1947, als siebzehnjähriges Mitglied der
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage las ich Lehre und Bündnisse
132: 37: „Abraham empfing Nebenfrauen,
und diese gebaren ihm Kinder; und das wurde ihm als Rechtschaffenheit
angerechnet, weil sie ihm gegeben worden waren, und er verblieb in meinem
Gesetz; wie auch Isaak und Jakob nichts
anderes taten, als was ihnen geboten worden war; und weil sie nichts anderes
taten, als was ihnen geboten worden war, sind sie gemäß den Verheißungen in
ihre Erhöhung eingegangen
und sitzen auf Thronen und sind nicht Engel, sondern sind Götter.“
Das erschütterte mich. Später sagten mir Freunde, das es ihnen ähnlich erging. Abraham, Isaak und Jakob können doch keine Götter sein.
Ich beruhigte mich damals und sagte zu mir: „man muss nicht gleich ausrasten, wenn man etwas nicht versteht." Viele Jahre später las ich fast zeitgleich, dass Dr. Kai Funkschmidt von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen schrieb Berlin: Dr. Funkschmidt sieht das anders: Er argumentiert im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen:
„Die (mormonische) Vorstellung,
der zufolge … der Mensch Gott werden kann … steht im diametralen Gegensatz zur
biblischen Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf.“
Evangelischerseits wird also
abgelehnt, dass der Mensch vergottet werden kann, weil das unbiblisch sei.
. Dr. Gassmann von der Bibelgemeinde Pforzheim verfasste die theologische Spezialschrift: „Antichrist – bei Adventisten, Zeugen Jehovas, Mormonen und Scientologen.“ ISBN: 978-3-944834-06-1
Er will zeigen, dass das Christentum Polytheismus verwirft und warum die mormonische Lehre von der "Vergöttlichung des Menschen" aus seiner evangelikalen Perspektive einen Irrweg darstellt. Wörtlich: „Dabei geht aus den Schriften der Mormonen ganz eindeutig hervor, dass sie keine Christen, sondern Polytheisten sind (sie glauben an viele Götter; Mormonen werden sich zur Götterstufe höherentwickeln; die Götter seien höherentwickelte Menschen). Dies ist reiner Spiritismus und Gotteslästerung!"
Was die Forschung dazu sagt steht auf einem anderen Blatt
geschrieben:
- Der evangelische Spitzentheologe Adolf von Harnack (1851-1930) bestätigt,
dass die Lehre von der „Gottwerdung“ des Menschen sogar das Kernstück urchristlicher Tradition war: „... der Gedanke der Vergottung (des Menschen) war der letzte und oberste gewesen; nach Theophilius, Irenaeus, Hippolit und Origenes findet er sich bei allen Vätern der alten Kirche, bei Athanasius, bei den Kappadoziern, Appolinares, Ephraim Syrus, Epiphanius u.a“ Adolf von Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“
-
Hippolyt
von Rom (heiliggesprochener Gegenpapst um 220) sagt:„Durch den Logos brachte
Gott Alles hervor, und anders als es gemacht wurde, konnte es nicht gemacht
werden. Den Menschen schuf er als solchen; will der Mensch Gott werden,
so muss er ihm gehorchen. Joseph Langen „Geschichte der römischen
Kirche“
„... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“ Origenes Johanneskommentar, Buch II, Kapitel 2,
-
Jesus
wurde auch attackiert als er sagte: „Steht nicht geschrieben in eurem
Gesetz: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter. So
er die Götter nennt, zu welchen das Wort geschah, und die Schrift kann doch
nicht gebrochen werden.“ Johannes !0: 34
-
Entgegen
großkirchlichen Praktiken und Theorien gilt ein für alle Mal: Dass jeder Mensch
„...durch e i g e n e n Eifer die Ähnlichkeit Gottes erwerben
(kann). Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist
also die Entscheidungsfreiheit.“ H.. Benjamins „Eingeordnete Freiheit;
Freiheit und Vorsehung bei Origenes.
-
Jüdische
Traditionalisten lehren: „Wir Kabbalisten
stehen keineswegs gegen Christi Aufforderung, dass der Mensch in einem ewig
währenden Prozess perfekt wie Gott
werden kann...Jeder gute... Gedanke und jedes ebensolche Tun zeugt
unverlierbare geistige und reale Energien (bis zur) Veredlung und Emporhebung
in die reinen Höhenregionen, (tätig) an der immer fortschreitenden Vergottung.“
Erich Bischoff „Kabbala“
-
„Erst aufgrund der Tugend wird man
ein Kind Gottes, und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer
erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das
Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“ H. Benjamins „Eingeordnete Freiheit;
Freiheit und Vorsehung bei Origenes“
-
-
Sogar
der Elitechrist Laktanz sagte um 320) : „Wer die
Tugend bewahrt, gleicht am Ende notwendigerweise Gott“. G.
Sadler “Lactantius, On The Anger Of God, Humans, Reason, and Religion -
Philosophy Core Concepts
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen