Mein neues Buch: auf Basis von mehreren hundert wissenschaftlich belegten Quellen
Die unselige, nachnicänische Kirche
Mutter der Sekten
Gerd Skibbe
2026
Teil 3
Der Hintergrund
Kopf Konstantins im vatikanischen Museum
Als Unterkaiser der Tetrarchie
regierte Constantin Chlorus den Westen: Britannien und Gallien. Nie waren die
Grenzen Roms sicher. Die räuberisch eroberten Gebiete mussten kriegerisch
möglichst stabil gehalten werden, und immer gab es zudem Feinde in den eigenen
Reihen. Diokletians militärische Befehle sollen jedoch sowohl vom Vater wie dem
Sohn glänzend ausgeführt worden sein. Das sprach sich herum.
Konstantin könnte zeitweise mit
seiner vom Vater verlassenen Mutter Helena gewohnt haben. Sie war
wahrscheinlich der einzige Mensch den er je liebte. In Nikomedia lernte er wie
geherrscht wird. Dort verinnerlichte er Schritt für Schritt, was ihn erwartete,
falls er seine Träume verwirklicht. Diokletian war sein Vorbild, er war
der „dominus et Deus“. Lobredner schwärmten und
lobhudelten vor dem Kaiser: „der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch
sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum
creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern... Wie wir auf
Erden durch Dich glücklich werden, so als gelangten wir in Deine Gegenwart,
stehen wir heute im Adyton - dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere Treue.
Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich... „Deshalb
gleiche der Kaiser dem Gebieter des Weltalls.“ Alexander Demandt „Diokletian und die
Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“
Schon Caligula (12-41) bestand darauf als Gott verehrt zu werden. „Gebieter des Weltalls!“ Für Konstantin hatten diese Worte Bedeutung mit Langzeitwirkung. Bereits 306 sollte er die nächste Stufe zur Allmacht nehmen. Am Hof zu Nikomedia lernte er mehrere Christen, wie den Gelehrten Laktanz, kennen und schätzen. Um 316 berief er den großen Idealisten als Lehrer seines Sohnes Crispus an den Hof in Trier. Konstantin gefiel, dass Laktanz forderte: "Der Lehrer muss die von ihm gelehrten Tugenden auch selbst vorleben." J. Walter "Pagane Wertvorstellungen bei Laktanz"
Die Selbstdisziplin möglichst
jedermanns ist es, die den Staat zusammenhält. Laktanz, der Elitechrist zu
Nikomedia könnte dem Kaiser – ähnlich, aber nicht gleich, wie die paganen
Priester - erklärt haben, dass der Mensch Geist ist, der von Fleisch ummantelt
wurde und, dass der Allmächtige die Auserwählten zu Göttern erhöhen wird,
vorausgesetzt sie befolgen seine Weisungen. Zu dieser Zeit verstand sich noch
jeder überzeugte Christ als Missionar. Tatsächlich war Laktanz nicht der
Erfinder einer zusätzlichen Lehre, indem er sagte: „Wer die Tugend
bewahrt, gleicht am Ende notwendigerweise Gott“. G.
Sadler “Lactantius, On The Anger Of God, Humans, Reason, and Religion -
Philosophy Core Concepts
Dieses Lehrelement – das inkompatibel
zu moderner Theologie noch isoliert dasteht - entspricht sowohl den Aussagen
Origenes, wie den Bekenntnissen jüdischer Traditionalisten: „Wir
Kabbalisten stehen keineswegs gegen Christi Aufforderung, dass der Mensch in
einem ewig währenden Prozess perfekt wie Gott werden kann...Jeder
gute... Gedanke und jedes ebensolche Tun zeugt unverlierbare geistige und reale
Energien (bis zur) Veredlung und Emporhebung in die reinen Höhenregionen,
(tätig) an der immer fortschreitenden Vergottung.“ Erich Bischoff „Kabbala“
„Erst aufgrund der Tugend wird man
ein Kind Gottes, und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer
erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der
Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“ H. Benjamins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und
Vorsehung bei Origenes“
Hippolyt von Rom (heiliggesprochener Gegenpapst um 220) betonte ausdrücklich
die Möglichkeit, für den unsterblichen Teil des Menschen, irgendwann in der
Ewigkeit bis zur Gotteshöhe aufzusteigen: Wörtlich „Durch den Logos
brachte Gott Alles hervor…. Den Menschen schuf er als solchen; will der
Mensch Gott werden, so muss er ihm gehorchen.“ Joseph Langen „Geschichte der
römischen Kirche“ * *Selbst
Martin Luther sprach von der Gottwerdung des Menschen: „...eben darum
wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit anderen Worten: Gott
wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde.“ T. Mannermaa “Luther und Theosis”,
Band 16 Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen
1990
Das passte nicht ganz in sein
Weltbild, aber er, Konstantin, wird es passend machen.
Die Mehrheit der damals zum
Christentum Bekehrten war eher arm. Zu einer Zeit, als sich die Christen Roms
noch in „Bretterbuden“ * versammelten, verfügten die Jesusgläubigen in
Nikomedia jedoch über ein ansehnliches Gemeindehaus. „Es stand auf
einem Hügel dem Palast gegenüber.“ * Christoph Müller, Inaugural
Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg „Kurialen und
Bischof...“
Wenn also, so schlussfolgerte
Konstantin offensichtlich, die Numina von Jupiter und Hercules, im
Weltherrscher Diokletian gelebt haben, müssen sie rein geistig sein und deshalb
darf „niemand … die absolute Geistigkeit der Gottheit gefährden...“ Adolf von Harnack Lehrbuch der
Dogmengeschichte.
Nach dem Rücktritt Diokletians vom
Kaiserrang, fasste Konstantin zusammen: die Gottheit wohnt nun in mir! Darauf
greift er später in seiner Argumentation zugunsten des dreifaltigen Gottes, in
Nicäa, zurück. Bereits drei Jahre nach seiner quasi-Selbsterhebung wurde ihm,
nach dem Bericht eines Lobredners eine Vision im schönsten Apollotempel
Galliens zuteil. Dort erschienen ihm Sol Apollo (der Gott seines Vaters) und
Victoria. Drei Siegerkränze erhielt er. Sie verhießen ihm jene dreißigjährige
Herrschaft, die er tatsächlich durchleben sollte. Seine Priester hatten ihm
Ähnliches bereits zuvor eingeflüstert: „Du bist der Sol Invictus,
- der unbesiegte Sonnengott -. An dir haben wir uns aufgerichtet. Du Augustus,
bist es! Du hast uns erleuchtet.“ Vittinghof „Konstantin der
Große“
Solidus mit dem Porträt Kaiser Konstantins mit Lorbeerkranz, geprägt von 310 bis 313 in Trier. (Victoria verschwindet auf den Münzen nach Justinian Tod)
Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar an ihren Flügeln. Bettina von Engel sagt: „Konstantin... (ließ sich) nach seiner angeblichen Vision in einem Apollotempel mit einer Prophezeiung, die ihm 30 Jahre Kaisertum vorhersagte, fortan auf Münzen mit dem Sonnengott Sol Invictus darstellen, dem der mit Apoll identifiziert wurde, und der Konstantin eine neue sakrale Herrschaftslegitimation lieferte. Er (selber) stellte sich ... Gott gleich und übernahm dessen Unbesiegbarkeit für sich selbst…“ „Konstantin und seine Familie in Trier“
In diesen Zeichen XXX sollst du
siegen! Du Konstantin! Deine Herrlichkeit wird grenzenlos sein. Das glaubte er
und so handelte er:
Andererseits stieß er wenig später an
seinem Hof und in seinem Heerlager einflussreiche Persönlichkeiten wie Bischof
Hosius von Cordoba und Eusebius von Cäsaräa, die ihn ebenfalls christlich
bekehren wollten. Er hörte zu! Wo es ihnen ratsam erschien, deuteten sie
Konstantins Ideen in ihrem Sinne. Klug, jedoch nicht immer ehrlich, -
oder verdreht christlich - wenn er zu schmeicheln begann, doch anscheinend
stets in bester Absicht, nutzte Eusebius von Cäsaräa jede der sich ihm
bietenden Gelegenheiten auf gewisse Ähnlichkeiten der Grundansichten
hinzuweisen. Mit zunehmendem Alter lobte Eusebius den Kaiser mit umso größerer
Ergebenheit. Bis er ihn kurz vor seinem Ende sogar mit dem Messias verglich. Um
335 nennt er den blutigen Imperator schließlich den ‚Engel Gottes’ den ‚Führer
und Herr’, das ‚Werkzeug Gottes’, der ‚Ähnlichkeiten mit dem Logos’ (Christus)
aufweise. Patricia
Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1.
Konzil zu Nicäa (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“
Damit erwies Eusebius sich als Mogler
zum Nachteil der damaligen Kirche Jesu Christi. Andererseits gehört er zu denen
die zwischen 305-311 vom Staat verfolgt wurden. Er wurde 310 eingekerkert. Er
hoffte, dass er das momentane Wohlwollen Konstantins zugunsten vieler sonst
schutzloser Mitglieder sicherer machen kann. Das spricht für ihn.
Ein Verwirrspiel ohne Gleichen wurde
aufgezogen, Daten und Fakten wurden verwischt. Mit seinen Schmeicheleien ebnete
Eusebius auch großen Märchen die Tür. In welcher Reihenfolge und warum gewisses
Wichtiges geschah und welche „Geschehnisse“ reine Erfindung sind ist noch immer
nicht klar. Bis heute wird erzählt, Konstantin ließ im Oktober 312, unmittelbar
vor der berühmtberüchtigten Schlacht gegen Schwager Maxentius, auf die Schilde
seiner Soldaten das Christogramm Rho malen, weil es anscheinend zuvor in einer
Wolke erschien, da er unter diesem Zeichen siegreich sein würde. Dass aber das
Rho, christlich gedacht, schon 312 eine Rolle spielte ist unwahrscheinlich.
„Das Gotteszeichen wird bei Laktanz
beschrieben: „transvere X littera, summo capite circumflexo“ der quergestellte
Buchstabe X wurde an der oberen Stelle umgebogen“ Das ergibt ein Zeichen das
nicht dem uns bekannten Christogramm aus X und P, den Anfangsbuchstaben von
XPICTOC entspricht und deshalb hat man diese Stelle verschiedentlich mendieren
wollen (als Fehler entfernen oder verbessern wollen). Wie aber die Diskussion
gezeigt hat, ist dies völlig unnötig, denn das Zeichen mit den quergestellten
Balken war durchaus bekannt... wir haben es statt mit einem Chi-Rho mit einem
Tau-Rho zu tun, statt mit dem Christogramm mit dem Staurogramm. Diese ist um
200 zum ersten Mal belegt... Zweifelsohne war das (mit dem Bogen oben)…
nicht das Zeichen welches Konstantin benutzte. Er benutzte das
Christogramm … dieses Zeichen ist vorkonstantinisch in vielfacher Weise
nachzuweisen, allerdings nicht als Kürzel des Christogramms... Das Chi-Rho
taucht schon in jüdischen (Dokumenten) des 1. Jahrhunderts auf. Es sagt: fertig
oder brauchbar.... Das Kreuz selbst ist in konstantinischer Zeit noch nicht
unter die Kaiserinsignien aufgenommen worden.“ Seeliger „Die Verwendung des Christogramms durch
Konstantin im Jahr 312“ -Untersuchungen kath. Theol. Uni Tübingen S. 153,
154, 165
Auf den Feldzeichen der Armee
erscheint das Kreuz erst 324. Ob Konstantin, 324, damit zum Ausdruck bringen
wollte, Christus würde ihm beistehen ist ebenfalls unwahrscheinlich. Es
hieß: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Du Konstantin!
Nicht die Kirche. „In hoc signo Vinces!“ „Dieses“ Zeichen x
ist das des Querholzes über der senkrecht stehenden Lanze als Teil des
Feldzeichens (des Labarums) der Legionäre des römischen Imperiums. Christen
verehrten vor 431 das Kreuz eher ausnahmsweise oder gar nicht, das ist sicher.
Es
hieß: „Du Konstantin!... In hoc signo Vinces, witnessed by
40,000 men, the true miracle lies in their unbroken silence about
it" Ramsey MacMullen, “Constantine”
Dem Teils-teils-Märchen wurde eine
Propagandalüge hinzugesetzt: Kaiser Maxentius sei – aus „christlicher“ Sicht -
der „Tyrann von Rom“ gewesen, deshalb musste er ausgeschaltet werden. Deshalb?
Auch diesem Narrativ widersprechen
die Dokumente: Maxentius - der Bruder Faustas, (der Ehefrau Konstantins) - hatte
sich um die Gunst der Christen bemüht und sie gerecht behandelt. Er „hatte
die Christenverfolgungen eingestellt und der römischen Kirche ihren Grundbesitz
zurückerstattet. Allerdings Maxentius sah sich beträchtlichen Wirren und zum
Teil blutigen Kämpfen innerhalb der Christengemeinden Roms konfrontiert und
deshalb gezwungen die Bischöfe Marcellus (307-309) sowie Eusebius (309) in die
Verbannung zu schicken.“ Karl Christ „Geschichte der römischenKaiserzeit“ C. H. Beck,
2002
Zu Bedenken ist erneut, als
christliches Zeichen kam das Kreuz erst durch Cyrill von Alexandria (376-444)
mit dem Konzil zu Ephesus auf.
Insgeheim bestritt kaum jemand
unter den Informierten, dass Konstantin ungerührt über Leichen ging. Aber als
Gott, oder Gottes Stellvertreter auf Erden, durfte er das. Schließlich hielten
ihn auch seine Militärs bereits seit 306 für ihren HerrGott, für den sie gerne
sterben wollen, um mit ihm im Himmel zu herrschen. Das hatten auch sie viele
Male in paganen Gottesdiensten gehört und verinnerlicht. Wer immer das Diadem
auf seinem Haupt trug musste angebetet werden. Der Text lautete
ehrfurchtgebietend: „wir rufen Dich an, wir rufen Dir zu, jeden Sieg zu
erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der praesens deus -
weshalb wir uns nicht fürchten, weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben
zu Füßen zu legen – Heil dir…“ Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte
einer Zeitenwende
Rafael malte, nach Eusebius Beschreibung, 1520 die Vision des Konstantin: „In hoc signo Vinces“.
Das Bild befindet sich in der Sala di Constantino im Vatikan.
Tenno Hirohito japanischer Kaiser
während und nach dem 2. Weltkrieg, galt als direkter Nachfahre der Sonnengöttin
Amaterasu. Damit war er Gott in menschlicher Gestalt. Der letzte Gruß der
Kamikaze-Piloten Japans lautete kurz vor dem Aufprall per Funk den
traditionellen Schlachtruf „Tenno Heika Banzai“ („Lang lebe der Kaiser“).
Oder „Wir treffen uns in Yasukuni“. Sie waren gewiss. Ihre Seelen
würden, nach ihrem jähen Ende, hoch verehrt sein.
Vielleicht kamen in Konstantin am Abend des 28. Oktober des Jahres 312 Selbstzweifel auf, ob seine Kämpfer der gegnerischen Schlagkraft gewachsen sein werden. Eusebius schreibt: Konstantin rief den Gott seines Vaters an. Eusebius erweckte so den Eindruck er hätte Christus um Beistand gebeten. „Constantius Chlorus war (jedoch) bekanntlich ein eifriger Verehrer des Sonnendienstes… Er betete Herculus Invictus an, oder Sol-Herculus.“ Ed. Rapp „Das Labarum und der Sonnenkultus“
Das war 312 der Fall. Es
scheint, dass Konstantin die beiden Götter und Apollo in „Sol invictus“ vereint
sah. „Wer bin ich?“ „offenbare mir wer ich bin! Reichst du mir
deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“ Schlange-Schöningen „Kostantin der Große und der
Kulturkampf“ 1997 S. 385
Bin ich dir gleich? Du gabst mir die Zusage für drei Jahrzehnte meiner
Herrschaft. Erst drei Jahre war es her, seit dieser Verheißung. „Ich
bedarf deiner Hilfe mehr denn je!“ Konstantins Gebet, wie es Eusebius von
Caesaräa übermittelte, beinhaltete auch Fragen, die jeden von uns beschäftigen:
„Wer bin ich?“ Keinem Christen wäre, solange er an den Jesus der
„Frohbotschaft“ glaubte, je in den Sinn gekommen, den altrömischen Sol Invictus
anzurufen, wenn er Christus meinte. Glorreich sollte der Imperator
siegen.
Konstantin feierte den Sonnengott als
seinen Beschützer
Drei Jahre später marschiert er (noch
einmal) in Rom ein. „Am 21. Juli 315 hielt Konstantin seinen feierlichen
Einzug nach Rom zur Feier der Dezennalien. Das Fest wurde mit der üblichen
Pracht begangen, das Volk beschenkt und große Spiele abgehalten. Zu dieser
Feier war der die Schlacht an der Ponte molle (Milvische Brücke)
verherrlichende Triumphbogen vom Senat errichtet worden. Sein Bilderschmuck
nimmt vom Christentum Konstantins keine Notiz. L‘Orange hat
bewiesen, dass es der Sonnengott Sol Invictus ist, der hier als Gott des
Kaisers gezeigt wird.“ Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins Entwicklung“,
Heidelberg – Uni Greifswald Schon „Kaiser
Aurelian stellte das Imperium unter den Schutz des unbesiegten Sonnengottes
(Sol Invictus). Mit diesem Gott hatte er über die Parther gesiegt, dabei ließ
er das Bild des syrischen Sonnengottes nach Rom bringen. Dieser Gott
sollte mit dem griech. Gott Helios, dem römischen Gott Sol und dem persischen
Gott Mithras identifiziert werden. Der Kaiser verstand sich (vornicänisch) als
Sohn (Emanation) dieses Gottes und als dessen Stellvertreter bei den Menschen.“ Anton Grabner-Haider-Maier: „Kulturgeschichte
des frühen Christentums“
Sol Invictus und das Genie der
Militäreinheit
Konstantin dankt Sol für den Sieg
über Schwager Maxebtius
„Erheblich populärer war zu dieser Zeit die Gleichsetzung des orientalischen Mithras mit der Sonne und damit der Idee des "Guten“. Erst in der schweren Reichskrise des 3. Jh.s blieb es Aurelian (270 - 275) vorbehalten, als heidnisches Symbol einer Entwicklung zum "EinGott-Glaube" und als religiöse Manifestation der Reichseinheit den Sol Invictus zeitweilig zum alleinigen Staatsgott und den Tag der Tempelweihung in Rom, den 25. Dez. 274, zum Feiertag zu erheben.“ Adventskalender 2009 Ruhr- Uni-Bochum
Rein heidnisches Denken war es, das Konstantin bald veranlasste ein Konzil einzuberufen, sein Konzil. Sollte sich jemand gegen ihn stellen, wird derjenige böse Nackenschläge erleiden.
Das Konzil – und die Langlebigkeit
seines Geistes
Es tagte vom 20. Mai bis zum 25. Juli
325 in einem von schwerbewaffneten Elitegarden umstellten Saal des kaiserlichen
Sommerpalastes zu Nicäa. Der hochintelligente Kaiser zuvor Henotheist, nun der
entschiedenste Monotheist, tat so als sei er die Güte in Person: „Als
ich wider alles Erwarten von eurem Zwiste vernahm, hielt ich, was ich hörte
nicht für unbedeutend... Dass durch meine Vermittlung Abhilfe geschaffen werde,
rief ich ohne Verzug euch alle zusammen... Zögert also nicht, o geliebte Diener
Gottes und getreue Knechte des gemeinsamen Herrn und Erlösers von uns
allen, die Veranlassung zu eurem Zwist jetzt gleich vorzubringen und die
ganze Kette von Streitigkeiten durch Gesetze des Friedens zu lösen.“ Eusebius v. Caesaräa „Vier Bücher
über das Leben Kaiser Konstantins.
Eusebius weiß doch: dass der
gemeinsame Erlöser den Konstantin meint Sol ist. Als Christ darf er das nicht
hinnehmen. Quintessenz moderner Konstantinforschung ist ein kleiner Satz von
enormer Bedeutung. Er lautet: „Konstantin „wollte der Christus sein.“ Althistoriker Prof. Clauss: „Kaiser und
Gott“ Herrscherkult im römischen Reich“
Konstantin wollte eine
Götterverschmelzung: alle münden in Sol und dieser alte Sonnengott wurde dann
mit Christus solarisiert, dessen Stellvertreter auf Erden er ist. Im römischen
Imperium waren die Gebildeten bereit für die Akzeptanz eines Monotheismus mit
christlichen Elementen, weil es zutage lag, dass Hellenismus und Christentum
beachtliche Gemeinsamkeiten aufwiesen. Das
zu bekräftigen suchte er die Unterstützung führender Christen, die er seit Nikomedia
wegen ihrer Pflicht zur Selbstdisziplin ohnehin als bestgeeignete Religion
betrachtete. Das ist der eigentliche Grund für das Zustandekommen des Konzils
zu Nicäa. Konstantin wollte die Bischöfe mit freundlichen Worten verführen.
„Für Konstantin war Sol invictus die
solare Vorsehung… Zu Beginn seiner Herrschaft bezog Konstantin seine
Legitimation auf den unbesiegten Sonnengott (Sol Invictus) und Apollo. Er
deutete den Sieg über seinen Rivalen Maxentius fortan als den ausdrücklichen
Befehl und Willen des christlichen Gottes. In der griechischsprachigen
östlichen Reichshälfte wurde dieser göttliche Ratschluss als Pronoia
(Vorsehung) bezeichnet.“ Christian History Institute
Unvorstellbar für uns Heutige.
Aber ebenso erschüttert uns, dass
Adolf Hitler vor knapp 100 Jahren Millionen Deutsche mit seinem Geschwätz über
die „Vorsehung“ Millionen verführen konnte „Dies war sein am
häufigsten verwendeter Begriff. Er stellte sich als von einer höheren
kosmischen oder göttlichen Macht Auserwählter dar, der das Schicksal des
deutschen Volkes lenken solle.“ Deutschlandradio
„Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan.“ Geschwister Scholl 4. Flugblatt der Weißen Rose
Presselob unmittelbar nach dem misslungenen Attentat 1944
Konstantin machte mit seinen diktatorischen Weisungen aus der Kirche der Verfolgten die Kirche der Verfolger. An die Stelle der Toleranz trat ihr Gegenteil. Konstantins Sprachrohr zu Nicäa, Athanasius: „... (gab) das Signal zu den Verfolgungen…“Joachim Boekels „Schleiermacher als Kirchengeschichtler“ Adolf von Harnack stellte ebenfalls fest, dass nach Nicäa „die Sprache des Hasses die Kirche erfüllte“ „Lehrbuch der Dogmengeschichte“ (Band 2)
Zum Anfassen nahe saß der Kaiser,
gekleidet wie der auf Gemälden dargestellte altrömische Gott Sol in blendender
Pracht vor und neben den Konzilsteilnehmern. Für sie war alles überwältigend,
ganz anders als erwartet. Einige hatten irgendwann zuvor Münzen gesehen mit der
Aufschrift „Soli Invicto Comiti“ (Dem unbesiegten
Sonnengott, dem Begleiter des Kaisers).
Sie duckten sich, wenn sie kamen und
gingen. Ihr Weg führte sie stets an den bis an die Zähne bewaffneten
Palastwachen vorbei, die respektzollend und zugleich furchterregend
salutierten. Der Palastinhaber indessen tat so als ob er die Kirche liebe, doch
die schon bald Reuigen unter den in Nicäa versammelten Bischöfen stellten
ununterbrochen Vergleiche an. Man tauschte sich aus. Da sei nur ein einziger
Gott flocht Konstantin wiederholt ein. Das wirkte jedes Mal wie ein kleines
Erdbeben, denn da waren zwei, mit dem Heiligen Geist drei. Darin bestärken sie
einander. Einige Bischöfe besaßen daheim sogar eine Abschrift eines Briefes des
berühmten Tertullian, den er etwa um das Jahr 200 geschrieben hatte. Da hieß es
eindeutig: "Wir lehren allerdings zwei, den Vater und den
Sohn und eigentlich drei mit dem heiligen Geist, entsprechend
dem Wesen der Ökonomie, die eine Mehrzahl bedingt... dennoch
nehmen wir den Ausdruck zwei Götter und zwei Herren niemals in den Mund…Um
ihnen (d. h. den Häretikern) kein Ärgernis zu geben, haben wir den Grund
angegeben, warum man doch nicht von zwei Göttern und Herren spricht.“ Max Mühl „Zum Problem der
Christologie ...“ 1968 ad Praxean c. 13 und 19. c. 13
Doch „des Kaisers Wille
entschied“ A.
von Harnack
Arius senkte den Kopf, biss sich wohl
auf die Zunge, als schließlich das kaiserliche Urteil fiel: „dem Besitz
arianischer Schriften folgt die Todesstrafe.“ Arius ein großer,
ruhiger Mann, widerstand dem hartgesottenen Imperator unerschrocken bis
zuletzt, - wenn auch vergebens.
Ältester Arius geriet samt seinen Gewissensentscheidungen in Lebensgefahr. Und die anderen? Das Unverständlichste von der Welt sollten sie akzeptieren und ihre neue „Überzeugung“ schriftlich bekunden? Für alle Beteiligten erhoben sich nie zuvor gestellte Fragen, darunter die: Welche Befugnis hätten sie, die 200 (vielleicht 300) überhaupt, für die Gesamtkirche zu sprechen? Und freiwillig sowieso nicht. Sie waren ursprünglich allesamt darin geschult auf den Geist einer Sache zu achten. Unvergessen, Konstantins Geist verlor sich selbst in den fernsten Zeiten nie, nie ganz und gar. Im Hauptstrom der europäischen Kirchen bewies Spaniens Klerus noch 1200 Jahre später indirekt, dass er sein windschiefes Verständnis vom Christentum auch Konstantin „verdankte“.
Arius unter den „Siegerfüßen“. Im griechischen Kloster Mégalo Metéoron soll und will dieses Gemälde darlegen was in Nicäa wirklich geschah.
Die Giralda ist zugleich und ungewollt für die Betroffenen das Symbol der Geschichte des königlichen Wortbruches der Vertreibung von 800 000 Mauren aus Spanien, sowie der Ausgrenzung der Juden. Beide Aktionen, zwischen 1492 und 1609 unter dem Kreuz ausgeführt, gehören zu den schändlichsten in der Historie der „Christen“heit. Bezeichnend ist, dass der Hauptschuldige, Erzbischof Don Juan de Ribera, Valencia, durch Papst Pius VI., am 18. September 1796, für dieses Verbrechen und seine Intoleranz „selig” gesprochen wurde. Die ehemalige Moschee wurde umgebaut Nun ist sie die größte Kathedrale der Christenheit (Catedral de Santa María de la Sede) in Spanien. Sie wurden zuvor zwangsgetauft.
Konstantin stellte die Bischöfe
steuerfrei, schränkte den Zugang zum Priestertum ein.
Er bestimmte fortan die Regeln, wer
und ob jemand das zuvor jedem würdigen Mann zustehende Priestertum erhielt.
„Konstantin (hatte mit und in Nicäa) die
Verfügung getroffen, Angehörige des Klerikerstandes generell von
curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der Curiales (den Stadtadel)
dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen abzustreifen
und eine Position im Klerikerstand anzustreben.“ Jörg Köpke „Die italischen Bischöfe
unter ostgotischer Herrschaft (490 – 552) 2006
Schon bald nach Nicäa kam es zu
regelrechten Wettrennen um einen Bischofssitz. „Ein Posten im
höheren Klerikat, speziell die Bischofswürde, offerierte dem
Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen, auch wenn
sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs befanden.
Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das Eintreiben
der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an die Kirche
zu verlieren…“. Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter
ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 Nicht
wenige Reiche brachten den Geist der Vorteilsuche in die Kirche. Schon ihre
Gesichter verrieten sie. Es tat der Kirche nicht gut, dass es nun eher um den
Genuss der Privilegien ihrer Bischöfe ging, als um das eigentlich Christliche. Steuerflucht
durch Taufe, galt zwar als Straftatbestand, aber niemand konnte den Trend
brechen… Die „Privilegierung der Kleriker führte... unmittelbar zur
Beschränkung des Zugangs zum Priestertum.“ J. Martin „Spätantike und
Völkerwanderung“ Oldenburg, 2001
Aus wohlweislich ehrenamtlicher
Kirchen-Arbeit bezahlte zu machen, war ein Vergehen ersten Grades. Wenn ein
Priester vom Brotgeber abhängig wird, weiß man nie ob er dessen Lied singt oder
das des Christus. Um 220 tadelte Hippolyt die „schismatische“ Gemeinde
der Theodotianer in Rom die ihrem Bischof ein Gehalt als Aufwandsentschädigung zahlte.
„Das sei eine gräuliche Neuerung.“ Jungklaus, Full
Text of: „Die Gemeinde Hippolyts“
Eingriffe wie diese änderten
natürlich die seit Apostelzeiten bewährten
Gemeindestrukturen. Vornicänisch erlangten mit den Jahren die
fast erwachsenen Jungen nacheinander, die niederen, die aaronischen
Priestertumsgrade, zuerst das Aaronische, dann das höhere, das Melchizedekische
- lt Hebräerbrief 5. „Bei der Ordination von Diakonen
durch den Bischof verspricht dieser, wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann
er später das erhöhte Priestertum empfangen...“ Jungklaus, Full Text of: „Die
Gemeinde Hippolyts“
Das gehörte zum Prozess der
Vervollkommnung jedes Einzelnen: „Ihr aber seid das auserwählte
Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des
Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen
hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht." 1. Petrus 2: 9
Hinzugefügt werden muss, dass die
Dokumente eine organisierte Mitarbeit der Frauen zu Hippolyts Zeiten
bestätigen. Allerdings konnten Frauen nicht Älteste und Priester werden.
Handelte es sich doch um „ein Rollenspiel (eine Symbolrolle) In ihm
vertritt der Priestertumsträger Jesus und der war ein Mann.“ Kardinal Lehmann 1992 Sogar
Luther verstand es erstaunlicherweise nicht. Er meinte, jedes getaufte
Mitglied der Kirche trägt diese Würde (des Priestertums) von Geburt an. Wer
aber traf jemals einen nicht professionellen Protestanten, der sich selbst für
einen Priester hielt?
Das Denken im protestantischen
Raum, „ich kann nichts zu meiner Erlösung beitragen“, würgt
zusätzlich nahezu jegliche Eigeninitiative der Laien zur Bewahrung der
Evangeliums-Grundwerte ab. Die Erwählung des paulinischen „sola gratia“, zum
Generalmotto, bremst obendrein. Wozu „Kirche“ überhaupt? Gute Gesellschaft
findet man doch in seinem Klub. Der aktuelle Mitgliedeschwund hängt auch damit
zusammen. Vor 325 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’.
Inthronisierungen gab es, frühestens im 5. Jahrhundert und zunehmend
feierlicher ab dem 11.
Schon zu Zeiten der Diskussionen in
Nicäa sah der Kaiser voraus, dass er sich und seiner Armenkasse eine zu schwere
Bürde auflädt und brachte das Zölibat ins Spiel. Zu viele Priester würden
fortan praktisch Gehaltsempfänger, denn seine Kirche, sobald sie vom Staat
geförderte Institution ist, wird ins Unermessliche wachsen, zumal man da
„absahnen“ kann. Konstantin legte seine Absicht offen. Daraufhin gab es
Widerstand. „Bischof Paphnuties erhob sich ”. 17 Jahre zuvor
wurde ihm, seines Glaubens wegen, ein Auge ausgestochen, sowie die Sehnen der
linken Kniekehle durchgetrennt. Er rief “mit lauter Stimme, man soll
den Priestern und Geistlichen kein so schweres Joch auferlegen und durch zu
große Strenge der Kirche keinen Nachteil schaffen. Er sagte, die Ehe sei ehrbar
und … nannte den ehelichen Beischlaf Keuschheit... die Worte des Mannes
wirkten.” Leonhardt
Martin Eisenschmid "Über die Unfehlbarkeit des ersten allg. Konzils zu
Nicäa"
Konstantin sah andererseits deutlich,
dass Bischöfe in seinem Dienst, ihrer Staatstreue wegen, belohnt werden
müssen. Kaiser Julian (Apostata), Neffe Kaiser Konstantins, verlangte später die Rückzahlung der
Beträge... „das ergab natürlich ein lautes Klagen.“ Die
finanzielle Sonderstellung der ‚Kleriker’ musste auch das nichtchristliche Volk
bezahlen. „Konstantin hatte im Jahre 326 eine Gold- und Silbersteuer
eingeführt, die auri lustralis collatio oder auch chrysargyrion genannt wurde,
die jeder zahlen musste, der ein Gewerbe betrieb. Sie wurde zunächst alle fünf,
im 5. Jh. alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr.
die Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken
führte. … Reiche Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten,
setzten sich über See ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem
Werkzeug, mit dem er sich kaum ernähren konnte...Hunde setzten die
Steuereintreiber den fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so dass es sogar
vorkam, dass Eltern ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen mussten, um die
Steuer aufzubringen.“ Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken
Kleinasiens Fr. Schiller Uni, Jena
Für alle drängte sich nach der
Heimkehr der Konzilsteilnehmer eine berechtigte Frage auf:
Ist Konstantin der vorhergesagte
Anti-Christ?
Sie wiesen auf eine Prophezeiung des
Paulus hin: Es kommt „…der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der
da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst
heißt, also dass er sich setzt in den Tempel
Gottes als ein Gott und gibt sich
aus, er sei Gott.“ 2. Thess. - Kapitel 2: 3
Der Bibelkommentar zu diesem Text lautet: „Die Wendung, sich in den Tempel Gottes setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen will…Der Verfasser rechnet damit, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers, in nächster Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird.“ Präambel zur „Offenbarung des Johannes“, Einheitsübersetzung 1980 Man kann nicht leugnen, dass „…Er (Konstantin) sich ... Gott gleich stellte …“ Bettina von Engel Vortrag „Konstantin und seine Familie in Trier“
Konstantins Ende
Einiges das Athanasius bald
nach Nicäa trieb, gefiel selbst dem Kaiser nicht. Ob es wahr ist, dass er mit
den Reedern Alexandrias kungelte, ob man Konstantinopel und damit den Kaiser
eventuell unter Druck setzen könnte, weil er Athanasius angeblich kritisiert
haben soll? Es ginge um die notwendigen Weizenlieferungen, behaupteten einige
seiner Gegenspieler … Athanasius zuvor schon übergriffig, wurde 328 Bischof in
Alexandria. Konstantin hörte schon wenige Monate nach Nicäa die Berichte von
Unruhen dort. Athanasius spielte sich auf. Bald wendet der Imperator das Blatt.
Er lobt die Verhaltensweise der sonst nicht auffälligen Arianer und äußert sich
in Richtung Versöhnung mit Arius. Diese Sinnesänderung hängt auch damit
zusammen, dass Konstantins Halbschwester Constantia jahrelang freundschaftliche
Beziehung zu Eusebius von Caesarea unterhielt, der ein Arianerfreund war und als
ihr Berater galt. Konstantin musste sich zudem von Constantia Vorhaltungen und
schweren Tadel gefallen lassen. Er hätte ihr seine Eide zugunsten des Lebens
ihres von ihm eingekerkerten Ehemannes Licinius und ihres Sohnes Licinius II.
geleistet, die er 325 und 326 brach, indem er sie töten ließ, weil er
fürchtete, sie würden eines Tages gegen ihn rebellieren und ihm die Allmacht
entreißen. Constantia könnte auch von dem Verdacht getrieben gewesen sein, dass
Konstantin ihren Neffen, Crispus, seinen eigenen Sohn, umbringen ließ, weil der
als Unterkaiser nach mehreren Gefechten und Schlachten zu viel Ruhm aus Reihen
der höchsten Legaten (Generäle) geerntet hatte. Das war Mord, Mord auch an
seiner Ehefrau Fausta, weil sie sehr wahrscheinlich zankten. Fausta musste
zuvor erleiden, dass ihr Ehemann ihren Vater Maximian erwürgen ließ und dass er
ihren Bruder Maxentius erledigte, dann gebot er ihr, dass sie auf den
Lateranpalast verzichten muss. Dieses Schmuckstück wollte er nach seinem Sieg
über Maxentius der Kirche schenken. Seinen extremen Machtwillen schweigend zu
ertragen war für Fausta irgendwann unmöglich geworden. Der Kaiser duldete
keinen Widerspruch.
Wahrscheinlich wurde ihm nach und
nach bewusst, dass die ihm prophezeiten 30 Jahre der Regentschaft rapide
abliefen. Der Kaiser zeigte sich jedenfalls gegen sein Lebensende noch
entschiedener gewillt Frieden mit Arius dem Erzketzer zu schließen. Für ihn
selbst würde sich sowieso nichts Wichtiges ändern, außer, dass die arianisch
gesinnten Staatsbeamten in ihrer Kaisertreuen gefestigt würden.
Andererseits musste er den hitzigen und raubeinigen Diakon Athanasius wegen
ständiger Kompetenzüberschreitung und Unruheschürung maßregeln. Das geschah
denn auch 335. Dem ging voraus, dass „die Anhänger des Arius … und die
Fraktion der Meletianer Athanasius tyrannisches Verhalten, die Erpressung von
Steuern, die Schändung … und sogar den Mord an einem meletianischen Bischof
vorwarfen.“ St.
Athanaius Battle Against Arianism
Der hochbetagte Metropolit Alexander
von Konstantinopel, - Konzilsteilnehmer, 325 in Nicäa, - fühlte sich im
Seelengrund erschüttert. Das ging ihm gegen den Strich. Er wird Arius nicht
rehabilitieren, dass er Arius sogar feierlich zurück in die Gemeinschaft der
Orthodoxen zu führen habe, war eine Zumutung. Arius hingegen war versöhnlich
eingestellt. Einen Tag zuvor brach er infolge einer Kolik zusammen und
verstarb auf der Straße. Umgehend kursierten Gerüchte. Berichtet
wird, dass dieser fanatische Herr Alexander kurz vorher in seiner Basilika zu
Konstantinopel laut gebetet hatte „…dass entweder er oder Arius aus der
Welt entfernt würden“ Sokrates Scholastikus Kirchengeschichte I
XXXVIII.
Es erhoben sich, seitens seiner
Kritiker, bittere Nachfragen ob einer der Ariushasser des willfährigen Klüngels
des Alexander, diese an Gott gerichtete Bitte als Auftrag zum Mord verstand.
Immerhin, die Symptome, die den jähen Tod des Ältesten Arius verursachten
weisen auf eine Vergiftung durch weißes Arsen hin.
Konstantin sah wie schnell nun seine
letzten Tage verliefen. Es heißt: „Er selbst hat … den
Platz (seiner letzten Ruhestätte) ausersehen... Die
eigentliche Beisetzung wird dann durch (Sohn) Constantius
vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg in die
Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen, dass der Wert der Gebete, die
hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugutekommen. Deshalb
ordnete er an, hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten
hinein... *... Zwölf Grabmäler wie heilige Säulen richtete er dort
auf zu Ehren und zum Gedächtnis des Apostelchors; in die Mitte aber stellte er
seinen eigenen Sarg, auf dessen beiden Seiten je sechs der Apostel sich
befanden.“ Hermann
Dörries „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins“
* (Bertelsmann-Universal-Lexikon:
„Bis ins 3. Jahrhundert gab es im Christentum keinen Altar.“ Moderne Quellen
sagen, dass erst im 4. Jahrhundert Altäre in Gemeindehäusern
erschienen)
Dörries fügte eine Bemerkung Otto Weinreichs aus „Konstantin der Große“ an: „Wie die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag… stellte …man in die Mitte zwischen die zwei Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“ Er (Weinreich) versichert, „darüber kann kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden wollte und dass an dem Altar für ihn und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte.“
Es wird angenommen dies sei Hippolyt von Rom (165-235) der einzige von Rom heilig-gesprochene Gegenpapst, Freund des Origenes
Konstantin etablierte auch damit g e g e n Jesus seine eigene, von ihm erdachte „Gottesdienstordnung“ der er lediglich den christlichen Mantel umhängte. Das wiederum betrachtete Athanasius als seinen Sieg. Alle heutigen Gläubigen müssten sich, vor diesem Hintergrund, selbst fragen, wie es um den Wahrheitsgehalt ihre Bekenntnisse steht. Mancherlei Kurioses wurde schon zur christlichen Wahrheit erklärt. Aber Hippolyt von Rom erklärte vernunftgemäß, woran christliche „Wahrheit“ zu erkennen ist und sich messen lassen muss: „Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen die Taten der Liebe folgen“
Nicht enden wollende nachnicänische
Dramen und Tragödien
Athanasius, wo er konnte, mischte weiter kräftig mit, noch gab es ihn. Vor allem in seiner Heimatstadt Alexandria, wann und wo immer er die „trinitarische Neuheit“, auf Biegen und Brechen, als genuin urchristlich durchsetzen wollte fiel er unangenehm auf. Ihn ärgerten kursierende Briefe in denen geschrieben stand: Jesus war und ist und bleibt ein anderer, er ist und bleibt ein zweiter Gott! Das war der von der Mehrheit der „Origenisten“ unentwegt zitierte Satz den Athanasius hasste. Er wollte ihn löschen, ihn in Grund und Boder stampfen. Darum ging es. Er wird den Arianern unterstellen sie bestritten die Gottheit Christi. Arius war aus heutiger Sicht deutlich „Origenist!“ Origenes betonte ausdrücklich, dass er selbst nie von der Christuslehre der Kirche abwich… dass Christus von Ewigkeit her Gott war: „…der Sohn (ist) auf Grund seiner in ewiger Gegenwart * bestehenden Teilhabe am Leben Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott…“ Christoph Brun 2013 „Zur Gotteslehre des Origenes“
Trinitarier drehen immer noch an der
falschen Schraube, wenn sie behaupten: „Arius leugnete die Gottheit
Christi.“ kathPedia
2019
* Dominikaner Meister Eckhart
(1260-1328) sagte: „Der „Seelengrund“ jedes Menschen wurde nicht
erschaffen, er ist göttlich.“ Wiederholt führte er
aus: Es ist etwas in der Seele, das unerschaffen
und unerschaffbar ist;.“ Zitiert in „Primus articulus“ Artikel 27 von
28 der Bulle Johannes XXII.
Woher weiß er das? Eckhart
spekulierte nicht. Bei den „Mormonen“ findet sich derselbe Wortlaut. Lehre und
Bündnisse Abschnitt 93: 33-35 Ist hier eine Brücke?
Im Urchristentum, bei Origenes,
Arius, Wulfila u.a. Nicht-Trinitariern hieß es nur: Jesus ist dem Vater
nachgeordnet! Das ist Zweierlei. Der Rest ist Haarspalterei mit
bösem Ausgang für Millionen, nicht nur des Mittelalters…
Bereits zur Zeit seiner Heimkehr von
Nicäa durfte Athanasius erwarten, dass ihm sein Ruhm vorausgeeilt war. Nun sah
er sich im Besitz auch weltlicher Macht, aber davon konnte er nie genug
bekommen. Selbst im Militär müsste sich herumgesprochen haben, dass er, der
kleine dunkelhäutige Mann als des Kaisers Günstling Wertschätzung
verdiente.
Umgehend wollte und konnte er viele
aufwiegeln. Das Volk Alexandrias, einer Hafenstadt mit mehr als einer halben
Million Einwohner, war überwiegend heidnischer Gesinnung nicht weniger Rassen.
Alle sollten weithin seinem Einfluss unterliegen. Aber es gab gerade im
Großraum Alexandrias zahlreiche Arianer, nach seinem Geschmack all zu viele.
Niemand - soweit bekannt - hat die Einen wie die anderen gezählt. Doch die
Arianer ahnten schon, es kommt mit Athanasius ein gefährlicher Diktator auf,
und sie selbst werden bald hilflos dastehen. Man wusste ja, wie es ihren
Vorfahren erging. In allen Zeitaltern der Welt rangen Freie gegen
Gewaltherrscher, fast immer ohne Aussicht auf Erfolg. So wird es in ein paar
Jahren das Athanasius-Diktat geben.
Bedauerlicherweise sind nicht alle
Menschen entschlossen ihr Recht auf freie Entscheidung als absolut
unverzichtbar zu betrachten und zu verteidigen. Überall gibt es gewisse
Menschengruppen die winkender Vorteile wegen ihr Gewissen verkaufen, auch hier
und da sonst treue Arianer, denn das Individualrecht wird von vielen oft erst
nach seinem Verlust hochgeschätzt.
Doch immer gibt es starke Seelen die
nie aufhören sich zu sträuben und sich gegen das Diktatorische stemmen. Dann
kommt es zu seltsamsten Auswüchsen. „Von den 34 melitianischen
Bischöfen in Ägypten... hatte sich ein erheblicher Teil nach Nicäa (den durch Athanasius verkündeten
Neuheiten) nicht
unterworfen…die Melitianer ... erhoben Klage gegen die Gewalttätigkeiten
Athanasius...
334 ließ er eine Zusammenkunft
melitianischer Bischöfe und Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen...
Straßenkrawalle der christlichen Jungfrauen tobten...“ Athanasius wollte zweiter Mann in der
Kirche werden. „Der
Brief (Kaiser) Konstantins (nach dem Athanasius eine Vorladung
der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek als eine Fälschung
des Athanasius anzusehen.“ K. D. Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die
Kirche in der Geschichte“ ein Handbuch Vandenhoeck & Ruprecht, 1992 S. C
149 u 141-143
Athanasius überlebte alle Stürme in
den nächsten Jahrzehnten. „In seiner 45-jährigen Amtszeit als Bischof von
Alexandria wurde er insgesamt fünfmal offiziell abgesetzt und aus der Stadt
vertrieben.“ Katholisch.
de
„Ein wahres Spießrutenlaufen erlebte
Lucius,* einer der Gegenspieler des Athanasius, als er (Lucius) 367 die Stadt
verlassen musste. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers
ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde Lucius unter
militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet. Alle schrien mit einer Stimme
und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er abgeholt wurde, durch die
Stadt hindurch bis zur Wohnung des Militärbefehlshabers; sie stießen
Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der
Stadt“. Manfred
Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl.
2004 zitiert Athanasius, Historia Arianorum, 5,13
* Lucius war Arianer, wie sein
Vorgänger
Selbst wohlwollende Historiker sind
entsetzt zu sehen, was viele Jahrhunderte hindurch athanasianisch-trinitarische
Christen nach Nicäa denen antaten, die zu erkennen gaben, anderer Meinung zu
sein. In Sachen Ideologie oder Glauben darf diskutiert werden, aber
niemals Gefahr oder ein Grad der Degradierung angedroht werden wegen
abweichender Perspektiven auf Glaubensbilder. Genau das tun die Trinitarier
noch des 21. Jahrhunderts, sie legen den Kopf in den steifen Nacken: „Mormonen
sind keine Christen!“
Nachdem Kaiser Konstantin 337
verstarb, gab es in Reihen der verfolgten Christen arianischer Gesinnung Hoffnung,
- besonders für die im weiten Osten lebenden - das Thema rund um die
„Beschlüsse zu Nicäa“, würde nun, bis zur Bedeutungslosigkeit, heruntersinken.
Doch zunächst trat das Gegenteil ein.
Die Erben – zerstritten bis
in den Tod
Das geteilte Reich vom Westen nach Osten Konstantin II., Constanz, Dalmatius (Neffe K.) und Constantius II.
Des Kaisers Nachkommen
Konstantin II. (316-340)
links und Constanz (320-350)
Beide operierten raff- und
machtsüchtig im Stil ihres Vaters, bereit einander
auszuschalten. Und das, obwohl beide sich als fromme Katholiken ausgaben.
340 war es soweit: Konstantin II ging gegen Bruder Constanz zum Angriff über, -
er erhob Anspruch auf Gebiete, die ihm nicht zustanden – und verlor alles, auch
sein Leben. Bruder und Sieger Constanz gelangte dadurch in Besitz des
gesamten Westteils des Reiches und herrschte somit, nun überwiegend von Mailand
aus, über zwei Drittel des Reichsgebietes. Sonderbar, auch er betrachtete die
Kirche als Machtinstrument. Die Betonung liegt auf Instrument. Deshalb
hielt er später in Mailand wichtige Kirchensynoden ab, wie die von 345 und
347. Entschieden bekämpfte er alles was arianisch aussah. Zumindest
ideologisch gesehen war er a priori Feind seines Bruders Constantius II. (317-361).
Konstantin II. (316-340)
links und Constanz (320-350)
Schapur II. Constantius II. (317-361)
Constantius II ärgerte sich lediglich. Hatte er nicht genug Probleme mit äußeren Friedensfeinden wie den Großkönig Schapur?
Neu-Persien um 350
tiefgrün
Constantius Gebietsansprüche
grün
Constantius II. sah sich in der
Pflicht die Christen im Reich des rabiaten Persers zu schützen, insbesondere
seine Arianer. Es gab möglicherweise mehr als 1 000 Versammlungsplätze von
Arianern und Athanasianern innerhalb des Schapur-Reiches oder im Grenzbereich.
Unter dem Eindruck zahlreicher Hinrichtungen von Bischöfen - es wird von 16 000
Toten (Märtyrern) berichtet - rückten beide Gruppen näher zusammen, denn
gefährdet waren sie unterschiedslos, doppelte Steuerlast mussten sie tragen und
sie wurden miteinander von Schapur als 5. Kolonne Roms betrachtet, vierzig
lange Jahre hindurch. Constantius kümmerte sich um alles. Nun schrieb
man das Jahr 340. Er reiste, er hetzte hin und her. Während einer Schlacht
mit den Persern, in der er, Constantius II., der sonst Vorsichtige verwegen
selbst an der Spitze des Heeres kämpfte, erhielt er möglicherweise in einer
Gefechtspause Nachricht vom Gemetzel daheim. Beide Christenparteien gingen dort
massiv aufeinander los, wollten jeweils ihren Bischof auf den vakanten
Bischofsplatz Platz setzen. Alexander – der Mann der so mutig gebetet
hatte: Er oder Arius - war 98-jährig verstorben. Die vermutlich knapp 50
Prozent Katholiken unter den Christen der Hauptstadt erwiesen sich als heftigst
entschlossen. So wurde der Erzkatholik “Paulos I. von Konstantinopel, bereits …im Jahr 337 als Nachfolger
des Bischofs Alexander gewählt“ Athanasius hatte sich eingemischt. Die
Forschung bestätigt, dass Athanasius den Zank anstachelte. Er
hatte sich für Paulos I. eingesetzt. Aber die Arianer, der Unterstützung
Constantius gewiss, stürzten Paulos.
„Nach seiner Absetzung (um 339, zwei Jahre nach Konstantins
Tod) durch die Arianer floh Paulos I. von Konstantinopel nach Rom. Dort
traf er auf Athanasius, der sich ebenfalls im Exil befand. Beide suchten
Unterstützung bei Papst Julius I.. Der Papst bestätigte die Rechtmäßigkeit
beider Bischöfe (Athanasius für Alexandria und Paulos für
Konstantinopel) und forderte ihre Wiedereinsetzung. Diese gemeinsame
kirchenpolitische Front in Rom verband Athanasius untrennbar mit den
Streitigkeiten in Konstantinopel. Als Paulos 342 nach Konstantinopel
zurückkehrte, um seinen Thron gegen den arianischen Gegenbischof Makedonios I.
zu behaupten, kam es zu blutigen Unruhen, bei denen der kaiserliche
Heeresmeister getötet wurde…“ Britannica
Auch Katholik Constanz sah, dass er
den gegenseitigen Rangeleien und Gehässigkeiten ein Ende setzen musste. So
initiierte er: „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach
Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile … Bruder (Constantius
II.) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer
Teilnahme des verbannten Athanasius. Daraufhin verweigerten die
Orientalen ihre Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten
sich gegenseitig. Bei der nächstfolgenden Schlacht (im Jahr 342) um den
Stuhl von Konstantinopel soll es 3510 Tote gegeben haben...“ New Advent - kath. Webseite
Das war die Vollendung der 1.
Kirchenspaltung in Ost und West in Arianer und Katholiken, die nahezu 40 Jahre
später durch den katholischen Bischof Ambrosius von Mailand endgültig - auf
nachweislich unfaire Weise - . zementiert wurde.
Wir wissen, dass es 359 wesentlich
weniger als 400 abendländisch-nicänische
Bischöfe gab und höchstens noch einmal 400 morgenländische, aber unter den
insgesamt mehr als 2 000 befanden sich folglich mehr als 1 200 auf der
arianischen, der Seite der toleranteren. Noch 20 Jahre nach Konstantins
Tod waren zweidrittel aller Bischöfe Arianer.
Constantius stand zu Kompromissen
bereit, doch „... nach dem Sturz und frühen Tod des Constanz
* …350, suchte Athanasius bei dem Usurpator (Magnentius,
dem Mörder des Constanz) Unterstützung gegen Kaiser
Constantius II. Diese hochverräterischen Beziehungen kamen ans
Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2 Synodalbeschlüsse 353
und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“ A. Demandt „Geschichte der
Spätantike“, 2008
* Constanz hatte sich durch seine
tyrannische Art bei der regulären Armee extrem unbeliebt gemacht und wurde
ermordet.
Constantius II. wurde 351
Alleinherrscher. Es gab nun niemanden von entsprechendem Rang mehr, der ihm im
Weg stand, seine arianische Religion als allein wahre, reichsweit
durchzusetzen. 359 rief er die Bischöfe nach
Rimini.
Für Athanasius ging es um
Machterhalt. Er mischte sich, wie zu erwarten war, sofort wieder nach Kräften
ein. Mitglieder seiner Partei nannte ihn von nun an respektsvoll „Athanasius
gegen die Welt“ (Athanasius contra Mundum), zumal unter
aufmerksamen Augen des Constantius II. immer mehr Bischöfe zu den Arianern
hinüberwechselten. Viele sagten sich und anderen: Wie soll ich mir einem Gott
vorstellen, der gesichts- und gestaltloslos ist, der Einer ist und doch drei
sein soll?
Prof. Hans Lietzmann schildert den
Verlauf der Rimini-Synode lebhaft: „In Rimini kamen über 400
Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte, von dem
nicänischen Bekenntnis nicht abgehen zu können...“ Sie wurden nun
belehrt und schließlich kapitulierten die Trinitarier) … einer nach dem
anderen sah ein, dass er eigentlich gar keine Ursache habe, zum Märtyrer des
nicänischen Bekenntnisses zu werden. Es war ja freilich als Parole ausgegeben
worden, aber doch erst seit wenigen Jahren und nur zum kirchenpolitischen
Gebrauch: Im kirchlichen Leben des Abendlandes spielte es (das
Nicänum) gar keine Rolle, und wer konnte überhaupt diese
griechischen Spekulationen verstehen? (Vielleicht, war einer da, der darauf
verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen sich bald von anderen Männern trösten
lassen könnten. Sie waren ja fast ausnahmslos Verheiratete. G.Sk.) „Scharenweise
wechselten die milde gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20
Aufrechten übrig, aber auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint ist hier der antinizänische
Bischof Valens von Mursa G.Sk.) und sie schickten eine Erfolgsmeldung an den Kaiser,
sie möchten nun endlich nach Hause entlassen werden.“ Hans Lietzmann, „Geschichte der Alten Kirche“
So nun waren sie alle Arianer! Antitrinitarier,
Nicht-Orthodoxe, Nichtkatholiken.
Athanasius schäumte. „Diesen
Wisch von Rimini“ werde er vom Tisch fegen und so sollte es – allerdings
sehr, sehr allmählich - geschehen, auch infolge seines „guten“ Verhältnisses
zum „Papst“, und es gab weitere Gründe, aber alle nichttheologischer Art. Es
ging um Machtgewinn. So war es sieben Jahre später, im Herbst 366 in
Rom als Damasus Papst werden wollte. Er handelte nach dem Motto: Brechstangen
bewirken mehr als freundliche Worte. Bischof Ursinus musste hilflos mitansehen,
wie seine Gemeinde, im Herbst 366, physisch vernichtet wurde. Das gelang mit Unterstützung einer Bande von Mördern „Eine
Anzahl Arianer Roms (ging) am frühen Morgen des 26. Oktober des Jahres 366 in ihre kleine
Julii-Kapelle (heute: St. Maria in Trastevere)... Deshalb rückte „(um) acht Uhr morgens Damasus mit seinem gottlosen Anhang heran. ... mit (dem)
gesamten Klerus, alle mit Beilen, Schwertern
und Knitteln bewaffnet…“ Martin Rade lic. Theol. „Damasus,
Bischof von Rom“
Sie werden
doch nicht? Und ob, sie taten es! Schließlich musste aus Damasus Sicht Bischof
Ursinus daran gehindert werden Oberhaupt der Kirche zu werden. Mit Knüppeln und
Äxten fuhren sie dazwischen: Wer nicht nicänisch glaubte, sei kein Christ! ...
und wer anders als nicänisch-trinitarisch glaubt, lebt gefährlich. Damasus
Truppe „deckte das Dach der…
„Glaubensfeinde“ auf, dann warfen sie Steine auf die
„Anders-Christus-Gläubigen“ mit tödlicher Wirkung herunter. Nüchtern resümiert
der Chronist: „während kein einziger
Damasianer fällt, erliegen 160 Ursinaner.“ Martin Rade lic. Theol
„Damasus, Bischof von Rom“. Nun gab es nur noch Hass, den Damasus entzündet hatte. Seine Kirche verteidigt Damasus und sein Tun
bis heute. „(Damasus) musste sich gegen den
Minderheitskonkurrenten Ursinus behaupten. Er baute seine Vormachtstellung erfolgreich
als Nachfolger Petri aus, indem er die kirchliche Gerichtshoheit im Westen
ausübte.“ Text
offizielle Papstliste
Auf diese
Weise wurde Damasus höchster trinitarischer Christ. Er wurde schnell sehr
reich. Er überzeugte die vermögenden christlichen Damen ihr Testament zugunsten
der Kirche zu schreiben. So erhielt er vielerseits den Titel „Ohrenkitzler der
Damen“ (matronarum auriscalpius). Weil er den Trinitarismus hochleben ließ
und finanzielle Vorteile denen gewährte die ihm nicht widersprachen erreichte
er zunehmende Unterstützung. Es gibt zwar Aussagen Ursinus sei kein Arianer
gewesen, doch irgendwie erhebt sich der Verdacht, dies sei eine
Schutzbehauptung, denn das Gegenteil, könnte es bewiesen werden, würde heute
noch Rom erschüttern. Zeitgenosse Hieronymus, Damasus späterer
Sekretär, als Bibelübersetzer berühmt geworden, berichtet nur, dass „jener
Heide Prätextat“, der im Jahre 367 so energisch gegen die arianischen
Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen pflegte: „Macht
mich zum Bischof der Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!...Im Munde
des Prätextatus war das ein sehr bezeichnendes Wort, denn er war der erste und
reichste Senator und seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und
152 000 Thaler unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der
städtischen Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der
römischen Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um
die Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind,
kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu
reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und
so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der
königlichen Tafel zuvortun." M. Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“
Damasus reiste stolz mit einer
goldenen Kutsche durch die Großstadt!
Ein von Damasus gefördertes und von
seinen Freunden eingesetztes Gericht sprach den Multimillionär frei,
hochwahrscheinlich nach dem Motto: „Eine Krähe hackt der anderen kein
Auge aus.“ Auch die Urkundenfälscher, Steuereintreiber, Bettelmönche,
Ablasshändler vieler Jahrhunderte „leisteten“ ihre Beiträge zur Ausbeutung der
werteschaffenden Bevölkerung. Sie raubten unter jeweils frommen Vorwand die
letzten Pfennige der Witwen und Waisen. Auch das kennzeichnete den Abfall vom
Ideal. Mehr, - es war Abfall von Gott, die Ablehnung seiner Grundsätze der
Nächstenliebe in der Realität. Jesus sah es voraus und verurteilte den
Gruppenegoismus mit Blick auf die Praktiken einiger Pharisäer: „…sie
fressen der Witwen Häuser und wenden langes Gebet vor. Diese werden desto mehr
Verdammnis empfangen.“ Markus 12: 40
Das pro-katholische Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz urteilt großzügig: „Damasus
I., Papst, Heiliger, Sohn eines Priesters (eine interessante Randbemerkung
G.Sk.) Er
wurde am 1.10. 366 von der Mehrheit (? wo ist der Beleg dafür? G.Sk.) des Klerus zum Nachfolger des am 24.9. 366
verstorbenen Liberius gewählt, während eine Minderheit den Diakon Ursinus zum
Gegenpapst erhob. Es kam zwischen beiden Parteien zu blutigen Kämpfen. Auch
noch nach der Verbannung des Ursinus dauerten die Streitigkeiten an. Damasus
aber setzte sich durch mit Hilfe zweier Reskripte der Kaiser Valentinian I. und
Gratian, (?) die die römische Disziplinargewalt anerkannten
und die Mithilfe der staatlichen Beamten beim Vollzug kirchlicher Urteile
anordneten. Damasus bekämpfte den Arianismus…“
Damasus hatte den kürzesten Weg zum
Erfolg gewählt. Und wie er den Arianismus und noch mehr die Arianer
bekämpfte! Schlimm genug! Aber durch Massenmorde die Vormachtstellung
erringen?
Vormachtstellung! Das ist des
schwarzen Pudels Kern: und bist du nicht willig, so brauche ich
Gewalt… Doch „Gott ist nicht die 'Macht an sich' ... Macht an
sich ist böse. Der 'Allmächtige', das ist das Chaos, das Übel, das ist der
Teufel ... Dieser Rauschgedanke der Macht, das ist das Chaos, das
Tohuwabohu, das Gott ... nicht gewollt hat, als er den Himmel und die Erde
schuf." K.
Barth „Dogmatik im Grundriss“
Damasus nahm ein markantes Hitlerwort
vorweg: „Den Sieger richtet man nicht.“
Origenes (185-254) protestierte längst zuvor und mit ihm Joseph Smith (1805-1844) der erste Mormonenprophet
Origenes und Joseph Smith bestanden
auf Christi Wort: „Seid Friedensstifter“ Joseph Smith schrieb
aus dem Gefängnis zu Liberty, Missouri, nach monatelanger Haft, wegen nie
erwiesenem Hochverrat: “Die Rechte des Priestertums sind untrennbar mit
den Himmelskräften verbunden und können nur nach den Grundsätzen der
Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden…. doch wenn wir
versuchen unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu
befriedigen, oder wenn wir auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche
Gewalt, Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder
ausüben – siehe dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist
betrübt, und wenn er weggenommen wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der
Vollmacht des Betreffenden zu Ende...“ Lehre und Bündnisse 121 : 34-37 Was daraus folgt muss nicht betont
werden.
Joseph Smith gemäß Schilderungen seiner Zeitgenossen und nach seiner Totenmaske
Gewalt und Evangelium verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser oder wie Tieffrost zur Wärme. „Origenes lehrte, dass Gott den Menschen (und alle vernunftbegabten Wesen) mit einem freien Willen erschaffen hat, den er niemals gewaltsam bricht.“ Philipps-Uni Marburg
Christi Werk ist das der
Befreiung aller vom Joch des Müssens, der Abhängigkeit von Zwängen und wir
dürfen ihm dabei helfen, - eben so gut wie möglich: „Ich bin gekommen
den Gefangenen die Freiheit zu verkünden…“ Lukas 4
Dieser Satz bezieht sich sowohl auf
die Gefangenen die nun nachirdisch in der Geisterwelt unfrei sind oder waren,
als auch auf die Lebenden.
Den Frühchristen war wichtig zu
betonten, dass es darum geht stets die eigenen Freiheitsrechte einzusetzen
um „eine alle völkischen Unterschiede hinter sich lassende
Lebensordnung (zu schaffen!) ... (Erst) diese
Auffassung vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit bringt uns
die Loslösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen.“ Dialog des
Bardesanes bei Hans Lietzmann „Geschichte der alten
Kirche“ Deshalb finden wir „...de(n)
anti-autoritäre(n) Zug bei Origenes.“ Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“
CCH Canadian Limited Bd 2
Vor dem „allein wahren Gott“ waren
und sind wir alle gleichwertig und folglich gleichberechtigt.
Sogar noch Jahrhunderte nach Nicäa
galt die Peitsche Konstantins als ein ebenfalls für „Christen“ geeignetes
Mittel um Mitmenschen in Sachen des Glaubens zu reglementieren. 681, mit
dem 12. Konzil zu Toledo heißt es denn auch: „... reißt mit der Wurzel
die jüdische Pest aus... die jüdische Religion ist verboten! Allen Juden
Spaniens wird befohlen, sich binnen eines Jahres taufen zu lassen... wer der
Gnade der Taufe noch nicht teilhaftig wurde, wird mit einhundert Peitschenhieben,
dem Ausreißen des Kopfhaares... sowie der Landesverweisung bestraft... sein
Eigentum wird dem Herrscher zur Verfügung gestellt...“ Werner Keller „Und wurden zerstreut
unter alle Völker“.
Sowohl aus der Perspektive, eines
langjährigen Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage,
wie aus der Sicht zahlreicher Chronisten und Religionswissenschaftler von Rang,
steht fest: dem Nicänum musste wegen seiner massiven Drohungen gegen
Andersmeinende, wie jeder Großlüge, Unfreiheit, Gewalt, Finsternis und Elend
folgen. Traurig genug, dass es so kam. „Auf die Zeit der
Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die
Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durchleuchtende
Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...“ Ludwig Hertling S.J., „Geschichte der
katholischen Kirche bis 1740“
Zu viele Autoritäten die Briefe und
Regeln gegen andere schrieben ahmten Konstantin und seinem Wegbereiter
Athanasius nach. Bis heute wagen dies die Trinitarier insbesondere die der USA.
Es ist vervielfältigter Hass auf diejenigen die Konstantins Kirchenverständnis
ablehnten. Ungenießbare Früchte hinterließen die Orthodoxen in West und
Ost. Wo orale Gewalt nicht ausreichte erfolgten aus trinitarischen Händen
bis zu Beginn das 19. Jahrhunderts brutalste Strafen jener Art die nur kranke
Hirne ausdenken konnten.
Im Jahr 1808 während des Beginns des
Spanienkrieges Napoleons entdeckten französische Truppen in einem Klosterkeller
verwahrloste Opfer der Inquisition. Jedenfalls berichtet das der französischen
Oberst Charles Lehmanowsky. Das führte zum generellen Verbot dieser
kirchlichen Behörde durch Militärs. Das Schrecklichste vom
Schrecklichen begann „als von Papst Gregor IX. im Jahre 1231 die Inquisition
offiziell eingerichtet wurde, (so) begann endgültig die dunkle Zeit
des Terrors. Für Unbußfertige und Rückfällige wurde der Feuertod als Strafe
bestimmt.“ Henry,
Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“
Unvorstellbar grausam wurde eben
daraufhin der 600-jährige Krieg ! gegen Waldenser, Katharer, und Vaudois
geführt. Doch zu keiner Zeit erwogen die Kirchengewaltigen, ob durch
antichristliches Tun die apostolische Sukzessionskette abriss! Erst auf Druck
Englands setzte der König Sardiniens und Piemonts, Karl Albert, dem
scheußlichen Treiben der Kirche, 1848, durch politische Dekrete ein
Ende.
Es war keineswegs so, dass die
Ranghöchsten von sich aus Erbarmen gezeigt hätten. 1208 rief Papst Innozenz
III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. 20 000 Katharer wurden
hingemetzelt. Massacre
at Béziers
„In einer Bibliothek zu Marseille
liegt ein Almanach“, und
da steht ein positives Werturteil des berühmten Bernhard von Clairvaux (um 1090
– 1153) geschrieben. Bernhard verfasste es fünfzig oder sechzig Jahre vor dem
Mordbefehl des dritten Innozenz:
Zuerst stellte er den Nichtkatholiken
ein beachtliches Zeugnis aus: „... Es kann nichts Christlicheres geben,
als diese Häretiker... Ihre Worte stimmen mit ihren Taten überein. Ein
Waldenser betrügt niemanden, er bedrückt niemanden, seine Wangen sind bleich
vom Fasten, er isst nicht das Brot des Müßiggangs, seine Hände arbeiten
für seinen Lebensunterhalt.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im
Mittelalter, Bd. 1, S. 112
Derselbe Mann, athanasianisch
indoktriniert, „betrieb währenddessen durch zahlreiche Schriften,
Briefe und Predigten eine der kraftvollsten Kreuzzugspropaganda aller Zeiten.“ Jonathan Riley-Smith: „Die
Kreuzzüge“
Als er 1146 seine Predigtserie
startete formulierte Bernhard: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen;
noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet,
nützt er Christus. Die schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur
die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen jüdischen
Gemeinden.“ Ökumenisches
Heiligenlexikon
Ein Jahr zuvor wankte Bernhard noch:
Die von Hetzpredigern aufgestachelten Bürger Kölns, im Begriff die dort
erfolgreich missionierenden Katharer (bzw. Waldenser) in die Knie zu zwingen,
sollten keinen Bekehrungs-Zwang anwenden. Doch: „er billigt den
Eifer des Volkes, nicht seine Tat, denn der Glaube müsse durch
Überzeugung, nicht mit Gewalt ausgebreitet werden. Dennoch hält
auch er den weltlichen Arm für verpflichtet, das durch die Ketzerei Gott
angetane Unrecht zu rächen...“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter
Bd. 1, S. 246
Brutal schrieb Innozenz III., Herr
des 4. Laterankonzils: erneut und speziell gegen den Tritheismus der
Antitrinitarier gerichtet: „Weltliche Mächte, die sich an der
Ausrottung derer nicht beteiligten, die seitens des Papsttums als Ketzer
betrachtet wurden, werden nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres
werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst
gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei. Wer an den
Ketzerkreuzügen teilnimmt, genießt dieselben Privilegien wie ein
Jerusalemfahrer. Wer hingegen den Ketzereien anhängt, wer sie verteidigt, in
Schutz nimmt oder begünstigt, verfällt der Exkommunikation. Nach Ablauf eines Jahres
verliert er seine Rechtsfähigkeit, wird von der Erbfolge ausgeschlossen, Richter verlieren
ihre Jurisdiktionsgewalt, Kleriker ihre Ämter und Pfründen
...“ Kanon 3
Viertes Laterankonzil
Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658)
der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er
jedoch ablehnte und deshalb Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan
opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer
misshandelten Waldenser eingesetzt. Noch zu seiner Zeit „wurden sie
gezwungen rot-glühendes Eisen in die Hand zu nehmen“ „Gottesurteile im Mittealter“ 2017
Was hatten sie verbrochen? G e m e i n s a m lehnten die unterschiedlichen „Nebenkirchen“ und ihre zahlreichen Mitglieder das komplette Kirchensystem des Mainstreams ab. Es war die Weigerung eine Religion anzuerkennen die Gewalt gegen jeden übte, der ihre Messen mied. Die Hand des vermutlichen Delinquenten wurde verbunden, nachdem der „Ketzer“ einige Schritte mit dem erhitzten Eisen ging. Nur wenn die Wunde nach wenigen Tagen geheilt aussah, galt die Person als „unschuldig“. Erst 1750 wurden Verfahren dieser Art verboten.
Man nannte es das Gottesurteil
Teilweise wird immer noch bestritten,
dass es vor dem Kaufmann Petrus Waldus (1140-1218) Waldenser gab. Aber die uns
zugänglichen historischen Karten sagen etwas völlig anderes. Nicht wenige
Tatsachen wurden von trinitarischen Historikern auf den Kopf gestellt. Nicht
wenige ihrer Legenden logen, widersprachen sich selbst.
Die verschiedenen antikatholischen,
antitrinitarischen Gruppen hingegen übten nie Gegen-Gewalt, es sei denn sie
wurden mit ihren Familien bis zum Abgrund getrieben. Einige ihrer Lehren
differierten etwas voneinander, aber nur geringfügig, diese Kleinigkeit scheint
ihr einzigen Fehler zu sein. Doch die zahlreichen Übereinstimmungen sind
beachtlich. Jede der tausenden Gemeinden der Katharer, Waldenser, oder Vaudois,
Albigenser, Bogomilen usw. waren zwar bemüht am traditionellen Lehrgut
festzuhalten, dennoch kam es jeweils zu Überbetonungen einzelner theologischer
Themen. So zum Beispiel zur biblischen Schöpfungsgeschichte: „Ich habe
gehört, dass es eine christliche Splittergruppe Italiens gab, die Bagnolesen.
Sie behaupteten, ihre Schöpfungslehre stamme aus Apostelzeiten, und die
sagt: “nachdem Gott das Weltall schuf, überließ er die Lenkung der
Dinge der Natur.“ Henry Charles Lea „Geschichte der Inquisition im
Mittelalter
Interessant ist ein Satz im Kanon der
„mormonischen“ Schriften der Beachtung verdient: „Und die Götter hatten
acht auf die Dinge, denen sie (im Prozess der Schöpfung) befohlen hatten, bis die Dinge
gehorchten.“ Köstliche
Perle Abraham 4: 18
Mehr dazu: Origens (185-254) der
Sprecher der Urkirche lehrte, dass die Schöpfungsgeschichte in Weltperioden
ereignete, nicht in 6 Erdentagen, dasselbe lehrt der Text
von Köstliche Perle Abraham 4
Katharer, Waldenser und die Vaudois
erzielten um 1200 große Gewinne. Sie bildeten damals eine echte –
und aus Sicht der Katholiken hochgefährliche - Konkurrenz zur römischen Kirche.
Roms oberster Bischof glaubte reagieren zu müssen. „Der Erlass des Lucius
III. auf dem sogenannten Konzil von Verona 1184 gebot allen Machthabern, vor
ihren Bischöfen eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen und weltlichen
Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten. Jede Weigerung
oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit
ein anderes Amt zu bekleiden, bestraft werden… Die nächste
Antwort ... war die Gründung des Predigerordens der Dominikaner um 1216. So
unternahm es die Kirche, die weltlichen Herrscher zur Verfolgung zu
zwingen." Henry, Ch.
Lea "Geschichte der Inquisition im Mittelalter" Bd
Da ist nichts gut-zu-reden. Überall
lobte dagegen das einfache Volk die Missionare der von
führenden Trinitariern verfluchten „Neben-Kirchen“. Wenn sie deren Predigten
lauschten verstanden selbst die Geringsten um was es ging. In den römischen
Kirchen wurde seitdem 6. Jahrhundert fast nur lateinisch gesprochen. Das kam
den Waldensern zugute. Selbst die messelesenden verstanden nicht was sie daher
beteten. Auch später sah die Lage für die einfachen Menschen katholischen
Glaubens nicht günstiger aus: „Es gab Kirchenfürsten und Äbte die kein
Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel besser
erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den Pfarrgeistlichen, denen
vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn sie beim Gottesdienst
Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so buchstabierten sie mürrisch, ohne
Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen
selbst war barbarisch, was sie
beteten, und das galt für natürlich, weil jeder Müßiggänger und faule Bauch
sich in den Priesterstand drängte … Der Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer
Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz (1414 bis 1418) vor den Kirchen-fürsten
und der ver-sammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere
Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel
verfallen ist.“
Gustav Freytag, „Bilder aus der
deutschen Vergangenheit“
Evangel.
Gesamtverband Oberweser Waldensergemeinden um 1200
Schon zuvor schlug Rom einen
Doppelweg ein. Erstens mit dem 4.
Laterankonzil unter Innozenz III. 1215 den militärischen, dann den
anerkennenswerten: den eher diplomatischen, durch geschickte Werbung. Der
friedliche Weg ist zeitgleich bestückt mit neuer Kirchen-Bauweise: statt der
plumpen romanischen übernahm man aus französischen Vorbildern den gotischen,
den nun schon hochgotischen Stil. So entstand der Magdeburger Dom, grundgelegt
1209. Der Predigerorden der Dominikaner wurde sieben Jahre später ins Leben
gerufen. Nichtsdestoweniger gedieh der Arianismus weithin, weil er einleuchtend
daherkam, im Gegensatz zu den rätselhaften Erklärungen der Anderen. „In
Polen erlebte der Antitrinitarismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
seine intellektuelle Blüte, bevor er durch die Gegenreformation gewaltsam
zerschlagen wurde.“ Die sozinianischen Briefwechsel
Nichts ist wohl verwerflicher als
Grobschlächtigkeit im Namen Christi die sich mancherorts an Redlichen widerlich
austobte. Was blieb danach an christlicher Substanz übrig?
Zeremonien in Fülle, den Geist der
Erleuchtung, der Geistesfreiheit, der Brüderlichkeit gab es in vielen
Jahrhunderten selten oder gar nicht mehr. Isaac Newton konnte am Trinitarismus
nicht ein Haar Gutes entdecken, obwohl oder weil er sich innigst über Jahre mit
dessen Geschichte befasste. Die in Opposition stehenden wurden nicht nur über
den halben europäischen Kontinent getrieben, sondern oft, zu oft mit dem Verlust
ihres Lebens bedroht. Erst Papst Johannes XXIII. bat mit Vatikanum II, 1965, die
Juden um Vergebung und Papst Franziskus demütigte sich, 2015, bis in den Staub
als er die Waldenser in Turin in ihrer Hauptkirche aufsuchte. „Ich
bitte euch vonseiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene
unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der
Geschichte gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebt uns!“ Domradio.de
Er ist es, den wir lieben!
Soweit ging nur er.
Die Synode der Waldenser erwiderte,
dass die Vergebungsbitte mit „tiefem Respekt und innerer Bewegung“ angenommen
wurde. Es sei ihnen jedoch „nicht erlaubt, für diejenigen zu sprechen, die mit
Blut und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben,
und an ihrer Stelle zu verzeihen“. Aus waldensischer Sicht liegt
diese Vergebung allein bei Gott und den Opfern selbst.“ Radio ORF
Zur Gesamtgeschichte gehört der
Überblick vom zeitgleichen Wirken des katholischen Mailänder Bischofs Ambrosius
und das des Arianers Wulfilas. Sie sind im weitesten Sinne des Wortes: Väter,
der Erste ist mit Befürwortung der Religionsunfreiheit, - zielgerichtet
kontra Arianismus - Urheber des mittelalterlichen Kirchentums, der Zweite
pflanzte den Arianismus in aufnahmebereite Herzen und Köpfe.
Es scheint aus naheliegenden Gründen
deutlich, dass hier direkte Verbindungen zu Waldensern und Katharern verlaufen. Es wäre
andernfalls unwahrscheinlich, dass die noch um 540 in Norditalien siedelnden,
dann von Kaiser Justinian geschlagenen arianischen Ostgoten, sonst ausweglos,
in Alpentälern überlebten und irgendwann trafen sich deren Kindeskinder und die
Vorläufer der Waldenser.
Arius unter den „Siegerfüßen“. Im griechischen Kloster Mégalo Metéoron soll und will dieses Gemälde darlegen was in Nicäa wirklich geschah:
Die
Giralda ist das Wahrzeichen der Stadt Sevilla
„Giraldillo ist die den
(christlichen)
Glauben darstellende
weibliche Figur mit der Fahne Konstantins.“ Baedekers
Reiseführer, Spanien, 5. Auflage, 1992. S. 584
Die
Giralda ist zugleich und ungewollt für die Betroffenen das Symbol der
Geschichte des königlichen Wortbruches der Vertreibung von 800 000 Mauren aus
Spanien, sowie
der Ausgrenzung der Juden. Beide Aktionen, zwischen 1492 und 1609 unter dem
Kreuz ausgeführt, gehören zu den schändlichsten in der Historie der
„Christen“heit. Bezeichnend ist, dass der Hauptschuldige, Erzbischof Don Juan
de Ribera, Valencia, durch Papst Pius VI., am 18. September 1796, für dieses
Verbrechen und seine Intoleranz „selig” gesprochen wurde. Die ehemalige Moschee
wurde umgebaut Nun ist sie die größte Kathedrale der Christenheit (Catedral de
Santa María de la Sede) in Spanien.
Konstantin
stellte die Bischöfe steuerfrei, schränkte den Zugang zum Priestertum ein.
Er bestimmte fortan die Regeln, wer
und ob jemand das zuvor jedem würdigen Mann zustehende Priestertum erhielt.
„Konstantin
(hatte mit und in Nicäa) die
Verfügung getroffen, Angehörige des Klerikerstandes
generell von curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der Curiales (den
Stadtadel) dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen abzustreifen
und eine Position im Klerikerstand anzustreben.“ Jörg
Köpke „Die
italischen
Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft (490 – 552) 2006
Schon bald nach Nicäa kam es zu regelrechten
Wettrennen um einen Bischofssitz. „Ein Posten im höheren Klerikat, speziell die
Bischofswürde, offerierte dem
Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen, auch wenn
sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs befanden.
Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das Eintreiben
der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an die Kirche
zu verlieren…“. Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter
ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006 Nicht wenige Reiche brachten den Geist der
Vorteilsuche in die Kirche. Schon ihre Gesichter verrieten sie. Es tat der
Kirche nicht gut, dass es nun eher um den Genuss der Privilegien ihrer Bischöfe
ging, als um das eigentlich Christliche.
Steuerflucht durch Taufe, galt zwar als Straftatbestand, aber niemand
konnte den Trend brechen… Die „Privilegierung der Kleriker führte...
unmittelbar zur Beschränkung des Zugangs zum Priestertum.“ J. Martin „Spätantike und Völkerwanderung“ Oldenburg, 2001
Aus wohlweislich ehrenamtlicher
Kirchen-Arbeit bezahlte zu machen, war ein Vergehen ersten Grades. Wenn ein
Priester vom Brotgeber abhängig wird, weiß man nie ob er dessen Lied singt oder
das des Christus. Um 220 tadelte Hippolyt die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer in Rom die ihrem Bischof
ein Gehalt als Aufwandsentschädigung zahlte.
„Das sei eine gräuliche Neuerung.“ Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde
Hippolyts“
Eingriffe wie diese änderten natürlich
die seit Apostelzeiten bewährten Gemeindestrukturen. Vornicänisch erlangten mit
den Jahren die fast erwachsenen Jungen nacheinander,
die niederen, die aaronischen Priestertumsgrade, zuerst das Aaronische, dann
das höhere, das Melchizedekische - lt Hebräerbrief 5. „Bei der Ordination von Diakonen durch den Bischof verspricht dieser,
wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann er später das erhöhte Priestertum empfangen...“ Jungklaus,
Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts“
Das gehörte zum Prozess der Vervollkommnung
jedes Einzelnen: „Ihr aber seid das
auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk
des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch
berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht." 1.
Petrus 2: 9
Hinzugefügt werden muss, dass die Dokumente
eine organisierte Mitarbeit der Frauen zu Hippolyts Zeiten bestätigen.
Allerdings konnten Frauen nicht Älteste und Priester werden. Handelte es sich
doch um „ein Rollenspiel (eine
Symbolrolle) In ihm vertritt der Priestertumsträger Jesus und der war ein
Mann.“ Kardinal Lehmann 1992 Sogar Luther verstand es erstaunlicherweise
nicht. Er meinte, jedes getaufte
Mitglied der Kirche trägt diese Würde (des Priestertums) von Geburt an. Wer
aber traf jemals einen nicht professionellen Protestanten, der sich selbst für
einen Priester hielt?
Das Denken im protestantischen Raum, „ich kann nichts zu meiner Erlösung
beitragen“, würgt zusätzlich nahezu jegliche Eigeninitiative der Laien zur
Bewahrung der Evangeliums-Grundwerte ab. Die Erwählung des paulinischen „sola
gratia“, zum Generalmotto, bremst obendrein. Wozu „Kirche“ überhaupt? Gute
Gesellschaft findet man doch in seinem Klub. Der aktuelle Mitgliedeschwund
hängt auch damit zusammen. Vor 325 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’.
Inthronisierungen gab es, frühestens im 5. Jahrhundert und zunehmend
feierlicher ab dem 11.
Schon zu Zeiten der Diskussionen in
Nicäa sah der Kaiser voraus, dass er sich und seiner Armenkasse eine zu schwere
Bürde auflädt und brachte das Zölibat ins Spiel. Zu viele Priester würden fortan praktisch
Gehaltsempfänger, denn seine Kirche, sobald sie vom Staat geförderte
Institution ist, wird ins Unermessliche wachsen, zumal man da „absahnen“ kann.
Konstantin legte seine Absicht offen. Daraufhin gab es Widerstand. „Bischof Paphnuties erhob sich ”. 17
Jahre zuvor wurde ihm, seines Glaubens wegen, ein Auge ausgestochen, sowie die
Sehnen der linken Kniekehle durchgetrennt. Er rief “mit lauter Stimme, man soll den Priestern und Geistlichen kein so
schweres Joch auferlegen und durch zu große Strenge der Kirche keinen Nachteil
schaffen. Er sagte, die Ehe sei ehrbar und … nannte den ehelichen Beischlaf
Keuschheit... die Worte des Mannes wirkten.” Leonhardt Martin Eisenschmid
"Über die Unfehlbarkeit des ersten allg. Konzils zu Nicäa"
Konstantin sah andererseits deutlich,
dass Bischöfe in seinem Dienst, ihrer Staatstreue wegen, belohnt werden
müssen.
Kaiser Julian (Apostata), Neffe Kaiser Konstantins, verlangte später
die Rückzahlung der Beträge... „das ergab
natürlich ein lautes Klagen.“
Die finanzielle Sonderstellung der ‚Kleriker’
musste auch das nichtchristliche Volk bezahlen. „Konstantin hatte im Jahre 326 eine Gold- und Silbersteuer eingeführt,
die auri lustralis collatio oder auch chrysargyrion genannt wurde, die jeder
zahlen musste, der ein Gewerbe betrieb. Sie wurde zunächst alle fünf, im 5. Jh.
alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr. die
Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken führte.
… Reiche Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten, setzten sich
über See ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem Werkzeug, mit dem
er sich kaum ernähren konnte...Hunde setzten die Steuereintreiber den
fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so dass es sogar vorkam, dass Eltern
ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen mussten, um die Steuer aufzubringen.“ Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des
spätantiken Kleinasiens Fr. Schiller Uni, Jena
Für alle drängte sich nach der
Heimkehr der Konzilsteilnehmer die berechtigte Frage auf:
Ist
Konstantin der vorhergesagte Anti-Christ?
Sie wiesen auf eine Prophezeiung des Paulus
hin: Es kommt „…der Mensch der Sünde, das
Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt
über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den
Tempel
Gottes
als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“ 2. Thess. - Kapitel 2: 3
Der Bibelkommentar zu diesem Text
lautet: „Die Wendung, sich in den Tempel
Gottes
setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist Gott verdrängen
und sich an seine Stelle setzen will…Der Verfasser rechnet damit, dass der
Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers, in nächster Zukunft zu einer
schweren Verfolgung der Kirche führen wird.“ Präambel zur „Offenbarung des Johannes“, Einheitsübersetzung 1980 Man kann nicht leugnen, dass „…Er (Konstantin) sich ... Gott gleich stellte …“ Bettina von Engel Vortrag „Konstantin
und seine Familie in Trier“
Konstantins Ende
Einiges das Athanasius bald nach Nicäa
trieb, gefiel selbst dem Kaiser nicht. Ob es wahr ist, dass er mit den Reedern
Alexandrias kungelte, ob man Konstantinopel und damit den Kaiser eventuell
unter Druck setzen könnte, weil er Athanasius angeblich kritisiert haben soll?
Es ginge um die notwendigen Weizenlieferungen, behaupteten einige seiner
Gegenspieler … Athanasius zuvor schon übergriffig, wurde 328 Bischof in
Alexandria. Konstantin hörte schon wenige Monate nach Nicäa die Berichte von
Unruhen dort. Athanasius spielte sich auf. Bald wendet der Imperator das Blatt.
Er lobt die Verhaltensweise der Arianer und äußert sich in Richtung Versöhnung
mit Arius. Diese Sinnesänderung hängt auch damit zusammen, dass Konstantins
Halbschwester Constantia jahrelang freundschaftliche Beziehung zu Eusebius von
Caesarea unterhielt, der ein Arianerfreund war und als ihr Berater galt.
Konstantin musste sich zudem von Constantia Vorhaltungen und schweren Tadel
gefallen lassen. Er hätte ihr seine Eide zugunsten des Lebens ihres von ihm
eingekerkerten Ehemannes Licinius und ihres Sohnes Licinius II. geleistet, die
er 325 und 326 brach, indem er sie töten ließ, weil er fürchtete, sie würden
eines Tages gegen ihn rebellieren und ihm die Allmacht entreißen. Constantia
könnte auch von dem Verdacht getrieben gewesen sein, dass Konstantin ihren
Neffen, Crispus, seinen eigenen Sohn, umbringen ließ, weil der als Unterkaiser
nach mehreren Gefechten und Schlachten zu viel Ruhm aus Reihen der höchsten
Legaten (heute: Generäle) geerntet hatte. Das war Mord, Mord auch an seiner
Ehefrau Fausta, weil sie sehr wahrscheinlich zankten. Fausta musste zuvor
erleiden, dass ihr Ehemann ihren Vater Maximian erwürgen ließ und bald darauf
Bruder Maxentius erledigte, dann gebot er ihr, dass sie auf den Lateranpalast
verzichten muss. Dieses Schmuckstück wollte er nach seinem Sieg über Maxentius
der Kirche schenken. Seinen extremen Machtwillen schweigend zu ertragen war für
Fausta irgendwann unmöglich geworden. Der Kaiser duldete keinen Widerspruch.
Wahrscheinlich wurde ihm nach und nach
bewusst, dass die ihm prophezeiten 30 Jahre der Regentschaft rapide abliefen.
Der Kaiser zeigte sich jedenfalls gegen sein Lebensende noch entschiedener
gewillt Frieden mit Arius dem Erzketzer zu schließen. Für ihn selbst würde sich
sowieso nichts Wichtiges ändern, außer, dass die arianisch gesinnten
Staatsbeamten in ihrer Kaisertreuen gefestigt würden. Andererseits musste er den hitzigen und
raubeinigen Diakon Athanasius wegen ständiger Kompetenzüberschreitung und Unruheschürung
maßregeln. Das geschah denn auch 335. Dem ging voraus, dass „die Anhänger des Arius … und die Fraktion
der Meletianer Athanasius tyrannisches Verhalten, die Erpressung von Steuern,
die Schändung … und sogar den Mord an einem meletianischen Bischof vorwarfen.“
St. Athanaius Battle Against Arianism
Der hochbetagte Metropolit Alexander
von Konstantinopel, - Konzilsteilnehmer, 325 in Nicäa, - fühlte sich im
Seelengrund erschüttert. Das ging ihm gegen den Strich. Er wird Arius nicht
rehabilitieren, dass er Arius sogar feierlich zurück in die Gemeinschaft der
Orthodoxen zu führen habe, war eine Zumutung. Arius hingegen war versöhnlich
eingestellt. Einen Tag zuvor brach er
infolge einer Kolik zusammen und verstarb auf der Straße. Umgehend kursierten Gerüchte.
Berichtet wird, dass dieser fanatische
Herr Alexander kurz vorher in seiner Basilika zu Konstantinopel laut gebetet
hatte „…dass entweder er oder Arius aus
der Welt entfernt würden“ Sokrates Scholastikus Kirchengeschichte I
XXXVIII.
Es erhoben sich, seitens seiner
Kritiker, bittere Fragen ob einer der Ariushasser des willfährigen Klüngels des
Alexander, diese an Gott gerichtete Bitte als Auftrag zum Mord verstand.
Immerhin, die Symptome, die den jähen Tod des Ältesten Arius verursachten
weisen auf eine Vergiftung durch weißes Arsen hin.
Konstantin sah wie schnell nun seine letzten
Tage verliefen. Es heißt: „Er selbst hat … den Platz (seiner
letzten Ruhestätte) ausersehen... Die
eigentliche Beisetzung wird dann durch (Sohn) Constantius vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg
in die Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen, dass der Wert der Gebete,
die hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugutekommen. Deshalb
ordnete er an, hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten
hinein... *... Zwölf Grabmäler wie
heilige Säulen richtete er dort auf zu Ehren und zum Gedächtnis des
Apostelchors; in die Mitte aber stellte er seinen eigenen Sarg, auf dessen
beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden.“ Hermann
Dörries „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins“
* (Bertelsmann-Universal-Lexikon: „Bis ins 3.
Jahrhundert gab es im Christentum keinen Altar.“ Moderne Quellen sagen, dass
erst im 4. Jahrhundert Altäre in Gemeindehäusern erschienen)
Dörries fügte eine Bemerkung Otto Weinreichs
aus „Konstantin der Große“ an: „Wie die
Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die
ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag… stellte …man in die Mitte zwischen die zwei
Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“
Er (Weinreich) versichert, „darüber kann
kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden
wollte und dass an dem Altar für ihn und die Apostel Gottesdienst abgehalten
werden sollte.“
Konstantin etablierte auch damit g e g e n
Jesus seine eigene, von ihm erdachte „Gottesdienstordnung“ der er lediglich den
christlichen Mantel umhängte.
Das wiederum betrachtete Athanasius
als seinen Sieg. Alle heutigen Gläubigen
müssten sich, vor diesem Hintergrund, selbst fragen, wie es um den
Wahrheitsgehalt ihre Bekenntnisse steht.
Mancherlei Kurioses wurde schon zur
christlichen Wahrheit erklärt. Aber Hippolyt von Rom erklärte vernunftgemäß,
woran christliche „Wahrheit“ zu erkennen ist und sich messen lassen muss: „Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen die
Taten der Liebe folgen“
Es wird angenommen dies sei Hippolyt von Rom
(165-235) der einzige von Rom heilig-gesprochene Gegenpapst, Freund des
Origenes:
Nicht enden wollende nachnicänische Dramen und
Tragödien
Athanasius, wo er konnte, mischte weiter kräftig mit, noch gab es ihn. Vor
allem in seiner Heimatstadt Alexandria, wann und wo immer er die „trinitarische
Neuheit“, auf Biegen und Brechen, als genuin urchristlich durchsetzen wollte
fiel er unangenehm auf.
Ihn ärgerten kursierende Briefe in
denen geschrieben stand: Jesus war und ist und bleibt ein anderer, er
ist und bleibt ein zweiter Gott! Das war der von der
Mehrheit der „Origenisten“ unentwegt zitierte Satz den Athanasius hasste. Er
wollte ihn löschen, in Grund und Boder stampfen. Darum ging es ebenfalls, den Arianern frech zu
unterstellen sie bestritten die Gottheit Christi. Arius war aus heutiger Sicht deutlich
„Origenist!“ Origenes betonte ausdrücklich, dass er nie von der Christuslehre
der Kirche abwich… dass Christus von Ewigkeit her Gott war: „…der
Sohn (ist) auf Grund seiner in ewiger Gegenwart
*bestehenden Teilhabe am Leben Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott…“ Christoph
Brun 2013 „Zur Gotteslehre des Origenes“
Trinitarier drehen an der falschen Schraube,
wenn sie behaupten: „Arius leugnete die
Gottheit Christi.“ kathPedia 2019
*
Dominikaner Meister Eckhart (1260-1328) sagte: „Der „Seelengrund“ jedes
Menschen wurde nicht erschaffen, er ist göttlich.“ Wiederholt führte er aus: Es
ist etwas in der Seele, das unerschaffen und unerschaffbar ist;.“ Zitiert
in „Primus articulus“ Artikel 27 von 28 der Bulle Johannes XXII.
Woher weiß er das? Eckhart spekulierte nicht.
Bei den „Mormonen“ findet sich derselbe Wortlaut. Lehre und
Bündnisse Abschnitt 93: 33-35
Ist hier eine Brücke?
Im Urchristentum, bei Origenes, Arius,
Wulfila u.a. Nicht-Trinitariern hieß es nur: Jesus ist dem Vater
nachgeordnet! Das ist Zweierlei. Der
Rest ist Haarspalterei mit bösem Ausgang für Millionen…
Bereits zur Zeit seiner Heimkehr von
Nicäa durfte Athanasius erwarten, dass ihm sein Ruhm vorausgeeilt war. Nun sah
er sich im Besitz auch weltlicher Macht, aber davon konnte er nie genug
bekommen. Selbst im Militär müsste sich herumgesprochen haben, dass er, der
kleine dunkelhäutige Mann als des Kaisers Günstling Wertschätzung
verdiente.
Umgehend wollte und konnte er viele
aufwiegeln. Das Volk Alexandrias, einer Hafenstadt mit mehr als einer halben
Million Einwohner, war überwiegend heidnischer Gesinnung nicht weniger Rassen.
Alle sollten weithin seinem Einfluss unterliegen. Aber es gab gerade im
Großraum Alexandrias zahlreiche Arianer, nach seinem Geschmack all zu viele.
Niemand - soweit bekannt - hat die Einen wie die anderen gezählt. Doch die
Arianer ahnten schon, es kommt mit Athanasius ein gefährlicher Diktator auf,
und sie selbst werden bald hilflos dastehen. Man wusste ja, wie es ihren
Vorfahren erging. In allen Zeitaltern der Welt rangen Freie gegen
Gewaltherrscher, fast immer ohne Aussicht auf Erfolg. So wird es in ein paar
Jahren das Athanasius-Diktat geben.
Bedauerlicherweise sind nicht alle
Menschen entschlossen ihr Recht auf freie Entscheidung als absolut
unverzichtbar zu betrachten und zu verteidigen. Überall gibt es gewisse
Menschengruppen die winkender Vorteile wegen ihr Gewissen verkaufen, auch hier
und da treue Arianer, denn das Individualrecht wird oft erst nach seinem
Verlust hochgeschätzt.
Doch immer gibt es starke Seelen die
nie aufhören sich zu sträuben und sich gegen das Diktatorische stemmen. Dann
kommt es zu seltsamsten Auswüchsen. „Von den 34 melitianischen
Bischöfen in Ägypten... hatte sich ein erheblicher Teil nach Nicäa nicht
unterworfen...
In Sachen Ideologie oder
Glauben darf diskutiert werden, aber niemals Gefahr oder ein Grad der
Degradierung angedroht werden wegen abweichender Perspektiven auf
Glaubensbilder. Genau das tun die Trinitarier noch des 21. Jahrhunderts, sie
legen den Kopf in den steifen Nacken: „Mormonen sind keine Christen!
Das ist Dehumanisierung.
…die Melitianer ... erhoben Klage gegen
die Gewalttätigkeiten Athanasius... 334 ließ er eine Zusammenkunft
melitianischer Bischöfe und Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen...
Straßenkrawalle der christlichen Jungfrauen tobten...“
Athanasius wollte zweiter Mann in der Kirche werden. „Der
Brief (Kaiser) Konstantins (nach dem
Athanasius eine Vorladung der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek
als eine Fälschung des Athanasius anzusehen.“ K. D. Schmidt, E. Wolf
und R. Lorenz „Die Kirche in der
Geschichte“ ein Handbuch Vandenhoeck & Ruprecht, 1992 S. C 149 u 141-143
Athanasius überlebte alle Stürme in den nächsten Jahrzehnten. „In seiner 45-jährigen Amtszeit als
Bischof von Alexandria wurde er insgesamt fünfmal offiziell abgesetzt und aus
der Stadt vertrieben.“ Katholisch. de
„Ein wahres Spießrutenlaufen
erlebte Lucius,* einer der Gegenspieler des Athanasius, als er (Lucius) 367 die Stadt
verlassen musste. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte,
wurde Lucius unter militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet. Alle
schrien mit einer Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er
abgeholt wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des
Militärbefehlshabers; sie
stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der Stadt“. Manfred Clauss
„Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2. Aufl. 2004 zitiert
Athanasius, Historia Arianorum, 5,13 * Lucius war Arianer, wie sein
Vorgänger
Selbst wohlwollende Historiker sind entsetzt
zu sehen, was viele Jahrhunderte hindurch athanasianisch-trinitarische Christen
nach Nicäa denen antaten, die zu erkennen gaben, anderer Meinung zu sein.
Nachdem Kaiser
Konstantin 337 verstarb, gab es in Reihen der verfolgten Christen Hoffnung, -
besonders für die im weiten Osten lebenden - das Thema rund um die „Beschlüsse
zu Nicäa“, würde nun, bis zur Bedeutungslosigkeit, heruntersinken. Doch
zunächst trat das Gegenteil ein.
Die Erben – zerstritten bis in den Tod
Das geteilte Reich vom Westen
nach Osten Konstantin II., Constanz, Dalmatius (Neffe K.) und Constantius II.
Des Kaisers Nachkommen,
Konstantin II. (316-340) links und Constanz (320-350)
Beide operierten raff-und machtsüchtig im Stil ihres Vaters, bereit einander auszuschalten. Und das, obwohl beide sich als fromme Katholiken ausgaben. 340 war es soweit: Konstantin II ging gegen Bruder Constanz zum Angriff über, - er erhob Anspruch auf Gebiete, die ihm nicht zustanden – und verlor alles, auch sein Leben. Bruder und Sieger Constanz gelangte dadurch in Besitz des gesamten Westteils des Reiches und herrschte somit, nun überwiegend von Mailand aus, über zwei Drittel des Reichsgebietes. Sonderbar, auch er betrachtete die Kirche als Machtinstrument. Die Betonung liegt auf Instrument. Deshalb hielt er später in Mailand wichtige Kirchensynoden ab, wie die von 345 und 347.
Entschieden bekämpfte er
alles was arianisch aussah. Zumindest ideologisch gesehen war er a priori Feind
seines Bruders Constantius II. (317-361).
Schapur II. Constantius II. (317-361)
Constantius II ärgerte sich lediglich.
äußeren Friedensfeinden wie den Großkönig Schapur?
Neu-Persien um 350 tiefgrün
Constantius Gebietsansprüche grün
Constantius II. sah sich
in der Pflicht die Christen im Reich des rabiaten Persers zu schützen,
insbesondere seine Arianer. Es gab möglicherweise mehr als 1 000
Versammlungsplätze von Arianern und Athanasianern innerhalb des Schapur-Reiches
oder im Grenzbereich. Unter den
zahlreichen Hinrichtungen – es wird von 16 000 Toten (Märtyrern) berichtet -
rückten beide Gruppen näher zusammen, denn gefährdet waren sie unterschiedslos,
doppelte Steuerlast mussten sie tragen und sie wurden miteinander von Schapur
als 5. Kolonne Roms betrachtet, vierzig lange Jahre hindurch.
Constantius kümmerte
sich um alles. Nun schrieb man das Jahr 340. Er reiste, er hetzte hin
und her. Während einer Schlacht mit den Persern, in der er, Constantius II.,
der sonst Vorsichtige verwegen selbst an der Spitze des Heeres kämpfte, erhielt
er möglicherweise in einer Gefechtspause Nachricht vom Gemetzel daheim. Beide
Christenparteien gingen massiv aufeinander los, wollten jeweils ihren Bischof
auf den vakanten Bischofsplatz Platz setzen.
Alexander – der Mann der so mutig gebetet hatte: Er oder Arius - war
98-jährig verstorben. Die vermutlich knapp 50 Prozent Katholiken unter den
Christen der Hauptstadt erwiesen sich als heftigst entschlossen. So wurde der
Erzkatholik “Paulos I. von Konstantinopel, bereits
…im Jahr 337 als Nachfolger des Bischofs Alexander gewählt“
Athanasius hatte sich eingemischt. Die Forschung bestätigt,
dass Athanasius den Zank anstachelte. Er hatte sich für Paulos I. eingesetzt.
Aber die Arianer, der Unterstützung Constantius gewiss, stürzten Paulos.
„Nach seiner Absetzung (um 339, zwei Jahre nach Konstantins Tod) durch die Arianer floh Paulos I. von Konstantinopel nach Rom. Dort traf
er auf Athanasius, der sich ebenfalls im Exil befand. Beide suchten
Unterstützung bei Papst Julius I.. Der Papst bestätigte die Rechtmäßigkeit
beider Bischöfe (Athanasius für Alexandria und Paulos für Konstantinopel) und forderte ihre Wiedereinsetzung. Diese
gemeinsame kirchenpolitische Front in Rom verband Athanasius untrennbar mit den
Streitigkeiten in Konstantinopel. Als Paulos 342 nach Konstantinopel
zurückkehrte, um seinen Thron gegen den arianischen Gegenbischof Makedonios I.
zu behaupten, kam es zu blutigen Unruhen, bei denen der kaiserliche
Heeresmeister getötet wurde…“ Britannica
Auch Katholik Constanz sah, dass er den gegenseitigen Rangeleien
und Gehässigkeiten ein Ende setzen musste. So initiierte er: „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile
… Bruder (Constantius II.) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer Teilnahme
des verbannten Athanasius. Daraufhin verweigerten die Orientalen ihre
Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten sich gegenseitig. Bei der
nächstfolgenden Schlacht (im Jahr 342) um
den Stuhl von Konstantinopel soll es 3510
Tote gegeben haben...“ New Advent - kath. Webseite
Das war die Vollendung
der 1. Kirchenspaltung in Ost und West.
Wir wissen, dass es 359
allenfalls 400 abendländisch-nicänische Bischöfe gab und höchstens noch einmal
400 morgenländische, aber unter den insgesamt mehr als 2 000 befanden sich
folglich 1 200 auf der arianischen, der Seite der toleranteren. Noch 20 Jahre nach Konstantins Tod waren
zweidrittel aller Bischöfe Arianer.
Constantius stand zu Kompromissen bereit, doch „... nach dem Sturz und frühen Tod des Constanz * …350, suchte Athanasius bei dem
Usurpator (Magnentius, dem Mörder des
Constanz) Unterstützung gegen Kaiser Constantius II. Diese
hochverräterischen Beziehungen kamen
ans Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2 Synodalbeschlüsse 353 und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“ A. Demandt „Geschichte
der Spätantike“, 2008
* Constanz hatte sich durch
seine tyrannische Art bei der regulären Armee extrem unbeliebt gemacht und
wurde ermordet.
Constantius II. wurde
351 Alleinherrscher. Es gab nun niemanden von entsprechendem Rang mehr, der ihm
im Weg stand, seine arianische Religion als allein wahre, reichsweit
durchzusetzen.
359 rief er die Bischöfe
nach Rimini.
Für Athanasius ging es
um Machterhalt. Er mischte sich, wie zu erwarten war, sofort wieder nach
Kräften ein. Mitglieder seiner Partei nannte ihn von nun an respektsvoll „Athanasius gegen die Welt“ (Athanasius contra Mundum), zumal unter
aufmerksamen Augen des Constantius II. immer mehr Bischöfe zu den Arianern
hinüberwechselten. Viele sagten sich und anderen: Wie soll ich mir einem Gott
vorstellen, der gesichts- und gestaltloslos ist, der Einer ist und doch drei
sein soll?
Prof. Hans Lietzmann schildert den Verlauf der Rimini-Synode
lebhaft: „In Rimini kamen über 400
Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte, von dem
nicänischen Bekenntnis nicht abgehen zu können...“ Sie wurden nun belehrt
und schließlich kapitulierten die Trinitarier) … einer nach dem anderen sah ein, dass er eigentlich gar keine Ursache
habe, zum Märtyrer des nicänischen Bekenntnisses zu werden. Es war ja freilich
als Parole ausgegeben worden, aber doch erst seit wenigen Jahren und nur zum
kirchenpolitischen Gebrauch: Im
kirchlichen Leben des Abendlandes spielte es (das Nicänum) gar
keine Rolle, und wer konnte
überhaupt diese griechischen Spekulationen verstehen? (Vielleicht, war einer
da, der darauf verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen sich bald von anderen
Männern trösten lassen könnten. Sie waren ja fast ausnahmslos Verheiratete.
G.Sk.) „Scharenweise wechselten die milde
gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20 Aufrechten übrig, aber
auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint ist hier der antinizänische Bischof Valens von Mursa
G.Sk.) und sie schickten eine
Erfolgsmeldung an den Kaiser, sie möchten nun endlich nach Hause entlassen
werden.“ Hans Lietzmann, „Geschichte der
Alten Kirche“
So nun waren sie alle
Arianer!
Antitrinitarier.
Athanasius schäumte. „Diesen Wisch von Rimini“ werde er vom
Tisch fegen und so sollte es – allerdings sehr, sehr allmählich - geschehen,
auch infolge seines „guten“ Verhältnisses zum „Papst“, und es gab weitere
Gründe, alle nichttheologischer Art.
Machtgewinn.
So war es sieben Jahre später, im
Herbst 366 in Rom als Damasus Papst werden wollte. Also handelte er nach dem
Motto: Brechstangen bewirken mehr als freundliche Worte. Bischof Ursinus musste
hilflos mitansehen, wie seine Gemeinde physisch vernichtet wurde.
Es gibt zwar Aussagen Ursinus sei kein Arianer
gewesen, irgendwie erhebt sich jedoch der Verdacht, dies sei eine
Schutzbehauptung, denn das Gegenteil, könnte es bewiesen werden, würde heute
noch Rom erschüttern. Zeitgenosse
Hieronymus, Damasus späterer Sekretär, als Bibelübersetzer berühmt geworden,
berichtet nur, dass „jener Heide Prätextat“, der im Jahre 367 so energisch
gegen die arianischen Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen
pflegte: „Macht mich zum Bischof der
Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!...Im Munde des Prätextatus war das
ein sehr bezeichnendes Wort, denn er war der erste und reichste Senator und
seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und 152 000 Thaler
unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der städtischen
Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der römischen
Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um die
Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind,
kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu
reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und
so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der
königlichen Tafel zuvortun." M. Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof
von Rom“
Damasus reiste stolz mit einer
goldenen Kutsche durch die Großstadt!
Ein von Damasus gefördertes und von seinen
Freunden eingesetztes Gericht sprach den Multimillionär frei,
hochwahrscheinlich nach dem Motto: „Eine
Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Auch die Urkundenfälscher,
Steuereintreiber, Bettelmönche, Ablasshändler vieler Jahrhunderte „leisteten“
ihre Beiträge zur Ausbeutung der werteschaffenden Bevölkerung. Sie raubten
unter jeweils frommen Vorwand die letzten Pfennige der Witwen und Waisen. Auch
das kennzeichnete den Abfall vom Ideal. Mehr, es war Abfall von Gott, die
Ablehnung seiner Grundsätze der Nächstenliebe in der Realität. Jesus sah es
voraus und verurteilte den Gruppenegoismus mit Blick auf die Praktiken einiger
Pharisäer: „…sie fressen der Witwen
Häuser und wenden langes Gebet vor. Diese werden desto mehr Verdammnis
empfangen.“ Markus 12: 40
Das
pro-katholische Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz urteilt großzügig : „Damasus I., Papst, Heiliger, Sohn eines Priesters (eine
interessante Randbemerkung G.Sk.) Er wurde am 1.10. 366 von der Mehrheit (? wo
ist der Beleg dafür? G.Sk.) des
Klerus zum Nachfolger des am
24.9. 366 verstorbenen Liberius gewählt, während eine Minderheit den Diakon
Ursinus zum Gegenpapst erhob. Es kam zwischen beiden Parteien zu blutigen
Kämpfen. Auch noch nach der Verbannung des Ursinus dauerten die Streitigkeiten
an. Damasus aber setzte sich durch mit Hilfe zweier Reskripte der Kaiser
Valentinian I. und Gratian, (?) die
die römische Disziplinargewalt anerkannten und die Mithilfe der staatlichen
Beamten beim Vollzug kirchlicher Urteile anordneten. Damasus bekämpfte den
Arianismus…“
Damasus hatte den kürzesten Weg zum Erfolg
gewählt. Und wie er den Arianismus und noch mehr die Arianer bekämpfte! Schlimm genug! Aber durch Massenmorde die
Vormachtstellung erringen?
Vormachtstellung! Das ist des
schwarzen Pudels Kern: und bist du nicht
willig, so brauche ich Gewalt…
Doch „Gott
ist nicht die 'Macht an sich' ... Macht an sich ist böse. Der 'Allmächtige',
das ist das Chaos, das Übel, das ist der Teufel ... Dieser Rauschgedanke der Macht, das ist das Chaos, das Tohuwabohu, das
Gott ... nicht gewollt hat, als er den Himmel und die Erde schuf." K.
Barth „Dogmatik im Grundriss“
Damasus nahm ein markantes Hitlerwort vorweg: „Den Sieger richtet man nicht.“
Origenes
(185-254) protestierte längst zuvor und mit ihm Joseph Smith (1805-1844) der
erste Mormonenprophet
Origenes und Joseph Smith bestanden auf Christi Wort: „Seid Friedensstifter“ Joseph Smith schrieb aus dem Gefängnis zu Liberty, Missouri, nach monatelanger Haft, wegen nie erwiesenem Hochverrat: “Die Rechte des Priestertums sind untrennbar mit den Himmelskräften verbunden und können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden…. doch
Joseph Smith gemäß Schilderungen seiner Zeitgenossen und nach seiner Totenmaske
wenn
wir versuchen unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz
zu befriedigen, oder wenn wir auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder
Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben – siehe dann ziehen sich
die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen
wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu
Ende...“ Lehre und Bündnisse 121 :
34-37
Gewalt und Evangelium verhalten sich
zueinander wie Feuer und Wasser oder wie Tieffrost zur Wärme. „Origenes
lehrte, dass Gott den Menschen (und alle vernunftbegabten Wesen) mit einem
freien Willen erschaffen hat, den er niemals gewaltsam bricht.“ Philipps-Uni
Marburg
Was daraus folgt muss
nicht betont werden.
Christi Werk ist das der Befreiung aller vom
Joch des Müssens, der Abhängigkeit von Zwängen und wir dürfen ihm dabei helfen,
- eben so gut wie möglich: „Ich bin
gekommen den Gefangenen die Freiheit zu verkünden…“ Lukas 4
Dieser Satz bezieht sich sowohl auf
die Gefangenen die nun nachirdisch in der Geisterwelt unfrei sind oder waren,
als auch auf die Lebenden.
Den Frühchristen war wichtig zu betonten, dass
es darum geht stets die eigenen Freiheitsrechte einzusetzen um „eine alle völkischen Unterschiede hinter
sich lassende Lebensordnung (zu schaffen!) ... (Erst) diese Auffassung
vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit
bringt uns die Loslösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen.“
Dialog des Bardesanes bei Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“ Deshalb finden wir „...de(n) anti-autoritäre(n) Zug bei Origenes.“ Franz
Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited Bd 2
Vor dem „allein wahren Gott“ waren und
sind wir alle gleichwertig und folglich gleichberechtigt.
Sogar noch Jahrhunderte nach Nicäa
galt die Peitsche Konstantins als ein ebenfalls für „Christen“ geeignetes
Mittel um Mitmenschen in Sachen des Glaubens zu reglementieren. 681, mit dem 12. Konzil zu Toledo heißt es
denn auch: „... reißt mit der Wurzel die
jüdische Pest aus... die jüdische Religion ist verboten! Allen Juden Spaniens
wird befohlen, sich binnen eines Jahres taufen zu lassen... wer der Gnade der
Taufe noch nicht teilhaftig wurde, wird mit einhundert Peitschenhieben, dem
Ausreißen des Kopfhaares... sowie der Landesverweisung bestraft... sein
Eigentum wird dem Herrscher zur Verfügung gestellt...“ Werner
Keller „Und wurden zerstreut unter alle Völker“.
Sowohl aus der Perspektive, eines
langjährigen Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage,
wie aus der Sicht zahlreicher Chronisten und Religionswissenschaftler von Rang,
steht fest: dem Nicänum musste wegen seiner massiven Drohungen gegen
Andersmeinende, wie jeder Großlüge, Unfreiheit, Gewalt, Finsternis und Elend
folgen. Traurig genug, dass es so kam. „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange
Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die
Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben
durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...“ Ludwig
Hertling S.J., „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“
Zu viele Autoritäten die Briefe und
Regeln gegen andere schrieben ahmten Konstantin und seinem Wegbereiter
Athanasius nach. Bis heute wagen dies die Trinitarier insbesondere die der USA.
Es ist vervielfältigter Hass auf diejenigen die Konstantins Kirchenverständnis
ablehnten. Ungenießbare Früchte hinterließen die Orthodoxen in West und
Ost. Wo orale Gewalt nicht ausreichte
erfolgten aus trinitarischen Händen bis zu Beginn das 19. Jahrhunderts
brutalste Strafen jener Art die nur kranke Hirne ausdenken konnten.
Im Jahr 1808 während des Beginns des
Spanienkrieges Napoleons entdeckten französische Truppen in einem Klosterkeller
verwahrloste Opfer der Inquisition. Jedenfalls berichtet das der französischen
Oberst Charles Lehmanowsky. Das führte
zum generellen Verbot dieser kirchlichen Behörde durch Militärs. Das Schrecklichste vom Schrecklichen begann
„als von Papst Gregor IX. im Jahre 1231
die Inquisition offiziell eingerichtet wurde, (so) begann endgültig die dunkle Zeit des Terrors. Für Unbußfertige und
Rückfällige wurde der Feuertod als Strafe bestimmt. Henry,
Charles Lea „Geschichte der Inquisition
im Mittelalter“
Unvorstellbar grausam wurde eben
daraufhin der 600-jährige Krieg ! gegen Waldenser, Katharer, und Vaudois
geführt. Doch zu keiner Zeit erwogen die
Kirchengewaltigen, ob durch antichristliches Tun die apostolische
Sukzessionskette abriss! Erst auf Druck Englands setzte der König Sardiniens
und Piemonts, Karl Albert, dem scheußlichen Treiben der Kirche, 1848, durch
politische Dekrete ein Ende.
Es war keineswegs so, dass die
Ranghöchsten von sich aus Erbarmen gezeigt hätten. 1208 rief Papst Innozenz
III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. 20 000 Katharer wurden
hingemetzelt. Massacre
at Béziers
„In einer Bibliothek zu Marseille liegt ein Almanach“, und
da steht ein positives Werturteil des berühmten Bernhard von Clairvaux (um 1090
– 1153) geschrieben. Bernhard verfasste es fünfzig oder sechzig Jahre vor dem
Mordbefehl des dritten Innozenz:
Zuerst stellte er den Nichtkatholiken ein
beachtliches Zeugnis aus: „... Es kann
nichts Christlicheres geben, als diese Häretiker... Ihre Worte stimmen mit
ihren Taten überein. Ein Waldenser betrügt niemanden, er bedrückt niemanden,
seine Wangen sind bleich vom Fasten, er isst nicht das Brot des Müßiggangs,
seine
Hände
arbeiten für seinen Lebensunterhalt.“
Henry, Charles Lea „Geschichte der
Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 112
Derselbe Mann, athanasianisch indoktriniert, „betrieb währenddessen durch zahlreiche
Schriften, Briefe und Predigten eine der kraftvollsten Kreuzzugspropaganda
aller Zeiten.“ Jonathan
Riley-Smith: „Die Kreuzzüge“
Als er 1146 seine Predigtserie startete
formulierte Bernhard: „Ein Ritter Christi
tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich
selber; wenn er tötet, nützt er Christus. Die schrecklichen Folgen solcher
Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die
mittelalterlichen jüdischen Gemeinden.“ Ökumenisches Heiligenlexikon
Ein Jahr zuvor wankte Bernhard noch: Die von
Hetzpredigern aufgestachelten Bürger Kölns, im Begriff die dort erfolgreich
missionierenden Katharer (bzw. Waldenser) in die Knie zu zwingen, sollten
keinen Bekehrungs-Zwang anwenden. Doch: „er billigt den Eifer des Volkes, nicht seine Tat, denn der Glaube müsse
durch Überzeugung, nicht mit Gewalt ausgebreitet werden. Dennoch hält auch er den weltlichen Arm für
verpflichtet, das durch die Ketzerei Gott angetane Unrecht zu rächen...“ Henry,
Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter Bd. 1, S. 246
Brutal schrieb Innozenz III., Herr des 4.
Laterankonzils: erneut und speziell gegen den Tritheismus der Antitrinitarier
gerichtet: „Weltliche Mächte, die sich an
der Ausrottung derer nicht beteiligten, die seitens des Papsttums als Ketzer
betrachtet wurden, werden nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres
werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst
gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei. Wer an den
Ketzerkreuzügen teilnimmt, genießt dieselben Privilegien wie ein
Jerusalemfahrer. Wer hingegen den Ketzereien anhängt, wer sie verteidigt, in
Schutz nimmt oder begünstigt, verfällt der Exkommunikation. Nach Ablauf eines Jahres
verliert er seine Rechtsfähigkeit, wird von der Erbfolge ausgeschlossen, Richter verlieren ihre Jurisdiktionsgewalt,
Kleriker ihre Ämter und Pfründen ...“ Kanon
3 Viertes Laterankonzil
Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658)
der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er
jedoch ablehnte und deshalb Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan
opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer
misshandelten Waldenser eingesetzt. Noch zu seiner Zeit „wurden sie gezwungen rot-glühendes Eisen in die Hand zu nehmen“ „Gottesurteile
im Mittealter“ 2017
Man nannte es das Gottesurteil.
Was hatten sie verbrochen? G e m e i n
s a m lehnten die unterschiedlichen „Nebenkirchen“ und ihre zahlreichen
Mitglieder das komplette Kirchensystem des Mainstreams ab. Es war die Weigerung
eine Religion anzuerkennen die Gewalt gegen jeden übte, der ihre Messen mied.
Die Hand des vermutlichen Delinquenten wurde verbunden, nachdem der „Ketzer“
einige Schritte mit dem erhitzten Eisen ging. Nur wenn die Wunde nach wenigen
Tagen geheilt aussah, galt die Person als „unschuldig“. Erst 1750 wurden
Verfahren dieser Art verboten.
Teilweise wird immer noch bestritten, dass es
vor dem Kaufmann Petrus Waldus (1140-1218) Waldenser gab. Aber die uns
zugänglichen historischen Karten sagen etwas völlig anderes. Nicht wenige
Tatsachen wurden von trinitarischen Historikern auf den Kopf gestellt. Nicht
wenige ihrer Legenden logen, widersprachen sich selbst.
Die verschiedenen antikatholischen,
antitrinitarischen Gruppen hingegen übten nie Gegen-Gewalt, es sei denn sie
wurden mit ihren Familien bis zum Abgrund getrieben. Einige ihrer Lehren
differierten etwas voneinander, aber nur geringfügig, diese Kleinigkeit scheint
ihr einzigen Fehler zu sein. Doch die zahlreichen Übereinstimmungen sind
beachtlich. Jede der tausenden Gemeinden der Katharer, Waldenser, oder Vaudois,
Albigenser, Bogomilen usw. war zwar bemüht am traditionellen Lehrgut
festzuhalten, dennoch kam es jeweils zu Überbetonungen einzelner theologischer
Themen. So zum Beispiel zur biblischen Schöpfungsgeschichte: „Ich habe gehört, dass es eine christliche
Splittergruppe Italiens gab, die Bagnolesen. Sie behaupteten, ihre
Schöpfungslehre stamme aus Apostelzeiten, und die sagt: “nachdem Gott das Weltall schuf, überließ er die Lenkung der Dinge der
Natur.“ Henry
Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter
Interessant ist ein Satz im Kanon der „mormonischen“ Schriften der
Beachtung verdient: „und die Götter hatten acht auf die Dinge, denen sie
(im Prozess der Schöpfung) befohlen hatten, bis die Dinge gehorchten.“ Köstliche
Perle Abraham 4: 18
Mehr dazu: Origens (185-254) der Sprecher der Urkirche lehrte dass die Schöpfungsgeschichte in Weltperioden nicht in 6 Erdentagen ereignete, dasselbe ist Text von … Köstliche Perle Abraham 4
Evangel. Gesamtverband Oberweser
Waldensergemeinden um 1200
Katharer, Waldenser und die Vaudois erzielten um
1200 große Gewinne. Sie
bildeten damals eine echte – und aus Sicht der Katholiken hochgefährliche -
Konkurrenz zur römischen Kirche. Roms oberster Bischof glaubte reagieren zu
müssen. „ Der
Erlass des Lucius III. auf dem sogenannten Konzil von Verona 1184 gebot allen
Machthabern, vor ihren Bischöfen eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen
und weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten.
Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und
der Unfähigkeit ein anderes Amt zu Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte
mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu
bekleiden, bestraft werden... So unternahm es die Kirche, die weltlichen
Herrscher zur Verfolgung zu zwingen… Die nächste Antwort ... war die Gründung des Predigerordens der
Dominikaner um 1216.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im
Mittelalter“
Da ist nichts gut-zu-reden.
Überall lobte dagegen das einfache Volk die Missionare der von führenden Trinitariern verfluchten
„Neben-Kirchen“. Nun verstanden selbst die Geringsten um was es ging, wenn sie
den „Ketzern“ zuhörten. In den römischen Kirchen wurde fast nur lateinisch
gesprochen. Selbst Jahrhunderte später sah die Lage für die einfachen Menschen
nicht günstiger aus. Selbst die Geistlichkeit begriff kaum was daher geplappert
wurde. „Es gab Kirchenfürsten und Äbte
die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel
besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den
Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn
sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so
buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen
selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder
Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte … Der
Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in
Costnitz (1414 bis 1418) vor den Kirchenfürsten und der versammelten
Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere Geistlichen geworden,
dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ Gustav
Freytag, „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“
Schon zuvor schlug Rom einen Doppelweg ein.
Erstens mit dem 4. Laterankonzil unter Innozenz III. 1215 den
militärischen, dann den anerkennenswerten: den eher diplomatischen, durch
geschickte Werbung. Der friedliche Weg ist zeitgleich bestückt mit neuer
Kirchen-Bauweise: statt der plumpen romanischen übernahm man aus französischen
Vorbildern den gotischen, den nun schon hochgotischen Stil. So entstand der
Magdeburger Dom, grundgelegt 1209. Der Predigerorden der Dominikaner wurde
sieben Jahre später ins Leben gerufen. Nichtsdestoweniger gedieh der Arianismus
weithin, weil er einleuchtend daherkam, im Gegensatz zu den rätselhaften
Erklärungen der Anderen. „In Polen
erlebte der Antitrinitarismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts seine
intellektuelle Blüte, bevor er durch die Gegenreformation gewaltsam zerschlagen
wurde.“ Die sozinianischen Briefwechsel
Nichts ist wohl verwerflicher als
Grobschlächtigkeit die sich mancherorts an Redlichen widerlich austobt. Was
blieb danach an christlicher Substanz übrig?
Zeremonien in Fülle, den Geist der
Erleuchtung, der Geistesfreiheit, der Brüderlichkeit gab es in vielen
Jahrhunderten selten oder gar nicht mehr. Isaac Newton konnte am Trinitarismus
nicht ein Haar Gutes entdecken, obwohl oder weil er sich innigst über Jahre mit
dessen Geschichte befasste. Die in Opposition stehenden wurden nicht nur über
den halben europäischen Kontinent getrieben, sondern oft, zu oft mit dem Leben
bedroht. Erst Papst Johannes XXIII. bat die Juden um Vergebung und Papst
Franziskus demütigte sich, 2015, bis in den Staub als er die Waldenser in Turin
in ihrer Hauptkirche aufsuchte. „Ich
bitte euch vonseiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene
unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der
Geschichte gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebuns!“ Domradio.de
Er ist es, den wir lieben!
Soweit ging nur er.
Die Synode der Waldenser erwiderte, dass die
Vergebungsbitte mit „tiefem Respekt und
innerer Bewegung“ angenommen wurde.
Es sei ihnen jedoch „nicht erlaubt, für diejenigen zu sprechen, die mit Blut
und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben, und an
ihrer Stelle zu verzeihen“. Aus
waldensischer Sicht liegt diese Vergebung allein bei Gott und den Opfern
selbst.“ Radio
ORF
Zur Gesamtgeschichte gehört der
Überblick vom zeitgleichen Wirken Ambrosius und Wulfilas. Sie sind im weitesten
Sinne des Wortes: Väter, der Erste ist mit Befürwortung der Religionsunfreiheit,
- zielgerichtet kontra Arianismus - Urheber des mittelalterlichen Kirchentums,
der Zweite pflanzte den Arianismus in aufnahmebereite Herzen und Köpfe.
Es scheint aus naheliegenden Gründen
deutlich, dass hier direkte Linien zu Waldensern und Katharern verlaufen. Es
wäre andernfalls unwahrscheinlich, dass die noch um 540 in Norditalien
siedelnden, dann von Kaiser Justinian geschlagenen arianischen Ostgoten, sonst
ausweglos, in Alpentälern überlebten und irgendwann trafen deren Kindeskinder
die Vorläufer der Waldenser.
Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar an ihren Flügeln. Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar an ihren Flügeln.
Als Unterkaiser der
Tetrarchie regierte Constantin Chlorus den Westen: Britannien und Gallien. Nie
waren die Grenzen Roms sicher. Die räuberisch eroberten Gebiete mussten
kriegerisch möglichst stabil gehalten werden, und immer gab es zudem Feinde in
den eigenen Reihen. Diokletians militärische Befehle sollen jedoch sowohl vom
Vater wie dem Sohn glänzend ausgeführt worden sein. Konstantin könnte zeitweise
mit seiner vom Vater verlassenen Mutter Helena gewohnt haben. Sie war
wahrscheinlich der einzige Mensch den er je liebte. In Nikomedia lernte er wie
geherrscht wird. Dort verinnerlichte er Schritt für Schritt, was ihn erwartete,
falls er seine Träume verwirklicht. Diokletian war sein Vorbild, er war der „dominus
et Deus“. Lobredner schwärmten und
lobhudelten vor dem Kaiser: „der Du denen
gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du
der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger
von Göttern... Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werdenSogar noch Jahrhunderte nach Nicäa galt die Peitsche Konstantins als ein ebenfalls für „Christen“ geeignetes Mittel um Mitmenschen in Sachen des Glaubens zu reglementieren. 681, mit dem 12. Konzil zu Toledo heißt es denn auch: „... reißt mit der Wurzel die jüdische Pest aus... die jüdische Religion ist verboten! Allen Juden Spaniens wird befohlen, sich binnen eines Jahres taufen zu lassen... wer der Gnade der Taufe noch nicht teilhaftig wurde, wird mit einhundert Peitschenhieben, dem Ausreißen des Kopfhaares... sowie der Landesverweisung bestraft... sein Eigentum wird dem Herrscher zur Verfügung gestellt...“ Werner Keller „Und wurden zerstreut unter alle Völker“.
Sowohl aus der Perspektive, eines langjährigen Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie aus der Sicht zahlreicher Chronisten und Religionswissenschaftler von Rang, steht fest: dem Nicänum musste wegen seiner massiven Drohungen gegen Andersmeinende, wie jeder Großlüge, Unfreiheit, Gewalt, Finsternis und Elend folgen. Traurig genug, dass es so kam. „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...“ Ludwig Hertling S.J., „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“
Zu viele Autoritäten die Briefe und Regeln gegen andere schrieben ahmten Konstantin und seinem Wegbereiter Athanasius nach. Bis heute wagen dies die Trinitarier insbesondere die der USA. Es ist vervielfältigter Hass auf diejenigen die Konstantins Kirchenverständnis ablehnten. Ungenießbare Früchte hinterließen die Orthodoxen in West und Ost. Wo orale Gewalt nicht ausreichte erfolgten aus trinitarischen Händen bis zu Beginn das 19. Jahrhunderts brutalste Strafen jener Art die nur kranke Hirne ausdenken konnten.
Im Jahr 1808 während des Beginns des Spanienkrieges Napoleons entdeckten französische Truppen in einem Klosterkeller verwahrloste Opfer der Inquisition. Jedenfalls berichtet das der französischen Oberst Charles Lehmanowsky. Das führte zum generellen Verbot dieser kirchlichen Behörde durch Militärs. Das Schrecklichste vom Schrecklichen begann „als von Papst Gregor IX. im Jahre 1231 die Inquisition offiziell eingerichtet wurde, (so) begann endgültig die dunkle Zeit des Terrors. Für Unbußfertige und Rückfällige wurde der Feuertod als Strafe bestimmt. Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“
Unvorstellbar grausam wurde eben daraufhin der 600-jährige Krieg ! gegen Waldenser, Katharer, und Vaudois geführt. Doch zu keiner Zeit erwogen die Kirchengewaltigen, ob durch antichristliches Tun die apostolische Sukzessionskette abriss! Erst auf Druck Englands setzte der König Sardiniens und Piemonts, Karl Albert, dem scheußlichen Treiben der Kirche, 1848, durch politische Dekrete ein Ende.
Es war keineswegs so, dass die Ranghöchsten von sich aus Erbarmen gezeigt hätten. 1208 rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. 20 000 Katharer wurden hingemetzelt. Massacre at Béziers
„In einer Bibliothek zu Marseille liegt ein Almanach“, und da steht ein positives Werturteil des berühmten Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153) geschrieben. Bernhard verfasste es fünfzig oder sechzig Jahre vor dem Mordbefehl des dritten Innozenz:
Zuerst stellte er den Nichtkatholiken ein beachtliches Zeugnis aus: „... Es kann nichts Christlicheres geben, als diese Häretiker... Ihre Worte stimmen mit ihren Taten überein. Ein Waldenser betrügt niemanden, er bedrückt niemanden, seine Wangen sind bleich vom Fasten, er isst nicht das Brot des Müßiggangs, seine
Hände arbeiten für seinen Lebensunterhalt.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 112
Derselbe Mann, athanasianisch indoktriniert, „betrieb währenddessen durch zahlreiche Schriften, Briefe und Predigten eine der kraftvollsten Kreuzzugspropaganda aller Zeiten.“ Jonathan Riley-Smith: „Die Kreuzzüge“
Als er 1146 seine Predigtserie startete formulierte Bernhard: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus. Die schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden.“ Ökumenisches Heiligenlexikon
Ein Jahr zuvor wankte Bernhard noch: Die von Hetzpredigern aufgestachelten Bürger Kölns, im Begriff die dort erfolgreich missionierenden Katharer (bzw. Waldenser) in die Knie zu zwingen, sollten keinen Bekehrungs-Zwang anwenden. Doch: „er billigt den Eifer des Volkes, nicht seine Tat, denn der Glaube müsse durch Überzeugung, nicht mit Gewalt ausgebreitet werden. Dennoch hält auch er den weltlichen Arm für verpflichtet, das durch die Ketzerei Gott angetane Unrecht zu rächen...“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter Bd. 1, S. 246
Brutal schrieb Innozenz III., Herr des 4. Laterankonzils: erneut und speziell gegen den Tritheismus der Antitrinitarier gerichtet: „Weltliche Mächte, die sich an der Ausrottung derer nicht beteiligten, die seitens des Papsttums als Ketzer betrachtet wurden, werden nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei. Wer an den Ketzerkreuzügen teilnimmt, genießt dieselben Privilegien wie ein Jerusalemfahrer. Wer hingegen den Ketzereien anhängt, wer sie verteidigt, in Schutz nimmt oder begünstigt, verfällt der Exkommunikation. Nach Ablauf eines Jahres verliert er seine Rechtsfähigkeit, wird von der Erbfolge ausgeschlossen, Richter verlieren ihre Jurisdiktionsgewalt, Kleriker ihre Ämter und Pfründen ...“ Kanon 3 Viertes Laterankonzil
Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658) der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er jedoch ablehnte und deshalb Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer misshandelten Waldenser eingesetzt. Noch zu seiner Zeit „wurden sie gezwungen rot-glühendes Eisen in die Hand zu nehmen“ „Gottesurteile im Mittealter“ 2017
Man nannte es das Gottesurteil.
Was hatten sie verbrochen? G e m e i n s a m lehnten die unterschiedlichen „Nebenkirchen“ und ihre zahlreichen Mitglieder das komplette Kirchensystem des Mainstreams ab. Es war die Weigerung eine Religion anzuerkennen die Gewalt gegen jeden übte, der ihre Messen mied. Die Hand des vermutlichen Delinquenten wurde verbunden, nachdem der „Ketzer“ einige Schritte mit dem erhitzten Eisen ging. Nur wenn die Wunde nach wenigen Tagen geheilt aussah, galt die Person als „unschuldig“. Erst 1750 wurden Verfahren dieser Art verboten.
Teilweise wird immer noch bestritten, dass es vor dem Kaufmann Petrus Waldus (1140-1218) Waldenser gab. Aber die uns zugänglichen historischen Karten sagen etwas völlig anderes. Nicht wenige Tatsachen wurden von trinitarischen Historikern auf den Kopf gestellt. Nicht wenige ihrer Legenden logen, widersprachen sich selbst.
Die verschiedenen antikatholischen, antitrinitarischen Gruppen hingegen übten nie Gegen-Gewalt, es sei denn sie wurden mit ihren Familien bis zum Abgrund getrieben. Einige ihrer Lehren differierten etwas voneinander, aber nur geringfügig, diese Kleinigkeit scheint ihr einzigen Fehler zu sein. Doch die zahlreichen Übereinstimmungen sind beachtlich. Jede der tausenden Gemeinden der Katharer, Waldenser, oder Vaudois, Albigenser, Bogomilen usw. war zwar bemüht am traditionellen Lehrgut festzuhalten, dennoch kam es jeweils zu Überbetonungen einzelner theologischer Themen. So zum Beispiel zur biblischen Schöpfungsgeschichte: „Ich habe gehört, dass es eine christliche Splittergruppe Italiens gab, die Bagnolesen. Sie behaupteten, ihre Schöpfungslehre stamme aus Apostelzeiten, und die sagt: “nachdem Gott das Weltall schuf, überließ er die Lenkung der Dinge der Natur.“ Henry Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter
Interessant ist ein Satz im Kanon der „mormonischen“ Schriften der Beachtung verdient: „und die Götter hatten acht auf die Dinge, denen sie (im Prozess der Schöpfung) befohlen hatten, bis die Dinge gehorchten.“ Köstliche Perle Abraham 4: 18
Mehr dazu: Origens (185-254) der Sprecher der Urkirche lehrte dass die Schöpfungsgeschichte in Weltperioden nicht in 6 Erdentagen ereignete, dasselbe ist Text von … Köstliche Perle Abraham 4.
„Eisenprobe“ rechts: Evangel. Gesamtverband Oberweser Waldensergemeinden um 1200
Katharer, Waldenser und die Vaudois erzielten um 1200 große Gewinne. Sie bildeten damals eine echte – und aus Sicht der Katholiken hochgefährliche - Konkurrenz zur römischen Kirche. Roms oberster Bischof glaubte reagieren zu müssen. „ Der Erlass des Lucius III. auf dem sogenannten Konzil von Verona 1184 gebot allen Machthabern, vor ihren Bischöfen eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen und weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten. Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu bekleiden, bestraft werden... So unternahm es die Kirche, die weltlichen Herrscher zur Verfolgung zu zwingen… Die nächste Antwort ... war die Gründung des Predigerordens der Dominikaner um 1216.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“
Da ist nichts gut-zu-reden.
Überall lobte dagegen das einfache Volk die Missionare der von führenden Trinitariern verfluchten „Neben-Kirchen“. Nun verstanden selbst die Geringsten um was es ging, wenn sie den „Ketzern“ zuhörten. In den römischen Kirchen wurde fast nur lateinisch gesprochen. Selbst Jahrhunderte später sah die Lage für die einfachen Menschen nicht günstiger aus. Selbst die Geistlichkeit begriff kaum was daher geplappert wurde. „Es gab Kirchenfürsten und Äbte die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte … Der Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz (1414 bis 1418) vor den Kirchenfürsten und der versammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ Gustav Freytag, „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“
Schon zuvor schlug Rom einen Doppelweg ein.
Erstens mit dem 4. Laterankonzil unter Innozenz III. 1215 den militärischen, dann den anerkennenswerten: den eher diplomatischen, durch geschickte Werbung. Der friedliche Weg ist zeitgleich bestückt mit neuer Kirchen-Bauweise: statt der plumpen romanischen übernahm man aus französischen Vorbildern den gotischen, den nun schon hochgotischen Stil. So entstand der Magdeburger Dom, grundgelegt 1209. Der Predigerorden der Dominikaner wurde sieben Jahre später ins Leben gerufen. Nichtsdestoweniger gedieh der Arianismus weithin, weil er einleuchtend daherkam, im Gegensatz zu den rätselhaften Erklärungen der Anderen. „In Polen erlebte der Antitrinitarismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts seine intellektuelle Blüte, bevor er durch die Gegenreformation gewaltsam zerschlagen wurde.“ Die sozinianischen Briefwechsel
Nichts ist wohl verwerflicher als Grobschlächtigkeit die sich mancherorts an Redlichen widerlich austobt. Was blieb danach an christlicher Substanz übrig?
Zeremonien in Fülle, den Geist der Erleuchtung, der Geistesfreiheit, der Brüderlichkeit gab es in vielen Jahrhunderten selten oder gar nicht mehr. Isaac Newton konnte am Trinitarismus nicht ein Haar Gutes entdecken, obwohl oder weil er sich innigst über Jahre mit dessen Geschichte befasste. Die in Opposition stehenden wurden nicht nur über den halben europäischen Kontinent getrieben, sondern oft, zu oft mit dem Leben bedroht. Erst Papst Johannes XXIII. bat die Juden um Vergebung und Papst Franziskus demütigte sich, 2015, bis in den Staub als er die Waldenser in Turin in ihrer Hauptkirche aufsuchte. „Ich bitte euch vonseiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der Geschichte gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebuns!“ Domradio.de
Er ist es, den wir lieben!
Soweit ging nur er.
Die Synode der Waldenser erwiderte, dass die Vergebungsbitte mit „tiefem Respekt und innerer Bewegung“ angenommen wurde. Es sei ihnen jedoch „nicht erlaubt, für diejenigen zu sprechen, die mit Blut und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben, und an ihrer Stelle zu verzeihen“. Aus waldensischer Sicht liegt diese Vergebung allein bei Gott und den Opfern selbst.“ Radio ORF
Zur Gesamtgeschichte gehört der Überblick vom zeitgleichen Wirken Ambrosius und Wulfilas. Sie sind im weitesten Sinne des Wortes: Väter, der Erste ist mit Befürwortung der Religionsunfreiheit, - zielgerichtet kontra Arianismus - Urheber des mittelalterlichen Kirchentums, der Zweite pflanzte den Arianismus in aufnahmebereite Herzen und Köpfe.
Es scheint aus naheliegenden Gründen deutlich, dass hier direkte Linien zu Waldensern und Katharern verlaufen. Es wäre andernfalls unwahrscheinlich, dass die noch um 540 in Norditalien siedelnden, dann von Kaiser Justinian geschlagenen arianischen Ostgoten, sonst ausweglos, in Alpentälern überlebten und irgendwann trafen deren Kindeskinder die Vorläufer der Waldenser.
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