Montag, 17. August 2026

Die unselige, nachnicänische Kirche - Mutter der Sekten (3)


 

 

                                             

                                 Mein neues Buch: auf Basis von mehreren                                 hundert wissenschaftlich belegten Quellen







                                       Die unselige, nachnicänische Kirche

Mutter der Sekten

 

 

 

 

 

Gerd Skibbe

 

2026

 

  Teil 3



Der Hintergrund

Eine Teilantwort auf die Frage nach dem Wesen Konstantins (272-237) kommt aus Nikomedia. Bis 305 musste er am Kaiserhof Diokletians leben, oder weitab von seinem Vater Constantin Chlorus (250-306). Diokletian nahm ihn als Geisel für die Loyalität seines Vaters.

 


                                                  Kopf Konstantins im vatikanischen Museum

 Als Unterkaiser der Tetrarchie regierte Constantin Chlorus den Westen: Britannien und Gallien. Nie waren die Grenzen Roms sicher. Die räuberisch eroberten Gebiete mussten kriegerisch möglichst stabil gehalten werden, und immer gab es zudem Feinde in den eigenen Reihen. Diokletians militärische Befehle sollen jedoch sowohl vom Vater wie dem Sohn glänzend ausgeführt worden sein.

 Konstantin könnte zeitweise mit seiner vom Vater verlassenen Mutter Helena gewohnt haben. Sie war wahrscheinlich der einzige Mensch den er je liebte. In Nikomedia lernte er wie geherrscht wird. Dort verinnerlichte er Schritt für Schritt, was ihn erwartete, falls er seine Träume verwirklicht. Diokletian war sein Vorbild, er war der „dominus et Deus“.   Lobredner schwärmten und lobhudelten vor dem Kaiser: „der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern... Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werden, so als gelangten wir in Deine Gegenwart, stehen wir heute im Adyton - dem Allerheiligsten und spenden Dir unsere Treue. Wie der Weihrauch Deiner heiligen Priester umweben wir Dich...Deshalb gleiche der Kaiser dem Gebieter des Weltalls.“ Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende“



 Schon Caligula (12-41) bestand darauf als Gott verehrt zu werden. „Gebieter des Weltalls!“ Für Konstantin hatten diese Worte Bedeutung mit Langzeitwirkung.  Bereits 306 sollte er die nächste Stufe zur Allmacht nehmen. Am Hof zu Nikomedia lernte er mehrere Christen, wie den Gelehrten Laktanz, kennen und schätzen. Um 316 berief er den großen Idealisten als Lehrer seines Sohnes Crispus an den Hof in Trier.  Konstantin gefiel, dass Laktanz forderte: "Der Lehrer muss die von ihm gelehrten Tugenden auch selbst vorleben."  J. Walter "Pagane Wertvorstellungen bei Laktanz"   

Die Selbstdisziplin möglichst jedermanns ist es, die den Staat zusammenhält. Laktanz, der Elitechrist zu Nikomedia könnte dem Kaiser – ähnlich, aber nicht gleich, wie die paganen Priester - erklärt haben, dass der Mensch Geist ist, der von Fleisch ummantelt wurde und, dass der Allmächtige die Auserwählten zu Göttern erhöhen wird, vorausgesetzt sie befolgen seine Weisungen.

Zu dieser Zeit verstand sich noch jeder überzeugte Christ als Missionar. Tatsächlich war Laktanz nicht der Erfinder einer zusätzlichen Lehre, indem er sagte: Wer die Tugend bewahrt, gleicht am Ende notwendigerweise Gott“. G. Sadler “Lactantius, On The Anger Of God, Humans, Reason, and Religion - Philosophy Core Concepts 

Dieses Lehrelement – das inkompatibel zu moderner Theologie noch isoliert dasteht - entspricht sowohl den Aussagen Origenes, wie den Bekenntnissen jüdischer Traditionalisten: „Wir Kabbalisten stehen keineswegs gegen Christi Aufforderung, dass der Mensch in einem ewig währenden Prozess perfekt wie Gott werden kann...Jeder gute... Gedanke und jedes ebensolche Tun zeugt unverlierbare geistige und reale Energien (bis zur) Veredlung und Emporhebung in die reinen Höhenregionen, (tätig) an der immer fortschreitenden Vergottung.“ Erich Bischoff „Kabbala“ 

„Erst aufgrund der Tugend wird man ein Kind Gottes, und erst in der Erwerbung der Tugend durch eigenen Eifer erwirbt der Mensch die Ähnlichkeit Gottes. Unentbehrlich für das Erreichen der Gottähnlichkeit ist also die Entscheidungsfreiheit.“ H. Benjamins „Eingeordnete Freiheit; Freiheit und Vorsehung bei Origenes“   Hippolyt von Rom (heiliggesprochener Gegenpapst um 220) betonte ausdrücklich die Möglichkeit, für den unsterblichen Teil des Menschen, irgendwann in der Ewigkeit bis zur Gotteshöhe aufzusteigen: Wörtlich „Durch den Logos brachte Gott Alles hervor…. Den Menschen schuf er als solchen; will der Mensch Gott werden, so muss er ihm gehorchen.“ Joseph Langen „Geschichte der römischen Kirche“ * *Selbst Martin Luther sprach von der Gottwerdung des Menschen: „...eben darum wird das Wort Fleisch, damit das Fleisch Wort werde. Mit anderen Worten: Gott wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde.“ T. Mannermaa “Luther und Theosis”, Band 16 Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Helsinki/Erlangen 1990     

Das passte nicht ganz in sein Weltbild, aber er, Konstantin, wird es passend machen. 

Die Mehrheit der zum Christentum Bekehrten war eher arm. Zu einer Zeit, als sich die Christen Roms noch in „Bretterbuden“ * versammelten, verfügten die Jesusgläubigen in Nikomedia jedoch über ein ansehnliches Gemeindehaus. 

„Es stand auf einem Hügel dem Palast gegenüber.“ * Christoph Müller, Inaugural  Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg „Kurialen und Bischof...“ 

Wenn also, so schlussfolgerte Konstantin offensichtlich, die Numina von Jupiter und Hercules, im Weltherrscher Diokletian gelebt haben, müssen sie rein geistig sein und deshalb darf „niemand … die absolute Geistigkeit der Gottheit gefährden...“  Adolf von Harnack Lehrbuch der Dogmengeschichte.   

Nach dem Rücktritt Diokletians vom Kaiserrang, fasste Konstantin zusammen: die Gottheit wohnt nun in mir! Darauf greift er später in seiner Argumentation zugunsten des dreifaltigen Gottes, in Nicäa, zurück. Bereits drei Jahre nach seiner quasi-Selbsterhebung wurde ihm, nach dem Bericht eines Lobredners eine Vision im schönsten Apollotempel Galliens zuteil. Dort erschienen ihm Sol Apollo (der Gott seines Vaters) und Victoria. Drei Siegerkränze erhielt er. Sie verhießen ihm jene dreißigjährige Herrschaft, die er tatsächlich durchleben sollte. Seine Priester hatten ihm Ähnliches bereits zuvor eingeflüstert: Du bist der Sol Invictus, - der unbesiegte Sonnengott -. An dir haben wir uns aufgerichtet. Du,

Augustus, bist es! Du hast uns erleuchtet.“ Vittinghof „Konstantin der Große“  Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar    an ihren Flügeln.

 


Solidus mit dem Porträt Kaiser Konstantins mit Lorbeerkranz, geprägt von 310 bis 313 in Trier.  (Victoria verschwindet auf den Münzen nach Justinian Tod)

 

Bettina von Engel sagt: „Konstantin... (ließ sich) nach seiner angeblichen Vision in einem Apollotempel mit einer Prophezeiung, die ihm 30 Jahre Kaisertum vorhersagte, fortan auf Münzen mit dem Sonnengott Sol Invictus darstellen, dem der mit Apoll identifiziert wurde, und der Konstantin eine neue sakrale Herrschaftslegitimation lieferte. Er (selber) stellte sich ... Gott gleich und übernahm dessen Unbesiegbarkeit für sich selbst…“ „Konstantin und seine Familie in Trier“    

 In diesen Zeichen XXX sollst du siegen! Du Konstantin! Deine Herrlichkeit wird grenzenlos sein. Das glaubte er und so handelte er:   

Andererseits stieß er wenig später an seinem Hof und in seinem Heerlager einflussreiche Persönlichkeiten wie Bischof Hosius von Cordoba und Eusebius von Cäsaräa, die ihn ebenfalls christlich bekehren wollten. Er hörte zu! Wo es ihnen ratsam erschien, deuteten sie Konstantins Ideen in ihrem Sinne.  Klug, jedoch nicht immer ehrlich, - oder verdreht christlich -  wenn er zu schmeicheln begann, doch anscheinend stets in bester Absicht, nutzte Eusebius von Cäsaräa jede der sich ihm bietenden Gelegenheiten auf gewisse Ähnlichkeiten der Grundansichten hinzuweisen. Mit zunehmendem Alter lobte Eusebius den Kaiser mit umso größerer Ergebenheit. Bis er ihn kurz vor seinem Ende sogar mit dem Messias verglich. Um 335 nennt er den blutigen Imperator schließlich den ‚Engel Gottes’ den ‚Führer und Herr’, das ‚Werkzeug Gottes’, der ‚Ähnlichkeiten mit dem Logos’ (Christus) aufweise. Patricia Just, „Zum Verhältnis von Staatsgewalt und christlicher Kirche zwischen dem 1. Konzil zu Nicäa (325) und dem 1. Konzil zu Konstantinopel (381)“  

Damit erwies Eusebius sich als Mogler zum Nachteil der damaligen Kirche Jesu Christi. Andererseits gehört er zu denen die zwischen 305-311 vom Staat verfolgt wurden. Er selbst wurde 310 eingekerkert. Er hoffte, dass er das momentane Wohlwollen Konstantins zugunsten vieler sonst schutzloser Mitglieder sicherer machen kann. Das spricht für ihn.

Ein Verwirrspiel ohne Gleichen wurde aufgezogen, Daten und Fakten wurden verwischt. Mit seinen Schmeicheleien ebnete Eusebius auch großen Märchen die Tür. In welcher Reihenfolge und warum gewisses Wichtiges geschah und welche „Geschehnisse“ reine Erfindung sind ist noch immer nicht klar. Bis heute wird erzählt, Konstantin ließ im Oktober 312, unmittelbar vor der berühmtberüchtigten Schlacht gegen Schwager Maxentius, auf die Schilde seiner Soldaten das Christogramm Rho malen, weil es anscheinend zuvor in einer Wolke erschien, da er unter diesem Zeichen siegreich sein würde. Dass aber das Rho, christlich gedacht, schon 312 eine Rolle spielte ist unwahrscheinlich.

„Das Gotteszeichen wird bei Laktanz beschrieben „transvere X littera, summo capite circumflexo“ der quergestellte Buchstabe X wurde an der oberen Stelle umgebogen“ Das ergibt ein Zeichen das nicht dem uns bekannten Christogramm aus X und P, den Anfangsbuchstaben von XPICTOC entspricht und deshalb hat man diese Stelle verschiedentlich mendieren wollen (als Fehler entfernen oder verbessern wollen). Wie aber die Diskussion gezeigt hat, ist dies völlig unnötig, denn das Zeichen mit den quergestellten Balken war durchaus bekannt... wir haben es statt mit einem Chi-Rho mit einem Tau-Rho zu tun, statt mit dem Christogramm mit dem Staurogramm. Diese ist um 200 zum ersten Mal belegt... Zweifelsohne war das  (mit dem Bogen oben)… nicht das Zeichen welches Konstantin benutzte. Er benutzte das Christogramm  … dieses Zeichen ist vorkonstantinisch in vielfacher Weise nachzuweisen, allerdings nicht als Kürzel des Christogramms... Das Chi-Rho taucht schon in jüdischen (Dokumenten) des 1. Jahrhunderts auf. Es sagt: fertig oder brauchbar.... Das Kreuz selbst ist in konstantinischer Zeit noch nicht unter die Kaiserinsignien aufgenommen

worden.“  Seeliger „Die Verwendung des Christogramms durch Konstantin im Jahr 312“ -

Untersuchungen  kath. Theol. Uni Tübingen S. 153, 154, 165

Auf den Feldzeichen der Armee erscheint es erst 324. Ob Konstantin, 324, damit zum Ausdruck bringen wollte, Christus würde ihm beistehen ist ebenfalls unwahrscheinlich. Es hieß: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Du Konstantin! Nicht die Kirche. „In hoc signo Vinces!“ „Dieses“ Zeichen x ist das des Querholzes über der senkrecht stehenden Lanze als Teil des Feldzeichens (des Labarums) der Legionäre des römischen Imperiums. Christen verehrten vor 431 das Kreuz eher ausnahmsweise oder gar nicht, das ist sicher.  

Es hieß: Du Konstantin!... In hoc signo Vinces, witnessed by 40,000 men, the true miracle lies in their unbroken silence about it" Ramsey MacMullen, “Constantine”   

Dem Teils-teils-Märchen wurde eine Propagandalüge hinzugesetzt: Kaiser Maxentius sei – aus „christlicher“ Sicht - der „Tyrann von Rom“ gewesen, deshalb musste er ausgeschaltet werden. Deshalb? Auch diesem Narrativ widersprechen die Dokumente: Maxentius - der Bruder Faustas, (der Ehefrau Konstantins) - hat sich um die Gunst der Christen bemüht und sie gerecht behandelt.  Er „hatte die Christenverfolgungen eingestellt und der römischen Kirche ihren Grundbesitz zurückerstattet. Allerdings Maxentius sah sich beträchtlichen Wirren und zum Teil blutigen Kämpfen innerhalb der Christengemeinden Roms konfrontiert und deshalb gezwungen die Bischöfe Marcellus (307-309) sowie Eusebius (309) in die

Verbannung zu schicken.“ Karl Christ „Geschichte der römischenKaiserzeit“ C. H. Beck, 2002  Zu Bedenken ist erneut, als christliches Zeichen kam das Kreuz erst durch Cyrill von Alexandria (376-444) mit dem Konzil zu Ephesus auf.  

Insgeheim bestritt kaum jemand unter den Informierten, dass Konstantin ungerührt über Leichen ging. Aber als Gott, oder Gottes Stellvertreter auf Erden , durfte er das. Schließlich hielten ihn auch seine Militärs bereits seit 306 für ihren HerrGott, für den sie gerne sterben wollen, um mit ihm im Himmel zu herrschen. Das hatten auch sie viele Male in paganen Gottesdiensten gehört und verinnerlicht. „wir rufen Dich an, wir rufen Dir zu, jeden Sieg zu erringen ist uns heilig und mit uns bist Du der praesens deus - weshalb wir uns nicht fürchten, weshalb es uns eine Ehre ist, Dir unser Leben zu Füßen zu legen – Heil dir…“ Alexander Demandt

„Diokletian und die Tetrarchie“ – „Aspekte einer Zeitenwende  

Tenno Hirohito japanischer Kaiser während und nach dem 2. Weltkrieg, galt als direkter Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu. Damit war er Gott in menschlicher Gestalt. Der letzte Gruß der Kamikaze-Piloten Japans lautete kurz vor dem Aufprall per Funk den traditionellen Schlachtruf „Tenno Heika Banzai“ („Lang lebe der Kaiser“). Oder „Wir treffen uns in Yasukuni“. Sie waren gewiss. Ihre Seelen würden, nach ihrem jähen Ende, hoch verehrt sein.  

Rafael malte, nach Eusebius Beschreibung, 1520 die Vision des Konstantin: „In hoc signo Vinces“.



                                     Das Bild befindet sich in der Sala di Constantino im Vatikan.   

Vielleicht kamen in Konstantin am Abend des 28. Oktober des Jahres 312 Selbstzweifel auf, ob seine Kämpfer der gegnerischen

Schlagkraft gewachsen sein werden.  Eusebius schreibt: Konstantin rief den Gott seines Vaters an. Eusebius erweckte so den Eindruck er hätte Christus um Beistand gebeten. „Constantius Chlorus war (jedoch) bekanntlich ein eifriger Verehrer des Sonnendienstes…  Er betete Herculus Invictus an, oder Sol-Herculus.“  Ed. Rapp „Das Labarum und der Sonnenkultus“    

Das war 312 der Fall. Es scheint, dass Konstantin die beiden Götter und Apollo in „Sol invictus“ vereint sah.  „Wer bin ich?“ „offenbare mir wer ich bin!  Reichst du mir deine Rechte zum bevorstehenden Kampf?“ Schlange-Schöningen „Kostantin der Große und der Kulturkampf“ 1997 S. 385     Bin ich dir gleich? Du gabst mir die Zusage für drei Jahrzehnte meiner Herrschaft. Erst drei Jahre war es her, seit dieser Verheißung.  „Ich bedarf deiner Hilfe mehr denn je!“ Konstantins Gebet, wie es Eusebius von Caesaräa übermittelte, beinhaltete auch Fragen, die jeden von uns beschäftigen: „Wer bin ich?“  

Keinem Christen wäre, solange er an den Jesus der „Frohbotschaft“ glaubte, je in den Sinn gekommen, den altrömischen Sol Invictus anzurufen, wenn er Christus meinte.  Glorreich sollte der Imperator siegen. 

Drei Jahre später marschiert er (noch einmal) in Rom ein. „Am 21. Juli 315 hielt Konstantin seinen feierlichen Einzug nach Rom zur Feier der Dezennalien. Das Fest wurde mit der üblichen Pracht begangen, das Volk beschenkt und große Spiele abgehalten. Zu dieser Feier war der die Schlacht an der Ponte molle (Milvische Brücke) verherrlichende Triumphbogen vom Senat errichtet worden. Sein Bilderschmuck nimmt vom Christentum Konstantins keine Notiz.  

 

Konstantin feierte den Sonnengott als seinen Beschützer...  

 

L‘Orange hat bewiesen, dass es der Sonnengott Sol Invictus ist, der hier als Gott des Kaisers gezeigt wird.“ Heinz Kraft Habilitationsschrift „Konstantins Entwicklung“, Heidelberg 

– Uni Greifswald  

Schon „Kaiser Aurelian stellte das Imperium unter den Schutz des unbesiegten Sonnengottes (Sol Invictus). Mit diesem Gott hatte er über die Parther gesiegt, dabei ließ er das Bild des syrischen Sonnengottes nach Rom bringen. Dieser Gott sollte mit dem griech. Gott Helios, dem römischen Gott Sol und dem persischen Gott Mithras identifiziert werden. Der Kaiser verstand sich (vornicänisch) als Sohn (Emanation) dieses Gottes und als dessen      Stellvertreter      bei    den Menschen.“   Anton     Grabner-Haider-Maier Sol Invictus und das Genie der Militäreinheit     

„Kulturgeschichte des frühen Christentums“  

      


                                    Sol Invictus und das Genie der Militäreinheit 

                                         Konstantin dankt Sol für den Sieg über Schwager Maxebtius 

      



„Erheblich populärer war zu dieser Zeit die Gleichsetzung des orientalischen Mithras mit der Sonne und damit der Idee des "Guten“. Erst in der schweren Reichskrise des 3. Jh.s blieb es Aurelian (270 - 275) vorbehalten, als heidnisches Symbol einer Entwicklung zum "EinGott-Glaube" und als religiöse Manifestation der Reichseinheit den Sol Invictus zeitweilig         zum  alleinigen Staatsgott und den Tag der Tempelweihung in Rom, den 25. Dez. 274, zum Feiertag zu erheben.“ Adventskalender 2009 Ruhr- Uni-Bochum   

Rein heidnisches Denken war es, das Konstantin bald veranlasste ein Konzil einzuberufen, sein Konzil.  Sollte sich jemand gegen ihn stellen, wird derjenige böse Nackenschläge erleiden.   

 

Das Konzil – und die Langlebigkeit seines Geistes 

 

Es tagte vom 20. Mai bis zum 25. Juli 325 in einem von schwerbewaffneten Elitegarden umstellten Saal des kaiserlichen Sommerpalastes zu Nicäa. Der hochintelligente Kaiser zuvor Henotheist, nun der entschiedenste Monotheist, tat so als sei er die Güte in Person: „Als ich wider alles Erwarten von eurem Zwiste vernahm, hielt ich, was ich hörte nicht für unbedeutend... Dass durch meine Vermittlung Abhilfe geschaffen werde, rief ich ohne Verzug euch alle zusammen... Zögert also nicht, o geliebte Diener Gottes und getreue Knechte des gemeinsamen Herrn und Erlösers von uns allen, die Veranlassung zu eurem Zwist jetzt gleich vorzubringen und die ganze Kette von Streitigkeiten durch Gesetze des Friedens zu lösen.“  Eusebius v. Caesaräa „Vier Bücher über das Leben Kaiser Konstantins.     Zum Anfassen nahe saß der Kaiser, gekleidet wie der auf Gemälden dargestellte altrömische Gott Sol in blendender Pracht vor und neben den Konzilsteilnehmern. Für sie war alles überwältigend, ganz anders als erwartet. Einige hatten irgendwann zuvor Münzen gesehen mit der Aufschrift „Soli Invicto Comiti“ (Dem unbesiegten Sonnengott, dem Begleiter des Kaisers).

Sie duckten sich, wenn sie kamen und gingen. Ihr Weg führte sie stets an den bis an die Zähne bewaffneten Palastwachen vorbei, die respektzollend und zugleich furchterregend salutierten. Der Palastinhaber indessen tat so als ob er die Kirche liebe, doch die schon bald Reuigen unter den in Nicäa versammelten Bischöfen stellten ununterbrochen Vergleiche an. Man tauschte sich aus. Da sei nur ein einziger Gott flocht Konstantin wiederholt ein. Das wirkte jedes Mal wie ein kleines Erdbeben, denn da waren zwei, mit dem Heiligen Geist drei. Einige Bischöfe besaßen daheim sogar eine Abschrift eines Briefes des berühmten Tertullian, den er etwa um das Jahr 200 geschrieben hatte. Da hieß es eindeutig: "Wir lehren allerdings zwei, den Vater und den Sohn und eigentlich drei mit dem heiligen Geist, entsprechend dem Wesen der Ökonomie, die eine Mehrzahl bedingt... dennoch nehmen wir den Ausdruck zwei Götter und zwei Herren niemals in den Mund…Um ihnen (d. h. den Häretikern) kein Ärgernis zu geben, haben wir den Grund angegeben, warum man doch nicht von zwei Göttern und Herren spricht.“ Max Mühl „Zum Problem der Christologie ...“ 1968 ad Praxean c. 13 und 19. c. 13 

Doch „des Kaisers Wille entschied“ A. von Harnack  

Arius senkte den Kopf, biss sich wohl auf die Zunge, als schließlich das kaiserliche Urteil fiel: „dem Besitz arianischer Schriften folgt die Todesstrafe.“  

Arius ein großer, ruhiger Mann, widerstand dem hartgesottenen Imperator unerschrocken bis zuletzt, - wenn auch vergebens.

Der Kaiser wollte aus der bestehenden Kirche eine andere machen, das wurde bald auch dem Naivsten bewusst.   

Ältester Arius geriet samt seinen Gewissensentscheidungen in Lebensgefahr. Und die anderen? Das Unverständlichste von der Welt sollten sie akzeptieren und ihre neue „Überzeugung“ schriftlich bekunden? Für alle Beteiligten erhoben sich nie zuvor gestellte Fragen, darunter die: Welche Befugnis hätten sie, die 200 (vielleicht 300) überhaupt, für die Gesamtkirche zu sprechen? Und freiwillig sowieso nicht. Sie waren ursprünglich allesamt darin geschult auf den Geist einer Sache zu achten. Unvergessen, Konstantins Geist verlor sich selbst in den fernsten Zeiten nie, nie ganz und gar. Im Hauptstrom der europäischen Kirchen bewies Spaniens Klerus noch 1200 Jahre später indirekt, dass er sein windschiefes Verständnis vom Christentum auch Konstantin „verdankte“.

 


Arius unter den „Siegerfüßen“. Im griechischen Kloster Mégalo Metéoron soll und will dieses Gemälde darlegen was in Nicäa wirklich geschah:





Die Giralda ist das Wahrzeichen der Stadt Sevilla   

„Giraldillo ist die den

(christlichen)

Glauben darstellende

weibliche Figur mit der Fahne Konstantins.“ Baedekers  

Reiseführer, Spanien, 5. Auflage, 1992. S. 584  

Die Giralda ist zugleich und ungewollt für die Betroffenen das Symbol der Geschichte des königlichen Wortbruches der Vertreibung von 800 000 Mauren aus

Spanien, sowie der Ausgrenzung der Juden. Beide Aktionen, zwischen 1492 und 1609 unter dem Kreuz ausgeführt, gehören zu den schändlichsten in der Historie der „Christen“heit. Bezeichnend ist, dass der Hauptschuldige, Erzbischof Don Juan de Ribera, Valencia, durch Papst Pius VI., am 18. September 1796, für dieses Verbrechen und seine Intoleranz „selig” gesprochen wurde. Die ehemalige Moschee wurde umgebaut Nun ist sie die größte Kathedrale der Christenheit (Catedral de Santa María de la Sede) in Spanien.

 

Konstantin stellte die Bischöfe steuerfrei, schränkte den Zugang zum Priestertum ein.   

  

Er bestimmte fortan die Regeln, wer und ob jemand das zuvor jedem würdigen Mann zustehende Priestertum erhielt.

„Konstantin (hatte mit und in Nicäa) die Verfügung getroffen, Angehörige des Klerikerstandes generell von curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der Curiales (den Stadtadel) dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen  abzustreifen und eine Position im Klerikerstand anzustreben.“ Jörg Köpke „Die

italischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft (490 – 552) 2006

Schon bald nach Nicäa kam es zu regelrechten Wettrennen um einen Bischofssitz.Ein Posten im höheren Klerikat, speziell die Bischofswürde, offerierte dem Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen, auch wenn sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs befanden. Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das Eintreiben der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an die Kirche zu verlieren…“. Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006     Nicht wenige Reiche brachten den Geist der Vorteilsuche in die Kirche. Schon ihre Gesichter verrieten sie. Es tat der Kirche nicht gut, dass es nun eher um den Genuss der Privilegien ihrer Bischöfe ging, als um das eigentlich Christliche. Steuerflucht durch Taufe, galt zwar als Straftatbestand, aber niemand konnte den Trend brechen… Die „Privilegierung der Kleriker führte... unmittelbar zur Beschränkung des Zugangs zum Priestertum.“  J. Martin „Spätantike und  Völkerwanderung“ Oldenburg, 2001   

Aus wohlweislich ehrenamtlicher Kirchen-Arbeit bezahlte zu machen, war ein Vergehen ersten Grades. Wenn ein Priester vom Brotgeber abhängig wird, weiß man nie ob er dessen Lied singt oder das des Christus. Um 220 tadelte Hippolyt die „schismatische“ Gemeinde der Theodotianer in Rom die ihrem Bischof ein Gehalt   als     Aufwandsentschädigung     zahlte. „Das sei eine   gräuliche Neuerung.“  Jungklaus,  Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts“  

Eingriffe wie diese änderten natürlich die seit Apostelzeiten bewährten Gemeindestrukturen.  Vornicänisch erlangten mit den Jahren die fast erwachsenen Jungen nacheinander, die niederen, die aaronischen Priestertumsgrade, zuerst das Aaronische, dann das höhere, das Melchizedekische - lt Hebräerbrief 5. „Bei der Ordination von Diakonen durch den Bischof verspricht dieser, wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann er später das erhöhte Priestertum empfangen...“ Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts“  

Das gehörte zum Prozess der Vervollkommnung jedes Einzelnen: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht." 1. Petrus 2: 9 

Hinzugefügt werden muss, dass die Dokumente eine organisierte Mitarbeit der Frauen zu Hippolyts Zeiten bestätigen. Allerdings konnten Frauen nicht Älteste und Priester werden. Handelte es sich doch um „ein Rollenspiel (eine Symbolrolle) In ihm vertritt der Priestertumsträger Jesus und der war ein Mann.“ Kardinal Lehmann 1992       Sogar Luther verstand es erstaunlicherweise nicht.  Er meinte, jedes getaufte Mitglied der Kirche trägt diese Würde (des Priestertums) von Geburt an. Wer aber traf jemals einen nicht professionellen Protestanten, der sich selbst für einen Priester hielt?  

Das Denken im protestantischen Raum, „ich kann nichts zu meiner Erlösung beitragen“, würgt zusätzlich nahezu jegliche Eigeninitiative der Laien zur Bewahrung der Evangeliums-Grundwerte ab. Die Erwählung des paulinischen „sola gratia“, zum Generalmotto, bremst obendrein. Wozu „Kirche“ überhaupt? Gute Gesellschaft findet man doch in seinem Klub. Der aktuelle Mitgliedeschwund hängt auch damit zusammen. Vor 325 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’. Inthronisierungen gab es, frühestens im 5. Jahrhundert und zunehmend feierlicher ab dem 11.

Schon zu Zeiten der Diskussionen in Nicäa sah der Kaiser voraus, dass er sich und seiner Armenkasse eine zu schwere Bürde auflädt und brachte das Zölibat ins Spiel.  Zu viele Priester würden fortan praktisch Gehaltsempfänger, denn seine Kirche, sobald sie vom Staat geförderte Institution ist, wird ins Unermessliche wachsen, zumal man da „absahnen“ kann. Konstantin legte seine Absicht offen. Daraufhin gab es Widerstand. „Bischof Paphnuties erhob sich ”. 17 Jahre zuvor wurde ihm, seines Glaubens wegen, ein Auge ausgestochen, sowie die Sehnen der linken Kniekehle durchgetrennt. Er rief “mit lauter Stimme, man soll den Priestern und Geistlichen kein so schweres Joch auferlegen und durch zu große Strenge der Kirche keinen Nachteil schaffen. Er sagte, die Ehe sei ehrbar und … nannte den ehelichen Beischlaf Keuschheit... die Worte des Mannes wirkten.”  Leonhardt Martin Eisenschmid "Über die Unfehlbarkeit des ersten allg. Konzils zu Nicäa"  

Konstantin sah andererseits deutlich, dass Bischöfe in seinem Dienst, ihrer Staatstreue wegen, belohnt werden müssen. 

Kaiser Julian (Apostata), Neffe Kaiser Konstantins, verlangte später die Rückzahlung der Beträge... „das ergab natürlich ein lautes Klagen.“  

    

Die finanzielle Sonderstellung der ‚Kleriker’ musste auch das nichtchristliche Volk bezahlen. „Konstantin hatte im Jahre 326 eine Gold- und Silbersteuer eingeführt, die auri lustralis collatio oder auch chrysargyrion genannt wurde, die jeder zahlen musste, der ein Gewerbe betrieb. Sie wurde zunächst alle fünf, im 5. Jh. alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr. die Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken führte. … Reiche Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten, setzten sich über See ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem Werkzeug, mit dem er sich kaum ernähren konnte...Hunde setzten die Steuereintreiber den fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so dass es sogar vorkam, dass Eltern ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen mussten, um die Steuer aufzubringen.“ Sabine  Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens Fr. Schiller Uni, Jena      

Für alle drängte sich nach der Heimkehr der Konzilsteilnehmer die berechtigte Frage auf:   

 

 

Ist Konstantin der vorhergesagte Anti-Christ?  

  

Sie wiesen auf eine Prophezeiung des Paulus hin: Es kommt „…der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel

Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“  2. Thess. - Kapitel 2: 3  

Der Bibelkommentar zu diesem Text lautet: „Die Wendung, sich in den Tempel  

Gottes setzen, ist wohl bildhafter Ausdruck dafür, dass der Antichrist Gott verdrängen und sich an seine Stelle setzen will…Der Verfasser rechnet damit, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers, in nächster Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird.“ Präambel zur „Offenbarung des Johannes“,  Einheitsübersetzung 1980   Man kann nicht leugnen, dass „…Er (Konstantin) sich ... Gott gleich stellte …“  Bettina von Engel Vortrag „Konstantin und seine Familie in Trier“  

Konstantins Ende  

 

Einiges das Athanasius bald nach Nicäa trieb, gefiel selbst dem Kaiser nicht. Ob es wahr ist, dass er mit den Reedern Alexandrias kungelte, ob man Konstantinopel und damit den Kaiser eventuell unter Druck setzen könnte, weil er Athanasius angeblich kritisiert haben soll? Es ginge um die notwendigen Weizenlieferungen, behaupteten einige seiner Gegenspieler … Athanasius zuvor schon übergriffig, wurde 328 Bischof in Alexandria. Konstantin hörte schon wenige Monate nach Nicäa die Berichte von Unruhen dort. Athanasius spielte sich auf. Bald wendet der Imperator das Blatt. Er lobt die Verhaltensweise der Arianer und äußert sich in Richtung Versöhnung mit Arius. Diese Sinnesänderung hängt auch damit zusammen, dass Konstantins Halbschwester Constantia jahrelang freundschaftliche Beziehung zu Eusebius von Caesarea unterhielt, der ein Arianerfreund war und als ihr Berater galt. Konstantin musste sich zudem von Constantia Vorhaltungen und schweren Tadel gefallen lassen. Er hätte ihr seine Eide zugunsten des Lebens ihres von ihm eingekerkerten Ehemannes Licinius und ihres Sohnes Licinius II. geleistet, die er 325 und 326 brach, indem er sie töten ließ, weil er fürchtete, sie würden eines Tages gegen ihn rebellieren und ihm die Allmacht entreißen. Constantia könnte auch von dem Verdacht getrieben gewesen sein, dass Konstantin ihren Neffen, Crispus, seinen eigenen Sohn, umbringen ließ, weil der als Unterkaiser nach mehreren Gefechten und Schlachten zu viel Ruhm aus Reihen der höchsten Legaten (heute: Generäle) geerntet hatte. Das war Mord, Mord auch an seiner Ehefrau Fausta, weil sie sehr wahrscheinlich zankten. Fausta musste zuvor erleiden, dass ihr Ehemann ihren Vater Maximian erwürgen ließ und bald darauf Bruder Maxentius erledigte, dann gebot er ihr, dass sie auf den Lateranpalast verzichten muss. Dieses Schmuckstück wollte er nach seinem Sieg über Maxentius der Kirche schenken. Seinen extremen Machtwillen schweigend zu ertragen war für Fausta irgendwann unmöglich geworden. Der Kaiser duldete keinen Widerspruch.

Wahrscheinlich wurde ihm nach und nach bewusst, dass die ihm prophezeiten 30 Jahre der Regentschaft rapide abliefen. Der Kaiser zeigte sich jedenfalls gegen sein Lebensende noch entschiedener gewillt Frieden mit Arius dem Erzketzer zu schließen. Für ihn selbst würde sich sowieso nichts Wichtiges ändern, außer, dass die arianisch gesinnten Staatsbeamten in ihrer Kaisertreuen gefestigt würden.  Andererseits musste er den hitzigen und raubeinigen Diakon Athanasius wegen ständiger Kompetenzüberschreitung und Unruheschürung maßregeln. Das geschah denn auch 335. Dem ging voraus, dass „die Anhänger des Arius … und die Fraktion der Meletianer Athanasius tyrannisches Verhalten, die Erpressung von Steuern, die Schändung … und sogar den Mord an einem meletianischen Bischof vorwarfen.“ St. Athanaius Battle Against Arianism 

Der hochbetagte Metropolit Alexander von Konstantinopel, - Konzilsteilnehmer, 325 in Nicäa, - fühlte sich im Seelengrund erschüttert. Das ging ihm gegen den Strich. Er wird Arius nicht rehabilitieren, dass er Arius sogar feierlich zurück in die Gemeinschaft der Orthodoxen zu führen habe, war eine Zumutung. Arius hingegen war versöhnlich eingestellt.  Einen Tag zuvor brach er infolge einer Kolik zusammen und verstarb auf der Straße.  Umgehend kursierten Gerüchte. 

Berichtet wird, dass dieser fanatische Herr Alexander kurz vorher in seiner Basilika zu Konstantinopel laut gebetet hatte „…dass entweder er oder Arius aus der Welt entfernt würden“ Sokrates Scholastikus Kirchengeschichte I XXXVIII.     

Es erhoben sich, seitens seiner Kritiker, bittere Fragen ob einer der Ariushasser des willfährigen Klüngels des Alexander, diese an Gott gerichtete Bitte als Auftrag zum Mord verstand. Immerhin, die Symptome, die den jähen Tod des Ältesten Arius verursachten weisen auf eine Vergiftung durch weißes Arsen hin.  

Konstantin sah wie schnell nun seine letzten Tage verliefen.  Es heißt: „Er selbst hat … den Platz (seiner letzten Ruhestätte) ausersehen... Die eigentliche Beisetzung wird dann durch (Sohn) Constantius vollzogen. Er und seine Heeresabordnungen geleiten den Sarg in die Apostelkirche... Konstantin hatte vorgesehen, dass der Wert der Gebete, die hier zu Ehren der Apostel gesprochen würden, auch ihm zugutekommen. Deshalb ordnete er an, hier Kirche zu halten, und er stellte einen Altar mitten hinein... *... Zwölf Grabmäler wie heilige Säulen richtete er dort auf zu Ehren und zum Gedächtnis des Apostelchors; in die Mitte aber stellte er seinen eigenen Sarg, auf dessen beiden Seiten je sechs der Apostel sich befanden.“ Hermann Dörries „Das Selbstzeugnis Kaiser Konstantins“  

* (Bertelsmann-Universal-Lexikon: „Bis ins 3. Jahrhundert gab es im Christentum keinen Altar.“ Moderne Quellen sagen, dass erst im 4. Jahrhundert Altäre in Gemeindehäusern erschienen)  

Dörries fügte eine Bemerkung Otto Weinreichs aus „Konstantin der Große“ an: „Wie die Apostel an die Stelle der zwölf Götter getreten sind, so Konstantin an die ihres Führers, des dreizehnten Gottes... Seinen Sarkophag…  stellte …man in die Mitte zwischen die zwei Apostelgruppen, … So wie sonst, Christus in der Mitte der Apostel steht.“ Er (Weinreich) versichert, „darüber kann kein Zweifel sein... dass Konstantin zusammen mit den Aposteln verehrt werden wollte und dass an dem Altar für ihn und die Apostel Gottesdienst abgehalten werden sollte.“

Konstantin etablierte auch damit g e g e n Jesus seine eigene, von ihm erdachte „Gottesdienstordnung“ der er lediglich den christlichen Mantel umhängte.  

Das wiederum betrachtete Athanasius als seinen Sieg.  Alle heutigen Gläubigen müssten sich, vor diesem Hintergrund, selbst fragen, wie es um den Wahrheitsgehalt ihre Bekenntnisse steht. 

Mancherlei Kurioses wurde schon zur christlichen Wahrheit erklärt. Aber Hippolyt von Rom erklärte vernunftgemäß, woran christliche „Wahrheit“ zu erkennen ist und sich messen lassen muss: „Auf die Erkenntnis der Wahrheit müssen die Taten der Liebe folgen“ 

 


Es wird angenommen dies sei Hippolyt von Rom (165-235) der einzige von Rom heilig-gesprochene Gegenpapst, Freund des Origenes:

 

Nicht enden wollende nachnicänische Dramen und Tragödien  

  

Athanasius, wo er konnte, mischte weiter kräftig mit, noch gab es ihn. Vor allem in seiner Heimatstadt Alexandria, wann und wo immer er die „trinitarische Neuheit“, auf Biegen und Brechen, als genuin urchristlich durchsetzen wollte fiel er unangenehm auf. 

Ihn ärgerten kursierende Briefe in denen geschrieben stand:  Jesus war und ist und bleibt ein anderer, er ist und bleibt ein zweiter Gott! Das war der von der Mehrheit der „Origenisten“ unentwegt zitierte Satz den Athanasius hasste. Er wollte ihn löschen, in Grund und Boder stampfen.  Darum ging es ebenfalls, den Arianern frech zu unterstellen sie bestritten die Gottheit Christi.  Arius war aus heutiger Sicht deutlich „Origenist!“ Origenes betonte ausdrücklich, dass er nie von der Christuslehre der Kirche abwich… dass Christus von Ewigkeit her Gott war:  „…der Sohn (ist) auf Grund seiner in ewiger Gegenwart *bestehenden Teilhabe am Leben Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit Gott…“ Christoph Brun 2013 „Zur Gotteslehre des Origenes“

Trinitarier drehen an der falschen Schraube, wenn sie behaupten: „Arius leugnete die Gottheit Christi.“ kathPedia 2019  

       * Dominikaner Meister Eckhart (1260-1328) sagte: Der „Seelengrund“ jedes Menschen wurde nicht erschaffen, er ist göttlich.“  Wiederholt führte er aus:  Es ist etwas in der Seele, das unerschaffen und unerschaffbar ist;.“ Zitiert in „Primus articulus“ Artikel 27 von 28 der Bulle Johannes XXII.

Woher weiß er das? Eckhart spekulierte nicht. Bei den „Mormonen“ findet sich derselbe Wortlaut. Lehre und Bündnisse Abschnitt 93: 33-35

Ist hier eine Brücke?

Im Urchristentum, bei Origenes, Arius, Wulfila u.a. Nicht-Trinitariern hieß es nur: Jesus ist dem Vater nachgeordnet! Das ist Zweierlei.  Der Rest ist Haarspalterei mit bösem Ausgang für Millionen…

 

Bereits zur Zeit seiner Heimkehr von Nicäa durfte Athanasius erwarten, dass ihm sein Ruhm vorausgeeilt war. Nun sah er sich im Besitz auch weltlicher Macht, aber davon konnte er nie genug bekommen. Selbst im Militär müsste sich herumgesprochen haben, dass er, der kleine dunkelhäutige Mann als des Kaisers Günstling Wertschätzung verdiente. 

Umgehend wollte und konnte er viele aufwiegeln. Das Volk Alexandrias, einer Hafenstadt mit mehr als einer halben Million Einwohner, war überwiegend heidnischer Gesinnung nicht weniger Rassen. Alle sollten weithin seinem Einfluss unterliegen. Aber es gab gerade im Großraum Alexandrias zahlreiche Arianer, nach seinem Geschmack all zu viele. Niemand - soweit bekannt - hat die Einen wie die anderen gezählt. Doch die Arianer ahnten schon, es kommt mit Athanasius ein gefährlicher Diktator auf, und sie selbst werden bald hilflos dastehen. Man wusste ja, wie es ihren Vorfahren erging. In allen Zeitaltern der Welt rangen Freie gegen Gewaltherrscher, fast immer ohne Aussicht auf Erfolg. So wird es in ein paar Jahren das Athanasius-Diktat geben. 

Bedauerlicherweise sind nicht alle Menschen entschlossen ihr Recht auf freie Entscheidung als absolut unverzichtbar zu betrachten und zu verteidigen. Überall gibt es gewisse Menschengruppen die winkender Vorteile wegen ihr Gewissen verkaufen, auch hier und da treue Arianer, denn das Individualrecht wird oft erst nach seinem Verlust hochgeschätzt. 

Doch immer gibt es starke Seelen die nie aufhören sich zu sträuben und sich gegen das Diktatorische stemmen. Dann kommt es zu seltsamsten Auswüchsen.  „Von den 34 melitianischen Bischöfen in Ägypten... hatte sich ein erheblicher Teil nach Nicäa nicht unterworfen...

In Sachen Ideologie oder Glauben darf diskutiert werden, aber niemals Gefahr oder ein Grad der Degradierung angedroht werden wegen abweichender Perspektiven auf Glaubensbilder. Genau das tun die Trinitarier noch des 21. Jahrhunderts, sie legen den Kopf in den steifen Nacken: „Mormonen sind keine Christen!

Das ist Dehumanisierung.

die Melitianer ... erhoben Klage gegen die Gewalttätigkeiten Athanasius... 334 ließ er eine Zusammenkunft melitianischer Bischöfe und Kleriker mit brutaler Gewalt sprengen... Straßenkrawalle der christlichen Jungfrauen tobten...“ 

Athanasius wollte zweiter Mann in der Kirche werden.  „Der Brief (Kaiser) Konstantins (nach dem Athanasius eine Vorladung der tyrischen Bischöfe erwirken soll) ist mit O. Seek als eine Fälschung des Athanasius anzusehen.“  K. D. Schmidt, E. Wolf und R. Lorenz „Die Kirche in der Geschichte“ ein Handbuch Vandenhoeck & Ruprecht, 1992 S. C 149 u 141-143 

Athanasius überlebte alle Stürme in den nächsten Jahrzehnten. „In seiner 45-jährigen Amtszeit als Bischof von Alexandria wurde er insgesamt fünfmal offiziell abgesetzt und aus der Stadt vertrieben.“ Katholisch. de 

„Ein wahres Spießrutenlaufen erlebte Lucius,* einer der Gegenspieler des Athanasius, als er (Lucius) 367 die Stadt verlassen musste. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde Lucius unter militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet. Alle schrien mit einer Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er abgeholt wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des

Militärbefehlshabers; sie stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen:  ´Werft ihn aus der Stadt“.  Manfred Clauss „Alexandria, Schicksale einer antiken Weltstadt“ 2.  Aufl. 2004 zitiert Athanasius, Historia Arianorum, 5,13 * Lucius war Arianer, wie sein Vorgänger 

Selbst wohlwollende Historiker sind entsetzt zu sehen, was viele Jahrhunderte hindurch athanasianisch-trinitarische Christen nach Nicäa denen antaten, die zu erkennen gaben, anderer Meinung zu sein. 

Nachdem Kaiser Konstantin 337 verstarb, gab es in Reihen der verfolgten Christen Hoffnung, - besonders für die im weiten Osten lebenden - das Thema rund um die „Beschlüsse zu Nicäa“, würde nun, bis zur Bedeutungslosigkeit, heruntersinken. Doch zunächst trat das Gegenteil ein. 

 

 Die Erben – zerstritten bis in den Tod   


     


  

 

Das geteilte Reich vom Westen nach Osten Konstantin II., Constanz, Dalmatius (Neffe K.) und      Constantius II.



Des Kaisers Nachkommen, 




                     Konstantin II. (316-340) links und Constanz (320-350) 



Beide operierten raff-und machtsüchtig im Stil ihres Vaters, bereit einander auszuschalten. Und das, obwohl beide sich als fromme Katholiken ausgaben. 340 war es soweit: Konstantin II ging gegen Bruder Constanz zum Angriff über, - er erhob Anspruch auf Gebiete, die ihm nicht zustanden – und verlor alles, auch sein Leben.  Bruder und Sieger Constanz gelangte dadurch in Besitz des gesamten Westteils des Reiches und herrschte somit, nun überwiegend von Mailand aus, über zwei Drittel des Reichsgebietes. Sonderbar, auch er betrachtete die Kirche als Machtinstrument. Die Betonung liegt auf Instrument.  Deshalb hielt er später in Mailand wichtige Kirchensynoden ab, wie die von 345 und 347.    

Entschieden bekämpfte er alles was arianisch aussah. Zumindest ideologisch gesehen war er a priori Feind seines Bruders Constantius II. (317-361).  

  

                                       Schapur  II.                                       Constantius II. (317-361)



Constantius II ärgerte sich lediglich. Hatte er nicht genug Probleme mit

äußeren  Friedensfeinden wie  den Großkönig Schapur?

 


           Neu-Persien um 350 tiefgrün                                     Constantius Gebietsansprüche grün   

Constantius II. sah sich in der Pflicht die Christen im Reich des rabiaten Persers zu schützen, insbesondere seine Arianer. Es gab möglicherweise mehr als 1 000 Versammlungsplätze von Arianern und Athanasianern innerhalb des Schapur-Reiches oder im Grenzbereich.  Unter den zahlreichen Hinrichtungen – es wird von 16 000 Toten (Märtyrern) berichtet - rückten beide Gruppen näher zusammen, denn gefährdet waren sie unterschiedslos, doppelte Steuerlast mussten sie tragen und sie wurden miteinander von Schapur als 5. Kolonne Roms betrachtet, vierzig lange Jahre hindurch. 

Constantius kümmerte sich um alles. Nun schrieb man das Jahr 340. Er reiste, er hetzte hin und her. Während einer Schlacht mit den Persern, in der er, Constantius II., der sonst Vorsichtige verwegen selbst an der Spitze des Heeres kämpfte, erhielt er möglicherweise in einer Gefechtspause Nachricht vom Gemetzel daheim. Beide Christenparteien gingen massiv aufeinander los, wollten jeweils ihren Bischof auf den vakanten Bischofsplatz Platz setzen.  Alexander – der Mann der so mutig gebetet hatte: Er oder Arius - war 98-jährig verstorben. Die vermutlich knapp 50 Prozent Katholiken unter den Christen der Hauptstadt erwiesen sich als heftigst entschlossen. So wurde der Erzkatholik Paulos I. von Konstantinopel, bereits …im Jahr 337 als Nachfolger des Bischofs Alexander gewählt“ Athanasius hatte sich eingemischt. Die Forschung bestätigt, dass Athanasius den Zank anstachelteEr hatte sich für Paulos I. eingesetzt. Aber die Arianer, der Unterstützung Constantius gewiss, stürzten Paulos.    

„Nach seiner Absetzung (um 339, zwei Jahre nach Konstantins Tod) durch die Arianer floh Paulos I. von Konstantinopel nach Rom. Dort traf er auf Athanasius, der sich ebenfalls im Exil befand. Beide suchten Unterstützung bei Papst Julius I.. Der Papst bestätigte die Rechtmäßigkeit beider Bischöfe (Athanasius für Alexandria und Paulos für Konstantinopel) und forderte ihre Wiedereinsetzung. Diese gemeinsame kirchenpolitische Front in Rom verband Athanasius untrennbar mit den Streitigkeiten in Konstantinopel. Als Paulos 342 nach Konstantinopel zurückkehrte, um seinen Thron gegen den arianischen Gegenbischof Makedonios I. zu behaupten, kam es zu blutigen Unruhen, bei denen der kaiserliche Heeresmeister getötet wurde…“ Britannica   

Auch Katholik Constanz sah, dass er den gegenseitigen Rangeleien und Gehässigkeiten ein Ende setzen musste. So initiierte er: „ein gemeinsames Schlichtungskonzil nach Serdica an der Grenze der beiden Reichsteile Bruder (Constantius II.) ging darauf ein. Die Bischöfe des Westens bestanden auf einer Teilnahme des verbannten Athanasius. Daraufhin verweigerten die Orientalen ihre Mitwirkung. Beide Gruppen exkommunizierten sich gegenseitig. Bei der nächstfolgenden Schlacht (im Jahr 342) um den Stuhl von Konstantinopel soll es 3510 Tote gegeben haben...“ New Advent - kath. Webseite   

Das war die Vollendung der 1. Kirchenspaltung in Ost und West. 

 

Wir wissen, dass es 359 allenfalls 400 abendländisch-nicänische Bischöfe gab und höchstens noch einmal 400 morgenländische, aber unter den insgesamt mehr als 2 000 befanden sich folglich 1 200 auf der arianischen, der Seite der toleranteren.  Noch 20 Jahre nach Konstantins Tod waren zweidrittel aller Bischöfe Arianer.

Constantius stand zu Kompromissen bereit, doch „... nach dem Sturz und frühen Tod des Constanz * …350, suchte Athanasius bei dem Usurpator (Magnentius, dem Mörder des Constanz) Unterstützung gegen Kaiser Constantius II. Diese hochverräterischen Beziehungen kamen ans Licht, und der Kaiser ließ Athanasius durch 2 Synodalbeschlüsse 353 und 355 in Mailand zum 3. Mal absetzen.“    A. Demandt „Geschichte der Spätantike“, 2008     

* Constanz hatte sich durch seine tyrannische Art bei der regulären Armee extrem unbeliebt gemacht und wurde ermordet.  

Constantius II. wurde 351 Alleinherrscher. Es gab nun niemanden von entsprechendem Rang mehr, der ihm im Weg stand, seine arianische Religion als allein wahre, reichsweit durchzusetzen.  

359 rief er die Bischöfe nach Rimini.   

Für Athanasius ging es um Machterhalt. Er mischte sich, wie zu erwarten war, sofort wieder nach Kräften ein. Mitglieder seiner Partei nannte ihn von nun an respektsvoll „Athanasius gegen die Welt“ (Athanasius contra Mundum), zumal unter aufmerksamen Augen des Constantius II. immer mehr Bischöfe zu den Arianern hinüberwechselten. Viele sagten sich und anderen: Wie soll ich mir einem Gott vorstellen, der gesichts- und gestaltloslos ist, der Einer ist und doch drei sein soll?   

Prof. Hans Lietzmann schildert den Verlauf der Rimini-Synode lebhaft: „In Rimini kamen über 400 Abendländer zusammen... die ... Mehrzahl der Bischöfe erklärte, von dem nicänischen Bekenntnis nicht abgehen zu können...“ Sie wurden nun belehrt und schließlich kapitulierten die Trinitarier) … einer nach dem anderen sah ein, dass er eigentlich gar keine Ursache habe, zum Märtyrer des nicänischen Bekenntnisses zu werden. Es war ja freilich als Parole ausgegeben worden, aber doch erst seit wenigen Jahren und nur zum kirchenpolitischen Gebrauch: Im kirchlichen Leben des Abendlandes spielte es (das Nicänum) gar keine Rolle, und wer konnte überhaupt diese griechischen Spekulationen verstehen?  (Vielleicht, war einer da, der darauf verwies, dass daheim die lieben Ehefrauen sich bald von anderen Männern trösten lassen könnten. Sie waren ja fast ausnahmslos Verheiratete. G.Sk.)  „Scharenweise wechselten die milde gewordenen hinüber, schließlich blieb eine Gruppe von 20 Aufrechten übrig, aber auch sie erlagen am Ende dem Zureden des Valens (gemeint ist hier der antinizänische Bischof Valens von Mursa G.Sk.) und sie schickten eine Erfolgsmeldung an den Kaiser, sie möchten nun endlich nach Hause entlassen werden.“ Hans Lietzmann, „Geschichte der Alten Kirche“  

So nun waren sie alle Arianer!

Antitrinitarier.

Athanasius schäumte. „Diesen Wisch von Rimini“ werde er vom Tisch fegen und so sollte es – allerdings sehr, sehr allmählich - geschehen, auch infolge seines „guten“ Verhältnisses zum „Papst“, und es gab weitere Gründe, alle nichttheologischer Art. 

Machtgewinn.  

So war es sieben Jahre später, im Herbst 366 in Rom als Damasus Papst werden wollte. Also handelte er nach dem Motto: Brechstangen bewirken mehr als freundliche Worte. Bischof Ursinus musste hilflos mitansehen, wie seine Gemeinde physisch vernichtet wurde.

Es gibt zwar Aussagen Ursinus sei kein Arianer gewesen, irgendwie erhebt sich jedoch der Verdacht, dies sei eine Schutzbehauptung, denn das Gegenteil, könnte es bewiesen werden, würde heute noch Rom erschüttern. Zeitgenosse Hieronymus, Damasus späterer Sekretär, als Bibelübersetzer berühmt geworden, berichtet nur, dass „jener Heide Prätextat“, der im Jahre 367 so energisch gegen die arianischen Ursinianer einschritt, scherzend zu Damasus zu sagen pflegte: „Macht mich zum Bischof der Stadt Rom und ich will sofort Christ werden!...Im Munde des Prätextatus war das ein sehr bezeichnendes Wort, denn er war der erste und reichste Senator und seine Jahreseinkünfte betrugen mindestens eine Million und 152 000 Thaler unseres Geldes ... Und ich leugne nicht, wenn ich den Pomp der städtischen Verhältnisse ins Auge fasse, dass hiernach (d. i. nach der römischen Bischofswürde) gierige Männer mit aller Anspannung ihrer Kräfte um die Erlangung des Ersehnten ringen müssen. Denn wenn sie ans Ziel gelangt sind, kann es ihnen gar nicht fehlen, dass sie durch die Geschenke der Frauen zu reichen Leuten werden, mit prächtigen Kleidern angetan in Kutschen fahren und so verschwenderische Gastmähler anrichten, dass ihre Diners es selbst der königlichen Tafel zuvortun." M. Rade lic. Theol. „Damasus, Bischof von Rom“  

Damasus reiste stolz mit einer goldenen Kutsche durch die Großstadt! 

Ein von Damasus gefördertes und von seinen Freunden eingesetztes Gericht sprach den Multimillionär frei, hochwahrscheinlich nach dem Motto: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Auch die Urkundenfälscher, Steuereintreiber, Bettelmönche, Ablasshändler vieler Jahrhunderte „leisteten“ ihre Beiträge zur Ausbeutung der werteschaffenden Bevölkerung. Sie raubten unter jeweils frommen Vorwand die letzten Pfennige der Witwen und Waisen. Auch das kennzeichnete den Abfall vom Ideal. Mehr, es war Abfall von Gott, die Ablehnung seiner Grundsätze der Nächstenliebe in der Realität. Jesus sah es voraus und verurteilte den Gruppenegoismus mit Blick auf die Praktiken einiger Pharisäer: „…sie fressen der Witwen Häuser und wenden langes Gebet vor. Diese werden desto mehr Verdammnis empfangen.“ Markus 12: 40  

 Das pro-katholische Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz urteilt großzügig : „Damasus I., Papst, Heiliger, Sohn eines Priesters (eine interessante Randbemerkung G.Sk.)  Er wurde am 1.10. 366 von der Mehrheit (? wo ist der Beleg dafür? G.Sk.) des Klerus zum Nachfolger des am 24.9. 366 verstorbenen Liberius gewählt, während eine Minderheit den Diakon Ursinus zum Gegenpapst erhob. Es kam zwischen beiden Parteien zu blutigen Kämpfen. Auch noch nach der Verbannung des Ursinus dauerten die Streitigkeiten an. Damasus aber setzte sich durch mit Hilfe zweier Reskripte der Kaiser Valentinian I. und Gratian, (?) die die römische Disziplinargewalt anerkannten und die Mithilfe der staatlichen Beamten beim Vollzug kirchlicher Urteile anordneten. Damasus bekämpfte den Arianismus…“  

Damasus hatte den kürzesten Weg zum Erfolg gewählt. Und wie er den Arianismus und noch mehr die Arianer bekämpfte!  Schlimm genug! Aber durch Massenmorde die Vormachtstellung erringen? 

Vormachtstellung! Das ist des schwarzen Pudels Kern: und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt…  

Doch „Gott ist nicht die 'Macht an sich' ... Macht an sich ist böse. Der 'Allmächtige', das ist das Chaos, das Übel, das ist der Teufel ... Dieser Rauschgedanke der Macht, das ist das Chaos, das Tohuwabohu, das Gott ... nicht gewollt hat, als er den Himmel und die Erde schuf." K. Barth „Dogmatik im Grundriss“  

Damasus nahm ein markantes Hitlerwort vorweg: „Den Sieger richtet man nicht.“

 

 

Origenes (185-254) protestierte längst zuvor und mit ihm Joseph Smith (1805-1844) der erste Mormonenprophet      

 

Origenes und Joseph Smith bestanden auf Christi Wort: „Seid Friedensstifter“ Joseph Smith schrieb aus dem Gefängnis zu Liberty, Missouri, nach monatelanger Haft, wegen nie erwiesenem Hochverrat: “Die Rechte des Priestertums sind untrennbar mit den Himmelskräften verbunden und können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden…. doch  



           Joseph Smith gemäß Schilderungen seiner  Zeitgenossen und nach seiner Totenmaske

 

wenn wir versuchen unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen, oder wenn wir auch nur im geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben – siehe dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende...“ Lehre und Bündnisse 121 :

34-37 

Gewalt und Evangelium verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser oder wie Tieffrost zur Wärme.  „Origenes lehrte, dass Gott den Menschen (und alle vernunftbegabten Wesen) mit einem freien Willen erschaffen hat, den er niemals gewaltsam bricht.“ Philipps-Uni Marburg      

Was daraus folgt muss nicht betont werden.

 Christi Werk ist das der Befreiung aller vom Joch des Müssens, der Abhängigkeit von Zwängen und wir dürfen ihm dabei helfen, - eben so gut wie möglich: „Ich bin gekommen den Gefangenen die Freiheit zu verkünden…“ Lukas 4  

Dieser Satz bezieht sich sowohl auf die Gefangenen die nun nachirdisch in der Geisterwelt unfrei sind oder waren, als auch auf die Lebenden. 

Den Frühchristen war wichtig zu betonten, dass es darum geht stets die eigenen Freiheitsrechte einzusetzen um „eine alle völkischen Unterschiede hinter sich lassende Lebensordnung (zu schaffen!) ... (Erst) diese Auffassung vom Ziel der sittlichen Willensfreiheit bringt uns die Loslösung des Menschen vom Zwang irdischer Bindungen.“ Dialog des Bardesanes bei Hans Lietzmann „Geschichte der alten Kirche“      Deshalb finden wir „...de(n) anti-autoritäre(n) Zug bei Origenes.“ Franz Schupp „Geschichte der Philosophie im Überblick“ CCH Canadian Limited Bd 2 

Vor dem „allein wahren Gott“ waren und sind wir alle gleichwertig und folglich gleichberechtigt.

Sogar noch Jahrhunderte nach Nicäa galt die Peitsche Konstantins als ein ebenfalls für „Christen“ geeignetes Mittel um Mitmenschen in Sachen des Glaubens zu reglementieren.  681, mit dem 12. Konzil zu Toledo heißt es denn auch: „... reißt mit der Wurzel die jüdische Pest aus... die jüdische Religion ist verboten! Allen Juden Spaniens wird befohlen, sich binnen eines Jahres taufen zu lassen... wer der Gnade der Taufe noch nicht teilhaftig wurde, wird mit einhundert Peitschenhieben, dem Ausreißen des Kopfhaares... sowie der Landesverweisung bestraft... sein Eigentum wird dem Herrscher zur Verfügung gestellt...“ Werner Keller „Und wurden zerstreut unter alle Völker“.

Sowohl aus der Perspektive, eines langjährigen Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie aus der Sicht zahlreicher Chronisten und Religionswissenschaftler von Rang, steht fest: dem Nicänum musste wegen seiner massiven Drohungen gegen Andersmeinende, wie jeder Großlüge, Unfreiheit, Gewalt, Finsternis und Elend folgen.   Traurig genug, dass es so kam. „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...“ Ludwig Hertling S.J., „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“ 

Zu viele Autoritäten die Briefe und Regeln gegen andere schrieben ahmten Konstantin und seinem Wegbereiter Athanasius nach. Bis heute wagen dies die Trinitarier insbesondere die der USA. Es ist vervielfältigter Hass auf diejenigen die Konstantins Kirchenverständnis ablehnten. Ungenießbare Früchte hinterließen die Orthodoxen in West und Ost.  Wo orale Gewalt nicht ausreichte erfolgten aus trinitarischen Händen bis zu Beginn das 19. Jahrhunderts brutalste Strafen jener Art die nur kranke Hirne ausdenken konnten.  

Im Jahr 1808 während des Beginns des Spanienkrieges Napoleons entdeckten französische Truppen in einem Klosterkeller verwahrloste Opfer der Inquisition. Jedenfalls berichtet das der französischen Oberst Charles Lehmanowsky.   Das führte zum generellen Verbot dieser kirchlichen Behörde durch Militärs.   Das Schrecklichste vom Schrecklichen begann „als von Papst Gregor IX. im Jahre 1231 die Inquisition offiziell eingerichtet wurde, (so) begann endgültig die dunkle Zeit des Terrors. Für Unbußfertige und Rückfällige wurde der Feuertod als Strafe bestimmt. Henry, Charles Lea „Geschichte der   Inquisition im Mittelalter“  

Unvorstellbar grausam wurde eben daraufhin der 600-jährige Krieg ! gegen Waldenser, Katharer, und Vaudois geführt.  Doch zu keiner Zeit erwogen die Kirchengewaltigen, ob durch antichristliches Tun die apostolische Sukzessionskette abriss! Erst auf Druck Englands setzte der König Sardiniens und Piemonts, Karl Albert, dem scheußlichen Treiben der Kirche, 1848, durch politische Dekrete ein Ende.  

Es war keineswegs so, dass die Ranghöchsten von sich aus Erbarmen gezeigt hätten. 1208 rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. 20 000 Katharer wurden hingemetzelt.  Massacre at Béziers

„In einer Bibliothek zu Marseille liegt ein Almanach“, und da steht ein positives Werturteil des berühmten Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153) geschrieben. Bernhard verfasste es fünfzig oder sechzig Jahre vor dem Mordbefehl des dritten Innozenz: 

Zuerst stellte er den Nichtkatholiken ein beachtliches Zeugnis aus: „... Es kann nichts Christlicheres geben, als diese Häretiker... Ihre Worte stimmen mit ihren Taten überein. Ein Waldenser betrügt niemanden, er bedrückt niemanden, seine Wangen sind bleich vom Fasten, er isst nicht das Brot des Müßiggangs, seine

Hände arbeiten für seinen Lebensunterhalt.“  Henry, Charles Lea „Geschichte der  Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 112 

 Derselbe Mann, athanasianisch indoktriniert, „betrieb währenddessen durch zahlreiche Schriften, Briefe und Predigten eine der kraftvollsten Kreuzzugspropaganda aller Zeiten.“   Jonathan Riley-Smith: „Die Kreuzzüge“ 

Als er 1146 seine Predigtserie startete formulierte Bernhard: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus. Die schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden.“ Ökumenisches Heiligenlexikon 

Ein Jahr zuvor wankte Bernhard noch: Die von Hetzpredigern aufgestachelten Bürger Kölns, im Begriff die dort erfolgreich missionierenden Katharer (bzw. Waldenser) in die Knie zu zwingen, sollten keinen Bekehrungs-Zwang anwenden. Doch: „er billigt den Eifer des Volkes, nicht seine Tat, denn der Glaube müsse durch Überzeugung, nicht mit Gewalt ausgebreitet werden. Dennoch hält auch er den weltlichen Arm für verpflichtet, das durch die Ketzerei Gott angetane Unrecht zu rächen...“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter Bd. 1, S. 246  

Brutal schrieb Innozenz III., Herr des 4. Laterankonzils: erneut und speziell gegen den Tritheismus der Antitrinitarier gerichtet: „Weltliche Mächte, die sich an der Ausrottung derer nicht beteiligten, die seitens des Papsttums als Ketzer betrachtet wurden, werden nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei. Wer an den Ketzerkreuzügen teilnimmt, genießt dieselben Privilegien wie ein Jerusalemfahrer. Wer hingegen den Ketzereien anhängt, wer sie verteidigt, in Schutz nimmt oder begünstigt, verfällt der Exkommunikation. Nach Ablauf eines  Jahres verliert er seine Rechtsfähigkeit, wird von der Erbfolge ausgeschlossen, Richter verlieren ihre Jurisdiktionsgewalt, Kleriker ihre Ämter und  Pfründen ...“ Kanon 3 Viertes Laterankonzil 

Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658) der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er jedoch ablehnte und deshalb Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer misshandelten Waldenser eingesetzt. Noch zu seiner Zeit „wurden sie gezwungen rot-glühendes Eisen in die Hand zu nehmen“ „Gottesurteile im Mittealter“ 2017    


                                            Man nannte es das Gottesurteil. 

Was hatten sie verbrochen? G e m e i n s a m lehnten die unterschiedlichen „Nebenkirchen“ und ihre zahlreichen Mitglieder das komplette Kirchensystem des Mainstreams ab. Es war die Weigerung eine Religion anzuerkennen die Gewalt gegen jeden übte, der ihre Messen mied. Die Hand des vermutlichen Delinquenten wurde verbunden, nachdem der „Ketzer“ einige Schritte mit dem erhitzten Eisen ging. Nur wenn die Wunde nach wenigen Tagen geheilt aussah, galt die Person als „unschuldig“. Erst 1750 wurden Verfahren dieser Art verboten.  

Teilweise wird immer noch bestritten, dass es vor dem Kaufmann Petrus Waldus (1140-1218) Waldenser gab. Aber die uns zugänglichen historischen Karten sagen etwas völlig anderes. Nicht wenige Tatsachen wurden von trinitarischen Historikern auf den Kopf gestellt. Nicht wenige ihrer Legenden logen, widersprachen sich selbst. 

Die verschiedenen antikatholischen, antitrinitarischen Gruppen hingegen übten nie Gegen-Gewalt, es sei denn sie wurden mit ihren Familien bis zum Abgrund getrieben. Einige ihrer Lehren differierten etwas voneinander, aber nur geringfügig, diese Kleinigkeit scheint ihr einzigen Fehler zu sein. Doch die zahlreichen Übereinstimmungen sind beachtlich. Jede der tausenden Gemeinden der Katharer, Waldenser, oder Vaudois, Albigenser, Bogomilen usw. war zwar bemüht am traditionellen Lehrgut festzuhalten, dennoch kam es jeweils zu Überbetonungen einzelner theologischer Themen. So zum Beispiel zur biblischen Schöpfungsgeschichte: „Ich habe gehört, dass es eine christliche Splittergruppe Italiens gab, die Bagnolesen. Sie behaupteten, ihre Schöpfungslehre stamme aus Apostelzeiten, und die sagt: “nachdem Gott das Weltall schuf, überließ er die Lenkung der Dinge der Natur.“  Henry Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter

Interessant ist ein Satz im Kanon der „mormonischen“ Schriften der Beachtung verdient: „und die Götter hatten acht auf die Dinge, denen sie (im Prozess der Schöpfung) befohlen hatten, bis die Dinge gehorchten.“ Köstliche Perle Abraham 4: 18

Mehr dazu: Origens (185-254) der Sprecher der Urkirche lehrte dass die Schöpfungsgeschichte in Weltperioden nicht in 6 Erdentagen ereignete, dasselbe ist Text von … Köstliche Perle Abraham 4

                                Evangel. Gesamtverband Oberweser Waldensergemeinden um 1200

 

Katharer, Waldenser und die Vaudois erzielten um 1200 große Gewinne.  Sie bildeten damals eine echte – und aus Sicht der Katholiken hochgefährliche - Konkurrenz zur römischen Kirche. Roms oberster Bischof glaubte reagieren zu müssen. „ Der Erlass des Lucius III. auf dem sogenannten Konzil von Verona 1184 gebot allen Machthabern, vor ihren Bischöfen eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen und weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten. Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu bekleiden, bestraft werden... So unternahm es die Kirche, die weltlichen Herrscher zur Verfolgung zu zwingen… Die nächste Antwort ... war die Gründung des Predigerordens der Dominikaner um 1216.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“

Da ist nichts gut-zu-reden.

Überall lobte dagegen das einfache Volk die Missionare der von führenden Trinitariern verfluchten „Neben-Kirchen“. Nun verstanden selbst die Geringsten um was es ging, wenn sie den „Ketzern“ zuhörten. In den römischen Kirchen wurde fast nur lateinisch gesprochen. Selbst Jahrhunderte später sah die Lage für die einfachen Menschen nicht günstiger aus. Selbst die Geistlichkeit begriff kaum was daher geplappert wurde. „Es gab Kirchenfürsten und Äbte die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte … Der Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz (1414 bis 1418) vor den Kirchenfürsten und der versammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ Gustav Freytag, „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“    

Schon zuvor schlug Rom einen Doppelweg ein.

Erstens mit dem 4. Laterankonzil unter Innozenz III. 1215 den militärischen, dann den anerkennenswerten: den eher diplomatischen, durch geschickte Werbung. Der friedliche Weg ist zeitgleich bestückt mit neuer Kirchen-Bauweise: statt der plumpen romanischen übernahm man aus französischen Vorbildern den gotischen, den nun schon hochgotischen Stil. So entstand der Magdeburger Dom, grundgelegt 1209. Der Predigerorden der Dominikaner wurde sieben Jahre später ins Leben gerufen. Nichtsdestoweniger gedieh der Arianismus weithin, weil er einleuchtend daherkam, im Gegensatz zu den rätselhaften Erklärungen der Anderen. „In Polen erlebte der Antitrinitarismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts seine intellektuelle Blüte, bevor er durch die Gegenreformation gewaltsam zerschlagen wurde.“ Die sozinianischen Briefwechsel

      

Nichts ist wohl verwerflicher als Grobschlächtigkeit die sich mancherorts an Redlichen widerlich austobt. Was blieb danach an christlicher Substanz übrig?

Zeremonien in Fülle, den Geist der Erleuchtung, der Geistesfreiheit, der Brüderlichkeit gab es in vielen Jahrhunderten selten oder gar nicht mehr. Isaac Newton konnte am Trinitarismus nicht ein Haar Gutes entdecken, obwohl oder weil er sich innigst über Jahre mit dessen Geschichte befasste. Die in Opposition stehenden wurden nicht nur über den halben europäischen Kontinent getrieben, sondern oft, zu oft mit dem Leben bedroht. Erst Papst Johannes XXIII. bat die Juden um Vergebung und Papst Franziskus demütigte sich, 2015, bis in den Staub als er die Waldenser in Turin in ihrer Hauptkirche aufsuchte. „Ich bitte euch vonseiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der Geschichte gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebuns!“ Domradio.de

Er ist es, den wir lieben!

Soweit ging nur er.  

Die Synode der Waldenser erwiderte, dass die Vergebungsbitte mit „tiefem Respekt und innerer Bewegung“ angenommen wurde. Es sei ihnen jedoch „nicht erlaubt, für diejenigen zu sprechen, die mit Blut und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben, und an ihrer Stelle zu verzeihen“. Aus waldensischer Sicht liegt diese Vergebung allein bei Gott und den Opfern selbst.“  Radio ORF

Zur Gesamtgeschichte gehört der Überblick vom zeitgleichen Wirken Ambrosius und Wulfilas. Sie sind im weitesten Sinne des Wortes: Väter, der Erste ist mit Befürwortung der Religionsunfreiheit, - zielgerichtet kontra Arianismus - Urheber des mittelalterlichen Kirchentums, der Zweite pflanzte den Arianismus in aufnahmebereite Herzen und Köpfe.

Es scheint aus naheliegenden Gründen deutlich, dass hier direkte Linien zu Waldensern und Katharern verlaufen. Es wäre andernfalls unwahrscheinlich, dass die noch um 540 in Norditalien siedelnden, dann von Kaiser Justinian geschlagenen arianischen Ostgoten, sonst ausweglos, in Alpentälern überlebten und irgendwann trafen deren Kindeskinder die Vorläufer der Waldenser.

 


 

 









Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar    an ihren Flügeln. Kurz nach diesem Ereignis ließ er Münzen von sich und Victoria prägen, seiner Schutz- und Schicksalsgöttin, erkennbar    an ihren Flügeln.

 




















Als Unterkaiser der Tetrarchie regierte Constantin Chlorus den Westen: Britannien und Gallien. Nie waren die Grenzen Roms sicher. Die räuberisch eroberten Gebiete mussten kriegerisch möglichst stabil gehalten werden, und immer gab es zudem Feinde in den eigenen Reihen. Diokletians militärische Befehle sollen jedoch sowohl vom Vater wie dem Sohn glänzend ausgeführt worden sein. Konstantin könnte zeitweise mit seiner vom Vater verlassenen Mutter Helena gewohnt haben. Sie war wahrscheinlich der einzige Mensch den er je liebte. In Nikomedia lernte er wie geherrscht wird. Dort verinnerlichte er Schritt für Schritt, was ihn erwartete, falls er seine Träume verwirklicht. Diokletian war sein Vorbild, er war der „dominus et Deus“.   Lobredner schwärmten und lobhudelten vor dem Kaiser: „der Du denen gleichst die Dich zeugten, durch sie regierst Du die Welt unvergleichlich, Du der diis geniti et deorum creatores, der von den Göttern gezeugte und Erzeuger von Göttern... Wie wir auf Erden durch Dich glücklich werdenSogar noch Jahrhunderte nach Nicäa galt die Peitsche Konstantins als ein ebenfalls für „Christen“ geeignetes Mittel um Mitmenschen in Sachen des Glaubens zu reglementieren.  681, mit dem 12. Konzil zu Toledo heißt es denn auch: „... reißt mit der Wurzel die jüdische Pest aus... die jüdische Religion ist verboten! Allen Juden Spaniens wird befohlen, sich binnen eines Jahres taufen zu lassen... wer der Gnade der Taufe noch nicht teilhaftig wurde, wird mit einhundert Peitschenhieben, dem Ausreißen des Kopfhaares... sowie der Landesverweisung bestraft... sein Eigentum wird dem Herrscher zur Verfügung gestellt...“ Werner Keller „Und wurden zerstreut unter alle Völker“.

Sowohl aus der Perspektive, eines langjährigen Mitglieds der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie aus der Sicht zahlreicher Chronisten und Religionswissenschaftler von Rang, steht fest: dem Nicänum musste wegen seiner massiven Drohungen gegen Andersmeinende, wie jeder Großlüge, Unfreiheit, Gewalt, Finsternis und Elend folgen.   Traurig genug, dass es so kam. „Auf die Zeit der Kirchenväter folgten lange Jahrhunderte (!) ohne Glanz. Die Kirche, und mit ihr die europäische Geschichte, tritt, nachdem sie noch soeben durch leuchtende Landschaften gereist ist, in einen dunklen Tunnel ein...“ Ludwig Hertling S.J., „Geschichte der katholischen Kirche bis 1740“ 

Zu viele Autoritäten die Briefe und Regeln gegen andere schrieben ahmten Konstantin und seinem Wegbereiter Athanasius nach. Bis heute wagen dies die Trinitarier insbesondere die der USA. Es ist vervielfältigter Hass auf diejenigen die Konstantins Kirchenverständnis ablehnten. Ungenießbare Früchte hinterließen die Orthodoxen in West und Ost.  Wo orale Gewalt nicht ausreichte erfolgten aus trinitarischen Händen bis zu Beginn das 19. Jahrhunderts brutalste Strafen jener Art die nur kranke Hirne ausdenken konnten.  

Im Jahr 1808 während des Beginns des Spanienkrieges Napoleons entdeckten französische Truppen in einem Klosterkeller verwahrloste Opfer der Inquisition. Jedenfalls berichtet das der französischen Oberst Charles Lehmanowsky.   Das führte zum generellen Verbot dieser kirchlichen Behörde durch Militärs.   Das Schrecklichste vom Schrecklichen begann „als von Papst Gregor IX. im Jahre 1231 die Inquisition offiziell eingerichtet wurde, (so) begann endgültig die dunkle Zeit des Terrors. Für Unbußfertige und Rückfällige wurde der Feuertod als Strafe bestimmt. Henry, Charles Lea „Geschichte der   Inquisition im Mittelalter“  

Unvorstellbar grausam wurde eben daraufhin der 600-jährige Krieg ! gegen Waldenser, Katharer, und Vaudois geführt.  Doch zu keiner Zeit erwogen die Kirchengewaltigen, ob durch antichristliches Tun die apostolische Sukzessionskette abriss! Erst auf Druck Englands setzte der König Sardiniens und Piemonts, Karl Albert, dem scheußlichen Treiben der Kirche, 1848, durch politische Dekrete ein Ende.  

Es war keineswegs so, dass die Ranghöchsten von sich aus Erbarmen gezeigt hätten. 1208 rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf. 20 000 Katharer wurden hingemetzelt.  Massacre at Béziers

„In einer Bibliothek zu Marseille liegt ein Almanach“, und da steht ein positives Werturteil des berühmten Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153) geschrieben. Bernhard verfasste es fünfzig oder sechzig Jahre vor dem Mordbefehl des dritten Innozenz: 

Zuerst stellte er den Nichtkatholiken ein beachtliches Zeugnis aus: „... Es kann nichts Christlicheres geben, als diese Häretiker... Ihre Worte stimmen mit ihren Taten überein. Ein Waldenser betrügt niemanden, er bedrückt niemanden, seine Wangen sind bleich vom Fasten, er isst nicht das Brot des Müßiggangs, seine

Hände arbeiten für seinen Lebensunterhalt.“  Henry, Charles Lea „Geschichte der  Inquisition im Mittelalter, Bd. 1, S. 112 

 Derselbe Mann, athanasianisch indoktriniert, „betrieb währenddessen durch zahlreiche Schriften, Briefe und Predigten eine der kraftvollsten Kreuzzugspropaganda aller Zeiten.“   Jonathan Riley-Smith: „Die Kreuzzüge“ 

Als er 1146 seine Predigtserie startete formulierte Bernhard: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus. Die schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden.“ Ökumenisches Heiligenlexikon 

Ein Jahr zuvor wankte Bernhard noch: Die von Hetzpredigern aufgestachelten Bürger Kölns, im Begriff die dort erfolgreich missionierenden Katharer (bzw. Waldenser) in die Knie zu zwingen, sollten keinen Bekehrungs-Zwang anwenden. Doch: „er billigt den Eifer des Volkes, nicht seine Tat, denn der Glaube müsse durch Überzeugung, nicht mit Gewalt ausgebreitet werden. Dennoch hält auch er den weltlichen Arm für verpflichtet, das durch die Ketzerei Gott angetane Unrecht zu rächen...“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter Bd. 1, S. 246   

Brutal schrieb Innozenz III., Herr des 4. Laterankonzils: erneut und speziell gegen den Tritheismus der Antitrinitarier gerichtet: „Weltliche Mächte, die sich an der Ausrottung derer nicht beteiligten, die seitens des Papsttums als Ketzer betrachtet wurden, werden nach Mahnung exkommuniziert. Nach Ablauf eines Jahres werden ihre Vasallen und Lehnsnehmer von ihrem Treueid entbunden und der Papst gibt ihre Ländereien zur Besetzung durch kirchentreue Christen frei. Wer an den Ketzerkreuzügen teilnimmt, genießt dieselben Privilegien wie ein Jerusalemfahrer. Wer hingegen den Ketzereien anhängt, wer sie verteidigt, in Schutz nimmt oder begünstigt, verfällt der Exkommunikation. Nach Ablauf eines  Jahres verliert er seine Rechtsfähigkeit, wird von der Erbfolge ausgeschlossen, Richter verlieren ihre Jurisdiktionsgewalt, Kleriker ihre Ämter und  Pfründen ...“ Kanon 3 Viertes Laterankonzil 

Bereits Oliver Cromwell, (1599-1658) der auf Antrag des Parlamentes hätte König Englands werden können, (was er jedoch ablehnte und deshalb Lordprotektor wurde), hatte gegen den Vatikan opponiert und sich, wenn auch vergeblich, für die Freiheitsrechte der schwer misshandelten Waldenser eingesetzt. Noch zu seiner Zeit „wurden sie gezwungen rot-glühendes Eisen in die Hand zu nehmen“ „Gottesurteile im Mittealter“ 2017    

Man nannte es das Gottesurteil. 

Was hatten sie verbrochen? G e m e i n s a m lehnten die unterschiedlichen „Nebenkirchen“ und ihre zahlreichen Mitglieder das komplette Kirchensystem des Mainstreams ab. Es war die Weigerung eine Religion anzuerkennen die Gewalt gegen jeden übte, der ihre Messen mied. Die Hand des vermutlichen Delinquenten wurde verbunden, nachdem der „Ketzer“ einige Schritte mit dem erhitzten Eisen ging. Nur wenn die Wunde nach wenigen Tagen geheilt aussah, galt die Person als „unschuldig“. Erst 1750 wurden Verfahren dieser Art verboten.  

Teilweise wird immer noch bestritten, dass es vor dem Kaufmann Petrus Waldus (1140-1218) Waldenser gab. Aber die uns zugänglichen historischen Karten sagen etwas völlig anderes. Nicht wenige Tatsachen wurden von trinitarischen Historikern auf den Kopf gestellt. Nicht wenige ihrer Legenden logen, widersprachen sich selbst. 

Die verschiedenen antikatholischen, antitrinitarischen Gruppen hingegen übten nie Gegen-Gewalt, es sei denn sie wurden mit ihren Familien bis zum Abgrund getrieben. Einige ihrer Lehren differierten etwas voneinander, aber nur geringfügig, diese Kleinigkeit scheint ihr einzigen Fehler zu sein. Doch die zahlreichen Übereinstimmungen sind beachtlich. Jede der tausenden Gemeinden der Katharer, Waldenser, oder Vaudois, Albigenser, Bogomilen usw. war zwar bemüht am traditionellen Lehrgut festzuhalten, dennoch kam es jeweils zu Überbetonungen einzelner theologischer Themen. So zum Beispiel zur biblischen Schöpfungsgeschichte: „Ich habe gehört, dass es eine christliche Splittergruppe Italiens gab, die Bagnolesen. Sie behaupteten, ihre Schöpfungslehre stamme aus Apostelzeiten, und die sagt: “nachdem Gott das Weltall schuf, überließ er die Lenkung der Dinge der Natur.“  Henry Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter

Interessant ist ein Satz im Kanon der „mormonischen“ Schriften der Beachtung verdient: „und die Götter hatten acht auf die Dinge, denen sie (im Prozess der Schöpfung) befohlen hatten, bis die Dinge gehorchten.“ Köstliche Perle Abraham 4: 18

Mehr dazu: Origens (185-254) der Sprecher der Urkirche lehrte dass die Schöpfungsgeschichte in Weltperioden nicht in 6 Erdentagen ereignete, dasselbe ist Text von … Köstliche Perle Abraham 4.

 

„Eisenprobe“   rechts: Evangel. Gesamtverband Oberweser Waldensergemeinden um 1200

 

Katharer, Waldenser und die Vaudois erzielten um 1200 große Gewinne.  Sie bildeten damals eine echte – und aus Sicht der Katholiken hochgefährliche - Konkurrenz zur römischen Kirche. Roms oberster Bischof glaubte reagieren zu müssen. „ Der Erlass des Lucius III. auf dem sogenannten Konzil von Verona 1184 gebot allen Machthabern, vor ihren Bischöfen eidlich zu geloben, dass sie die kirchlichen und weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten. Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu Jede Weigerung oder Vernachlässigung sollte mit Exkommunikation, Absetzung und der Unfähigkeit ein anderes Amt zu bekleiden, bestraft werden... So unternahm es die Kirche, die weltlichen Herrscher zur Verfolgung zu zwingen… Die nächste Antwort ... war die Gründung des Predigerordens der Dominikaner um 1216.“ Henry, Charles Lea „Geschichte der Inquisition im Mittelalter“

Da ist nichts gut-zu-reden.

Überall lobte dagegen das einfache Volk die Missionare der von führenden Trinitariern verfluchten „Neben-Kirchen“. Nun verstanden selbst die Geringsten um was es ging, wenn sie den „Ketzern“ zuhörten. In den römischen Kirchen wurde fast nur lateinisch gesprochen. Selbst Jahrhunderte später sah die Lage für die einfachen Menschen nicht günstiger aus. Selbst die Geistlichkeit begriff kaum was daher geplappert wurde. „Es gab Kirchenfürsten und Äbte die kein Latein verstanden und nicht lesen und schreiben konnten. Nicht viel besser erging es der Mehrzahl der Mönche und der Plebanen, den Pfarrgeistlichen, denen vorzugsweise die Seelsorge für die Laien oblag. Wenn sie beim Gottesdienst Gebete und Reden lateinisch lesen mussten, so buchstabierten sie mürrisch, ohne Verständnis des Sinnes und der Worte, ihnen selbst war barbarisch, was sie beteten, und das galt für natürlich, weil jeder Müßiggänger und faule Bauch sich in den Priesterstand drängte … Der Franziskaner Bernhard Baptisè klagte in einer Predigt, die er auf dem Konzil in Costnitz (1414 bis 1418) vor den Kirchenfürsten und der versammelten Geistlichkeit Europas hielt: „So schlecht sind unsere Geistlichen geworden, dass schon fast die ganze Geistlichkeit dem Teufel verfallen ist.“ Gustav Freytag, „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“    

Schon zuvor schlug Rom einen Doppelweg ein.

Erstens mit dem 4. Laterankonzil unter Innozenz III. 1215 den militärischen, dann den anerkennenswerten: den eher diplomatischen, durch geschickte Werbung. Der friedliche Weg ist zeitgleich bestückt mit neuer Kirchen-Bauweise: statt der plumpen romanischen übernahm man aus französischen Vorbildern den gotischen, den nun schon hochgotischen Stil. So entstand der Magdeburger Dom, grundgelegt 1209. Der Predigerorden der Dominikaner wurde sieben Jahre später ins Leben gerufen. Nichtsdestoweniger gedieh der Arianismus weithin, weil er einleuchtend daherkam, im Gegensatz zu den rätselhaften Erklärungen der Anderen. „In Polen erlebte der Antitrinitarismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts seine intellektuelle Blüte, bevor er durch die Gegenreformation gewaltsam zerschlagen wurde.“ Die sozinianischen Briefwechsel

      

Nichts ist wohl verwerflicher als Grobschlächtigkeit die sich mancherorts an Redlichen widerlich austobt. Was blieb danach an christlicher Substanz übrig?

Zeremonien in Fülle, den Geist der Erleuchtung, der Geistesfreiheit, der Brüderlichkeit gab es in vielen Jahrhunderten selten oder gar nicht mehr. Isaac Newton konnte am Trinitarismus nicht ein Haar Gutes entdecken, obwohl oder weil er sich innigst über Jahre mit dessen Geschichte befasste. Die in Opposition stehenden wurden nicht nur über den halben europäischen Kontinent getrieben, sondern oft, zu oft mit dem Leben bedroht. Erst Papst Johannes XXIII. bat die Juden um Vergebung und Papst Franziskus demütigte sich, 2015, bis in den Staub als er die Waldenser in Turin in ihrer Hauptkirche aufsuchte. „Ich bitte euch vonseiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der Geschichte gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebuns!“ Domradio.de

Er ist es, den wir lieben!

Soweit ging nur er.  

Die Synode der Waldenser erwiderte, dass die Vergebungsbitte mit „tiefem Respekt und innerer Bewegung“ angenommen wurde. Es sei ihnen jedoch „nicht erlaubt, für diejenigen zu sprechen, die mit Blut und anderen Leiden ihr Zeugnis zum evangelischen Glauben bezahlt haben, und an ihrer Stelle zu verzeihen“. Aus waldensischer Sicht liegt diese Vergebung allein bei Gott und den Opfern selbst.“  Radio ORF

Zur Gesamtgeschichte gehört der Überblick vom zeitgleichen Wirken Ambrosius und Wulfilas. Sie sind im weitesten Sinne des Wortes: Väter, der Erste ist mit Befürwortung der Religionsunfreiheit, - zielgerichtet kontra Arianismus - Urheber des mittelalterlichen Kirchentums, der Zweite pflanzte den Arianismus in aufnahmebereite Herzen und Köpfe.

Es scheint aus naheliegenden Gründen deutlich, dass hier direkte Linien zu Waldensern und Katharern verlaufen. Es wäre andernfalls unwahrscheinlich, dass die noch um 540 in Norditalien siedelnden, dann von Kaiser Justinian geschlagenen arianischen Ostgoten, sonst ausweglos, in Alpentälern überlebten und irgendwann trafen deren Kindeskinder die Vorläufer der Waldenser.

 

 

 

 

 


 

 

 

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