Die unselige,
nachnicänische Kirche
Mutter der Sekten
Gerd Skibbe
2026
Vorwort
Ludwig Hertling S. J., Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom bestätigt indirekt, doch schonungslos, was insbesondere durch den Paradigmenwechsel, der 325 in Nicäa erfolgte, seitens der Gläubigen erlitten werden musste: „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein... Viele Umstände haben zusammengewirkt, um die antike Welt in diesen Zustand der Ohnmacht oder Erstarrung zu bringen, der zeitweise einem wirklichen Sterben ähnlich sieht..."
„Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“
Mit dem 1. ökumenischen Konzil wurde die Kirche der Urchristen zur arianischen Sekte degradiert. Der Begriff „arianische Häresie“ wurde, ungerechtfertigt, zum geflügelten Wort. Die monotheistische Kirche Konstantins trat kühn an die Stelle der polytheistisch-christlichen Religion. Mit Nicäa wurde sie buchstäblich „dessen“ Kirche.
Der deutsche Althistoriker Prof. Clauss: brachte es auf den Punkt. Konstantin „wollte der Christus sein.“
„Kaiser und Gott“ Herrscherkult im römischen Reich
Tatsächlich bestätigen dasselbe nicht wenige moderne Forscher: „… Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“
Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Heidelberg-Greifswald
Ein Statement der katholischen Union der Europäischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen/innen (UCESM) zeigt im Jahr 2007, was Konstantin 325 in Nicäa zu erreichen wünschte: „…. Aurelian führte (den) heidnischen Monotheismus ein. Während Konstantin den christlichen Monotheismus einsetzen wird mit Sol Invictus.“
Das negieren die Trinitarier.
Dr. Gassmann von der Bibelgemeinde Pforzheim verfasste die Schrift: „Antichrist – bei … Mormonen und Scientologen.“ ISBN: 978-3-944834-06-1
Er will belegen, dass im originalen Christentum monotheistisch geglaubt wurde. Der mormonische Gottesbegriff sei ebenso falsch wie andere ihrer Lehren: „… aus den Schriften der Mormonen geht ganz eindeutig hervor, dass sie keine Christen, sondern Polytheisten sind, sie glauben an viele Götter; Mormonen werden sich zur Götterstufe höherentwickeln; die Götter seien höherentwickelte Menschen. Dies ist reiner Spiritismus und Gotteslästerung!"
Was jedoch die Forschung dazu sagt ist das Gegenteil.
Bedauerlich, dass an einigen Universitäten im Bereich der christlichen Dogmengeschichte teilweise noch der Stand von 1920 kolportiert wird.
Einigen Fachleuten fehlen wichtige Erkenntnisse. Das gilt besonders für einflussreiche Evangelikale in den Vereinigten Staaten.
Im Juni 2026 schrieben US-Medien: „… Die meisten Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verstehen sich als Christen. Viele prominente Gelehrte widersprechen dem jedoch. Sie verweisen auf grundlegende Unterschiede in ihrem Gottesbild und ihrer Auffassung der Dreifaltigkeit“ „The Ass.Press“
Die erwähnten „prominenten Gelehrten“ befinden sich im Fahrwasser eines Mannes namens Athanasius (290-373) - Diakon seines Bischofs Alexander von Alexandria, - der seit dem nicänischen Konzil mehr konstantinisches Gedankengut verteidigte und propagierte als der Kirche guttun konnte. Er wurde der Sprecher der Gruppe der „christlichen Monotheisten“. Das gefiel dem Kaiser. Seit Nicäa, 325, nannten sich die Neuerer „Orthodoxe“. Fortan musste man zwingend den trinitarischen Gott verehren und dienen, sonst traf die Verweigerer das nur harmlos klingende Urteil: „Wer arianisch glaubt, (dass Jesus Christus getrennt vom Vater existiert, der) ist kein Christ!“ Unvergessen bleibt, dass im 4. und 6. Jahrhundert mehr als hunderttausend Arianer in Italien vernichtet wurden, weil sie arianisch glaubten. Emanuel Kant kritisierte den Unsinn, man müsse den „richtigen“ Gott ehren und dienen: „… was heißt: Gott ehren? Doch so viel, als ihm dienen? — Wodurch kann ihm aber gedient werden? Doch gewiss nicht dadurch, dass man durch allerlei Lobpreisungen ihm seine Gunst ablocken will …, sondern einzig und allein dadurch, dass sein Wille befolgt, und seine heiligen Gesetze und Befehle beobachtet werden.“
Die Urkirche kannte Christi Gebote, die Trinität nicht.
Moderne evangelische Theologen bekräftigen das: „Die Diskussion um die Trinität begann im vierten Jahrhundert nach Christus. Sie ist sehr philosophisch geprägt, da die Lehre von der Trinität in der Bibel nicht explizit vorkommt.“ EKD 2020
Origenes (185-254) stellte bereits 100 Jahre vor dem Nicänum klar was diesbezüglich urchristliche Überlieferung und Lehre war und was nicht: „... Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person.“ Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft 3. völlig neu bearbeitete Auflage
Der an dieser Stelle ansetzende Hinweis lautet: „Sowohl Origenes wie auch Arius wurden bereits im Altertum abgelehnt“.
Keinen Pfifferling ist diese Behauptung wert.
L. Hertling SJ kontert ebenfalls: „Origenes hatte niemals die Absicht, von der Lehre der Kirche abzuweichen!“ „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“
Der hochrangige katholische Kleriker Hans Urs von Balthasar SJ (1905-1988) lobt Origenes in höchsten Tönen: „Origenes und seine Bedeutung für die Geschichte des christlichen Denkens zu überschätzen ist kaum möglich.“ „Feuer und Geist“
Selbst Papst Benedikt XVI. ehrte Origenes: „Ich lade euch dazu ein... die Lehre dieses großen Meisters (Origenes) im Glauben in euer Herz aufzunehmen.“ Generalaudienz am 25. April 2007
Ich selbst
lernte früh, dass jeder der Wahrheit verpflichtet ist, sonst schlägt sie
zurück!
Gerd Skibbe
Vorbemerkung:
Nur hier, im engen Rahmen dieser
einen Seite meines Essays, erlaube ich mir, auf Basis eines 80-jährigen
Sachstudiums, jenen Trinitariern ins Gewissen zu reden, die sich erlauben den
Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ den
Ehrentitel „Christen“ abzusprechen. Fast alle die hier kritelnd mitreden,
setzen voraus, dass kein Christ berechtigt sei die Lehre vom dreifaltigen Gott
in Frage zu stellen. Derselbe Personenkreis gestattet sich andererseits zu
predigen, man dürfe alles in Frage stellen.
Als damaliger Ostdeutscher erhielt ich per Fernleihe Fachliteratur auch aus der bayrischen Staatsbibliothek München.
Zusammenfassend gesagt: Kaiser
Konstantin hat mit dem durch ihn geprägten und mittels seiner Macht erzwungenem
Nicänum nur Unheil gestiftet.
Mich erschüttert die partielle Ignoranz
derer, die bei heutigem Wissensstand noch von der arianischen Häresie reden.
Hier nur ein Beispiel:
„Arius
leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia 2019
Versimpeln, wie hier geschehen,
lässt sich die Sache nicht.
Denn gegen Formulierungen wie diese spricht das Credo der vom Arianer Wulfila bekehrten Ostgoten unwiderleglich: „Jesus ist der „filius unigenitus, Dominus et noster“... wir glauben an Gott den Vater u n d an seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und G o t t, Werkmeister und Bildner der gesamten Kreatur, der seinesgleichen nicht hat.“
Gert Haendler „Die Rolle des Papsttums in der
Kirchengeschichte bis 1200“
Wider besseres Wissen widmen nicht
wenige trinitarische Theologen
Unholden wie z.B. Ambrosius von
Mailand ehrende Gedenktage. Sein
Staatsgesetz „Cunctos populos“, von 380, dessen Inkraftsetzung er mindestens
mitzuverantworten hat, verursachte
Juden-Hass und Zerstörung. Ambrosius war Regierungsberater, in der Tat aber
Herr und Meister der Kaiser seiner Zeit. Wenig oder nichts machte ihm die
Seelenknechtung vieler Millionen Menschen aus. Cunctos populos ähnelt
auffallend den Nürnberger Rassegesetzen von 1935. Hier wie da war es Juden- und
Fremdenhass. Das Hitlersche Reichsflaggengesetz, als Bestandteil des
Rassegesetzes, bestimmte die Hakenkreuzfahne zur einzig gültigen Nationalflagge
des Deutschen Reiches. Ähnlich bestimmte Cunctos populos den katholischen
Trinitarismus zur einzig erlaubten Religion im römischen Imperium. Ambrosius von Mailand war nicht blind, aber verrückt. Er war versessen darauf seines Gottes
größter Held zu sein. Alles wankte jedoch nach der Niederlage der von ihm
aufgestachelten römischen Truppen, 378, trumpfte er erst richtig auf. Auf
Grundlage neuer Einsichten erhebt sich die Frage, wer war dein Gott Ambrosius?
Hast du den von Verfolgung und Tod bedrohten
Entrechteten beigestanden, oder nicht? Hast du „nur“ zugelassen oder
angeordnet, hellenische Tempel zu zerstören? Dietrich
Bonhoeffers Gott war auf jeden Fall ein anderer. Ambrosius hätte das Rad der
Gewalttätigkeiten stoppen können. Doch wie ein leichtfertiger Allmächtiger zog
er keineswegs die Konsequenzen in Richtung Frieden. Er konnte seine Macht nach innen sogar noch ausbauen, auch weil
die italienischen Goten - als siegreiche Anti-Trinitarier, mit dem Erreichten,
entgegen allen Befürchtungen,
zufrieden waren und ihren Arianismus nirgendwo mit Gewalt durchsetzen wollten.
Von Beruf Fischereiingenieur,
1930 geboren, war ich ein dumm-fanatischer Hitlerjunge der aber nie auf
Menschen zielte. 1945, unmittelbar nach Kriegsende kam ich mit „Mormonen“- und
Antimormonenliteratur intensiv in Berührung und durchlebte die DDR-Periode in
voller Länge, stets bedacht darauf mich selbst und andere zu überzeugen, dass
Gott lebt.
Glaubensfragen
Die Gottesfrage beschäftigte selbst die Größten: Der Theologe Dr. Dr. Dieter Hattrup sagte: „In den letzten drei Jahrzehnten, von 1925 bis zu seinem Tod 1955, erkennt Einstein, dass die Wissenschaft nicht leisten kann, was er von ihr erwartet hatte, als er sich ihr verschrieb. Ja, umgekehrt, die Physik ist dabei, das Personale als den Grund aller Wirklichkeit plausibel zu machen. Wenn die Welt nicht nach einem mechanischen Plan abläuft, wenn es neben den harten Gesetzen der Naturwissenschaft auch Ereignisse gibt, die von diesen Gesetzen nur ungefähr vorausgesagt werden, dann wird Spinozas Formel hinfällig. Dann ist Gott nicht mit der Natur gleichzusetzen. Dann liegt es eher nahe zu sagen, der Grund der Welt, mit üblichem Namen Gott genannt, ist frei und handelt nach Plan. Sein Handeln in der Welt ist nicht durch Naturgesetze festgelegt, sondern er bestimmt die Gesetze.“
Die Tagespost, kath. Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur. 2004
Theologie, vor allem die
christliche, basiert auf Wissen und ist zugleich Opfer von Spekulationen und
Machtstreben. Hätte Gott sich nicht
während gewisser Perioden auserwählten Menschen offenbart, die hoher Gesinnung
waren und Inspiration suchten, wir wüssten nichts von ihm. Frau Prof. Dr.
Regine Schulz gab, 2012, mit ihrer Kanzelrede bei „Andreas um sechs“ tiefere
Einblicke in die altägyptische Religion: „Auferstehung und Ewiges Leben“, im
Alten Ägypten. Ihre Aussagen haben Gewicht. „Den Menschen des Alten Ägypten sei die Frage nach dem Glauben ganz
fremd gewesen, sie hatten nicht einmal ein Wort dafür. Ihre Vorstellung von der
Götterwelt und der Ordnung des diesseitigen und jenseitigen Lebens sei nach
ihren Begriffen überliefertes Wissen
gewesen, die Wahrheit. Sie fürchteten das Totengericht, denn das Weiterleben
nach dem Tod hing vom Wohlverhalten im Diesseits ab. Es gab Hoffnung auf
Gerechtigkeit, Hoffnung auf Gnade gab es nicht Der Maßstab für das richtige
Leben sei zusammengefasst im Begriff Ma`at, der sich nicht übersetzen lasse,
weil er viele Bedeutungen einschließt: Gerechtigkeit, Ordnung, Weisheit. Die
Personifizierung dieses umfassenden Begriffes in der Göttin Ma`at schaffe eine
Verbindung zur Person Christi, meinte Superintendent Helmut Aßmann im Gespräch
mit der Museumsdirektorin.“ Sie sei Protestantin, „aber auch der festen Überzeugung, dass das Verhalten im Diesseits
sich auf das Leben im Jenseits auswirke." Diese letzte Bemerkung ist
zwar gut „mormonisch“-urchristlich, aber keineswegs evangelisch und schon gar
nicht calvinistisch. Ebenso wie der
Museumsleiterin geht es nahezu allen Christen die die Bibel lesen. Sie
erkennen, dass Gott nicht nur gütig ist, sondern auch gerecht.
Ist Sol invictus dominierender Teil des „Dreifaltigen Gottes“?
Die Sol-Einsetzung – seine Einfügung ins Christentum - sollte geschehen.
Wiki Commons: Mosaik des Christus als Sol Invictus in der vatikanischen Nekropole
„Nachnicänische Christen identifizierten Christus als die wahre, spirituelle Erfüllung des Sol Invictus, oft als Solarisation“ Christi bezeichnet.“ Art & Theology
Zu spät erkannten jene 11 Prozent aller Bischöfe des römischen Reiches, die auf Staatskosten nach Nicäa reisten, dass sie in eine Falle gelockt wurden. Dass dies so war bewies Konstantin, nur fünf Jahre nach dem Konzil. „Sol Invictus in seiner späten römischen Form ist das Produkt einer Verschmelzung, …bei der die Allmachtsvorstellung der syrischen BaalsGötter auf den römischen Sonnengott übertragen wurde.“ Imperium Romanum
330, zu Konstantinopel zeigte Konstantin sein wahres Gesicht, das des unbesiegten Sonnengottes. Es wird berichtet, dass seine Gedenkstatue auf der Porphyrsäule: „von Heiden und von C h r i s t e n verehrt wurde und l e t z t e r e versuchten, das Bild Konstantins ... mit Opfern gnädig zu stimmen und mit Lampenfesten und Räucherwerk zu ehren. Sie beteten ihn wie G o t t an und leisteten Fürbitten, die vor schrecklichen Dingen Abwehr schaffen sollten... Constantin als ApolloHelios entsprach der Darstellung Christi als Sonnengott...“ F. Kolb Herrscherideologie in der Spätantike“
Bilden
Konstantin, ApolloHelios und Christus zusammen den Dreifaltigen? Wie soll man das
verstehen? Die Verschmelzung von Geist und Körper geschah bei unserer Geburt.
Aber die Verschmelzung verschiedener Personen ist undenkbar, außer wenn eine
Eizelle befruchtet wird.
Wenn
Konstantin mit Sol verschmelzen sollte und beide mit dem Vater sowie dem Gott
„Heiliger Geist“, dann erhebt sich die nächste Frage: müsste es fortan nicht
heißen wir glauben an eine heilige „Vierfaltigkeit“ statt an die
„Dreifaltigkeit?“ Der Kaiser pochte doch darauf, dass da nur ein Gott ist. Letztlich
wollte er die Christen überzeugen, zu bekennen:
„Es handelt sich nicht um drei verschiedene Götter, sondern um drei
Seinsweisen desselben eines Wesens“ Heilige Dreifaltigkeit
Er wird die
Bischöfe bearbeiten.
Konstantin hatte 324 die Alleinherrschaft
im blutigen Ringen gegen Schwager und Mitkaiser Licinius errungen. Fast
zeitgleich verschickte er Einladungen an die 2000 Bischöfe des Reiches und den
Befehl zur Ermordung des gefangen gesetzten Licinius, den Ehemann seiner
Halbschwester Constantia, obwohl er ihr geschworen hatte, Licinius Leben nicht
anzutasten. Nach dem militärischen Sieg griff er, mittels beider Aktionen, nach
den Sternen. Seine Absicht war Herrscher des „Weltalls“ zu werden. Während der
Zeit seiner quasi-Geiselhaft zu
Nikomedia hatte er es immer wieder in paganen „Gottesdiensten“ vernommen: „der Kaiser gleiche dem Gebieter des Weltalls.“ Alexander Demandt „Diokletian und diTetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“
Ein Kaiser, eine Religion, ein
Gott
Darum ging es ihm. Deshalb lud Konstantin die etwa 2000
Bischöfe des Reiches ein, auf Staatskosten nach Nicäa in Kleinasien zu
reisen. Es hieß, er wolle in der Kirche
Frieden stiften.
Welche Ehre für die überwiegend ‚kleinen’ Leute, in den Dörfern Palästinas und Kleinasiens, die den bis dahin nur innerhalb der Kirche geachteten Rang eines Bischofes trugen, eine Einladung vom mächtigsten Mann der Welt zu erhalten. Umgehend erhoben sich seitens der absoluten Mehrheit der Postempfänger schwerwiegende Bedenken nach Nicäa zu gehen, obwohl die Versuchung verständlicherweise für jeden groß war, fortan geachtet und sogar berühmt zu werden. Die von den Paganen Verspotteten, hätten jetzt auftrumpfen können: „Seht meine Einladung vom Kaiser!“, und dann noch umsonst mit der kaiserlichen Post daher zu fahren und etwas von der Welt zu sehen, das stellte schon eine gewisse Verlockung dar. Die mutigen, im Glauben Gefestigten – und das waren nahezu 90 Prozent - wollten sich jedoch nicht selbst kompromittieren. Sie lehnten schweigend ab. Konstantin, dem bekanntlich grausamen Sol – Invictus - Verehrer den Gefallen zu tun, zu Füßen zu kriechen, kam für sie nicht in Betracht. Sie wussten es: Konstantin hatte „das aus dem Orient kommende Hofzeremoniell übernommen, das schon Diokletian eingeführt hatte: wenn er Bittsteller oder Gesandte empfing, trug er ein Diadem auf dem Kopf und schwere bestickte Kleidung aus Damast und Seide, die bis zum Boden reichte. Jeder, der sich ihm näherte, musste sich zu Boden werfen und den Saum des Kleides küssen, ehe der Kaiser ihm erlaubte, sich wieder aufzurichten… Gefangene Offiziere und der Unfreiheit widerstrebende Germanenfürsten ließ er im Amphitheater von wilden Tieren zerreißen, etwa in einer Arena in Trier.“ Er kannte „auch mit der Zivilbevölkerung … keine Gnade und hinterließ in den unterworfenen Gebieten Tod und verbrannte Erde.“ Bettina von Engel: Vortrag „Konstantin und seine Familie in Trier“
Konstantins „Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen;
sein Schwiegervater, Kaiser Maximianus, wurde 310 von seinen Soldaten an
Konstantin ausgeliefert, der ihn schließlich zum Selbstmord zwang… seinen
Schwager Licinius ließ Konstantin erwürgen, dessen Sohn degradierte er zum
Sklaven und ließ ihn totschlagen;…“ später hörte man allerorten
„Crispus, seinen Sohn aus erster Ehe, und Fausta, seine Frau, ließ er
326 ermorden, weil er die beiden verdächtigte,
eine Beziehung miteinander eingegangen zu sein.“ Ökumenisches
Heiligen-Lexikon
Jeder kann jeden des Schlimmsten verdächtigen, das
alleine schadet noch keinem, außer dem der es sich erlaubt harmlosen Leuten
reine Bosheit zuzutrauen. Dieser Mann hatte sein Gewissen längst umgebracht. Er
präsidierte zu Nicäa seelenruhig. Er trug die neue Gottesformel längst in sich.
Er brachte sie schließlich durch. Den Kollaborateuren Paphnutius von Ägypten,
Bischof Hosius von Cordoba, Nikolaus von Myra, dem Schafhirten Spiridon von
Zypern und vielen anderen suggerierte er gegen Konzilsende: Nur ihr steht im
Recht euch Christen zu nennen. Auch die halbherzigen Konstantinianer sollten
nach einigen Wochen der ideologischen Bearbeitung ihrer Seelen versprechen
künftig zu predigen: „Es handelt sich nicht um drei verschiedene
Götter, sondern um drei Seinsweisen desselben eines Wesens“ Heilige
Dreifaltigkeit
Das behautet das Nicänum und mit
ihm fast die gesamte Theologenschaft bis heute.
Man kann Parolen verkünden, die
aus reinen Lügen und sonst nichts anderem bestehen, wie Hitlers: „Die Juden
sind unser Unglück!“ oder Marx und
Engels Forderung „Proletarier aller
Länder vereinigt euch“. An den Folgen zeigt sich der Lügengeist. Millionen
kämpften für nichts. 18 Millionen Arbeiter und Intellektuelle vereinigten sich
schließlich, wenn auch unfreiwillig im Archipel Gulak.
Zu keiner Zeit konnte das
Wortungeheuer: „… drei Seinsweisen
desselben einen Wesens“ als
korrekte Wiedergabe der Aussagen der Bibel erkannt werden. Hoch und niedrig
nahmen diesen Unfug zunächst nur unter Zwang als bittere Pille hin, dann
gleichgültig aus Gewohnheit. Die Mehrheit der Konzilsteilnehmer blieb ablehnend
dabei: Trinitarismus ist Konstantinismus. Das verschwiegen sie wohlweislich,
denn „seitens des Kaisers … wurde mit
Drohungen und Ankündigung von Repressalien gearbeitet. Jeder Bischof wurde
einzeln vorgenommen. Ihm wurde das Bekenntnis (das Nicänum) vorgelegt, und er
wurde sogleich vor die Alternative gestellt, entweder zu unterschreiben oder in
die Verbannung zu gehen...“ Rudolf Leeb „Konstantin und Christus“ – die
Verchristlichung der imperialen Repräsentation“
"Alles
schien in bester Ordnung, jedoch hatten einige Bischöfe nur ein
Lippenbekenntnis abgelegt, da Kaiser Konstantin mit der Verbannung für jener
Bischöfe
gedroht hatte, die das Bekenntnis nicht unterschrieben..." Kath.
Quelle
"Familia Spiritualis Opus" 2013
Bereits Im
Eingangstext des Athanasianums droht die
„Wer immer gerettet werden will, muss vor allem den katholischen Glauben festhalten.“ Vers 1 Wenig später heißt es im Kontext und zwar offiziell: „Denn wie wir gezwungen sind, in christlicher Wahrheit jede einzelne Person für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.“ Athanasianum Z.19
Unter
großkirchlichen Theologen herrscht bis heute Gruppenzwang, obwohl auf der Hand
liegt, dass die „christliche Wahrheit“ den
Vorrang haben sollte. Kann es einen größeren Widerspruch geben? Man sollte
jedenfalls meinen, dass nichts über „die christliche Wahrheit“ gestellt werden
kann und darf, schon gar nicht der Monotheismus.
Bevor die Bischöfe anreisten, glaubten sie, noch laut bekennend, bis auf wenige Ausnahmen, so wie der damals noch weithin unbestrittene, wohl bedeutendste Kirchenvater Origenes (185-254) polytheistisch. Nahezu alle hatten bereits vor ihrer Taufe, als Katecheten Zeugnisse, auch vom Märtyrer Justin gehört, der um 150 schrieb und bezeugte:
„Ich werde versuchen, dich, da du die Schriften verstanden hast, von der Wahrheit meiner Aussage zu überzeugen, nämlich dass es einen anderen Gott und Herrn gibt und dass es einen geben soll, der dem Schöpfer aller Dinge untergeordnet ist; dieser wird auch Engel genannt, weil er den Menschen verkündet, was auch immer der Schöpfer aller Dinge – über dem es keinen anderen Gott gibt – ihnen verkünden möchte.“ „Dialog mit dem Juden Tryphon“ Kapitel 56. Gott, der Moses erschien, unterscheidet sich von Gott dem Vater…
Mit wenigen anderen aber ebenso
deutlichen Worten sagte Origenes wieder und wieder dasselbe: „Rangältester von allen Geschöpfen ist der
ewig aus dem Willen des Vaters gezeugte Sohn Gottes. Er ist dem Vater nur
„gleich“ im Sinne von ähnlich... der Sohn ist das Abbild (Kolosser 1: 15) geringer als Gott selbst (Joh. 14: 28)
an dessen Gottheit er nur Teil hat und dem er als der“ zweite Gott“ in jeder
Hinsicht subordiniert ist... Der Sohn ist dem Vater nachgeordnet, er ist dem Vater nur ähnlich, er ist eine andere Person.“ Origenes
„Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ Handwörterbuch für Theologie und
Religionswissenschaft 3. völlig neu bearbeitete Auflage Vierter Band
Das Kernproblem des Nicänums - die Unvorstellbarkeit oder Unerkennbarkeit der neuen Gottheit – musste die breite Mehrheit der Prediger aller nachnicänischen Zeiten kleinreden, weil unter Strafe gestellt wurde zu behaupten: „Jesus sieht seinem Vater ähnlich.“ Aber, selbst die redlichsten Bekenner des Trinitarismus konnten weder damals noch heute bestreiten, dass „alle großen vornizänischen Theologen die Subordination des Logos im Verhältnis zu Gott vertraten. Da wird es eindeutig als Subordination aufgefasst und dargestellt. Und der entschiedenste Subordinatianer des Neuen Testaments war gemäß den Synoptikern Jesus selbst.“ Dr. Martin Werner „The Formation of Christian Dogma“
Auch aus diesem Text folgt: „Da sind drei Götter,“ oder mehr. Origenes bedauerte den Zweifel daran, der also bereits in seinen Tagen aufkam „... Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wah
Das war die Lehre der Kirche.
"Manche schätzen nicht, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott Götter werden konnten, indem sie an Gott teilhatten.“ Origenes Kommentar zu Joh.: 2:3
Im Unterricht lernten die Katecheten
allesamt, jahrhundertelang, dass Jesus, als er aus dem Wasser seiner Taufe im
Jordan heraufkam, ebenso wie die Abwesenden sah, dass sich der Himmel öffnete,
und der Heilige Geist in Form einer Taube auf ihn kam und, dass eine Stimme aus
der Höhe ertönte, die Stimme Gott-Vaters die bezeugte: „Jesus ist mein geliebter Sohn, an dem ICH Wohlgefallen finde“. Da
waren also drei verschiedene Götter. Daran lässt sich auf biblischer Grundlage,
nicht herumdeuteln!
Zu spät erkannte die Mehrheit der angereisten, dass in Konstantins Sommerpalast zu Nicäa nur ein Wille Geltung besaß. Er wird die Bedrängten gut behandeln, vorausgesetzt sie unterwerfen sich. Und so sollte es im Jahr 325 kommen, die (erzwungene) Unterwerfung, denn „...Konstantin hatte eine neue Idee von der Kirche, die er verwirklichen wollte: ... nach dem ihm vorschwebenden Bild formt er… sein Reich, seine Kirche…. Die Diener Gottes, die Kleriker unterstützen den Kaiser, den Knecht Gottes dabei, das gottgewollte Friedensreich herbeizuführen. Das Konzil ist ein repräsentativer Staatsakt, aber der Staat, der sich ihm darstellt, ist die von Konstantin geführte Kirche (!), das Reich der Zukunft…“ doch „… Eben so wenig, wie Konstantin Christus erwähnt, ist die Kirche auf Christus bezogen...“
Heinz Kraft, Habilitationsschrift „Konstantins religiöse Entwicklung“ Uni Heidelberg-Greifswald
Dieses Reich der Zukunft, dass dem damals
einflussreichsten Mann der europäischen Welt vorschwebte, diese Mixtur aus der
Soldatenreligion des Mithraismus, plus einiger aus dem Christlichen entlehnter
Elemente konnte dann doch überleben, aber schwer angeschlagen. Aus heutiger Sicht bedeutete das Konzil zu
Nicäa, 325, den Beginn des Niedergangs von dem Hertling allerdings mit anderen
Worten sprach. Der Geist Christi der Wahrhaftigkeit wich vor dem grobdiktatorischen
Ungeist Konstantins zurück. Für nicht wenige, die noch lange keine Christen
waren schimmerte jedoch schon bald das Geld verlockend. Der Kaiser wird
zumindest die Bischöfe besolden! Das sollte viele Banausen wie das Licht die
Motten anziehen. So kam es. Nachdem
Konstantin sich „...zum Herrn der Kirche (gemacht hatte). In ihre Streitigkeiten hatte er
entscheidend ein(gegriffen) und verteilte mit geschickten Fingern Recht und
Unrecht. ...im Handumdrehen füllte sich der Hof des Kaisers mit einer Menge von
Persönlichkeiten, die mit ihrem Christentum Geschäfte machen wollten. Edlere
Naturen konnten neben ihnen kaum noch hervorkommen. (Sie) zogen sich angewidert
zurück. Die siegreiche Kirche“ (kam hervor.) Pfarrer E. F. Klein „Zeitbilder aus der
Kirchengeschichte“, Berlin, Ackerverlag, 1930, S. 144
Die alte, leidende, aber
souveräne Kirche, verschwand zwar nicht sofort, aber sie geriet auf die
Schattenseite. Konstantins Denomination, obwohl sie auf Eidbruch, Gewalt und
große unerfüllbare Versprechen gegründet wurde wuchs nominell erheblich, weil
man da was holen konnte, denn nun verwalteten die Bischöfe des neuen Typs die
staatliche Armenkasse. Diese Einrichtung bestand einige Jahrhunderte.
Konstantin überrollte nicht nur Arius und
Origenes Gotteslehre.
Indirekt beeinträchtigte er auch
andere Teile der generellen Christentheologie, wie die Möglichkeit der
Allversöhnung in der Ewigkeit.
Dieser „Apokatastasis“ genannte Vorgang
wird im Buch Mormon 2. Nephi 28: 19 umschrieben mit den Worten: „Denn das Reich des Teufels muss erbeben,
und diejenigen, die dazugehören, müssen notwendigerweise zur Umkehr
aufgestachelt werden, sonst wird der Teufel sie mit seinen immerwährenden
Ketten gefangen halten.“
Nun im 21. Jahrhundert erscheinen immer mehr origenesfreundliche Veröffentlichungen und Aussagen zum frühchristlichen Anti-trinitarischen Gottesglauben. Origenes, der nachweislich mit den Kirchenlehren übereinstimmend schrieb betonte ausdrücklich, dass Christus von Ewigkeit her Gott war, sowie, dass wir Erdenmenschen – die zur Familie Adams gehören – ebenfalls Götter in der Ewigkeit werden können:
„Während der Sohn auf Grund seiner in ewiger Gegenwart bestehenden Teilhabe am Leben Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott ist, sind alle vernunftbegabten Kreaturen nach dem Sündenfall berufen, durch die Vermittlung des Sohnes und nach dessen ewigem Vorbild „Götter“ zu werden… nach Origenes besteht zwischen Vater und Sohn ein logisch-kausales Begründungsverhältnis, das die Nachordnung des Sohnes als selbständiger Hypostase zur Folge hat… Als Wahrheit und Weisheit des Vaters ist der Sohn jedenfalls nur dann richtig verstanden, wie Origenes nicht müde wird zu betonen, wenn man nicht vergisst, dass er eine selbständige Hypostase ist.“ Christoph Brun 2013 „Zur Gotteslehre des Origenes“
Selbst der berühmt-attackierte Bischof Novatian sprach von „Christus als »obersten Engel Gottes“ Vera Hirchmann „Die Kirche der Reinen“ Mohr Siebeck 2015
Der Älteste Arius (260-337)
argumentierte mit diesen und ähnlichen Zitaten in Nicäa so bald dort im
Klartext gesprochen wurde. Natürlich erregte er damit auf Seiten der
entschlossenen Fürsprecher pro Monotheismus Ärger. So ist der Durchschnitts-Mensch. Er folgt der
für ihn jeweils höchsten Sieger-Autorität widerspruchslos, schließlich will
niemand sich selbst Ärger auf den Leib reißen. Das ist der Mitläufereffekt,
und doch, es gibt immer Ausnahmen, gebildet von denen die im Stande sind
eigenständig zu denken und die dann mutig ihr Denkergebnis verteidigen oder …
manchmal, aus Klugheit verbergen. Athanasius (290?-373), der Diakon des
Alexandrinischen Bischofs Alexander, warf sich umgehend in Nicäa zum Anführer
der Unterstützer Konstantins auf. Damals mochte er um Mitte 30 sein, ein
kleiner, schmächtiger Mann, unbeugsam und bissig. Sein Bischof, und der
Konzilsleiter Hosius von Cordoba feuerten ihn an. Allen anderen voraus, stärkte
der Kaiser seinen Rücken.
Arius und Athanasius kannten einander
bestens aus der Zeit, als die Gottesfrage in einer Zusammenkunft in Alexandria
um 318 aufkam und dann ausuferte. Lautstark seitens Athanasius, blieb Arius
selbstbeherrscht gelassen. Er machte
dort und andernorts, wenn er es für angebracht hielt deutlich, dass die
„Drei-in-Eins-Lehre“ der Kirche Gottes fremd ist. Und eben das weiß die
großkirchliche Theologie spätestens seit dem Ende das 19. Jahrhunderts.
Die Dreifaltigkeitslehre, wie sie dann
als Nicänum „verbschiedet“ wurde, war keineswegs eine kleine, sondern „…eine „große
Neuerung, die Erhebung zweier unbiblischer Ausdrücke (Vater,
Sohn und Heiliger Geist seien „unius substantiae“ G.Sk-) zu Stichworten des
Katholischen Glaubens. Sie sicherte die Eigenart dieses Glaubens… Im Grunde war
nicht nur Arius abgewiesen, sondern auch Origenes, fortan musste die Kirche die Last einer ihr f r e m d e n
Glaubensformel tragen“ A. von Harnack
„Lehrbuch der Dogmengeschichte“
Männer wie Konstantin stellen
nicht viele Fragen. Sie „wissen“ ob oder wer und was Gott ist. Den Kaiser und
seine Ideen anzuerkennen gehörte nachnicänisch für alle Christen zur obersten
Bürgerpflicht. Er verlangte es. Es sei nicht ratsam einem wie ihn zu
widersprechen.
Vor 318 gab es, soweit bekannt, in anderen Gemeinden
nur selten Fragen oder Behauptungen in Richtung Trinitarismus. Gelegentlich
ging es um die Auslegung des Wortes „Gott
ist Geist“, das im Johannes-Evangelium auftaucht. Da gab es hinlänglich
Spielraum, den Athanasius nutzte. Es fällt jedoch schwer diesem Monotheisten,
der wüst fluchen konnte, länger zuzuhören. Er kämpfte mit allen Mitteln um dem
Kaiser und sich selbst zu gefallen. Er baute die Nebel-Gott-Variante zu Gunsten
der Ansprüche Konstantins nicht selten mit grobschlächtigen Worten aus. Dagegen
wirkte der Älteste Arius, der Athanasius Vater sein könnte, nie unhöflich. Er
verwies ihn allerdings mit starken Argumenten: „Denkt an das große Erlebnis des Stephanus der laut Apostelgeschichte
Jesus sah, wie er an der Seite seines Vaters stand. Da sind mindestens Zwei.“ Apostelgeschichte 7: 59 Oder Arius zitierte Jesus: „Ich gehe zu meinem Vater und eurem Vater,
zu meinem Gott und eurem Gott.“ Joh. 20: 17.
Dass Arius mit Bibelworten wie diesen und den
Origenes-Texten im Lager der Konstantinianer ebenfalls Wirkung erzielte,
konnten die Origenisten deren Gesichtern ablesen. Der Alexandriner Origenes,
galt noch kirchenweit in Sachen Theologie als oberste Instanz. „Das Ansehen des Origenes war noch in der
ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts in weiten Kreisen ein unbedingtes.“ Adolf von
Harnack „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ Mohr-Siebeck, 1990 S. 28
Knapp zwei Generationen nach
Nicäa traten erste Nörgler vom Format Epiphanius, Bischof von Salamis (320-403)
auf, um den, nach Athanasius Hinscheiden, schwächelnden Trinitarismus zu
stärken. Wir wissen, dass Kaiser Constantinius II. im Jahr 359 alle Bischöfe
zurück zum Arianismus „bekehrte“.
Epiphanius galt bereits schon zu seinen Lebzeiten als unsachlich
argumentierender, fanatischer Ketzerjäger. Er wusste anscheinend nicht, oder
wollte nicht wissen, dass Christen immer auf Fairness bedacht sein müssen, wenn
sie ihren Ehrentitel bewahren wollen. Er kämpfte gegen Origenes Gotteslehre,
als wäre dieser Gelehrte der Erfinder der Theologie seiner Zeit. Überhaupt
wütete er gegen alles was nicht im Einklang mit dem Nicänum stand. Das bekamen
auch die Hellenen zu spüren.
„392
lässt der heilige Epiphanius die
meisten paganen Tempel Zyperns zerstören.“ Vlassis G. Rassias „Christians persecution against the Hellenes.” Greek
Athen 2000
Sich vorzustellen wie das vor sich ging
macht traurig. Diese Häuser gaben Hunderttausenden innere Festigkeit. Epiphanius
verurteilte den großen Lehrer zwar scharf, doch lediglich die „subordinatianische Logoslehre des
Origenes“, wodurch dieser „zum
geistigen Vater des Arianismus geworden“ sei. Josef Herman, „E. v.
Salamis gegen die Antidikomarianten“ Kempten, München 1919
Diese Aussage ist in sich unehrlich, denn der Arianismus entsprach dem Original. Andererseits schlägt Epiphanius seinen Trinitariern, deren ohnehin schwaches Argument aus der Hand: „Eine Unterordnung (Christi gegenüber Elohim) im Sein wird als Irrlehre abgelehnt“ (offizielle Erklärung) aber biblisch nicht haltbar
Man kann alles Beliebige als
Irrtum oder Irrlehre abtun, aber nur solange bis das Leben selbst die Wahrheit
zur Geltung bringt. Selbstverständlich gilt allemal, dass selbst ein
höchstrangiger Legionskommandeur nicht der Kaiser ist.
Dasselbe bestätigt die moderne Forschung mit Blick auf Christus. Auch Thomas Hägg, ein Historiker des 21. Jahrhunderts kommt, nach gründlicher Untersuchung der damaligen Umstände auf Basis verlässlicher Dokumente, zum Schluss: "…der Erzketzer Arius ist Traditionalist. Er steht fest auf dem Boden der kirchlichen Lehrtradition." "Kirchen und Ketzer" 2004 mit Unterstützung des norwegischen Forschungsbeirates für Klassische Philologie und Religionswissenschaft, Uni Bergen
Arius wich nie von Origenes Seite. Im Verein wirken sie bis in unsere Gegenwart. „Epiphanius gilt als einer der eifrigsten Verfechter der Orthodoxie seiner Zeit und hat in den theologischen Streitigkeiten wiederholt eine wenig schöne Rolle gespielt. Er ist es gewesen, der den Kampf gegen den Origenismus erst richtig entfachte... er ist der „Patriarch der Orthodoxie“... alle Häretiker (bezeichnet er) als wilde und giftige Tiere, deren Gift die Reinheit des Glaubens gefährdet... Hier liegen offenbar... böswillige Verleumdungen vor.“
Kurt Rudolph „Die Gnosis”
Im autoritär-rüden Geist und Stil
Konstantins, den Epiphanius zeitweise an den Tag legte, handelten die Nazis
Hitlers. Der Theologe Josef Herman sagte:
„In diesem Jahr (392) blieb es leider nicht beim sachlichen Kampfe; es wurde
ein persönliches Streiten mit allen Bitterkeiten und Peinlichkeiten eines
solchen, ein unschöner Zwist, der die klaren Linien der Meinungen und
Charaktere verzerrte... . Epiphanius sah im Origenismus die gefährlichste aller
Häresien. Nicht die Ewigkeit der Schöpfung, nicht die Präexistenz der Seelen und nicht die allgemeine Apokatastasis
oder die allegorische Auslegung gewisser Schrifttexte bildeten den größten
Stein des Anstoßes, sondern ganz besonders die Anklage: der Origenismus sei
durch seine subordinatianische Logoslehre der geistige Vater des Arianismus
geworden.“ Josef Herman, „E. v. Salamis gegen die Antidiko-marianten“
Kempten, München 1919, Übersetzer aus dem Griechischen
Während Epiphanius von seinen
Gesinnungsgenossen den Titel ‚Rechtgläubiger’ erhielt, steht er heute weniger
in Ehren.
Dennoch, unvergessen und zu loben ist, dass Epiphanius deutlicher, als zahllose
Hochschullehrer unserer Zeit erkannte, dass die auch von Origenes vertretene „subordinatianische Logoslehre“ die
Existenz von mindestens 2 Göttern bestätigt. Epiphanius hätte klüger sein sollen, statt
Origenes schwarz zu malen.
Wikipedia Epiphanius von Salamis
Seinerzeit kannten die Christen das jetzt
übliche „Christuskreuz“ noch nicht.
Das Kloster Granicas im Kosovo zeigt ihn mit Heiligenschein
und einem Gewand, das mit Konstantin-Kreuzen bedeckt ist.
Origenes Grundwissen hätte nie
vernachlässigt werden dürfen, denn es war in sich stimmig, durch und durch
biblisch und völlig auf Gewaltlosigkeit, sogar auf Versöhnung ausgerichtet.
Dieses Wissen wurde nicht nur mündlich von glaubwürdigen Zeugen immer wieder
bestätigt. Der Mensch wird dort erhöht, er wird ermahnt Hass zu
überwinden. Der Konstantinismus dagegen
konnte zu keiner Stunde darauf verzichten Menschen, die sich glaubensmäßig
anders entschieden zu erniedrigen – natürlich stets unter schön klingenden Argumenten
-. Man rechtfertigte selbst die Verbrennung eines „Ketzers“ salbungsvoll: „Es geschah aus Liebe zur Errettung einer
sonst verlorenen Seele.“ „Spanische Inquisition“
Indessen gilt in jeder Zeit der
Paulussatz: „Wer den Geist Christi nicht
hat, gehört nicht zu ihm.“ Römer 8:9
König Philipp II. von Spanien,
trug um 1590 persönlich Holz heran, um einen jungen Mann zu verbrennen, der
sich vom Scheiterhaufen her beklagte, er habe nichts verbrochen. Die Antwort
lautete; „Niemand ist in unseren Landen
seines Lebens sicher, der nur ein Haar breit vom Glauben der römischen Kirche
abweicht...“ König
Philipp II. von Spanien 1590 Zitiert in der Evangelischen Kirchenzeitung 1854.
Wikipedia: wahrsch. nach
einem Original. Lehrer in Alexandria 203-231
„Origenes siedelte 231/32 nach Caesarea über, (weil die Neider Argumente gegen ihn vorbrachten, aber in Caesarea erkannten die Gastgeber die miesen Hintergründe der Verleumdung) (dort kam) seine Lehrtätigkeit zur größten Entfaltung. Eine ganze Generation von Theologen ist hier durch seine Schule gegangen... mehrfach holte man Origenes zur Widerlegung von Häretikern, die sich seinen Argumenten meistens beugten...“
Handwörterbuch
für Theologie und Religionswissenschaft, 3. Auflage 1960
Indessen soll Diakon Athanasius bereits 318, wie sein Bischof Alexander, in Wut, geraten sein, wenn er den Origenes-Zitaten, die Arius vortrug, wenig entgegensetzen konnte. Alexander fluchte wie ein Berber: „Dem Arius muss man Widerstand leisten bis aufs Blut“ Ernst F. Klein „Zeitbilder de Kirchengeschichte“
Möglicherweise kam dort bereits das
durchaus unberechtigte Wort von der „arianischen Häresie“ auf. Spätere Theologen, wie auch Ambrosius von
Mailand, betrachteten, noch heftiger als Konstantin, den Arianismus als ihren
Todfeind. (Der Kaiser änderte wenige
Jahre vor seinem Tod seine Überzeugung, nachdem auch Arius seinen Teil zur
Versöhnung beigetragen hatte) Konstantin „musste“ 325, gemäß seiner Logik, als
„Reichsgott“ entschlossen, mit Unterstützung der Teilnehmer seines Konzils,
unbedingt zwei Glaubenselemente korrigieren. Jede Art Polytheismus betrachtete
er, unter gegebenen Umständen als ungeeignet „römische Staatsreligion“ zu
werden. Zweitens: Er selbst war der Größte, er wird niemandem jemals
nachgeordnet sein. In ihm lebten doch
die Numina der Götter. Deshalb schuf er das trinitarische Bekenntnis, -
nicht die Bischöfe. Er „fügte das nachher so sehr umstrittene
unbiblische Wort wesensgleich griech. Homousios lat. „consubstantialis“ ein
…, „die Unterordnung des Sohnes unter den einen Gott und Vater, wie von
Origenes und den Theologen der
Vorzeit allgemein gelehrt, wird jetzt ersetzt
durch eine wesenhafte, substantielle Gleichheit des Sohnes mit dem Vater“ Hans Küng
„Kleine Geschichte der katholischen Kirche“
Ersetzt!
Das Ändern theologischer Normen
betrachtete Konstantin als sein gutes Recht. Ihn interessierte christliche
Lehre und Sinn nicht, sondern nur die Eigenart dieser Menschen, ihre
Zuverlässigkeit als Staatbürger und -beamte. Christen sind gewissenhafte Menschen
die nie ihr Wort brechen. Davon ging der Imperator aus. Deshalb wollte er sie
vor seinen Karren spannen. Das war Nötigung.
In der vornicänischen Zeit galt alleine schon Nötigung als
unverzeihliches Verbrechen.
Ende Teil 1
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