicht sauber gewesen, (wenngleich Alexandrias
Kleriker alles beschönigten). Umgekehrt
genoss Nestorius moralische Autorität.
Dieser Mann musste fallen. Zudem verübelte Cyrill „Nestorius, das dieser ihm
(wahrscheinlich im Jahre 412) keine Weihegeschenke (zu seiner Wahl)
übersandt und einer Gruppe angehört, die eine nicht näher definierte Klage
gegen ihn (Cyrill) erhoben hatten...
(‚Papst’) Coelestin und Cyrill durften beide in Sorge gewesen sein, was diese
Entwicklung anbelangte. Doch beide hatten sich schon bald darauf geeinigt, der
(zu erwartenden) Drohung dadurch zu begegnen, dass sie Nestorius Orthodoxie in
Frage stellten...“ (450) Verwegen warfen ihm seine Feine Feinde Laxheit
in der Begriffswahl vor. Nestorius würdige den Status Marias, der Mutter Jesu
nicht hinreichend. Eher künstlich wurde
diese Sache aufgebauscht. Cyrill züngelte und zündelte wo er konnte. Schließlich
legte Papst Coelstin die strittige Angelegenheit ausgerechnet in die Hände
dieses Mannes, der als Letzter hätte unparteiisch sein können.
„Coelestin
(waren) sowohl von Nestorius als von Cyrill Materialien zur
Beurteilung
des Streites zu(gegangen). Eine römische Synode stellte
Nestorius
(vor die Wahl) zwischen Anathema und der Widerrufung seiner Predigten und
Briefe. Der Patriarch von Alexandria (Cyrill) kurz zuvor noch in Erregung über
verschiedenen in der Hauptstadt kolportierte (umgehende Gerüchte) und ihm zur
Last gelegte Gewalttätigkeiten, sah sich wohl mit Befriedigung mit der
Durchführung jenes Urteils beauftragt.“ (451) Daraus folgte sofort,
dass Nestorius stürzen wird. Dass
_______________
(449) Leonhard
Fendt, Inauguraldissertation „Die Christologie des Nestorius“ kath.theol.
Fakultät der Kaiser - Wilhelm - Universität Straßburg, 1909, Kempten
(450) Josef
Lössl, „Julian von Aeclanum, Studien zu seinem Leben, seinem Werk, einer
Lehre“ Brill, 2001, S. 311
(451) Leonhard
Fendt
Nestorius Feinde jedoch die
Orthodoxie eines Superorthodoxen in Frage stellen wollten, wirft eine Reihe
Fragen auf. Aber das war denn auch, wie sich zeigen sollte, die Achillesferse
des neuen Patriarchen. Er wollte in einer Zeit heillosen Wirrwarrs der Lehren
und der Meinungen ein Perfektionist sein. Welch ein Spiel! Später rechtfertigt
Papst Coelestin
Nestorius, der nun wirklich kein
Arianer war, aber eben ein Freund der Pelagianer. Hinzu kommt, dass Coelestin im Fall des
Nestorius eingestehen musste „er habe
seine Briefe nicht beantworten können, da sie erst ins Lateinische übersetzt
werden müssen... seit Konstantin also verschwand die griechische Sprache aus
Rom.“ (452)
Irgendwann musste Coelestin
eingesehen haben, dass es sich in dieser Streitsache nur um pure Gehässigkeiten
Cyrills handelte. Die Pelagianer sprachen nach Cyrills Geschmack zu viel von
der Freiheit des Christen und zu wenig von der Gnade Gottes. Darin bestand zwar
Nestorius Frevel, doch das reichte nicht ihn zu stürzen. Das vorsichtige
Taktieren endet abrupt, als Nestorius Pulcheria bei einer Übertretung ertappt.
Er muss Augenzeuge eines vielleicht nicht vollendeten Liebesaktes gewesen sein. „Pulcherias Gegner dichteten ihr sieben
Liebhaber an... der magister officiorum Paulinus galt als ihr Favorit.“ (453) An
anderer Stelle heißt es: „Es gab
ein Gerücht von einer unerlaubten Beziehung der Pulcheria zu einem Hofmann.“ (454)
Es können nicht nur Gerüchte
gewesen sein, obwohl der Hofklatsch aller Zeiten sich verheerend auswirken
konnte. Andererseits sind selbst fromme Hofleute auch nur Menschen. Anders ist
kaum zu erklären, dass er sich herausnimmt das Bild der Kaiserin das über dem
Altar an die Wand der kaiserlichen Basilika gemalt worden war zu löschen.
Nestorius muss ganz sicher gewesen sein. Er war doch nicht dumm. Pulcheria
konnte in ihrer Rache schrecklich sein, das haben einige Eunuchen bei Hofe sehr
zu spüren bekommen. In ihrer Wut wird
sie ihm gesagt haben: Nestorius, ich werde dich vernichten, dass du die
Gottesmutter nicht ehrst, wird dich stürzen. Wahr ist, Nestorius hatte
wiederholt in seinen Predigten empfohlen Maria die Christusgebärerin
(Christotokos) zu nennen und nicht die
Gottesgebärerin (Theotokos) zumal
der Muttergotteskult der Heiden
überhand nahm. „In Ephesus, der Stadt der
Diana, hatte man ohnehin einen Hang zum Marienkult.“ (455)
Nestorius mochte sich sagen, er werde
_________________
(452) Leonhard
Fendt, Inauguraldissertation
(453) A. Demand,
„Das Privatleben der römischen Kaiser“ C.H. Beck 1996 S. 100
(454) Leonhard
Fendt, Inauguraldissertation
(455) Günther
Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“
wegen heidnischer
Gepflogenheiten keineswegs einknicken. Vielleicht lachte er sie miteinander aus. Die Klagen die
nun gegen ihn erhoben wurden zielten auf diese Zusammenhänge: „Nestorius habe bei seiner Ankunft in
Konstantinopel viele Unordnungen vorgefunden, sei aber so stürmisch gegen diese
vorgegangen, dass alle Welt über ihn murrte.
2.
Nestorius
habe rebellische Geistliche, (pelagianische Bischöfe) die aus Alexandrien nach Konstantinopel
kamen, aufgenommen.
3.
Früher
habe die Kaiserin Pulcheria mit ihren Nonnen am Sonntag nach der heiligen
Kommunion im bischöflichen Palast gespeist. Nestorius wollte das nicht zugeben,
wodurch er Klerus und Hof gegen sich aufbrachte.
4.
Nestorius
ließ das Bild der Pulcheria, das über dem Altar gemalt war, auskratzen, wofür
er beinahe aus der Kirche verjagt wurde.
5.
Nestorius
ließ ein Gewand der Pulcheria, das bald auf dem Altar ausgebreitet war, bald
von ihr getragen wurde, wegnehmen.
6.
Am
Ostertage pflegte der Kaiser im Chor der Kirche die Kommunion zu empfangen, und
Pulcheria hatte vom Bischof Sirinnius. die Erlaubnis erhalten, das gleiche zu
tun. Als Nestorius eines Tages sah, dass sie wieder auf das Chor zuschritt,
fragte er, was das bedeuten solle. Der Archidiakon Petrus erklärte es ihm. Da
eilte Nestorius herbei und verhinderte die Kaiserin am Eintritt in den Chor.
Die Kaiserin wurde unwillig und sagte:
Lass
mich doch der Gewohnheit gemäß eintreten. Er aber sprach: Dieser Ort darf nur
von den Priestern betreten werden. Sie sagte: „Vielleicht, weil ich nicht
Gottes Mutter bin?“ Er sprach: „Des
Teufels Mutter bist du; und er jagte sie weg.“ (456) Diesem
ungeheuren Schimpf muss also, als ein
nicht zu leugnender Vorfall, eine massive Übertretung Pulcherias vorausgegangen
sein. Kaplan Dr. Fendt verweist ebenfalls auf diesen Schwerpunkt: „Wenn... die Daten des Briefes „an Kozma,
Haupt der Gläubigen in Antiochien" (ed. 0. Braun, Zeitschrift der
deutschen morgenländischen Gesellschaft 54, (1900) auf Richtigkeit beruhen sollten, hätte
Nestorius nicht die Religiosität, sondern den Herrscherinnenstolz der Pulcheria
beleidigt: „Pulcheria. und ihre Nonnen pflegten am Sonntag nach Empfang der
Kommunion (im Hof des Gemeindehauses?) zu frühstücken. Nestorius aber empfing
(sie) nicht. .; das Bild der Herrin Pulcheria, das über dem Altare gemalt war,
löschte Nestorius aus . . .; die (oroh?) der Pulcheria, die bald zur Zeit des
Opfers auf dem Altare ausgebreitet war, bald von ihr getragen wurde, entfernte
Nestorius" (457)
Dieser Altar von dem hier die
Rede ist war nicht irgendeiner „er
bestand
________________
(456) Christian Pesch, „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn
1921, Verlag Schöningh (457) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol.
Fakultät der Kaiser-Wilhelm- Universität zu Straßburg, 1909, Kempten, S.71.
aus
Gold und Edelsteinen und war
von Pulcheria und ihren
beiden Schwestern – die angeblich
ebenfalls gelobt hatten jungfräulich zu leben - als äußeres Zeichen ihres
Gelübdes geweiht worden…“ (458)
„Seit Sirinnius empfing
Pulcheria wie der König die Kommunion im Allerheiligsten; Nestorius ließ sie
nicht ein; bei dieser Gelegenheit „ergrimmte gegen ihn Pulcheria. . . . und
sprach zu ihm: Warum habe ich nicht Gott geboren? Er sprach zu ihr: Du, den
Satan hast du (?) da geboren". (459) Zur Kommunion
überhaupt und zudem an besonderem Platz zugelassen, wurden nur Personen die
nicht übertreten hatten. Unter Übertretung verstand man fast immer das Eine –
es sei denn, es handelte sich um Häresie. Häretisch zu sein hätte Pulcheria
sich niemals erlaubt. Ihr immer gültiger Maßstab befand sich in Rom und an Rom
hat sie sich nie versündigt. Nestorius sah schwerwiegende Gründe die
mächtigste, allerdings schon geschwächte, Person des östlichen Imperiums derart
schroff zu behandeln. Die herrschgewaltige Dame die schon früh erfolgreich
gegen den übermächtigen Eunuchen Chrysaphius aufzutreten wusste, um die Macht
an sich zu ziehen, wird sich als 30jährige nicht von einem dahergelaufenen
Herrn Nestorius demütigen lassen.
„Du hast den Satan in dir!“oder „Du bist des Satans Mutter!“ aus
dem Mund eines in den heiligen Schriften bewanderten Mannes zielte das auf das
Wort Jesu: „Der Teufel ist der Vater der
Lüge, ... ein Mörder.“ (460) Sie sei also eine Lügnerin, die Genossin
eines Mörders? Andererseits war sie immer noch die mächtigste Frau der Welt und
kein Mensch hätte gewagt ihr den kleinsten Fehler vorzuwerfen, es sei denn es
sei eine Persönlichkeit vom Format des Nestorius der seiner Sache völlig sicher
war. „Sie ging voll Unmut zum Kaiser und erzählte ihm das Vorkommnis. Da
sprach der Kaiser: „Bei deinem Leben, Schwester, und bei der Krone auf meinem
Haupte, ich werde nicht ruhen, bis ich Rache an ihm genommen habe..." (461) Das
klingt nicht echt. Theodosius war an Intrigen desinteressiert. Er spielte
lieber mit den Pfauen und fütterte seine Lieblingstiere, dachte
an seine Jagdvergnügungen, er
kannte doch seine Schwester. Er werde nicht ruhen? Sie würde nicht
ruhen. Immerhin, auf ihre Intervention hin:
„verklagten die Mönche Basilius,
Thalassius und ihre Genossen in einem Bittschreiben an die Kaiser ihren Bischof
Nestorius, er heiße die heilige Jungfrau nicht Theotokos und leugne, ‚dass der
Christus wahrer Gott von Natur sei’ So habe er gesprochen: ‚Maria ______________
(458) Günther
Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“
(459) ebenda,
S.99
(460) Johannes 8:
44
(461) Pesch
„Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh
gebar
nichts als einen uns wesensgleichen Menschen’ und: ‚Das aus dem Fleische
Erzeugte ist Fleisch’.“ (462) Damit war dieser Teil des Vergehens des
Patriarchen Nestorius aktenkundig. Nestorius fand an seiner Seite natürlich
auch Freunde. So einfach konnte niemand eine Anklage von Gewicht gegen ihn
zustande bringen. Fendt verweist zudem darauf, dass sowohl: „Kleriker wie Laien aus Konstantinopel
äußerten: der Bischof lehre nichts anderes, als was in der Apostel und Väter
Lehre enthalten sei.“ (463) Dass Pulcheria sich nach mehr Bundesgenossen
umsah, ist, wenn man sich in ihre Situation versetzt, ebenfalls
verständlich: „... um Ostern 429 (hielt es) Cyrill von Alexandrien für geraten, seinen
Mönchen durch ein Schreiben theologische Waffen gegen des Nestorius
Aufstellungen in die Hand zu geben. Das beleidigte den Patriarchen, von
Konstantinopel. Ein Briefwechsel, von Cyrill anfangs verbindlich, von Nestorius
alsbald wegwerfend und überlegen geführt verschärfte die Lage. Von Alexandrien
sandte man Darlegungen des allein orthodoxen alexandrinischen Standpunktes an
Theodosius II. und seine Damen, welche
die Zustimmung der Augusta Pulcheria fanden, den Kaiser aber verstimmten.“
(464) „In
dem „Buch des Heraklid" werden jene Anklagen kaum berührt. Nestorius
sagt, er habe mit den Ketzern Geduld geübt, die Kaiserin habe er zwar
gegen sich aufgebracht, aber sie sei ein streitsüchtiges, verdorbenes Weib
gewesen, und er habe Mitleid mit ihrer Seele gehabt.“ (465)
Der zeitgenössische Historiker
Sokrates, den Novatianern nahestehend, und ein allem Anschein nach ein
ehrlicher Berichterstatter, findet dasselbe: „dass die Zanksucht und wechselseitige Animositäten prägend für die
Auseinandersetzungen in (Cyrills) Zeit sind, theologische Gründe sind hingegen
nur vorgeschoben.“ (466)
Fendt sagt zunächst parteiergreifend
zugunsten Nestorius aus: „Die Bekämpfung
des Gegners ist (seitens Nestorius G.Sk.) immer energisch und nachdrücklich, aber nie eine solche mit vergifteten
Waffen. Selbst Cyrillos gegenüber wird nicht zur Beschimpfung gegriffen, die
noch so oft im dogmatischen Streit des
Ostens erklingen sollte... Allein dort (bei den syrischen Blättern der
Nestoriusschriften) handelt es sich zum großen Teil um Fragmente, die die
Willkür der Gegner ausschnitt, um Kampfmaterial
(zu
haben)... Warum greift auch er (Cyrill G.Sk.) so oft zu gewalttätigen _______________
(462) Leonhard
Fendt, Inauguraldissertation
(463) ebenda
(464) ebenda
(465) Christian
Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh
(466) Sebastian
Schurig, „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von
Alexandria“ Dissertation Uni Jena, 2001, Mohr Siebeck, S. 12
und
ungerechtfertigten Ausdeutungen mancher nestorianischen Thesen? Es ist
unrichtig, dass Nestorius nie den Terminus e'ycoaig (?) anwendet; unrichtig,
dass er nur eine Verbindung durch Ehre und Würde lehre, und es liegt ihm
unendlich fern, des Josue Gottesfreundschaft mit dem Mysterium Christi zu
vergleichen. Dass er gar den Erlöser auf die Linie des persischen Königtums
herabwürdige, ihn dem Cyrus und Moses zugeselle, das ist nichts als Erfindung. Wenn Nestorius behauptet, Maria habe nicht
die Gottheit geboren, so lässt Cyrill ihn sagen: Maria hat nicht Gott geboren.
... Ferner weiß Cyrill ausdrücklich von der Statuierung einer Verbindung der
Naturen unter ein einziges Prosopon : wieso kann er dies so nebenbei abtun und
bei Nestorius nur eine Einigung des Willens und Wohlgefallens kennen wollen? Wo
nimmt Cyrill die Berechtigung her, seinem Gegner die Ansicht zuzuschreiben, es
sei der Mensch gestorben und auferstanden... Oder es sei Christi Fleisch und
Blut eben nur Menschenfleisch und Menschenblut? und wenn Cyrill selbst solche
kennt, „welche den aus Gott Vater gesprossten Logos verwandelt werden lassen in
der Knochen und Sehnen und des Fleisches Natur", so sollte er den
Nestorius nicht einen Heuchler oder verdeckten Ketzer schelten, sobald dieser
seine Trennungslehre mit der Furcht vor Vermischung und Vernichtung der Naturen
begründet. Überhaupt liebt es Cyrill, durch
Andeutungen
da und Klagen und Befürchtungen dort den Nestorius als Repristinator des
samosatenischen „Abgesandten des Teufels" erscheinen zu lassen, ihn in die
Nähe aller derer zu rücken, die in Christus nur irdische Beschränktheit sehen.
Und Basilius, Thalassius, Proklus, Schenute, Akacius, Theodot haben den Schall
dieser Anklage weidlich verstärkt, indem auch sie Stimme und Feder dem
Verdachte liehen,
Nestorius
lehre eines bloßen Menschen Vergottung...“ (467)
Um Missgunst, Vorteilsuche und
Rache ging es, nicht um eine Korrektur der zudem unrichtig dargestellten
„Irrlehre“ des Nestorius.
Nestorius muss gewusst haben
welche Rolle Cyrill im Jahr 415 gespielt hatte, in dem die berühmte Philosophin
Hypatia von einem christlichen Klüngel grausam ermordet wurde. Wahrscheinlich
würde sich gegen Cyrill nichts Handfestes beweisen lassen. Dieser Mann trug
immer weiße Handschuhe doch war er der spiritus rector bei allen wichtigen
Vorkommnissen in der überaus nervös reagierenden Hafenstadt Alexandria. Dass es Cyrill zudem ums Geld, und was
dasselbe ist, um
Handelsprivilegien ging, wird
später völlig klar. Auch deshalb war in Alexandria die Situation von Beginn an
äußerst zugespitzt, nämlich: „Zu
_________________
(467) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol.
Fakultät der Kaiser-Wilhelm-
Universität, Straßburg, 1909, Kempten
den Aufgaben der (Bischöfe) bzw. Patriarchen (Alexandrias) gehörte es,
die Getreidelieferungen nach Konstantinopel sicher zu stellen.“ (468) Es hat den Anschein, als sei dieses
einträgliches Privileg bereits während des 1. ökumenischen Konzils zu Nicäa 325
ausgehandelt worden, als Belohnung für Athanasius und seinen Bischof Alexander,
denn es heißt schon wenig später, nachdem sich die Auseinandersetzungen
zwischen Arianern und Athanasianern enorm zugegespitzt hatten: „sechs führende
Eusebianer... erklären dem Kaiser (Konstantin), „Athanasius habe die
Unterbindung der ägyptischen Getreidelieferungen nach Konstantinopel
angedroht.“ (469) Das mag ja eine gewagte Behauptung gewesen sein.
Doch durch diese, nicht für nichts erteilten, kaiserlichen Zugeständnisse der
Kontrolle der wichtigsten Handels- und Umschlagplätze durch den
alexandrinischen Bischof, wird die Fülle der Möglichkeiten angedeutet die ein
„nun-nicht-mehr-einfacher-Gemeindevorsteher“ schon im 4. Jahrhundert ausnutzen
durfte. Jetzt waren sie Staatsangestellte. Deshalb verfügten die Metropoliten
schon bald über ihre eigene Privatarmee, wie bereits Damasus 366, der sie
‚erfolgreich’ gegen Ursinus aufmarschieren
ließ. Es waren also wirtschaftspolitische Erwägungen Cyrills die den
schwelenden Hass zwischen ihm als Bischof, ‚seinen’ Christen und den Juden
verschärften. Wegen der Fruchtbarkeit des Nildeltas war der und Getreidehandel
eine wichtige Aufgabe, diese aber hätte eigentlich keine kirchliche sein
dürfen. Wohin solche Vernetzung führen musste, zeigt Sebastian Schurig: „Ein Beispiel für wirtschaftliche Konflikte
ist die Konkurrenz zwischen Seeleuten der
alexandrinischen Getreideflotte und der jüdischen Handelsgesellschaft.
Die Juden waren von der Versorgung der Getreideflotte befreit, was ihnen
wirtschaftliche Vorteile verschaffte. Die Seeleute gehörten andererseits im 4.
und 5. Jahrhundert zu den Unterstützern der Bischöfe... zudem wurden die Juden durch Parteigänger
Cyrills
provoziert.“ (470)
Die dazugehörigen Bilder von
Überfällen übermütiger junger Matrosen auf jüdische Passanten Alexandrias,
ähneln denen die Juden noch 1940 in der
Sowjetunion erlebten. Wehe den „Gottesmördern“
wenn sie sich an einem
Karfreitag auf die Straße
wagten. „Sie rannten um ihr Leben“ (471)
Es musste Cyrill schmecken,
dass er vom Papst nicht als Täter betrachtet
___________________
(468) Schmidt u Lorenz „Die Kirche in ihrer Geschichte“
Vandenhoeck & R. S. C 143 (469) ebenda
(470) Sebastian
Schurig „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von
Alexandria“ Dissertation, Uni Jena, 2001, Mohr Siebeck, S.
16
(471) mündlicher
Bericht des Bundestagsabgeordneten Heinrich Fink, als Augenzeuge,
2002, in Neubrandenburg, in einer PDS-Veranstaltung, zu der
ich eingeladen wurde.
wurde, sondern als Richter. Er wird
dem Konzil zu Ephesus vorstehen, nicht der Papst oder unabhängige päpstliche
Legaten. „Nach Grillmeiers Darstellung zu
urteilen war das Zusammengehen Roms mit Cyrill entweder rein politisch (also
nicht theologisch) motiviert, oder Rom hatte zwar ein theologisches Anliegen,
aber ein konfuses und verließ sich daher völlig auf
Cyrill.“
(472)
Das 3. ökumenische Konzil von Ephesus (431 n.Chr.)
kam Rom insofern entgegen weil eine breite Front zur Verurteilung des
Pelagianismus zu erwarten stand. Mit solcher Entscheidung würde den Lehren des
Augustinus der endgültige Sieg zugesprochen. Unter diesen Vorzeichen ergingen
an die wichtigen Bischöfe Einladungen Ende Mai in Ephesus zu erscheinen. Umstände
verhinderten, dass die Männer des syrischen Raumes, die Unterstützer des
Nestorius, nicht pünktlich sein konnten. Cyrill zögerte ein paar Tage. Um Cyrill
zu rechtfertigen muss man sagen, er hat wahrscheinlich zwei Wochen gewartet, um
sicher zu stellen, dass alle die kommen wollten und durch widrige Umstände
aufgehalten wurden, ihre Chance bekommen. Dann aber hielt Cyrill sich nicht
mehr zurück.
Er legte los, startete die Synode
eben ohne die Antiochener. „In Ephesus
wurde am 22. Juni 431 in der Marienkirche die Szene damit eröffnet, dass Cyrill
und seine Suffragane Nestorius exkommunizierten. 4 Tage danach kam die Syrer
an... versammelten sich unverzüglich zu einer Synode und setzten Cyrill...
ab... zuletzt trafen die römischen Legaten ein und schlossen sich entsprechend
den Weisungen ( des Papstes) Coelestin, Cyrillan... die nächste Synode Cyrills
verdammte den Pelagianismus... und verabschiedete eine Resolution die jeden
Zusatz zum Nicänischen Bekenntnis untersagte...“ (473) Kaplan
Fendt verurteilt dieses Verhalten: „Cyrill
hat dadurch, dass er das Eintreffen Johanns von Antiochien und der Seinen nicht
abwartete, für immer den Verdacht der Illoyalität
auf sich geladen.“ (474)
Die verspätet angelangten „Syrer versammelten sich unverzüglich, zu
einer eigenen Synode und setzten Cyrill ab... Zwei rivalisierende Synoden
hatten (nun) einander gegenseitig
verflucht... zuletzt trafen die römischen Legaten ein und schlossen sich
entsprechend den Weisungen (des Papstes) Coelestin Cyrill an... die nächste
Synode Cyrills verdammte den
Pelagianismus (der sich im wesentlich gegen Augustinus
Erbsündenlehre, __________________
(472) Josef Lössl
, „Julian von Aeclanum, Studien zu seinem Leben,...“ 2001, Brill S. 311
(473) Henry
Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter. 1967, S. 232 (474)
Leonhard Fendt, Inauguraldissertation,
sowie dessen Prädestinationslehre
richtete)... und sie verabschiedete eine
Resolution die jeden Zusatz zum Nizäischen Bekenntnis untersagte....
Sehr wider seinen Willen... fiel die
Entscheidung (Nein! nicht dem Papst! sondern) dem Kaiser zu. Beide Seiten sandten Delegationen an den Hof von
Chalcedon, und der Kaiser bestätigte die gegenseitigen Absetzungen von
Nestorius und Cyrill und Memnon... Alle drei wurden in Gewahrsam genommen. Unterdessen wandte
Cyrill ungeheure Summen als
Bestechungsgelder für einflussreiche Persönlichkeiten im
Palast auf und Nestorius begann plötzlich Boden zu verlieren Nestorius hatte
genug, er wünschte in sein Kloster nach Antiochien zurückzukehren. Sein Angebot
wurde angenommen... Cyrill selbst entwischte aus dem Gefängnis und belohnte seinen käuflichen
Wärter durch
Aufnahme in
den alexandrinischen Klerus.“ (475)
Eudocia
könnte ihren Ehemann Theodosius II. beraten haben, sowohl Rom wie auch
Augustinus und Cyrill abblitzen zu lassen, um ihrer Rivalin eins auszuwischen.
Freilich Cyrill verfügte über Unsummen, die aus den Vermächtnissen reicher
Witwen stammten, sowie aus den Plünderungen der paganen Heiligtümer, wie dem
Schatz des Serapistempels, auch das was er den Novatianern genommen, was er
dann in die Waagschale legte.
Coelestin I. der 43. in der Reihenfolge der Päpste, dessen
angebliches Pontifikat von 422 – 432 dauerte, blieb im Einvernehmen mit Cyrill,
und bis heute preist die offizielle katholische und die koptische Welt den Sieger
in diesem Kampf.
Benedikt
XVI. fand erstaunlicherweise gute Worte für ihn. Anlässlich seiner Generalaudienz vom
03.10.07 sagt der Papst: „… dem Bischof
von Alexandrien (Cyrill) ist es bald gelungen, dass Nestorius wiederholt verurteilt worden
ist: (auch) durch eine Reihe
von zwölf
Anathematisierungen, die er selbst verfasst hatte und schließlich vom dritten
ökumenischen Konzil, das 431 in Ephesus abgehalten wurde. Die Versammlung, bei
der heftig hin und her diskutiert wurde, ging mit dem ersten großen Triumph für
die Marienfrömmigkeit zu Ende sowie mit dem Exil des Bischofs von
Konstantinopel, welcher aufgrund einer irrigen Christologie, die Christus
selbst teilte, der Jungfrau Maria den Titel
„Gottesmutter“
nicht zuerkennen wollte. Nachdem Cyrill so über seinen Rivalen und dessen Lehre
gesiegt hatte, (was heißt das „so“? G. Sk.) wusste er bereits im Jahr 433 eine
theologische Formel des Kompromisses und der Wiederversöhnung mit
Antiochia zu finden. ... Bedeutsam sind
weiter die zahlreichen Lehrwerke, in denen wiederholt der Glaube an die _________________
(475) H. Chadwick
„Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter. 1967, S. 232
Dreifaltigkeit
gegen die arianischen Thesen sowie gegen die Thesen Nestorius verteidigt wird.
Die Grundlagen der Lehre Cyrills sind die kirchliche Tradition und besonders,
die wie ich bereits angedeutet habe, die
Schriften des Athanasius, seines bedeutenden Vorgängers auf dem Sitz von
Alexandria.“
Was sind die ganzen
„umsichtigen Bündnisse“ wert, wenn ihr Held nur Unheil sät?
Nicht weil es ihm um die
Wahrhaftigkeit ging, hatte „Cyrill von
Alexandria,
im Jahre 431, 1 500 Pfund Gold Bestechungsgelder an
Höflinge
in Konstantinopel gezahlt, um sein Amt zu stützen“ (476) So
lapidar gesagt, so bedeutungsvoll.
Und
die Heiligenverehrer bekennen sich trotz alledem zu ihm. Dieser kalt rechnende
Kirchenpolitiker „Bischof Cyrillus
wurde trotz seiner Verbrechen heilig gesprochen und 1882 von Papst Leo XIII.
sogar zum Kirchenlehrer ernannt – ein Ehrentitel, der bisher nur an 32
ausgewählte
‚Heilige’
vergeben wurde.“ (477)
„Pelusium schrieb (damals) an den
Bischof von Alexandrien (Cyrill): „Zuneigung
schärft den Blick nicht, Abneigung aber macht blind. Wenn du darum von beiden
Sehhindernissen frei bleiben willst, dann fälle keine Gewaltsprüche, sondern
wäge in gerechtem Urteil die Gründe ab Denn viele der in Ephesus Versammelten
höhnen über dich, als ob du eine Privatfeindschaft austrügest, nicht aber
rechtgesinnt suchtest, was Jesu
Christi
ist.“ (478)
Die folgende Anmerkung scheint
einen legitimen Vorgang abzuschließen, es heißt lapidar: „Coelestin I. ließ den Patriarchen von Konstantinopel,
Nestorius,
exkommunizieren.“ (479)
Auch die koptische Kirche steht
hinter Cyrills und Cölestins Tun.
Wir Heutigen indessen wären
erstaunt, wenn wir den „Gesang der Mönche
am Kaiserpalast nach dem Bekanntwerden der Absetzung des Nestorius (hören
könnten der menschenfeindlicher kaum sein konnte G.Sk.): ,,
Verachtet
bist du, an welchem Orte du auch seiest; verflucht bist du vor
Gott,
o Jude! Der Christ ist siegreich alle Zeit! Gebt den Juden jetzt den Juden,
gebt den Verräter den Juden!"; das Volk schrie: „Man möge
Nestorius,
den Juden, verbrennen, ihn und Anastasius mit ihm" (480) Noch _______________
(476) A.
Demand „Geschichte der Spätantike“ , 2008, C.H. Beck S. 453
(477) www.schulfach-ethik.de 2 „Hypatia von Arnulf Zitelmann“
Taschenbuch – Beltz, 7. März 2002LK
(478) Christian
Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh
(479) Ökumenischen
Heiligenlexikon
(480) Leonhard
Fendt, Inauguraldissertation
ein Jahr zuvor hatte Nestorius einen
Brief von Johannes von Antiochien erhalten
„der ihn darüber informierte, dass
Coelstin und Cyrill einen Absetzungsbeschluss gegen ihn vorbereitet hätten...
Johannes riet zur
Vorsicht
und empfahl Nestorius doch noch die Annahme des Begriffes Theotokos
Gottesgebärerin (statt Christotokos Christusgebärerin auf Maria) anzuwenden,
den so schon die Väter bezeugt hatten... Nestorius hielt im Dezember 430 zwei
Mariapredigten in denen er auch den Begriff der Gottesgebärerin benutzte.“ (481)
Fendt hat klar herausgearbeitet was
Nestorius glaubte und lehrte: „Wie ein
Kleid liegt die Menschheit am Herrn, wie ein Kleid trägt der Gottlogos (Jesus
G.Sk.) die menschliche Form; als einen
Tempel und ein Zelt bewohnt er sie. „Bei uns weilte leiblich der
Christus". Diesen seinen Tempel ließ der Logos zerstören, und er selbst
hat ihn am dritten Tage wieder auferweckt. Die Seele Christi aber ging in die Unterwelt
und befreite die Geister der
Verstorbenen; Das ist die erste
reine Darstellung der „antiochenischen" Christologie... Nestor, ein
syrischer Mönch, (seit 428) Patriarch von Konstantinopel, abgesetzt, wiederum
Mönch, zuletzt ausgestoßen, gestorben und verscharrt im Wüstensande...“ (482)
Mit Dr. Fendt, trauern wir um
alle diejenigen die von bösartigen Strebern zugrunde gerichtet wurden. Es muss
uns weh tun, damit wir lernen nicht ähnlich hartgesotten zu handeln.
Buße muss innerlich
wehtun.
Zu verstehen, dass der Sinn
dieses Lebens auch darin besteht, aus Fehlern zu lernen, ist den Mitgliedern
der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wichtig.
Deshalb sollen wir uns mit der Geschichte unserer Heimat, der Welt und der Kirchen
vertraut machen. Niemals dürfen sich
Geschehnisse wie der Holocaust wiederholen, das sagen alles, aber ebenso darf
niemals vergessen werden, dass der Krieg den Innozenz III. gegen die Katharer
führte ein Verbrechen war.
__________________
(481) Torsten Krannich „Von Leporus zu Leo dem Großen“
Studien Mohr-Siebeck,
2005 S. 8 Fußnote
(482) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol.
Fakultät der Kaiser - Wilhelm - Universität zu Straßburg, 1909, Kempten
Diese Lehre von der Befreiung der Geister in der Unterwelt,
entspricht dem Bild, das die ersten Apostel häufig gebrauchten und ebenso die
Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen):
der Leib Christi ist, wie unser Leib, einem Zelt vergleichbar, einer Wohnung,
einem Haus oder einem Kleid. Das macht natürlich nur Sinn. wenn dem die Lehre
von unserer ewigen Präexistenz vorausgeht. Diese Lehre von als urkirchliches
Denken klar dargestellt, wurde aber bald offiziell von der Kirche geächtet.
Durch Kaiser Justinians Synode, 543, kam es bekanntlich zur Verfluchung dieser
von Origenes verkündeten Basislehre.
Es muss uns im tiefsten Innern
aufwühlen sich vorzustellen, dass die päpstlichen Truppen die besten Männer
ihrer Zeit in Felsenhöhlen einsperrten, deren Zugänge sie zumauerten.
Rache zu üben, verbietet uns
das Gesetz, (483) wie es uns verbietet gleichgültig zu sein (484)
oder unser Urteil zurückzuhalten:
Untaten müssen erkannt und benannt und bestraft werden. (485)
Wir glauben, dass Gott
niemanden verdammt der gewillt ist innerlich umzukehren und fortan auf die
Stimme seines Gewissens zu hören. Das schönste Wort, das ein Übertreter hören kann lautet: Dir ist vergeben. Das bedeutet
aber nicht, dass irgendein Priester, gleich welcher Kirche, einen Menschen von seinen Vergehen frei sprechen
kann, wenn das nicht in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist.
Fromme Blicke auf den
Gekreuzigten, wenden eine böse Geschichte noch lange nicht zum Guten. Zudem ist
es wohl an der Zeit, zu sagen: Nehmt
endlich den Mann vom Kreuz herunter, der unser Gott und Erlöser ist. Er ist
auferstanden und lebt.
Das römische Kreuz konnte der
Welt nur Streit und Unrecht bescheren, zudem wissen alle, dass ausgerechnet
Cyrill von Alexandria, zu Ephesus, 432, beschließen ließ, das Kreuzzeichen (486) zum
offiziellen Symbol jenes ‚Christentums’ zu erklären, das buchstäblich ganze
Völker ausrottete. Zuvor gehörten der
Fisch und das Lamm zu den geliebten Symbolen, - und (kurioserweise) der
Bienenkorb des Ambrosius von Mailand .
Betrug und absolute
Menschenverachtung bildeten die Basis der anderen
Kirche, der Gegenkirche, die
mit der Konstantinisch-AmbrosianischAugustinischen Botschaft herrschen wollte.
Der Frohbotschaft Christi stand damit die unfrei und unfroh machende gegenüber.
Sie überredete die Menschen sich freiwillig hinter kalten Mauern einsperren zu
lassen, weil
_______________
(483) Lehre und
Bündnisse 64: 10
„Ich, der Herr, vergebe, wem ich vergeben will,
aber von euch wird
verlangt, dass ihr allen Menschen
vergebt.“
(484) Jesaja 5:
20 „Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen.“ (485) Sprichwörter 31: 9 „Öffne deinen Mund, richte gerecht,
verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“.
(486) Bischöfliches Ordinariat
Regensburg, 2010 im Internet. „Als
allgemein verbreitetes und verwendetes Symbol der Christen lässt sich das
Kreuzzeichen allerdings erst in der Zeit der Völkerwanderung (375 n. Chr. – 568
n. Chr.) nachweisen. 423 n. Chr. findet sich z.B. eine Kreuzigungsdarstellung
am Portal der Basilika Santa Sabina auf dem Aventin in Rom.“
Ebenso informiert das:
Kath.-Kirchenblatt Vorarlberg 27. Febr. 2005 „Das Kreuz als Zeichen des Christentums ist seit dem 5. Jahrhundert
(431, Konzil zu Ephesos)...
weltweit
verbreitet.“
sie da angeblich dem „lieben
Gott“ näher kämen, als in einer Familie, für deren Bildung und Erhaltung sie
mit Leib und Seele geschaffen worden waren.
Die Nicht-Frohbotschaft brachte
die verrücktesten Ideen auf:
Simeon Stylites (390 - 459) der
sich im Jahr 422 bis zu seinem Tod auf eine 4 Quadratmeter kleine Plattform in
drei Meter Höhe begab - die bald auf 17 Meter erhöht wurde, - wo er
ununterbrochen betete, hatte (wahrscheinlich zu Beginn seiner Karriere als
Säulenheiliger, als Pulcherias Machtkampf mit Schwägerin Eudocia noch nicht entschieden war G.Sk.) „mit einem Brief an den Kaiser erfolgreich
Einspruch gegen die heiden- und judenfreundliche Politik des praefectus
praetorio
Asklepiodotus,
des Mutterbruders der Kaiserin Eudocia (erhoben). (487) Diese Säule die er in den nächsten drei Jahrzehnten
nicht wieder verließ wurde auf 17 Meter
erhöht. „So konnte ihm niemand mehr
Fäden, denen man wundertätige
Eigenschaften zusprach, aus der Kutte ziehen. Symeons Leben bestand fortan aus
ständigem Beten, das von rhythmischen Kniefällen begleitet war.“ (436) „Als Simeon - von den Leuten drei Tage lang
unbemerkt - 459 - auf seiner Säule gestorben war, war sein Tod Anlass zu
Unruhen. 600 Soldaten kamen aus Antiochia, damit sein Körper von den Verehrern
nicht in Stücke gerissen wurde. (488)
Es scheint, dass der Geist
dieser Zeit länger als tausend Jahre wirken sollte:
Bei der Translation der Leiche der
spanischen Nonne Theresa von Avila 1585 standen Mönche umsonst Wache, damit sie
ihr nicht die erhofft wundertätigen Knochen aus dem Leib reißen. „Zu Rom befindet sich zu St. Maria de la
Scala ein Fuß, und der Zeigefinger der rechten Hand im Kloster Regina Coeli
daselbst, zu Lissabon ihre linke Hand; das unverwesene Herz, welches einen
himmlischen Geruch von sich gibt, und der linke Arm ruhen zu Avila; der
Mittelfinger der rechten Hand kam nach Paris, wohin auch ihr Mantel gebracht
wurde; ein kleiner Finger wurde den Karmelitinnen in Brüssel, ein anderer
Finger denen zu Sevilla geschenkt.“ (489)
Die Politik des byzantinischen
Hofes wird mit Ausnahme der Jahre 447 bis Beginn 450 maßgeblich von Pulcheria
bestimmt. Anscheinend nimmt die Gattin Theodosius II., Eudocia, die aus dem Hellenentum stammt, in
den ersten Jahren ihrer Ehe mäßigenden Einfluss auf die Gesetzgebung die im
Namen des eigentlich eher uninteressierten Kaisers erfolgt. Anders ist kaum das
Hervorkommen des mit Codex Theodosianus
16,10,24 benannte
________________
(487) Wikipedia
(488) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(489) Stadlers
Heiligenlexikon
Schutzgesetz des Jahres 423 zu
erklären. Es fällt aus dem Rahmen:
„unauffällig und ruhig lebende
Heiden (und Juden) (sind) vor christlichen Übergriffen (zu) schützen;
entstandene Schäden (seien) drei- bis vierfach zu ersetzen.“(490) Üblicherweise
ist die gnadenlose Hand Pulcherias zu spüren: so im Heidengesetz „des Codex
Theodosianus, vom 14. November 435... es sollen die Stätten heidnischen Kultes
sofern heute noch welche bestehen, nach Abbruch der Gebäude mit dem
christlichen Kreuzeszeichen entsühnt werden.“ (491) Theodosius II. lässt wie gewohnt seine
Schwester in seinem Namen, grundsätzlich und intolerant agieren. Er
„unterschrieb grundsätzlich alles was Pulcheria ihm vorlegte, ohne es zu lesen
…einmal verfasste sie ein Schreiben, das die Schenkung seiner Gattin Aelia
Eudocia als Sklavin beurkundete - er
unterschrieb auch dies.“ (441) Pulcheria konnte jedoch nicht verhüten, dass ihr
Bruder Theodosius II., 438, also sieben Jahre nach der Vertreibung Nestorius,
den Eunuchen Chrysaphios zu seinem Kammerherrn berief. Dieser Mann gewann mehr
und mehr Einfluß auf den Imperator. Von 443-450 regierte er. Das wurde
wahrscheinlich dadurch möglich indem er den Kaiser vor Pulcheria abschirmte.
Unter diesen Umständen wird verständlich, dass Cyrill sich sowohl an
Chrysaphios, d.h. an den Kaiser wandte und an Pulcheria: „Um Nestorius zu
stürzen schickt Cyrill zwei Schriften an den Hof, von denen die eine an den
Kaiser und seine Gattin, die andere an Pulcheria gerichtet ist. Er bewies
damit, dass er entweder den Hof in zwei Parteien zu spalten suchte, oder einen
Zwiespalt dort schon als bestehend voraussetzte.“ (442) Zwei Jahre nach seiner
Berufung, 440 stachelt Chrysaphios die
Kaisergattin Eudocia auf, ihrer
allmählich zurückgedrängten Schwägerin „Pulcheria zu unterbreiten eine Diakonin
als Kammerzofe zu nehmen.“ (443) Die Reaktion Pulcherias ist heillose Wut. Ihr
Bruder misstraue ihr, hielt er ihre Keuschheit für zweifelhaft? Die
vierundvierzigjährige weicht 443 ins Exil nach Jerusalem aus, danach lebt
sie... abgeschieden im Palast Hebdomon (495) der in der Nähe liegt, aber
getrennt vom Regierungssitz wo sicherer denn je Chrysaphios auf seinem Posten
als Regierender sitzt. Als Pulcherias hochgeborener Bruder 450 bei einem
Jagdunfall stirbt, steht der bislang allmächtige Eunuche Chrysaphios schutzlos
der rachsüchtigen Pulcheria
___________________
(490) Johannes
van Oort und D. Wyrwa Peeters, „Heiden und Christen im 5.
Jahrhundert“ 1998 über Karl Leo Noethlichs „Heidentum im 5.
Jahrhundert“
(491) ebenda S.
15
(492) Günther
Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“
(493) Ferdinand
Gregorovius, „Athenais /XV“
(494) ebenda
(495) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
gegenüber, die mit großen
Aufwand Markian heiratet „weil sie nach
römischer Sitte nicht regierende Kaiserin sein kann“ Unter Markians
Schutzmacht darf sie endlich das tun kann worauf sie schon lange gewartet
hatte. Sie lässt den vollen Zorn heraus, den ihr erstarkter Bruder mit Hilfe
seiner Frau und seines Regierungschefs, des Eunuchen Chrysaphios, zu dämpfen
vermochte. Nun trumpft sie wieder auf. „sie
rechnet mit Chrysaphios ab, lässt ihn zu
Tode prügeln.“ (496) Dass sie, wie behauptet, mit Markian eine „Josefsehe“
führte, ist nicht auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich. Die Legende will
es jedoch so. Heermeister Aspar, der
als Ehekandidat wohl infrage gekommen wäre, durfte sie nicht heiraten weil er arianisch glaubte. (497)
Nun, nach dem Tode ihres
Bruders Theodosius II., und nach ihrer Eheschließung führt sie aus, was ihr
solange versagt blieb: in Konstantinopel wandelte sie „eine Synagoge im Stadtteil Chalkoprateion, wo Juden seit 132 Jahren
lebten und das Kupferhandwerk betrieben, in eine Marienkirche um.“ (498) Von ihr getrieben berief „Kaiser Markian ...für den 8. Oktober 451
das 4. ökumenische Konzil nach Chalkedon ein, gegenüber von Konstantinopel auf
der kleinasiatischen Seite des Bosporus“ (499) Dass Markian alle
Ratgeber Theodosius enthaupten ließ ist, nicht sicher, falls sich die
Grausamkeit belegen ließe, käme dabei sicherlich zum Vorschein, dass Pulcheria
in die Vorgänge verwickelt wäre.
Nicht umsonst begrüßten die in
Chalkedon anwesenden Bischöfe Pulcheria als die neue Helena. (500)
Alle Nichtkatholiken werden vor ihr zittern. Cyrill entmachtete und vernichtete
schon neunzehn Jahre zuvor, 431, Nestorius den Patriarchen Konstantinopels, mit
Unterstützung Pulcherias, beide handelten aus reinem machtpolitischen Kalkül.
Pulcherias Charakter kann man
als einzigartig bezeichnen.
Jungfrau, im augustinischen
Sinne, war sie wahrscheinlich nicht, eine Intrigantin sicherlich, die bislang
anscheinend nervenlosen Männern das Fürchten lehrte. Bereits als ihr Vater 408
starb übernahm Pulcheria, alle Aufgaben für ihren zwei Jahre jüngeren Bruders
Theodosius II. Als erst
vierzehnjähriges Mädchen ließ
sie den bisherigen Leiter der
Staatsgeschäfte ablösen. Zu
dieser Zeit leistete sie öffentlich das Gelöbnis
der Jungfernschaft und überzeugte auch ihre jüngeren Schwestern
wie zu leben, - besser gesagt, so lautet die nie unangefochtene
Überlieferung. ________________
(496) G.Rigobert
„Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“ 2002
(497) ebenda S.
43
(448) ebenda
(449) ebenda
(500) ebenda
„421 vermählte Pulcheria (ihren 19jährigen
Bruder Kaiser Theodosius II.) mit Eudocia-Athenais, die zu einer großen
Frauengestalt der Frühkirche heranwuchs und noch heute in der Ostkirche sehr
verehrt wird.
(501) Diese,
Pulcherias Wahl war aus ihrer späteren Sicht ein Missgriff. Nachdem die schöne
Griechin auf den Namen Eudocia getauft worden war, blockte sie den massiven
Einfluss ihrer Schwägerin auf ihren Ehemann allmählich ab. Vielleicht wollte Eudocia mehr als
Pulcheria, dass der als tadellos geltende Christ Nestorius den Bischofssitz in
Konstantinopel einnimmt.
Die Heiligenlegende nach Josef
Dirschl schildert Pulcherias Wesen völlig anders als ihr Gegenspieler
Nestorius.
„Geboren
399 in Konstantinopel, (Istanbul) starb
Pulcheria 453 als
(hochgeachtete)
Heilige, die ... dem Herrn gedient...
welche der heilige Bischof Cyrillus „die keuscheste Braut Christi, die Zierde
des Erdkreises, den Schmuck der Kirche;” nannte. Die Väter des Konzils von Chalcedon(gaben ihr
den Titel): „die Wächterin des Glaubens, die Stifterin des Friedens, die
Bekämpferin der Ketzer, die neue Helena” nannten. Sie war die Tochter des
Kaisers Arkadius. Erst neun Jahre alt, war sie schon eine Waise. Allein Gott, der sie als Werkzeug seiner
heiligen Pläne gebrauchen wollte, zog gnadenvoll ihr Herz an sich, verlieh
ihr frühe schon die Gabe der Weisheit, Liebe zum Gebete und zur Einsamkeit und
männlichen Mut. Ihren kleinen Bruder Theodosius, der einstens Kaiser werden
sollte, lehrte sie, wie eine fromme Mutter, beten, unterrichtete ihn in der
heiligen katholischen Religion, führte ihn fleißig in die Kirche und brachte
ihm alles bei, was ihn zu einem frommen Fürsten machen konnte. Ebenso vertrat
sie Mutter- und Vaterstelle an ihren zwei kleineren Schwestern. Sie hatte den
göttlichen Heiland Jesus so lieb, dass
sie
ihm das Gelübde machte, immer Jungfrau zu bleiben, und auch ihre
beiden
Schwestern dazu vermochte dasselbe zu
tun. (502) _______________
(501)
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
(502)
„Im Alter von 15 Jahren wurde
sie mit ihrem Bruder Theodosius zur Würde einer Beherrscherin des Reiches
erhoben, und musste nun im Namen des Bruders das Land regieren. Obwohl nun
Kaiserin, immer beschäftigt mit den wichtigsten Angelegenheiten des Reiches,
wegen ihrer Weisheit allgemein bewundert und gelobt, blieb sie doch immer
demütig und bescheiden. Wenn sie irgendeine wichtige Entscheidung traf, so tat
sie dies immer im Namen ihres Bruders, damit dieser die Ehre hätte, sie aber
unbeachtet bliebe. Der kaiserliche Palast, früher ein Ort prachtvoller Feste,
war unter ihrer Aufsicht wie ein Kloster an strenger Zucht und Ordnung. In ihr
und ihrer Schwestern Gemach durfte keine Mannsperson eintreten. Männer sah und
sprach sie nur öffentlich. Wenn die Staatsgeschäfte sie nicht hinderten,
betete, las oder verrichtete sie mit ihren Schwestern Handarbeit. Auch kasteite
sie ihren Leib durch fasten und Nachtwachen, und entsagte mit Freuden den
Vergnügungen des Hofes. Wenn sie irgend einen Befehl zu geben, ein wichtiges
Geschäft zu vollbringen hatte, flehte sie zuvor zu Gott um Erkenntnis, fragte
dann weise Männer um Rat, und dann erst ging sie an die Ausführung. Obwohl sie
eine schwache Jungfrau war, so regierte sie doch das weite Reich mit solcher
Weisheit und Kraft, dass die Untertanen nie so zufrieden und glücklich, und der
römische Name von den fremden Völkern nie so gefürchtet und geehrt war, als
unter ihrer Herrschaft. Sie war wahrhaft eine Zierde des Erdkreises.
Als ihr Bruder
Theodosius das zwanzigste Jahr erreicht hatte, suchte sie für ihn eine würdige
Gattin. Dies war die schöne und geistreiche Athenais, die, da sie noch eine
Heidin war, den christlichen Glauben annahm und nach empfangener Taufe vom
Kaiserlichen Jüngling zur Ehe genommen wurde. In der heiligen Taufe erhielt sie
den Namen Eudocia. Diese Frau nun ließ sich unglückseliger Weise durch einen
Schmeichler am Hofe gegen die sanfte und wohlmeinende Pulcheria aufreizen und
fasste den Plan, sie zu stürzen. Deshalb begünstigte sie auch die Ketzer,
welche damals zahlreich waren, sich aber vor Pulcheria fürchteten, die am
heiligen katholischen Glauben festhielt und ihn aus allen Kräften in Schutz
nahm. Ja sie ging endlich soweit, Pulcheria ganz aus der Gunst und Liebe ihres
Bruders des Kaisers Theodosius, zu verdrängen, und gab ihm deshalb den Rat,
seine Schwester zur Diakonissin einer Kirche zu machen, und dadurch von seinem
Hofe zu entfernen. Doch der heilige Bischof Flavian willigte in das Ansinnen
des Kaisers nicht ein, sondern entdeckte vielmehr den abscheulichen Plan der
heiligen Pulcheria, und diese, welche sich schon lange nach Ruhe und Einsamkeit
sehnte, und den Frieden über alles liebte, zog sich auf ein Landgut zurück, wo
sie fern von der Welt dem Gebete, der Lesung und Betrachtung der heiligen
Schrift oblag, und im innigster Vereinigung mit Gott lebte.
Mittlerweile
aber wich auch der Segen Gottes mit der Entfernung der heiligen Pulcheria von
der Regierung des Kaisers und vom Reiche. — Die Ketzer durften frei und
ungehindert ihre schändlichen Lehren verbreiten und die guten Katholiken
verfolgen. Überall entstand Verwirrung und Unordnung. Pulcheria schmerzte dies
wohl; allein sie hatte sich dem Willen Gottes vollkommen ergeben. Sie wollte
die Welt vergessen — und auch von der Welt vergessen sein. Daher hatte sie auch
keinen Groll gegen die Kaiserin und ihren Bruder Theodosius, den sie herzlich
bedauerte, weil er sich so betrügen ließ. Indessen wurde die Verwirrung im
ganzen Lande allgemein, Gewalttaten über Gewalttaten von Seiten der Ketzer
häuften sich, es schien um die Wahrheit geschehen zu sein. Da wandte sich der
heilige Papst Leo an die heilige Pulcheria, und forderte sie in mehreren
Briefen auf, die Sache Gottes und seiner heiligen Kirche zu verteidigen. Nun
durfte sie nicht länger mehr in der geliebten Einsamkeit weilen. Sie machte
sich auf, begab sich an den Hof des Kaisers und verlangte eine Unterredung mit
ihm. Ihr kaiserlicher Bruder ließ sie vor sich, und nun zeigte sie ihm so klar,
wie sehr er betrogen und in welchen Abgrund des Verderbens man ihn zu stürzen
versucht habe, dass er den Ratgeber der Kaiserin Eudocia, einem Kämmerling,
verbannen und dann hinrichten ließ. — Bald darauf starb der Kaiser; Eudocia,
seine Gemahlin, zog sich in das heilige Land zurück, wo sie bußfertig lebte und
starb, und die heilige Pulcheria wurde nun Alleinherrscherin des
morgenländischen Reiches. Da aber das Reich ringsum von Feinden bedrängt war,
und sie, als schwaches Weib, der Gefahr nicht gewachsen war, so drangen die
Großen des Reiches in sie, sich zu verheiraten. Das war eine neue Prüfung für
die edle Jungfrau, denn sie wollte ihrem Verlöbnis treu bleiben. Endlich sah
sie sich genötigt, dem Markian, einem erfahrenen, gottesfürchtigen und
glaubenseifrigen Kriegsmanne die Hand zu reichen. Er war Witwer und zeichnete
sich durch außerordentliche Liebe zu den Armen aus. Bevor sie aber mit ihm
getraut wurde, entdeckte sie ihm, dass sie dem Heilande versprochen habe, immer
Jungfrau zu bleiben, und dass sie also auch in der Ehe dieses Gelübde halten
wolle. Der fromme Markian willigte ein und verpflichtete sich, mit ihr wie
Joseph und Maria zu leben. Beide hatten kein anderes Ziel im Auge, als die
Untertanen glücklich zu machen, überall im Reiche Religion und Frömmigkeit zu
befördern, heilig zu leben und selig zu sterben.
Als sie sahen,
welch schreckliches Unheil die Ketzerei im Lande anrichtete und die ganze
Kirche verwirrte, gingen sie freudig auf den Vorschlag des Papstes ein, ein
allgemeines Konzil zu berufen. Dies versammelte sich auch in der Stadt
Chalcedon, im Jahre 451. Vier Gesandte des Papstes und 250 Bischöfe waren
zugegen, auch der Kaiser Markian wohnte mehreren Sitzungen bei, und die
Ketzerei, welche gegen die Gottheit Christi, seine heilige Menschwerdung,
gerichtet war, wurde einstimmig verdammt. Die heilige Pulcheria und ihr Gemahl
wurden als Verteidiger des heiligen Glaubens allgemein gelobt und gepriesen,
und diese bemühten sich auch, die Beschlüsse des Konzils überall geltend zu
machen.
So gelang es
endlich der heiligen Kaiserin, die Ruhe im Reiche wieder herzustellen und dem
Drange ihres Herzens, recht viel Gutes zu stiften, Genüge zu leisten. Sie
erbaute Kirchen, stiftete Spitäler und stattete sie reichlich aus. Die Armen
besuchte sie selbst und half ihren Nöten ab. Wenn ihr die Staatsgeschäfte Zeit
ließen, zog sie sich zurück, um beten, geistliche Bücher lesen, die Kirchen
besuchen zu können. Gott verlieh ihr auch reichliche Gnaden. In einer
Erscheinung, die sie im Gebete hatte, wurde ihr das Grab der vierzig Märtyrer
gezeigt. Sie erhob mit größter Feierlichkeit ihre Gebeine und ließ sie in einem
kostbaren Sarge beisetzen.
Endlich, 54
Jahre alt, rief sie Gott zu sich, um ihr zu lohnen, was sie für die Erhöhung
seiner heiligen Kirche getan. In ihrem Testament zeigte sie sich als wahrhafte
Mutter der Armen. All ihre Güter, über die sie frei verfügen konnte, vermachte
sie den Notleidenden und Kranken. — Ihr Gemahl, Markian, befolgte pünktlich
ihren letzten Willen und starb 2 Jahre danach, gesegnet von allen Untertanen
seines Reiches.“
Man könnte gerührt sein, wären
nicht die Berichte anderer Zeitzeugen vorhanden. Es sieht nicht gut aus, für
viele der althergebrachten Bilder. Auch das des Nestorius muss sicherlich
revidiert werden.
„An
der grundlegend rechtgläubigen Intention der (Christologie des Nestorius) wird
man aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr zweifeln können.
Seine Christologie ist gegen den Apollinarismus gerichtet. Mag sein
Einheitskonzept auch ontologisch nicht zufriedenstellend sein, die ihm
gemachten Vorwürfe stellen allemal eine stark vergröberte Position dar.“ (503)
In einer Konsultation des Pro Oriente-Dialogs sagte Prof. Elic Kahlife-Hachem
von der maronitischen Universität Kalik im Libanon: dass „Nestorius zu Ephesus ungerechtfertigt verurteilt wurde…“ er
bedauere dessen Rufschädigung innerhalb der römischen Oekumene … vieles was in
der Kontroverstheologie als nestorianische Lehre beurteilt wurde, wurde ihm von
seinen Gegnern zugeschrieben. Und was den Patriarchen von Alexandria betrifft,
das „Martyrologium Sancrucense“ gibt jedenfalls zu: „Cyrill, 412 Patriarch von Alexandria... ist in den Augen der Kirche
heilig, freilich weniger wegen seiner Taten.“ (504)
Gibt
es eine Heiligkeit die sich nicht in Taten und Gefühlen der Barmherzigkeit und der
ehrlichen Freundlichkeit ausdrückt?
Ausschreitungen, wie sie vielfach bezeugt wurden, den Gruppen der Bogumilen,
Paulikaner, (beide arianisch - freundlich,) dem Zeitgeist zuzuschreiben kann
nicht zur Ehrenrettung Cyrills beitragen. Es geht nicht um das imaginäre Etwas
einiger Nörgler, sondern um den Charakter des Patriarchen Cyrills und damit um
seine Glaubwürdigkeit. Die ihm nicht
genehmen Gemeinden konnte Cyrill erledigen, die Lehren der Kirche der
Novatianer und der Nestorianer nicht. Sie
finden sich noch
jahrhundertelang im Glaubensgut verschiedener Ostkirchen und in denen der
Vaudois und der Waldenser und Katharer. Es gab sie noch im 12.
________________
(503) Martin
Tamcke „Die Christologie des Nestorius“ Studien zur orientalischen
Kirchengeschichte 2003, S.
190 siehe auch Leonhard
Fendt
(504) Pater Karl
Wallner OCist „Martyrologium
Sancrucense“ Heiligenverzeichnis für
das Zisterzienser-Kloster Heiligenkreuz, 2. Auflage 2008, S.
230
Jahrhundert in Deutschland,
sowie auf dem Balkan u.a. Ländern und sie sind in einigen aber wichtigen
Passagen im Glaubensgut der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
(Mormonen) lebendig.
Papst’ Coelestin und Cyrill
mussten damals tatsächlich die Wucht der Argumente des geradlinigen Nestorius
fürchten, der gerade auf den Patriarchenstuhl zu Konstantinopel gelangt war.
Denn Coelstin hätte nie und nimmer zu den vielen anrüchigen Ereignissen in
Alexandria schweigen dürfen. Bereits Zosismus (bis 418 Roms führender Bischof)
oder Bonifatius I. hätten, wenn sie denn verantwortungsbewusste Päpste gewesen
wären umso mehr, Cyrill nach Rom zitieren müssen. Was da in Alexandria
geschehen war, das widersprach jeder Regel der frühen Kirche. Das waren, in den
Augen seiner Kritiker Schläge ins Angesicht Jesu Christi: Cyrill schielte mit
beiden Augen aufs Geld, denn die Macht nach der er trachtete, hatte einen hohen
Preis.
Roms ranghöchste Christen haben
kaum jemanden zur Rechenschaft gezogen der Unrecht tat, was päpstliche Pflicht
gewesen wäre. Doch solange solche Bosheit die Macht der römischen Kurie
sicherte und ihr diente, war sie läßlich. Der Vorsatz gewisser römischer
Bischöfe, das Evangelium der Freiheit, größerer Machtteilhabe willen preis zu
geben, wird von nun an unübersehbar.
Buchstäblich jedes Mittel war ihnen zu diesem Zweck heilig. Geld floss
und muss fließen. Wahrhaftigkeit verkam zum Fremdwort: „Die
historische Forschung hat... gezeigt, dass die Päpste gerade seit dem 5.
Jahrhundert mit ausgesprochenen Fälschungen ihre Macht entschieden erweitert
haben.“ (505)
Bis auf den Urgrund müssen sie
zurückgehen um offensichtliche Mängel zu kaschieren. „Eine Nachfolge Petri durch den Bischof von Rom sieht (Papst) Leo
begründet in einem Brief des Papstes Clemens an den Herrenbruder Jakobus in
Jerusalem: demzufolge habe Petrus in einer letzten Verfügung Clemens zu seinem
alleinigen legitimen Nachfolger gemacht. Doch der Brief ist eine Fälschung vom
Ende des 2. Jahrhunderts.“ (506) Falls sich bestätigen sollte, dass Cyrill
von Alexandria entscheidende Mitverantwortung für die ihm hier angelasteten
Verbrechen trägt, würde sein
Fall die römisch-katholische Kirche im Nachhinein wegen aktueller Begünstigung
von Kapitalverbrechen erschüttern, - nicht jedoch die Glaubwürdigkeit der
christlichen Botschaft. Im Gegenteil! Das intuitive Sträuben vieler Persönlichkeiten
der Heutzeit gegen die christliche Religion rührt ja von den ungesühnten,
unent-
__________________
(505) Hans Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, Berliner Taschenbuch
Verlag S. 88
(506) ebenda, S.
84
schuldigten und
unentschuldbaren Verstößen der Kirchen her. Nicht genug damit, nun rücken
andere Episoden ins Blickfeld, getrieben von Rangstreitigkeiten. Nachdem
einigermaßen der Vorrang Roms abgesteckt worden war, ging es um die Vormacht
zwischen Konstantinopel und Alexandria. Wenn die alexandrinischen Patriarchen
schon nicht mehr die Nummer eins in der Kirche werden konnten, dann wollten sie
wenigstens den zweiten Platz einnehmen: Cyrill ärgerte ein gewisser Kanon, den
er umschreiben will, der bereits drei Jahrzehnte vor dem Beginn seines Wirkens
auf dem Konzil zu Konstantinopel im Jahre 381 erlassen worden war: „Der Bischof von Konstantinopel soll nach
dem Bischof von Rom den Ehrenprimat besitzen, denn diese Stadt ist das neue
Rom... Dieser Kanon richtete sich noch nicht gegen Rom, sondern gegen die alten
Patriarchate in Alexandrien und Antiochien, die als apostolische Gründungen
Konstantinopel weit überlegen waren, nun aber zurückgestuft werden sollten“ (507) All
das verschärfte die Situation. Papst Cölestin wird mit Eingaben und Klagen
zugeschüttet. Nestorius, gerade Patriarch von Konstantinopel geworden verweist
auf Cyrills Vergehen und umgekehrt beschwert Cyrill sich über den von Nestorius
vertretenden Pelagianismus. Welch ein Gegenstand. Verrückt, wie die meisten
Streitpunkte in damaliger Zeit sind auch die meisten Argumente gegen den
britischen Mönch Pelagius. Um 410 erhoben sich innerkirchliche Stimmen die mit
der gerade aufkommenden Theologie des Bischofs von Hippo, Augustinus, nicht
anfreunden konnten. Pelagius damals 50jährig gehörte zu den führenden Köpfen
des Widerspruchs. Er verstand Christi Schlussworte der Bergpredigt als klaren
Auftrag an die Vernunft: „Der Mensch kann
sich bessern, wenn er will!“ Das war die Kernbotschaft Pelagius. Damit
vertrat „er eine andere Gnadenlehre als
der große Kirchenlehrer Augustinus. Pelagius lehrte die sittliche Freiheit
(liberum arbirtrium) zum Bösen wie zum Guten und hielt deshalb den Menschen für
frei und imstande, das Gute von sich aus zu tun... Da zum rechten Tun die
Kenntnis des Gesetzes gehört, rät Pelagius zur Schriftlektüre: ohne Gottes Wort
ist jede Gerechtigkeit unsicher...“. (508) Augustinus stellte sich gegen Origenes: er stritt auch ab, dass
ein Gottesgericht reinigenden Charakter habe... Die Theologische
Realenzyklopädie gibt weitere Auskunft über die Unterschiede augustinischer
und pelagianischer Lehren. Augustinus sagt:
Die Erkenntnis des Guten
bewirkt noch nicht von sich aus, dass das Gute ___________________
(507) P. Neuner,
„Kleines Handbuch der Ökumene“, St. Benno-Verlag Leipzig 1984 S.
32-33
(508) Die
evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Hohenstauffenstraße, Berlin
auch gewollt sei und dass der
Mensch zum Guten unfähig ist, wenn die Gnade Gottes ihm nicht hilft.
Andererseits wehrt Pelagius die
seiner Meinung nach augustinischmanichäische Auffassung ab, dass der Mensch
eine gute und eine schlechte Natur habe, verteilt auf Seele und Leib. In diesem
Punkt gibt das Buch Mormon jedoch Augustinus recht, wenn es sagt: der
naturhafte Mensch sei ein Feind Gottes, nur gegen Augustinus betonten seine
Schreiber, die Fähigkeit des Menschen, sich aus freier Entscheidung den
Eingebungen des Heiligen Geistes zu folgen. Dies ist die Trennlinie „Denn der natürliche Mensch ist ein Feind
Gottes und ist es seit dem Fall Adams gewesen und wird es für immer und immer
sein, wenn er nicht den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachgibt und den
natürlichen Menschen ablegt und durch das Sühnopfer Christi, des Herrn, ein
Heiliger wird und so wird wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig,
voll von Liebe und willig, sich allem zu fügen, was der Herr für richtig hält,
ihm aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt.“
(509)
Das der Mensch wegen der ihm innewohnenden
Intelligenz diese Macht hat, ist eine Schlüsseleinsicht, die ihm sowohl
Origenes wie das Buch Mormon und Pelagius bestätigen, dieser sagt: „der Geist, der nobilitas ingenita, stammt
aus einer höheren Welt...“ (510)
Pelagius und Augustinus sagen
aber gemeinsam: die Manichäer irren, wenn
sie... Gott, den Schöpfer aller Natur, (also auch als Schöpfer des
Bösen, letztlich für ) schuldig halten müssen.“ (511)
Schließlich erneuert Papst Gregor
VIII. 1567 „kraftvoll“ ...die augustinischen Feststellungen über die
Erbsünde, und die völlige Unfähigkeit des Menschen zum Guten (wenn es nicht) die vorauslaufende
Gnade.“
gäbe. (512)
In diesem Spannungsfeld wird
Augustinus sich als der Erfolgreiche erweisen. Nachdem die ursprüngliche
Voraussetzung: „das ewige vorweltliche Sein des Menschen“, durch den heute noch
von der katholischen Kirche vertretenen Kreatianismus (d.h. Gott schafft jede
Seele im Zeugungsakt neu) verdrängt wurde, mussten die augustinischen Theologen
zu solchen Fehlschlüssen gelangen, wie sie Papst Gregor VIII. autoritär
äußerte.
Wegen des uns innewohnenden Gotteserbes „sind
wir... nicht ganz unbeteiligt an unserer Erlösung... Augustinus (dagegen) fasst die _____________
(509) Buch
Mormon, Mosia 3: 19
(510) M. Landmann
„Philosophische Anthropologie“ de Gruyter, 1982, S. 106 u 78:
(511) Gerhard
Krause, Gerhard Müller „Theologische Realenzyklopädie“ 2003 (512) ebenda
Sündhaftigkeit
als eine Grundbeschaffenheit des Menschen die Gott über uns verhängt hat und an
der wir daher von uns aus nichts ändern können, sondern die wiederum durch
Gott, (nur) durch seine Gnade behoben
werden kann. Gute Taten mögen wir begehen oder nicht, zur Herbeiführung der
Gnade tragen sie nicht bei...“ (513) Und Martin Luther glaubte ihm. An dieser
Stelle schaltet sich das Gedächtnis erneut ein: Jesus hatte den Prüfstein
gesetzt: das Leben selbst wird bestätigen ob eine Lehre falsch oder richtig
ist: „An ihren Früchten werdet ihr sie
erkennen.“
Also auch aus realpolitischer
und pädagogischer Sicht gesehen, ist die augustinische Betrachtungsweise strikt
abzulehnen, sie führt wie wir aus
Erfahrung wissen zur
Einstellung: „liebe Gott und tue was du
willst.“ Es sind die rhetorischen Übertreibungen des
Augustinus, die Schaden anrichten, obwohl er es offenbar gut meint.
Pelagius Klarheit steht gegen
Augustinus Fatalismus von der Vorherbestimmung der menschlichen Seele.
Luther, der ehemalige
Augustinermönch konnte diese Schule nicht verleugnen oder überwinden – er
machte allenfalls kleine Zugeständnisse. In diesem Mangel liegt die Bitterkeit
der historischen Ereignisse, verursacht durch das Nichtstun, (der Kontemplation).
Glaube nur! Dein Handeln ist allemal vor Gott zwecklos, es trägt nicht zu
deiner Erlösung bei.
„ob
alles noch so reine menschliche Bemühen unzulänglich und eitel ist und wir nur
durch die irrationale Gnade (sola gratia) gerettet werden, oder ob wir uns der
Gnade wenigstens ein Stück weit entgegen bewegen können und den Boden für sie
vorbereiten können, das bildet den Streitpunkt zwischen Augustinus und
Pelagius...“ (514) Wie bei den
Novatianern und vielen anderen
ähnlichen Gruppen stand bei den Pelagianern die von Jesus geforderte sinnvolle
Vervollkommnung jedes Einzelnen obenan, während es bei Augustinus die
Ergebenheit in den Ratschluss Gottes war.
Unsinnige Vervollkommnung übten
die Styliten, Eremiten usw. manche stellten sich auf ein Bein und verharrten so
stundenlang in der Anbetung, indischen Fakiren vergleichbar, sie erreichten
geradezu artistische Perfektion, die sie für gottgefällig hielten, so, wie es
für den Bischof
Augustinus als gottgefällig
galt, seinen Sohn Adeodatus mit sich zu
________________
(513) M. Landmann „Philosophische Anthropologie“ de Gruyter,
1982, S. 106, 78 (514) ebenda
Der Tenor des Buches Mormon ist allemal pelagianisch: 2.
Nephi 1: 14 „Erwacht! und erhebt euch aus dem Staube.“
nehmen und dessen Mutter im
Stich zu lassen, damit er selbst frömmer werde. Grundsätzlich wurde Kirche, von
allen dem Urchristentum nahestehenden Gemeinschaften als die Gesellschaft der
Vollkommenen verstanden…
„Der
Streit um die Thesen des Pelagius begann, nachdem 410 n.Chr. die Goten unter
Alarich Rom nahten und Pelagius zusammen mit seinem Freund und
Gesinnungsgenossen Caelestius nach Nordafrika flüchtete. Caelestius, ein
ehemaliger Sachwalter, bestritt noch schärfer als Pelagius die Erbsünde und die
Notwendigkeit der Kindertaufe zur Vergebung der Sünden. Im Jahre 411 n. Chr.
bewarb sich Caelestius in Karthago um eine Stelle als Priester, wurde jedoch
wegen seiner pelagianischen Ansichten als Häretiker abgelehnt und
exkommuniziert, denn in Nordafrika bestimmte zu dieser Zeit Augustinus die
theologische Diskussion... Pelagius, der inzwischen in den Osten des römischen
Reiches weitergereist war, warb dort für seine Auffassungen und ließ sie sich
von zwei palästinischen Synoden (415 n.Chr.) als rechtgläubig bestätigen, wurde
dann jedoch zusammen mit Caelestius durch den römischen Bischof Innozenz I.
exkommuniziert. Dessen Nachfolger Zosimus von Rom hob die
Exkommunikation
allerdings wieder auf... Seit 420 n.Chr. war Julian von Eclanum der Führer der
Pelagianer. Er vertrat einen sehr weltlich moralistischen Rationalismus und
kämpfte noch folgerichtiger als der Mönch Pelagius gegen die mönchische
Erbsündenlehre und für das Recht der Ehe. Julian musste aus dem Abendland
weichen und fand mit seinen Genossen bei Theodor von Mopsuestia Aufnahme. In
Nestorius von Konstantinopel gewannen die Pelagianer einen weiteren Gönner. Das
dritte ökumenische Konzil von Ephesus (431 n.Chr.) kam schließlich Rom entgegen
und machte sich die Verurteilung des Pelagianismus zu eigen. Mit dieser
Entscheidung verlieh man der Verdammung des Pelagianismus allgemeine
Geltung...“ (515) Die Namen der pelagianischen Bischöfe die bei „Nestorius Schutz fanden“ sind bekannt. „Julianus, Florus, Orontius und Fabius.“
(516) Pelagius kämpfte zwar fair gegen
Ausgustinus Prädestinationslehre, doch das half ihm nicht, es führte zu seiner
Exkommunikation. Aus der Tatsache, dass sich die heutige katholische Kirche
immer mehr von dieser augustinischen Sicht entfernt, lässt sich vielleicht
ableiten, dass irgendwann eine Rehabilitation des Pelagius erfolgt.
Ein ungenannter Theologe
stellte bei Wikipedia diese zutreffende ________________
(515) Die
evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Hohenstauffenstraße, Berlin
(516) Chr.
Gotthold Neudecker, „Allgemeines Lexikon der Religions- und christlicher
Kirchengeschichte, 1834 Ilmenau Voigt, S. 698
Erklärung ins Internet: Von einer asketischen Lebensführung geprägt,
war
Pelagius
als Prediger in Rom empört über die moralische Lässigkeit in der Gesellschaft,
wie er sie dort erlebte. Des Weiteren widersprach er in seinen Predigten auch
den Aussagen zur Theologie der göttlichen Gnade, wie sie von Augustinus von
Hippo gepredigt wurden: Pelagius war der Auffassung, dass Augustinus’ Lehre
darauf hinauslief, den Manichäismus in das Christentum einzuführen. Er klagte
Augustinus an, dem Bösen den gleichen Rang wie Gott einzuräumen und heidnischen
Fatalismus zu lehren, als sei es eine christliche Doktrin. Obwohl er als
Urheber des Pelagianismus angesehen wird, kann auch dargelegt werden, dass der
Mönch niemals diese Doktrin vertreten habe und nur derjenige gewesen sei, an
dem die Gegner dieser Ansicht ihre Darlegungen festgemacht hätten. Pelagius hat
im Gegensatz zu Augustinus eine positive Anthropologie vertreten, durch Askese
und permanente Übung sei die menschliche Natur zu stärken, gemäß der Formel
"Du kannst, weil du willst".
„Nach
412 unterstützten der Bischof von Jerusalem, Johannes, der römische Bischof Zosimus sowie die Anhänger des Origenes den
Pelagianismus, während die Konzile von Karthago 418 und Ephesus 431 (!) diese
Lehre verurteilten.“ (517) Eine andere Quelle schreibt: „Pelagius geboren360 stirbt 420
Von Papst Zosimus wurde Pelagius zunächst rehabilitiert. Durch ein Edikt des
Kaisers Honorius (30.4. 418) erfolgte seine Verbannung aus Rom. Im selben Jahr
erneuerte eine Synode in Karthago die Verurteilungen gegen die Pelagianer und
verabschiedete acht antipelagianische Kanones (DH 222-230). In der »Epistula
tractoria«, 418, billigte Papst Zosimus die Beschlüsse dieser Synode und
exkommunizierte Pelagius, der danach auch aus Palästina vertrieben wurde.“ (518) Augustinus der ebenfalls die Lehre vom
Vorherdasein des Menschen verworfen hatte fand in Cyrill von Alexandria einen
ausdrücklichen Verteidiger, dessen Zorn auf Nestorius auch durch den Umstand
wuchs, dass Nestorius den Pelegianismus ehrte.
„Papst
Coelestin empörte sich, dass Nestorius in Konstantinopel „einige von Rom verurteilte
pelagianische Ketzer aufnahm. Cyrills
Bevollmächtigter in Rom stellte Nestorius
eifrig als einen Rationalisten dar, der die Gottheit Christi und die
Notwendigkeit der Gnade für den Menschen leugne.“ (519) ‚Papst’ „Coelestin von Rom bestätigte 431 die
Beschlüsse
und ermahnte den Patriarchen von Jerusalem Maximianus _____________
(517) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(518) Biographisch-
Bibliographische Kirchenlexikon Verlag Bautz (519) Henry
Chadwik „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter 1967 S. 230
dafür
zu sorgen, dass alle welche dem Pelagius folgen aus der menschlichen
Gesellschaft vertrieben würden.“ (520) Pelagius
Lehre befand sich indessen in voller Harmonie mit Jesu Forderungen: Tu es! Du
kannst! Allerdings leugnete er nie, dass: „Der
freie Wille ein Geschenk der Gnade
Gottes ist... Pelagius setzt (auch gegen die Mutmaßungen und
Unterstellungen seiner Widersacher) die
‚versöhnende Wirkung des Todes
Jesu
voraus’.“ (521)
Wegen seiner pelagianischen
Ansichten und weil er sich sehr bald, nach seiner Ankunft in Konstantinopel mit
der amtierenden Kaiserin Pulcheria anlegte, musste Patriarch Nestorius, der
rothaarige Feuerkopf im Kampf gegen Cyrill unterliegen.
Aber, die nicht nur von Rom
attackierten Lehren des britischen Theologen Pelagius lauteten ganz anders, als
sie von seinen katholischen Feinden dargestellt wurden: Ebenso erging es
Nestorius. Seine Theologie „wurde völlig
entstellt wiedergegeben, wenn man ihm vorwarf er lehre Christus sei nur ein inspirierter Mensch gewesen.“ (522)
Ähnlich erging es Paulus von
Samosata: Über ihn „weiß man so gut wie
nichts... überhaupt scheint man in der alten Kirche Paulus besonders was seine
häretishen Lehren anging, nicht allzu genau Bescheid gewusst zu haben. Das hat
es wahrscheinlich erleichtert, ihn zum Erzvater faktisch aller seit dem 4.
Jahrhundert auftretenden Ketzereien zu machen... “ (523)
Das Grundproblem bestand in der
Urkirche darin, dass die Kommunikationswege zu lang waren. Zudem mangelte es
nach dem Tod der ersten Apostel an allgemein anerkannten Autoritäten. Zwischen
Johannes der auf Patmos um 100 sein Wirken einstellt und Origenes klaffen etwa
120 Jahre anscheinender Führungslosigkeit. Danach ist es noch schlimmer.
Blanker Zufall, statt redlich erworbene Einsicht entschied oft genug.
Der römische Anspruch auf
Berechtigung in Lehrfragen für die ganze Kirche zu sprechen, wurde erst weit
nach Origenes aufgebaut. Er wurde, bis heute, nur durch Legendengut gestützt...
Die ‚richtige’ Schule zu sein
behaupteten im vierten und fünften Jahrhundert zeitgleich Alexandria, Rom,
Konstantinopel und Antiochia.
„451
erleidet (Papst Leo) auf dem ökumenischen Konzil zu Chalkedon eine bittere
Niederlage, seinen 3 Legaten wird der beanspruchte Vorsitz (vom _________________
(520) Chr.
Gotthold Neudecker, „Allgemeines Lexikon der Religions- und christlicher
Kirchengeschichte, 1834 Ilmenau Voigt, S. 698
(521) ebenda S.
699, 701
(522) ebenda S.
230
(523) H. Chr.
Brennecke „Ecclesia in republica“ Theologiegeschichte, de Gruyter S. 6
Ehemann der Pulcheria, Markian,
G.Sk,) glatt verweigert“ Neu-Rom (Konstantinopel) wird „derselbe Primat zuerkannt wie der
alten Reichshauptstadt.“ (524)
Von daher rührten weitere
Vormachtstreitigkeiten die allesamt durch die nicht enden wollende theologische
Streitigkeiten noch geschürt wurden.
Pulcheria und Markian saßen in Konstantinopel, deshalb sollte von diesem
Ort aus die Welt und die Kirche regiert werden. Das konnte den gewieften Söhnen
der alten Senatoren nicht gefallen. Nur Bischofsrang einzunehmen war ihnen
nicht genug. Für sie galt allemal: der Thron der Wahrheit stand in Rom. Kaiser „Markian
verbietet im Anschluss an das Konzil von Chalkedon... das er einberufen
hatte öffentliche Diskussionen über theologische Fragen. Denn die Beschlüsse
von Chalkedon stünden im Einklang mit dem Konzil von Nicäa... solche
Diskussionen verstoßen demnach nicht nur gegen den Glauben an sich, sondern
diskreditieren die christliche Religion in den Augen der Juden und Heiden. Das
Verbot gilt gleichermaßen für Kleriker, Staatsbedienstete, Freie und Sklaven,
die bei Verstoß entsprechend differenziert betraft werden.“ (525)
Es blieb dabei, die Kaiser
entschieden die fundamentalen Fragen, wie es 325 in Nicäa geschah und das
Fußvolk parierte.
Brennecke bestätigt eine wohl
bekannte Tatsache noch einmal nachdrücklich: „Noch mehr als dreißig Jahre später lehnen die Homöusianer das
nicänische homousious unter anderem deswegen ab, weil Konstantin in Nicäa der
Unterschriften der Bischöfe mit Gewalt erzwungen hatte... seitdem die Kaiser
anfingen Christen zu sein, hingen von ihnen die Angelegenheiten der Kirche
ab...“ (526) Man kann davon ausgehen, dass um 360 die ganze Kirche
(abgesehen von einer handvoll verbissen kämpfender Kleriker) das Athanasium (den
Begriff ‚homousios’) ablehnten. Und wenn sie schon in geringem Umfang
mitbestimmten, dann war es allemal noch so, dass die „theologischen Debatten zwischen verschiedenen theologischen Schulen
auf Synoden ... über kurz oder lang
zur Verurteilung der oft nur zufälligen Minderheit... durch eine ebenso
zufällige Mehrheit der Vertreter einer anderen theologischen Schule auf Synoden
führen.“ (527)
________________
(524) H. Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, S 84
(525) Karl Leo
Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum“
Studienbücher, Akademie Verlag 2001 S. 44
(526) H. Chr.
Brennecke „Ecclesia in republica“ Theologiegeschichte, de Gruyter S. 47, 48, 30
Homöusianer
halten Vater und Sohn für wesensähnlich, aber als Personen unterschiedlich...
sie lehnten das konstantinische ‚homousios’ als gottlos ab.
(527) ebenda
Es ist nicht zu leugnen, dass
Zufälle und Unfälle, aber auch Bosheiten größten Ausmaßes, die Kirche des
Mittelalters hervorbrachten. Wären wir Kinder dieser Zeit gewesen, wir hätten
sehr wahrscheinlich ebenso wie unsere Vorväter an geistiger Blindheit gelitten.
Erstaunlich ist nur, bei
gegenwärtigem Wissensstand, dass die großen Kirchen, Europas Männer der
Zerstörung, mit Gedenktagen ehren. Athanasius (295-373) am 2. Mai, seinem
Todestag (katholisch, anglikanisch, evangelisch), Damasus (305-384) am 11.
Dezember, und zwar die Katholiken. (528)
Viele andere Persönlichkeiten
mit fragwürdiger Vergangenheit zählen zu den Geehrten, darunter Cyrill von
Alexandria (380-444) dessen Gedenktag auf den 27. Juni, seinen Todestag gelegt
wurde, (katholisch, anglikanisch und orthodox)
(529)
Andererseits stehen dieselben
Großkirchen ihrer eigenen Geschichte gegenüber wesentlich kritischer gegenüber
als das noch vor wenigen Jahren der Fall war:
Der liebenswürdige Papst Johannes
XXIII. dem das Volk wegen seiner Herzensgüte den Titel ‚il papa buono’ - der
gute Papst - verlieh, gab allen ein großartiges Beispiel als er kurz vor seinem
Tod im Juni 1963 öffentlich um Vergebung für das kirchliche Vergehen an den
Juden betete: „Wir erkennen heute, dass
viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so dass wir die
Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht
nicht mehr die Züge unseres erstgeborenen Bruders wiedererkennen. Wir erkennen,
daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser
Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint,
die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch,
den wir zu unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, daß wir Dich in
ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wußten nicht, was
wir taten.“
Gewiss wird der Tag kommen, an
dem wir alle um Vergebung bitten werden.
Das jedoch ist kein Grund die
Augen zu verschließen. Wir haben genau hinzuschauen. Zu den wichtigsten Fragen
aller Zeiten gehört auch diese:
________________
(528) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(529) ebenda
Apostolische Sukzession ?
Mormonen glauben, Joseph Smith
(1805-1839) habe, geführt von Gott, lediglich wiederhergestellt was verloren
ging und damit gründete er keine ‚neue’ Kirche sondern restaurierte die alte,
die Urkirche.
Niemand muss uns darin folgen,
dass wir überzeugt sind, Gott habe durch ihn, eben jene durch priesterlichen
Missbrauch abhanden gekommenen Schlüsselvollmachten wiederhergestellt, - doch
zumindest der Gedanke daran ist interessant. Er erinnert an Lessings
Ringparabel. „der echte Ring vermutlich
ging verloren. Befürworter der römischen Machtentwicklung mögen bedenken,
dass bereits der Anfangsanspruch sehr fragwürdig ist. Wegen der Möglichkeit,
dass Petrus Bischof in Rom war – oder, was eher wahrscheinlich ist, dass Petrus
als Repräsentant der Kirche in Rom geweilt haben könnte, - abzuleiten, dass
fortan in Rom immer die richtigen Männer der Kirche saßen, ist unglaubwürdig.
Vor dem Hintergrund der bekannten Tatsachen ist es eine durch nichts begründete
Behauptung. Es gab also die Notwendigkeit etwas vorzutäuschen, was den
offensichtlichen Widerspruch zwischen Wunschdenken und Realität überdeckte.
Die von Jesus gesetzten
Kriterien für Führerschaft (530) erfüllte wohl nicht viele der oft in
Raufhändel verwickelten römischen Bischöfe. Sie liebten sich selbst und die
Macht. Das belegen die Daten und die Lebensläufe, ebenso ihre Briefe, ihre
Entscheidungen, Fehden und Kriege. Nur ein Beispiel aus der Fülle selbstzerstörerischer
Aktionen soll andeuten, dass die bittere Wahrheit anders aussieht als
gutmeinende katholische Christen sich das vorstellen: (531) Wie wenig der
römischen Kurie die ‚Schafe’ bedeuteten, zeigen die Schwerpunkte die sie im
Kampf um Rang eins setzen. „Gewiss, “ schreibt
Hans Küng „das päpstliche Rom ist nicht
an einem Tag erbaut worden. Aber zielstrebig und machtbewusst weiten die
römischen Bischöfe des 4. und 5. Jahrhunderts ihre Amtsbefugnisse in Richtung
Universalprimat aus. Die von ihnen erhobenen Ansprüche sind zwar ...ohne
biblisches und theologisches Fundament, gingen aber dennoch im Lauf der
Jahrhunderte per viam facti in das Kirchenrecht ein...
Noch für Augustinus „sind alle Bischöfe grundsätzlich gleich,
dem
Papalismus
leistet er keinen Vorschub.“ (532)
________________
(530) Johannes
21: 15-17 „Liebst du mich? und
Johannes 14: 21: Wer meine Gebote hat und
hält sie, der ist es der mich liebt.“
(531) Ludwig
Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 189: „Während des Pontifikates Innozenz III.
führte die Stadt Rom Krieg mit der gleichfalls päpstlichen Stadt Viterbo.“
(532) Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ 2002 Berliner Taschenbuch Verlag S
S81
Zudem weiß man über die
wichtigsten Persönlichkeiten der Kirche die in Rom in den ersten 220 Jahren
amtiert haben sollen, so gut wie nichts.
Gemäß einem im Mittelalter
vielverwendeten Bildes, erhebt sich die Frage: Wenn die Kirche das rettende
Schiff ist, dann bildet die Ankerkette die
Verbindung vom Boot zum Anker,
der Jesus Christus versinnbildlicht. Die Kette wird als apostolische Sukzession
verstanden, es ist die Legitimationskette. Was jedoch, wenn sich herausstellt,
dass ein einziges Kettenglied fehlt? Der Effekt ist nicht größer, als wenn zehn
Verbindungsglieder fehlen. Tatsächlich sind einige nicht vorhanden.
Bereits beim ersten Glied erheben sich Zweifel. Petrus
angebliches
Pontifikat soll bis 64 n. Chr.
gedauert haben. Nach Hans Küng bezeugen „der
Clemensbrief um 90 sowie Bischof Ignatius von Antiochien um 119, dass Petrus am
Ende seines Lebens in Rom war, und dort den Martertod erlitt. (Doch) Sein Grab
unter der vatikanischen Basilika ließ sich ... nicht identifizieren... es gibt
kein zuverlässiges Zeugnis dafür, dass Petrus in
Rom“ je als ... Bischof diente. (533)
Der erste Petrusnachfolger soll Linus
gewesen sein. Seine Amtszeit hätte zehn
Jahre gedauert, nämlich von 64 - 74.
Doch allem Anschein nach gab es keinen Papst oder Bischof dieses Namens
und zu dieser Zeit in Rom: denn „alle
Linus zugeschriebenen Aufzeichnungen wurden als Fälschungen und Irrtümer
entlarvt.“ (534) Die meisten Quellen - insbesondere das "Liber Pontificalis" - sprechen zwar von
einem Märtyrertod. Doch da zu der Zeit seines Todes keine Christenverfolgung in
Rom erwähnt wird, halten das die meisten Historiker für eher unwahrscheinlich.
(535)
Und das dritte Glied der Kette? - „Man
weiß so gut wie nichts über Anaklet“ der angeblich von 79 bis 90 oder 92
regiert haben soll. (536)
_______________
(533) Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ 2002 Berliner TBV S. 33
(534) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(535)
Catholic
enzyclopedia: “The explanation given by Severano of this discovery
"Memorie delle sette chiese di Roma", Rome, 1630, 120, is that
probably these sarcophagi contained the remains of the first Roman bishops, and
that the one bearing that inscription was Linus's burial place…But from a manuscript of Torrigio's we
see that on the sarcophagus in question there were other letters beside the
word Linus, so that they rather belonged to some other name (such as Aquilinus,
Anullinus). The place of the discovery of the tomb is a proof that it could not be the tomb of Linus (De Rossi,
"Inscriptiones christianae urbis Romae", II, 23-7)
Auch Hermann Griesar „Geschichte
Roms und der Päpste im Mittelalter“ „die
Legende schlingt ...dichte Ranken um einen wenig kenntlichen Stamm.“
(536) Catholic enzyclopedia:
Pope St. Anacletus is the second successor of St. Peter… Tertullian
omits him altogether. …That he ordained a certain number of priests is nearly
all we have of positive record about him, but we know he died a martyr, perhaps
about 91.
‘Papst’ Clemens angebliches
Pontifikat von 90/92-101 ist (ebenfalls) reine
Erfindung (537)
Selbst „über
‚Papst’ Evaristus Amtsführung (99/100- 107) ist nichts Sicheres auf uns
gekommen....“ (538) Die Quellen sagen, ungesichert ist ob ‚Papst’ Alexander, (107-116) als Märtyrer
starb und tatsächlich unter Kaiser Trajan enthauptet wurde. Die Identität
Alexanders I. mit einem gleichnamigen römischen Märtyrer wird wohl mit Recht
bestritten. Telosphorus soll von 125-138 als ‚Papst’ regiert haben. Doch auch die
Telephorusakten sind nicht echt. (539)
Sein möglicher Vorgänger im
Bischofsamt Hyginus war vielleicht einer der Gemeindevorsteher Roms von 138 –
142: „Sein geschichtliches Wirken ist
(aber desgleichen) nicht fassbar...
Obwohl Hyginus als Märtyrer gilt, bestätigt dies keine Quelle.“ (540) Von einer Kette gibt es keine Spur.
Unbenommen jedoch ist, dass es in Rom seit den Tagen des Paulusbesuches
führende Mitglieder der Kirche in der Reichshauptstadt gab. Von diesem Fakt
ausgehend könnte jede andere Gemeinde reichsweit und darüber hinaus gleich lautende
Vormachtansprüche erheben. „Die wenigen Briefe, die unter ‚Papst’ Pius'
(142-155) Namen existieren, sind
Fälschungen... er war wohl der erste eigentliche Bischof von Rom. Zuvor waren
die Bischöfe einfach die Vorsteher im Kreis der Ältesten und hatten keine
besonderen Rechte… (541) So unsicher und unwahrscheinlich wie der
Start ist die Fortsetzung: „Aniketus angebliches Pontifikat soll von
154/155-166 gedauert haben:
„Er wird als Märtyrer bezeichnet, obwohl keine Legende dies
ausführt...“ Mehr ist nicht bekannt. (542)
Falsch
ist auch, dass ‚Papst’ Soter (166-174) den 2. Clemensbrief verfasste. Für sein
Martyrium unter Kaiser Marc Aurel entsprechend der späteren Verehrung gibt es
keinen Anhaltspunkt.“
(543) „Das „Liber Pontificalis”, das „Papstbuch” aus dem 6. Jahrhundert
_____________
(537) Catholic enzyclopedia: “Of the life and death of St,
Clement nothing is known.” In
Wikipedia schreibt ein ungenannter Fachmann: “Sein Pontifikat wird auf 88 bis 97 datiert, ist jedoch, wie viele
Daten der ersten Jahrhunderte, reichlich unsicher. Da die Annahme eines
monarchischen Bischofsamtes bereits im 1. Jahrhundert den Quellen widerspricht
– auch im Brief des Clemens an die Korinther finden sich nur Hinweise auf
Älteste, aber kein Hinweis auf einen monarchischen Bischof – ist die Frage nach
der Datierung des Pontifikats ohnehin irrelevant.“
(538) Stadlers
vollständiges Heiligen-Lexikon
(539)
Catholic
enzyclopedia: “None of the statements in the "Liber pontificalis" and
other authorities of a later date as to liturgical and other decisions of this
pope are genuine.
(540) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(541) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(542) ebenda
(543) ebenda
berichtet
sodann vom angeblich nächsten Sukzessor von
Eleutherius' (174189) und seinen
vorgeblichen Beziehungen zum britischen
König Lucius, der den Wunsch hegte, sich taufen zu lassen. Diese Legende hat
offenbar keine historische Basis.” (544)
Victor I. soll der 14. in der
Reihenfolge der römischen Päpste gewesen sein (angebliches Pontifikat) 189-199.
Doch es heißt auch von ihm nur: „Er war
römischer Bischof von 189 bis 199.“ (545)
Selbst Zephyrinus (angebliches
Pontifikat) 199-217 ist weithin unbekannt. „Zephyrinus
... war offenbar kein gebildeter und wohl auch kein charakterfester Mann” (546) Das
ist zu mager, um als ‚Papstbiographie zu dienen. Joseph Langen schreibt: „Wir
dürfen die Zeit Zephyrins nicht verlassen, ohne noch einen Blick auf die
Persönlichkeit dieses Mannes geworfen zu haben. Er ist der Erste unter den
römischen Bischöfen, von dem wir eine Charackterschilderung durch einen
Zeitgenossen (allerdings seines Kontrahenten) besitzen. Nach einer Schilderung Hippolyts (Phil. IX, 11) war Zephyrin
ein unwissender und ungebildeter Mann, der die kirchlichen Bestimmungen nicht
kannte und sich ganz in den Händen des schlauen und boshaften Callistus befand.
Dieser vermochte ihn zu allem, (zu bewegen G. Sk.) besonders durch Geschenke, da Zephyrin bestechlich und geldgierig war.
(547) Sonderbar verwirrend
muss es um die ganze Kirche Roms bestellt gewesen sein. Zephyrinus soll bereits
für 200
Geistliche und Kirchendiener
(Priestertumsträger) und für 1500 Arme Sorge getragen haben. (548) Im Kontext bedeutet
das, Zephyrinus sei trotz seiner Beschränkungen, in etwa der Erzbischof Roms
gewesen (– in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
entspräche das dem Pfahlpräsidenten der die Aufsicht über mindesten fünf Gemeinden
leistet.) Denn „wir wissen aus Optatus,
dass um das Jahr 311 einige 40 Basiliken (Gemeinderäume G.Sk.) in Rom waren“ (549)
Da es jedoch keine Hinweise für eine einzige Basilika vor der Konstantin-aera
in Rom gibt, könnte es in Rom durchaus 40 Gemeinden gegeben haben, die sich
wahrscheinlich in gemieteten Räumen versammelten. Dass diese Zahl der
Wahrheit nahe kommt geht auch
aus dieser Information hervor: „Für
___________________
(544) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(545) ebenda
(546) ebenda
(547) Joseph
Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881
(548) Johann J.
Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853 (549) ebenda
das Jahr 250 wird die Anzahl 100 italienischen Bischöfe angegeben.“
(550) Dann
hätten in jeder Gemeinde 5 Prebyter, (Älteste, Priester und Diakone) sich um
jeweils etwa 40 Bedürftige kümmern müssen. Eine beachtliche Leistung.
Nach etwa siebenjähriger
Amtszeit gibt Zephyrinus auf oder er stirbt. Ziemlich sicher ist, dass er keine
Aufwandsentschädigung für seine Leistung erhielt, - obwohl ihm über 200
„Geistliche“ unterstanden, - denn um 220 beklagte Hippolyt, dass die „schismatische“
Gemeinde der Theodotianer in Rom, ihrem
Bischof ein monatliches Gehalt zahlte. (551) Hippolyt würde sonst, drei Jahre nach
Zephyrinus Abschied, nicht gesagt haben: dies sei „eine gräuliche Neuerung“ (552)
Es sollte grundsätzlich
unterschieden werden zwischen Trägern des Priestertums und Klerikern. Kleriker
treten erst im nächsten Jahrhundert auf, von da an sind sie hauptamtliche
Kirchenführer. Priestertumsträger dagegen
wirkten ehrenamtlich.
Nun kommt erneut Callixt I. ins
Gespräch, ein Mann von dem man mehr weiß, als Fabeln: Callistus oder Calixtus
I. war Zephyrinus Nachfolger, der 16. in der Reihe der angeblichen Päpste. Sein
bischöfliches Pontifikat dauerte von 217-222. Diese Angabe soll laut L.
Hertling sicher sein. Aber wodurch wurde Callistus bekannt?
„Callistus
war der Überlieferung zufolge ein von Juden verbannter Sklave, der zunächst mit
betrügerischen Bankgeschäften von sich reden machte. Der erste Gegenpapst der
Kirchengeschichte, Hippolyt, erhob sich gegen ihn und beschuldigte ihn... eines
unlauteren Vorlebens und der Unzucht. ... „Callistus versuchte nachdrücklich,
den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren“ (553)
Zur selben Zeit wird Hippolyt
Bischof der Leiter einer anderen (Zentral-) ? Gemeinde in Rom, vielleicht war
er ein Anwärter auf den Rang eines ‚Erz- oder Oberbischofes’.
Hippolyt sollte Calixtus auf
die eine oder die andere Weise überleben, der um 222 stirbt oder seinen Platz
räumen muss. Hippolyt überlebte auch Urban I. . Es war ein echter
Überlebenskampf gewesen.
Hippolyt war wahrscheinlich der
erste Bischof dem seine Gemeinde ein
______________
(550) Henry
Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter, S. 67 siehe auch
Fußnote 172
(551) Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner
Kirchenordnung“
(552) ebenda
(553) Ökumenisches
Heiligenlexikon
Denkmal setzte, und das die
Jahrhundert überdauerte. (554) Welche eine Persönlichkeit er doch gewesen sein
muss.
Hippolyt lehrte, soweit wie zu sehen ist, schriftgemäß. Daran kam die
katholische Kirche nie vorbei. Deshalb zählt sie diesen ‚Gegenpapst’ zu den
Heiligen. Er wurde etwa 170 in Kleinasien oder Alexandria geboren und
starb, 66jährig in der Verbannung auf
Sardinien. Schon unter ‚Papst’ Victor I. (189-199) unterstützte er als
Presbyter (Ältester) die Gemeindearbeit offensichtlich vorbildlich, immer
wieder wusste er zu überzeugen, dass Dienst in der Kirche ehrenamtlich zu
leisten ist. Damit bewies er moralische Stärke.
Er war im Verlaufe der Zeit als „ein
Schüler des Irenäus”, (555) zur führenden Persönlichkeit in der Christenheit Roms aufgestiegen. Das wird ihm
heute noch bestätigt: „Hippolyt hatte
unter Bischof Victor I. ... großen Einfluss im Klerus von Rom.“ (556)
Origenes der 212 nach Rom
reiste, hörte Predigten Hippolyts, der ihn eingeladen hatte, weil er den Rat
des zwar 15 Jahre jüngeren aber kirchenweit anerkannten Gelehrten suchte. Die
Streitigkeiten zwischen ihm und Callixt I. waren bereits im Gange. Hippolyts Standpunkt stimmte im wesentlichen
mit den Schriften und der Tradition überein, andere sagen direkt und indirekt
dasselbe: das Chaos entstand nicht durch ihn, „die Verwirrung, welche ... in der römischen Kirche entstand, (wurde)
von
Kallistus
verschuldet... (557)
Hippolyts Urteil über (Callixt I.)
Callist lautet zunächst nicht ungünstig: Er sei „ ein bedeutender, mit Talent, Energie und Unternehmungsgeist
ausgerüsteter Mann, der, ein Sklave von Geburt, durch schwere Schicksalsschläge
gestählt und gewitzigt, unter den ungünstigsten Umständen sich bis auf den
römischen Bischofsstuhl emporgearbeitet hatte. (558)
Andererseits erhob Hippolyt, wenig
später schwere Beschuldigungen gegen ihn, weil Callixt in die
‚Kirchendisziplin’ Änderungen einführte.
„Vor allem die, dass er, den Lüsten der Menschen entgegenkommend, allen ihre
Sünden nachlasse. Wenn Jemand, der bis dahin einer andern Kirchengemeinschaft
angehört, gesündigt habe, werde ihm die Sünde nicht angerechnet, wofern er nur
zu des Kallistus „Schule'', d. i. zu seiner Kirchengemeinschaft sich bekannte.
Viele mit beflecktem Gewissen und _______________
(554) Johann J.
Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853
(555) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(556) ebenda
(557) Joseph
Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245:
(558) ebenda
von
vielen Sekten ausgestoßen sowie einige auch von ihm, Hippolyt, aus der Kirche
verwiesen, füllten seine „Schule". (559)
Hippolyt lehnte vor allem Callixt Auffassung ab, dass
ein Bischof selbst wenn er „bis
zum Tode' sündige“, doch nicht abgesetzt werden soll. (560) Das konnte kein von der Sache Christi überzeugter Christ
hinnehmen. Je höher jemand stand, desto dramatischer war sein Fall.
Zu den Todsünden gehörten
Ehebruch und Verrat. Hippolyt weist durch sein Gesamtverhalten darauf hin, dass
die Ehe, von Jesus unter besonderen Schutz gestellt, den Menschen ein sicheres
Zuhause bieten soll. Ehebruch zerstört mehr als nur das Vertrauen. Ehebruch ist
ein wissentlicher Verstoß gegen Gottes Gebot, auch wenn die Tat im Taumel der
Erregung geschieht. Manchmal zerbricht sie das Glück harmonischer Gemeinsamkeit
auf das jeder Mensch nach Jesus (Jehova) einen immerwährenden Anspruch hat,
irreparabel. (561)
Diese Welt ist nur ein
Jammertal weil die Übertretungen und der Unglaube sie dazu machen.
Das Verständnis der Alten lautete
deshalb schriftgemäß, man kann nicht Mitglied der Kirche Jesu Christi bleiben,
nachdem man seine Bündnisse brach. Die meisten Christen der Frühzeit verstanden
sich selbst wie die alten Israeliten, als Kinder des Bundes, (562) es
sind mindesten zwei gebrochene Bündnisse wenn jemand eine Seele zerstört.
Weiter heißt es von Hippolyt: „Als Schüler des Irenäus von Lyon widmete
sich Hippolyt. dem Abwehrkampf gegen häretische Strömungen wie der Gnosis, dem
Chiliasmus, dem Adoptianismus und dem Modalismus. Vor allem die trinitarischen
Modalisten Noetus und dann Sabellius waren seine Hauptgegner. Mit Bischof
Zephyrinus (199-217) entfremdete er sich vor allem wegen dessen Ernennung des
Callixtus zum Diakon. Für Hippolyt war Zephyrinus fortan ein Sprachrohr des
Häretikers Callixtus... (gegen den er den) Vorwurf der Laxheit erhob ...Jedoch fiel u. a. wegen der Strenge seiner
Kirchenzucht nach kurzer Zeit ein großer Teil der Anhänger
Hippolyts
(von ihm) ab...“ (563)
Callixt wollte die Übertreter
natürlich ermahnen und wohl nur die ________________
(559) Joseph
Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881
(560) ebenda
(561) Deuteronomium
28: 1-14 „Wenn du auf die Stimme deines Gottes hörst, indem du alle meine
Gebote, auf die ich dich heute verpflichte achtest und sie hältst, wird dich
der Herr dein Gott über alle Völker der Welt erheben...“
(562) 1. Petrus
2: 9 „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft...
ein Volk das sein besonderes Eigentum wurde... einst wart ihr nicht sein Volk,
jetzt aber seid ihr Gottes Volk...“
(563) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
ständigen Wiederholungstäter
exkommunizieren, Hippolyt bestand eher auf Kirchenausschluß, vor allem wenn der
Schuldige ein Bischof war, denn er hatte das Vorbild zu sein. Sie unterschieden
sich in Fragen der derv Kirchendisziplin und der Lehre. Natürlich muss durch
den Bischof alles getan werden um die gebrochenen Ehen und Herzen zu heilen.
Daran bestand auf beiden Seiten kein Zweifel.
Es ist nicht zutreffend, dass Hippolyt weniger mitfühlend als Callixt
war. Gerade er und Origenes glaubten, entschieden mehr als ihre Gegenspieler an
die Allversöhnung... dass nach einer angemessenen Zeit der Gewissensqual
(Hölle) alles ! durch Gott vergeben wird. Nur Gott könne vergeben, wann und wie
er will, nicht der Bischof, auch Bischöfen ist unmöglich ins Herz zu schauen.
(Die Auseinan-dersetzung geht knapp 25 Jahre später im Kampf zwischen Novatian,
- der Hippolyts Linie
vertritt - und ‚Papst Cornelius sowie seinesgleichen um 250 weiter...)
Hippolyt beteuerte nur: Kein
Bischof habe das Recht die von Jesus bestimmten Grenzen auszuweiten.
Darüber ereiferten sie sich. „Über die Anmaßung einiger Hierarchen,
selbst die schwersten Verbrechen, wie Götzendienst, Ehebruch, Unzucht zu
vergeben, ergeht sich... Origenes in ... Klagen, dass man sich sofort der bald
zu besprechenden Beschuldigungen erinnert, welche in dieser Hinsicht Hippolytus
gegen Kallistus erhebt. An Origenes fand also
Hippolytus
einen willkommenen Bundesgenossen, der ihm auch in der
Ferne
treu blieb, sein römisches Schisma begünstigte und endlich das
Schicksal der Ausschließung durch die römische Kirche mit ihm teilte.“ (564) Mit Origenes teilte Hippolyt auch die
wesentlichen Eckpunkte der christologischen Lehre. Dem Anschein nach wird
bereits vier Generationen vor dem 1. ökumenischen Konzil zu Nicäa dessen
Kernthema diskutiert.
Noch glaubten die meisten Bischöfe wie
Origenes, aber die neue Christologie, die den Menschen von Gott entfernt, weil
entfremdet, ist bereits auf dem Weg. Noch war es klar und ließ sich schlicht
formulieren: Es sind vier Eckpunkte deren Positionen, nach Hippolyt und
Origenes nie verlassen werden dürfen.
1. Gott
der ewige Vater formte alle Intelligenzen, - er gab ihnen eine
Gestalt - deren erster Jesus
oder Jehova ist. Wir Kinder aus der Familie
Adams hatten ein intelligentes,
vorirdisches Dasein, durch den Fall ins
Fleisch haben wir alles
vergessen. (565)
2. Jesus
ist dem Vater nachgeordnet
_______________
(564) Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni
Bonn, 1881,S. 245: (565)
Seinsvergessenheit...
Hippolyt lehrte: „Durch das Sichtbarwerden in der Welt wurde er ein …Anderer, als der
Vater; ... Der Logos trug die Ideen des Vaters in sich und brachte auf dessen
Geheiß die Schöpfung hervor... Durch den Logos brachte Gott Alles hervor, und
anders als es gemacht wurde, konnte es nicht gemacht werden. Den Menschen schuf
er als solchen; will der Mensch Gott werden, so muss er ihm gehorchen. Der
Logos besitzt, weil aus Gott seiend, das Wesen Gottes... Das Böse entsteht aus
der geschöpflichen Freiheit, und besaß ursprünglich keine Existenz. Der Logos
wurde Mensch, um uns ein Beispiel zu geben und den Beweis zu liefern, dass der
Mensch frei sei und sich des Bösen enthalten könne. Zu diesem Zwecke nahm er
das Wesen des Menschen an. Er wurde leidens- und todesfähig, um die Menschen
von ihren Leiden aufzurichten. Durch die richtige Erkenntnis, ermahnt
Hippolytus (c. 34) zum Schlusse, werde man der Höllenstrafe entgehen und die
Unverweslichkeit des Leibes nebst dem Himmelreiche empfangen als Genosse Gottes
und Miterbe Christi. Denn dann wird der Mensch Gott. Als Mensch war man
leidensfähig; was man aber dann erhält, empfängt man als vergöttlicht und
unsterblich gemacht. Christus, der Gott ist über Alles, reinigte den Menschen
von der Sünde und schuf den alten Menschen zu einem neuen um. Wenn man seine
Gebote hält, wird man ihm ähnlich. Gott macht den Menschen zu Gott zu seiner
Ehre... die Subordination des Logos
unter den Vater (ist) als notwendig gegeben… Von einer Genugtuung oder
stellvertretenden Sühne ist bei ihm noch nicht die Rede. Nur von einer
Reinigung und Umschaffung des Menschen durch Christus. Die Menschwerdung hat
den Zweck, das Ideal eines Menschen tatsächlich zu verwirklichen. Geht der
Mensch mit seinem des Guten fähigen, freien
Willen auf diese Umgestaltung seines Wesens ein, so wird er als
Adoptivbruder des Gottmenschen vergottet.“ (566) Daraus folgt:
3.
Wegen ihrer Verwandtschaft mit Gott können
diejenigen, die tun was Gott von ihnen verlangt, - und die wissen was er verlangt - und als
richtig erkannt haben, - selbst Götter werden. (Nur wer gegen sein eigenes
Gewissen handelt und darin zu lange reuelos verharrt kann dieses Ziel nicht
erreichen.)
4.
der von Gott den Intelligenzen geschenkte freie
Wille, darf von niemanden angetastet werden.
Es kam zu weiteren Spannungen
wegen dieser und anderer Grundsätze,
Kallistus
und sein Anhang nannten sich (indessen) die katholische Kirche“
(567) auch mit Pontianus dem
Nachfolger von Callixt I. sollte es zunächst
____________________
(566) Joseph
Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245
(567) Johann J.
Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853
zu erheblichen Differenzen kommen. „Schließlich machte Kaiser Maximinus Thrax
(235-238) dem Streit in Rom ein Ende, indem er kurzerhand Hippolyt samt seinem
Gegner Pontianus 235 nach Sardinien verbannte. Eine Aussöhnung auf Sardinien
ist wahrscheinlich, beide Verbannten blieben bis zu ihrem Tod auf der Insel.
(568)
Die erwähnte Einschätzung des
Ökumenischen Heiligenlexikons: „Callistus
versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom
für die gesamte Kirche zu mehren“ mag zwar gut ins nachträglich erstellte Konzept
passen, doch Callixt I. Tun beschränkte
sich darauf, dass er für sich und seine Gemeinde die Latte niedriger legte, auf
eine Höhe die den Unterscheid zwischen einem Heiden und einem Christen fast
verwischte. Während der 16. ‚Papst’, Hippolytus 217-235, später zu einem
Gegenpapst erklärt wurde. Hippolyts Spuren sind immer noch deutlich. Sein
Bemühen das alte Niveau zu bewahren ist bemerkenswert. Er weiß, man kann die
Bedingungen für eine Mitgliedschaft in der Kirche Christi nicht, wie in einer
rein menschlichen Organisation, den
eigenen Wünschen anpassen. Das sieht Callixt zwar ähnlich, aber doch anders. Hippolyt
muss und will die Tradition achten. Alle Neuerungen lehnt er ab.
Nur als Kettenglied in der
Papstreihe taugt er nicht, die Kirche hat ihn zwar heilig gesprochen aber nicht
anerkannt. Er lehrte ein vom Überlieferungsgut der katholischen Kirche
grundverschiedenes „Evangelium“. An ihm
müssen ich alle anderen messen lassen, weil seine Lehrsätze und administrativen
Hinweise dem Original sehr nahe kommen. Origenes Lehrgut spielte für Hippolyt
die entscheidende Rolle.
Dass ein persönliche und gute
Beziehung zwischen beiden Männer bestand, wird auch von anderer Seite
bekräftigt:
„Origenes sei den Kämpfen des
Hippolytus unter Zephyrin und Kallistus nicht fern geblieben, sondern habe für
ihn Partei ergriffen. Auch hält er (Döllinger) es nicht für unmöglich, dass die
bekannten scharfen
Äußerungen
des Origenes über den Hochmut und die Anmaßungen der Bischöfe großer Städte,
sich speziell auf den römischen Stuhl beziehen. Wichtiger noch ist, dass
Origenes scharfen Tadel über Bischöfe ausspricht, welche, um Gott zu
verherrlichen, zwischen dem Vater und dem Sohne einen bloßen Namensunterschied
annehmen. ...Eusebius berichtet freilich, Origenes habe die Romreise
angetreten, um die uralte römische Kirche zu sehen. Sollte nicht vielleicht
Hippolyt diesen ungeachtet seiner Jugend berühmtesten Kirchenlehrer damaliger
Zeit eingeladen haben, die dortigen
Zustände aus eigener Anschauung kennen zu lernen, um an ihm eine Stütze
und für seine Anhänger eine neue, beruhigende Autorität zu gewinnen? Auf
________________
(568) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
diese
Weise gewänne die Erwähnung des berühmten fremden Theologen in einer Homilie,
wenn auch unter andern Umständen schon denkbar, eine erhöhte Bedeutung... So
hätten denn ungeachtet ihres verschiedenen Standpunktes im Einzelnen die drei
größten Theologen damaliger Zeit, Tertullian, Hippolytus, Origenes in dem
Kampfe gegen den römischen Stuhl gemeinsame Sache gemacht, und wären auch nach
einander von dem gleichen Schicksale der Exkommunikation betroffen worden.
Tertullian und Hippolytus wurden in Folge dessen Häupter separierter
Kirchenparteien, jener einer montanistischen Gemeinschaft in Afrika, dieser
schismatischer Bischof einer römischen Gemeinde, während Origenes, ungeachtet
seiner Exkommunikation durch die Synoden von Alexandrien und Rom bei den Bischöfen
Palästina' s nichts von seinem Ansehen verlor. Einerseits stand Tertullian dem
Hippolytus am nächsten. Denn in der Trinitätslehre sind sie beide völlig
Gesinnungsgenossen und kämpfen in derselben Weise gegen dieselben Gegner.“ (569)
Hippolyt nannte ‚Papst’ Calixt
einen Räuberhauptmann, Heuchler und Häretiker. Kein Wunder, Callixt liebte es
beide Augen zuzudrücken.
So beschäftigten die kuriosen
Auseinandersetzungen und Spekulationen die Christenheit mehr als der
eigentliche von Jesus erteilte Auftrag als Kirche über alle Landes- und
Kulturgrenzen hinaus Lebenshilfe zur
Versöhnung zu geben. (570)
Sein Nachfolger Pontianus, der
von 230 – 235 Bischof einer römischen
Gemeinde (oder ein quasi
Erzbischof Roms) war, wurde von einigen seiner Amtsbrüder angehalten etwas
gegen den ‚origenistischen’ Trend zu unternehmen. Dahin musste es kommen, denn
Origenes legte seinen Finger auf die Inhalte der Bergpredigt Christi, die den
Willen des Einzelnen ansprachen. Origenes ging es um die Verinnerlichung des
Menschen, die andern schauten darauf wann sie fordern sollten, dass die
Abendmahlsgefäße möglichst vergoldet sein müssten.
Bischöfe die nicht stark genug
waren bescheiden zu bleiben, hatten ihre Probleme mit diesem alexandrinischen
Gelehrten. Es scheint, dass einige sich mehr und mehr auf die sühnende Rolle
Christi beriefen. Mit Callixtus
Kurs
__________________
(569) Joseph
Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245
(570) Matth 7:
14; 5: 10; 5:5; 5: 48 Vergebt einander! Macht diese zerstrittene Welt zu
einem besseren Platz. Seid Friedensstifter. Übt niemals Gewalt. Vervollkommnen
sollt ihr euch
wurden auf diese Weise die
Grundideen der späteren „Blut- und Kreuztheologie“ angestoßen, die Origenes und
mit ihm die Urkirche in dieser Intensität nicht kannte.
Pontianus war aber eher als
Callixt zur Harmonie bereit. Das beweist er in der Verbannung. Er versöhnt sich
dort mit Hippolyt.
Er amtierte als römischer Bischof von Juli 230 bis
September 235. Während dieser Periode überlässt er sich dem Calixtinischen
Strom: „Unter seinem Episkopat stimmte
eine römische Synode (231/32) der
Verurteilung
und Absetzung des Origenes zu; ein diesbezügliches Schreiben Pontianus an den
alexandrinischen Bischof Demetrius ist verlorengegangen. Während der
Christenverfolgung unter Maximinus Thrax im Jahr 235 (sei Pontianus) zusammen
mit dem Gegenbischof
Hippolyt nach Sardinien verbannt; damit ist
das Schisma Hippolyts gegen Calixt I. und dessen Nachfolgern Urban I. ... beseitigt. Das Datum des Rücktritts ist der
früheste »terminus certus« der Papstgeschichte. Der noch im Jahr der
Verbannung Verstorbene wurde später in
der
Calixtuskatakombe
beigesetzt. Pontianus wird als erster Märtyrerpapst
verehrt.”
(571)
Die Frage, ob die Verurteilung
des Origenes auf verleumderische
Nachrede durch seinen Bischof Demetrius zurückzuführen ist, oder auf Origenes
angebliche Selbstverstümmelung oder ob sie vor allem auf einer nicht weiter
begründeten und trotzdem ablehnenden Haltung einer römischen Mehrheit der
Origenes-Lehren beruht, beantwortet kein Geringerer als Hieronymus, der
Bibelübersetzer: „In einem Brief an Paula
sagt er, Origenes sei nicht wegen neuer Lehren oder häretischer Meinungen...
verurteilt worden, sondern weil man den Glanz seiner Beredsamkeit und
Wissenschaft nicht habe ertragen können.“ (572)
Dass Origenes Neider hatte ist
bekannt. Es macht zudem misstrauisch, dass
„ein diesbezügliches Schreiben Pontianus an
den alexandrinischen Bischof Demetrius verlorenging.“ Wieder einmal gibt es
kein Dokument, wo es am dringendsten erforderlich gewesen wäre.
Roms führende Priester stellten
sich so bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt
gegen den „Rest“ der Kirche, ins Abseits.
Zudem scheint der Begriff
‚römische Synode’ erneut zu bestätigen, dass es tatsächlich zeitgleich mehrere
römische Bischöfe gab, die sich – vielleicht! - mehrheitlich gegen Origenes
äußerten. Doch selbst wenn sich alle
Bischöfe Italiens gegen
Origenes gestellt hätten, wäre dies kein Beweis
_______________
(571)
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
(572)
Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und
Kallistus“ 1853 S. 259
für die Behauptung, Origenes
sei ein Häretiker. Wahrscheinlich ist zudem, dass es außerhalb Roms einen
Primas der Kirche gab. Das wird um 366 sichtbar: (573)
Zu viel Wichtiges ist unklar.
Wollte Pontianus einem nicht bekannten, aber existierenden Primas der Kirche,
der irgendwo in der Provinz lebte, den Rang ablaufen? Wenn sich das bestätigen
sollte, dann würde der Primatsanspruch Roms sofort kippen. Es heißt ferner: „...Während der
Christenverfolgung
unter Maximinus Thrax im Jahr 235 verzichtet Pontianus auf den Bischofsstuhl“;
(574) doch, erstens gab es keine
Christenverfolgung unter Kaiser
Thrax, zweitens erhebt sich die Frage, wer Pontianus zum Verzicht nötigte. Warum musste
Pontianus verzichten, wenn er doch ohnehin in die Verbannung ging? Wem also
unterstand Pontianus?
Wir hören,
Pontianus wurde zusammen mit ... Hippolyt nach Sardinien verbannt..., aber warum
tatsächlich? Wer hatte das veranlasst? Kaiser Thrax, fernab der Heimat, in
eigene Sorgen und Kriege verwickelt hat sich um diesen Fall sicherlich nicht
gekümmert. Die Forschung nimmt jedenfalls an, dass es ein entsprechendes
Thraxedikt eher nicht gab. Gab es vielleicht einen bestochenen (christlichen?)
Beamten, der eine Verbannung im Interesse der Antiorigenisten anordnete? „Ein
Edikt des Maximinus Thrax ist durch Euseb, KG VI überliefert. Darin wird die
Todesstrafe für Kleriker angeordnet. Aber auch die Echtheit dieses Dokuments
ist eher zweifelhaft, da es keine anderen direkten Belege für einen solchen
Erlass gibt und ein Abrücken von der Praxis bei Trajan nirgends sichtbar
wird...“ (575) Dreizehn Jahre
vorher, 222, endete die Amtszeit des Callistus (Calixt I.); endete sie weil er
starb? Das nimmt man an, aber ohne jeden Grund. (Kein Vergleich zu heute.)
Calixt I. war, nach dem Zeugnis seiner
Zeitgenossen, ein von der Idee
der Macht besessener Charakter, ein Lebemann. Kurz gesagt, er war
möglicherweise nicht würdig Bischof zu sein, weshalb er nicht nur mit sich
selbst, sondern auch mit Übertretern nachsichtig umging.
Es ist wohl eine irrige
Annahme, dass die römischen Bischöfe jeweils bis zum Lebensende amtierten.
Später mag das der Fall gewesen sein. Auch
aufgrund der Jerusalemer Bischofsliste ist anzunehmen, dass kaum jemand auf
Lebenszeit als Bischof amtierte. Bis zum Jahr 138 werden dort 15
Bischöfe aufgeführt, was auf
eine durchschnittliche Amtzeit von etwas
__________________
(573)
Martin Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“,
1882, S. 13 : „Der
Bischof von
Ostia ordinierte Damasus zum Bischof.“
(574)
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag
Traugott Bautz
(575)
www.basiswissen.christentum. de „Die Verfolgung von
Christen von Nero bis Diokletian“
mehr als 6 Jahren schließen
läßt. (576)
Entschieden anders, von Ausnahmen abgesehen, - Leo amtierte 21 Jahre -, ist es
in Rom auch nicht. In 500 Jahren zählt man dort 50 Bischöfe.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
A.) Callistus
Vorstellung von Gott ähnelt dem
der späteren
Athanasianer.
B.) Hippolyts
Vorstellung von Gott entspricht dem der späteren Arianer.
C.) Callistus
ist der erste Mann der anscheinend eine Vorahnung vom künftigen Papsttum hegt
und es rigoros anstrebt. D.) Hippolyt erhob keine Machtansprüche.
E.) Bischof
Callistus Anliegen ist das Wachstum seiner Gemeinde. (Quantität)
F.) Bischof
Hippolyts Anliegen ist die Reinheit seiner Gemeinde. (Qualität)
G.) Callistus
feierte das Evangelium H.) Hippolyt trat dafür ein es zu leben.
Was würde ein Mann dieser Klasse,
(Calixt I.) tun, sollte er seines Amts nicht mehr sicher sein?... Bekannt ist,
dass sich nämlich auch Pontianus gegen Calixt I. Laxheit ausgesprochen hatte: „Nach dem ersten Schisma der Kirchen, das
sich auch an der Frage entzündet hatte, ob selbst Unzuchtssündern eine zweite
Buße ermöglicht werden soll, stellte
sich Pontianus gegen die positive
Antwort seines Vorvorgängers Callistus I., und wurde deshalb (? vom Kaiser, von
Maximinus Thrax?) gemeinsam mit Gegenpapst Hippolyt 235 auf die Insel Sardinien
verbannt. Sein Rücktritt am 28. September 235 ist das früheste exakt
nachweisbare Datum der Papstgeschichte. In
Sardinien mussten beide im Bergwerk arbeiten, an den Strapazen starben sie... Der noch im
Jahr der Verbannung verstorbene Pontianus wurde später in der Calixtuskatakombe
beigesetzt.“ (577)
Ausgerechnet in der
Calixtuskatakombe? Es blieb nur übrig zu
______________
(576)
Eckhard J. Schnabel „ Urchristliche Mission“ Brockhaus
2002 S. 28 u. 10 : „
Bis Hadrian
die Juden besiegte gab es jüdische Bischöfe in Jerusalem... Jakobus der Bruder
des Herrn, Simeon der zur Zeit Trajans starb, Justus, Zachäus, Tobias,
Benjamin,Johannes, Matthias, Phippus, Senekas, Justus, Levi, Ephus, Josef,
Judas... danach erscheinen die Namen
von Heidenchristen.... Bischof Makarios von Jerusalem steht auf der
Unterschriftenliste zu Nicäa Er war dem Metropoliten von Cäsaraä, der damals
führenden Stadt Palästinas untergeordnet....
(577) Ökumenisches Heiligenlexikon
sagen: Pontianus wird als
erster Märtyrerpapst verehrt. War er als Märtyrer ein Opfer seiner Brüder, weil
man seine Auffassung von Kirche
inakzeptabel fand? Beide Männer, Pontianus und Hippolyt unterstützten
später einander und sie hatten einen gemeinsamen Feind: Herrn Calixt, den
Lebemann, der es anderen ebenfalls gönnte, zugleich Mitglied der Kirche und
unangestrengt zu leben. Päpste waren sie keineswegs.
Zu dieser Zeit war jeder
römische Bischof nicht mehr als jeder andere.
„Naiv
... meint de Rossi Roma sott. II, 306 sq., auf den Grabsteinen der
„Päpste" in den Katakomben finde sich nur der einfache Titel
„Bischof", weil man damals keinen andern Titel für sie gewusst habe; papa
sei mehr ein Ausdruck des Affektes als der eines amtlichen Verhältnisses,
pontifex maximus aber ein heidnischer Amtstitel gewesen. Hier scheint des
Verfassers erfindungsreicher Geist plötzlich versiegt zu sein. Warum nannte man
die Bischöfe von Rom denn nicht episcopus episcoporum, episcopus universalis,
antistes totius ecclesiae, episcoporum princeps, pater omnium fidelium? Die
Liste der möglichen Bezeichnungen ist ja kaum zu erschöpfen. Aber nirgends auch
nur eine Andeutung dieser Art. In diesem Falle ist das Schweigen der Steine ein
sehr beredtes. Man nannte die Bischöfe von Rom damals einfach „Bischöfe",
weil sie nichts weiter waren als die Bischöfe der römischen Kirche, der
angesehensten unter allen, also die Inhaber des hervorragendsten bischöflichen
Stuhles, dessen Kirchengewalt sich aber ebenso örtlich beschränkte, wie die
einer jeden andern bischöflichen Kathedra. (578)
„Von
Urban I.“ ‚Papst’ von 222-230, also noch zu Amtszeiten Hippollyts und vor
Pontianus berichten sowohl der Geschichtsschreiber
Eusebius (ca. 260-340) als auch der Liberianische Katalog (4. Jh.), daß er sein
Amt acht bzw. knapp neun Jahre innehatte. Wahrscheinlich war Urban Römer und
Sohn eines gewissen Pontianus. (war dieser ‚gewisse’ Pontianus, der Vater
Urbans und sein Nachfolger im Bischofsamt? Das ist nicht auszuschließen, eben
weil die Amtszeiten nicht immer mit dem Tod des Betreffenden endeten.) UrbansDas Böse entsteht aus der
geschöpflichen Freiheit, und besaß ursprünglich keine Existenz. Der Logos wurde
Mensch,
um uns ein Beispiel zu geben und den Beweis zu liefern, dass der Mensch frei
sei und sich des Bösen enthalten könne. Pontifikat fiel ganz in die
Regierungszeit des Kaisers Alexander Severus (222-235) und war somit frei von
Verfolgungen. Unter Urban dauerte das Schisma des Hippolyt fort. Über sein
Pontifikat ist sonst nichts weiteres bekannt.
Berichte
über sein Martyrium, seine Anordnung, heiligen Gefäße nur aus
_________________
(578) Joseph Langen ,
„Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881
Silber anzufertigen, einen Brief an alle Christen und ein
Dekretale bei Pseudo-Isidor sind unglaubwürdig. Diese unrichtigen Angaben im
Liber Pontificalis beruhen z.T. auf der legendären Passio der hl. Cäcilia und
auf nicht vor dem 9. Jh. entstandenen Martyrerakten. Die in LibPont
aufgestellte Behauptung, Urban sei in der Praetextatus-Katakombe beigesetzt
worden, beruht auf einer Verwechslung
(579) Ob
echt oder nicht die Tendenz zur Übertreibung der Feierlichkeiten beim Abendmahl
ist schon zu erkennen.
Der 19. ‚Papst’ Anteros hatte
ein angebliches Pontifikat von 235-236.
Er
„war
der erste historisch gesicherte Amtsinhaber auf dem „Stuhl Petri”, …Angeblich
wurde er hingerichtet, weil (?) er
die Akten der Märtyrer sammeln und aufbewahren ließ... Sein Martyrium ist
zweifelhaft.” (580) Fabianus, der 20. in der
Reihe amtierte von 236-250. „Bei der
anstehenden Wahl sei eine Taube herab geflogen und habe sich auf seinen Kopf
gesetzt - worauf man ihn spontan und einstimmig zum Bischof von Rom gewählt
habe... Er förderte die Tendenz zu einer hierarchischen Struktur der Kirche.“ (581) Der Aberglaube spielte seine große Rolle.
Der Redekünstler war gefragt. Und die Leute glaubten, weil sie meist ungebildet
waren. Die Unwissenheit hielt bereits Origenes für ein Grundübel. Einhundertfünfzig
Jahre später musste Johannes
Chrysostomos festschreiben, dass (wenigstens) Bischöfe (fortan) die
Mindestanforderung lesen zu können erfüllen sollten. (582) Wie wollten sie
in einer Sache, die Weltrang beanspruchte, mitreden, wenn sie nicht tägliches
Schriftstudium und
Wissenserwerb in allen
Bereichen betrieben? (583)
_________________
(579) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(580) ebenda
(581) ebenda
(582) Jörg
Köpke „Die ital. Bischöfe unter
ostgotischer Herrschaft 490-552 n Chr.“ Hamburg, 2006 S 11
(583) Brockhaus
Konversations Lexikon 14. Auflage 1894-1896: „Die alte Kirche hat die Heilige
Schrift niemals dem Volke vorenthalten; Kirchenlehrer, wie Chrysostomus,
Hieronymus und Augustinus, namentlich auch Papst Gregor d. Gr., ermahnten die
Laien eifrig zum Bibellesen. Erst der hierarchische Geist des Mittelalters
führte dazu, den Gebrauch der Heiligen Schrift im Volke zu beschränken. Aus
Anlass der Verfolgungen gegen die Waldenser und Katharer wurde zuerst von
Innocenz III. 1199, dann auf den Synoden zu Toulouse 1229 und zu Béziers 1233
den Laien das Besitzen und Lesen der Schrift in der Volkssprache untersagt, und
auf der Synode zu Tarragona (1234) jeder für einen Ketzer erklärt, der eine
Bibelübersetzung nicht innerhalb acht Tagen seinem Bischof zum Verbrennen
abliefere. Ähnliches wurde in England gegen die Wiclifiten z. B. auf der Synode
zu Oxford 1408 erlassen.“
Unwissenheit war der Nährboden
für Legendenbildung. Viele glaubten einfach alles, wenn ihnen in der Kirche
etwas erzählt wurde. Das sollte im Verlaufe der Zeit nur noch schlimmer werden.
Die sich über andere Ansichten als die gerade aktuellen empörten, waren
möglichst zu meiden. Sie waren zu allem fähig. Wenn sich dennoch jemand zur
Kritik aufraffte, wurde er sofort der Häresie beschuldigt. Es war das
einfachste Mittel einen guten Kopf zum
Schweigen zu bringen.
Zeitgenosse Origenes „mag wohl seinen eigenen Bischof Demetrius
im Auge gehabt haben“ als er tadelte, die „Bischöfe der großen Städte wollten selbst ihren (besten) Mitgliedern
nicht gestatten, mit ihm zu sprechen.
Und bald danach redet er (Origenes) von Bischöfen und Prebytern, denen die
vornehmsten Sitze anvertraut seien und die ganze Kirche an ungeeignete Personen
übergaben, die die unrechten Männer zu Gebietern machten.“ (584) Wahrscheinlich meint Origenes Callixt I.
indem er sagt: „Es gibt einige, die, ich
weiß nicht wie sie sich das herausnehmen, was die bischöfliche Gewalt
übersteigt... sie rühmen sich, dass sie auch Götzendienst vergeben, Sünden des
Ehebruchs und der Unzucht nachlassen können“ (585)
Niemand wird sagen, dass alles
was Callixt I. tat unrecht sei und Hippolyt wäre der absolut perfekte Mann.
Callixt gehörte zu den ersten Bischöfen
die immerhin den Mut aufbrachten, „eine
Ehe zwischen einer freien Frau und einem Sklaven zu gewähren und
einzusegnen,... denn nach römischer (staatlicher) Ansicht... waren Sklaven, da
ihnen die Persönlichkeit fehlte, unfähig unter sich oder mit Freien ein
wirklich eheliches Verhältnis einzugehen“
(586)
Das ungute Spiel zwischen Callixt und Hippolyt sollte sich zwanzig Jahre später
zwischen Cornelius und Novatian
wiederholen. Novatianus der von 251 bis 258 einer römischen Gemeinde vorstand
gilt ebenfalls als Gegenpapst. Behauptet aber nicht bewiesen wurde, Cornelius
sei der echte Bischof Roms. Seitens der katholischen Kirche wird behauptet,
dass er „die Mehrheit vertrat gegen eine
starke Minderheit um den römischen Priester Novatian (oder Noviatanus), dem
Kopf der Novatianer:...“ (587) Warum sollen wir glauben, dass die
„starke Minderheit“ überhaupt eine Minderheit war? Wer zählte das aus? Und wenn
schon, ist denn die Wahrheit eher auf Seiten der Mehrheit zu finden? Nachdem Hitler, der Schreckliche, 1940
den
_________________
(584) Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und
Kallistus“ 1853, S. 257 (585) ebenda, S. 256
(586) ebenda, S.
183, 167
(587) Ökumenisches
Heiligenlexikon
Frankreichfeldzug siegreich
beenden konnten, standen wohl mehr als 90
Prozent aller Deutschen hinter
ihm.- Die Kriterien Wahrhaftigkeit und
Reinheit müssen in einer
Gemeinde dominieren, sonst gehört sie nicht zur Kirche Jesu Christi, sagte
Paulus indirekt und schärfer: „Wer den
Geist
Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.“ (588) Und
um eben diese Grundwerte ging es Novatian, vor allem stemmte er sich gegen die
in der Kirche zunehmende Lockerung der Disziplin.
„Novatianus
hielten (viele) aus mehr als einem Grunde für den wiedererstandenen Hippolytus,
so erscheint er uns als ein hochgebildeter und ehrgeiziger Mann ... Novatian
habe sich getrennt, weil Cornelius die lapsi wiederaufgenommen ; er habe sich
ferner an alle Kirchen gewandt mit der Erklärung, die Todsünden seien mit
lebenslänglicher Ausschließung zu bestrafen, und habe man die Verzeihung
derselben Gott allein zu überlassen. Novatian und Cornelius hätten dann mit
Schriftstellen für ihre beiderseitigen Ansichten gekämpft die Sittenstrengen
dagegen hätten zu Novatian gehalten. Dieser selbst sei unter Valerian als
Märtyrer gestorben. Vorstehende Ausführung beruht insofern auf Wahrheit, als
die Forderungen Novatians eben nicht neu waren, sondern die größere Strenge
früherer Zeit repräsentierten. Sokrates selbst rechnet zwar die späteren
Novatianer unter die Sektierer, hebt aber wiederholt hervor, dass sie im
Glauben völlig mit den Katholiken übereinstimmten, und spricht sich eifrig für
ihre Duldung aus.“ (589) Immerhin war
Novatian ein ganzer Mann, und er „war der erste Papst, der seine Schriften in
Latein verfasste.“ (590)
„Der
gelehrte Presbyter Novatian vertrat... die traditionelle Auffassung, dass die
Kirche keine Macht habe, des Mordes, des Ehebruchs und des Abfalls Schuldigen
die Vergebung zu gewähren, sondern dass sie nur Gott um Erbarmen und im Gericht
bitten können. Der weniger strenge Cornelius vertrat die Auffassung, dass der
Bischof auch Todsünden vergeben könne. Diese Spaltung von 251 (ist ein)
Zusammenstoß zwischen der ursprünglichen Auffassung von der Kirche als einer
Gemeinschaft von Heiligen... und der jetzt aufkommenden Anschauung (die
Kallixt) vertreten hatte, das sie ein Erziehungsanstalt für die Sünder sein
soll.“ (591) Einesteils muss gefolgert werden, dass die Kirche ihrer vom
Stifter, Jesus, zugewiesene Rolle als Erzieherin nicht gerecht wird, wenn sie
in Bausch _________________
(588) Römer
8:9
(589) Joseph
Langen , „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881 S. 293 (590)
Ökumenisches Heiligenlexikon.
(591) Henry Chadwick,
Die Kirche in der antiken Welt“, S.134
und Bogen die Übertreter
behandelt, anderenteils kann das sensible Thema nur von solchen Geistlichen
annähernd ‚richtig’ behandelt werden, wenn sie jeden Fall als einmalig
betrachten.
Die Geschichte kennt Fälle von
Klerikern die sich an Unmündigen sexuell oder als Gewalttätern vergangen hatten
und die von ihren Bischöfen losgesprochen, manchmal nur in andere Orte versetzt
wurden wo sie im alten Stil fortfuhren. (592)
Novatian stieß überall auf
Widerstand. Seine Getreuen konnten sich in
Rom nicht lange halten. Um 420
wurden die sogenannten ‚Novatianer’ in Ägypten durch Maßnahmen des Cyrill von
Alexandria ihrer Versammlungshäuser beraubt. Die urkirchlichen Prinzipien
lebten jedoch in den Gemeinden der Bogumilen, der Katharer, der Waldenser und
der Vaudois weiter, alles Gruppen die trotz brutalster Verfolgung etwa zur Zeit
Innozenz III. (1216-1227) nie ganz ausgerottet werden konnten.
Mehr
als einhundert Jahre nachdem Bischof Novatian zur Amtsaufgabe gezwungen wurde,
hatte der ränkeschmiedende Papst Damasus (nach 366) versucht, die Novatianer in
sein System „zu integrieren“. Seiner
Meinung nach war bereits „Hippolyt ...
ein novatianischer Kleriker... während die Luziferaner Hippolyt als ihren
Heiligen betrachteten.“ (Die Luciferaner waren keineswegs Satansverehrer,
sondern wurden nach ihrem Bischof Lucifer = Lichtträger, so genannt.) (593) Die Entschiedenheit
mit der Novatian die Lehren des Origenes und Hippolyts verteigite missfiel
seinem Widersacher Cornelius. „...
Cornelius stellte sich entschieden auf die Seite der Nachsichtigen und
Vergebungsbereiten, diese Haltung entsprach der des Bischofs von Karthago ...
Cyprian.“ (592) Die
Frage lautet tatsächlich anders, nämlich:
war Cornelius
allzu nachsichtig
und allzu
_____________________
(592) Mir selbst
wurde in Zeugen Gegenwart ein Fall berichtet, in dem ein Kaplan in der
Tschechoslowakei, um 1938, nahezu alle Mädchen einer Klasse, sexuell
missbrauchte und nach Klage der Eltern nicht exkommuniziert, sondern lediglich
versetzt wurde. Das Gesetz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten
Tage (Mormonen) in Lehre und Bündnisse Abschnitt 42 lautet mit den
entsprechenden Passagen: Vers 22- 25: „Du sollst deine Frau mit deinem ganzen
Herzen lieben und sollst an ihr festhalten und an niemandem und nichts sonst.
Und wer eine Frau ansieht, dass es ihn nach ihr gelüstet, der wird den Glauben
verleugnen und wird den Geist nicht haben; und wenn er nicht umkehrt, soll er
ausgestoßen werden. Du sollst nicht Ehebruch begehen; und wer Ehebruch begeht
und nicht umkehrt, soll ausgestoßen werden.
Aber dem, der Ehebruch begangen hat und mit seinem ganzen Herzen umkehrt
und davon lässt und es nicht mehr tut, sollst du vergeben.“
(591) Henry
Chadwick, Die Kirche in der antiken Welt“, S.262 „Luziferianer“ (sind eigentlich Waldenser) nach einer Information von
historicum. Net,
Geschichtswissenschaften im Internet, 2010
(592) Ökumenisches
Heiligenlexikon
vergebungsbereit und zwar weil
er selbst schwach geworden war? Gemessen an Lehre und Praxis in der Kirche Jesu
Christi der Heiligen der Letzten Tage, gibt es klar definierte
Ausschlusskriterien, doch eine 2.
Taufe
ist möglich. (Ein Kirchenausschluß ist bei den ‚Mormonen’ zugleich die
Einladung zur 2. Taufe) Mir persönlich ist der an sich unglaubliche und
wahrscheinlich einzige Fall einer 3. Taufe bekannt, die nach mehr als zehn
Jahren Bewährung erfolgte. Bischof Cyprian mochte aus denselben Gründen die
Cornelius vertrat zur Laxheit neigen. Dass Cyprian sich zu diesem Thema äußert,
ist sein gutes Recht, Aber wenn zwei Leute das Prinzip der Aufweichung von
Normen vertreten, bedeutete das doch nicht, dass sie damit die Linie der Kirche
Jesu Christi behaupten. Noviatianer sind Gefolgsleute des Hippolyt, das spricht
für sie. Hippolyt und Noviatian sahen welche Gefahren es mit sich bringen würde
die Messlatte immer niedriger zu legen. Es heißt, von anderer Quelle: die
angebliche „Minderheit wählte Novatian
zum zweiten
Gegenpapst der Kirchengeschichte; auf der römischen Synode von 251 wurde er
aber wieder abgesetzt.“ (593) Das
Ganze klingt ebenso erfunden wie die dazu gehörige Märtyrerlegende seines Gegenspielers Cornelius. Das
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon bekennt denn auch: „Cornelius starb in der Verbannung wohl
nicht als Märtyrer“. Obwohl es keinen Hinweis für das Märtyrertum des
Cornelius gibt, wird sein Kopf der wahrscheinlich der Kopf einer anderen Person
ist - im Cornelimünster zu Aachen
bewahrt.
(594) Bislang hatten wir es
im Wesentlichen mit wenig Fakten und all zu vielen Märchen zu tun. Fest steht,
Novatianus amtierte als Bischof in Rom von 251-258. An ihm und Hippolyt lässt
sich festmachen, welcher Gesinnung die Urkirchlichen waren und dass Druck
seitens der nach mehr Macht trachtenden zeitgenössischen Bischöfe auf sie
ausgeübt wurde. Andererseits verteidigte Novatian seine Position und konterte
gegen den um die Führungsrolle ringenden Cornelius. Er „behauptete, Cornelius... habe sich in der Verfolgung unter Decius gegen
Geld von den Beamten eine Bescheinigung verschafft, dass er gemäß dem Edikt von
250 geopfert habe; (Novatian) erklärte, dass Cornelius darum kein Recht habe...
(595)
Bischof zu sein... „Streitigkeiten
über die Wiederaufnahme der lapsi, der Abgefallenen, führten zum endgültigen
Bruch.“ Es heißt: „...Die
noviatianische Kirche genoss im 4. Jh. wegen ihrer orthodoxen (?) Position
in den christologischen
______________________
(593) Ökumenisches
Heiligenlexikon
(594) ebenda:
„Cornelius' Martyrium ist aber tatsächlich nicht wahrscheinlich.“
(595) Biographisch-
Bibliographische Kirchenlexikon Verlag Bautz
Auseinandersetzungen
auch bei Katholiken ein gewisses Ansehen ... später folgte eine gewaltsame
Unterdrückung, doch können sich bis ins 7. Jh. novatianische Gemeinden halten.”
(596)
Auch diese Aussage enthält zwei
Fehler. Erstens, wie im Folgenden dargelegt wird, gibt es bis heute Novatianer,
allerdings, so weit bekannt, nicht unter diesem Namen, sondern sie hießen
zunächst die Paulikianer, Bogumilen, Katharer, Waldenser, Vaudois usw. Aus
diesen uneinheitlichen Richtungen kamen
auch die Hussiten, dann die Unitarier usw. hervor
Zweitens, dass die Novatianer
eine orthodoxe Position einnahmen ist inkorrekt! Noviatian lehrte nicht
trinitarisch! „Noviatian (ca. 200-258)
sagte zu Joh. 10:30 (Ich und der Vater sind eins) „... sie sind ‚eins‘,(im Sinne von „einig“ G.Sk.) und die Häretiker sollen bedenken, dass er nicht
‚einer‘
sagt. Als Neutrum bezeichnet ‚eins‘
nämlich die Harmonie in einer Gemeinschaft und nicht die Einzigartigkeit der
Person ... die Aussage ‚eins‘ jedoch sollte auf den Einklang untereinander und
die Übereinstimmung im Denken und die Verbundenheit in der Liebe gehen. Deshalb
bilden wirklich Vater und Sohn eine Einheit durch ihre
Einmütigkeit
und Liebe“ (597)
Mit Novatian lehrte ein
weiterer, sogenannter Gegenpapst ‚mormonisch’! Diejenigen, die Christen wie
Noviatian bekämpften, tragen teilweise große Namen, wie Ambrosius und Cyrill
(der Urvater der koptischen Kirche). Damit zeigten sie nur, dass sie kühn und
‚erfolgreich’ in machtpolitischen Kategorien dachten, dass sie zwar ‚Jesus’,
Jesus’ sagten, und doch nicht wie Jesus glaubten und lehrten. Sie schufen sich eben ihre eigenen
Institutionen und Lehren, die sie eifersüchtig aufeinander „Kirchen“ nannten,
Ambrosius von Mailand (339-397) meinte er er wüßte es besser als alle anderen.
Er, „widerlegte die Häresie der
Novatianer die dem Herrn allein die Gewalt der Sündennachlassung
(Sündenvergebung) vorbehalten wissen wollten... alle müssen nach katholischer
Glaubenslehre festhalten: Wer immer dem Priester ordnungsgemäß seine Sünden
bekennt, dem werden sie kraft der Schlüsselgewalt der Kirche vollzählig nachgelassen und vergeben.
Diese Gewalt ist auf keine bestimmten Sünden und Zeiten beschränkt. Es kann
keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ (598) Außer dem Athanasium
hat kaum eine andere Lehre den
_____________________
(596) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(597) Novatianus
,„De Trinitate - Über den dreifaltigen Gott“, Kapitel 27
(598) Gerhard J.
Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg
Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159
Gläubigen und der katholischen
Kirche mehr geschadet. Mit ihr wurden also gleichsam im Vorübergehen die Sünden
der Gewalttaten, der Sexualvergehen, der Fälschungen, - die uns ein klares Bild
auf die wirklichen Ereignisse verwehren wollen, - und vieles andere einfach
‚vergeben’.
Geistliche erteilten in
Kriegsgefangenenlagern den Insassen gelegentlich sogar Generalabsolution.
Auf diese von Ambrosius von
Mailand vielleicht gutgemeinte Verheißung bauend vergaben die Päpste den
Kardinälen, diese den Erzbischöfen, bis schließlich der sündige Priester dem
Übeltäter alles vergab, und das schon bald nicht mehr auf ein Bekenntnis hin,
sondern für Geld.
Wegen dieser Lehre versteckten
die Klöster, 1945, die flüchtigen Hauptverbrecher vor der Nachkriegsjustiz. Sie
‚schafften die Übeltäter aus ihrer Mitte’
anders allerdings als Paulus (599) sich das damals vorstellte, indem sie
diese Leute nach Südamerika geleiteten, statt beizutragen sie vor ein
ordentliches Gericht zu stellen.
So praktizierte ‚die Kirche’
die eigentlich von ihr abgelehnte origenistische
Lehre von der Allversöhnung,
mit dem riesigen Unterschied, dass bei Origenes diesem Großereignis die tiefe
innere, angemessen dauernde Umkehr voraus geht, die von echt gefühltem Leid
über das persönliche Versagen verursacht wird.
Die Gerechtigkeit Gottes läßt
sich nicht beugen.
Das Buch Mormon sagt es mit
unvergleichlicher Klarheit: „...es ist
ein Gesetz gegeben und eine Strafe festgesetzt und eine Umkehr gewährt; auf
diese Umkehr erhebt Barmherzigkeit Anspruch; andernfalls erhebt die
Gerechtigkeit Anspruch auf das Geschöpf und wendet das Gesetz an, und das
Gesetz verhängt die Strafe; wäre es anders, so würden die Werke der
Gerechtigkeit zerstört, und Gott würde aufhören, Gott zu sein.
Aber
Gott hört nicht auf, Gott zu sein, und die Barmherzigkeit erhebt
Anspruch
auf die Reumütigen, und die Barmherzigkeit wird wegen des Sühnopfers zuteil;
und das Sühnopfer bringt die Auferstehung der Toten zuwege; und die
Auferstehung der Toten bringt die Menschen in die Gegenwart Gottes zurück; und
so werden sie in seine Gegenwart zurückgebracht, um gemäß ihren Werken
gerichtet zu werden, gemäß dem Gesetz und der Gerechtigkeit. Denn siehe, die
Gerechtigkeit macht alle ihre Forderungen geltend, und die Barmherzigkeit
beansprucht auch all das Ihre; und so wird niemand als nur der wahrhaft
Reumütige errettet.
Wie,
meinst du etwa, die Barmherzigkeit könne die Gerechtigkeit _______________
(599) 1. Kor. 5: 13
berauben?
Ich sage dir: Nein, nicht das kleinste Teil. Sonst würde Gott aufhören, Gott zu
sein.“ (600)
Unglaublich, dass die meisten
Theologen die ambrosianischen Behauptungen fast 1600 Jahre lang widerstandslos
akzeptierten. Jetzt wird auch
deutlicher, warum ‚die Kirche’ sich später immer häufiger gegen Origenes
wandte, denn dieser lehrte: Die „Sünde
wider den Geist ist eine schwere Sünde, die wiedergutgemacht werden muss, also
nicht aus Gnade Vergebung finden kann. Es ist - nach Origenes - die Sünde gegen
den Nächsten, welche diesen in seinen von Gott in seinen von Gott
verliehenen
Rechten
verletzt. Alles, was dem Nächsten ... (vorsätzlich) angetan wird , ... ist
Sünde wider den Geist. Solche Sünde muss in einem nächsten Leben - oder
möglicherweise bereits im derzeitigen - durch ein entsprechendes Schicksal oder
Leid gesühnt werden.“ (601)
Wie es Novatian und Hippolyt
verstanden, ist auch in der Kirche Jesu
Christi der HLT (Mormonen) der
Bischof ein Richter, (602) - in Fragen Kirchendisziplin, - aber,
nicht anders als ein weltlicher Richter hat er sich an gesetzte Prinzipien zu
halten.
Wenn er erkennt, dass die
vergebungsuchende Person in ihrem Inneren, mit Gott und dem eigenen Gewissen,
nicht im Reinen ist, darf er nicht sagen: es ist vergeben. Er soll „durch den
Geist erkennen“, ob der Bußfertige jenen Schmerz fühlt, der alleine eine
Wiederholung seines Tuns verhüten kann.
Ambrosianisches Verständnis
reduzierte das Gewissen.
Das ist das Problem!
Ambrosianisches Denken setzt ein geradezu kurioses
Gottes- und Buß- und
Beichtverständnis voraus. Das von Jesu gesteckte Hochziel: der Mensch solle
vollkommen gleich wie Gott werden, wird unterlaufen, wenn dieser Prozess des
allmählichen Werdens durch vorgetäuschte Reue unmöglich wird. Ob ein Ehebrecher wirklich Reue empfindet,
kann nur er selbst wissen, doch der christliche Priester sprach ihn allzu oft
frei, wenn die Zunge des Übertreters die erwarteten Worte sagte. Letztlich hat
Jesus das Prinzip der Vergebung offenbart, indem er sagte: „Schließe ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du
___________
(600) Alma
Kapitel 42:22-25
(601) Arbeitskreis
Origenes
(602) Lehre und
Bündnisse 107: 76 „Aber ein buchstäblicher Abkömmling Aarons hat ein gesetzliches Recht auf die
Präsidentschaft dieses Priestertums, auf die Schlüssel dieses geistlichen
Dienstes, darauf, das Amt des Bischofs
selbständig auszuüben, ohne Ratgeber, außer in einem Fall, wo gegen einen
Präsidenten des Hohen Priestertums nach der Ordnung Melchisedeks vorgegangen
wird, darauf, als Richter in Israel
zu sitzen.“
noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner zum
Gericht bringen... und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir:
du kommst da nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast“ (603) Wir
haben an unserem Gegner wiedergutzumachen oder wir müssen zahlen. Der Bischof mag, wie er meint, den Priester
der ein Kind in die Welt setzte freisprechen. Aber dieses Kind hat Anspruch auf
den Vater. Gott kann nicht machen, dass dieses Kind nicht nach der Elternliebe
dürstet. In welche Tiefen der Verkommenheit die „von Gott geliebte Kirche“
(Ambrosius) wegen ihrer ursprünglich nur schiefen
Betrachtungsweise stürzte,
zeigt die Geschichte. Wenn es so sein sollte, wie meine Kirche eher andeutet
als sagt, dass unserer unsterblicher Geist mit jedem niederträchtigen Gedanken
den wir zulassen und bewusst ausbauen Dunkel-Elemente aufnimmt, schaffen wir so
die eigentliche Basis unseres Unglücks selbst. Oder wir bauen unser ewiges
Glück, wenn wir mit Wohlwollen und Ehrlichkeit gegenüber anderen Menschen,
Licht in uns sammeln. Wir werden später am Helligkeitsgrad unserer späteren
Existenz erkannt, sagte mir ein Mann, Mitglied der Kirche Jesu Christi, der
viele Jahre unschuldig in russischen Konzentrationslagern einsitzend, über
diese Dinge gebetsvoll nachgedacht hatte.
Ob Freier oder Sklave unserer
Leidenschaften (Shakespeare), wir gehen später mit denen, die uns gleichen. Ob
das Himmel oder Hölle sein wird, bestimmt nicht Gott, sondern wir selbst.
Ob, dass wirklich so sein wird,
wird sich zeigen, aber solche Kausalitäten würden Sinn machen. Was für eine
Strafe würde ein Mann erleiden, der während
seines Erdenleben eine hoch angesehene, aber niederträchtige Persönlichkeit
war, plötzlich von denen gemieden wird, die ihm bislang schmeichelten und der
nun erkennen muss, dass er, der früher so Große nur ein kleiner, unbedeutender,
dunkler Wicht ist. Das korrespondiert mit der erwähnten Sichtweise des
Propheten Jesaja, der, als er den
elenden und nun entmachteten Mephistopheles sieht, erstaunt ausruft: „ist das der Mann der die Königreiche
erzittern machte? (604)
Die Reformatoren brachten mehr
Licht, weil sie begannen die Vernunft anzusprechen. Doch sie entflochten Staat
und Kirche nicht, noch war ihr eigenes Freiheitsdenken unterentwickelt. Wie
wenig die Regierenden aller Zeiten vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
von 1776 und vor der Französischen Revolution von 1789, von der Botschaft des
Evangeliums Jesu Christi verstanden, zeigten sie wieder und wieder mit ihren
Dekreten: So schrieb Schwedenkönig Gustav Wasa seinen
_____________
(603) Matth. 5:
25-26
(604) Jesaja 14:
12-17
Untertanen noch 1536 in Helsingland: „Ihr habt euch zum Luthertum zu bekehren,
wenn nicht, lasse ich ein Loch in den Delensee schlagen und euch darin
ersäufen.“ (605) J.Josef Ignaz von Döllinger in „Papsttum“
Natürlich wollte er selbst von
Rom unabhängig werden. Seine
Untergebenen durften aber noch
nicht mitreden. Noch konnten sich die Menschen nicht aus dem teilweise selbst
bereiteten Gefängnis nicht befreien. Tatsächlich wäre die Rückkehr zu den
ursprünglichen Idealen, Lehren und Individualrechten im 16. Jahrhundert kaum
möglich gewesen, weil die Strukturen und Machtverhältnisse von der
nachnicäischen Kirche auf die Belange ‚des konstantinischen Kirchenstaates’
zugeschnitten worden waren und eben nicht auf die Bedürfnisse des kleinen
Mannes. Noch hing alles Unselige zusammen. Dagegen wollten sich Origenes,
Hippolyt und Novatian rechtzeitig stemmen, als hätten sie es geahnt. Deshalb
verfluchte die Kirche sie. Deshalb wurde
„die konträre Auffassung in der Bußfrage
zum Unterscheidungsmerkmal zwischen den „Reinen“ (kaJaroi), wie sie sich
nannten, und der katholischen Kirche...“ (606) So begann die
tragische, und als ungeheure Anklage gegen Rom stehende Geschichte der Vaudois
bzw. der Bogumilen, bzw. der Waldenser und der Katharer (die Reinen). Sie
entstand mit Cornelius, als er gegen Novatian gewann.
Ihnen ging es nicht, wie
Konstantin, um ‚die Macht’. Viele von ihnen wollten durch ihre Haltung, gemäß
Jesu Vorbild zeigen, wieviel mehr ‚Ohnmacht’ unter Umständen vermag.
Sie sagten: Unser aller Gott
ist ein Gott der Freiheit. Sie stimmten mit ihm überein: Er sei der Weg, das
Licht der Welt, die Wahrheit und das Leben. Ihr Wahlspruch hieß : Das Licht
leuchtet in der Finsternis – lux lucet in tenebris.
Weil sie den Eingebungen ihres
Gewissen folgten, wurden sie durch Papst Innozenz III., dem sogenannten
Weichensteller Europas, soweit sein Arm reichte vernichtet.
Peter de Rosa (607)
kennzeichnete diesen Mann mit wenigen Strichen:
Innozenz III. „war die Reinkarnation Konstantins... mit vor Gold und Edelsteinen
leuchtenden Gewändern bestieg er ein weißes mit Scharlach bedecktes Pferd...
(schon da, zu Beginn seiner Papstkarriere) plante er seinen Lieblingstitel
‚Beherrscher der Welt’ zu einer Realität zu machen...“
Die Begründung seiner
Kriegerklärung gegen die Vaudois soll ihm der
______________
(605) J.Josef
Ignaz von Döllinger in „Papsttum“
(606) Biographisch-
Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(607) Peter de
Rosa, „Gottes erste Diener“ Knaur, 1988, S. 85
Mord an seinem Legaten Petrus
von Castelnau geliefert haben. Innozenz III. unterstellte sofort, dass der oder
die Täter in den Reihen der frommen Nichtkatholiken des Alpengebietes zu suchen
seien. Als ihm das blutbefleckte Habit seines Gesandten gezeigt wurde, beschloß
der Papst dessen Heiligsprechung, die sofort erfolgte. Damit war das Schicksal
der Vaudois besiegelt, obwohl Innozenz nichts über den Hergang wissen konnte.
De Rosa zitiert aus ein Brief dieses Papstes (Innonzenz III.): „In dieser ganzen Region sind die Prälaten
die Witzfiguren der Laien. Doch die Wurzel des Übels ist der Erzbischof von
Narbonne. Dieser Mann kennt keinen anderen Gott als das Geld und hat eine Börse
dort, wo sein Herz sein sollte... (man kann) Mönche und Kanoniker sehen, die ihre
Habite abgelegt und Ehefrauen oder Geliebte genommen haben und von Wucher
leben.“ (608) kjkjKLKLKLKLKLKLKLLLLLLKL
Peter von Castelnau war: „hart
gegen Häretiker und deren Umkreis vorgegangen, schritt auch gegen Bischöfe,
wegen deren nachlässigen Haltung bei der Ketzerbekämpfung ein, so enthob er die
Bischöfe von
Toulouse
und Beziers. Sein ungeduldiges, hartes, undiplomatisches
Vorgehen zog ihm Haß von allen Seiten zu. Trotz intensiven Bemühens, er zog als
Bettelmönch mit Dominikus gegen die Häresie predigend durch Südfrankreich,
gelangen ihm keine Erfolge gegen die Häretiker. 1207 exkommunizierte er Graf
Raimund VI von Toulouse wegen seines mangelnden Einsatzes. 1208 kam es zu einer
erfolglosen Besprechung mit Raimund VI in St. Gilles, die in Streit endete. Am
14.1. 1208 verließ er den
Ort
und wurde am nächsten oder übernächsten Tag von einem
Gefolgsmann Raimunds erstochen. D(ies)er Mord legte den Grund zum
Albigenser Krieg (1209-1219).“ (609)
Ein Vorwand also, etwas an dem die Vaudois völlig unschuldig waren, führte zu
deren fast kompletter Ausrottung .
Dominikus, Gründer des nach ihm
benannten Predigerordens 1203 begleitete Bischof Diego ins Gebiet der Mark
Brandenburg.
Noch kennen wir den Grund dafür
nicht. Doch die beigefügte Karte lässt ihn uns erahnen.
Die bedeutenden
Kirchenneubauten Mitteleuropas fallen denn auch in diese Zeit. Die nun im
gotischen Stil errichteten Kathedralen sollten den Dominikanern und später
anderen Bettelorden als Predigerkirchen dienen.
Weltgerichtstagspredigten
jagten den Menschen Angst ein. Neben den ______________
(608) „Gottes
erste Diener“ Knaur, 1988, S.189
(609) Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz
(610)
Verbreitungsgebiete der Waldenser um 1200
wackligen Hütten der Bewohner
ragten die festen Kirchtürme in den Himmel und das wirkte auf die Gemüter.
Schritt für Schritt wurde das, was Rom für die Wahrheit hielt, als
Pflichtreligion ausgegeben: „Christus will heute gar zornig sein!“
... wenn Ihr Euch nicht dem heiligen Vater unterwerft!
Bekannt ist, u.a. dass das
Konzil von Reims 1148 unter Androhung des
Anathems und des Interdiktes
verbietet, Ketzer (Arianer und sogenannte Antitrinitarier verschiedener
Spielarten) zu verteidigen, zu unterstützen oder ihnen Zuflucht zu gewähren. „Das Decretum Gratiani erklärt, es sei
rechtmäßig, Ketzer zur Rückkehr zum wahren Glauben zu zwingen, auch mit
weltlicher Gewalt.“ (611)
„Im Jahr 1163 nennt ein Domherr zu Köln die
verfolgten Wahrheitssucher seiner Zeit spöttisch „Katharer“, abgeleitet vom
griechischen katharos, (‚rein’)... Gervasius von Tilbury, ein junger Mann,
Kanonikus in Reims... ritt eines Nachmittags im Gefolge seines Erzbischofs...
da fiel sein Blick voll Wohlgefallen auf ein niedliches Mädchen, das alleine im
Weinberg arbeitete... seine Liebeswerbung wurde abgewiesen. Sie sagte... wenn
sie seinen Anträgen Gehör schenke... würde sie ohne Gnade verurteilt werden...
Eine so strenge Tugend war ein offenbares Zeichen von Ketzerei, weshalb der
Erzbischof als er herankam, das Mädchen sogleich in Gewahrsam bringen ließ...
Seiner Meinung nach musste sie zu den Katharern gehören. ... Im Verhör ...
zeigte sie eine so vollendete
Geschicklichkeit
in der Verteidigung ihres Glaubens... dass man keinen Zweifel hegte, sie sei
vom Satan inspiriert... sie und ihre Lehrerin wurden einstimmig zum Scheiterhaufen verurteilt... das Mädchen blieb ...
unempfindlich... sowohl gegen Versprechungen von Reichtum wie gegen ____________
(610) Quelle: Evangelischer Gesamtverband Oberweser-Brücke
online (611)
Sascha Ragg, „Der Albigenserkreuzzug“ Kurs Sommersemester 2004
Androhungen
von Strafe (es) wurde ... verbrannt. Seine Qual ertrug es heiter und ohne
Stöhnen.“ (611)
Ein mit den Lehren dieser arianischen
Splittergruppe vertrauter Autor unterrichtet uns in diesem Zusammenhang:
„Die Religion der Katharer ist eine christliche. Sie glauben an
Christus, lesen das neue Testament und beziehen daraus ihr Glaubensfundament.
Ihre Lehre geht davon aus, dass das Gute und das Böse sich die
Welt aufteilen. Und von diesem
Prinzip ausgehend stellt sich die
fundamentale Frage: Warum und auf welche Weise hat ein unendlich guter und
barmherziger Gott das Böse schaffen können, wenn er doch der Inbegriff der Güte
ist? Es gibt nur einen einzigen Gott, den Gott des Guten, der das ewige Reich
des Geistes schuf, aus welchem die Lebensfunken stammen: die Seelen.... die
Seele gehört dem Reich des Guten, der Körper zur verdorbenen Welt des Diesseits. Das
Heil besteht für die Katharer folglich darin, sich von der Welt des Bösen zu
befreien, um ins Reich des Guten zu gelangen. Die Katharer erwarten vom Tod
nicht die automatische Befreiung ihrer Seele. Diese kann erst dann in, das
Reich des Guten eingehen, wenn sie ihre ursprüngliche Reinheit wiedergefunden
hat d.h. zur Erkenntnis ihres göttlichen
Ursprungs gelangt ist. Es ist der von Gott gesandte Christ(us), der den
Menschen
die rettende Erkenntnis offenbart. Letztere kann nur durch Handauflegen und
durch den Geist erworben werden: Das
Konsolamentum.
Diese geistige Taufe verleiht den
Katharern das
Verständnis
des Guten. Sie spielt eine dreifache Rolle: Offenbarung, Priesterweihe und letzte Ölung. Die Handauflegung
symbolisiert den Eintritt ins religiöse Leben und die Anerkennung des heiligen
Geistes von der in einer fleischlichen Hülle eingesperrten Seele.“ (612)
Allerdings unterscheiden sie
die Waldenser von den Katharern dadurch, dass Erstere nicht den scharfen
Dualismus mit den Katharern teilen. Eine kleine Gruppe Waldenser schloß sich
1850 gleich zu Beginn ihrer Italien-
Mission den ‚Mormonen’ an. (613)
_________________
(611) H.Ch. Lea
„Geschichte der Inquisition im Mittelalter“ Eichborn, Bd. 1, S.123
(612) www.roussillon-france.com/katharer
(613) „Die
History of John Paul Cardon“ die durch dessen Enkelin Rebecca Cardon Hickman
Peterson, dem Generalsekretär der Genealogischen Gesellschaft der Kirche Jesu
Christzi der HLT (Mormonen)), Archibald F. Bennett, übergeben wurde, erschien
im Januar 1948 als Artikel in der "Improvement Era“
A. Bennett schrieb dazu einleitend:
„... es waren einmalige, kämpferisch
mutige Leute,“... „John Paul Cardon (1839-1891), wurde in einem Dorf in den
Piedmont Valleys geboren, man nannte den Ort Prarustin, in Italien. Seine
Vorfahren gehörten zu den Vaudois, die auch als Waldenser bekannt sind. Seit
der Zeit Christi waren diese
Menschen
bereit ihr Leben für die Sache Christi hin zu geben.“
Unser Gott hat es uns oft
wissen lassen, dass er kein Anseher der Person ist, und schon gar nicht ihr
Unterdrücker. Er fragt nicht welche Religion wir gewählt haben, sondern ob wir
uns auf sein Licht zu bewegen und ob wir bereit sind mehr zu empfangen.
Die allesüberwindende Liebe die
wir allesamt manchmal als höchste Kraft empfinden, mit Vernunft und der
Freiheitsidee zu verbinden, ist ein weitgestecktes Ziel. Ein anderes kann ein
Christ nicht haben. Dass es mehr ist als eine Wunschvorstellung, bewies Jesus.
Er lebte uns dieses Ideal vor.
„Kommt
her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken, lernt
von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig: so werdet ihr Ruhe finden
für eure Seelen. Denn mein Joch drückt nicht und
meine
Last ist leicht.“ (614)
______________
(614) Matth. 11: 28-30
PS. Einige Originaltexte ( stets
kursiv geschrieben) stehen nach
partieller Eingabe in die Google-Suchleiste zur Überprüfung zur Verfügung.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen