Dienstag, 24. März 2026

Gerd Skibbe "Streifzüge durch die Kirchengeschichte - ein Komprimat"

 

 

 

 

Gerd Skibbe

 

 

 

 

Streifzüge durch die

Kirchengeschichte

 

 

Betrachtungen aus dem Blickwinkel eines Mormonen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der vielleicht größte Deutsche bekannte:

 

"Ich halte die Evangelien alle vier für durchaus echt, denn es ist in ihnen ein Abglanz einer Hoheit wirksam, die von der Person Christi ausging, und die von so göttlicher Art ist, wie nur je das Göttliche erschienen ist. Fragt man mich, ob es in meiner Natur sei, ihm anbetende Ehrfurcht zu erweisen, so sage ich: Durchaus. Ich beuge mich vor ihm als der göttlichen Offenbarung als des höchsten Prinzips der Sittlichkeit und zwar die mächtigste, die uns Erdenkindern wahrzunehmen vergönnt ist. Ich anbete in ihr das Licht und die zeugende Kraft Gottes, wodurch allein wir leben, weben und sind, und alle Pflanzen und Tiere mit uns. Fragt man mich aber, ob ich geneigt sei, mich vor einem Daumenknochen des Apostels Petri oder Pauli zu bücken, so sage ich: Verschont mich und bleibt mir mit euren Absurditäten vom Leibe!" 

 

Johann, Wolfgang von Goethe 

Das trinitarische (athanasianische) Bekenntnis beginnt mit den Worten: „Wer gerettet werden will muss vor allem den katholischen Glauben halten. Denn wer seinen Glauben nicht treu und ganz bewahrt, wird ohne Zweifel für immer verloren sein. Dies ist der katholische Glaube; wir beten einen Gott in der Trinität an, und die Trinität in Einheit... 

Ein Gegenbekenntnis gibt zu bedenken: "Ich bin einer von den vielen, die sich als Christen bekennen... Ich glaube, Gott ist der Herr allen Geschehens. Aber mit der heiligen Trinität habe ich ganz große Schwierigkeiten. Und ich bin der Frage gewärtig: Bin ich vielleicht deshalb kein Christ? Oder bin ich vielleicht nur ein ganz schlechter Christ? (...) Ich nenne mich gleichwohl einen Christen. Denn ich bin überzeugt von der Moral, die das Christentum im Laufe von Jahrhunderten entfaltet hat." 

 

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, „Christ in der Gegenwart“ Nr. 33 / 1998, 277-278.

 

 

 

 

„Menschen sind, dass sie Freude haben können“ 

 

Buch Mormon 2. Nephi 2: 25

 

 

„Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!“

 

Friedrich Schiller „Ode an die Freude“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort 

 

Die modernen Resultate der Geschichtsforschung ermöglichen uns einen deutlicheren Blick auf den Prozess der Entstehung der Reichskirche. Sie lassen den Schluss zu, dass mit dem Begriff ‚Christentum’ die Zeit und die Geschichte der Frühkirche vor etwa dem 3. Jahrhundert beschrieben werden könnte. Was sich mit und nach Kaiser Konstantins Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten zutrug, änderte alles. Wenigstens im Nachhinein verlangt das eine Korrektur auch des Titels.

Mit der Etablierung der Reichskirche zwischen 325 und 380, gerieten die Reste der Urkirche unter massiven Druck der „Orthodoxen“. 

Das Gesetz „Cunctos populos“ von 27. Februar 380 formulierte exakt das Gegenteil des Toleranzediktes Kaiser Galerius von 311, sowie das Reskript der Kaiser Konstantin und Licinius von 313.

Cunctos populos, - zumindest mit Billigung des Ambrosius von Mailand geschrieben und veröffentlicht, - richtete sich nicht nur gegen die paganen Religionen, sondern ausdrücklich gegen alle damals, auch zahlenmäßig, nicht unbedeutenden origenistisch-arianisch glaubenden Gruppen der Kirche, sowie gegen Manichäer, Mandäer usw. 

Gewissenentscheidungen, die sich nicht mit den Sonderansichten des Ambrosius und dann mit den Kuriositäten des Augustinus von Hippo deckten, wurden für illegal erklärt.

Aufsehenerregend ist in diesem Zusammenhang die Arbeit von Ana Maria C.M. Jorge “The Lusitanian Episcopate in the 4th Century. - Priscilian of Ávila and the Tensions Between Bishops” 

Drei nachfolgend zitierte authentische Sätze umreißen die Ausgangssituation. Sie spornten mich an diese Broschüre zu schreiben, nämlich zu kommentieren was bedeutende Historiker herausfanden, sowie das Ganze möglichst miteinander zu einem verständlicheren Ganzen zu verbinden. 

 „In Nicäa (325) … befolgte die Kirche die Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“ (1)  

„Konstantin ist verantwortlich für die Entstehung des katholischen und orthodoxen Christentums.“ (2)  

 

                                                        Gerd Skibbe, Melbourne, im März 2010

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(1)   Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg -

Uni Greifswald, 1954  S. 81 ff

(2)   Prof. Wolmeringer „Konstantin-Artikel“ vom 05.03.07 im Internet, S.2

Martin Luther

 

Wie er dasteht nach durchwachter Nacht, an jenem 18. Apriltag des Jahres 1521, vor den Fürsten Deutschlands unter Beobachtung tausender Zeugen und vor dem lässig sitzenden, noch jungen, doch sehr besonnenen Kaiser Karl V. der kein Deutsch versteht, bewegte Freund und Feind. 

Es ging um Tod und Leben - und zwar nicht nur um das des Dr. Martin Luther. 

Er solle seine Bücher und Ansichten widerrufen, denn diese rüttelten, nach Kardinal Cajetanus Urteil, an jenen Pfosten auf denen die Macht des Papsttums ruhte. 

Mit dem Bekanntwerden seiner berühmten 95 Thesen, die schon wenige Wochen nachdem er sie formuliert hatte in ganz Deutschland Aufsehen und fast ausnahmslos Zustimmung gefunden hatten, drohte dem Vatikan vor allem das Versiegen des Geldflusses aus dem Ablasshandel.

Das war aus Roms Sicht sträflicher Abfall von Gott.

Martin hatte es auf den Punkt gebracht: „Der Papst möge die Basilika St.

Peter aus seinen eigenen Mitteln bauen und nicht mit dem Geld der armen Gläubigen.“ (3) 

Es war nämlich kirchliche Sitte geworden, eine eigensinnige Interpretation von Matthäus 16: 19 (4) gemäß Ambrosius von Mailand aus dem Jahr 380 buchstäblich auszubeuten:  Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte. Aufgrund der von Gott verliehenen Gewalt wird die von Gott geliebte Kirche einmal gleichsam in einem Atemzug, mit Gott

genannt.“ (5) 

Aus dieser entweder missverstandenen oder bewusst gewagten Behauptung eines der berühmtesten Männer aller Zeiten, entstand eine Denkweise, die heute wahrscheinlich kein Mensch mehr unterschreiben würde. Diese Zeilen wurden tatsächlich als Freibrief für Christen vom Typ Epiphanius (um 390) oder eines Cyrill von Alexandria (um 432) verstanden, die (wie später gezeigt wird)  rücksichtslos im Kampf um die eigene Macht agierten. Ambrosius Aussage wurde immer wieder genutzt, um alles zu entschuldigen was an Kapitalverbrechen geschah, solange es letztlich der _____________

(3)  86. These    

(4)  „Ich (Jesus) werde dir (Petrus) die Schlüssel des Himmelreiches geben, was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“

(5)  Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159   

Festigung der Position des ‚heiligen Stuhls’ diente. Nicht nur der Dominikaner Tetzel auch andere Ablasshändler waren zu Luthers Zeiten durch die Lande gezogen und hatten jedem Sündenvergebung versprochen. Jedem! Es wurde seitens der Gläubigen nicht nur als eine in der Ewigkeit gültige Freisprechung vor Gott als Weltenrichter verstanden, es war auch so gemeint: nämlich, die Kirche kann dich von allen Sünden freisprechen, wenn du deine Vergehen bekennst. 

Da ist der Fall des Mordes des Statthalters der Lombardei, Azzo Visconti an seinem Oheim Marcus im 14. Jahrhundert.  Papst Johannes XXII. nahm von diesem Mörder Geld und erklärte, Gott gedenke seiner Sünden nicht mehr. Visconti sei nun mit dem Reich Gottes ausgesöhnt. (6)  

Dass Geld, auch schmutziges, jedes Tor im Reich Gottes öffnen könne, wollte Luther weder verstehen, noch unwidersprochen hinnehmen. Mit einer riesigen Kreuzesfahne, militärisch geschützt war Tetzel quer durch Deutschland bis in Luther Nähe gereist. Er kam bis Jüterbog. Nach Wittenberg wo Bruder Martin lehrte durfte er nicht gehen, denn Kurfürst Friedrich der Weise hatte Tetzel untersagt Kursachsen zu betreten. Friedrich wollte nicht, dass sein Geld und das seiner Untertanen irgendwohin abwandert. Deshalb liefen die Wittenberger, abergläubisch wie sie durch ihre Geistlichen erzogen worden waren, nach Jüterbog. Bald spürte Beichtvater Luther die Auswirkungen direkt. Er zeigte sich nicht gewillt, alle Männer und Frauen von ihren Sünden zu absolvieren, solange sie nicht aufrichtig Umkehr geübt hatten. Deshalb lautete seine 1. und vielleicht wichtigste These: „So unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das Leben der Gläubigen eine stete und unaufhörliche Buße sei.“

In Bruder Martins Kopf und Herz stand an dieser Stelle das griechische Wort: metanoia, und das meinte innere Umkehr.

Wie er glaubte, müsste das doch jedem einleuchten. 

Nur, wie sagte er das seinem Kaiser?

Er hätte es leicht erklären können: Was hat eine Ehefrau davon, dass ihr Mann bekennt, ich habe dich betrogen, solange sie nicht sieht, wie sehr es ihm im Innersten weh tut, und solange sie nicht fühlt, er würde es niemals wieder tun. Erst echte Reue (Buße, wie Luther sie verstand)  konnte alles bessern. Der Bußkatalog nannte statt Umkehr eine Geldsumme und das brachte Luther in Wut. Außerdem hieß es, Papst LeoX. hätte 1515 den Ablass ausgeschrieben um seine Schulden beim Bankhaus der Fugger zu begleichen. Denn er liebte die große Kunst  von Raffael z.B. ließ er sich die Wände seines Badezimmers mit der Göttin Venus und ihrem Sohn, dem ________________

(6) Schlosser, Weltgeschichte Bd VI. S. 390-391

Liebesgott Cupido, bemalen und… laut seinen Zeitgenossen ... sei ein Teil des eingenommenen Geldes für die Aussteuer seiner Nichte Maddalena Cibò bestimmt gewesen...“ (7)  Luther war auch nur ein normaler Sterblicher, er durchlief einen Prozess. Das ganze Jahr 1516 hindurch glaubte er noch gutwillig, dass der Papst Christi Stellvertreter auf Erden ist. Selbst im Jahr 1517 sagt er noch: „Die freche Ablasspredigt macht, dass es auch gelehrten Männern schwer wird, des Papstes Ehre rein zu halten von Verleumdungen oder wenigstens vor scharfen Fragen der

Gläubigen“ (8) 

Den Papst stellte man sich zugleich als Christi Stellvertreter und als Kaufmann vor. Er sammelte die guten Werke seiner Frommen ein, darunter die vielen Gebete die vor allem die Nonnen und die Bruderschaften, über das notwendige Maß zur eigenen Erlösung, gesprochen hatten. Über dieses Plus konnte der heilige Vater verfügen, er konnte es verkaufen oder sogar als Gnade Christi verschenken. Supererogation nannte man das. Seit dem 13. Jahrhundert galt: „Es ist tatsächlich ein ungeheurer Schatz an Verdiensten vorhanden, der sich aus den frommen Taten ... zusammensetzt, welche die Heiligen über das hinaus vollbracht hatten, was zu ihrer Seligkeit notwendig ist... dass den Treuhänder dieses kostbaren Schatzes den römischen Pontifex ermächtigt, denen die er für geeignet hält, einen Teil dieser unerschöpflichen Quelle des Verdienstes zuzuerkennen... so ausreichend, dass die Übeltäter von der für ihre Missetaten vorgesehen Strafe befreit werden.“ (9) Die Statistiken ‚guter Werke’ wurden gewissenhaft geführt. Das „Vaterunser“ - das zwar nur wenige Worte umfasst - wurde in manchen Klöstern rund um die Uhr gebetet: Sieben Millionen Ave Maria hatte „die Bruderschaft der 11 000 Jungfrauen auf Vorrat gebetet, dazu 200 000 Rosenkränze und  200 000

TeDeum laudamus, sowie 3500 ganze Psalter  (10) 

Luther war in der durchgekämpften Nacht vor diesem Verhör mancherlei durch den Kopf gegangen. Er fühlte sich elend und verlassen. Doch seit seinem Turmerlebnis - einer Erfahrung, nachdem er wieder einmal  mit sich gerungen und doch im Kampf gegen die Lust unterlag - weiß er, dass Tetzels Lehre und damit des Papstes Auffassung nicht richtig sind. Denn niemand, der voll Selbstgerechtigkeit ist, kann mit der Gerechtigkeit

Gottes erfüllt werden. Dass jedermann sogar seine sündigen Vorfahren, die

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(7)      Maike Vogt- Lüerssen „Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance“ 

(8)      82. These

(9)      James Talmage, „Jesus der Christus“ zitiert Mosheim, Geschichte der Kirche, XII.

Jahrhundert II. 3:4

(10)  Gustav Freytag Deutsche Bilder 2, Leipzig, 1927, S. 337 

im Purgatorium große Qualen erleiden, freikaufen könne, hält er noch nur für eine Übertreibung und das Tetzelwort: Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt, ist in seinem Augen einfach eine dreiste Werbung. Doch eigentlich hatte sich sein Bruch mit dem Papsttum bereits einige Jahre zuvor vollzogen. 1515 war er nach Rom gewandert. Mit hochgespannten Erwartungen fiel er angesichts der am Horizont auftauchenden Türme der ewigen Stadt auf die Knie und dankte Gott: „Heiliges Rom!“ Unheiligeres sollte er nie wieder sehen, nie wieder so lästerliche Reden wie die seiner römischen Brüder hören, die die Messe mit unbeschreiblich obszönen Redensarten verlachten und die sich den Gedanken der Vorfreude hingaben, gleich danach Vergnügen in den Armen ihrer Geliebten zu finden.

Gespannt starrte der bleiche Kaiser auf den Mund dieses Aufrührers, der wie er hörte so schlau gegen den Papst von der Gnade und dem Glauben an den Erlöser Jesus Christus sprach und der sich damit um Kopf und Kragen redete. Er starrte auf den Mund des Mönches, der seine Überzeugungen gerade mit den Worten zusammenfasste: „Ich kann meinen Schriften nicht anders beistehen, als wie mein Herr Christus selbst seiner Lehre beistand, indem er dem Diener...  der ihn ohrfeigte, antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse sei.“ (11)  Martin stand nun im 36. Jahr seines Lebens, er ist Doktor der Heiligen Schrift, die er, wie sonst keiner, in diesem Raum, kannte und verstand. Er hatte sich nicht leicht durchgerungen, mit klaren Worten abzulehnen was von ihm gefordert wurde, denn er hatte zu viel erfahren und gesehen. Die den Kaiser beratenden schwarz-weißgekleideten  Dominikaner forderten angesichts der übergroßen Geduld ihres Herrn und der trotzig-zögernden Haltung des Augustinermönches Luther, seine sofortige Bestrafung:  „Er ist ein Ketzer, ... ins Feuer mit ihm!“ Das hörten nicht nur die ihnen Nächststehenden.

Martin ist sich darüber im Klaren, ein kleiner Wink des mächtigsten

Mannes der Welt genügte, um es auszuführen. Es ist wahr, er ist ein Ketzer! Keck hatte er in seinen Schriften behauptet, die Maximen des römischen Klerus seien Pfründe und Vormacht. Er ist ein Ketzer mit dem stark begründeten Anspruch die Wahrheit auf seiner Seite zu verteidigen. Er ist ein sonderbarer Ketzer, einer der intensiv um Toleranz warb,  um wenig später selbst unbeugsam intolerant zu handeln.  Bald wird er knapp und ungnädig sagen: „Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen, man kann sie ungehört verdammen!“ (12)

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(11)  Wachsmann, „Die Dokumentenplattform: Luthers Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms.“

(12)  Tischreden, Bd.III. S. 175

Der spanische Kaiser der Deutschen, vor dem Luther zu Kreuze kriechen soll, ist zwar jung, aber Karl V. hat sich nie darum geschert, was ihm Fachleute rieten. Er wird sich, wie stets sein eigenes Urteil bilden. Er, als Imperator, hatte die heilige Pflicht vor Gott das Evangelium Roms zu bewahren und dem Papst zu Dienste zu stehen. Doch auch er ahnt nicht, dass er, wie sein hagerer Gegenüber, sehr bald ins Gegenteil fallen wird. Er wird sechs Jahre später Truppen gegen Papst Clemens VII. schicken, der so unklug war, sich mit den Franzosen gegen ihn zu verbünden. Es sind die einmaligen Umstände die beide jeweils dahin bringen die eigentlich ‚andere’ Rolle zu spielen.

Mangelnde Besoldung der Söldnertruppen, schlechte Führungsarbeit und der allgemeine antipäpstliche Hass, zerbrachen während dieses kuriosen Feldzuges bald jede Disziplin. 

Ungestraft zogen die katholischen wie auch die lutherischen Soldaten Karl V. monatelang plündernd durch die Straßen der heiligen Stadt, begleitet von üblen Spaßmachern. Darunter war einer, der mit einer Tiara gekrönt und im Chormantel wie der Papst auftrat.  Als „Sacco di Roma“ ging dieses Zwischenspiel, im römischen Drama, in die Geschichtsbücher ein.  Luther, ehe er an diesem 18. April 1521 erneut zu Wort kam, betrachtete den nachdenklichen Kaiser mit seinen rotblonden Haaren nicht furchtlos. Er schaute nur kurz in die gewaltigen Augen seines Herrn, die aus einem ungesund blassen Gesicht herausquollen. 

Ihm wurde bedeutet, er möge es nun in Deutsch wiederholen, damit auch bei den deutschsprachigen Hörern kein Missverständnis sei. 

Luther sprach lange.

In seinem Kopf sind all diese Bilder seiner meist unguten Erfahrungen und der Geschichte, die ihn beunruhigen. Er muss diese Vergangenheit für sich und andere überwinden. So konnte es nicht weiter gehen.

Die christliche Welt war am bisher tiefsten Punkt ihrer Verkommenheit angelangt. Es war die Zeit des spanischen Großinquisitors Torquemada, der die Juden und Mauren erbeben machte, indem er sie massenweise verbrennen ließ. (13) Es war die hohe Zeit des religiösen Betrugs, der hysterischen Frömmigkeit, der Massenwallfahrten und einer weit verbreiteten Unwissenheit. Nicht wenige Klöster waren zu Herbergen von

Gesindel geworden, andere zu Bordellen verkommen. Mancherorts war

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(13) Dieter Wyss, „Kain: Phänomenlogie und Psychopathologie des Bösen“, Königshausen & Neumann,1997: „Llorentes, Sekretär der spanischen Inquisition berichtet, gestützt auf Archivmaterial, Torquemada habe 10 220 Menschen lebend verbrannt, sowie mit Unterstützung Ferdinands und Isabellas 114 300 Familien für immer ruiniert.“   

jeder dritte  Mann ein Mönch oder Geistlicher der auf Kosten der geschundenen Bauern lebte. Luther ist zuversichtlich. Er vertritt doch die Sache Jesu Christi. Andererseits weiß er von Jan Hus. Dem hatten sie zwar ebenfalls freies Geleit und sichere Rückfahrt nach Prag zugesagt und dennoch waren 1415 Krone und Kurie darin überein gekommen: Hus muss brennen. Ja, er hatte von dieser Prophezeiung des Hus gehört: Sie werden jetzt eine Gans braten (denn Hus heißt eine Gans) aber über hundert

Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden." (14) Er war dieser Schwan.

Zitternd war er einmal, in der Zeit seiner größten Römgläubigkeit, in einer

Prozession hinter einer Monstranz hergelaufen. Dr. Usingen, Lehrer seines 

Ordens, der das bemerkte hatte ihn angestoßen und besorgt nachgefragt ob Martin sich unwohl fühle. Da bekannte Luther, den Blick auf das Türlein der kristallenen Monstranz gerichtet, hinter der sich Jesu Fleisch in Form der geweihten Oblate, der Hostie, befand, wie sehr er sich fürchte dermal einst diesem Weltenrichter gegenüber zu stehen und verurteilt zu werden...  Dr. Usingen meinte es gut, doch Menschenworte, so gut sie auch gemeint waren, konnten ihn nicht trösten. Erst der Römerbrief vermochte es, später.  Er wollte durch Hungern, Frieren und Kasteiungen einen gnädigen Gott bekommen und stellte entsetzt fest, dass er sein starkes Naturell trotz der Schikanen die er sich antat, nicht kontrollieren konnte. Er fühlte sich schuldig und von Gott verdammt. Bis eines Tages, sein Blick auf den Schlüsselvers im Römerbrief 1: 17 fiel: „Der aus Glauben Gerechte wird leben.“  Wie ein Blitz traf ihn damals die Erkenntnis: Nicht durch gute Taten, sondern durch Glauben wird der Mensch gerettet. Das war das eigentliche Turmerlebnis. Der Kerngedanke seines neuen Glaubens und Denkens war geboren. Er fühlte es sofort freudig erregt, dies würde seinem Leben eine völlige Wende bringen. Er wollte nun „tapfer sündigen, aber tapferer glauben!“ 

Sich selbst zu fragen, ob die Wahrheit, - wie so oft, - vielleicht auch diesmal in der Mitte liegen könnte, fiel ihm nicht ein. Und so sollte und wollte Luther aus einer Religion des übertriebenen Tuns, eine der Kontemplation bilden.  

Während seiner 2. Rede vor dem Kaiser warb Martin erneut um Verständnis. Dann schloß er mit dem leuchtenden Bekenntnis: „Da mein

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(14) Die evangelische Kirche zu Ebersgöns: (2009): „Hus war auf dem Konstanzer Konzil zum Ketzer erklärt und zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt worden. 1531 schrieb Martin Luther: "S. Johannes Hus hat von mir geweissagt, als er aus dem Gefängnis im Böhmerland schreibt: Sie werden jetzt eine Gans braten (denn Hus heißt eine Gans) aber über hundert Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden."

Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das

Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Nicht nur das ganze Worms, halb Deutschland bejubelte Martins Mut, denn diejenigen, die freiheitlich denken konnten, hatten schon lange nach einem Mann wie ihn Ausschau gehalten. Mindestens einer seiner Zeitgenossen, Friedrich Mecum, sah Luther in einem tröstlichen Traum, nachdem ihn (Friedrich) die Mönche, als er noch sehr jung war, überredet hatten ins Kloster zu gehen, was er bald sehr bereute. (15) Martin Luthers Theologie ist weit gespannt, sie ist auch für ‚Mormonen’ großartig, oft missverstanden allerdings, aber auch offensichtlich nicht mehr schlüssig, wenn er sie auf sein „Sola gratia“ verkürzt. Wer jemals den Geist Christi bewusst wahrnahm, der weiß, dass er reine Liebe und Freiheit ist. Sie kommt auch in den Kunstwerken der Großen, wie ein Echo, zum Ausdruck.

Ohne diese Liebe, die Gott für uns empfindet, wären wir nichts. Insofern hat Luther nach dem Verständnis derer recht, die ihre Religion im Sinne des berühmten alten Kirchenlehrers Origenes (185-254) begriffen.  Ein idealer irdischer Vater liebt seine Kinder ebenfalls und würde sein Leben für sie hingeben, doch er fordert von ihnen tapfer zu sein und gute

Leistungen zu zeigen. Bruder Martin, allerdings predigte nach seinem Auftritt in Worms, - den er trotz mancher Gefahren gut überstand - wo er konnte, passiven Glauben. Er pfiff geradezu auf die Fähigkeit jedermanns kraft des eigenen freien Willens richtige und notwendige Entscheidungen zu treffen. Der Mensch werde, wie ein Esel,  entweder von Gott oder vom Teufel geritten. Sein Denken blieb dem Augustinischen Glauben von der allein seligmachenden Gnade Gottes verhaftet. Während Jesus das Tun des Guten am Nächsten verlangte; zogen fortan Luthers Jünger die Paulusaussagen - Menschen würden allein aus Glauben und Gnade selig - den Bestimmungen Jesu Christi vor. Das machte viele bedenklich, was dann zu Absplitterungen führte. Bereits zu Lebzeiten des großen Heidenapostels (Paulus), wurde diese Sichtweise von einem Ranghöheren, nämlich von Jakobus, dem leiblichen Bruder Jesu attackiert: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“ (16)  

Hunderte Millionen sollten das ‚Sola fide’ später, wie Martin, daher beten. _____________ 

(15) Gustav Freytag Deutsche Bilder 2, Leipzig, 1927, S. 339 „Sieben Jahre, bevor Luther die Reformation begann, war ihm das Bild des großen Mannes im Traum erschienen und hatte die Zweifel seines aufgeregten Herzens beruhigt.“ (16) Jakobusbrief 2: 14 

Seine Gegenspieler, wie der spanische Konzilstheologe Bartolomae Carranza, (17) sagten: Luther hätte es besser wissen müssen. Dieses

Pauluszitat auf das sich seine Religionsphilosophie gründet: „Der aus Glauben Gerechte wird leben“ sei lediglich ein verstümmelter Satz aus dem Alten Testament, dem Buch Habakuk entnommen. Im Original lautet der Text: „Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben!“ (18) Das ist zweierlei. Das Recht da zu schaffen, wo es fehlt, führt zur Erlösung, sagte der Prophet Habakuk.  In unseren Tagen formulierte der Protestant Dietrich Bonhoeffer (19061945) einleuchtender als Luther, worauf es ankommt: „Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen. Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“ (19) Weil er lebte, was er glaubte wurde Bonhoeffer im 3. Reich Hitlers hingerichtet und wir bewundern ihn. Mit eben dieser Forderung, Recht zu schaffen hat der interessierte Leser zugleich die Moraltheologie des sogenannten „Mormonismus“ auf einen Blick vor sich. In seinem Zentrum steht der Begriff „Rechtschaffenheit“, das große Wort des Buches Mormon (65

Zitate). (20)   

Gewiss wäre es besser um die Geschichte Europas bestellt gewesen, wenn Luther, statt energisch auf seine drei engen Kernsätze ‚sola gratia’, ‚sola scriptura’ und ‚solus Christus’, zu pochen, Habakuks und anderer, offensichtlich inspirierter Propheten Forderung nach Rechtschaffenheit zum Zentralbegriff aufgerufen hätte. Wenn er sowohl die Bauern, wie die Ritter dringlicher gemahnt hätte, bei ihrer Seele Seligkeit gerecht zu  richten  und Recht  zu schaffen, vielleicht wäre es dann nicht zu den __________________ 

(17)  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz:   „1559 wurde Carranza von der Inquisition, dessen Mitglied er selbst lange gewesen war, in Torrelaguna bei Madrid verhaftet und in der folgenden Nacht nach Valladolid gebracht... Obwohl er an den Papst appellierte, blieb Carranza 8 Jahre in spanischer Haft, bis er auf Befehl Pius' V. nach Rom gebracht wurde, wo er noch 9 Jahre in der Engelsburg in Untersuchungshaft saß. Die Inquisition und Philipp II. verzögerten den Fortgang des Prozesses, der endlich nach 17 Jahren durch Gregor XIII. zum Abschluss kam. Die Ketzereien, deren Carranza angeklagt war, konnten nicht bewiesen werden.“  Carranza hatte gewagt Kaiser Karl V. auf dem Totenbett, mit Worten zu trösten die den Lauschern lutherisch geklungen hatten.

(18)  Habakuk 2: 4 

(19)  Sprichwörter 31: 8-9 

(20)  z.B. 2. Nephi 9: 14 wir werden in der Auferstehung „eine vollkommene Kenntnis all unserer Schuld und unserer Unreinheit und Nacktheit haben, und die Rechtschaffenen werden eine vollkommene Kenntnis ihrer Freude und ihrer

Rechtschaffenheit haben, denn sie sind mit Reinheit bekleidet, ja mit dem Mantel der Rechtschaffenheit.“

 

nahezu deutschlandweiten Bauernkriegen gekommen, vielleicht wären der 30jährige Krieg und andere Verbrechen ähnlichen Ausmaßes vermieden worden.

Es sind in der Christengeschichte immer wieder nur einzelne Begriffe, die von christlichen Fanatikern beider Seiten wie Schlachtrufe missbraucht wurden.

Vor und zu Luthers Zeiten wollten die Christen durch ‚besonders gute Taten’ Erlösung finden, nämlich in Pilgerreisen, im Reliquienerwerb (die ohnehin überwiegend Falsifikate darstellten), in der Teilnahme an endlosen Kreuz- und Kriegszügen gegen Islam, Heiden-, Ketzer- und Judentum. Das Gutsein bestand aus Kasteiungen, langanhaltenden Wiederholungen gewisser Floskeln und im geradezu blinden Gehorsam gegenüber jeweiligen kirchlichen Vorgesetzten. Das wirklich Gute bestand nicht im Bilden einer glücklichen Familie, sondern in monastischem Leben -  obwohl Gott geboten hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei!“ (21) Bis weit in die Neuzeit hinein, forderte die römisch-katholische Kirche von nicht wenigen Ehepaaren, die Josephsehe zu leben, als wäre das der Ausdruck von Frömmigkeit die Jesus gelehrt hatte. Dabei handelt es sich eher um eine schlecht begründete Annahme manichäisch-augustinisch glaubender Katholiken, Maria sei so heilig gewesen, dass jede normale eheliche Beziehung unvorstellbar wurde. Man war fromm, wenn man Sexualität in jeder Form mied, oder wenigstens so tat als ob. Jesus hat dagegen ‚nur’ gefordert, dass die Ehepartner zu keiner Zeit Verlangen nach anderen zulassen - und das ist, wie jeder weiß, kein Selbstläufer. 

In Spanien  galt es in den Tagen der Reformation noch ausgesprochen verdienstlich und gut vor Gott, bei Ketzerverbrennungen anwesend zu sein, das Brennmaterial heranzuschaffen, sowie den Maurisken, Juden und selbst einander das Leben zur Hölle zu machen. 

In seiner Summe war solches ‚Guttun’, natürlich exakt das Gegenteil der Lehre und der Erwartungen Jesu, denn seine Frage lautete: „Ist dir bewusst... Was du einem meiner geringsten Brüder (Schwester) angetan hast, das hast du mir angetan?“ (22)  

Ihr kümmert euch um alles, ihr seid bis zur Kleinlichkeit genau, „... aber das Schwerste im Gesetz, ... die Barmherzigkeit ...setzt ihr hintenan.“ (23)  ________________ 

(21)  Genesis 2: 18 „Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt, ich will ihm eine Hilfe geben“... Eva.

(22)  Matth. 25: 40

(23)  Matth. 23: 23

 

                                                                             

Sie fühlten sich anscheinend erst dann gut, wenn sie einander bestraften. Nonnen, die das Gelübde der Keuschheit gebrochen hatten, - manchmal mit dem Beichtvater in seiner selbstgewählten Funktion als Verführer, - wurden unmenschlich hart bestraft, gelegentlich eingemauert.                                                       

 

Werke der Bigotterie und der Askese können Gott nicht dienen, behauptet das Buch Mormon, in dem es sagt: “wir stehen nur dann im Dienste Gottes wenn wir unserer Mitmenschen dienen.“ (24) Damit befindet es sich im Kontext der Bergpredigt: erfreue deine Mitmenschen, - redet nicht nur vom Guten, tut es.  Dieses Wort: „Tue es!“, erscheint allein im MatthäusEvangelium 23 mal. Dagegen war das, auch von Luther als unsinnig betrachtete Sammeln von Reliquien, vor dem 4. Jahrhundert so gut wie unbekannt. Zu den ersten Reliquienverehrern und - sammlern („toter Ding“, Luther) gehörte die Mutter Kaiser Konstantins, Helena, die sicherlich in guter Absicht, eine große Förderin jenes Scheinchristentums wurde, dem die Symbole des Glaubens bald  wichtiger erschienen, als der von den ersten Christen vertretene Glaube daran, das man seine Religion zu leben hat. Es ist ohnehin an der Zeit Helenas Schilderungen von der Auffindung des Kreuzes Jesu, 300 Jahre nach seinem Tod, entschiedener zu hinterfragen. Nachzufragen ist auch, warum die Christen der ersten drei Jahrhunderte gar nicht daran dachten das Kreuz zum Gegenstand ihrer Verehrung zu erheben und warum sie sich, selbst nach Konstantins angeblicher Kreuzesvision, noch weitere 100 Jahre weigerten, das Kreuzessymbol in  ihre Kirche zu tragen. Erst nach dem Konzil zu Ephesus, 431, sollte das geschehen. (25) Zu bedenken ist, dass der Veranlasser dieser gravierenden Änderung, der schließlich siegreiche Kopf dieses Konzils, Cyrill von Alexandria, immer noch unter der Anklage schwerster Menschenrechtsverletzungen steht. Da liegt der dringende Verdacht der Anstiftung zum Mord in mindestens einem Fall vor, der Volksverhetzung, der aktiven Bestechung, der Hehlerei u.a. schwerer  

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(24)  Mosia 2: 17                                                                                                             

(25)  Jan, Thomas Otte, „Evangelischer Kirchenbote seit 1848“ für die Pfalz, Nr. 13, 2007 „Das Christentum hat im Jahr 431 das Kreuz als zentrales christliches Symbol beim Konzil von Ephesus eingeführt.“

Vergehen. Die Verteidiger Cyrills von Alexandria sehen sich der Frage gegenüber, warum gerade er das Symbol der Todfeindschaft gegen Jesus zum zentralen christlichen Zeichen bestimmte. So weit wie zu blicken ist, vergrößerte das Kreuz bestehendes Elend. Selbst der berühmte Christoph Kolumbus benutzte es, u.a. um illegal „Besitz“ von der Neuen Welt zu ergreifen. Dieses Kreuz ging den größten Verbrechen voraus. Es führte zur „Christianisierung“ der Indianer, mit dem Resultat von Millionen Toten. Die im 5. Jahrhundert erfolgte ‚Verchristlichung’ des Marterinstrumentes Kreuz ist aus mehreren Gründen abzulehnen. 

Obwohl wahr ist, dass Jesus gekreuzigt wurde, um uns den Ausweg aus dem Dilemma unserer nicht wieder gut zu machenden Übertretungen und der Sterblichkeit zu zeigen, indem wir ihm gehorchen, bewirkte die Kreuzesverehrung kaum mehr als Aberglauben. Mit Helenas Erfindung der Geburtsstätte Jesu verhält es sich nicht anders. Sie ließ über der angeblichen Geburtsstätte eine Memorialkirche errichten. Bis heute streiten christliche Priester, manchmal sogar handfest um den Vorrang in fragwürdiger Verehrung. Leider handelt es sich bei dem folgenden Pressebericht nicht nur um eine reißerische Geschichte sondern um eine

Darstellung von sich wiederholdenden Realitäten unserer Tage: „Bizarre Szenen spielten sich am Donnerstag in der Geburtskirche in Betlehem ab: Rund 50 Geistliche in schwarzen Roben gingen mit Besen und Eisenstangen aufeinander los. Der Streit zwischen armenischen und griechisch-orthodoxen Priestern hatte sich aufgrund von Reinigungsarbeiten in der Basilika entfacht - die Armenier fühlten sich von Leitern der Griechisch-Orthodoxen gestört. Erst palästinensische Polizisten konnten die Schlägerei beenden. Zwei Polizisten und fünf Priester wurden im Krankenhaus behandelt. Die Geburtskirche zählt zu den heiligsten Orten des Christentums…” (26)  Nicht nur ‚Mormonen’ meinen, Helena und Konstantin hätten, mit ihrem anders gearteten Verständnis von Religion, Jesus Christus das Konzept verdorben. Bevor Luther in Worms 1521, sein berühmtes Schlusswort sprach, mit dem er den Kaiser stark beeindruckte, stellte er diese große Aussage in den Raum: „Die Autorität von Papst und Konzilien allein überzeugt mich nicht, da sie offenkundig oft geirrt und gegen Schrift und Vernunft gestanden haben.” Martin hätte diese Behauptung gut begründen können, denn er kannte die Geschichte der Konzilien, aber er konnte nicht wissen, was erst die moderne Forschung herausfand, nämlich dass die Kirche nach dem 1. ökumenischen

Konzil zu Nicäa, 325, nicht von Christen, sondern im Wortsinn von Kaiser _________________ 

(26)   „Kurier“ Wien vom 17. Januar 2008  

Konstantin  ins Leben gerufen wurde, auf Kosten der Kirche Christi: „In Nicäa … befolgte die Kirche die Wünsche Konstantins, obwohl sie sie nicht billigte... Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen... (27) Deshalb nahm sie mehr und mehr diesen unappetitlichen Ausdruck an, den niemand übersehen kann, der hinschaut. In Nicäa wurde der Rest an Klarheit zerstört, - nicht umgekehrt: Namhafte Persönlichkeiten, wie Bischof Basilius, Teilnehmer des 1. ökumenischen Konzils 325, zu Nicäa, ... verglichen die nachkonziliare Situation sogar mit einer Seeschlacht in der Nacht, in der sich alle gegen alle schlagen, und er meinte, infolge der konziliaren Dispute herrsche in der Kirche eine „entsetzliche Unordnung und Verwirrung“ und ein „unaufhörliches Geschwätz.“ (28) Wären Luther die Details, wie uns, bekannt gewesen, er hätte den ersten 4 Konzilien der ‚ökumenischen’ Christenheit nicht den Rang einer Heiligen Schrift verliehen. 

Im Grunde wissen alle, wer Konstantin war.  Er „... machte sich (in Nicäa) zum Herrn der Kirche. In ihre Streitigkeiten griff er entscheidend ein und verteilte mit geschickten Fingern Recht und Unrecht. ...im Handumdrehen  füllte sich der Hof des Kaisers mit einer Menge von Persönlichkeiten, die mit ihrem Christentum Geschäfte machen wollten. Edlere Naturen konnten neben ihnen kaum noch hervorkommen. (Sie) zogen sich angewidert zurück. Die siegreiche Kirche“ (kam hervor.) (29) „...Konstantin hatte eine neue Idee von der Kirche, die er verwirklichen wollte: ... nach dem ihm vorschwebenden Bild formt er… sein Reich, seine Kirche…. Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen. Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte Kirche (!), das Reich der Zukunft.“ (30) Dieses Reich der Zukunft, dass dem damals einflussreichsten Mann der europäischen Welt vorschwebte, diese Mixtur aus der Soldatenreligion des Mithraismus, plus einiger aus dem Christlichen entlehnter Elemente konnte nicht überleben, weil es auf Eidbruch, Gewalt und Täuschung gegründet worden war. Also zerfiel es, allmählich. Allerdings gab es am Rande noch jahrhundertlang christliche Gemeinden die sich einigermaßen vor dem zerstörerischen Hauptstrom schützen konnten. 

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(27)   Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg -

Uni Greifswald, 1954  S. 81 ff  

(28)   Bischof Koch (katholische) Pfarrblätter, vom Oktober 2008.

(29)   Pfarrer E. F. Klein „Zeitbilder aus der Kirchengeschichte“, Berlin, Ackerverlag, 

1930, S. 144

(30)   Heinz Kraft, „Konstantins religiöse Entwicklung“, 1954, Heidelberg - Uni Greifswald, S. 89 u 99

Ludwig Hertling beschreibt - mit Imprimatur des Vatikans - in seiner „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740 - die Gesamtsituation um und nach 400, nachdem das Konstantinische sich innerhalb der Kirche mehr und mehr breit machte: „Auf die Zeit der großen Kirchenväter (Athanasius, Hieronymus, Ambrosius, Chrysostomus, Augustinus, Gregor von Nazians, Epiphanius usw. G. Sk.) folgten Jahrhunderte ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein, der nicht enden zu wollen scheint...Viele Umstände haben zusammen gewirkt, um die antike Welt in diesen Zustand der Ohnmacht oder Erstarrung zu bringen, der zeitweise einem wirklichen Sterben ähnlich sieht...“  ‚Die Kirche’ starb tatsächlich, und mit ihr die Stadt und das Reich Rom. Auf den Trümmern enstand eine ganz andere Welt. Verwegene, lieblose Männer nannten sich Päpste und hielten ein gerettetes Fell hoch, hängten es sich um und behaupteten, sie wären jetzt das Lamm. Martin Luther und Jan Hus lebten in dieser anderen, eigentlich nachchristlichen Welt. „...Wenn die Kirche dem armen Laien wenig bot, so hatte sie dafür einen zureichenden Grund: die Mehrzahl der Geistlichen besaß auch nicht viel mehr von Lehre und ...Inhalt des Glaubens. Das Amt des Bischofs war völlig verweltlicht. Ihre Weiber, Gelage, die Jagd... waren ihre Tagesinteressen. Es gab Kirchenfürsten und Äbte die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte (Bezug: Nic. De Clamengis De praesulibus simoniacis, ed J.M. Lydius, 1613, p. 165)Der Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz vor den Kirchenfürsten und der versammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ (Bezug: v.d. Hardt, Con.Const. T.I.P. XVIII. P.880 sq)... die hussitische Bewegung begann mit dem Zorn und Ärger über unredliche Gewaltakte der kirchlichen Partei... im Jahr 1392 wurde das Jubeljahr auf dem Vissegrad verkündet, von Latäre bis zu Kreuzerhöhung wallfahrtete zahlloses Volk zu den heiligen Stellen durch die Städte von Prag, spendete und beichtete und erhielt dafür reichlichen Ablass. Großes Geld nahm die vornehme Geistlichkeit ein, die Beutel der Armen wurden leer. Die Einnahmen musste der Erzbischof mit dem König Wenzel teilen... auch Magister Johannes (Hus) gab seine letzten vier Groschen dem Beichtvater, so dass er zuhause nur trockenes Brot zu essen hatte... (31)  Entschieden hatten Kaiser Konstantin und seine christlichen Kollaborateure die breite Schneise durch die Kulturlandschaft geschlagen. Es war so, dieser Imperator hatte die Parole ausgegeben: Macht weiter so! Die ebenfalls weit von Jesu hinweg-gekehrten Haupterben des konstantinischen Reiches, Konstantin II., Konstanz und Konstantius, legten nur wenige Monate nach dem Tod ihres Vaters zutage, von wem sie gelernt hatten. Beim ersten Anlass stürzten sie sich, wie verhungernde Löwen aufeinander. Der katholische Constanz, vernichtete seinen 24jährigen Bruder Bruder Konstantin II., 340, nur weil dieser in Italien  Truppenbewegungen angeordnet hatte. Es gab fortan in den Metropolen Roms kaum Unterschiede zwischen weltlicher und kirchlicher Politik. Die Ziele, wie die Handlungsweisen, waren grundsätzlich dieselben. ‚Papst’ Damasus bewies schon im Jahr 366, dass er strikt konstantinisch dachte, als er seine Streitmacht mit Brechstangen und Streitäxten gegen den Nachbarbischof Ursinus aussandte. Was zählte, war für den neuen Christentyp der momentane Erfolg. Jesus hingegen wollte, dass die Menschen in die ferne Zukunft blickten: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?“ (32) Jesus wies wiederholt daraufhin, was geschehen würde, wenn materielle Werte, wie Macht und Geld in seiner Kirche höchster geistiger Werte zu wichtig werden, - und Kaiser Konstantin hatte viele Privilegien und Geld zu bieten: „Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist, und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht.“ (33)  Diese Aussage steht unübersehbar im Gegensatz zu den Aktionen der von Konstantin geführten „ecclesia militans“, deren führende Kleriker er unter Gewährung steuerlicher Vorteile und anderer Privilegien direkt und indirekt in seinen Dienst gestellt hatte. (34)

______________  

(31)   Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit“ Zweiter Band. Leipzig,

S. 218-219, 223                                                         

(32)    Markus 8:36

(33)    Joh. 10: 12  

(34)    Ch. Müller Albert-Ludwig-Univ., Freiburg i Breisgau „Kurialen und Bischof, Bürger und Gemeinde in der gallischen Stadt des 4. bis 6. Jahrhunderts“ 2003, S. 15 Ebenso: 

Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens“  Fr.

Schiller Universität, Jena, 1976

Kaiser Konstantin und die Basislehren der Urkirche 

 

 Geboren wurde er zwischen 275 bis 285. „Die Zeitangaben   sind sehr unsicher.“  (35) Seine Mutter Helena stammte aus einfachen Verhältnissen. Wahrscheinlich kannte sie christliches Ideengut aus ihrer Jugendzeit, wenn auch nur bruchstückhaft. Konstantin war noch jung, als ihm Mutter

Helena oder eine andere ihm nahestehende Person von dem 

 

gekreuzigten Gott Jesus Christus erzählt haben mochte. Was für ein Bild: ein gekreuzigter Gott als Sieger. Das bot Anlass zum Nachdenken: ein Sieg noch im Tod, ein Sieg sogar über den Tod! Das vermag nur eine absolute geistige Gottheit.

Vermutlich kamen bereits Jahre vor Konstantins Geburt in Helenas Pferdwechselstation - inmitten des Balkangebietes - Missionare einer bereits uneinigen Kirche. Möglicherweise haben sie Helena belehrt, sie sei die Tochter Gottes, der im Himmel, hoch über den Sternen wohne und unvergleichlich herrsche. Sie sei zur Erde geschickt worden mit einem wichtigen Auftrag, denn darin, und in der Botschaft vom Auferstandenen, lag das Besondere der intensiv missionierenden christlich-gnostischen Gruppen. Es ging ihnen darum, gerade diese Erkenntnis von der Präexistenz aller Menschen, (die nach Adam geboren wurden), zu vermitteln: „„Daher ist derjenige, der (Gnosis) Erkenntnis durch Offenbarung hat, einer, der von „oben“ stammt. Wenn man ihn ruft, hört er, antwortet er und wendet sich zu dem, der ihn ruft, steigt zu ihm empor und erkennt, wie man ihn ruft. Da er Gnosis (Erkenntnis) hat, vollbringt er den Willen dessen, der ihn gerufen hat... Wer so zur Erkenntnis gelangen wird, erkennt, woher er gekommen ist und wohin er geht. Er erkennt wie einer, der trunken war und von seiner Trunkenheit abließ; er brachte das Seine (wieder) in Ordnung, nachdem er zu sich selbst zurückgekehrt war... Die wahre Gotteserkenntnis beginnt mit der Erkenntnis des Menschen als eines gottverwandten Wesens...” (36) als Lehre von der Ewigkeit (37) des  

___________________ 

(35)  Prof. Wolmeringer „Konstantin-Artikel“ vom 05.03.07 im Internet, S.2  

(36)  K. Rudolph,  “Die Gnosis”, Koehler & Amelang, Leipzig, 1977, S. 139, 111 

(37)  Arbeitskreis www.Origenes: „Wenn in der christlichen Theologie von "ewigem Leben" gesprochen wird, dann  wird dort der Begriff nicht konsequent verwendet. 

"Ewig" ist konsequent gedacht nicht nur ohne Ende, sondern auch ohne Anfang.  Der Begriff Präexistenz umfasst alles Leben vor dem irdischen Leben. Damit ist in erster Linie ein Leben in jenen Bereichen gemeint, in die wir auch nach dem irdischen Tod  wieder  zurückkehren werden. Die Präexistenzlehre ist ein wesentliches Kernstück in der Theologie des  Origenes.“  

Menschengeistes, dessen Kern nicht erschaffen wurde, noch hätte erschaffen werden können, - sagte auch der, wie er behauptet, von Gott inspirierte Joseph Smith, - sondern der vor Äonen von Gott dem Vater geformt oder gebildet wurde. (38) (39) Ob Helena, Konstantins Mutter, je vom Perlenlied der Thomasakten hörte, weiß niemand; auszuschließen ist es nicht, die Botschaft kannte sie wahrscheinlich. Es müsste ihr gefallen haben, zu hören, dass man zum Reich des Vaters zurückkehren kann. Apostel Thomas, „der Zwillingsbruder des Christus, der Miteingeweihte in das verborgene Wort des Gesalbten (Christus)“, schildert die Situation aus der wir auf die Erde kommen: 

„Als ich ein kleines Kind war“ (nämlich in meinem vorirdischen Leben) „und im Reich meines Vaters wohnte und am Reichtum und der Pracht meiner Erzieher mich ergötzte, sandten mich meine Eltern aus dem Osten, unserer Heimat mit einer Wegzehrung fort“ ... nämlich begabt mit einer Uroffenbarung, mit Intelligenz, mit einem Gewissen, mit dem uns von Gott zugesagten Recht auf Entscheidungsfreiheit, (40) (41)  „Wenn du nach Ägypten hinabsteigst“ d.h. wenn du zur Erde kommst, „und die Perle (findest und wieder-) bringst, die im Meere ist, das der schnaubende Drache umringt, sollst du dein Strahlenkleid wieder anziehen...“ das du hier in deinem vorirdischen Elternhaus zurückgelassen hast und dessen erneuten Besitzanspruch du mit deinem Perlenfund erworben hast. „wirst du mit deinem Bruder, unserem Zweiten, (Christus) Erbe in unserem Reich

werden.“... (42)   

K. Beyer, kommentiert hier in Übereinstimmung mit den Lehren der

Kirche Jesu Christi der HLT (Mormonen) das „Syrische Perlenlied: „Die Botschaft des Liedes lautet: Die unsterbliche menschliche Seele göttlicher _____________  

(38) ‚Mormonismus’ erläutert laut „Köstliche Perle“ Buch Abraham, 3:  „Der Herr hatte ...Abraham, die Intelligenzen gezeigt, die geformt wurden ehe die Welt war...“  (39) Lehre und Bündnisse 93: 29-30: „Intelligenz oder das Licht der Wahrheit wurde nicht erschaffen und könnte auch nicht erschaffen oder gemacht werden.“ 

(40)  H.S. Benjamins „Eingeordnete Freiheit: Freiheit und Vorsehung bei Origenes“ E.J. Brill, 1994, S. 53 : „Der Schöpfer gewährte den Intelligenzen, die er schuf, willensbestimmte, freie Bewegungen, damit in ihnen eigenes Gut entstehe, da sie es mit ihrem eigenen Willen bewahrten.“  

(41)  Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, dritte völlig neu bearb.

Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960, S. 1696   „durch die Kunst seiner Pädagogik wird Gott (seine Geschöpfe) doch noch dazu bringen, dass sie dem Guten beständig anhängen.... Gottes Pädagogik und der freie Wille der Logika, den Gott durch Erziehung fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind die eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“  42) Walter Rebell, Lehrbuch "Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter", 1992,  München; Thomasakten.

Herkunft darf sich erst dann endgültig vereinen mit ihrem unvergänglichen geistigen Leib der gleichfalls von Gott abstammt, aber immer bei ihm bleibt, wenn sie zuvor auf der Erde in einem vergänglichen fleischlichen Leib und in feindlicher Umgebung mit göttlicher Hilfe Selbsterkenntnis erlangt und mutig die ihr von Gott gestellte Aufgabe erfüllt hat. Das ist eine synkretistische Religion in der Nachfolge Platons, die sich auch leicht mit der christlichen Ethik verbinden lässt. Ihre Bilder teilt sie mit der Gnosis und den anderen antiken Erlösungsreligionen, ohne dass man sicher sagen kann, wer sie von wem übernommen hat. Das führt schließlich zu der Frage, ob der gnostische Anteil am spätantiken Synkretismus wirklich so hoch ist, wie meist angenommen wird. Denn, dass der Mensch die Erde als Fremde empfindet, ist ein weit verbreitetes Lebensgefühl…” (43) Wir sind eben mehr als Fleisch und Blut (44) – und nicht nur von dieser Welt.   

Falls Helena diese Grundaussage vernommen, wenn auch  vielleicht nicht verstanden haben sollte, so könnte sie doch ihren großen Sohn darauf hingewiesen haben. Dann ließe sich vieles besser erklären. Solche Idee beträfe nach Konstantins Vorstellung vor allem seine persönliche Sendung. Er wird das Strahlenkleid und den Strahlenkranz der Macht auf der Erde und im Himmel tragen, so wie es schon  seine Vorgänger im Kaiseramt im alten Rom verstanden, wie es die Strahlenkrone des unbesiegten Sonnengottes Sol Invictus zum Ausdruck brachte. Er wäre dann der Sol Invictus seiner Zeit. 

Erstaunlich ist, dass nur wenige moderne Christen wissen, dass sich die Basislehre des Urchristentums von der Präexistenz, bis in die ältesten Zeiten (nachadamitischer) Menschheitsgeschichte zurückverfolgen lässt. Ihr Kern, weil ausgesprochen schön, wurde immer wieder neu be-

schrieben. Erst 500 Jahre nach Jesu Tod wurde sie, von Kaiser Justinian I., 543, auf der Ostsynode der Kirche als „originistisch-häretisch“ diffamiert und eliminiert. Justinian lehnte die wesentlichen ‚Origenes-lehren’ sozusagen im Block ab. Angeblich folgten damals 165 ‚heilige Väter’ (von weitaus mehr als 3 000! Bischöfen) den kaiserliche Wünschen. ‚Papst’ Vigilius habe die Ergebnisse ebenfalls gebilligt.

Vigilius kam tatsächlich nach Konstantinopel, aber wider Willen. „Die Bannflüche wurden ... unter dem unnachgiebigen Druck Kaiser Justinians _____________ 

(43)    W. Rebell, Lehrbuch "Neutestamentliche Apokryphen und Apostolische Väter",

1992,  München   

(44)    Dr. Beat Imhof, 'Wegbegleiter' Nr. 3/2006 zitiert Hildegard von Bingen (10981179): „Die Seele stammt vom Himmel, der Leib von der Erde; die Seele wird durch den Glauben, der Leib aber durch das Sehvermögen erkannt.“  

von sämtlichen Patriarchen unterzeichnet, einschließlich Papst Vigilius’, der 544 eigens zu diesem Zwecke fast gewaltsam nach Konstantinopel gebracht wurde. Mit ihrer Unterzeichnung reihte die Kirche den bedeutendsten und herausragendsten Theologen des frühen Christentums, Origenes, aus weltlichen Gründen unter die ketzerischen Irrlehrer....“  (45)  Vigilius bestritt jedenfalls, dass er die betreffenden Papiere freiwillig unterschrieben habe. (46)  

Im frühen Christentum (wie durch ihren allgemein anerkannten Schiedsrichter in Glaubensfragen, Origenes 185-254, vermittelt) (47) befanden sich einige Elemente die keinem Mächtigen passten, wie etwa der Gleichheitsgrundsatz. Es hieß nämlich: „Gott hat... keine Vielzahl verschiedener Wesen geschaffen, sondern alle gleich... Es gibt keine... gesellschaftliche Rangbestimmung, der Wille des Einzelnen ist entscheidend, und das heißt: der autonome Wille des Einzelnen... Gnosis ist an keinerlei Zugehörigkeit zu irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe gebunden... (48) Für die meisten Christen der ersten Zeit stand ohnehin fest, vor Gott würden dermal einst alle seine ins Fleisch geborenen Geistkinder, in jeweils dem Können des Einzelnen angemessener Weise, für ihr Tun und Lassen Rechenschaft ablegen müssen. (49) 

„Im Zentrum der gnostischen Lehre steht die Idee des göttlichen Lichtfunkens in allen Lebewesen... dazu gehört auch die Vorstellung jeder Mensch sei und bleibe selbst ein kleiner Gott ein deus, da alle Menschen durch den Logos ins Leben gerufen wurden.“  (50)  

Augustinus lehrte anders als Origenes, der eben die Nichtwillkür Gottes preist: „Alle Logika (Engel, Menschen und Dämonen) sind von gleicher

Natur, ihre Unterschiede sind erst durch den Fall entstanden.“ (51) Wann ___________ 

(45)      Hermann Bauer, „Der Einfluß Ostroms“, 1982.

(46)      Aloys Grillmaier u.a. „Christ in Christian Tradition“, 1995 „S. 426, Fußnote „Vigilius later spread it about that he has been forced to produce the indication and that he had been insufficiently informed.“ 

(47)      Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 1960 S. 1694

„Origenes siedelte 231/32 nach Caesarea über, wo seine Lehrtätigkeit zur groessten Entfaltung kam. Eine ganze Generation von Theologen ist hier durch seine Schule gegangen... mehrfach holte man Origenes zur Widerlegung von Häretikern, die sich seinen Argumenten meistens beugten...“    

(48)      Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited

Bd 2 , 2005, S. 35                                                                                                                                                  

(49)      2, Thess. 2: 12 „Alle müssen gerichtet werden, die nicht der Wahrheit geglaubt, sondern die Ungerechtigkeit geliebt haben“ Diese Aussage besagt im Kontext der Origenes-aussagen, dass (Lippen-)Bekenntnisse vor Gott bedeutungslos sind.

(50)      Andreas Mohr  „Beiträge zur christlichen Anthropologie“  Uni Kassel, 2007, S. 14

(51)      Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft....

diese Lehren tatsächlich aus den Gemeinden verschwanden ist nicht zu sagen. Es gab immer Splittergruppen und Einzelne, die daran festhielten, darunter die meisten Katharer, deren Vorfahren infolge verübter Grausamkeit durch die ‚Rechtgläubigen’ jahrhundertelang ihres Glaubens wegen schwerste Leiden ertragen mussten. Einer der Ihren äußerte sich so: „Aus vielen Zeugnissen geht hervor, dass außer Origenes auch andere bedeutende frühchristliche Theologen, Philosophen und Kirchenlehrer - so zum Beispiel Justinus, der Märtyrer (100-165), Tatian (2. Jhd.), Clemens von Alexandria (150-214), Gregorios von Nyssa (334-395), Synesios von Kyrene (370 413) ... und der Bischof Nemesios von Emesa  (um 400-450) glaubten, dass die Seelen der Menschen schon vor der Entstehung der materiellen Welt vorhanden waren.“ (52)  

Dagegen lautete der uns überlieferte Text der Verfluchung der Kernlehren des Origenes durch die Ostsynode: „Wenn einer sagt oder dafürhält, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie früher

Intelligenzen und heilige Mächte gewesen seien; ... so sei er im Banne....“

(53) 

Bemerkenswert ist die häufige Verwendung des Terminus „Intelligenzen“, unter den ersten Christen, der auch im Schriftgut der Kirche Jesu Christi der HLT, insbesondere in den Zusatzschriften „Köstlichen Perle“ und „Lehre und Bündnisse“, erscheint. Solches Verständnis war jahrhundertelang der Stern christlichen Denkens und Glaubens. Allerdings attackierten bereits zu Origenes (185-254) Lebzeiten gewisse ‚Heilige’ aus unterschiedlichsten Gründen die Basis ihrer Väter. Nie stand in diesem Zusammenhang die Lehre von der Reinkarnation positiv zur Diskussion. Mitunter, um diese verschiedenen Lehr-Verurteilungen zu rechtfertigen, wird immer noch behauptet, die Kirche (d.h. Kaiser Justinian) hätte damals eben die Origeneslehre von der Reinkarnation treffen wollen, da er sie als gefährlich betrachtete.... Doch „Origenes Lehre besagt, dass alle Lebensumstände in die wir hineingeboren werden, die Auswirkungen unseres Verhaltens vor diesem irdischen Lebens sind...“ (54) Es gab quasi

„Wanderungen“ im Vorherdasein, aber diesseits keine Wiedergeburten. (55)  

Balz u.a. weisen ebenfalls solche Deutung, wegen des von Origenes 

___________________ 

(52)       Ein Katharer im Internet  www.thorstenczub.de/jesus2  

(53)       Horst Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller - Theologische

Realenzyklopädie - 2000 - Religion – S. 3 Google Books Result 

(54)       ebenda, „damit fällt automatisch jede Seelenwanderungslehre.“

(55)       Bruce R. McConkie „Mormon Doctrine“: „It is appointed unto man to be borne, ‚once to die’ Hebrew 9: 27, ‚once to be resurrected’ Book of Mormon: Alma 11: 45; 12:18; Doctrine and Covenant 63:49  

 

überlieferten Kontextes, ab: (56) Zu diesem Schluss gelangten auch andere Origeneskenner. (57) Die alten Ägypter waren davon überzeugt, dass wir ein

Vorherdasein hatten, andere Weltreligionen ohnehin, auch die Juden: „Das Passah ist das Aramäische pacach (paw-sakh) und bedeutet soviel wie 'hinüber gehen'. … Im Ursprung war das 'Hinübergehen' die Bedeutung des Hinübergehens des Menschen aus seinem Fleisch(lichen Körper) hinüber in die körperlose 'Welt', der Heimat der Seele. Dieses Hinübergehen ist im Buche Exodus (Shemoth) der Juden, als der 'Auszug der Seele aus dem fleischlichen Körper' in dieser Welt in das Hinübergehen in die fleischlose Welt der Seele als Parabel niedergeschrieben, aber das Thema kehrt auch in vielen anderen Geschichten der Thora als Parabel auf.  ... Symbolik ist eine Sprache, welche auch durch die Begriffe in den gesprochen Sprachen ausgedrückt wird. So ist das 'über den Jordan gehen' dieselbe Symbolik wie das Passah. Das Yardana, Jordon, ist im Aramäischen 'der Strom oder Fluss des Lebens'. Abseits des Streites der Theologen kann man allein in der Aramäischen Sprache Mosaiksteine finden, für ein Bild, das es erlaubt auch das Bewusstsein der Menschen besser nachvollziehen zu können. So bedeutet im Aramäischen 'Bit Nitupta' das 'Haus der Präexistenz', was unschwer erkennen lässt, dass die Menschen eine Präexistenz argumentierten, wovon die späteren Christen in Nicäa nichts wissen wollten und einen Fluch aussprachen gegen jene, welche das weiter

argumentierten.“ (58)  

„Nach der Lehre Adams ist jeder Mensch Adam und ist aus der Sphäre des Paradieses gefallen... Präexistenz meint, dass wir als handlungsfähige geistige Wesen schon vor unserer Geburt existierten... in dieser Vorexistenz haben wir uns alle eigenverantwortlich von Gott entfremdet... Ich denke, heute wird uns mehr und mehr bewusst, dass auch das

christliche Abendland neu darüber nachdenken muss.“ (59)  

_______________ 

(56)    Balz, Krause, Müller - Theologische Realenzyklopädie - 2000 - Religion – S. 3  

(57)    : Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage, 4. Band, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960 S. 1698:  „Von der Seelenwanderungslehre“ grenzt Origenes sich einmal dadurch ab, dass er nur eine Inkorporation nach dem Fall und bloße Verwandlung eines wenigstens im Grunde gleichbleibenden Leibes lehrt... ferner bestreitet O. dass Vernunftseelen sich in Tier- und Pflanzenseelen verwandeln. Mit Hilfe seiner Seelenwanderungslehre (=Entwicklungsstufen in der Präexistenz G.Sk.) kann Origenes die scheinbaren Ungerechtigkeiten der Vorsehung als Vergeltung  für das frühere Verhalten der Seelen erklären...“

(58)    Volker Doormann, ‘PhilTalk Philosophieforen’ Thema „Präexistenz und zur

Passah Symbolik“ 

(59)    Felix Gietenbruch „Der Sündenfall ein sinnvoller Mythos“ Kirchenbote lokal 2008

dennoch der alte Israelit an irgendeine  Fortsetzung dieses irdischen Lebens nach seinem Tode geglaubt. Er wusste von scheol, das dem Leben auf Erden folgt, und er wusste, wer ins scheol hinab sank, war wohl Auch wenn die ältesten Bücher der Bibel keine bestimmten Vorstellungen von der Unsterblichkeit und vom Leben nach dem Tode vermitteln, hat abgeschnitten vom Leben, aber deshalb musste er nicht jedes Daseins bar sein... Die Fragen der persönlichen Unsterblichkeit und der Präexistenz und des Fortlebens der Seele werden mit der Ewigkeit des jüdischen Volkes selbst verwoben. Alle Seelen, die je und je in einen jüdischen Körper eingehen werden, so heißt es in einem Midrasch, haben am Sinai gestanden und sind dort in den ewigen Verbund zwischen Gott und Israel eingetreten. „Wir Juden sind also vom Sinai her beim Vater“,... Wenn ein Jude im Gottesdienst zur aktiven Teilnahme an der Vorlesung aus der Thora hinzugezogen wird, wenn er, wie der Ausdruck lautet, „aufgerufen“ wird, um über die zur Vorlesung geöffnete Thora-Rolle einen Segensspruch zu sprechen, so dankt er in diesem Segen Gott dafür, dass er 

„Leben der Ewigkeit in uns gepflanzt hat“. In jeden von uns und in uns als Israel. „Wir leben ewig“, mit diesem Gesang gingen Juden in die Gaskammern.“ (60) Lebenslänglich lebte in mir selbst das Wort aus dem Hebräerbrief: „An unseren Vätern hatten wir harte Erzieher, und wir achteten sie. Sollen wir uns dann nicht erst recht dem Vater der Geister unterwerfen und so das Leben haben?“  (61) Daraus resultiert, dass alle Menschen (nach Adam), „aus den Gefilden hoher Ahnen“(Goethe) stammen, (ob sie Weiße oder Schwarze sind).  

Goethe bekräftigte seine Überzeugung noch einmal kurz vor seinem Tod.

Am 11. März 1832 sagte er im Gespräch mit Eckermann: „Wenn man die Leute reden hört, so sollte man fast glauben, sie seien der Meinung, Gott habe sich seit jener alten Zeit ganz in die Stille zurückgezogen und der Mensch wäre jetzt ganz auf eigene Füße gestellt …Diese plumpe Welt aus einfachen Elementen zusammenzusetzen und sie jahraus jahrein in den Strahlen der Sonne rollen zu lassen, hätte ihm sicher wenig Spaß gemacht, wenn er nicht den Plan gehabt hätte, sich auf dieser materiellen Unterlage eine Pflanzschule für eine Welt von Geistern zu gründen. So ist er nun fortwährend in       höheren       Naturen       wirksam,      um     die geringeren heranzuziehen. Goethe schwieg. Ich aber bewahrte seine großen und guten

Worte in meinem Herzen.”

Schiller hat es wahrscheinlich ebenfalls empfunden. In seiner Ode an die _______________ 

(60)  Dr. phil. Kurt Wilhelm, jüdischer Religionsexperte, war Landesrabbiner 1925 – 29 in Braunschweig, 1933-48 Rabbiner in Jerusalem „Jüdischer Glaube“ ,1961, S.94f.

(61)  Kap. 12: 9

Freude, beteuert er, dass die Freude eine Tochter des Himmels sei... „Seid umschlungen Millionen...  Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“ Elysium war für ihn eine beglückende, jenseitige Realität. Die „Gefilde hoher Ahnen“ sind unsere eigentliche Heimat. Nun leben wir in einer Welt der „derben Liebeslust“ und der Vergänglichkeit, obwohl sämtliche Elemente aus denen wir gebaut sind, von ewiger Dauer sind. Hier sind wir Stückwerk, finden nie wirklich was wir suchen. Faust bringt es in einer Nebenpassage auf den Punkt. Fast verzweifelt ruft er aus: Da „taumel' ich von Begierde zum Genuss und im Genuss verschmacht ich vor

Begierde,...“

Falls Konstantin gehört haben sollte, dass im Zusammenhang mit den Aussagen zu jedermanns Präexistenz der Erwählunsglaube steht, könnte auch das seine Aufmerksamkeit erregt haben. Immer wieder hieß es bei den Christen, die Menschen seien vor ihrem Fall schon kleine Götter gewesen und sie könnten Götter in der Ewigkeit sein, - wenn sie die gesetzten Bedingungen erfüllten. Das sollte Konstantin lebenslänglich beschäftigen, seine persönliche Vergottung. Origenes (185-254) lehrte es keineswegs als erster, Jesus hatte es bereits formuliert: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie es auch euer Vater im Himmel ist.“ (62) „Im Urzustand waren alle Logika körperlose Geister und als solche Götter, die dem Logos als Trabanten anhingen... Nach dem Vorbild des Logos  (Christus), der selbst das „Bild Gottes“ nach Genesis 1:26 ist, hat Gott soviele Logika (Menschenseelen, eigentlich Geister, G.Sk.) erschaffen, (besser ausgedrückt: ‚geformt’ G.Sk.)  wie er mit seiner notwendig begrenzten Vorsehung regieren kann.“ (63) (64) Da wir „Menschen, die der Familie Adams angehören“ (65) dem großen Elohim so nahe stehen, ist es möglich, das Gebot seines Sohnes Jesus Christus ernst zu nehmen - im Verlaufe kommender Ewigkeiten: „...vollkommen zu werden, gleich wie ... euer himmlischer Vater.“ Das heißt mit den Worten Joseph Smiths: „Gott war einst ein Mensch und wir können wie Gott werden.“ (66)

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(62)    Matth. 5: 48

(63)    Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage, 4. Band, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960   

(64)    Der analoge durch Joseph Smith überlieferte Text lautet: „Der Herr hatte mir, Abraham, die Intelligenzen gezeigt, die geformt (– nicht geschaffen – G.Sk.)  wurden, ehe die Welt war...“ Nach Joseph Smith berief: „Am Anfang der oberste der Götter einen Rat der Götter zusammen. Sie kamen zusammen und arbeiteten einen Plan aus, wie die Erde zu erschaffen und zu bevölkern sei.“   

(65)    Buch Mormon, 2. Nephi 9: 21 + Mormon 3: 20  Nach Aussagen  der Kirche Jesu Christi der HLT betrifft das ausnahmslos alle heute lebenden Menschen.                      

(66)    Lehren des Propheten Joseph Smith, 1. Auflage, Max Zimmer Übersetzung, S. 244

Mit solcher Lehre, obwohl sie - wie leicht  nachzuweisen - altchristlich ist, stößt „Mormonismus“ in der Christenwelt auf massive Ablehnung. (67)  Papst Benedikt XVI. verwies, ob gewollt oder nicht, die Kritiker indem er sagte: der Kern der Inkarnationslehre des Athanasius lautet: „Christus, das Göttliche Wort, „wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden...“(68)   Eine andere Autorität erklärt: „... Der Gedanke der Vergottung ist der letzte und oberste gewesen; nach Theophilius, Irenaeus, Hippolit und Origenes findet er sich bei allen Vätern der alten Kirche, bei Athanasius, bei den Kappadoziern, Appolinares, Ephraim Syrus, Epiphanius u.a (69) (70) Der jedoch auf die Erreichung solchen Ideals bedachte bedarf der immerwährenden Führung durch den Geist und das Licht Gottes. Demgemäß soll jeder handeln: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (71) Es ist das immerwährende Trachten nach mehr Licht, und das Streben wahrhaftig, tolerant und gut zu sein, das zu dem aus Einsicht selbstb

ten Pflichtenkreis jedermanns gehören sollte. Die Lehre von der Präexistenz auszulöschen, bedeutete für Kaiser Justinian die Möglichkeit, die Gläubigen stärker in seine oft genug gefährlichen und zudem unredlichen Staatsangelegenheiten hineinzubinden. Die ganze Wehrmacht Justinians wurde also aus offensichtlich antichristlichen Beweggründen zum „Christenheer“ ernannt. Es entwickelte sich immer weiter! „Im lateinischen Abendland kam die Legitimierung des gottgewollten Krieges erst mit den Kreuzzügen auf - („Dieu le veut“) Wie aus Leons Taktik hervorgeht, wurde im 9./10. Jahrhundert die Armee als das so genannte

„Christusliebende Heer“ betrachtet, das nicht nur für die Interessen des  _____________

(67)    z.B. schreibt der Präsident des Theologischen Seminars der südlichen Baptisten der USA (ca 13 Mio Gläubige)  Dr. Mohler, im Juni 2007, in Blogalogue - Debates about Faith „Mormonism Is Not Christianity“: „The Mormon doctrine of God does not correspond to the Christian doctrine of the Trinity. Mormonism rejects the central logic of this doctrine (one God in three eternal persons) and develops its own doctrine of God - a doctrine that bears practically no resemblance to Trinitarian theology. The Mormon doctrine of God includes many gods, not one. Furthermore, Mormonism teaches that we are what God once was and are becoming what He now is. That is in direct conflict with Christian orthodoxy... Here is the bottom line…” 

(68)    Vatikan, Generalaudienz, 20. Juni 2007  

(69)    Adolf von Harnack „Dogmengeschichte“,  Mohr-Siebeck, 1990 S. 46 

(70)Anton     Grabner-Haider-Maier     „Kulturgeschichte     des    frühen    Christentums“

Vandenhoek & Ruprecht, 2008 : „Irenäus Werke gegen die „falsche Gnosis“..., in Jesus Christus sei der Weltgott ein Mensch geworden, um die Menschen zu

vergöttlichen.“                                                                                                                  

(71)  Johannes 14: 26

Reiches, sondern auch für das Wohl der ganzen christlichen Ökumene  kämpfte. Der Soldat (homo militaris) war sozusagen das Werkzeug, mit dem Gott (Sol Invictus G.S.) sein auserwähltes Volk und die christliche Ökumene schützte und verteidigte. Byzanz galt als neues Israel und

Konstantinopel als neues Jerusalem. Mit diesem Konzept konnte jeder vom Kaiser geführte Krieg begründet werden.“ (72) 

Helena könnte beeindruckt gewesen sein, aus Christenmund zu hören die Auserwählten würden ewige Götter sein, denn ihr Sohn war für sie ein

Auserwählter, schon Gott auf Erden um dann, wie sein Vater, Gott im Himmel, zu werden oder zu bleiben. Solche Denkweise entsprach, nach Konstantins späterem Verständnis völlig der Wahrheit. Er meinte schon früh, zu wissen ein Sohn Gottes zu sein, und: ein Teil seines Geistes.  

Er, der wohl als Geisel einige Jahre am Hof Kaiser Diokletians leben musste, wird dort in Nikomedien, (heutige Nordwesttürkei) mehrere Christen, wie den Gelehrten Laktanz kennen und schätzen gelernt haben, denn um 316/17 beruft er den großen Idealisten als Lehrer seines Sohnes Crispus an den Hof in Trier. Laktanz, der Elitechrist, könnte ihm, dort vor Ort, ebenfalls erklärt haben, dass der Mensch ein Geist ist, der von Fleisch ummantelt wurde und, dass der Allmächtige die Auserwählten zu Göttern erhöhen wird, vorausgesetzt sie befolgen seine Weisungen. 

Allerdings erlebte Konstantin am Hof Diokletians auch den Umschwung mit. Zunächst galten die Christen. selbst vor Kaiser Diokletian als geachtete Persönlichkeiten. Doch als sie an Zahl und wegen ihrer Grundsatztreue an natürlicher Macht zunahmen, riefen sie die Eifersucht der Paganen herauf. Diese Wirkkraft der Christen einerseits und andererseits der geifernde Neid der pagananen Priester bildeten einen scharfen Kontrast, was zu einem schweren Konflikt führen musste.

Man hätte es voraussehen können, obwohl sich die Christen mäßig zurückhaltend verhielten. Es gärte. Immer mehr Leute glaubten den noch ehrenamtlich wirkenden christlichen Priestern. 

Zu einer Zeit als sich die Christen Roms noch in Bretterbuden versammelten, verfügten die Jesusgläubigen Nikomediens, zudem in unmittelbarer Hofnähe, über ein ansehnliches Gemeindehaus. Obwohl

noch weit davon entfernt liturische Kleidung (73)  zu tragen, gingen sie bis 

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(72)   Hermann Bauer, „Der Einfluß Ostroms“, 1982.

(73)   Hertling, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ Morus-Verlag, Berlin S.

45, 46 :„...Manche Bischofsstädte (um das Jahr 400 G.Sk.)  hatten nur eine einzige Kirche, und diese besaß die Maße einer bescheidenen Dorfkirche... erst ab 589 gibt es liturgische Kleidungsstücke... Noch im Jahr 4o3 wurde es dem Patriarchen von Konstantinopel als Eitelkeit ausgelegt, dass er sich beim Gottesdienst ein eigenes Festgewand anlegen ließ...“ 

 

303 am Kaiserhof, selbstbewusst wie die Nobilissimi. Das konnte den Berufspaganen nicht gefallen.  Ihre Gelegenheit kam als Diokletian, dieser auch in Konstantins Augen, abergläubische alte Mann, vor einer Schlacht eine Eingeweideschau anbefohlen hatte: „Die Schau der Haruspices vor Diokletian misslang. Der Priester sagte, die Götter zürnten ihm wegen der Anwesenheit unheiliger Personen. Damit waren die Christen gemeint. Daraufhin mussten alle Beamten des kaiserliche Palastes den römischen Göttern opfern, oder sie wurden ausgepeitscht... Auch bei einer Befragung des Apollo-Orakels in Milet antwortete der Gott seinen Priestern, dass die Christen die Beziehung zu den Göttern störten. Daraufhin ließ der Kaiser in Nikomedia eine christliche Kirche niederreißen und deren heilige Bücher verbrennen. In einem Dekret, von 303, ordnete er an, in der ganzen Provinz sollte die Gebetshäuser und Bücher der Christen zerstört werden, die Christen sollten aus allen Ämtern entlassen werden und ihre Privilegien verlieren. Als nun noch im Palast ein Brand  ausbrach, wurden die Christen dafür verantwortlich gemacht.“ (74)

Die Welle der Verfolgung lichtete die Reihen der Treuen. Lactanz und viele andere bedeutende Christen mussten vor dem plötzlich wieder religiös aktiven Diokletian in den Westen flüchten.   

Konstantin konnte sich durchaus auch ein Bild von den ihn betreffenden Gedanken Kaiser Diokletian machen, denn nach der Hochzeit seines

Vaters in Nikomedien im Jahre 292 mit Theodora, und nachdem sein Vater Helena verlassen hatte, verlassen musste, um höher in der Reichshierarchie hinaufzugelangen, hatte der (Ober-) Kaiser darauf bestanden, Sohn Konstantin stets an seiner Seite zu sehen.  

Konstantin, noch jung an Jahren, sollte wohl auch seiner mit gewissen Christen zettelnden Mutter Helena entfremdet werden, und als Faustpfand dienen, als lebendes Garantiedokument für die Treue des für die Siege im Westen so unverzichtbaren Konstantinvaters Constantin Chlorus. Diesen für Diokletian so widerlichen Allectus, der sich selbstherrlich zum Kaiser Englands aufgeworfen hatte, konnte, wie er glaubte, niemand sonst als Constantin Chlorus entmachten. (Allerdings wurde Allectus schon 292 von seinem eigenen Gardechef ermordet, während Constantin Chlorus erst 293 Adoptivkaiser wird)

Nach den Angstträumen Diokletians könnte Konstantin Chlorus sich jedoch selbst zum Herrscher des Imperiums aufschwingen. Schließlich hielten ihn seine Militärs bereits jetzt für einen Gott. Das Attribut ‚göttlich’  ___________________ 

(74) Anton Grabner, Haider, Johann Maier,  „Kulturgeschichte des frühen

Christentums“ Vandenhoek & Ruprecht 2008. S. 113 

stand aber nur ihm, Diokletian, zu! Er war der dominus et deus. Ein Lobredner schwärmte: „der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern...in Dir leben die numina von Jupiter und Hercules - wir rufen Dich an, wir rufen Dir zu,  jeden Sieg zu erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der praesens deus - weshalb wir uns nicht fürchten, weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben zu Füßen zu legen – Heil dir!  Deine Herrschaft ist nicht nur durch die Erdgegenden begrenzt sondern sie reicht darüber hinaus in die Regionen ewiger Himmel. Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werden, so als gelangten wir in Deine Gegenwart, stehen wir heute im Adyton -  dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere Treue. Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich.“ (75)

Möglicherweise war Kaiser Diokletian während dieser Rede gar nicht anwesend, aber in solchem Fall hielt ein Jupiterpriester das Bild des Imperators  in die Höhe, denn es wurde spätestens seit dieser Zeit geglaubt, dass der Kaiser und sein Bild eins seien. 

Überliefert wurden auch die Worte: „Deshalb gleiche der Kaiser dem Gebieter des Weltalls.“ (76) Konstantin wird es vernommen und verstanden haben. Solche Sätze haben Langzeitwirkung.

Kurz vor dem Ableben seines schwer herzkranken Vaters, Constantin Chlorus, gelang ihm die Flucht. Er traf seinen Vater noch lebend an.  

Umgehend erhob die Armee Sohn Konstantin zum Cäsar, in jene Position die sein Vater 13 lange Jahre, in der von Diokletian geschaffenen Tetrarchie  eingenommen hatte. 

Er begründete „seinen Herrschaftsanspruch mit seiner Abstammung vom Staatsgott Constantius Chlorus, den er divinisieren und konsekrieren ließ.“ (77)

 

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(75)       Alexander Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer

Zeitenwende“ Walter de Gruyter, 2004, S. 31

(76)       ebenda

(77)       Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich - KGSaur, 2001, S 196 : „Konstantins Vater war Herrscher auf Erden und ist Gott im Himmel.“

 

 

 

 

 

 

Konstantins Religion

 

In den ersten Jahren seiner Herrschaft war Konstantin sich darüber noch  nicht im Klaren mit welchem Titel er selbst leben soll. Noch am Vorabend der Schlacht an der milvischen Brücke, am 28. Oktober 312 betete er: „Wer bin ich?“ Was hast du mir bestimmt? Bist du in mir? „Sol Invictus: ich bitte dich, „offenbare mir wer ich bin!  Reichst du mir deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“ (78)  

Der Grundwiderspruch lag damit offen zutage: Er selbst wollte der Sol Invictus sein und betete zur gleichen Zeit: offenbare du mir die Wahrheit.  War er zwei in Eins? Diese Ungereimtheit sollte in Nicäa, 325, ins Christliche hinein transportiert werden, indem Konstantin autoritär homousios an die Stelle von homo i usios setzte, (79) was zur Folge hatte, dass es die Christen verunsicherte. Sollten sie denken: Jesus habe sich unmittelbar vor seiner Verhaftung und dem schweren Ende seines Lebens, selbst angefleht? „Vater, wenn es möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.“ (80)  

 

Diese Münze  (81) stammt aus dem Jahre 313. Sie zeigt Kaiser Konstantin und Sol, nicht Konstantin und Christus, der ihm 312 angeblich zu seinem fragwürdigen Sieg an der milvischen Brücke verholfen, haben soll. Sie gleichen einander, sie sind in der Zweiheit eins. Noch  ist  er  ausserstande  das  sich ergebende Problem zu  lösen: Er weiss nur, seit dem 3. Jahrhundert ließen sich alle römischen Kaiser als Sol

Invictus verehren. Unbestritten, Sol Invictus war auch der Gott seines Vaters Constantius Chlorus gewesen, der sich allerdings Christen gegenüber manchmal tolerant verhielt. Eusebius bekennt diese wichtige Tatsache in VCI 28: „Konstantin hat (am Abend des 27. Oktober 312) den

Gott seines Vaters Constantinus Chlorus angerufen.“ Doch derselbe Eusebius von Cäsaräa schreibt : „Nachdem Kaiser Konstantin Christ

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(78)  Schlange-Schöne „Konstantin der Große und der Kulturkampf“ 1997 S. 385

(79)  Hans Küng, „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“: „Konstantin selber lässt das nachher so sehr umstrittene unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. ‚consubstatialis einfügen... Die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater (der Gott) , wie von Origenes und den Theologen der Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem

Vater“

(80)  Matth. 26: 39                                                                                                                   

(81)  Münze Bruno Blackmann „Konstantin der Große“  Rowohlt, 1996

geworden war, flehte er Gott an, ihm in bevorstehenden Kampf gegen Maxentius, den Tyrannen von Rom, beizustehen.“ Keinem Christen Roms wäre, solange er an den Christus der „Frohbotschaft“ glaubte, je in den  Sinn gekommen den altrömischen Sol Invictus anzurufen, wenn er Christus meinte, denn Sol Invictus ist Sol Apollo und dieser ist Mithra.

Ihre Begleiterin nennt sich Victoria. Victoria indessen steht für den Sieg im Krieg, während Jesus, wegen seiner Lehre von der Rechtschaffenheit, der Friedefürst genannt wird. Bis 325 glaubte eine überwältigende Mehrheit der Christen ‚origenistisch’- arianisch , dass Gott der Vater und Gott Sohn Jesus Christus zwei unterschiedliche Persönlichkeiten (Hypostasen) sind,  sie ähneln einander, aber sie sind nicht wesenseins. Jesus sei dem Vater nachgeordnet (82) ... Aus Konstantins Wirrwarr, entstanden später ‚christologische’ Diskussionen, die sich von einer Übersteigerung in die  andere verirrten. Darüber geriet das Hauptelement des Christentums: die Menschenliebe, oder wie Jesus formulierte: „das Wichtigste, die

Barmherzigkeit“ (83) völlig ins Hintertreffen. Nachfolgender Mord und Totschlag waren nur die sichtbaren Elemente eines Christentums, das diesen Namen von da an, wohl nicht mehr verdiente.  

Goethe spottet über diesen Raub des Jota: 

Denn eben, wo Begriffe fehlen,         Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Mit Worten läßt sich trefflich streiten,

Mit Worten ein System bereiten,

An Worte läßt sich trefflich glauben,

Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“ Faust I

Nur ein schnell zupackender Griff und dann war es eben doch geschehen.  _______________ 

(82)  Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960, S. 1695  Origenes lehrte: „Rangältester von allen Geschöpfen ist der ewig aus dem Willen des Vaters gezeugte Sohn Gottes. Er ist dem Vater nur „gleich“ im Sinne von ähnlich...  der Sohn ist das Abbild (Kolosser 1: 15) geringer als Gott selbst (Joh. 14: 28) an dessen Gottheit er nur Teil hat und dem er als der“ zweite Gott“ in jeder Hinsicht subordiniert ist... der Logos, die „Erlösung“... als Logos das Organ der weiteren Schöpfertätigkeit ...d.h. „Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist  eine andere Person.“ 

Arbeitskreis Origenes. „Origenes lehrte die Trennung Gott Vater - Gott Sohn - Gott Heiliger Geist.“  

R. P. C. Hanson „The Search for the Christian Doctrine of God“: „Kein Theologe vor der Entstehung des Arianischen Streits  - weder in der Ost- noch in der Westkirche -  betrachtete den Sohn nicht irgendwie als dem Vater untergeordnet.“ 

(83) Matth. 23: 23 „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und lasst dahinten das Schwerste im Gesetz, die Barmherzigkeit.“        

Infolge dieses geraubten Jota verloren die Menschen in den Gemeinden den Frieden. Indem die athansianischen Fanatiker den Hass predigten, trieben sie den Geist Christi aus ihren Versammlungen hinaus. Selbst die Reformatoren erwiesen sich später als unbarmherzige Fanatiker der nicänischen Wortneuschöpfung. Erinnert sei an den berühmten Entdecker des kleinen Blutkreislaufes, Michael Servet, der 1553, auf Betreiben des konstantinisch-athanasianischen Reformators Calvin zum Tode verurteilt und mit ausgewählt grünem Holz verbrannt wurde, nur weil der Gelehrte darauf bestand, gut arianisch, (=mormonisch) zu sagen: „Gott hat ein Antlitz!“ Er war durchaus nicht der Letzte, der wegen solcher Überzeugung sterben musste, so, wie der spanische Bischof von Avila, Priscillian, nicht der Erste war der im Jahre 385 wegen seiner nichtkonstantinisch-athanasianischen Gesinnung zu Tode kam, indem er in Trier, mit sechs seiner Glaubensbrüder, enthauptet wurde. (84) Hinter der nicänischen Neuerung (85) stand die schlichte und doch so komplizierte Frage: ist Gott eine geistige, ganz und gar formlose Wesenseinheit (griechisch homousios) oder handelte es sich um ein Gottheit von zwei (oder drei) himmlischen Personen, die homoiusios waren?

Da damals in der Kirche überwiegend griechisch gesprochen wurde, ging es also um zwei Begriffe die sich lediglich durch das kleine I voneinander unterschieden. Presbyter Arius der das I nicht preisgeben wollte verwies die Wankenden: wenn man das I aus dem Wort entfernte, dann verlor Gott sein Gesicht.

Wie auch immer, es war ein Thema, sowohl für die ägyptische Kirche, wie auch für Konstantin, die sich aus sehr unterschiedlichen Gründen den daraus hervorgehenden Fragen stellen mussten.

Er konnte sich immer noch nicht entscheiden: war er selbst Gott per Amt oder gar die Inkarnation des Sol Invictus?

Irgendwann gelangte Konstantin zudem zur Einsicht, er bedürfe der

Unterstützung einer Kirche die ihn auch von seinen zahlreichen Verbrechen reinwaschen konnte. Schließlich kommandierte er, auf dem von ihm einberufenen und diktierten Kirchenkongress als Pontifex maximus an, dass die Konkordienformel: fortan „homousios“ zu  lauten habe. So, anscheinend mit leichter Hand, schuf er dann die andere Kirche, ________________ 

(84)  siehe Text S. 117

(85)  : Adolf von Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990, S. 232: (53) „Die grosse Neuerung, (nämlich das Athanasium G.Sk.) die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke“ (Vater, Sohn und Heiliger Geist sind „unius substantiae“ G.Sk.) zu Stichworten des Katholischen Glaubens sicherte die Eigenart dieses Glaubens... Im Grunde war nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes...

fortan musste die Kirche die Last einer ihr fremden Glaubensformel tragen.“

die athanasianische, die katholische. Es sollte sich allerdings erweisen, dass selbst die willigsten Bischöfe und schon gar nicht ihre Mitglieder, mit dieser Kurzfassung der Formel wirklich glücklich leben konnten. (86) 

Jahrzehnte sollte es dauern bis sich wenigstens einige wenige Kirchenmänner beugten und der Unlogik das Wort redeten. Generationen sollten kommen und vergehen bis es dem kleinen Mann völlig egal war was die Profis ihnen einredeten.

Es sollten viele Erklärungen und kleine Zusätze folgen, die mit roher Verbissenheit in jahrzehntelangem Ringen ausgehandelt wurden.  Einigen konnten sie sich nie. 

 

Bis heute predigen die Geistlichen nahezu aller Kirchen, wenn überhaupt, einen gesichtslosen ‚lieben’ Gott, obwohl dieselben Prediger individuell einer oft genug enorm abweichenden Auffassung anhängen. 

Die Spanne ist bekannt. Sie reicht vom totalen Unglauben bis zu den

Vorstellungen die in der alten Kirche vorherrschten. Das heisst, viele Athanasianer glauben heute regelwidrig arianisch: Gott und Vater sind zwei unterschiedliche Götter - oder sie umgehen jede Stellungnahme. Katholische Gesangs- und Gebetsbücher sprechen vermehrt vom Antlitz Gottes... gut, dass Calvin und Athanasius ihrer nicht mehr habhaft werden können.

Länger als eine Stunde brauchte ein alter Jesuitenpater um mir 1967 in Hubertushöhe/ Storkow, auf dem Gelände des dortigen Klosters der ‚armen Schulschwestern’,  - die bis auf eine einzige Ausnahme allesamt verbissen und unglücklich aussahen, - sein Gottesbild zu erklären. Er malte mit seinem Stock eine Skizze in den märkischen Sand. Es war ein mathemathisches Modell, das alles und nichts aussagte. ______________ 

 (86) Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 73 „Manche Bischöfe waren vom Konzil zu Nicäa unbefriedigt weggegangen.“  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vier   Bilder          sollen          das     sehr   theoretisch   klingende          Problem veranschaulichen: 

Die Dreifaltigkeitsikone von A. Rubljow (1370-1430) steht in der Russisch-orthodoxen Kirche in hohem Ansehen. Dieses Gemälde würde in etwa dem arianischen bzw. dem ‚mormonischen’ Gottesbild entsprechen. 1215 verurteilte das 4. Laterankonzil unter Leitung Innozenz III. solche Vorstellung jedoch als unzulässig tritheistisch, während die Russisch- orthodoxe Kirche die das Athanasium in der vorliegenden Form zwar nicht anerkennt, aber auch

nicht missbilligt, solche Deutung zulässt.    (87)                                                

Dagegen gibt dieses ‚konstantinisch-athanasianische’ Symbol der Trinität das offizielle Gottes(un)bild auch heutiger Großkirchen wieder.

(88)

 

Tatsächlich gestattet die Theologie der konstantinisch orientierten Athanasianer, Gott quasi ausschließlich als mathematisches Modell zu denken: 

 

 so etwa:  (89)                              oder so :  (90) 

 

Mit solchen In-Etwa-Ideen konnte Konstantin zwar annähernd seine eigenen Ahnungen ausdrücken, die Bilder der alten Kirche wie sie Stephanus, Paulus und Jesus selbst zeichneten, sahen anders aus. Letzlich erzwang Konstantin die Unterschriften der Konzilsteilnehmer, zur Entfernung des Jota, in der irrigen Überzeugung, nun sei, wenigstens für die Christen das Problem gelöst. Welch ein Irrtum. Kenner der Szene wie Bischof Basilius, Teilnehmer des 1. ökumenischen Konzils zu Nicäa

verglich „...die nachkonziliare Situation sogar mit einer Seeschlacht in der

________________                                                                                                        

(87)        Wikipedia

(88)        ebenda  

(89)        ebenda  

(90)        ebenda

Nacht.“.“ (91) Niemand vermochte jemals das Athanasium zu verstehen: Es gab und gibt wohl kaum Theologen die je konfliktfrei mit dem Athanasianum lebten. Prosper Alfaric, ein Expriester der Katholischen Kirche, schrieb: „Man kann einem Christen keinen größeren Streich spielen, als ihm die Frage zu stellen, was ist Gott?“ (92) Prof. Bernd Oberdorfer, Augsburg,  gibt  zu: „Verlegenheit  ist noch das harmloseste, was viele Christen (darunter nicht wenige Theologen) befällt, wenn die Sprache auf die Trinitätslehre kommt. Muss, wer an Jesus Christus glaubt, sich auch das paradoxe „Hexeneinmaleins“ (Goethes) zu Eigen machen, dass Gott einer und drei zugleich ist?“ (93) Viele empfinden es als zumindest erstaunlich, dass einerseits das Wissen vorhanden ist, dass das Neue Testament die Trinitätslehre nicht kennt und andererseits die Tatsache, dass ein Nichtchrist den Christen keine Wahl ließ, indem er diese unverständliche Lehre für richtig erklärte und anderes nicht gelten ließ. Nicht wenige murrten gleich, allerdings verstohlen. Dieser Fakt veranlasste den katholischen Kirchenhistoriker Hertling zu der Bemerkung: „... solange freilich Kaiser Konstantin lebte, durfte niemand wagen, gegen das Konzil zu Nicäa und seine Definition aufzutreten...“(94) Sol Invictus = Sol Apollo stand schon vor Kaiser Aurelian (214-275) den Römern sehr nahe. (95) Viele fragen sich, warum in Nicäa 325, ein Mann dominierte, der noch um seine eigene Gottesvorstellung rang. (96) Er war doch ein Mann der in  ___________________ 

(91)        Bischof Koch (katholische) Pfarrblätter, vom Oktober 2008.

(92)        „Die sozialen Ursprünge d. Christentums“ Darmstadt, Progress-Verl., 1963, Vorw.

(93)        „Zeitzeichen“, evangel. Kommentare, Aug 2004

(94)        L. Hertling „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ mit Imprimatur

Romae, 27. Nov. 1981 Morus-Verlag, Berlin S. 76

(95)        Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“

Vandenhoeck& Ruprecht S. 112: „Kaiser Aurelian stellte das Imperium unter den Schutz des unbesiegten Sonnengottes (Sol Invictus). Mit diesem Gott hatte er über die Parther gesiegt, dabei ließ er das Bild des syrischen Sonnengottes nach Rom bringen. Dieser Gott sollte mit dem griech Gott Helios, dem römischen Gott Sol und dem persischen Gott Mithras identifiziert werden. Der Kaiser verstand sich als Sohn (emanatio) dieses Gottes und als dessen Stellvertreter bei den Menschen.“ Der Hinweis, durch William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“ S. 535, dass Konstantin sich fünf Jahre nach dem Konzil zu Nicäa als Helios darstellen ließ ist beachtenswert...

(96)        Adventskalender 2009 Ruhr-Uni-Bochum:  „Erheblich populärer war zu dieser

Zeit die Gleichsetzung des orientalischen Mithras mit der Sonne und damit der Idee des "Guten“. Erst in der schweren Reichskrise des 3. Jh.s blieb es Aurelian (270 - 275) vorbehalten, als heidnisches Symbol einer Entwicklung zum "Ein-Gott-Glaube" (Henotheismus) und als religiöse Manifestation der Reichseinheit den Sol Invictus zeitweilig zum alleinigen Staatsgott und den Tag der Tempelweihung in Rom, den 25.

Dez. 274, zum Feiertag zu erheben.“

der Tradition seiner erzheidnischen Vorgänger stand, die weder verlassen konnte, noch wollte. Der Name Sol Incictus stand im Innern Konstantins ebenso groß geschrieben, wie im Bewusstsein Kaiser Aurelians. Kurz vor seinem Lebensende ließ Imperator Aurelian dem Sol Invictus einen Tempel bauen, „dessen Reste unter der Kirche San Silvestro liegen.“(97) Es handelt sich dabei vor allem um den besonderen Geist dieses Gottes, der ins Fundament der Kirche eingebaut wurde. Man wird eben die Geister die man rief, nicht wieder los. (Goethe)  Das läßt sich nicht leugnen. Die Union der europäischen Konferenzen der höheren Ordensoberen/innen wagte es sich dieser Tatsache zu stellen und schrieb 2007 im Internet: „Als die Heiden nach einem Gedanken der Einzigartigkeit der Götter suchten, dachten sie nicht an Zeus, sondern an Apollo. Der einzige Gott der gebildeten und fast monotheistischen Heiden, gerade vor dem Aufkommen des Christentums, war Phebus Apollo oder Sol, der das Leben auf Erden spendende Gott. Aurelian führte einen Versuch eines solchen heidnischen Monotheismus ein (während Konstantin den christlichen Monotheismus einsetzen wird) mit Sol Invictus („die unbesiegte Sonne“) und Mithra bei den Soldaten, um spirituell dem Wedismus der Perser entgegenzuwirken. Aurelian wünschte, dass die Römer eine gleiche Religion hätten...“ (98) Nun war aber etwa drei Jahre vor der Schlacht an der milvischen Brücke ein bedeutendes Ereignis in Konstantins Leben getreten, mit dessen Aussage er ebenfalls leben musste: Im Jahr 309, war ihm nach den Worten und dem Bericht eines Lobredners eine Vision im schönsten Apollotempel Galliens zuteil geworden. Dort waren ihm Sol Apollo und die Göttin des Sieges, Victoria erschienen. Sie verhießen ihm eine dreißigjährige Herrschaft, indem sie ihm die Siegeszeichen XXX gaben. Seine Priester hatten ihm Ähnliches immer wieder verheißungsvoll eingeflüstert:  „Du bist der Sol Invictus, - der unbesiegte Sonnengott - . An dir haben wir uns aufgerichtet. Du, Augustus, bist es! Du hast uns erleuchtet.“ (99)  In diesen Zeichen sollst du siegen! Du Konstantin!  

Andererseits gab es bei Hofe und in seinem Heerlager einflussreiche

Persönlichkeiten wie den spanisch-afrikanische Bischof Hosius und Eusebius von Cäsaräa, die ihn bekehren wollten. Klug, jedoch nicht immer ehrlich, wenn er zu schmeicheln begann, doch anscheinend immer in bester Absicht, nutzte Eusebius sich ihm bietende Gelegenheiten auf gewisse Ähnlichkeiten der Grundansichten  hinzuweisen. 

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(97)  Alexander Demand „Die Spätantike: römisches Geschichte von Diokletian bis Justinius 284-565“ Part III., 1989  S. 56   

(98)  Dieses Statement erschien 2008 im Internet nicht mehr 

(99)  Vittinghof „Konstantin der Große“

Mit zunehmendem Alter lobte Eusebius den Kaiser mit umso größerer Ergebenheit. Bis er ihn kurz vor seinem Ende sogar mit dem Messias vergleicht. Um 335 nennt er Konstantin den ‚Engel Gottes’ den ‚Führer und Herr’, das ‚Werkzeug Gottes’, das Ähnlichkeiten mit dem Logos’ 

(Christus) aufweise.  (100) 

Er brachte damit auch die fernab vom Hof lebenden Bekenner der Lehre Christi in schwere Verlegenheit. Seitdem Imperator Domitian (81-96) darauf bestand als „Herr und Gott“ angesprochen zu werden, fürchteten sie sich vor dem Tag an dem sie „zur göttlichen Verehrung des Kaisers gezwungen würden.“ (101)  

Was sich an jenem denkwürdigen Tag, dem 28. Oktober 312, am Vorabend der hochwichtigen Schlacht, gegen seinen Schwager Maxentius zutrug, und was Konstantin wirklich gesehen hat ist noch immer nicht klar. 

Dass, das Rho schon 312 eine Rolle spielte ist wenig wahrscheinlich, weil es auf den Feldzeichen der Armee erst 324 erscheint. Es hieß: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Du Konstantin! Nicht die Kirche. „In hoc signo vincens!“ „Dieses“ Zeichen ist das des Querholzes über der senkrecht stehenden Lanze als Teil des Feldzeichens (des Labarums) der Legionäre des römischen Imperiums. Dieses Zeichen wurde seit Generationen von Kaisern im Feldlager beim Altar aufbewahrt. Später wurde das, ab 327/328 leicht verändert dargestellte X, als „Christusmonogramm” bezeichnet, weil nun das griechische P (Rho) mitten durch das X ging. Zu beachten sind auch die beiden unterschiedlichen Halterungen der Kolossalstatue Konstantins zu Rom, im Palazzo dei Conservatori, die fragmentarisch erhalten blieb „…und die mit dem von Eusebius beschriebenen Standbild identisch sein dürfte…ihr „lassen sich gleich zwei rechte Hände zuordnen. Dieser Tatbestand ist wohl damit zu erklären, dass noch während der  

 

„Konstantin ließ lediglich eine Schlaufe an der vorhandenen Senkrechten anbringen.“ Doch trotz Hinzufügung der Schlaufe bleibt dieses X, das Zeichen des Sol Apollo, das Konstantin im Apollotempel gesehen hat. Ihm, dem Gott Sol Apollo, schrieb er seinen militärischen Erfolg zu, wie der Triumphbogen zu Rom beweist.  (102)

 

 

__________________ 

(100)   Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ , Franz

Steiner Verl. 2003 , S. 23

(101)   Präambel der Einheitsübersetzung zur Offenbarung des Johannes. 

(102)   Bruno Blackmann "Konstantin der Große” Rowohlt rororo 1996, S. 62, 63

Regierung Konstantins die rechte Hand und damit auch die Insignie, die von dieser Hand getragen wurde, ausgetauscht (!) worden ist…(denn) das Feldzeichen war in der römischen Armee ungleich bedeutender als alle Schilddekorationen: Die ganze Soldatenreligion verehrte Feldzeichen, betete Feldzeichen an, schwor bei den Feldzeichen, zog die Feldzeichen allen Göttern vor, …Konstantin „machte es für die Christen attraktiver, indem er die Schlaufe an der senkrechten Linie nun deutlich zum oberen Bogen eines griechischen Rho (P) umgebildet und damit die neue

Interpretation als Abkürzung des Namens Christi erleichtert wurde.“ (103)  

Üblicherweise glauben Christen, Konstantin hätte in einer Vision das

Kreuzeszeichen  oder das   Chi-Rho als Christogramm gesehen, - als Zeichen des Christentums. Doch einen Bezug zum Christentum hatte es von Anfang an nicht. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass das Chi Rho schon in jüdischen Schriften auftaucht und die Bedeutung von ‚fertig’ oder ‚brauchbar’ hatte. (104) Eusebius fährt in seinem fragwürdigen Bericht, den er erst viele Jahre später erstellte fort. „Während der Kaiser inbrünstig flehte, erschien ihm (am 27. Oktober) ein wunderbares göttliches Zeichen. Hätte ein anderer von einer solchen Erscheinung berichtet, so würde man ihm gewiss keinen Glauben schenken, da sie aber der siegreiche Kaiser uns, die wir diese Geschichte schreiben, lange Zeit nachher, als wir seiner Freundschaft und seines Umganges gewürdigt wurden, erzählte und seine Worte durch Eidschwüre bekräftigte, wer sollte da Bedenken tragen, dieser

Erzählung nicht zu glauben. Er versicherte zur Mittagszeit,                                        als bereits der Tag sich neigte, schwebte am Himmel ein aus Feuer _____________ 

(103)   Bruno Bleckmann "Konstantin der Große” Rowohlt rororo 1996, S. 62, 63

(104)   Seeliger „Die Verwendung des Christogramms durch Konstantin im Jahr 312“ - Untersuchungen  kath. Theol. Uni Tübingen S. 153, 154, 165: „Das Gotteszeichen wird bei Laktanz beschrieben „transvere X littera, summo capite circumflexo“ der quergestellte Buchstabe X wurde an der oberen Stelle umgebogen“ Das ergibt eine Zeichen das nicht dem uns bekannten Christogramm aus X und P, den Anfangsbuchstaben von XPICTOC entspricht und deshalb hat man diese Stelle verschiedentlich mendieren wollen ( als Fehler entfernen oder verbessern wollen). Wie aber die Diskussion gezeigt hat, ist dies völlig unnötig, denn das Zeichen mit den quergestellten Balken war durchaus bekannt... wir haben es statt mit einem Chi-Rho mit einem Tau-Rho zu tun, statt mit dem Christogramm mit dem Staurogramm. Diese ist um 200 zum ersten Mal belegt... Zweifelsohne war das  (mit dem Bogen oben)… nicht das Zeichen welches Konstantin benutzte. Er benutzte das Christogramm  … dieses Zeichen ist vorkonstantinisch in vielfacher Weise nachzuweisen, allerdings nicht als Kürzel des Christogramms... Das Chi-Rho taucht schon in jüdischen (Dokumenten) des 1. Jahrhunderts auf. Es sagt: fertig oder brauchbar.... Das Kreuz selbst ist in konstantinischer Zeit noch nicht unter die Kaiserinsignien aufgenommen worden.“      

bestehendes Kreuz, über der Sonne.  An ihm sei die Inschrift befestigt gewesen: "In diesem Zeichen sollst du siegen!" ("In hoc signo vincens!") Mit eigenen Augen hätte er das gesehen. Über diese Erscheinung habe ihn und das ganze Heer, welches ihn auf seinem Marsche begleitete und das Wunder schaute, Staunen ergriffen. Mit Tagesanbruch stand der Kaiser auf und teilte seinen Freunden das Wunder mit. Darauf ließ er Goldarbeiter und Juweliere kommen, setzte sich mitten unter sie, beschrieb ihnen die Gestalt des Zeichens und befahl ihnen, in Gold und Edelsteinen dasselbe nachzubilden... Dieses Zeichens unseres Erlösers bediente sich der Kaiser später als Schutzmittel gegen jede sich ihm  entgegenstellende feindliche  Macht  und  ließ  es  später  allen  seinen  Heeren vorantragen.“ (105) Prof. Stemberger wiegelt ohnehin ab: „Eusebius‘ Bericht über die Anfertigung des Feldzeichens lässt sich kaum mit der Situation unmittelbar vor der Schlacht gegen Maxentius in Einklang bringen..." (106) Vor 326 kennt niemand diese Geschichte. 14 Jahre Schweigen, bei solcher Wichtigkeit des Ereignisses? So oft kommt das ja nicht vor, dass Gott vom Himmel herab eine Botschaft sendet. (Auch wenn Kaiser Konstantin es gewohnt war mit den Unsterblichen, z.B. im Apollotempel umzugehen.)Vittinghoff korrigiert denn auch Eusebius dahingehend: Konstantin hat sich „...in den vielen Selbstzeugnissen, die seinen unmittelbaren Umgang mit Gott und seine göttliche Auserwähltheit betonen, nie auf das gallische Lichtwunder berufen ... Konstantin hat im Jahre 312 keine ‚Bekehrung‘ im Sinn eines plötzlichen inneren Wandels seiner religiösen und geistigen Haltung erlebt, jedoch unbestreitbar von Anfang an dem Kreuz (X, G. Sk.) als magisches Zeichen der göttlichen

Hilfe den Sieg an der milvischen Brücke (Ponte molle) zugeschrieben....” (107) Raffael malte was Zeitgenosse Eusebius von Cäsaräa in seiner

Kirchengeschichte schildert: „En touto nika“

 

Das Kreuz  mit der Umschrift: „En touto nika“ kann

Konstantin und seine Armee so und direkt neben der Sonne nicht gesehen haben. Kein Soldat hat je davon berichtet. 

                                                                  Der       moderne        Konstantin-Historiker       Ramsey

MacMullen, schrieb: "If the sky writing was witnessed by 40,000 men, the true miracle lies in their unbroken silence about it" (108)

(105) H. J.Friedrichs, "Weltgeschichte eine Chronik" Naturalis Verlag, S. 72-73  (106) Stemberger, „2000 Jahre Christentum", Karl Müller Verlag Erlangen S. 162:

(107)   Vittinghoff, „Konstantin der Große“ ,  1966

(108)   Ramsey MacMullen, Constantine, 1969

In diesem Zeichen  wirst du, Konstantin, siegen!  Du! Vielleicht hat er nur geträumt oder andere haben ihm einen Traum eingeredet. Einige Historiker glauben, nicht im Jahr 312, sondern erst unmittelbar vor seiner Entscheidungsschlacht gegen Mitkaiser und Schwager Licinius, 324, könnte Konstantin etwas Kreuzartiges am Himmel  wahrgenommen  haben. Das  würde  erklären,  warum  die  ersten Münzen mit dem sogenannten Christusmonogramm erst in dieser Zeit geprägt wurden.

Andererseits könnte er doch schon, im Oktober 312, unter Anleitung ein gewisses Sternbild betrachtet haben. Dann ließe sich unterstellen, dass auch die Soldaten die auf dem bloßen Feld kampierten - wenn auch unbewusst - dasselbe gesehen haben. Dann könnte man Eusebius sogar wenigstens teilweise Glauben schenken.

 

(109)   

 

- trotz nicht weniger Bedenken die ihn gelegentlich anschlichen.  Wie er selbst nach der großen Wahrheit strebte, so möge jeder für sich selbst herausfinden, was ihm mehr einleuchtet,  und demgemäß darf jeder  römische Bürger die Religion wählen die ihm als die richtige erscheint. Das würde er gewähren, allerdings unter einer Voraussetzung, natürlich, jeder Freie muss bedingungslos anerkennen, dass er Kaiser und Herrscher von Gottes Gnaden ist, nämlich „Gottes Stellvertreter auf Erden.“ (110) Man hatte ihm mitgeteilt: als Cäsar Galerius, der große Ziehsohn Diokletians vor einem Jahr starb, lauteten seine letzten Worten richtungweisend und wider alles Erwarten klar:  ‚Sagt dem Christen

Laktanz, seine Gebete mögen dem helfen, der mir nachfolgt“ (111)  wenngleich  kaum  jemand  die  Christen mehr gehasst hatte als Diokletian und Galerius. „Sol Apollo, Du gabst mir die Verheißung drei voller Jahrzehnte meiner Herrschaft. Drei Jahre ist es her. Ich bedarf deines Segens mehr denn je!“ Konstantins Gebet, von Eusebius von Cäsaräa

________________ 

(109)       Prof. Wolmeringer verweist in Konstantin der Große“ auf diese von Heilland, 1948, errechnete Sternkonstellation in Professorenforum- Journal 2001

(110)       Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“ Akademiev.Berlin 2001, S. 68 (111) .... ???

übermittelt, besagt, es sei Christus gewesen, an den er sich wandte. Doch das ist völlig unglaubwürdig. Ihm war klar, dass auch sein Schwager und Rivale im Rennen um die Weltmacht, Maxentius von Rom, Sol Invictus, Mars und Victoria um Hilfe bittet. Auch Maxentius glaubte, dass sie ihm innewohnende Numen sind. Konstantin sah die Widersprüche und war dennoch überzeugt, dass Sol Invictus und Victoria dem Besseren, dem Toleranteren, dem der mehr Tugend beweist, den Sieg geben würde.   

Immer wieder mussten ihm in diesem Zusammenhang die Christen in den Sinn kommen. Ihre Hochherzigkeit, ihr Bestreben tugendhaft zu leben fielen auf. Darüber hinaus weiß er, dass sich auch sein Todfeind Maxentius um die Gunst der Christen bemühte. „Maxentius hatte die Christenverfolgungen eingestellt und der römischen Kirche ihren Grundbesitz zurückerstattet. Allerdings Maxentius sah sich beträchtlichen

Wirren und zum Teil blutigen Kämpfen innerhalb der Christengemeinden

Roms konfrontiert und deshalb gezwungen die Bischöfe Marcellus (307309) sowie Eusebius (309) in die Verbannung zu schicken.“  (112)  

Auch seine Bischöfe zankten sich, das ist wahr, aber sie würden ihm gehorchen, das kalkulierte Konstantin ein. Er ahnte, er werde ihrer Unterstützung noch sehr bedürfen. Allerdings von blutigen Kämpfen innerhalb christlicher Einheiten hatte er in seinem Herrschaftsbereich selbst nur wenig bemerkt.  Die besseren Christen befanden sich also an seiner Seite. Er konnte nicht ahnen, dass bald nach seinem Ableben, eine bestimmte Christensorte, nämlich solche, die er erst groß machen sollte, die anderen Christen, der angestrebten Vormacht wegen, ungestraft mit Knüppeln und Äxten totschlagen werden.

Eusebius könnte Kontakte zur Mutter des Kaisers gepflegt haben, Er wird ihr suggeriert haben: Die Kreuze die dem Imperator gegeben wurden, würden seiner Meinung nach eher auf den gekreuzigten Jesus Christus hinweisen. Es sei noch einmal festgehalten, vor der Zeit Konstantins gab es in der gesamten Christenheit keine Kreuzesverehrung, - Predigten über den gekreuzigten Jesus gehörten dagegen sehr wohl zu den Gottesdiensten, wenn auch noch nicht in jener Weise, die in der Reichskirche üblich werden sollte. Es lag allen Jesusnachfolgern fern, das Todesinstrument zum Gegenstand andächtiger Betrachtung zu machen. Andererseits gab es einige Andeutungen, Christensoldaten hätten sich schon um 299 Kreuze auf die Stirn malen lassen. (113) War das nur ein Gerücht? 

_______________ 

(112)   Karl Christ „Geschichte der römischen Kaiserzeit“ C,H. Beck, 2002, S. 737  

(113)   A. Demand „Die Spätantike: römisches Geschichte von Diokletian bis Justinius“

Part III., 1989  S. 66: „Das war nach römischem Recht ein strafbarer Fall von Zauberei.“   

Andere fragten später, zu Cyrills Zeiten, nach dem Konzil zu Ephesus, 431: wäre Jesus geköpft worden, befände sich dann ein Schwert an Stelle eines Kreuzes? Konstantin hatte in den Jahren in Nikomedien gesehen, wie viel Kraft die Jünger Christi in den Tagen harter Verfolgung und Folterungen entfalteten, wenn sie den Gekreuzigten anriefen. Das sagte ihm sehr zu.  Das Kreuz selbst schien anzudeuten, dass sein Mittelpunkt eine Verschmelzung symbolisiere. Hier liegt die Nahtstelle zwischen echtem Christentum und der Kreuzesreligion der Paganen. Kreuzzeichen gab es schon seit langem in der Armee. Auch war der Gedanke nicht neu eine Symbiose von Staat und christlicher Kirche herbeizuführen. Er wurde auf beiden Seiten entwickelt, doch bis Konstantin immer wieder verworfen. Die Idee blieb. Sie war verlockend, denn jeder Staat benötigt ein stabiles Fundament, das nicht allein aus militärischer Macht und Verwaltungsstrukturen bestehen kann, sondern in den Köpfen und Herzen der Menschen muss jene Ordnung herrschen, die der Kaiser bestimmt. Nicht viele Religionen, sondern möglichst nur eine, nicht mehrere Götter, sondern nur einem Einzigen, sollten Roms Bürger anhängen. Einige Kirchenpolitiker vom Typ des nach Nicäa verstärkt aufkommenden Konjunkturchristen hegten schon lange die Absicht, das Ideal einer ‚christlich-staatlichen’ Einheitsreligion durchzusetzen. Sowohl Callist I., einer der römischen Bischöfe, angeblich „Papst“ von 217 bis 217, als auch seinem Vorgänger Zephyrinus 199 bis 217 sind solche frühzeitigen Händel mit dem Ziel einer Vermischung von Staat und Kirche zuzumuten. Noch waren es erste, zaghafte Versuche. Aber in eben dieser Zeit, etwa einhundert Jahre vor Nicäa, begann es. „Callistus versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren...“ Das sind Bestrebungen die durch nichts gerechtfertigt waren, die jedoch verrieten um was es diesen Männern ging. Wenn es allerdings von einem Ort abhinge dem das Primat zustünde müsste es Jerusalem sein. (Küng)

„...Callistus war der Überlieferung zufolge ein von Juden verbannter Sklave, der zunächst mit betrügerischen Bankgeschäften von sich reden machte. Der erste Gegenpapst der Kirchengeschichte, Hippolyt, erhob sich gegen ihn und beschuldigte ihn... eines unlauteren Vorlebens und der

Unzucht ...“ (114)   

Um 200 verfasste Felix Minucius seinen Aufsatz "Dialog Octavius". Er schrieb was er davon hält, das Kreuz an dem Jesus starb und das Kreuz der Kaiser und ihrer Legionen miteinander in Verbindung zu bringen und beide, als Mix, zum Gegenstand auch ihrer Verehrung zu machen: „Kreuze beten wir nicht an und wünschen sie nicht. Ihr allerdings, die ihr hölzerne _____________  

(114)    Ökumenisches Heiligenlexikon:  

Götter weiht, betet vielleicht hölzerne Kreuze an als Bestandteil eurer

Götter. Was sind sie denn anderes die militärischen Feldzeichen und Fahnen als vergoldete und gezierte Kreuze? Eure (!) Siegeszeichen haben nicht bloß die Gestalt eines einfachen Kreuzes, sondern sie erinnern auch an einen Gekreuzigten... bei euren religiösen Gebräuchen kommt (das Kreuz) zur Verwendung.“ (115) Er sah anscheinend eine negative Entwicklung voraus. Die Basis jenes Streben war das von Jesus ausdrücklich verurteilte. Noch kurz vor seiner Kreuzigung vor Pilatus stehend beteuerte der Erlöser: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, würden meine Diener kämpfen, nun ist aber mein Reich nicht von dieser Welt.“ (116) Interessant ist, dass ihm die weltliche Macht gleich zu Beginn seiner Laufbahn, als Rabbi, von seinem Widersacher angeboten wurde: „Das ‚alles’ will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst…(117) Ein Niederfallen vor einem Kaiser brächte den kompromissbereiten zwar die Machtteilnahme, aber die Kirche würde aufhören, das Licht der Welt zu sein. Wie sehr es den frühen Christen darum ging Jesu Willen zu tun und nicht den der Herrschenden, geht aus dem gesamten Geschehen hervor. Das missfiel auch den ‚christlichen’ Kaisern von Anfang an. Ihre Untergebenen sollten nicht nachdenken, sondern parieren. Die Tapferen ließen sich ihr Recht nicht nehmen. Was in den Ältestenkollegien diskutiert wurde, ist dennoch weithin unbekannt. Nur gelegentlich, wie im Streitfall zwischen dem alexandrinischen Bischof Alexander um 318 und seinem Presbyter Arius (260-336), erfahren wir etwas mehr. Hinzukommt, dass viele Dokumente, auch aus der vorkonstantinischen Ära, vernichtet oder von den  Fälschern „bereinigt“ (118) wurden, um die von Konstantin gezeichnete Linie nicht zu gefährden. Lange Zeit stemmten sich die meisten Mitglieder der Gemeinden, wenn auch vergeblich, gegen alles, was sie als Widerspruch zu ihrer Religion empfanden. Das brachten die Mutigen auch zum Ausdruck. Deshalb verbot Kaiser Markion 451, als Konzilsvorsitzender in

Chalkedon, den Gläubigen das Denken und Diskutieren ganz und gar. (119)  Es wäre interessant Briefe der Nichtbischöfe zu lesen die zwischen 200  _______________  

(115)    Stemberger „2000 Jahre Christentum“, Karl Müller Verlag, Erl. 1990 S. 146.  

(116)    Joh. 18 : 36 

(117)    Matth.4: 8 u 9

(118)    Thomas Frenz „Papst Innozenz III. Weichensteller der Geschichte Europas“ Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2000, S. 133 „...im Mai 1198, hat er an der Kurie selbst eine ganze Bande von Urkundenfälschen ausgehoben...“

(119)    K. Leo Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum“ Studien, Akad. Verl. 2001 S. 44 : „Das Verbot gilt gleichermaßen für Kleriker, Staatsbedienstete, Freie und Sklaven, die bei Verstoß entsprechend differenziert betraft werden.“  

und 400 geschrieben wurden. Nachdem Konstantin gesiegt hatte, veröffentlichte er 313 das Mailänder Toleranzreskript, d.h. er erneuerte das seit 311 bestehende Toleranzedikt des Kaisers Galerius.  Nachdem wir beide, Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius, durch glückliche Fügung bei Mailand zusammenkamen, um zum Wohle aller ... zu regeln ... sowohl den Christen als auch allen Menschen freie Vollmacht zu gewähren ... ihre Religion zu wählen ... damit die himmlische Gottheit uns und allen ... gnädig und gewogen bleiben kann... In der Erkenntnis, dass die Religionsfreiheit nicht verwehrt werden dürfe(120) Damit gewann er das Vertrauen der Christen und der Paganen. Bald allerdings wird er selbst das absolute Machtzentrum sein und festlegen, was er unter Religionsfreiheit versteht. Himmelszeichen natürlicher Art, sind die eine Seite, eine ganz                                  andere ist ihre Deutung, falls es überhaupt etwas zu deuten geben sollte. Vetranio der nur zehn Monate lang römischer Kaiser war, - von März bis Dezember 350 - soll „die Erscheinung eines mehrere Stunden lang sichtbaren, kreuzförmigen Himmelszeichen über Jerusalem“ gesehen haben, aber für die Kirche hat er nichts bewirkt, zudem war er mit Kriegen beschäftigt.“ (121)  Auch Vetranio wurde dieselbe Verheißung wie Konstantin gegeben: In diesem Zeichen sollst du siegen... nur, wie gesagt, es galt ihm persönlich (122)  

Rückseite einer Münze des Usurpators Vetranio, geprägt 350 in Siscia. Der Kaiser mit dem Labarum wird von der griech. Göttin des Sieges Victoria bekränzt. Die lateinische Umschrift lautet: „Mit diesem Zeichen wirst du Sieger sein.“ München Staatl. Kunstsammlung.

 

Waren das nicht die Worte, die angeblich Kaiser Konstantin als Worte seines Gottes  vernommen hatte? Auch da hieß es: „Dieses Zeichen unseres Erlösers…“ Von dieser Zeit an hätte Konstantin sich zunehmend christenfreundlich verhalten? Nur, dann erhebt sich die Frage, warum lautet eine der gängigsten Konstantin-Legenden, die während einiger Jahrhunderte gepredigt und verbreitet wurde, völlig anders?  „... Der __________________ 

(120)    Stemberger „2000 Jahre Christentum“ K.Müller Verlang Erlangen 1990 S. 163

(121)    Manfred Clauss „Die römischen Kaiser“ „55 historische Portraits von Cäsar bis Justinian“ C.H.Beck, 2005

(122)    Münze Bruno Blackmann „Konstantin der Große“  Rowohlt, 1996

Kaiser (es wird von Konstantin gesprochen! G.Sk.) habe als Heide zu Rom grausam die Christen verfolgt und sich, zur Strafe vom Aussatz befallen, nach einem Traumgesicht an den auf den Berg Soracte geflüchteten Papst Silvester gewandt und Heilung erlangt, als er sich von Silvester taufen ließ. Zum Dank habe er ... Kirchen gestiftet und den römischen Bischof zum Oberhaupt der Geistlichkeit bestimmt... Diese in den Actus Silvestri wohl am Ende des 4. Jahrhunderts in Rom niedergelegte Legende fand in lateinischen, griechischen          und    orientalischen        Fassungen   große Verbreitung und ist sowohl in die Symmachianischen Apokryphen vom

Ende des 5. Jahrhunderts (z.B. Constitutum Silvestri) als auch in den Liber

Pontificalis eingegangen.“(123) Silvester I., der 33. in der Reihe der ‚Päpste’,  dessen angebliches Pontifikat von  314-335 dauerte, weiß weder etwas von einer Heilung Konstantins, noch von der Taufe, er weiß nichts von Konstantins Kreuzesvision vom Jahr 312, ihm ist nichts von einer Übereignung des Lateranpalastes an die Kirche bekannt, die auf 312 datiert wird. Bereits ‚Papst’ Miltiades der 311 Papst wurde und bis 314 amtierte, hätte eine Fülle von Akten hinterlassen müssen. Aber es liegt nichts vor.  Das Ökumenische Heiligenlexikon schreibt: „Miltiades wurde 311 ...Bischof. Verdienst erwarb er sich in der Bekämpfung des Montanismus.“ Mehr weiß es nicht zu berichten, und von seinem Nachfolger heißt es nur:  „Silvester I., (war)  Bischof von Rom, ... (jedoch ) Über sein Leben und Wirken ist nur wenig bekannt, es fehlt jeder schriftliche Nachlass...“ (124) Jedoch gemäß katholischem Legendengut wird Silvester 314 von

 

        (125)    (126)    (127)  

___________________

(123) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz                                     (124)    ebenda 

(125)   Silvester zieht in Rom ein und wird von Kaiser Konstantin empfangen. Fresko,

1246, in der Silvester geweihten Kapelle der Kirche SS. Quattro Coronati in Rom .                                          

(126)   Kölner Werkstatt: Silvester wird durch Konstantin als Papst gekrönt. Detail von

der nördlichen Chorschranke im Dom in Köln, um 1332                                                 

(127)   Fresko: Silvester bekommt von Konstantin die Papstkrone und einen Schimmel überreicht, 1246, im Kloster SS. Quattro Coronati in Rom    

Kaiser Konstantin zum ‚Papst’, gekrönt, zum Dank dafür, dass dieser ihn heilte. Konstantin hätte dem Papst einen Schimmel geschenkt. 

Im Gedächtnis nicht weniger Mönchs- und Bürgergenerationen wurden diese inkorrekten, für einen bestimmten Zweck frei erfundenen Überlieferungen festgeschrieben. Die Absicht verstimmt. Der Mangel an Dokumenten und an historischer Wahrheit im Sinne Roms wird bereits kurz nach Nicäa deutlich empfunden.

Konstantin sei der Mann der dem Christentum zum Sieg verhalf? War es nicht vielmehr so, dass er stets nur seinen sehr persönlichen Sieg suchte und zwar mit Hilfe jener Christen die willens waren zur gleichen Zeit zwei Herren zu dienen – und die ihm bald wie ihrem eigenen Gott Ehrfurcht erwiesen? 

 

Am Tage der feierlichen Einweihung Konstantinopels, am 11. Mai 330, - 5, bzw. 3 Jahre nach Nicäa gab es zu seinen Ehren „Festspiele im Zirkus. Soldaten mit Kerzen in der Hand geleiteten die Statue Konstantins, die ihn in  der Haltung und  im Gewand  des  Sonnengottes  darstellte, durch  das Spalier kniender Menschen und am Fuße der Porphyrsäule, auf die sie hinaufgeschoben wurde ließ man Weihrauch verbrennen… im Sockel der Konstantin-Helios Statue, auf dem Forum wurde das solange und so ehrfürchtig gehütete Palladium der Vestallinnen (Priesterinnen der römischen Göttin des Herdes) aufbewahrt… Dieses war das Unterpfand des göttlichen Schutzes des Reiches, und der Kaiser selber betrachtete sich als seinen Hüter.“ In seiner Hauptstadt „wurde (auch) eine Statue der Glücksgöttin Nike (=der römischen Victoria) errichtet, Kaiser Konstantinließ sich mit dem Zepter, der Lanze, der Siegesgöttin Nike und dem Reichsapfel darstellen.“ (128) „Seit der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts entwickeln sich christliche Legenden“ (129) Viele waren fasziniert von der Allmacht ihres Kaisers, vor allem diejenigen die von dem Ausbau des Neuen Rom profitierten.

„Wenn wir die Ebene der theoretischen Erörterungen verlassen und uns den Glauben der ‚kleinen Leute’ anschauen, dann verwischen sich die Unterschiede zwischen paganaer und christlicher Frömmigkeit rasch, dann erfährt Konstantin göttliche Verehrung von Anhängern der alten heidnischen, wie der neuen christlichen Kulte.“ (130) 

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(128)     William Seston „Verfall des Römischen Reiches im Westen“ S. 535 

(129)     Karl-Leo Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum Studienbücher Akademie-Verlag 2001

(130)     Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich - KGSaur, 2001, S 205   

Das ‚Salz der Erde’ oder das ‚Licht der Welt’ (131) bewirkte nicht das, wozu Jesus sie bestimmt hatte, sondern umgekehrt; die Umwelt dunkelte zunehmend das Christentum ab. Nicht die Christen gewannen an Wirkkraft sondern die Anhängerschaft des neuartigen Religionsgemenges. Nicht die Verinnerlichung des Guten nahm auf diese Weise zu, worauf es den Ersten Christen ankam, sondern die Veräusserlichung, - das Kultische - . Anscheinend starrten selbst sonst scharfsichtige Christen nur aufs Fell, statt den zu erkennen der darunter steckte. War es damals tatsächlich unmöglich Konstantin zu durchschauen?

Konstantin vermochte es, zu blenden und Optimismus zu verbreiten. „Nach übereinstimmendem Zeugnis byzantinischer Geschichtsschreibung gab Konstantin bei der Einweihung ...der Stadt Konstaninopel dieser den Namen Anthousa, die Blühende... unter dem griechischen Namen... weihte Konstantin seine neue Stadt auf geheime Weise der römischen Stadtgöttin Flora“ (132) Es war eine Zeit der Blüte, dem goldenen Zeitalter Spaniens vergleichbar, die Karl V. und Philipp II. ihrem Weltreich bescherten, über dem nie die Sonne unterging. Doch hier wie da war es derselbe auf rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen anderer Völker und der Schwachen innerhalb der Grenzen herrührende Glanz. Der Anschein trog, und verführte. Konstantin selbst schlief schlecht, solange es Personen gab die seinen Rang gefährden konnten. Auf ihre Geschäfte bedachte Christen fanden all diese Widersprüche nicht aufregend. 

Vor allem in der Ostkirche ahmten sie ab dem 5. Jahrhundert seinen Stil zunehmend nach. Bis heute nähert sich der schlichte Gläubige einem griechischen Bischof in Kriechhaltung, der Proskynese, während der Kirchenfürst auf dem kostbaren Stuhl thront.

Nachdenklich macht immer wieder, das Bemühen nicht weniger Autoren, in Konstantin einen Förderer des Christentums zu sehen. Allzu deutlich liegt auf der Hand, dass er ein Doppelspiel zugunsten seines immerwährenden Gottstatus, trieb. Auf Seiten der Paganen, sowie der Christen gab es dennoch  Leute die ihn als ihren Feind erkannten. Er änderte alles. Kraft seiner außergewöhnlichen Autorität presste Konstantin sowohl den Geist, wie die Inhalte des Heidentum ins Zentrum des Christlichen.  

Gold kann man nicht veredeln, aber verunreinigen.

Bereits bei Grundlegung des ‚Neuen Rom’, - Konstantinopel - einer erheblichen Erweiterung des alten Byzanz, die angeblich erfolgte, weil ihm ‚Gott’ in einem Traum erschienen sei und das gewollt habe... „assistierte ________________ 

(131)   Matth. 5: 13-14

(132)   Hans Reinhard Seeliger Untersuchungen „Die Verwendung des Christogramms im Jahre 312“ kath.theolog. Uni Tübingen S. 165

ihm eine Schar heidnischer Priester bei der Zeremonie.... Als oberster Priester (des Sol Apollo – Helios – Mithras, und nicht des Christus G.Sk.) umschritt Konstantin die projektierte Stadt. Mit einem Stab zeichnete er die Stadtgrenze in den Boden... Seiner auf dem Reißbrett entstandenen, nach den städtebaulichen Idealen der Spätantike gebaute Stadt, versuchte Konstantin durch antike Bildwerke das Antlitz einer gewachsenen Struktur zu geben. ... Aus dem ganzen Land ließ er Kunstwerke zur Ausschmückung bringen. Tempelstatuen und Weihgeschenke wurden ihres religiösen Sinns entweiht. ... Dieser Vorgang wurde zuweilen als ein „schändlicher und massenhafter Kunstraub der Geschichte“ kritisiert... Indiz für das Weiterleben heidnischer Traditionen in der angeblich christlichen Stadt.“ (133) Eigentlich müsste man es ihm zugetragen haben, dass ihn selbst einige seiner Senatoren kritisieren, den Dioskurentempel zu aufwendig finanziert zu haben, andere hingegen lobten ihn dafür. Konstantins Religion ließ aber nicht zu, dass er die Wirkkraft irgendeines Numen leugnete. Die Dioskuren sind Zeussöhne und Reitergottheiten. Sie kämpften an Konstantins Seite... „...die beiden jugendlichen Reitergottheiten hatten ‚Rom’ schon oft geholfen  und sind seine Schlachthelfer im Krieg gegen (Schwager) Licinius gewesen, folglich waren sie auch als Schutzgötter des ‚Neuen Rom’ geeignet... Christen und Heiden erhielten in der neuen Hauptstadt einen gleichberechtigten Status.“(?)  (134) „Es wird berichtet, dass die Kolossalstatue Constantins auf der Porphyrsäule... von Heiden und wie Christen verehrt wurde und letztere versuchten das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren, (sie) beteten ihn wie einen Gott an und leisteten Fürbitten die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ (135) Zunächst wollte er nur Christi Stellvertreter sein, dann gelangte er zur Überzeugung er sei auch Jesus Christus. Die Forschung stellt nur sachlich fest: „Konstantin wollte sich erst spät, gegen Ende seines Lebens taufen lassen... im Jordan... wo schließlich auch der getauft worden war, der er sein wollte: Christus. Ob Konstantin je getauft wurde wissen wir nicht.“

(136)  

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(133)   Monika Schuol, „Constantinopolis – die Stadt Konstantin des Großen“  FU Berlin, 2004   

(134)   Manfred Clauss „Konstantin der Große und seine Zeit“ S. 91  (Status???)

(135)   Frank Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“ Akademieverlag, Berlin, 2001 S 83-84

(136)   Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, Herrscherkult im römischen Reich KGSaur, 2001, S  459 

Alle Umstände, sogar die über seinen Tod hinausreichenden bestätigen, dass er der ewige Gott der Christen sein wollte. „Er selbst hat … den Platz (seiner letzten Ruhestätte) ausersehen... Die eigentliche Beisetzung wird dann durch Constantius vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg in die Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen,  dass der Wert der Gebete die hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugute kommen. Deshalb ordnete er an, hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten hinein... (137) ... so, wie sonst Christus in der Mitte der Apostel steht… Zwölf Grabmäler wie heilige Säulen richtete er dort auf zu Ehren und zum Gedächtnis des Apostelchors; in die Mitte aber stellte er seinen eigenen Sarg, auf dessen beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden.“(138)  

Gewollt oder nicht, Konstantin stiftete gegen Jesus nicht nur eine neue ‚Gottesdienstordnung’ die teilweise bis heute Bestand hat, aber aus vielen Gründen keinen Bestandsschutz verdient, sondern er schuf eine völlig neue Religion, der er lediglich den christlichen Mantel umhängte.  

„Konstantin ordnete an, (dass in seinem Mausoleum G.S.) Kirche 

gehalten wird.  Er ließ einen Altar (139) hineinstellen...“ (140)                                                                                 

Weil er persönlich verehrt werden wollte, hatte Kaiser Konstantin den Altar in die Kirche gestellt. Er ist der Täter, Christus das Opfer.

Dörries fügt diese Bemerkung Otto Weinreich’s aus „Konstantin der Große“ an: „Wie die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag…  stellte …man in die Mitte zwischen die zwei Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“ Er (Weinreich) versichert, „darüber kann kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden wollte und dass an dem Altar für ihn ____________ 

(137)   Bertelsmann-Universal-Lexikon „Bis ins 3. Jahrhundert gab es im Christentum keinen Altar.“ Da liegen die Wurzeln für die katholische Messe, (die das alte Christentum nicht kannte, sondern statt dessen das Abendmahl).  Jahrhundertelang wurden deshalb in den Kirchengebäuden an vielen Altären gleichzeitig Messen gelesen, auch wenn keine anderen Teilnehmer als die lesenden Priester anwesend waren. K-P. Hertzsch, „Theologischen Lexikon", Union –Verlag, Berlin, 1977. S.13: „Es geht um das Sitzen um den Tisch. Wobei wieder deutlich wird, dass es in einer christlichen Kirche eigentlich keinen Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch.“

(138)   Hermann „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins", 1954, Göttingen, S. 416 ff.      

(139)   Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ Vandenhoeck& Ruprecht S. 91  „Ab dem 4. Jahrhundert finden wir feste Altäre und Opfertische 

(140)   Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“, Heidelberg Uni Greifswald, 1954 S. 156

und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte.“ (141) Dörries erwähnt auch die Arbeit von A. Heisenberg „Grabeskirche und

Apostelkirche, zwei Basiliken“ Konstantin I., Leipzig 1908, mit dem Zitat: „An der Spitze der Apostel wollte er ruhen, der divus imperator, der den christlichen Staat gegründet, wollte begraben und nach seinem Tode verehrt sein nicht anders als der Sohn Gottes, der die christliche Religion gegründet hatte." Schließlich „wurde Konstantin nicht nur divinisiert, sondern auch konsekriert“ (142) Eusebius von Cäsaräa hat, obwohl Arianer und hoch gebildet, seinen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet. Er war wohl der Erste unter den bedeutenden Christen seiner Zeit der den Mann der Schlachten und der rücksichtlosen Machtausbreitung sowie der gnadenlosen Machtbewahrung maßlos hochlobte. Andererseits hat Konstantin nichts was seinen Zielen dienen konnte, jemals verschmäht.  In diesen Zeichen sollst du siegen! Du Konstantin. Es gab bei Hofe und auch in seinem Heerlager mehrere einflussreiche Persönlichkeiten die sich zu Christus bekannten, wie den spanisch-afrikanischen Bischof Hosius, die ihm ihre Loyalität erwiesen. Ihre Sympathie für sein Tun konnten einige anscheinend konfliktfrei äußern, weil ihr Wunsch darauf gerichtet war, den Kaiser zu bekehren. Geradezu euphorisch (143) wird Eusebius, später, den

Beginn des wichtigsten, weil folgenreichsten aller Konzilien mit den Worten beschreiben: „Nun trat der Kaiser selber mitten in die Versammlung  (der Konzilsteilnehmer zu Nicäa, 325) wie ein Engel Gottes vom Himmel her, leuchtend in seinem glänzenden Gewande wie von Lichtglanz, strahlend in der feurigen Glut des Purpurs und geschmückt mit dem hellen Schimmer von Gold und Edelgestein…“ (144) Man meint eine Steigerung sei nicht mehr möglich. Eusebius konnte sich, wie sein Herr, nicht mehr zurücknehmen. Fünf Jahre nach Nicäa berichtet er „ausgesprochen billigend, dass auf Beschluss von Senat und Volk von Konstantinopel ein Gemälde angefertigt wurde, auf welchem der verstorbene Kaiser auf dem Himmelsgewölbe thronend dargestellt wurde. (145) Eusebius scheute nicht zurück. Viele Standhafte zerbrachen, weil sie sich nicht verbiegen lassen wollten. Nachdem bedeutende Kirchenführer in ihrem Denken Konstantins Herrschaft über sich anerkannten, etwas das die

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(141)               Hermann Dörries, „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins", 1954, Göttingen

(142)               Manfred Clauss „Kaiser und Gott“, - Herrscherkult im römischen Reich - KGSaur, 2001, S 203

(143)               Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ , Franz Steiner Verl. 2003 , S. 23 Er nennt ihn: „den Engel Gottes“, „den Führer und Herr“...

(144)               Hanns          Joachim           Friedrichs        „Weltgeschichte           eine         Chronik“                                     

(145)               F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“ Akademieverl., Berlin, 2001 S 69

ersten Christen enorm standhaft verweigert hatten, obwohl ihnen das seitens der Behörden  vehement zugemutet vollzogen hatten, rechtfertigten sie diesen Schritt mit gewagten Konstruktionen: „Das irdische Imperium Romanum (sei), allein von Gott erwählt, der Kaiser ist nicht nur der

Diener Gottes, sondern auch sein Stellvertreter auf Erden... während der Logos Christus im Himmel herrscht, erfüllte Constantin die gleichen Aufgaben auf der Erde.“ (146) Dabei handelt es sich nicht um eine schlicht überzogene Vorstellung sondern um Überzeugungen die den nun in die Kirche drängenden Geschäftemachern das Gefühl geben sich richtig entschieden zu haben. Dass damit die Gegenposition, welche die von Jesus gegründete Kirche zur weltlichen Ordnung einnehmen soll, aufgehoben wurde, kümmerte zwar noch einige Vertreter der Urkirche, die mit der Lehre vom Reich Gottes, welches tief innerlich im Menschen sein soll (147) gut vertraut waren, doch dieser Personenkreis war machtlos. Der von Konstantin gestiftete ‚absolutistische Cäsaropapismus’ (Mommsen) reduzierte die Würde des Einzelnen, er war vom Geist, Selbstverständnis und in der Praxis das glatte Gegenteil der Kirche der Prinzipien Christi. Unverständlich aus heutiger Sicht ist, dass Männer wie Laktanz, Eusebius und Bischof Hosius sich nicht ihrer Zustimmung enthalten  haben. War ihr Respekt vor dem Kaiser größer als ihr Glaube? Oder hatten sie einen nur zeitweiligen Verlust ihrer Einsichtsfähigkeit erlitten? (148) Was trieb sie in Konstantins Arme? War es pure Angst? (149) Es war dennoch exakt das, was die ersten Glaubenszeugen so entschieden verweigert hatten. Der Versuchung sich zu unterwerfen, konnten sie nicht widerstehen. Eusebius von Caesarea steigerte sich mit der Zeit, um diese Tatsache zu verdecken: Konstantin weise sogar „Ähnlichkeiten mit dem Logos  (Christus) auf“. (150) Eusebius hielt seine Lobreden keineswegs bevor, sondern nachdem der Kaiser, zum eiskalt rechnenden Vielfach-mörder und zum Verderber der eigenen Familie geworden war. Sonderbar,

gleich nach seinem Amtsantritt, 306, hatte Konstantin das strikte, noch von seinem Vater Constantin Chlorus ausgesprochene Versammlungsverbot für Christen aufgehoben. (151) Schon diese Kleinigkeit zeigt, dass Helena

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(146)   F. Kolb „Herrscherideologie in der Spätantike“ Akad.verl., Berlin, 2001 S 83-84

(147)   Lk. 17: 21 „Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“  

(148)   Präambel der Einheitsübersetzung zur Offenbarung des Johannes: „Der Verfasser rechnet damit, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers, in nächsten Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird.“  (149) Hosius trug die Narben der Folter sichtbar.

(150)   P. Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche ...“ , S. 23

(151)   Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“ (151) Vortrag bei der Ascoli Piceno-Trier Gesellschaft, 2007 

  

Einfluss genommen haben wird. Ihr musste es gefallen, dass die Christenlehre die Demütigen und die Gedemütigten ansprach, (152) die nicht nur sie damit umwarb, denn sie wurde wegen ihrer niederen Abstammung, von den heidnischen Damen der oberen Gesellschafts-

schichten Triers gemieden, abgelehnt und oft hinterhältig verspottet, sie sei nur eine verstoßene  Konkubine und ehemalige Magd gewesen. Auf diese Weise hatten sich die Paganen eher unbeliebt bei Konstantin gemacht, der seine Mutter, schon deshalb liebte weil er frühzeitig von ihr getrennt und die er wie den Vater vermisst haben wird, als er gezwungen wurde in Nikomedien, quasi als Gefangener Diokletians, zu leben. Sie indessen könnte, in diesen Jahren in oder nahe Trier gewohnt haben.

 

Die vornicänische Gemeinde

 

Die Gemeinde der Christen in Trier war klein aber sie wurde von großen Persönlichkeiten wie Laktanz und wahrscheinlich manchmal von Helena besucht, auch Theodora, die Witwe des Constantin Chlorus, soll Christin gewesen sein, folglich müsste auch sie an den Abendmahlsversammlungen teilgenommen haben. Constantin Chlorus war entgegen der Annahme einiger, kein Christ. Er ließ „christliche Gotteshäuser zerstören und ein Versammlungsverbot...), (ergehen, vielleicht,) um nach außen hin Diokletians Vorschriften zu befolgen.“ (153) Wäre er Christ gewesen, zudem in unanfechtbarer Position, hätte er keine Gemeindehäuser zerstört... Konstantin hatte seine Mutter Helena zu sich geholt, „die von da an die wichtigste Frau am Hofe wurde.“ (154) Wie die beiden Damen ihr Christentum lebten ist ihre Angelegenheit, dass es ein unchristliches Verhältnis war, geht aus den wenn auch kargen Berichten hervor: Helena   verdrängte „Theodora, die legitime Witwe des Constantius Chlorus samt ihren Kindern  und zwang sie rachsüchtig, die Stadt zu verlassen.“ (155) Die Situation war für die Gemeinde, abgesehen von diesem innern Zwist, um und bis 306, wegen der bestehenden Verbote ohnehin nicht einfach. Weiter kam Konstantin seiner Mutter noch nicht entgegen. Selbst bis 319 waren die Christen Triers wahrscheinlich nur geduldete Leute. Sie trafen sich wie anzunehmen ist, in einer Privatwohnung, denn über ein eigenes Haus oder ____________  

(152)   Matth 11: 28 „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“

(153)   Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“  

(154)   ebenda

(155)   ebenda  

gar eine Kirche verfügten sie vor dem nizänischen Konzil nicht. (156) Das musste auch nicht unbedingt sein, denn das Reich Gottes - die Kirche Christi - war im wesentlichen unsichtbar. Sie befand sich in den Herzen derer, die von ihrem früheren Übeltun abgelassen, (157) und sich vom allzu natürlichen Streben zu einem vernunftgemäßen (stets selbstbeherrschten) Handeln gewandt hatten, die statt der bitteren Früchte des Streites, des Neides, der  Mißgunst, der Unzucht (158) die besseren hervorbrachten: Freundlichkeit, Güte und Treue. (159) Damals war für die meisten Christen klar, dass sie, erst recht wegen ihrer Mitgliedschaft in der Urkirche zum Führen einer harmonischen Ehe verpflichtet sind, das galt vor allem für die Bischöfe = Gemeindevorsteher  (160) Von einer ‚Josephsehe’ wussten sie allesamt nichts. Es ging für sie nur darum, dass ihnen sexuelle Beziehungen ausschließlich innerhalb der Ehe gestattet waren, und zwar ausdrücklich nicht nur zum Zweck Kinder zu zeugen. (161) Sie glaubten „durch Fasten und Wohltätigkeit ... vor Gott gute Werke erzielen, (zu können, selbst) die zweite Eheschließung nach dem Tod eines Partners war erlaubt... und ... wir erkennen die Tendenz zur egalitären Bewertung der Geschlechter.“ (162) Das es männlichen Mitgliedern bis Ende des 5. Jahr-hunderts generell erlaubt war (nach dem Tod ihrer Ehefrau) eine zweite Ehe zu schließen, geht aus dem Verbot des ‚Papstes’ Gelasius I. , von 494 hervor. (163) Der Hinweis im 1. Thimotheusbrief der „Bischof sei eines Weibes Mann“ wurde bald so verstanden, dass ein Bischof nur einmal heiraten dürfe. Aber „Theodos von Mopsvesta... erwähnte, dass zur Zeit des Apostel Paulus ... noch viele Juden in polygamen Verhältnissen gelebt 

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(156)   Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“  : „neueste  Forschung spricht von dem Bau der (Trierer) Basilika bzw. Fertigstellung von 330 – 340..., erwähnt wird das Abhalten ihrer Gottesdienste in nichtöffentlichen Räumen...“   (157) Titus 3: 3  Paulus schreibt: „Brüder,... früher waren wir unverständig und ... Sklaven aller mögliche Begierden und Leidenschaften, lebten in Bosheit und und Neid, waren verhaßt und haßten einander... als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters erschien, hat er uns gerettet...“  

(158) Galater 5: 19  (159) Galater 5: 22

(160)   1. Thim. 3: 1-7 „... er soll ... eines Weibes Mann... und ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu ... Anstand erziehen, er soll rücksichtsvoll sein... wie will er

für die Kirche sorgen , wenn er seinem eigenen Haus nicht vorstehen kann.“                                                          

(161)   1. Kor. 7:1-7 „Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einvernehmen...“

(162)   Anton Grabner-Haider-Maier Kulturgeschichte des frühen Christentums“ Vandenhoeck& Ruprecht S. 77 

(163)   J., A. Theiner „Die Einführung der erzwungenen Ehelosigkeit und ihre Folgen“ Altenburg, 1828, S. 340

hätten, diese seien es (nachdem sie Christen und zu diesem Amt berufen wurden, G.Sk.)  die der Apostel meinte...“(164) Weil es auf die Beobachtung der Christusgebote ankam (und nicht auf das Ertragen der von überspannten Persönlichkeiten ausgedachten Zusatzlasten), war es fast belanglos wo sie ihre ‚Schule der Tugend’ abhielten. (165)  Das war damals in Trier nicht anders: „Die Christen beteten für den Kaiser (nicht zu ihm)... nach den Versammlungen gingen sie auseinander als ob sie aus einer Schule der Tugend kämen.“ (166) „Sie strebten nach

Selbstbeherrschung und Gerechtigkeit“ (167) Auch „Nach Lactanz ist Jesus der Lehrer der Tugend und Gerechtigkeit.“ (168) Das zeigt ihre Nähe zu Origenes, besser gesagt zum Frühverständnis des Begriffes Christentum:

„Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“ (169) Hippolyt sagte dasselbe: „Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen ... immer die Taten der Liebe folgen!“ (170) Im Dialog des Bardesanes (etwa) im Jahr 200 heißt es: „dass das Christentum eine neue, alle völkischen Unterschiede unter sich lassende Lebensordnung, (ist) der sich die Menschen von sittlichem Willen freudig unterstellen... diese Auffassung vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit als einer Lösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen“ (171) Solche Denkweise stand im direkten Gegensatz zur Auffassung des nur siebzig Jahre nach dieser Zeit wirkenden Ambrosius von Mailand, der Kaiser Gratian beriet und der die Schutz suchenden Goten des Donaugebietes 378 obwohl sie Christen sind – allerdings Arianer – brüsk zurückwies. Obwohl diese seine Mitmenschen in Todesgefahr vor den sie attackierenden Hunnen standen, betrachtete er es als notwendig, sie ‚die Feinde’ Gottes und des Imperiums zu nennen, die militarisch zu schlagen sind. Offensichtlicher konnte die Abwendung von der ursprünglichen Lehre nicht sein. Jesu Lieblingsjünger Johannes, hatte in seinem 1. Brief 4: 20, klar den immer gültigen Grundsatz formuliert: „Wenn jemand sagt, er liebe Gott und hasst doch seinen Bruder, der ist ein Lügner!“ Es gab keine  _________________ 

(164)   Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853, S. 148

(165)   J. Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft“, 2006

(166)   Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ S. 76 (167) ebenda

(168)   Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 153

(169)   H.. Benjamnins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes.“ E.J. Brill, 1994, S. 13 

(170)   A. Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ S. 85

(171)   Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 267 u 568 

Ausnahmen, jedem Christen hatte sein Mitchrist, gleichgültig welchen Irrtümer er noch unterlag, oder welcher Herkunft und Sprache er sein mochte, als Bruder zu gelten. Die Eroberungspolitik  des Ambrosius folgte den Intentionen Konstantins und nicht des Christus. Ambrosius Fußtapfen  folgten sie alle. Kaisers Justinian, der Eliminator der Goten, so weit sein Arm reichte, war noch nicht der Schlimmste. Durch lange Jahrhunderte bis

Kaiser Wilhelm II. sind die Imperatoren der ‚christlichen’ Welt treue Verehrer der Christusmaske des Sol Invictus. Ambrosius, obwohl er die verheerden Resultate seiner Nichtversöhnungspolitik voraussehen musste, blieb stur auf dem uralt römischen Kriegskurs. Bis zum Konzil zu Nicäa war der Sinn jeder Zusammenkunft der Getauften die zu nehmende Verinnerlichung der Christusbotschaft. Umgekehrt trachtete der ‚Zeitgeist’ - was immer das sein mag - nach der Veräußerlichung des „Christentums“ womit die Contrareligion Konstantins unterstützt wurde. Dieser Strömung folgend, erschien es notwendig immer größere Prachtgebäude zu errichten. (172) In welchem Maße und mit welcher Geschwindigkeit Veränderungen über uns hereinbrechen können, zeigten die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und nicht zuletzt der Zusammenbruch des übermächtigen Sowjetsystems. Nichts bleibt wie es ist. Das Gesetz des Lebens fordert unerbittlich Wachstum oder den Tod. Also richtete sich Jesu Lehre auf das sittliche Wachstum des Einzelnen. (173) Es gibt wohl niemanden, der in gesellschaftlicher Verantwortung steht, der dieses Hochziel aller Pädagogik nicht wünschte, oder sogar nach Kräften fördern würde. „Die ersten Bischöfe von Trier... ab 250 n.Chr. ... (waren) Eucharius, Valerius und wohl Maternus... Sie  konnten   ihre Gemeinde ungefährdet durch die

________________ 

(172)   Schlosser, „Weltgeschichte“ Bd. 3, S. 576 „Für die große Menge bestand die christliche Religion nur im äußeren Gottesdienste, in welchem Gott auf pomphafte Weise wie ein orientalischer Despot verehrt … wurde. …Das Christentum, seitdem man es zur Staatsreligion erhoben hatte, ward seinem eigentlichen Wesen und Zwecke völlig entfremdet…Man verwandelte die Lehre des Evangeliums in gelehrte Dogmatik.”  (173) 1912 schrieb die Lutherübersetzung 1. Petrus 2: 9: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;...“  

1980 formuliert die sonst ausgezeichnete Einheitsübersetzung statt dessen: „...damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“   Der Unterschied ist beträchtlich, die Auswirkung ebenfalls.. 

Joseph Smith schrieb in seinem berühmten Brief Lehre und Bündnisse 121: 45 „...lass

Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart

Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wird auf deine Seele fallen wie der Tau vom Himmel...“

schwierigen Zeiten steuern und die Mitgliederzahlen vermehren.“ (174) Zu dieser Zeit galt ‚kirchenweit’ noch jene Gemeindeordnung wie Hippolyt von Rom (217-235) sie beschrieb. (Hippolyt gilt als ‚Gegenpapst’ aber der einzige dieser Kategorie der heilig gesprochen wurde). Noch „waren die Bischöfe einfach die Vorsteher im Kreis der Ältesten und hatten keine besonderen Rechte... (175) Allem Anschein nach trugen, schon wegen des urchristlichen Gleichheitsgrundsatzes, (176) alle als würdig betrachteten Männer das Priestertum, wenn auch unterschiedliche Grade: „„Der Bischof  bestimmt den in der Gemeinde zum Presbyter, (Ältesten oder Priester G.Sk.) der sich nach seiner Ansicht für dies Amt eignete, und der ihm gefiel oder dem sein Märtyrertum von vornherein diese Würde verlieh... Bei der Ordination von Diakonen durch den Bischof verspricht dieser, wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann er später „das erhöhte Priestertum" empfangen...“ (177) Es ging und geht in der Kirche Christi, um ein Priestertum, das jeder Mann, auch wegen des Gleichheitsgrundsatzes, innehaben kann und sollte. Erst als Konstantin seine eigenen Ideen zum Priestertum äußerte, änderte sich das. Er verpflichtete immer mehr Priestertumsträger zugunsten seiner Staatsreligion zu operieren, im Gegenzug gewährte er den Bereitwilligen Vorteile. Der Nachteil für die Kirche liegt auf der Hand, diese „Privilegierung der Kleriker führte... unmittelbar zur Beschränkung des Zugangs zum Priestertum.“ (178)  

Diese Feststellung bestätigt noch einmal, dass das Priestertum ursprünglich allen gegeben wurde die sich an die zu Apostel Zeiten gegebenen Richtlinien hielten. Hinzugefügt werden muss, dass die Mitarbeit der

Frauen zu Hippolyts Zweiten ebenfalls organisiert war, allerdings konnten Frauen nicht Älteste und Priester werden. Handelte es sich doch um ein

Rollenspiel. in ihm vertritt der Priestertumsträger Jesus und der war ein Mann. Ausdrücklich sei wiederholt, dass es sich in den ersten drei Jahrhunderten ausschließlich um Ehrenämter handelte!

Von hauptamtlichen Klerikern ist erst nach Nicäa die Rede – obwohl es auch zuvor schon Ausnahmen gab. Um 220 tadelte Hippolyt die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer  in Rom die ihrem Bischof

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(174)      Bettina von Engel „Konstantin und seine Familie in Trier“: Anscheinend ließ Constantin Chlorus sie gewähren. „Christ war er nicht“, aber möglicherweise gehörte seine Ehefrau Theodora dazu. 

(175)      Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner

Kirchenordnung“ 

(176)      ebenda 

(177)      ebenda

(178)      J. Martin „ Spätantike und Völkerwanderung“ Oldenburg, 2001 , S 22

ein monatliches Gehalt zahlte. Das sei eine gräuliche Neuerung.  (179) Vor 319 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’. Inthronisierungen gab es erst nach Nicäa. Danach kam es zu regelrechten Wettrennen um einen Bischofssitz: „Konstantin (hatte) die Verfügung  getroffen, Angehörige des Klerikerstandes generell von curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der Curiales (den Stadtadel) dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen abzustreifen und eine Position im Klerikerstand anzustreben.“ (180) Der Klerikerstand kam hervor. Steuerflucht durch Taufe, war ein Straftatbestand den einige Kaiser später aus der Welt schaffen wollten. Ambrosius jedoch verteidigte die Übertreter allerdings vehement. (181) Er hatte sogar geprahlt, bereits „um 384 sei der Senat mehrheitlich mit Christen besetzt worden“(182) Aber Stolz ist unangebracht. Gerade die Feststellung: „die Bischöfe (seiner Zeit) rekrutierten sich überwiegend aus der städtischen kurialen Schicht.“ (183) ist schockierend. Geld, statt innere Überzeugung, das konnte nicht gut gehen. (184)   Man war  zuvor nicht christlicher Priester von Berufs wegen, sondern wegen seiner Berufung und die leistete man aus Überzeugung umsonst. Gerade die ___________ 

(179)      Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“

(180)  

(181)   Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter  ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 „Während ein Konzil in Illyricum im Jahr 375 offiziell die Ordination von curiales verurteilte und Papst Innocentius I. (407-412) sich aus religiösen Gründen in ähnlicher Weise äußerte, brachte der mediolanische (mailändische) Bischof Ambrosius 384 und 388/89 lautstark sein Unbehagen darüber zum Ausdruck, wie schwer es den curiales von staatlicher Seite gemacht würde, in hohen kirchlichen Positionen zu verbleiben und ihren angestammten Privatbesitz zu behalten... Ein Posten im höheren Klerikat, speziell die Bischofswürde, offerierte dem Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen, auch wenn sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs befanden. Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das Eintreiben der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an die Kirche zu verlieren. So verwundert es nicht, dass im Westen unter den Kaisern Valentinian III. und Maiorian 439, 452 und 458 Versuche unternommen wurden, das absolute Ordinationsverbot für Decurionen zu reaktivieren“.

(182)   Peter Gemeinhardt, „Das lateinische Christentum und die antike pagane Bildung“

Mohr-Siebeck, 2007, S. 143

(183)   Ebenda S. 151, Fußnote

(184)   Lietzmann „Geschichte der Alten Kirche“, Walter de Gruyter, S. 283 „Unter Konstantin war es Sitte gewesen, die dem christlichen Klerus aus den städtischen

Einkünften zustehenden  Verpflegungsgelder auch an die Witwen und heiligen Jungfrauen zu zahlen...Kaiser Julian (Apostata) verlangte später die Rückzahlung der Beträge... das gab natürlich ein lautes Klagen.“ 

Ehrenamtlichkeit war ja der Beweis für die Überzeugung. Andere Leute wünschte niemand zu hören. Obendrein zahlten diese ‚Freiwilligen’ einen Teil ihres Einkommens der Kirche.

Anders herum  verführten die dann aufkommenden Vergütungen und die Privilegien nicht wenige, so zu tun, als wären sie von Herzen gewendete. Denen fiel es nicht ein zu hinterfragen, ob sie im Sinne dessen handelte, der die Kirche ins Leben gerufen hatte oder nicht.

Sie nahmen das Geld der Witwen und Waisen. 

Zuvor gaben alle ihr Geld freiwillig her. Bis dahin Gleichberechtigte, sollten die ‚einfachen’ Mitglieder nun Kirchensteuer zahlen. Tertullian (160-220)  schreibt: „dass jeder einmal im Monat gibt, oder wann er will, wenn er überhaupt will, und wenn er kann; denn es wird niemand gezwungen“ (185) Die finanzielle Sonderstellung der ‚Kleriker’ musste auch das nichtchristliche Volk bezahlen. „Konstantin hatte im Jahre 326 eine Gold- und Silbersteuer eingeführt, die auri lustralis collatio oder auch chrysargyrion genannt wurde, die jeder zahlen musste, der ein Gewerbe betrieb. Sie wurde zunächst alle fünf, im 5. Jh. alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr. die Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken führte. Handwerker, ... Gärtner, Fischer, zur See reisende Händler, Kaufleute sowohl in der Stadt als auch auf dem Land (vgl. CTh 13, 1, 10) und auch Prostituierte. ...Die Höhe der Steuer berechnete sich nach dem im Gewerbe tätigen Kapital des Betroffenen. Dazu zählten Werkzeuge, Vieh,

Sklaven, sie selbst und ihre Familienangehörigen... Zunächst sorgten die Kurialen und hafteten wohl auch für die Eintreibung dieser Steuer bei den Händlern und Handwerkern ihrer Stadt (Gr. Naz., ep. 98), ab 399 sollten sich die Händler dann jedoch geeignete mancipes aus ihrer Mitte zur Steuereinsammlung wählen, damit nicht länger den Kurialen diese Last aufgebürdet würde. Für die Verwaltung der eingegangenen collatio lustralis war der praefectus praetorio, deren Vikare oder Statthalter zuständig (Jones, LRE I, 434). Reiche Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten, setzten sich über See ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem Werkzeug, mit dem er sich kaum ernähren könne...

Hunde setzten die Steuereintreiber den fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so dass es sogar vorkam, dass Eltern ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen mussten, um die Steuer aufzubringen. Auch Zosimus zeichnete das gleiche Schreckensbild wie Libanios. Immer wenn die Zeit der Steuererhebung näher rückte, so Zosimos, erhob sich Jammer und Wehklagen in jeder Stadt. Die, die aufgrund ihrer Armut nicht zahlen _______________ 

(185) Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ S.50

konnten, wurden mit Peitschen und Martergerät gefoltert. So kam es, dass Mütter ihre Kinder verkauften und Väter ihre Töchter an Männer feilboten, um den Steuereintreiber das chrysargyrion liefern zu können. Jones hielt nach Auswertung der einschlägigen Quellen trotz der vielen Klagen der Zeitgenossen über die annona die Belastungen durch die collatio lustralis für härter... Wie eine Stelle aus der Vita des Johannes Eleemon schildert, war in Alexandria neben den öffentlichen Steuern und der Miete für den Laden zudem noch ein Handgeld für den Marktaufseher, der diese Gelder eintrieb, üblich. Hinzu kam für die in Kollegien organisierten Handwerker und Händler, zu denen ein Großteil der städtischen Gewerbetreibenden gehörte, die Verpflichtung zur Leistung von munera, deren Durchführung von den Kurialen der Heimatstadt organisiert wurde...  Schuhmacher galten offenbar als besonders arme Männer, doch selbst auf ihr Schustermesser als ihr einziges Kapital würde, so Libanius, die Steuer von unerbittlichen Steuereintreibern erhoben (Lib., or. 46, 22).“ (186)     

Konstantins Nachfolger behielten diesen Kurs der Spaltung der Gesellschaft und der Kirche bei. Natürlich betrafen diese radikalen Bevorzugungen zunächst nicht die Gemeinden am Rande des Geschehens. In der Ferne, weitab der Metropolen ergab sich eine Mischsituation. Dennoch ist zu erkennen, dass es für die Träger priesterlicher Legitimationen ganz normal war, auch nachdem sie Presbyter geworden waren, ihrem Beruf nachzugehen. (187) ______________________ 

 (187)  Sabine Hübner,  „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens Fr. Schiller Uni,  Jena, 1976, S.155: „Durch ein Edikt von 346 wurde wiederum bekräftigt, dass Kleriker keine munera sordida leisten und nicht für die Instandhaltung der Wege und Brücken aufkommen müssten. Allen im Handel tätigen Klerikern wurde wiederum auch die Befreiung von der Gewerbesteuer zugesichert, nun aber mit der hinzugefügten Einschränkung, dass sie mit ihren erwirtschafteten Gewinnen die Armen unterstützen sollten. Dieses Gesetz ist ein erster Hinweis darauf, dass offenbar viele Gewerbetreibende in den Klerus strömten und man einen Missbrauch verhindern wollte. Es ging den Kaisern jedoch nicht darum, mögliche Steuerverluste durch reiche Händler im Klerus zu vermeiden, denn deren erwirtschaftete Überschüsse sollten ja den Bedürftigen und nicht dem Fiskus zukommen. Es sollte aber augenscheinlich verhindert werden, dass sich erfolgreiche und wohlhabende negotiatores allein wegen der Steuervorteile zu Klerikern ordinieren ließen, um fortan abgabenfrei ihre Geschäfte betreiben und noch höhere Gewinne erzielen zu können. S. 157: Viele gingen nach ihrer Weihe ihrem Gewerbe auch weiter nach, Diakone und Presbyter ebenso wie

Lektoren. Sie dachten vermutlich auch nicht daran, (ihr Gewerbe) aufzugeben.“                                            

 

 

 

Es gab im Jahr 1830, neben der Kirche Jesu Christi der HLT, keine zweite in der jedes männliche Mitglied, -  das entsprechende Alter und persönliche Würdigkeit vorausgesetzt,-  sowohl das  niedere, wie später das höhere Priestertum empfangen konnte. (188) (189)

Sämtliche Kirchentätigkeiten müssen nach dem Tageswerk erledigt werden. 

Organisatorisches, wie Weihen, wurden zu Hippolyts Zeiten zweckmäßig und nicht pompös vollzogen, jedes Gemeindemitglied nahm sein Mitspracherecht wahr:

„Ehe man die Weihe (Einsetzung, Ordination) eines ... neugewählten Bischofs vornahm... wurde die Gemeinde ausdrücklich noch einmal um ihr Einverständnis gebeten... Bischöfe (anderer Gemeinden) kamen und legten die Hände aufs Haupt während das Presbyterium (Ältestenkollegium) ruhig dabeistand... in diesem Gebet wird besonders der Führer der den Aposteln innewohnt auf ihn herabgefleht... ‚gemäß der Macht die du den

Aposteln gegeben hast’... “ (190) Unter dem in diesem Gebet  erwähnten „Führer“ verstanden die Betreffenden die  „Macht des Heiligen Geistes“ von der Jesus gesprochen hatte, als er sagte: „Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt (den derjenige, der weltlich nach Macht und Geld trachtet) nicht empfangen kann...“(191) Da damals immer mit neuen Verfolgungswellen zu rechnen war, glaubten die neu berufenen Führungskräfte der noch jungen Kirche daran, dass sie sinnvolle Eingebungen und Warnungen durch die Macht des Geistes erhalten würden. Sie wünschten, wenn sie lehrend arbeiteten, den richtigen Ton zu finden, und stets bei der schlichten Wahrheit zu bleiben. Sie  glaubten an die Verheißung  „der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren“, (192)

Ihnen war klar, dass die Führung durch Gott den Feinsinn für solche

___________________ 

(188)   Zusatzschrift der Kirche Jesu Christi der HLT (Mormonen): Lehre und Bündnisse 107: 1-5 „In der Kirche gibt es zwei Priestertümer, nämlich das Melchisedekische und das Aaronische, welches das Levitische Priestertum einschließt...“   

(189)   Chr. Müller „Kurialen und Bischof, Bürger und Gemeinde in der gallischen Stadt des 4. bis 6. Jahrhunderts“ 2003 S. 254: „Die Vorgänge  nach dem Tod des Bischofs Petronius im Jahre 463 bezeugen zur Genüge, dass mit der Designation eines Nachfolgers  allein noch keine definitive Entscheidung gefallen  sein musste. Petronius´ letztem Willen zufolge sollte ihm sein Bruder Marcellus, Mitglied des dortigen Klerus und bereits mit den Weihen eines Leviten versehen, nachfolgen.“ 

(190)   Hippolyt Gemeindeordnung 

(191)   Johannes 14: 17 

(192)   Johannes 14: 26  

 

 

Wahrnehmung vorausgesetzt und den man, wenn man ihn nicht hatte entwickeln sollte. Zu diesem Zweck sprachen die einsetzenden Bischöfe das erwähnte Gebet. 

Der Zeitfond aller Bischöfe war entsprechend Hippolyts Beschreibung sehr begrenzt, eben weil sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten mussten. Sie bedurften vieler Mitarbeiter.  

Von bischöflicher Repräsentation war zu Hippolyts Zeiten noch lange nichts zu spüren, von harter Arbeit sehr wohl. Wenn man bedenkt wieviele festgeschriebenen Pflichten, nach Hippolyt, auf Bischofsschultern ruhten, (193) wird im Nachhinein klar, dass diese Verantwortung  sich  wohl kaum über  jeweils mehr als 500 Mitglieder  (pro Gemeinde) erstrecken konnte. Jungklaus sagt: „Wenn es bei einer so feierlichen Handlung, wie die erste Entgegennahme vom Abendmahl, passieren kann, dass nicht einmal genügend Presbyter vorhanden sind, war ihre Zahl (pro Gemeinde) unmöglich sehr groß... Der Bischof selbst teilt das heilige Sakrament aus,  ... während die Presbyter ihm zu Diensten stehen. Ihre Aufgabe ist es… nur im Vertretungsfall sollen die Diakone diesen Dienst übernehmen ... der Bischof leitet die Gemeinde. An seiner Seite stehen zwei Ratgeber sowie das Ältestenkollegium...“ (194) Hippolyt legte dar: „... (Wenn es  sich) um eine auszuübende Kirchendisziplin handelte... bildete der Bischof  mit dem Presbyterkollegium (Ältestenkollegium) das Richterkollegium... Der Bischof ist bei jeder Taufe, bei jedem Abendmahl und bei Ordinationen anwesend... die Diakone besuchen jene Kranken und Alten die der Bischof nicht erreichen kann, aber sie erstatten ihm einen Bericht.“ (195)      (nach  Tertullian „(vgl. de bapt.18) ist (die Taufe) bis dahin  keine Taufe von Säuglingen, sondern von reiferen Kindern oder Erwachsenen durch

Untertauchung). (196)

Alleine das Anhören der Berichte konnte u.U. Stunden beanspruchen.  Der Bischof und seine  beiden Ratgeber ergänzten einander, nahmen einander die Lasten ab.

Wenn jemand in der Gemeinde des Hippolyt Mitglied werden wollte wurde er zuerst befragt, warum er das wünscht. Oft musste er seinen Beruf aufgeben der ihn verunreinigte, dazu gehörten Künstler, die Götterbilder ________________ 

(193)     Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“ ebenda....

(194)     ebenda. Diese Struktur ist charakteristisch für die Kirche Jesu Christi der HLT.

(195)     ebenda

(196)Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“

Vandenhoeck& Ruprecht S. 92: „In der Frühzeit wurden nur Erwachsene getauft“

(196)     Jungklaus. Wieder ist es spiegelbildlich: Der Bischof ist auch in der Kirche Jesu

Christi der HLT ein Richter (in innerkirchlichen Belangen)

herstellten, Zirkusbesucher, Götzenpriester, Rosselenker (wahrscheinlich sind hier Arenakämpfer gemeint G.Sk.) Ein Mann musste seine Konkubine aufgeben oder sie dem Gesetz gemäß heiraten...“(197)   

So ist es in der Kirche Jesu Christi der HLT: Niemand darf getauft werden, wenn er quasi im Konkubinat lebt, weil das die Frau herabsetzt, weil es dem Prinzip der Gleichwertigkeit widerspricht. „... Nach der Taufe kommt es zur Handauflegung: welche die Gabe des Heiligen Geistes  vermitteln soll. Der Bischof vollzieht Salbungen der Stirn. Dann erst darf der Neugetaufte das Abendmahl empfangen... Am Sabbat und Sonntag soll der Bischof, wenn es irgend möglich ist, mit eigener Hand das Brot verabreichen. War es dem Bischof nicht möglich zu kommen, (z.B.- wenn er krank war G.Sk.)  dann  hatten  die Presbyter  dieses  Recht...  und,  alle Teilnehmer (einer Versammlung G.Sk.) bekräftigen das Gebet mit einem “Amen.... Brot und Wein wird durch die Diakone auch den Abwesenden überbracht.“ (198) Vor allem wacht der Bischof über die Reinheit der Gemeinde, darauf legte Hippolyt besonderen Wert: „wusste er doch, dass es im Lager Kallists nicht stets mit rechten Dingen" zuging:  Leute, die er, Hippolyt wegen Ehebruch oder wegen anderer Vergehen ausgeschlossen hatte, wurden von Callist aufgenommen....“ (199) Es konnte jedoch nicht zu den Aufgaben eines Bischofs gehören, die von den Kirchenführern des 1. Jahrhunderts festgelegten Richtlinien und Strukturen aufzuweichen.  

 

Hippolyt schreibt contra Kallist: ,,Die sind verderbt die vom rechten Wege abwichen und die Lehre der Apostel verfälschten." (200) Der Prozess der Überfremdung urkirchlicher Lehre durch jeweilige Sonderinteressen aktiver Bischöfe nahm seinen Lauf. Es hat den  Anschein, wenn wir alles über die Meinungen der Bischöfe ab dem zweiten Jahrhundert wüssten, dass wir dann vor einem brodelnden Chaos stünden. Zunehmend bezichtigten viele ‚die anderen’ der Häresie. Sie versuchten Koalitionen zu schmieden. Für die Zeit um 250 ist wohl unbestritten, dass es z. B.  in Rom mehr als 1 000 Christen  gab. (Wahrscheinlich weit unter 8 000 aber höchstens 16 000) Der katholische Historiker Ludwig Hertling (201) geht dagegen für die Zeit um 250 sogar von über 50 000 römischen Christen aus, er hält selbst 100 000 Mitglieder für möglich. Alle in einer Gemeinde?   

Hertlings Rechnung ist aus zwei anderen Gründen unrichtig: 

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(197)    Jungklaus, „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“

(198)    ebenda

(199)    ebenda

(200)    ebenda

(201)    Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 34 

 

1.)              Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten hätten nicht zugelassen, dass sich mehr als 500 höchstens 1 000 Leute in einer ‚Kirche’ versammeln  konnten: Jungklaus bekräftigt das:  „Während sich früher die

Christen, als ihre Gemeinden noch klein waren, in Privathäusern                                  zum Gottesdienst zusammenfanden, war dies im Anfang des III. Jahrhunderts anders geworden. Jetzt hatte fast jede größere christliche Gemeinde ihr eigenes Gotteshaus... Wir werden uns zu Hippolyts Zeit diese

Kirchen noch aus Holz gefertigt oder als große Räume ohne Seitenschiffe, Säulenreihen u. dgl. zu denken haben. Achelis geht entschieden zu weit, wenn er sich die gottesdienstlichen Gebäude schon im zweiten Jahrhundert als Basiliken vorstellt. Wie primitiv noch die Gotteshäuser im Anfang des III. Jahrhunderts  waren, können wir am besten aus dem Bericht des

Lampridius, vita Alex. 49, g entnehmen. Danach bewarben sich unter Alexander Severus (im Jahr 230) die Christen um einen öffentlichen Raum, auf den nur noch die Garköche Anspruch erhoben.“(202)  „Selbst in Rom ... mit dem absolut größten Anteil von Christen an der Bevölkerung lässt sich bis heute kein einziger christlicher Versammlungsort für die Zeit vor der konstantinischen Wende (um 325) nachweisen .... (203)   

2.)              Hertling dachte in Kategorien des Berufspriestertums. Seine Zahlen  beruhen auf den Aussagen eines Briefes aus dem Jahr 250 den Bischof Cornelius geschrieben hat. Cornelius spricht nämlich von insgesamt 154 Ordinierten. Es gab zwar 43 Presbyter und 56 Diakone (204) aber nur eine kleine Kirche? Oder vielleicht noch eine zweite (nämlich noch die Dionysioskirche) (205) Bei nahezu einhundert autorisierten Gemeindebeamten wären sogar zehn Gemeinden denkbar (und daraus folgt, dass es durchaus unterschiedliche Lehrrichtungen in Detailfragen gab) Hertling rechnete hoch: 154 mal 600. D. h. ein Kleriker der katholischen Kirche kann durchaus 600 Gläubige betreuen. (2009 kommen in Europa auf einen kath. Priester etwa  1 200, in Asien 2 500 Gläubige, in Lateinamerika sogar 7 000.) Die historische Situation war allerdings eine andere.  

Hippolyts Gemeindeordnung lässt es nicht zu, dass es im Rom des 3. Jahrhunderts nur eine einzige christliche Gemeinde gab. Zudem wird „für

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(202)   Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts ...nach seiner Kirchenordnung

(203)   Christoph Müller, Inaugural Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg

„Kurialen und Bischof...“ 2003, S. 13                                             

(204)   Adolf von Harnack „Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten... S. 177  

(205)   Peter Grossmann „Christliche Architektur in Ägypten“ Brill, 2002 S. 16 Fußnote: „ Nach einer unverdächtigen Notiz bei Abu l-Makarim wurde hier (in Alexandria) von dem späteren Bischof Theonas um 275 die erste selbstständige Kirche gegründet. Vorher hatte man sich zu den Versammlungen nur in Privathäusern getroffen.“

das Jahr 250 ... die Anzahl 100 italienische Bischöfe angegeben.“ (206)  In Italien bestanden 100 christliche Gemeinden, aber nur eine in Rom?  Obwohl sich die Bevölkerungszahlen wie 0.6 : 8 verhalten und nicht wie 1:100. (Rom noch mit einer Einwohnerschaft von etwa 600 000 und Italien ges. etwa 8 Millionen. Nach dem ‚Atlas of World’ lebten um 250 etwa 36 Millionen Menschen in ganz Europa. Es ist kaum anzunehmen, dass es im weiten Land prozentual mehr Mitglieder, als in Rom gab. Es muss dort 6-8  Gemeinden gegeben haben, wenn nicht zehn und mehr. Wenigstens, aber eben mehr als nur eine!

Nach Verkündung des Toleranzreskriptes 312 strömten die Menschen schon von sich aus, den Umschwung bemerkend, in diese Kirche die sich ihrer materiellen und seelischen Probleme annahm, wie viel mehr war das nach 319, und mit  dem Konzil zu Nicäa von 325 der Fall. Vor allem in den Metropolen, wie in Rom und Trier machte sich das bemerkbar.  Man muss rechtzeitig kommen, weil der Weg zu einer reicher gefüllten Futterkrippe bald überlaufen sein wird.  All das half, - meinten die damaligen Statistiker, während diejenigen, denen es um die ursprüngliche Sache Christi ging weniger glücklich mit solcher Trendwende waren. Herumgesprochen hatte sich, nach seinen Siegen an der milvischen Brücke  und gegen seinen Schwager Licinius, das Gerücht, Gott habe an seiner Seite gekämpft und dieser Gott könnte, vielleicht Jesus gewesen sein. Einige bestritten das allerdings.

 

Das Vorspiel zum 1. ökumenischen Konzil der Christenheit zu Nicäa, 325, und einige seiner Auswirkungen

 

Im Jahr 325 wollte und sollte die Staatsmacht der Kirche die unumkehrbare Wende aufnötigen. Einerseits lagen vor den Christen scheinbarer Ruhm und andererseits weitere Verfolgungen, denen alle Mitglieder verständlicherweise aus dem Weg gehen wollten.

Für Konstantin gab es mehrere dringender Gründe die Bischöfe des Imperiums nach Nicäa, seinem Sommersitz, einzuladen. Er hatte viel erlebt, das er einordnen musste.  

Ein weiterer Grund für Konstantins Eingreifen bestand darin, dass seine Mutter Helena ihren großen Sohn drängte zu Ehren der Sache und des Kreuzes Jesu mehr zu unternehmen. 

Das Christentum bot ihm zudem einen echten Ansatz zur Hoffnung, die auseinanderstrebenden Kräfte zusammenzubinden. Nur, selbst die Christen _________________ 

 (206) Henry Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter, S. 67

waren uneins. In Rom schlugen sie sich wegen Nichtigkeiten gegenseitig die Schädel ein. In Ägypten zankten sie sich ob Jesus ein anderer als der Vater ist.  In der Gemeinde Alexandria wurde der Älteste Arius (260-336) durch Bischof Alexander exkommuniziert, weil er darauf bestand seine eigene Überzeugung zu verbreiten . 

Bischof Alexander hatte sich heftig zu verteidigen, weil dieser Presbyter Arius erhebliches Ansehen unter den Bischöfen seines Landes genoss.... 

 

Jedenfalls, um Ruhe zu stiften und nachdem er gewisse ‚Erfolge’ seiner

Religionspolitik sah, schrieb Kaiser Konstantin an die 1 800 Bischöfe des Reiches und lud sie ein, auf Staatskosten nach Nicäa in Kleinasien zu kommen. Wahrscheinlich wurde nicht jeder angeschrieben, aber sicherlich die Mehrheit. Mit diesen Bauern, Unterbeamten und Bäckergesellen hatte er ein ernstes Wort zu reden. (Bischof Spyridion von Zypern, zum Beispiel, war ein Schafhirte.) Sie hatten zusammen zu rücken und eine Einheit zu bilden, und nicht zwei oder drei Formationen anzunehmen.

 

Welche Ehre für die überwiegend ‚kleinen’ Leute, in den Dörfern Palästinas und Kleinasiens, die den bis dahin nur innerhalb der Kirche geachteten Rang eines Bischofes trugen, eine Einladung vom mächtigsten Mann der Welt zu erhalten. 

Für viele jedoch gab es schwerwiegende Bedenken, nicht anzureisen, obwohl die Versuchung groß war, berühmt zu werden. Sie, die von Paganen oft genug verspottet wurden, hätten jetzt auftrumpfen können: „Seht die Einladung vom Kaiser!“, und dann noch umsonst mit der kaiserlichen Post daherzufahren und etwas von der Welt zu sehen, das stellte schon eine gewisse Versuchung dar. Viele Mutige wollten sich nicht kompromittieren und lehnten dankend ab.

Einem bekanntlich grausamen Sol – Invictus - Verehrer den Gefallen zu tun, zu Kreuze zu kriechen, kam für sie nicht in Betracht. Das war doch der Mann von dem man wusste, dass er gefangene Offiziere, und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten, im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen ließ, etwa in einer Arena in Trier. Alle wussten es: „... auch mit der  Zivilbevölkerung kannte er keine Gnade und  hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ (207) Gerade in Kleinasien wird es gebildete Bischöfe gegeben haben, die selbst die

Schriften studieren konnten, und die argwöhnisch die gesamte Entwicklung verfolgten und bemerkten, dass Konstantin, im Sinne der alten Kaiser agierte, dass er danach trachtete persönlich ihren allmächtigen

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(202) Bettina von Engel : „Konstantin und seine Familie in Trier“

Gott zu verdrängen, der aber nichts tun würde seinen Rang zu behaupten, weil er ihnen versprochen hatte, niemals ihr Recht auf freie Entscheidung anzutasten, immer unter der Prämisse, „abgerechnet wird zuletzt“, dieses Leben ist erst eins zum ausprobieren.... Vielen schien es frivol zu sein, dass der heidnische Pontifex maximus sich anmaßte der Kirche Christi Weisungen geben zu wollen.

Zudem gab es da eine Prophezeiung des Apostel Paulus, die so ungeheuerlich war, die man, falls man sie auf eine noch lebende Person bezog, nur hinter vorgehaltener Hand erwähnte: „Lasst Euch nicht so schnell aus der Fassung bringen..., wenn in einem prophetischen Wort... oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. Lasst Euch durch niemanden täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt...“ (208)  Nicht auszuschließen war für einige, dass dieser kaiserliche Unhold der vorhergesagte Antichrist war. Die Christen in Trier  wussten wie süchtig Konstantin nach   Gesten         der     Unterwürfigkeit war    und    warum

„Konstantin...  nach seiner angeblichen Vision in einem Apollotempel mit  einer Prophezeiung, die ihm 30 Jahre Kaisertum vorhersagte,  sich fortan auf Münzen mit dem Sonnengott darstellen ließ, dem Sol Invictus, der mit Apoll identifiziert wurde, und der Konstantin eine neue sakrale Herrschaftslegitimation lieferte. Er stellte sich so ... Gott gleich und übernahm dessen Unbesiegbarkeit für sich selbst. Er übernahm auch das aus dem Orient kommende Hofzeremoniell, das schon Diokletian eingeführt hatte: wenn er  Bittsteller oder Gesandte empfing, trug er ein Diadem auf dem Kopf und schwere bestickte Kleidung aus Damast und Seide, die bis zum Boden reichte. Jeder, der sich ihm näherte, musste sich zu Boden werfen und den Saum des Kleides küssen, ehe der Kaiser ihm erlaubte, sich wieder aufzurichten. In Rom, als einstiger Verkörperung der Republik, wurde die Proskynese natürlich verachtet“ (209)  

Das 1. ökumenische Konzil besuchten maximal ein Achtel der Bischöfe. Von den 1 800 Bischöfen innerhalb des Imperiums folgten nur etwa 220 dem Kaiserruf. Die in der Literatur erwähnte Zahl 318 ist wahrscheinlich 

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(208)   2. Thess. 2: 2-8 In der biblischen Anmerkung zu diesem Text heißt es in der Einheitsübersetzung: „Die Wendung, sich in den Tempel Gottes setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen will.“

(209)   Bettina von Engel : „Konstantin und seine Familie in Trier“ 

keine reale, sondern eine symbolische. Sie ist auf die 318 Knechte Abrahams zurückzuführen. Allerdings brachten die Bischöfe auch ihre (männliche) Begleitung mit. Mehrheitlich ungebildet standen sie keineswegs Diözesen vor. Alles bis zu diesem Zeitpunkt war schlicht und eher ärmlich. Auch danach änderte sich das nur langsam.

Der katholische Historiker Ludwig Hertling sagt es ausdrücklich: Alles nahm sich bescheiden aus: die Häuser, in denen sich die Christen selbst noch Jahre nach Nicäa trafen, waren klein. „...Manche Bischofsstädte hatten nur eine einzige Kirche, und diese besaß die Maße einer bescheidenen Dorfkirche...“ Vor Nicäa tagten sie in Holzbaracken die der Armee gedient hatten. Oft zeigen Bilder die Konzilsteilnehmer zu Nicäa mit Mitren, doch „...erst ab 589 gibt es liturgische Kleidungsstücke...“ (210) Alles war anders als es die Gemälde zeigen. Die Bischöfe gingen in einfacher Straßenkleidung. Nichts unterschied sie äußerlich von anderen Bürgern. Ob sie alle eine Festtagstoga zu eigen hatten, ist zu bezweifeln.

 „Noch im Jahr 4o3 wurde es dem Patriarchen von Konstantinopel als Eitelkeit ausgelegt, dass er sich beim Gottesdienst ein eigenes Festgewand anlegen ließ...“ (211) Grundfalsch sind auch andere Vorstellungen, die viele Christen sich von den Umständen und Größenordnungen machen:

Es gab eben nur knapp 2 000 Gemeinden im Reich, viele mit kaum 100

Mitgliedern. Um 310 gehörten wahrscheinlich nur 3 bis 4% der

Gesamtbevölkerung des Römischen Reiches von vielleicht „55 Millionen Menschen“ der Kirche an. (212) Aber da sehr wahrscheinlich fast alle würdigen männlichen Personen, die älter als 12 (oder wie in der Synagoge 13) Jahre waren, das Priestertum erhielten, war selbst bei einer Rate von nur etwa fünfzig Prozent aktiv tätiger Mitglieder und bei etwa 1.5 - 2 Mio. Christen mit etwa 160 - 200 000 handlungsfähigen Männern zu rechnen.

Rom rechnete immer, das entsprach seinem Wesen. Selbst in den besten Zeiten hielt das Imperium nur 150 000 Legionäre unter Waffen, zur Zeit der Machtergreifung durch Konstantin, 306, gab es zwar 60 Legionen, doch insgesamt nur 60 000 Legionäre sowie einige andere militärische Einheiten. Die Christengemeinschaft erschien einigen, vor allem den paganen Staatsbeamten als ein Block von erheblichem Gewicht, der zudem permanent wuchs. Besonders in den Metropolen gab es auffallende Mitgliederkonzentrationen, - soweit wir wissen, waren die Christen der _______________  

(210)   Hertling, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“ Berlin S. 45 

(211)   ebenda  S. 43   

(212)   Sarai Kahle, Einführung in die Humanökologie - Universität Bremen Institut für Geographie, WS 2004/ 2005: „Zu Beginn unserer Zeitrechnung im Jahre 14 hat die erste Volkszählung des Römischen Reiches stattgefunden. Diese ergab schätzungsweise eine Bevölkerung von 55 Millionen für das Römische Reich.“ 

ersten beiden Jahrhunderte allesamt Freunde des Judentums, der Religion des Tuns. Man hatte staatlicherseits versucht „das christische Ding“ zu zertrümmern, aber das war misslungen. Von außen war diesem wachsenden „Ungeheuer“ nicht beizukommen. Folglich musste es dem Reich einverleibt werden. Diözesen gab es damals noch nicht, ein Begriff der aus dem Verwaltungsprogramm Kaiser Diokletians aus dem Jahr 300 stammt. Dagegen wird es Bündnisse und enge Beziehungen benachbarter Christengemeinden gegeben haben. Möglicherweise hatte die italienische Kirche einen Primus, doch der saß nicht in Rom. Allerdings gab es römische Regionen in denen das Christentum kaum Mitglieder zählte. Ein Beispiel dafür ist Gallien: noch „um 350 gibt es nur spärliche Hinweise auf einzelne gallische Christen... Gemeinden und Bischöfe treten überhaupt nicht in Erscheinung... Hilarius von Poitier ein Anti-Arianer ... ist neben Pholbadius von Agen der einzige gallische Bischof des 4. Jahrhunderts... die gallischen Bischofslisten so zahlreich sie auch erhalten sind, halten einer Kritik nicht stand... der Briefverkehr zwischen Rom und Gallien setzt erst mit Bischof Damasus (366) ein.“ (213)  

Die Umstände des Jahres 327, nachdem der Kaiser zum Sohnesmörder geworden war, würden den ganzen Hergang des Konzils zu Nicäa plausibler erscheinen lassen. 

Es scheint, dass das Konzil erst 327 stattgefunden hat. Es gibt kein Protokoll von diesem, dem wahrscheinlich wichtigsten Konzil aller Zeiten. Stattdessen sind einige Berichte vorhanden. Einer der Berichterstatter ist Eusebius von Caesarea der häufig übertreibt.

Das Konzil tagte angeblich vom 20. Mai bis zum 25. Juli 325 in einem Saal des kaiserlichen Sommerpalastes in Nicaea. Das Hauptthema lautete: Sind Jesus und der Vater eines Wesens oder nur einander ähnlich? Der strikte  und hochintelligente Monotheist Konstantin sagte es gleich um was es ihm geht: „Als ich wider alles Erwarten von eurem Zwiste vernahm, hielt ich, was ich hörte nicht für unbedeutend... Dass durch meine Vermittlung Abhilfe geschaffen werde, rief ich ohne Verzug euch alle zusammen... Zögert also nicht, o geliebte Diener Gottes und getreue Knechte des gemeinsamen Herrn und Erlösers von uns allen, die Veranlassung zu eurem Zwist jetzt gleich vorzubringen und die ganze Kette von Streitigkeiten durch Gesetze des Friedens zu lösen.“ (214) 

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(213)     Chr. Müller Inauguraldissertation „Kurialen und Bischof...“ Uni Freiburg i.

Breisgau, S. 137

(214)     Eusebius von Caesarea „ Vier Bücher über das Leben Kaiser Konstantins“,

generiert von der elektr. BKV von Gregor Emmenegger  

Die Frage warum Berichterstatter Eusebius an dieser Stelle unterschlägt, dass Konstantin nur einen Gott kannte: nämlich sich selbst, kann wohl nur der beantworten, der damals durch eine Periode grausamer Verfolgung gehen musste. Wenn er es nicht schon zuvor war, wurde Konstantin für einige Konzilsteilnehmer im Verlaufe der Tagung der gemeinsame Herr und Erlöser.  Nach Eusebius werde Konstantin zu Recht mit der Sonne der Gerechtigkeit verglichen. Welch ein geschickter Schachzug: Das Fest des unbesiegten Sonnengottes wurde bald darauf zum Geburtstag Jesu Christi erklärt. Es gab und gibt eine Fülle von Ungereimtheiten. Manche Konzilsteilnehmer, benommen von der Pracht, die sie in Nicäa umringt, zeigten sich sehr bald kooperativ. Sie forschten in den Mienen des Kaisers, willig den enorm Jähzornigen nicht zu reizen, sondern ihm möglichst gefällig zu sein. Arius Vortrag musste vor dem Kaiser durchfallen, denn Arius hielt sich an die von Origenes (185-256) zusammenfassend dargestellten Lehren der Urkirche: „... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“ (215)  Arius glaubte, dass Gott eine Gestalt hat. Das geht deutlich aus den späteren Schimpfreden des Athanasius hervor:  „Sie, die sich Christen nennen, (die Arianer), vertauschen die Herrlichkeit Gottes mit der Ähnlichkeit eines  Bildes von einem vergänglichen Menschen.“ (216) Welcher Hohn zu sagen: „Sie die sich Christen nennen!“ Dieser Ton hätte jedem rüden Agitator des 20. Jahrhunderts gefallen. Es muss erlaubt sein zu fragen: Wenn es eine Intelligenz vom Range des ewigen Vaters gibt, soll sie unfähig sein sich selbst eine bleibende Form zu geben? 

Eine ‚körperliche’ Existenz Jesus als eines dem Vater nachgeordneten Gottes, würde den gerade aufkommenden Monotheismus in Frage stellen, einen Monotheismus den – allerdings nur scheinbar - auch die Bibel mit den Worten verlangt: „ICH BIN der Herr dein Gott... du sollst nicht andere Götter haben neben mir“  (217) Jedoch, und das wäre die Lösung des Widerspruchs, glaubten die ersten Christen, Jesus und der große ICH BIN sind ein und dieselbe Person. (218) Dieser große ICH BIN, gesandt von seinem Vater, sprach zu seinen Lebzeiten immer von diesem Auftrag.

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(215)    Origenes Kommentar zu Joh.: 2:3 bei Wikipedia unter Arianismus

(216)    Bibliothek der Kirchenväter, Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra

Arianos, RFT Information, 1. Rede, Teil 2   

(217)    Exodus 20: 1-3

(218)    Johannes Kap 8: 48-59 „... Jesus antwortete ihnen: ICH BIN von keinem Dämon besessen, sondern ehre meinen Vater... ICH BIN nicht auf meine Ehre bedacht... Amen amen ich sage euch: noch ehe Abraham wurde BIN ICH.“ 

Auch andere frühchristliche Autoritäten sahen darin keinen Verstoß gegen das erste der zehn Gebote. Selbst Joh. Adam Moehler erwähnte es: „Der Sohn ist nach Justin weder bloßer Mensch, noch eine unpersönliche Kraft Gottes, sondern der Zahl nach ein anderer. Er ist Gottes Sohn im eigentlichen Sinne. Er hat zu Moses aus dem Dornenbusch gesprochen: ‚Ich bin, der ich bin, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“... Apol. J. C.

65. ... „Er ist der Jehova des Alten Testaments, der Allmächtige.“ (219) Jesus war der einzige Gott mit dem Israel und wir es, als unserem Erlöser zu tun haben. Neben Ihm dem großen „Ich Bin“ sollten sie und wir keine anderen Götter haben, indessen aber stets den Vater anbeten und zwar im Namen Jesu Christi: (220)  Weil der Herr Christus beteuert hatte, er sei der ICH BIN, wäre er beinahe den Tod der Steinigung gestorben. (Hätte man dann in der Christenheit einen Stein zum Symbol des Christentums erhoben?) Der Berichterstatter erzählt im Johannes-Evangelium, dass Jesus ein längeres Gespräch mit streitbaren Juden geführt hatte, indem er mehrfach seinen Namen ‚ICH BIN’ erwähnte, in dem er sagte: „Auch in eurem Gesetz heisst es, erst das Zeugnis von zwei Menschen ist gültig. ICH BIN  es, der über mich Zeugnis ablegt,  und  auch  der Vater,  der  mich  gesandt hat, legt Zeugnis ab über mich...“ (221) Die Kontroverse weitete sich aus. Das Jesus den Gottes-Namen für sich beanspruchte, war entsprechend dem Verständnis orthodoxer Juden eine Gotteslästerung und darauf stand nach altem Gesetz die Todesstrafe. Die Pharisäer, die Jesus in der Nacht verhafteten, fielen fast in Ohnmacht, als er bekannte: ICH BIN  es! (222) Mormonen glauben dasselbe: „Jehova, der Gott des Alten Testaments, ist Jesus Christus, der große ICH BIN.“ (223)  

Eben diese Basislehre des Urchristentums, Christus sei dem wahren Gott nachgeordnet missfiel dem Vater der Orthodoxie, Kaiser Konstantin. Nachgeordnet wollte er - der Christus - nicht sein. Zudem widersprachen seine Absichten denen der Urkirche. Die Frage nach dem Wesen Gottes, war und ist immer noch von grundlegender Bedeutung. Kaum ein anderer moderner Wissenschaftler hat sich häufiger zum Thema Gott geäußert als  __________________ 

(219)     Joh. Adam Moehler „Athanasius der Große und die Kirche in seiner Zeit“ Mainz

1844, S. 33

(220)     Epheserbrief 5: 20

(221)     Joh. 8:17-18 

(222)     Joh. 18:  „Auch Judas, der  Verräter stand bei ihnen. Als Jesus wiederholte: Ich bin es! wichen sie zurück und stürzten zu Boden und er fragte sie abermals: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ICH es BIN.“  

(223)     Lehre und Bündnisse 29:1

der große Einstein. Auf die Frage eines New Yorker Rabbiners "Glauben Sie an Gott?" antwortete Einstein fast ausweichend: „Ich  bin  kein  

Atheist… Das Problem  ist  für  unseren  begrenzten Geist zu gewaltig.“ Einstein glaubte an einen Schöpfer, aber nicht an einen persönlichen Gott. Für ihn war das Wort „Gott“ die Summe aller Gesetze und Ordnungen, nach denen diese Welt entstand und weiterbesteht. Das käme sowohl Isaak Newtons Denken nahe, wie auch dem der Athanasianer. Doch Isaak

Newton war ein Anti-Athanasianer. „Athanasius verabscheute er.“ (224) Der Theologe Dr.Dr. Dieter Hattrup formulierte es jedoch so: „In den letzten drei Jahrzehnten, von 1925 bis zu seinem Tod 1955, erkennt Einstein, dass die Wissenschaft nicht leisten kann, was er von ihr erwartet hatte, als er sich ihr verschrieb. Ja, umgekehrt, die Physik ist dabei, das Personale als den Grund aller Wirklichkeit plausibel zu machen. Wenn die Welt nicht nach einem mechanischen Plan abläuft, wenn es neben den harten Gesetzen der Naturwissenschaft auch Ereignisse gibt, die von diesen Gesetzen nur ungefähr vorausgesagt werden, dann wird Spinozas Formel hinfällig. Dann ist Gott nicht mit der Natur gleichzusetzen. Dann liegt es eher nahe zu sagen, der Grund der Welt, mit üblichem Namen Gott genannt, ist frei und handelt nach Plan. Sein Handeln in der Welt ist nicht

durch Naturgesetze festgelegt, sondern er bestimmt die Gesetze.“  (225)                                                Hätte Gott sich nicht den Inspiration suchenden (226) offenbart, wir wüssten nichts von ihm. Alles wäre reine Spekulation. Arius bestand darauf, dass Menschen fortwährend der Inspiration Gottes bedürfen, als Kinder Gottes hätten und haben wir, unter Bedingungen, Anspruch auf Erleuchtung. 

Andererseits zeigten die gewaltigen Ereignisse und Folgen der Französischen Revolution, soweit sie atheistisch bestimmt waren, ebenso wie die Folgen der atheistischen Bewegungen Osteuropas wohin atheistisches Denken verführt. Dostojewski nahm es vorweg: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.“ (227 )

_______________ 

(224)   Harro Heuser: „Der Physiker Gottes – Isaac Newton oder Die Revolution des Denkens“, 1. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau, 2005 „Gegen das TrinitätsDogma seiner Kirche hatte sich der junge Isaak Newton verstohlen in den Arianismus hineinstudiert. Athanasius verabscheute er. Den Trinitarismus denunzierte er leidenschaftlich als       ‚falsche,           infernalische    Religion‘,   seine    Bekenner         seien ‚Götzenanbeter, Gotteslästerer und geistige Hurer‘, die bösartigste und verkommenste

Sorte Menschen auf der Erde.“ 

(225)   Die Tagespost, kath. Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur. 16.03. 2004:            

(226)   Matth. 7: 7-11 „Wer bittet, der empfängt...“, Jakobus 1: 5 „So jemand unter euch

Weisheit mangelt, der bitte Gott und ihm wird gegeben werden...“ 

(227)   Dostojewski „Die Brüder Karamasow“ 

Tertullian spricht tiefgründiger vom Warum der Unsterblichkeit der

Menschenseele und dem (innersten) Wesen unseres Schöpfers... „in der Gottheit sei ein geistiger Körper (Corpus etsi spiritus) der göttliche Vater habe die Fülle, der Gottheit in sich, im göttlichen Sohn sei nur ein Teil davon.“ (228) Arius könnte es so formuliert haben: Wir sind trotz unseres vergänglichen Kleides mit dem uns innewohnenden „nobilus ingenitus“ (229) allesamt kleine Götter, wegen der uns eigenen Intelligenz und wegen des freien Willens über den wir verfügen „und wären wir in Ketten geboren“ (Schiller), aber wir sind in die Sterblichkeit gefallene Götter, die sich aus dieser Falle aus eigener Kraft unmöglich befreien können. Nur durch Gehorsam unsererseits, gegenüber den Christusgeboten und mit Hilfe der Weisungen Jesu, können wir, die im dichten Nebel der Ungewissheit stecken, herausgeleitet  werden. Wir sind allesamt gefährdete Schiffe auf dem treibenden Meer. Manchmal fällt es uns schwer unseren Standort zu bestimmen.

Wir bedürfen eines  Kompasses und eines Kartenwerkes.

Auch das ist Arianismus: „Suche ohne Unterlass die Erleuchtung.“ (230)  Gottes ‚Welt’ ist eine andere, uns auf ‚grobstoffliche’ Weise nicht zugängliche. Von der „anderen Welt“ wissen wir nichts. Es sei denn wir verinnerlichen uns und empfangen entsprechend unserem Bemühen um die Wahrheit, Inspiration. Auch darum ging es in Nicäa, 325. Konstantin lehnte jedoch weitere übernatürliche Offenbarung ab. „In den Spekulationen Konstantins nach denen Gottes natürliche Offenbarung vollkommene Erkenntnis vermittelt, besteht eigentlich kein Bedürfnis nach der übernatürlichen Offenbarung …“ (231)  Wenn ich schon zugebe, dass da ein wahrer Gott im Weltall ist, oder der in Bereichen ‚neben’ dem Weltall existiert, dann muss ich auch anerkennen, dass er mir einen Weg zu bereiteten vermag, ihn und mich selbst zu erkennen. Wenn schon nicht im Labor, kann ich ihn dennoch erfahren. Das haben zahllose Menschen unterschiedlichster Religionen bestätigt. Aus ‚mormonischer ´Sicht sind _______________ 

(228)       Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ Vandenhoeck& Ruprecht S.. 85

(229)       Michael Landmann „Philosophische Anthropologie“ de Gruyter, 1982 S. 106 u 78: „Für Platon stammt der Geist aus einer höheren Welt und hat sich im Leben nur vorübergehend inkorporiert... auch bei Pelagius hat zwar der Mensch seine Erlösung (von den Folgen des Falles in die Sterblichkeit und der Möglichkeiten sittlicher Fehlentscheidungen G. Sk.) nicht selbst in der Hand, er bedarf einer supranaturalen

Ergänzung. Dennoch wohnt uns allen ein nobilatas ingenita ein...“ (230) Matth. 7: 7-11

(231 Heinz Kraft in Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg - Uni Greifswald, 1954  S. 81 ff

deshalb die folgenden Sätze aus dem Nag-Hammadi-Schrifttum des 2. nachchristlichen Jahrhunderts überaus zutreffend – sie zu wiederholen lohnt sich: „Die wahre Gotteserkenntnis beginnt mit der Erkenntnis des

Menschen als eines gottverwandten Wesens.” (232) 

 „Wenn einer derer, die hier sind, zu erkennen vermag, dass er ein vom Vater stammendes Abbild ist, von oben herabgekommen, hier eingekörpert, so wie ein Lamm im Mutterleibe... ganz dem Vater im Himmel gleich, so wird ein solcher dahin aufsteigen. Wer jedoch diese Lehre nicht erhält... wird wie eine Fehlgeburt zur Nacht geboren und (auch) zur Nacht zugrunde gehen.“ (233) 

Über solche Aussagen nachzudenken, halten einige für überflüssig. Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sehen in solchen Formulierungen jedoch eine Ermutigung sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was sie schon erkannt haben, sondern weiter zu forschen, darüber nachzudenken, sich zugleich aber am geschriebenen Gotteswort orientierend, um nicht zu Spinnern zu werden. 

Die im Nag-Hammadi-Text stehende Voraussage: „...wer diese Lehre nicht erhält wird zur Nacht geboren und zur Nacht zugrunde gehen.“ ist beachtenswert.

________________ 

(232)    K.Rudolph,  “Die Gnosis”, Koehler & Amelang, Leipzig, 1977, S. 139   

(233)    ebenda S. 134, Rudolph zitiert Hippolyt, „Refutatio“ V 17

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konzilstheologe Konstantin 

 

Die Russisch - orthodoxe Kirche betrachtet Konstantin als Heiligen; sie hat den 21. Mai zu seinem Gedenktag erklärt, der von der römischkatholischen und von der evangelischen Kirche übernommen wurde. Andererseits verleiht z.B. das ‚ökumenische Heiligenlexikon’ dem ‚heiligen’ Imperator die Merkmale eines lupenreinen Stalinisten: „Konstantins Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; seinen Schwiegervater, Kaiser Maximianus, ließ er 310 erhängen, seinen Schwager Licinius erwürgen, dessen Sohn degradierte er zum Sklaven und ließ ihn tot schlagen; Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er 326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte, eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein. Folge des Todes von Fausta (234) war, dass ihr gesamter Besitz aus dem Erbe der

Laterani endgültig an den Papst kam. Der  bedeutende  Historiker  Jacob  Burckhardt  nannte  Konstantin  einen Macchiavellisten, Voltaire  meinte, er  sei  „ein   politisch  nicht  unbegabter Krimineller" gewesen.“

Konstantin erschien der Charakter des Gottes des Ältesten Arius fremd und sein Bild unvereinbar mit seinen eignen Vorstellungen. Bischof Alexanders Rede gefiel ihm. Sie wurde geschickt unterstützt von dessen Diakon Athanasius.  Ja, so stellte er sich das vor: Gott ist völliger Geist... „Athanasius verglich die Beziehung zwischen Gottvater und Gottes Sohn mit jener zwischen dem Kaiser und seinem Bild...“ (indem man sich den Gott als anwesend vorstellte) ...den Vater könne man im Sohn erblicken und die Göttlichkeit des Vaters erkenne man im Sohn... Kaiser und Bild sind eins.“ (235) Tagelang, wochenlang rangen die Arianer um eine Formel die Konstantin und ihrem Glauben gerecht wird.  Von der Grundlinie abzuweichen, die Origenes und andere Autoritäten so klar vorgezeichnet hatte, hielten sie für inakzeptabel. Niemand hätte es (damals, in Nicäa) (236)  

____________ 

(234)       Josef Engemann: „Konstantin... heiratete 307 in Trier Fausta ... die zehnjährige Tochter Maximianus „

(235)       A. Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ Walter de Gruyter, 2004, S. 32 (236) - Arbeitskreis Origenes: Origenes der 231, mit 46, zum Presbyter geweiht wurde rief den Widerspruch des für die Weihe zuständigen Demetrius von Alexandria auf, deshalb übersiedelte Origenes von Alexandria nach Cäsaräa. Hier gründete er eine neue Schule und Bibliothek, dass Origenes sich selbst verstümmelte ist nicht erwiesen, es könnte eine Behauptung des Demetrius gewesen sein. - Guna Avatara Premyoga „The Path of Love“ zitiert Ronald Zürrer: „… Bischof Demetrius ...war später der erste, der Origenes der Irrlehre bezichtigte, wobei seiner Handlungsweise jedoch offensichtlich ein rein egoistisches Motiv, nämlich gekränkte Eitelkeit und Neid, zugrunde lag:  

gewagt, Origenes anzutasten, bis auf vielleicht einen Punkt seiner Theologie. Dieses „Vielleicht“ genügte dem Imperator. „Ferrandus, Diakon von Karthago, äußert: ‚Was einmal im Konzil verfügt ist, muss ewige Geltung behalten… Die allgemeinen Synoden, vollends wenn sie die Zustimmung der römischen Kirche gefunden haben, stehen an Ansehen nur den kanonischen Büchern nach. Trotz mancher Anfeindungen stand die Lehre des Origenes in den ersten Jahrhunderten in hohem Ansehen. ,’Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts äußerte sich die Mehrzahl der Stimmen in der Kirche für den berühmten Alexandriner.’ Noch Papst Siricius (384— 399) hatte nichts gegen den Origenismus einzuwenden, was ihm Vorwürfe aus den Reihen der Gegner des Origenes einbrachte.“ (237) Konstantins Zielrichtung war nicht die Verdammung aller Origeneslehren, sondern nur das, was ihn persönlich nicht hervorhob, musste fallen. (238) Es ging zudem  um die Erhaltung des Gleichheitsgrundsatzes, und damit um unser Menschenrecht auf Entscheidungsfreiheit, das nicht erst Konstantin ein

Dorn im Auge war; ein Recht, das wir zu allen Zeiten gegenüber jeder  Anmaßung von Agitatoren und Diktatoren zu verteidigen haben. (239) Die ersten Christen jedenfalls verstanden es so. Der Geist der Freiheit ist Teil

des Geistes Gottes. den wir erhielten und zu bewahren haben.  (240)                                                 Hoch und heiß ging es zu: Arius hatte sich gut vorbereitet, aber Athanasius nicht minder. Nach teilweise heftigem Hin und Her mischte sich eines ________________ 

(237)   Waltraud Große „Entwicklung der Theologie in den ersten Jahrhunderten bis zur

Ablehnung der Lehre des Origenes durch das 5. Konzil in Konstantinopel 553“

(238)   Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited Bd 2 , 2005, S. 34: „Gnosis ist an keinerlei Zugehörigkeit zu irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe gebunden... , Peri Archòn II Praefatio 9.5; 9.6 „...gerade dieser antiautoritäre Zug bei Origenes... rief später die autoritäre Reaktion der auf Machtprinzipien Beharrenden hervor, dass schließlich alle zur Gnosis gelangen würden, war mit dem kirchlichen Gnaden- und Wahrheitsmonopol nicht vereinbar, wie es seit Augustin beansprucht wurde.“

(239)   Buch Mormon Alma 43:  45 „Die Nephiten waren durch eine bessere Sache angefeuert, denn sie kämpften nicht um Monarchie oder Macht, sondern sie kämpften um ... ihre Freiheitsrechte, um ihre Frauen und ihre Kinder, um ihr alles...“

Ebenda 61: 15Darum, mein geliebter Bruder Moroni, laß uns dem Bösen widerstehen, ... damit wir unsere Freiheit behalten, damit wir uns am großen Vorzug unserer Kirche und an der Sache unseres Erlösers und unseres Gottes erfreuen können.  ... gemäß dem Geist Gottes, der auch der Geist der Freiheit ist, der ihnen innewohnt.“  Alma 43: 8-9 Die Absicht (der) Lamaniten war ... sich große Macht über (die Nephiten) anzueignen...  Und nun war die Absicht der Nephiten... ihre Frauen und ihre Kinder ... vor den Händen ihrer Feinde zu bewahren, ... ja, und auch ihre innere Freiheit, damit sie Gott gemäß ihren Wünschen anbeten konnten.“ 

(240)   Joh. 8: 32 „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“    

Tages Nikolaus von Myra ein. Verärgert darüber, dass die Arianer nicht klein beigeben wollten. Der fünfundsiebzigjährige Arius hatte wiederholt Origenes (185-254) Wort für Wort zitiert und dabei wiederholt betont, dass dies die bislang unwidersprochene Lehre der Urkirche war. Als Arius dann noch auf Nachfrage bekräftigte, dass er Origenist bleiben würde, und dass er dabei bleibe Gott Vater und Gott Sohn trügen menschliche Züge rutschte dem vierzigjährigen Nikolaus von Myra die Hand aus. Sie traf das Gesicht des Greises Arius. Das Ökumenische Heiligenlexikon schwächt hier zwar ab, indem es von einer Legende spricht, dass Arius von dem Heißsporn geschlagen wurde. Doch ihrem ganzen Wesen nach dienten die in Umlauf gesetzten Fabeln der Kirche nach Nicäa dazu, negative Ereignisse zu beschönigen, eine Anpassung zu ermöglichen oder Ungezogenheiten zu verniedlichen. So offensichtlich auch hier. Es scheint, dass es sich wirklich so abgespielt hat. Das würde auch den rapiden moralischen Verfall der Kirche erklären. Dass sich Abgeordnete aneinander vergreifen, kommt in weltlichen Parlamenten vor, nicht aber unter gleichberechtigten Bischöfen der Kirche Christi. Nach Jesus verlangt solche Entgleisung die Exkommunikation, (241) doch der Herr Jesus Christus war tot, er hatte in und nach Nicäa nicht mehr mitzureden. Diese Rolle übernahmen zuerst die Kaiser, dann die Päpste. Die Athanasianer hielten solche Bekenntnisse, wie Arius sie abgab, selbstverständlich für blanken, allen Christen verbotenen Polytheismus. Das war - ihrer Meinung nach - strafwürdige Häresie. Aber war es wirklich eine ‚Abweichung’? Ein fragender Blick zum Imperator hinüber bestätigte Athanasius, er befinde sich auf der Linie des Kaisers. Was wollte er mehr? Fest stand, an seiner speziellen monotheistischen (henotheistischen) Grundeinstellung würde Konstantin nicht rütteln lassen. Das würde ihren gemeinsam erstrebten Sieg ermöglichen. „Nun ja“, mochte Athanasius, möglicherweise denken‚

„der Kaiser glaubt leider noch Gott Apollos Geist wohne in ihm. Eines

Tages wird auch er begreifen, dass es der Geist Christi ist, der in ihm Heimstatt gefunden hat.“ Die meisten Bischöfe wankten auch aus Gründen der Höflichkeit (und aus Furcht) hin und her. Viele dachten: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ 

Wie mag sich der Schafhirte und Bischof Spyridion von Zypern im Kaiserpalast gefühlt haben?  Die Stunde der definitiven Entscheidung kam herauf. Nur knapp lautete die wiederholte Einlassung des gefährlichen Imperators: „Niemand sollte (darf) die absolute Geistigkeit der Gottheit _______________ 

(241) Matth 5: 22: „Ich sage euch, jeder seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein, und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem

Spruch des Hohen Rates verfallen sein...“

gefährden...“.  (242) Endlich begriff das auch der Dümmste: Der Kaiser hatte gesprochen:  Ein Geist ist gestaltlos, unbeschreiblich, also unvorstellbar. Punktum. Das war das Ende der Diskussionen. Beiseite geschoben wurde mit einer einzigen abschließenden Bemerkung, dass Jesus, als Auferstandener, das Gegenteil gesagt hatte, indem er die Jünger beruhigte denen er begegnete: „Seht meine Hände und Füße an: ICH BIN es selbst. Fasst mich doch an und begreift: kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“(243)  Der Theologe Adolf von Harnack resümiert: „Der Wille des Kaisers entschied.“ So kam es zur Aussage: Gott ist homousios. Die Kirche musste parieren und den Raub des kleinen Vokals akzpetieren. Jedenfalls war das der Wunsch Konstantins und der Männer des Athanasiuskreises. Wegen dieses homousios, dieser Wortneuschöpfung, bar des Jota’s,  ging es 1500 Jahre zu, wie auf einem Schlachtfeld. Es rollten die Köpfe, zumindest in den Schlachten, die der byzantinische General Belisar für seinen Kaiser Justinian gegen die arianischen Vandalen in Nordafrika und gegen die arianischen Goten in Italien schlug. Goethe kommentierte den Verlust des Vokals so: 

Denn eben, wo Begriffe fehlen,        Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.

Mit Worten läßt sich trefflich streiten,

Mit Worten ein System bereiten,

An Worte läßt sich trefflich glauben,

Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“  

Nur ein schnell zupackender Griff und dann war es eben doch geschehen. Infolge dessen verloren die Menschen den Frieden. Indem sie mit Hass die neue Botschaft predigten, trieben sie den Geist Christi aus ihren Versammlungen hinaus. Es war so, als hätte jemand über Nacht die Fenster verhängt. Offensichtlich bis in die Gegenwart gilt es für Christen sich zu ducken und möglichst wenige kritische  Fragen zu stellen. Da, auf Seiten des Arius, war ein Gott, wie ihn die Bibel kennt, während hier mit Athanasius ein undefinierbares dreiheitliches Wesen zur Geltung kam. Wohlgemerkt, wer diesen Unterschied zugunsten Athanasius nicht machte, oder  bis  zu  dieser Stunde  nicht  nachzuvollziehen  vermag, kann nicht selig werden, - sagen die Katholiken und einige ökumenischen Christen.... „Wer da selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten. Jeder, der diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verloren gehen...“ nämlich, „ (es) sind nicht drei Götter, sondern ein Gott. So ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige ________________ 

(242)     Adolf von Harnack, Dogmengeschichte S. 232

(243)     Lukas  24: 39

Geist Herr. Und doch sind es nicht drei Herren, sondern ein Herr. Denn wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen...“ (244) Vor der angemaßten Drohung des sogenannten Athanasiums, mussten Jesu Kriterien, auf welchem Wege ewiges Glück erreicht werden kann, ins zweite Glied treten: Seine Prüfsteine, an denen wir vorüber zu gehen haben, lauten allerdings anders: „Was hast du mit dem Licht gemacht, das ich dir gab?“ (245)  „Hast du versucht, die Last des anderen zu erleichtern?“ (246) „Hast du die Talente entfaltet, die ich dir gab?“ (247) Sein Maßstab sind die Früchte: „Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen werden“. (248) Vom Hervorbringen der Güte, als gute Frucht wird mehr als eintausend Jahre nach Athanasius kaum noch geredet. Sie behaupten mit dem Begriff Hölle, ein Wort, dessen Ausmaß sie nicht kennen: ewig! Ewig verloren! Welcher Barbarismus! Unter Athanasianern gilt als ausgemacht, wer nicht wie sie glaubt, kommt in die Hölle und zwar für ewig. Alleine diese Idee zeigt ihren Hang zum Unmenschlichen und ihre Jesusferne. Nach Origenes (249) hingegen ist ein Wurf ins Feuer nur ein Bild für eine zeitliche begrenzte Pein des Gewissens, etwas Endliches (nicht eine „unendlich zu erleidende“ ‚Höllen-Strafe’ – das Gefängnis selbst ist ewig, ein Aufenthalt darin ist es nicht.) Athanasianisch - Augustinisch formuliert verfiel sogar die Seele jedes ungetauften Säuglings dem ewig peinigenden Feuer. Völlig lichtlos bekräftigte das Konzil zu Florenz eintausend Jahre später, 1440: „Die Seele derjenigen, welche in der Erbsünde aus dem Leben scheiden, fahren zur Hölle herab, auch die kleinen ungetauften Kinder.“ Selbst 500 Jahre nach dem Florentiner Konzil, galt solche Formel als absolut wahr. Ähnliches, heute noch, für bare Münze nehmen zu können, würde einen gewissen psychischen Defekt voraussetzen. Konzilien werden von Menschen gemacht.  Dennoch steht immer noch in zahllosen Kirchenbüchern in fast allen Sprachen der Welt geschrieben: wer nicht nicänisch - athanasianisch  glaubt, wird ohne Zweifel ewig verloren gehen, als handele es sich dabei  _______________ 

(244)     Essenz des Athanasiums 

(245)     Matth. 5:14

(246)     Galaterbrrief 6: 2

(247)     Matth. 25: 14-30

(248)     Matth. 7: 19 

(249)     Handwörterbuch für Theologie S. 1697  „Gottes Pädagogik hilft (im Prozess der vorgesehenen Vervollkommnung seiner Kinder) „durch das Läuterungsfeuer im Hades nach. Es erscheint in der Bibel als ewige Verdammung, es besteht jedoch in einer zeitlich begrenzten, qualvollen Gewissenspein.“ 

um unumstößliches Offenbarungsgut. Der rüde Ton lässt darauf schließen, dass es bei diesem Gott, der eines Wortes - oder nur eines Jotas wegen - Menschen verurteilt, tatsächlich um einen anderen als den von Jesus verkündeten  handelt. Dieser öffnet die Arme und eilt dem entgegen, der sein Erbe leichtsinnig durchbrachte, aber einsieht... jener fühlt sich gut dabei, auch nur ein einziges seiner Geschöpfe ewig leiden zu lassen.  Das Feuer der Gewissensqual ist nur von dem zu erdulden der wissentlich

Menschenrechte verletzte: Nun, Raffgieriger, musst du leiden bis zu dem Tag, an dem du wünschst, du könntest das Ungute, das du bewusst über andere gebracht hast, wieder gutmachen. Es wird dir vorkommen, als würdest du in ein Gefängnis geworfen: „Amen, das sage ich dir: du kommst dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig deiner Schuld bezahlt hast.“ (250) Lasse dir aber andererseits von niemanden weißmachen, ich  bezahlte für dich, was du mutwillig zerstört hast. „„Irrt euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ (251)  Deshalb „verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“ (252) Vergiss nie, „dass ich die Heuchelei hasse“. Kein Dirigent würde ein Konzert beginnen, ehe nicht sicher gestellt ist, dass Kammerton A eingestimmt wurde - und den gibt Jesus vor.  Seit Nicäa jedoch war den Konzilstheologen der Geist der Brüderlichkeit, der zwischen ihnen herrschen sollte, nicht mehr so wichtig wie das „Recht haben“. Die an sich gutwilligen, aber mit Athanasius nicht zufriedenen „Konzilstheologen“  Nicäas hatten sich bald umgarnt gesehen, viele sahen zu spät und ratlos die Falle, in die sie trotz oder eben wegen der unmäßigen Lobhudelei einiger geraten waren. Trotz  des ariusfreundlichen Eusebius und seines Einflusses auf den Kaiser, konnten viele ihre Sache nicht behaupten, weil sich Athanasius wahrscheinlich schon recht früh für seine eigene Karriere, und damit für den Kaiser, entschieden hatte, um irgendwann die Nummer Eins der Kirche zu werden. Spätere Berichte und Dokumente belegen das. Athanasius wollte persönlich hoch hinaus. Er wünschte Metropolit zu werden. Jeden Preis würde er dafür entrichten. Triumphierend sind Alexander und sein Diakon Athanasius zunächst heimgereist,. Ihr Gefühl sagte ihnen: Diesen Sieg würde ihnen niemand mehr streitig machen! Adolf von Harnack bemerkt allerdings: Die Formulierung: „Vater, Sohn und Heiliger Geist seien (wesenseins) „unius substantiae“, hatte den meisten ‚Konzilsvätern’ gar nicht gefallen“,  jedenfalls nicht in dem Sinne dem Athanasius folgte. Aber es waren die ______________  

(250)     Matth 5: 26

(251)     Galater 6: 7-10

(252)     Sprichwörter 31: 8-9

abschließenden Worte eines Kaisers gewesen.  „Nach einem Brief, den Eusebius von Caesarea an seine Gemeinde schrieb, war den  meisten Bischöfen die Streitfrage ob Jesus mit dem Vater wesensidentisch ist, zu hoch.“ (253)  Fast alle kuschten, und dafür belohnte Konstantin sie. Das Abschlussmahl versetzte die Bäckergesellen, den Hirten und die kleinen

Landwirte in höchstes Entzücken. Sie lagen mit dem weltbedeutendsten Imperator zu Tische und ließen sich bedienen: „Wünschen die Noblissimi noch Pfauenzungen? Vielleicht noch etwas griechischen Wein?“ Geschafft! dachten der Imperator und der ehrgeizige Athanasius. Das Werk war gelungen. Sie waren, bis auf zwei Ausnahmen, so klug gewesen, ihm (ihnen) nicht zu trotzen. Damit hätte die Sache als ‚beigelegt’ betrachtet werden können. Doch als die anderen Bischöfe, die nicht nach Nicäa gereist waren, von dem ‚Konzilsbeschluss’ erfuhren, und die Gemeinden der Befürworterbischöfe hörten, was da im Dunstkreis des Mörderkaisers passiert war, ging der Streit, wenn auch örtlich unterschiedlich, erst richtig los. Bischöfe stehen ihren Gemeinden ja nicht als Generalautoritäten vor, sondern die jeweiligen Ältestenkollegien sind in ihrer Gesamtheit der Bischoftschaft ebenbürtig. Und dann, als dritter Teil, haben auch die anderen Mitglieder der Gemeinden mitzureden. Manche Gemeinden bestanden vollzählig aus Christen, die sich nur in den Glaubens- und Gedankenbahnen des Origenes und Arius bewegen. Sie lehnten das Nicänum gelassen ab. Sie wußten was in der Schrift geschrieben steht, und ahnten, wie es zu dem fraglichen Ergebnis kam. 

Vor dem Kaiser fürchteten sie sich nicht, vor dem Geist der ihn beseelte sehr wohl. Im Gegensatz zu vielen Christen unserer Zeit sowie der Jahrhunderte nach dem 4. ökumenischen Konzil zu Chalkedon kannten sie große Teile der Heiligen Schriften auswendig. Sie wussten, dass Origenes (185-254) oft genug als Vermittler von nah und fern liegenden Gemeinden zu Hilfe gerufen wurde, wenn Differenzen in der Auslegung der Schrift auftraten. Die Literatur bestätigt wiederholt, dass die meisten der von ihm beratenen Mitglieder der Kirche sich seinem Urteil beugten. Und eben dieser Meistertheologe der Urkirche beteuerte, dass es wahre Christenlehre sei zu sagen: „Die Trinität besteht aus 3 Hypostasen, also aus drei wirklich existierenden Wesen, die auch hinsichtlich ihrer Natur verschieden sind. … Vater und Sohn sind 2 Götter…”. (254) 

Natürlich haben nahezu alle Christen immer geglaubt, dass es eine aus drei Personen bestehende Gottheit gibt, die eins im Willen und der Absicht ist.

Auch die später von Athanasius verfolgten Melitianer glaubten (zunächst), _____________ 

(253)   A. von Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 236   

(254)   Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft,... S. 1696

wie die Arianer, die Gottheit bestünde aus 3 Hypostasen.  Deshalb sind die Arianer und ihre Freunde keineswegs Antitrinitarier, wie so oft behauptet wird. Sie empfanden es als Angriff auf ihre Glaubensfreiheit, was dieser monotheistische Heidenkaiser sich erlaubte. Was für eine Verdrehung schlichter Glaubenswahrheit, zu verkünden, drei sei eins und eins ist drei. 

 

So blieben fast alle Christen des gesamten 4. Jahrhunderts Origenisten oder Arianer - Athanasius und dem Kaiser zum Trotz. „Das Ansehen des Origenes (und damit des Arius G.Sk.) war noch in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts in weiten Kreisen ein unbedingtes.“ (255) Die bis zur Stunde ständig wiederholte Aussage, der Arianismus sei eine Häresie ist unhaltbar. Sie stellt die Fakten auf den Kopf. Die Gegenthese lautet bis heute, der Arianismus spricht Jesus Christus nicht die „volle“ Gottheit ab. 

Jeder Vater ist für eine Periode seines Lebens seinem Vater nachgeordnet gewesen, das spricht doch nicht gegen des Sohnes volle Gleichberechtigung. 

Im athanasianischen Gedankenspiel sind mehrere Fehler enthalten, vor allem dieser: er meint es sei in Ordnung die Ellenbogen einzusetzen, - etwas das Arius Freunde bitter erfahren mussten. Auch rein sachlich gesehen sieht man, dass die Unterstellungen der Athanasianer inkorrekt sind. Der berühmte Arianer Wulfila der im 4. Jahrhundert  wirkte, bekräftigte, was er von Arius gelernt hatte „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster... (M Pl. Suppl. I. 707) ... er glaubt an Gott den Vater und an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und Gott, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“. (256)  Die Athanasianer finden keine Unterstützung bei ihren Vätern. (257)  

Mit dem „Athanasium“ wurde eine Abweichung und damit eine Häresie als Kirchenlehre festgeschrieben! Theologen wie Adolf von Harnack verweisen wiederholt, wenn auch nur indirekt, darauf, dass katholische Geschichtsschreibung ernsthaft anzufragen ist: „Es gab nachweisbar im

Osten und noch mehr im Westen zahlreiche Bischöfe, die sich um den Beschluss (zu Nicäa) nicht kümmerten, für welche derselbe gar nicht existierte. Im Abendland kam man erst nach dem Jahr 850 (!) zum _______________ 

(255)   A. von Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 28 

(256)   (Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“ Vandenhoeck & Ruprecht, 1993 S 56,141: „Einer ist der Gottvater aller, der auch der Gott unseres Gottes ist... Christus ist wohl Gott, aber er ist dem Vater unterordnet.“....  

(257)   www. dogmatic. Uni-Bonn, S. 145: „Die vornizäische Theologie“, 2009 : „Irenäus stellt das Gottsein von Sohn und Geist klar heraus , „beiden kommt ein

personales Sein zu, da sie gemeinsam mit dem Vater handeln.“

Nachdenken über das Nicäanum.“ (258)  Das  Athanasianum  drückte gegen die Urkirche. Es war eine ihr zutiefst fremde Glaubensformel. Kaum dass er wieder in Alexandria anlangte, bohrte und drängte Athanasius verschärft, alle hätten zu glauben seine Neuheit sei althergebracht: „Eifert alle für den Herrn und jeglicher halte am Glauben der von den Vätern gekommen ist, fest... keiner nehme die auf, die gegen den Glauben von Nicäa versuchen Neues aufzustellen.“ (259) Bischof Alexander half ihm energisch. Gemeinsam wünschten sie das Kirchenschiff in eine andere Richtung zu lenken. Alexander predigte gewaltig. Er und sein Diakon vertieften vereint den neuen Trend und Charakter des nachkonstantinischen Christentums. Irgendwann fallen von den Lippen Bischof Alexanders, wahrscheinlich in seiner Basilika, die welthistorisch wichtigen Worte: 

„Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut“ (260)  

Bischof, diese deine Aufforderung ist eine Kriegserklärung... ‚bis aufs Blut’. Bald darauf stirbt Alexander. Zu spät. Er kann nichts zurücknehmen. Die Negativkraft wirkte enorm: Das Echo ist bis weit ins 18. Jahrhundert zu hören: Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut... der Tag musste kommen, an dem alle Vernunft und Intelligenz vor dem Fanatismus zurückwich... unter Innozenz III. (1198 - 1216) werden die Athanasianer alles niedermetzeln was ihnen verdächtig vorkommt... (261) Begonnen hatte es scheinbar harmlos, mit den Vorwürfen: „Sie, die sich Christen nennen (die Arianer), vertauschen die Herrlichkeit Gottes mit der Ähnlichkeit eines Bildes von einem vergänglichen Menschen.“ (262)

_____________ 

(258) A. von Harnack, „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990, S. 235 (259) Simon Gerber „Theodor von Mopsuestia und das Nicaenum“ Studien, Brill, 2000  (260) Ernst Ferdinand Klein, „Zeitbilder“ Ackerverlag, Berlin 1930, S. 153

(261)       James D. McCabe, "Cross and Crown", 1881 National publishing Co. New York:  ”Little children were torn from the arms of their mother, dashed against the rocks and carelessly cast away. The sick or the aged were either burned in their homes or hacked in pieces, mutilated half-murdered and flayed alive. They were exposed, in dying state, to the heat of the sun, or to flames, or to ferocious beasts; others were tied, in a state of nakedness, into the forms of a human ball, the head between the legs, and in this state were rolled down the precipice. Some of them, torn and bruised by the rocks from which they had rebounded, remained suspended from some projecting rock, or the branch of some tree, and still groaned forty-eight hours afterwards. Women and young girls were violated, impaled, set up naked upon spikes at the corners of the roads, buried alive, roasted upon lances, and cut in pieces by these soldiers of the faith, as by cannibals Two of the most infuriated of these fire-raisers were a priest and a monk of the order of St. Francis… These persecutions continued until Feb. 1848, when the King of Sardinia granted the Vaudois the right to exercise their religion and to enjoy civil and political rights, and to attend schools, colleges, and universities… 

(262)       Bibliothek der Kirchenväter, Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos, RFT Information, 1. Rede, Teil 2)

Manche Sätze bohren sich tief ins Gedächntnis: „Sie, die sich Christen nennen.“ Unsensibel sprach Athanasius den Anhängern der Urkirche, den Origenisten-Arianern, den Status Christ zu sein ab. „Der Kaiser! Der Kaiser!“ „Was geht uns dein Kaiser an?“ lautete die Antwort der meisten, vor allem der Melitianer. (263) Die Melitianer verstanden sich als Kirche der Märtyrer. Melitus von Lykopolis, Oberägypten sah sich selbst als den Repräsentanten der Kirche. Als er begann, auch in gemischten Gemeinden Älteste und Priester zu ordinieren rechneten ihm einige Bischöfe das als Kompetenzüberschreitung an. Damit „verletze er die göttliche Ordnung und die kirchliche Regel.“(264) Arius fand nach Nicäa bei den Melitianern Rückendeckung, allerdings gab es bald Meinungsverschiedenheiten. Sie schwächten sich ohne sichtbare Gründe gegenseitig. Schließlich unterliegen die Melitianer im Kampf mit dem Athanasianismus. Ihre Spuren verlieren sich im 8. Jahrhundert.„Die melitianischen Wirren entzündeten sich...  an der Wahl und Weihe des Athanasius... dies war eine Wahl die gemäß Kanon 4 von Nicäa ... nicht mehr von Presbytern der

Stadt sondern durch ägyptische Bischöfe vorgenommen wurde... wobei Vereinbarungen mit den Melitianern gebrochen wurden... von den 34 melitianischen Bischöfen verweigerte sich ein erheblicher Teil ... außerdem besaßen die Arianer in der Pentapolis eine starke Stellung...“

(265) Athanasius Kritiker bemängelten bereits frühzeitig, dass die Privilegien die sein Bischof Alexander vom Kaiser erhalten hatte vorausblickend auf seinen Diakon zugeschnitten worden waren und dass dabei nichts Gutes herauskommen konnte. Das Herrschen-wollen entsprach nicht dem Geist der seit Alters in der Kirche gepflegt wurde. ______________ 

(263)  K. D. Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die Kirche in der Geschichte“ ein Handbuch Vandenhoeck & Ruprecht, 1992 S. C 149 u 141-143: „Von den 34 melitianischen Bischöfen in Ägypten... hatte sich ein erheblicher Teil nach Nicäa nicht unterworfen...die Melitianer ... erhoben Klage gegen die Gewalttätigkeiten Athanasius... in der Fastenzeit 332 brachte Athansius den Presbyter Ischyras (einen seiner Kritiker G.Sk.) durch eine politische Denuziation (er hätte Steine gegen eine Kaiserstatue geworden) beim Präfekten Hyginus ins Gefängnis. Ischyras kaufte sich durch ein ‚Geständnis’ frei... alle Anklagen gegen Athanasius seien erlogen... er widerrief es später...“ Die Gewalttätigkeiten gegenüber Melitianern hielten an „...334 ließ Athanasius eine Zusammenkunft melitianischer Bischöfe und Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen... Straßenkrawalle der christlichen Jungfrauen toben...  Der Brief (Kaiser) Konstantius ( nach dem Athanasius eine Vorladung der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek als eine Fälschung des Athanasius anzusehen, welche das (ariusfreundliche G.Sk.) Urteil jedes Ansehens berauben soll.“

(264)  Rudolf Lorenz „ Die Kirche in ihrer Geschichte – das vierte Jahrhundert“,

Vandenhock & Ruprecht, 1992, C 140 

(265)  ebenda   

Paulus z.B. attackierte Petrus öffentlich, den er durchaus als den Präsidenten der Kirche anerkannte, indem er ihn, sowie Johannes und

Jakobus „die Säulen“ nannte. (266) Wie er Petrus tadelt war blamabel. Doch Petrus schlägt nicht zurück: er lobte Paulus später, nachdem dieser viele Briefe verfasst hatte die sich teilweise scharf gegen Petrus Kurs richteten.

Bei allen Meinungsverschiedenheiten blieb der Ton des Petrus brüderlich.  (267) Athanasius wollte entschieden mehr sein, als ein treusorgender Vater seiner Gemeinde; eine Rolle, die der im Alter von knapp dreißig Jahren, wahrscheinlich allein stehende Mann, vielleicht, mit klugen Ratgebern an seiner Seite, hätte spielen hätten. Doch jeder der es je mit ihm zu tun hatte, sah wie machtgierig er war. 

Da gab es die jederzeit Opferwilligen, die bereit waren für die Sache der Freiheit und der Menschenliebe Jesu ihr Leben hinzugeben, die nie danach getrachtet hatten ‚mächtig’ zu werden, und nun lebte hier ein junger, auch äußerlich kleiner Mann der schnell zu mehr Einfluss und Ansehen kommen wollte. Er mischte sich in die weltlichen Angelegenheiten mit demselben Ziel ein: Macht! Ungeniert trachtete er danach sich die nichtjüdischen Seeleute zu Freunden zu machen, - das wäre ohnehin seine Pflicht als Christ gewesen, aber er operierte damit gegen die hebräischen Reeder. Tatsache ist „dass die Kirche von Alexandria seit dem 4. Jahrhundert nachweislich als Reederin aufgetreten ist“ (268)  Er trachtete, ebenfalls aus politischen Gründen danach, sich die Paganen gewogen zu machen indem er ihnen Frieden zusicherte. Wahrscheinlich wurde in den melitianischen Gemeinden um 328 auch in den Gottesdiensten  bald mehr von und über

Athanasius gesprochen, als von der Wichtigkeit den Geist christlicher Freundlichkeit zu bewahren. Das vor allem Arius dahinter steckte, wenn man ihn tadelte, schien für Athansius ausgemachte Sache zu sein. Kurios bei allem ist, dass sich Athanasius im Grunde, seines persönlichen Anti-arianismus nicht wirklich gewiß war: Inspiriert, im Sinne der Kirche, war er nicht. Das gibt er selbst zu.  Eigentlich hätte ihn der Geist Gottes geradezu einhüllen und ihn erleuchten müssen, wenn das wirklich wahr gewesen wäre, was er so nachdrücklich und im Namen Jesu Christi, lehrte: „Je mehr ich nämlich schreiben wollte und mich anstrengte über die

Gottheit des Sohnes, desto mehr entfernte sich seine Erkenntnis von mir ________________  

(266)   Galater 2 Vers 9.

(267)   2. Petrus 3: 15-16 : „Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebten Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen...“

(268)   Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter  ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 S 53

 

und ich sah ein, dass ich in dem Maße von derselben verlassen würde, als ich sie zu erfahren schien.“ (269) Athanasius ignorierte diese Wahrnehmung. Dagegen ging es seinem Intimfeind Arius stets darum, zu sagen, dass Christen sich vom Geist Gottes leiten lassen sollten. Eben weil sie Geistkinder Gottes seien, sind sie fähig die innere Verbindung zu ihrem ‚himmlischen’ Vater zu halten. Das ist ohnehin eine immer gültige Regel, niemand möge sich äußern, ehe er nicht zur inneren Klarheit gelangte. Athanasius missachte dieses Prinzip offensichtlich. Sein Vorurteil und sein Beharren darin, musste zu vermehrter Intoleranz führen. In innerer Dunkelheit Entscheidungen zu treffen, sollte man unterlassen.

Das von Bischof Alexander gegen Arius in die Welt gesetzte Wort, von der Widerstandsleistung „bis aufs Blut“, sollte sich Schritt für Schritt zum Programm der Orthodoxie entwickeln: „Ein wahres Spießrutenlaufen erlebte Lucius, einer der Gegenspieler des Athanasius, als er 367 die Stadt verlassen mußte. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde er unter militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet: "Alle schrien mit einer Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er [Lucius] abgeholt wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des Militärbefehlshabers; sie stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der Stadt“. (270) Mit solchem Verhalten verließen die Orthoxen definitiv den Raum des Rechtes. Im Jahr 432 wird den bedeutenden Patriarchen Nestorius, dasselbe Schicksal ereilen. Damit trotzten sie dem Geist Gottes, der „auf dem Messias liegt...“ von dem der ‚allein wahre Gott’ voraussagte: „Er wird den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht schreien, und man wird seine Stimme nicht auf der Straße hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat“ (271) Am Maßstab ‚Erkenntnisumsetzung und bewahrung’ sind wir sicherlich allesamt zu messen. Sind nicht eigentlich diejenigen die Häretiker die sich gegen das Bemühen des Anderen um  Wahrhaftigkeit wenden?  Was war es, was  nur 50 Jahre nach Nicäa, den

Christen Ambrosius bewegte Kaiser Theodosius I. zu ermutigen, das

Gesetz zum Glaubenszwang gegen das Toleranzreskript von Mailand zu _______________ 

(269)   bei Joh. Adam Moehler, „Athanasius der Große und die Kirche in seiner Zeit“ 2. Aufl. Mainz 1844 Verlag Kupferberg, ep.ad Monach. C. 1-2. fol 343 

(270)   Manfred Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl. 2004 zitiert Athanasius, Historia Arianorum, 5,13

(271)   Matth. 12: 18-20   

novellieren? „Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen sollen sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt...“ (272) 

Wer war dieser Damasus und wozu hat er sich klar bekannt? Diese beiden Fragen hat, wie wir sehen werden, die Geschichtsforschung nicht zugunsten des Pontifex Damasus, beantwortet. 

 

Athanasius Hetzreden und die Konsequenzen

 

Der bekannte Theologe Schleiermacher kann jedenfalls nicht umhin festzustellen, dass „Athanasius... das Signal zu den Verfolgungen gegeben hat. Schon auf dem Nicänischen Konzil mag er die Hauptursache des strengen konstantinischen Dekrets gewesen sein... Er fängt überall mit Schimpfen und Heftigkeit an und ist unfähig und unbeholfen im

Disputieren.“ (273)  

 Bereits in seiner zuverlässig überlieferten 1. Rede gegen die Arianer tönt Athanasius: „Wenn man sie aber logisch untersucht, so wird es sich herausstellen, dass sie (die andersdenkenden Christen) bitteren Spott und Hohn verdienen..., verdienen sie nicht  allen Haß?” (274) 

Auch Hans Lietzmann stellt fest: „Er wird die nicänische, orthodoxe Leitfigur der kommenden Kämpfe.“ (275)  

Das Buch Mormon lehrt gegen diesen Trend zum Inhumanen: „Es ist nicht meine, (Jesu), Lehre, dass den Menschen das Herz zum Zorn aufgestachelt werde, sondern es ist meine Lehre, dass es derartiges nicht mehr geben soll. ...Wer den Geist des Streites hat, ist nicht von mir...“ (276)  Athanasius Anklagen verstummten nie wieder: 

„Unter Rückgrif auf typische Formen der Polemik greift Athansius seine Gegner an und diskriminiert ihre Handlungsweise grundsätzlich.... dass die Arianer sich wie dauernd umherschwirrende Stechmücken verhalten, ist eine Metapher. Die Athanasius immer wieder verwendet.“ (277) Von da  ____________ 

(272)   Aus dem Text des Staatsgesetzes „Cunctos populos“ von Februar 380. 

(273)   Joachim Boekels, Dissertation: Schleiermacher als Kirchengeschichtler - 1993 Google Books Result

(274)   Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der

Kirchenväter" (auch in RTF-Format)

(275)   Hans Lietzmann „Geschichte der Alten Kirche“, de Gruyter, 1999, S. 8 

(276)   Buch Mormon 3. Nephi 11: 30 + 29

(277)   Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“ Walter de Gruyter Uni Erlangen 2001 S. 186-187

an, so urteilt auch Adolf von Harnack, erfüllte „die Sprache das Hasses die Kirchen.“ (278)  

Schon die Art, wie Athanasius nach dem Tode seines Bischofs Alexander

327 sich „in einer Art Husarenritt von einer Minderheit zu seinem Nachfolger“ wählen ließ, hätte auch seine Sympathiesanten stutzig machen müssen. Jetzt will er Metropolit und mehr werden! Bösartig provoziere er den Widerstand seiner Gegenspieler um sich selbst wichtiger zu machen.  Seine Reden wurden immer schärfer. Im scharfen Ton eines kommunistischen Kommissars der 20er Jahre gegen Kulaken und angebliche Konterrevolutionäre hetzte der Häretiker: „Ich glaubte, die Heuchler des arianischen Wahnsinns würden sich auf das, was ich bisher zu ihrer Widerlegung und zum Erweis der Wahrheit vorgebracht habe, zufrieden geben und nunmehr sich ruhig verhalten und bereuen, was sie vom Heiland übel gedacht und geredet haben. Sie aber geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege.“ (279) Man spürt, wes Geistes dieser Mann ist. Wer nicht glaubt wie er, der ist gottlos, die „…Arianer (sind) keine  Christen... Sie sind die Erfinder von Gotteslästerungen und in

Wahrheit die Gottesfeinde, da sie sich, um den Sohn nicht als Bild des Vaters anerkennen zu müssen, vom Vater selbst leibliche und irdische Vorstellungen machen...“  (280)  

Bald brachte der alexandrinische Volksmund das Sprichwort auf: Athanasius contra mundum. Athanasius gegen die Welt.

Er hält sich für den großen Sachverständigen und folgert messerscharf: „...Wenn aber Gott nicht wie ein Mensch (aussieht), er ist es nämlich nicht, so darf man auf ihn keine menschlichen Eigentümlichkeiten übertragen... Vergebens also sannen die Unverständigen auch dies aus, sie, die vom Vater das Bild loslösen wollten, um den Sohn der Kreatur gleichzustellen.

Indem nun die Anhänger des Arius nach der Lehre des Eusebius ihn in die Reihe des erschaffenen Wesen stellten und ihn dem gleichgeartet erachteten, was durch ihn entsteht, so weichen sie von der Wahrheit ab, und indem sie sich trügerische Sprüchlein schmiedeten, gingen sie im Anfang, als sie diese Häresie schufen, überall herum...“ (281) Aber

Athanasius, der geborene Politiker sucht Verbündete, auch unter den _________________  

(278)     A. von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S.236

(279)     Maßgebliche Werke des Hl. Athanasius in der Übersetzung der "Bibliothek der Kirchenväter" (auch in RTF-Format) Aus der 1. Rede 

(280)     ebenda 

(281)     ebenda 

Paganen, er bedarf der Unterstützung aller Kreise die ihm irgendwann nützlich sein könnten. Darin ist er nicht erfolglos. Man spürt jedoch, wer er ist. Kaiser Konstantin ist indessen verärgert, als er vernimmt, was sein Chefideologe da im fernen Alexandria treibt. Konstantin mag zu den rücksichtslosesten Machtmenschen aller Zeiten gezählt werden, doch an Frieden und Stabilität in seinem Reich lag ihm, aus wiederum egoistischen Gründen, viel. Kaiser einer Horde Barbaren zu sein, wäre wenig schmeichelhaft für ihn gewesen.  

Beschwerden über Athanasius, als Kirchenfürst und heimliches Haupt Alexandrias, waren bei Hofe eingegangen. Deshalb ordnet der Imperator bereits 328 Ruhe an, und was den Intimfeind des Athanasius angeht „dass Arius wieder in die Kirchengemeinschaft Alexandrias aufgenommen wird,

... „doch Athanasius weigerte sich aus Gründen der Rechtgläubigkeit...“

Nach Manfred Jacobs erhebt sich hier jedoch die wichtige Frage „ob es Athanasius wirklich entscheidend um die Rechtgläubigkeit gegangen sei, sondern darum, seine Stellung als Metropolit Alexandria zu festigen und auszubauen...“ (282) Als Arius um 330 ankündigte, er werde nun doch einer anderen Kirche angehören als Athanasius, und als Konstantin vernimmt, dass dieser kleine junge Mann ihm trotzt erregt sich der Kaiser. Noch richtet sich sein Zorn nicht gegen Athansius. In seiner Wut, da er einsehen muss, dass das Konzil zu Nicäa letztlich nur den Hader vergrößert hat, während er Athanasius theologisch nicht widersprechen darf, wenn er sich selber nicht unglaubwürdig machen will, „befiehlt Konstantin nun die

Bücher des Arius zu verbrennen und seine Anhänger fortan

„Porphyrianer“ zu nennen. Das heisst, sie den schlimmsten

Christusfeinden gleich zu setzen... Die Besitzer arianischer Bücher sollen sogar mit dem Tode bestraft werden.“ Das berichtet Sokrates Scholasticus. (283) So „ verfolgte (Konstantin) die Arianer, -  und die Orthodoxen haben das gebilligt.“ (284) Dann kippt die Grundhaltung Konstantins. Er der viele Probleme zu lösen hat, befiehlt definitiv Ruhe an.

Aber Athanasius ist taub, er geht stur voran.  Er  rechtfertigt sich vor dem

Kaiser mit Beteuerungen, der Kaiser und er seien die Opfer arianischer Verleumdungen. Die Forschung weiss es besser und es ist anzunehmen auch Konstantin : „Die These von der Opferrolle des Athanasius kann... aufgrund der 1913 u 1914 von H. J. Bell aufgefundenen Papyri bezweifelt werden, in denen die beiden melitianischen Kleriker Callistus und Pagenus  _______________  

(282)   Manfred Jakobs,  „Die Reichskirche und ihre Dogmen...“, Kleine VandenhoekReihe 1987, ,S.30

(283)   Rudolf Lorenz, „Das vierte Jahrhundert“, 1992, S. 143, Google Book R 

(284)   A. von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 235

über die Brutalität berichten, mit der Athanasius die Melitianer verfolgt habe.“ (285)  Unter diesen Vorzeichen beginnt die Synode zu Tyrus 335.  Christoph Markschies sagt: „Wir kennen ein (für Athanasius) wenig schmeichelhaftes Stimmungsbild der Situation in Alexandria aus der Feder eines Melitianers aus dem Jahr 335: ein Bischof dieser Gemeinschaft aus Leontopolis, der in die Hafenstadt gekommen war, wurde von betrunkenen

Soldaten überfallen und sein Begleiter inhaftiert. Es gab Tote. Nach Karl Holl handelte es sich um ‚Maßnahmen’, die Athanasius ergriff, um das

Treffen einer melitianischen (arianischen G.Sk.) Synode in seiner Heimatstadt zu verhindern.“ (286) „Fünf melitianische Bischöfe beschuldigten Athanasius  in Tyrus 335, dass er sie habe prügeln lassen.“ (287) Konstantin konnte es nicht mehr ertragen. Was bildete sich der  

‚schwarze Zwerg’, ein.  Er verbannt ihn nach Trier, stellte ihn unter

Aufsicht seines ältesten Sohnes Konstantin des Jüngeren. (288)  

„Das Ergebnis der Synode von Tyrus brachte... den endgültigen Bruch zwischen Athanasius und Konstantin.“ (289) Unter „Androhung der Verbannung war Athansius zum Erscheinen aufgefordert worden. Dabei hatte er zu seiner Unterstützung 48 ägyptische Bischöfe mit nach Tyrus genommen, die nicht eingeladen waren“ (290 )– es half ihm alles nichts. Er war zu weit gegangen.  Einfluss auf diesen Gang der Ereignisse wird auch Konstantins Halbschwester Konstantia genommen haben. Bereits zum Zeitpunkt des 1. ölumenischen Konzeils 325, erkannte Konstantin, dass er an ihr einiges gut zu machen habe. Er hatte seinen Eid gebrochen  den er ihr geleistet, indem er ihren Ehemann Mitkaiser Licinius ermorden ließ, nachdem er ihn entmachtete. 312 waren sie Waffenbrüder gegen Maxentius gewesen, 313 hatten sie gemeinsam das Toleranzreskript von

Mailand unterschrieben, aber dann kam es zu den abzusehenden

Spannungen weil Konstantin sich außerstande sah zu teilen. Die Universalmonarchie oder nichts! Diese Idee muss ständig durch das _______________ 

(285)             Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ , Franz

Steiner Verl. 2003 ,  S. 54

(286)             Christoph Markschies, „ Alta Trinita Beata: Gesammelte Studien zur

altkirchlichen Trinitätstheologie“  Mohr Siebeck, 2000, S. 187

(287)             Rudolf Leeb, „Konstantin und Christus“ Walter de Gruyter 1995 S. 179

(288)             Christoph Markschies „Alta Trinita Beata“ Mohr Siebeck , 2000 

(289)             Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicea (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“ , Franz

Steiner Verl. 2003 , S. 56

(290)             Rudolf Lorenz „Die Kirche in ihrer Geschichte – Das vierte Jahrhundert“ 

Hirn des Machtgenies gezuckt sein. 324 schlägt der stärkere Schwager den Schwächeren. Das von Jesus verachtete Wolfsgesetz, das er überwinden wollte, kam erst mit und in Konstantin zu voller Geltung. 

Nicht genug damit dass er Licinius töten ließ, auch dessen Sohn musste beseitigt werden, damit die Konstantindynastie die ganze Beute erbt.

In dieser Geisteshaltung betrat der angeblich bekehrte Imperator 325 die christliche Bühne. Dieser Hero der Brachialgewalt wollte und sollte aller Römer Herr und einziger Gott werden. Dass Konstantins Sinn sich irgendwann nach Nicäa gewandelt hätte, ist zweifelhaft. Er ging seinen Weg, allmählich allerdings duldete er gewisse arianische Tendenzen. „Auf ihrem Totenbett... anempfahl Konstantia ihrem Bruder ... einen arianischen Presbyter der in ihrem Haushalt lebte....  Athanasius beklagte sich (später) über die Macht der Antinizäer mit den Worten... sie hätten wegen der Frauen die Unterstützung des Kaisers“ (291) Nicht zu vergessen ist, dass „die Gruppe die Arius einst unterstützt hatte und auf dem Konzil zu Nicäa wegen ihrer sehr verschiedenen Haltung zur ‚fides nicaena’ auseinandergebrochen war wieder zusammen gefunden hatte. (sie) verfügte nicht einmal 3 Jahre nach ihrer Katastrophe wieder über nahezu alle ihre Machtpositionen.“ (292) Athanasius wohl genug Realist, einsehend, dass er nicht der Erste werden kann, trachtete nach guten Beziehungen mit Rom. Gegenseitig unterstützten sie sich, Bischof Julius I. und er. Das war das Erfolgsrezept. Athansius anerkannte Julius, ein wichtiger Schritt  zum dauernden Primat Roms.  So „wird Rom zum Sprecher des Abendlandes... Bischof Julius zögert keinen Augenblick die Besonderheit der Lage zu nützen... er hält es für Recht, dass man sich in Fragen die die Bischöfe betreffen nach Rom wende. Aus der Gelegenheit eines ökumenischen Streites sucht Rom für sich die Stellung einer kirchlichen Oberinstanz der Ökumene zu gestalten“ (293) Im Jahr 340 beruft Julius nach Rom eine Synode ein, um Athanasius, der vom seinem neuen Kaiser, Constantius II., einem - leider fanatischen - Arianer und Herr des Ostens, nicht geliebt wird, als rechtmäßigen Bischof Alexandrias zu bestätigen. Doch bereits im nächsten Jahr, findet „die Synode zu Antiochia statt. Die Orientalen kommen zusammen und verurteilen Athansius und seinen Anhang erneut. Diese Synode weist den Vorranganspruch Roms ab.“ (294) Constantius II. macht Athanasius später  den  Vorwurf  „er  habe  ihn  und  seinen  Bruder (Constanz der ein Athanasianer und Kaiser des ______________ 

(291)             Rudolf Leeb, „Konstantin und Christus“ Walter de Gruyter 1995 S. 163 

(292)             Christoph Markschies „Alta Trinita Beata“ Mohr Siebeck , 2000, S. 177 

(293)             M. Jakobs „Die Reichskirche und ihre Dogmen“, Kl. Vandenh.-Reihe 1987, S. 34 (294) ebenda

Westens war) bewusst entzweit.“ (295) Der Patriarch von Konstantinopel

Gregor von Nazians äußert sich über diese Periode: „Ich gehe jeder Versammlung von Bischöfen aus dem Weg. Ich habe noch nie erlebt, dass dabei etwas Gutes herausgekommen ist und dass einem Übel ein Ende gesetzt worden sei... es gibt immer nur Streit und Herrschsucht.“ (296) Als Athanasius Jahre zuvor ‚seinem’ Kaiser Konstantin drohte, er habe soviel

Einfluss, dass er die Getreideschiffe von Ägypten aufhalten könnte, die in Rom dringend erwartet wurden, verbannte Konstantin den

Größenwahnsinnigen 335 nach Trier.

Die Kaiser nach Konstantin - vor allem der Konstantinsohn Constantius, ein Arianer - erkannten ebenfalls, welch ein Unruhestifter dieser kleine Mann war. Sie sahen, dass Athanasius allenfalls von einem Zehntel der Bischöfe des Reiches getragen wurde. Sie setzten den Mitschöpfer des orthodoxen Christentums wiederholt matt, indem sie ihn aus Alexandria entfernen ließen. Constanz hatte klugerweise, für 343, „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile einberufen und sein Bruder (Constantius) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer Teilnahme des verbannten Athansius. Daraufhin verweigerten die Orientalen ihre Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten sich gegenseitig. Bei der nächstfolgende Schlacht um den Stuhl von Konstantinopel soll es 3510 Tote gegeben haben...“ Constantius war zu Kompromissen bereit  „... nach dem Sturz des

(katholischen) Constanz durch Magnentius 350 suchte Athanasius bei dem

Usurpator Unterstützung gegen Constantius. Diese hochverräterischen

Beziehungen kamen ans Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2

Synodalbeschlüsse 353 und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“ (297) 

 

Doch Athanasius fiel immer wieder auf die Beine. Die gesamtpolitischen Umstände waren ihm günstig. Sein Hauptanliegen, seine persönliche Gottesvorstellung durchzusetzen, sollte schließlich mit Hilfe rücksichtsloser, vorrangig politisch orientierter Christen gelingen. Dass dabei die von Goten gestiftete deutsche, arianische Kirche vernichtet wurde ist ein anderes Blatt im Geschichtsbuch.

 

_________________________ 

(295)     M. Jakobs „Die Reichskirche und ihre Dogmen“, Kleine Vandenhoek-Reihe

1987, S. 31

(296)     ebenda S 47

(297)     A. Demand „Geschichte der Spätantike“ , 2008, C.H. Beck S. 113

 

 

 

Die Synode zu Rimini 359

 

Politisch war Athanasius auf die Dauer gesehen erfolgreich. Wie stark oder schwach indessen seine theologische Position war und ist belegt der gesamte Verlauf der Rimini-Synode. Unter Umständen  lassen Menschen sich leicht beeinflussen, auch diejenigen, die so tun als wäre ihre Überzeugung hart und echt wie ein Diamant. 

Viele Nationalsozialisten und sogar eigentlich eher unpolitische Offiziere und Soldaten gingen 1941 für ihren Führer noch durchs Feuer. Drei Jahre später wünschten sie daran nicht mehr erinnert zu werden.

 

Prof. Hans Lietzmann schildert den Verlauf der Riminisynode lebhaft: „In

Rimini kamen über 400 Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte, von dem nicäischen Bekenntnis nicht abgehen zu können... es kam schnell zu einer Scheidung der Parteien, und die Kaiser (Constantius II. einem Arianer) zustimmende Minderheit von 80 Bischöfe verließ die große Kirche und verlegte ihre Sitzungen in einen leerstehenden Saal. Am 21. Juli 359 wurden Bischof Valens von Mursa, Ursacius und Gaius als Häretiker und Feinde des nicäischen Glaubens verdammt...  Beide Seiten schickten je 10 Bischöfe oder Deputierte zum Kaiser. Das Schreiben der (größeren) Synode lehnte jede Erörterung der gemachten Vorschlage ab und forderte Erlaubnis zur Heimreise. Die kaiserliche Antwort lautete: „Der Monarch sei zur Zeit nicht in der Lage die Deputation zu empfangen... er habe aber angeordnet das die Herren in Adrionopel warten sollten bis er zurückkehre...“

Sie aber drängten, sie müssten zurückkehren... doch sie saßen in Nike einem kleinen Nest bei Adrianopel fest... bekamen fleißig Unterricht über die theologischen Anschauungen Bischof Valens von Mursia, bis sie endlich am 10. Oktober bereit waren, ihren Auftrag zu verleugnen, die

Absetzung      des      Valens      und     Genossen     zu     widerrufen,      in

Kirchengemeinschaft mit ihm zu treten und das vorgelegte Symbol zu unterzeichnen.... Das Aktenstück enthält 14 Namen. Jetzt durften sie zurückreisen und von ihren theologischen und höfischen Erfahrungen berichten. Dort (zurückgekehrt nach Rimini) erfuhren sie auch, der hohe Staatskommissar der Praefectus Praetoriio Taurus, (sei angewiesen worden), die Bischöfe nicht eher nach Hause reisen zu lassen, bis sie sich geeinigt hätten. Als Belohnung war ihm das Consulat des nächsten Jahres in Aussicht gestellt...  (wenn alle unterzeichneten) Ein hartnäckiger Rest könne in die Verbannung geschickt werden, es dürften aber nicht mehr als 15 Bischöfe sein... einer nach dem anderen sah ein, dass er eigentlich gar keine Ursache habe zum Märtyrer des nicäischen Bekenntnisses zu werden. Es war ja freilich als Parole ausgegeben worden, aber doch erst seit wenigen Jahren und nur zum kirchenpolitischen Gebrauch: Im kirchlichen Leben des Abendlandes spielte es gar keine Rolle, und wer konnte überhaupt diese griechischen Spekulationen verstehen? Ossius  (über einhundertjährig) und Liberius hatten ja schließlich auch mit sich reden lassen, und es werde allmählich kälter und der Heimweg war weit.... (Vielleicht, war einer da, der darauf verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen sich bald von anderen Männern trösten lassen könnten. Sie waren ja fast ausnahmslos Verheiratete. G.Sk.) „Scharenweise wechselten die milde gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20 Aufrechten übrig, aber auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint ist hier der antinizänische Bischof Valens von Mursa G.Sk.) und sie schickten eine Erfolgsmeldung an den Kaiser, sie möchten nun endlich nach Hause entlassen werden.“ (298)  

 

Heiliggesprochene Unheilige und ein von Christenhand geköpfter Heiliger.

 

Die in Frage zu stellenden Namen einiger der Heiliggesprochenen lauten - stellvertretend für viele andere - :Damasus der 366 Papst werden will, Ambrosius von Mailand der zwischen  374 und 397 die antike Welt erschüttert, sowie Augustinus von Hippo und Epiphanius beide um 390 und Innozenz I. um 410, dessen  angebliches Pontifikat von 402 – 417 dauerte, sowie Cyrill von Alexandria  der um 431 unselig agiert. 

Priscillian von Avila, der 385 von Christenhand geköpfte,  ist der andere.

 

Eine Anzahl Arianer Roms gingen am frühen Morgen des 26. Oktober des Jahres 366 in ihre kleine Julii-Kapelle (heute: St. Maria in Trastevere). Sie kamen wahrscheinlich ahnungslos zum Gottesdienst, um zu singen und zu beten, über ihr Leben nachzudenken und was sie an diesem Tag besser machen konnten als zuvor. Sie dachten über ihr Verhältnis zu Licht und Weisheit nach. Das war ihr Fehler. Sie hätten sich keine Gedanken machen sollen. Sie hätten einfach blindlings glauben sollen was allen Christen seit Nicäa zugemutet worden war. Wie kann man nur so dumm sein und sich ein eigenes Bild von den Dingen und vom lieben Gott machen zu wollen. Das Denken über theologische Fragen stand denen zu, die sich auskannten, wie Kaiser Konstantin, der Inspirator und Herr des nicänischen Konzils.

Die römischen Arianer hätten, ehe sie sich an diesem Morgen in ihr  ______________ 

(298) Hans Lietzmann, „Geschichte der Alten Kirche“, S. 226-228

 

schlichtes, kreuz- (299) und altarloses (300) Gemeindehaus begaben, vorsichtiger als sonst sein müssen und die zunehmenden Drohungen ernst nehmen sollen. Das war ihnen doch nicht entgangen, dass sich Bruder Damasus über ihren Bischof Ursinus enorm geärgert hatte, sie wussten dass Damasus der Erste Mann der Kirche sein wollte. Es hieß doch, er habe auf dem Stuhl Petri Platz genommen der - entweder als Idee oder als Gegenstand - gerade aus Antiochien (301) angekommen sei. Dieser Stuhl, den nach Aussagen maßgeblicher Katholiken, vor 360 kein Römer kannte, besaß angeblich magische Kräfte. Wer auf ihm Platz nahm, der regierte an Peters (Petrus) Stelle. Sie haben es doch vernommen: Damasus werde nicht erlauben, das Bruder Ursinus, dieser unverbesserliche Arianer ihm irgendwie im Wege steht. Er werde ihm eine Lektion in Sachen Disziplin und wahrer Religion erteilen. Bischof Ursinus hätte vor der Tür stehen und sie warnen sollen: Ich habe heute Nacht schlecht geträumt; dass er völlig ahnungslos war, scheint unwahrscheinlich. Aber, so waren sie nun einmal diese Arianer, sie vertrauten auf Gott, der sie, wie sie leichtfertigerweise meinten, nicht im Stich lassen würde. Die Arianer fürchteten zwar, doch noch wussten sie nicht, dass die Athanasianer, sobald ihrem angemaßten Vormachtsanspruch widersprochen wird, weder Gnade noch Recht kannten. Deshalb rückte  (um) acht Uhr morgens, Damasus mit seinem gottlosen Anhang heran. ... mit  (dem) gesamten Klerus, alle mit Beilen, Schwertern und Knitteln bewaffnet...“ (302) Unverschämtes Rumoren störte ihre Andacht. Das Pochen an ihrer Kirchentür lässt die Versammelten zusammenfahren. Die Mütter legten ahnungsvoll und fürsorglich, doch vergeblich die schützenden Arme um ihre Kinder. Ein Ältester hob die Hände zum Gebet, da krachte das Holz. „Sie werden doch nicht?“ Und ob, sie werden! Mit ihren Knüppeln und Äxten fuhren sie dazwischen.  „Wer nicht nicänisch glaubt ist kein Christ!“ Nüchtern resümiert der

Bericht: „während kein einziger Damasianer fällt erliegen 160 Ursinaner

(303)     dem    Angriff.    Ursinus    entkommt    mit     einigen    Freunden,

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(299)       Die Christen vor Konstantin kannten das Kreuz als christliches Symbol nicht. Erst das Konzil zu Ephesus 432, erklärte es dazu. Das Kruzifix kam erst nach dem achten Jahrhundert auf.  

(300)       K-P. Hertzsch, „Theologischen Lexikon", Union –Verlag, Berlin, 1977. S.13: „Es geht um das Sitzen um den Tisch. Wobei wieder deutlich wird, dass es in einer christlichen Kirche eigentlich keinen Altar geben kann, sondern nur einen Abendmahlstisch.“

(301)       Gabriel Rabo „Geschichte der Syrisch-Orthodoxen Kirche“, Uni Göttigen, 2006: „der Stuhl Petri zu Antiochien ist älter als der Stuhl Petri zu Rom.

(302)       Martin Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“, 1882, S. 14.                  (303) ebenda

wahrscheinlich durch einen Hinterausgang. Die anderen liegen in ihrem Blut, verstümmelt und leblos. In den vielen Gemeinden Großroms entschließen sich auf diese Schreckensnachricht hin, die Arianer zum Widerstand. Sie werden nicht zulassen, dass Barbaren ihre Frauen und

Kinder wegen eines frommen Vorwandes hinschlachten.

Noch liegen einige Tatsachen im Dunkel. „...es (kam jedoch) zu einem dreitägigen Blutvergießen (vgl. Coll. Avell. I, 5).“ (304) Kaiser Valentinianus I. wird zwar unterrichtet, doch ihn plagten andere Sorgen. Seine Präfekten werden es schon zu händeln wissen. Einzelheiten wurden vertuscht, das Resultat lautete: „Erst aufgrund der Unterstützung des Stadtpräfekten Viventius und des  praefectus  annonae Julianus  gelingt  es Damasus schließlich, die Oberhand  in Rom zu gewinnen.“ (305) Der erste näher bekannte Krieg der Athanasianer gegen Arianer muss gedauert haben. Wie viel Bestechungsgelder durch Damasus gezahlt wurden um, schlachtentscheidend, den Stadtpräfekten auf seine Seite zu ziehen wissen wir nicht. Bekannt ist dagegen. dass der wegen seiner ‚Verdienste’ bei der Bekämpfung der Arianer heilig gesprochene Damasus wenig später in Saus und Braus lebt und in kostspieligen Kutschen durch die Stadt reist. Zeitgenosse Hieronymus, Damasus späterer Sekretär, als Bibelübersetzer berühmt geworden, berichtet nur, dass „jener Heide Prätextat, der im Jahre 367 so energisch wider die Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen pflegte: „Macht mich zum Bischof der Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!... (Noch war ja das Gesetz zum Glaubenszwang nicht verabschiedet worden, noch durfte ein römischheidnischer Präfekt so reden und spötteln ohne Gefahr für sein Leben befürchten zu müssen. Zwanzig Jahre später hätte er das nicht mehr gewagt. G.Sk.) ...Im Munde des Prätextatus war das ein sehr bezeichnendes Wort, denn er war der erste und reichste Senator und seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und 152 000 Thaler unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der städtischen Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der römischen Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um die Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind, kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der königlichen Tafel zuvortun." (306)  ________________ 

(304)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz  

(305)   ebenda                                                                                                                    (306) M. Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag,  

Damasus aufwendiger Lebensstil unterschied sich nicht nur von dem der ersten Jünger, er widersprach den verbindlichen Weisungen die in der Urkirche galten: „Haltet euch fern von jedem Bruder, der ein unordentliches Leben führt... Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemanden unser Brot umsonst gegessen, wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen... als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentlichen Leben führen und alles Mögliche  treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbstverdientes Brot zu essen... wenn jemand auf unsere Mahnung in diesem Brief nicht hört, dann merkt ihn euch und meidet den Umgang mit ihm... weist ihn zurecht.“ (307) 

Damasus schätzte sich glücklich und nur darauf kam es ihm an. Offiziell heißt es weiter von ihm: „Damasus setzte sich durch mit Hilfe zweier Reskripte der Kaiser Valentinian I. und Gratian, die die römische

Disziplinargewalt anerkannten.  (308) Von Bedeutung ist die generelle Toleranzbereitschaft Kaiser Valentinians, der wahrscheinlich das Wesen des Streites unter Bischöfen nicht verstand und der beiden Hauptrichtungen wohl gesonnen war. Da Kaiser Gratian sich später auf die Ratschläge Ambrosius einlässt, ist es kein Wundern, dass er die römische „Disziplinargewalt anerkennt.“ Nicht wer die Wahrheit oder die menschlich bessere Lösung auf seiner Seite hat, sollte gewinnen, sondern wer die Staatsgewalt hinter sich bringen konnte.

Den anderen Bischöfen wird angesichts des Barbarismus dieses

Unheiligen, der Schreck in die Knochen gefahren sein. Sollte sein Beispiel

Schule machen? Zwei Jahre später „im Jahre 368, verursachte  (‚Papst’

Damasus) auch einen Überfall auf die Ursinaner in St. Agnes.“ (309)  

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(307) 2. Thess. 3: 6-13 .   

(308): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz:  Die Kaiser ordneten die „Mithilfe der staatlichen Beamten beim Vollzug kirchlicher Urteile an. Damasus bekämpfte den Arianismus... Ursinus wurde mit den beiden, ihn unterstützenden Diakonen aus Rom verbannt. ... die für ihn eintretenden Presbyter verhaftet. Weitere blutige Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Parteien in Rom lassen sich jedoch nicht vollständig unterdrücken. Nachdem sich die

Lage vorerst etwas beruhigt hat, können Ursinus und seine Anhänger nach Bitten beim Kaiser (Valentinianus I.) am 15. September 367 als Begnadigte triumphal nach Rom zurückkehren. Wenig später, am 16. November 367, erlässt der Stadtpräfekt jedoch erneut eine Ausweisungsorder

(309) Martin Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag, S. 29 

Wohin mochte solche Brachialgewalt noch führen? Um was ging es fortan? Man müsste annehmen, die ganze christliche Welt würde nun einhellig protestieren. Doch die betreffende Notiz lautet: „in dieser Zeit wird Damasus in der Epistula ad afros besonders wegen seiner Aktivitäten gegen arianische Bischöfe gefeiert.“ (310) Damasus hielt es für geraten, seinen Taten im Nachhinein wenigstens den Anstrich von Rechtmäßigkeit zu geben. „Marcellin und Faustin erzählen in ihrer Präfatio: ‚Diese schreckliche Grausamkeit (des Damasus) missfiel den Bischöfen Italiens allzu sehr. Als er sie nun zu seinem Geburtstag (dem Jahrestag seiner Amtserzwingung als Bischof) feierlich eingeladen hatte und einige auch wirklich gekommen waren (also diejenigen die sich noch als kompromissbereit erwiesen) bestürmte Damasus sie mit Bitten und Geschenken (Bestechungsversuchen) ein Urteil über den heiligen Ursinus zu fällen. Da antworteten sie: Wir sind zum Geburtstag gekommen, nicht um (jemand) ungehört zu verdammen. So hatte Damasus Intrige nicht den gewünschten Erfolg.“ (311) Macht begehrte er und Macht erlangte er. „Damasus wird mit kaiserlichem Einverständnis der Oberrichter der

Kirche...“ und obenauf kommt ein weiteres Privileg, das er wahrscheinlich Ambrosius zu verdanken hat: „Der römische Bischof soll (allein) dem persönlichen Gericht des Kaisers unterstehen.“ (312) Die quasi Immunität des ‚römischen Bischofs’ zu erwirken sollte sich als Missgriff des mächtigen Kaiserberaters Ambrosius, (374 getauft) erweisen, das beweist der Verlauf der Kirchengeschichte. Nicht nur Damasus, der ganzen Kirchenführung aller Zeiten, vor allem dem ‚kleinen Mann’  hätte es gut getan, gemäß dem Rechtsgrundsatz „Vor dem Gesetz sind alle gleich“ behandelt zu werden, wie Paulus lehrte „Ihr seid alle einer in Christus“ (313),  Ambrosius war geradezu besessen von der Idee, Rom sei der Nabel der Welt und die vom römischen Bischof geführte Kirche könne nicht sündigen. Wies sehr er irrte hat gerade auch Damasus Handeln bewiesen:  „Die Angabe des Pontificalbuches, dass man Damasus wegen Ehebruch verklagt habe, wird auf guter Tradition beruhen... doch der klagende Jude Isaak hatte keine Beweise. Er wird (von der Synode von 44 italienischen

Bischöfen) verwiesen, (sie) lobhudeln, preisen die Gerechtigkeit und

Frömmigkeit des Kaisers Gratian..., es trieft vor Ergebenheit.“ (314) 

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(310)   Annette von Stockhausen „Athanasius von Alexandria Epistula ad afros.“ Walter de Gruyter Uni Erlangen 2001 S. 186-187

(311)   ebenda S. 49  

(312)   Martin Rade, „Damasus, Bischof von Rom“, 1882, S. 31

(313)   Galater 3: 28                                                                                           

(314)   Martin Rade, „Damasus, Bischof von Rom“,1882, 

Dass es Damasus weder um den Glauben noch um die Menschen gegangen war, muss man als bedauerliche geschichtliche Tatsache hinnehmen, nicht unbedingt jedoch, dass dieser Mann als Heiliger Verehrung findet. Die römisch- katholische Kirche widmet ihm den 11. Dezember als seinen Gedenktag, ebenso die armenische Kirche. Seiner (ursinischen) Brüder gedachten nur die Nichtathanasianer. Ihr Schicksal kümmert viele bis zur Stunde nicht. Hieronymus, der von 382 bis 385, als Sekretär des Papstes

Damasus gearbeitet hatte, wusste wem er diente. Auch der neue Stil den Damasus als Briefeschreiber anschlägt, müsste ihm zumindest anmaßend vorgekommen sein, wenn nicht frech und falsch: „In den Verlautbarungen von Damasus... an die Adresse anderer Bischöfe fällt ein bis dahin ungewohnt autoritärer Ton auf. An die Stelle von Rat und Bitte traten jetzt häufig Weisung und Befehl... er schrieb: „dadurch, dass eure Liebe dem apostolischen Stuhl die schuldige Ehrerbietung erweist, ehrt ihr uns am meisten, geliebte Söhne, denn wenn wir auch besonders in der Kirche zur Leitung berufen sind, in welcher der heilige Apostel sitzend lehrte, wie wir das Steuerruder, das wir empfangen haben, lenken müssen, so gestehen wir doch dieser Ehre nicht würdig zu sein.“ (315) Was denkt Hieronymus, von alledem? Im  Jahr 365 oder 66, neunzehn Jahre alt, vor den Straßenschlachten, die sein späterer Arbeitgeber provozierte, ließ er sich in Rom taufen. (316) Dann geht er nach Trier um seine Studien fortzusetzen, unterstützt von seinen wohlhabenden Eltern – oder war es Flucht vor den Gräueltaten des Mannes der ihm irgendwann danach eine einträgliche Stellung anbietet? Während dem flieht auch Ursinus, der von Damasus verfluchte Bischof (angeblich als Gegenpapst) im selben Jahr nach Gallien und später nach Mailand. Dort „in Mailand sucht er die Gemeinschaft der

Arianer.“ (317)  

Hieronymus der bewundernswert fähige Übersetzer der Bibel aus den Urtexten Hebräisch und Griechisch ins Lateinische (Vulgata) „beherrschte sieben Sprachen.“ (318) Lange Zeit hielt er sich zurück. Es heißt nur, von ihm sei, „mehr als ein bitteres Wort über die römische Kirche überliefert worden“ (319) Schwieg er zum Thema päpstliche Gewalt, weil der reiche

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(315)   Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“ Vandenhoeck&Ruprecht, 1993, S.19

(316)   Stefan Rebenich,  „Hieronymus und sein Kreis“ Franz- Steiner-Verlag, Stuttgart,

2 000, S. 29 : es gibt Hinweise, „dass Hieronymus unter dem Episkopat des Liberius, d.h. vor 366 getauft worden sei. 

(317)   M. Rade, „Damasus, Bischof von Rom“ 1882, Mohr-Siebeck Verlag, S.49

(318)   Ökumenisches Heiligenlexikon                                                                              

(319)   G. Haendler „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200“ Vandenhoeck&Ruprecht, 1993, S.134

Kirchengewaltige ihn förderte?  Wollte Hieronymus etwa selbst Papst werden?  Er diente dem ‚Papst’ jedenfalls bis dessen Tod. Die Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland weiß zu berichten: „Nach dem Tode des heiligen Damasus am 11. Dezember 384 wurde der heilige Hieronymus nicht zu dessen Nachfolger gewählt, wie er es vielleicht erwartet hatte. Zu heftig war seine Kritik an der Verweltlichung des römischen Klerus gewesen.“ (320)  Vielleicht gingen seine frühen Damasus-kritiken verloren, wie das damals üblich wurde, wenn sie nicht ins Bild passten. Dennoch war er ein Opportunist, denn „er hatte von Origenes gelernt“, den er ... „später in seinen Werken verleugnete und kritisierte.“ (321) Dieser Trend des Hieronymus ist nicht zu leugnen. „Wohl ab 393 bekämpfte der heilige Hieronymus die Theologie des Origenes mündlich und schriftlich, da er sie durch den greisen Bischof Epiphanius von Salamis als Irrlehre erkannt hatte“ (322) Allerdings erhebt sich die Frage: war Hieronymus unfähig oder unwillig zwischen Intrigantentum und Streben nach Wahrhaftigkeit zu unterscheiden? Sich an und nach Epiphanius auszurichten war und ist wohl kaum zu empfehlen. Die Forschung lässt jedenfalls im Wesen und in den Ansichten des sonderbaren Heiligen Epiphanius nur wenig Gutes erkennen. Dieser Mann „Epiphanius ließ 392 die meisten paganen Tempel Zyperns zerstören.“ (323) Epiphanius, der Zerstörer von Heiligtümern, der oft gelobte Metropolit Zyperns gehörte zu den entschiedensten Konstantinianern (Nicäern) überhaupt – obwohl er nie Origenes Präexistenzlehre in Frage stellte. Aber er hasste die Tugendlehre und Freiheitslehre des Origenes. und deshalb ist er darauf versessen das Glaubensgebäude der Origenisten  und derer die ähnlich dachten, zu zerschmettern; straflos, zunächst. Epiphanius operierte gewollt brutal. Die hellenische Welt klagt ihn scharf an: „Epiphanius …verfolgte  __________________  

(320)   Internet-Information am 20. Februar 2010                                                                 

(321)   Ökumenisches Heiligenlexikon                                                                                                                        

(322)   Die Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland: „...Bischof Epiphanius von Salamis (habe den Origenismus) als Irrlehre erkannt hatte. Darüber kam es zum Streit mit seinem ebenfalls in Palästina lebenden, langjährigen Freund Rufinus und mit Johannes, dem Bischof Jerusalems (386 / 387 - 417), dem Nachfolger des heiligen

Cyrill (18.3.). Vorläufig wurde dieser Streit durch den Patriarchen Theophilus von Alexandria (385 - 412) 397 beigelegt, doch dann begab sich Rufinus nach Westen, von wo aus er die origenistische Theologie mittels seiner lateinischen Übersetzung zu verbreiten begann. Der Streit flammte erneut auf und erfasste selbst den heiligen Johannes Chrysostomos (27.1.) in Konstantinopel. Die Theologie des Origenes aber wurde endgültig 553 durch das fünfte ökumenische Konzil zu Konstantinopel als

Irrlehre verurteilt.“      

(323)   Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“ Athen 2 000  

 

tausende Menschen paganen Glaubens.“ (324) Jesu Christi Lehre, Freund und Feind Respekt zu erweisen, verlor sich im Dschungel des Fanatismus. Origenes, der das allseitige Gutsein verlangte, hatte zu verschwinden, zumal er die Unantastbarkeit des freien Willens jedermanns auch mit diesen Worten lehrte: „Erst ... in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“ (325) Im berühmten Dialog des Syrers Bardesanus, um 200 aufgezeichnet, heißt es ganz im Sinne der Urkirche und Origenes: „alles sittliche Handeln erfolgt durch die Entscheidung des Willens zum Gutsein oder zum Bösen. Der Mensch kann sich von allem Schicksalszwang lösen und die Freiheit gewinnen, Gottes guten Geboten zu folgen, die dem Wesen des Menschen entsprechen und von ihm freudig ergriffen werden.“ (326)  

 

Auch die nächstgenannten Autoritäten bewerten den von den Hellenen getadelten und von Benedikt XVI. gelobten (327) Epiphanius negativ, wenn auch unterschiedlich. 

Der Altsemistist Kurt Rudolph urteilt: „Epiphanius gilt als einer der eifrigsten Verfechter der Orthodoxie seiner Zeit und hat in den theologischen Streitigkeiten wiederholt eine wenig schöne Rolle gespielt. Er ist es gewesen, der den Kampf gegen den Origenismus erst richtig  entfachte... er ist der „Patriarch der Orthodoxie“... alle Häretiker (bezeichnet er)  als  wilde  und  giftige  Tiere,  deren  Gift  die  Reinheit  des  Glaubens gefährdet... Seine Sucht, möglichst viele Sekten und Sektennamen anzuführen, ließ ihn völlig unkritisch bei der Behandlung der

Fakten verfahren und verleitete ihn sogar zu Erfindungen und

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(324)    Vlassis G. Rassias, “Christian Persecution against the Hellenes“ Athen 2 000       

(325)    H.. Benjamnins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes.“

E.J.                           Brill,                           1994,                           S.                           13                                       

(326)    Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ de Gruyter 1999. S. 267 u 568

(327)    Ansprache von Papst Benedikt XVI. am 16. Juni 2007: „Als guter Hirte zeigt

Epiphanius (von Zypern G.Sk.) der ihm von Christus anvertrauten Herde die Wahrheiten, die zu glauben sind, den Weg, der zu gehen ist, und die Klippen, die zu meiden sind. Das ist eine Methode, die auch heute für die Verkündigung des Evangeliums gilt, besonders bei den jungen Generationen, die stark unter dem Einfluß von Denkströmungen stehen, die dem Geist des Evangeliums widersprechen. Die Kirche findet sich heute, am Anfang des 3. Jahrtausends, vor Herausforderungen und Probleme gestellt, die sich von denen, die Epiphanius vorfand, nicht sehr unterscheiden. So wie damals gilt es auch heute, aufmerksam zu wachen und das Volk Gottes vor falschen Propheten, vor Irrlehren und vor der Oberflächlichkeit von Angeboten zu warnen, die nicht der Lehre des göttlichen Meisters, unseres einzigen Erlösers, entsprechen.“  

unwahrscheinlichen Angaben... (das) wirft kein gutes Licht auf ihn. Für Epiphanius sind alle Häretiker, „ruhmsüchtig“, „eitel“ und „schlechtgesinnt“, ihr Abfall von der reinen apostolisch- kirchlichen Lehre verdammt sie zum Untergang... Stellenweise scheint er der Phantasie dabei die Zügel schießen zu lassen und der Lüsternheit zu frönen... hier liegen offenbar... böswillige Verleumdungen vor.“ (328) 

 

Die Folgen einer Verleumdung sind selten aufzuhalten, ihr Gift vermag den besten zu töten. Nachdem später das Wort von den brunnenvergiftenden Juden in die Köpfe der Leichtgläubigen gefallen war, wirkte es sich auf den Straßen bald als üble Judenjagd aus. 

Der Übersetzer Josef Herman bekräftigt Rudolphs Urteil: „Im Jahr 392 blieb es leider nicht beim sachlichen Kampfe; (den Epiphanius führte) es wurde ein persönliches Streiten mit allen Bitterkeiten ein unschöner Zwist, der die klaren Linien der Meinungen und Charaktere verzerrte.... Epiphanius sah im Origenismus die gefährlichste aller Häresien. Nicht die Ewigkeit der Schöpfung, nicht die Präexistenz der Seelen und nicht die allgemeine Apokatastasis oder die allegorische Auslegung gewisser Schrifttexte bildeten den größten Stein des Anstoßes, sondern ganz besonders    die     Anklage: der     Origenismus          sei     durch seine subordinatianische Logoslehre der geistige Vater des Arianismus geworden.  (329)  

Wieder ist es ein Hinweis auf den Kern des Problems. Arius und sein

Anhang gelten den Primitiven als Sündenböcke, die zu prügeln jedem ‚Athanasius-Christen’ eine Ehre sein soll. Die hier wieder erwähnte Lehre der Urkirche, - wie sie durch Origenes und Arius vertreten wurde, - (dass der Vater eine andere Person als der Sohn ist,) sei ketzerische subordinatorische Logoslehre; man habe sie, wie die Pest, zu hassen und zu bekämpfen. Man könnte sagen und fragen: Wegen solcher Kleinigkeit - unterschiedlich zu bewerten in welchem Grade der Sohn, der ohnehin dem Vater die Ehre gab (330) unter der liebevollen Hand seines Vaters steht schlagt ihr eure Brüder? Aber für Fanatiker gibt es keine Kleinigkeiten. Unter dem Oberbegriff Athanasianismus gewann so der Ungeist der Rechthaberei immer mehr an Einfluss. Eremiten in ihre grauen und braunen Gewänder gekleidet, schürten bereits zu Epiphanius Zeiten _______________ 

(328)   Kurt Rudolph „Die Gnosis“ Koehler & Amelang, Leipzig, 1977, S. 23-24, 258

(329)   Josef Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidikomarianten“ Kempten, München

1919, Übersetzer aus dem Griechischen                                                                             

(330)   Joh. 8: 28 „Ihr werdet erkennen, dass ich nichts in meinem eigenen Namen tue, sondern nur das sage, was mich der Vater gelehrt hat.“

(um 390) die ohnehin erhitzte Stimmung. Langbärtig und ungepflegt fallen sie als Vorhut der eigentlichen Streitmacht über das Land her. Sie stürmten mit Brechstangen voran und zerschlugen alles was ihnen satanisch vorkam. Die verstümmelten Gesichter auf den Reliefs des heute in Berlin stehenden Pergamonaltars sind nicht das Resultat christlichen Glaubens, auch wenn eine Berufung auf einen Satz in der Offenbarung Johannes darauf verweist, dass in Pergamon der Sitz Satans stünde. (331) sondern die blinde  Wut der Konstantingläubigen.

 

Ebenso wenig wie wir imstande sind zu begreifen, warum die Massen Hitler zujubelten obwohl er grob, dumm und offen von seinen unmenschlichen Zielen sprach, sind wir ausserstande das von Damasus und Epiphanius initiierte Treiben zu verstehen. Wenigstens die Intellektuellen hätten damals wie in junger Vergangenheit die Unvernünftigen abblitzen lassen müssen. Kaum eine Spur davon, von wenigen Mutigen abgesehen. Immer wieder ist es dieses Muster von Verbohrtheit, das uns auffällt. Es ist der fatale Hang vieler sich fast bedingungslos einem Starken und Mächtigen unterwerfen zu wollen. Vernunft und Nachdenklichkeit verblassen vor jemandem der schon vor der Schlacht wie der Sieger aussieht. 

Die sogenannten „Deutschen Christen“ unter Führung des Reichsbischofs Müller, schworen dem Verführer Hitler, obwohl er primitiv und bösartig auftrat, die Treue, nicht weil sie blind waren, sondern weil sie nicht sehen wollten. „Der Vertrauensrat der Deutschen Evangelischen Kirche gab gegenüber Hitler der Hoffnung Ausdruck, ‚dass in ganz Europa unter Ihrer Führung eine neue Ordnung erstehe und aller inneren Zersetzung, aller

Beschmutzung des Heiligsten, aller Schändung der Gewissensfreiheit ein

Ende gemacht werde’ ... Verschwörer gegen Hitler wie Dietrich Bonhoeffer und Jesuitenpater Alfred Delp blieben Außenseiter, die man bewusst isolierte.“ (332)  

Jedem Normalbürger müssten die Haare zu Berge gestanden haben, als die Judenverhaftungen in Deutschland begannen, doch: „Weder die evangelischen noch die katholischen Kirchenleitungen konnten sich aufraffen, offen für die verfolgten Juden einzutreten. Die Kirchen selbst waren von einem latenten Antisemitismus durchsetzt. Nur dort, wo die eigene Sicherheit und Macht auf dem Spiel standen, traten die Kirchen dem NSStaat entgegen…das Schicksal jüdischer Minoritäten war demgegenüber zweitrangig. Unter den Christen gab es etwa 300 000 Juden als

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(331) 2: 13                                                                                                                         (332) Pfarrer Hartwig Weber Jugendlexikon „Religion“ rororo, Rowohlt 1988,  S. 330

Gemeindemitglieder. 1933 standen 29 Juden in kirchlichem Dienst…1941 forderte die Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche die Kirchenbehörden dazu auf, „geeignete Vorkehrungen zu treffen, dass die getauften Nicht-Arier dem kirchlichen Leben der deutschen Gemeinden fernbleiben…“ (333) und sie blieben schließlich sehr fern. 

Weil Epiphanius ähnlich unbrüderlich handelte, erhielt er von seinen Gesinnungsgenossen den Titel ‚Rechtgläubiger’ oder ‚Orthodoxer’ - obwohl es zutreffender wäre ihn als den Prototyp der Rechtsradikalen zu bezeichnen. Scheinbar unangefochten steht er heute noch in Ehren. Das Kloster Gracanica im Kosovo zeigt ihn mit Heiligenschein und einem Gewand, das mit Konstantinkreuzen XXX bedeckt ist.

 

Zur Zeit des blutigen Sieges des Damasus wirkte in Mailand der damals knapp noch nicht getaufte 30 jährige Ambrosius zunächst nur verwaltungspolitisch. Er wird jedoch von dem berühmten Flüchtling Ursinus gehört haben, der Damasus entkommen konnte.

Vierundreißigjährig wurde Ambrosius durch Kaiser Valentinian I. (dem Ehemann seiner späteren Erzfeindin Justina) zum Statthalter von Ligurien ernannt. Noch sind die arianischen Glaubensgenossen des seit Herbst 366 flüchtigen Ursinus bis zum Jahr 374 und auch danach noch in Mailand stark vertreten. Das allerdings sollte sich bald ändern. Noch ahnte Ambrosius nicht, dass er der Verursacher großer Veränderungen und des namenloses Leids zehntausender Arianer sein wird. 

Er wird wegen seiner künftigen Wahl und Entscheidung zugunsten der ‚orthodoxen’ Christen, die gesamte römische Welt in die Tiefen der Unkultur stürzen. Er wird das Aussehen der antiken Welt völlig verändern und schließlich zerstören. Noch allerdings sagte ihm die Kirche nicht viel, obwohl er schon an einigen  Unterweisungen teilgenommen hatte. Das Gezänke zwischen den beiden Christengruppen missfiel dem

Ordnungsmenschen, natürlich. Er „...war erst kurze Zeit Statthalter von

Oberitalien mit dem Sitz in Mailand, als 374 der dortige arianische Bischof Auxentius starb. Er eilte in die Kirche, um den anlässlich der Bischofswahl heftig entbrannten Streit der Arianer und Orthodoxen zu schlichten, war aber völlig überrascht als er nun von den beiden Parteien zum Bischof gewählt wurde, obwohl er widersprach und noch

Katechumene, also noch nicht getauft, war....“ (334) Ambrosius sah die sich öffnende Tür vielleicht erstaunt, erkannte jedoch, dass er selbst mit der

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(333)   Pfarrer Hartwig Weber Jugendlexikon „Religion“ rororo, Rowohlt 1988,  S. 49

(334)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz  

Kirche an Bedeutung zumehmen wird. Wie Konstantin erkannte er zugleich die Notwendigkeit, diese Kirche zur Einheit zu führen, - und sei es mit Gewalt. Wie Konstantin in Nicäa, erschien ihm die athanasianische Variante der Kirche als die geeignetere, um Reich und Glauben zu vereinen. Nachkomme eines der ältesten Adelsgeschlechter Roms, ein fähiger Machtmensch, ehrgeizig, geradlinig denkend, sollte und wollte er lebenslänglich bleiben, was er zu Beginn seiner ‚christlichen’ Laufbahn war: ein kalter, eloquenter und konsequenter Weichensteller.  Die lapidare Notiz: „Ambrosius ließ sich von einem orthodoxen Bischof 30.11. 374 taufen und 7.12. zum Bischof weihen...“ (335 ) hört sich nur harmlos an.

Wahrscheinlich glaubte er zu Beginn an die Möglichkeit eine Kompromissformel finden zu können. Das jedoch war in der Vergangenheit nicht gelungen, es sollte sich auch in der Zukunft als unmöglich erweisen. Die Arianer ließen in allem mit sich reden, in der Frage, wer Gott ist, beharrten sie darauf, einen Gott den man sich nicht vorstellen kann, den gibt es nicht. War das Starrsinn? Auch weil er sich über Justina, die in Mailand wohnende Ehefrau Kaiser Valentinians ärgerte, die bekennende Arianerin war, legte Ambrosius bald eine härtere Gangart vor. Wie Konstantin kannte er nur einen Gott, nicht eine aus drei Persönlichkeiten bestehende Gottheit. Und noch etwas kam zu erheblicher Bedeutung: sein Gott war milde und gut, - zu den Orthodoxen - die sturen Arianer ärgerten ihn.

Doch noch lässt der brillante Staatsrechtler, Politiker und Athanasianer nicht seine Wut an den (bald durch ihn zu Staatsfeinden erklärten) Arianern aus. Er hatte stets Roms Größe vor Augen, dachte von Anfang an: was dem Staat dient, dient auch der Kirche und umgekehrt. Für ihn gab es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Strukturen und Zielen beider. Von ihm stammt der deutlich gegen Geist und Buchstaben der Grundsätze Christi zielende Satz: „Wer den Glauben (d.h. das nicänische Bekenntnis) verletzt, bleibt nicht ungestraft.“  (336)

Er redet auch schon bald so, wie Konstantin. Jede Verkündung aus seinem Mund sei wie ein Gotteswort.

Er ist der geborene Sieger. Elitär denkend beanspruchte er für sich und die ‚Sache’ von Anfang an Sonderechte. Es ist das willkürlich zu Recht erklärte Unrecht, das er in die Welt setzen wird, denn Jesu umfassende ____________________ 

(335) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz   (336) Günther Gottlieb, Vandenhoek & Ruprecht, 1973 „Ambrosius von Mailand und

Kaiser Gratian“                              Freiheitsidee die niemanden ausschloss, blieb ihm zeitlebens wesensfremd. Andersdenkenden Christen und den Paganen aller Spielarten gestand er ein Individualrecht, wie sich erweisen sollte, entschieden nicht zu. Als Jurist von Format setzte er voraus, dass „Rechtgläubigkeit“ die „Nicht- Rechtgläubigkeit“ nicht zulassen darf..., aber ihm scheint nicht klar gewesen zu sein, dass solche Einstellung zum Terrorismus führen muss. Erinnern wir uns: Jesus hatte gegen jedes machtpolitische Kalkül ein für allemal verkündet, was sein Evangelium ist: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!... Gott hat mich gesandt ...den Gefangenen zu predigen, damit sie frei werden, ... ” (337)  

 

Da wurde das römische Reich, im Sommer 378, heftiger als je zuvor von den Goten bedrängt. Seit einigen Jahren auf der Flucht versuchten im Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres lebende germanische Stämme sich vor den absolut rücksichtslosen und besser bewaffneten Hunnen südlich der Donau in Sicherheit zu bringen. Damit beginnt jene Völkerwanderung, die auf Europa befruchtend hätte einwirken können, denn wo es Goten gab gedieh, ihrer toleranten Grundhaltung wegen die Kultur. Die in Panik gestürzten Flüchtlinge sahen keine Möglichkeit auszuweichen. So versuchten sie im römischen Reich Schutz zu finden. 

Kaiser Valens, dem arianischen Glauben nahe, erlaubte ihen zuerst die Donau zu überschreiten, denn viele Goten hatten das Christentum der arianischen Richtung akzeptiert. Zumal die Goten gemeinsam mit den Legionen ihre neue Heimat verteidigen wollten. 

 

„Mit Kähnen kamen sie über die Donau... die Goten sollten (allerdings)  für ihre Aufnahme ins Reich bezahlen, zu viel, (was sie nicht leisten konnten) so nahmen die Kommandeure die Kinder der Goten. Darüber kam es (378)  zum Kampf ... und in der Schlacht bei Adrianopel in der Kaiser Valens fiel, siegten die Goten ...“ (338)  

Dass die römischen Kommandeure, die im allgemeinen die Kampfkraft der Germanen schätzten, ihren neuen Verbündeten, wie behauptet wird, die Lebensmittellieferungen sperrten, oder ihnen die Kinder wegnahmen macht keinen Sinn. Angeblich ihrer Kinder wegen oder aus Hunger eine Revolte anzuzetteln konnte die Goten nur in neue Gefahren bringen. Valens habe die gotische Empörung niederschlagen wollen. So marschierten sie gegeneinander, aber warum wirklich?

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(337)    Johannes 18: 36 und Lukas 4: 18

(338)    Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“ 

 

Gemeinsam mit Valens dem Kaiser im Osten sollte Gratian die Goten zurückschlagen, um sie aus dem Balkangebiet zu verdrängen, doch die Umstände hinderten Gratian daran Valens rechtzeitig  die zugesagte Hilfe zu leisten während Valens die Schlacht von Adrianopel verlor. Daraus sollte mehr als eine unglücklich verlaufene Schlacht werden, nämlich ein verlorener Krieg.

Der Tod Kaiser Valens, der jüngere Bruder Valentinians I. (der wiederum ein Halbbruder Kaiser Gratians war) in der Schlacht von Adrianopel, kam den Athanasianern sehr gelegen. Nun war der Weg frei für Gratian den 19jährigen, als Gesamtkaiser, der unter Ambrosius Aufsicht stand.

Alle Umstände deuten auf Absprachen hin. 

Gratian wünschte Frieden zu schließen.

Ambrosius sagte nein!

Er behauptete, die Goten seien Gottesfeinde. Er war Gratian an innerer

Autorität und Intelligenz überlegen. Er warnte ihn eindringlich,  viele der Goten seien zwar getauft, aber damit auf den falschen Glauben verpflichtet, sie seien nur ‚christusfeindliche’ Lippenbekenner. Sie seien Feinde Roms. Ambrosius stemmte sich mit seiner kompletten Ideologie gegen eine friedliche Lösung des Problems Er wünschte nicht zu denken, dass viele dieser Goten, seine Brüder waren, Antinicäer sind keine Christen. Durch Wulfila, den berühmten Gotenbischof zum Arianismus bekehrt, mussten sie nach Ambrosius Vorstellungen unbedingt durch Gratians Armee geschlagen werden, wenn die Einheit des Reiches Bestand haben sollte: Kaiser Gratian stand vor dem Ausbruch des für ihn ersten Krieges, vor vielen Fragen. Innerhalb seines Hoheitsgebietes lebten zahlreiche nichtgotische Arianer. Wie werden diese Kräfte im Kriegsfall reagieren und warum waren die beiden Christengruppen überhaupt tödlich verfeindet? Und wie hatte er die zwiespältige Haltung seines Ratgebers einzuordnen? Er bedurfte wirklich des Rates. Ambrosius der wegen und mit seiner geschickten Argumentation und Politik berühmt geworden war, wollte und sollte ihm das plausibel machen. Gratian neigte von sich aus zur Toleranz, die ihm sein Vater Valentinian I. angeraten und vorgelebt hatte.

Natürlich, dieser eminent kluge Ambrosius von Mailand hatte in Manchem Recht. Er solle ihm diese Unstimmigkeiten der Situationen sowie die offenen Fragen ausräumen und ihm den richtigen christlichen Glauben erläutern. Hatte er, Gratian, doch in Sirmium gerade erst sein Gesetz zur „Freiheit aller Glaubensrichtungen“ (339) veröffentlicht. Warum wollten sich die Frommen nicht daran halten?

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(339) Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“, S. 29

Und so schrieb Ambrosius in diesem kritischen Sommer 378 alles auf eine Karte setzend, für Gratian zwei Bücher („De fide“) Klipp und klar heißt es da: „Die Arianer (Italiens und die Goten G.Sk.) haben sich gegen die Kirche Gottes verschworen!“ (340)   Er malte Schwarz-Weiß, er entmischte nicht. Untrennbar gehörten für ihn Staat und Kirche zusammen.  

Dem jungen Kaiser suggerierte er: „der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) mehr als die Tapferkeit der Soldaten den Sieg...Ambrosius behauptete: „Jesus Christus soll das römische Heer führen!“(341)  Das klang genau so als hätte er verkündet „Jesus Christus werde das römische Heer führen“.

Welches Bild! Auch Feldherr Hindenburg stellte sich eintausendfünfhundert Jahre später den lieben Gott als auf einer Wolke sitzend vor, der den deutschen Truppen huldvoll zulächelt, während diese die Söhne und zukünftigen Ehemänner russischer Frauen, allesamt, die einen wie die anderen Christen, in die tödlich-tückischen masurischen Sümpfe treiben. (342) Ambrosius hätte wissen müssen, mit Jesus dem Fürsten des Friedens und seiner Lehre der Versöhnung hatte das ganze Treiben nichts zu tun. Reiner Konstantinismus war das. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Goten sich auf den Namen Jesu Christi hatten taufen lassen, was einer Verpflichtung auf seine Lehre von der Rechtschaffenheit gleichkam, wäre er zwingend dazu verpflichtet gewesen angemessene diplomatische Schritte einzuleiten. Schließlich wünschten die Goten nur Sicherheit für ihre Familien. Seitdem die Asiaten den Reflexbogen als Waffe erfunden hatten, war ihnen kein europäisches Heer mehr gewachsen. Gratian ließ sich überzeugen, gegen seine Bedenken zu handeln und daran ist zu ermessen, wie sehr Ambrosius dem jungen Verantwortung tragenden Mann geistig überlegen war. Es hieß nur: fortan „wies er die Arianer ab und folgte Ambrosius.“ (344)    

Ambrosius wusste was Gratian tun muss und er hatte dabei als entscheidende Autorität die Bibel aufgerufen: „Der Kaiser soll gerüstet mit dem Schwert des Glaubens, dem Sieg entgegen ziehen... der Krieg _______________ 

(340)   Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“, S. 21     

(341)   ebenda, S. 15,   

(342)   Theo 29 dor Lessing, „Hindenburg“: „dieser alte Mann glaubt Wort für Wort alles, was er da sagt: da ist kein unlauterer Klang. Das glaubt er allen Ernstes: nach dem Tode kommt er zu Gott; sitzt auf einer Wolke; betrachtet sich von bevorzugtem

Sitze aus Deutschland und segnet meine siegreichen Jungen“ 

Belesen war er nicht, das muss dem Christen Paul von Hindenburg jemand so in etwa gepredigt haben. Bilder dieser Art, in skurriler Weise antitrinitarisch, sind in Spanien zu besichtigen. 

(343)   Leopold von Ranke „Werk und Nachlass“ S. 29 Fußnote 

gegen die Goten und der Sieg über sie seien von Hesekiel geweissagt worden. Die Goten sind Gog, von denen der Prophet (Hesekiel) schreibt, dass er mit Gottes Hilfe vernichtet werde. Es ist nicht zweifelhaft, dass die ‚catholici’ welche die Strafe für den Unglauben anderer ertragen haben, bei Gratian Hilfe für den rechten Glauben finden. Der Glaube an Gott und die Treue zum imperium Romanum können nicht voneinander geschieden werden...(die Goten) die ‚Häretiker’ sind die ‚antichristi’; diese Häresie sammelt ihr Gift aus allen anderen Häresien.“ (344)  

Ambrosius hatte verlangt der Kaiser müsse sich ganz den militärischen Aktionen widmen „und daran denken die Siegeszeichen aufzurichten... so wollte Ambrosius „den Kaiser für seine kirchenpolitischen Ziele gewinnen und den Gegnern der (katholischen Kirche) den Kampf ansagen.“ (345)  Diese Siegeszeichen hatte Victoria bereits Konstantin gegeben. Es stellt sich erneut die Frage, wann die Christen aufhören werden, das sogenannte Christusmonogramm       der     von    Victoria        verführten    Kaiser als „Siegeszeichen“ (der ecclesia triumphans) und damit als christliches Symbol zu betrachten.

Gratian hätte bei seiner ursprünglichen Gesinnung bleiben sollen. Das wäre, für das kriegsmüde Volk dies- und jenseits der römischen Grenzen der bessere Weg gewesen, Der Staat hat sich, erst recht nach Jesu Worten (346)  aus innerkirchlichen Angelegenheiten herauszuhalten, wie die Kirche aus den machtpolitischen Anliegen des Staates, sonst handeln auch die Menschen die in seiner Nachfolge stehen, aus Klugheit und Berechnung und nicht aus innerer Überzeugung. Demgegenüber  ist Christi Religion darauf ausgerichtet staatsübergreifend Frieden und Harmonie zu stiften, (347) etwas, dass bei einer unseligen Verbindung der Kirche mit dem jeweiligen Thron und seinen nach Vormacht süchtigen Inhabern und Interessen nicht mehr zu leisten ist. Der Staat wirkt von außen nach innen,

(echte) Religion von innen nach außen. Die Katastrophen und Ungerechtigkeiten jagten nun einander, während gemäß der Botschaft der

Bibel „der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist“. Diese Aussagen teilte  

Habakuk gemeinsam mit den Propheten Israels. Sie forderten die __________________  

(344)    Günther Gottlieb  „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“ S. 13 (320) Piusbruderschaft St. Pius X. Distrikt Deutschland, 2010                

(345)    G. Gottlieb, „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“ V. & Ruprecht, 1973 S.19  Sie unterlagen, obwohl sie Konstantins Siegeszeichen aufgerichtet hatten. 

(346)    „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.“

(347)    Galater 3: 28 . „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und

Freie...ihr alle seid einer in Christus...“ Das ist ja gerade das Ziel, die eigensüchtigen  Interessen hinter das Allgemeinwohl zurück zu setzen. Joh. 14: 27 „Ich gebe euch Frieden... nicht einen Frieden wie die Welt ihn gibt ...

Rechtschaffenheit – die Schaffung von neuem Recht, indem es mit dem alten in Harmonie bleibt. (348)  Es ist nun einmal ein Gesetz des Himmels, dass alles Neue wenn es siegreich sein will, auf dem Boden des Bewährten stehen muss. Die Unrechtschaffenheit dagegen bringt den nächsten Krieg hervor. Man fragt sich, warum Ambrosius nach der Katastrophe von 378 und  nach dem Tod Gratians, seinen Einfluss bei den römischen Offizieren, dem Heer und vor Theodosius I. (der schon kurz nach dem Desaster, im Januar 379 von Gratian zum Augustus erhoben worden war) nicht verlor. Das war doch in ihren Kreisen nicht vergessen, dass er die nicht erfolgreichen militärischen Parolen gegeben hatte: „der (richtige) Glaube des Herrschers (gewährleiste) den Sieg.“ und: „Jesus Christus soll das römische Heer führen!“ Mit seinem Buch „de fide“ hatte Ambrosius die Legionen in die Kämpfe hinein gehetzt, dann da sprach er: „mit Gewissheit von den zu erwartenden Erfolgen des Kaisers gegen die Goten...“ und er sprach von den „Strafen welche die Gegner des Glaubens und des römischen Imperiums treffen werde...“ (349) Entgegen der Prophezeiungen Ambrosius „bot das römische Heer keinen Widerstand mehr... überall zogen die Goten ... durch das Land... bis an die Grenze Italiens herrschten sie nach Belieben.“ (350)  Alles wankte, Ambrosius stand. Noch blieb ihm ja Italien. Wie ein leichtfertiger Kaiser zog er nicht die Konsequenzen, sondern konnte mit diesen Niederlagen leben.  Er konnte seine Macht nach innen sogar noch ausbauen, weil die Goten mit dem Erreichten wider Erwarten zufrieden waren und ihren Arianismus nirgendwo mit Gewalt durchsetzen wollten. Ambrosius vermochte es gar nach Gratians frühem Tod , 383, (er soll auf  der Flucht vor dem Rebellen Magnus Maximus, von unbekannter Hand  erschlagen worden sein) Kaiser Theodosius I. zu überzeugen, dass nun erst recht strenge Maßregeln gegen Arianer und andere Nichtkatholiken ergriffen werden müssten. Offiziell und wie selbstverständlich  heißt es: „Ambrosius ‚überwand’ den Arianismus …durch die Synode zu Sirmium, auf der er 6 Arianer verurteilen ließ, und 381 durch die Synode zu Aquileja, die den der arianischen Häresie angeklagten illyrischen Bischof Palladius samt seinem Presbyter

Secundinus schuldig sprach und absetzte.“ (351) 

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(348)       Jesaja 32: 17; u. Vers 5  „das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer...Der Dummkopf wird nicht mehr edel genannt, und der Schurke wird nicht mehr für vornehm gehalten.“ Dieser Satz steht im Kontext desselben Kapitels, mit den auf Jesus zielenden

Eingangsvers: „Ein König wird kommen, der gerecht regiert...“

(349)       Günther Gottlieb  „Ambrosius von Mailand und Kaiser Gratian“ S. 15  (350) ebenda S. 16 

(351) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

Ambrosius hatte nur noch einen ernst zu nehmenden Gegner, Justina. Seit seiner Taufe 374 stand die überzeugte Arianerin und Kaisergattin gegen ihn. Der vermutlich katholische Bearbeiter der Eintragung im Kirchenlexikon, lobt, Ambrosius  sei „tapfer“ aufgetreten und er habe „mit der orthodoxen Bevölkerung dem Befehl, (Justinas) Kirchen an die Arianer auszuliefern, erfolgreich Widerstand geleistet.“ (352) 

Damals lebte sie noch unter dem Schutz ihres Mannes, Kaiser Valentinians

I. (der ein Jahr später, 375, starb) Danach hatte sie nicht die Spur einer Chance sich gegen den mächtigen Kaiser’berater’ durchzusetzen, zudem war sie tolerant wie ihr Ehemann. Justina erzog ihren Sohn Valentinian II. der als vierjähriger Kaiser Roms wurde, natürlich in ihrem Sinne. Sieben Jahre lang widerstand Justina ihm. „Sie war verärgert, weil Ambrosius (drei Jahre nachdem Tod ihres Gatten)  um 379 ihre Bemühungen vereitelte

...einen Arianer auf den Stuhl zu Sirmium zu befördern“(353) 

Ambrosius muss sie permanent genervt haben. Was nahm sich dieser

Emporkömmling gegen sie heraus. Sechs Jahre später 385 „verweigert

Ambrosius Justina die Erfüllung ihres Wunsches den Arianern Mailands 2

Kirchen zu überlassen.“ (354) Das war zuviel für die Kaiserwitwe. In der Osterwoche dieses Jahres kommt es zu tumultuarischen Szenen. Soldaten umzingeln die Basilica Porciana, die Kirche der Athanasianer. Justina, nicht Ambrosius, muss der Gewalt weichen. Das sie sich nicht durchsetzen konnte ist leider wahr, aber nach Augustinus „Bekenntnissen“ (355) war es umgekehrt. Ambrosius hätte um sein Leben fürchten müssen. Doch wenn es so gewesen wäre, dass sie die Militärs auf ihrer Seite hatte, warum unterliegt sie dann den angeblich Schwachen? 

Wie auch immer, Ambrosius blieb, wie eigentlich nicht anders zu erwarten war, der ‚Sieger’ in Glaubenssachen! Andererseits ist schon denkbar, dass Justina in ihrer ohnmächtigen Wut versucht hatte ihre gotische (arianische) Leibgarde aufmarschieren zu lassen, denn Augustinus lügt nicht. Natürlich 

macht bedenklich, dass Augustinus in seinen Bekenntnissen mit

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(352)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz 

(353)   F-L. zu Stolberg-Stolberg „Geschichte d. Religion Jesu Christi“ Wien 1818 S. 56                                        

(354)   ebenda S. 53                                                                                                               

(355)   Augustinus von Hippo, Neuntes Buch - Siebentes Kapitel : 

„... Ein Jahr war es ungefähr oder vielleicht auch etwas länger, da verfolgte Justina, die Mutter des jungen Königs Valentinian, deinen Anhänger, den Ambrosius, um ihrer Ketzerei willen, zu der sie von den Arianern verführt worden war. Das fromme Volk blieb die Nacht hindurch in deiner Kirche, bereit, mit ihrem Bischof, deinem Diener, zu sterben... Dort war auch meine Mutter, deine Magd; vor allen eifrig im Sorgen und Wachen, lebte sie nur dem Gebete. Wir, noch nicht erwärmt von der Glut deines

Geistes, wurden doch von dem Bangen und der Verwirrung der Stadt mit ergriffen...“

märchenhaftem Text fortfährt, als sei es dringend notwendig Ambrosius wieder aufzuwerten: „Damals offenbartest du deinem Bischof, dem schon erwähnten Ambrosius, wo die Leiber der Märtyrer des Protasius und Gervasius verborgen ruhten, die du so viele Jahre hindurch im Schoß deiner Verborgenheit unverwest verwahrt hattest, um sie zur rechten Zeit zur Bändigung der Wut jenes Weibes, das doch eine Kaiserin war, hervorzubringen. Denn als sie aufgefunden und ausgegraben mit den ihnen zukommenden Ehren zur Basilika des Ambrosius gebracht wurden, da wurden nicht nur die, welche von unreinen Geistern besessen waren, nach dem Bekenntnis ihrer Dämonen selbst, geheilt, sondern auch ein angesehener Bürger, der mehrere Jahre hindurch blind war. Als dieser nämlich nach der Ursache fragte, warum das Volk vor Freude jauchzte, und es hörte, da sprang er hinaus und bat seinen Führer, ihn dorthin zu führen. Nachdem er in die Kirche eingetreten war, bat er um die Erlaubnis, mit seinem Schweißtuche die Bahre der Heiligen berühren zu dürfen, deren Tod ist wert gehalten vor dem Herrn. Als er dies tat und dann seine Augen damit berührt hatte, da wurden sie sogleich ihm aufgetan. Der Ruf davon aber verbreitete sich weit und breit; alles war voll deines Lobes, und der Sinn jener Feindin wurde, wenn auch nicht zu gesundem Glauben fortschreitend, doch von der Wut zurückgehalten. Dank  dir dafür, o mein Gott!“ (356) 

Da mischen sich Wunschdenken und Absicht. Auch Augustinus erweckt wiederholt, wenn er von Gott spricht den Eindruck, dass dieser wenig Ähnlichkeit mit Jesus Christus hat, denn der Gott dem Augustinus zu dienen meint, hat  „Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen (zur Wiederauffüllung der durch den Engelsfall entstandenen Lücke!) ... zur Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien eine ‚Masse der Verdammnis’.“ (357) Während Jesus ausnahmslos alle Menschen einlud: „Kommt her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken,“ (358) Ein Jahr nach seinem Sieg über die Kaiserin, hält Ambrosius am Palmsonntag eine Rede gegen den Arianerbischof Auxentius: „Dieser Mensch wagt es mich um Verhandlungen zu bitten, wo er von Blut trieft und klebt?...“ Das lässt auf die Härte der Tumulte schließen. Wahr ist, auch die Arianer waren entschlossen ihre Rechte zu verteidigen, dabei verloren sie den ursprünglich für sie so kennzeichnenden Geist gegenseitigen Respektes. Ambrosius der sich gar anmaßt gegen _________________ 

(356)                      Aurelius   Augustinus      „Bekenntnisse“            neuntes            Buch                                       

(357)                      Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, S. 76  (358) Matth. 11: 28-30 

Valentinian II. und dessen ihm anerzogene arianische Grundhaltung zu wenden, schließt diese Rede contra Arianismus mit den Worten: „Kann man dem Kaiser eine größere Ehre antun, als wenn man ihn ‚Sohn der Kirche’ nennt... der Kaiser ist in der Kirche, aber er ist nicht über ihr.“ (359) damit richtet er sich an Theodosius I. und an den Sohn Justinas.

Die Athanasianer trumpften auf.  Ihre Kirche stand nun gar über dem Imperator. Der Rest der Menschheit bedeutete ihnen ohnehin nichts, was diese vertraten und wofür sie lebten war vor ihnen wie Schund, wertlos. Zu diesem Schund gehörten die Freiheiten sämtlicher Hellenen, die Rechte der Paganen aller Richtungen, die Religionen der Manichäer, Mandäer und anderer gnostischen Gruppen, wie die der harmlosen Buddhisten, sowie die Lebensweise der hochchristlichen Priscillianisten  und die Hoffnungen sämtlicher bereits genannten urchristlichen Splittergruppen und die der Goten. Schätzungsweise 85 Prozent der damaligen Bevölkerung des römischen Herrschaftsbereiches sollten kuschen. Die Goten kümmern sich nicht um diese gegen sie zielenden  Verfluchungen, noch kann man ihnen nichts anhaben, noch sind sie zu stark.

Noch haben sie andere Sorgen. Und weil sie sich nicht einmischen in die kaiserliche Religionspolitik, die in Wahrheit von Ambrosius bestimmt wird kann Kaiser Theodosius I. 384 „dem engagierten Christen, Praetorian prefect Maternus die Weisung geben mit den örtlichen Bischöfen zu kooperien um die Tempel der Heiden in Nordgriechenland und Kleinasien zu zerstören... 389 kommen hunderte Eremiten aus der Wüste und zerstören Statuen, Altäre, Bibliotheken und pagane Tempel. 391 wird der Tempel des Gottes Serapis gestürmt und geplündert. 392 lässt der heilige Epiphanius (der fanatische Antiorigenist) die meisten paganen Tempel Zyperns zerstören. 396 erklärt (Kaiser Arcadius) Paganismus als

Hochverrat.“ (360) 

 Wer hier und wiederum der Drahtzieher war, ist unschwer zu erraten. Diejenigen die Ambrosius folgten, schreckten vor nichts zurück.

Nur Hitlers und Stalins Geheimpolizei sollten diese Brutalität später noch überbieten. Allerdings mit einem Unterschied, die Nazis und die Kommunisten haben ihre Grobiane nicht als Heilige bezeichnet.

Dass er die nicänische Rechtgläubigkeit gegen den Arianismus verteidigte ist sein gutes Recht. Aber die Mittel derer Ambrosius sich bediente sind vom Übelsten. 

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(359)   Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion Jesu Christi“ Wien 1818 S. 51

(360)   V. G. Rassias „Christians persecution against the Hellenes.” Greek Athen 2000

Basis solchen Treibens war das Gesetz Cunctos populos. Mit seiner  Veröffentlichung im Februar 380 erhielten alle Gewalttäter das Instrument ausgehändigt mit dem sie mühelos reich werden konnten. Mit diesem Text in der Hand verfolgten sogleich einige spanische Kleriker Priscillian den in weiten und gebildeten Kreisen sehr angesehenen Bischof von Avila. Sie trachten danach dem Arianer eine empfindliche Niederlage zuzufügen. Justina wird sich gegen das Unrechtsgesetz gesperrt haben. Umsonst! Sie wusste sehr wohl, Ambrosius widersetzte sich mit Cunctos populos der urkirchlichen Rechtsprechung entschieden, indem er auf diese Weise das Mailänder Toleranzedikt von 313 effektiv aufhob und es in Theorie und in der Praxis in sein Gegenteil verkehrte, indem er verkündete:  „Alle Völker, über die wir ein mildes, gnädiges Regiment führen, sollen (müssen)das ist unser Wille, die Religion annehmen die der göttliche Apostel Petrus den Römern gepredigt hat, und der wie wir sehen werden, auch Bischof

Damasus von Rom sich anschließt... wer diese Gesetz befolgt soll den Namen eines katholischen Christen führen, die andern aber... sollen die Schmach ... tragen, ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen genannt werden; sie selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“ (361)   (Es ist nicht zutreffend dass Kaiser Theodosius I. die Freiheit gehabt hätte, gegen Ambrosius Willen ein Gesetz dieser Dimension zu verabschieden.)  Es sollte sich effektiv als Todesurteil für Millionen Menschen auswirken. Das so etablierte Diktat einer völlig veränderten Kirche über diejenigen die sich bemühten näher am Original zu bleiben, sollte denn auch länger als eintausend Jahre die Menschen West- und Südeuropas gängeln.

Allein, dass der unselige Gesetzestext einen Bezug zu Damasus als Vorbild herstellt, erregte Aufmerksamkeit und den Protest derer die weiter sehen konnten. So hatte dieser päpstliche Gewalttäter bereits 366 gedacht: „, ihre Versammlungshäuser dürfen nicht Kirchen genannt werden; sie selbst aber unterliegen der göttlichen Strafe...“ Sehr hat Damasus die ungöttliche Strafe erteilt, mit Äxten in der Hand von Totschlägern, die zu seiner Privatarmee gehörten.

Wahrscheinlich erscheint es nicht nur dem Humanisten zwingend, zu fragen von wessen Gottes Strafe hier die Rede ist. Das einzige ‚strafwürdige’ Verbrechen, das die so Bedrohten wagten, war, buchstäblich zu glauben, dass Jesus immer noch zur Rechten des Vaters sitzt, von Gestalt wie ein Mensch. Sowohl das Athanasium wie Cunctos Populos ebneten auf diese Weise den Weg zu einer Falle für alle, auch der treuesten Katholiken, denen die Freude genommen wurde, selbst die Wahrheit herauszufinden. 

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(361) Sternberger 2 000 Jahre Christentum,  S. 165

Diesen Ungeist der Bevormundung, konnten selbst die Reformatoren noch nicht überwinden. Sogar ein Johannes Calvin blieb diesem diktatorischen Trachten verhaftet. Einige Reformatoren übernahmen einfach das

Unrechtsgesetz von 380: sie beharrten in diesen Punkten auf der Ambrosius- Gelasius- und Bonifaciuslinie: die Kirche habe den Staat zu regieren. Ambrosius unterwirft sie sich ausnahmslos (und damit der Kirche) indem          ausgerechnet          er,      so      gut     wie    unwidersprochen, hinaustrompetet: „der Kaiser ist ein demütiger Sünder vor Gott.“ (362) Er lügt, indem er die Wahrheit sagt. Ambrosius schiebt den Namen Gott vor, wo er die Kirche meint. Das erklärt sich aus seinem Charakter. Und so denkt Calvin, eiskalt wie der große Kaiserberater des ausgehenden 4. Jahrhunderts. Auch Calvins Executive mischte sich in alles ein: „Wo die Calvinisten in der Mehrheit waren... regierte die Kirche weitgehend den Staat. Durch die vom Konsistorium ausgeübte strenge Aufsicht über die

Sittlichkeit wurde das Leben der Gemeindemitglieder einer äußerst starken Kontrolle unterworfen. Die Ältesten hatten das Recht auf ungehinderten Eintritt in jedes Haus zu jeder Zeit. Das bedeutete praktisch: keine Tür durfte verschlossen werden, um die Ältesten nicht zu behindern. Das bedeutete auch; Vorhänge an den Fenstern hat nur nötig, der etwas zu verbergen hat...“ (363)  

Es war und ist das bislang nicht widerrufene Gesetz zum Glaubenszwang, (das seine scheinbare Berechtigung aus dem athanasianischen Glaubensbekenntnis bezieht,) dessen fragwürdiger Monotheismus keck, noch bis zu dieser Stunde, droht: „Wer auch immer gerettet sein will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten: Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen (nämlich diejenigen treffend, die nicht glauben, dass drei eins ist).  

Alle Änderer des urchristlichen Systems, wie Callixt I., Ambrosius von Mailand und Augustinus, samt ihrem Anhang, müssen sich die Frage gefallen lassen, was vom Christentum übrig bleibt, wenn es zur Gewalt greift. Schon Laktanz hatte gewarnt „Das jemand unter Zwang etwas verehrt, das er im Ernst gar nicht verehren will, kann nur zur Heuchelei und Simulantentum führen.“  (364)  Vom Martin Luther-King stammt der bekannte, allzeit gültige Satz: „Gott hat absolute moralische Gesetze in sein Weltall eingebaut. Wir können sie nicht ändern, wenn wir sie übertreten werden sie uns zerbrechen.“

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(362)       Alexander Demand „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer

Zeitenwende“ Walter de Gruyter, 2004, S. 56

(363)       Günter Stemberger „2000 Jahre Christentum“, Erlangen, 1990 S. 833

(364)       Hans Maier, „Compelle intrare“ Uni München, 2009

Die Reichkirche sollte schließlich zerbrechen, besser gesagt, sie zerbröselte an den ambrosianischen (athanasianischen, damasischen...) Übertretungen. Ohne Luther gäbe es sie schon längst nicht mehr. Ohne Luther hätte es keine Gegenreformation gegeben, die hart mit den ärgsten innerkirchlichen Übeln aufräumte, ohne sie wäre nichts anderes als böse Erinnerungen übrig geblieben. 

Die Katholiken haben Luther zu verdanken, dass aus den Trümmern etwas Besseres entstand. Dem Athanasium ist es zuerst anzulasten, dass es zu den barbarischen Entwicklungen kam, weil mit ihm unser gemeinsamer Gott den Menschen entfremdet wurde. Alles andere war die logische Folge.  Es kann sein, dass Ambrosius besonders an einem Satz des ‚Papstes’

Sixtus I. (Xystus), der von 116-125 als römischer Bischof amtierte, Gefallen fand. Diese Behauptung lautet: „Die Kirche ist immer heilig, ganz gleich wie sündig ihre Priester sind.“ (365) Ambrosius rundete auf: „Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ (366)  

Solche markanten Aussagen richteten sich direkt gegen die Weisungen

Jesu: „jeder Baum der keine guten Früchte bringt wird abgehauen.“ (ausgeschlossen, exkommuniziert) (367) 

  Die Priesterbeichten dienten nach Ambrosius dazu einander das Gewissen zu erleichtern, nicht um ein bestehendes Problem zu lösen, wozu sie ursprünglich gedacht waren. Es ist Ambrosius Mitschuld, dass Bischöfe der katholischen Kirche 1 600 Jahre lang, weltweit ihren Priestern Kindsmissbrauch u.a. schwere Verfehlungen wie Fälschungen und Gewaltanwendung vergaben, statt nach der Regel zu handeln die Paulus

gab: „Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte“ (368)   Er sagte allerdings nicht „verbrennt ihn“...

Die arianisch-melitianisch-novatianischen Gemeinden handhabten solche Fälle wie vorgeschrieben. Schon Callixt I. (angeblich Papst von 218-222) hatte jedoch versucht, das Prozedere aufzuweichen.

 

Geradezu entlarvter Zynismus ist, wie der katholische Kaiser Honorius auf die Nachricht von der Eroberung Roms reagiert, wie wenig ihn - darin Ambrosius ähnlich - eigentlich das Schicksal der Menschen berührt: „Als der der Gote Alarich 410 die ewige Stadt erstürmt hatte und der __________________ 

(365)    Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz 

(366)    Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg

Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159  

(367)    Matth. 7: 20                                                                                                                          

(368)    1. Kor. 5: 13

 

Oberhühnerwächter dem Kaiser die Nachricht brachte ... es sei vorbei mit Roma, bekam Honorius einen gewaltigen Schrecken. Der Wärter aber tröstete ihn: es sei die Stadt Rom, nicht die Henne Roma.“ (369)  

Später, als die arianischen Goten auf dem Boden des altrömischen Reiches eigene Strukturen errichteten, sollten bessere Früchte hervorkommen.  Die Römer konnten sie weder militärisch noch kirchlich daran hindern.  

Ironie des Schicksals kann man es nennen. Exakt einhundert Jahre nach den programmatischen Erläuterungen Ambrosius von Mailand gewinnen die Goten die Oberherrschaft über ein zerstrittenes und weithin athanasianisches Italien. Der Arianer Theoderich der Große bringt, was nach Athanasius nicht zu erwarten gewesen wäre, dem Land den langersehnten Frieden. Er übte dreißig lange Jahre weder Gewalt an den Unterlegenen, noch berührt er die Landesverwaltungen. Er tolerierte die katholische Kirche. Erst daran zeigte sich, wie sehr Ambrosius sich verrannt hatte als er sagte: „Die Feinde des Reiches sind auch die Feinde der (katholischen) Kirche“ (370)  

Allerdings „ließ Theoderich (ganz anders als Ambrosius G.Sk.)  nicht zu, dass der Reichtum der Kirche unverhältnismäßig stark zu Lasten anderer anstieg.“ (371) 

 

Priscillian von Avila geboren 340 starb 385 den von Ambrosius mitverschuldeten Märtyrertod. Er wurde enthauptet wegen seiner arianischen Ansichten, nachdem „beide Kirchenfürsten (Ambrosius und Damasus ihm, dem schutzsuchenden Spanier) „die kalte Schulter,“ (372)  gezeigt hatten. Er war ein Mann noblen Charakters. Das mussten ihm selbst seine Feinde zugestehen. Andererseits waren  „… es die schlechtesten Elemente des spanischen Episkopats, die gegen Priscillian in vordersten Front standen. Ithiacus wird als schamloser und sittlich verkommener Schwätzer bezeichnet und Ydascius wurde von seinem eigenen Presbyterium (Ältestenkollegium) in den Anklagezustand versetzt, sein Lebenswandel kam weiterhin in schlechten Ruf... Priscillian (dagegen) lebte der Welt vor, was er lehrte.“ (372) „Durch Folterungen und „inquisitorische Technik des Präfekten Euodius gelang es, Priscillian und die seinen das Verbrechen der Magie und der organisierten Unzucht gestehen zu lassen... (Sie wurden in Trier, im Jahr385, G.Sk.) „mit dem

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(369) A. Demand, „Das Privatleben der römischen Kaiser“ C.H. Beck 1996 S. 79 (370) ebenda, S. 15

(371) Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter  ostgotischer Herrschaft 490-552“,

2006 S.59 

(372) Lietzmann: „Geschichte der Alten Kirche“ W.De Gruyter, 1999  S.  . 66   

Schwert hingerichtet.“ (373) Natürlich war Ambrosius hinterher betroffen. So ist das in der Politik und im realen Leben, erst legt man radikale Regeln fest und dann wenn sie sich verheerend auf den eigenen Ruf auswirken, würde man am liebsten  alles dämpfen, allerdings nicht um jeden Preis. Dass es im Falle Priscillians darum ging den Arianismus auszurotten, zugunsten des Konstantinismus, geht auch aus der Arbeit von Ana Maria C.M. Jorge Center for the Study of Religious History (CEHR) Portuguese

Catholic University (UCP) hervor. (374)  

Das bestätigt, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, auch diese Aussage: „Die Priscillianisten verwechselten mit Sabellius die drei

Personen der Dreieinigkeit.“ (375)  

Wie sie dahin schreiten zum Hauklotz, auf den Mann zu mit seiner Axt in Händen, kann jeder sehen, der sich versucht in die Lage der Betroffenen zu versetzen. Nur noch wenige Minuten und sie werden im Jenseits ihren Bericht zu Protokoll geben, der ihrer Überzeugung nach einmal aufgerufen werden wird... Unter der Folter hatten sie gestanden unzüchtige Zauberer zu sein. Kein Mensch der Priscillian und die Seinen kannte, schenkte diesem ungeheuren Vorwurf jemals Glauben, (der abergläubische Kaiser Magnus Maximus vielleicht).  

Als die sieben Köpfe zu Boden fielen freuten sich nur wenige. Selbst Ambrosius hielt den Atem an... 

 

Ob Ambrosius auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendete, welches Verbrechen er zuvor begangen hatte, als er das vor seiner Zeit wenigstens formal gültige Recht jedes Bürgers auf freie Wahl seiner Religion  abschaffte?

Da hieß es noch: „Wir gewähren den Christen, ... um des Friedens willen auch anderen Religionen, das Recht der öffentlichen und freien Ausübung ihres Kultes..., auf dass jeder, wie es ihm gefällt, die Möglichkeit zur freien

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(373)   Lietzmann: „Geschichte der Alten Kirche“ W.De Gruyter, 1999  S.  64  

(374)   Ana Maria C.M. Jorge “The Lusitanian Episcopate in the 4th Century. - Priscilian of Ávila and the Tensions Between Bishops”: “Priscillian helps us to achieve a better understanding of the Christianization process and the orthodox/heterodox debate in late antiquity. …Against a background of the progressive “Constantinization” of the church, bishops become key figures who centralize the main forces of the day. … The confrontation between rival Christian communities – Priscillianist and Nicean Catholicism – reveals an important facet of the position adopted by Christians in their relations with civil authorities, as well as the close ties between Christianity, the top of the ecclesiastical hierarchy and the Empire. It also gives a clear picture of the work of the bishop of a city in antiquity, in which the emphasis was on the militant view of the kerigma.”  

(375)   Alban Butler „Leben der Väter und Märtyrer“ Mainz 1825                                                                            

Anbetung habe ... um des Friedens willen...“ Das Mailänder Edikt, verbunden mit der Jesuslehre von der Selbstdisziplin (376) wäre das

Fundament für ein irdisches Paradies aller gewesen. (377)  

Ein Paradies allerdings, das aufzurichten enorm viel Zeit und individuelles Bemühen und ständiges Trachten nach dem Licht Christi verlangt hätte. Der Arianismus, wenn man dieses Teilstück der ursprüngliche Kirche so nennen will, drückt ja nur aus, was alle denken: einen Gott den man sich nicht vorstellen kann, den gibt es eigentlich nicht: er ist allenfalls etwas nebulöses. -  Aber!  Ein Rest von Gefühl sagt jedem Menschen: es gibt ihn, den lebenden und liebenden, den guten, freiheitschenkenden Großen, der uns zumutet das Chaos zu ordnen, und vor dessen Intelligenz und Güte wir uns alle neigen! Auf dieses uns innewohnende Wissen, dass uns nicht immer bewusst ist, weil wir in die „Seinsvergessenheit“ (378) fielen, bauen letztlich alle Kirchen weltweit auf. Viele wünschen die Einheit der Christenheit. Sie sind immer noch lediglich gut bearbeitete Bruchstücke des ehemaligen Ganzen. Es scheint offensichtlich, wenn sie sich nicht vom Geist und Text des Athanasiums trennen, werden sie nicht wirklich zusammenfinden.

Priscillian sagte es auf seine Weise. Es komme nicht darauf an Gott zu feiern, sondern seine Gebote zu halten.

Athanasius und Alexanders Drohungen waren leider keineswegs nur Worte geblieben, sondern sie stellten eine Generalanweisung dar, der Folge geleistet wurde. Deshalb rollten die Köpfe prominenter, untadliger Arianer, deshalb brannten später die Scheiterhaufen (die Kirche vergießt kein Blut) Priscillian von Avila und seine sechs Freunde gehören nur zu den bekanntesten Märtyrern des Urchristentums die, sechzig Jahre nach dem Schlachtruf des Alexandriners, fünf Jahre nach der Verabschiedung von Cunctos populos, von anderen Christen, alleine wegen Nichtakzeptanz des nicänischen Bekenntnisses hingerichtet wurden. Um die Zeit der _____________ 

(376)   Text der Bergpredigt 

(377)   W. Keller „Und wurden zerstreut unter alle Völker“ Knaur 1966: „... wenn das siegreiche Christentum die Milde seines Stifters zur Wahrheit gemacht hätte. Aber seine Herrschaft, welche in der Weltgeschichte einen entscheidenden Wendepunkt bildet, brachte über das Judentum nur neue, schwere, langanhaltende Prüfung“ S. 117 (378) Hartmut Böhme: “Natur und Subjekt“ Frankfurt am Main 1988. II.

Subjektgeschichte:: „Es ist genau dieser Blick und dieses Leiberleben, das den in die Seinsvergessenheit (Phaidros 250a) gefallenen irdischen Menschen zurückholen soll in die Erinnerung an die überhimmlische Heimat der Seele.“  

 

 

Ermordung Priscillians, 385/386 „trat Ambrosius dem unter der vormundschaftlichen Regierung der arianischgesinnten Kaiserin-Mutter Justina († 388) unternommenen letzten Versuch, das arianische Bekenntnis zu erneuern,... entgegen...“ (379)  Und so bestätigt dieser Mann noch einmal, dass er die Freiheit des Gewissens nicht duldete. Als Athanasianer war Ambrosius dem Geist Konstantins gefolgt. Mit Jesu Namen wohl vertraut, widerstand er dem der gesagt hatte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, würden meine Diener kämpfen, nun ist aber mein Reich nicht von dieser Welt.“ (380) Dass er auf der anderen Seite kämpfte bewies er  „im Jahr 388…“ damals „… zerstörten Christen in Kallinikum, im Zweistromland die Synagoge der dortigen Orientjuden. Kaiser Theodosius I. sieht es als gerechtfertigt an, ihnen den Wiederaufbau dieser Synagoge als Strafe aufzuerlegen. Ambrosius bestimmt den Kaiser, dieses Dekret zurückzunehmen und das tumultuarische Verbrechen an den Juden ungesühnt zu lassen“ (381) Man muss an sich halten, wenn einem bei solchen Aussagen die Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in den Sinn kommt. Vom 7. bis 13. November 1938 wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Das war der zeitgleich erfolgte, aber selten kritisierte Start in den Untergang des 3. Reiches. 

Paulus hatte noch gelehrt: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber der Liebe nicht, wäre ich nichts!“ (382) Ambrosius fühlte, dachte und handelte als orthodoxer Christ. Er spielte seine niederträchtige Vorbildrolle … und konnte nur zerstören.   

Schließlich erringen um 550 die Orthodoxen, mittels der Heerscharen Kaiser Justinians den Pyrrhussieg. Das Heidentum, und die Goten verschwinden im sechsten Jahrhundert von der ‚christlich’ dominierten Bildfläche. Das Resultat war vorauszusehen. Die Großstadt Rom und das flache Land verödeten. Zwar residieren die Päpste im Lateranpalast noch lange danach, mit einer Schar Eingeschworener, inmitten von Ruinen und hielten sich großspurig für die Sieger der Geschichte.  

Gespenstisch ging es zu, wo einst 1 Million Bürger wohnten, hausen im 13.  Jahrhundert nur noch ein paar tausend Leute. (383) Einige wenige, unter _________________ 

(379)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz               

(380)   Joh.: 18: 36                                                                                                              

(381)   Fr.L.zu Stolberg-Stolberg „Geschichte der Religion J. Christi“ Wien 1818 S. 52  

(382)   1, Kor. 13: 2                                               

(383)   L. Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“,  S. 134      

 

diesem verlorenen Haufen, hielten sich allerdings für den Nabel der Welt. Niemand muss da lamentieren. Das war es, was Konstantin zwar nicht gewollt hatte, aber doch wahrscheinlich mit gewisser Häme gesehen hätte. Sie haben sich eben nicht gänzlich auf ihn eingelassen, sie ehrten ihn indem sie ihm über weite Strecken folgten, rühmten seine Politik, erinnerten sich seiner dankbar an Festtagen –im Osten wurde er gar heilig gesprochen. Statt nur die reine Konstantinlehre zu predigen, hatten sie sich für einen Mix entschieden. Sie zitierten, wenn auch in lateinischer Sprache Jesu Worte. Diese Botschaft verstand, von Ausnahmen abgesehen, allerdings niemand. Die zur Kirche kamen, mussten auch gar nicht verstehen, sondern nur um so fester glauben.

 

Roms Kleriker glaubten, aller Vernunft zum Trotz, sie säßen im Vollbesitz der Wahrheit und an einem wichtigen Ort. Weil sie einander mit Blindheit schlugen, fühlten sie sich wie Kapitäne auf großer Fahrt. Dass ihr vor sich hinrottendes Schlachtschiff auf Grund gelaufen war, bemerkten sie lange Jahrhunderte nicht. Erst Luther sagte ihnen, wo und wie sie sich befanden. Sie hatten ihre Kommandos gegeben, aber keiner hörte auf sie. Fast das ganze neunte, zehnte, elfte und zwölfte Jahrhundert ging an ihnen vorüber als gäbe es die Päpste nicht. Da wurden keine Dokumente geschrieben.

Zweihundert Jahre lang, von 998 bis 1197 gibt es nicht ein einziges 

Papstregister (384) 

Das Märchen von der apostolischen Sukzession beteten sie dennoch umso lauter, je weniger von der Legitimationskette etwas zu bemerken war. Offen erklärt der katholische Kirchengeschichtsschreiber Hertling:  Um 890 „war die Verwirrung so groß, dass wir von manchem dieser Päpste die oft nur Wochen oder Tage im Amt waren, nur die Namen wissen und nicht einmal immer feststellen können, ob sie rechtmäßige Päpste waren.“

(385) 

Anmaßung und falsche Prämissen, allem voran das Athanasium verführten und leiteten sie in die Katastrophe. Als sie das erkannten, hätten sie bekennen müssen, geirrt zu haben. Dann wäre ihr Ruf gerettet worden. Stattdessen begannen sie die Dokumente zu ‚bearbeiten’ und grobe

Fälschungen  anzufertigen. Die wichtigsten Leute Roms, fast alles

Nachkommen großer Adelsgeschlechter,  wollten sich vor allem jene Macht sichern, die schon ihre Väter errungen, die ihnen den Erhalt ihres

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(384)    „Thomas Frenz “Innozenz  III. Weichensteller der Geschichte Europas“ FranzSteiner-Verlag 2000, S. 14

(385)    L. Hertling SJ mit Imprimatur. Romae, vom 27. Nov. 1981 „Geschichte der

Katholischen Kirche bis 1740“,  Morus-Verlag, Berlin, S. 134

luxuriösen Lebens versprach, obwohl ihnen der Kern des Glaubens – den sie angeblich hochhielten nie gesehen - dies strikt untersagte.

 

Damasus, Callixt I., Ambrosius und viele andere entschieden sich für  diese Variante sehend. Dekrete waren ihre Sache.  Neben der untauglichen Idee, die sie wie später Augustinus von Hippo hegte, man könne die Menschen zu ihrem Glück zwingen, glaubten und predigte sie sicherlich auch viel Gutes. Aber wie wir selbst, müssen auch diese Persönlichkeiten der Reichskirche, an ihrem Tun und Lassen gemessen werden und weniger an ihren Worten. 

Zahllose    Opfer,    Heiden,    Juden,    Arianer,    Manichäer,    Donatisten,

Pelagianer, Novatianer, Bogumilen, Katharer, Waldenser und andere

‚Ketzer’,    die    auch    nach    den    Überzeugungen    der    Täter    als

Geistpersönlichkeiten immer noch existieren, strecken die Hände aus und fragen: „Warum, ihr Männer, habt ihr uns das alles angetan? Schlug euch nicht das Gewissen, als ihr das Fundament für ein Werk legtet, das zielgerichtet unsere Entscheidungsfreiheit und schließlich unser Leben und das Leben unserer Kinder und Frauen vernichten sollte?“

„Warum legtet ihr den Grund für die verbrecherische Inquisition?“ 

Augustinus und Ambrosius sind nicht organisch in den Anti-Origenismus hineingewachsen, sondern sie entschieden sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Entwicklung gegen den Grundsatz: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Grausamkeiten verwandeln sich nicht in Wohltaten, auch falls diese mit cleveren Argumenten einem Gottesplan zugerechnet werden sollen. 

Es sei klar gesagt: Ambrosius und Augustinus widersprechen Christus. Sie leugneten effektiv, dass Gott allen Menschen die Freiheit gewährte, sich falsch entscheiden zu dürfen. 

Ambrosius redete die Sprache des größten Widersachers Jesu: Wenn du den Menschen vollen Spielraum gibst, dann werden sie ihre Wahlfreiheit unweigerlich missbrauchen. 

Andererseits steht fest: unter Dauerdruck stehend kann die Seele sich nicht entfalten. 

Deshalb ist, nach ‚mormonischem Verständnis der gesamte Text der

Heiligen Schrift ein Apell an den freien Willen: (386)

Gemeinsam mit allen Christen, sind wir überzeugt, dass es eines Erlösers bedarf, der eine Zwischenstellung einnimmt und der über genügend Macht

_____________ 

(386) Josua: 24: 15 „Gefällt es euch aber nicht, daß ihr dem Herrn dient, so erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt...“

verfügt allen Gutwilligen, welcher Herkunft sie auch sein mögen, eine Brücke zwischen zwei Teilstücken der Ewigkeit zu bauen, die für sie begehbar ist.

Es gab, - das glauben Mormonen aus guten Gründen, - bereits in unserem vorirdischen Dasein, zu eben diesem Thema, eine heftige

Auseinandersetzung, intellektueller Art, die schließlich nicht friedlich, zugunsten unserer persönlichen Entwicklung durch Mehrheitsentscheidung beendet wurde.

Wegen der hartnäckig vertretenen Idee Menschen zum Guten zwingen zu wollen, wurde – wie es Joseph Smith nach eigenem Zeugnis ‚sah’, aus Luzifer, dem Lichtträger, Satan : Jener Satan, dem du im Namen meines Einziggezeugten geboten hast, ist derselbe, der von Anfang an gewesen ist; und er trat vor mich und sagte: Siehe, hier bin ich, sende mich. Ich will dein Sohn sein, und ich will die ganze Menschheit erlösen, dass auch nicht  eine Seele verlorengehe, und ich werde es sicherlich tun; darum gib mir deine Ehre.

Aber siehe: Mein geliebter Sohn, der mein Geliebter und Erwählter von Anfang  an war, sprach zu mir: ‚Vater dein Wille geschehe, und dein sei die Herrlichkeit immerdar.’  

Darum weil der Satan sich gegen mich auflehnte und danach trachtete die  

Entscheidungsfreiheit zu vernichten, die ich, der Herr Gott den Menschenkindern gegeben hatte und weil ich ihm auch meine eigene Macht geben sollte,  ließ ich ihn durch die Macht meines Einziggezeugten hinabwerfen, und er wurde der Satan, ja nämlich der Teufel...“ (387) 

Alleine die Ideen stehen sich feindselig gegenüber. Das erklärt wohl auch diesen von Johannes dem Offenbarer stammenden Text: „Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Auch der Drache und seine Engel kämpften; aber sie siegten nicht, und es wurde für sie kein Platz mehr gefunden im Himmel. So wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen.“ (388)   

Erstaunt ruft der inspirierte Jesaja aus: „Wie bist du vom Himmel gefallen, o Luzifer, Sohn des Morgens! Bist du niedergehauen zur Erde, der du die Nationen schwächtest! 

Denn du hast in deinem Herzen gesprochen: Ich werde zum Himmel hinaufsteigen; ich werde meinen Thron hoch über die Sterne Gottes ________________ 

(387)   Köstliche Perle Mose 4: 1-4  

(388)   Offb. 12,7-9

erhöhen; ich werde mich auch auf den Berg der Zusammenkunft im hohen Norden setzen. 

Ich werde über die Wolkenhöhen emporsteigen; ich werde dem

Allerhöchsten gleich sein! 

Doch wirst du in die Hölle hinab geworfen, in die allertiefste Grube. 

Die dich sehen, werden dich scharf anblicken und werden dich wägend betrachten und werden sprechen: Ist dies der Mann, der die Erde hat erzittern lassen, der Königreiche erschüttert hat? 

Und die Welt zur Wildnis gemacht und die Städte darin zerstört hat und das Haus seiner Gefangenen nicht geöffnet hat?“ (389)  

Aus dieser Erkenntnis oder Einstellung heraus, schrieb Joseph Smith aus dem Gefängnis zu Liberty, wo er, im Winter 1838, willkürlich monatelang festgehalten wurde, die unvergleichlichen Worte: „...wenn wir auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben – siehe dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.” (390) 

 

Origenes stellte uns indirekt die Frage Gottes vor, die er sich selbst vorgelegt hatte: „wie bringe ich meine Kinder wieder unbeschadet zurück, nachdem sie in die Welt der Gegensätze fielen um durch eigene Erfahrung zu lernen zwischen Gut und Böse, zwischen Elend und Heiligkeit zu unterscheiden. Etwas das man im Vaterhaus Gottes nicht erleben kann. Wahr ist, wir schätzen das Gute oft genug erst, nachdem wir es verloren. 

Jesus, der Logos, bot sich selbst als Opfer an, für den Teil unserer Übertretungen zu bezahlen, den wir zwar sehr bereuen aber den wir nicht rückgängig machen können. Das war eben der Anlass der Fragen Luthers vor dem Turmerlebnis. Und das war die klare Antwort: Trotz all unserer Bemühungen - die für Gott und uns selbst unverzichtbar sind – ist letztlich alles was uns schließlich aus der Misere heben kann, die Macht der Gnade. 

          

Der zuverlässige Kommentator des Fachartikels über Origenes, F. H.

Kettler, fasst die phänomenale Gesamtschau des Origenes (185-254) die im

Freiheits- und Allversöhnungsgedanken der frühen Christenheit  ihren Höhepunkt findet, einleuchtend zusammen. Dass dieser Kern sich in

_________________ 

(389) Jesaja 14: 12-17 Buch Mormon Text. Die Bezeichnung Satans "Glanzstern" entspricht dem lateinischen Luzifer = "Lichtträger". Im Hebräischen = Hillel

("Glänzender, Leuchtender") = Nahasch, die Schlange im Paradies Genesis. 3:1  (390) Lehre und Bündnisse 121: 38-40 

Übereinstimmung mit den Lehren des „Mormonismus“ befindet, empfinden wir als erfreuliche Bestätigung:  Gott „... stand vor der Wahl, ihnen (seinen Geistkindern) entweder gar keinen freien Willen zu geben oder die Möglichkeit ihres Falls in Kauf zu nehmen, und zog das Letztere vor, (er) wird sie aber schließlich (nach vielen Rückschlägen...) und durch die Kunst seiner Pädagogik doch noch dahin bringen, dass sie dem Guten beständig anhängen.

Gottes Pädagogik  und der freie Wille der Logika, den Gott nur durch

Erziehung fördern und nicht durch Zwang vergewaltigen darf, sind (nach Hal Koch) die eigentlichen Pole des origenistischen Systems.“ (391)   

 

Wir sind Götterkinder, niemand darf uns ungestraft zwingen. Wir werden immer mit den Unterlegenen fühlen, weil wir das göttliche Erbe der Freiheitsliebe in uns tragen. Es lässt sich nicht unterdrücken. 

 „Mormonen“ glauben an diese Überlieferungen, weil sie Sinn machen. Ein wenig anders, als in den Bekenntnissen und Auffassungen anderer Gemeinschaften lauten deshalb unsere Schlussfolgerungen: Alleine der Glaube an die Notwendigkeit, die von Jesus gesetzten Gebote zu befolgen - also das glaubensvolle Bemühen tugendhaft, liebevoll und wahrhaftig zu sein, - kann uns von den Folgen des Falles in die Gottesferne erlösen. (392)   _______________ 

(391)       Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, dritte, Auflage, vierter Band Kop-O, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1960  S. 1692 – 1702,   

(392)       Johannes 14: 21: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es der mich liebt. Wer mich aber liebt der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lehrentscheidungen Innozenz I. (401-417)

Die abwärts geneigte Linie der innerkirchlichen Entwicklung führt immer über Callixt I., Konstantin, Alexander von Alexandria, Athanasius, Damasus, Ambrosius zu Augustinus, dem Häretiker par excellence in die Finsternis der Verließe der Inquisition und zu den Scheiterhaufen, sie führt zur Massenvernichtung der Indianer, der Juden, der unentschuldbaren Kriege gegen Katharer, der Bogumilen, der Waldenser, der Vaudois und zur generellen Beeinträchtigung der Vernunft. Niemand durfte sich mehr sein eigenes Bild von den Dingen machen. Wer Marias ewige Jungfernschaft vernehmlich bezweifelte wurde während des Mittelalters verbrannt. 

Es ist dieses Einheitsmaß aller Schritte in die Zukunft, das zwingend vorgegeben wurde: etwas, das dem katholischen Rom nicht dient, umgeht man nicht, es ist niederzutreten. Innozenz I.  verstärkte in seiner Amts-Zeit, 402 – 417 diesen Trend.  Er „ließ als erster römischer Bischof die Novatianer verfolgen.“ (393) Er wird in der derzeitig gültigen Papstliste als 40. aufgeführt. Offiziell heißt es:  „Innozenz I.  Heiliger,  ist wahrscheinlich der Sohn seines Vorgängers Anastasius I. (was erneut beweist, dass es selbst damals noch bischöfliche Normalität war verheiratet zu sein G.Sk.) Neben Siricius, Leo I. und Gelasius I. ist er der bedeutendste Papst des 4. und 5. Jh. Innozenz  baute zielstrebig das römische Primat in der Gesamtkirche aus ...(weil es eben von Beginn an nicht so war! G.Sk.)  er forderte nicht nur oberstes Verordnungs- und Aufsichtsrecht, sondern beanspruchte auch das Recht zur

Lehrentscheidung, bekämpfte wiederholt Häretiker.“ (393) Wer ein Häretiker ist bestimmte Innozenz I.. Seine Lehrentscheidungen zu betrachten, ist lehrreich. Als Maßstab zur Bewertung einer Häresie, zog er die Konzilsbeschlüsse heran, sowie die in Mode kommenden augustinischen Neuheiten. So weit zu sehen ist, wurde selten eine Diskussion auf Grundlage der Heiligen Schrift geführt. Das Recht zur Lehrentscheidung in der Kirche Christi, (- vorausgesetzt man glaubt daran, dass es ihn immer noch gibt -) steht jedoch allein dem auferstandenen Jesus Christus zu. Kaum ein konsequenter Christ wird das ernsthaft bestreiten. Wenn ein Papst sagt und glaubt, dass er das Mundstück Jesu ist, (Unfehlbarkeit in Lehrfragen, ex cathedra) wird jeder an den Auswirkungen der Entscheidung erkennen, ob das tatsächlich der Fall war.

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(392)   Steffen Diefenbach „Römische Erinnerungsräume“ S. 253 

(393)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott

 „Bischof Innozenz I. verlangt, dass überhaupt jede wichtige Angelegenheit nach ihrer Behandlung auf Synoden dem römischen Bischof zur Entscheidung vorgelegt werde, das Evangelium, so behauptet er unbekümmert um die Wahrheit (Gegenbeispiele Nordafrika, Frankreich, Spanien) sei in die übrigen westlichen Provinzen einzig und allein von Rom aus gelangt; dies soll die jetzt einsetzende liturgische Uniformierung begründen.“ (394) Die Geschichtsforschung fand das Gegenteil heraus, nämlich dass „die aus Jerusalem Vertriebenen z.Zt. der Apostel das Evangelium auch nach Ägypten brachten. (395) Innozenz I. war pro

Augustinus, - aber Augustinus erwies sich mehrfach als eigensinniger Erfinder neuer Lehren, z.B. als er zum Zeitpunkt seiner Taufe 387 beschloss, statt die Mutter seines Sohnes Adeodatus  zu ehelichen, grundsätzlich keinen Beischlaf mehr zu haben, weil ‚Geschlechtslust um ihrer selbst willen’ sündhaft sei. 

1. Vom Zwang oder einer Notwendigkeit einem ‚normalen’ Eheleben zu entsagen steht in der Bibel kein Wort. Die Heilige Schrift verbietet nur die außerehelichen sexuellen Beziehungen. Augustinus ist es der aus der Philosophie des sinnvollen Verzichts, eine Lehre der Einengung von Menschenrechten schafft  - und Innozenz I. widerspricht ihm nicht! 

Augustinus persönliche Konsequenz lautete: er werde künftig quasi mönchisch leben. (Mutter Monika hat daran ihren Anteil.) Doch diese Rücksichtslosigkeit beider gegenüber seiner bisherigen Lebensgefährtin bewirkte den unverantwortlichen Aufschwung monastischen Lebens, zu dem später allzu oft junge Leute überredet wurden, die keine Ahnung hatten was sie wirklich  erwartete. Sie gerieten mehrheitlich in eine Falle, - in ein klösterliches Gefängnis - aus der es kein Entrinnen gab. „Gottschalk (Godescalc) der Sachse (G. von Orbais), Theologe und Dichter, * um 803 als Sohn des sächsischen Grafen Bern, † um 869 in Hautvillers bei Espernay. - wurde (als Kind G.Sk.) dem Kloster Fulda übergeben.... Durch Hrabanus Maurus erhielt der vielseitig begabte Grafensohn eine ausgezeichnete Ausbildung. Gottschalk wollte nicht im Kloster bleiben; aber sein Abt Hrabanus Maurus zwang ihn gegen seinen Willen zur Tonsur...Mit Unterstützung        seiner          Verwandten wandte         sich

_______________                                                                                                           

(394) Hans Küng Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ S. 68                               (395) Friedrich Heyer „2000 Jahre Christengeschichte des Heiligen Landes“ Lit. Verlag Münster-Hamburg-Berlin S. 4

 

Gottschalk an den Erzbischof Otgar von Mainz. So wurde die Streitsache vor der Mainzer Synode im Juni 829 erörtert und Gottschalk zwar die Freiheit, aber nicht die Rückzahlung des väterlichen Erbes zugestanden. Gegen dieses Urteil protestierte Hrabanus Maurus ...830 ist Gottschalk als Mönch im Kloster Corbie (Nordfrankreich) bezeugt. Er ging bald aus unbekannter Ursache in das nahe gelegene Kloster Orbais. Hier suchte er Trost für sein tragisches Geschick in der Beschäftigung mit den Wissenschaften. Gottschalk wurde als Mönch zum Priester geweiht und trat als Lehrer hervor. Er studierte eifrig die Schriften des Augustinus ...und machte sich dessen Lehre von der ...Prädestination des Menschen zu eigen. ... (Weil Gottschalk einsehen musste, dass er dem Klosterleben auf legale Weise nicht entkommen konnte, nahm er Zuflucht zu der

Vorstellung es sei Gottes unabänderlicher Wille (Prädestination) dass er zu denen gehöre die errettet werden sollen... G.Sk.)  Er verteidigte seine Prädestinationslehre vor der Synode gegen Erzbischof Hrabanus Maurus, seinen früheren Abt, der in zwei Schriften sich gegen sie gewandt hatte. Doch die Synode, auf der Hrabanus Maurus Vorsitzender, Ankläger und Richter in einer Person war, sprach das Verdammungsurteil über G. aus und schob ihn zur Vollstreckung des Urteils an Erzbischof Hinkmar von Reims (s. d.) ab, zu dessen Diözese Orbais gehörte... Wikipedia erläutert die Situation umfangreicher: „Ohne dass seine Argumente recht zur Kenntnis genommen wurden, verurteilte man ihn zu lebenslanger Kerkerhaft und stetem Schweigen, zwang ihn, die eigenen Schriften zu verbrennen, und geißelte ihn danach öffentlich halb zu Tode. Diese Verurteilung und ihr Vollzug waren schwere Rechtsbrüche, denn die Synode im Ostreich hatte dazu keine kirchenrechtliche Befugnis. Dann überstellte man ihn dem Erzbischof Hinkmar von Reims.“ (396)  

Selbst der noble Franziskus verfasste seine Klosterregel mit Blick auf diesen Punkt: „Es soll niemanden gestattet werden den Orden zu verlassen.“ (397) 

Die Erzwingung eines Lebens in Keuschheit, wie speziell Augustinus es für richtig hielt, hat wahrscheinlich mehr Menschen zerstört, als beglückt. Obwohl die Katholische Kirche das offiziell so nicht lehrt wird immer wieder seitens Einzelner versucht zu unterstellen, dass schon in Nicäa, 325, gemäß Kanon 3 die Ehe für Geistliche verboten wurde. Das ist nicht zutreffend.  Auch Wikipedia erteilte z.B. im Januar 2010 wörtlich diese _________________ 

(396)         Biographisch-Bibliographisches        Kirchenlexikon            Verlag Traugott           Bautz              

(397)         .....

sachlich falsche Auskunft:  „Das Konzil verbietet absolut, dass Bischöfe, Priester und Diakone mit einer Frau zusammenleben, ausgenommen natürlich ihre Mutter, Schwester oder Tante oder eine über jeden Verdacht erhabene Frau.“  

Der Text von Kanon 3 lautet jedoch: “Die große Synode hat streng verboten, dass ein Kleriker mit einer Konkubine oder einer anderen Frau zusammenlebt, ausgenommen, es handelt sich um die Mutter, seine Schwester oder Tante, oder eine Person die jenseits allen Verdachtes ist.“ (398) Sowohl dieser Unterschied wie auch der Versuch zu täuschen ist bezeichnend und enorm. Gegenüber der Sexuallehre Augustinus steht die Lehre der Kirche Jesu Christi der HLT: „Das Gesetz der Reinheit (Keuschheit) besteht darin, dass man keine sexuellen Beziehungen hat, außer mit seinem rechtmäßig und gesetzlich angetrauten Ehepartner...  (des anderen Geschlechts).“ Nicht weniger, aber auch nicht mehr! Die buchstäblich ewige Familie ist das Ideal jedes überzeugten ‚Mormonen’. Gesetze die homosexuelle Ehen legitimieren, werden aus mehreren

Gründen abgelehnt. Doch nicht nur in diesem Punkt haben ‚Mormonen’

Übereinstimmung mit der heutigen entschieden gewendeten katholischen Kirche, freiheitlich-amerikanischen Typs! Eine Botschaft an den Präsidenten unserer Kirche Thomas S. Monson vom September 2008 bekräftigt dies. (399)

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(398)       Orthodox Church of Estonia “Canon of the First Ecumenical Council: „The great Synod has stringently forbidden any bishop, presbyter, deacon, or any one of the clergy whatever, to have a subintroducta dwelling with him, except only a mother, or sister, or aunt, or such persons only as are beyond all suspicion.” (Subintroducta=Konkubine)

(399)       Dear President Monson, On behalf of the members of the Ad Hoc Committee for the Defense of Marriage of the United States Conference of Catholic Bishops, I am writing to express prayerful support and steadfast solidarity with the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints and its members in view of recent events. We have watched with great distress in recent weeks as some members of society have reacted intemperately, and sometimes even violently, to the decision of the voters in support of Proposition 8 in California. We have been especially troubled by the reports of explicit and direct targeting of your church personnel and facilities as the objects of hostility and abuse. We pray that prudence and healing may prevail. The members of the Committee offer you our profound gratitude for your role in the broad alliance of faith communities and other people of good will who joined together to protect marriage, while at the same time, witnessing to the honor and respect due to every human person created in the image and likeness of God.lk

Fraternally yours in Christ, Joseph E. Kurtz, Archbishop of Louisville Chairman, Ad Hoc Committee for the Defense of Marriage 

 

Die Kirche, deren originäre Aufgabe, gemäß Jesu Lehren, auf Förderung und Stabilität sozialer Bindungen gerichtet ist, errichtete - unter frommem Vorwand - effektiv zahlreiche Hindernisse für funktionierende Ehen und

Familien. Nicht zu reden vom Schicksal schwangerer Nonnen und deren Kinder sowie von jenen Kindern die durch zölibatär lebende Geistliche in die Welt gesetzt wurden und werden. Ein Makel der, nach dem Urteil vieler voll zu Lasten augustinischer Befürworter zölibatären Lebens geht, denen der angebliche Ruf der Kirche als ‚heilige’ Instanz wichtiger ist, als die Zukunft von Kindern die ihr Leben lang unter den Folgen des Liebesentzugs zu leiden haben.  

„...noch in den apostolischen Canonen (wird klar gesagt) ... ein Bischof, Presbyter, oder Diakon, der aus falscher Religiosität, seine Gattin verstößt, soll stillgelegt werden, beharrt er dabei, so treffe ihn die

Absetzung.“ (400) 

In der Bibel ist kein Wort und kein klarer Hinweis zu finden, der Augustinus Annahme stützt. Besonders beachtenswert wirkt, in diesem Zusammenhang, das Wort des Berichterstatters des Buches 1. Könige: „Der Herr wurde zornig über Salomo“ - der mehrere hundert! Frauen geheiratet hatte - aber der Gott Israels, der große ICH BIN, war anscheinend nicht speziell darüber erbost, sondern; „weil sich Salomos Herz von Gott abgewandt hatte, obwohl er ihm zweimal erschienen war.“ (401) Allerdings fanden die nephitischen Schreiber des Buches Mormon:   „... David und Salomo hatten wahrhaftig viele Frauen und Nebenfrauen, und das war ein Gräuel vor dem Herrn.“ (402) Geradeaus gesagt, wollte Augustinus es besser wissen als der allmächtige Gott, der die Ehe eingesetzt hatte, weil es „nicht gut ist, dass der Mensch alleine sei“ (403) Augustinus, der noch zu Beginn seiner christlich-schriftstellerischen  Tätigkeit denken konnte, dass der Mensch ein ewiges vorirdisches Dasein bei Gott hatte, war sich später nicht mehr darüber im Klaren, dass der Fall Adams, ein Fall aus der Sphäre des Paradieses in die Welt der Sterblichkeit war. (404)  Es ist eine glatte Spekulation des Augustinus anzunehmen Evas Verführung des Adam hätte irgendetwas mit Geschlechtslust zu tun. Diese Auffassung wird ad absurdum geführt durch die Tatsache dass ohne Blut sexuelle Erregung nicht möglich ist, - denn in der Sphäre des Paradieses

hatten die ‚Menschen’  kein Blut, sie waren unsterblich als Geister geformt

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(400)   Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853 

(401)   Kapitel 11: 9                                                                                                                  (402) Jakob 2: 24                                              

(403)Genesis2:18                                                                                                                   

(404) „Wenn ihr von der verbotenen Frucht esset, werdet ihr sterben.“ D.h. ... werdet

ihr sterblich. ‚Origenismus-Mormonismus’ siehe Gerd Skibbe: „Alles war anders“ 2008                                       

worden. Sehr wohl jedoch waren sie Wesen unterschiedlichen Geschlechtes. (405)  Nicht wie Augustin und mit ihm Innozenz I. glaubte, sondern unser Wunsch eigene Erfahrungen zu sammeln, zog den „Fall Adams“ nach sich.

Gott hat das Böse ebenso wenig erschaffen, wie den Teufel als Archetypus. Beide sind das Ergebnis intellektueller Fehlentscheidung, der bewussten Auflehnung einer Anzahl präexiste     nter Intelligenzen gegen Gott. 

Die ewige Geschlechtlichkeit des unsterblichen Geistes gestattet ‚Mormonen’ zu glauben, dass es im Bereich des Möglichen liegt, eine buchstäblich ewige Ehe zu führen, mit eigenen Geistkindern (womit ein neuer Ewigkeitskreis beginnen würde. So macht die schon erwähnte ebenfalls urchristliche Vergottungslehre erst Sinn. Sogar Martin Luther sprach von der Deifikation (406) 

An dieser Stelle wird die Kritik an dem Komplex der Lehren der Kirche Jesu Christi der HLT zwar noch entschiedener, doch eher unbegründet erhoben, wie die Dogmengeschichte belegt. Erneut zeigt sich, dass frühe Feinde der Kirche Christi bereits im zweiten oder dritten Jahrhundert damit begannen ursprüngliches Lehrgut zu verdrängen. Kein Geringerer als ________________ 

(405)       „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ von der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. „...Alle Menschen - Mann und Frau - sind als Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung. Das Geschlecht ist ein wesentliches Merkmal der individuellen vorirdischen, irdischen und ewigen Identität und Lebensbestimmung...“ 

(406)       Nikolai Krokoch zitiert Tuomo Mannermaa der darauf verweist, daß das Wort der Theosis (deificatio) öfters bei Luther vorkommt als der Hauptbegriff seiner während der berühmten Heidelberger Disputation (1518) formulierten Heilslehre nämlich die theologia crucis. „Wenn in Luthers Epistelkommentaren und Weihnachtspredigten die inkarnatorische Wahrheit auf besondere Weise zum Ausdruck kommt, dann meint er ähnlich wie die orthodoxe Heilslehre die reale Teilhabe an der Gottheit Jesu: ,,Wie das Wort Gottes Fleisch geworden ist, so ist es gewiß notwendig, daß auch das Fleisch Wort werde. Dann eben darum wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit anderen Worten: Gott wird darum Mensch, damit der Mensch

Gott werde. Also wird Macht machtlos, damit die Schwachheit mächtig werde. Der Logos zieht unsere Form und Gestalt, unser Bild und Gleichnis an, damit er uns mit seinem Bilde, mit seiner Gestalt und seinem Gleichnis bekleide. Also wird die Weisheit töricht, damit die Torheit Weisheit werde, und so in allen anderen Dingen, die in Gott und in uns sind, sofern er in all dem das Unsere annimmt, um uns das Seine zu vermitteln.“ Luther nimmt hier den Vergöttlichungsgedanken des Hl. Kirchenvaters Athanasius    auf…” Tuomo Mannermaa     “Luther            und      Theosis”,         Band    16

Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen 1990, S. 11: “Theosis als Thema der finnischen Lutherforschung…

Tertullian (160-220) sagte noch:  „Die Ehen der Christen werden nicht durch den Tod des einen Teils getrennt, sondern dauern über das Grab hinaus an(407) (408) Von daher rührt die christliche Auffassung von der ‚Unauflöslichkeit’ der Ehe. Aus einem wunderbaren Element des Christentums wurde jedoch im Verlaufe der Durchsetzung der augustinischen Version des Christentums, ein Ballaststein geformt, der am Hals zahlreicher Menschen hing. Es gab praktisch keine Ehescheidungen, wo immer die Kirche unumschränkte Macht ausüben konnte.  Dass eine Ehe, in diesen Jahrhunderten, sogar zu einer Falle für Unschuldige werden konnte, ist unbestritten. Falls eine Ehefrau damals einen sadistischen Alkoholiker ertragen wollte, war das ihre Sache, aber wenn sie dem daraus entstehenden Chaos entgehen wollte, hatte sie praktisch keine Chance, dieser Situation ehrenhaft zu entkommen. Das war es sicherlich nicht, was Jesus mit seinen Ausführungen zum Thema Ehescheidungen ausdrücken wollte. Er verteidigte das Recht der Frau, das der ohnehin privilegierte und auf eine andere Partnerin lüsterne Ehemann, nicht mit Füßen treten darf.

(409) 

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(407)     Dr. K.A. Heinrich Kellner, Tertullian „Über die einmalige Ehe“ Kap 10:

Davon ist später nicht mehr die Rede. Eher wurde auf  Matthäus 22:23-33 hingewiesen Jesus selbst habe gesagt: "Ihr kennt weder unsere Bibel noch wisst ihr was von der Macht Gottes. Wenn die Menschen von den Toten auferstehen, werden sie nicht heiraten und sich nicht heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel." und der Frankfurter Pfarrer Helwig Wegner, vom MEDIENHAUS der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau folgert aus diesem Jesuswort: „Die Ewigkeit ist in allem ganz anders als das Leben auf dieser Welt. Auferstehung heißt auch nicht, dass die mit Uhren zu messende Zeit ins Unendliche verlängert wird. Unsere kleinen Ordnungen und unsere engen Vorstellungen zählen dort nicht mehr und selbst die Ehe gilt nichts im Himmel: "Sie sind wie die Engel", nicht Mann, nicht Frau, ja vielleicht ganz ohne Gestalt.“ Pfarrer Wegner hat nicht bedacht, dass Adam und Eva unsterblich als Mann und Frau erschaffen wurden....   

(408)     Der Protestant Goethe schrieb mancherlei gegen die Schul-Theologie. Er folgte seiner Intuition. Singt nicht der Engelchor am Ende des berühmten „Faust 2“ gerade das Lied vom höchsten Glück? Goethe hat wiederholt „Mormonen-Typisches“, wie die Lehre von der Möglichkeit ewig vermählt zu sein, direkt und indirekt beschrieben.:

Der Teufel will Besitz von Faustens Seele ergreifen. Nun aber zeigt es sich, dass Mephisto falsche Schlüsse gezogen hat. Engel vom Himmel steigen hernieder und treiben ihn mit seinen der Hölle entstiegenen Hilfsscharen durch geweihte Rosen zurück. Faust ist nicht der Unterwelt verfallen. Die Engel singen: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!"  Sie ergreifen Faustens Unsterbliches, bringen es zu den Füßen der Gottesmutter, wo Gretchen als Büßerin Gnade gefunden, und vereinigen die Frühgeliebten. „Führer durch das Schauspiel“ von Leo Melitz

(409)     Matth.19: „... nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen....“ 

2.                 Augustinus schuf die Lehre von der Erbsünde. Er entwickelte sie aus seiner sexualfeindlichen Grundeinstellung heraus.

 „Die Erbsünde (diesen Begriff kennt die Bibel nicht G.Sk.) wird... durch den Geschlechtsakt... auf jedes neue Menschenwesen übertragen. Deshalb ist nach dieser Theologie schon jeder Säugling dem ewigen Tod verfallen -  wenn er nicht getauft wird.“ (410) (411) Das durch solche Aussagen verursachte Leid betroffener Eltern, die 16 Jahrhunderte lang, solchen Behauptungen Wert beimaßen, wenn ihr Kinder vor dem Empfang der

Taufe starben, kann nicht mit Worten ausgedrückt werden. Die Kirche Jesu Christi der HLT lehrt deutlich dagegen:  dass, es „ein feierliches Gespött vor Gott ist, wenn ihr kleine Kinder tauft.“  (412) Augustinus Ansatz führte zu einer ganzen Reihe von Schlussfolgerungen die sich allesamt als nachteilig auf die kirchlich orientierte Welt auswirkten. 

3.                 Die Kinds-(Säuglings)taufe ist zudem ein Ausdruck der Missachtung von Persönlichkeitsrechten. Ein Säugling ist keine Unperson.

„Die Kindstaufe   wurde          um     545/6 durch Kaiser         Justinian zwangseingeführt, die Nichtbeachtung mit dem Verlust von Eigentum und Bürgerrecht bestraft, das Festhalten am „hellenischen“ Glauben bzw. die Apostasie nach der Taufe mit der Todesstrafe. Dies war ein entscheidender Schritt, da nun praktisch jeder Reichsbewohner bereits als Kind getauft wurde und ein Abfall vom Christentum als grundsätzlich todeswürdiges Verbrechen galt.“ (413) So kam der Sieg des Christentums zustande! 

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(410)          Hans   Küng    Kleine Geschichte       der       katholischen    Kirche,            S.            76                         

(411)          Katholische Nachrichten 05. Okt. 2006 Dr. Joh. M. Schwarz: „Der limbus puerorum“: Kinder, die vor der Taufe sterben, haben keine persönlichen Sünden. Sie leiden lediglich an der Zustandssünde, die Erbsünde genannt wird - also den Zustand des Mangels heiligmachender Gnade. Diese Gnade wird normalerweise in der Taufe erlangt.“  

(412)          Buch Mormon Moroni 8: 8-9; 23 „Höre das Wort Christi, deines Erlösers, deines Herrn und Gottes: siehe, ich kam in die Welt, nicht um die Rechtschaffenen zur Umkehr zu rufen, sondern die Sünder; die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die, die krank sind; kleine Kinder aber sind gesund, denn sie sind nicht fähig, Sünde zu begehen; darum ist in mir der Fluch auf Adam von ihnen genommen, so dass er keine Macht über sie hat; und das Gesetz der Beschneidung ist in mir abgeschafft...... Es ist ein Gespött vor Gott, wenn man die Barmherzigkeit Christi und die Macht seines

Heiligen Geistes leugnet und Vertrauen in tote Werke setzt.“   

(413)          Kommentar zu Codex Justinianus I 11,10 bei Wikipedia

 

4. Augustinus Lehre von der doppelten Prädestination wirkte sich als Schwächung der Leistungsfähigkeit des menschlichen Willens aus. 

„Nur eine relativ kleine Zahl von Menschen (zur Wiederauffüllung der durch den    Engelsfall    entstandenen         Lücke!)        sei     zur     Seligkeit vorausbestimmt. Die anderen seien eine ‚Masse der Verdammnis’... diese Lehre stellt den Gegenpol dar zu der Lehre des Origenes von einer am

Ende zu erhoffenden Allversöhnung. Sie wird in der abendländischen Christenheit ebenfalls eine unheimliche Wirkung erzielen und unendlich viel Heilsangst und Dämonenfurcht verbreiten bis hin zu den Reformatoren Luther und besonders Calvin, der diese Lehre rücksichtslos zu Ende denken wird.“ (414) Die Kirche Jesu Christi der HLT lehrt ebenso wie die aus dem Jüdischen hervorgekommene Urkirche (415), dass es ein Vorherwissen Gottes gibt. (416)  Wir haben das Recht, uns souverän zu entscheiden und von der Art dieser Entscheidung hängt es ab, welcher Art der Platz unseres nachirdischen Lebens sein wird. Der Mensch ist zwar frei aber für sein Tun und Lassen rechenschaftspflichtig. Joseph Smith lehrte, entschieden anders als Augustinus, Innozenz I. oder Luther: „Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus freien Stücken tun und viel Rechtschaffenheit bewirken; denn es ist in ihrer Macht, selbständig zu handeln und, wenn die Menschen Gutes tun, werden sie ihres Lohnes keineswegs verlustig gehen..“ (417) Glück oder Seligkeit sind die bewusst wahrgenommenen Ergebnisse unserer Leistung, gemäß den Weisungen Christi gehandelt zu haben.  

Das entspricht wiederum der Theologie der Alten Kirche, wie Origenes belegt: „Zwar sind alle Geschöpfe ganz auf Gott angewiesen, eigene Anstrengungen werden durch seine Gnade weit überwogen. Aber die Vorsehung hat alle Regungen des freien Willens von Ewigkeit vorausgesehen und eingeplant, und sie werden gerecht vergolten.“ (418) _________________ 

(414)          Hans   Küng    Kleine Geschichte       der       katholischen    Kirche,            S.            76                                       

(415)          Josua: 24: 15 „Gefällt es euch aber nicht, dass ihr dem Herrn dient, so erwählt

euch                  heute,                  wem                  ihr                  dienen                  wollt.“                                       

(416)          Buch Mormon Alma 13:3  „Und diese Priester wurden nach der Ordnung seines Sohnes ordiniert, ... Und dies ist die Weise, nach der sie ordiniert wurden, sie waren von Grundlegung der Welt an gemäß dem Vorherwissen Gottes und aufgrund ihres außerordentlichen Glaubens und ihrer guten Werke berufen und vorbereitet; zuallererst war es ihnen überlassen, Gut oder Böse zu wählen; weil sie nun das Gute erwählt und überaus großen Glauben ausgeübt haben, sind sie durch eine heilige Berufung berufen, ja, durch jene heilige Berufung, die zusammen mit einer vorbereitenden Erlösung und gemäß derselben für so jemand bereitet worden ist.“  

(417)          Lehre und Bündnisse Abschn. 58: 27-28 k 

(418)          Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft ... S. 1692 – 1702, 

Wieder ist der Bezug ein intelligentes Leben vor der irdischen Periode des

Daseins. Unser jenseitiger Grad des Fleißes bestimmte in welche Umstände wir nun hineingeboren werden. Das Einzelwesen muss, weil es kann, sich jetzt zwischen Gut und Böse - oder zwischen dem Besseren und dem Schlechteren - entscheiden. Wenn es das Gute wählt, kann ihm niemand einen Vorwurf machen, selbst Gott nicht. Wegen der von Jesus verkündeten Gerechtigkeitsprinzipien, gibt es keine Prädestination, aber ein Vorherwissen Gottes. Aus dieser Position heraus plante der Schöpfer unseren Einsatz: (419) 

5.) - Verhängnisvoller als alle vorgenannten Lehren des ‘Heiligen’ Augustinus sollte sich sein Einverständnis mit dem Zwang zum Glauben erweisen. „Augustinus meint schließlich doch auch Gewalt gegen Häretiker und Schismatiker theologisch rechtfertigen zu können und zwar mit Berufung     auf     das    Jesuswort:   ‚Zwinge       (statt nötige)         sie hereinzukommen, die draußen sind...’ Augustinus, der so überzeugend von Gottes und der Menschen Liebe zu  reden wusste... wird so in fataler Weise durch die     Jahrhunderte         zum    Kronzeugen für     die theologische Rechtfertigung von Zwangsbekehrungen, Inquisition und heiligen Krieg gegen Abweichler aller Art – was wir im christliche Osten in dieser Weise nicht finden.“ (420) Wegen Augustinus „Compelle intrare“(Zwingt sie, nötigt         sie)    starben         bereits         bis     zur Jahrtausendwende mehrere hunderttausend Menschen. Die ambrosianisch-augustinische Idee, man müsse die Menschen zum Guten nötigen, griffen, wenn auch unter anderen Vorzeichen, im 20 Jahrhundert die Kommunisten noch einmal auf, mit denselben verheerenden Ergebnissen. Dieser Härte steht der besorgte Vater gegenüber, der seinem eigensinnigen Sohn bekümmert hinter herschaut. Er hält ihn nicht auf, tadelt ihn auch nicht, als er geschlagen heimkehrt, fragt nicht, er weiß, der verlorene Sohn sah selbst ein, dass er sich falsch entschieden hatte. Origenes Theologie steht unter dem Eindruck dieses Bildes, Gott gibt dem Menschen Handlungsfreiheit, damit in ihnen Gutes entstehe. Die vorliegenden Diplomarbeiten die zum Thema „Augustinus Compelle intrare“ geschrieben wurden, und die jeder im Internet

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(419)   Epheser 1: 3-12 „Denn in ihm (Christus) hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt... durch ihn sind wir auch als Erben vorbestimmt und eingesetzt, nach dem Plan dessen ... der es in seinem Willen (nicht in seiner Willkür G. Sk.) beschließt...“ Die Ursache zur Annahme einer Prädestination im Sinne Augustinus entfällt wenn man die Erwählung - (eine bestimmte Aufgabe im Diesseits... nach dem Plan dessen... zu erfüllen G.Sk.) in das Vorherdasein verlegt, - an ihre Stelle tritt das Vorherwissen

Gottes.          Zumindest           ergibt           solches          Denken          mehr           Sinn.                                       

(420)   Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ S. 73  

abrufen kann, erwecken den Eindruck, dass Augustinus Berufung auf den Lukastext, Kapitel 14: 23, „Jesus sagte: nötigt sie hereinzukommen... um am Festmahl teilzunehmen“ eher positiv auszulegen ist:  sagt ihnen ich lade sie dringend ein an meinem Fest teilzunehmen.“ Eine Peitsche zu schwingen, wenn es doch um die Festtagsstimmung geht, das passt nicht zueinander. 

Demgegenüber steht zudem die Lehre der Kirche Jesu Christi der HLT die deutlicher und menschenfreundlicher nicht sein kann: „Die Rechte des Priestertums sind untrennbar mit  den  Himmelskräften verbunden und können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden… (falls wir Menschen nötigen)  ist es mit dem

Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.” (421)                                                         

Nur wenige Elemente des sogenannten ‚Mormonismus’ wirkten auf mich  stärker und erhellender als diese. Glücklicherweise wenden sich immer mehr katholische Theologen von den hier beschriebenen Thesen des von Ambrosius beeinflussten Augustinus ab. 

Augustinus Frömmigkeit ist ‚Mormonen’ völlig fremd, sie denken (obwohl ihnen das selten bewusst ist) eigentlich origenistisch-arianischpelagianisch. Das heißt Origenes, Arius und Hippolyt, Novatianus, und Pelagius vertraten die andere Linie des Christentums, nämlich die des absoluten Vorrangs der Menschenrechte. In unglaublich rücksichtsloser Weise wurden dieser Kurs, und allzu oft sogar die von dieser Art Religion überzeugten Menschen verfolgt. Wer für Augustinus ist und wie er denkt und glaubt, kann die Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nicht lieben. 

Auch dies ist ein Grund für die Ablehnung, die meine Kirche erfährt. Es sind die     rhetorischen und    die     daraus         entstehenden          praktischen Übertreibungen, die in einem Jahrhunderte währenden Prozess schwere

Deformationen verursachten, die uns trennen, weniger die großen aktuellen Anliegen beider Seiten. Diese Tatsache wird die besten Kräfte der seit dem Vaticanum 2 (1965-65) im Umbruch befindlichen römisch-katholischen Kirche und die der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage immer näher zusammen bringen, das deutet sich an. Dem kommt die generell positive Einstellung der Katholiken und der ‚Mormonen’ zur Selbstdisziplinierung entgegen. Übrigens, Augustinus durch Ambrosius von Mailand bekehrt, würde sich auch darüber wundern, in der Kirche

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(421) Lehre und Bündnisse 121: 35-40   

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, seines Vorbildes Symbol der Botschaft Christi, den Bienenkorb, wiederzusehen. 

Dies ist gewiss ein Phänomen. Die positiven Änderungen, die moderne Päpste durchsetzten, bemerkten wir alle bewundernd. Doch noch Pius IX. verwirft 1864 - ein viertel Jahrhundert nach dem von Joseph Smith verfassten, berühmten 11. Glaubensartikel (422) entschieden jeden Ansatz zu eigenem Denken. Papst Pius IX. ächtete  (423) diesen Satz, (der so typisch für „Mormonismus“ ist, und der dem Sinn des Mailänder Toleranzreskriptes des Jahres 313 entsprach, ausdrücklich. Da hieß es noch:) „Es steht jedem Menschen frei, diejenige Religion anzunehmen und zu bekennen, die man, vom Lichte der Vernunft geführt, für wahr erachtet.“  1888 forderte Papst Leo XIII. dagegen diktatorisch : „Freiheit für die Wahrheit, aber keine Freiheit für den Irrtum.“ (424)  Doch Papst Johannes Paul II., ein Pole, der unter deutschen Schikanen, sowie sowjetrussischem Diktat gelitten hatte, änderte 1979 die bisherige Einstellung der römisch-katholischen Kirche, indem er in seiner Antrittsenzyklika, ein wenig beschönigend erklärte: „Die Religionsfreiheit, manchmal noch begrenzt oder vergewaltigt, ist Voraussetzung und Garantie für alle Freiheiten, die das Gemeinwohl der Menschen und der Völker sichern... Die Religionsfreiheit bringt nämlich wie kein anderes Menschenrecht den Vorrang der menschlichen Person gegenüber jeder politischen Ordnung und ihre Offenheit für das Gute zum Ausdruck.“ (425)   

Es war bis in unsere Zeit hinein das Drohen mit der Hölle, das den Kirchenautoritäten das Regieren leicht machte. Die Hölle erwartete diejenigen die auf ihre Freiheitsrechte pochten, auch diejenigen die offensichtlich ein besseres Los verdient hätten. Augustinus Drohen klang noch grauenvoller:  es gibt Individuen, die Gott von vorne herein für die Hölle vorbestimmt hat. (Patrologia Lavina 40, 533; praedestinavit ad aeternam... die gesamte Theologie des Mittelalters folgte der augustinischen Auffassung von der Hölle und ihren ewigen Qualen...

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(422) „Wir beanspruchen für uns das Recht, Gott den Allmächtigen zu verehren, wie es uns das Gewissen gebietet, und wir gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu,

mögen sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.“                                                    (423) Enzyklika „Quanta cura“, 1864.                                                                              

(424)       Enzyklika „Libertas praestantissimum“ in: Die Katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, 4 Bde., hg. v. A. Utz u. B. v. Galen (Aachen 1976) Rd. nr. II/59. bei Konrad Hilpert „Die Anerkennung der Religionsfreiheit“, 2005                     

(425)       „Redemptor hominis“, 1979 bei Konrad Hilpert „Die Anerkennung der Religionsfreiheit“, 2005

Seit dem Zeitalter der Aufklärung verstummen die Argumente gegen die Hölle nicht. Ideologiekritisch wird darauf hingewiesen, dass die Lehren von der Hölle für die Priester von größtem Nutzen ist; sie bildet die Grundlage ihrer Macht und die unerschöpfliche Quelle ihrer Reichtümer, erlaubt sie doch dem Klerus die Bevölkerung mit Höllendrohungen einzuschüchtern.“ (426) Erneut zeigt sich der Wandel: Der Katechismus der Katholischen Kirche von Papst Johannes Paul II: am 11. Oktober 1992 veröffentlicht, lehrt mit Artikel 1037:  „Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen.“  Aber es ist nicht vergessen, die Lehren der christlichen Kirchen zeigten fast anderthalbtausend Jahre eine Hölle die vom schuldig gesprochenen Individuum endlos (ewig) zu erleiden ist.  Joseph Smith - wie er behauptet inspiriert - sagte, Jesus habe erklärt:  „Gewiss muss jeder Mensch Umkehr üben oder leiden, denn ich,  Gott,  bin  endlos, darum  nehme  ich die Urteile, die ich sprechen werde, nicht zurück... doch steht nicht geschrieben, dass diese Qual kein Ende haben wird, sondern es steht geschrieben endlose Qual...., ewige Strafe ist

Gottes Strafe.“ (427)   

Joseph Smith und Origenes wissen: Es gibt viel mehr als nur Schwarz und Weiß, mehr als nur Hölle und Himmel (plus Fegefeuer oder Limbo). 

Konsequenter Konstantinismus kennt nur hier die Hölle und da den

Himmel und das Purgatorium. Die einen kommen ohne eigene Anstrengung ins Reich Gottes und erfüllen es mit nie endenden

Lobgesängen, die anderen verfallen dem ewigen Verderben, obwohl sie ihr Leben lang bemüht waren, Gutes zu tun, oder obwohl sie völlig schuldlos sind, fallen sie in die lodernden Höllenflammen, um ewig zu brennen. Nur weil sie nie die Chance hatten, den Namen „Jesus Christus“ zu hören, weil sie das Athanasianum ablehnten oder weil sie ungetauft gestorben sind. Jahrhundertelang galt das Purgatorium als Vorhölle, nun avancierte der Begriff zum Vorhimmel. Auch darin zeigt sich, dass die Zeiten absoluter Vorherrschaft kirchlich-engen Denkens (in der ganzen christianisierten Welt) endgültig abgelaufen sind. 

Im Nachhinein erhebt sich die Frage, ob Augustinus die Lehre von der

Erbsünde vor allem ersann, um das Mittel Furcht auszuschöpfen, um alle Eltern moralisch unter Druck zu setzen? Denn wer „compelle intrare“ als Kampfruf ausgibt, dem ist auch das zuzutrauen.

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(426)   Bernhard Lang, „Himmel und Hölle“ Jenseitsglaube von der Antike bis heute.

C:H: Beck 200357 S. 85                                                                                              

(427)   Lehre und Bündnisse 19: 6

Schier endlose  Zeitabschnitte regierte die Kirche mit Hilfe des Ungöttlichen. Das wird es, nach Lage der Dinge, aus der Sicht des 21. Jahrhunderts nie wieder geben. Das 2. ökumenische Konzil von Konstantinopel 553 hatte aus rein politischen Beweggründen, konstantinisch-ambrosianisch denkend einen Kanon verabschiedet, indem die Allversöhnungslehre Origenes strikt abgelehnt wurde, „Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich (begrenzt) und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben... der sei ausgeschlossen.“ Dem Inhalt dieses Kanons stimmt die katholische Kirche noch immer zu. Die Hölle ist der ewige Platz derer, die nicht glauben, was Rom lehrt. Origenes indessen sprach deutlich von einer zeitlich begrenzten Gewissensqual, die durchaus als höllisch empfunden wird, aber die nur dem einen Zweck dient, den Einzelnen zur Einsicht zu bringen, das Schlechtsein gegenüber anderen falsch ist und letztlich unglücklich machen muss. Mit dem XVII. Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses schloss sich die evangelische Kirche dem Justinianischen Anliegen der Verdammung des Origenes an: „Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und zur ewigen Strafe verdammen wird. Deshalb werden die verworfen, die lehren, dass die Teufel und die verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual  haben werden.“ (428) Wie ein roter

Faden zieht sich die Idee durch die Geschichte: Der Zweck                                  heilige die Mittel. Das Echo des Nein der Unterdrückten vieler Zeiten ist dagegen unüberhörbar. Unsere gottähnliche Seele erträgt unter keinen Umständen Einengungen, es sei denn das eigene Gewissen gebietet das. Richtig kann auch deshalb nicht sein, die mit dem Konzil zu Nicäa 325 endende Geschichte der Urkirche als christliche zu bezeichnen und die auf grundsätzlichem Gegenkurs sich entwickelnde Gegenkirche ebenfalls. 

 

Ein typisches Beispiel für empörende Amtsausübung liefert uns Cyrill von Alexandria, der zu Beginn des 5. Jahrhunderts im Geiste einiger seiner unrühmlichen Vorgänger rigoros amtiert. Das Dreiecksverhältnis zwischen der Kaiserin Pulcheria und Nestorius, sowie Cyrill ist von Beginn an vergiftet. Sie sind zwar lupenreine Athanasianer, aber mit ihrem jeweils absoluten Machtanspruch  mussten sie aneinander scheitern. 

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(428) Das Augsburger  Bekenntnis von 1530 (Confessio Augustana) 

 

 

Cyrill von Alexandria, Herr des Konzils zu Ephesus 431, die selbsternannte Kaiserin Pulcheria und Patriarch Nestorius

 

Cyrill gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten des Altertums. Er ist klug und gewissenslos. Er stichelt und agiert gegen die in Alexandria hoch angesehenen Novatianer, - eine Restgruppe der Gemeinde der „Heiligen der Letzten Tage“ (429), schließt deren Kirchen und gibt sie der Plünderung durch den alexandrinischen Mob preis. Die Szenen die sich dabei abspielen zeigen, dass Cyrills Anhang zu jeder Schandtat bereit war. Sokrates ein als zuverlässig geltender Historiker der Antike, spricht von der ohnehin allgemeinen Gewaltbereitschaft der Einwohner Alexandrias, die Cyrill sich dienstbar machte. (430) Straßenrandale, Zänkereien und hetzerische Predigten, gehörten zur Tagesordnung.  

Begonnen hatte es mit Alexander von Alexandrias Aufruf zur Verfolgung des Arius bis aufs Blut. Sein Ziehsohn Athanasius setzte den Kurs fort, aber einen vorläufigen Höhepunkt setzte Cyrills Onkel, Bischof Theophilus, im Jahr 391. Dieser wollte den vollständigen Sieg des „Christentums“ wohl noch zu seinen Lebzeiten sehen. Er erwirkte eine

Verfügung des Kaisers Theodosius I. die Tempel der Hellenen zu Alexandria zerstören zu dürfen. Alles solle nach seinem Gutdünken geschehen! Das dies Theodosius Wille war, erscheint sehr fragwürdig. Es gibt keinen Beleg dafür. Noch aber lebte und wirkte Ambrosius von Mailand!

 „…Als Theophilus diese Erlaubnis erhalten, wandte er Alles an, um die Mysterien der Hellenen zu beschimpfen, und er reinigte das Mithreion und warf das Serapeion nieder, und die phönizischen Mysterien des Mithreions verhöhnte er öffentlich...Als nun das Übel gestillt war, kamen dem Theophilus zur Zerstörung der Tempel der Präfect von Alexandria und der Anführer der Truppen zu Hilfe. Die Bilder der Götter aber wurden zu Bechern und zu anderen Bedürfnissen der Kirche von Alexandria eingeschmolzen, (obwohl) der Kaiser die Götzen zum Unterhalt der Armen geschenkt hatte... Dieser Tempel – Serapeion - war aber an Schönheit und Größe der glänzendste, auf einer Anhöhe gelegen. . Von den Wänden des Innern Heiligtums glaubte man, dass sie zuerst mit goldenen Platten überzogen seien, darüber mit silbernen und zuletzt mit ehernen, die zum

Schutze der edlen Metalle dienten... In dem zerstörten und entblößten

________________ 

(429)     Friedrich Loofs „Dogmengeschichte“ Halle/Saale 1950 S.133, „... die neue

Prophetie... bestrebte sich ... die Gemeinde der Heiligen der Letzten Tage zu sammeln.“

(430)     Sebastian Schurig „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von Alexandria“, Uni Jena, 2001, Mohr Siebeck, S. 16       

 

Tempel des Serapis ...wurden in Stein gehauene Schriftzeichen gefunden, die man hieroglyphisch nennt. Es waren aber Zeichen, welche die Form von Kreuzen hatten. Als Christen und Hellenen dies sahen, eignete jeder dieselben seinem Glauben an. Denn die Christen, indem sie sagten, das Kreuz sei das Zeichen des heilbringenden Leidens Christi, meinten...die

Hellenen aber..., es bestehe etwas Gemeinsames zwischen Christus und Serapis, wenn das Kreuzeszeichen einerseits von den Christen, andererseits von den Hellenen zum Symbol gemacht werde. Während diese aber stritten, sagten einige von den Hellenen, die zum Christentum übergetreten waren und die hieroglyphische Schrift verstanden, indem sie das Kreuzeszeichen erklärten, dass es das zukünftige Leben bedeute. Indem die Christen dies vollständig für den eigenen Glauben ergriffen, benahmen sie sich umso prahlerischer. Als aber noch durch andere hieroglyphische Schriften kundgetan wurde, dass der Tempel des Serapis ein Ende nehmen werde, wenn das Kreuzeszeichen erscheine, ... gingen noch viel mehr zum Christentum über.“ (431)  

Es gibt den interessanten Hinweis Serapis sei jener Joseph gewesen, der Agypten vor einer Hungersnot bewahrte. (Pharaos Traum von den 7 fetten und den 7 mageren Kühen) Wenn das zutreffen sollte, bestünde tatsächlich Gemeinsames zwischen dem großen ICH BIN der Israeliten durch dessen Licht Joseph die Bedeutung eines Traumes des Pharao erkannte sowie der Religion und Wertschätzung gewisser Hellenen die sie Joseph erwiesen. erscheint aufgesetzt. Den meisten Hellenen wird die Kreuzesprophezeiung düster und trostlos vorgekommen sein.

 

408 erging ein „Verbot des Hofdienstes für alle Nichtkatholiken“. (432) Auf ganzer Frontlänge gingen die Siegreichen mit Schikanen  gegen ihre Mitmenschen vor.  

Vier Jahre später betritt Cyrill die Bühne:„Sobald (er) sich 412 auf den ersten Patriarchenstuhl der damaligen orientalischen Kirche erhoben sah, ließ er auch sogleich erkennen, was man von seinem Eifer zu erwarten habe. Die Bischöfe von Alexandrien hatten damals auch einen Teil der weltlichen Regierungsgewalt inne, und Cyrill handhabte dieses Ansehen mehr als seine Vorfahren, und wenigstens nach dem Bericht des ihm ________________ 

(431)      Full text of „Quellen der byzantinischen Kunstgeschichte“ übers. von Friedrich Wilhelm Unger,  Wien,1878, KuK Hof u Univ. Buchhändler, 22 Erster Abschnitt:

Socrat, V. 

(432)      Johannes van Oort und D. Wyrwa Peeters, „Heiden und Christen im 5.

Jahrhundert“ 1998

allerdings nicht günstigen Sokrates war er nicht zufrieden, über seinen Klerus unumschränkte Macht zu üben, sondern mischte sich auch sehr in  die weltlichen Angelegenheiten. Demgemäß vertrieb er sogleich die Novatianer aus der Stadt, ließ ihre Kirchen schließen, nahm die darin befindlichen Schätze und beraubte ihren Bischof Theopemptus seines ganzen Besitztums.“ (433)  

Unbestritten ist, dass die Nachfolger Novatians, die Cyrill zu Boden wirft, sich ernsthaft darum bemühten rechtschaffen zu sein. Die Novatianer hatten sich nichts zu Schulden kommen lassen, was unehrenhaft gewesen wäre. Besonders wichtig war ihnen die gegenseitige Treue der Ehepartner. Sie führten sich anders auf als die Orthodoxen. Vielleicht neigten einige Novatianer zu einigen praktischen Übertreibungen. Aber sie waren tolerant. Wiederholt stellten sie das unter Beweis: „Als die Nicäner ( zur Zeit des arianischen Bischofs von Konstantinopel, Makedonios, um 390,) ihre Kirchengebäude verloren,... zogen sie es vor zusammen mit den Novatianern Gottesdienste abzuhalten... Papst Coelestin (422-432) entzog ihnen jedoch...  ihre Kultgebäude (Versammlungsräume G.Sk.) und die kaiserliche Gesetzgebung schloß seit dieser Zeit auch die Novatianer unter die häretischen Gruppen.“ (434) Die Duldsamkeit der Novatianer war für Cyrill Grund genug sie zu diffamieren, mit dem Ziel sie auszulöschen. Dabei hatten sie sich nur geringfügig von den nicänischen

Glaubensbegriffen distanziert. Eigentlich müsste er sie als seine Freunde betrachten. (435) Nur, diese Freunde waren so kühn gewesen einige seiner Gemeindemitglieder für sich zu gewinnen. Das hätten sie unterlassen sollen. Er durfte das, nur er.  

Cyrills „gnadenloser Kurs richtete sich gegen alle, deren Standpunkte er  

__________________ 

(433)   Heinrich Hand, „Cyrillus von Alexandria“ Vorwort, Kempten 1879    

(434)   Steffen Diefenbach „Römische Erinnerungsräume“ S. 253

(435)   Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens“, Dissertation  Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2005 S.117-222 

Hätte (Kaiser) Theodosius nicht die Novatianer aufgrund ihres homousischen Glaubensbekenntnisses begünstigt, hätte er auch sie, die sich als Kaqaroi/, als „die Reinen“, bezeichneten, (sie unter die Sekten G.Sk.)  nennen müssen. 

Sie wollten... die Leute durch die Vorspiegelung einer probata fides und eines propositum castior täuschen (eines rechtschaffenen Lebens)  an sich ziehen und sie dabei vergessen lassen, dass es sich (bei ihnen) in den Augen der katholischen Kirche um Häretiker handelte. Dieses Edikt zeigt, dass die offene Nennung des Sektennamens (Novatianer) Anstoß bei der Orthodoxie erregte und diese (ähnlich gearteten G.Sk.)

Sekten als eine ernsthafte  Bedrohung wahrgenommen wurden. Da diese Sekten den Anspruch erhoben, dem christlichen Ideal näherzukommen als die Großkirche und ein reineres und gottgefälligeres Leben zu führen, fürchtete man offenbar, Anhänger an diese Gemeinschaften zu verlieren.“ 

als unverträglich mit der christlichen Gemeinde der Stadt erachtete. So veranlasste er die Plünderung …der Kirchen der christlichen Gruppe, (der Novatianer) die von dem römischen Priester Novatian im 3. Jahrhundert gegründet wurden. Als Vergeltung für jüdische Angriffe stachelte er die Christen von Alexandria zu einem Judenpogrom an, der das Ende der jüdischen Gemeinde in dieser Weltstadt bedeutete...“ (436)

Unvergessen: der hier als ‚römischer Priester Novatian’ bezeichnete Mann war laut offizieller Liste ein Papst!   der von 251 - 258 amtierte, allerdings als Bischof in Rom, der, wegen seiner urchristlichen, vielleicht etwas starren Haltung wegen, im Nachhinein zum Gegenpapst degradiert wurde.  Mit Degradationen war man damals schnell zur Hand. Nur, wir leben in einer besseren Zeit, in der alle alten Dokumente erneut auf Stichhaltigkeit von unparteiischen Gelehrten untersucht werden. Die Quellen berichten immer dasselbe: „Der Patriarch von Alexandria, Cyrill (Kyrill) bekämpft Juden und Häretiker gleich in den ersten Jahren nach seinem Amtsantritt 412,... der Grund (von Vertreibungen und Plünderungen) waren gegenseitige christliche-jüdische Provokationen innerhalb der für Aufruhr anfälligen alexandrinischen Bevölkerung.“  ... konkreter Anlass zu blutigen Auseinandersetzungen ist ein nächtlicher Überfall auf Christen, die aufgrund der gezielten Falschmeldung die Alexanderkirche brenne, aus den Häusern eilen. Die auf sie einschlagenden Juden tragen Fingerringe aus Palmrinde... um sich im Dunkeln kenntlich zu machen. Im Gegenzug nimmt am nächsten Tag Kyrill den Juden ihre Synagogen weg, vertreibt sie die seit Alexander den Großem hier wohnen aus der Stadt und lässt ihren Besitz plündern... 423 wird die große Synagogen von Antiochia durch Christen zerstört.“ (437)   Die Lehren und der Geist der Urkirche konnte in diesem Umfeld selbst bei größter Anstrengung Einzelner kaum bewahrt bleiben. In dieser Stadt mochte man die Lichtgestalten nicht. Starken Charakteren mit guten Absichten standen zu viele anders geartete Leute gegenüber: „Kaum eine Bischofswahl im streitsüchtigen Alexandria war unproblematisch, diejenige Cyrills Patriarch von 412-444 bildete da keine Ausnahme. Es hatte innerkirchlichen Dissens und sogar einen Gegenkandidaten gegeben, den der Präfekt Abundatius favorisiert hatte; nach dreitägigen Diskussionen triumphierte Cyrill mit Hilfe des Mobs... Cyrill seiner Position nicht sicher... war der erste einer Reihe von Kirchenfürsten der Stadt, die den alexandrinischen Klerus und alles was

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(436)ÖkumenischesHeiligenlexikon                                                                        

(437) Karl-Leo Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium“ Romanum Studienbücher Akademie-Verlag 2001 S.

mit kirchlicher Organisation zusammenhing, zu einem im Wortsinn schlagkräftigen Instrument ausbauten... anschließend ging Cyrill gegen jene christlichen Gruppierungen vor, die man aufgrund staatlicher Gesetze als Sektierer, Häretiker oder Schismatiker bezeichnete. Besonders hart traf es die Novatianer, die in der Bußpraxis noch rigoroser waren als die Melitianer, deren Kirche Cyrill ebenso konfiszieren ließ wie ihre liturgischen Geräte, um sein eigenes Kirchenvermögen aufzubessern...“  (438)  Im Jahr 415 strebte die alexandrinische Kirchengeschichte einem neuen Tiefpunkt zu.  Kaiser Honorius (Kaiser des Westens und ein Katholik ersten Ranges, G.Sk.) ließ all das nicht nur zu er „verfügte mit Codex Theodosius 16,10,20 harte Maßnahmen gegen heidnische Priester in Afrika. Sie mussten bis 01. November alle Metropolen verlassen... alle Grundstücke die heidnischen Kultausübungen dienten wurden kaiserliches

Eigentum... Nach Const. Sirm. 6 (Sirmondianische Konstitutionen) von 425,,,“ heißt es „Weil wahrhaft religiöse Menschen nicht durch

Aberglauben verdorben werden dürfen, so befehlen wir, dass die Manichäer, alle Häretiker (alle, die durch staatlich-kirchliche Willkür zu

Häretikern erklärt worden waren G.Sk.) Schismatiker, (alle die es wagten

Gewissensentscheidungen höher zu stellen als doktrinären Zwang G. Sk.) Zauberer (und solche die man dazu stempelte, weil sie unbequeme Fragen stellten G. Sk.) und jede dem katholischen Glauben feindliche Sekte gerade vom Anblick der Städte ausgeschlossen werden müssen, um (die anderen) nicht durch verpestende Anwesenheit von Kriminellen zu verunreinigen.“ (439)  Alexander Solschenizyn beschreibt in seinem Werk “Archipel Gulak” Vergleichbares für den Beginn der kommunistischen Ära. Cyrill trieb sein ungutes Spiel weiter, er jagte die große jüdische Bevölkerungsgruppe Alexandrias aus niederen Motiven in den völligen Ruin, und er trägt an der Ermordung der edlen heidnischen Philosophin Hypatia zumindest Mitschuld, indem er gegen ihre ‚Zauberei’ predigte.  Und wie im Jahre 415 die kluge Frau umgebracht wurde! „Die schändlichste Grausamkeit verübten...  Mönche ... gegen die liebenswürdige Philosophin Hypatia. Zur Fastenzeit rissen die Mönche sie aus ihrem Wagen, zogen sie nackend aus und schleppten sie wie ein Opferlamm in die Kirche. Hier ermordete man sie auf die grausamste Weise... (440) Der Philosophin Hypatias prominentester Schüler und Bewunderer war der Christ und spätere Bischof Synesios von Kyrene  (370-413), ein kluger und toleranter

Mann. Mit ihm stand sie im Briefverkehr. Auch das könnte Cyrill  

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(438)   Manfred Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl. 2004

(439)   Karl-Leo Noethlichs „Kaisertum und Heidentum im 5. Jahrhundert“ S. 15

(440)   Arnulf Zitelmann „Hypatia Taschenbuch – Beltz

missfallen haben. Es heißt: „Alle christlichen Quellen geben dem Kyrill die Schuld  oder Mitschuld, obwohl die Masse des Volkes oft durchaus nicht auf der Seite des Kyrill stand. Der wahre Grund der Ermordung war möglicherweise, dass Hypatia nicht nur mit dem  praefectus augustalis Orestes zusammenarbeitete, sondern eine einflussreiche Frau innerhalb der Opposition gegen Kyrill insgesamt war.“ (441) Das ist doch jedes Menschen Recht anders zu urteilen als eine dominierende Persönlichkeit.

Dieses Recht nahmen die Propheten Israels ausnahmslos für sich in

Anspruch. Wegen Wahrnehmung dieses Rechtes entstand letztlich die Bibel. Ihre Aussagen richten sich unentwegt kritisch an das eigene Volk. (442) Die Heilige Schrift warnt und ermutigt. Insbesondere weist sie immer wieder darauf hin, dass dem Unrechttun der Entzug der Liebe und des Lichtes Gottes folgt.  

Kaplan Dr. Fendt gibt zu bedenken, die Juden hätten von einem ,,Brief der Philosophin Hypatia" an Cyrill gesprochen; erst „durch des Nestorius Zweinaturenlehre (443) sei sie bekehrt worden, darin bekennt sie, nie habe sie verstehen können, wie Gott gekreuzigt werden konnte.“ (444) Nestorius vermochte wozu Cyrill unfähig war? Unerhört!  Er wird sich das merken.

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(441) Karl Leo Nöthlich: Johann Hahn „Gewalt und religiöser Konflikt“ Akademie

Verlag,2004                                                                                                                    

(442) Jeremia 7: 2-7 „Hört das Wort ganz Juda... bessert euer Verhalten und euer Tun, dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort (dem Tempel) Vertraut nicht auf die trügerischen Worte: der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist hier,...nur wenn ihr euer Tun von Grund auf bessert, wenn ihr gerecht entscheidet im Rechtsstreit, wenn ihr die Fremden, die Waisen und Witwen nicht unterdrückt, unschuldiges Blut nicht

vergießt...             dann             will             ich             bei             euch             wohnen.“                                       

(443) Der Begriff der Zweinaturen bedeutet, dass Jesu unsterbliche Intelligenz in einen sterblichen Leib geboren wurde. Nach ‚mormonischem’ Verständnis sind alle Menschen – die zur Familie Adams gehören - Doppelwesen. Sie sind eine Kombination aus           fein-     und      grobstofflicher             Materie            und   bilden vereint die       Seele.                                    

(444) Leonhard Fendt, „Die Christologie des Nestorius“ kath.theol. Fakultät der Kaiser Wilhelm Universität zu Straßburg, 1909, Kempten, S. 104   

 

 

 

 

 

 

Nestorius 

 

Er kam aus Antiochia, vorbelastet mit dem Ruf  er sei ein kompromissloser Draufgänger. „Er war jung, rothaarig, mit großen Augen und einem schönen Gesicht; man hätte ihn einen zweiten David nennen können. Auch war der Klang seiner Stimme sehr angenehm. Er hielt allerlei Anreden (Ansprachen) bei der heiligen Kommunion, und viele kamen nur zur Kirche, um den Ton seiner Stimme zu vernehmen.“(445) „Allein man hatte sich in Nestorius allgemein getäuscht. Bemerkenswert sind von ihm schon die in seiner gleich nach der Ordination gehaltenen Rede an den Kaiser gerichteten Worte: „Verschaff’ du mir, o Kaiser, eine von Ketzern gereinigte Erde, und ich will dir dafür den Himmel verschaffen; hilf du mir in Niederwerfung der Ketzer, und ich will dir helfen in Niederwerfung der

Perser!“ (446) 

Diejenigen die ihn näher kannten, wussten, dass er nicht zu Bewunderern der augustinischen Lehren gehörte. Einige rechneten ihm übel an Pelagianern Schutz geboten zu haben, weil er überzeugt war, dass die Lehre von der Erbsünde, wie sie der Bischof von Hippo lehrte, unbiblisch sei. Im Jakobusbrief stand es schwarz auf weiß geschrieben: „Wer also das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt.“ (447) Ihm tat es gut logisch zu denken. Eigentlich konnte es niemanden geben der solche Definition nicht verstand. Ein Säugling hatte zwar die Neigung zu Tugenden und Untugenden von seinen Eltern geerbt, aber nicht deren Schuld vor Gott. Indessen horchten die Opportunisten gleich auf. Das war doch antikatholischer Wind der zu blasen begann. Mit wem sollten sie übereingehen? Ist Nestorius stark genug, wird er die Mehrheit der Kleriker hinter sich bringen? 

Nein. 

Rom hatte zahlreiche Bischöfe die nicht oft genug der Gnade Gottes bedurften. Sie hatten sich bereits deutlich zu Augustinus bekannt. Unter diesen Umständen war es nur zweitrangig eigene Erwägungen anzustellen.

Wenn Rom gesprochen hatte, war eine Sache erledigt.

Dazu eine kurze Anmerkung: Selbst ‚Papst’ Zosismus war zuerst kein

Freund der augustinischen Lehre von der Erbsünde, aber sein Vorgänger Innozenz I. hatte sich dazu bekannt. Damals kam es zu einer Provinzialsynode in Mileve, Nordafrika, über die Augustinus präsidierte.

Der britische Mönch Pelagius der, wie wir sahen, gegen Augustinus Idee __________________ 

(445)   Christian Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Full text Paderborn 1921

(446)   Bibliothek der Kirchenväter „Das Leben des heiligen Cyrill“ (447) 4:17 

stand, die Säuglinge müssten von der Erbsünde durch die Babytaufe gereinigt werden, wird nun stellvertretend für diejenigen Bischöfe geprügelt, die seiner Meinung sind, aber zu schüchtern um das laut zu sagen. Zosismus wankte. Pelagius wird schließlich verurteilt. Das „Ökumenische Heiligenlexikon“ legt dar:  „Augustinus kommentierte 417 in einer Predigt (Sermo 131, 10): „Causa finita est - utinam aliquando finiatur error”, „die Angelegenheit ist erledigt - wenn doch irgendwann das Irren aufhörte”… Das sei eine Äußerung, die „spätere Apologeten Roms tendenziös in „Roma locuta, causa finita”, umfälschten. Der Sinn ist ein ganz anderer:  „Rom hat gesprochen, die Angelegenheit ist erledigt”  Früher hielt einige das Zitat: „Rom hat gesprochen, die Angelegenheit ist erledigt“ für echt. Das muss man den Apologeten übelnehmen, uns immer wieder anzulügen.

Die Umstände hatten es mit sich gebracht, dass der verwaiste Patriarchenstuhl in Alexandria 428 von einem ganzen Mann besetzt wurde, der die unehrlichen unter seinen Kollegen und der vor allem die Kaiserin Pulcheria bald durchschauen und verärgern sollte.   

Nestorius gehört zu den Leuten, die erst nachdenken und dann reden. Das verlieh seiner Stimme Gewicht. Zudem war er grundehrlich und leider intolerant. Vielleicht nur um die Bedenken einiger auszuräumen und um seine Orthodoxie zu beweisen, wollte Nestorius: „Schon am fünften Tage nach  seiner Ankunft ein Bethaus der Arianer, wo sie im geheimen ihre Andacht verrichteten, zerstören und brachte sie dadurch außer sich. Denn als sie sahen, dass ihr Bethaus zerstört wurde, warfen sie Feuer hinein und verbrannten es. Das Feuer griff aber weiter um sich und erfasste auch die benachbarten Häuser. Dadurch entstand Aufregung in der Stadt, und die Arianer sannen (angeblich)  auf Rache... Seit der Zeit hieß er nicht nur bei den Arianern, sondern auch bei seinen eigenen Glaubensgenossen Feuerbrand. Denn er gab keine Ruhe, sondern kehrte, soviel an ihm lag, das Unterste zu oberst. Er wollte auch den Novatianern zusetzen, weil es ihn wurmte, dass einer ihrer Bischöfe, Paulus mit Namen, wegen seiner Frömmigkeit überall gerühmt wurde. Indessen die Ermahnungen der Machthaber zügelten seinen Ungestüm.“ (448) Die Machthaber dieser Jahre hießen Theodosius II. und Eudocia. Es scheint, dass die frühere, unbeschränkte Herrscherin, Pulcheria, die ehrgeizige Schwester des Kaisers, bereits seit der Hochzeit ihres Bruders 421, einen allmählich zunehmenden Machtverlust hinnehmen musste. Sieben Jahre später gegen Ende der zwanziger Jahre, horchte man hin, wenn Eudocia etwas zu sagen  hatte. Nestorius war eindeutig ein Athanasianer, ein Orthodoxer. Er __________________ 

(448) Christ. Pesch   „Nestorius als Irrlehrer“ Full text Paderborn 1921  S 2 u S. 41.  

verfügte über suggestive Redegewalt. Cyrill von Alexandria beobachtete keineswegs entzückt, dass Nestorius sehr wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass Konstantinopel seinen zweiten Rang ausbaut. Das hatte bereits sein persönliches Vorbild Athanasius verdrossen. Cyrill wollte dieses prokonstantinopolitanische Vormachtstreben so gut er konnte erschweren und auf sich aufmerksam machen. Ein bereits kurz nach seiner Ankunft ver- öffenlichter Anschlag an der Kirche verkündete dem Volke, Nestorius sei ein „Gesinnungsgenosse  des (ebenfalls wegen einer theologischen Belanglosigkeit)  vor 160 Jahren verdammten Paul von Samosata" Es scheint diese Erregung aber hernach wieder abgeflaut zu sein. (449)  

Patriarch Cyrill sah Ursache sich doppelt vor Nestorius zu fürchten, denn seine Vergangenheit war, wie in der Kirche allgemein bekannt, nicht sauber gewesen, (wenngleich Alexandrias Kleriker alles beschönigten).  Umgekehrt genoss Nestorius moralische Autorität.  Dieser Mann musste fallen. Zudem verübelte Cyrill „Nestorius, das dieser ihm  (wahrscheinlich im Jahre 412) keine Weihegeschenke (zu seiner Wahl) übersandt und einer Gruppe angehört, die eine nicht näher definierte Klage gegen ihn (Cyrill)  erhoben hatten... (‚Papst’) Coelestin und Cyrill durften beide in Sorge gewesen sein, was diese Entwicklung anbelangte. Doch beide hatten sich schon bald darauf geeinigt, der (zu erwartenden) Drohung dadurch zu begegnen, dass sie Nestorius Orthodoxie in Frage stellten...“ (450) Verwegen warfen ihm seine Feine Feinde Laxheit in der Begriffswahl vor. Nestorius würdige den Status Marias, der Mutter Jesu nicht hinreichend.  Eher künstlich wurde diese Sache aufgebauscht. Cyrill züngelte und zündelte wo er konnte. Schließlich legte Papst Coelstin die strittige Angelegenheit ausgerechnet in die Hände dieses Mannes, der als Letzter hätte unparteiisch sein können.

 „Coelestin (waren) sowohl von Nestorius als von Cyrill Materialien zur

Beurteilung des Streites zu(gegangen). Eine römische Synode stellte

Nestorius (vor die Wahl) zwischen Anathema und der Widerrufung seiner Predigten und Briefe. Der Patriarch von Alexandria (Cyrill) kurz zuvor noch in Erregung über verschiedenen in der Hauptstadt kolportierte (umgehende Gerüchte) und ihm zur Last gelegte Gewalttätigkeiten, sah sich wohl mit Befriedigung mit der Durchführung jenes Urteils beauftragt.“ (451) Daraus folgte sofort, dass Nestorius stürzen wird. Dass

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(449)   Leonhard Fendt, Inauguraldissertation „Die Christologie des Nestorius“ kath.theol. Fakultät der Kaiser - Wilhelm - Universität Straßburg, 1909, Kempten

(450)   Josef Lössl, „Julian von Aeclanum, Studien zu seinem Leben, seinem Werk, einer

Lehre“ Brill, 2001, S. 311

(451)   Leonhard Fendt

Nestorius Feinde jedoch die Orthodoxie eines Superorthodoxen in Frage stellen wollten, wirft eine Reihe Fragen auf. Aber das war denn auch, wie sich zeigen sollte, die Achillesferse des neuen Patriarchen. Er wollte in einer Zeit heillosen Wirrwarrs der Lehren und der Meinungen ein Perfektionist sein. Welch ein Spiel! Später rechtfertigt Papst Coelestin

Nestorius, der nun wirklich kein Arianer war, aber eben ein Freund der Pelagianer.  Hinzu kommt, dass Coelestin im Fall des Nestorius eingestehen musste „er habe seine Briefe nicht beantworten können, da sie erst ins Lateinische übersetzt werden müssen... seit Konstantin also verschwand die griechische Sprache aus Rom.“ (452) 

Irgendwann musste Coelestin eingesehen haben, dass es sich in dieser Streitsache nur um pure Gehässigkeiten Cyrills handelte. Die Pelagianer sprachen nach Cyrills Geschmack zu viel von der Freiheit des Christen und zu wenig von der Gnade Gottes. Darin bestand zwar Nestorius Frevel, doch das reichte nicht ihn zu stürzen. Das vorsichtige Taktieren endet abrupt, als Nestorius Pulcheria bei einer Übertretung ertappt. Er muss Augenzeuge eines vielleicht nicht vollendeten Liebesaktes gewesen sein.   „Pulcherias Gegner dichteten ihr sieben Liebhaber an... der magister officiorum Paulinus galt als ihr Favorit.“  (453) An anderer Stelle heißt es:   Es gab ein Gerücht von einer unerlaubten Beziehung der Pulcheria zu einem Hofmann.“ (454)  

Es können nicht nur Gerüchte gewesen sein, obwohl der Hofklatsch aller Zeiten sich verheerend auswirken konnte. Andererseits sind selbst fromme Hofleute auch nur Menschen. Anders ist kaum zu erklären, dass er sich herausnimmt das Bild der Kaiserin das über dem Altar an die Wand der kaiserlichen Basilika gemalt worden war zu löschen. Nestorius muss ganz sicher gewesen sein. Er war doch nicht dumm. Pulcheria konnte in ihrer Rache schrecklich sein, das haben einige Eunuchen bei Hofe sehr zu spüren bekommen.  In ihrer Wut wird sie ihm gesagt haben: Nestorius, ich werde dich vernichten, dass du die Gottesmutter nicht ehrst, wird dich stürzen. Wahr ist, Nestorius hatte wiederholt in seinen Predigten empfohlen Maria die Christusgebärerin (Christotokos) zu nennen und nicht die  Gottesgebärerin  (Theotokos)  zumal  der  Muttergotteskult der Heiden überhand nahm. „In Ephesus, der Stadt der Diana, hatte man ohnehin einen Hang zum Marienkult.“ (455) Nestorius mochte sich sagen, er werde 

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(452)   Leonhard Fendt, Inauguraldissertation 

(453)   A. Demand, „Das Privatleben der römischen Kaiser“ C.H. Beck 1996 S. 100 

(454)   Leonhard Fendt, Inauguraldissertation

(455)   Günther Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“

wegen heidnischer Gepflogenheiten keineswegs einknicken. Vielleicht  lachte er sie miteinander aus. Die Klagen die nun gegen ihn erhoben wurden zielten auf diese Zusammenhänge: „Nestorius habe bei seiner Ankunft in Konstantinopel viele Unordnungen vorgefunden, sei aber so stürmisch gegen diese vorgegangen, dass alle Welt über ihn murrte.  

2.                 Nestorius habe rebellische Geistliche, (pelagianische Bischöfe)  die aus Alexandrien nach Konstantinopel kamen, aufgenommen. 

3.                 Früher habe die Kaiserin Pulcheria mit ihren Nonnen am Sonntag nach der heiligen Kommunion im bischöflichen Palast gespeist. Nestorius wollte das nicht zugeben, wodurch er Klerus und Hof gegen sich aufbrachte. 

4.                 Nestorius ließ das Bild der Pulcheria, das über dem Altar gemalt war, auskratzen, wofür er beinahe aus der Kirche verjagt wurde. 

5.                 Nestorius ließ ein Gewand der Pulcheria, das bald auf dem Altar ausgebreitet war, bald von ihr getragen wurde, wegnehmen. 

6.                 Am Ostertage pflegte der Kaiser im Chor der Kirche die Kommunion zu empfangen, und Pulcheria hatte vom Bischof Sirinnius. die Erlaubnis erhalten, das gleiche zu tun. Als Nestorius eines Tages sah, dass sie wieder auf das Chor zuschritt, fragte er, was das bedeuten solle. Der Archidiakon Petrus erklärte es ihm. Da eilte Nestorius herbei und verhinderte die Kaiserin am Eintritt in den Chor. Die Kaiserin wurde unwillig und sagte:

Lass mich doch der Gewohnheit gemäß eintreten. Er aber sprach: Dieser Ort darf nur von den Priestern betreten werden. Sie sagte: „Vielleicht, weil ich nicht Gottes Mutter bin?“ Er sprach: „Des Teufels Mutter bist du; und er jagte sie weg.“ (456) Diesem ungeheuren Schimpf  muss also, als ein nicht zu leugnender Vorfall, eine massive Übertretung Pulcherias vorausgegangen sein. Kaplan Dr. Fendt verweist ebenfalls auf diesen Schwerpunkt: „Wenn... die Daten des Briefes „an Kozma, Haupt der Gläubigen in Antiochien" (ed. 0. Braun, Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft 54, (1900)  auf Richtigkeit beruhen sollten, hätte Nestorius nicht die Religiosität, sondern den Herrscherinnenstolz der Pulcheria beleidigt: „Pulcheria. und ihre Nonnen pflegten am Sonntag nach Empfang der Kommunion (im Hof des Gemeindehauses?) zu frühstücken. Nestorius aber empfing (sie) nicht. .; das Bild der Herrin Pulcheria, das über dem Altare gemalt war, löschte Nestorius aus . . .; die (oroh?) der Pulcheria, die bald zur Zeit des Opfers auf dem Altare ausgebreitet war, bald von ihr getragen wurde, entfernte Nestorius" (457)

Dieser Altar von dem hier die Rede ist war nicht irgendeiner „er bestand

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(456) Christian Pesch, „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh (457) Leonhard  Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol. Fakultät der Kaiser-Wilhelm- Universität zu Straßburg, 1909, Kempten, S.71.

aus Gold und Edelsteinen  und  war  von Pulcheria  und  ihren  beiden  Schwestern – die angeblich ebenfalls gelobt hatten jungfräulich zu leben - als äußeres Zeichen ihres Gelübdes geweiht worden…“ (458)  

 „Seit Sirinnius empfing Pulcheria wie der König die Kommunion im Allerheiligsten; Nestorius ließ sie nicht ein; bei dieser Gelegenheit „ergrimmte gegen ihn Pulcheria. . . . und sprach zu ihm: Warum habe ich nicht Gott geboren? Er sprach zu ihr: Du, den Satan hast du (?) da geboren". (459) Zur Kommunion überhaupt und zudem an besonderem Platz zugelassen, wurden nur Personen die nicht übertreten hatten. Unter Übertretung verstand man fast immer das Eine – es sei denn, es handelte sich um Häresie. Häretisch zu sein hätte Pulcheria sich niemals erlaubt. Ihr immer gültiger Maßstab befand sich in Rom und an Rom hat sie sich nie versündigt. Nestorius sah schwerwiegende Gründe die mächtigste, allerdings schon geschwächte, Person des östlichen Imperiums derart schroff zu behandeln. Die herrschgewaltige Dame die schon früh erfolgreich gegen den übermächtigen Eunuchen Chrysaphius aufzutreten wusste, um die Macht an sich zu ziehen, wird sich als 30jährige nicht von einem dahergelaufenen Herrn Nestorius demütigen lassen.  

„Du hast den Satan in dir!“oder „Du bist des Satans Mutter!“ aus dem Mund eines in den heiligen Schriften bewanderten Mannes zielte das auf das Wort Jesu: „Der Teufel ist der Vater der Lüge, ... ein Mörder.“ (460) Sie sei also eine Lügnerin, die Genossin eines Mörders? Andererseits war sie immer noch die mächtigste Frau der Welt und kein Mensch hätte gewagt ihr den kleinsten Fehler vorzuwerfen, es sei denn es sei eine Persönlichkeit vom Format des Nestorius der seiner Sache völlig sicher war.  Sie ging voll Unmut zum Kaiser und erzählte ihm das Vorkommnis. Da sprach der Kaiser: „Bei deinem Leben, Schwester, und bei der Krone auf meinem Haupte, ich werde nicht ruhen, bis ich Rache an ihm genommen habe..." (461) Das klingt nicht echt. Theodosius war an Intrigen desinteressiert. Er spielte lieber mit den Pfauen und fütterte seine Lieblingstiere,  dachte  an  seine  Jagdvergnügungen,  er  kannte doch seine Schwester. Er werde nicht ruhen? Sie würde nicht ruhen. Immerhin, auf ihre Intervention hin:  „verklagten die Mönche Basilius, Thalassius und ihre Genossen in einem Bittschreiben an die Kaiser ihren Bischof Nestorius, er heiße die heilige Jungfrau nicht Theotokos und leugne, ‚dass der Christus wahrer Gott von Natur sei’ So habe er gesprochen: ‚Maria ______________ 

(458)      Günther Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“

(459)      ebenda, S.99 

(460)      Johannes 8: 44 

(461)      Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh      

gebar nichts als einen uns wesensgleichen Menschen’ und: ‚Das aus dem Fleische Erzeugte ist Fleisch’.“ (462) Damit war dieser Teil des Vergehens des Patriarchen Nestorius aktenkundig. Nestorius fand an seiner Seite natürlich auch Freunde. So einfach konnte niemand eine Anklage von Gewicht gegen ihn zustande bringen. Fendt verweist zudem darauf, dass sowohl: „Kleriker wie Laien aus Konstantinopel äußerten: der Bischof lehre nichts anderes, als was in der Apostel und Väter Lehre enthalten sei.“ (463) Dass Pulcheria sich nach mehr Bundesgenossen umsah, ist, wenn man sich in ihre Situation versetzt, ebenfalls verständlich:  „... um Ostern 429 (hielt es) Cyrill von Alexandrien für geraten, seinen Mönchen durch ein Schreiben theologische Waffen gegen des Nestorius Aufstellungen in die Hand zu geben. Das beleidigte den Patriarchen, von Konstantinopel. Ein Briefwechsel, von Cyrill anfangs verbindlich, von Nestorius alsbald wegwerfend und überlegen geführt verschärfte die Lage. Von Alexandrien sandte man Darlegungen des allein orthodoxen alexandrinischen Standpunktes an Theodosius II. und seine Damen, welche die Zustimmung der Augusta Pulcheria fanden, den Kaiser aber verstimmten.“ (464)  „In dem „Buch des Heraklid" werden jene Anklagen kaum berührt.  Nestorius sagt, er habe mit den Ketzern Geduld geübt, die Kaiserin habe  er zwar gegen sich aufgebracht, aber sie sei ein streitsüchtiges, verdorbenes Weib gewesen, und er habe Mitleid mit ihrer Seele gehabt.“ (465)  Der zeitgenössische Historiker Sokrates, den Novatianern nahestehend, und ein allem Anschein nach ein ehrlicher Berichterstatter, findet dasselbe: „dass die Zanksucht und wechselseitige Animositäten prägend für die Auseinandersetzungen in (Cyrills) Zeit sind, theologische Gründe sind hingegen nur vorgeschoben.“ (466)  

Fendt sagt zunächst parteiergreifend zugunsten Nestorius aus: „Die Bekämpfung des Gegners ist (seitens Nestorius G.Sk.) immer energisch und nachdrücklich, aber nie eine solche mit vergifteten Waffen. Selbst Cyrillos gegenüber wird nicht zur Beschimpfung gegriffen, die noch so oft  im dogmatischen Streit des Ostens erklingen sollte... Allein dort (bei den syrischen Blättern der Nestoriusschriften) handelt es sich zum großen Teil um Fragmente, die die Willkür der Gegner ausschnitt, um Kampfmaterial

(zu haben)... Warum greift auch er (Cyrill G.Sk.) so oft zu gewalttätigen _______________ 

(462)      Leonhard Fendt, Inauguraldissertation

(463)      ebenda

(464)      ebenda

(465)      Christian Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh

(466)      Sebastian Schurig, „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von

Alexandria“ Dissertation Uni Jena, 2001, Mohr Siebeck, S. 12                                        

und ungerechtfertigten Ausdeutungen mancher nestorianischen Thesen? Es ist unrichtig, dass Nestorius nie den Terminus e'ycoaig (?) anwendet; unrichtig, dass er nur eine Verbindung durch Ehre und Würde lehre, und es liegt ihm unendlich fern, des Josue Gottesfreundschaft mit dem Mysterium Christi zu vergleichen. Dass er gar den Erlöser auf die Linie des persischen Königtums herabwürdige, ihn dem Cyrus und Moses zugeselle, das ist nichts als Erfindung. Wenn Nestorius behauptet, Maria habe nicht die Gottheit geboren, so lässt Cyrill ihn sagen: Maria hat nicht Gott geboren. ... Ferner weiß Cyrill ausdrücklich von der Statuierung einer Verbindung der Naturen unter ein einziges Prosopon : wieso kann er dies so nebenbei abtun und bei Nestorius nur eine Einigung des Willens und Wohlgefallens kennen wollen? Wo nimmt Cyrill die Berechtigung her, seinem Gegner die Ansicht zuzuschreiben, es sei der Mensch gestorben und auferstanden... Oder es sei Christi Fleisch und Blut eben nur Menschenfleisch und Menschenblut? und wenn Cyrill selbst solche kennt, „welche den aus Gott Vater gesprossten Logos verwandelt werden lassen in der Knochen und Sehnen und des Fleisches Natur", so sollte er den Nestorius nicht einen Heuchler oder verdeckten Ketzer schelten, sobald dieser seine Trennungslehre mit der Furcht vor Vermischung und Vernichtung der Naturen begründet. Überhaupt liebt es Cyrill, durch

Andeutungen da und Klagen und Befürchtungen dort den Nestorius als Repristinator des samosatenischen „Abgesandten des Teufels" erscheinen zu lassen, ihn in die Nähe aller derer zu rücken, die in Christus nur irdische Beschränktheit sehen. Und Basilius, Thalassius, Proklus, Schenute, Akacius, Theodot haben den Schall dieser Anklage weidlich verstärkt, indem auch sie Stimme und Feder dem Verdachte liehen,

Nestorius lehre eines bloßen Menschen Vergottung...“ (467) 

Um Missgunst, Vorteilsuche und Rache ging es, nicht um eine Korrektur der zudem unrichtig dargestellten „Irrlehre“ des Nestorius.

Nestorius muss gewusst haben welche Rolle Cyrill im Jahr 415 gespielt hatte, in dem die berühmte Philosophin Hypatia von einem christlichen Klüngel grausam ermordet wurde. Wahrscheinlich würde sich gegen Cyrill nichts Handfestes beweisen lassen. Dieser Mann trug immer weiße Handschuhe doch war er der spiritus rector bei allen wichtigen Vorkommnissen in der überaus nervös reagierenden Hafenstadt Alexandria.  Dass es Cyrill zudem ums Geld, und was dasselbe ist, um

Handelsprivilegien ging, wird später völlig klar. Auch deshalb war in Alexandria die Situation von Beginn an äußerst zugespitzt, nämlich: „Zu

_________________ 

(467) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol. Fakultät der Kaiser-Wilhelm-

Universität, Straßburg, 1909, Kempten 

den Aufgaben der (Bischöfe) bzw. Patriarchen (Alexandrias) gehörte es, die Getreidelieferungen nach Konstantinopel sicher zu stellen.“  (468) Es hat den Anschein, als sei dieses einträgliches Privileg bereits während des 1. ökumenischen Konzils zu Nicäa 325 ausgehandelt worden, als Belohnung für Athanasius und seinen Bischof Alexander, denn es heißt schon wenig später, nachdem sich die Auseinandersetzungen zwischen Arianern und Athanasianern enorm zugegespitzt hatten: „sechs führende

Eusebianer... erklären dem Kaiser (Konstantin), „Athanasius habe die Unterbindung der ägyptischen Getreidelieferungen nach Konstantinopel angedroht.“ (469) Das mag ja eine gewagte Behauptung gewesen sein. Doch durch diese, nicht für nichts erteilten, kaiserlichen Zugeständnisse der Kontrolle der wichtigsten Handels- und Umschlagplätze durch den alexandrinischen Bischof, wird die Fülle der Möglichkeiten angedeutet die ein „nun-nicht-mehr-einfacher-Gemeindevorsteher“ schon im 4. Jahrhundert ausnutzen durfte. Jetzt waren sie Staatsangestellte. Deshalb verfügten die Metropoliten schon bald über ihre eigene Privatarmee, wie bereits Damasus 366, der sie ‚erfolgreich’ gegen Ursinus aufmarschieren  ließ. Es waren also wirtschaftspolitische Erwägungen Cyrills die den schwelenden Hass zwischen ihm als Bischof, ‚seinen’ Christen und den Juden verschärften. Wegen der Fruchtbarkeit des Nildeltas war der und Getreidehandel eine wichtige Aufgabe, diese aber hätte eigentlich keine kirchliche sein dürfen. Wohin solche Vernetzung führen musste, zeigt Sebastian Schurig: „Ein Beispiel für wirtschaftliche Konflikte ist die Konkurrenz zwischen Seeleuten der  alexandrinischen Getreideflotte und der jüdischen Handelsgesellschaft. Die Juden waren von der Versorgung der Getreideflotte befreit, was ihnen wirtschaftliche Vorteile verschaffte. Die Seeleute gehörten andererseits im 4. und 5. Jahrhundert zu den Unterstützern der Bischöfe... zudem wurden die Juden durch Parteigänger

Cyrills provoziert.“ (470)  

Die dazugehörigen Bilder von Überfällen übermütiger junger Matrosen auf jüdische Passanten Alexandrias, ähneln denen die Juden noch 1940 in der  Sowjetunion  erlebten. Wehe den „Gottesmördern“ wenn sie sich an einem

Karfreitag auf die Straße wagten. „Sie rannten um ihr Leben“   (471)                                                               

Es musste Cyrill schmecken, dass er vom Papst nicht als Täter betrachtet  ___________________ 

(468) Schmidt u Lorenz „Die Kirche in ihrer Geschichte“ Vandenhoeck & R. S. C 143 (469) ebenda   

(470)      Sebastian Schurig „Die Theologie des Kreuzes beim frühen Cyrill von

Alexandria“ Dissertation, Uni Jena, 2001, Mohr Siebeck, S. 16                                       

(471)      mündlicher Bericht des Bundestagsabgeordneten Heinrich Fink, als Augenzeuge,

2002, in Neubrandenburg, in einer PDS-Veranstaltung, zu der ich eingeladen wurde.                                            

wurde, sondern als Richter. Er wird dem Konzil zu Ephesus vorstehen, nicht der Papst oder unabhängige päpstliche Legaten. „Nach Grillmeiers Darstellung zu urteilen war das Zusammengehen Roms mit Cyrill entweder rein politisch (also nicht theologisch) motiviert, oder Rom hatte zwar ein theologisches Anliegen, aber ein konfuses und verließ sich daher völlig auf

Cyrill.“ (472)  

Das 3. ökumenische Konzil von Ephesus (431 n.Chr.) kam Rom insofern entgegen weil eine breite Front zur Verurteilung des Pelagianismus zu erwarten stand. Mit solcher Entscheidung würde den Lehren des Augustinus der endgültige Sieg zugesprochen. Unter diesen Vorzeichen ergingen an die wichtigen Bischöfe Einladungen Ende Mai in Ephesus zu erscheinen. Umstände verhinderten, dass die Männer des syrischen Raumes, die Unterstützer des Nestorius, nicht pünktlich sein konnten. Cyrill zögerte ein paar Tage. Um Cyrill zu rechtfertigen muss man sagen, er hat wahrscheinlich zwei Wochen gewartet, um sicher zu stellen, dass alle die kommen wollten und durch widrige Umstände aufgehalten wurden, ihre Chance bekommen. Dann aber hielt Cyrill sich nicht mehr zurück.

Er legte los, startete die Synode eben ohne die Antiochener. „In Ephesus wurde am 22. Juni 431 in der Marienkirche die Szene damit eröffnet, dass Cyrill und seine Suffragane Nestorius exkommunizierten. 4 Tage danach kam die Syrer an... versammelten sich unverzüglich zu einer Synode und setzten Cyrill... ab... zuletzt trafen die römischen Legaten ein und schlossen sich entsprechend den Weisungen ( des Papstes) Coelestin, Cyrillan... die nächste Synode Cyrills verdammte den Pelagianismus... und verabschiedete eine Resolution die jeden Zusatz zum Nicänischen Bekenntnis untersagte...“ (473)  Kaplan Fendt verurteilt dieses Verhalten: „Cyrill hat dadurch, dass er das Eintreffen Johanns von Antiochien und der Seinen nicht abwartete, für immer den Verdacht der Illoyalität auf sich geladen.“ (474) 

Die verspätet angelangten „Syrer versammelten sich unverzüglich, zu einer eigenen Synode und setzten Cyrill ab... Zwei rivalisierende Synoden hatten (nun) einander gegenseitig verflucht... zuletzt trafen die römischen Legaten ein und schlossen sich entsprechend den Weisungen (des Papstes) Coelestin Cyrill an... die nächste Synode Cyrills verdammte den

Pelagianismus (der sich im wesentlich gegen Augustinus Erbsündenlehre, __________________ 

(472)       Josef Lössl , „Julian von Aeclanum, Studien zu seinem Leben,...“ 2001, Brill S.  311           

(473)       Henry Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter. 1967, S. 232 (474) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation,

sowie dessen Prädestinationslehre richtete)... und sie verabschiedete eine Resolution die jeden Zusatz zum Nizäischen Bekenntnis untersagte....

Sehr wider seinen Willen... fiel die Entscheidung (Nein! nicht dem Papst! sondern) dem Kaiser zu. Beide Seiten sandten Delegationen an den Hof von Chalcedon, und der Kaiser bestätigte die gegenseitigen Absetzungen von Nestorius und Cyrill und Memnon... Alle drei wurden in Gewahrsam genommen. Unterdessen wandte        Cyrill ungeheure    Summen       als

Bestechungsgelder für einflussreiche Persönlichkeiten im Palast auf und Nestorius begann plötzlich Boden zu verlieren Nestorius hatte genug, er wünschte in sein Kloster nach Antiochien zurückzukehren. Sein Angebot wurde angenommen... Cyrill selbst entwischte aus dem Gefängnis und belohnte      seinen          käuflichen    Wärter         durch Aufnahme    in den alexandrinischen Klerus.“ (475)  Eudocia könnte ihren Ehemann Theodosius II. beraten haben, sowohl Rom wie auch Augustinus und Cyrill abblitzen zu lassen, um ihrer Rivalin eins auszuwischen. Freilich Cyrill verfügte über Unsummen, die aus den Vermächtnissen reicher Witwen stammten, sowie aus den Plünderungen der paganen Heiligtümer, wie dem Schatz des Serapistempels, auch das was er den Novatianern genommen, was er dann in die Waagschale legte.  

Coelestin I.  der 43. in der Reihenfolge der Päpste, dessen angebliches Pontifikat von 422 – 432 dauerte, blieb im Einvernehmen mit Cyrill, und bis heute preist die offizielle katholische und die koptische Welt den Sieger in diesem Kampf. 

Benedikt XVI. fand erstaunlicherweise gute Worte für ihn.  Anlässlich seiner Generalaudienz vom 03.10.07 sagt der Papst: „… dem Bischof von Alexandrien (Cyrill) ist es bald gelungen, dass Nestorius wiederholt   verurteilt     worden        ist:     (auch)         durch eine   Reihe von    zwölf Anathematisierungen, die er selbst verfasst hatte und schließlich vom dritten ökumenischen Konzil, das 431 in Ephesus abgehalten wurde. Die Versammlung, bei der heftig hin und her diskutiert wurde, ging mit dem ersten großen Triumph für die Marienfrömmigkeit zu Ende sowie mit dem Exil des Bischofs von Konstantinopel, welcher aufgrund einer irrigen Christologie, die Christus selbst teilte, der Jungfrau Maria den Titel

„Gottesmutter“ nicht zuerkennen wollte. Nachdem Cyrill so über seinen Rivalen und dessen Lehre gesiegt hatte, (was heißt das „so“? G. Sk.) wusste er bereits im Jahr 433 eine  theologische Formel des Kompromisses und der Wiederversöhnung mit Antiochia zu finden. ...  Bedeutsam sind weiter die zahlreichen Lehrwerke, in denen wiederholt  der Glaube an die _________________ 

(475) H. Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter. 1967, S. 232 

Dreifaltigkeit gegen die arianischen Thesen sowie gegen die Thesen Nestorius verteidigt wird. Die Grundlagen der Lehre Cyrills sind die kirchliche Tradition und besonders, die wie ich bereits angedeutet habe, die Schriften des Athanasius, seines bedeutenden Vorgängers auf dem Sitz von Alexandria.“  

Was sind die ganzen „umsichtigen Bündnisse“ wert, wenn ihr Held nur Unheil sät? 

Nicht weil es ihm um die Wahrhaftigkeit ging, hatte „Cyrill von

Alexandria, im Jahre 431, 1 500 Pfund Gold Bestechungsgelder an

Höflinge in Konstantinopel gezahlt, um sein Amt zu stützen“ (476)  So lapidar gesagt, so bedeutungsvoll. 

Und die Heiligenverehrer bekennen sich trotz alledem zu ihm. Dieser kalt rechnende Kirchenpolitiker „Bischof Cyrillus wurde trotz seiner Verbrechen heilig gesprochen und 1882 von Papst Leo XIII. sogar zum Kirchenlehrer ernannt – ein Ehrentitel, der bisher nur an 32 ausgewählte

‚Heilige’ vergeben wurde.“ (477)

„Pelusium schrieb (damals) an den Bischof von Alexandrien (Cyrill): „Zuneigung schärft den Blick nicht, Abneigung aber macht blind. Wenn du darum von beiden Sehhindernissen frei bleiben willst, dann fälle keine Gewaltsprüche, sondern wäge in gerechtem Urteil die Gründe ab Denn viele der in Ephesus Versammelten höhnen über dich, als ob du eine Privatfeindschaft austrügest, nicht aber rechtgesinnt suchtest, was Jesu

Christi ist.“ (478)  

Die folgende Anmerkung scheint einen legitimen Vorgang abzuschließen, es heißt lapidar: „Coelestin I. ließ den Patriarchen von Konstantinopel,

Nestorius, exkommunizieren.“ (479) 

Auch die koptische Kirche steht hinter Cyrills und Cölestins Tun. 

Wir Heutigen indessen wären erstaunt, wenn wir den „Gesang der Mönche am Kaiserpalast nach dem Bekanntwerden der Absetzung des Nestorius (hören könnten der menschenfeindlicher kaum sein konnte G.Sk.): ,,

Verachtet bist du, an welchem Orte du auch seiest; verflucht bist du vor

Gott, o Jude! Der Christ ist siegreich alle Zeit! Gebt den Juden jetzt den Juden, gebt den Verräter den Juden!"; das Volk schrie: „Man möge

Nestorius, den Juden, verbrennen, ihn und Anastasius mit ihm" (480) Noch  _______________ 

(476) A. Demand „Geschichte der Spätantike“ , 2008, C.H. Beck S. 453                                                            (477) www.schulfach-ethik.de 2 „Hypatia von Arnulf Zitelmann“ Taschenbuch – Beltz, 7. März 2002LK 

(478)   Christian Pesch „Nestorius als Irrlehrer“ Paderborn 1921, Verlag Schöningh 

(479)   Ökumenischen Heiligenlexikon 

(480)   Leonhard Fendt, Inauguraldissertation 

ein Jahr zuvor hatte Nestorius einen Brief von Johannes von Antiochien erhalten  „der ihn darüber informierte, dass Coelstin und Cyrill einen Absetzungsbeschluss gegen ihn vorbereitet hätten... Johannes riet zur

Vorsicht und empfahl Nestorius doch noch die Annahme des Begriffes Theotokos Gottesgebärerin (statt Christotokos Christusgebärerin auf Maria) anzuwenden, den so schon die Väter bezeugt hatten... Nestorius hielt im Dezember 430 zwei Mariapredigten in denen er auch den Begriff der Gottesgebärerin benutzte.“ (481) 

Fendt hat klar herausgearbeitet was Nestorius glaubte und lehrte: „Wie ein Kleid liegt die Menschheit am Herrn, wie ein Kleid trägt der Gottlogos (Jesus G.Sk.) die menschliche Form; als einen Tempel und ein Zelt bewohnt er sie. „Bei uns weilte leiblich der Christus". Diesen seinen Tempel ließ der Logos zerstören, und er selbst hat ihn am dritten Tage wieder auferweckt. Die Seele Christi aber ging in die Unterwelt und befreite die Geister der Verstorbenen;  Das ist die erste reine Darstellung der „antiochenischen" Christologie... Nestor, ein syrischer Mönch, (seit 428) Patriarch von Konstantinopel, abgesetzt, wiederum Mönch, zuletzt ausgestoßen, gestorben und verscharrt im Wüstensande...“ (482)

Mit Dr. Fendt, trauern wir um alle diejenigen die von bösartigen Strebern zugrunde gerichtet wurden. Es muss uns weh tun, damit wir lernen nicht ähnlich hartgesotten zu handeln.

Buße muss innerlich wehtun. 

Zu verstehen, dass der Sinn dieses Lebens auch darin besteht, aus Fehlern zu lernen, ist den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wichtig. Deshalb sollen wir uns mit der Geschichte unserer Heimat, der Welt und der Kirchen vertraut machen.   Niemals dürfen sich Geschehnisse wie der Holocaust wiederholen, das sagen alles, aber ebenso darf niemals vergessen werden, dass der Krieg den Innozenz III. gegen die Katharer führte ein Verbrechen war.

__________________  

(481) Torsten Krannich „Von Leporus zu Leo dem Großen“ Studien Mohr-Siebeck,

2005 S. 8 Fußnote

(482) Leonhard Fendt, Inauguraldissertation, kath.theol. Fakultät der Kaiser - Wilhelm - Universität zu Straßburg, 1909,  Kempten 

Diese Lehre von der Befreiung der Geister in der Unterwelt, entspricht dem Bild, das die ersten Apostel häufig gebrauchten und ebenso die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen): der Leib Christi ist, wie unser Leib, einem Zelt vergleichbar, einer Wohnung, einem Haus oder einem Kleid. Das macht natürlich nur Sinn. wenn dem die Lehre von unserer ewigen Präexistenz vorausgeht. Diese Lehre von als urkirchliches Denken klar dargestellt, wurde aber bald offiziell von der Kirche geächtet. Durch Kaiser Justinians Synode, 543, kam es bekanntlich zur Verfluchung dieser von Origenes verkündeten Basislehre. 

Es muss uns im tiefsten Innern aufwühlen sich vorzustellen, dass die päpstlichen Truppen die besten Männer ihrer Zeit in Felsenhöhlen einsperrten, deren Zugänge sie zumauerten.  

Rache zu üben, verbietet uns das Gesetz, (483) wie es uns verbietet gleichgültig zu sein (484) oder unser Urteil zurückzuhalten:  Untaten müssen erkannt und benannt und bestraft werden.  (485) 

Wir glauben, dass Gott niemanden verdammt der gewillt ist innerlich umzukehren und fortan auf die Stimme seines Gewissens zu hören. Das schönste Wort, das ein Übertreter  hören kann lautet: Dir ist vergeben. Das bedeutet aber nicht, dass irgendein Priester, gleich welcher Kirche, einen  Menschen von seinen Vergehen frei sprechen kann, wenn das nicht in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist. 

Fromme Blicke auf den Gekreuzigten, wenden eine böse Geschichte noch lange nicht zum Guten. Zudem ist es wohl an der Zeit, zu sagen:      Nehmt endlich den Mann vom Kreuz herunter, der unser Gott und Erlöser ist. Er ist auferstanden und lebt. 

Das römische Kreuz konnte der Welt nur Streit und Unrecht bescheren, zudem wissen alle, dass ausgerechnet Cyrill von Alexandria, zu Ephesus, 432, beschließen ließ, das Kreuzzeichen (486) zum offiziellen Symbol jenes ‚Christentums’ zu erklären, das buchstäblich ganze Völker ausrottete.  Zuvor gehörten der Fisch und das Lamm zu den geliebten Symbolen, - und (kurioserweise) der Bienenkorb des Ambrosius von Mailand .

 

Betrug und absolute Menschenverachtung bildeten die Basis der anderen

Kirche, der Gegenkirche, die mit der Konstantinisch-AmbrosianischAugustinischen Botschaft herrschen wollte. Der Frohbotschaft Christi stand damit die unfrei und unfroh machende gegenüber. Sie überredete die Menschen sich freiwillig hinter kalten Mauern einsperren zu lassen, weil

_______________ 

 

(483)       Lehre und Bündnisse 64: 10Ich, der Herr, vergebe, wem ich vergeben will,

aber     von     euch      wird     verlangt,      dass     ihr     allen     Menschen      vergebt.“                                    

(484)       Jesaja 5: 20 „Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen.“                (485) Sprichwörter 31: 9 „Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaffe dem Bedürftigen und Armen Recht.“.

(486) Bischöfliches Ordinariat Regensburg, 2010 im Internet. „Als allgemein verbreitetes und verwendetes Symbol der Christen lässt sich das Kreuzzeichen allerdings erst in der Zeit der Völkerwanderung (375 n. Chr. – 568 n. Chr.) nachweisen. 423 n. Chr. findet sich z.B. eine Kreuzigungsdarstellung am Portal der Basilika Santa Sabina auf dem Aventin in Rom.“ 

Ebenso informiert das: Kath.-Kirchenblatt Vorarlberg 27. Febr. 2005 „Das Kreuz als Zeichen des Christentums ist seit dem 5. Jahrhundert (431, Konzil zu Ephesos)...

weltweit verbreitet.“   

sie da angeblich dem „lieben Gott“ näher kämen, als in einer Familie, für deren Bildung und Erhaltung sie mit Leib und Seele geschaffen worden waren.

Die Nicht-Frohbotschaft brachte die verrücktesten Ideen auf: 

Simeon Stylites (390 - 459) der sich im Jahr 422 bis zu seinem Tod auf eine 4 Quadratmeter kleine Plattform in drei Meter Höhe begab - die bald auf 17 Meter erhöht wurde, - wo er ununterbrochen betete, hatte (wahrscheinlich zu Beginn seiner Karriere als Säulenheiliger, als Pulcherias Machtkampf mit Schwägerin Eudocia noch nicht entschieden war G.Sk.) „mit einem Brief an den Kaiser erfolgreich Einspruch gegen die heiden- und judenfreundliche Politik des praefectus praetorio

Asklepiodotus, des Mutterbruders der Kaiserin Eudocia (erhoben). (487)  Diese  Säule die er in den nächsten drei Jahrzehnten nicht  wieder verließ wurde auf 17 Meter erhöht. „So konnte ihm niemand mehr Fäden, denen man wundertätige Eigenschaften zusprach, aus der Kutte ziehen. Symeons Leben bestand fortan aus ständigem Beten, das von rhythmischen Kniefällen begleitet war.“ (436)  „Als Simeon - von den Leuten drei Tage lang unbemerkt - 459 - auf seiner Säule gestorben war, war sein Tod Anlass zu Unruhen. 600 Soldaten kamen aus Antiochia, damit sein Körper von den Verehrern nicht in Stücke gerissen wurde. (488)  

Es scheint, dass der Geist dieser Zeit länger als tausend Jahre wirken sollte:

Bei der Translation der Leiche der spanischen Nonne Theresa von Avila 1585 standen Mönche umsonst Wache, damit sie ihr nicht die erhofft wundertätigen Knochen aus dem Leib reißen. „Zu Rom befindet sich zu St. Maria de la Scala ein Fuß, und der Zeigefinger der rechten Hand im Kloster Regina Coeli daselbst, zu Lissabon ihre linke Hand; das unverwesene Herz, welches einen himmlischen Geruch von sich gibt, und der linke Arm ruhen zu Avila; der Mittelfinger der rechten Hand kam nach Paris, wohin auch ihr Mantel gebracht wurde; ein kleiner Finger wurde den Karmelitinnen in Brüssel, ein anderer Finger denen zu Sevilla geschenkt.“ (489)  

Die Politik des byzantinischen Hofes wird mit Ausnahme der Jahre 447 bis Beginn 450 maßgeblich von Pulcheria bestimmt. Anscheinend nimmt die Gattin Theodosius II.,  Eudocia, die aus dem Hellenentum stammt, in den ersten Jahren ihrer Ehe mäßigenden Einfluss auf die Gesetzgebung die im Namen des eigentlich eher uninteressierten Kaisers erfolgt. Anders ist kaum das Hervorkommen des mit Codex Theodosianus 16,10,24 benannte

________________ 

(487)   Wikipedia

(488)   Ökumenisches Heiligenlexikon   

(489)   Stadlers Heiligenlexikon

Schutzgesetz des Jahres 423 zu erklären. Es fällt aus dem Rahmen:

„unauffällig und ruhig lebende Heiden (und Juden) (sind) vor christlichen Übergriffen (zu) schützen; entstandene Schäden (seien) drei- bis vierfach zu ersetzen.“(490) Üblicherweise ist die gnadenlose Hand Pulcherias zu spüren: so im Heidengesetz „des Codex Theodosianus, vom 14. November 435... es sollen die Stätten heidnischen Kultes sofern heute noch welche bestehen, nach Abbruch der Gebäude mit dem christlichen Kreuzeszeichen entsühnt werden.“ (491)  Theodosius II. lässt wie gewohnt seine Schwester in seinem Namen, grundsätzlich und intolerant agieren. Er „unterschrieb grundsätzlich alles was Pulcheria ihm vorlegte, ohne es zu lesen …einmal verfasste sie ein Schreiben, das die Schenkung seiner Gattin Aelia Eudocia als Sklavin beurkundete -  er unterschrieb auch dies.“ (441) Pulcheria konnte jedoch nicht verhüten, dass ihr Bruder Theodosius II., 438, also sieben Jahre nach der Vertreibung Nestorius, den Eunuchen Chrysaphios zu seinem Kammerherrn berief. Dieser Mann gewann mehr und mehr Einfluß auf den Imperator. Von 443-450 regierte er. Das wurde wahrscheinlich dadurch möglich indem er den Kaiser vor Pulcheria abschirmte. Unter diesen Umständen wird verständlich, dass Cyrill sich sowohl an Chrysaphios, d.h. an den Kaiser wandte und an Pulcheria: „Um Nestorius zu stürzen schickt Cyrill zwei Schriften an den Hof, von denen die eine an den Kaiser und seine Gattin, die andere an Pulcheria gerichtet ist. Er bewies damit, dass er entweder den Hof in zwei Parteien zu spalten suchte, oder einen Zwiespalt dort schon als bestehend voraussetzte.“ (442) Zwei Jahre nach seiner Berufung, 440 stachelt Chrysaphios die

Kaisergattin Eudocia auf, ihrer allmählich zurückgedrängten Schwägerin „Pulcheria zu unterbreiten eine Diakonin als Kammerzofe zu nehmen.“ (443) Die Reaktion Pulcherias ist heillose Wut. Ihr Bruder misstraue ihr, hielt er ihre Keuschheit für zweifelhaft? Die vierundvierzigjährige weicht 443 ins Exil nach Jerusalem aus, danach lebt sie... abgeschieden im Palast Hebdomon (495) der in der Nähe liegt, aber getrennt vom Regierungssitz wo sicherer denn je Chrysaphios auf seinem Posten als Regierender sitzt. Als Pulcherias hochgeborener Bruder 450 bei einem Jagdunfall stirbt, steht der bislang allmächtige Eunuche Chrysaphios schutzlos der rachsüchtigen Pulcheria

___________________ 

(490)      Johannes van Oort und D. Wyrwa Peeters, „Heiden und Christen im 5.

Jahrhundert“ 1998 über Karl Leo Noethlichs „Heidentum im 5. Jahrhundert“

(491)      ebenda S. 15

(492)      Günther Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“

(493)      Ferdinand Gregorovius,  „Athenais /XV“

(494)      ebenda 

(495)      Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz 

gegenüber, die mit großen Aufwand Markian heiratet „weil sie nach römischer Sitte nicht regierende Kaiserin sein kann“ Unter Markians Schutzmacht darf sie endlich das tun kann worauf sie schon lange gewartet hatte. Sie lässt den vollen Zorn heraus, den ihr erstarkter Bruder mit Hilfe seiner Frau und seines Regierungschefs, des Eunuchen Chrysaphios, zu dämpfen vermochte. Nun trumpft sie wieder auf. „sie rechnet mit  Chrysaphios ab, lässt ihn zu Tode prügeln.“ (496) Dass sie, wie behauptet, mit Markian eine „Josefsehe“ führte, ist nicht auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich. Die Legende will es jedoch so. Heermeister Aspar, der als Ehekandidat wohl infrage gekommen wäre, durfte sie nicht heiraten weil er arianisch glaubte. (497) 

Nun, nach dem Tode ihres Bruders Theodosius II., und nach ihrer Eheschließung führt sie aus, was ihr solange versagt blieb: in Konstantinopel wandelte sie „eine Synagoge im Stadtteil Chalkoprateion, wo Juden seit 132 Jahren lebten und das Kupferhandwerk betrieben, in eine Marienkirche um.“ (498) Von ihr getrieben berief „Kaiser Markian ...für den 8. Oktober 451 das 4. ökumenische Konzil nach Chalkedon ein, gegenüber von Konstantinopel auf der kleinasiatischen Seite des Bosporus“ (499) Dass Markian alle Ratgeber Theodosius enthaupten ließ ist, nicht sicher, falls sich die Grausamkeit belegen ließe, käme dabei sicherlich zum Vorschein, dass Pulcheria in die Vorgänge verwickelt wäre.  

Nicht umsonst begrüßten die in Chalkedon anwesenden Bischöfe Pulcheria als die neue Helena. (500) Alle Nichtkatholiken werden vor ihr zittern. Cyrill entmachtete und vernichtete schon neunzehn Jahre zuvor, 431, Nestorius den Patriarchen Konstantinopels, mit Unterstützung Pulcherias, beide handelten aus reinem machtpolitischen Kalkül.  

Pulcherias Charakter kann man als einzigartig bezeichnen. 

Jungfrau, im augustinischen Sinne, war sie wahrscheinlich nicht, eine Intrigantin sicherlich, die bislang anscheinend nervenlosen Männern das Fürchten lehrte. Bereits als ihr Vater 408 starb übernahm Pulcheria, alle Aufgaben für ihren zwei Jahre jüngeren Bruders Theodosius II. Als erst

vierzehnjähriges Mädchen ließ sie den bisherigen Leiter der                                                                    

Staatsgeschäfte ablösen. Zu dieser Zeit leistete sie öffentlich das Gelöbnis   der Jungfernschaft und überzeugte auch ihre jüngeren Schwestern wie zu leben, - besser gesagt, so lautet die nie unangefochtene Überlieferung.  ________________ 

(496)   G.Rigobert „Römische Kaiserinnen zwischen Liebe, Macht und Religion“ 2002 

(497)   ebenda S. 43                                                                                                                                 

(448)   ebenda  

(449)   ebenda                                                                                                                      

(500)   ebenda

 „421 vermählte Pulcheria (ihren 19jährigen Bruder Kaiser Theodosius II.) mit Eudocia-Athenais, die zu einer großen Frauengestalt der Frühkirche heranwuchs und noch heute in der Ostkirche sehr verehrt wird.

(501)   Diese, Pulcherias Wahl war aus ihrer späteren Sicht ein Missgriff. Nachdem die schöne Griechin auf den Namen Eudocia getauft worden war, blockte sie den massiven Einfluss ihrer Schwägerin auf ihren Ehemann allmählich ab.   Vielleicht wollte Eudocia mehr als Pulcheria, dass der als tadellos geltende Christ Nestorius den Bischofssitz in Konstantinopel einnimmt.

Die Heiligenlegende nach Josef Dirschl schildert Pulcherias Wesen völlig anders als ihr Gegenspieler Nestorius. 

„Geboren 399 in Konstantinopel, (Istanbul)   starb Pulcheria 453 als

(hochgeachtete) Heilige, die ...  dem Herrn gedient... welche der heilige Bischof Cyrillus „die keuscheste Braut Christi, die Zierde des Erdkreises, den Schmuck der Kirche;” nannte.  Die Väter des Konzils von Chalcedon(gaben ihr den Titel): „die Wächterin des Glaubens, die Stifterin des Friedens, die Bekämpferin der Ketzer, die neue Helena” nannten. Sie war die Tochter des Kaisers Arkadius. Erst neun Jahre alt, war sie schon eine Waise. Allein Gott, der sie als Werkzeug seiner heiligen Pläne gebrauchen wollte, zog gnadenvoll ihr Herz an sich, verlieh ihr frühe schon die Gabe der Weisheit, Liebe zum Gebete und zur Einsamkeit und männlichen Mut. Ihren kleinen Bruder Theodosius, der einstens Kaiser werden sollte, lehrte sie, wie eine fromme Mutter, beten, unterrichtete ihn in der heiligen katholischen Religion, führte ihn fleißig in die Kirche und brachte ihm alles bei, was ihn zu einem frommen Fürsten machen konnte. Ebenso vertrat sie Mutter- und Vaterstelle an ihren zwei kleineren Schwestern. Sie hatte den göttlichen Heiland Jesus so lieb, dass

sie ihm das Gelübde machte, immer Jungfrau zu bleiben, und auch ihre 

beiden         Schwestern   dazu   vermochte    dasselbe       zu      tun.    (502)  _______________  

(501)         Biographisch-Bibliographisches        Kirchenlexikon            Verlag Traugott            Bautz          

(502)         „Im Alter von 15 Jahren wurde sie mit ihrem Bruder Theodosius zur Würde einer Beherrscherin des Reiches erhoben, und musste nun im Namen des Bruders das Land regieren. Obwohl nun Kaiserin, immer beschäftigt mit den wichtigsten Angelegenheiten des Reiches, wegen ihrer Weisheit allgemein bewundert und gelobt, blieb sie doch immer demütig und bescheiden. Wenn sie irgendeine wichtige Entscheidung traf, so tat sie dies immer im Namen ihres Bruders, damit dieser die Ehre hätte, sie aber unbeachtet bliebe. Der kaiserliche Palast, früher ein Ort prachtvoller Feste, war unter ihrer Aufsicht wie ein Kloster an strenger Zucht und Ordnung. In ihr und ihrer Schwestern Gemach durfte keine Mannsperson eintreten. Männer sah und sprach sie nur öffentlich. Wenn die Staatsgeschäfte sie nicht hinderten, betete, las oder verrichtete sie mit ihren Schwestern Handarbeit. Auch kasteite sie ihren Leib durch fasten und Nachtwachen, und entsagte mit Freuden den Vergnügungen des Hofes. Wenn sie irgend einen Befehl zu geben, ein wichtiges Geschäft zu vollbringen hatte, flehte sie zuvor zu Gott um Erkenntnis, fragte dann weise Männer um Rat, und dann erst ging sie an die Ausführung. Obwohl sie eine schwache Jungfrau war, so regierte sie doch das weite Reich mit solcher Weisheit und Kraft, dass die Untertanen nie so zufrieden und glücklich, und der römische Name von den fremden Völkern nie so gefürchtet und geehrt war, als unter ihrer Herrschaft. Sie war wahrhaft eine Zierde des Erdkreises.  

Als ihr Bruder Theodosius das zwanzigste Jahr erreicht hatte, suchte sie für ihn eine würdige Gattin. Dies war die schöne und geistreiche Athenais, die, da sie noch eine Heidin war, den christlichen Glauben annahm und nach empfangener Taufe vom Kaiserlichen Jüngling zur Ehe genommen wurde. In der heiligen Taufe erhielt sie den Namen Eudocia. Diese Frau nun ließ sich unglückseliger Weise durch einen Schmeichler am Hofe gegen die sanfte und wohlmeinende Pulcheria aufreizen und fasste den Plan, sie zu stürzen. Deshalb begünstigte sie auch die Ketzer, welche damals zahlreich waren, sich aber vor Pulcheria fürchteten, die am heiligen katholischen Glauben festhielt und ihn aus allen Kräften in Schutz nahm. Ja sie ging endlich soweit, Pulcheria ganz aus der Gunst und Liebe ihres Bruders des Kaisers Theodosius, zu verdrängen, und gab ihm deshalb den Rat, seine Schwester zur Diakonissin einer Kirche zu machen, und dadurch von seinem Hofe zu entfernen. Doch der heilige Bischof Flavian willigte in das Ansinnen des Kaisers nicht ein, sondern entdeckte vielmehr den abscheulichen Plan der heiligen Pulcheria, und diese, welche sich schon lange nach Ruhe und Einsamkeit sehnte, und den Frieden über alles liebte, zog sich auf ein Landgut zurück, wo sie fern von der Welt dem Gebete, der Lesung und Betrachtung der heiligen Schrift oblag, und im innigster Vereinigung mit Gott lebte. 

Mittlerweile aber wich auch der Segen Gottes mit der Entfernung der heiligen Pulcheria von der Regierung des Kaisers und vom Reiche. — Die Ketzer durften frei und ungehindert ihre schändlichen Lehren verbreiten und die guten Katholiken verfolgen. Überall entstand Verwirrung und Unordnung. Pulcheria schmerzte dies wohl; allein sie hatte sich dem Willen Gottes vollkommen ergeben. Sie wollte die Welt vergessen — und auch von der Welt vergessen sein. Daher hatte sie auch keinen Groll gegen die Kaiserin und ihren Bruder Theodosius, den sie herzlich bedauerte, weil er sich so betrügen ließ. Indessen wurde die Verwirrung im ganzen Lande allgemein, Gewalttaten über Gewalttaten von Seiten der Ketzer häuften sich, es schien um die Wahrheit geschehen zu sein. Da wandte sich der heilige Papst Leo an die heilige Pulcheria, und forderte sie in mehreren Briefen auf, die Sache Gottes und seiner heiligen Kirche zu verteidigen. Nun durfte sie nicht länger mehr in der geliebten Einsamkeit weilen. Sie machte sich auf, begab sich an den Hof des Kaisers und verlangte eine Unterredung mit ihm. Ihr kaiserlicher Bruder ließ sie vor sich, und nun zeigte sie ihm so klar, wie sehr er betrogen und in welchen Abgrund des Verderbens man ihn zu stürzen versucht habe, dass er den Ratgeber der Kaiserin Eudocia, einem Kämmerling, verbannen und dann hinrichten ließ. — Bald darauf starb der Kaiser; Eudocia, seine Gemahlin, zog sich in das heilige Land zurück, wo sie bußfertig lebte und starb, und die heilige Pulcheria wurde nun Alleinherrscherin des morgenländischen Reiches. Da aber das Reich ringsum von Feinden bedrängt war, und sie, als schwaches Weib, der Gefahr nicht gewachsen war, so drangen die Großen des Reiches in sie, sich zu verheiraten. Das war eine neue Prüfung für die edle Jungfrau, denn sie wollte ihrem Verlöbnis treu bleiben. Endlich sah sie sich genötigt, dem Markian, einem erfahrenen, gottesfürchtigen und glaubenseifrigen Kriegsmanne die Hand zu reichen. Er war Witwer und zeichnete sich durch außerordentliche Liebe zu den Armen aus. Bevor sie aber mit ihm getraut wurde, entdeckte sie ihm, dass sie dem Heilande versprochen habe, immer Jungfrau zu bleiben, und dass sie also auch in der Ehe dieses Gelübde halten wolle. Der fromme Markian willigte ein und verpflichtete sich, mit ihr wie Joseph und Maria zu leben. Beide hatten kein anderes Ziel im Auge, als die Untertanen glücklich zu machen, überall im Reiche Religion und Frömmigkeit zu befördern, heilig zu leben und selig zu sterben. 

Als sie sahen, welch schreckliches Unheil die Ketzerei im Lande anrichtete und die ganze Kirche verwirrte, gingen sie freudig auf den Vorschlag des Papstes ein, ein allgemeines Konzil zu berufen. Dies versammelte sich auch in der Stadt Chalcedon, im Jahre 451. Vier Gesandte des Papstes und 250 Bischöfe waren zugegen, auch der Kaiser Markian wohnte mehreren Sitzungen bei, und die Ketzerei, welche gegen die Gottheit Christi, seine heilige Menschwerdung, gerichtet war, wurde einstimmig verdammt. Die heilige Pulcheria und ihr Gemahl wurden als Verteidiger des heiligen Glaubens allgemein gelobt und gepriesen, und diese bemühten sich auch, die Beschlüsse des Konzils überall geltend zu machen. 

So gelang es endlich der heiligen Kaiserin, die Ruhe im Reiche wieder herzustellen und dem Drange ihres Herzens, recht viel Gutes zu stiften, Genüge zu leisten. Sie erbaute Kirchen, stiftete Spitäler und stattete sie reichlich aus. Die Armen besuchte sie selbst und half ihren Nöten ab. Wenn ihr die Staatsgeschäfte Zeit ließen, zog sie sich zurück, um beten, geistliche Bücher lesen, die Kirchen besuchen zu können. Gott verlieh ihr auch reichliche Gnaden. In einer Erscheinung, die sie im Gebete hatte, wurde ihr das Grab der vierzig Märtyrer gezeigt. Sie erhob mit größter Feierlichkeit ihre Gebeine und ließ sie in einem kostbaren Sarge beisetzen. 

Endlich, 54 Jahre alt, rief sie Gott zu sich, um ihr zu lohnen, was sie für die Erhöhung seiner heiligen Kirche getan. In ihrem Testament zeigte sie sich als wahrhafte Mutter der Armen. All ihre Güter, über die sie frei verfügen konnte, vermachte sie den Notleidenden und Kranken. — Ihr Gemahl, Markian, befolgte pünktlich ihren letzten Willen und starb 2 Jahre danach, gesegnet von allen Untertanen seines Reiches.“

Man könnte gerührt sein, wären nicht die Berichte anderer Zeitzeugen vorhanden. Es sieht nicht gut aus, für viele der althergebrachten Bilder. Auch das des Nestorius muss sicherlich revidiert werden. 

„An der grundlegend rechtgläubigen Intention der (Christologie des Nestorius) wird man aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr zweifeln können.

Seine Christologie ist gegen den Apollinarismus gerichtet. Mag sein Einheitskonzept auch ontologisch nicht zufriedenstellend sein, die ihm gemachten Vorwürfe stellen allemal eine stark vergröberte Position dar.“ (503) In einer Konsultation des Pro Oriente-Dialogs sagte Prof. Elic Kahlife-Hachem von der maronitischen Universität Kalik im Libanon: dass „Nestorius zu Ephesus ungerechtfertigt verurteilt wurde…“ er bedauere dessen Rufschädigung innerhalb der römischen Oekumene … vieles was in der Kontroverstheologie als nestorianische Lehre beurteilt wurde, wurde ihm von seinen Gegnern zugeschrieben. Und was den Patriarchen von Alexandria betrifft, das „Martyrologium Sancrucense“ gibt jedenfalls zu: „Cyrill, 412 Patriarch von Alexandria... ist in den Augen der Kirche heilig, freilich weniger wegen seiner Taten.“ (504) 

Gibt es eine Heiligkeit die sich nicht in Taten und Gefühlen der Barmherzigkeit      und    der     ehrlichen     Freundlichkeit       ausdrückt? Ausschreitungen, wie sie vielfach bezeugt wurden, den Gruppen der Bogumilen, Paulikaner, (beide arianisch - freundlich,) dem Zeitgeist zuzuschreiben kann nicht zur Ehrenrettung Cyrills beitragen. Es geht nicht um das imaginäre Etwas einiger Nörgler, sondern um den Charakter des Patriarchen Cyrills und damit um seine Glaubwürdigkeit. Die ihm nicht genehmen Gemeinden konnte Cyrill erledigen, die Lehren der Kirche der Novatianer   und    der     Nestorianer nicht. Sie     finden          sich    noch jahrhundertelang im Glaubensgut verschiedener Ostkirchen und in denen der Vaudois und der Waldenser und Katharer. Es gab sie noch im 12. 

________________                                                                                                           

(503)     Martin Tamcke „Die Christologie des Nestorius“ Studien zur orientalischen

Kirchengeschichte 2003, S.  190 siehe auch  Leonhard Fendt 

(504)     Pater Karl Wallner OCist  „Martyrologium Sancrucense“ Heiligenverzeichnis für

das       Zisterzienser-Kloster      Heiligenkreuz,       2.      Auflage       2008,      S.      230                   

Jahrhundert in Deutschland, sowie auf dem Balkan u.a. Ländern und sie sind in einigen aber wichtigen Passagen im Glaubensgut der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lebendig. 

Papst’ Coelestin und Cyrill mussten damals tatsächlich die Wucht der Argumente des geradlinigen Nestorius fürchten, der gerade auf den Patriarchenstuhl zu Konstantinopel gelangt war. Denn Coelstin hätte nie und nimmer zu den vielen anrüchigen Ereignissen in Alexandria schweigen dürfen. Bereits Zosismus (bis 418 Roms führender Bischof) oder Bonifatius I. hätten, wenn sie denn verantwortungsbewusste Päpste gewesen wären umso mehr, Cyrill nach Rom zitieren müssen. Was da in Alexandria geschehen war, das widersprach jeder Regel der frühen Kirche. Das waren, in den Augen seiner Kritiker Schläge ins Angesicht Jesu Christi: Cyrill schielte mit beiden Augen aufs Geld, denn die Macht nach der er trachtete, hatte einen hohen Preis. 

Roms ranghöchste Christen haben kaum jemanden zur Rechenschaft gezogen der Unrecht tat, was päpstliche Pflicht gewesen wäre. Doch solange solche Bosheit die Macht der römischen Kurie sicherte und ihr diente, war sie läßlich. Der Vorsatz gewisser römischer Bischöfe, das Evangelium der Freiheit, größerer Machtteilhabe willen preis zu geben, wird von nun an unübersehbar.  Buchstäblich jedes Mittel war ihnen zu diesem Zweck heilig. Geld floss und muss fließen. Wahrhaftigkeit verkam zum Fremdwort:  „Die historische Forschung hat... gezeigt, dass die Päpste gerade seit dem 5. Jahrhundert mit ausgesprochenen Fälschungen ihre Macht entschieden erweitert haben.“ (505) 

Bis auf den Urgrund müssen sie zurückgehen um offensichtliche Mängel zu kaschieren. „Eine Nachfolge Petri durch den Bischof von Rom sieht (Papst) Leo begründet in einem Brief des Papstes Clemens an den Herrenbruder Jakobus in Jerusalem: demzufolge habe Petrus in einer letzten Verfügung Clemens zu seinem alleinigen legitimen Nachfolger gemacht. Doch der Brief ist eine Fälschung vom Ende des 2. Jahrhunderts.“ (506) Falls sich bestätigen sollte, dass Cyrill von Alexandria entscheidende Mitverantwortung für die ihm hier angelasteten

Verbrechen trägt, würde sein Fall die römisch-katholische Kirche im Nachhinein wegen aktueller Begünstigung von Kapitalverbrechen erschüttern, - nicht jedoch die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft. Im Gegenteil! Das intuitive Sträuben vieler Persönlichkeiten der Heutzeit gegen die christliche Religion rührt ja von den ungesühnten, unent-

__________________                                                                                        

(505)   Hans Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, Berliner Taschenbuch

Verlag S. 88

(506)   ebenda, S. 84

schuldigten und unentschuldbaren Verstößen der Kirchen her. Nicht genug damit, nun rücken andere Episoden ins Blickfeld, getrieben von Rangstreitigkeiten. Nachdem einigermaßen der Vorrang Roms abgesteckt worden war, ging es um die Vormacht zwischen Konstantinopel und Alexandria. Wenn die alexandrinischen Patriarchen schon nicht mehr die Nummer eins in der Kirche werden konnten, dann wollten sie wenigstens den zweiten Platz einnehmen: Cyrill ärgerte ein gewisser Kanon, den er umschreiben will, der bereits drei Jahrzehnte vor dem Beginn seines Wirkens auf dem Konzil zu Konstantinopel im Jahre 381 erlassen worden war: „Der Bischof von Konstantinopel soll nach dem Bischof von Rom den Ehrenprimat besitzen, denn diese Stadt ist das neue Rom... Dieser Kanon richtete sich noch nicht gegen Rom, sondern gegen die alten Patriarchate in Alexandrien und Antiochien, die als apostolische Gründungen Konstantinopel weit überlegen waren, nun aber zurückgestuft werden sollten“ (507) All das verschärfte die Situation. Papst Cölestin wird mit Eingaben und Klagen zugeschüttet. Nestorius, gerade Patriarch von Konstantinopel geworden verweist auf Cyrills Vergehen und umgekehrt beschwert Cyrill sich über den von Nestorius vertretenden Pelagianismus. Welch ein Gegenstand. Verrückt, wie die meisten Streitpunkte in damaliger Zeit sind auch die meisten Argumente gegen den britischen Mönch Pelagius. Um 410 erhoben sich innerkirchliche Stimmen die mit der gerade aufkommenden Theologie des Bischofs von Hippo, Augustinus, nicht anfreunden konnten. Pelagius damals 50jährig gehörte zu den führenden Köpfen des Widerspruchs. Er verstand Christi Schlussworte der Bergpredigt als klaren Auftrag an die Vernunft: „Der Mensch kann sich bessern, wenn er will!“ Das war die Kernbotschaft Pelagius. Damit vertrat „er eine andere Gnadenlehre als der große Kirchenlehrer Augustinus. Pelagius lehrte die sittliche Freiheit (liberum arbirtrium) zum Bösen wie zum Guten und hielt deshalb den Menschen für frei und imstande, das Gute von sich aus zu tun... Da zum rechten Tun die Kenntnis des Gesetzes gehört, rät Pelagius zur Schriftlektüre: ohne Gottes Wort ist jede Gerechtigkeit unsicher...“. (508) Augustinus stellte sich gegen Origenes: er stritt auch ab, dass ein Gottesgericht reinigenden Charakter habe... Die Theologische Realenzyklopädie gibt weitere Auskunft über die Unterschiede augustinischer und pelagianischer Lehren. Augustinus sagt:

Die Erkenntnis des Guten bewirkt noch nicht von sich aus, dass das Gute ___________________ 

(507)   P. Neuner, „Kleines Handbuch der Ökumene“, St. Benno-Verlag Leipzig 1984 S.

32-33                                                                                                                                

(508)   Die evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Hohenstauffenstraße, Berlin

auch gewollt sei und dass der Mensch zum Guten unfähig ist, wenn die Gnade Gottes ihm nicht hilft.

Andererseits wehrt Pelagius die seiner Meinung nach augustinischmanichäische Auffassung ab, dass der Mensch eine gute und eine schlechte Natur habe, verteilt auf Seele und Leib. In diesem Punkt gibt das Buch Mormon jedoch Augustinus recht, wenn es sagt: der naturhafte Mensch sei ein Feind Gottes, nur gegen Augustinus betonten seine Schreiber, die Fähigkeit des Menschen, sich aus freier Entscheidung den Eingebungen des Heiligen Geistes zu folgen. Dies ist die Trennlinie „Denn der natürliche Mensch ist ein Feind Gottes und ist es seit dem Fall Adams gewesen und wird es für immer und immer sein, wenn er nicht den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachgibt und den natürlichen Menschen ablegt und durch das Sühnopfer Christi, des Herrn, ein Heiliger wird und so wird wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voll von Liebe und willig, sich allem zu fügen, was der Herr für richtig hält, ihm aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt.“ (509) Das der Mensch wegen der ihm innewohnenden Intelligenz diese Macht hat, ist eine Schlüsseleinsicht, die ihm sowohl Origenes wie das Buch Mormon und Pelagius bestätigen, dieser sagt: „der Geist, der nobilitas ingenita, stammt aus einer höheren Welt...“ (510)   

Pelagius und Augustinus sagen aber gemeinsam: die Manichäer irren, wenn sie... Gott, den Schöpfer aller Natur, (also auch als Schöpfer des

Bösen, letztlich für ) schuldig halten müssen.“ (511)  

Schließlich erneuert Papst Gregor VIII. 1567 „kraftvoll“ ...die augustinischen Feststellungen über die Erbsünde, und die völlige Unfähigkeit des Menschen zum Guten  (wenn es nicht) die vorauslaufende

Gnade.“ gäbe. (512) 

In diesem Spannungsfeld wird Augustinus sich als der Erfolgreiche erweisen. Nachdem die ursprüngliche Voraussetzung: „das ewige vorweltliche Sein des Menschen“, durch den heute noch von der katholischen Kirche vertretenen Kreatianismus (d.h. Gott schafft jede Seele im Zeugungsakt neu) verdrängt wurde, mussten die augustinischen Theologen zu solchen Fehlschlüssen gelangen, wie sie Papst Gregor VIII. autoritär äußerte.   

Wegen des uns  innewohnenden Gotteserbes  „sind wir... nicht ganz unbeteiligt an unserer Erlösung... Augustinus (dagegen) fasst die _____________ 

(509)   Buch Mormon, Mosia 3: 19 

(510)   M. Landmann „Philosophische Anthropologie“ de Gruyter, 1982, S. 106 u 78:  

(511)   Gerhard Krause, Gerhard Müller „Theologische Realenzyklopädie“ 2003   (512) ebenda

Sündhaftigkeit als eine Grundbeschaffenheit des Menschen die Gott über uns verhängt hat und an der wir daher von uns aus nichts ändern können, sondern die wiederum durch Gott, (nur)  durch seine Gnade behoben werden kann. Gute Taten mögen wir begehen oder nicht, zur Herbeiführung der Gnade tragen sie nicht bei...“ (513) Und Martin Luther glaubte ihm. An dieser Stelle schaltet sich das Gedächtnis erneut ein: Jesus hatte den Prüfstein gesetzt: das Leben selbst wird bestätigen ob eine Lehre falsch oder richtig ist: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“

Also auch aus realpolitischer und pädagogischer Sicht gesehen, ist die augustinische Betrachtungsweise strikt abzulehnen, sie führt wie wir aus

Erfahrung wissen zur Einstellung: „liebe Gott und tue was du willst.“ Es sind die  rhetorischen Übertreibungen des Augustinus, die Schaden anrichten, obwohl er es offenbar gut meint.

Pelagius Klarheit steht gegen Augustinus Fatalismus von der Vorherbestimmung der menschlichen Seele.

Luther, der ehemalige Augustinermönch konnte diese Schule nicht verleugnen oder überwinden – er machte allenfalls kleine Zugeständnisse. In diesem Mangel liegt die Bitterkeit der historischen Ereignisse, verursacht durch das Nichtstun, (der Kontemplation). Glaube nur! Dein Handeln ist allemal vor Gott zwecklos, es trägt nicht zu deiner Erlösung  bei.   

„ob alles noch so reine menschliche Bemühen unzulänglich und eitel ist und wir nur durch die irrationale Gnade (sola gratia) gerettet werden, oder ob wir uns der Gnade wenigstens ein Stück weit entgegen bewegen können und den Boden für sie vorbereiten können, das bildet den Streitpunkt zwischen Augustinus und Pelagius...“ (514) Wie bei den

Novatianern und vielen anderen ähnlichen Gruppen stand bei den Pelagianern die von Jesus geforderte sinnvolle Vervollkommnung jedes Einzelnen obenan, während es bei Augustinus die Ergebenheit in den Ratschluss Gottes war.  

Unsinnige Vervollkommnung übten die Styliten, Eremiten usw. manche stellten sich auf ein Bein und verharrten so stundenlang in der Anbetung, indischen Fakiren vergleichbar, sie erreichten geradezu artistische Perfektion, die sie für gottgefällig hielten, so, wie es für den Bischof

Augustinus als gottgefällig galt, seinen Sohn Adeodatus mit sich zu 

________________ 

(513) M. Landmann „Philosophische Anthropologie“ de Gruyter, 1982, S. 106, 78   (514) ebenda 

Der Tenor des Buches Mormon ist allemal pelagianisch: 2. Nephi 1: 14 „Erwacht! und erhebt euch aus dem Staube.“

 

nehmen und dessen Mutter im Stich zu lassen, damit er selbst frömmer werde. Grundsätzlich wurde Kirche, von allen dem Urchristentum nahestehenden Gemeinschaften als die Gesellschaft der Vollkommenen verstanden… 

„Der Streit um die Thesen des Pelagius begann, nachdem 410 n.Chr. die Goten unter Alarich Rom nahten und Pelagius zusammen mit seinem Freund und Gesinnungsgenossen Caelestius nach Nordafrika flüchtete. Caelestius, ein ehemaliger Sachwalter, bestritt noch schärfer als Pelagius die Erbsünde und die Notwendigkeit der Kindertaufe zur Vergebung der Sünden. Im Jahre 411 n. Chr. bewarb sich Caelestius in Karthago um eine Stelle als Priester, wurde jedoch wegen seiner pelagianischen Ansichten als Häretiker abgelehnt und exkommuniziert, denn in Nordafrika bestimmte zu dieser Zeit Augustinus die theologische Diskussion... Pelagius, der inzwischen in den Osten des römischen Reiches weitergereist war, warb dort für seine Auffassungen und ließ sie sich von zwei palästinischen Synoden (415 n.Chr.) als rechtgläubig bestätigen, wurde dann jedoch zusammen mit Caelestius durch den römischen Bischof Innozenz I. exkommuniziert. Dessen Nachfolger Zosimus von Rom hob die  

Exkommunikation allerdings wieder auf... Seit 420 n.Chr. war Julian von Eclanum der Führer der Pelagianer. Er vertrat einen sehr weltlich moralistischen Rationalismus und kämpfte noch folgerichtiger als der Mönch Pelagius gegen die mönchische Erbsündenlehre und für das Recht der Ehe. Julian musste aus dem Abendland weichen und fand mit seinen Genossen bei Theodor von Mopsuestia Aufnahme. In Nestorius von Konstantinopel gewannen die Pelagianer einen weiteren Gönner. Das dritte ökumenische Konzil von Ephesus (431 n.Chr.) kam schließlich Rom entgegen und machte sich die Verurteilung des Pelagianismus zu eigen. Mit dieser Entscheidung verlieh man der Verdammung des Pelagianismus allgemeine Geltung...“ (515) Die Namen der pelagianischen Bischöfe die bei „Nestorius Schutz fanden“ sind bekannt. „Julianus, Florus, Orontius und Fabius.“ (516)  Pelagius kämpfte zwar fair gegen Ausgustinus Prädestinationslehre, doch das half ihm nicht, es führte zu seiner Exkommunikation. Aus der Tatsache, dass sich die heutige katholische Kirche immer mehr von dieser augustinischen Sicht entfernt, lässt sich vielleicht ableiten, dass irgendwann eine Rehabilitation des Pelagius erfolgt.

Ein ungenannter Theologe stellte bei Wikipedia diese zutreffende ________________ 

(515)   Die evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Hohenstauffenstraße, Berlin

(516)   Chr. Gotthold Neudecker, „Allgemeines Lexikon der Religions- und christlicher Kirchengeschichte, 1834 Ilmenau Voigt, S. 698 

Erklärung ins Internet: Von einer asketischen Lebensführung geprägt, war

Pelagius als Prediger in Rom empört über die moralische Lässigkeit in der Gesellschaft, wie er sie dort erlebte. Des Weiteren widersprach er in seinen Predigten auch den Aussagen zur Theologie der göttlichen Gnade, wie sie von Augustinus von Hippo gepredigt wurden: Pelagius war der Auffassung, dass Augustinus’ Lehre darauf hinauslief, den Manichäismus in das Christentum einzuführen. Er klagte Augustinus an, dem Bösen den gleichen Rang wie Gott einzuräumen und heidnischen Fatalismus zu lehren, als sei es eine christliche Doktrin. Obwohl er als Urheber des Pelagianismus angesehen wird, kann auch dargelegt werden, dass der Mönch niemals diese Doktrin vertreten habe und nur derjenige gewesen sei, an dem die Gegner dieser Ansicht ihre Darlegungen festgemacht hätten. Pelagius hat im Gegensatz zu Augustinus eine positive Anthropologie vertreten, durch Askese und permanente Übung sei die menschliche Natur zu stärken, gemäß der Formel "Du kannst, weil du willst". 

Nach 412 unterstützten der Bischof von Jerusalem, Johannes, der römische Bischof Zosimus sowie die Anhänger des Origenes den Pelagianismus, während die Konzile von Karthago 418 und Ephesus 431 (!) diese Lehre verurteilten.“ (517) Eine andere Quelle schreibt: „Pelagius geboren360  stirbt 420 Von Papst Zosimus wurde Pelagius zunächst rehabilitiert. Durch ein Edikt des Kaisers Honorius (30.4. 418) erfolgte seine Verbannung aus Rom. Im selben Jahr erneuerte eine Synode in Karthago die Verurteilungen gegen die Pelagianer und verabschiedete acht antipelagianische Kanones (DH 222-230). In der »Epistula tractoria«, 418, billigte Papst Zosimus die Beschlüsse dieser Synode und exkommunizierte Pelagius, der danach auch aus Palästina vertrieben wurde.“ (518) Augustinus der ebenfalls die Lehre vom Vorherdasein des Menschen verworfen hatte fand in Cyrill von Alexandria einen ausdrücklichen Verteidiger, dessen Zorn auf Nestorius auch durch den Umstand wuchs, dass Nestorius den Pelegianismus ehrte.

„Papst Coelestin empörte sich, dass Nestorius in Konstantinopel „einige von Rom   verurteilte    pelagianische        Ketzer          aufnahm.     Cyrills

Bevollmächtigter in Rom stellte Nestorius eifrig als einen Rationalisten dar, der die Gottheit Christi und die Notwendigkeit der Gnade für den Menschen leugne.“ (519) ‚Papst’ „Coelestin von Rom bestätigte 431 die

Beschlüsse und ermahnte den Patriarchen von Jerusalem Maximianus _____________ 

(517)   Ökumenisches Heiligenlexikon 

(518)   Biographisch-    Bibliographische         Kirchenlexikon            Verlag Bautz                                    (519) Henry Chadwik „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter 1967 S. 230

dafür zu sorgen, dass alle welche dem Pelagius folgen aus der menschlichen Gesellschaft vertrieben würden.“ (520)  Pelagius Lehre befand sich indessen in voller Harmonie mit Jesu Forderungen: Tu es! Du kannst! Allerdings leugnete er nie, dass: „Der freie Wille ein Geschenk der Gnade

Gottes ist... Pelagius setzt (auch gegen die Mutmaßungen und Unterstellungen seiner Widersacher) die ‚versöhnende Wirkung des Todes

Jesu voraus’.“ (521)  

Wegen seiner pelagianischen Ansichten und weil er sich sehr bald, nach seiner Ankunft in Konstantinopel mit der amtierenden Kaiserin Pulcheria anlegte, musste Patriarch Nestorius, der rothaarige Feuerkopf im Kampf gegen Cyrill unterliegen.

Aber, die nicht nur von Rom attackierten Lehren des britischen Theologen Pelagius lauteten ganz anders, als sie von seinen katholischen Feinden dargestellt wurden: Ebenso erging es Nestorius. Seine Theologie „wurde  völlig entstellt wiedergegeben, wenn man ihm vorwarf er lehre Christus sei nur ein inspirierter Mensch gewesen.“ (522)  

 

Ähnlich erging es Paulus von Samosata: Über ihn „weiß man so gut wie nichts... überhaupt scheint man in der alten Kirche Paulus besonders was seine häretishen Lehren anging, nicht allzu genau Bescheid gewusst zu haben. Das hat es wahrscheinlich erleichtert, ihn zum Erzvater faktisch aller seit dem 4. Jahrhundert auftretenden Ketzereien zu machen... “ (523)

Das Grundproblem bestand in der Urkirche darin, dass die Kommunikationswege zu lang waren. Zudem mangelte es nach dem Tod der ersten Apostel an allgemein anerkannten Autoritäten. Zwischen Johannes der auf Patmos um 100 sein Wirken einstellt und Origenes klaffen etwa 120 Jahre anscheinender Führungslosigkeit. Danach ist es noch schlimmer. Blanker Zufall, statt redlich erworbene Einsicht entschied oft genug.

Der römische Anspruch auf Berechtigung in Lehrfragen für die ganze Kirche zu sprechen, wurde erst weit nach Origenes aufgebaut. Er wurde, bis heute, nur durch Legendengut gestützt...

Die ‚richtige’ Schule zu sein behaupteten im vierten und fünften Jahrhundert zeitgleich Alexandria, Rom, Konstantinopel und Antiochia. 

„451 erleidet (Papst Leo) auf dem ökumenischen Konzil zu Chalkedon eine bittere Niederlage, seinen 3 Legaten wird der beanspruchte Vorsitz (vom _________________  

(520)   Chr. Gotthold Neudecker, „Allgemeines Lexikon der Religions- und christlicher

Kirchengeschichte, 1834 Ilmenau Voigt, S. 698 

(521)   ebenda S. 699, 701

(522)   ebenda S. 230  

(523)   H. Chr. Brennecke „Ecclesia in republica“ Theologiegeschichte, de Gruyter S. 6

 

Ehemann der Pulcheria, Markian, G.Sk,) glatt verweigert“ Neu-Rom (Konstantinopel) wird „derselbe Primat zuerkannt wie der alten Reichshauptstadt.“ (524)  

Von daher rührten weitere Vormachtstreitigkeiten die allesamt durch die nicht enden wollende theologische Streitigkeiten noch geschürt wurden.  Pulcheria und Markian saßen in Konstantinopel, deshalb sollte von diesem Ort aus die Welt und die Kirche regiert werden. Das konnte den gewieften Söhnen der alten Senatoren nicht gefallen. Nur Bischofsrang einzunehmen war ihnen nicht genug. Für sie galt allemal: der Thron der Wahrheit stand in Rom. Kaiser „Markian  verbietet im Anschluss an das Konzil von Chalkedon... das er einberufen hatte öffentliche Diskussionen über theologische Fragen. Denn die Beschlüsse von Chalkedon stünden im Einklang mit dem Konzil von Nicäa... solche Diskussionen verstoßen demnach nicht nur gegen den Glauben an sich, sondern diskreditieren die christliche Religion in den Augen der Juden und Heiden. Das Verbot gilt gleichermaßen für Kleriker, Staatsbedienstete, Freie und Sklaven, die bei Verstoß entsprechend differenziert betraft werden.“ (525)  

Es blieb dabei, die Kaiser entschieden die fundamentalen Fragen, wie es 325 in Nicäa geschah und das Fußvolk parierte.

Brennecke bestätigt eine wohl bekannte Tatsache noch einmal nachdrücklich: „Noch mehr als dreißig Jahre später lehnen die Homöusianer das nicänische homousious unter anderem deswegen ab, weil Konstantin in Nicäa der Unterschriften der Bischöfe mit Gewalt erzwungen hatte... seitdem die Kaiser anfingen Christen zu sein, hingen von ihnen die Angelegenheiten der Kirche ab...“ (526) Man kann davon ausgehen, dass um 360 die ganze Kirche (abgesehen von einer handvoll verbissen kämpfender Kleriker) das Athanasium (den Begriff ‚homousios’) ablehnten. Und wenn sie schon in geringem Umfang mitbestimmten, dann war es allemal noch so, dass die „theologischen Debatten zwischen verschiedenen theologischen Schulen auf Synoden ... über kurz oder lang zur Verurteilung der oft nur zufälligen Minderheit... durch eine ebenso zufällige Mehrheit der Vertreter einer anderen theologischen Schule auf Synoden führen.“ (527)  

________________ 

(524)       H. Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“, S 84

(525)       Karl Leo Noethlichs „Die Juden im christlichen Imperium Romanum“

Studienbücher, Akademie Verlag 2001 S. 44

(526)       H. Chr. Brennecke „Ecclesia in republica“ Theologiegeschichte, de Gruyter S. 47, 48, 30 Homöusianer halten Vater und Sohn für wesensähnlich, aber als Personen unterschiedlich... sie lehnten das konstantinische ‚homousios’ als gottlos ab.

(527)       ebenda 

Es ist nicht zu leugnen, dass Zufälle und Unfälle, aber auch Bosheiten größten Ausmaßes, die Kirche des Mittelalters hervorbrachten. Wären wir Kinder dieser Zeit gewesen, wir hätten sehr wahrscheinlich ebenso wie unsere Vorväter an geistiger Blindheit gelitten.

Erstaunlich ist nur, bei gegenwärtigem Wissensstand, dass die großen Kirchen, Europas Männer der Zerstörung, mit Gedenktagen ehren. Athanasius (295-373) am 2. Mai, seinem Todestag (katholisch, anglikanisch, evangelisch), Damasus (305-384) am 11. Dezember, und zwar die Katholiken. (528) 

 

Viele andere Persönlichkeiten mit fragwürdiger Vergangenheit zählen zu den Geehrten, darunter Cyrill von Alexandria (380-444) dessen Gedenktag auf den 27. Juni, seinen Todestag gelegt wurde, (katholisch, anglikanisch und orthodox)  (529)

Andererseits stehen dieselben Großkirchen ihrer eigenen Geschichte gegenüber wesentlich kritischer gegenüber als das noch vor wenigen Jahren der Fall war:

Der liebenswürdige Papst Johannes XXIII. dem das Volk wegen seiner Herzensgüte den Titel ‚il papa buono’ - der gute Papst - verlieh, gab allen ein großartiges Beispiel als er kurz vor seinem Tod im Juni 1963 öffentlich um Vergebung für das kirchliche Vergehen an den Juden betete: „Wir erkennen heute, dass viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so dass wir die Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres erstgeborenen Bruders wiedererkennen. Wir erkennen, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, daß wir Dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wußten nicht, was wir taten.“    

Gewiss wird der Tag kommen, an dem wir alle um Vergebung bitten werden.

Das jedoch ist kein Grund die Augen zu verschließen. Wir haben genau hinzuschauen. Zu den wichtigsten Fragen aller Zeiten gehört auch diese:

________________ 

(528)   Ökumenisches Heiligenlexikon

(529)   ebenda

 

 

 

 

Apostolische Sukzession ?

 

Mormonen glauben, Joseph Smith (1805-1839) habe, geführt von Gott, lediglich wiederhergestellt was verloren ging und damit gründete er keine ‚neue’ Kirche sondern restaurierte die alte, die Urkirche. 

Niemand muss uns darin folgen, dass wir überzeugt sind, Gott habe durch ihn, eben jene durch priesterlichen Missbrauch abhanden gekommenen Schlüsselvollmachten wiederhergestellt, - doch zumindest der Gedanke daran ist interessant. Er erinnert an Lessings Ringparabel. „der echte Ring vermutlich ging verloren. Befürworter der römischen Machtentwicklung mögen bedenken, dass bereits der Anfangsanspruch sehr fragwürdig ist. Wegen der Möglichkeit, dass Petrus Bischof in Rom war – oder, was eher wahrscheinlich ist, dass Petrus als Repräsentant der Kirche in Rom geweilt haben könnte, - abzuleiten, dass fortan in Rom immer die richtigen Männer der Kirche saßen, ist unglaubwürdig. Vor dem Hintergrund der bekannten Tatsachen ist es eine durch nichts begründete Behauptung. Es gab also die Notwendigkeit etwas vorzutäuschen, was den offensichtlichen Widerspruch zwischen Wunschdenken und Realität überdeckte.

Die von Jesus gesetzten Kriterien für Führerschaft (530) erfüllte wohl nicht viele der oft in Raufhändel verwickelten römischen Bischöfe. Sie liebten sich selbst und die Macht. Das belegen die Daten und die Lebensläufe, ebenso ihre Briefe, ihre Entscheidungen, Fehden und Kriege. Nur ein Beispiel aus der Fülle selbstzerstörerischer Aktionen soll andeuten, dass die bittere Wahrheit anders aussieht als gutmeinende katholische Christen sich das vorstellen: (531) Wie wenig der römischen Kurie die ‚Schafe’ bedeuteten, zeigen die Schwerpunkte die sie im Kampf um Rang eins setzen. „Gewiss, “ schreibt Hans Küng „das päpstliche Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Aber zielstrebig und machtbewusst weiten die römischen Bischöfe des 4. und 5. Jahrhunderts ihre Amtsbefugnisse in Richtung Universalprimat aus. Die von ihnen erhobenen Ansprüche sind zwar ...ohne biblisches und theologisches Fundament, gingen aber dennoch im Lauf der Jahrhunderte per viam facti in das Kirchenrecht ein...   

Noch für Augustinus „sind alle Bischöfe grundsätzlich gleich, dem

Papalismus leistet er keinen Vorschub.“ (532)  

________________ 

(530)       Johannes 21: 15-17 „Liebst du mich? und Johannes 14: 21: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es der mich liebt.“

(531)       Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen K. bis 1740“ S. 189: „Während des Pontifikates Innozenz III. führte die Stadt Rom Krieg mit der gleichfalls päpstlichen Stadt Viterbo.“ 

(532)       Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ 2002 Berliner Taschenbuch Verlag S S81

Zudem weiß man über die wichtigsten Persönlichkeiten der Kirche die in Rom in den ersten 220 Jahren amtiert haben sollen, so gut wie nichts.

Gemäß einem im Mittelalter vielverwendeten Bildes, erhebt sich die Frage: Wenn die Kirche das rettende Schiff ist, dann bildet die Ankerkette die

Verbindung vom Boot zum Anker, der Jesus Christus versinnbildlicht. Die Kette wird als apostolische Sukzession verstanden, es ist die Legitimationskette. Was jedoch, wenn sich herausstellt, dass ein einziges Kettenglied fehlt? Der Effekt ist nicht größer, als wenn zehn Verbindungsglieder fehlen. Tatsächlich sind einige nicht vorhanden.

Bereits beim  ersten Glied erheben sich Zweifel. Petrus angebliches 

Pontifikat soll bis 64 n. Chr. gedauert haben. Nach Hans Küng bezeugen „der Clemensbrief um 90 sowie Bischof Ignatius von Antiochien um 119, dass Petrus am Ende seines Lebens in Rom war, und dort den Martertod erlitt. (Doch) Sein Grab unter der vatikanischen Basilika ließ sich ... nicht identifizieren... es gibt kein zuverlässiges Zeugnis dafür, dass Petrus in

Rom“ je als ... Bischof diente. (533)  

Der erste Petrusnachfolger soll Linus gewesen sein.  Seine Amtszeit hätte zehn Jahre gedauert, nämlich von 64 - 74.  Doch allem Anschein nach gab es keinen Papst oder Bischof dieses Namens und zu dieser Zeit in Rom: denn „alle Linus zugeschriebenen Aufzeichnungen wurden als Fälschungen und Irrtümer entlarvt.“ (534) Die meisten Quellen - insbesondere das "Liber Pontificalis" - sprechen zwar von einem Märtyrertod. Doch da zu der Zeit seines Todes keine Christenverfolgung in Rom erwähnt wird, halten das die meisten Historiker für eher unwahrscheinlich. (535) Und das dritte Glied der Kette? - „Man weiß so gut wie nichts über Anaklet“ der angeblich von 79 bis 90 oder 92 regiert haben soll. (536) 

_______________  

(533)   Küng „Kleine Geschichte der katholischen Kirche“ 2002 Berliner TBV S. 33       

(534)   Ökumenisches Heiligenlexikon

(535)   Catholic enzyclopedia: “The explanation given by Severano of this discovery "Memorie delle sette chiese di Roma", Rome, 1630, 120, is that probably these sarcophagi contained the remains of the first Roman bishops, and that the one bearing that inscription was Linus's burial place…But from a manuscript of Torrigio's we see that on the sarcophagus in question there were other letters beside the word Linus, so that they rather belonged to some other name (such as Aquilinus, Anullinus). The place of the discovery of the tomb is a proof that it could not be the tomb of Linus (De Rossi, "Inscriptiones christianae urbis Romae", II, 23-7)

Auch Hermann Griesar „Geschichte Roms und der Päpste im Mittelalter“ „die Legende schlingt ...dichte Ranken um einen wenig kenntlichen Stamm.“

(536)   Catholic enzyclopedia:  Pope St. Anacletus is the second successor of St. Peter… Tertullian omits him altogether. …That he ordained a certain number of priests is nearly all we have of positive record about him, but we know he died a martyr, perhaps about 91. 

Papst’ Clemens angebliches Pontifikat von 90/92-101 ist (ebenfalls) reine  

Erfindung (537)  Selbst  „über ‚Papst’ Evaristus Amtsführung (99/100- 107) ist nichts Sicheres auf uns gekommen....“ (538) Die Quellen sagen, ungesichert ist ob ‚Papst’ Alexander, (107-116) als Märtyrer starb und tatsächlich unter Kaiser Trajan enthauptet wurde. Die Identität Alexanders I. mit einem gleichnamigen römischen Märtyrer wird wohl mit Recht bestritten. Telosphorus soll von 125-138 als ‚Papst’ regiert haben. Doch auch die Telephorusakten sind nicht echt. (539)  

Sein möglicher Vorgänger im Bischofsamt Hyginus war vielleicht einer der Gemeindevorsteher Roms von 138 – 142: „Sein geschichtliches Wirken ist (aber desgleichen)  nicht fassbar... Obwohl Hyginus als Märtyrer gilt, bestätigt dies keine Quelle.“ (540)  Von einer Kette gibt es keine Spur. Unbenommen jedoch ist, dass es in Rom seit den Tagen des Paulusbesuches führende Mitglieder der Kirche in der Reichshauptstadt gab. Von diesem Fakt ausgehend könnte jede andere Gemeinde reichsweit und darüber hinaus gleich lautende Vormachtansprüche erheben.  Die wenigen Briefe, die unter ‚Papst’ Pius' (142-155) Namen existieren, sind Fälschungen... er war wohl der erste eigentliche Bischof von Rom. Zuvor waren die Bischöfe einfach die Vorsteher im Kreis der Ältesten und hatten keine besonderen Rechte… (541)  So unsicher und unwahrscheinlich wie der Start ist die Fortsetzung: „Aniketus angebliches Pontifikat soll von 154/155-166 gedauert haben: 

Er wird als Märtyrer bezeichnet, obwohl keine Legende dies ausführt...“  Mehr ist nicht bekannt. (542)  Falsch ist auch, dass ‚Papst’ Soter (166-174) den 2. Clemensbrief verfasste. Für sein Martyrium unter Kaiser Marc Aurel entsprechend der späteren Verehrung gibt es keinen Anhaltspunkt.“

(543) „Das „Liber Pontificalis”, das „Papstbuch” aus dem 6. Jahrhundert

_____________  

(537)     Catholic enzyclopedia: “Of the life and death of St, Clement nothing is known.”   In Wikipedia schreibt ein ungenannter Fachmann: “Sein Pontifikat wird auf 88 bis 97 datiert, ist jedoch, wie viele Daten der ersten Jahrhunderte, reichlich unsicher. Da die Annahme eines monarchischen Bischofsamtes bereits im 1. Jahrhundert den Quellen widerspricht – auch im Brief des Clemens an die Korinther finden sich nur Hinweise auf Älteste, aber kein Hinweis auf einen monarchischen Bischof – ist die Frage nach der Datierung des Pontifikats ohnehin irrelevant.“

(538)     Stadlers vollständiges Heiligen-Lexikon 

(539)     Catholic enzyclopedia: “None of the statements in the "Liber pontificalis" and other authorities of a later date as to liturgical and other decisions of this pope are genuine.

(540)     Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

(541)     Ökumenisches Heiligenlexikon

(542)     ebenda 

(543)     ebenda

 

berichtet sodann vom angeblich nächsten Sukzessor von Eleutherius' (174189) und seinen vorgeblichen Beziehungen zum britischen König Lucius, der den Wunsch hegte, sich taufen zu lassen. Diese Legende hat offenbar keine historische Basis.” (544) 

Victor I. soll der 14. in der Reihenfolge der römischen Päpste gewesen sein (angebliches Pontifikat) 189-199. Doch es heißt auch von ihm nur: „Er war römischer Bischof von 189 bis 199.“ (545)  

Selbst Zephyrinus (angebliches Pontifikat) 199-217 ist weithin unbekannt. „Zephyrinus ... war offenbar kein gebildeter und wohl auch kein charakterfester Mann” (546)    Das ist zu mager, um als ‚Papstbiographie zu dienen. Joseph Langen schreibt:  „Wir dürfen die Zeit Zephyrins nicht verlassen, ohne noch einen Blick auf die Persönlichkeit dieses Mannes geworfen zu haben. Er ist der Erste unter den römischen Bischöfen, von dem wir eine Charackterschilderung durch einen Zeitgenossen (allerdings seines Kontrahenten) besitzen. Nach einer Schilderung Hippolyts (Phil. IX, 11) war Zephyrin ein unwissender und ungebildeter Mann, der die kirchlichen Bestimmungen nicht kannte und sich ganz in den Händen des schlauen und boshaften Callistus befand. Dieser vermochte ihn zu allem, (zu bewegen G. Sk.) besonders durch Geschenke, da Zephyrin bestechlich und geldgierig war. (547) Sonderbar verwirrend muss es um die ganze Kirche Roms bestellt gewesen sein. Zephyrinus soll bereits für 200

Geistliche und Kirchendiener (Priestertumsträger) und für 1500 Arme Sorge getragen haben. (548) Im Kontext bedeutet das, Zephyrinus sei trotz seiner Beschränkungen, in etwa der Erzbischof Roms gewesen (– in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) entspräche das dem Pfahlpräsidenten der die Aufsicht über mindesten fünf Gemeinden leistet.) Denn „wir wissen aus Optatus, dass um das Jahr 311 einige 40 Basiliken (Gemeinderäume G.Sk.) in Rom waren“ (549) Da es jedoch keine Hinweise für eine einzige Basilika vor der Konstantin-aera in Rom gibt, könnte es in Rom durchaus 40 Gemeinden gegeben haben, die sich wahrscheinlich in gemieteten Räumen versammelten. Dass diese Zahl der

Wahrheit nahe kommt geht auch aus dieser Information hervor: „Für

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(544)    Ökumenisches Heiligenlexikon  

(545)    ebenda 

(546)    ebenda

(547)    Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881

(548)    Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853  (549) ebenda 

 

das Jahr 250 wird die Anzahl 100 italienischen Bischöfe angegeben.“ (550) Dann hätten in jeder Gemeinde 5 Prebyter, (Älteste, Priester und Diakone) sich um jeweils etwa 40 Bedürftige kümmern müssen. Eine beachtliche Leistung.

Nach etwa siebenjähriger Amtszeit gibt Zephyrinus auf oder er stirbt. Ziemlich sicher ist, dass er keine Aufwandsentschädigung für seine Leistung erhielt, - obwohl ihm über 200 „Geistliche“ unterstanden, - denn um 220 beklagte Hippolyt, dass die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer  in Rom, ihrem Bischof ein monatliches Gehalt zahlte. (551) Hippolyt würde sonst, drei Jahre nach Zephyrinus Abschied, nicht gesagt haben: dies sei „eine gräuliche Neuerung“ (552) 

Es sollte grundsätzlich unterschieden werden zwischen Trägern des Priestertums und Klerikern. Kleriker treten erst im nächsten Jahrhundert auf, von da an sind sie hauptamtliche Kirchenführer.  Priestertumsträger dagegen wirkten ehrenamtlich. 

 

Nun kommt erneut Callixt I. ins Gespräch, ein Mann von dem man mehr weiß, als Fabeln: Callistus oder Calixtus I. war Zephyrinus Nachfolger, der 16. in der Reihe der angeblichen Päpste. Sein bischöfliches Pontifikat dauerte von 217-222. Diese Angabe soll laut L. Hertling sicher sein. Aber wodurch wurde Callistus bekannt? 

„Callistus war der Überlieferung zufolge ein von Juden verbannter Sklave, der zunächst mit betrügerischen Bankgeschäften von sich reden machte. Der erste Gegenpapst der Kirchengeschichte, Hippolyt, erhob sich gegen ihn und beschuldigte ihn... eines unlauteren Vorlebens und der Unzucht. ... „Callistus versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren“ (553)  

Zur selben Zeit wird Hippolyt Bischof der Leiter einer anderen (Zentral-) ? Gemeinde in Rom, vielleicht war er ein Anwärter auf den Rang eines ‚Erz- oder Oberbischofes’. 

Hippolyt sollte Calixtus auf die eine oder die andere Weise überleben, der um 222 stirbt oder seinen Platz räumen muss. Hippolyt überlebte auch Urban I. . Es war ein echter Überlebenskampf gewesen.

Hippolyt war wahrscheinlich der erste Bischof dem seine Gemeinde ein

______________ 

(550)      Henry Chadwick „Die Kirche in der antiken Welt“ de Gruyter, S. 67 siehe auch

Fußnote 172

(551)      Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner

Kirchenordnung“ 

(552)      ebenda 

(553)      Ökumenisches Heiligenlexikon

 

Denkmal setzte, und das die Jahrhundert überdauerte. (554) Welche eine Persönlichkeit er doch gewesen sein muss. Hippolyt lehrte, soweit wie zu sehen ist, schriftgemäß. Daran kam die katholische Kirche nie vorbei. Deshalb zählt sie diesen ‚Gegenpapst’ zu den Heiligen. Er wurde etwa 170 in Kleinasien oder Alexandria geboren und starb, 66jährig in der Verbannung  auf Sardinien. Schon unter ‚Papst’ Victor I. (189-199) unterstützte er als Presbyter (Ältester) die Gemeindearbeit offensichtlich vorbildlich, immer wieder wusste er zu überzeugen, dass Dienst in der Kirche ehrenamtlich zu leisten ist. Damit bewies er moralische Stärke.  Er war im Verlaufe der Zeit als „ein Schüler des Irenäus”, (555)  zur führenden Persönlichkeit in der  Christenheit Roms aufgestiegen. Das wird ihm heute noch bestätigt: „Hippolyt hatte unter Bischof Victor I. ... großen Einfluss im Klerus von Rom.“ (556) 

Origenes der 212 nach Rom reiste, hörte Predigten Hippolyts, der ihn eingeladen hatte, weil er den Rat des zwar 15 Jahre jüngeren aber kirchenweit anerkannten Gelehrten suchte. Die Streitigkeiten zwischen ihm und Callixt I. waren bereits im Gange.   Hippolyts Standpunkt stimmte im wesentlichen mit den Schriften und der Tradition überein, andere sagen direkt und indirekt dasselbe: das Chaos entstand nicht durch ihn, „die Verwirrung, welche ... in der römischen Kirche entstand, (wurde) von

Kallistus verschuldet...  (557)  

Hippolyts Urteil über (Callixt I.) Callist lautet zunächst nicht ungünstig: Er sei „ ein bedeutender, mit Talent, Energie und Unternehmungsgeist ausgerüsteter Mann, der, ein Sklave von Geburt, durch schwere Schicksalsschläge gestählt und gewitzigt, unter den ungünstigsten Umständen sich bis auf den römischen Bischofsstuhl emporgearbeitet hatte. (558) 

Andererseits erhob Hippolyt, wenig später schwere Beschuldigungen gegen ihn, weil Callixt in die ‚Kirchendisziplin’ Änderungen einführte. „Vor allem die, dass er, den Lüsten der Menschen entgegenkommend, allen ihre Sünden nachlasse. Wenn Jemand, der bis dahin einer andern Kirchengemeinschaft angehört, gesündigt habe, werde ihm die Sünde nicht angerechnet, wofern er nur zu des Kallistus „Schule'', d. i. zu seiner Kirchengemeinschaft sich bekannte. Viele mit beflecktem Gewissen und _______________ 

(554)   Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853  

(555)   Ökumenisches Heiligenlexikon                                                                          

(556)   ebenda

(557)   Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245:

(558)   ebenda 

von vielen Sekten ausgestoßen sowie einige auch von ihm, Hippolyt, aus der Kirche verwiesen, füllten seine „Schule". (559) 

Hippolyt  lehnte vor allem Callixt Auffassung ab, dass ein Bischof  selbst  wenn er „bis zum Tode' sündige“, doch nicht abgesetzt werden soll. (560) Das konnte kein von der Sache Christi überzeugter Christ hinnehmen. Je höher jemand stand, desto dramatischer war sein Fall.

Zu den Todsünden gehörten Ehebruch und Verrat. Hippolyt weist durch sein Gesamtverhalten darauf hin, dass die Ehe, von Jesus unter besonderen Schutz gestellt, den Menschen ein sicheres Zuhause bieten soll. Ehebruch zerstört mehr als nur das Vertrauen. Ehebruch ist ein wissentlicher Verstoß gegen Gottes Gebot, auch wenn die Tat im Taumel der Erregung geschieht. Manchmal zerbricht sie das Glück harmonischer Gemeinsamkeit auf das jeder Mensch nach Jesus (Jehova) einen immerwährenden Anspruch hat, irreparabel. (561) 

Diese Welt ist nur ein Jammertal weil die Übertretungen und der Unglaube sie dazu machen.

Das Verständnis der Alten lautete deshalb schriftgemäß, man kann nicht Mitglied der Kirche Jesu Christi bleiben, nachdem man seine Bündnisse brach. Die meisten Christen der Frühzeit verstanden sich selbst wie die alten Israeliten, als Kinder des Bundes, (562) es sind mindesten zwei gebrochene Bündnisse wenn jemand eine Seele zerstört. Weiter  heißt es von Hippolyt: „Als Schüler des Irenäus von Lyon widmete sich Hippolyt. dem Abwehrkampf gegen häretische Strömungen wie der Gnosis, dem Chiliasmus, dem Adoptianismus und dem Modalismus. Vor allem die trinitarischen Modalisten Noetus und dann Sabellius waren seine Hauptgegner. Mit Bischof Zephyrinus (199-217) entfremdete er sich vor allem wegen dessen Ernennung des Callixtus zum Diakon. Für Hippolyt war Zephyrinus fortan ein Sprachrohr des Häretikers Callixtus... (gegen den er den) Vorwurf der Laxheit erhob ...Jedoch fiel u. a. wegen der Strenge seiner Kirchenzucht nach kurzer Zeit ein großer Teil der Anhänger

Hippolyts (von ihm) ab...“ (563) 

Callixt wollte die Übertreter natürlich ermahnen und wohl nur die ________________ 

(559)   Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881

(560)   ebenda 

(561)   Deuteronomium 28: 1-14 „Wenn du auf die Stimme deines Gottes hörst, indem du alle meine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte achtest und sie hältst, wird dich der Herr dein Gott über alle Völker der Welt erheben...“

(562)   1. Petrus 2: 9 „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft... ein Volk das sein besonderes Eigentum wurde... einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk...“ 

(563)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz 

ständigen Wiederholungstäter exkommunizieren, Hippolyt bestand eher auf Kirchenausschluß, vor allem wenn der Schuldige ein Bischof war, denn er hatte das Vorbild zu sein. Sie unterschieden sich in Fragen der derv Kirchendisziplin und der Lehre. Natürlich muss durch den Bischof alles getan werden um die gebrochenen Ehen und Herzen zu heilen. Daran bestand auf beiden Seiten kein Zweifel.  Es ist nicht zutreffend, dass Hippolyt weniger mitfühlend als Callixt war. Gerade er und Origenes glaubten, entschieden mehr als ihre Gegenspieler an die Allversöhnung... dass nach einer angemessenen Zeit der Gewissensqual (Hölle) alles ! durch Gott vergeben wird. Nur Gott könne vergeben, wann und wie er will, nicht der Bischof, auch Bischöfen ist unmöglich ins Herz zu schauen. (Die Auseinan-dersetzung geht knapp 25 Jahre später im Kampf zwischen Novatian, - der Hippolyts Linie vertritt - und ‚Papst Cornelius sowie seinesgleichen um 250 weiter...)  

Hippolyt beteuerte nur: Kein Bischof habe das Recht die von Jesus bestimmten Grenzen auszuweiten. 

Darüber ereiferten sie sich. „Über die Anmaßung einiger Hierarchen, selbst die schwersten Verbrechen, wie Götzendienst, Ehebruch, Unzucht zu vergeben, ergeht sich... Origenes in ... Klagen, dass man sich sofort der bald zu besprechenden Beschuldigungen erinnert, welche in dieser Hinsicht Hippolytus gegen Kallistus erhebt. An Origenes fand also

Hippolytus einen willkommenen Bundesgenossen, der ihm auch in der

Ferne treu blieb, sein römisches Schisma begünstigte und endlich das

Schicksal der Ausschließung durch die römische Kirche mit ihm teilte.“ (564)  Mit Origenes teilte Hippolyt auch die wesentlichen Eckpunkte der christologischen Lehre. Dem Anschein nach wird bereits vier Generationen vor dem 1. ökumenischen Konzil zu Nicäa dessen Kernthema diskutiert.

 

 Noch glaubten die meisten Bischöfe wie Origenes, aber die neue Christologie, die den Menschen von Gott entfernt, weil entfremdet, ist bereits auf dem Weg. Noch war es klar und ließ sich schlicht formulieren: Es sind vier Eckpunkte deren Positionen, nach Hippolyt und Origenes nie verlassen werden dürfen.

1.     Gott der ewige Vater formte alle Intelligenzen, - er gab ihnen eine

Gestalt - deren erster Jesus oder Jehova ist. Wir Kinder aus der Familie

Adams hatten ein intelligentes, vorirdisches Dasein, durch den Fall ins 

Fleisch haben wir alles vergessen. (565) 

2.     Jesus ist dem Vater nachgeordnet

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(564) Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245: (565) Seinsvergessenheit...  

Hippolyt lehrte: „Durch das Sichtbarwerden in der Welt wurde er ein …Anderer, als der Vater; ... Der Logos trug die Ideen des Vaters in sich und brachte auf dessen Geheiß die Schöpfung hervor... Durch den Logos brachte Gott Alles hervor, und anders als es gemacht wurde, konnte es nicht gemacht werden. Den Menschen schuf er als solchen; will der Mensch Gott werden, so muss er ihm gehorchen. Der Logos besitzt, weil aus Gott seiend, das Wesen Gottes... Das Böse entsteht aus der geschöpflichen Freiheit, und besaß ursprünglich keine Existenz. Der Logos wurde Mensch, um uns ein Beispiel zu geben und den Beweis zu liefern, dass der Mensch frei sei und sich des Bösen enthalten könne. Zu diesem Zwecke nahm er das Wesen des Menschen an. Er wurde leidens- und todesfähig, um die Menschen von ihren Leiden aufzurichten. Durch die richtige Erkenntnis, ermahnt Hippolytus (c. 34) zum Schlusse, werde man der Höllenstrafe entgehen und die Unverweslichkeit des Leibes nebst dem Himmelreiche empfangen als Genosse Gottes und Miterbe Christi. Denn dann wird der Mensch Gott. Als Mensch war man leidensfähig; was man aber dann erhält, empfängt man als vergöttlicht und unsterblich gemacht. Christus, der Gott ist über Alles, reinigte den Menschen von der Sünde und schuf den alten Menschen zu einem neuen um. Wenn man seine Gebote hält, wird man ihm ähnlich. Gott macht den Menschen zu Gott zu seiner Ehre... die Subordination des Logos unter den Vater (ist) als notwendig gegeben… Von einer Genugtuung oder stellvertretenden Sühne ist bei ihm noch nicht die Rede. Nur von einer Reinigung und Umschaffung des Menschen durch Christus. Die Menschwerdung hat den Zweck, das Ideal eines Menschen tatsächlich zu verwirklichen. Geht der Mensch mit seinem des Guten fähigen, freien Willen auf diese Umgestaltung seines Wesens ein, so wird er als Adoptivbruder des Gottmenschen vergottet.(566)  Daraus folgt:

3.                 Wegen ihrer Verwandtschaft mit Gott können diejenigen, die tun was Gott von ihnen verlangt, -  und die wissen was er verlangt - und als richtig erkannt haben, - selbst Götter werden. (Nur wer gegen sein eigenes Gewissen handelt und darin zu lange reuelos verharrt kann dieses Ziel nicht erreichen.)

4.                 der von Gott den Intelligenzen geschenkte freie Wille, darf von niemanden angetastet werden.

Es kam zu weiteren Spannungen wegen dieser und anderer Grundsätze,

Kallistus und sein Anhang nannten sich (indessen) die katholische Kirche“

(567) auch mit Pontianus dem Nachfolger von Callixt I. sollte es zunächst

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(566)   Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245

(567)   Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853

zu erheblichen Differenzen kommen. „Schließlich machte Kaiser Maximinus Thrax (235-238) dem Streit in Rom ein Ende, indem er kurzerhand Hippolyt samt seinem Gegner Pontianus 235 nach Sardinien verbannte. Eine Aussöhnung auf Sardinien ist wahrscheinlich, beide Verbannten blieben bis zu ihrem Tod auf der Insel. (568) 

Die erwähnte Einschätzung des Ökumenischen Heiligenlexikons: „Callistus versuchte nachdrücklich, den Einfluss des Bischofs von Rom für die gesamte Kirche zu mehren“ mag  zwar gut ins nachträglich erstellte Konzept passen, doch Callixt I.  Tun beschränkte sich darauf, dass er für sich und seine Gemeinde die Latte niedriger legte, auf eine Höhe die den Unterscheid zwischen einem Heiden und einem Christen fast verwischte. Während der 16. ‚Papst’, Hippolytus 217-235, später zu einem Gegenpapst erklärt wurde. Hippolyts Spuren sind immer noch deutlich. Sein Bemühen das alte Niveau zu bewahren ist bemerkenswert. Er weiß, man kann die Bedingungen für eine Mitgliedschaft in der Kirche Christi nicht, wie in einer rein menschlichen Organisation,  den eigenen Wünschen anpassen. Das sieht Callixt zwar ähnlich, aber doch anders. Hippolyt muss und will die Tradition achten. Alle Neuerungen lehnt er ab.

Nur als Kettenglied in der Papstreihe taugt er nicht, die Kirche hat ihn zwar heilig gesprochen aber nicht anerkannt. Er lehrte ein vom Überlieferungsgut der katholischen Kirche grundverschiedenes „Evangelium“.  An ihm müssen ich alle anderen messen lassen, weil seine Lehrsätze und administrativen Hinweise dem Original sehr nahe kommen. Origenes Lehrgut spielte für Hippolyt die entscheidende Rolle.  

Dass ein persönliche und gute Beziehung zwischen beiden Männer bestand, wird auch von anderer Seite bekräftigt:  

 „Origenes sei den Kämpfen des Hippolytus unter Zephyrin und Kallistus nicht fern geblieben, sondern habe für ihn Partei ergriffen. Auch hält er (Döllinger) es nicht für unmöglich, dass die bekannten scharfen

Äußerungen des Origenes über den Hochmut und die Anmaßungen der Bischöfe großer Städte, sich speziell auf den römischen Stuhl beziehen. Wichtiger noch ist, dass Origenes scharfen Tadel über Bischöfe ausspricht, welche, um Gott zu verherrlichen, zwischen dem Vater und dem Sohne einen bloßen Namensunterschied annehmen. ...Eusebius berichtet freilich, Origenes habe die Romreise angetreten, um die uralte römische Kirche zu sehen. Sollte nicht vielleicht Hippolyt diesen ungeachtet seiner Jugend berühmtesten Kirchenlehrer damaliger Zeit eingeladen haben, die dortigen  Zustände aus eigener Anschauung kennen zu lernen, um an ihm eine Stütze und für seine Anhänger eine neue, beruhigende Autorität zu gewinnen? Auf ________________ 

(568) Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

diese Weise gewänne die Erwähnung des berühmten fremden Theologen in einer Homilie, wenn auch unter andern Umständen schon denkbar, eine erhöhte Bedeutung... So hätten denn ungeachtet ihres verschiedenen Standpunktes im Einzelnen die drei größten Theologen damaliger Zeit, Tertullian, Hippolytus, Origenes in dem Kampfe gegen den römischen Stuhl gemeinsame Sache gemacht, und wären auch nach einander von dem gleichen Schicksale der Exkommunikation betroffen worden. Tertullian und Hippolytus wurden in Folge dessen Häupter separierter Kirchenparteien, jener einer montanistischen Gemeinschaft in Afrika, dieser schismatischer Bischof einer römischen Gemeinde, während Origenes, ungeachtet seiner Exkommunikation durch die Synoden von Alexandrien und Rom bei den Bischöfen Palästina' s nichts von seinem Ansehen verlor. Einerseits stand Tertullian dem Hippolytus am nächsten. Denn in der Trinitätslehre sind sie beide völlig Gesinnungsgenossen und kämpfen in derselben Weise gegen dieselben Gegner.“ (569)  

Hippolyt nannte ‚Papst’ Calixt einen Räuberhauptmann, Heuchler und Häretiker. Kein Wunder, Callixt liebte es beide Augen zuzudrücken. 

 

So beschäftigten die kuriosen Auseinandersetzungen und Spekulationen die Christenheit mehr als der eigentliche von Jesus erteilte Auftrag als Kirche über alle Landes- und Kulturgrenzen hinaus  Lebenshilfe zur

Versöhnung zu geben. (570) 

Sein Nachfolger Pontianus, der von 230 – 235 Bischof einer römischen

Gemeinde (oder ein quasi Erzbischof Roms) war, wurde von einigen seiner Amtsbrüder angehalten etwas gegen den ‚origenistischen’ Trend zu unternehmen. Dahin musste es kommen, denn Origenes legte seinen Finger auf die Inhalte der Bergpredigt Christi, die den Willen des Einzelnen ansprachen. Origenes ging es um die Verinnerlichung des Menschen, die andern schauten darauf wann sie fordern sollten, dass die Abendmahlsgefäße möglichst vergoldet sein müssten.

Bischöfe die nicht stark genug waren bescheiden zu bleiben, hatten ihre  Probleme mit diesem alexandrinischen Gelehrten. Es scheint, dass einige sich mehr und mehr auf die sühnende Rolle Christi beriefen. Mit Callixtus

Kurs 

__________________ 

(569)   Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881,S. 245 

(570)   Matth 7: 14; 5: 10; 5:5; 5: 48 Vergebt einander! Macht diese zerstrittene Welt zu einem besseren Platz. Seid Friedensstifter. Übt niemals Gewalt. Vervollkommnen sollt ihr euch  

wurden auf diese Weise die Grundideen der späteren „Blut- und Kreuztheologie“ angestoßen, die Origenes und mit ihm die Urkirche in dieser Intensität nicht kannte.

Pontianus war aber eher als Callixt zur Harmonie bereit. Das beweist er in der Verbannung. Er versöhnt sich dort mit Hippolyt.

Er amtierte als römischer Bischof von Juli 230 bis September 235. Während dieser Periode überlässt er sich dem Calixtinischen Strom: „Unter seinem Episkopat stimmte eine römische Synode (231/32) der

Verurteilung und Absetzung des Origenes zu; ein diesbezügliches Schreiben Pontianus an den alexandrinischen Bischof Demetrius ist verlorengegangen. Während der Christenverfolgung unter Maximinus Thrax im Jahr 235 (sei Pontianus) zusammen mit dem Gegenbischof

Hippolyt nach Sardinien verbannt; damit ist das Schisma Hippolyts gegen Calixt I. und dessen Nachfolgern Urban I. ...  beseitigt. Das Datum des Rücktritts ist der früheste »terminus certus« der Papstgeschichte. Der noch im      Jahr   der     Verbannung Verstorbene wurde          später          in der

Calixtuskatakombe beigesetzt. Pontianus wird als erster Märtyrerpapst

verehrt.” (571)  

Die Frage, ob die Verurteilung des Origenes auf  verleumderische Nachrede durch seinen Bischof Demetrius zurückzuführen ist, oder auf Origenes angebliche Selbstverstümmelung oder ob sie vor allem auf einer nicht weiter begründeten und trotzdem ablehnenden Haltung einer römischen Mehrheit der Origenes-Lehren beruht, beantwortet kein Geringerer als Hieronymus, der Bibelübersetzer: „In einem Brief an Paula sagt er, Origenes sei nicht wegen neuer Lehren oder häretischer Meinungen... verurteilt worden, sondern weil man den Glanz seiner Beredsamkeit und Wissenschaft nicht habe ertragen können.“ (572)  

Dass Origenes Neider hatte ist bekannt. Es macht zudem misstrauisch, dass

„ein diesbezügliches Schreiben Pontianus an den alexandrinischen Bischof Demetrius verlorenging.“ Wieder einmal gibt es kein Dokument, wo es am dringendsten erforderlich gewesen wäre. 

Roms führende Priester stellten sich so bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt  gegen den „Rest“ der Kirche, ins Abseits. 

Zudem scheint der Begriff ‚römische Synode’ erneut zu bestätigen, dass es tatsächlich zeitgleich mehrere römische Bischöfe gab, die sich – vielleicht! - mehrheitlich gegen Origenes äußerten. Doch selbst wenn sich alle

Bischöfe Italiens gegen Origenes gestellt hätten, wäre dies kein Beweis  _______________ 

(571)         Biographisch-Bibliographisches        Kirchenlexikon            Verlag Traugott            Bautz     

(572)         Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853 S. 259

für die Behauptung, Origenes sei ein Häretiker. Wahrscheinlich ist zudem, dass es außerhalb Roms einen Primas der Kirche gab. Das wird um 366 sichtbar: (573)  

Zu viel Wichtiges ist unklar. Wollte Pontianus einem nicht bekannten, aber existierenden Primas der Kirche, der irgendwo in der Provinz lebte, den Rang ablaufen? Wenn sich das bestätigen sollte, dann würde der Primatsanspruch Roms sofort kippen. Es heißt ferner: „...Während der

Christenverfolgung unter Maximinus Thrax im Jahr 235 verzichtet Pontianus auf den Bischofsstuhl“; (574)  doch, erstens gab es keine

Christenverfolgung unter Kaiser Thrax, zweitens erhebt sich die Frage, wer Pontianus zum Verzicht nötigte. Warum musste Pontianus verzichten, wenn er doch ohnehin in die Verbannung ging? Wem also unterstand Pontianus? Wir hören, Pontianus wurde zusammen mit ... Hippolyt nach  Sardinien verbannt..., aber warum tatsächlich? Wer hatte das veranlasst? Kaiser Thrax, fernab der Heimat, in eigene Sorgen und Kriege verwickelt hat sich um diesen Fall sicherlich nicht gekümmert. Die Forschung nimmt jedenfalls an, dass es ein entsprechendes Thraxedikt eher nicht gab. Gab es vielleicht einen bestochenen (christlichen?) Beamten, der eine Verbannung im Interesse der Antiorigenisten anordnete?  „Ein Edikt des Maximinus Thrax ist durch Euseb, KG VI überliefert. Darin wird die Todesstrafe für Kleriker angeordnet. Aber auch die Echtheit dieses Dokuments ist eher zweifelhaft, da es keine anderen direkten Belege für einen solchen Erlass gibt und ein Abrücken von der Praxis bei Trajan nirgends sichtbar wird...“ (575)  Dreizehn Jahre vorher, 222, endete die Amtszeit des Callistus (Calixt I.); endete sie weil er starb? Das nimmt man an, aber ohne jeden Grund. (Kein Vergleich zu heute.) Calixt I. war, nach dem Zeugnis seiner

Zeitgenossen, ein von der Idee der Macht besessener Charakter, ein Lebemann. Kurz gesagt, er war möglicherweise nicht würdig Bischof zu sein, weshalb er nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit Übertretern nachsichtig umging. 

Es ist wohl eine irrige Annahme, dass die römischen Bischöfe jeweils bis zum Lebensende amtierten. Später mag das der Fall gewesen sein. Auch aufgrund der Jerusalemer Bischofsliste ist anzunehmen, dass kaum jemand auf Lebenszeit als Bischof amtierte. Bis zum Jahr 138 werden dort 15

Bischöfe aufgeführt, was auf eine durchschnittliche Amtzeit von etwas  

__________________ 

(573)           Martin Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“, 1882, S. 13 : „Der

Bischof von Ostia ordinierte Damasus zum Bischof.“ 

(574)           Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz

(575)           www.basiswissen.christentum. de „Die Verfolgung von Christen von Nero bis Diokletian“ 

mehr als 6 Jahren schließen läßt. (576) Entschieden anders, von Ausnahmen abgesehen, - Leo amtierte 21 Jahre -, ist es in Rom auch nicht. In 500 Jahren zählt man dort 50 Bischöfe.

Zusammenfassend lässt sich sagen:                                                        

A.)  Callistus      Vorstellung von    Gott   ähnelt          dem   der          späteren Athanasianer.

B.)   Hippolyts Vorstellung von Gott entspricht dem der späteren Arianer.

C.)   Callistus ist der erste Mann der anscheinend eine Vorahnung vom künftigen Papsttum hegt und es rigoros anstrebt. D.) Hippolyt erhob keine Machtansprüche.

E.)   Bischof Callistus Anliegen ist das Wachstum seiner Gemeinde. (Quantität)

F.)    Bischof Hippolyts Anliegen ist die Reinheit seiner Gemeinde. (Qualität)

G.)  Callistus feierte das Evangelium H.) Hippolyt trat dafür ein es zu leben.

Was würde ein Mann dieser Klasse, (Calixt I.) tun, sollte er seines Amts nicht mehr sicher sein?... Bekannt ist, dass sich nämlich auch Pontianus gegen Calixt I. Laxheit ausgesprochen hatte: „Nach dem ersten Schisma der Kirchen, das sich auch an der Frage entzündet hatte, ob selbst Unzuchtssündern eine zweite Buße  ermöglicht werden soll, stellte sich Pontianus gegen die positive Antwort seines Vorvorgängers Callistus I., und wurde deshalb (? vom Kaiser, von Maximinus Thrax?) gemeinsam  mit Gegenpapst  Hippolyt 235 auf die Insel Sardinien verbannt. Sein Rücktritt am 28. September 235 ist das früheste exakt nachweisbare Datum der Papstgeschichte. In  Sardinien mussten beide im Bergwerk arbeiten, an den Strapazen starben sie... Der noch im Jahr der Verbannung verstorbene Pontianus wurde später in der Calixtuskatakombe beigesetzt.“ (577)

Ausgerechnet in der Calixtuskatakombe? Es blieb nur übrig zu

______________ 

(576)           Eckhard J. Schnabel „ Urchristliche Mission“ Brockhaus 2002 S. 28 u. 10 :

Bis Hadrian die Juden besiegte gab es jüdische Bischöfe in Jerusalem... Jakobus der Bruder des Herrn, Simeon der zur Zeit Trajans starb, Justus, Zachäus, Tobias, Benjamin,Johannes, Matthias, Phippus, Senekas, Justus, Levi, Ephus, Josef, Judas...   danach erscheinen die Namen von Heidenchristen.... Bischof Makarios von Jerusalem steht auf der Unterschriftenliste zu Nicäa Er war dem Metropoliten von Cäsaraä, der damals führenden Stadt Palästinas untergeordnet....  (577) Ökumenisches Heiligenlexikon

sagen: Pontianus wird als erster Märtyrerpapst verehrt. War er als Märtyrer ein Opfer seiner Brüder, weil man seine Auffassung von Kirche  inakzeptabel fand? Beide Männer, Pontianus und Hippolyt unterstützten später einander und sie hatten einen gemeinsamen Feind: Herrn Calixt, den Lebemann, der es anderen ebenfalls gönnte, zugleich Mitglied der Kirche und unangestrengt zu leben. Päpste waren sie keineswegs.

Zu dieser Zeit war jeder römische Bischof nicht mehr als jeder andere.

Naiv ... meint de Rossi Roma sott. II, 306 sq., auf den Grabsteinen der „Päpste" in den Katakomben finde sich nur der einfache Titel „Bischof", weil man damals keinen andern Titel für sie gewusst habe; papa sei mehr ein Ausdruck des Affektes als der eines amtlichen Verhältnisses, pontifex maximus aber ein heidnischer Amtstitel gewesen. Hier scheint des Verfassers erfindungsreicher Geist plötzlich versiegt zu sein. Warum nannte man die Bischöfe von Rom denn nicht episcopus episcoporum, episcopus universalis, antistes totius ecclesiae, episcoporum princeps, pater omnium fidelium? Die Liste der möglichen Bezeichnungen ist ja kaum zu erschöpfen. Aber nirgends auch nur eine Andeutung dieser Art. In diesem Falle ist das Schweigen der Steine ein sehr beredtes. Man nannte die Bischöfe von Rom damals einfach „Bischöfe", weil sie nichts weiter waren als die Bischöfe der römischen Kirche, der angesehensten unter allen, also die Inhaber des hervorragendsten bischöflichen Stuhles, dessen Kirchengewalt sich aber ebenso örtlich beschränkte, wie die einer jeden andern bischöflichen Kathedra. (578)  

„Von Urban I.“ ‚Papst’ von 222-230, also noch zu Amtszeiten Hippollyts und vor Pontianus   berichten sowohl der Geschichtsschreiber Eusebius (ca. 260-340) als auch der Liberianische Katalog (4. Jh.), daß er sein Amt acht bzw. knapp neun Jahre innehatte. Wahrscheinlich war Urban Römer und Sohn eines gewissen Pontianus. (war dieser ‚gewisse’ Pontianus, der Vater Urbans und sein Nachfolger im Bischofsamt? Das ist nicht auszuschließen, eben weil die Amtszeiten nicht immer mit dem Tod des Betreffenden endeten.) UrbansDas Böse entsteht aus der geschöpflichen Freiheit, und besaß ursprünglich keine Existenz. Der Logos wurde

Mensch, um uns ein Beispiel zu geben und den Beweis zu liefern, dass der Mensch frei sei und sich des Bösen enthalten könne. Pontifikat fiel ganz in die Regierungszeit des Kaisers Alexander Severus (222-235) und war somit frei von Verfolgungen. Unter Urban dauerte das Schisma des Hippolyt fort. Über sein Pontifikat ist sonst nichts weiteres bekannt.

Berichte über sein Martyrium, seine Anordnung, heiligen Gefäße nur aus  _________________ 

 (578) Joseph Langen , „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881 

Silber anzufertigen, einen Brief an alle Christen und ein Dekretale bei Pseudo-Isidor sind unglaubwürdig. Diese unrichtigen Angaben im Liber Pontificalis beruhen z.T. auf der legendären Passio der hl. Cäcilia und auf nicht vor dem 9. Jh. entstandenen Martyrerakten. Die in LibPont aufgestellte Behauptung, Urban sei in der Praetextatus-Katakombe beigesetzt worden, beruht auf einer Verwechslung  (579) Ob echt oder nicht die Tendenz zur Übertreibung der Feierlichkeiten beim Abendmahl ist schon zu erkennen.

Der 19. ‚Papst’ Anteros hatte ein angebliches Pontifikat von  235-236. Er

„war der erste historisch gesicherte Amtsinhaber auf dem „Stuhl Petri”, …Angeblich wurde er hingerichtet, weil (?) er die Akten der Märtyrer sammeln und aufbewahren ließ... Sein Martyrium ist zweifelhaft.” (580) Fabianus, der 20. in der Reihe amtierte von 236-250. „Bei der anstehenden Wahl sei eine Taube herab geflogen und habe sich auf seinen Kopf gesetzt - worauf man ihn spontan und einstimmig zum Bischof von Rom gewählt habe... Er förderte die Tendenz zu einer hierarchischen Struktur der Kirche.“  (581) Der Aberglaube spielte seine große Rolle. Der Redekünstler war gefragt. Und die Leute glaubten, weil sie meist ungebildet waren. Die Unwissenheit hielt bereits Origenes für ein Grundübel. Einhundertfünfzig

Jahre später musste Johannes Chrysostomos festschreiben, dass (wenigstens) Bischöfe (fortan) die Mindestanforderung lesen zu können erfüllen sollten. (582) Wie wollten sie in einer Sache, die Weltrang beanspruchte, mitreden, wenn sie nicht tägliches Schriftstudium und

Wissenserwerb in allen Bereichen betrieben? (583)  

_________________                                                                                                                       

(579)    Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz  

(580)    ebenda

(581)    ebenda

(582)    Jörg Köpke  „Die ital. Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552 n Chr.“ Hamburg, 2006 S 11 

(583)    Brockhaus Konversations Lexikon 14. Auflage 1894-1896: „Die alte Kirche hat die Heilige Schrift niemals dem Volke vorenthalten; Kirchenlehrer, wie Chrysostomus, Hieronymus und Augustinus, namentlich auch Papst Gregor d. Gr., ermahnten die Laien eifrig zum Bibellesen. Erst der hierarchische Geist des Mittelalters führte dazu, den Gebrauch der Heiligen Schrift im Volke zu beschränken. Aus Anlass der Verfolgungen gegen die Waldenser und Katharer wurde zuerst von Innocenz III. 1199, dann auf den Synoden zu Toulouse 1229 und zu Béziers 1233 den Laien das Besitzen und Lesen der Schrift in der Volkssprache untersagt, und auf der Synode zu Tarragona (1234) jeder für einen Ketzer erklärt, der eine Bibelübersetzung nicht innerhalb acht Tagen seinem Bischof zum Verbrennen abliefere. Ähnliches wurde in England gegen die Wiclifiten z. B. auf der Synode zu Oxford 1408 erlassen.“  

 

Unwissenheit war der Nährboden für Legendenbildung. Viele glaubten einfach alles, wenn ihnen in der Kirche etwas erzählt wurde. Das sollte im Verlaufe der Zeit nur noch schlimmer werden. Die sich über andere Ansichten als die gerade aktuellen empörten, waren möglichst zu meiden. Sie waren zu allem fähig. Wenn sich dennoch jemand zur Kritik aufraffte, wurde er sofort der Häresie beschuldigt. Es war das einfachste  Mittel einen guten Kopf zum Schweigen zu bringen.

Zeitgenosse Origenes „mag wohl seinen eigenen Bischof Demetrius im Auge gehabt haben“ als er tadelte, die „Bischöfe der großen Städte wollten selbst ihren (besten) Mitgliedern nicht gestatten, mit ihm zu  sprechen. Und bald danach redet er (Origenes) von Bischöfen und Prebytern, denen die vornehmsten Sitze anvertraut seien und die ganze Kirche an ungeeignete Personen übergaben, die die unrechten Männer zu Gebietern machten.“  (584) Wahrscheinlich meint Origenes Callixt I. indem er sagt: „Es gibt einige, die, ich weiß nicht wie sie sich das herausnehmen, was die bischöfliche Gewalt übersteigt... sie rühmen sich, dass sie auch Götzendienst vergeben, Sünden des Ehebruchs und der Unzucht nachlassen können“ (585)  

Niemand wird sagen, dass alles was Callixt I. tat unrecht sei und Hippolyt wäre der absolut perfekte Mann. Callixt gehörte zu den ersten Bischöfen  die immerhin den Mut aufbrachten, „eine Ehe zwischen einer freien Frau und einem Sklaven zu gewähren und einzusegnen,... denn nach römischer (staatlicher) Ansicht... waren Sklaven, da ihnen die Persönlichkeit fehlte, unfähig unter sich oder mit Freien ein wirklich eheliches Verhältnis einzugehen  (586) Das ungute Spiel zwischen Callixt und Hippolyt sollte sich zwanzig Jahre später zwischen  Cornelius und Novatian wiederholen. Novatianus der von 251 bis 258 einer römischen Gemeinde vorstand gilt ebenfalls als Gegenpapst. Behauptet aber nicht bewiesen wurde, Cornelius sei der echte Bischof Roms. Seitens der katholischen Kirche wird behauptet, dass er „die Mehrheit vertrat gegen eine starke Minderheit um den römischen Priester Novatian (oder Noviatanus), dem Kopf der Novatianer:...“ (587) Warum sollen wir glauben, dass die „starke Minderheit“ überhaupt eine Minderheit war? Wer zählte das aus? Und wenn schon, ist denn die Wahrheit eher auf Seiten der Mehrheit zu finden?  Nachdem Hitler, der Schreckliche, 1940 den 

 

_________________ 

(584) Johann J. Ignaz von Döllinger „Hippolytus und Kallistus“ 1853, S. 257 (585) ebenda, S. 256

(586)   ebenda, S. 183, 167                                                                                            

(587)   Ökumenisches Heiligenlexikon

Frankreichfeldzug siegreich beenden konnten, standen wohl mehr als 90

Prozent aller Deutschen hinter ihm.- Die Kriterien Wahrhaftigkeit und

Reinheit müssen in einer Gemeinde dominieren, sonst gehört sie nicht zur Kirche Jesu Christi, sagte Paulus indirekt und schärfer: „Wer den Geist

Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.“ (588) Und um eben diese Grundwerte ging es Novatian, vor allem stemmte er sich gegen die in der Kirche zunehmende Lockerung der Disziplin. 

„Novatianus hielten (viele) aus mehr als einem Grunde für den wiedererstandenen Hippolytus, so erscheint er uns als ein hochgebildeter und ehrgeiziger Mann ... Novatian habe sich getrennt, weil Cornelius die lapsi wiederaufgenommen ; er habe sich ferner an alle Kirchen gewandt mit der Erklärung, die Todsünden seien mit lebenslänglicher Ausschließung zu bestrafen, und habe man die Verzeihung derselben Gott allein zu überlassen. Novatian und Cornelius hätten dann mit Schriftstellen für ihre beiderseitigen Ansichten gekämpft die Sittenstrengen dagegen hätten zu Novatian gehalten. Dieser selbst sei unter Valerian als Märtyrer gestorben. Vorstehende Ausführung beruht insofern auf Wahrheit, als die Forderungen Novatians eben nicht neu waren, sondern die größere Strenge früherer Zeit repräsentierten. Sokrates selbst rechnet zwar die späteren Novatianer unter die Sektierer, hebt aber wiederholt hervor, dass sie im Glauben völlig mit den Katholiken übereinstimmten, und spricht sich eifrig für ihre Duldung aus.“ (589) Immerhin war  Novatian ein ganzer Mann, und er war der erste Papst, der seine Schriften in Latein verfasste.“ (590)  

„Der gelehrte Presbyter Novatian vertrat... die traditionelle Auffassung, dass die Kirche keine Macht habe, des Mordes, des Ehebruchs und des Abfalls Schuldigen die Vergebung zu gewähren, sondern dass sie nur Gott um Erbarmen und im Gericht bitten können. Der weniger strenge Cornelius vertrat die Auffassung, dass der Bischof auch Todsünden vergeben könne. Diese Spaltung von 251 (ist ein) Zusammenstoß zwischen der ursprünglichen Auffassung von der Kirche als einer Gemeinschaft von Heiligen... und der jetzt aufkommenden Anschauung (die Kallixt) vertreten hatte, das sie ein Erziehungsanstalt für die Sünder sein soll.“ (591) Einesteils muss gefolgert werden, dass die Kirche ihrer vom Stifter, Jesus, zugewiesene Rolle als Erzieherin nicht gerecht wird, wenn sie in Bausch _________________ 

(588)   Römer 8:9   

(589)   Joseph Langen , „Geschichte der römischen Kirche“ Uni Bonn, 1881 S. 293 (590) Ökumenisches Heiligenlexikon. 

(591)  Henry Chadwick, Die Kirche in der antiken Welt“, S.134 

  

und Bogen die Übertreter behandelt, anderenteils kann das sensible Thema nur von solchen Geistlichen annähernd ‚richtig’ behandelt werden, wenn sie jeden Fall als einmalig betrachten.

Die Geschichte kennt Fälle von Klerikern die sich an Unmündigen sexuell oder als Gewalttätern vergangen hatten und die von ihren Bischöfen losgesprochen, manchmal nur in andere Orte versetzt wurden wo sie im alten Stil fortfuhren. (592)  

Novatian stieß überall auf Widerstand. Seine Getreuen konnten sich in

Rom nicht lange halten. Um 420 wurden die sogenannten ‚Novatianer’ in Ägypten durch Maßnahmen des Cyrill von Alexandria ihrer Versammlungshäuser beraubt. Die urkirchlichen Prinzipien lebten jedoch in den Gemeinden der Bogumilen, der Katharer, der Waldenser und der Vaudois weiter, alles Gruppen die trotz brutalster Verfolgung etwa zur Zeit Innozenz III. (1216-1227) nie ganz ausgerottet werden konnten. 

Mehr als einhundert Jahre nachdem Bischof Novatian zur Amtsaufgabe gezwungen wurde, hatte der ränkeschmiedende Papst Damasus (nach 366) versucht, die Novatianer in sein System „zu integrieren“. Seiner Meinung nach war bereits „Hippolyt ... ein novatianischer Kleriker... während die Luziferaner Hippolyt als ihren Heiligen betrachteten.“ (Die Luciferaner waren keineswegs Satansverehrer, sondern wurden nach ihrem Bischof Lucifer = Lichtträger, so genannt.) (593) Die Entschiedenheit mit der Novatian die Lehren des Origenes und Hippolyts verteigite missfiel seinem Widersacher Cornelius. „... Cornelius stellte sich entschieden auf die Seite der Nachsichtigen und Vergebungsbereiten, diese Haltung entsprach der des Bischofs von Karthago ... Cyprian.“ (592) Die Frage lautet tatsächlich anders, nämlich:      war    Cornelius     allzu nachsichtig   und    allzu _____________________ 

(592) Mir selbst wurde in Zeugen Gegenwart ein Fall berichtet, in dem ein Kaplan in der Tschechoslowakei, um 1938, nahezu alle Mädchen einer Klasse, sexuell missbrauchte und nach Klage der Eltern nicht exkommuniziert, sondern lediglich versetzt wurde. Das Gesetz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) in Lehre und Bündnisse Abschnitt 42 lautet mit den entsprechenden Passagen: Vers 22- 25:  „Du sollst deine Frau mit deinem ganzen Herzen lieben und sollst an ihr festhalten und an niemandem und nichts sonst. Und wer eine Frau ansieht, dass es ihn nach ihr gelüstet, der wird den Glauben verleugnen und wird den Geist nicht haben; und wenn er nicht umkehrt, soll er ausgestoßen werden. Du sollst nicht Ehebruch begehen; und wer Ehebruch begeht und nicht umkehrt, soll ausgestoßen werden.   Aber dem, der Ehebruch begangen hat und mit seinem ganzen Herzen umkehrt und davon lässt und es nicht mehr tut, sollst du vergeben.“

(591)   Henry Chadwick, Die Kirche in der antiken Welt“, S.262  „Luziferianer“ (sind eigentlich           Waldenser)      nach     einer    Information      von      historicum.   Net,

Geschichtswissenschaften im Internet, 2010 

(592)   Ökumenisches Heiligenlexikon 

vergebungsbereit und zwar weil er selbst schwach geworden war? Gemessen an Lehre und Praxis in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, gibt es klar definierte Ausschlusskriterien, doch eine 2.

Taufe ist möglich. (Ein Kirchenausschluß ist bei den ‚Mormonen’ zugleich die Einladung zur 2. Taufe) Mir persönlich ist der an sich unglaubliche und wahrscheinlich einzige Fall einer 3. Taufe bekannt, die nach mehr als zehn Jahren Bewährung erfolgte. Bischof Cyprian mochte aus denselben Gründen die Cornelius vertrat zur Laxheit neigen. Dass Cyprian sich zu diesem Thema äußert, ist sein gutes Recht, Aber wenn zwei Leute das Prinzip der Aufweichung von Normen vertreten, bedeutete das doch nicht, dass sie damit die Linie der Kirche Jesu Christi behaupten. Noviatianer sind Gefolgsleute des Hippolyt, das spricht für sie. Hippolyt und Noviatian sahen welche Gefahren es mit sich bringen würde die Messlatte immer niedriger zu legen. Es heißt, von anderer Quelle: die angebliche „Minderheit wählte Novatian      zum    zweiten        Gegenpapst der Kirchengeschichte; auf der römischen Synode von 251 wurde er aber wieder abgesetzt.“ (593) Das Ganze klingt ebenso erfunden wie die dazu gehörige         Märtyrerlegende seines          Gegenspielers        Cornelius.    Das Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon bekennt denn auch: „Cornelius starb in der Verbannung wohl nicht als Märtyrer“. Obwohl es keinen Hinweis für das Märtyrertum des Cornelius gibt, wird sein Kopf der wahrscheinlich der Kopf einer anderen Person ist -  im Cornelimünster zu Aachen bewahrt.  (594)  Bislang hatten wir es im Wesentlichen mit wenig Fakten und all zu vielen Märchen zu tun. Fest steht, Novatianus amtierte als Bischof in Rom von 251-258. An ihm und Hippolyt lässt sich festmachen, welcher Gesinnung die Urkirchlichen waren und dass Druck seitens der nach mehr Macht trachtenden zeitgenössischen Bischöfe auf sie ausgeübt wurde. Andererseits verteidigte Novatian seine Position und konterte gegen den um die Führungsrolle ringenden Cornelius. Er „behauptete, Cornelius... habe sich in der Verfolgung unter Decius gegen Geld von den Beamten eine Bescheinigung verschafft, dass er gemäß dem Edikt von 250 geopfert habe; (Novatian) erklärte, dass Cornelius darum kein Recht habe... (595) Bischof zu sein... „Streitigkeiten über die Wiederaufnahme der lapsi, der Abgefallenen, führten zum endgültigen Bruch.“ Es heißt: „...Die noviatianische Kirche genoss im 4. Jh. wegen ihrer orthodoxen (?) Position  in den christologischen

 

______________________                                                                                                                                        

(593)   Ökumenisches Heiligenlexikon                                                                                                       

(594)   ebenda: „Cornelius' Martyrium ist aber tatsächlich nicht wahrscheinlich.“  

(595)   Biographisch- Bibliographische Kirchenlexikon Verlag Bautz 

Auseinandersetzungen auch bei Katholiken ein gewisses Ansehen ... später folgte eine gewaltsame Unterdrückung, doch können sich bis ins 7. Jh. novatianische Gemeinden halten.” (596) 

Auch diese Aussage enthält zwei Fehler. Erstens, wie im Folgenden dargelegt wird, gibt es bis heute Novatianer, allerdings, so weit bekannt, nicht unter diesem Namen, sondern sie hießen zunächst die Paulikianer, Bogumilen, Katharer, Waldenser, Vaudois usw. Aus diesen uneinheitlichen  Richtungen kamen auch die Hussiten, dann die Unitarier usw. hervor

Zweitens, dass die Novatianer eine orthodoxe Position einnahmen ist inkorrekt! Noviatian lehrte nicht trinitarisch! „Noviatian (ca. 200-258) sagte zu Joh. 10:30 (Ich und der Vater sind eins) „... sie sind ‚eins‘,(im Sinne von „einig“ G.Sk.) und die Häretiker sollen bedenken, dass er nicht

‚einer‘ sagt. Als Neutrum  bezeichnet ‚eins‘ nämlich die Harmonie in einer Gemeinschaft und nicht die Einzigartigkeit der Person ... die Aussage ‚eins‘ jedoch sollte auf den Einklang untereinander und die Übereinstimmung im Denken und die Verbundenheit in der Liebe gehen. Deshalb bilden wirklich Vater und Sohn eine Einheit durch ihre

Einmütigkeit und Liebe“ (597) 

Mit Novatian lehrte ein weiterer, sogenannter Gegenpapst ‚mormonisch’! Diejenigen, die Christen wie Noviatian bekämpften, tragen teilweise große Namen, wie Ambrosius und Cyrill (der Urvater der koptischen Kirche). Damit zeigten sie nur, dass sie kühn und ‚erfolgreich’ in machtpolitischen Kategorien dachten, dass sie zwar ‚Jesus’, Jesus’ sagten, und doch nicht wie Jesus glaubten und lehrten. Sie schufen sich eben ihre eigenen Institutionen und Lehren, die sie eifersüchtig aufeinander „Kirchen“ nannten, Ambrosius von Mailand (339-397) meinte er er wüßte es besser als alle anderen. Er, „widerlegte die Häresie der Novatianer die dem Herrn allein die Gewalt der Sündennachlassung (Sündenvergebung) vorbehalten wissen wollten... alle müssen nach katholischer Glaubenslehre festhalten: Wer immer dem Priester ordnungsgemäß seine Sünden bekennt, dem werden sie kraft der Schlüsselgewalt der Kirche vollzählig nachgelassen und vergeben. Diese Gewalt ist auf keine bestimmten Sünden und Zeiten beschränkt. Es kann keine noch so verruchte Schandtat begangen oder gedacht werden, welche die heilige Kirche nicht nachlassen könnte.“ (598) Außer dem Athanasium hat kaum eine andere Lehre den 

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(596)    Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz   

(597)    Novatianus ,„De Trinitate - Über den dreifaltigen Gott“, Kapitel 27       

(598)    Gerhard J. Bellinger „Der Catechismus Romanus und die Reformation“ Georg

Ohm Verlag, Paderborn, 1970, S.159                                   

Gläubigen und der katholischen Kirche mehr geschadet. Mit ihr wurden also gleichsam im Vorübergehen die Sünden der Gewalttaten, der Sexualvergehen, der Fälschungen, - die uns ein klares Bild auf die wirklichen Ereignisse verwehren wollen, - und vieles andere einfach ‚vergeben’. 

Geistliche erteilten in Kriegsgefangenenlagern den Insassen gelegentlich sogar Generalabsolution. 

Auf diese von Ambrosius von Mailand vielleicht gutgemeinte Verheißung bauend vergaben die Päpste den Kardinälen, diese den Erzbischöfen, bis schließlich der sündige Priester dem Übeltäter alles vergab, und das schon bald nicht mehr auf ein Bekenntnis hin, sondern für Geld. 

Wegen dieser Lehre versteckten die Klöster, 1945, die flüchtigen Hauptverbrecher vor der Nachkriegsjustiz. Sie ‚schafften die Übeltäter aus ihrer Mitte’ anders allerdings als Paulus (599) sich das damals vorstellte, indem sie diese Leute nach Südamerika geleiteten, statt beizutragen sie vor ein ordentliches Gericht zu stellen.

So praktizierte ‚die Kirche’ die eigentlich von ihr abgelehnte origenistische

Lehre von der Allversöhnung, mit dem riesigen Unterschied, dass bei Origenes diesem Großereignis die tiefe innere, angemessen dauernde Umkehr voraus geht, die von echt gefühltem Leid über das persönliche Versagen verursacht wird.

Die Gerechtigkeit Gottes läßt sich nicht beugen.

Das Buch Mormon sagt es mit unvergleichlicher Klarheit: „...es ist ein Gesetz gegeben und eine Strafe festgesetzt und eine Umkehr gewährt; auf diese Umkehr erhebt Barmherzigkeit Anspruch; andernfalls erhebt die Gerechtigkeit Anspruch auf das Geschöpf und wendet das Gesetz an, und das Gesetz verhängt die Strafe; wäre es anders, so würden die Werke der Gerechtigkeit zerstört, und Gott würde aufhören, Gott zu sein. 

Aber Gott hört nicht auf, Gott zu sein, und die Barmherzigkeit erhebt

Anspruch auf die Reumütigen, und die Barmherzigkeit wird wegen des Sühnopfers zuteil; und das Sühnopfer bringt die Auferstehung der Toten zuwege; und die Auferstehung der Toten bringt die Menschen in die Gegenwart Gottes zurück; und so werden sie in seine Gegenwart zurückgebracht, um gemäß ihren Werken gerichtet zu werden, gemäß dem Gesetz und der Gerechtigkeit. Denn siehe, die Gerechtigkeit macht alle ihre Forderungen geltend, und die Barmherzigkeit beansprucht auch all das Ihre; und so wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet. 

Wie, meinst du etwa, die Barmherzigkeit könne die Gerechtigkeit _______________ 

(599) 1. Kor. 5: 13

berauben? Ich sage dir: Nein, nicht das kleinste Teil. Sonst würde Gott aufhören, Gott zu sein.“ (600)    

Unglaublich, dass die meisten Theologen die ambrosianischen Behauptungen fast 1600 Jahre lang widerstandslos akzeptierten. Jetzt wird auch deutlicher, warum ‚die Kirche’ sich später immer häufiger gegen Origenes wandte, denn dieser lehrte: Die „Sünde wider den Geist ist eine schwere Sünde, die wiedergutgemacht werden muss, also nicht aus Gnade Vergebung finden kann. Es ist - nach Origenes - die Sünde gegen den Nächsten, welche diesen  in seinen von Gott in seinen von Gott verliehenen

Rechten verletzt. Alles, was dem Nächsten ... (vorsätzlich) angetan wird , ... ist Sünde wider den Geist. Solche Sünde muss in einem nächsten Leben - oder möglicherweise bereits im derzeitigen - durch ein entsprechendes Schicksal oder Leid gesühnt werden.“ (601) 

 

Wie es Novatian und Hippolyt verstanden, ist auch in der Kirche Jesu

Christi der HLT (Mormonen) der Bischof ein Richter, (602)  - in Fragen Kirchendisziplin, - aber, nicht anders als ein weltlicher Richter hat er sich an gesetzte Prinzipien zu halten.  

Wenn er erkennt, dass die vergebungsuchende Person in ihrem Inneren, mit Gott und dem eigenen Gewissen, nicht im Reinen ist, darf er nicht sagen: es ist vergeben. Er soll „durch den Geist erkennen“, ob der Bußfertige jenen Schmerz fühlt, der alleine eine Wiederholung seines Tuns verhüten kann.  

Ambrosianisches Verständnis reduzierte das Gewissen.

Das ist das Problem! Ambrosianisches Denken setzt ein geradezu kurioses

Gottes- und Buß- und Beichtverständnis voraus. Das von Jesu gesteckte Hochziel: der Mensch solle vollkommen gleich wie Gott werden, wird unterlaufen, wenn dieser Prozess des allmählichen Werdens durch vorgetäuschte Reue unmöglich wird.  Ob ein Ehebrecher wirklich Reue empfindet, kann nur er selbst wissen, doch der christliche Priester sprach ihn allzu oft frei, wenn die Zunge des Übertreters die erwarteten Worte sagte. Letztlich hat Jesus das Prinzip der Vergebung offenbart, indem er sagte: „Schließe ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du

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(600)   Alma Kapitel 42:22-25 

(601)   Arbeitskreis Origenes 

(602)   Lehre und Bündnisse 107:   76 „Aber ein buchstäblicher Abkömmling Aarons hat ein gesetzliches Recht auf die Präsidentschaft dieses Priestertums, auf die Schlüssel dieses geistlichen Dienstes, darauf, das Amt des Bischofs selbständig auszuüben, ohne Ratgeber, außer in einem Fall, wo gegen einen Präsidenten des Hohen Priestertums nach der Ordnung Melchisedeks vorgegangen wird, darauf, als Richter in Israel zu sitzen.“ 

noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner zum Gericht bringen... und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: du kommst da nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast“ (603) Wir haben an unserem Gegner wiedergutzumachen oder wir müssen zahlen.  Der Bischof mag, wie er meint, den Priester der ein Kind in die Welt setzte freisprechen. Aber dieses Kind hat Anspruch auf den Vater. Gott kann nicht machen, dass dieses Kind nicht nach der Elternliebe dürstet. In welche Tiefen der Verkommenheit die „von Gott geliebte Kirche“ (Ambrosius) wegen ihrer ursprünglich nur schiefen

Betrachtungsweise stürzte, zeigt die Geschichte. Wenn es so sein sollte, wie meine Kirche eher andeutet als sagt, dass unserer unsterblicher Geist mit jedem niederträchtigen Gedanken den wir zulassen und bewusst ausbauen Dunkel-Elemente aufnimmt, schaffen wir so die eigentliche Basis unseres Unglücks selbst. Oder wir bauen unser ewiges Glück, wenn wir mit Wohlwollen und Ehrlichkeit gegenüber anderen Menschen, Licht in uns sammeln. Wir werden später am Helligkeitsgrad unserer späteren Existenz erkannt, sagte mir ein Mann, Mitglied der Kirche Jesu Christi, der viele Jahre unschuldig in russischen Konzentrationslagern einsitzend, über diese Dinge gebetsvoll nachgedacht hatte.    

Ob Freier oder Sklave unserer Leidenschaften (Shakespeare), wir gehen später mit denen, die uns gleichen. Ob das Himmel oder Hölle sein wird, bestimmt nicht Gott, sondern wir selbst.

Ob, dass wirklich so sein wird, wird sich zeigen, aber solche Kausalitäten würden Sinn machen. Was für eine Strafe würde ein Mann erleiden, der während  seines Erdenleben eine hoch angesehene, aber niederträchtige Persönlichkeit war, plötzlich von denen gemieden wird, die ihm bislang schmeichelten und der nun erkennen muss, dass er, der früher so Große nur ein kleiner, unbedeutender, dunkler Wicht ist. Das korrespondiert mit der erwähnten Sichtweise des Propheten Jesaja,  der, als er den elenden und nun entmachteten Mephistopheles sieht, erstaunt ausruft: „ist das der Mann der die Königreiche erzittern machte? (604)  

Die Reformatoren brachten mehr Licht, weil sie begannen die Vernunft anzusprechen. Doch sie entflochten Staat und Kirche nicht, noch war ihr eigenes Freiheitsdenken unterentwickelt. Wie wenig die Regierenden aller Zeiten vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und vor der Französischen Revolution von 1789, von der Botschaft des Evangeliums Jesu Christi verstanden, zeigten sie wieder und wieder mit ihren Dekreten: So schrieb Schwedenkönig Gustav Wasa seinen 

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(603)   Matth. 5: 25-26 

(604)   Jesaja 14: 12-17 

Untertanen noch 1536 in Helsingland: „Ihr habt euch zum Luthertum zu bekehren, wenn nicht, lasse ich ein Loch in den Delensee schlagen und euch darin ersäufen.“ (605) J.Josef Ignaz von Döllinger in „Papsttum“

Natürlich wollte er selbst von Rom unabhängig werden. Seine

Untergebenen durften aber noch nicht mitreden. Noch konnten sich die Menschen nicht aus dem teilweise selbst bereiteten Gefängnis nicht befreien. Tatsächlich wäre die Rückkehr zu den ursprünglichen Idealen, Lehren und Individualrechten im 16. Jahrhundert kaum möglich gewesen, weil die Strukturen und Machtverhältnisse von der nachnicäischen Kirche auf die Belange ‚des konstantinischen Kirchenstaates’ zugeschnitten worden waren und eben nicht auf die Bedürfnisse des kleinen Mannes. Noch hing alles Unselige zusammen. Dagegen wollten sich Origenes, Hippolyt und Novatian rechtzeitig stemmen, als hätten sie es geahnt. Deshalb verfluchte die Kirche sie.  Deshalb wurde „die konträre Auffassung in der Bußfrage zum Unterscheidungsmerkmal zwischen den „Reinen“ (kaJaroi), wie sie sich nannten, und der katholischen Kirche...“ (606) So begann die tragische, und als ungeheure Anklage gegen Rom stehende Geschichte der Vaudois bzw. der Bogumilen, bzw. der Waldenser und der Katharer (die Reinen). Sie entstand mit Cornelius, als er gegen Novatian gewann. 

Ihnen ging es nicht, wie Konstantin, um ‚die Macht’. Viele von ihnen wollten durch ihre Haltung, gemäß Jesu Vorbild zeigen, wieviel mehr ‚Ohnmacht’ unter Umständen vermag. 

Sie sagten: Unser aller Gott ist ein Gott der Freiheit. Sie stimmten mit ihm überein: Er sei der Weg, das Licht der Welt, die Wahrheit und das Leben. Ihr Wahlspruch hieß : Das Licht leuchtet in der Finsternis – lux lucet in tenebris.

Weil sie den Eingebungen ihres Gewissen folgten, wurden sie durch Papst Innozenz III., dem sogenannten Weichensteller Europas, soweit sein Arm reichte vernichtet.

Peter de Rosa (607) kennzeichnete diesen Mann mit wenigen Strichen:

Innozenz III. „war die Reinkarnation Konstantins... mit vor Gold und Edelsteinen leuchtenden Gewändern bestieg er ein weißes mit Scharlach bedecktes Pferd... (schon da, zu Beginn seiner Papstkarriere) plante er seinen Lieblingstitel ‚Beherrscher der Welt’ zu einer Realität zu machen...“

Die Begründung seiner Kriegerklärung gegen die Vaudois soll ihm der

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(605)    J.Josef Ignaz von Döllinger in „Papsttum“ 

(606)    Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz  

(607)    Peter de Rosa, „Gottes erste Diener“ Knaur, 1988, S. 85  

Mord an seinem Legaten Petrus von Castelnau geliefert haben. Innozenz III. unterstellte sofort, dass der oder die Täter in den Reihen der frommen Nichtkatholiken des Alpengebietes zu suchen seien. Als ihm das blutbefleckte Habit seines Gesandten gezeigt wurde, beschloß der Papst dessen Heiligsprechung, die sofort erfolgte. Damit war das Schicksal der Vaudois besiegelt, obwohl Innozenz nichts über den Hergang wissen konnte. De Rosa zitiert aus ein Brief dieses Papstes (Innonzenz III.): „In dieser ganzen Region sind die Prälaten die Witzfiguren der Laien. Doch die Wurzel des Übels ist der Erzbischof von Narbonne. Dieser Mann kennt keinen anderen Gott als das Geld und hat eine Börse dort, wo sein Herz sein sollte... (man kann) Mönche und Kanoniker sehen, die ihre Habite abgelegt und Ehefrauen oder Geliebte genommen haben und von Wucher leben.“ (608) kjkjKLKLKLKLKLKLKLLLLLLKL                                                          

Peter von Castelnau war:  „hart gegen Häretiker und deren Umkreis vorgegangen, schritt auch gegen Bischöfe, wegen deren nachlässigen Haltung bei der Ketzerbekämpfung ein, so enthob er die Bischöfe von

Toulouse und Beziers. Sein ungeduldiges, hartes, undiplomatisches Vorgehen zog ihm Haß von allen Seiten zu. Trotz intensiven Bemühens, er zog als Bettelmönch mit Dominikus gegen die Häresie predigend durch Südfrankreich, gelangen ihm keine Erfolge gegen die Häretiker. 1207 exkommunizierte er Graf Raimund VI von Toulouse wegen seines mangelnden Einsatzes. 1208 kam es zu einer erfolglosen Besprechung mit Raimund VI in St. Gilles, die in Streit endete. Am 14.1. 1208 verließ er den

Ort und wurde am nächsten oder übernächsten Tag von einem

Gefolgsmann Raimunds erstochen. D(ies)er Mord legte den Grund zum Albigenser Krieg (1209-1219).“ (609) Ein Vorwand also, etwas an dem die Vaudois völlig unschuldig waren, führte zu deren fast kompletter Ausrottung . 

Dominikus, Gründer des nach ihm benannten Predigerordens 1203 begleitete Bischof Diego ins Gebiet der Mark Brandenburg. 

Noch kennen wir den Grund dafür nicht. Doch die beigefügte Karte lässt ihn uns erahnen.

Die bedeutenden Kirchenneubauten Mitteleuropas fallen denn auch in diese Zeit. Die nun im gotischen Stil errichteten Kathedralen sollten den Dominikanern und später anderen Bettelorden als Predigerkirchen dienen.

Weltgerichtstagspredigten jagten den Menschen Angst ein. Neben den ______________ 

(608)   „Gottes erste Diener“ Knaur, 1988, S.189

(609)   Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz  

 

   (610) Verbreitungsgebiete der Waldenser um 1200

wackligen Hütten der Bewohner ragten die festen Kirchtürme in den Himmel und das wirkte auf die Gemüter. Schritt für Schritt wurde das, was Rom für die Wahrheit hielt, als Pflichtreligion ausgegeben:  „Christus will heute gar zornig sein!“ ... wenn Ihr Euch nicht dem heiligen Vater unterwerft!

Bekannt ist, u.a. dass das Konzil von Reims 1148 unter Androhung des

Anathems und des Interdiktes verbietet, Ketzer (Arianer und sogenannte Antitrinitarier verschiedener Spielarten) zu verteidigen, zu unterstützen oder ihnen Zuflucht zu gewähren. „Das Decretum Gratiani erklärt, es sei rechtmäßig, Ketzer zur Rückkehr zum wahren Glauben zu zwingen, auch mit weltlicher Gewalt.“ (611)  

 „Im Jahr 1163 nennt ein Domherr zu Köln die verfolgten Wahrheitssucher seiner Zeit spöttisch „Katharer“, abgeleitet vom griechischen katharos, (‚rein’)... Gervasius von Tilbury, ein junger Mann, Kanonikus in Reims... ritt eines Nachmittags im Gefolge seines Erzbischofs... da fiel sein Blick voll Wohlgefallen auf ein niedliches Mädchen, das alleine im Weinberg arbeitete... seine Liebeswerbung wurde abgewiesen. Sie sagte... wenn sie seinen Anträgen Gehör schenke... würde sie ohne Gnade verurteilt werden... Eine so strenge Tugend war ein offenbares Zeichen von Ketzerei, weshalb der Erzbischof als er herankam, das Mädchen sogleich in Gewahrsam bringen ließ... Seiner Meinung nach musste sie zu den Katharern gehören. ... Im Verhör ... zeigte sie eine so vollendete

Geschicklichkeit in der Verteidigung ihres Glaubens... dass man keinen Zweifel hegte, sie sei vom Satan inspiriert... sie und ihre Lehrerin wurden einstimmig zum Scheiterhaufen verurteilt... das Mädchen blieb ... unempfindlich... sowohl gegen Versprechungen von Reichtum wie gegen ____________  

(610)    Quelle:             Evangelischer Gesamtverband           Oberweser-Brücke             online                                        (611) Sascha Ragg, „Der Albigenserkreuzzug“ Kurs Sommersemester 2004

Androhungen von Strafe (es) wurde ... verbrannt. Seine Qual ertrug es heiter und ohne Stöhnen.“ (611)  

Ein mit den Lehren dieser arianischen Splittergruppe vertrauter Autor unterrichtet uns in diesem Zusammenhang:  „Die Religion der Katharer ist eine christliche. Sie glauben an Christus, lesen das neue Testament und beziehen daraus ihr Glaubensfundament. Ihre Lehre geht davon aus, dass das Gute und das Böse sich  die  Welt  aufteilen. Und von  diesem  Prinzip  ausgehend stellt sich die fundamentale Frage: Warum und auf welche Weise hat ein unendlich guter und barmherziger Gott das Böse schaffen können, wenn er doch der Inbegriff der Güte ist? Es gibt nur einen einzigen Gott, den Gott des Guten, der das ewige Reich des Geistes schuf, aus welchem die Lebensfunken stammen: die Seelen.... die Seele gehört  dem Reich des Guten, der Körper zur verdorbenen Welt des Diesseits. Das Heil besteht für die Katharer folglich darin, sich von der Welt des Bösen zu befreien, um ins Reich des Guten zu gelangen. Die Katharer erwarten vom Tod nicht die automatische Befreiung ihrer Seele. Diese kann erst dann in, das Reich des Guten eingehen, wenn sie ihre ursprüngliche Reinheit wiedergefunden hat d.h. zur Erkenntnis ihres göttlichen

Ursprungs gelangt ist. Es ist der von Gott gesandte Christ(us), der den

Menschen die rettende Erkenntnis offenbart. Letztere kann nur durch Handauflegen und durch den Geist erworben werden: Das

Konsolamentum. Diese geistige Taufe verleiht den Katharern das

Verständnis des Guten. Sie spielt eine dreifache Rolle: Offenbarung, Priesterweihe und letzte Ölung. Die Handauflegung symbolisiert den Eintritt ins religiöse Leben und die Anerkennung des heiligen Geistes von der in einer fleischlichen Hülle eingesperrten Seele.“ (612) 

Allerdings unterscheiden sie die Waldenser von den Katharern dadurch, dass Erstere nicht den scharfen Dualismus mit den Katharern teilen. Eine kleine Gruppe Waldenser schloß sich 1850 gleich zu Beginn ihrer Italien-

Mission den ‚Mormonen’ an.  (613)  

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(611)    H.Ch. Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“ Eichborn, Bd. 1, S.123

(612)    www.roussillon-france.com/katharer

(613)    „Die History of John Paul Cardon“ die durch dessen Enkelin Rebecca Cardon Hickman Peterson, dem Generalsekretär der Genealogischen Gesellschaft der Kirche Jesu Christzi der HLT (Mormonen)), Archibald F. Bennett, übergeben wurde, erschien im Januar 1948 als Artikel in der "Improvement Era“

A. Bennett schrieb dazu einleitend: „... es waren einmalige, kämpferisch mutige Leute,“... „John Paul Cardon (1839-1891), wurde in einem Dorf in den Piedmont Valleys geboren, man nannte den Ort Prarustin, in Italien. Seine Vorfahren gehörten zu den Vaudois, die auch als Waldenser bekannt sind. Seit der Zeit Christi waren diese

Menschen bereit ihr Leben für die Sache Christi hin zu geben.“

Unser Gott hat es uns oft wissen lassen, dass er kein Anseher der Person ist, und schon gar nicht ihr Unterdrücker. Er fragt nicht welche Religion wir gewählt haben, sondern ob wir uns auf sein Licht zu bewegen und ob wir bereit sind mehr zu empfangen.

Die allesüberwindende Liebe die wir allesamt manchmal als höchste Kraft empfinden, mit Vernunft und der Freiheitsidee zu verbinden, ist ein weitgestecktes Ziel. Ein anderes kann ein Christ nicht haben. Dass es mehr ist als eine Wunschvorstellung, bewies Jesus. Er  lebte uns dieses Ideal vor.

 

 „Kommt her zu mir die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken, lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch drückt nicht und

meine Last ist leicht.“  (614)   

 

 

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(614) Matth. 11: 28-30

 

 

 

 

PS. Einige Originaltexte ( stets kursiv geschrieben) stehen nach partieller Eingabe in die Google-Suchleiste zur Überprüfung  zur Verfügung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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